Archiv der Kategorie: Fantasy / Science-Fiction

Gregory Benford – Zeitschaft. SF-Roman

Nebula Award 1981, das sagt (dem eingeweihten SF-Fan) alles! Dies ist ohne Zweifel einer der besten SF-Romane der letzten Jahrzehnte. Meisterhaft verknüpft Benford, selbst ein gestandener Physiker, wissenschaftliche Theorie mit einer packenden dramatischen Handlung. Kernthema ist die Nachrichtenübermittlung aus der Zukunft.

Kaum ein anderer Roman – SF oder Non-SF – hat ähnlich authentisch und überzeugend die Welt der Wissenschaftler dargestellt. Moderne physikalische Theorien werden allgemein verständlich dargelegt und treiben mit ihren Auswirkungen die spannende Handlung voran.

Der Autor
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William Gibson – Neuromancer. Zukunftsroman

William Gibson ist einer der bedeutendsten Science-Fiction-Autoren der letzten zwanzig Jahre. Er hat, wie kein anderer SF-Autor, in kürzester Zeit Kultstatus erlangt. Sein Erstlingswerk „Neuromancer“ wurde mit dem |Nebula Award|, dem |Hugo Award|, dem |Locus Award| und dem |Philip K. Dick Memorial|-Preis ausgezeichnet.

William Gibson entführt seine Leser in eine Welt immanenter, teils futuristischer Technik, die sich aber von ihrem sozialen und politischen Gefüge her kaum von unserer wirklichen Welt unterscheidet – multinationale Megakonzerne beherrschen die Wirtschaft und die Politik; die Ballungsräume haben sich zu immer größeren, geschwürartigen Gebilden entwickelt, bis sie irgendwann zusammengewachsen sind; ein sehr großer Teil der Bevölkerung lebt in den Randgebieten des Sprawl – in den Slums – und kämpft ums Überleben. Einige von ihnen haben sich die Technik zu Nutze gemacht und verdienen ihr Geld mit Datendiebstahl und Industriespionage.

|“Cyberpunks nennen sich die Computerfreaks mit implantierter Elektronik im Schädel, allesamt verrückt und süchtig nach irren Abenteuern jenseits der Realität. Die Direktschaltung von Gehirn und Computer verheißt Allgegenwart und nie dagewesene Sensationen. Eine neue Welt tut sich auf, intensiv wie ein elektrischer Schock.“| (Bruce Sterling)

Case war ein solcher Cyberpunk. Mit 22 Jahren war er einer der besten Deckjockeys im Sprawl – ein |Cowboy|, wie er es nannte. Er war ein Dieb, der für die großen, reicheren Diebe arbeitete. Seine Auftraggeber beschafften ihm die Software, die er benötigte, um in die riesigen Industrie-Komplexe mit ihren geheimen Forschungslaboratorien einzubrechen und dort all jene Daten zu stehlen, an denen sie interessiert waren.
Dann machte er den klassischen Fehler. Case behielt etwas von dem zurück, was ihm nicht gehörte. Er wollte das große Geld machen – und zwar schnell. Sie kamen ihm auf die Schliche, fanden ihn und bestraften ihn auf eine Art, die für Case schlimmer war als der Tod. |“Sie schädigten sein Nervensystem mit einem russischen Mykotoxin aus Kriegszeiten. In einem Hotel von Memphis ans Bett gefesselt, halluzinierte er dreißig Stunden lang. Mikron für Mikron brannte sein Talent aus. Der Schaden war gering, unauffällig, aber äußerst wirksam.“ (S. 14/15)| Seit dieser Nacht war der Cyberspace nur noch eine Erinnerung, ein Traum. Die Ärzte in den schwarzen Kliniken hatten seine Verstümmelung bestaunt, doch sie konnten ihn nicht heilen.

Darauf folgte der soziale und gesellschaftliche Abstieg. Er begann Drogen zu nehmen, Speed und Alkohol, und steigerte sich in eine akute Suizidgefahr hinein. Case stand mit einem Mal am Rande der Gesellschaft und agierte hart an der Grenze zur Unterwelt. Er war nur ein kleiner Gauner unter vielen.
|Heute| ist Case 24 Jahre alt. Er ist ein Punk, der orientierungslos einen Leitfaden durch sein Leben sucht. Case versucht den Eindruck zu erwecken, er habe mit seinem |früheren| Leben abgeschlossen, doch Drogen und mehr oder weniger unmotivierter Sex vermögen ihm nicht zu geben, was er außerhalb des Cyberspace entbehren muss.. |“(…) Der Körper war nur Fleisch. Case wurde ein Gefangener des Fleisches.“ (S. 15)|

Er ist einer der unzähligen Straßendealer in Ninsei, den Slums von Chiba City. Er schläft in den billigsten Absteigen und schlägt sich mit illegalen Geschäften für das organisierte Verbrechen und manchmal auch mit Mord durchs Leben. Die neuen Yen, die ihm seine Deals einbringen, investiert er direkt in den nächsten Auftrag und in Drogen.

Eines Abends tritt Molly in sein Leben. Molly ist eine kybernetisch aufgewertete Straßenkämpferin mit implantierten Linsen und Nagelmessern. Ihr Job ist es, Case zu ihrem Auftraggeber Armitage zu bringen – nur um zu reden, wie sie ihm versichert. Armitage unterbreitet ihm einen interessanten Deal. Er will Case’s Nervenschäden in einer illegalen Klinik heilen lassen, wenn dieser dafür einen Auftrag im Cyberspace übernimmt. Anfänglich zögert Case, da er zu oft enttäuscht wurde. Sein altes Leben wieder zum Greifen nah, willigt er dann aber doch ein, da er der Verlockung, endlich wieder den Cyberspace betreten zu können, nicht widerstehen kann …

Der Autor

William Gibson wurde am 17. März 1948 in Convay, South Carolina (USA), geboren. Nachdem 1966 seine Mutter starb, verließ er im Alter von 19 Jahren die USA und zog, um sich der Einberufung in den Vietnamkrieg zu entziehen, nach Toronto (Kanada). Seit 1971 wohnt er in Vancouver, British Columbia (Kanada).

Auf der |University of British Columbia| begann William Gibson zu schreiben. 1977 verkaufte er, zu Beginn der Punkbewegung, seine Kurzgeschichte „Fragments of a Hologram Rose“ (später im Heyne-Verlag veröffentlicht in der Kurzgeschichtensammlung „Cyberspace“) an die wenig verbreitete Zeitschrift UnEarth.

Er begründete den Begriff |Cyberspace| und beschrieb die |Virtuelle Realität| (VR) und das |Internet|, bevor die meisten Menschen deren Existenz auch nur erahnten.

Der Cyberspace ähnelt im Großen und Ganzen unserem heutigen Internet. Während man, um das Internet zu benutzen, vor einem Bildschirm sitzt und seine Daten via Tastatur und Maus eingibt, |’steckt’| der User in Gibsons Vorstellung jedoch nur noch |’ein’|, worauf sein Geist in den Cyberspace eintaucht und dort agiert. Die Visualisierung basiert auf der Technologie der virtuellen Realität, die auf eine abstrakte Art und Weise an die reale Welt angelehnt ist.
Der Cyberspace wird z.B. genutzt, um Geschäftsprozesse von jedem Ort auf der Welt für die berechtigten Benutzer zugänglich zu machen. Aus den Mauern der realen Industriekomplexe und Banken werden im Cyberspace unsichtbare Mauern aus EIS (Elektronisches Invasionsabwehr-System). Auch hier gibt es, wie in der Realität, technische Möglichkeiten, diese Abwehrmechanismen zu umgehen. Genau wie in der realen Welt, treiben auch im Cyberspace Gauner, Diebe und Industriespione ihr Unwesen. Ihre Werkzeuge sind nur nicht mehr Dietrich und Schneidbrenner, sondern eigens zum Durchbrechen der Mauern aus EIS geschriebene Computerviren.

In Gibsons Vorstellung kann ein Deckjockey im Cyberspace auch sterben. Die Idee, welche dahintersteht, ist, dass, wenn der Geist im Cyberspace angegriffen und |getötet| wird, eine Rückkopplung erfolgt, die das Gehirn im wahrsten Sinne des Wortes grillt. Es besteht also ein gravierender Unterschied zwischen unseren heutigen Computerspielen, z.B. in Virtual-Reality-Cafés, und Gibsons Cyberspace. Wenn ein Deckjockey im Cyberspace einen schwerwiegenden Fehler begeht, dann wird kein virtuelles Leben abgezogen und es gibt auch keinen Schriftzug |Game Over|, der in roter Schrift im Blickfeld aufblinkt, der Deckjockey stirbt einfach – sowohl in der virtuellen als auch in der realen Welt.

Als Hommage an Gibsons „Neuromancer“ entstand das Pen&Paper-Rollenspiel „Cyberpunk“, welches in der düsteren Welt von „Neuromancer“ spielt.

William Gibson gilt auch als Begründer einer neuen literarischen Strömung in der Science-Fiction, dem |Cyberpunk| oder – in Anlehnung an „Neuromancer“ – der |Neuromantik|.

Der Titel „Neuromancer“ ist ein Wortspiel zu |Necromancer| (dt.: Nekromant), was soviel wie Geisterbeschwörer bedeutet, und |neuro|, also Nervensystem. Case, der Protagonist der Geschichte, ist ein zeitgenössischer, in naher Zukunft angesiedelter Zauberer. Seine Hexerei besteht darin, das menschliche Nervensystem mit dem elektronischen neuronalen Netzwerk der Computerwelt zu |interfacen| und diese zu manipulieren bzw. von ihr manipuliert zu werden. Dieser Gedanke folgt analog dem wechselwirkenden Eintritt eines Schamanen in traditionelle mystische Bereiche (die Geisterwelt) mittels Drogen und/oder Trance.

Das Genre ist geprägt vom Lebensgefühl der Punkkultur, die sich in einer modernen, von Elektronik geprägten Welt wiederfindet. Im Mittelpunkt steht ein Computernetzwerk ähnlich unserem Internet, der Cyberspace oder auch die Matrix, welches dem Menschen mittels Interfaces ein völlig neues Terrain eröffnet.

William Gibson verbindet in seinen Romanen zwei Strömungen der Science-Fiction, die |Hard SF| und die |New Wave| der siebziger Jahre. Seine wissenschaftlich-technische Extrapolation entstammt der Hard SF, während seine stilistische Ausführung New Wave pur ist, das heißt, er schreibt gesellschaftskritisch mit einem romantischen Impuls und er bedient sich des in der New Wave verwendeten Archetypus der Protagonisten.

Die Hard SF zeichnet sich durch einen logischen Positivismus, traditionelle moralische Werte und ein wissenschaftliches Weltbild aus. Streng wissenschaftlich orientiert, werden in simpler, transparenter Erzählkunst die Geschichten gestählter Könnertypen und gefühlloser Technikmenschen dem Leser nahe gebracht. Die Archetypen dieser Stilrichtung sind beispielsweise Computerhacker oder Weltraumkommandanten, die meist aus mittelständischen oder aristokratischen Gesellschaftsschichten stammen.

Aus der Sicht der Hard-SF-Autoren vertreten die Autoren des New Wave eine nihilistische, gegen Wirtschaft und Technik gerichtete Einstellung.

Die New Wave hingegen begründet sich auf ein |gesundes| Volksempfinden, welches sich in der Rebellion gegen Establishment und Krieg manifestiert. Sie steht für sexuelle Befreiung und einen kulturellen Pluralismus, aus dem sich ein charakterologischer Realismus ergibt, der sich auch in den Archetypen, wie z. B. Hippies oder Punks widerspiegelt. Stilistische Experimente, wie z. B. Slang oder mehrere Erzählstränge und ein starker romantischer Impuls, der sich in der Einbeziehung und Beschreibung des Banden- und Straßenmilieus offen zeigt, runden das Bild der New Wave ab.
Die New-Wave-Autoren werfen den Autoren der Hard SF vor, sie seien naiv, da sie zu glauben scheinen, ein Aufschwung in Wirtschaft und Technik müsse eo ipso zur Verbesserung der menschlichen Bedingungen beitragen.

