Die Großen der Science-Fiction werden mit ihren Meisterwerken bereits in der so genannten „Science Fiction Hall of Fame“ verewigt, welche natürlich in Buchform veröffentlicht wurde (statt sie in Granit zu meißeln). Daher können Freunde dieses Genres noch heute die ersten und wichtigsten Errungenschaften in der Entwicklung eines Genres nachlesen und begutachten, das inzwischen die ganze Welt erobert und zahlreiche Medien durchdrungen hat.
Wenn man Baxters Buch verstehen will, muss man die Quantenmechanik verstanden haben – so möchte ich einmal einen Satz aus dem Buch selbst abwandeln (s.S. 316). Ich glaube, die wenigsten Leser verfügen jedoch über das nötige Hintergrundwissen, um wirklich zu verstehen, wovon der Autor hier fast ununterbrochen schreibt: Esoterische (real existierende) Physik und höhere Mathematik, durchmischt von offenbar spekulativen Abwandlungen und Extrapolationen oder gar völlig erdachten Weiterungen unserer heutigen Kenntnisse von der Natur des Universums. Da zu meinem Studium die theoretische Physik gehörte, konnte ich zumindest mit dem Begriffsapparat etwas anfangen. Andere dürfte Baxter aber schnell weit hinter sich lassen auf seinen Höhenflügen. Ob ihm das eine dankbare Leserschaft einbringt?
Kalifornien im Jahre 2025: Die Regierung ist handlungsunfähig, der Bundesstaat leidet unter Wasserarmut. Wer es sich leisten kann, lebt hinter dicken Mauern zum Schutz vor den kriminellen Banden, die ohne Gnade rauben, vergewaltigen und morden. In dieser Welt wächst die fünfzehnjährige Lauren Olamina als Tochter eines Baptistenpriesters auf. Sie ist hyperempathisch – sie fühlt die Schmerzen anderer am eigenen Leib. Als ihre kleine Gemeinde angegriffen und zerstört wird, macht sie sich auf eine gefährliche Reise nach Norden, um ihren Platz in dieser Welt zu finden … (Verlagsinfo) Octavia E. Butler – Die Parabel vom Sämann weiterlesen →
Red Dorakeen hat sich einen mächtigen Feind gemacht. Kreuz und quer flieht er vor dessen Attentätern durch die Epochen der Menschheitsgeschichte – denn die »Straße nach Überallhin« ermöglicht es ihm, von der unvorstellbar fernen Vergangenheit bis in die weite Zukunft zu reisen. Dieser vergessene Schatz der Science-Fiction lässt seine Leser:innen auf jeder Seite von Neuem staunen, rätseln und mitfiebern – Zelaznys besondere Erzählweise bietet ein absolut außergewöhnliches Leseerlebnis. (Verlagsinfo) Roger Zelazny – Straße nach überallhin weiterlesen →
Dies war Tom Ardens erste deutsche Veröffentlichung. Ein guter Anfang, der zu großen Hoffnungen Anlass gibt. „Atmosphärisch dichte, intelligente und mitreißende Fantasy“, urteilte das US-Fachmagazin LOCUS.
Der Abend- und Morgenstern Venus ist vor Ort leider ein wahres Höllenloch: über 400° Grad heiß. Ausgerechnet dorthin führt eine Expedition, um die sterblichen Überreste eines Forschers zu bergen. Auch der Preis ist heiß: 10 Milliarden Dollar. Doch die Strapazen der Reise können es durchaus mit den Qualen der Liebe aufnehmen, mit denen sich der Held herumschlagen muss.
„Abenteuer-SF im klassischen Stil von einem der größten SF-Autoren aller Zeiten: Nach dem großen Erfolg seiner Romane Mars und Rückkehr zum Mars schildert Ben Bova nun die atemberaubende Geschichte der ersten Expedition zur Venus – ein Planet, der ein tödliches Geheimnis birgt.“ (Verlagsinfo)
Thorvald hat soeben etwas erfahren, das ihn zutiefst entsetzt! Der junge Mann, der schon immer ein gewisses Problem mit seinem Selbst hatte und oft mürrisch und unbeherrscht ist, wurde von seiner Mutter mit der Wahrheit über seine Abstammung konfrontiert. Nicht Ulf, der fähige und gütige Anführer, der die Norweger zu den Hellen Inseln gebracht hat, ist sein Vater, sondern Somerled, ein Brudermörder und Tyrann! Vom selben Augenblick an gibt es für ihn nur noch ein Ziel: Er muss seinen Vater finden. Deshalb überredet er seinen Freund, den Fischer Sam, mit ihm zusammen in seinem Boot nach Westen zu segeln, dorthin, wohin es seinen Vater nach seiner Verbannung verschlagen haben muss. Kaum auf See, stellen die beiden jungen Männer zu ihrer Überraschung fest, dass sie auch ein Mädchen dabeihaben. Creidhe ist seit ihrer Kindheit Thorvalds treues Anhängsel und überzeugt, dass er auch auf dieser Reise ihre Unterstützung braucht.
Tatsächlich gelingt es den Dreien, ihr Ziel zu erreichen. Doch kaum sind sie angekommen, entwickelt sich alles ganz anders als erwartet – und nicht unbedingt erfreulich …
Thorvald ist ein ziemlich eigenwilliger Kerl. Intelligent, ehrgeizig und ziemlich egozentrisch, aber gleichzeitig auch sehr unsicher. Er ist sich seiner Fehler durchaus bewusst, und seit er weiß, wer sein Vater ist, ist seine größte Angst, dass verdorbenes Blut in seinen Adern fließt und ihn dazu verdammt, so zu werden, wie einst Somerled war! Deshalb gibt es für ihn nur ein Ziel: Er muss seinen Vater finden – so dieser denn noch lebt – und in Erfahrung bringen, ob sein Vater noch immer derselbe grausame und machtgierige Mann ist, oder ob er sich zum Besseren verändert hat. Denn nur wenn das Letztere der Fall ist, gibt es für ihn, Thorvald, noch Hoffnung.
So verrannt ist er in diese Sache, dass er dabei seine Begleiter fast gänzlich aus den Augen verliert. Und da er nicht mit Eyvind, Somerleds Blutsbruder, über die Sache gesprochen hat, weiß er eigentlich viel zu wenig, um Erfolg bei seiner Suche zu haben. Prompt nehmen die Ereignisse eine höchst bedenkliche Wendung …
Sein Freund Sam ist Fischer mit Haut und Haaren und mit seinem Boot wie verwachsen. Trotzdem ist die Reise über das offene Meer auch für ihn eine Herausforderung. Noch bevor er überhaupt am Ziel ist, wünscht er sich schon nach Hause zurück. Sam ist ein schlichter Mensch, treu, ehrlich und mit einem einfachen Leben zufrieden, mit einem Dach über dem Kopf, einem warmen Essen auf dem Tisch, einer guten Frau und Kindern. Mit seinem gesunden Menschenverstand holt er Thorvald so manches Mal aus seinen ehrgeizigen Träumen auf den Boden der Tatsachen zurück und öffnet ihm die Augen für das, was er so leicht vergisst. Creidhe zum Beispiel …
Creidhe ist ein fröhliches, liebenswertes Mädchen mit einfachen Träumen und Sehnsüchten. Es möchte ein Heim, Kinder und einen guten Mann, am besten Thorvald, ihren Freund aus Kindertagen. Und doch ist etwas an ihr, das nicht in dieses Bild passt. Sie scheint etwas von den Gaben ihrer Mutter zu besitzen, die einst Priesterin der alten Religion auf den Hellen Inseln war, denn als sie den Ort erreichen, an dem sie Somerled vermuten, ist es, als riefe sie die äußerste und geheimnisvollste der Inseln zu sich. Creidhe besitzt einen Sinn für das Verborgene, das Ungesagte, ein Gespür für andere, das Thorvald völlig abgeht. Kein Wunder, dass sie Thorvalds Vater zuerst findet.
Während Sam das Statische des Romans verkörpert, das Fundament der Freundschaft und Treue, auf dem sich die Charaktere entwickeln, sind Thorvald und Creidhe diejenigen, die Dynamik in die Geschichte bringen. Thorvald hat in der Fremde zum ersten Mal die Gelegenheit, selbst etwas zu leisten und sich zu bewähren, etwas Neues, Eigenes zu schaffen. Er ist entschlossen, diese Chance zu nutzen, und stürzt sich mit aller Energie und Hingabe in diese Aufgabe. Dass er Creidhe und auch Sam dabei völlig vernachlässigt, ja dass er ganz generell mit den Männern, mit denen er arbeitet, besser umgeht als mit seiner besten Freundin, das wird ihm erst bewusst, als er sie verliert. Creidhe ist es gewöhnt, von Thorvald nur dann beachtet zu werden, wenn er sie braucht. Jetzt aber, wo sie ganz allein unter so vielen mürrischen und seltsamen Menschen ist, ohne einen Vertrauten oder Freund, fühlt sie sich zum ersten Mal ernsthaft zurückgesetzt. Als es sie schließlich tatsächlich auf die geheimnisvolle Wolkeninsel verschlägt, erkennt sie allmählich, dass Thorvald und sie nicht füreinander gemacht sind. Zum ersten Mal löst sie sich von ihm und geht ihren eigenen Weg.
