Einer der exklusivsten Klubs der Welt hat nur vier Mitglieder. Tag und Nacht studieren der Anführer, der sich „Oliver Stone“ nennt, und seine Freunde Verschwörungstheorien und die Skandale in Washington, D.C. Doch dann werden die selbst ernannten Wächter Zeugen eines Mordes, dessen Folgen die Sicherheit der Nation und der ganzen Welt bedrohen. Und die Einzigen, die der Apokalypse noch im Weg stehen, sind eine junge FBI-Agentin, ein altgedienter Secret-Service-Mann und vier vergessene Helden … (Verlagsinfo)
Deadline Karfreitag: der Killer mit dem Rosenkranz-Programm
Die Bevölkerung von Philadelphia wird mit einer Verbrechensserie konfrontiert, die sie in den Grundfesten erschüttert: Ein durchgeknallter, aber planvoll arbeitender Mörder hat es auf ihre Töchter abgesehen. Und nur auf ihre katholischen Mädchen. Bei seiner Mordserie lehnt er sich an die Passion Christi an: von der Verurteilung über die Geißelung bis zur Kreuzesaufnahme und finalen Kreuzigung. Für die beiden Beamten der Mordkommission Kevin Byrne und Jessica Balzano beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn das Osterfest steht kurz bevor. Für den Karfreitag hat sich der Killer die Krönung seiner Hinrichtungen vorbehalten. Doch er begeht einen folgenschweren Fehler …
Inhalt: 50 Jahre ist es her, dass der angehende Schriftsteller Elmore Kendrick von Dämonen heimgesucht wurde. Schloss er in seiner ersten Nacht in der „Villa Wahnsinn“ tatsächlich einen Pakt mit dem Bösen … oder sind die Ausgeburten der Hölle, die die Villa heimsuchen, lediglich das Ergebnis von Kendricks überbordender schriftstellerischer Fantasie …? (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
In diesem Jahr feiern die Fans des beliebtesten Geisterjägers der Welt das 50-jährige Jubiläum des Sohns des Lichts. Nicht nur Perry Rhodan hält lange durch, auch der Nachschub an Horror-begeisterten Deutschen scheint ungebrochen zu sein … und die Nachfrage nach Gruselunterhaltung.
Die Sammleredition bietet die Hörspiele zu vier von Arthur Conan Doyles besten Fällen, die der Meisterdetektiv Sherlock Holmes zu lösen hatte. Darunter dürfte so mancher Fall sein, den man schon kennt, allerdings wurde meines Wissens keine der vier Geschichten bislang verfilmt.
Empfohlen ab 12 Jahren.
Richter Kömüves kommt übermüdet mit seiner Frau von einer Veranstaltung nach Hause. Überrascht erfährt er, dass sich ein Fremder in seiner Wohnung befinde, um ihn zu besuchen. Es ist Imre Greiner, ein Schulkamerad und Jugendgefährte, den er seit neun Jahren nicht mehr gesehen hat. Der Richter weiß, dass er Greiners Ehe mit der schönen Anna Fazekas am folgenden Morgen scheiden soll. Gibt es ein Problem damit? Und ob! „Die Verhandlung kann nicht stattfinden, weil ich heute meine Frau getötet habe“, antwortet Greiner. Und er will herausfinden, wer ihm seine Frau weggenommen hat – vor zehn Jahren. Wen hat Anna wirklich geliebt? Den Richter etwa?
Hand of God – so nennt sich der mysteriöse Anrufer, der dem Ermittler Pete Marino mitten in der Nacht mit Bibelzitaten droht, Andeutungen über einen ungeklärten Todesfall macht und Scarpettas Nichte, dieser „lesbischen Schlampe“, droht. Der Privatdetektiv Marino ist der gute Kumpel von Dr. Kay Scarpetta. Sie ist alarmiert. Es wäre nicht das erste Mal, dass Lucy in Schwierigkeiten wäre. Sie macht sich auf, diesem Psychopathen das Handwerk zu legen.
