Archiv der Kategorie: Fantasy / Science-Fiction

Blazon, Nina – Königreich der Kitsune, Das (Die Taverne am Rande der Welten 3)

Mit „Das Königreich der Kitsune“ ist mittlerweile der dritte Teil von Nina Blazons Reihe um den Jungen Tobbs, der auf der Suche nach seiner Heimat ist, erschienen. Und dieses Mal, so scheint es, hat die Suche endlich Erfolg …

Tobbs und Anguana, seine Freundin mit dem Ziegenfuß, haben schon viel erlebt. Tobbs, der dreizehnjährige Waisenjunge, ist in der Taverne am Rand der Welten groß geworden, die eine Art Knotenpunkt darstellt. Zig Türen aus mindestens genauso vielen Ländern führen in ihren Flur, und Tobbs hat es sich nicht nehmen lassen, einige dieser Pforten auszuprobieren. Doch eine Tür reizt ihn ganz besonders. Sie führt in das Land Doman, wo er seine Wurzeln vermutet, und wurde zugemauert, um zu verhindern, dass er seiner Herkunft auf den Grund geht.

Das kann den neugierigen Jungen und seine kompetente Freundin natürlich nicht aufhalten. Sie lassen die Tür durch den Hauskobold Domojov aufsprengen und gelangen nach Doman, wo sie gleich zu Anfang ihrer Reise von fleischfressenden Pferden und einer weißen Schlange verfolgt werden. Als Tobbs die weiße Schlange tötet, bringt er sich noch mehr in die Bredouille, denn nun wird er steckbrieflich in der Stadt Katuro gesucht. Dabei gerät er in die Fehde zwischen König Tanuki und dem Volk der Kitsune. Durch die Intrige einer Kitsune, also einer Füchsin, die sich in eine betörend schöne Frau verwandeln kann, gerät Anguana in Gefangenschaft, und Tobbs muss zusammen mit seinen Freunden die Quellnymphe befreien. Dass sie dabei auf Minotauren reiten, ist nur eine der Sensationen, die den Leser erwarten, wenn er die Taverne am Rande der Welten betritt …

„Das Königreich der Kitsune“ lässt am Ende die Frage offen, ob die Reihe fortgesetzt wird oder nicht. Sollte Letzteres eintreten, wäre das sehr traurig, denn obwohl der vorliegende Band nicht immer an seine Vorgänger heranreicht, verspricht er doch kurzweiliges und fantasiereiches Vergnügen, wie man es von der Autorin gewohnt ist. Abstriche muss man vor allem am Anfang machen. Hier kommt die Geschichte nicht in Gang und man vermisst das Feuerwerk von Ereignissen und Erfindungen, das Nina Blazon sonst immer auf ihre Leser loslässt. Außerdem ist das Buch auf weiten Strecken zu handlungslastig, so dass die Personen sich nicht richtig entfalten können.

Glücklicherweise geht es im letzten Drittel nochmal richtig rund. Es wird rasant, spannend und sehr actionreich. Trotz des hohen Erzähltempos behält die Autorin einen kühlen Kopf und schafft es, dass die Geschichte in geordneten Bahnen verläuft und trotzdem mit überraschenden Wendungen aufwartet. Ihren Einfallsreichtum vermisst man dennoch. Während die beiden Vorgängerbände mit einer Vielzahl von Wesen aus Mythen und Sagen geschmückt waren, fällt das Ensemble dieses Mal sehr karg aus. Blazon bedient sich hauptsächlich japanischer Quellen, doch die Auftritte ihrer Gottheiten oder Wesen sind kurz und hinterlassen wenig Eindruck. Das ist schade, da dieser Kulturkreis sicherlich einen weiteren Höhepunkt in der Reihe hätte kennzeichnen können.

Liebenswert geblieben sind aber der Erzählstil und die Figuren. Tobbs und Anguana sind interessante, heitere Charaktere, die toll ausgearbeitet sind und vermutlich jedem jungen Leser gefallen. Sie haben etwas Märchenhaftes an sich und wirken wie Helden, mit denen man sich identifizieren kann. Ein besonderes Spannungsschmankerl ist dabei natürlich die Aufklärung von Tobbs‘ Herkunft, die der Autorin gut gelungen ist. Auch die Nebenfiguren gefallen durch ausgefallene Eigenschaften und liebenswerte bis einfach nur lustige Charakterzüge. Sie werden häufig sehr amüsant dargestellt und spendieren der Geschichte Frische.

Der Schreibstil ist zwar nicht ganz so beschwingt und humorvoll, wie man es gewohnt ist, aber er ragt immer noch durch seine witzige Note und eine gute, kindgerechte, aber nicht simple Wortwahl hervor. Auch dieses Mal stören die teilweise neumodischen Begriffe. „Karate“, „Volleyball“ und „Paparazzi“ wollen nicht so recht zu rätselhaften Fuchswesen, Quellnymphen mit einem Ziegenhuf und Höllenhunden mit Mönchskutten passen. Auch wenn sich damit schöne, alltagsnahe Metaphern basteln lassen, wirkt das moderne Vokabular etwas unangebracht.

Alles in allem ist „Das Königreich der Kitsune“ aber eine rasante, vergnügliche Lektüre mit tollen Ideen und einer größtenteils gelungenen und spannenden Handlung. Blazons leichtfüßiger Schreibstil sowie ihr Einfallsreichtum machen auch den letzten Band der Reihe trotz einiger Abstriche zu einem echten Vergnügen.

_Nina Blazon bei |Buchwurm.info|:_

[„Die Reise nach Yndalamor (Die Taverne am Rande der Welten 1)“ 3463
[„Im Land der Tajumeeren (Die Taverne am Rande der Welten 2) 3980
[„Im Bann des Fluchträgers (Woran-Saga 1)“ 2350
[„Im Labyrinth der alten Könige (Woran-Saga 2)“ 2365
[„Im Reich des Glasvolks (Woran-Saga 3)“ 2369
[„Die Sturmrufer (Die Meerland-Chroniken 1)“ 4180
[„Der Bund der Wölfe“ 2380
[„Die Rückkehr der Zehnten“ 2381
[„Der Spiegel der Königin“ 3203
[„Der Maskenmörder von London“ 3983

http://www.ravensburger.de
http://www.ninablazon.de

Windham, Ryder – Star Wars: Darth Vader – Aufstieg und Fall

Darth Vader ist und bleibt die ultimative Persönlichkeit in der unendlichen Sternensaga und strahlt von allen Beteiligten wohl die größte Faszination aus. Von der Lichtgestalt Anakin Skywalker zum finsteren Sith-Lord trägt er den größten inhaltlichen Teil der Geschichte auf seinen Schultern und avanciert zweifelsohne zur Schlüsselfigur aller sechs Filme. Dieser Umstand ist auch dem erfahrenen „Star Wars“-Romanschreiber Ryder Windham nicht entgangen, der sich etwas umfassender mit der außergewöhnlichen ‚Karriere‘ des letzten düsteren Jedi beschäftigt und seine gesamte Geschichte in einem ziemlich kompakten Roman nacherzählt hat. In „Aufstieg und Fall“ verfolgt er den jungen Anakin von dem Moment an, als er mit seiner Mutter Shmi in die Sklaverei gerät, begleitet ihn bei seinen ersten Künsten as Podracer und beschreibt schließlich die erste Begegnung mit Jedimeister Obi-Wan, die sein Schicksal von dem Moment an nachhaltig prägen soll.

Im weiteren Verlauf erfährt der Leser von seinem steilen Aufstieg, seiner Liebe zu Padme Amidala und den ersten Verbindungen zur Dunklen Seite, die ihn schließlich übermannt und ihn kurz vor seinem bevorstehenden Tod in Darth Vader verwandelt. Als solcher unterwirft er sich Imperator Palpatine bedingungslos, marschiert skrupellos gegen die Rebellion und ist bereit, an der Seite Palpatines das gesamte Universum zu unterwerfen. Bis er von seinem todgeglaubtem Sohn Luke erfährt …

Sowie man die Inhaltsangabe liest, wird man sich fragen, welche neuen Erkenntnisse dieser Roman bringt. Und wenn man es ganz knapp auf den Punkt bringt, wird man leicht konstatieren, dass Windham in „Aufstieg und Fall“ nicht anderes tut als die Geschichte Vaders nachzuerzählen, und dies frecherweise auch noch unter Verwendung zahlreicher Filmzitate. Lediglich die Nachzeichnung einiger, leider auch recht aufgesetzt anmutender Gedankengänge ist der bekannten Handlung bislang fremd, allerdings ist dies auch nur Windhams eigene Interpretation der Dinge, die sich garantiert nicht mit derjenigen von Master Lucas deckt.

Andererseits ist es natürlich interessant, Vaders Geschichte von Geburt bis zum Tod ohne jedwede Einsprengsel und Nebenstränge mitzuverfolgen. Der gesamte Sternenkomplott wird sowohl auf politischer als auch auf emotionaler Ebene ausgeblendet und gewährt dem Autor genügend Zeit und Freiräume, um sich ausschließlich mit der Titelfigur zu beschäftigen. Dieser jedoch setzt das Projekt in so ziemlich allen Kapiteln in den Sand, lässt die eigentliche Tragödie zum Nebenschauplatz verkommen und kopiert den gesamten Filminhalt, die Hauptperson betreffend, ohne dem Buch zwischendurch auch mal eine eigene Note zu verleihen. Der Höhepunkt dessen ist schließlich der leicht philosophische Abschluss, der peinlicher kaum noch sein könnte. In diesen Momenten fühlt man sich selbst auch schon mal geneigt, zur Dunklen Seite überzutreten. Schwamm drüber.

Abgesehen von den Darstellungen aus Anakins Kindheit ist „Aufstieg und Fall“ ein absolut dürftiger Roman: frei von Spannung, frei von Eigenständigkeit und selbst für den hartgesottenen Fan frei von Interesse! Als hätte gerade die Galionsfigur der Saga nicht mehr zu bieten gehabt, Mr. Windham. Da gönne ich mir doch lieber das audiovisuelle Vergnügen.

http://www.paninicomics.de/?s=gruppen&gs__gruppe=10019

Basu, Samit – letzte Held, Der (Gameworld-Trilogie, Band 1)

Unter mordgierigen Lampengeistern, rosa Trollen und korrupten Krähen überlebt nur, wer ein wahrer Held ist. Der unbedarfte Prinz Asvin soll den finsteren Herrscher Danh-Gem daran hindern, die Weltherrschaft zu übernehmen. Unterstützt wird Asvin von der schönen Maya, dem geheimnisvollen Magier Kirin und dem Kampfkaninchen und Reiseschriftsteller Stahl-Bunz. Doch die Mission ist ebenso aberwitzig wie gefährlich …

Zwei Helden, und jeder will die Welt retten. Doch es kann nur einen geben. In diesem rasanten epischen Abenteuer trifft indische Magie auf Terry Pratchett, »Alice im Wunderland« und all das, was uns im Westen heilig war.

Samit Basu, geboren in Kalkutta, ist der erste indische Fantasy-Autor, der international Erfolge feiert. In seinem sensationellen Debüt verwebt er indische Mythen und westliche Popkultur zu einer unwiderstehlichen Mixtur: Die Prophezeiungen berichten vom Erwachen des schrecklichen Rakshas Danh-Gem und von der Ankunft eines Helden, der sich ihm entgegenstellen wird. Als der Tag der Rückkehr Danh-Gems naht, macht man kurzerhand den Prinzen Asvin zum Retter. Doch dann sind da noch die schöne Maya und der junge Zauberer Kirin. Wer ist der prophezeite Retter – und wer Vernichter der Welt?

Samit Basu, Jahrgang 1979, gibt an, dass er den ersten Teil seiner |Gameworld|-Trilogie „Der letzte Held“ förmlich schreiben |musste|. Er schmiss sein Studium hin und schuf in vier Monaten ein Fantasywerk, das munter mit verschiedenen Mythologien und Fantasyelementen spielt und sie zu einem interessanten Text-Cocktail vermischt. Aber auch der Humor kommt nicht zu kurz, wenn dieser auch hin und wieder etwas ‚bemüht‘ wirkt, was ihn aber dennoch nicht schmälert. Man muss sich auf Samit Basus besondere Art einlassen, dann lässt sie einen nicht mehr los.

Die Handlung des ersten Teiles der Trilogie bewegt sich im Wesentlichen auf zwei Ebenen rund um die beiden Helden-Aspiranten Kirin und Asvin, von denen sich aber für den Leser recht schnell der wahre Held herauskristallisiert. Insoweit wartet das Buch, was seine Titelgebung angeht, nicht wirklich mit einer Überraschung auf, die das Ende noch einmal würzen würde. Dennoch birgt es so viele fesselnde Erzählelemente, dass es den Leser bis zur letzten Seite an sich bindet Es ist zwar kein Pageturner, aber es unterhält ‚anders‘ und sticht somit aus der Masse der Fantasytitel heraus, die jedes Jahr in größerer Zahl den Buchmarkt erobern wollen.

„Der letzte Held“ – das ist abwechslungsreiche Fabulierfreude mit der Kunst, klassische Fantasyplots in ein neues Gewand zu kleiden und dabei noch erfrischend unbekümmert indische, ägyptische und sonstige Mythologien zu verquicken. Selbst das Lied der Sirenen findet in dem Plot Einzug, ebenso eine Persiflage auf Hollywood. Da tummeln sich Völker und Fabelwesen, die den beiden Heldenanwärtern und ihren Freunden und Begleitern eine fantasievolle Kulisse bieten. Sei es „Rote Perle“, eine schöne Zentaurin, oder „Stachel“, eine Mischung aus Pavian, Stachelschwein, Wildschwein und Yeti (man stelle sich diese Mischung nur vage vor!) – um nur zwei zu nennen.

Samit Basus Stärke liegt in der Vielfalt, in die er den Leser einbindet; bei ihm sind Helden nicht nur Helden, haben junge Magierinnen normale weibliche ‚Gelüste‘ und die Charaktere Profil – allesamt. Und genau das macht „Der letzte Held“ zu einem wahrlich guten Buch, neben dem Aspekt, fantastisch anders zu unterhalten – auch das ist Samit Basu gelungen, und er wurde zu Recht nicht nur in Indien zu einem Shootingstar.

Ein kleines Manko sei dennoch erwähnt. Was den Lesefluss etwas trüben könnte, sind die unzähligen ausländischen Bezeichnungen, die auf die Dauer störend wirken. Wer sich daher vor der Lektüre mit den Völkern, Fabelwesen, Helden und Schurken in diesem außergewöhnlichen Buch befassen will, kann dies auf sehr anschauliche Weise über diese beiden Links auf der |1LIVE|-Seite:

http://www.einslive.de/magazin/specials/2007/06/derletzteheld__voelker.jsp
http://www.einslive.de/magazin/specials/2007/06/derletzteheld__helden.jsp

Trotz dieses einen kleinen Negativpunktes wirkt der Text wie aus einem Guss, dem man nur allzu gerne folgt. Und da der zweite Teil ‚vor den Toren der Leserschaft‘ seiner Veröffentlichung harrt, sei jedem geraten, der bisher noch keine Gelegenheit hatte, „Der letzte Held“ zu lesen, dies schleunigst nachzuholen.

Ein paar Worte zur Aufmachung des Buches: Das Covermotiv ist stimmungsvoll phantastisch, das Papier exzellent, auch das kleine handliche Taschenbuchformat erfreut, der Satz ist erstklassig – nur das Lektorat hätte etwas besser sein können, trübt aber keineswegs das Gesamtbild.

„Der letzte Held“ ist somit rundum ein empfehlenswertes Buch, dessen Handlung andere Pfade betritt und auf dessen Fortsetzung sich der Leser freuen kann.

|Originaltitel: The Simoqin Prophecies, Peguin Books India, Indien, 2004
Paperback, 528 Seiten
Aus dem Englischen von Andreas Brandhorst
Titelillustration: Korj, Agentur Luserke
Titelgestaltung von HildenDesign, München|
http://www.piper-verlag.de

Haydon, Elizabeth – Tochter der Sonne (Rhapsody / Symphony of Ages)

Rhapsody Saga

Band 1: Rhapsody: Child of Blood, Tor 1999, ISBN 0-312-86752-2
Tochter des Windes, Heyne 2003, Übersetzer Michael Windgassen, ISBN 3-453-86372-0
Band 2: Prophecy: Child of Earth, Tor 2000, ISBN 0-312-86751-4
Tochter der Erde, Heyne 2003, Übersetzerin Christine Struth, ISBN 3-453-87069-7
Band 3: Destiny: Child of Sky, Tor 2001, ISBN 0-312-86750-6
Tochter des Feuers, Heyne 2004, Übersetzer Michael Siefener, ISBN 3-453-87549-4
Band 4: Requiem for the Sun, Tor 2002, ISBN 0-312-87884-2
Tochter der Zeit, Heyne 2005, Übersetzer Michael Siefener, ISBN 3-453-87911-2
Band 5: Elegy for a Lost Star, Tor 2004, ISBN 0-312-87883-4
Tochter des Sturms, Heyne 2006, Übersetzer Michael Siefener, ISBN 3-453-52067-X
Band 6: The Assassin King, Tor 2007, ISBN 0-765-30565-8
Tochter der Sonne, Heyne 2008, Übersetzer Michael Siefener, ISBN 978-3-453-53256-4
Band 7: The Merchant Emperor, Tor 2014, ISBN 978-0-7653-0566-4
Band 8: The Hollow Queen, Tor 2015, ISBN 978-0-7653-0567-1
Band 9: The Weaver´s Lament, Tor 2016, ISBN 978-0-7653-2055-1

Lost Journals of Ven Polypheme

The Floating Island, Starscape 2006, ISBN 0-765-30867-3
The Thief Queen’s Daughter, Starscape 2007, ISBN 978-0-7653-0868-9
The Dragon’s Lair, Starscape 2008, ISBN 978-0-7653-0869-6
The Tree of Water, Starscape 2014, ISBN 978-0-7653-2059-9
(Quelle: Wikipedia.de)

Dank Llaurons Selbstaufopferung sind Rhapsody und Meridion Anwyn noch einmal entkommen. Doch die Drachin gibt nicht auf. Zwar hat Achmed sie mit seiner Cwellan schwer verwundet, aber Drachen sind zäh. Anwyn macht sich auf die Suche nach Kurimah Milani, der versunkenen Stadt der Heilung.