So kommt es, dass die beiden sich gegen ihren Willen plötzlich auf gegnerischen Seiten wiederfinden. Der Leser steht dazwischen und weiß nicht, wem er jetzt den Sieg wünschen soll, weil keiner von beiden wirklich im Unrecht ist! Juliet Marillier hat eine vertrackte Situation geschaffen, die nicht ohne Weiteres in Wohlgefallen aufzulösen ist.
Auf der einen Seite stehen die ursprünglichen Inselbewohner, die Namenlosen, deren gesellschaftliche und spirituelle Mitte ein Mystiker und Seher ist, der den Titel Fuchsmaske trägt. Ohne ihn sind sie wie eine außer Kontrolle geratene Waffe. Auf der anderen Seite stehen die Männer, derer Thorvald sich angenommen hat. Einer von ihnen hat nach dem Tod des letzten Fuchsmaske dessen künftigen Nachfolger entführt und völlig dem Zugriff der Namenlosen entzogen. Bis die Namenlosen ihren Seher zurückerhalten, singen sie jedes Neugeborene ihrer Gegner in den Tod. Thorvald will dem ein Ende machen und ist fest entschlossen, dem Entführer den Seher wieder abzujagen. Er weiß nicht, dass mit dem neuen Fuchsmaske, der erst sechs Jahre zählt, ein düsteres Geheimnis verbunden ist, eine Familientragödie, eine finstere Geschichte von Lüge, Schuld und Unvermögen, von Machthunger und Unfähigkeit. Creidhe dagegen findet es heraus und beschließt, wie der Entführer den kleinen Jungen zu beschützen. Die Lage spitzt sich immer mehr zu, und es scheint kein Entrinnen aus dieser ausweglosen, verfahrenen Lage zu geben, ohne dass Unschuldige leiden müssen.
Es geht also in dieser Fortsetzung der |Saga of the Light Isles| nicht, wie ich zuerst vermutet hatte, hauptsächlich um Somerled, obwohl auch er eine nicht unerhebliche Rolle spielt, sondern es ist eine eigene Geschichte, die zwar von der Vergangenheit beeinflusst ist, sie im Grunde aber weder verändert noch fortführt. Am ehesten könnte man noch sagen, dass sie sie abschließt, doch das allein macht sie nicht aus. Den weit größeren Teil nimmt die Auflösung des gordischen Knotens in Anspruch, den Thorvald und seine Freunde vor Ort vorfinden. Dabei wird natürlich gekämpft, aber wie den anderen Büchern der Autorin auch ist die Gewalt als solche eine schmale Randerscheinung. Das Hauptgewicht liegt eher auf dem, was zu dieser Gewalt geführt hat, und ihren Folgen. Manches ist dabei ein wenig zu vorhersehbar geraten, das gilt vor allem für die Person Somerleds, die ich fast sofort wiedererkannte, obwohl sie einen anderen Namen trug. Das Schicksal des Herrschers, der Krieg gegen die Namenlosen geführt hat, war da weit überraschender, wenn auch erstaunlich kurz. Aber da waren auch schon gut sechshundert von knapp achthundert Seiten gelesen, und eine weitere Komplikation hätte die Handlung wohl doch zu sehr ausufern lassen.
Ich kann mich auch immer noch für den Sprachstil der Autorin begeistern. Zwar konnte die |Saga of the Light Isles|, was das Flair anging, nicht ganz mit der |Sevenwaters|-Trilogie mithalten, hat aber trotzdem ihren ganz eigenen Zauber. Spannung entwickelt sich hauptsächlich kurz vor dem Angriff von Thorvalds Männern auf die Wolkeninsel, in der Hauptsache wird die Geschichte jedoch von den Personen und den Verwicklungen zwischen den verschiedenen Parteien getragen. Juliet Marilliers größte Stärke liegt in der Personenbeschreibung, und die ist ihr auch hier wieder sehr gut gelungen. Nichts für Freunde von Action und Hochspannung. Wer es gern ruhig und nachdenklich mag, wird hier eher auf seine Kosten kommen. Auch Historienliebhaber könnten sich dafür begeistern.
Außer der Sevenwaters-Trilogie und der |Saga of the Light Isles| hat Juliet Marillier auch mehrere Fantasy-Kurzgeschichten geschrieben. Im Augenblick arbeitet sie an der Fantasy-Trilogie |The Bridei Chronicles|, einem Zyklus über das Reich der Pikten im letzten Jahrhundert vor Christus, dessen erster Band [„Die Königskinder“ 2001 im November letzten Jahres auf Deutsch erschien. Der zweite Band mit dem Titel „Die Herrscher von Fortriu“ ist für September dieses Jahres angekündigt.
Juliet Marillier war lange als Dozentin für Musikgeschichte, Gesangslehrerin und Chorleiterin tätig, ehe sie sich 2002 zurückzog, um sich der Schriftstellerei zu widmen. Sie lebt in Neuseeland, in der Nähe von Perth.
Juwelen des SF-Genres als Abschluss der Jahresband-Reihe
Ein wirklich lohnenswerter und umfangreicher Dank des Heyne-Verlags an seine Leser, dieser 2000er-Jahresband zum 40jährigen Jubiläum. Zehn Erzählungen preisgekrönter Autoren wie Robert Silverberg, Kim Stanley Robinson, George R. R. Martin oder Connie Willis warten auf die (Wieder-) Entdeckung: ein idealer Einstieg in das Genre. In diesen Olymp haben auch zwei weibliche Autoren Eingang gefunden, darunter die kürzlich verstorbene Ursula K. Le Guin. Wolfgang Jeschke (Hrsg.) – Heyne Science Fiction Jahresband 2000 weiterlesen →
Dieser 50. Auswahlband aus dem bekannten amerikanischen SF- und Fantasymagazin bietet folgende Storys:
1) Die Titelstory von der alternden Diva, deren elektronischer Jungbrunnen recht makabere Effekte erzielt.
2) Die Story von dem engelsgleichen buckligen Jungen, den alle mochten, weil ihn die Natur so ungerecht behandelt hatte.
3) Die Story von dem wunderbaren Apparat, der dem Menschen endlich den ewigen Frieden bescherte – um den Preis seiner Privatsphäre.
4) Die Story von der Marsexpedition, deren Teilnehmer eine ganze Weile brauchen, bevor sie erkennen, dass man ihr Kommen längst erwartet hat.
Das Magazin
Das |Magazine of Fantasy and Science Fiction| besteht seit Herbst 1949, also rund 58 Jahre. Zu seinen Herausgebern gehörten so bekannte Autoren wie Anthony Boucher (1949-58) oder Kristin Kathryn Rusch (ab Juli 1991). Es wurde mehrfach mit den wichtigsten Genrepreisen wie dem |HUGO| ausgezeichnet. Im Gegensatz zu „Asimov’s Science Fiction“ und „Analog“ legt es in den ausgewählten Kurzgeschichten Wert auf Stil und Idee gleichermaßen, bringt keine Illustrationen und hat auch Mainstream-Autoren wie C. S. Lewis, Kingsley Amis und Gerald Heard angezogen. Statt auf Raumschiffe und Roboter wie die anderen zu setzen, kommen in der Regel nur „normale“ Menschen auf der Erde vor, häufig in humorvoller Darstellung. Das sind aber nur sehr allgemeine Standards, die häufig durchbrochen wurden.
Hier wurden verdichtete Versionen von später berühmten Romanen erstmals veröffentlicht: „Walter M. Millers „Ein Lobgesang auf Leibowitz“ (1955-57), [„Starship Troopers“ 495 von Heinlein (1959), „Der große Süden“ (1952) von Ward Moore und „Rogue Moon / Unternehmen Luna“ von Algus Budrys (1960). Zahlreiche lose verbundene Serien wie etwa Poul Andersons „Zeitpatrouille“ erschienen hier, und die Zahl der hier veröffentlichten, später hoch dekorierten Stories ist Legion. Auch Andreas Eschbachs Debütstory „Die Haarteppichknüpfer“ wurde hier abgedruckt (im Januar 2000), unter dem Titel „The Carpetmaker’s Son“.