_Die Autorin_
Patricia Cornwell, 1956 in Miami geboren, war Polizeireporterin und Computerspezialistin am Gerichtsmedizinischen Institut von Virginia, bevor sie zu schreiben begann. Mit den Thrillern um ihr literarisches Alter Ego, die Gerichtsmedizinerin Kay Scarpetta, wurde sie zur „erfolgreichsten Thrillerautorin der Welt“ (|Der Spiegel|). Cornwell lebt allein in Richmond / Virginia und in Malibu, Kalifornien. (Verlagsinfo)
_Die Sprecherin_
Franziska Pigulla war Moderatorin bei |n-tv|, |SAT.1| und bei der |BBC| in London. Als eine der bekanntesten Sprecherinnen synchronisiert sie Gillian Anderson aus „Akte X“, Demi Moore, Fanny Ardant und Sharon Stone. Auch als Erzählerin bei „Galileo“-Dokumentationen ist sie regelmäßig im Off zu hören. Für |Hoffmann & Campe| hat Pigulla bereits mehrere Romane vorgetragen:
Weitere Cornwell-Hörbücher: „Wer war Jack the Ripper? – Portrait eines Killers“; „Die Tote ohne Namen“.
Der Text wurde von Rainer Scheer gekürzt. Regie führte Vlatko Kucan, die Aufnahme fand im TrueMuze Rec Studio, Hamburg, statt.
_Handlung_
In der Wirklichkeit geschehen die meisten Dinge, die zusammenhängen, gleichzeitig, und in Dr. Kay Scarpettas Leben ist das nicht anders. Nur dass sie von den Zusammenhängen – noch – keine Ahnung hat …
|Bestie|
Obwohl sie in Miami lebt, arbeitet Scarpetta mit ihrem FBI-Freund Benson Westley, einem rechtsmedizinischen Psychologen, an einem supergeheimen Projekt namens „Bestie“ zusammen. Im Rahmen dieses Projekts, das an einer Klinik im nördlich gelegenen Massachusetts stattfindet, sollen die Gehirne von Gewaltverbrechern mit Magnetresonanztomographen (MRT) untersucht werden. Man will herausfinden, wie Gewaltbereitschaft und Hirnstruktur zusammenhängen. Was macht einen Menschen zur Bestie? Paradebeispiel ist der Serienmörder Basil Genrette, den Scarpetta und Westley aus Louisiana eingeflogen haben.
|Abgehört|
Kay und Benson kommunizieren über das sichere VPN-Netzwerk ihrer Nichte Lucy, doch sie wissen ebenso wenig wie Lucy, dass Kays Kollege Dr. Jay Amos Lucys Passwörter geklaut hat. Sie hatte ihren PDA liegen gelassen, und er nutzte die gute Gelegenheit, um alle Dateien auf dem Gerät zu kopieren. Nun kann er in zahlreichen sicherheitsrelevanten Netzwerken manipulieren, abhören und falsche Botschaften schicken. Auch an Scarpettas Arbeitsplatz der Akademie für forensische Medizin in Miami. Er hört auch Pete Marino ab, den Privatdetektiv, den Scarpetta hin und wieder als Ermittler einsetzt. Doch Marino wird allmählich misstrauisch, wie es zu den Falschmeldungen, die er bekommt, kommen kann …
|HOG|
Marino berichtet ihr von zwei Dingen: 1) Er habe einen seltsamen anonymen Anruf von einem durchgeknallten Typen bekommen, der sich „Hand of God“, kurz: HOG, nennt. Und 2) Was wisse sie über den angeblichen Selbstmord von Dr. Johnny Swift, der in Boston an einer Klinik arbeitete und von seinem Zwillingsbruder Laurel gefunden wurde, der nun in Miami wohnt? Diesen „Selbstmord“ habe HOG nämlich erwähnt. Und ebenso nannte der Typ den Namen Christine Christian – und Lucy, Scarpettas Nichte, beschimpfte er als „lesbische Schlampe“. Kay testet, wie sich Johnny Swift mit einem Schrotgewehr erschossen haben soll. Es geht nicht. Der Verdacht auf Mord erhärtet sich.