Rhapsody ist derweil nach Navarne zurückgekehrt, wo sie nun zusammen mit ihrem Mann Ashe, dem jungen Gwydion, Anborn, Achmed und Grunthor Kriegsrat hält. Da platzt Constantin, der Patriarch von Sepulvarta, überraschend in die geheime Beratung und berichtet, dass Sorbold offenbar nicht nur versucht, Roland und seine Verbündeten anzugreifen, sondern auch nach dem Kind der Zeit sucht – nach Meridion! Sofort beschließt Ashe, Rhapsody und Meridion zu ihrem Schutz mit Achmed und Grunthor nach Ylorc zu schicken.

Vor ihrer Abreise nimmt Rhapsody noch kurz Gwylliams kleine Schwester Mellisande beiseite und schickt sie auf eine Mission: Sie soll zu den Filiden gehen und Gavin bitten, ihr bei der Suche nach Elynsinos helfen, denn die Drachin scheint verschwunden zu sein. Mellisande ist begeistert von diesem Auftrag. Aber sie hat Navarne kaum verlassen, da wird sie angegriffen!

Kurz danach brechen auch Constantin und Anborn nach Sepulvarta auf und sammeln unterwegs so viele Truppen, wie die einzelnen Posten entbehren können. Doch sie kommen zu spät …

Und Ashe, dessen Drachennatur die Trennung von Rhapsody als unterträglich empfindet und der jetzt nur noch das kleinliche, selbstsüchtige Gezänk der rolandischen Herzöge hat, um sich abzulenken, droht der intriganten Portia ins Netz zu gehen …

_Bezüglich der Charakterzeichnung_ hat sich nicht viel getan. Alle auftauchenden Personen sind mehr oder weniger bekannt, oder sie sind Randfiguren, die nur gelegentlich kurz auftauchen.

Die einzige Ausnahme ist Rath, ein Drakhier, der nicht nur F’dor jagt, sondern offenbar auch Achmed. Die Entwicklung seines Handlungsstranges deutet darauf hin, dass er im weiteren Verlauf des Zyklus noch wichtig werden wird, über seinen Charakter gibt es allerdings bisher nicht viel zu sagen. Das Einzige, was er im Sinn zu haben scheint, ist die Dämonenjagd.

Unverändert geblieben ist auch, dass Rhapsody, Achmed und Grunthor in der Fülle der weiteren Charaktere und Handlungsstränge ein wenig untergehen. Schade, denn ich hatte gehofft, die Autorin würde ihren Hauptprotagonisten irgendwann wieder mehr Gewicht verleihen.

_Leider scheint das bei der Vielzahl an Handlungssträngen_ kaum mehr möglich. Tatsächlich sind es inzwischen so viele, dass zum Beispiel derjenige um Dranth, den Nachfolger Estens als Anführer der Rabengilde von Yarim, nur einmal auftaucht und dann gerade mal zwanzig Seiten umfasst. Ähnliches gilt für die kurze Sequenz um den Nain-König Faedryth und seinen Lichtfänger oder das Treffen der Drachen.

Nicht, dass die Autorin ihre vielen Fäden nicht sauber und flüssig miteinander verknüpft hätte. Der Teppich ist inzwischen einfach nur so breit geworden, dass die einzelnen Streifen nicht mehr so recht vorwärts kommen. Um die Handlung überall ein bis zwei Schritte weiterzuführen, braucht die Autorin inzwischen das halbe Buch. Obwohl sie zügig erzählt und eine Menge Leute eine Menge Dinge tun, bleibt beim Leser am Ende doch der Eindruck, auf der Stelle zu treten. Zu dünn gestreut sind die Aspekte, die spürbare Auswirkungen auf die Entwicklung der Handlung haben. Manche sind einfach noch zu sehr in der Vorbereitungsphase, um sich auszuwirken, manche dienen auch nur der Ausschmückung des Hintergrundes.

Als die Dinge dann endlich in Bewegung zu geraten scheinen, ist das Buch plötzlich zu Ende. Dabei war die Szene, in der Rath den Dämonen Hrarfa stellt, eine der besten des ganzen Buches. Geschickt lenkt die Autorin hier die Erwartungen des Lesers in eine bestimmte Richtung, nur um ihn dann völlig zu überraschen. Hier hat sich der Spannungsbogen endlich mal ein wenig gestrafft und das Geschehen zeigt gravierende Folgen für den weiteren Verlauf. Davon hätte es ruhig mehr geben dürfen. Und es ist ja nicht so, als wäre dafür nicht noch Platz gewesen. Zwar ist dieser sechste Band des Zyklus genauso groß gedruckt wie seine Vorgänger, er hat aber deutlich weniger Seiten, die außerdem vom Format her um ein Drittel kleiner sind.

Die schiere Masse an Stoff bringt es außerdem mit sich, dass Selbiger an so mancher Stelle durcheinander gerät. So schreibt die Autorin über Sepulvarta, dass die Stadt auf Anweisung Constantins versiegelt wurde, und nennt diese Maßnahme als Grund dafür, dass die Stadt nicht zerstört wurde. Kurz darauf erlebt der Leser mit, wie die Truppen Sorbolds in die Stadt eindringen und Feuer ausbricht. Außerdem scheint Elizabeth Haydon mit sich selbst nicht ganz einig zu sein, welches Kind aus der Prophezeiung der schlafenden Kinder nun welches ist. Mal ist das schlafende Mädchen aus lebendigem Stein unter den Bergen von Ylorc das erste Kind der Prophezeiung, mal ist es das zweite.

_Nicht zum ersten Mal_ stellte ich mir deshalb die Frage, ob es wirklich sinnvoll ist, einen Zyklus zu solch einem Moloch anwachsen zu lassen. Bei allem Geschick, mit dem die Autorin zum Beispiel zu Beginn des Buches dem Leser die Ereignisse aus dem vorhergehenden Band in Erinnerung ruft, indem sie alles Wichtige als Bericht der verschiedenen Personen in den geheimen Kriegsrat einbringt, lässt es sich doch nicht vermeiden, dass Details in der Wartezeit zwischen den einzelnen Teilen des Zyklus aus der Erinnerung verschwinden. Es macht die Handlung zunehmend träge und unübersichtlich und schwächt den Spannungsbogen. Und viele Ideen, die den Charme der Geschichte ausmachen sollten und könnten – wie Rhapsodys Gesang, die Prophezeiungen oder die Schuppen – gehen in der Flut der unzähligen, einzelnen Aktionen und Maßnahmen, welche die Akteure unternehmen, schlicht unter.

Vielleicht wäre es besser gewesen, die Autorin hätte sich die Mühe gemacht und ihre nach den ersten drei Bänden neu eingebrachten Ideen in einen neuen und unabhängigen Kontext gestellt. Ich bin mir nicht sicher, ob das nicht vielleicht sogar weniger Arbeit gewesen wäre.

_Elizabeth Haydon_ lebt an der Ostküste der USA mit ihrem Mann und drei Kindern. Sie interessiert sich für Kräuterkunde und Geschichte, singt und spielt selbst Harfe. Bevor sie zu schreiben begann, arbeitete sie im Verlagswesen. Außer |Symphony of Ages| schrieb sie auch |The Journals of Ven Polypheme| für Kinder.

http://www.elizabethhaydon.com
http://www.heyne.de

Karpyshyn, Drew – Mass Effect 1: Die Offenbarung

_Story_

Erst seit wenigen Jahren ist die Menschheit Teil der interstellaren Völkergemeinde, kann ihren Einfluss dort jedoch noch nicht geltend machen. Die ihnen entgegengebrachte Skepsis fällt den Menschen auch zur Last, als eine Forschungsbasis an der Grenze des kolonialisierten Weltraums auf Sidon völlig unerwartet angegriffen wird. Commander David Anderson und eine waghalsige Einsatztruppe können die Feinde zwar stellen und vernichten, jedoch erhebt sich rasch der Verdacht, jemand habe die Allianz kurz vor dem Attentat an eine noch unbekannte Macht verraten.

Andersons Spur führt zur technisch begabten Wissenschaftlerin Kahlee Sanders, die genau 24 Stunden vor der Eskalation aus der Station geflüchtet war und somit zur Hauptverdächtigen avanciert ist. Doch Sanders, deren Familienstammbaum eine bedeutende Persönlichkeit innerhalb der Allianz hervorbringt, hat mit dem Anschlag nichts zu schaffen und trat lediglich die Flucht an, da ihr die wahren Motive der Wissenschaft auf Sidon offenbar wurden.

Unter der Führung des genialen Dr. Quian wurde verbotenerweise an der Entstehung künstlicher Intelligenz experimentiert, und Sanders sah sich gezwungen, dies den Behörden zu melden. Nun jedoch, da sich die Ereignisse überschlagen, brutale Kopfgeldjäger die Szenerie säumen und die Verschwörung um die Forschung Quians verheerende Ausmaße nimmt, ist sie auf den Schutz Andersons angewiesen. Doch auf den kompromisslosen Söldner warten in diesem riesigen Haifischbecken noch weitaus größere Gefahren …

_Persönlicher Eindruck_

In „Die Offenbarung“ erzählt Drew Karpyshyn die offizielle Vorgeschichte zum erfolgreichen Science-Fiction-Rollenspiel-Shooter „Mass Effect“, der unter Videogamern bereits jetzt als angehender Klassiker gehandelt wird. Und ähnlich wie in der Konsolenschlacht, so gibt sich auch der Roman ziemlich brutal, sowohl was die Action als auch die Darstellung so manchen Gemetzels anbelangt. Doch ist der hieraus gezogene Effekt letztendlich größer als die Überzeugungskraft der temporeichen Handlung?

Nun, diese Frage galt es in diesem knapp 300 Seiten starken Paperback zu ermitteln, dies jedoch mit überraschend positiven Resultaten. Sind Adaptionen von Videospiel-Storys zumeist eher laue Aufgüsse mit deutlichem Schwerpunkt auf der actionlastigen, spannungsarmen Handlung, kann sich der erste Band zu „Mass Effect“ einer wendungsreichen, flotten und bisweilen auch ziemlich spannenden Geschichte rühmen. Zwar sind die Charaktere im weitesten Sinne austauschbar und der Plot nicht so fesselnd wie die Werke der Science-Fiction-Elite, jedoch stimmen die Atmosphäre und abgesehen von der teils überzogenen Brutalität auch der Inhalt.

Der wesentliche Pluspunkt der Story ist allerdings der Aufbau der völlig neuen Welten, die Autor Karpyshyn hier kreiert. Mit viel Liebe zum Detail schafft er ein ziemlich umfassendes Konstrukt, umschifft dabei geschickt Logikfehler, verstrickt sich trotz komplexer Darstellungen nie in Widersprüche und lässt ganz nebenbei auch noch genügend Freiräume, um die Entwicklung von Handlung und Charakteren zuzulassen und zu forcieren. Lediglich manche Beziehungsgeflechte sind ein wenig verwirrend bzw. nicht ganz so harmonisch ausstaffiert. Stellenweise lässt der Autor diesbezüglich einige interessante Teilstränge fallen, so etwa die Verbindung zwischen Jon Grissom und Kahlee Sanders sowie den Effekt, den diese für die Erzählung hat. Gerade in solchen Passagen schleicht sich der Eindruck ein, als würde reichlich Potenzial verschenkt, bloß um über die gesamte Distanz das hohe Tempo zu halten. Letzteres entwickelt sich aufgrund der rasanten Action und der zahlreich eingewobenen Breaks jedoch wie von selbst. Es geht regelrecht Schlag auf Schlag, man hüpft ständig zwischen den Szenarien, kann aber trotzdem leicht den Überblick behalten, da Karpyshyn insgesamt doch eine sehr gradlinige Struktur bevorzugt.

Diese hohe Geschwindigkeit gepaart mit den vielschichtigen Inhalten der Storyline sowie dem überzeugenden Spannungsaufbau machen „Die Offenbarung“ schließlich zu einem der wenigen Romane aus dem Konsolenbereich, die das Prädikat ‚wirklich lesenswert‘ verdienen. Und da siedelt sich der Auftakt zu „Mass Effect“ gerade einmal unter einem Dutzend qualitativ vergleichbarer Bücher an!

|288 Seiten|
http://www.paninicomics.de/mass-effect-s10514.html
http://masseffect.bioware.com/
http://www.masseffect-game.de/

Haubold, Frank W. – Schatten des Mars, Die

Die Menschheit in einer nahen Zukunft: Die Welt steht im Zeichen von Krieg und Zerstörung. Martins Freund Steve kommt im Kindesalter mit seinen Eltern bei einem Terroranschlag ums Leben. In Gedenken an seinen Freund, der davon träumte, Astronaut zu werden, widmet sich Martin ebenfalls der Raumfahrt. Bereits in seiner Jugend konstruiert er zusammen mit seinen Freunden Jeff und Nikos eine Rakete, später führt ihn sein Weg zur Air Force.

In Deutschland erleidet auch Julius Fromberg einen schlimmen Verlust, als seine Freundin Julia nach einem Sturz auf dem Heuboden stirbt. Julis widmet sein Leben der Forschung. Er studiert Informatik und spezialisiert sich auf die Entwicklung künstlicher Intelligenzen. Sein Traum ist die Erschaffung eines Bewusstseins, das seiner geliebten Julia zum Verwechseln ähnlich sieht und ihren Platz einnehmen kann. Seine Forschungen machen beeindruckende Fortschritte, doch bald muss Julius einsehen, dass ihn sein Ziel vor ein moralisches Dilemma stellt.

Währenddessen kehrt die gefeierte russische Primaballerina Lena, die mittlerweile zum Star des American Ballet Theatre in New York geworden ist, mit inzwischen 46 Jahren für einen Auftritt in ihre Heimat zurück. Ihre Reise beginnt verheißungsvoll mit dem Wiedersehen ihres Jugendfreundes und endet dramatisch mit einem Anschlag während der Aufführung. Lena überlebt, verliert jedoch beide Beine.

Die Wege dieser Menschen führen sie schließlich auf den Mars. Martin ist der erste Mensch, der den roten Planten betritt, der von da an von immer mehr Menschen besiedelt wird. Julius Fromberg entwickelt die Rummdogs, die als mechanische Spürhunde fungieren. Die gläserne Stadt, ein mystischer Ort unter der Oberfläche des Mars, bedeutet für viele Menschen neue Hoffnung …

Altmeister Ray Bradbury und seine [Mars-Chroniken 1294 standen unzweifelhaft Pate für diesen Roman, der sich aus einer Reihe von Erzählungen zusammensetzt. Die Besiedelung des Mars ist das Oberthema, der Fokus liegt jedoch vor allem auf der Entwicklung verschiedener menschlicher Schicksale.

|Bunte Schicksale in mehreren Handlungssträngen|

Der Astronaut Martin, der geniale Erfinder Julius und die Balletttänzerin Lena sind die drei zentralen Gestalten des Werkes. Sie alle haben schwere Schicksalsschläge erlitten, die ihr Leben deutlich geprägt haben. Martin muss in früher Jugend nicht nur den Tod seines Freundes verwinden, sondern auch den des schwerkranken Vaters. Der einstige Marine verliert aufgrund seiner Krankheit nicht nur die Arbeit, sondern zieht sich auch mehr und mehr von seiner Familie zurück. Der zwölfjährige Martin gibt die Hoffnung auf eine Heilung lange Zeit nicht auf, muss jedoch miterleben, wie sich sein Vater zu einem körperlichen Wrack wandelt, das nur noch am seidenen Faden im Leben schwebt. Eine verwirrende Begegnung mit einer Wahrsagerin auf einem Jahrmarkt nimmt die schweren Prüfungen voraus, die ihm in Zukunft bevorstehen. Die Welt, in der Martin heranwächst, ist geprägt von Krieg und Gewalt, doch bei alldem lässt er nie sein großes Ziel, den Mars, aus den Augen.

Julius Fromberg ist schon als Kind ein Einzelgänger, der sich mit Technik auseinandersetzt. Soziale Kontakte werden für ihn erst interessant, als er Julia kennenlernt. Ihr früher Tod ebnet den Weg für seine Forschungen zu künstlicher Intelligenz, die in der Erschaffung der Rummdogs münden. Vor allem im ersten Teil berührt der spürbare Verlust seiner kaum gelebten Jugendliebe, die ihn in einem schweren Zwiespalt führt. Die gleiche Emotionalität erreicht der Handlungsstrang um die Tänzerin Lena, deren Rückkehr in ihre Heimat in einem dramatischen Schock endet und die dennoch nicht zum letzten Mal getanzt hat. So liebevoll ihre Einführung gestaltete ist, sodass sich der Leser über das Wiedersehen mit Jugendfreund Sergej freut, so sehr trifft einen dann die harte Wendung, welche die aufkeimende Romantikstimmung drastisch zerstört.