Zwischen November 1958 und Februar 1992 erschienen 399 Ausgaben, in denen jeweils Isaac Asimov einen wissenschaftlichen Artikel veröffentlichte. Er wurde von Gregory Benford abglöst. Zwischen 1975 und 1992 war der führende Buchrezensent Algis Budrys, doch auch andere bekannte Namen wie Alfred Bester oder Damon Knight trugen ihren Kritiken bei. Baird Searles rezensierte Filme. Eine lang laufende Serie von Schnurrpfeifereien, so genannte „shaggy dog stories“, genannt „Feghoots“, wurde 1958 bis 1964 von Reginald Bretnor geliefert, der als Grendel Briarton schrieb.
Seit Mitte der Sechzigerjahre ist die Oktoberausgabe einem speziellen Star gewidmet: Eine neue Story dieses Autors wird von Artikeln über ihn und einer Checkliste seiner Werke begleitet – eine besondere Ehre also. Diese widerfuhr Autoren wie Asimov, Sturgeon, Bradbury, Anderson, Blish, Pohl, Leiber, Silverberg, Ellison und vielen weiteren. Aus dieser Reihe entstand 1974 eine Best-of-Anthologie zum 25-jährigen Jubiläum, aber die Best-of-Reihe bestand bereits seit 1952. Die Jubiläumsausgabe zum Dreißigsten erschien 1981 auch bei |Heyne|.
In Großbritannien erschien die Lokalausgabe von 1953-54 und 1959-64, in Australien gab es eine Auswahl von 1954 bis 1958. Die deutsche Ausgabe von Auswahlbänden erschien ab 1963, herausgegeben von Charlotte Winheller (|Heyne| SF Nr. 214), in ununterbrochener Reihenfolge bis zum Jahr 2000, als sich bei |Heyne| alles änderte und alle Story-Anthologie-Reihen eingestellt wurden.
Die Erzählungen
1) Michael Coney: Die Cinderella-Maschine
Peninsula ist eine Gefängniswelt, wenn auch sehr hübsch mit einem tropischen Klima ausgestattet. Die Häftlinge werden nicht nur als Leibeigene „ausgeliehen“, sondern auch als lebende Organbanken benutzt. Nutznießer ist nicht nur der Ich-Erzähler Joe Sagar, der Knechte beschäftigt, sondern auch seine Bekannte, die alternde Filmdiva Carioca Jones. Die Diva ist Joe verhasst, seit sie die Hände seiner einstigen geliebten Joanne trägt …
Carioca bereitetet eine Art Auferstehung vor. Sie will nicht nur die alten 3D-Filme aus ihrer Jugend zeigen, sondern sich selbst ebenfalls verjüngen. Ein Mann namens Douglas Sutherland führt ihr und Joe seine Maschine vor, die er „Skulptograph“ nennt. Der Computer darin ist nicht nur in der Lage zu berechnen, wie irgendein menschliches Gewebe vor Jahren ausgesehen hat, sondern auch, wie es in der Zukunft aussehen könnte. Joe macht einen kleinen Test: Seine Warze am Finger wird zwar entfernt, aber dafür schält sich danach die abgestoßene Haut.
Als er beim Rennen eine sexy junge Frau aufgabelt, die sich als Carioca entpuppt, ahnt er, dass die Diva ihre Auferstehung ernst meint. Doch er freut sich schon darauf, wie sich ihre Haut schälen wird. Wie schlimm die Sache für sie ausgeht, hätte er sich allerdings nicht in den schlimmsten Albträumen ausgemalt …
|Mein Eindruck|
Die Story ist ein schönes Beispiel dafür, wie man mit nur wenigen Pinselstrichen eine komplexe Kultur zeichnen und ihre Fehler charakterisieren kann. Carioca ist nur der Exponent einer herrschenden Oberschicht von Ausbeutern. Eigentlich sollten wir uns freuen, wenn es ihr schlecht geht, aber das schadenfrohe Lachen bleibt uns im Halse stecken, so geschickt ist die Geschichte vom Autor erzählt. Die bitterböse Pointe hebt er sich für den letzten Satz auf. Carioca ist pars pro toto Opfer der selbst geschaffenen Verhältnisse geworden.
2) Tom Reamy: Der Detweiler-Bub
Bert Mallory ist Privatdetektiv im Los Angeles der sechziger Jahre, als er einen merkwürdigen Anruf erhält. Sein Kumpel Harry Spinner logiert gerade im Brewster Hotel, einer Absteige, als er einen seltsamen Jungen erwähnt, den Bert sich mal ansehen sollte. Als Mallory im Brester eintrifft, findet er Harry mit durchschnittener Kehle vor. Die Hotelbesitzerin, eine alternde, fette Diva, erwähnt diesen „Detweiler-Bub“, der so süß aussieht. Unter einem Vorwand sei er aber schon wieder ausgezogen. Das wird ja immer sonderbarer, findet Mallory. Da er die Sache persönlich nimmt, macht er sich auf die Suche nach dem Detweiler-Bub.
Der ist gar nicht mal so jung, schon über zwanzig, aber die Schwulen im Almsbury Hotel fanden, er habe eine Gesicht wie ein Engel. Rein zufällig ist auch im Almsbury jemand gestorben. Das wundert Mallory schon nicht mehr. In der |Los Angeles Times| der vergangenen vier Monate stößt er endlich auf ein Muster. Alle drei Tage fand ein blutiger Todesfall statt – und immer befand sich ein gewisser Andrew Detweiler in der Nachbarschaft. Er logierte immer nur drei Tage lang.
Um der Sache auf den Grund zu gehen, mietet sich Mallory in eine Bungalow-Anlage ein, aus der tags zuvor ein blutiger Selbstmord einer jungen Frau gemeldet worden ist. Der Detweiler-Bub logiert in Bungalow Nr. 7. Doch als Mallory mit dem jungen Mann Karten spielt, kann er nichts Schlimmes an ihm feststellen. Der Junge mit dem Buckel und dem Engelsgesicht ist ein Schriftsteller, schreibt Horrorgeschichten. Na, und?
Erst in der Nacht nach dem dritten Tag lüftet sich das Geheimnis …
|Mein Eindruck|
Die Geschichte erinnert mich an Stephen Kings verfilmten Roman „Stark – The dark half“, in der die Hauptfigur, ein Schriftsteller, sich einen finsteren Doppelgänger erfindet, und zwar in seinen Romanen: Machine. Diese andere Hälfte ist zu furchtbaren Taten imstande, die unser Autor niemals wagen würde.
Auch in Tom Reamys Novelle (43 Seiten) hat der Schriftsteller, Detweiler, einen Doppelgänger, einen finsteren Zwilling, der zu finsteren Taten fähig ist. Der Widerspruch zwischen diesem Teufel und dem Engelsgesicht Detweilers ist offensichtlich und symbolisch aussagekräftig. Jeder kann sich selbst einen Reim darauf machen. Aber Detweiler interessiert es nicht, was sein dunkler Zwilling tut – Hauptsache, er gibt ihm, was er selbst braucht. Es ist eine Symbiose. Wenn der eine stirbt, muss auch der andere vergehen.
Die Erzählung liest sich hervorragend, denn Bert Mallory erwähnt nicht umsonst den Detektivroman „Der Malteser Falke“ von Dashiell Hammett, aber erhält sich nicht für dessen Helden Sam Spade, sondern für eine Nummer kleiner. Dieser Selbsteinschätzung zum Trotz leistet Mallory saubere Arbeit, was die Story sehr spannend macht: eben eine klassische Detektivstory, mit viel Blut, vielen Frauen und viel trockenem Humor.
3) Damon Knight: Ich seh dich
Stell dir vor, du hättest einen Guckapparat, mit dem du nicht nur überallhin sehen könntest, sondern auch in jede beliebige Zeit. Nenn‘ das Ding einfach „Gucker“. Es hilft dir, die anderen Kinder zu sehen, wenn sie Verstecken spielen, und es hilft dir bei der sexuellen Aufklärung, wenn du zusiehst, was die Eltern im Bett treiben. Würdest du nicht dem Erfinder dieses tollen Gerätes danken wollen, das es dir erlaubt, alles zu sehen und zu hören, was du dir nur vorstellen kannst?
Jedenfalls bis zu dem Moment, in dem du gewahr wirst, dass du selbst auch beobachtest wirst. Und du merkst, dass auch dein Beobachter beobachtet wird. Und so weiter. Bis in alle Ewigkeit …
|Mein Eindruck|
Damon Knight, ein renommierter SF-Autor und -Herausgeber, hat hier die Idee von Clarke & Baxters Romans [„Das Licht ferner Tage“ 1503 vorweggenommen. Er spielt durch, wie es wohl wäre, wenn es wirklich so einen Apparat gäbe, der nicht nur märchenhaftes Wissen über die Mitmenschen liefern, sondern auch alle Rätsel der Welt lösen würde, beispielsweise den Mord an John F. Kennedy (1963) oder das Rätsel des verlassenen Segelschiffes „Mary Celeste“ (1892). Man bräuchte sich auch nicht mehr auf den Mars zu bemühen oder auf andere fremde Welten. Denn man hat ja den Gucker. So wie heute das TV-Gerät.