Die Merkmale dieser beiden Strömungen galten lange Zeit als unvereinbar. Doch Gibsons Werke scheinen genau den Nerv der Zeit zu treffen. Er vereinigt in seinen Romanen eine komplexe Synthese der Popkultur mit High-Tech und einem fortgeschrittenen Schreibstil. Seine Werke beheimaten dichte und bizarre Storys, eine kantige und düstere Leidenschaft und intensive Detailfreude. Hervorzuheben sind dabei neben der Neuromancer-Trilogie, welche durch „Count Zero“ (Biochips) und „Mona Lisa Overdrive“ komplettiert wird, die |Sprawl-Serie|, zu der die Kurzgeschichten „Johnny Mnemonic“, „New Rose Hotel“ und das fabelhafte „Burning Chrome“ gehören. Die Charaktere sind ein Sammelsurium aus Verlierern, Gangstern, Abtrünnigen, Ausgestoßenen und Irren, mit denen man sich durchaus zu identifizieren vermag. Gibson schreibt von |normalen| Menschen, die sich in unserer technisierten Welt zurecht finden müssen und nicht von den unfehlbaren |Super|-Helden aus gehobenen gesellschaftlichen Schichten, wie es die Hard SF bevorzugt.

Im Vorwort von „Cyberspace“ schreibt Bruce Sterling über Gibsons Erzählungen:

„(…) In seiner Welt ist die Wissenschaft kein Wunderbrunnen schrulliger Genies, sondern eine allgegenwärtige, alles durchdringende, greifbare Kraft.
Die Geschichten zeichnen ein Bild der modernen Misere, das ein jeder auf den ersten Blick erkennt. Gibsons Extrapolationen führen uns mit überspitzter Klarheit den verborgenen Teil eines Eisbergs sozialen Wandels vor. Dieser Eisberg treibt mit finsterer Majestät durchs späte zwanzigste Jahrhundert, aber seine Proportionen sind gewaltig und düster.“

Gibsons Schreibstil, die kantige und düstere Leidenschaft seiner Geschichten, spiegelt sich in der Passage auf der ersten Seite des Buches wider. Er nutzt nicht nur in der wörtlichen Rede, sondern auch bei seinem Erzählstil eine Syntax, die dem Straßenslang sehr nahe kommt. Hier zeigt sich der Impuls des New Wave, der in Gibsons Geschichten eine große Rolle spielt.

Case schloss die Augen.
Fand den geriffelten EIN-Schalter.
Und in der blutgeschwängerten Dunkelheit hinter den Augen wallten silberne Phosphene aus den Grenzen des Raumes auf, hypnagoge Bilder, die wie ein wahllos zusammengeschnittener Film ruckend vorüberzogen. Symbole, Ziffern, Gesichter, ein verschwommenes, fragmentarisches Mandala visueller Information.
Bitte, betete er, jetzt …
Eine graue Scheibe, Himmelsfarbe von Chiba.
Jetzt …
Die Scheibe begann zu rotieren, immer schneller, wurde zur hellgrauen Sphäre. Weitete sich.
Und floß, entfaltete sich für ihn. Wie ein Origami-Trick in flüssigem Neon entfaltete sich seine distanzlose Heimat, sein Land, ein transparentes Schachbrett in 3-D, unendlich ausgedehnt. Das innere Auge öffnete sich zur abgestuften, knallroten Pyramide der Eastern Seabord Fission Authority, die leuchtend hinter den grünen Würfeln der Mitsubishi Bank of America aufragte. Hoch oben und sehr weit entfernt sah er die Spiralarme militärischer Systeme, für immer unerreichbar für ihn.
Und irgendwo er, lachend, in einer weiß getünchten Dachkammer, die fernen Finger zärtlich auf dem Deck, das Gesicht mit Freudentränen überströmt.
in Liebe für Deb,
die es möglich gemacht hat

Mir liegen noch ein paar Worte zur deutschen Übersetzung auf der Seele.

Zum Einen wirkt es ein wenig befremdlich, wenn man anstelle des weit verbreiteten Begriffes |Cyberspace| immer wieder |Kyberspace| lesen muss. Noch schlimmer kann man ein englisches Wort wohl kaum verunstalten – das erste Teilwort auf Deutsch und das zweite weiterhin auf Englisch. Nun gut, diese Übersetzung ist in der Mitte der achtziger Jahre entstanden und so mag man es dem guten Reinhard Heinz nachsehen, aber ehrlich gesagt, habe ich mich da im gesamten Buch nicht dran gewöhnen können.

Dieser Hirnverdreher ist zwar in der neuen Auflage behoben, dafür ist aber der gesamte Sprachstil |geglättet| worden. Meiner Meinung nach verliert der Roman dadurch viel an Atmosphäre. Da „Count Zero“ (Biochips) und „Mona Lisa Overdrive“ nicht mehr einzeln erhältlich sind, wird sich der geneigte Leser ein Bild davon machen können, wenn er die neue Fassung mit der alten vergleicht. Ich empfehle wirklich, den ersten Roman in der älteren Übersetzung zu lesen.
Leider tritt das gleiche Phänomen auch bei der Kurzgeschichtensammlung „Cyberspace“ auf und auch hier verlieren die Geschichten an Atmosphäre.

Alles in allem ist dieses Buch in jedem Falle ein Leckerbissen für alle „Cyberpunk“- und „Shadowrun“-Rollenspieler, aber auch alle Nicht-Rollenspieler, die sich an diesem Genre erfreuen, werden ihre helle Freude daran haben.

Siehe ergänzend dazu Michael Matzers Rezension zum Hörspiel.

Stephen Baxter – Evolution

Über mehr als eine halbe Milliarde Jahre spannt sich der Bogen dieses Romans, der den langen Weg der Menschwerdung beschreibt, um schließlich mit dem Ende der Menschheit und sogar allen Lebens zu schließen; in seinen ersten beiden Dritteln ein Quasi-Sachbuch mit erzählerischen Elementen, das mit dem Sprung in die nahe und besonders in die ferne Zukunft den Charakter einer Vision gewinnt. Ob 1000 Seiten erforderlich sind, eine im Grunde aus Episoden montierte Geschichte zu erzählen, ist ein diskussionswürdiger Punkt. Zwar nicht „das große Meisterwerk der Science Fiction“ (Klappentext), aber definitiv ein lesenswertes Buch! Stephen Baxter – Evolution weiterlesen

Bear, Greg – Beyond Heaven\’s River

_Pefidisianer am Werk: Gestrandet in der Zukunft_

Das 24. Jahrhundert. Im System der Perfidisianer stoßen zwei „Horcher“ auf ein seltsames Funksignal: einen Notruf. Als sie auf der Welt landen, die vollständig von Beton bedeckt ist, stoßen sie auf eine Überlebenskuppel und darin auf einen Mann in einer mittelalterlichen japanischen Rüstung: Yoshio Kawashita stammt aber aus dem Jahr 1942. Zu welchem hinterlistigen Zweck haben die Perfidisianer, die ja für ihre Finten und Listen bekannt sind, den Japaner aus dem Zweiten Weltkrieg hierhergebracht?

_Der Autor_

Greg Bear gehört in die gleiche Liga von Hard-Science-Fiction-Autoren wie David Brin, Gregory Benford und Larry Niven, allerdings mit einem Unterschied: Er hat keinen Abschluss als Physiker gemacht, sondern sich einfach hochgearbeitet, jedoch mit steigendem Erfolg. Seinen internationalen Durchbruch erzielte er mit dem Roman „Blutmusik“ und „Äon“.

Greg Bear wurde 1951 in San Diego, einer wichtigen US-Marinebasis, geboren und studierte dort englische Literatur. Unter den Top-Hard-SF-Autoren ist er der einzige, der keine naturwissenschaftliche Ausbildung hat. Seit 1975 als freier Schriftsteller tätig, gilt er heute dennoch als einer der ideenreichsten wissenschaftlich orientierten Autoren.

Sein [„Das Darwin-Virus“, 1141 der hierzulande zuerst in einem Wissenschaftsverlag erschien, wurde zu einem preisgekrönten Bestseller. Erst damit konnte sich Bear aus dem Science-Fiction-Ghetto herausschreiben, so dass man ihn heute ohne weiteres mit Michael Crichton vergleicht. Nur dass Bear da anfängt, wo Crichton aufhört. Im Jahr 2004 erschienen bei uns „Die Darwin-Kinder“, die Fortsetzung von „Darwin-Virus“, sowie die Romane „Jäger“ und „Stimmen“. 2006 erschienen die Taschenbuchausgabe von „Die Darwin-Kinder“ sowie der Roman „Quantico“.

Bear hat eine ganze Reihe von Science-Fiction- und Fantasyzyklen verfasst. Die wichtigsten davon sind (HSF = Heyne Science Fiction):

– Die Thistledown-Trilogie: Äon (HSF 06/4433), Ewigkeit (HSF 06/4916); Legacy (bislang unübersetzt).
– Der Amboss-Zyklus: Die Schmiede Gottes (HSF 06/4617); Der Amboss der Sterne (HSF 06/5510).
– Der Sidhe-Zyklus: Das Lied der Macht (06/4382); Der Schlangenmagier (06/4569).

Weitere wichtige Werke: „Blutmusik“ (06/4480), „Königin der Engel“ (06/4954), „Slant“ (06/6357) und „Heimat Mars“ (06/5922). Er hat zudem Beiträge für die Buchreihen des Foundation-, Star-Trek- und Star-Wars-Universums geschrieben.

_Handlung_

Alae und Oomalo Waunter sind zwei bezahlte Horcher, irgendwo in den Tiefen des Weltraums. Als sie eines Tages aus dem System der Perfidisianer ein seltsames Funksignal, einen Notruf, erhalten, beschließen sie, alles auf eine Karte zu setzen. Sie wollen die bis daton unbekannte Welt entdecken und ihr Entdeckerrecht ausüben, sie komplett in Besitz zu nehmen. Es könnte sie sehr reich machen – oder sehr arm.

Als sie auf der namenlosen Welt landen, die vollständig von Beton bedeckt ist, stoßen sie auf eine Überlebenskuppel, und darin auf einen Mann in einer mittelalterlichen japanischen Rüstung: Yoshio Kawashita stammt aber aus dem Jahr 1942. Zu welchem hinterlistigen Zweck haben die Perfidisianer, die ja für ihre Finten und Listen bekannt sind, den Japaner aus dem Zweiten Weltkrieg hierhergebracht?

Als eine Raumpatrouille der United Stars eintrifft, lassen die beiden Entdecker ihren Fund zu Porotokoll geben und melden ihren Anspruch an. Loytnant Elvox ist nicht erstaunt, als wenig später ein riesiges Raumschiff in der Kreisbahn erscheint: Es ist die „Peloros“, die dem superreichen Konzern von Anna Sigrid Nestor gehört. In der Landefähre residiert die hohe Herrin sogar selbst und empfängt Elvox, der von ihr sehr angetan ist. Zusammen rufen sie die Schiedsrichter von der Welt Centrum herbei. Das dauert einige Wochen, während derer Anna diesen seltsamen solitären Bewohner namens Yoshio Kawashita näher kennen lernt.

Elvox ist etwas enttäuscht, als er das bequeme Bett der Herrin wieder verlassen muss, denn sie hat größeres Interesse an ihrem Findling, diesem Japaner, dem „goldenen Affen“. Allerdings macht Elvox sich Gedanken, was dieser Japaner einer Weltensammlerin wie Nestor bieten kann. Er muss etwas wissen, was er den Waunters, die nun zehn Prozent der Welt besitzen, verschwiegen hat. Nun weiß Elvox, wie er sich an Nestor für den Rauswurf rächen kann …

Anna findet zunehmend Gefallen an Kawashita und er an ihr. Und so erzählen sie einander ihre jeweilige Geschichte.

Yoshio Kawashita wurde 1918 geboren, wurde Pilot in der kaiserlichen Luftwaffe, nahm aber nicht an den Luftangriffen auf Pearl Harbor teil. Nur ein Jahr später kam es jedoch zur Seeschlacht um Midway, an der er auf dem Flugzeugträger „Hiryu“ teilnahm. Er bombardierte die amerikanische Insel Midway, musste dann aber erleben, wie amerikanische Bomber die japanische Flotte dezimierten und schließlich auch die „Hiryu“ versenkten. Er überlebte, indem er von dem Sog wegschwamm, in den ihn das Wrack des Schiffes ziehen wollte – oder weil ihn plötzlich eine fremde Kraft erfasste: das Schiff der Perfidisianer nahm ihn an Bord.