Eine weitere kleine Rolle spielt die Agentin Miriam Green, deren Weg sich mehrfach mit dem Schachweltmeister Nikolai Borodin kreuzt, den sie einst ausspionieren musste. Einen kurzen Beitrag steuert Autorin Heidrun Jänchen mit der kompakten Erzählung „Adrienne“ bei – die sich beinah nahtlos in die anderen Geschichten einfügt -, in der eine Mutter um ihr früh verstorbenes Kind trauert und auf dem roten Planeten eine Möglichkeit zur Bewältigung ihres Kummers erhält.

Es sind traurige Schicksale, die man als Leser präsentiert bekommt, allerdings durchsetzt mit Augenblicken der Hoffnung und des Glücks. Jeder Lebensweg verläuft unvorhersehbar, und was bleibt, ist der Wunsch, dass jede Figur am Ende das finden möge, was sie sich erträumt. Passend zum anspruchsvollen Inhalt ist die edle Ausstattung der limitierten Ausgabe. Der Roman ist in Leinen gebunden und mit einem Schutzumschlag versehen und innen ergänzen zahlreiche ausdrucksstarke Schwarzweiß-Illustrationen von Björn Lensig den Inhalt, während Brita Seifert das Titelgemälde schuf.

|Nur kleine Schwächen|

Wer sich eine detaillierte, womöglich gar techniklastige Schilderung der Mars-Besiedelung wünscht, wird von diesem Roman sicher zumindest teilweise enttäuscht werden. Die Spannung aufgrund der Unvorhersehbarkeit definiert sich eher als Teilnahme am Schicksal der Charaktere, und temporeiche Szenen tauchen nur selten auf. Stattdessen dominiert eine nachdenkliche bis melancholische Atmosphäre mit teilweise traumartigen Sequenzen. Es ist ein stilles Werk, für das man sich Zeit nehmen sollte.

Aufmerksamkeit erfordern allein schon die verschiedenen Handlungsstränge, die einander rasch abwechseln, und auch die Form eines Episodenromans ist gewöhnungsbedürftig. Innerhalb mancher Episoden fällt zudem ein kleiner Bruch zwischen den poetischen Innenperspektiven und der nüchternen Informationsvermittlung auf, wenn recht unverwoben ein paar neutrale, erklärende Sätze eingeschoben werden. Das fällt umso mehr auf, da der Großteil des Werkes aus einer bilderreichen Sprache mit stimmungsvollen Elementen besteht.

_Als Fazit_ bleibt ein sehr stimmungsvoller Episodenroman über die Besiedelung des Mars, der sich nicht auf die technische Seite, sondern auf das Schicksal der Hauptcharaktere konzentriert. Ein leises SF-Werk, das sich vor allem an anspruchsvolle Leser richtet, und zugleich eine Hommage an Ray Bradburys berühmte [Mars-Chroniken. 1294

_Der Autor_ Frank W. Haubold, Jahrgang 1955, studierte Informatik und Biophysik. Seit 1989 veröffentlicht er in unterschiedlichen Genres. 1997 erschien sein Episodenroman „Am Ufer der Nacht“. Weitere Werke sind u. a. die Geschichtensammlungen „Der Tag des silbernen Tieres“ (mit Eddie M. Angerhuber), „Das Tor der Träume“, „Das Geschenk der Nacht“ und aktuell [„Wolfszeichen“. 4716 Parallel dazu gab er mehrere Anthologien heraus.

http://www.frank-haubold.de/
http://www.edfc.de/

Abraham, Daniel – Winter des Verrats (Die magischen Städte 2)

Die magischen Städte:

Band 1: Das Drachenschwert“
Band 2: „Winter des Verrats“

Zwölf Jahre sind seit den Ereignissen in „Sommer der Zwietracht“ vergangen. Otah hat nach einigen Jahren auf See und auf den Inseln beim Haus Siyanti in Udun als Kurier angefangen und kommt so quasi in der ganzen Welt herum. So landet er unvermeidlich eines Tages auch in seiner Geburtsstadt Machi, und das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als seine drei ältesten Brüder beginnen, um die Nachfolge ihres sterbenden Vaters zu kämpfen …

Kurz zuvor wird auch Maati nach Machi geschickt. Offiziell soll er die dortige Bibliothek nach einer besonderen Grammatik durchsuchen. Der wahre Auftrag des Dai-kvo aber lautet, Otah zu finden. Denn da Otah sich als Junge der Laufbahn als Dichter ebenso wie der Brandmarkung entzogen hat, könnte er möglicherweise den Entschluss fassen, Ansprüche auf den Thron des Khai Machi zu erheben …

Dabei ist Otah gar nicht die wirkliche Bedrohung. Jemand anderer greift nach der Macht, unmittelbar vor der Nase aller Beteiligten, und wird aufgrund des Geschlechtes einfach übersehen: Idaan, die Tochter des Khai Machi, ist der Überzeugung, dieselben Rechte zu haben wie ihre Brüder, und fest entschlossen, diese auch gegen alle gesellschaftlichen Regeln durchzusetzen, koste es, was es wolle!

Auch diesmal wird die Handlung durch eine Hand voll Personen getragen. Drei davon sind neu:

Idaan ist eine äußerst rebellische Person. Schon als Kind hat sie sich die unmöglichsten Streiche geleistet, aus Trotz gegen die Beschränkungen ihrer Geburt: Als Mädchen durfte sie nicht zur Schule gehen, und als erwachsene Frau darf sie nicht arbeiten und hat auch sonst keinerlei Möglichkeiten, selbst über ihr Leben zu bestimmen. Idaans Auflehnung wird immer drastischer und überschreitet schließlich nicht nur die Grenzen des Gesetzes. Dabei ist Idaan bei aller zornigen Entschlossenheit und allem Ehrgeiz nicht wirklich skrupellos, im Gegenteil. Am Ende empfindet sie sich selbst als so unerträglich, dass sie daran zu zerbrechen droht.

Adrah ist nicht nur ihr Bräutigam und Verbündeter, er liebt Idaan auch über alle Maßen. Obwohl er zunächst vor dem Ausufern ihrer Pläne wie ein verschreckter kleiner Junge zurückweicht, verhärtet Idaans Untreue ihn so sehr, dass am Ende er derjenige ist, der die Angelegenheit weiter vorantreibt.

Cehmai, der Dichter von Machi, ist ein umgänglicher junger Mann mit einem Hang zur Neugierde. Als er sich in Idaan verliebt, fällt ihm die Beherrschung des Andaten Steinerweicher allmählich immer schwerer. Denn obwohl Steinerweicher im Vergleich zu Samenlos von schlichtem Gemüt und eher ruhigem Naturell ist, wehrt auch er sich vehement gegen die Bindung an Cehmai, auf seine eigene, fast gutmütige Art.

Otah, der in Saraykeht unter dem Namen Itani gelebt hat, ist ziemlich der Alte geblieben. Noch immer ist er ein freundlicher, umgänglicher Kerl, der leicht Kameradschaft schließt, noch immer ist er anspruchslos und frei von jeglichem Ehrgeiz. Und noch immer hat er sein Leben nicht so auf die Reihe bekommen, wie er sich das wünscht. Es scheint, als wäre es ihm unmöglich, sich endgültig von seiner Herkunft zu befreien, und als er den Umständen schließlich nachgibt, geschieht es fast widerwillig.

Maati dagegen hat sich sehr verändert. Seine Naivität ist großteils einer Mischung aus Enttäuschung und Schuldgefühlen gewichen. Der Dai-kvo hat ihn geradezu degradiert, weil Maati Liat und ihr Kind nicht aufgeben wollte, was letztlich dazu führte, dass Liat sich von Maati getrennt hat. Maati betrachtet sich sowohl in weltlicher als auch in dichterischer Hinsicht als Versager, dabei ist er weder dumm noch unfähig. Es ist nur so, dass Maati ein freundliches Herz und einen stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn besitzt, was ihn immer wieder in Konfrontation mit den Forderungen des Dai-kvo bringt.

Die Charakterzeichnung ist wieder sehr gut ausgefallen. Auch in diesem Band hat der Autor jegliche Schwarz-Weiß-Malerei vermieden. Das zeigt sich vor allem in der Person von Idaan, die zur Abwechslung mal nicht zur emanzipierten Powerfrau geraten ist, sondern an ihrem inneren Konflikt zwischen Freiheitsdrang und Gewissen scheitert.

Die Handlung dreht sich erneut vor allem um Intrigen. Wie in Saraykeht sind auch hier die Galten mit im Spiel; sie wollen ein Manuskript aus der Bibliothek und versprechen dafür im Gegenzug Idaan und Adrah Unterstützung im Kampf um den Thron des Khai. Insgesamt gesehen verbleiben die Galten aber eher am Rande, und um was für ein Manuskript es da geht, wird nicht verraten. Offenbar hat der Autor sich dieses Detail für den nächsten Band aufgehoben.

Im Mittelpunkt stehen vor allem Idaan und ihre komplizierten Beziehungen zu Adrah und Cehmai, sowie Maati, der zu beweisen versucht, dass nicht Otah hinter all den Intrigen in Machi steckt, und das selbst entgegen der Anweisung des Dai-kvo. Dass sich in diese Angelegenheit auch noch eine Partei eingemischt hat, von der er gar nichts weiß, macht es für ihn nicht einfacher.

Mit anderen Worten, es ist alles genauso verwickelt wie beim ersten Band, nur wird es diesmal ein gutes Stück spannender, denn der Autor setzt die Lösung der ganzen Angelegenheit zeitlich unter Druck. Die Verzahnung der verschiedenen Beziehungen und Zusammenhänge war geschickt gemacht, sodass das Buch insgesamt eine wirklich runde Sache geworden ist, eine Einheit ohne Brüche und Knicke.

Der magische Aspekt wurde allerdings immer noch ein wenig stiefmütterlich behandelt. Vielleicht ändert sich das ja, wenn sich im nächsten Band herausstellen sollte, was an dem Manuskript so interessant war, dass die Galten solche Anstrengungen unternommen haben, um es in die Finger zu bekommen.

Bleibt zu sagen, dass mir der zweite Band besser gefallen hat als der erste. Er hatte zwar nicht mehr magischen Zauber als der erste zu bieten, dafür hat sich der Spannungsbogen tatsächlich gestrafft und auch das Erzähltempo hat sich, zumindest gegen Ende, ein Stück gesteigert. Dennoch bleiben die Charakterzeichnung und die Verwicklungen der Intrige die Hauptträger der Geschichte, was ja nicht unbedingt schlecht ist. Wer sich dagegen mehr fürs Monumentale begeistert oder Wert auf fantastische Ausschmückung legt, der sollte besser zu einer anderen Lektüre greifen.

Daniel Abraham lebt mit Frau und Tochter in New Mexico. Bevor er seinen ersten Roman „Sommer der Zwietracht“ verfasste, hat er eine Vielzahl von Kurzgeschichten in Magazinen und Anthologien veröffentlicht, sowie den Kurzroman „Shadow Twin“ in Zusammenarbeit mit Gardner Dozois und George R. R. Martin. Seine Kurzgeschichte „Flat Diane“ wurde für den Nebula Award nominiert. Die Fortsetzung des Zyklus Die magischen Städte, „An Autumn War“, wurde für Juli 2008 angekündigt, der deutsche Erscheinungstermin steht noch nicht fest.

Paperback, 448 Seiten
Originaltitel: The Long Price Quartet 2. A Betrayal in Winter
Aus dem Amerikanischen von Andreas Heckmann
ISBN-13: 978-3-442-24447-8

http://www.danielabraham.com/
www.randomhouse.de/blanvalet

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (8 Stimmen, Durchschnitt: 1,50 von 5)

Preuß, Dietmar – Hohenhag (Das Schwarze Auge 96)

_Inhalt_

Hohenhag ist ein kleiner Wehrhof an der Grenze zur Orklandsteppe und damit zum Territorium der Orks. Als diese eines Tages Hohenhag angreifen, entführen sie zwei Kinder: Beolf und Sidra. Die beiden sind fortan gezwungen, als Sklaven der Orkenhorde mit deren Sippe durch die Steppe zu ziehen.

Fünf Jahre später, die beiden sind mittlerweile erwachsen geworden, gelingt ihnen die Flucht. Fortan sinnen sie auf Rache an den Orks und scharen die „Unsichtbare Rotte“ um sich, mit denen sie ihren Heimathof wieder aufbauen und den Orks in Guerillamanier empfindliche Verluste zufügen. Doch ein Schatten hängt über Beolf und Sidra: Die beiden haben sich ineinander verliebt, wissen jedoch nicht, ob sie vermutlich Halbgeschwister sind …

_Meine Meinung_

Dietmar Preuß wendet sich in seinem Roman einer Region Aventuriens zu, die in der DSA-Romanreihe bisher nicht allzu häufig besucht wurde, nämlich dem Orkland und den Orks.

Nachdem im ersten Abschnitt das Leben auf dem Wehrhof Hohenhag beschrieben und die Hauptpersonen eingeführt wurden, erhält man im zweiten Teil des Romans einen interessanten Einblick in das alltägliche Leben einer Orksippe. Dies ist gleichzeitig auch die stärkste Passage des Buches, denn hier nimmt man quasi am täglichen Leben der Schwarzpelze teil und ertappt sich sogar manchmal dabei, Sympathien für den ein oder anderen von ihnen zu entwickeln. Auf der anderen Seite wird aber auch die sehr kriegerische Grundausrichtung und doch recht raue Art der Orks teils recht plastisch geschildert. So gelingt es Preuß sehr gut, zum einen das Klischee des Orks als „Schlachtvieh“ zu umgehen, zum anderen aber auch eine klare Abgrenzung zu den Menschen zu schaffen.

Die Geschichte gewinnt schließlich mit der Flucht der beiden Protagonisten an Tempo. Man bezieht den verlassenen Hof wieder, macht ihn wehrhaft und geht „auf Orkjagd“. Glich die erste Hälfte des Romans noch mehr einer Gesellschaftsstudie, so geht es doch jetzt eher actionlastig zu. Des Weiteren würzen Konfliktsituationen zwischen den Mitgliedern der „Unsichtbaren Rotte“ – hier vor allem zwischen dem „Helden“ Beolf und seinem „Gegenspieler“ Ermenrich – die Geschichte.

Hier zeigen sich allerdings auch die Schwachstellen des Romans. Die Hauptfiguren sind zu stereotyp angelegt, lassen letztendlich eine gewisse Tiefe vermissen. Hier wird mit zu vielen Klischees geliebäugelt, sei es der gemütliche, starke, jedoch etwas tumbe Handwerkerssohn, der seine erste große Liebe verliert, oder der durchtriebene Nebenbuhler des einsamen Helden, der keinen Winkelzug auslässt, um diesem zu schaden und ihm seine Braut auszuspannen. Dadurch wirken die Charaktere austauschbar und sind in ihren Handlungen zu sehr vorhersehbar.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Beschreibung der Liebesgeschichte zwischen den beiden Protagonisten. Die Idee von der eventuellen „verbotenen Liebe“ ist zwar sehr reizvoll und bietet einen interessanten Spannungsbogen, jedoch erinnert die teils recht pornografische Beschreibung dieser Beziehung doch eher an einen Groschenroman und wird dem Anspruch des Romans nicht gerecht.

Alles in allem ist „Hohenhag“ eine sehr interessante Geschichte mit viel Potenzial, das man allerdings weitaus besser hätte ausschöpfen können.

http://www.fanpro.com/

Nancy Farmer – Drachenmeer

„Drachenmeer“ – der deutsche Titel von Nancy Farmers Fantasyroman „The Sea of Trolls“ ist irreführend. Drachen spielen nämlich eine eher untergeordnete Rolle in dem Buch, und sie weisen auch keinerlei intelligente Züge auf. Sie können nicht reden, und geritten werden sie auch nicht. Vielmehr stellen sie ein Hindernis für den zwölfjährigen Jack dar, der sich auf eine gefährliche und manchmal sehr witzige Reise begibt, um seine kleine Schwester Lucy aus den Fängen der bösen Bergkönigin Frith zu befreien.

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Berg, Carol – Tor der Offenbarung (Rai-Kirah-Saga 2)

Band 1: [„Tor der Verwandlung“ 3948

Nach den Ereignissen in „Tor der Verwandlung“ ist Seyonne in seine Heimat Ezzaria zurückgekehrt. Es ist ihm sogar gelungen, von seinem Volk wieder aufgenommen zu werden, und er hat die Frau geheiratet, die er seit seiner Jugend liebt. Er soll sogar bald Vater werden.

Trotzdem ist nicht alles eitel Sonnenschein. Ein nicht unerheblicher Teil der Ezzarier misstraut ihm noch immer, und da Seyonne ein schlechter Lügner ist und mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält, hat der oberste Rat der Ezzarier einen Wachhund auf ihn angesetzt: die junge Fiona, die während Ysannes Schwangerschaft auch als Seyonnes Aife arbeitet.