Es wäre der absolute Horror und das Ende des Menschseins, wie wir es heute kennen. Nicht nur gäbe es keine Privatsphäre und keine Verbrechen mehr, sondern auch jeden Antrieb, irgendwohin zu gehen, irgendetwas zu verschicken oder in den Fernseher bzw. auf eine Kinoleinwand zu starren. Die Menschen würde paranoid werden, daheim bleiben, dick und fett und krank werden. Gott wäre sowieso als Erstes abgeschafft worden, und Menschen würden nicht mehr heiraten, weil sie ja bereits alle Schwächen des anderen kennen gelernt hätten. Mithin würde nnur noch uneheliche Kinder gezeugt werden – wenn überhaupt.
Stell dir vor, du hättest einen Gucker – und ich würde dich sehen.
4) John Varley: Im Audienzsaal der Marskönige
Die Marsoberfläche. Nach einer Explosion des Kuppelzeltes, die durch Dekrompression drei Viertel des Expeditionskorps tötet, sehen sich die fünf Überlebenden harten Entscheidungen gegenüber. Sie können nicht mehr zum Mutterschiff „Edgar Rice Burroughs“ hinauffliegen, denn Pilot und Kopilotin ihrer Landefähre „Podkayne“ sind tot. Aber sie haben Vorräte für mindestens ein Jahr, bei Rationierung sogar für eineinhalb Jahre, mit Abwürfen der „Burroughs“ sogar noch länger. Sie sind jetzt eine autarke Kolonie.
Die kritischen Faktoren sind jedoch Wasser und Atemluft. Wasser lässt sich aus der Atemluft zwischen Plastikbahnen kondensieren und sammeln. Doch um Atemluft zu produzieren, benötigen sie Pflanzen, welche sie nicht haben. Matthew Crawford, der Historiker, sieht schwarz. Doch seine Gefährten, allen voran die Kommandantin Mary Lang, eine Afroamerikanerin, werfen die Flinte nicht ins Korn, sondern werden von der einheimischen Fauna überrascht. Aus den nährstoffreichen Gräbern der Getöteten erheben sich interessante Gebilde, die wie Windmühlen aussehen: Kreisler. Sie scheinen Wasser zu pumpen. Später gibt es ein Gewächs, das weiße Trauben bildet. Die „Beeren“ enthalten Sauerstoff. Nun haben sie wieder Atemluft, und das Überleben ist gesichert.
Aber für eine Kolonie braucht man auch Paare und Kinder. Diese stellen sich sofort ein, sobald die „Burroughs“, die nichts mehr zu tun hat, wieder zur Erde gestartet ist. Alle ziehen sich nackt aus und treiben es miteinander, bis sich ein Gefühl des Kennens und Vertrauens einstellt. Nach dem Abflauen der Rivalitätskämpfe zwischen den drei Frauen und den zwei Männern stellt sich ein Gleichgewicht her, und es dauert nur acht Monate, bis Lucy McKillian feststellt, dass sie schwanger ist. Aber in welcher Welt wird ihr Baby aufwachsen?
Der Forschungsexpedition, die fast neun Jahre später eintrifft und eigentlich erwartet, nur noch Leichen vorzufinden, steht eine faustdicke Überraschung bevor …
|Mein Eindruck|
Es sind solche Erzählungen in der alten, zuversichtlichen Heinlein-Manier, welche die amerikanische Science-Fiction wieder so attraktiv machten, nachdem sie durch das tiefe Tal der sechziger und frühen siebziger Jahre ging. Dass John Varley ein Heinlein-Jünger ist wie Niven, Pournelle und Spider Robinson, belegt schon der Umstand, dass die Landefähre „Podkayne“ nach der Heldin von Heinleins Jugendroman „Podkayne of Mars“ benannt ist. Und die „Edgar Rice Burroughs“ beschwört die uralte Marsromantik, die der Schöpfer von „Tarzan“ in den Jahren 1912 bis 1943 durch seine vielen Marsromane auslöste.
Anders als bei skeptischen Europäern vom Schlage eines Stanislaw Lem [(„Der Unbesiegbare“) 2795 zeigen sich die Amis auf dem Mars als Pioniere mit Tatkraft und Zuversicht. Als die einheimischen Lebensformen aus dem Boden (und dem 20 Meter darunter liegenden Wassereis) sprießen, erweisen diese sich als an die Menschen angepasst. Gerade so, als wären die Menschen erwartet worden. Wer weiß: Vielleicht haben die Wesen, die diese Sporen zurückließen, einst die Erde während der Steinzeit besucht und wollten die Besucher belohnen.
Hier zeigt sich eine amerikanische Denkweise: Gott (oder Schicksal, Natur usw.) hat vorherbestimmt, dass der Mensch, der sich bemüht, auch belohnt wird, aber nach Gottes eigenem verborgenen Plan. Und der kann ja nun auch Marsbewohner vorsehen. Der grandiose Titel „In the hall of the Martian kings“ wandelt einen Titel aus Edvard Griegs Peer-Gynt-Sinfonie ab, nämlich „In the hall of the mountain king“. Aber wo sind sie, die Marskönige? Kommen sie noch – oder sind sie mit den Pionieren bereits gekommen?
Die Übersetzung
An diesem schmalen Band von nur 140 Seiten waren gleich zwei Übersetzerinnen beteiligt: Birgit Reß-Bohusch und Keto von Waberer. Während Reß-Bohuschs Stil keinerlei Auffälligkeiten zeigt, ist bei Keto von Waberer genau das Gegenteil der Fall. Ich weiß ja nicht, in welcher Gegend man den Ausdruck „wie Schusser in den Höhlen“ (S. 42) gebraucht, aber in Deutschland dürfte er ziemlich wenig bekannt sein. Schusser sind laut DUDEN „Spielkügelchen“, d. h. der Ausdruck bedeutet so viel wie „herumkullern“.
Auf Seite 100 und 101 schreibt Waberer „Rationalisierung“ statt „Rationierung“ bzw. „Rationieren“. Das eine bedeutet „durch Maßnahmen Kosten/Aufwand/Personal etc. einsparen“, das andere „Nahrungsmittel begrenzen und einteilen“ – ein Riesenunterschied, den von Waberer offenbar nicht kannte.
Auf Seite 50 gibt es noch einen blöden Schreibfehler, der die Flüchtigkeit der Übersetzung belegt. Hier heißt es: „ich entdecke, die Spur des Detweiler-Buben …“ statt „ich entdeckte die Spur des D …“. Glücklicherweise war’s das aber auch schon.
Unterm Strich
Drei der vier hier gesammelten Erzählungen sind herausragende Beispiele für die hohe Qualität der Erzählungen während der siebziger Jahre – im Gegensatz zu einigen der Romane wie etwa Nivens „Luzifers Hammer“ oder Heinleins späte Machwerke. Es war eine Zeit des Umbruchs, die Zeit, als Konventionen abgestreift wurden und man nach neuen und aktuellen Ideen suchte; man denke an die Stories von Le Guin, Tiptree/Sheldon und Joanna Russ.
Dem widersprechen jedoch drei der vier Erzählungen in diesem Band. Varley knüpft an die Heinlein-Tradition der Weltraumeroberung an, und Reamy bedient sich der Folie des klassischen Detektivromans, um seine Aussage zu erzählen. Der gute alte Damon Knight erzählt noch in der Form der vierziger und fünfziger Jahre. Seine Story ist die einzige, die über keine Handlung im üblichen Sinne verfügt.
Nur bei Michael Coney kann ich keine alten Vorbilder erkennen, und deshalb ist mir diese Geschichte am sympathischsten. Coney hatte Anfang der siebziger Jahre begonnen, seine Storys zu veröffentlichen – sie sind in „Monitor im Orbit“ gesammelt – und entwickelte seine Kunstfertigkeit und seine Aussagekraft immer weiter, bis solche Werke wie „Die Cinderella-Maschine“ entstanden, die in hochverdichteter Form eine ganze Gesellschaft beschreiben und kritisieren.
Lesetipp
Wem diese Sammlung gefallen hat, der sollte auch zu den Nebula-Preisträger-Auswahlbänden greifen, die ab 1981 bei |Moewig| erschienen, so etwa „Der Plan ist Liebe und Tod“ (Nr. 6730, 1982).