Dort und auf der Betonwelt führte er vierhundert Jahre lang ein seltsames neues Leben: im 13. Jahrhundert. Und er war nicht Pilot, sondern ein Kriegsherr. Der Haken dabei: Alle um ihn herum waren lediglich Geister …

_Mein Eindruck_

Dieser Roman erschien 1980, nur fünf Jahre, nachdem der Autor seine Schriftstellerkarriere mit etlichen Erzählungen ernsthaft angepackt hatte. Den Schauplatz teilt der Roman mit den Werken „Hegir“ (1979, dt. bei |Moewig|), „Psychlone“ (1979) und „Strength of Stones“ (1981, dt. als „Die Macht der Steine“) sowie mit den Erzählungen in den Sammlungen „The wind from a burning woman“ (1983) und [„Tangents“ 1785 (1989) dt. bei |Heyne|). Alle diese Werke erschienen vor Bear internationalem Durchbruch, den er 1983 mit der innovativen Novelle „Blutmusik“ erzielte und die er 1985 als Roman veröffentlichte.

Diese frühe Phase von Bears Werk zeigt daher nur in der Zusammenschau einen gewissen Zusammenhang. So taucht etwa in „Beyond heaven’s river“, das bis dato noch unübersetzt ist, ein Planet namens God Does Battle auf. Diese Welt ist der Schauplatz der Handlung in „Die Macht der Steine“ (1981). Die Schauplätze in dieser Frühphase sind der expandierende Siedlungsraum der Menschen im 24. Jahrhundert, was unweigerlich zur Begegnung mit fremden, manchmal absolut unverständlichen Aliens führt: Relikten der Aighors und Perfidisianer sowie mit Crocerianern.

|Die Kardinalfrage|

So weit, so schön. Doch die Frage, die Bear stellt, ist: Wie kommt die Menschheit mit diesem fremden Universum zurecht, wenn der Mensch doch sein uraltes, angeborenes Erbe – der alte Affe – nicht verleugnen kann und immer mit sich bringt, wohin auch immer er geht?

Yoshio Kawashita ist zwar kein Affe, aber er wird des Öfteren abfällig so bezeichnet: als der Königin Anna Sigrid Nestors „goldener Affe“. Den Skandal, als sie ihn dann auch noch heiratet, kann man sich vorstellen. Aber Kawashita ist einzigartig. Nicht nur kommt er aus dem 20. Jahrhundert – er wurde 1942 nach der Seeschlacht um Midway von den Perfidisianern entführt -, sondern er war obendrein auch ein Kriegslord im 13. Jahrhundert. Er führte also weit mehr als nur ein Leben, das uns vergönnt ist. Hat er sich also irgendwie weiterentwickelt als der Rest der Menschen im 24. Jahrhundert? Ist er besser an ein fremdartiges Universum angepasst?

|Zu den Wurzeln|

Die Antwort lautet ironischerweise ja und nein. Er mag zwar in der Zukunft gestrandet sein, doch die Lerntechnik ist ausgefeilter, und es gelingt ihm, sich rasch mit den neuen Gegebenheiten vertraut zu machen. Doch was ihm seelisch fehlt, sind seine Wurzeln. Was ist mit seinen Eltern, Verwandten, seinem Kaiser? Nichts davon ist mehr übrig. Der Besuch bei einem Sensei, einem Lehrmeister, auf der Reservatsinsel Kyushu bringt zumindest die Klarheit, dass er sich nicht vor Schande umbringen muss, obwohl dies früher seine Ehre verlangt hätte.

Also muss er zur zweiten Wurzel zurück, die er noch hat: dem Planeten, der sich fast gänzlich in seinem Besitz befindet. Warum wurde er hierher gebracht und musste in einem virtuellen 13. Jahrhundert leben? Was hatten seine Entführer lernen wollen, und warum gerade von ihm? Die Antworten erhält Yoshio allerdings nur, indem er durch Meditation sehr weit zurückgeht in verborgene Schichten seiner Erinnerung. Auf diesem Weg gelangt er zu zwei Erkenntnissen, die den Durchbruch bringen: 1) Er muss eine Art Roboter sein. 2) Er wird noch immer gesteuert! Aber wozu?

|Schwächen|

Obwohl der Plot hinsichtlich der Ideen relativ reizvoll und vielversprechend ist, entspricht die erzählerische Ausführung lediglich dem anspruchslosen Niveau eines |Ace|-Taschenbuchs. So begannen viele SF-AutorInnen, die später zu Weltruhm gelangten, darunter auch so bekannte wie Ursula K. Le Guin und John Brunner. Verglichen mit seinen späteren Schmökern, die umfangreiche Weltentwürfe wie in „Äon“ (1985) enthalten, ist „Beyond heaven’s river“ ein schmaler Band, der nur ein Drittel jener Umfänge einnimmt und sich liest wie eine kondensierte Novelle.

Damals beherrschte der Autor offenbar noch nicht die Kunst, verschiedene Stimmungen zu evozieren, indem er eine Umgebung die seelische Verfassung ihrer Bewohner widerspiegeln lässt. Einzige Ausnahme: das einführende Kapitel an Bord des Aighorschiffes, in dem die Waunters leben. Es mangelt stark an Beschreibungen von Äußerlichkeiten. Dafür dominieren Dialoge den Großteil des Textes. Sie sorgen allein für die vier Perspektiven, aus denen wir das Geschehen verfolgen können.

Natürlich sind die wichtigsten Figuren, durch deren Augen wir sehen, die beiden Eheleute Anna Nestor und Yoshio Kawashita. Sie charakterisieren sich selbst am besten, u. a. durch Tagebucheinträge. Dann kommen schon die Nebenfiguren: die beiden Waunters und schließlich der USC-Loytnant Elvox. Alle anderen Figuren wie etwa Annas Vater sind ohne Belang.

Das Fehlen von Erklärungen durch den Autor und die Dominanz der Dialoge bedeuten für den Leser, dass er die sprachlichen Nuancen, die sich in diesen Dialogen ausdrücken, mit besonderer Sorgfalt studieren muss. Dies wiederum setzt ein gutes Verständnis der englischen Sprache voraus. Der Stil ist alles andere als kompliziert – es herrscht die ziemlich langweilige Parataxe vor -, aber dafür verfügt der Autor über einen reichen Schatz an Synonymen, deren leichte Bedeutungsvarianten dem Leser geläufig sein sollten.

_Unterm Strich_

Der Roman liest sich für den Englischkenner dementsprechend leicht und flott. Da es kaum Rückblicke gibt oder gar langwierige Meditationen, erscheint der Handlungsverlauf sehr geradlinig: Kawashitas Welt – Erde – Flitterwochen-Intermezzo – Finale auf Kawashitas Welt, fertig. Aber auf äußere Konflikte wartet der Leser vergeblich. Merke: Dies ist dennoch keine Sternenoper. Vielmehr ist alles eine Nummer kleiner, und der Konflikt ist ein innerer. Kawashita, die Hauptfigur, muss mit sich ins Reine kommen. Die Lösung findet er schließlich in sich – und kommt dadurch dem Rätsel seiner Existenz und dem Geheimnis seiner betonierten Welt auf die Spur. (Wobei sich der Laie sofort fragt: Wie kann es sein, dass eine Welt völlig zubetoniert ist, dies aber niemandem als seltsam auffällt?)

Kurzum: ein Appetithappen für zwischendurch, der nur durch den spannenden und halbwegs actionbetonten Schluss lesenwert ist. Hier gibt es Erkentnisdurchbrüche, die das Lesen belohnen. Und wer dadurch noch nicht auf Bear neugierig geworden ist, der sollte als nächstes weder „Hegira“ noch „Die Macht der Steine“ lesen (sie sind ebenso minderwertig), sondern unbedingt „Blutmusik“ – ein richtiger Augenöffner, würde Sam Gamdschie sagen.

|Beyond heaven’s river; 1980; erneut 2000 by Millenium/Victor Gollancz, London
256 Seiten
Titelbild von John Harris|

Robin Hobb – Die Gabe der Könige (Die Chronik der Weitseher 1)

Fitz ist ein Bastard, der Sohn eines Prinzen und eines Bauernmädchens. Doch schon in jungen Jahren nimmt ihn der König in seine Dienste. Noch ahnt Fitz nicht, was er für seine Treue aufgeben muss – seine Ehre, seine Liebe, sogar sein Leben!

Denn die Intrigen bei Hofe sind mannigfaltig, und Fitz kann seine Augen nicht vor dem drohenden Unheil verschließen, das dem Reich droht. Doch da befiehlt ihm der König, genau das zu tun. Fitz muss sich entscheiden: Wird er gehorchen oder seinem eigenen Gewissen folgen? (Verlagsinfo)
Robin Hobb – Die Gabe der Könige (Die Chronik der Weitseher 1) weiterlesen

Philip K. Dick – Die besten Stories von Philip K. Dick

Über diesem himmelblau gefärbten Titelbild steht in breiten Lettern PLAYBOY. Was soll uns das sagen? Handelt es sich um erotische Storys, in Hugh Hefners Auftrag geschrieben? Oder wurden hier nur PLAYBOY-Autoren beauftragt, Einschlägiges über Häschen und damit verbundene Freuden zu Papier zu bringen?

Leider wird auch der Häschen-Liebhaber enttäuscht, denn die Storys dieses Bandes stammen aus der Schreibfabrik eines einzigen, wenn auch bekannten Science-Fiction-Autors. Und der schrieb zwar ab und zu mal für Hefners Häschen-Blatt (denn es zahlte gut), aber leider in den seltensten Fällen über Einschlägiges. Vielmehr waren die zwei Fragen „Was ist menschlich?“ und „Was ist die Wirklichkeit?“ seine Hauptanliegen.

Das Vorwort schrieb 1976 John Brunner. Er war zu dieser Zeit selbst einer der renommiertesten britischen Science-Fiction-Autoren.

Der Autor

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Roger Zelazny – Die Gewehre von Avalon (Die Chroniken von Amber 2)

Zwischen Rittern und Amazonen: Corwins neue Abenteuer

Amber ist die unsterbliche Stadt, nach deren Vorbild alle Städte geformt wurden. Alle anderen Welten, auch die Erde, sind nur Schatten dieser einen Realität.

Corwin ist aus dem Verlies Ambers, in das ihn sein verhasster Bruder Eric gesteckt hatte, geflohen. Zurück in der Schattenwelt Erde baut er heimlich eine Armee auf. Da lernt er Dara kennen, die behauptet, die Enkelin von Corwins Bruder Benedict zu sein. Aber Dara verfolgt ihre eigenen Pläne und entwickelt sich zu einer noch größeren Gefahr als Eric. (Klett-Cotta-Verlagsinfo)
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Richard Connell – Das gefährlichste Spiel der Welt (Gruselkabinett Folge 181)

Menschenjagd auf der Teufelsinsel

In der Karibik 1924: Sie gilt als Schiffsfalle, und wer sich ihr nähert, ist dem Tode geweiht. So lauten die Gerüchte über die Insel, auf der Sanger Rainsford nach einem Sturz ins Meer Zuflucht sucht. Als er dort dem exzentrischen General Zaroff begegnet, der ein schauriges Hobby hat, stellt Rainsford mit Entsetzen fest, dass die Insel ihrem Ruf alle Ehre macht … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt sein Hörspiel ab 14 Jahren.

Hinweise

Die Kurzgeschichte wurde 1924 in der Kategorie „Best Short Short“ mit dem O.-Henry-Preis ausgezeichnet.

Die Bezeichnung Most Dangerous Game hat im Englischen eine doppelte Bedeutung, da game einerseits für Spiel, andererseits für jagdbares Wild steht. Zaroff bezeichnet gegenüber Rainsford die Menschenjagd einmal als Spiel, als Schach im Freien, und er sieht den Menschen als gefährlichstes Wild an, da dieser über ein Gehirn verfüge, das dem des Jägers ebenbürtig sei.

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Catherine Asaro – Der PSI-Faktor (Das Sternenreich von Skolia 01)

Dies ist der Startband einer neuen Science-Fiction-Reihe namens „Das Sternenreich von Skolia“ von jeweils eigenständigen Romanen. Die amerikanische Physikerin Catherine Asaro verbindet Sternenoper mit Hightech und Romantik zu einer fesselnden Mischung, die für durchaus gelungene Unterhaltung sorgt.

Die Autorin

Die amerikanische Physikerin Catherine Asaro, geboren Ende der 50er Jahre und verheiratet mit einem Astrophysiker, verbindet Sternenoper mit Hightech und Romantik zu einer fesselnden Mischung, die manchmal für durchaus gelungene Unterhaltung sorgt, manchmal aber auch nicht. Ihre erste Story erschien 1993, und sie hat ein eigenes Fanzine namens „Mindsparks“.

Hinweis: Dieser Bericht beruht auf der Lektüre des englischen Originals.