|Hands of God|
Benson Westley wird zu einem neuen Mord gerufen. Die weibliche Leiche wurde in Massachusetts gefunden, der Täter hatte ihr eine Schrotflinte in den Mund gesteckt und abgedrückt, und entsprechend verheerend sieht ihr Kopf aus. Was Benson aber als Erstes auffällt, sind die knallroten Handabdrücke an ihren Brüsten und Oberschenkeln. Sind die aufgemalt? Nur wenig später lernt Kays Nichte Lucy in einer Bostoner Bar eine hübsche Lesbe kennen, die sich Stevie nennt. Zusammen verbringen sie eine Liebesnacht in Lucys gemietetem Häuschen. Was Lucy an Stevies Haut als erstes auffällt, sind die knallroten Handabdrücke auf ihren Brüsten und Oberschenkeln …
|Verschwunden|
Scarpetta sucht in Hollywood, Florida, nach der Familie Christian. Sie scheint vor etwa 15 Tagen verschwunden zu sein, und dies wurde erst dadurch bemerkt, dass die beiden Schwestern Christine und Ev (für Evelyn) Christian sehr aktiv in einer Sekte waren, der andere Nachbarn ebenfalls angehören. Die Schwestern hatten zwei elternlose Jungen, David und Tony, aus Südafrika adoptiert. Alle vier sind spurlos verschwunden, doch die zuständige Mordinspektorin Reba Wagner macht sich dennoch keine Sorgen. Sie konnte bislang keine Spuren eines Verbrechens entdecken, und man könne den Leuten ja nicht verbieten, in den Urlaub zu fahren, oder? Aber warum steht dann dieser Lieferwagen mit den verdreckten Reifen in der Einfahrt der Christians, will Scarpetta wissen, und wieso war die Herdplatte noch eingeschaltet, als die Nachbar das Haus betrat? Darauf hat Detective Wagner keine Antwort. Aber Marino hat eine: Weil Reba (seine Ex) dumm wie Bohnenstroh ist, darum.
|Mrs. Simister|
Marino selbst verfolgt einen Telefonanruf von einer gewissen Mrs. Simister, die eine Nachbarin der Christians ist, gerade mal auf der anderen Seite eines Abzugskanals. Die Stimme, die er in seinem Büro hörte, ist aber eine ganz andere als die, die er jetzt am Telefon hört. Die erste klang heiser und gebrechlich, doch die jetzige ist kräftig und weist einen starken ausländischen Akzent auf (sie stammt aus Polen). Diesem Widerspruch will Marino auf den Grund gehen. Doch als er nach mehrmaligen Klopfen und Rufen das Haus betritt – nicht ohne Scarpetta Bescheid zu geben -, findet er nur noch die Leiche der Bewohnerin vor. Mrs. Simister liegt auf dem Bett. Der Killer hat ihre eine Schrotflinte in den Mund gesteckt und abgedrückt. (Kommt uns das irgendwie bekannt vor? Nicht? Sollte es aber – bitte noch mal von vorne lesen.)
|Falscher Fuffziger|
Scarpetta eilt mit Reba Wagner herbei. Sie haben zusammen einen Knall gehört, aber Reba hielt es für eine Fehlzündung (was Marinos Vorurteil gegen sie bestätigt). Aber wichtiger noch: Sie haben in der Nähe einen einzelnen Kontrolleur für Zitrusbaumpest gesehen. Das ist ungewöhnlich, denn erstens kommen diese Landwirtschaftskontrolleure immer zu zweit, zweitens war er ohne Erlaubnis auf dem Nachbargrundstück und drittens arbeitete er mit einem Pflückstab, den er auseinandernahm und in eine große schwarze Tasche steckte – darin konnte er auch eine abgesägte Schrotflinte verstecken. Und viertens markierte er Bäume mit einer roten Sprühfarbe, so als ob sie infiziert wären. Diese Markierungsmethode, erfahren Marino & Co. später, ist bereits völlig veraltet.