Taschenbuch: 144 Seiten
Originaltitel: The magazine of fantasy and science fiction, 1976/77
Aus dem US-Englischen von Birgit Reß-Bohusch und Keto von Waberer www.heyne.de
Der Autor vergibt: (5.0/5) Ihr vergebt: (No Ratings Yet)
Faszinierender Job: als Reporterin im Alien-Dschungel
Die ersten Sporen des Chaga fallen im Jahr 2004 auf den Kilimandscharo – und breiten sich von dort mit einer Geschwindigkeit von 50 Metern pro Tag in alle Richtungen aus. Ständig fallen neue Sporenpakete, überall auf der Südhalbkugel. Der Lebensraum wird knapp, und die Verdrängten finden das gar nicht witzig. Eine gigantische UNO-Hilfsmission wird weltweit gestartet, und die Reporterin Gaby McAslan berichtet darüber in Kenia. Sie wird Zeugin eines Verschwindens der Erde, einer Transformation durch das Chaga. Aber können Menschen in dieser außerirdischen Vegetation leben? Und was passiert mit den vom Chaga Infizierten?
Lhiannon ist Oberpriesterin auf der Insel Mona und verantwortlich für das Haus der Priesterschülerinnen. Unter ihnen ist eines Tages auch ein junges Mädchen mit flammend rotem Haar, die Tochter eines Icener-Fürsten namens Boudicca.
Der junge Wildfang wird in Mona nur schwer heimisch, allein mit einem Mädchen namens Coventa freundet Boudicca sich an. Obwohl sie keine der Gaben besitzt, die sie zur Laufbahn einer Priesterin befähigen würden, hat sie etwas Besonderes an sich, das kann Lhiannon spüren. Als Boudicca nach ihrer Weihezeremonie zur Frau beschließt, Mona zu verlassen und zu ihrer Familie zurückzukehren, lässt Lhiannon sie schweren Herzens ziehen.
Doch in Britannien herrscht Rom, und Lhiannon wäre keine Seherin, wenn sie sich so leicht irrte. So kommt es, dass Boudicca schließlich doch noch ihrer Bestimmung folgt: unter dem Banner der Rabengöttin.
Mein Eindruck
Ich hatte ja wirklich gehofft, mit „Die Ahnen von Avalon“ wäre die ganze Avalon-Sache endlich erledigt. Umsonst gehofft! Zugegeben, Boudicca, die den letzten großen Aufstand gegen die Eroberung durch Rom anführte, muss eine faszinierende Persönlichkeit und deshalb eine große Versuchung gewesen sein.
Boudicca ist stolz, stur und ein wenig trotzig. Und das ist auch schon alles. Sie wirkt wie ein Holzschnitt: starr und staubig. Gedanken und Gefühle werden sachlich festgestellt; damit ist Nachvollziehbarkeit gewährleistet. Aber von dem lebendigen Feuer, das diese Frau ausgestrahlt haben muss, ist überhaupt nichts zu spüren, so etwas wie Faszination sucht man vergeblich. Ihre Leistungen während des Aufstandes werden letztlich sogar vollkommen der Göttin der Raben zugeschrieben, Boudicca dient nur noch als Gefäß.
Auch die zweite Hauptperson, Lhiannon, ist äußerst blass, ihr Hin- und Hergerissensein zwischen ihrer Liebe zum Druiden Ardanos und dem Wunsch, der Göttin als Orakel zu dienen, wirkt geradezu läppisch. Abgesehen davon besitzt sie keine eigenen Charaktermerkmale, dient lediglich als Beobachterin für das Fortschreiten der römischen Eroberungen bis zum Überfall auf die Insel Mona und damit als Fortführung des roten Fadens zwischen den „Ahnen von Avalon“ und den „Wäldern von Albion“.
Die übrigen Charaktere kann man bestenfalls als Statisten bezeichnen. Sowohl Haupt- als auch Nebenfiguren in dieser Geschichte zeigen keine Spur von dem Zorn, der Verzweiflung oder der Unsicherheit, wie sie Marion Zimmer-Bradleys Morgaine, Lancelot oder Gwenwyfar eigen waren. Sie sind so leblos und trocken wie Stroh!
Bleibt die Handlung: Den Werdegang eines Menschen zu verfolgen, kann ja durchaus interessant sein. In diesem Fall ist er allerdings hauptsächlich historisch korrekt. Tatsächlich ist es eine der Stärken der Autorin, den Mythos wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Manchmal allerdings schadet das mehr, als es nützt!
Boudiccas Entwicklung vom Mädchen zur Anführerin eines Aufstands wirkt bei Diana Paxson wie eine Aneinanderreihung von Nebensächlichkeiten. Ihre anfänglichen Eheprobleme, der Römer Pollio, der miese kleine keltischstämmige Steuereintreiber Cloto, das alles sind Bagatellen, die zwar den Alltag der damaligen Menschen zeigen, allerdings in einer Ausführlichkeit, die ermüdet und schließlich langweilt. Erst im letzten Drittel des Buches kommt mit dem Beginn des Aufstands echte Bewegung in die Geschichte.
Der Handlungsstrang um Lhiannon dagegen zeigt das unaufhaltsame Vordringen der Römer nach Westen. Vielleicht hat die Autorin durch die steigende Bedrohung für die Druiden auf Mona versucht, die Spannungskurve zu straffen, gelungen ist es ihr aber nicht. Das mag daran liegen, dass der Leser ja bereits weiß, dass Mona fallen wird, dadurch wird die Sache aber auch nicht besser.
Dazu kommt, dass der Handlungsverlauf holpert. Immer wieder stockt der Lesefluss an unvorhergesehenen Sprüngen. Eben noch waren die Verteidiger einer Festung dabei, die Wälle auszubauen und zu verstärken, und im nächsten Absatz befinden sie sich plötzlich mitten im Kampf.
Mit anderen Worten: Auch die Handlung gibt nicht wirklich viel her! Das Erstaunliche ist, dass dieser Eindruck entstehen konnte, obwohl das Buch wesentlich kürzer ist als „Die Nebel von Avalon„. Es hat nicht nur vierhundert Seiten weniger, sondern ist auch doppelt so groß gedruckt! Es wäre also noch genug Platz gewesen, um die Darstellung von Personen und Ereignissen etwas intensiver und hautnaher zu gestalten. Wie schon im Fall von Paxsons eigener Version der Artussage zieht sich die Handlung auch hier gerade deshalb so in die Länge, weil sie so knapp und straff erzählt ist!
Natürlich ist es so, dass die Thematik um Boudicca wesentlich weniger Stoff hergibt als die Artussage mit ihren vielfältigen Verflechtungen und Verwirrungen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass es möglich gewesen wäre, mehr daraus zu machen, als die Autorin es geschafft hat. Aber Aufbau der Geschichte und auch die Hauptperson selbst kamen den Talenten der Autorin in keiner Weise entgegen. Um die langen Phasen, in denen sich nur wenig tut, lebendig und interessant zu gestalten, hätten es eines besseren Händchens für Charakterzeichnung bedurft, als Diana Paxson es besitzt. So kam lediglich ein eher dröger Lebenslauf heraus, dessen Höhepunkt noch dadurch geschmälert wurde, dass er unmittelbar durch eine höhere Macht bestimmt wurde anstatt durch die eigentliche Hauptperson. Auch ihre zweite Stärke, die Beschreibung von religiösen Riten und Mysterien, konnte die Autorin in diesem Fall nur spärlich ausspielen, da ihre Hauptperson keine Priesterin ist.
Zu guter Letzt ist es auch noch so, dass die tatsächliche Anbindung an Vorgänger und Nachfolger eher mager ausgefallen ist. Die Beschreibung von der Eroberung Monas weicht ziemlich stark ab von dem, was Marion Zimmer-Bradley in „Die Wälder von Albion“ geschrieben hat, und die Erklärung, wie die Druiden überhaupt nach Mona kamen, ist so wirr, dass man sie kaum nachvollziehen kann.
Als Lhiannon auf Avalon Boudiccas Weihezeremonie zur Frau vollzieht, ist außer ihnen beiden so gut wie niemand dort, obwohl Tiriki im Vorgängerband dort eine Gemeinschaft von Priesterinnen gegründet hat! Und den Titel „Die Hüterin von Avalon“ trägt das Buch wohl nur aus Gründen des roten Fadens, denn eine solche Person taucht nirgendwo auf!
Unterm Strich
So ist dieser Band noch fader und zäher geraten als „Die Ahnen von Avalon“. Ich weiß ja nicht, ob nicht womöglich irgendwo noch ein angefangenes Manuskript liegt, um eine Lücke im roten Faden zu stopfen. Sollte das tatsächlich der Fall sein, dann steht eines fest: Ich werde das daraus entstandene Buch nicht lesen! Ganz sicher nicht!
Die Autorin
Diana Paxson lebt in den USA, wo sie die populäre Mittelalterbewegung mitgegründet hat. Unter anderem ist sie eine führende Vertreterin der dortigen neuheidnischen Religionsbewegung. Außer den diversen Avalonbänden aus Marion Zimmer-Bradleys Nachlass hat sie den Romanzyklus „Die Töchter der Nibelungen“, „Die Keltenkönigin“ und weitere Romane veröffentlicht. Des weiteren schrieb sie viele Kurzgeschichten sowie Theaterstücke und Gedichte.