Catherine Asaro – Der PSI-Faktor (Das Sternenreich von Skolia 01) weiterlesen

Robert Holdstock – Mythenwald (Ryhope Wood Zyklus 1)

Expedition in die Tiefen des magischen Waldes

Im Herzen des Waldes Ryhope Wood liegt eine Welt der vergessenen Helden und Urbilder. Schamanen wohnen hier ebenso wie das Böse … Als Steven Huxley 1947 aus dem Krieg heimkehrt, um den Spuren seines inzwischen gestorbenen Vaters und seines verschwundenen Bruders nachzugehen, führt ihn sein Weg nach Ryhope Wood.

In diesem Urwald verläuft die Zeit nicht wie in der Menschenwelt, und die Vergangenheit erwacht zum Leben. Im gleichen Maße, in dem Steven seine eigene Vergangenheit zu bewältigen versucht, wird er hineingezogen in die kollektiven Phantasien zahlloser Generationen, die im Mythenwald greifbare Gestalt annehmen – mitunter tödliche Gestalt …
Robert Holdstock – Mythenwald (Ryhope Wood Zyklus 1) weiterlesen

C. J. Cherryh – Das Schiff der Chanur (Chanur-Zyklus 1)

Kampf um die Menschen: Weltraumschlacht der Aliens

Mit diesem ersten Band ihres fünfbändigen „Chanur“-Zyklus‘ schuf Cherryh ein neues Universum, das aber an das bekannte Union-Allianz-Universum (siehe unten) anschloss. Hier tummeln sich nicht weniger als sechs neue Alienspezies, die meisten davon raumfahrend und Handel treibend. Die actionreiche Serie war die kommerziell vielleicht erfolgreichste Schöpfung unter den über 70 Büchern Cherryhs und katapultierte die Autorin in die SF-Bestsellerlisten.

C. J. Cherryh – Das Schiff der Chanur (Chanur-Zyklus 1) weiterlesen

John Norman – Slave Girl of Gor (Gor 11)

Die junge Amerikanerin Judy Thornton wird nach Gor verschleppt, wo unbekannte Männer sie zur Sklavin machen. Skrupellos setzt ihr Herr Clitus Vitellius sie für seine Ränkespiele ein, denn er soll im Auftrag der mächtigen Stadt Ar – ein Gegenstück zum antiken Rom – die Salerianische Konföderation schwächen. Die schlaue Judy findet heraus, dass ihre Entführung kein Zufall war und sie vielmehr als hilflose Schachfigur in einem viel größeren Intrigenspiel dient. Will sie jedoch überleben, muss sie auf die Hilfe desjenigen Mannes vertrauen, den sie am meisten hasst: Clitus Vitellius….
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Anderson, Poul – Schwert des Nordens, Das (Das geborstene Schwert / Hrolf Krakis Saga)

Dieser Band enthält zwei klassische Wikinger-Romane: „Das geborstene Schwert“ (auch: „Das zerbrochene Schwert“; 1954/71) und „Hrolf Krakis Saga“ (1973). Obwohl die zwei Romane in Aufbau und Thema sehr unterschiedlich sind, geht es doch stets auch um das Erlangen und den Einsatz von Schwertern. Dadurch kommt der Freund von Heroic Action Fantasy voll auf seine Kosten.

_Der Autor_

Poul Andersons Eltern stammten von eingewanderten Dänen ab. Poul, der vor dem 2. Weltkrieg kurze Zeit in Dänemark lebte, interessierte sich für diese Herkunft so sehr, dass er mehrere Romane an dem Schauplatz Skandinavien zur Zeit der Wikinger spielen ließ, darunter den vorliegenden, aber auch „Krieg der Götter“ und die Trilogie „The Last Viking“ (unübersetzt). Ansonsten ist Anderson für seine zahlreichen Science-Fiction-Romane bekannt, von denen „Brain Wave“ (1954) wohl der innovativste ist.

Der 1926 geborene Physiker, der schon 1947 zu veröffentlichen begann, starb 2001. Er ist Greg Bears Schwiegervater. Seine Werke hier aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen, denn allein in der „Encyclopedia of Science Fiction“ ist sein Eintrag nicht weniger als sechs Spalten lang … Er gewann sieben |Hugo Awards| und drei |Nebula Awards|, viermal den |Prometheus Award|, den |Tolkien Memorial Award|, den |August Derleth Award| und 1978 den |Gandalf Grand Master Award| sowie 1997 den |Grand Master Award| der |Science Fiction and Fantasy Writers of America| und 2000 den |John W. Campbell Memorial Award| – mehr und Höheres kann man in diesen Genres fast nicht gewinnen.

_Handlung von „Das geborstene Schwert“_

Es war zu jener Zeit, als die irischen Mönche noch nicht ganz Europa missioniert hatten. Wer über die Hexensicht verfügte, konnte noch Elfenfürsten und Trolle erspähen, ja vielleicht sogar einen riskanten Blick auf die Jötunen, die Eisriesen, und ihre Gegenspieler, die Asen, werfen. Aber nur die wenigsten tapferen Wanderer und Krieger in den neun Welten schafften es nach Jötunheim und Asgard.

Umgekehrt galt dies natürlich nicht, den Odin, der einäugige Wanderer, besuchte mit der Wilden Jagd häufig die Siedlungen von Menschenwesen, Elfen und Trollen. Und manchmal mischten er und seine Geschwister sich in die Angelegenheiten der Wesen in Midgard, der Mittel-Erde, ein. Dies ist eine solche Geschichte, die Geschichte von Skafloc, Frida und dem verfluchten Götterschwert Tyrfing.

|Orm der Starke Ketilssohn|

Es war ein Mann namens Orm der Starke, der zog von seinem heimatlichen Jütland in jenen Teil von England, den man Danelaw nannte. Orm nahm sich eine schöne, eigenwillige Frau, um mit ihr einen starken Clan zu gründen, der das Land besiedeln und beherrschen sollte. Das wäre ihm auch fast gelungen, doch Elfen und Götter hatten anderes beschlossen.

Orm war wieder auf einer seiner Beutefahrten, vielleicht nach Gardariki, dem alten Byzanz, als seine Frau Älfrida einen gesunden Knaben gebar. Wegen schlechten Wetters konnte das Kind erst in zwei, drei Tagen getauft werden. In der Zwischenzeit war seine Seele schutzlos. Davon erfuhr eine Hexe, die sich für das, was Orms Krieger ihrer Sippe angetan hatten, rächen wollte. Sie berichtete dem mächtigen und listigen Elfenfürsten Imric davon.

Sogleich fasst Imric einen kühnen Plan. Vor neun Jahrhunderten hatte er die Tochter des Trollkönigs entführt und auf seiner Burg Alfheim eingekerkert. Sie musste ihm noch in der gleichen Sturmnacht einen Wechselbalg gebären. Dieses Kind versah Imric mit Hilfe eines Elfenzaubers mit dem Aussehen von Älfridas Neugeborenem. Das Austauschen war danach nur noch ein Klacks. Ölfrida merkte nichts davon, sie wunderte sich höchstens, dass ihr Baby mit einmal so aggressiv beim Stillen war.

|Skafloc und Valgard|

Während Älfrida den Wechselbalg auf den namen Valgard taufen ließ und wie ihren eigenen Sohn aufzog, wuchs das geraubte Kind im Schoße der Elfen auf Alfheim zu einem starken und zaubermächtigen Krieger heran. Imric hatte ihm den Namen Skafloc gegeben und niemals getauft, denn die Elfen müssen die Riten und den Namen des Weißen Christus scheuen.

Zu seinem Namensfeste aber erschien auf Alfheim ein Bote der Asen, der trug ein zerbrochenes Schwert, dessen Name war Tyrfing. Der Bote prophezeite, nach dem Willen der Nornen (Schicksalsgöttinnen) werde Skafloc eines Tages das Schwert brauchen und es schmieden lassen, um es wieder ganz zu machen. Imric beschlich darob ein ungutes Gefühl, denn mit Geschenken der Götter hatte er noch nie gute Erfahrungen gemacht, und er ließ das Schwert in einer Kerkermauer verstecken.

|Der Krieg gegen die Trolle|

Valgard, der Wechselbalg, ist zu einem geächteten Krieger in Orms Sippe herangewachsen. Nach einem Streit, in dem er mehrere Männer aus Orms Sippe tötet, muss er England verlassen. Beraten von der Waldhexe, die ihre Rache vollzieht, schließt er sich dem Trollkönig an. Illrede ist sehr erbaut von den Ruhmestaten Valgards und er lässt ihn erneut Orms Sippe heimsuchen. Bei diesem Raubzug sterben alle außer drei Frauen: Valgards „Mutter“ und ihre zwei schönen Töchter Frida und Asgerd. Er verschleppt sie nach Trollheim, wo sie ein finsteres Schicksal als Sklavinnen erwartet.

Wenn da nicht Skafloc wäre. Er sieht den Zeitpunkt gekommen, sich als Kriegsführer zu beweisen und die übermütigen Trolle unter Valgard in ihre Schranken zu weisen. Bei seinem Feldzug befreit er Frida, doch Asgerd stirbt im Gefecht. Als Valgard ihm gegenübertritt, sind beide natürlich ziemlich verblüfft: Sie tragen das gleiche Gesicht!

|Sklafloc und Frida|

Nachdem Skafloc unter schweren Verlusten heimgekehrt ist, rüsten die Trolle zu einem allumfassenden Eroberungskrieg, der nicht nur ihrer Rache dienen soll, sondern auch die Unterwerfung aller Elfenländer Europas bezweckt. Valgard ist der zweite Mann bei diesem Krieg, doch er weiß schon, wie er sich zum Anführer machen kann.

Unterdessen ahnen Skafloc und Imric nur wenig von dem Unheil, das auf sie zukommt. Skafloc hat sich schwer in Frida verliebt und nimmt sie ohne große christliche Zeremonie zu seiner Frau, sehr zum Missfallen seiner Ziehmutter Lia, Imrics Schwester. Er ahnt nicht, dass Frida seine leibliche Schwester ist. Doch andere wissen dies nur zu gut, so etwa Valgard.

|Das verfluchte Schwert der Asen|

Als Alfheim gefallen und Elfenkönig Imric von den Trollen eingekerkert worden ist, führt Skafloc mit Frida, einer hervorragenden Bogenschützin, einen Guerillakrieg gegen die Besatzer. Doch er sieht das Ende der Elfennationen nahen, und so fasst er einen verzweifelten Plan: In einer Nacht-und-Nebel-Aktion, in Gestalt von Wolf, Adler und Otter, will er das Götterschwert aus der Burg holen und es von den Eisriesen neu schmieden lassen, um damit Elfenland von den Trollen zu befreien.