|Gefängnis|
Doch dieser Kontrolleur ist nirgends aufzutreiben. Kein Wunder: Er hat sich in sein Versteck zurückgezogen, einem Häuschen in den Sümpfen. Hier hält er Ev Christian gefangen. Sie ist nach zwei Wochen Gefangenschaft bereits sehr geschwächt. Hand of God beugt sich über seine halbnackte Beute und verlangt von ihr immer wieder, sie solle sich entschuldigen. Sie fleht ihn an – nicht etwa um Gnade, sondern er solle Gott um Vergebung bitten, so wie sie ihm ebenfalls vergebe. Diese Hartnäckigkeit widert Hand of God an. Und dass sie den Namen Gottes in den Mund nimmt, macht ihn wütend. Er weiß, wer Gott ist. Sie ist eine schöne Frau, hat einen IQ von 150 und darum dient er ihr treu ergeben von ganzem Herzen. Und als er gerade seine Lieblingsspinne, eine giftige Tarantel, auf Evs Hals setzt, pfeift Gott ihn zurück. Es gebe wieder was zu erledigen. Basil Genrette, dem Verbündeten, müsse geholfen werden. Sofort …
|Nach Norden|
Scarpetta hat in Hollywood, Florida, getan, was sie konnte und sich mit Benton darüber den Kopf zerbrochen. Die Erkenntnisse sind im (keineswegs sicheren) Netzwerk gespeichert. Nun freut sie sich darauf, Benton in Boston besuchen zu können. Bei der Gelegenheit will sie auch einen Blick auf ihr gemeinsames Forschungsobjekt werfen: Basil Genrette, die „Bestie“ in Menschengestalt.
Auch Basil freut sich auf dieses Treffen. Er wurde per Kassiber informiert, dass seine Flucht vorbereitet worden ist. Er beginnt, ein Seil zu knüpfen …
_Mein Eindruck_
Wieder einmal spielt die Autorin va banque und setzt auf volles Risiko, dass sie ihren Leser in die Irre führt und er nicht mehr das Licht am Ende des Tunnels sieht. Auf mehreren Schauplätzen beginnt die verzweigte Handlung, so dass der ahnungslose die Zusammenhänge nirgendwo sieht. (Ich habe in meinem Inhaltsabriss sogar noch einen Schauplatz weggelassen, um das Chaos nicht zu vergrößern.)
Doch allmählich erkennt der aufmerksame Leser eine Reihe von Koinzidenzen: abgesägte Schrotflinten als Tatwaffen, Frauen mit roten Handabdrücken auf dem Körper, Kupferspuren an Tatorten und noch einiges mehr. Doch selbst dann noch, als die Ermittler – Scarpetta, Lucy, Benton, Marino, Reba – gute Chancen hätten, das Puzzle zusammenzusetzen, führt die Autorin mehrere Störfaktoren ein. Den Guten soll ihre Aufgabe ja nicht zu einfach gemacht werden. Da ist zunächst das abgehörte und manipulierte Daten- und Kommunikationsnetz. Merke: Feind hört mit und legt falsche Fährten. Und was von den Hinweisen eines geisteskranken Serienkillers wie Basil Genrette zu halten ist, dürfen wir uns mit Fug und Recht ebenfalls fragen.
|VORSICHT, SPOILER|
Doch den absoluten Coup, sozusagen den Royal Flush, landet die Autorin mit der Einführung eines Killers mit multipler Persönlichkeit. Er/sie/es leidet unter dissoziativer Persönlichkeitsspaltung, dem DIS-Syndrom. Jonathan Nasaw verwendet diesen Tätertyp bereits in [„Die Geduld der Spinne“ 82 ein, und der Thriller „Identität“ setzt gar auf einen gefesselten Mörder, der unter DIS leidet. Ich werde nun aber nicht verraten, für wie viele Figuren dieser Täter mit seinen Persönlichkeiten herhalten muss. Und die Handlung ist auch keineswegs, wie im Film, imaginär, sondern für seine Opfer höchst real (so weit die Fiktion des Romans es eben zulässt).
Ein solcher Schurke im Stück stellt den Autor vor mehrere Probleme, die früher oder später auch den Leser betreffen. Erstens darf er als Joker erst ganz zum Schluss enthüllt werden, sonst ginge sämtliche Spannung flöten. Zweitens könnte die Anzahl und Charakteristik der multiplen Persönlichkeiten beliebig erscheinen – upps, schon wieder ein Karnickel aus dem Hut! Dieser Effekt darf niemals eintreten, denn sonst verliert die gesamte Handlung ihren Sinn und ihre Stringenz.
Zuletzt aber, und das ist vielleicht am wichtigsten, ist der Täter mit DIS selbst ein Opfer. DIS wird in der Regel, so die Schulweisheit, durch ein tiefes traumatisches Erlebnis ausgelöst. Die Psyche des Opfers versucht mit verschiedenen Strategien, dieses Trauma zu verarbeiten, um zu überleben. DIS besteht in der Schaffung verschiedener Rollen, die Strategien verkörpern, um mit verschiedenen Problemen und Konfliktsituationen des Lebens fertigzuwerden: Begegnungen mit Sexualpartnern beiderlei Geschlechts, Ausübung von Gewalt, Ausleben von tabuisierten Phantasien, das Verhältnis zu Gott, wenn der Verursacher des Traumas den Missbrauch im Namen eines religiös begründeten Prinzip („Gott“) begangen hat, und so weiter.