Taschenbuch: 640 Seiten
ISBN-13: 9783453290204 https://www.penguin.de/Verlag/Diana-Verlag/31000.rhd
_Diana L. Paxson bei |Buchwurm.info|:_
[„Die Ahnen von Avalon“ 655
[„Die Herrin vom See“ 213 (Artor 1)
[„Die Herrin der Raben“ 2500 (Artor 2)
[„Die Herrin von Camelot“ 1657 (Artor 3)
[„Der Zauber von Erin“ 246
[„Brunhilds Lied“ 1659 (Die Töchter der Nibelungen 1)
[„Die Keltenkönigin“ 1693
Nach jahrelanger Irrfahrt durch die Weiten des Universums hat Aleytys, die Trägerin des Diadems, endlich ihre Mutter Shareen wiedergefunden. Mit ihr begibt sie sich zu dem Planeten Vrithia, um ihr Erbe anzutreten und den ihr zustehenden Platz als Mitglied der Superrasse Vryhh einzunehmen.
Doch Aleytys‘ Triumph ist nur von kurzer Dauer. Ihr Todfeind Kell hat noch nicht aufgegeben. Er nimmt einen ganzen Planeten als Geisel und verbreitet Angst und Schrecken. Es kommt zur letzten, entscheidenden Auseinandersetzung zwischen dem Vryhh Kell und Aleytys, dem Halbblut, bei der mehr als nur ihr persönliches Schicksal auf dem Spiel steht. (Verlagsinfo)
Der vorliegende Band ist der 9. und abschließende Band des beliebten Diadem-Zyklus‘.
„In der Nacht des 22. Dezember 2032 hörte das Universum, wie wir es kennen, auf zu existieren: Die Menschheit hat es nur noch nicht bemerkt…“ (Verlagsinfo) Die Fortsetzung von Ian McDonalds SF-Klassiker „Chaga oder Das Ufer der Evolution“ spielt 15 Jahre nach jenen Ereignissen, in denen die halbe Welt unter der außerirdischen Vegetation der Chaga begraben wurde. Die irische Exreporterin Gaby McAslan tritt ebenso wieder auf wie die sibirische Pilotin und Schamanin Oksana Michalowna.
Eine Hauptrolle spielt natürlich die Chaga sowie die menschlichen Staaten, die sich darin entwickelt haben: die Harambee. Chaga-Technologie hat sich global verbreitet, und das weckt Begehrlichkeiten. Über allem schwebt jedoch das Große Dumme Objekt (GDO), und immer wieder schaut Gaby McAslan hinauf zu den Ringen des Saturn: Dort oben ist im GDO Shepard, der Vater ihrer Tochter Serena, verschwunden. Eines Tages werden sie oder Serena dort nachschauen… Ian McDonald – Kirinja. SF-Roman weiterlesen →
„Das Lied von Eis und Feuer“, so heißt das ambitionierte Großprojekt von George R. R. Martin auf dem Gebiet der epischen Fantasy. Die vier ersten Bände davon sind bereits auf Deutsch erschienen (hier auf 8 Bände verteilt) und lassen sich zum Besten einordnen, was diese Literaturgattung bisher hervorgebracht hat.
Mehrere Handlungsstränge aufgreifend, bietet Martin einen Blick auf eine farbenprächtige Welt voller Gegensätze, ein buntes Gewimmel verschiedenster Schicksale, verstreut vom kargen, frostklirrenden Norden bis zu den orientalisch prächtigen Ländern des Sommers. Eine Welt, in der die Jahreszeiten sich über Jahre erstrecken können und auf einen milden langen Sommer ein umso härterer Winter folgt. In diesen Wintern erwachen im Norden dunkle Mächte. Und der jetzige Sommer währte bereits die Rekordzeit von zehn Jahren … Doch noch ist die Witterung wohlgesonnen und die Menschen sind mit ihrem eigenen Streit beschäftigt.
|Der Zyklus „Das Lied von Eis und Feuer“|
Band 1: Die Herren von Winterfell (ISBN 978-3-442-24729-5, 10/97, A Clash of Kings)
Band 2: Das Erbe von Winterfell (ISBN 978-3-442-24730-1, 4/98)
Band 3: Der Thron der Sieben Königreiche (ISBN 978-3-442-24923-7, 4/00, A Game of Thrones)
Band 4: Die Saat des goldenen Löwen (ISBN 978-3-442-24934-3, 10/00)
Band 5: Sturm der Schwerter (ISBN 978-3-442-24733-2, 11/01, A Storm of Swords)
Band 6: Die Königin der Drachen (ISBN 978-3-442-24734-9, 06/02)
Band 7: Zeit der Krähen (ISBN 978-3-442-24350-1, 05/06, A Feast of Crows)
Band 8: Die dunkle Königin (ISBN 978-3-442-24416-4, 10/06)
geplant: A Dance with Dragons
_Vorgeschichte in Band 1 & 2_
Der König, das ist der Thronräuber Robert Baratheon, einst ein großer Kämpfer, nun nur noch ein Säufer und Schürzenjäger. Die Königin ist Cersei aus dem reichsten Haus des gesamten Inselkönigreichs, derer von Lannister. Was kaum jemand weiß: Ihre Kinder, die der König sein Eigen glaubt, stammen alle von ihrem Bruder, dem strahlenden Ritter Jaime. Kaum ein Geheimnis ist jedoch, dass die beiden Lannisters des Königs alten Premierminister – hierzulande Rechte Hand genannt – mit Gift um die Ecke gebracht haben, um ihre Stellung zu stärken: Jaime sollte sein Nachfolger werden. Doch den Ersatz wählt der König nicht in seiner Nähe, sondern im hohen Norden, bei seinem alten Freund und Mitstreiter, dem rechtschaffenen Lord Eddard Stark. Das Schicksal der Angehörigen der Großfamilie derer von Stark von Winterfell ist der eigentliche Inhalt des umfangreichen Romans.
Zunächst widerwillig, doch vom Ehrgefühl getrieben, begibt sich Lord Eddard in die Hauptstadt, um als Rechte Hand zu regieren, während der König Mädchen und Wildschweinen nachstellt. Es kommt zum unausweichlichen Konflikt mit den Lannisters, als Eddards Frau Catelyn herausfindet, von wem ein Meuchelmörder in ihre Burg geschickt wurde, um ihren Sohn Bran zu töten: die Lannisters. Sie weiß nicht, dass Bran das Geheimnis des feindlichen Geschwisterpaares belauscht hatte. Ihr Verdacht fällt auf den Besitzer des Attentäterdolches: auf Tyrion Lannister, Königin Cerseis zwergenhaften Bruder. Sie lässt ihn verhaften und verschärft die Krise bis zum offenen Krieg. Der König kommt unter mysteriösen Umständen um.
Im zweiten Band des Romans, „Das Erbe von Winterfell“, kommt es zu mehreren Schlachten zwischen aufrechten Stark-Freunden und Lannistervasallen. Der Autor weiß die Kämpfer in der Schlacht auf eindrückliche Weise zu beschreiben. So erscheint etwa der Feldherr der Lannisters als eine Art Julius Cäsar. Seine Statur wird von der mickrigen Größe seines – inzwischen freigekommenen – Sohnes Tyrion noch erhöht, was aber nichts über seine moralischen Qualitäten aussagt. Lord Eddard, nach Roberts Tod von der Königin im Staatsstreich verhaftet und eingekerkert, wird vom neuen König und Cerseis Sohn, dem 14-jährigen und eigensinnigen Joffrey, als Verräter zum Tode verurteilt und enthauptet. Eddards zwei 10- und 12-jährige Töchter müssen dies mit ansehen. Ein Gegenkönig zeigt sich im Süden.
Am Ende des Romans sind viele Karten ausgespielt worden, aber die Partie ist weiterhin offen. In den Ländern jenseits der Meerenge gelangt Daenerys, die letzte Überlebende des Herrschergeschlechts, das Robert Baratheon dezimierte und verjagte, zu Macht an der Seite eines Reitervolkhäuptlings. Es gelingt ihr, den ausgestorbenen Drachen zur Wiedergeburt zu verhelfen. Und im höchsten Norden, an der Mauer, die das Königreich vor den Geistern des Verwunschenen Waldes schützt, kehrt der Winter zurück – für lange Jahre.
_Handlung von Band 3_
Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht auch im dritten Band die Familie der Starks. Seit Tausenden von Jahren stellt sie die Könige des Nordens, eine harte, ehrenhafte, aber auch pragmatische Sippe. Der sich seit dem Anfang der Serie aufbauende Zwist zwischen den Starks und der mächtigen Adelsfamilie der Lannisters eskaliert zu einem mörderischen Krieg, der einen Großteil der Sieben Königreiche verheert.