Frida, die ihn innig liebt, und alle überlebenden Elfen haben ein ungutes Gefühl dabei. Ihm wird geweissagt, dass er durch dieses Schwert umkommen werde. Das ist ihm einerlei, denn wofür lohnt es sich schon, in einer Trollwelt als Elf-Mensch zu leben? Nachdem die schwangere Frida bitter von ihm Abschied genommen hat, segelt Skafloc mit einem der irischen Elfengötter, Mananaan Mac Lir, gen Jötunheim, das im äußersten Norden liegt und streng bewacht wird. Nur sehr wenige sind von dort zurückgekehrt …

_Mein Eindruck von „Das geborstene Schwert“_

Um es vorweg zu sagen: Das Buch liest sich rasend gut. Es ist schnell und schnörkellos. Der Autor hat keine Skrupel, auch tabuisierte Themen wie den Inzest zu beschreiben und in allen Konsequenzen darzustellen. Geschwisterliebe – natürlich stets unwissenderweise – findet sich übrigens auch in Poul Andersons Roman „Hrolf Krakis Saga“, die nur wenige Jahre vor Skaflocs Abenteuern spielt. Es ist schon seltsam, was die heidnischen Nordvölker da umgetrieben hat. Aber vielleicht fanden ihre Poeten, das Thema Inzest rege die männliche Phantasie ihrer Zuhörer ganz besonders an …

|Historisch verbürgte Wikinger|

Wie auch immer: Bei solchen Themen würde Professor Tolkien als gläubiger Christ im Grabe rotieren. Das heißt aber nicht, dass er die alten Sagas, in denen solche Motive vorkommen, nicht kannte. Im Gegenteil: Sie waren sein Spezialgebiet, als er in Oxford lehrte. Den „Beowulf“ hat er nicht nur kommentiert, sondern, wie man erst vor kurzem herausfand, auch komplett ins moderne Englisch übertragen. Alle genannten Epen spielen um die Zeit des frühen 6. Jahrhunderts n. Chr., wie eine Autorennotiz zu „Hrolf Krakis Saga“ klarmacht. Diese Saga stützt sich auf historische Tatsachen. Beowulfs Gastgeber König Hrothgar gab es wirklich und er taucht in Hrolf Krakis Saga als Hroar auf. Ob es riesige Ungeheuer namens Grendel gab, darf hingegen getrost bezweifelt werden.

|Keine braven Elben|

Ebenso ins Rotieren geriete Tolkien angesichts der Schilderung der Elfen in „Das geborstene Schwert“. Das sind ziemlich machtgierige Typen, die nicht wie die Menschen lieben können, dafür aber ihre Zaubermacht einsetzen, um diverse Siege davonzutragen, so etwa gegen den Erzfeind, die Trolle. Diese Trolle haben mit den Steintrollen im „Hobbit“ ziemlich wenig zu tun. Sie sind zwar auch ganz schön groß, doch Andersons Trolle sind alles andere als Dösköppe, die kleine Hobbits und Zwerge zerquetschen wollen. Diese Trolle sind richtig gefährlich. Und wie die Zwerge leben sie in Höhlen.

|Sexy Hexy|

Wer nun dachte, dies sei eine Fortsetzung des „Herrn der Ringe“, nur von einem anderen Autor, der befindet sich gewaltig auf dem Holzweg. Wenn schon auf den ersten Seiten der Elfenkönig eine Prinzessin der Trolle vergewaltigt und sie ihm ruckzuck einen Wechselbalg gebiert – und so geschieht es seit 900 Jahren -, so befinden wir uns auf ziemlich heidnischem Territorium. Valgard treibt es mit einer als junge sexy Schönheit verkleideten alten verhutzelten Hexe, und Skafloc treibt es, wie gesagt, gar lustig mit seiner Schwester. Am schlimmsten – und da würde Liv Tyler vor Jammer kreischen – sind die Elfenfrauen. Sie treiben es mit den neuen Herren Elfenlands, den Trollen, doch listigerweise bringen sie einen der Besatzer nach dem anderen um, bis der Tag der Befreiung gekommen ist.

|Noch ein Siegfried?|

Deswegen ist Skafloc aber keineswegs ein hirnloser Schlächter. Weder ist er so lieblos und machtgierig wie seine Zieheltern, noch so schwach und täuschbar wie die Menschen, seine wahre Spezies. Auch ist er – zumindest später – kein blonder Haudrauf wie sein berühmterer Vetter Siegfried, der in den alten Sagas noch Sigurd heißt. Als er herausfinden muss, wo er das Dämonenschwert Tyrfing reparieren lassen kann, befragt er die Toten. Das tut man nicht ungestraft.

Prompt erhält er eine Antwort, die er ganz und gar nicht hören wollte: dass Frida von seinem eigenen Fleisch und Blut sei. Kurz darauf ziehen Frida und Skafloc die traurigen Konsequenzen. Doch zuvor ergehen sich beide in langen Beteuerungen der Liebe und erklären einander ihre Stimmung und warum sie sich trennen müssen. Es ist klar, dass Skaflocs Schicksal nicht ein langes Leben, sondern eine nur kurz brennende Supernova sein wird. Die Reparatur des Dämonenschwerts besiegelt sein Schicksal über kurz oder lang, und er weiß es. Doch wie der Obergott Odin Frida kurz vor dem Finale erklärt, kann Skafloc durch Fridas Liebe gerettet werden. Es gibt also Erlösung in diesem düsteren Universum aus neun Welten.

|Es wird gestabreimt|

Es gibt auch Schönheit. Ich habe selten so wunderbare Gedichte gelesen, die in Stabreimen abgefasst sind. Selbst noch in der Übersetzung wirken sie frisch, kraftvoll und zaubermächtig – denn Wörter sind in den Sagas immer Magie, ebenso wie Runen. Mein großes Lob gilt daher der viel zu früh verstorbenen Übersetzerin Rosemarie Hundertmarck. Vergleicht man die Stabreime, so haben sie nichts mit Tolkiens Poesie im „Herr der Ringe“ zu tun, sondern viel mehr mit den alten Epen wie etwa dem berühmten „Beowulf“.

_Handlung von „Hrolf Krakis Saga“_

Ein König von Dänemark hatte im neunten Jahrhundert zwei ungleiche Söhne namens Helgi und Hroar, doch als er starb, mussten diese vor seinem missgünstigen Bruder verborgen werden. Trotz langer und von Magiern unterstützter Suche blieben sie unentdeckt, überlebten und wuchsen bei einem fernen Verwandten auf. Hroar wurde klug und ein guter Verwalter, Helgi jedoch stark, kühn und ein wagemutiger Abenteurer. Als sie sechzehn sind, nimmt ihr Ziehvater sie an den Hof des Königs mit, wo sie sich verstecken. Nachts brennen sie die Halle des Thronräubers nieder, so dass er mitsamt seiner Königin in den Flammen umkommt.

Helgi und Hroar teilen sich die Herrschaft, doch Helgi zieht ins Land der Sachsen beim heutigen Schleswig, um Beute zu machen. Das Einzige, was er verhängnisvollerweise erringt, ist eine widerspenstige Geliebte: Olof ist die unvermählte und höchst eigensinnige Königin von Alsen. Das Ergebnis der Vergewaltigung ist eine Tochter, die sie nach ihrer Hündin Yrsa nennt und an arme Fischer weggibt. Als Yrsa sechzehn oder siebzehn ist, aber keine Ahnung hat, wer ihre richtigen Eltern sind, schaut Helgi mal wieder vorbei, verliebt sich in das schöne Kind und macht sie zu seiner Königin in Odense.

Nach der Geburt eines schönen Knaben namens Hrolf (eben jener des Romantitels) sieht Olof die Zeit für ihre Rache gekommen. Während die beiden Könige von Thing zu Thing unterwegs sind, lädt sie Yrsa zu sich aufs Schiff ein, das im Hafen von Odense liegt und eröffnet ihr, dass sie ihre Tochter und Helgi, ihr Mann, ihr Vater sei. Die am Boden zerstörte Yrsa verlässt Helgi und Hrolf und segelt mit ihrer Mutter nach Hause. Auf Hroars Rat hin greift der wütende Helgi Alsen nicht an. Helgi zeugt in einer Art Eremitenphase die Tochter Skuld mit einer Elfenfrau, die er gerettet hat. Skuld wird das Verhängnis des dänischen Königshauses werden.

Unterdessen hat sich die politische Landschaft in Südschweden und Götarland gewaltig verändert. Auf dem Thron des mächtigen und landreichen Svithjodh (Schweden nördlich von Schonen) sitzt nun ein Magier namens Adhils. Er wird den Dänen noch viel Ungemach bereiten, denn er hat es auf die dänischen Könige abgesehen und demütigt sie, indem er Yrsa heiratet, obwohl er erfährt, dass sie keine Kinder mehr bekommen kann.

Als König Helgi die Provokationen Adhils nicht mehr hinnimmt, begibt er sich auf einen Feldzug gen Uppsala. Doch Adhils Berserker überfallen Helgis Truppe aus dem Hinterhalt. Die Nachricht von Helgis Tod erschüttert sowohl Yrsa, seine Witwe, als auch Hroar, seinen Bruder, doch er lässt sich nicht hinreißen, Adhils anzugreifen. Diese Aufgabe überlässt er vielmehr Hrolf, seinem klugen Sohn, der den Dänen Jahre des Friedens und der Expansion beschert.

Als das Glück des Dänenkönigs vollkommen ist, gibt es nur noch eines zu tun, um die Scharte auszuwetzen, die Adhils ihm bereitet hat: Helgis Tod zu rächen und dessen Goldhort nach Dänemark zurückzuholen. Mit zwölf ruhmreichen Recken, deren Geschichten vereinzelt als Saga erzählt werden, und hundert Soldaten zieht Hrolf im Vorfrühling nach Svithjodh.

Leider ist das erste Wesen, das sie dort antreffen, keineswegs ein Mensch. Es ist der Göttervater Odin, Vater der Siege. Zu dumm, dass sie ihn nicht als Gott erkennen. Noch viele weitere unheimliche Dinge widerfahren ihnen bei ihrem Unterfangen, den ermordeten Helgi zu rächen.

_Mein Eindruck von „Hrolf Krakis Saga“_

Auf den ersten Blick scheint Hrolf Krakis Geschichte keine Verbindung zu der von Skafloc aufzuweisen, aber es kommen durchaus gemeinsame Elemente vor. Auf diese weisen der Autor und die zwei Herausgeber Lin Carter und Helmut W. Pesch in ihren Vorwörtern hin. Hrolf Kraki lebt eine Generation später als Beowulf und Skafloc, nämlich in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts. Sowohl Beowulf als auch das verfluchte Schwert Tyrfing werden en passant genannt. Im „Beowulf“-Epos spielen die Ereignisse in der Halle Heorot eines gewissen Königs Hrothgar – dieser König ist mit Hrolfs Vater Hroar identisch. Man sieht also, dass sich die in der Saga erzählten Geschehnisse zeitlich recht gut einordnen lassen. Dieser Ansicht ist auch die „Encyclopaedia Britannica“.

Man sollte aber keine direkte Fortsetzung von „Das geborstene Schwert“ erwarten. Die „Saga“ entstand knapp 20 Jahre später und mit einem ganz anderen Ziel. Man würde heute sagen, es handle sich um Doku-Fiction: Die gut recherchierte Chronik des dänischen Königsgeschlechts der Skjöldungen, die ihre Herkunft auf Odins Sohn Skjöld zurückführen, und ihr Schicksal und Untergang. Diese Jahrzehnte umspannende historisierende Darstellung ist verquickt mit recht unterhaltsamen und mitunter eigentümlichen Storys, unter denen vor allem die der wichtigsten Recken Hrolf Krakis herausragen.

Bjarki beispielsweise stammt von einem Krieger ab, den eine Hexe aus Rache in einen Werbären verwandelte, der nur nachts ein Mann – mitsamt Geliebter – sein durfte, tagsüber aber die Herden der Siedler dezimierte. Die Geliebte gebar ihm drei Söhne: Frodhi hat die Hufe eines Elchs, Thori, der zweite, die Beine eines Jagdhundes, nur Bjarki scheint ganz normal zu sein, außer an seinem Lebensende, in der glorreichen Schlacht gegen die Hexenkönigin Skuld, Helgis missratener Elfentochter. Da erblicken seine Kollegen und Mitstreiter die Gestalt eines großen roten Bären, der die Feinde regelrecht auseinander nimmt …

In weit höherem Maß als „Das geborstene Schwert“ vermittelt Anderson mit „Hrolf Krakis Saga“ ein lebendiges Bild von jener Zeit, als die Nordländer in alle Welt fuhren und unter anderem das von den Römern verlassene Britannien für sich eroberten. Es ist daher kein Wunder, dass die gesamte Saga in eine Rahmenhandlung eingebettet ist, die von einem Erzähler an einem christlichen Hofe im England des frühen 10. Jahrhunderts dargeboten wird, um seine edlen Gastgeber zu unterhalten – nach dem Motto: So wild ging’s einstmals zu bei den wilden Heiden von Dänemark. Seid bloß froh, dass ihr zivilisierte Christen seid!

Zur Unterhaltung und/oder Abschreckung seines Publikums schmückt der Erzähler seine Geschichten mit Trollen, Göttern, Berserkern (brutale Krieger, die mehr Tier als Mensch sind), Zauberern und Hexenköniginnen, Elfen und Drachen aus. Ganz wichtig sind natürlich die Schwerter. Ob das Elfenschwert Skofnung, ob Bjarkis Langschwert Lövi oder Hjaltis Goldheft – alle dienen sie in Heldentaten, von denen die Saga berichtet.

Und solche Taten waren offensichtlich nicht bloß um des Ruhmes willen nötig, sondern um allerlei Gesocks zur Räson zu bringen: nicht bloß die oben genannten Wesen, sondern auch Plünderer, Piraten und Marodeure. Sich an ihnen zu rächen und Vergeltung zu üben, hatten die könglichen Herrschaften ebenfalls mehr als einen Grund, wie man den Geschichten von Helgi, Olof, Yrsa und Vögg (der Hrolfs Tod rächte) entnehmen kann. Helden als Polizei, Richter und Vollstrecker – das war ihre Funktion. Und wenn auch nicht alles stimmen mag, was die Sagas erzählen, so sind die Zuhörer doch höchst zufrieden. Denn wer sehnt nicht Gerechtigkeit herbei in einer Welt, die so wenig davon zeigt?