Man kann sich demnach vielleicht vorstellen, welch eine Fülle von Persönlichkeiten ein DIS-Opfer entwickeln kann: Dutzende sind keine Seltenheit. Der Leser wird überrascht sein, welche Bandbreite an Figuren sich damit schaffen lässt. Als eine Übereinstimmung zwischen zwei untersuchten „Menschen“ festgestellt wird, könnte die Überraschung für die Wissenschaftler nicht größer sein. Es ist ungefähr so, als hätte man die DNS eineiiger Zwillinge vor sich, nur dass es sich diesmal um ein und denselben Menschen handelt.
|ENDE SPOILER|
Hat es sich die Autorin mit dieser Täterfigur zu einfach gemacht? Der Verdacht könnte aufkommen. Doch sie führt das Konzept konsequent durch, und da es seit Jahren Fallstudien von DIS-Opfern gibt, kann man ihr zu große Fantasie oder fiktionale Freiheit nicht vorwerfen. Es ist der Leser, der umdenken sollte. Außerdem will die Autorin etwas beweisen. Sie will darstellen, wie sich die Vorstellung einer „Bestie“, eines Raubtiers (= „Predator“ im Originaltitel) auf Menschen anwenden lässt.
Benton und Scarpetta untersuchen in ihrem Geheimprojekt „Bestie“ genau diese Frage. Ab wann ist ein Mensch eine Bestie – ist das überhaupt eine objektiv qualifizierbare Kategorie oder nur moralischer Subjektivismus? Die Autorin als gewiefte Fallenstellerin zeigt in einer höchst ironischen Weise, wie sehr sich die beiden Wissenschaftler – beide sind ja Rechtsmediziner – irren und hereinlegen lassen. Ihre Methoden für die Probandenbeschaffung sind ebenso naiv wie die für ihre Untersuchungen. Ja, diese Untersuchung selbst wird von Basil Genrette benutzt, um ihnen zu entkommen (einer der Höhepunkte des Buches).
Hinter dieser Ironisierung verbirgt sich die geharnischte, ernst gemeinte Kritik der Autorin an diesen Methoden, an den Wissenschaftlern, die sie anwenden, und noch viel mehr an den falschen Konzeptionen und Ideen, die die Wissenschaftler leiten. „Bestie“, so der zu ziehende Schluss, ist also keine objektive Größe, sondern etwas, das in den Untersuchungsgegenstand, den Killer Hineingedachtes, mithin also etwa völlig Unwissenschaftliches.
|Identität, Realität, Wahrheit|
Der Prüfstein für diese Haltung der Autorin muss der DIS-leidende Killer sein. Er begeht reihenweise Morde in Florida und Massachusetts, und wer weiß, wie lange schon. (Und wer sich fragt, wie er an die Daten von Scarpetta & Co. herankommt, der denke einmal über Joe Amos‘ Freundin Jan Hamilton nach.) Unversehens wird aus dem Killer ein Opfer, und als die ursprüngliche Identität bekannt wird, solche man als Ermittler und Leser Mitgefühl verspüren: für das missbrauchte zwölfjährige Mädchen.
Dass der Killer mehrere Persönlichkeiten hat, stellt die Ermittler vor ein weiteres Problem: Was ist die Natur der Wirklichkeit, und kann es so etwas wie Wahrheit geben? Wenn Wirklichkeit darin besteht, was die Daten uns sagen, so sind wir verloren. Das findet Marino heraus, ein John McClane auf einer Harley Davidson. Eine weitere Schicht der Realität enthüllen Chemikalien wie Luminol: Es zeigt Blutspuren an, aber auch „falsche Positive“ – Kupfer beispielsweise. Merke: Die Realität ist so irreführend und flirrend wie die Wahrheit. Wir machen sie uns alle selbst. Genau wie unsere „Bestien“.
|Die Sprecherin|
Wieder einmal macht Franziska Pigulla aus einem mittelmäßigen Buch der Cornwell ein Hörerlebnis, an das man sich noch gerne erinnert. Dabei ragen mehrere Figuren, die sie ausgezeichnet charakterisiert, heraus. Am meisten im Gedächtnis ist mir Pete Marino geblieben. Er redet mit einer tiefen grollenden Stimme, bei der man sich fragt, wie die Pigulla sie wohl hinkriegt. Er ist auch der Einzige, der so etwas wie Humor in die Handlung einbringt.