Da Seyonne derzeit noch der einzige vollständig ausgebildete Wächter der Ezzarier ist, muss er nahezu täglich einen Kampf im Innern irgendeiner Seele ausfechten – eine ungeheure Belastung. Und trotzdem wäre vielleicht für immer alles beim Alten geblieben, wären nicht zwei folgenschwere Dinge geschehen: Ysannes Kind kommt mit einem Dämon behaftet zur Welt. Das ezzarische Gesetzt sieht vor, solche Kinder zu töten, indem man sie aussetzt. Noch gebeutelt von diesem entsetzlichen Verlust, trifft Seyonne auf einen Dämon ohne jedes Anzeichen von Bosheit, dafür mit einem ausgeprägten Wunsch nach einem freundlichen Gespräch …

_Die Riege der Figuren_ hat eine Menge Zuwachs bekommen:

Fiona ist eine sehr burschikose junge Frau. Aufgewachsen unter denjenigen Ezzariern, die sich nach der Eroberung durch die Derzhi tief in den Wäldern versteckt hatten, um dem Tod oder der Sklaverei zu entgehen, trägt sie ihr Haar noch immer kurz und lieber Hosen statt Röcke. Mit den Ritualen, die mit dem Kampf gegen die Dämonen verbunden sind, nimmt sie es außerordentlich genau und gerät deshalb immer wieder in Reiberei mit Seyonne. Sie sieht in seiner Nachlässigkeit Anzeichen von Verderbtheit und lässt ihn deshalb keinen Moment aus den Augen, als könnte sie ihre Überzeugung beweisen, wenn sie nur geduldig genug alles beobachtet, was Seyonne tut. Darin ist sie mindestens so gründlich wie in der Befolgung der Rituale, was dazu führt, dass sie Seyonne sogar folgt, als er Ezzaria verlässt.

Eine ebenso ausgefallene Persönlichkeit ist Blaise, ein junger Mann, der sich dem Kampf gegen die Herrschaft der Derzhi verschrieben hat. Er besitzt ein paar ungewöhnliche Fähigkeiten, die auf ein gerüttelt Maß an Melydda – magische Macht – schließen lassen, allerdings ist er nicht einmal in der Lage, einen einfachen Bann zu weben, um das Ungeziefer aus seiner Hütte fernzuhalten! Abgesehen davon besitzt er Charisma und ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl seinen Gefolgsleuten gegenüber, dafür fehlt es ihm in ganz bedauerlichem Maße an politischer Einsicht.

Balthar ist dem Leser des ersten Bandes vielleicht noch in Erinnerung als derjenige, der das grausame Ritual erfand, um ezzarische Sklaven ihrer Magie zu berauben. Wer jetzt glaubt, es mit einem finsteren, bösartigen Gesellen zu tun zu haben, wird überrascht sein: Balthar stellt sich als kleiner, gutmütiger, alter Mann mit einer tragischen Geschichte heraus, der schon bald der Welt samt Ezzariern und Derzhi den Rücken gekehrt und sich auf eine Insel in einem großen Fluss zurückgezogen hat. Dort hat er seine Zeit damit verbracht, eine uralte Ruine zu erforschen, und ist dabei auf einige gravierende Erkenntnisse gestoßen, die so erschreckend sind, dass er sie nur widerwillig preisgibt.

Eine noch größere Überraschung als Balthar waren jedoch die Dämonen. Der am Ende des ersten Bandes noch recht eindimensionale Feind zersplittert schon nach kurzer Zeit in eine solche Vielzahl von unterschiedlichen Persönlichkeiten, dass es die Auflistung der Charaktere schlicht sprengen würde.

Und dann wäre da noch Merryt zu erwähnen, ein jovialer, etwas derber und gleichzeitig undurchsichtiger Ezzarier, der vor langer Zeit in die Gefangenschaft der Dämonen geraten ist.

Jedem dieser Neuzugänge hat die Autorin ein eigenes, faszinierendes Profil verliehen. Selbst die Dämonen, die sehr gut darin sind, sich nicht in die Karten schauen zu lassen, erweisen sich alle als wirklich eigenständige Charaktere mit unterschiedlichen Interessen und Motiven. Auch das diesmal wieder sehr gelungen.

Diese Vielfalt an Individualität unter den Dämonen hat natürlich enorme _Auswirkungen auf die Handlung_. Oder vielleicht auch andersherum. Jedenfalls ist das Feindbild aus Band eins dadurch komplett in die Brüche gegangen, und damit auch das Weltbild der Ezzarier. Die langen Jahre außerhalb seiner Heimat und seiner Kultur haben ohnehin schon dazu geführt, dass Seyonne bei seiner Rückkehr so manches hinterfragt. Als er beginnt, der Sache auf den Grund zu gehen, macht er eine Entdeckung, die allem, was man ihn gelehrt hat, dermaßen zuwiderläuft, dass er trotz aller Distanz zu seiner eigenen Kultur größte Schwierigkeiten damit hat, die Konsequenzen zu akzeptieren. Auch der Leser macht quasi eine komplette Umwälzung mit, die Autorin hält ihn aber so stark an der Hauptfigur, dass zu keiner Zeit der Eindruck von Willkür entsteht.

Natürlich muss der weggefallene Gegenspieler in irgendeiner Form ersetzt werden. Das tut die Autorin auf elegante, unaufdringliche Weise. Im Laufe der Geschichte verschiebt sich das Gegengewicht ganz allmählich hin zu einer Person, die bisher nicht vorkam und auch jetzt nur ganz am Rande auftaucht. Wie zuvor der Dämon, der sich in Aleksander eingenistet hatte, hängt jetzt diese Bedrohung wie ein düsterer Schatten im Hintergrund, während die eigentliche Handlung sich mit konkreteren, aber kleineren Gegnern herumschlägt, die wie die Kelid am Ende des Bandes zumindest teilweise ausgeschaltet sind.

_Trotz all dieser positiven Aspekte_ hat mir der zweite Band nicht ganz so gut gefallen wie der erste. Die besondere, sich allmählich entwickelnde Beziehung zwischen Aleksander und Seyonne, die einen großen Teil der Faszination des ersten Bandes ausgemacht hat, ist hier weggefallen, und die ständigen Reibungen zwischen Fiona und Seyonne sowie das Duell zwischen Seyonne und der Dämonin Vallyne sind zwar nicht schlecht gemacht, können damit aber nicht mithalten. Das mag daran liegen, dass Seyonnes scharfer Verstand, der ihn in der Konfrontation mit Aleksander stets wie einen Artisten bei einem gewagten Drahtseilakt agieren ließ, diesmal zu großen Teilen brach lag. Nicht, dass es seine Schuld gewesen wäre, aber die Autorin fügt ihm diesmal so zahllose und schwere Misshandlungen, Verwundungen und Demütigungen zu, dass der Leser konsequenterweise mehr an Gefühlen teilhat als an Gedanken. Seyonne ist über große Zeiträume hinweg mehr verwirrt als bei Sinnen. Das zieht nicht nur die Handlung stellenweise etwas in die Länge, es macht diesen Teil des Zyklus auch ein gutes Stück grausamer als den ersten.

Immerhin aber hat die Autorin alle Bestandteile ihrer Geschichte – die Welt der Dämonen, den historischen Hintergrund, die persönlichen Vergangenheiten ihrer Figuren – sehr geschickt und nahtlos miteinander verwoben. Es dauert ein wenig, bis der Zusammenhang zwischen den ausgesetzten Kindern der Ezzarier, den Rebellen um Blaise, den Dämonen und den historischen Entdeckungen allmählich deutlich wird, gegen Ende aber zieht die Spannung an und hält sich tatsächlich bis ganz zum Schluss, was nicht unerheblich auf einige überraschende Wendungen zurückzuführen ist. Abgesehen von den oben erwähnten kleinen Mankos ist dieser zweite Band des Zyklus immer noch ein gutes, lesenswertes Buch.

_Carol Berg_ schreibt ihre Bücher nebenbei. Hauptberuflich ist die studierte Mathematikerin und Computerwissenschaftlerin als Software-Entwicklerin bei |Hewlett Packard| tätig. „Tor der Verwandlung“ ist der erste Band der Trilogie Rai-Kirah und ihr erstes Buch überhaupt. Seither hat sie den vierbändigen Zyklus |The Bridge of D’Arnath| geschrieben sowie einen Zweiteiler und die Romane „Song of the Beast“ und „Unmasking“, der im November neu auf den Markt kommt. Nahezu alle ihre Bücher haben irgendeinen Preis gewonnen. Eine beachtliche Leistung für eine Hobby-Autorin. Höchste Zeit also, dass ihre Bücher endlich auch auf Deutsch erscheinen. Der abschließende dritte Band von |Rai-Kirah| erscheint im Juli dieses Jahres unter dem Titel „Tor der Erneuerung“.

|Originaltitel: The Rai-Kirah-Saga 2. Revelation
Originalverlag: Roc, New York 2002
Aus dem Amerikanischen von Tim Straetmann
Taschenbuch, 672 Seiten|
http://www.blanvalet-verlag.de/
http://www.sff.net/people/carolberg/

Melzer, Brigitte – Elyria – Im Visier der Hexenjäger

Mit Fantasy verbindet der Durchschnittsleser normalerweise eine unendliche Vorstellungskraft des Autors: Die Welt, in der die Geschichte spielt, unterscheidet sich deutlich von der unsrigen, ist von Fantasiewesen bevölkert und die Helden besitzen magische Kräfte. Brigitte Melzer zeigt mit „Elyria – Im Visier der Hexenjäger“, dass es auch anders geht.

Ihre Geschichte um die achtzehnjährige Gauklerin Elyria findet vor einer erfundenen Kulisse statt, die allerdings stark an die Zeit der Inquisition im Mittelalter angelehnt ist. Elyria entdeckt eines Tages ein heiliges Amulett auf dem Rastplatz ihrer Gauklertruppe und möchte es zurück an seinen Platz bringen. Dort beschuldigt man sie des Diebstahls und nimmt sie fest. Der Hexenjäger Peristae hält sie allerdings noch aus einem anderen Grund fest: Er glaubt, sie sei das Mädchen mit den goldenen Augen aus einer uralten Prophezeiung, die besagt, dass eben jenes Mädchen Unheil über die Welt bringen wird. Er foltert sie, damit sie gesteht, eine Hexe zu sein, doch aus ihrem Mund kommt kein verräterisches Wort. Warum auch? Sie ist sich schließlich ziemlich sicher, über keinerlei magische Kräfte zu verfügen.

Dies ändert sich, als sie zufällig dem angesehenen Soldaten Ardan über den Weg läuft. Ardan beherrscht einige magische Künste, die er aber wohlweislich versteckt hält, denn die Hexenkunst wird verfolgt. Als die beiden sich aus Versehen berühren, wird Ardans Kraft auf Elyria übertragen. Das junge Mädchen merkt zuerst gar nicht, was mit ihr los ist, und kann diese neue Gabe, die sich zumeist in unkontrollierbaren Feuerstößen oder Druckwellen äußert, nicht beherrschen. Das verhilft ihr zur Flucht aus Peristaes Gemächern und macht sie zu einer Gejagten. Gut, dass sie Ardan, der seine Magie unbedingt wiederhaben will, und einen weiteren königlichen Gefolgsmann, Crean, an ihrer Seite hat. Gemeinsam fliehen sie vor Peristae und seinen Häschern. Allerdings stellen sie sehr bald fest, dass sie noch mehr Feinde haben: Der schwarze König, ein Dämon, der eigentlich längst erledigt sein sollte, begehrt nach Auferstehung, und dazu benötigt er das Mädchen mit den goldenen Augen …

Brigitte Melzer zieht den Leser in ihren Bann. Mit ihrem flüssigen und atmosphärischen Schreibstil erschafft sie einen guten Hintergrund für die simple Handlung und die zwischenmenschlichen Konflikte, die sie angenehm kitschfrei abwickelt. Elyrias Geschichte bezieht ihre Intensität dabei weniger aus möglichst hoher Originalität, sondern vielmehr aus dem guten und sicheren Schreibstil, der sich einfach lesen lässt und fesselt. Es fällt dabei auf, dass die Fantasiewelt, die in anderen Büchern häufig die Hauptrolle spielt, mehr Mittel zum Zweck ist. „Elyria – Im Visier der Hexenjäger“ ist mehr Roman als Fantasygeschichte und ufert nicht in ellenlangen Beschreibungen der Schauplätze aus. Das ist in diesem Fall sehr angenehm und sicherlich einer der Hauptfaktoren, wieso dieses Buch so fesselt.

Die Handlung hat es bei so viel Erzählkraft ein wenig schwer. Obwohl gut konstruiert und durchaus spannend, fehlt es ihr hin und wieder an Besonderheit. Die Reise, die Elyria und ihre Begleiter unternehmen, wirkt vorhersehbar, und obwohl sie Action und Handlungsentwicklung aufweist, mangelt es an überraschenden Wendungen. Für den Hintergrund kann Melzer allerdings wieder einen Punkt für sich verbuchen. In einem kurzen Prolog werden die historischen Geschehnisse erklärt, und sie erweisen sich als stichhaltig und interessant. Es ist fast ein bisschen schade, dass Melzer nicht mehr politische, religiöse oder soziale Punkte in ihre Geschichte einfließen lässt.

Die Charaktere sind dagegen gut ausgearbeitet. Es fällt auf, dass die Autorin viele Erlebnisse und Eigenschaften einflicht, die man sonst eher in ‚modernen‘ Büchern erwartet hätte, wie zum Beispiel Eheprobleme. Das hilft dem heutigen Leser, einen Bezug zu den Figuren herzustellen. Elyria und Co. wirken dabei sehr bodenständig. Sie sind normale Menschen, die um ihr Leben kämpfen, und keine magischen Helden. Einziger Wermutstropfen dabei ist Elyria. Sie wirkt manchmal ein wenig einseitig, als ob es ihre einzige Aufgabe wäre, sich von den anderen beschützen zu lassen und aufgrund des Einsatzes ihrer magischen Kräfte erschöpft zu sein. Nun kann man sicherlich einwenden, dass sie einfach eine Art Anti-Heldin ist, doch hätte ihr die eine oder andere Stärke gutgetan.

Insgesamt besticht „Elyria – Im Visier der Hexenjäger“, das in der „Meister der Fantasy“-Reihe erscheint, mehr durch die Erzählweise als durch die Handlung. Das klingt jetzt vielleicht negativer, als es eigentlich ist: Brigitte Melzer hat ein tolles, mittelalterlich angehauchtes Buch geschrieben, das den Leser fesselt, aber durchaus etwas mehr Originalität hätte vertragen können. Dennoch ist es eine Empfehlung für all jene, die es gerne etwas bodenständiger und qualitativ hochwertig mögen.

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Raven, Lynn – Kuss des Dämons, Der

_Dawn führt mit ihrem reichen Onkel_ ein mehr oder weniger normales Leben in Ashland Falls und geht dort auf die Highschool. Eines Tages kommt ein Neuer an die Schule, Julien DuCraine, der immer eine Sonnenbrille trägt, von allen Mädchen angeschmachtet wird und eine Freundin nach der nächsten hat. Als Julien mit seiner |Fireblade| bei dem DVD-Abend bei Dawns gutem Freund Neal auftaucht, lädt er Dawn dazu ein, mit ihm auf der Maschine eine Runde zu drehen. Weit entfernt von Neals Haus kommt es dann zu einem Streit zwischen den beiden, sodass Julien Dawn einfach stehen lässt und mit seiner |Fireblade| davonfährt.

Dawn ist entsprechend wütend und beide feinden sich daraufhin gegenseitig an. Bis zu dem Tag, als Julien und Dawn zusammen mit ihren Schulkameraden ein altes Theaterhaus aufräumen müssen, damit dort die alljährliche Halloweenparty stattfinden kann. Julien rettet Dawn das Leben, als alte Vorhangsstangen auf sie herabzufallen drohen. Ab diesem Zeitpunkt beginnt zwischen Dawn und Julien eine Freundschaft, die sich bald zu Liebe entwickelt.

Doch wie kommt es, dass Julien Dawn retten konnte, obwohl er doch am ganz anderen Ende des Saales stand? Wieso trägt Julien immer eine Sonnenbrille? Und weshalb versucht Julien Dawn von sich fernzuhalten, weil er meint, er sei zu gefährlich für sie? Der Verdacht, den Dawn heimlich hegt, scheint sich alsbald zu bewahrheiten: Julien ist ein Vampir …

_“Der Kuss des Dämons“ von Lynn Raven_ ist eine Mischung aus Vampirroman und einer Liebesgeschichte, die schon im Klappentext erahnen lässt, dass einige Parallelen zu Stephenie Meyers [„Bis(s) zum Morgengrauen“ 4600 vorhanden sind. Zwar müssen Parallelen im Klappentext noch lange nicht heißen, dass die Story letztendlich auch wirklich abgekupfert wurde, aber in diesem Fall muss ich sagen, trifft das leider doch in gewisser Weise zu. Nicht nur das Grundgerüst der Story wurde beinahe eins-zu-eins übernommen, sondern auch in einigen Details ähnelt „Der Kuss des Dämons“ dem bekannten Jugendbuch von Stephenie Meyer sehr, angefangen damit, dass ein neuer Mitschüler an die Highschool kommt, der völlig unnahbar ist und doch von allen bewundert wird, der das Sonnenlicht nicht ertragen kann, dessen Haut bleich und hart wie Stein ist, mit einem Gesicht wie ein Engel. Obwohl es erst den Anschein hat, als könnte er Dawn nicht leiden, verlieben sich die beiden ineinander. Zuvor rettet er ihr mit seiner übermenschlichen Schnelligkeit das Leben, und auch später, als sie von einem Mann in einer dunklen Gasse bedrängt wird, ist er für sie da, um ihr zu helfen. All das hatten wir auf die ein oder andere Weise in „Bis(s) zum Morgengrauen“ schon einmal. Auch wenn das Buch letztendlich nicht komplett abgekupfert wurde und durchaus auch eine eigenständige Geschichte erzählt, sind sich die beiden Werk doch zu ähnlich, um sie nicht miteinander in Vergleich zu bringen, und dabei wird Lynn Ravens „Der Kuss des Dämons“ eindeutig in den Schatten gestellt, da es mit seiner ‚Inspirationsquelle‘ einfach in keiner Weise mithalten kann.