Und noch mehr Heere sind im Anmarsch. Denn Stannis, der Bruder des verstorbenen Königs, schickt sich an, den Thron an sich zu reißen, mit der Begründung, der Thronfolger und neue König Joffrey sei nicht seines Bruders Sohn, sondern das Produkt aus der Verbindung der Königin mit ihrem Bruder. Nicht zu Unrecht, wie der Leser aus der Vorgeschichte weiß.
Gleichzeitig ruft sich auch Stannis‘ Bruder Renly zum König aus und kann durch die Unterstützung der südlichen Provinzen auf eine riesige Armee zurückgreifen. Der Kampfverlauf ist allerdings anders, als die Beteiligten erwarten.
Derweil nehmen die Männer der Nachtwache, welche das Land seit altersher gegen den Norden schützt, erschreckt Veränderungen war. Nicht nur dass Männer verschwinden und als Untote wiederkehren, auch die Wildlinge, die Menschen auf der anderen Seite der Mauer, sind spurlos verschwunden, wie eine Expedition feststellt. Diese ist mit Snow, dem Bastard Eddard Starks, losgezogen, um die Vorgänge jenseits der Mauer zu erforschen.
Ein bisher eher am Rande agierender Handlungsträger bekommt von Martin mehr Aufmerksamkeit zugemessen: der junge Theon, das Mündel Eddard Starks, zieht heimwärts, um als kommender Erbe des Thrones der Eisen-Inseln zu Ruhm zu kommen.
Die junge Targaryen Daenerys, eine Favoritin unter den Handlungsträgern und frischgebackene „Mutter“ von drei Drachen, macht sich mit ihrem kleinen Khalazar auf eine ungewisse Reise in die Wüste. Zwar finden die geplagten Reste des ehemaligen Khalazars von Drogo bald fruchtbares Land, doch die ehrgeizige Daenerys treibt es weiter. Eine gewisse Gleichgültigkeit, was ihre Untertanen betrifft, lässt sich bei ihr nicht verleugnen. Dennoch wünscht man ihr alles Gute. Doch die Erfüllung ihrer Träume bedeutet noch mehr Krieg für die Sieben Königreiche.
_Mein Eindruck_
Man kann darauf gespannt sein, wie der Autor die sich anbahnenden Konflikte zwischen den Sympathieträgern der verschiedenen Parteien in seiner Serie auflösen wird. Denn das mag für viele Leser vielleicht doch etwas ungewohnt sein: Nicht nur hat Martin die bekannten Schwarz-Weiß/Gut-Böse-Zuordnungen über Bord geworfen, auch mit seinen Helden geht er nicht immer pfleglich um. Es kann durchaus passieren, dass ein Sympathieträger am Ende eines Buches nicht mehr am Leben ist, wie sich an Eddard Starks Schicksal zeigte.
In den Winterfell-Romanen herrscht bitterster Realismus, Drama zwischen Ironie und Tragödie, grimmig zuweilen bis zur Schmerzgrenze. Doch Martin desavouiert seine Figuren nicht, er lässt ihnen ihre Würde. Allerdings schildert er nicht das Innenleben der bösen Lannisters – hier ist der philosophische Zyniker Tyrion die Ausnahme.
Die Figuren erscheinen sehr lebendig und menschlich; Martin verschließt die Augen nicht vor ihren intimsten Gefühlsregungen oder sexuellen Betätigungen. Dass der Sex ebenso wie der Humor zuweilen von der derberen Sorte ist, verleiht dem geschilderten Leben Authentizität: So könnte es im Frankreich oder England des 13. oder 14. Jahrhunderts zugegangen sein. Man lese einmal Shakespeares „Heinrich V.“ nach oder sehe Brannaghs Verfilmung.
Alles in allem ist die Serie eine Ausnahmeerscheinung in der Fantasy. Brillant geschrieben und weit über dem Durchschnitt. Möglicherweise wirklich die beste epische Fantasy überhaupt, wie sich Marion Zimmer Bradley geäußert hat. Für mich ist die Serie jedenfalls die derzeitige Referenz und zu Recht mit Preisen überhäuft.
|Originaltitel: A Clash of Kings (Pages 1-332)
Originalverlag: Bantam Books
Aus dem Amerikanischen von Andreas Helweg
Paperback, 544 Seiten
Mit drei Landkarten|
http://www.blanvalet.de
http://www.georgerrmartin.com/
http://www.eis-und-feuer.de/
Aleytys, die junge Frau mit dem Diadem und den ihm innewohnenden Psi-Kräften, gelangt auf ihrer Suche nach der Superrasse der Vryhh, der ihre Mutter angehört, auf den Planeten Ibex. Diese Welt ist für Fremde verboten – und tödlich. (erweiterte Verlagsinfo) Die Autorin
Patricia Jo Clayton (* 15. Februar 1939 in Modesto, Kalifornien; † 13. Februar 1998 in Portland) war eine US-amerikanische Autorin von Science-Fiction und Fantasy.
Schon einmal im Hafen mit der Galionsfigur eines Handelsschiffes gesprochen? Schlimmer noch, hat sie sich bewegt und geantwortet? Wird es Zeit, geistigen Getränken völlig zu entsagen?
Keine Panik, alles ganz normal. Zumindest in Bingtown.
Solche Dinge, die man gewöhnlicherweise als unter Alkoholeinfluss enstandenes Seemannsgarn abtun würde, sind dort Realität: Die aus Hexenholz gebauten Lebensschiffe der alteingesessenen Händlersippen sind im wahrsten Sinne des Wortes lebendig. Sie haben ihren eigenen Charakter, können sprechen und sich bewegen – sobald sie erwacht sind. Mindestens drei Angehörige einer Familie müssen auf den Planken eines Hexenholz-Schiffes versterben, um es mit Leben zu erfüllen. Hexenholzschiffe sind schneller, widerstandsfähiger und in nahezu jeder Beziehung gewöhnlichen Schiffen überlegen – welches normale Schiff könnte selbständig einer Sandbank ausweichen, wenn der Steuermann unachtsam ist?
„The Legend of Deathwalker“, das von |Bastei-Lübbe| unter dem Titel „Die Augen von Alchazzar“ veröffentlicht worden ist, ist ein Roman aus der |Drenai|-Serie.
Ein alter Bekannter tritt auf: Druss. Wieder einmal endet ein Drenai-Buch mit seinem Tod. Das tut dem Rest des Romans keinen Abbruch, was Spannung und Abenteuer anbetrifft – im Gegenteil: Der Umstand, dass Druss einen aussichtslosen Kampf in der Festung Dros Delnoch gegen die Horden der Nadir kämpft, verleiht dem Geschehen, das Druss erzählt, tragische Größe, aber auch Ironie: Er selbst hatte entscheidenden Anteil daran, die einst zersplitterte Nation der Nadir unter demjenigen Häuptling zu einen, der ihn nun belagert.
_Der Autor_
David Gemmell (geb. 1948), früher selbst einmal Soldat, ist der führende britische Autor (wenn nicht sogar weltweit) von Fantasy-Action-Romanen. Besonders bekannt wurde ab 1984 er mit der Drenai-Saga, in der kernige Helden wie „Druss die Legende“ in einem untergehenden mittelalterlichen Reich schier aussichtslose Kämpfe ausfechten.
Seine zweite Romansequenz dreht sich um die magischen Sipstrassi-Steine (1987-94). Dazu gehören auch einige Romane, die in einer Post-Holocaust-Zukunft angesiedelt sind („The Jerusalem Man“). Ein dritter Romankomplex umfasst die historischen Fantasien um Alexander den Großen: „Der Löwe von Makedonien“ und „Der dunkle Prinz“ (1990/91). Die Falkenkönigin-Duologie dreht sich um eine heldenhafte Kriegerin: „Eisenhands Tochter“ und „Die Keltenkriege“. Es handelt sich eindeutig um Heroic Fantasy.
Mit „Morningstar“ schrieb Gemmell Jugend-Fantasy und unter dem Pseudonym „Ross Harding“ mit „White Knight, Black Swan“ einen Gangster-Thriller.
|David Gemmell bei Buchwurm.info:|
[Die steinerne Armee 522 (Rigante 1)
[Die Nacht des Falken 169 (Rigante 2)
[Rabenherz 498 (Rigante 3)
[Im Zeichen des dunklen Mondes 840
[Wolf in Shadow 181 (Stones of Power)
_Handlung_
Unter der brutalen Unterdrückung durch die römerartigen Gothir träumen die verstreuten und zerstrittenen Nadir-Stämme – eine Art Mongolenvolk – vom großen Einiger, der die Stämme zusammenführen wird, um sie zu befreien. Von einem Schamanen wird der junge Krieger Talisman in die Hauptstadt der Gothir geschickt, um Rat von einem alten Weisen einzuholen und dessen Tochter Zhusai in das Land der Nadir mitzunehmen. Dort sucht Talisman den Schrein von Oshikai, der das einzige Heiligtum der Nadir darstellt, das stets von mehreren Stammesdelegationen bewacht wird. Im Schrein sucht er die legendären Augen von Alchazzar, zwei Juwelen von magischer Kraft, die zur Wiedererlangung der Macht der Nadir notwendig sein sollen.