_Unterm Strich_

Der Stoff von Skaflocs Schicksal bietet Gelegenheit zu großem Drama, das ist schon klar, aber die Tragödie wird nicht wie bei den alten Griechen so ausgeschlachtet, dass es aussieht, als handle es sich um ein Gottesurteil, was Skafloc da ereilt. Nein, er ist seines Schicksals Schmied – aber leider nur teilweise. Und das wird sein Verhängnis. Weil er fehlbar und menschlich ist, können wir mit ihm fühlen. Wäre das nicht so, ließe uns sein Drama kalt. So aber erringt er mit seiner größten Tat, der Vertreibung der Trolle, eine Statur, die jedem Helden der Menschen, der jemals in einem Lied verewigt wurde, zukommt: dem Retter des Volkes, dem Verteidiger der Zukunft.

Im Gegensatz dazu ist „Hrolf Krakis Saga“ eine Jahrzehnte übergreifende Saga mit mehreren Hauptfiguren. Allerdings tauchen die Götter und Elfen nur sehr am Rande auf, und das ist vielleicht gut so: Im Mittelpunkt stehen die Taten von Recken und Königen, von Zauberern und schrecklichen (Skuld) bzw. guten (Yrsa) Königinnen. Mag auch die Dramatik etwas leiden und so manche Überleitung sich ein wenig langweilig dahinziehen, so entschädigt doch das letzte Viertel voll und ganz für die Mühe, die der Rest machen könnte: Der glanzvolle Feldzug der Dänen gegen den Zauberer Adhils, ihr Untergang durch das von Zombies und Untiere verstärkte Heer Königin Skulds. Das hat Klasse, das verschlingt man förmlich beim Lesen.

Diese Doppelausgabe des |area|-Verlags macht zwei klassische „Wikinger“-Romane wieder zugänglich. „Das zerbrochene Schwert“ erschien im Mai 2005 in Neuausgabe beim |Piper|-Verlag, doch „Hrolf Krakis Saga“, die einst im |Bastei-Lübbe|-Verlag erschien, dürfte längst vergriffen sein und in nächster Zukunft wohl kaum neu aufgelegt werden.

Daher ist diese Ausgabe durchaus zu begrüßen, zumal sie a) sämtliche Vorwörter enthält und b) mit einem Preis von 9,95 Euro in dieser fest gebundenen Fassung fast so viel kostet wie eine Taschenbuch-Einzelausgabe von „Das zerbrochene Schwert“. Das Schriftbild ist zwar kleiner als üblich und es fehlt auch eine Landkarte – aber wer würde es wagen, die Grenzen des Elfenreichs zu ziehen oder die des Dänenreichs im längst versunkenen 6. Jahrhundert? Ich bin jedenfalls mit dieser Ausgabe zufrieden. Das Titelbild von Luis Royo habe ich übrigens schon mal auf einer Ausgabe eines Romans von David Gemmell gesehen – irgendwie stilecht.

|Originaltitel: The Broken Sword, 1954/1971, Hrolf Kraki’s Saga, 1973
Aus dem US-Englischen übersetzt von Rosemarie Hundertmarck|

Eddings, David & Leigh – wilde Land, Das (Götterkinder 1)

Um dem aggressiven Vordringen des Bösen Einhalt zu gebieten, müssen sich die vier Götter der Welt zusammentun, um entsprechende Armeen aufzustellen. Sie selbst dürfen nicht töten. Bei dieser Unternehmung erweisen sich ihre jeweiligen „Götterkinder“ oder Träumer von besonderem Wert.

_Die Autoren_

David Eddings, geboren 1931, und seine Frau Leigh gehören zu den erfolgreichsten Autoren von Fantasyserien. 1982 wurde sein erster fünfbändiger Zyklus, Die Belgariad-Saga, zum Bestseller, und eine ganze Reihe weiterer folgten. Schließlich veröffentlichte er mit dem „Riva-Kodex“ sogar eine fiktive Historia seiner erfundenen Welt. Mit „Althalus“ erschien erstmals ein Fantasy-Soloroman. Mit zwei anderen Romanen erkundete er das Terrain des Psychothrillers, bevor er mit „Götterkinder“ doch wieder einen neuen Zyklus begann. Der erste Band liegt jetzt auf Deutsch vor; Teil 2, „Dämonenbrut“, folgte im Februar 2005.

_Handlung_

Vier Götter behüten seit alters her das Land Dhrall. Jedem seiner Quadranten ist ein Gott oder eine Göttin zugewiesen. Im Westen herrscht die Göttin Zelana. Sie ist willensstark, aber an den Angelegenheiten der Evolution wenig interessiert. Daher entgeht ihr auch die Entwicklung des Homo sapiens völlig, bis ihr nördlicher Bruder Dahlain sie darauf aufmerksam macht, dass Ungemach droht und sie gefälligst vielleicht doch etwas unternehmen könnten. Zelana spielt lieber in ihrer Meereshöhle an der Küste ihrer Insel.

So kommt es, dass ein böses Wesen namens Vlagh von der unbewachten Zone in der Mitte des Landes Dhrall aus seinen Einfluss auf die angrenzenden Gebiete ausweiten kann. Wie weiland Tolkiens Morgoth und Sauron erschafft es gefährliche Zerrbilder der vorhandenen Kreaturen, bis sie ihm bedrohlich und unbesiegbar genug sind. Das Vlagh bereitet eine Invasion vor.

Unterdessen hat Dahlain allen seinen drei Geschwistern ein Geschenk gemacht: einen sogenannten Träumer. Zelanas Träumer ist ein zauberhaftes Mädchen, das sie Eleria nennt. Von Mutter Meer bekommt Eleria eine riesengroße Perle geschenkt, die ihr offenbar beim Träumen hilft. Sie warnt Zelana vor dem Vlagh, so dass erst einmal Kriegsrat gehalten wird.

Zelana verspricht, eine Kriegerschar aufzustellen, um der Vlagh-Invasion entgegenzutreten. Leichter gesagt als getan. Erst muss sie mal ein paar Recken finden. Da wäre in den Küstenlanden Dhralls zunächst Langbogen. Nachdem seine Braut kurz vor der Hochzeit von einem Diener Vlaghs getötet wurde, widmet Langbogen sein Leben der Jagd auf die Vlagh-Kreaturen.

Dann beschafft Zelana mit ihrem Gold eine riesige Flotte aus dem Lande Maag, die sie, nach einigen Widerständen, endlich auch nach Dhrall schaffen kann, um mit den Seeleuten ein Heer aufzustellen. Nachdem ihre Geschwister ebenso verfahren sind, kann ja der Krieg nun eigentlich losgehen. Oder?

_Mein Eindruck_

Wieder einmal gilt es, dem von diversen US-Präsidenten beschworenen „Reich des Bösen“ (oder gar einer „Achse von Schurkenstaaten“) Einhalt zu gebieten und ein streitbares Heer der „Willigen“ aufzustellen. Wie willig diese jedoch sind, hängt ganz von der Menge Gold ab, mit der sie jeweils bezahlt werden. Das gilt besonders für die Maag-Piraten unter Käpt’n Hakenschnabel und die trogitische Söldnerarmee unter Kommandant Narasan. Rühmliche Ausnahmen stammen allesamt aus dem bedrohten Lande Dhrall selbst: Hier geht es nämlich um Heimatschutz. Und dafür lässt man sich schließlich nicht bezahlen, oder?

Was hier nach einer Neuauflage des 3. Golfkrieges und etlicher Midkemia-Romane des Eddings-Kollegen Raymond Feist klingt, wird nur durch zwei Aspekte erträglich. Das eine Element bilden die Götter und ihre Träumer, das andere der Humor.

Die vier genannten Götter stammen von Vater Erde und Mutter Meer ab. Das kehrt die Zuteilung der griechischen Antike um, in der von Vater Okeanos und Mutter Gäa alle Götter abstammen. Das Abkupfern wollten die Eddings wohl nicht so offensichtlich machen. Der nördliche Gott Dahlain hat hingegen starke Ähnlichkeit mit Hephaistos / Vulkan, denn er ist Schmied. Allerdings ist er weder mit der Liebe Blindheit (zu Venus) noch mit Behinderungen geschlagen, sondern ein hervorragender Stratege, der seinen Geschwistern verbal in den Hintern tritt, damit sie endlich was unternehmen.

Dahlain ist es auch, der ihnen und sich je ein Götterkind zur Seite stellt, einen Träumer. Sie erweisen sich als Agenten seines Willens, aber auch als Empfänger für den Willen von Mutter Meer (Eleria) und Vater Erde (Yaltar, Dahlains Träumer). Noch ist nicht klar, ob sie bald die aktuellen Götter ablösen werden, deren Zyklus sich nach Äonen nun seinem Ende zuneigt. Zelana beispielsweise leidet unter Erinnerungslücken: göttlicher Alzheimer? Kein Wunder, dass sie auf Eleria angewiesen ist.

Dieses Schmusekätzchen dürfte wohl eine Erfindung von Leigh Eddings sein, denn nur eine Frau würde vermutlich auf die Idee kommen, dass ein Kind sich die Recken der Heere erobert, indem es sie küsst und Küsschen einfordert, sich ihnen auf den Schoß setzt und dort prompt ein Schläfchen hält. Diese Auserwählten scheinen immerhin zu den Intelligenteren der maßgeblichen Krieger zu zählen, also hat Eleria keinen schlechten Geschmack. Natürlich werden die so „Beglückten“ von den anderen Kämpfern schief angeguckt.

Dies ist nur ein Beispiel für den sympathischen Humor und die durchweg vorhandene Ironie, mit der sich die Eddings seit jeher ihre zu Millionen zählende Lesergemeinde eroberten. Eine weitere Quelle für humoristische Szenen und Dialoge bietet das Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Volksvertreter, insbesondere zwischen den Kommandanten Narasan (Trogit) und Hakenschnabel (Maag), aber auch zwischen Langbogen und Rotbart (beide aus Dhrall) sowie Hase (Maag) und Keselo (Trogit).

Ein wenig enttäuscht hat mich das Fehlen von richtiger Action in diesem Band. Nicht, dass man den Helden wünschen würde, dass sie es mit dem Gift von Schlangenwesen aufnehmen sollten. Aber ein wenig Handgemenge und Getümmel hat noch keinem Heroic-Fantasy-Roman geschadet. Daher scheinen die Eddings etwas anderes im Sinn gehabt zu haben. Zwar geht es um den Krieg gegen unmenschliche Gegner – das Vlagh hat viel Ähnlichkeit mit Morgoth und Sauron, und seine Diener entsprechen den Orks. Doch im Vordergrund stehen die Götter und ihre Helfer. Hier scheint die Hauptentwicklung zu liegen. Wie diese verlaufen wird, ist noch nicht abzusehen, aber da der Zyklus der aktuellen Götter um Dahlain abgelaufen ist, dürfte es eine interessante „Wachablösung“ geben. Am Ende könnte das „Reich des Menschen“ stehen, mit allen Vor- und Nachteilen, sozusagen das Vierte Zeitalter (gemäß Tolkien).

_Unterm Strich_

Nach zwei anspruchsvolleren Soloromanen kehren die Erfolgsautoren David & Leigh Eddings wieder in ihre angestammte Domäne der Fantasyserien zurück. Der erste Band der mindestens vierbändigen „Trilogie“ – je einen pro Götterdomäne – ist so leicht verständlich geschrieben, dass selbst Neun- oder Zehnjährige damit kaum Probleme haben dürften. Das ist heute die Generation, die schon ans Spielen auf dem PC denkt.

Insbesondere die Mädels kommen auf ihre Kosten. Die wichtigste Göttin ist die etwas launische und bequeme Zelana, und ihr wichtigster Helfer die kleine Eleria, die zwar unschuldig und honigsüß tut, aber die Schlaueste und Entschlossenste unter allen Götterwesen zu sein scheint (ihre Auserwählten Hase und Keleso haben sie genau beobachtet). Von ihr dürfen sich die Mädels noch einiges erwarten.

Die Jungs werden an den diversen Kriegshandlungen ihre Unterhaltung finden. Denn auch an den Listen des Vlagh herrscht kein Mangel. Das fordert die Recken und Kommandanten heraus, ebenso wie es die Hirnzellen der Leser anspornen dürfte. Dass auch die Recken über weibliche Listen verfügen können, demonstrieren Langbogen und sein Freund Rotbart, als sie ihr Volk zum Umsiedeln überreden müssen. Da werden sogar die gestandenen Frauen (ein wenig) rot.