Auch wenn man mal von diesem Vergleich absieht, weist die Handlung selbst auch die ein oder andere Schwäche auf. Einige Stellen wirken etwas aufgesetzt oder einfach zu schnell erzählt. Vor allem die Szene, in der Dawn und Julien mit seiner |Fireblade| eine Runde drehen und sich dann streiten, wirkt ein wenig an den Haaren herbeigezogen, und auch die Tatsache, dass Dawn zweimal in ein leer stehendes Gebäude einbricht und dabei beide Male auf Julien im Innern trifft, wirkt alles andere als realistisch. Einmal, vielleicht, aber gleich zweimal?

Der letzte negative Kritikpunkt betrifft die Vorhersehbarkeit der Geschichte. Wer aufmerksam liest, dem werden einige erwähnte Details auffallen, und spätestens in der Mitte des Buches weiß man dann ziemlich sicher, wie das Buch ausgehen wird. Lynn Raven versteckt ihre Andeutungen auf das Finale nicht gut genug, sodass man letztendlich nur eins und eins zusammenzuzählen braucht, damit man weiß, wie das Buch ausgeht. Während der Leser schon seit geraumer Zeit ahnt bzw. weiß, was Sache ist, versteht Dawn noch immer nicht, was um sie herum geschieht und was all das zu bedeuten hat, und das nimmt dem Buch in der Mitte eine gehörige Portion an Spannung sowie Glaubwürdigkeit.

Doch trotz der nicht zu ignorierenden Kritikpunkte hat mir das Buch immer noch gut gefallen. Warum? Weil der Stil gefällig ist und „Der Kuss des Dämons“ trotz der Parallelen eine eigene Geschichte erzählt, die Spannung mit sich bringt, mit der man mitfiebern kann und die einfach zu gefallen weiß. Auch die Beschreibungen der Örtlichkeiten sind sehr gut gelungen, sodass der Leser sich die Schauplätze, an denen die Geschichte spielt, sehr gut vorstellen kann und dadurch noch etwas mehr in die Handlung hineingezogen wird. Interessant sind auch einige der eingebrachten Ideen der Autorin, beispielsweise passt Juliens Vergangenheit als Hochseilartist und Geiger sehr gut zum Entwurf der Geschichte.

Im Buch wird ständig zwischen der Haupthandlung mit Julien und Dawn und einer Nebengeschichte gewechselt, die fortlaufend in kurzen Abschnitten weitererzählt wird. Anfangs ist dieser Strang noch etwas verwirrend, bis der Zusammenhang zwischen den beiden Geschichten klar wird und man sich schon vorstellen kann, was die eingeschobene mit der Haupthandlung zu tun hat, aber durch diese Verzögerungstaktik wird die Spannung in „Der Kuss des Dämons“ noch zusätzlich angefacht. Erst ganz zum Schluss wird klar, welche Berührungspunkte die Nebenhandlung mit der eigentlichen Geschichte gemeinsam hat.

Auch die Charaktere in „Der Kuss des Dämons“ sind vernünftig ausgearbeitet. Besonders Julien, der einerseits rebellisch, gefährlich und cool ist, andererseits aber auch eine weiche Seite zeigt und Dawn hilft, wo er nur kann. Lynn Raven stellt ihn als unheimlich cool, hübsch und charmant dar, worin er Edward aus „Bis(s) zum Morgengrauen“ zwar ein bisschen ähnelt, aber dennoch ist Julien ein ganz anderer Typ. Dawn hingegen ist ein mehr oder weniger normales Mädchen von nebenan, das allerdings auch seine Schwächen besitzt und damit Bella aus „Bis(s) zum Morgengrauen“ wiederum sehr ähnelt.

Der Schreibstil passt sehr gut zur erzählten Geschichte, bleibt aber unauffällig. Das Buch ist in Ich-Form aus Dawns Sicht verfasst, wodurch es einen persönlicheren Zugang ermöglicht und man die Gefühle und Gedanken von Dawn besser mitverfolgen kann.

Der Showdown ist zwar größtenteils vorhersehbar, kann sich aber letztendlich doch sehen lassen. Zum Schluss hin steigert sich die Spannung, wie es sich gehört, und der Leser fiebert mit Dawn und Julien mit und hofft, dass sich letztendlich doch alles zum Guten wendet. Das Ende lässt leider noch die ein oder andere Frage offen im Raum stehen, sodass zu erwarten ist, dass noch ein zweiter Teil folgen wird.

_Fazit:_ Trotz einiger Mängel und der Tatsache, dass „Der Kuss des Dämons“ einfach nicht mit Stephenie Meyers ähnlich gelagertem „Bis(s) zum Morgengrauen“ mithalten kann, hat mir das Buch in seiner Art dennoch ganz gut gefallen, zumal die Charaktere sympathisch sind und die Geschichte interessant und spannend aufgebaut wird.

_Lynn Raven_ wurde 1971 geboren und lebte in Neuseeland, ehe sie nach Deutschland zog und dort, wie sie es selbst ausdrückt, „hängen blieb“. Heute arbeitet sie in der Nähe von Mainz und arbeitet freiberuflich als Journalistin und Übersetzerin.

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Hennen, Bernhard – Albenmark, Die (Elfenritter 2)

Die |Elfenritter|-Trilogie:
Band 1: [Die Ordensburg 4578
Band 2: _Die Albenmark_
Band 3: Das Fjordland

|Man mag von großen Schlachten in fernen Heidenwäldern hören. Der wirkliche Krieg jedoch wird mitten unter uns ausgetragen. (…) Sie sind unter uns. Und sie sind nicht nur im Schatten. Im Lichte, wo man sie nicht sucht, sind sie am stärksten. (…) Ihre Waffen sind Heimlichkeit und Täuschung. Und das grausamste ihrer Spiele ist die Erschaffung von Wechselbälgern. (…) Blitzschlag, missgebildetes Vieh, ein Hagel aus heiterem Himmel, der die Ernte vernichtet. Das sind ihre Waffen im heimlichen Krieg. Nur ein Fragender, ein Priester, der besonders fest im Glauben ist, kann dann noch Rettung verheißen. (…) So wie die Ritter in der Ferne kämpfen, schlagen sie ihre Schlachten mitten unter uns, und das reinigende Feuer ist ihre Waffe, wenn Seelen verloren scheinen.|

Aus: |Der Heidenhammer|, von Henri Épicier.

Immer noch ist Prinzessin Gishild in der Ordensburg der Neuen Ritterschaft in Valloncour gefangen. Sie hofft auf eine Rettung, die nicht kommt, denn ihre Beschützerin Silwyna starb, bevor sie Nachricht vom Überleben Gishilds ins Fjordland bringen konnte.

Doch auch zartere Bande binden Gishild an die Feinde des Fjordlands: Mit der Zeit erweicht auch ihr hartnäckiger Widerstand, sie lernt ihre Kameraden und Lehrer zu schätzen und zu lieben; insbesondere Luc: Aus Zuneigung entwickelt sich eine tiefe Liebe.

Luc beweist bei einem Unglück erneut seine heilenden Kräfte: Er überlebt eine Wunde, die ihn hätte töten müssen, ohne dass eine Narbe zurückbleibt. Er wird einer Prüfung auf Leben und Tod überantwortet, bei der die geheime Bruderschaft vom Heiligen Blut feststellt, dass seine Gabe tatsächlich diejenige Guillaumes und kein Albenwerk ist. Das Schwert des Primarchen Leon schwebte schon über seinen Nacken, doch nun leistet er Luc Abbitte und führt ihn in die geheime Bruderschaft ein, stärkt das Selbstbewusstsein des Zweiflers Luc, der sich zum glühenden Anhänger Tjureds entwickelt und Gishild nicht in sein Geheimnis einweiht. Doch auch seine Liebe zu Gishild wird nicht nur geduldet, sondern insgeheim gefördert. Immer noch träumt der Orden davon, den Krieg in die Albenmark zu tragen, und Lucs starke Begabung könnte der Schlüssel zum Sieg sein; denn seine heilende Gabe wirkt auf Elfen und andere Albenkinder tödlich, sie ist das hinterhältige Geschenk des elfenhassenden Devanthars an die Blutlinie seines Sohns Guillaume, dem ersten Heiligen der Tjuredkirche.

Nach langen Jahren erst gelangt der Elfenfürst Tiranu unter merkwürdigen Umständen an Hinweise auf den Aufenthaltsort Gishilds. Er findet die letzten von Silwyna in den Stein gekratzten Worte, Gishild und Valloncour. Elfenkönigin Emerelle beauftragt ihn und Ollowain mit einer Rettungsaktion. Doch diese steht unter keinem guten Stern.

Ausgerechnet am Hochzeitstag Gishilds mit Luc greifen die Elfen mit Unterstützung der Adler die Ordensburg an. Doch der verschlagene Honoré hat von ihrem Plan erfahren und stellt ihnen eine Falle. Seine schwarze Schar lauert den Elfen auf, Arkebusiere mit für Elfen tödlichen Bleikugeln stehen bereit. Nur den Primarchen Leon hat er nicht gewarnt, denn er hofft, seine Nachfolge antreten zu können.

Gishild wird vor Lucs Augen entführt, er selbst vom Schwertmeister Ollowain wie ein Schüler entwaffnet, viele seiner Lanzenkameraden und Lehrer werden getötet. Der in der Folge zum Primarchen aufsteigende Honoré wird sein Freund und Vertrauter, und Luc lernt die Elfen zu hassen; seine Zweifel an Tjured sind endgültig beseitigt. Die Spitzel des Primarchen schaffen es, Briefkontakt zwischen den Liebenden herzustellen. Durch geschickte Zensur gelingt es Honoré, Lucs und Gishilds Gefühle zu lenken.

Im Fjordland wird Gishild in eine ihr fremd gewordene Welt geworfen. Viele Jarls geben nur widerstrebend ihre Macht ab, in den Jahren ohne König sind sie selbstherrlich geworden. Nur die Leibwache der Mandriden und ihre Elfenverbündeten halten zu ihr. Gishild kann sich als mutige Kriegerkönigin beweisen, die gute Ausbildung der Ordensritter und das Wissen um ihre Taktiken helfen ihr. Doch viele Traditionen des Nordens erscheinen ihr, die unter den in Sachen Geschlechterrollen viel liberaleren Ordensrittern aufgewachsen ist, mittlerweile rückständig und barbarisch. Sie wird zwangsverheiratet, willigt widerstrebend ein. Doch sie ist stolz und unerbittlich, herrscht an Stelle ihres Königs, gewährt ihm keine Liebe oder Nachkommen.

Dank eines verräterischen Lutins gelingt es den Ordensrittern, eine Seeverbindung zwischen der Menschenwelt und der Albenmark herzustellen. Die Flotte des Blutbaums greift unter Lucs und Honorés Führung überraschend Vahan Calyd an, zur Zeit der jährlichen Krönungszeremonie Emerelles, um mit ihrem Tod das Schicksal des Fjordlands und der Albenmark zu besiegeln.

_Der Autor_

Bernhard Hennen (* 1966) studierte Germanistik, Geschichte sowie Vorderasiatische Altertumskunde und lebt mit seiner Familie in Krefeld. Er machte sich bereits mit seiner |Elfen|-Trilogie („Die Elfen“, „Elfenwinter“, „Elfenlicht“) einen Namen und stürmte mit ihr die Bestsellerlisten. Davor schrieb er DSA-Romane, unter anderem mit Wolfgang Hohlbein. Seine Spezialität ist die Kenntnis nordischer Mythologie, auf deren Grundlage er die Albenmark und ihre Völker erschuf, in die sich allerdings auch einige Kentauren verirrt haben. So sind seine Elfen aufgrund derselben Grundlage denen Tolkiens zwar ähnlich, aber doch anders und sehr differenziert dargestellt.

Mit der |Elfenritter|-Trilogie ändert er den Fokus der Erzählung; aus der Sicht der elfenfeindlichen Ordensritter der Tjuredkirche erzählt er die Geschichte der tragischen Liebe zwischen zwei vermeintlich natürlichen Feinden, Gishild, der Prinzessin des Fjordlands, und Luc, Mitglied einer geheimen Bruderschaft innerhalb des Ordens, die sich dem Tod aller Alben verschworen hat.

_Nicht kleckern, sondern klotzen …_

… hat sich Bernhard Hennen gedacht, als er seine |Elfenritter|-Trilogie fortsetzte. Die Befreiung Gishilds ist eine Schlacht mit epischen Qualitäten. Sie erinnerte mich fast an ein modernes Luftlande-Unternehmen: Adler steigen von zu „Trägern“ umgebauten Elfenschiffen auf, greifen von kleinen Blütenfeen markierte Ziele an und bombardieren mit in der Art von Streubomben abgeworfenen Stahldornen die Ordensritter, während Ollowain und Tiranu sich eine widerspenstige Gishild schnappen. Doch die Befreiung endet tragisch, viele Elfen werden eingekesselt und können nicht mehr entkommen. Man kann sagen, Bernhard Hennen habe die „Brücke von Arnheim“ der Fantasy-Literatur geschaffen.

Das zweite Highlight – für die weniger blutrünstigen Fantasy-Leser – stellt die Rückkehr Gishilds ins Fjordland dar. Sie ist eine Fremde in ihrer eigenen Heimat, in der sich nicht jeder darüber freut, dass sie zurückgekehrt ist. Ihr von Natur aus widerspenstiges Wesen, gepaart mit der Erziehung durch die Ordensritter und für ihr Volk zu modernen Ansichten, schafft ihr viele Feinde, trotz aller militärischen Erfolge beim Kampf um Drusna. Wie sie sich dennoch durchsetzt, ist sehr spannend inszeniert – auch im Fjordland weht ein rauer Wind.

Ebenfalls sehr gelungene Nebenhandlungen sind weitere Streitigkeiten der Neuen Ritterschaft mit dem älteren Orden des Aschenbaums, bei denen Lilianne ihre Gerissenheit erneut unter Beweis stellen kann. In diesem Zusammenhang fallen die Städtenamen „Marcilla“ und „Cadizza“, ebenso die Provinz „Equitania“, die berühmt für ihre Pferdezucht ist. Noch gibt es keine Karte des Fjordlands, aber die Namensgebung legt nahe, dass Hennen sich stark an der realen Europakarte orientiert; in diesem Fall könnte man das Fjordland vermutlich mit Norwegen gleichsetzen. Im Umschlag findet sich diesmal eine schöne Risszeichnung von Lucs Galeere |Nordstern|, bei der sich alle „Bronzeschlangen“ (gleich Kanonen) im Bug befinden, gleich neben dem Pulvermagazin. Bei dieser Bauweise verwundert es, dass eine im Buch explodierende fehlerhafte Kanone nicht gleich das ganze Schiff vernichtet hat. Aber Schwamm drüber, die Risszeichnung ist eine tolle Idee – ich hoffe, in weiteren Bänden mehr davon zu sehen.

Interessant ist in diesem Band der Wandel Lucs: Seine Zweifel schwinden, Honoré zieht ihn auf seine Seite. Dass gerade Honoré wenig honorabel vorgeht – er nimmt den Tod seines Vorgängers als Primarch billigend in Kauf -, warnt den Leser vor dem blinden Vertrauen, das Luc seinem Meister entgegenbringt. Auch hier hatte ich eine Assoziation zu moderner Popkultur: „Star Wars“ lässt grüßen. Honoré wäre demnach der Imperator, Luc analog zu Luke/Anakin Skywalker. Der mit einer nicht verheilenden, schwärenden Wunde geschlagene und dennoch lebende Honoré ist ein knackiger Bösewicht, der raffiniert mit jeder erdenklichen List und Tücke arbeitet. Kaum zu glauben, wie überraschend positiv sich dieser Charakter entwickelt hat; er dürfte noch für viel Kurzweil und ebenso viel Unheil sorgen.

Bei all den Highlights gibt es leider jedoch auch Schatten. Einiges wirkt mir zu arg konstruiert. So wird Luc erneut getestet; hätte man das nicht schon im ersten Teil tun können – wie lange zweifelt man eigentlich noch an seiner Gabe? Hier hätte ich ein Inquisitionstribunal nach den Regeln des Hexenhammers erwartet. Doch was folgt, ist eher simpel und enttäuschend; im selben Moment gewinnt man als Abfallprodukt noch einen Verräter, der den Schlüssel zum Eintritt in die Albenmark darstellt. Primarch Leon befindet in Hochstimmung, in dieser Nacht habe sich alles gefügt. Ja, hier hat sich wirklich alles gefügt: Gishild bettelt für Luc, Luc vertraut der geheimen Bruderschaft und alles läuft bestens. Hier hat Hennen es sich etwas einfach gemacht, andererseits erlaubt diese Schlüsselszene eine flotte Weiterführung der Handlung.