In der Haupstadt der Gothir hat Talisman die Bekanntschaft von Druss gemacht. Druss hört von den heilenden Kräften der Alchazzar-Juwelen und macht sich mit seinem Freund, dem Poeten Sieben, in die Nadir-Steppe auf, um mit den Juwelen seinen Freund, den Faustkämpfer Klay, zu heilen. Klay fiel einem Attentat zum Opfer, wie es in den Straßen der korrupten Metropole gang und gäbe ist. Doch das Attentat hatte Druss gegolten.
Druss und Sieben merken bald, dass sie von einer Armee der Gothir verfolgt werden – durch Spione hat auch die Reichsführung der Gothir von den Juwelen erfahren und will sie den Nadir stehlen, um diese endgültig zu unterwerfen. Alle Beteiligten treffen sich am Schrein von Oshikai. Der Ort ist wie ein altes verfallenes Fort gebaut und schwer zu verteidigen, doch zusammen mit Druss gelingt der Aufbau einer Wehrmauer und einer Verteidigungsstrategie. Können 200 Nomaden 5000 ausgebildeten Berufssoldaten standhalten?
Bald stellt sich jedoch heraus, dass Zhusai, Talismans Begleiterin, besessen ist – ebenso wie Talisman übrigens. Die beiden stellen die Verkörperung jenes alten heroischen Paares dar, das die Nadir-Nation begründete: Oshikai Dämonenbann und seine Geliebte Shul-sen. Doch aufgrund eines Fluches leben sie in der Unterwelt getrennt voneinander. Talisman und Druss sowie ein Schamane machen sich in die Anderswelt auf, die Fesseln des Paares zu lösen. Sie haben Erfolg, und wenig später befinden sie sich im Besitz der Augen von Alchazzar, die von den beiden gehütet wurden. Mit Hilfe der Magie Shul-sens und der Juwelen gelingt es Zhusai, das Heer der Gothir zu vernichten. Talisman wird Oberhäuptling aller Nadir und vernichtet das Gothir-Reich. Schließlich begegnet er bei der Belagerung von Dros Delnoch seinem Freund Druss wieder. Der Kreis der Erzählung ist geschlossen.
_Fazit_
„Die Augen von Alchazzar“ ist sicherlich eines der besten Bücher von David Gemmell überhaupt. Die Motivationen der Hauptfiguren – real wie auch vergangen – sind ebenso deutlich und plausibel herausgearbeitet wie ihre jeweilige persönliche Geschichte.
Die Atmosphäre der Schauplätze ist realistisch und lebendig eingefangen. Tragik, Komik und Romantik liege nahe beieinander und bieten so eine lebendige, ausgewogene Mischung an Emotionen, die für ein erinnerungswürdiges Leseerlebnis notwendig sind.
Der Poet Sieben sorgt mit seiner Affektiertheit und seinen Amouren für ironische Reflexionen auf das martialische Geschehen um den Schrein der Nadir.
Druss erscheint neben ihm wie ein tumber Haudrauf, erweist sich aber als weit größerer Realist, wenn’s um den Erhalt des nackten Lebens geht. Das Paar Talisman & Zhusai ist ein Echo des Paares Oshikai und Shul-sen – umschattet von tragischer Romantik, eine Geschichte von Überheblichkeit, Strafe und Fluch bis hin zur Erlösung.
All diese Elemente ausgewogen miteinander spannend und unterhaltsam zu verknüpfen, ist eine bemerkenswerte Leistung. Gemmell hat nur wenige vergleichbar gute Bücher geschrieben, die meisten davon in der |Drenai|-Saga.
Cort Myshtigo besucht mit einer außerirdischen Reisegesellschaft die nach einem Nuklearkrieg bedeutungslose Erde. Auf einer Rundreise geraten sie in einen Alptraum aus Ungeheuern und mutierten Geschöpfen, neben denen die wüstesten Gestalten der antiken Mythologie harmlos wirken. (Verlagsinfo)
„Fluch der Unsterblichkeit“ ist ein echter Klassiker des Science-Fiction-Genres. Das 1966 veröffentlichte Buch „This Immortal“ wurde ausgezeichnet mit dem HUGO Award, der begehrten Trophäe, die von den amerikanischen SF-Lesern verliehen wird.
Der Autor
Während Roger Zelazny, geboren 1937 in Ohio, eher für seine ausgezeichneten Science Fiction-Romane und Novellen („He Who Shapes“, 1965, oder „A Rose for Ecclesiastes“, 1966, ebenfalls HUGO) bekannt ist, wird seine Fantasy weniger geschätzt. Eine Ausnahme bilden die zehn Romane aus dem Amber-Zyklus. Es gab sogar Fortsetzungen von der Hand anderer Autoren.
Sein Roman „Fluch der Unsterblichkeit“ („This Immortal“ ) ist ein echter Klassiker des Science-Fiction-Genres. Das 1966 veröffentlichte Buch wurde ausgezeichnet mit dem HUGO Award, und ebenso erfolgreich war er ein Jahr später mit „Herr des Lichts“. Zu Ende seiner Laufbahn veröffentlichte er zahlreiche, wenig erfolgreiche Kollaborationen mit anderen Autoren, so etwa mit Philip K. Dick und Fred Saberhagen.
Außer Science Fiction und Fantasy schrieb er auch noch Gedichte. Seine große Leidenschaft waren Kampfsportarten. Er gab Unterricht in Aikido. Außerdem sammelte er orientalische Teppiche. Von 1975 bis zu seinem Tod lebte er mit seiner Lebensgefährtin, der Fantasyautorin Jane Lindskold in Santa Fé, New Mexico. Er schrieb auch unter dem Pseudonym Harrison Denmark. Roger Zelazny starb am 14. Juni 1995 an Nierenversagen infolge einer Krebserkrankung.
Wichtige Werke
1) Herr des Lichts (HUGO Award; erscheint demnächst bei PIPER!)
2) Fluch der Unsterblichkeit (HUGO Award)
3) AMBER-Zyklen 1 + 2
Und viele weitere.
Handlung
Nach dem atomaren Holocaust ist die menschliche Zivilisation nur noch ein Schatten ihrer selbst. Immerhin haben die Menschen Kolonien auf dem Mond, den Planeten und den Saturnringen einrichten können.
Vol. 1: Nine Princes in Amber, 1970, dt. Corwin von Amber, Heyne, 1977, ISBN 3-453-30432-2.
Vol. 2: The Guns of Avalon, 1972, dt. Die Gewehre von Avalon, Heyne, 1977, ISBN 3-453-30445-4.
Vol. 3: Sign of the Unicorn, 1975, dt. Im Zeichen des Einhorns, Heyne, 1977, ISBN 3-453-30466-7.
Vol. 4: The Hand of Oberon, 1976, dt. Die Hand Oberons, Heyne, 1978, ISBN 3-453-30500-0.
Vol. 5: The Courts of Chaos, 1978, dt. Die Burgen des Chaos, Heyne, 1981, ISBN 3-453-30743-7.
Vol. 1–5: The First Chronicles of Amber, 1999, dt. Die Prinzen von Amber, Heyne, 1986, ISBN 3-453-31271-6.
Spannender Startband einer legendären Fantasyreihe
Ein Mann erwacht ohne Erinnerung in einer Privatklinik auf dem Lande. Er merkt schnell, dass man ihn hier bloß ruhigstellen will und kämpft sich seinen Weg nach draußen. Einziger Anhaltspunkt: sein „Schwester“. Hat er eine? Doch sie ist der Schlüssel zu seiner wahren Existenz: Er ist Corwin, einer der neun Prinzen von Amber, der wahren Welt. Und er muss gegen die anderen acht Brüder und vier Schwestern antreten, will er den Thron von Amber erringen …
Nebula Award 1981, das sagt (dem eingeweihten SF-Fan) alles! Dies ist ohne Zweifel einer der besten SF-Romane der letzten Jahrzehnte. Meisterhaft verknüpft Benford, selbst ein gestandener Physiker, wissenschaftliche Theorie mit einer packenden dramatischen Handlung. Kernthema ist die Nachrichtenübermittlung aus der Zukunft.
Kaum ein anderer Roman – SF oder Non-SF – hat ähnlich authentisch und überzeugend die Welt der Wissenschaftler dargestellt. Moderne physikalische Theorien werden allgemein verständlich dargelegt und treiben mit ihren Auswirkungen die spannende Handlung voran.