Marinos Macho-Stil steht im Gegensatz zu Angebertypen wie Joe Amos, dem hinterlistigen Basil Genrette und dem distinguierten Benton Westley. Es gibt aber einen Typen, der wesentlich furchteinflößender als Marino und Genrette zusammen wirkt: Hand of God als Gefängniswärter von Ev Christian. Er klingt mit seiner tiefen Tonlage gehässig und boshaft, insgesamt also bedrohlich.
Aber auch auf der weiblichen Seite der Figurenliste lassen sich schöne Unterschiede feststellen. Das Gegenstück zu Marino ist seine Ex, die Polizistin Reba Wagner. Sie ist aber eine ehrliche Haut, im Gegensatz zu Stevie, Lucys One-Night-Stand, und zu Jan Hamilton, Joe Amos‘ Freundin. Diese beide Herrschaften setzen mit voller Absicht verführerische Untertöne in ihrer Stimme ein, denen weder Mann noch Frau lange widerstehen können. Es gibt aber auch eine befehlende Frau im Reigen: Gott höchstpersönlich, so wie Hand-of-God sie sieht.
Schließlich sind da noch die ganz schwachen Frauen. Mrs. Simister tritt gleich zweimal auf, einmal heiser und gebrechlich wie ein altes Großmütterchen, dann aber auch als grantige Nachbarin der Familie Christian. Dass sie aus Polen stammt, versucht die Sprecherin mit einem Akzent darzustellen, der mich stark ans Jiddische erinnert hat. Die Allerschwächste ist hingegen die gefangene Ev Christian. Sie haucht, fleht und keucht zum Steinerweichen. Aber „Gott“ zeigt ihr einen Ausweg aus ihrem Martyrium.
Es gibt bei dieser Hörbuchproduktion weder Geräusche noch Musik, nicht einmal Intro und Outro, so dass ich darüber keine Worte verlieren muss. Aber man fragt sich doch, warum dann die sechs CDs so teuer sind (bei |amazon.de| übrigens um satte zehn €uro billiger zu bekommen).
_Unterm Strich_
Der Thriller ist von bei Cornwell gewohnter Güte und lässt den Leser lange Zeit rätseln, wie all die Morde und anderen seltsamen Ereignisse miteinander zusammenhängen. Sie führen schließlich zu einer recht brenzligen Situation, die potentiell tödlich für Scarpetta und Benton ist. Doch meine Enttäuschung war groß, als die Autorin es besser fand, auf die Darstellung der zwangsläufig folgenden Actionszene zu verzichten. Vordergründige Action will sie nicht, sondern vielmehr tiefschürfende Ermittlungen, die zielführend sind, sonst nichts. Dies also kein Roman für Freunde von „Stirb langsam“. Vielmehr sind Leser von Val McDermid und Karin Slaughter angesprochen.
Die Sprecherin Franziska Pigulla ist der entscheidende Faktor, der aus dem weitverzweigten, möglicherweise etwas verwirrenden Plot so etwas wie ein reales Szenario schafft, indem sie die meisten Figuren zum Leben erweckt. Seltsamerweise gelingt ihr dies mit Kay Scarpetta nicht, so dass es keine echte Hauptfigur gibt. Auch Benton Westley taugt nicht zum Helden – das ist noch am ehesten Pete Marino, der Privatschnüffler auf der Harley Davidson. Er ist auch der einzige, der für etwas Humor in der Geschichte beiträgt, und das weiß die Sprecherin sehr gut hervorzuheben.
|Schwächen:| Ein Tippfehler im Klappentext des Hörbuchs: Es muss statt „Pete Marion“ besser „Pete Marino“ heißen.
|Originalttel: Predator, 2005
Aus dem US-Englischen übersetzt von Karin Dufner
406 Minuten auf 6 CDs|
http://www.hoffmann-und-campe.de
Dieses Hörbuch bietet die Handlung der ersten zwei Romane „Per Anhalter durch die Galaxis“ und „Das Restaurant am Ende des Universums“. Das sind nach allgemeiner Ansicht sowieso die besten Teile der fünfteiligen Trilogie.