Doch am übelsten stieß mir die Fortsetzung des grausamen „Murmeltiereintopfs“ auf. Silwyna musste sterben, damit Gishild nicht vorzeitig gerettet wird. Nun muss man sie, terminlich passend zur Hochzeit, wieder befreien, zu einem Zeitpunkt, als sie genug Ordensritter geworden ist, um bei der Rückkehr ins Fjordland massiv Probleme zu bekommen. Damit Gishild gerettet wird, findet Fürst Tiranu zufällig Silwynas Rapier bei einem erschlagenen Soldaten. Er nimmt den Kopf der Leiche mit zu der Trollschamanin Skanga, die den Toten befragen soll. Der Zauber geht schief, Skanga schreit Tiranu zu, es sei nicht der Tote, der spricht, sondern ein böser Zauber. Tiranu findet sich in der Menschenwelt wieder, wo die magisch perfekt konservierte Leiche Silwynas auf die in Stein geritzten Worte „Gishild“ und „Valloncour“ deutet. Was soll das denn? Entweder hat hier der Devanthar oder eine andere höhere Macht geschickt manipulierend eingegriffen, oder es handelt sich um einen mit viel Brimborium aufgeblasenen Weg, einen Stichwortgeber zur rechten Zeit wieder ins Spiel zu bringen.

_Fazit_

Trotz der genannten recht konstruiert wirkenden Wendungen ist „Die Albenmark“ durch und durch gelungen. Das liegt vor allem an den starken Charakteren und der zügigen Handlungsführung. Hier gibt es keinen Leerlauf, dafür viele verschiedene Charakterperspektiven und auch eine gehörige Portion Humor. Bernhard Hennen nimmt selbstironisch seine eigenen Charaktere auf die Schippe; so sagt Skanga zu Yulivee: |“Yulivee. Du hast die Seelen der Dschinne befreit, nicht wahr? Ich habe auch gehört, dass du manchmal im Grasmeer des Windlands sitzt und dich mit Schmetterlingen unterhältst. Hast du dir vielleicht einmal irgendwo sehr hart den Kopf gestoßen?“| (S. 199).

Auffallend waren viele Referenzen an die Popkultur in Personenkonstellationen und Handlungsmustern; ich hoffe, diese werden im Folgeband etwas reduziert, denn zu viele davon würden stören und sind bei so starken Charakteren und überzeugender Handlung ohnehin nur das i-Tüpfelchen, und davon reicht eines bekanntlich aus. Nebenher führt Hennen elegant noch ein neues Volk ein, von dem wir im Juli in dem nicht zu dieser Trilogie gehörenden Roman „Elfenlied“ mehr erfahren werden. Leser der |Elfenritter|-Trilogie müssen sich bis Dezember 2008 gedulden, wenn der Abschlussband „Das Fjordland“ erscheinen wird.

http://www.heyne.de
http://www.bernhard-hennen.de/

Die |Elfen|-Trilogie:
Band 1: [Die Elfen 2169
Band 2: [Elfenwinter 2185
Band 3: [Elfenlicht 3505

Andreas Brandhorst – Feuerträume (Kantaki: Graken-Trilogie 3)

»Feuerträume« ist der Abschluss einer dreibändigen Erzählung um den großen Krieg der Milchstraßenvölker gegen die seelenfressenden Graken. Außerdem führt er die Suche nach den Kantaki zu Ende, die überraschend in dieser Trilogie fast nur als mytologische »Große K« bezeichnet werden, Wesen, die von großer Reife waren und irgendwie von der Bildfläche verschwanden. Um sie drehte sich noch die letzte Trilogie, die im gleichen Universum angesiedelt war. Umso erstaunlicher ist die Auflösung der großen Rätsel, die sich durch die Romane des Kantaki-Universums ziehen und einen wahrhaft gigantischen Hintergrund liefern. Brandhorst räumt mit den transzendenten Entwicklungen, die sich in seinen Geschichten aufschaukeln, schließlich wieder auf und führt sie mit »Feuerträume« zu einem endgültig erscheinenden Abschluss.

Dominique, die junge Tal Telassi mit den überragenden Fähigkeiten einer Großmeisterin, ist zusammen mit Rupert und einem alten Kantaki-Schiff unterwegs, auf der Suche nach den Kantaki, um von ihnen Hilfe gegen die Bedrohung der Graken zu gewinnen. Dabei geraten sie in die nichtlineare Zeit und stranden auf einem dortigen Planeten, der in vier Ebenen zergliedert ist. Dort müssen sie nach einer Möglichkeit zur Rückkehr suchen und geraten dabei auf die Spur der Kantaki, die es offenbar genau hierher verschlagen hat. Auf der fünften Ebene des Planeten existiert der Schlüssel zu den hohen Ebenen der Prävalenz, dem Bereich, den überlegenes Leben bevölkert, das für die Entstehung der Universen verantwortlich ist. Hier stößt Dominique mit ihrem verschollenen Vater Dominik auf Olkin, jenen »Spieler«, der schon in der Trilogie um Diamant und Valdorian (Kantaki 1-3) die Fäden zog. Olkin ist ein kranker Prävalenter, dessen Herrschsucht und Machtgier die Graken in die Milchstraße brachte. Er hat Zugriff auf hohe Schöpfungsenergien und ist damit ein gefährlicher Gegner für die beiden Tal Telassi.

In der Milchstraße ringen derweil die Völker mit den Graken um die letzten bewohnten Welten. Aus der Crotha-Affäre im letzten Roman entwickelte sich durch die Megatron genannten KI die Maschinenzivilisation, die mit atemberaubender Geschwindigkeit evolviert. Menschen brechen zu einer diplomatischen Mission auf, um die Emm-Zetts um Hilfe zu bitten. Dabei stoßen sie auf einen Gegner aus der Zukunft, Nachmenschen, die aus einer Symbiose von Emm-Zetts und Kriegsveteranen entstanden und nun in der Gegenwart den Verlauf der Geschichte beeinflussen wollen. Das gibt schließlich den Ausschlag bei den Verhandlungen mit den Maschinenzivilisationen. Der Krieg mit den Graken tritt in die finale Phase ein.

Brandhorst rollt seine Geschichte in verschiedenen Ebenen auf, verwebt einzelne Stränge miteinander, lässt aber schließlich zwei Hauptstränge parallel verlaufen, die ohne gegenseitiges Interagieren den Roman ergeben. Natürlich ist vom Erfolg Dominiques auch jener der Milchstraßenvölker abhängig, aber umgekehrt hat der Grakenkrieg keinerlei Bedeutung für die Handlung in der nichtlinearen Zeit.

Deutlich zeigt Brandhorst seine Stärken in der Entwicklung von Plots und großen Zusammenhängen und im Ideenreichtum, aber dabei bleiben die einzelnen Charaktere auf der Strecke. Einen Tako Karides, Valdorian oder Hegemon Tubond sucht man leider in diesem letzten Roman vergeblich, denn obwohl offenbar der versessene Nektar diesen Platz einnehmen sollte, gelingt es Brandhorst diesmal nicht, die Figur mit Leben zu erfüllen. Nichtsdestotrotz bleibt die große Faszination der Kantaki-Welt bestehen. Häppchenweise verfüttert Brandhorst seine Informationen an den hungrigen Leser und entwickelt den großen Spannungsbogen über das Herausfinden der Hintergründe – für den Exodus der Kantaki, die Flucht ihrer Piloten, die Ziele und Intrigen Olkins, das Entstehen der KI-Zivilisation der Zäiden und die Fähigkeiten der Tal Telassi.

Es bleibt ein unterhaltsames Buch mit umfassenden Informationen, nicht zu gedrängt, aber etwas auf Kosten der Lebendigkeit. Brandhorsts Widmung lässt vermuten, dass es ihm kein Leichtes war, diesen abschließenden Band zu vollenden. Vielleicht hat er deshalb alle Rätsel aufgelöst und verlässt nun mit dem Leser die spannende Welt der Kantaki. Vielleicht hat er darum nur im Epilog den letzten Anker in diesem Universum belassen, um doch noch einen Anknüpfpunkt zu behalten. Vielleicht ist aber auch alles ganz anders und wir begegnen den Kantaki, Tal Telassi und Zäiden oder ihren Nachkommen bald wieder …

Der Autor vergibt: (3.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (2 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

Brandis, Katja – Feuerblüte – Das Mond-Orakel (Band 3)

Katja Brandis‘ Fantasytrilogie um Feuerblüte, wie die junge Schwertkämpferin Alena genannt wird, ist nicht unbedingt vielversprechend im [ersten Band 2876 gestartet, konnte sich im zweiten allerdings steigern. Nun liegt das Finale mit dem Titel „Feuerblüte – Das Mond-Orakel“ vor, und als Leser stellt man sich die Frage, ob das 454 Seiten starke Werk nach den Fortschritten des zweiten Bandes einen krönenden Abschluss der Reihe bieten wird oder ob es die gesamte Trilogie vernichtet.

Alena, die junge Schwertkämpferin, hat sich in Jorak verliebt, doch ihre Liebe scheint keine Zukunft zu haben, da Jorak ein Gildenloser ist. In Daresh, der Welt, die Katja Brandis sich für ihre Geschichten ausgedacht hat, ist ein Mensch nur dann etwas, wenn er einer der vier Gilden – Feuer, Wasser, Erde oder Luft – durch Geburt angehört. Wer Eltern verschiedener Gilden hat oder aus seiner Gilde ausgestoßen wurde, muss ohne das Recht, legal arbeiten zu dürfen, und in Armut in der farbenprächtigen Welt leben. Jorak hat das Pech, dass seine Mutter zur Luft-Gilde und sein Vater zur Feuer-Gilde gehört, und trotz seiner Versuche, in eine der beiden Gilden aufgenommen zu werden, hatte er bislang kein Glück.

Nachdem er mit Alena ein Abenteuer erlebt hat, das ihm die Anerkennung durch die Regentin verschafft hat, möchte er bei den Gilden noch einmal um Aufnahme bitten. Tatsächlich lässt man ihn vor den Rat der Gilden treten, doch an seine Aufnahme ist eine Bedingung gekoppelt: Er muss sich zwei unlösbaren Aufgaben stellen. Jorak nimmt die Aufgaben auf sich, um endlich in aller Öffentlichkeit mit Alena zusammen sein zu dürfen. Selbstverständlich kann er dabei auf die Hilfe seiner Freunde zählen, aber er und Alena ahnen nicht, dass sie sabotiert werden.

Währenddessen macht sich Rena, eine alte Freundin von Alenas verstorbener Mutter, auf, um zu erkunden, was das mysteriöse Mond-Orakel ist. Es handelt sich dabei um drei seltsame Kinder, welche die Zukunft vorhersagen können und von deren Prophezeiungen sich der Rat der Gilden abhängig gemacht hat. Rena ahnt, dass dies nicht unbedingt das Beste für das Land bedeutet, und schmuggelt sich als Heilerin in den Tempel des Orakels, wo sie erschreckende Entdeckungen macht …

Katja Brandis schmiedet einen sehr vielschichtigen, spannenden und wendungsreichen Plot, den sie in der dieses Mal sehr gelungen präsentierten atmosphärischen Welt von Daresh ansiedelt. Durch die Menge an Schauplätzen wird das Buch sehr bunt und lebendig aufbereitet. Außerdem treten viele neue und interessante Charaktere auf, und die Beschreibungen der Besonderheiten von Daresh sind anschaulich und abwechslungsreich gestaltet. Vor dieser Kulisse entwickelt die Autorin eine Handlung, die flott vorangeht und immer wieder durch unvorhergesehene Ereignisse überrascht. Es gibt kaum Längen, was die Spannung konstant hält, und die verschiedenen, anfangs unabhängig voneinander wirkenden Erzählstränge sorgen dafür, dass der Leser umso mehr rätselt. Er fragt sich nicht nur, ob die einzelnen Stränge irgendwann (und vor allem wie) zusammengeführt werden, sondern auch, wie es im Einzelnen weitergeht.

Die Personen tragen eine Menge dazu bei, dass „Feuerblüte – Das Mond-Orakel“ zu solch einem Lesegenuss wird. Innerhalb der zwei vorhergehenden Bände sind sie gereift. Aus den zumeist jugendlichen Protagonisten sind Erwachsene geworden, die sich mit einer Menge Probleme herumschlagen müssen. Die Charaktere, allen voran Alena, wirken sehr lebensnah und mehrdimensional. Brandis hat es geschafft, ihnen trotz des fantastischen Grundmotivs des Buches Charakterzüge und Probleme zu verpassen, mit denen sich der normale Leser identifizieren kann. Die Figurenzeichnung geht dabei teilweise sogar über das hinaus, was in der Fantasy normalerweise üblich ist, denn trotz des Happy-Ends wird vorher eine Menge schmutziger Wäsche gewaschen.

Der Schreibstil, in den Vorgängerbänden kritisiert, ist dieses Mal durchaus gelungen. Nach wie vor ist er mehr Mittel zum Zweck als Träger von Originalität. Allerdings entwickelt Brandis in „Feuerblüte – Das Mond-Orakel“ eine geradezu epische Erzählkraft, die bei dem Umfang des Romans auch vonnöten ist. Brandis schreibt spannend, dicht, mit einem sicheren Händchen bei der Wortwahl und ohne Ermüdungserscheinungen trotz der Länge der Geschichte.

Um auf die Fragestellung in der Einleitung zurückzukommen, ist der abschließende Band der Trilogie um Feuerblüte eine runde Sache. Die Handlung birgt enormes Erzählpotenzial, die Personen wirken ausgeglichen und gut durchdacht, der Schreibstil unterstreicht die Qualität der Handlung – Katja Brandis hat sich im Laufe der Zeit gesteigert und legt mit „Feuerblüte – Das Mond-Orakel“ ihr bislang bestes Buch vor.

Willkommen

_Katja Brandis bei |Buchwurm.info|:_
[„Feuerblüte“ 2876
[„Feuerblüte – Im Reich der Wolkentrinker“ 2887
[„Der Verrat der Feuergilde (Kampf um Daresh 1)“ 2909
[„Der Prophet des Phönix (Kampf um Daresh 2)“ 2931
[„Der Ruf des Smaragdgartens (Kampf um Daresh 3)“ 2964

Charles Stross – Glashaus

Niemand hätte gedacht, dass »Accelerando« sich würde fortsetzen lassen.

Wer aber die Verlagsinformation so versteht – in ihr wird »Glashaus« als kongeniale Weiterführung bezeichnet -, der wird sich enttäuscht sehen. Dieser Roman ist mit »Accelerando« nicht stärker verwandt als mit Cory Doctorows »Backup« – er stützt sich nur auf das Fundament der posthumanen Gesellschaft, das Stross in »Accelerando« entwickelt. Die Zeit der Beschleunigung findet in Form einer Singularität in der menschlichen Gesellschaftsentwicklung Erwähnung und erwächst damit in Stross‘ Vision zu einer unumgänglichen Größe. In dem Sinne kann man »Glashaus« als Fortsetzung bezeichnen, nämlich insofern, als eine Beschleunigung vorangegangen sein muss und in ihrem Zuge die Erde zur Defragmentierung gefunden hat.

In welcher Verbindung steht der Roman mit Doctorows »Backup«? Ziemlich direkt: Auch bei Doctorow können die Menschen Backups ihres Zustandsvektors anlegen und sich im Falle des Todes aus diesen Daten rekonstruieren lassen. Allerdings führt Stross dieses Experiment konsequent fort, denn wo Datenspeicher benutzt werden, besteht auch die Möglichkeit der Veränderung und des Fälschens. »Identitätsklau«: im »Glashaus« das schwerwiegendste Verbrechen.

Der Protagonist, Robin, lebt in einer Nachkriegswelt, die sich für ihre Bewohner als unendlich darstellt. Ob es Weltraumhabitate oder planetare Gebäude sind, ist für sie nicht feststellbar, denn sie bewegen sich nur innerhalb dieser Sphären und überbrücken große Distanzen mit Toren, in denen sie aufgelöst, als Datenpaket verschickt und in einem anderen Tor neu synthetisiert werden. Dabei haben die Menschen die Möglichkeit, alte Erinnerungen löschen zu lassen. Robin scheint sein gesamtes früheres Leben gelöscht zu haben. Nun schließt er sich einem Experiment an, welches das Leben in der Zeit vor der Beschleunigung nachzuvollziehen versucht. Das heißt: keine Assembler, die jede Bestellung produzieren können, keine Backups und damit die Möglichkeit zum echten Tod, kein Zugriff auf das allgegenwärtige Netz.

Im Verlauf der Geschichte rücken immer wieder Erinnerungen an den Krieg in den Vordergrund und machen neugierig. Es sind nicht nur Hintergrundinformationen, aus denen sich diese Zukunft entwickelte, sondern sie haben ganz direkte Beziehungspunkte zur Geschichte. Robin entpuppt sich als Schläfer, der in das Experiment geschleust wurde, um die Machenschaften der als Forscher getarnten Terrorgruppe zu enthüllen. Hier geht es um ein Virus, das sich, über die Tore verbreitet, in die Backups der Menschen einnistet und gezielt Erinnerungen löschen kann.