Kurzum: Der „Götterkinder“-Zyklus hat wieder einmal das Zeug zum Bestseller für die jungen Massen. Mir selbst war es zu leichte Lektüre. Aber lustig war’s schon.

|Originaltitel: The Dreamers, Vol. 1 – The Elder Gods
Aus dem US-Englischen übersetzt von Andreas Helweg|

André Ziegenmeyer – Schatten über Schinkelstedt: Fabelwesen reloaded

Fabelwesen im Dienste des Vatikans

Auguste Fledermeyer, eine Hexe des frühen 16. Jahrhunderts, erwacht im 21. Jahrhundert und weiß nicht, wie ihr geschieht. Die Lage wird nicht übersichtlicher, als sie zwei Elfen aus Britannien begegnet und einem Wolpertinger. Wo kommen bloß dieser Fabelwesen her, fragt sie sich selbst und dann das Orakel Eulalia. Dieses orakelt, wie es Orakel zu tun pflegen, höchst verschlüsselt und verweist auf die Höhlen nahe dem Südharstädtchen Schinkelstedt.

In den Höhlen des Südharzes geht in der Tat Seltsames vor sich. Ein Vertreter des Heiligen Vaters kommt ihr besonders bekannt vor: Er hat sie vor 400 Jahren auf den Scheiterhaufen geschickt. Das muss bei ihrer Verbrennnung Nummer 37 gewesen sein. Aber was geschah danach?
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Roger Zelazny – Im Zeichen des Einhorns (AMBER 3)

Fantasy-Krimi trifft ‚Game of Thrones‘

Amber ist die unsterbliche Stadt, nach deren Vorbild alle Städte geformt wurden. Alle anderen Welten, auch die Erde, sind nur Schatten dieser einen Realität. Das Wappen Ambers zeigt das Einhorn…

Neun Prinzen in Amber sind definitiv acht zuviel. Der Kampf um den vakanten Thron König Oberons ist voll entbrannt. Als Corwins Bruder Caine im Wald hinter dem Palast von Amber tot aufgefunden wird, kann Corwin zwar eine Ork-ähnliche Kreatur als Täter identifizieren und töten, aber wer würde ihm schon glauben, dass er nicht selbst der Mörder ist? Er wendet sich an seinen Bruder Random, dem er halbwegs vertraut. Zusammen müssen sie versuchen, Corwin zu entlasten, indem sie den wahren Mörder finden, der die Kreatur ausgesandt hat…
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Roger Zelazny – Die Hand Oberons (Die Chroniken von AMBER 4)

Höllenritte und Monsterjagden: Spannende Action-Fantasy

Amber ist die unsterbliche Stadt, nach deren Vorbild alle anderen Städte geformt wurden. Alle anderen Welten, auch die Erde, sind nur Schatten dieser einen Realität. Wird das MUSTER vernichtet, geht Amber unter – und mit ihm alle SCHATTEN.

Um Kräfte zu sammeln, zieht es Corwin und seine Geschwister immer wieder in ein „Muster“ genanntes Labyrinth, das demjenigen, der es löst, spezielle Fähigkeiten verleiht. Doch das ursprüngliche Muster trägt Schäden davon, als Blut von Corwins Familie auf ihm vergossen wird. Corwins Bruder Brand will das Muster endgültig zerstören. Da findet Corwin die Wahrheit über ihn und seinen Vater Oberon heraus. (Verlagsinfo)

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Catherine Asaro – Jäger des Lichts (Das Sternenreich von Skolia #2)

Aschenputtel fliegt mit Traumprinz zu den Sternen

Dies ist der zweite Band einer Reihe von jeweils eigenständigen Romanen einer amerikanischen Science-Fiction-Autorin. Die amerikanische Physikerin Catherine Asaro, geboren Ende der 50er Jahre und verheiratet mit einem Astrophysiker, verbindet Sternenoper mit Hightech und Romantik zu einer fesselnden Mischung, die manchmal für durchaus gelungene Unterhaltung sorgt, manchmal aber auch nicht. Ihre erste Story erschien 1993, und sie hat ein eigenes Fanzine namens „Mindsparks“.

„Catch the Lightning / Jäger des Lichts“ gewann 1997 den |Sapphire Award| für |Best Science Fiction Romance|.

Ihre bisher erschienenen Science-Fiction-Romane aus dem Skolia-Sternenreich:

1 Skyfall (2003)
2 Schism (2004)
3 The Final Key (2005)
4 The Last Hawk (1997)
Deutsch: Der letzte Falke. Bastei Lübbe Science Fiction #24319, 2004, ISBN 3-404-24319-6.
5 Primary Inversion (1995)
Deutsch: Der PSI-Faktor. Bastei Lübbe (Bastei-Lübbe SF Special #24309), Bergisch Gladbach 2002, ISBN 3-404-24309-9.
6 The Radiant Seas (1999)
Deutsch: Die strahlende See. Bastei Lübbe (Bastei-Lübbe SF Special #24329), Bergisch Gladbach 2004, ISBN 3-404-24329-3.
7 Ascendant Sun (2000)
Deutsch: Das dritte Schloss. Bastei Lübbe (Bastei-Lübbe SF Special #24334), Bergisch Gladbach 2005, ISBN 3-404-24334-X.
8 Spherical Harmonic (2001)
Deutsch: Sphärenmusik. Bastei Lübbe (Bastei-Lübbe SF Special #24347), Bergisch Gladbach 2006, ISBN 3-404-24347-1.
9 The Moon’s Shadow (2003)
10 The Quantum Rose (3 Teile in: Analog Science Fiction and Fact, May 1999 ff.)
Deutsch: Die Quantenrose. Bastei Lübbe (Bastei-Lübbe SF Special #24342), Bergisch Gladbach 2005, ISBN 3-404-24342-0.
11 The Ruby Dice (2008)
12 Diamond Star (2009)
13 Carnelians (2011)
14 Catch the Lightning (1996; auch: Lighning Strike I, 2014)
Deutsch: Jäger des Lichts. Bastei Lübbe (Bastei-Lübbe SF Special #24317), Bergisch Gladbach 2003, ISBN 3-404-24317-X.

Kurzgeschichten:

Light and Shadow (in: Analog Science Fiction and Fact, April 1994)
Aurora in Four Voices (in: Analog Science Fiction and Fact, December 1998)
A Roll of the Dice (in: Analog Science Fiction and Fact, July-August 2000)
Ave de Paso (2001, in: Al Sarrantonio (Hrsg.): Redshift: Extreme Visions of Speculative Fiction)
Soul of Light (2001, in: Cecilia Tan (Hrsg.): Sextopia: Stories of Sex and Society)
Walk in Silence (in: Analog Science Fiction and Fact, April 2003)
The Edges of Never-Haven (2004, in: Al Sarrantonio (Hrsg.): Flights: Extreme Visions of Fantasy)
Stained Glass Heart (2004, in: Catherine Asaro: Irresistible Forces)
The City of Cries (2005, in: Mike Resnick (Hrsg.): Down These Dark Spaceways)
The Shadowed Heart (2005, in: Mary Kirk (Hrsg.): The Journey Home)
Echoes of Pride (2006, in: Mike Resnick (Hrsg.): Space Cadets)
The Ruby Dice (in: Jim Baen’s Universe, August 2006)
The Pyre of New Day (2012, in: Ian Watson und Ian Whates (Hrsg.): The Mammoth Book of SF Wars)
The Wages of Honor (2017, in: Bryan Thomas Schmidt (Hrsg.): Infinite Stars)

Major Bhaajan:

1 Undercity (2014)
2 The Bronze Skies (2017)
Children of the Dust (in: Baen Books: Free Stories 2017)

Aronsdale / The Lost Continent

1 The Charmed Sphere (2004)
2 The Misted Cliffs (2005)
3 The Dawn Star (2006)
4 The Fire Opal (2007)
5 The Night Bird (2008)
Moonglow (2003, in: Mercedes Lackey, Rachel Lee und Catherine Asaro (Hrsg.): Charmed Destinies)

Sunrise Alley

1 Sunrise Alley (2004)
2 Alpha (2006)

Romane

The Veiled Web (1999)
The Phoenix Code (2000)

Auszeichnungen

1998 Analog Award für Aurora in Four Voices als beste Erzählung
1999 HOMer Award für Aurora in Four Voices als beste Erzählung
2000 Analog Award für A Roll of the Dice als beste Erzählung

HOMer Award für The Veiled Web als bester Roman

2001 HOMer Award für A Roll of the Dice als beste Erzählung
2002 Nebula Award für The Quantum Rose als bester Roman
2003 Analog Award für Walk in Silence als beste Erzählung
2009 Nebula Award für The Spacetime Pool als beste Erzählung

Hintergrund

In ferner Zukunft hat sich das Universum der Menschen in drei Sternenreiche aufgespalten. Die Allianz der alten Erde betrachtet sich als neutrale Partei in dem fortdauernden Konflikt zwischen dem Sternenreich der Skolianer und dem Eubianer-Imperium der so genannten Händler (bzw. Trader). Alle drei Parteien unterhalten Raumschiffflotten und bewaffnete Patrouillen. Psi-gestützte Kommunikationsmittel, die schneller als das Licht arbeiten können, verbreiten Nachrichten in Blitzesschnelle. Die Kommunikationszentralen sind lediglich drei Menschen: Sie werden Rhon genannt, und alle sind Skolianer einer uralten Rasse.

Einer der Jäger des Imperialen Raumfahrt-Kommandos (IRK) gilt als verschollen …

_Handlung_

Tina ist zwar erst 17 Jahre alt, als ihr diese Sache passiert, aber weil ihr Vater verschwunden und ihre Mutter gestorben ist, wirkt sie durchaus erwachsen. Ihre Familie stammt aus dem mexikanischen Bundesstaat Chiapas, der von Mayas bewohnt wird. Als Erbe verfügt sie über ein tief reichendes Wissen über Sitten, Geschichte und Gebräuche ihres Volkes. Das wird ihr in dieser Sache sehr zugute kommen. Ihr wahrer Name ist !Akushtina (mit einem seltsamen Laut am Anfang).

Unheimliche Begegnung der 3. Art

Als Tina nach ihrem Job als Restaurantkellnerin in Los Angeles nach Hause zurückkehrt, läuft ihr ein echt schräger Typ über den Weg. Er hat purpurnes Haar, goldene, mit einer Nickhaut versehene Augen und eine metallen schimmernde Haut. Sie geht ihm lieber erst einmal aus dem Weg, zumal er sich nicht verständlich auszudrücken versteht. Aber er hat wenigstens so ein Dingsbums dabei, das ihm hilft, seine fremde Sprache in Englisch und Spanisch zu übersetzen. (Außerdem ist das Gerät für viele weitere Dinge nützlich, wie Tina herausfinden soll.)

Der Fremde, der sich als Althor vorstellt, weicht aber nicht von Tinas Seite, und das ist gut so, denn plötzlich taucht der lokale Drogendealer dieses Slums auf und verlangt von Tina, dass sie ihm zu Diensten sei. Althor schickt Nug mit einer Demonstration seiner Kraft von dannen. Aber Tina weiß, dass sie noch von Nug hören wird. In den Fernsehnachrichten hören sie und Althor, dass aus der Umlaufbahn ein Versuchsflugzeug geborgen wurde und nun auf dem Luftwaffenstützpunkt Yeager, vormals Edwards, untersucht werde. (Wir merken: Tinas Erde weist einen alternativen Geschichtsverlauf auf.) Althor sagt, dass dies sein eigenes Raumschiff sei. Damit sei er von Skolia weggeflogen, aber aufgrund einer Sabotage hier auf dieser Erde gestrandet – 300 Jahre in seiner Vergangenheit.

Der auf der Yeager Air Base in Gewahrsam genommene Jag – so nennt Althor sein Gefährt – ist mit einer künstlichen, lernfähigen Intelligenz ausgestattet, die schon bald entdeckt werden wird. Mit dieser kommuniziert Althor fortwährend. Ebenso zur Ausrüstung gehört ein Waffenarsenal, das, wenn zur Detonation gebracht, ganz Kalifornien dem Erdboden gleichmachen würde. Es wäre also für alle Beteiligten das Beste, wenn Althor mit seinem Flieger so bald wie möglich verschwinden würde.