Der Autor
„Douglas Adams hasste das Schreiben“, wie uns sein Freund Ken Follett verriet. Dennoch wurde er ausgerechnet mit den fünf Romanen seiner Anhalter-Trilogie weltbekannter Kultautor. Aus der Trilogie wurden nicht nur die anfänglichen BBC-Hörspiele von anno 1978, sondern auch Schallplatten, Filme und Handtücher (die Kausalität ist wie immer arbiträr und rein zufällig).
Tim möchte seiner Großtante Erna an einem ganz besonderen Tag eine ganz besondere Freude machen und lädt sie, zusammen mit seinen Freunden, in den Zirkus Rivaldi ein. Tante Erna war als junge Frau selbst Zirkusartistin und ist auf einem Elefanten geritten! Obwohl Gaby das eigentlich nicht so toll findet, will sie der alten Dame nicht die Freude verderben. Doch als die Zirkusdirektorin ihre Hauptattraktion, die Elefantendame Rosi ankündigt, passiert etwas völlig Unerwartetes: Rosi ist spurlos verschwunden! TKKG übernehmen den Fall und machen sich auf die spannende Suche nach Rosi – bei der sie eine wahrhaft „elefantöse“ Überraschung erleben… (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Ob Rosi wohl von Tierschützern befreit worden ist? Schließlich findet nicht nur Gaby als Tierfreundin es nicht toll, wenn Tiere nicht in ihrer natürlichen Umgebung leben können, sondern verschleppt, eingesperrt und zur menschlichen Belustigung in Gefangenschaft gehalten werden. Da ist jeder Zirkus mit Tieren schon generell schon ein „Tatort“.
Anne hat bei einem Kurzgeschichten-Wettbewerb ein Wochenende im einsam gelegenen Hotel Lakesight View gewonnen. Natürlich nimmt sie ihre Freunde und Timmy mit. Kurz darauf lernen die Fünf Freunde zwei Ehepaare kennen, die sich merkwürdig benehmen. Sie sind die Nachfahren einer gewissen Lady Thornton, die ihr Erbe im Hotel versteckt haben soll. Ihre Nachfahren wollen es finden – und die Fünf Freunde sollen ihnen dabei helfen. Dann beginnt die Jagd – nach dem Erbe der Lady Thornton … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Ui, eine echte Schatzsuche, das klingt nach Spaß. Ich weiß ja nicht, wie groß das Hotel ist, aber so viele Augen finden doch bestimmt das Erbe. Wobei … wonach suchen wir denn eigentlich? Nach Geld oder nach Wertgegenständen? Und haben wir überhaupt Ferien und genug Zeit?
1) „Doktor Proktors Pupspulver“
2) „Doktor Proktors Zeitbadewanne“
3) „Doktor Proktor verhindert den Weltuntergang. Oder auch nicht …“
Skurril, aber gefährlich: Invasion der Mondchamäleons
Ganz Norwegen ist von einem bösen Kapellmeister hypnotisiert worden. Ganz Norwegen? Nein, Lise und Bulle nicht. Sie haben aber das bestimmte Gefühl, dass ihr Kunstlehrer, der mit Vorliebe Insekten verspeist, in die rätselhafte Sache verwickelt ist.
Die wenden sich ratsuchend an ihren Freund Doktor Viktor Proktor. Doktor Proktor ist ein verrückter Professor. Na ja, beinahe vielleicht – eigentlich ist er ja ein genialer Erfinder. Er berichtet, dass es sich um Mondchamäleons handeln muss – über ihre Existenz gab es schon 1969 Gerüchte. Sie tarnen sich wie Chamäleons, kommen aber vom Mond. Ja, um was zu tun? Sie klauen Socken, naja. Aber was haben sie vor? Und wieso will der Kapellmeister, der nun Präsident geworden ist, unbedingt Dänemark und den Rest der Welt angreifen? Da hat Bulle (wieder mal) eine seiner „Ideen“. O nein, denkt Lise.