Stross‘ besondere Stärke sind Charakterisierungen. Seine Protagonisten entwickeln sich sehr individuell weiter und werden zu lebenden Persönlichkeiten, die genau so und nicht anders handeln müssen. Dabei entwickelt gerade der Ich-Erzähler Robin zwei unterschiedliche Seiten, nämlich die der Frau Reeve, deren Handlungsweisen sehr gut einer Frau zugeordnet werden können und deren Stärken auf anderen Gebieten liegen als bei Robin, der männlichen Inkarnation des gleichen Selbst. Dieser Spagat zwischen den Geschlechtern ist faszinierend und von Stross in hoher Kunst dargestellt.

Der Kopf dieses Menschen muss förmlich bersten von abgedrehten Ideen. Jeder einzelne der Romane von Charles Stross ist ein Feuerwerk und nährt sich an Ideen, aus denen andere Autoren ganze Serien fabrizieren. »Glashaus« ist eine Studie menschlichen Verhaltens unter besonderen Bedingungen auf dem schillernden Boden übermenschlicher Fantasie. Wenn sich dem Leser zwischenzeitlich der Vergleich mit dem »Experiment« der Strugatzkis aufdrängt, wird doch schnell deutlich, dass sich hier ganz andere Beweggründe finden und dass ein solcher Vergleich nicht möglich ist. Die fast psychedelischen Aspekte am Strugazki-Roman finden in diesem streng reglementierten Kosmos keine Entsprechung. »Glashaus« ist ein eigenständiger, intelligenter Roman, der sehr deutlich die visionäre Kraft des Autors darstellt.

Originaltitel: Glasshouse
Übersetzt von Ursula Kiausch
Mit Fotos Illustrationen von Stephan Martinière
Taschenbuch, 496 Seiten

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (4 Stimmen, Durchschnitt: 2,50 von 5)

Irvine, Ian – Festung der Macht, Die (Die drei Welten 4)

Band 1: [„Der Spiegel der Erinnerung“ 3928
Band 2: [„Das magische Relikt“ 4217
Band 3: [„Der Turm von Katazza“ 4363

Nachdem Mendark, Tallia und Pender einige Mühe damit hatten, ihr Schiff ordentlich auszurüsten, ist es ihnen endlich gelungen, Richtung Norden zu segeln und die Stadt Zile zu erreichen, wo sie in der Großen Bibliothek nach Informationen über den Spiegel suchen wollen. Mendark hofft, auf diese Weise herauszufinden, wohin Tensor mit dem Spiegel geflüchtet ist.

Tensor und seine Aachim haben inzwischen die Nordküste des Kontinents erreicht. Doch nun kann die Gruppe sich nicht einigen, wohin sie sich wenden soll. Da stoßen einige Überlebende aus Shazmak zur Gruppe, und ihre Berichte haben eine äußerst unangenehme Wirkung auf Tensor. Nur widerwillig beugt sich die Gruppe seinem Willen und folgt ihm nach Osten übers Meer.

Auch Shand und Karan sind nach Osten übers Meer geflohen. Und obwohl Karans ohnehin unzuverlässiges Talent in letzter Zeit überhaupt nicht mehr wirkt, spürt sie Llians Gegenwart. Kurzerhand beschließt sie, dass sie unbedingt nach Katazza muss. Doch sie werden immer noch verfolgt.

Yggur ist derweil der Verzweiflung nahe! Nichts funktioniert mehr so, wie es soll. Trotz aller Mühe gelingt es ihm nicht, der Stadt Thurkad Herr zu werden, die ihm verbliebenen Whelm sind aufsässig, und auch seine magischen Kräfte sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Yggur verliert zunehmend sein Selbstvertrauen. Und Maigraith, die während der Zeit, in der Faelamor nahezu handlungsunfähig daniederliegt, immer mehr an Selbstvertrauen gewinnt, verliert zunehmend ihre Achtung vor Yggur.

_Neue Charaktere_ tauchen in diesem Band des Zyklus so gut wie keine auf. Nur Nadiril, das Oberhaupt der Großen Bibliothek in Zile, tritt zum ersten Mal als Person in Erscheinung, ein sehr, sehr alter, gebrechlicher Mann mit einem unglaublich wachen Geist und einer nicht allzu guten Meinung von Mendark. Allein deshalb war er mir schon sympathisch. Allerdings beschränkt sich sein Auftritt bisher auf ein kurzes Gastspiel, deshalb blieb die Charakterzeichnung eher skizzenhaft.

Ansonsten sticht lediglich Tensor ein wenig aus dem Gros der Figuren heraus. Sein Verlangen danach, den Spiegel zu benutzen, um sich an Rulke, dem Charon, zu rächen, wird mit der Zeit immer mehr zum Wahn, Tensor selbst immer unberechenbarer. Diese Entwicklung ist zwar nicht unbedingt übermäßig intensiv, aber doch deutlich und nachvollziehbar geraten.

Shand zieht die Aufmerksamkeit des Lesers eher unauffällig auf sich. Schon früh war klar, dass in diesem Mann mehr steckt, als auf den ersten Blick zu erkennen ist. Im Laufe der Handlung entwickelt er immer mehr Fähigkeiten und vor allem immer mehr Wissen, das deutlich zeigt, dass Shand tatsächlich jemand Besonderes, jemand Wichtiges sein muss.

_Damit haben sich die Höhepunkte auch schon wieder fast erschöpft._ Die Handlung erzählt fast ausschließlich von den Schwierigkeiten, unter denen die einzelnen Gruppen sich nach Katazza durchschlagen, wobei Karan und Shand die härteste Tour zu überstehen haben, sowie von der Hilflosigkeit der Aachim Tensors Sturheit gegenüber. Selbst Malien, die sich schon ziemlich früh gegen Tensors Vorhaben ausspricht, ist nicht in der Lage, ernsthaft etwas gegen ihn zu unternehmen. Die Aachim geben in diesem Band trotz ihrer Fähigkeiten – oder vielleicht auch gerade deswegen – eine ziemlich erbärmliche Figur ab.

Die kurze Sequenz, in der die Gâshâd wieder einmal auftauchen und Karan bedrängen, ist auch diesmal nur ein kurzes Zwischenspiel, das letztlich ohne Folgen bleibt und dem Spannungsbogen nicht wirklich auf die Beine hilft. Dasselbe lässt sich von Karans extravaganter Klettertour sagen, die nichts weiter bewirkt, als dass hinterher nicht nur Llian, sondern auch Karan bei Tensor im Turm festsitzt. Abgesehen davon zeigen sich Llian und Karan Tensor gegenüber fast genauso hilflos und erbärmlich wie die Aachim. Nicht ein einziges Mal versuchen sie, die Tür des Turms zu öffnen oder das magische Tor zu zerstören, während Tensor abwesend ist. Sie warten einfach tatenlos, bis Tensor die Katastrophe heraufbeschworen hat. Dieses Verhalten passt zwar gut zu Llian, aber nicht zu der sonst so tatkräftigen Karan.

Selbst der eigentliche Showdown zeichnet sich letzten Endes durch eine eigenartige Tatenlosigkeit aus. Allen Anwesenden ist die ungeheure Gefahr bewusst, die Tensor heraufbeschworen hat, und ebenso die Tatsache, dass sie alle gemeinsam sicherlich die Kraft hätten, diese Gefahr zu bannen. Aber keiner rührt sich. Nicht einmal der Angreifer wird wirklich aktiv. Er steht nur herum und schüchtert alle ein, ehe er flüchtet, ohne eine Geisel mitzunehmen. Irgendwie wirkt das Ganze wie eine große Versammlung von unfähigen Schlafmützen. Was eigentlich der dramatische Paukenschlag des ganzen Buches hätte sein sollen, verpufft nahezu wirkungslos.

Und wer vielleicht gehofft hat, dass er nach Mendarks Besuch in der Großen Bibliothek oder durch Llians Suche im Archiv von Katazza endlich mal ein wenig schlauer würde, der wird ebenfalls enttäuscht. Zwar erwähnt der Autor, dass Tensor Llian bereitwillig auf seine Fragen nach den Historien der Aachim antwortet, ihm sogar ihre Schrift beibringt, dabei bleibt es aber auch schon. Noch immer weiß der Leser nicht, wie und warum es zu dem Krieg zwischen Faelamor und der Charon Yalkara gekommen ist, oder was genau es mit dem Spiegel auf sich hat. Das bruchstückhafte Wissen über die Vergangenheit macht es nicht gerade leichter, die diversen Parteien und ihre Handlungsweise nachzuvollziehen.

Als besonders störend in jeder Hinsicht hat sich auch diesmal wieder ein Unsitte erwiesen, die mir bisher hauptsächlich von |Piper| bekannt war: |Lübbe| hat die Originale aufgeteilt und so aus einem vierbändigen Zyklus einen achtbändigen gemacht. Das hätte mir schon bei der Lektüre von „Das magische Relikt“ auffallen sollen, denn dieser Band fing ganz anders an als der Auszug des ersten Kapitels aus Band zwei des englischen Originals auf der Homepage des Autors. Wirklich unübersehbar aber war es diesmal, wo die Handlung wirklich mittendrin auseinandergerissen wurde und man dem Leser zu Beginn des Folgebandes keinerlei Zeit bleibt, sich wieder in die Geschichte hineinzufinden. Wieder einmal denke ich darüber nach, lieber das englische Original zu lesen.

Wobei ich in diesem speziellen Fall nur wenig Neigung verspüre, überhaupt weiterzulesen. Zwar hat Shand sich inzwischen zu einem echten Sympathieträger und vor allem auch zu einer interessanten und geheimnisvollen Figur entwickelt, deren wahre Identität mich durchaus interessieren würde. Auch mag die Einführung des neuen Gegenspielers durchaus eine Menge neuer Möglichkeiten eröffnen. Andererseits hat der Autor von Anfang an eine Menge Details und Möglichkeiten im Ansatz angelegt und dann nicht weiterentwickelt. Und ich fürchte, meine Neugier darauf, wer Shand nun wirklich ist, reicht nicht aus, um mich weitere tausendsechshundert Seiten mit einer Geschichte herumzuschlagen, die sich hauptsächlich durch ununterbrochene Ortswechsel und die damit verbundenen Reiseschwierigkeiten auszeichnet.

_Ian Irvine_ ist Doktor für Meeresbiologie und hat einen Großteil des südpazifischen Raums bereist. Die Idee zu seinem Drei-Welten-Zyklus entstand bereits während des Studiums. Die damals entstandenen Karten und Skizzen dienten später als Basis für die Ausarbeitung, die inzwischen zwei Tetralogien umfasst und noch weiter ausgebaut werden soll. Abgesehen davon hat Ian Irvine den Öko-Thriller „Human Rite“ geschrieben sowie den Zyklus „Runcible Jones“. Die Übersetzung des dritten Bandes des Drei-Welten-Zyklus erscheint unter den Titeln „Dunkler Mond“ und „Der Fluch des Bettlers“ im April und Mai dieses Jahres.

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Williams, Tad – Drachenbeinthron, Der (Osten Ard: Das Geheimnis der großen Schwerter 1)

_Das Mondkalb und seine Abenteuer_

Simon ist Küchenjunge auf dem Hochhorst des Königs in Osten Ard. Er träumt lieber von großen Abenteuern und möchte eher im Hochhorst herumstreunen als wie alle anderen allerhand Dienste und Arbeiten zu verrichten. Weil Simon ein Tagträumer ist und ihm deshalb ständig Missgeschicke unterlaufen, wird er von allen nur Mondkalb genannt.

Durch einen glücklichen Zufall und sein gutes Verhältnis zu Doktor Morgenes wird er von diesem als Lehrling aufgenommen, und Simons größter Wunsch scheint zum Greifen nah: Nun wird er endlich in die Geheimnisse der Magie eingeweiht werden. Doch der Unterricht bei Doktor Morgenes sieht letztendlich anders aus, als Simon es sich vorgestellt hat. Statt in der Kunst der Magie unterwiesen zu werden, muss er sich mit anstrengenden Dingen wie Lesen und Schreiben herumschlagen, was ihm überhaupt keinen Spaß macht.

Währenddessen stirbt der König Johan Presbyter und ernennt zuvor Elias, seinen ältesten Sohn, als seinen Nachfolger. Josua, dessen jüngerer Bruder, versucht, auf seinen großen Bruder Elias einzureden, da dieser neuerdings seinen Rat beim Priester Pryrates einholt und Josua ihm nicht über den Weg traut. Elias, der seinen Bruder sowieso hasst, beschuldigt Josua, ihm den Thron entreißen zu wollen, und kurz darauf verschwindet Josua ohne jede Spur …

Als Simon mal wieder auf Erkundungstour ist, findet er eine offene Falltür, und so neugierig, wie er nun einmal ist, steigt er durch sie in einen unteren Lagerraum. Dort entdeckt er ein Verlies, in dem Prinz Josua von Pryrates gefangen gehalten wird, wie er erschreckt feststellen muss. Schnell rennt er zu Doktor Morgenes, um ihm von seinem Fund zu berichten, und die beiden starten eine Rettungsaktion, die zwar gelingt, aber Pryrates und seinen Anhängern nicht verborgen bleibt. Doktor Morgenes zeigt Prinz Josua einen geheimen Gang, durch den er fliehen und nach Naglimund gelangen kann. Als die Anhänger von König Elias und Pryrates dann vor Dr. Morgenes‘ Tür stehen, verhilft dieser auch Simon zur Flucht und muss dabei sein Leben lassen.

Simon beschließt verzweifelt, Prinz Josua zu folgen und ebenfalls nach Naglimund zu reisen. Auf dem Weg dorthin wird er Zeuge eines grausamen Rituals, in dem ein verzaubertes Schwert erschaffen wird. Traumatisiert von diesem Spektakel, versucht er weiter, nach Naglimund zu gelangen, und erfährt nach und nach, in welch großer Gefahr ganz Osten Ard sich befindet …

Die Geschichte beginnt sehr gemächlich. Anfangs passiert nicht besonders viel, jedenfalls nichts Bedeutsames. Man erhält einen Einblick in Simons Leben auf dem Hochhorst und es wird uns lebhaft präsentiert, welch ein Tollpatsch er ist und dass er seinem Spitznamen ‚Mondkalb‘ daher alle Ehre macht. Dennoch wird die Lektüre zunächst noch nicht langweilig. Obwohl über eine lange Zeit eigentlich kaum etwas passiert, verfolgt man die vermeintlichen ‚Abenteuer‘ von Simon gespannt und lernt den Handlungsträger nach und nach besser kennen.

Ein jäher Wechsel von Simons friedlichem Leben auf dem Hochhorst in ein gefährliches Abenteuer ereignet sich dann, als das zweite Buch beginnt. Simon flieht allein vom Hochhorst und muss auf seiner Reise mit Tränen, Hunger und anderen Unbequemlichkeiten der Wildnis kämpfen, die ihn beinahe in den Wahnsinn und in den Tod treiben.

Während des Verlaufs der Geschichte kann man beinahe dabei zusehen, wie sich Simon verändert. Anfangs, auf dem Hochhorst, ist er ein Junge, der lieber vor sich hinträumt und einfach tollpatschig ist. Er entzieht sich sämtlicher Arbeiten und ist dann froh, als er bei Dr. Morgenes als Lehrling aufgenommen wird, weil er hofft, von ihm die Gesetze der Magie gelehrt zu bekommen. Trotzig, tollpatschig, verträumt, neugierig und faul – genau das ist Simon.

Doch dann, als er auf Reisen geht, durchläuft er eine erkennbare Veränderung. Er träumt nicht mehr so viel und wird zunehmend erwachsener und verantwortungsvoller. Die Wildnis und seine anfängliche Hilflosigkeit härten seinen Körper wie seinen Charakter ab. Die Entwicklung von Simon wird also wirklich sehr gut rübergebracht und zeugt von Tiefe und Wiedererkennungswert.

Doch Simon ist nicht der einzige Charakter in „Der Drachenbeinthron“, der gründlich ausgearbeitet wurde. Alle Personen, die eine größere Rolle spielen, haben ihre Eigenarten und eigenständige, einzigartige Wesenszüge. Vor allem die Gestaltung von Binabik dem Troll oder Josua hat mir wirklich ausnehmend gut gefallen. Solche starken Charaktere, zudem in solch großer Zahl, findet man nicht in jedem Fantasybuch. Man erfährt dadurch nicht nur die Gefühle oder Beweggründe Verbündeter oder jene der Feinde, sondern bekommt auch einen guten Überblick über die Handlungsentwicklung und innere Logik.

Tad Williams Schreibstil ist sehr emotional gehalten und passt sich der jeweiligen Stimmung ausgezeichnet an. Wenn er von Simons Träumereien schreibt, ist die Schreibweise entsprechend lyrisch, wenn er von Gefahren schreibt, ist der Stil sehr gehetzt. Das führt dazu, dass man einfach richtig gut in die Geschichte eintauchen kann. Zusätzlich arbeitet Williams mit zahlreichen atmosphärischen Metaphern.