Liebesnacht

Doch Tina verliebt sich in dieser Nacht in den Fremden von den Sternen und schläft mit ihm. Sie war noch Jungfrau, und deshalb besteht sie auf Safer Sex (natürlich muss sie ihm diese Sache erst einmal erklären und demonstrieren!). Das Besondere an Tina hat nämlich Althor von Anfang an bemerkt: Sie ist eine Empathin, vielleicht sogar eine Telepathin, eine Rhon. Und weil sie mit Althors Geist ohne Worte kommunizieren kann, ist er für sie wie eine Befreiung aus ihrer Einsamkeit. Ohne ihn würde sie zwischen Armut, Drogen und Hoffnungslosigkeit zermalmt werden, wie ihr Bruder Manuel und viele andere.

Aufgrund ihrer Liebe hilft sie Althor in den nächsten Tagen im Job und in der Bibliothek, doch die Konfrontation mit Nug, dem Dealer, ist unausweichlich. Nug stirbt, einer seiner Helfer wird ebenso verletzt wie einer der Polizisten, die urplötzlich aufkreuzen. Es ist ein ziemliches Desaster, und die aufgeweckte Tina ist die Einzige, die den verletzten Althor in Sicherheit bringen kann – mit einem gestohlenen Auto.

Fluchtstart

Mit Hilfe ihrer Freunde heilt sie nicht nur Althor wieder, sondern sie dringen sogar in die Luftwaffenbasis vor, getarnt als ein anderes Forscherteam, das sich um die Untersuchung des Jag kümmern soll. Leider werden sie auch hier entdeckt, und nur mit größter Mühe gelingt Althor ein Notstart – mit Tina und zwei Freunden an Bord. Sie können den Raketenangriff der paranoiden Erdregierungen nur abwehren, weil sich Tina mit der Intelligenz des Jag-Flugzeugs zusammenschaltet und die entsprechenden Abwehrmaßnahmen ergreift.

Nachdem sie Tinas zwei Freunde abgesetzt haben, düsen Althor und Tina mit Überlichtgeschwindigkeit zurück in Althors Zukunft – ins Skolia-Reich. Doch dort wird ihnen ein Empfang bereitet, der alles andere als freundlich bezeichnet werden muss. Denn die Sabotage, die Althor stranden ließ, war natürlich kein Zufall …

Mein Eindruck

Wie schon der erste Skolia-Roman „Der PSI-Faktor“ liest sich auch „Jäger des Lichts“ fast von alleine. Erstens besteht der Text fast nur aus Dialogen und zweitens ist die Schrift derart Oma-kompatibel groß, dass sich die Seiten praktisch von selbst umblättern, so wenig Text findet darauf Platz. Hinzukommt, dass die Story ziemlich verständlich erzählt wird, aber dies trifft nicht für alle Passagen zu.

Die Autorin hat nämlich in diesem ihrem zweiten Roman noch nicht die hohe Kunst gemeistert, wie man Handlungsszenen und Hintergrunderklärungen so miteinander verwebt, dass ein organischer Übergang entsteht. Und deshalb wechseln sich die Action- und Liebesszenen mit unglaublich dröge präsentierten Erklärungen von allen möglichen futuristischen Aspekten ab.

Zu diesen gehören vor allem die physischen Eigenschaften von Tinas Dreamlover von den Sternen. Althor ist ein Cyborg à la Terminator, nur dass er außerdem noch Psi-Kräfte besitzt. Das Wissen, das Tina erst später erwirbt, aber schon vorab einflicht, führt dazu, dass dem Super-Mann aus Skolia jedes noch so kleine Geheimnis ausgetrieben wird, und das macht den Text ziemlich schnell langweilig.

Lediglich das Schlusskapitel weist ein paar nette Locations auf, aber auch diese werden schon bald bis zum Überdruss erklärt – mit haltlosen Spekulationen über eine sternenfahrende Rasse, die nicht nur die irdischen Maya beglückte, sondern diese auch noch auf die Welt Raylicon im Skolia-Sternenreich verfrachtete. Infolgedessen schließt sich der Kreis mit Tinas Ankunft: Eine Maya-Nachfahrin feiert mit einem anderen Maya-Nachfahren Hochzeit. Nur dass dessen Vorfahren schon 6000 Jahre zuvor auf die Welt Raylicon kamen.

Eine Romanze, unter anderem

Catherine Asaro steht in nächster Nähe zu der immens erfolgreichen Lois McMaster Bujold. Denn „Jäger des Lichts“ ist im Grunde eine schöne altmodische Romanze, die sie in ein hypermodernes Gewand gesteckt hat, statt etwa in ein Mäntelchen aus historischer Fantasy. Die Formeln für die literarische Darstellung sind inzwischen austauschbar. Amerikanische und inzwischen auch viele deutsche Lektoren wachen mit Argusaugen darüber, dass die Formeln benutzt und die Regeln nicht gebrochen werden.

Da viel Sex und Erotik im Spiel sind, eignet sich dieser Roman wohl eher für Jugendliche ab vierzehn Jahren, während der Großteil der Star-Trek- und Star-Wars-Klone bereits ab zwölf Jahren unbedenklich zu konsumieren ist. Warum dieser Roman auch Männer und Erwachsene anspricht, sind jedoch wohl der Science-Fiction-Gehalt an Ideen und die politischen Aspekte. Leider hat die Autorin ihre Ideen, die „Der PSI-Faktor“ noch interessant werden ließen, nicht erweitert, sondern erklärt sie wieder und wieder.

Die Science in der romantischen Fiction

Enge Verbindungen zwischen Mensch und Maschine sind wie in „Matrix“ gang und gäbe. Befehle werden mittels Gedankenkraft an Maschinen erteilt. Auf einer höheren Ebene als der körperlichen existiert das Skolia-Netz, das rein auf PSI-Kraft basiert und in dem sowohl befähigte Personen wie die Rhon und kompatible Computer miteinander verknüpft sind. Es gibt noch weitere Ideen, so etwa zum Reisen schneller als mit Lichtgeschwindigkeit. Dieser FTL-Flug (FTL = faster than light) ist allerdings auch eine Reise durch die Zeit, und ich wunderte mich gehörig, dass Althor dabei die punktgenaue Rückkehr in sein 24. Jahrhundert gelang.

Schon in „Der PSI-Faktor“ war die Rede von „Aristos“, die eine Plage für Psi-Begabte darstellen. Die ebenfalls Psi-empfänglichen Aristos entführen Psi-Talente, um sie als Versorger zu missbrauchen. Der Aristo ist nur für Schmerz empfänglich, der sich bekanntlich auch in Lust umwandeln lässt, so etwa im Masochismus. Der Aristo braucht den Psi-Versorger daher nur zu foltern, um jede Menge Lustempfindungen zu „melken“.

In der praktischen Anwendung auf unseren Helden Althor bedeutet dies, dass er von einem Verräter an einen Aristo unter den eubianischen Händlern verkauft wird, und Tina mit ihm. Während Althor als Versorger gefoltert wird, haben die Eubianer glücklicherweise Tinas Psi-Potenzial noch nicht in dessen ganzer Kapazität und Tragweite erkannt. Als sie sich unabsichtlich verrät, soll auch sie als Versorgerin herhalten. Nur ein guter Verbündeter hilft den beiden Psi-Begabten aus der Patsche. Dieses Kapitel ist der actionreiche Höhepunkt des Mittelteils. Danach plätschert die Story vor sich hin, bis es zu einem ziemlich lahmen Finale kommt und sich alles in Wohlgefallen auflöst.

Die Übersetzung

Die Übersetzung durch Ulf Ritgen ist ganz ordentlich, aber nicht das Höchste der Gefühle: Stellenweise holprig und gespickt mit den Fachausdrücken, mit denen die Autorin um sich wirft, kommen auch noch zahlreiche Druckfehler hinzu. Da es scheinbar keine Korrektoren mehr gibt, sind solchen Fehlern überall Tür und Tor geöffnet.

Ich will aber doch noch einen kapitalen Fehler nicht unerwähnt lassen, der die Nachlässigkeit heutiger Übersetzer belegt. Auf Seite 379 verwechselt Ulf Ritgen die Hauptfigur Althor mit einer anderen Figur, nämlich Ragnar Bloodmark. Seltsamerweise blieb folgender Satz stehen: „Althor [eigentlich Bloodmark] deutete auf Althor …“ Im nächsten Absatz spricht dann wieder der richtige Althor. Den Fehler hätte man also leicht bemerken und korrigieren können. Aber dazu war wohl keine Zeit. Taschenbuchübersetzungen sind notorisch schlecht bezahlt.

Unterm Strich

Catherine Asaro verknüpft eine klassische Romanze um höchst unterschiedliche Liebende mit einem Hightech- und PSI-Hintergrund, der einige neue Ideen in die Cyberspace-verwandte Science-Fiction-Welt Skolia einbringt. Doch in ihrem zweiten Roman versäumt sie, das Erzielte auszubauen und mit frischen Aspekten aufzuladen. Das macht die Lektüre ziemlich langweilig. Weil sie auch nicht gelernt hat, Handlung und Erklärungen organisch miteinander zu verweben, halten die Erklärungspassagen den Leser unnötig auf und langweilen ihn noch mehr – falls er die Erklärungen überhaupt liest.

Ansonsten ist dies jetzt keine Romeo-und-Julia-Story mehr, sondern die modernisierte Variante von „Aschenputtel“. Die kleine unscheinbare Kellnerin aus Mexiko wird von ihrem schräg anmutenden Sternenprinzen ins Reich der unbegrenzten Möglichkeiten entführt, um ihm nach bestandener Feuerprobe zu Sieg und Herrschaft zu verhelfen – und selbst Mutter einer ganzen Dynastie von Psi-Begabten zu werden. Dass sie dabei erst nach katholischem Ritus und dann nach Maya-Skolia-Ritus heiratet, verleiht der ganzen Affäre – in doppeltem Sinne – einen Anstrich, wie er legitimer nicht sein könnte. Damit dürften selbst die erzkonservativen „Töchter der Amerikanischen Revolution“ kein Problem haben.

Fazit: Muss man nicht kennen. Hoffentlich sind die Folgebände besser.

Taschenbuch: 572 Seiten
Originaltitel: Catch the lightning, 1996
Aus dem US-Englischen übersetzt von Ulf Ritgen
ISBN-13: 9783404243174

http://www.bastei-luebbe.de

George R. R. Martin – Die Herren von Winterfell (Das Lied von Eis und Feuer 1)

Einer der besten Fantasyzyklen

„Das Lied von Eis und Feuer“, so heißt das ambitionierte Großprojekt von George R. R. Martin auf dem Gebiet der epischen Fantasy. Die acht ersten Bände davon sind bereits auf Deutsch erschienen und lassen sich zum Besten einordnen, was diese Literaturgattung bisher hervorgebracht hat.

Mehrere Handlungsstränge aufgreifend, bietet Martin einen Blick auf eine farbenprächtige Welt voller Gegensätze, ein buntes Gewimmel verschiedenster Schicksale, verstreut vom kargen, frostklirrende Norden bis zu den orientalisch prächtigen Ländern des Sommers. Eine Welt, in der die Jahreszeiten sich über Jahre erstrecken können und auf einen milden langen Sommer ein umso härterer Winter folgt. In diesen Wintern erwachen im Norden dunkle Mächte. Und der jetzige Sommer währte bereits die Rekordzeit von zehn Jahren … Doch noch ist die Witterung ihnen wohlgesonnen und die Menschen sind mit ihrem eigenen Streit beschäftigt.

George R. R. Martin – Die Herren von Winterfell (Das Lied von Eis und Feuer 1) weiterlesen

Neil Gaiman – Die Messerkönigin. Erzählungen

Dieser erste bei uns veröffentliche Storyband von Neil Gaiman ist eine Fundgrube von Ideen für Fantasy- und Krimileser. Die Geschichten sind vielgestaltig wie ihre Themen: Legenden, realistische Storys, Fabeln, Gleichnisse, Märchen, Balladen – die berühmten langzeiligen Erzählgedichten Gaimans ebenso wie kunstvoll gedrechselte Sestinen.

Zu jedem Beitrag der Sammlung hat Gaiman einen Begleittext zur Entstehung und dem Ort des ersten Erscheinens verfasst. Diese Texte hat er in einem langen Einleitungskapitel zusammengefasst. Wer also darauf keinen Wert legt, kann gleich mit dem zweiten Kapitel loslegen.

Der Autor
Neil Gaiman – Die Messerkönigin. Erzählungen weiterlesen