Ein Nachteil, den das Buch leider bei allem Vorteilhaften auch aufzuweisen hat, sind seine Längen. Es ist mehr als 900 Seiten stark und zudem nur der Auftakt einer mehrbändigen Serie, und da kann man sich schon denken, dass die Abenteuer sich nicht gerade atemlos aneinander reihen. Ab der Mitte des Buches, wenn Simon schon lange Zeit auf der Reise nach Naglimund ist, stellt sich immer wieder Langeweile ein, weil es irgendwann einfach keine Freude mehr bereitet, wenn man ständig belanglose Gespräche oder lange Reisebeschreibungen lesen muss. Und nicht nur auf Simons Reise ist das der Fall – leider geschieht dergleichen ab der Mitte des Wälzers immer wieder. Zwischendurch passiert natürlich immer wieder etwas Interessantes oder Abenteuerliches, dann geschieht aber lange Zeit nichts Bedeutsames und der Leser muss sich mit langweiligen, belanglosen Gesprächen und unwichtigen Handlungseinsprengseln herumschlagen, was bei noch knapp 500 Seiten ziemlich ermüdend werden kann.

Ein weiterer Punkt, der nicht gerade zum ungestörten Lesefluss beiträgt, sind die vielen ungewohnten Namen, Bezeichnungen und Sprachen. An die Namen gewöhnt man sich irgendwann, doch oft werden Wörter oder ganze Sätze in einer anderen Sprache gesprochen. Zwar gibt es ein Glossar, das aber ziemlich unübersichtlich gestaltet ist, und außerdem ist es auch noch lästig und störend, wenn man alle paar Minuten nach hinten blättern und suchen muss, weil man etwas übersetzen oder nachschlagen will. Da das irgendwann wirklich stört, neigt man dazu, das Nachschlagen einfach sein zu lassen und einfach weiterzulesen. Zum Glück kann man sich oft denken, was bestimmte Wörter oder Sätze heißen könnten.

_Fazit:_ „Der Drachenbeinthron“ hinterlässt einen ambivalenten Gesamteindruck. Charakterentwurf und Schreibstil haben mir wirklich sehr gut gefallen, andererseits weist das Buch zahlreiche langatmige und für den Leser uninteressante Passagen auf, und das nervige Umblättern, um Informationen nachzuschlagen, stört doch sehr, vor allem, weil das Glossar alles andere als übersichtlich gestaltet ist.

_Robert Paul „Tad“ Williams_ wurde am 14. März 1957 in San José, Kalifornien, geboren. Seine Eltern waren nicht sehr reich, förderten ihren Sohn aber, so gut es ging. Tad entschied sich, nicht zur Schule zu gehen, um für sich selbst zu sorgen. Er nahm unterschiedliche Gelegenheitsjobs an, wie das Eintreiben von Schulden oder Arbeit auf dem Bau. In seiner Freizeit spielte er in einer kleinen Rockband namens |Idiot|. Tad moderierte eine Talkshow und war als Schauspieler tätig. Seine bekanntesten Werke sind die Zyklen von |Osten Ard|, |Shadowmarch| und |Otherland|.

|Die Saga von Osten Ard – Das Geheimnis der großen Schwerter:|

1. Band: Der Drachenbeinthron
2. Band: Der Abschiedsstein
3. Band: Die Nornenkönigin
4. Band: Der Engelsturm
[„Der brennende Mann“ 2734
[„Der brennende Mann“ 2341 (Hörbuch)

|Originaltitel: The Dragonbone Chair
Deutsch von Verena C. Harksen
948 Seiten mit farbigen Illustrationen, Lizensausgabe|
http://www.tadwilliams.de/

|Mehr von Tad Williams auf Buchwurm.info:|

Otherland: [„Fantasy als Flucht und Fluch – Der ultimative Logout“]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=20
[„Otherland 1: Stadt der goldenen Schatten“ 603 (Hörspiel)
[„Otherland 2: Fluß aus blauem Feuer“ 1208 (Hörspiel)
[„Otherland 3: Berg aus schwarzem Glas“ 1739 (Hörspiel)
[„Otherland 4: Meer des silbernen Lichts“ 1988 (Hörspiel)
[„Otherland 5: Der glücklichste tote Junge der Welt“ 4196 (Hörbuch)
[„Shadowmarch: Die Grenze“ 2076
[„Der Blumenkrieg“ 539
[„Die Insel des Magiers“ 1541
[„Die Stimme der Finsternis“ 1400

|Anmerkung: Die gesamte Fantasy-Bibliothek mit 10 Bänden (satte 4’500 Seiten) gibt es bei [Weltbild]http://www.weltbild.de/artikel.php?PUBLICAID=2f4ad2e713cdc250fbcff5fd2a9aec39&artikelnummer=264802&mode=art für sparsame 29,50 €uro.

Bei Fischer sind die vier Bände der Saga Ende 2003 auch im [Sammelschuber]http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3596161509/powermetalde-21 erschienen.|

Link, Kelly – Elbenhandtasche, Die

Die Lobeshymnen im Klappentext zu Kelly Links Debüt „Die Elbenhandtasche“ sind geradezu überschwänglich. Jonathan Lethem erklärt die Autorin kurzerhand zur |“besten Kurzgeschichten-Autorin der Welt“| und auch Neil Gaiman lässt sich von der Euphorie um Kelly Links Fantasy-Kurzgeschichten anstecken: |“Kelly Link setzt ein Wort hinter das andere und erschafft damit wahre Magie – witzig, bewegend, zärtlich, unerschrocken, gefährlich.“| Grund genug, mal einen genaueren Blick in „Die Elbenhandtasche“ (schon der Titel klingt so schön herrlich skurril) zu werfen.

Das Buch enthält neun Kurzgeschichten, die sich allesamt der Urban Fantasy zuordnen lassen. Was auf den ersten Blick nach ganz normalen Protagonisten und einem ganz alltäglichen Handlungsablauf aussieht, entwickelt stets ganz ungeahnte fantastische Züge. So erzählt in der ersten Geschichte die junge Genevieve die Geschichte ihrer Großmutter, die eine eigenartige Handtasche besessen hat, die nun verschwunden ist. In dieser Handtasche ist schon so mancher Mensch verschwunden, um Jahrzehnte später keinen Tag älter wieder daraus aufzutauchen.

Nicht minder fantastisch ist „Hortlak“, die Geschichte eines 24-Stunden-Supermarktes am Rande einer Schlucht, in dem jede Nacht Zombies ein- und ausgehen. Faszinierend ist auch „Steintiere“, die Geschichte einer ganz normalen Familie, die in ein verwunschenes Haus einzieht und deren Alltag sich dadurch unmerklich und unheimlich zu verändern beginnt. Sehr schön liest sich auch „Die große Scheidung“, eine Geschichte, in der es vollkommen normal ist, dass Menschen Tote heiraten, was natürlich selten zu einer leichten Ehe führt.

Kelly Link beweist mit ihren Kurzgeschichten einen enormen Erfindungsreichtum. Sie versteht sich darauf, ihre Geschichten bis in den letzten Winkel lebensnah erscheinen zu lassen, mag der Plot sich auch noch so abstrus entwickeln. Mit einer bewundernswerten Leichtigkeit erzählt sie von den sonderbarsten Verwicklungen, und wenn man die merkwürdigen Handlungsverläufe mit eigenen Worten wiedergeben wollte, so könnte das nur reichlich unmöglich und verschroben klingen. Link schafft es aber, ihre Geschichten so selbstverständlich und normal erscheinen zu lassen, dass man staunt, wie verrückt sie dabei eigentlich sind.

Nicht selten kranken Kurzgeschichten daran, dass sie nicht ausreichend Tiefe entwickeln, den Leser nicht weit genug in ihren Bann ziehen können und dieser nach Ende der Geschichte seltsam unberührt zurückbleibt. Kelly Link hat damit in den meisten Fällen wenig Probleme. Sie scheint den Leser einzulullen, zieht ihn tief in ihre Geschichten hinein und spinnt ihn ein, in einen Kokon irrsinniger und fantastischer Ideen.

Die Art und Weise, wie sie beispielsweise in der Geschichte „Eingelullt“ die Erzählebenen ineinander verschachtelt, ist schon sehr raffiniert eingefädelt. Sie schafft es, sich auch dabei nicht zu verzetteln und den Leser auf halber Strecke zu verlieren. Man kann ihr auch auf den fantastischsten Pfaden meist noch sehr gut folgen, denn allen Geschichten liegt neben einem Hang zum Absurden und Fantastischen auch einer zum ganz Normalen und Alltäglichen zugrunde.

Dabei bewegt Kelly Link sich stets souverän durch die unterschiedlichen literarischen Gattungen. Mal geht es in Richtung Märchen oder Fabel, mal in Richtung Krimi, mal garniert sie ihre Geschichten mit einer Prise Horror, mal mit einem wunderbar ironischen Unterton. Kelly Link schafft einen gelungenen Genremix und präsentiert eine unterhaltsame Vielfalt an Kurzgeschichten, die allesamt vor allem eines gemeinsam haben: Sie sind viel zu schnell zu Ende. Man möchte ihre Protagonisten am liebsten noch länger begleiten, sehen, was aus ihnen wird und wie sie sich weiterentwickeln.

Lediglich die nur zehnseitige Geschichte „Die Kanone“ kann nicht so ganz überzeugen. Im Stil eines Interviews gehalten, hat sie zwar auch einen gelungenen Moment, wenn quasi eine Geschichte innerhalb der Geschichte erzählt wird, ansonsten bleibt sie hinter den übrigen Erzählungen aber um einiges zurück.

Unterm Strich bleibt aber ein durchaus positiver Eindruck zurück. Ich tue mich sonst oft etwas schwer mit Kurzgeschichten, aber Kelly Link hat es geschafft, das Eis meiner sonstigen Kurzgeschichtenzurückhaltung zu brechen. Sie beweist einen enormen Erfindungsreichtum, fährt herrlich absurde und fantastische Ideen auf und verbindet das Ganze zu einer Vielfalt an unterhaltsamen und farbenprächtigen Kurzgeschichten. Man taucht jedes Mal tief in die Geschichte ein und würde die meisten Protagonisten am Ende gerne noch weiter begleiten. Man darf nach diesem Debüt auf jeden Fall gespannt darauf sein, was Kelly Link in Zukunft noch abliefert. Wenn sie sich ihren Erfindungsreichtum bewahrt, dann steht uns gewiss noch so manche großartige Geschichte ins Haus.

http://www.heyne.de

Canavan, Trudi – Priester (Das Zeitalter der Fünf 1)

Auraya lebt bei ihrer Familie in einem kleinen Dorf in Nordithania, als sie einen Konflikt mit den kriegerischen Dunwegern gewaltfrei löst. Dadurch werden die fünf Weißen Götter auf das magisch begabte Mädchen aufmerksam und erwählen sie zu ihrer fünften Stellvertreterin.

Damit wird Auraya in den Bund der Weißen aufgenommen und unterrichtet. Lediglich die Trennung von ihrer Familie und dem Traumweber Leiard schmerzen sie. Die junge Frau lernt schnell und darf schon bald verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen. Dazu gehört es, Bündnisse mit anderen Ländern zu schmieden und Kontakt zu den menschenscheuen Völkern des Wassers und der Lüfte aufzunehmen.

Während sie mit den fliegenden Siyee schon bald eine enge Freundschaft verbindet, bleiben die im Meer lebenden Wesen den „Landgehern“ gegenüber weiterhin skeptisch und feindselig. Die neuen Bündnisse der Weißen werden schon bald auf eine harte Probe gestellt, als sich die Schwarzen Magier aus dem Süden daranmachen, eine gewaltige Armee auf die Beine zu stellen, um Nordithania zu unterwerfen und den Bund der Weißen zu zerstören. Die Pentadrianer sind nämlich der Ansicht, den einzig wahren Göttern zu dienen, und schrecken auch nicht vor kaltblütigem Mord zurück, um ihre Ziele zu erreichen.

Dessen ungeachtet muss Auraya sich auch persönlichen Konflikten stellen, denn sie ist in heimlicher Liebe zu ihrem früheren Lehrer und Mentor, dem Traumweber Leiard entbrannt. Doch der Bund der Weißen verachtet die Traumweber wegen ihrer Gottlosigkeit und die Traumweber wiederum meiden die Weißen und ihre Zirkler, da sie diese für den Tod ihres Ordensgründers Mirar verantwortlich machen.

Und dann überrollen die Schatten des grauenhaften Krieges Aurayas inneren Zwist und sie muss erstmalig beweisen, was sie gelernt hat, und sich gegen einen übermächtigen Gegner behaupten …

_Meine Meinung:_

Trudi Canavans neue Fantasy-Trilogie beginnt bereits sehr episch, und geschickt versteht es die australische Autorin, das Interesse an der kleinen Welt Ithania zu wecken. Das kulturelle Leben und die Topographie wurden sehr liebevoll und detailliert entwickelt und dargestellt, so dass man mit den Charakteren schnell warm wird. Ein Übriges tut die flotte und schnörkellose Schreibe Canavans. Die ersten Seiten sind rasch gelesen und man ist immer wieder gespannt darauf, wie es weitergeht und welche neuen Aufgaben auf Auraya warten. Man hat zunächst wirklich nicht den Eindruck, dass die gut 800 Seiten zu viel sein könnten. Im Gegenteil, der Stoff dieses Epos ist so umfangreich angelegt, dass die nächsten beiden Teile ihre Existenzberechtigung unbedingt gerechtfertigt haben. Dabei setzt die Schriftstellerin keineswegs auf Action und Massenschlachten am laufenden Band. Vielmehr geht es um Interessenkonflikte, Diplomatie, Freundschaft und Religion. Selbstverständlich fehlen auch Liebe und Leidenschaft nicht, und insbesondere das Volk der Siyee wird von Canavan sehr intensiv beschrieben.

Hier liegt bedauerlicherweise auch der Knackpunkt des Buches, denn sowohl die Heldin Auraya als auch das kleine Volk der fliegenden Siyee werden von der Autorin so strahlend hell und harmonisch geschildert, dass sich nach einigen hundert Seiten die Langeweile einstellt. Auraya ist über jeden Verdacht erhaben, und selbst ihre verbotene Liebe zu Leiard wird schlussendlich gebilligt. Auraya ist für einen modernen Fantasy-Roman einfach zu glatt gebürstet. Sie ist der Liebling der Götter, der sogar mit der Gabe des Fliegens gesegnet wurde, und im Prinzip gelingt ihr alles ohne große Probleme und Anstrengung. Der groß angekündigte Krieg, auf den das Buch gut 400 Seiten lang hinarbeitet, wird relativ zügig und unspektakulär in einer einzigen Schlacht über die Bühne gebracht, und wer die klassische Helden-Fantasy kennt, weiß auch, wer maßgeblich daran beteiligt sein wird. Dabei mangelt es Canavan sicherlich nicht an interessanten und vielschichtigen Charakteren und Völkern. Allein die wilde Magierin Emerahl und der von den Erinnerungen des Traumweber-Gründers Mirar geplagte Leiard sind es bislang wert, in den kommenden Büchern ausführlicher behandelt zu werden. Die vielversprechenden Übergriffe der Schwarzen Magier mit den todbringenden Worns (riesige, schwarze, wolfsartige Raubtiere) werden später kaum weiterverfolgt und kommen erst wieder am Ende zur Sprache.

Abgerundet wird das Buch durch ein Glossar, in dem Pflanzen, Tiere, Fahrzeuge, Kleidung, Speisen, Getränke und Krankheiten kurz erläutert werden. Hinzu kommt eine Karte von Ithania, welche die Orientierung während des Lesens ungemein erleichtert. Die äußere Gestaltung des Bandes wirkt ebenfalls sehr edel und widerstandsfähig.

_Fazit:_

Trudi Canavan schuf mit dem |Zeitalter der Fünf| eine faszinierende und sehr vielschichtige Welt. Leider verliert die Protagonistin des Buches im Laufe der Handlung viel von ihrem Biss und ihrer Glaubhaftigkeit, dafür geraten einige andere interessante Charaktere und Szenerien ins Hintertreffen. Das Buch strebt unaufhaltsam einem bombastischen Finale entgegen, welches dann schließlich viel zu schnell und unspektakulär daherkommt. 100 bis 200 Seiten weniger wären der Dramaturgie sicherlich zuträglicher gewesen. Was in diesem Einstiegsband bleibt, ist eine gute Fantasy-Geschichte, die zu lesen trotz der erwähnten Mängel Freude bereitet.

|Originaltitel: Priestess of the White (Age of the Five 1)
Originalverlag: Orbit / [Blanvalet]http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/344224479X/powermetalde-21
Aus dem Englischen von Michaela Link
Ab 12 Jahren
Taschenbuch, 832 Seiten, 12,5 x 18,3 cm|
[Verlagsspezial zur Trilogie]http://www.randomhouse.de/specialskids/zeitalter/
http://www.trudicanavan.com
http://www.cbj-verlag.de

_Trudi Canavan auf |Buchwurm.info|:_

[„Priester“ 4275 (Das Zeitalter der Fünf 1)
[„Magier“ 4456 ((Das Zeitalter der Fünf 2)
[„Götter“ 4621 (Das Zeitalter der Fünf 3)
[„Die Rebellin“ 3041 (Die Gilde der Schwarzen Magier 1)
[„Die Novizin“ 2989 (Die Gilde der Schwarzen Magier 2)
[„Die Meisterin“ 3065 (Die Gilde der Schwarzen Magier 3)

_Florian Hilleberg_