Der Kriminalkommissar berichtet in seiner Hörbuchserie „Phänomen Serienmörder“ authentische Kriminalfälle aus der deutschen Kriminalgeschichte. In der Folge „Blaubeer-Mariechen“ wirkt die Serientäterin wie das nette, rundliche „Muttchen“ von nebenan, das keiner Fliege etwas zuleide tun kann. Doch in den Verhören auf dem Polizeirevier kommt die dunkle Seite von Maria Horn ans Licht …
Vor vier Jahren hat Detective Harry Bosch einen vermeintlichen Serienmörder erschossen: den „Puppenmacher“. Nun bringt ihn die Witwe wegen Mordes vor Gericht. Kaum hat der Prozess begonnen, wird die Polizei mit einem anonymen Brief im Stil des „Puppenmachers“ auf eine einbetonierte Frauenleiche aufmerksam gemacht. Dieser Fund lässt es zweifelhaft erscheinen, dass der als „Puppenmacher“ Erschossene tatsächlich der Mörder gewesen sind.
_Musikalisch-poetische Version, mit Ecken und Kanten_
Der Herrscher der Dunkelheit, Sauron, ist im Dritten Zeitalter Mittelerdes wieder erstarkt und sucht angestrengt nach dem Einen Ring, den ihm am Ende des Zweiten Zeitalters die Fürsten der Menschen abgenommen haben. Dieses Instrument totaler Macht, genannt „Isildurs Fluch“, ist inzwischen in der Obhut eines unwahrscheinlichen Hüters, eines Hobbits. Von hier muss der Ring der Macht dorthin zurückgebracht werden, wo er geschmiedet wurde: Im Schicksalsberg muss er zerstört werden, um ihn Saurons Zugriff endgültig zu entziehen und dessen Herrschaft über Mordor zu beenden. Dies ist die Geschichte, wie diese Heldentat unternommen wurde. Ob sie wohl gelang?
Das englische Hörspiel, das Brian Sibley 1981 für die BBC inszenierte, wurde persönlich von Tolkiens Sohn Christopher überwacht und ist die der Vorlage am engsten folgende Version in englischer Sprache. Ganz gleich, welche deutsche Übersetzung man bevorzugt – hier ist eine Fassung, die dem Original, wie es gedacht war, so nah wie nur möglich kommt: knapp zwölf Stunden lang.
Die Titelillustration stammt von John Howe und zeigt einen der Nazgûl auf seiner geflügelten Bestie im Anflug auf Barad-dûr, den Schwarzen Turm. Die Zeichnung entstammt einem der tollen Tolkien-Kalender und der englischen Jubiläums-Ausgabe des Buches.
_Der Autor_
Professor John R.R. Tolkien (1892-1973) hat das „wichtigste Buch des 20. Jahrhunderts“, so die Umfrageergebnisse, geschrieben: „Der Herr der Ringe“ (1954/55). Nicht allzu viele Menschen hingegen wissen, dass die Ereignisse, die in HdR geschildert werden, nur die Spitze des Eisbergs dessen darstellen, was Tolkien zeit seines Lebens geschaffen hat. Dieses imaginäre Universum findet sich zu großen Teilen (aber nicht vollständig) im [„Silmarillion“ 408 wieder, das erst vier Jahre nach dem Tod des Oxford-Professors erscheinen konnte, so kompliziert war die Arbeit daran.
_Die Inszenierung der BBC 1981_
Brian Sibley und Michael Bakewell schufen die dramaturgische Fassung für das Hörspiel. Sibley hat bereits das erste Buch über die filmhistorischen Hintergründe von Peter Jacksons „Herr der Ringe: Die Gefährten“ geschrieben. Das Buch wurde verdientermaßen ein internationaler Bestseller.
Die feine, sinfonische Musik komponierte und dirigierte Stephen Oliver, wobei er auf die Originaltexte zurückgriff. Das merkt der Hörer an den zahlreichen Liedern, die verschiedenen Traditionen angehören. Diese Lieder und diverse Hintergrundgesänge wurden von den Mitgliedern des New Chamber Soloists Ensembles, mit den Ambrosian Singers und mit manchen Sprechern unter der Leitung von Barry Rose aufgeführt.
Der Radio-Sound wurde von Elizabeth Parker ausgesteuert. Produziert haben das Ganze die Regisseurinnen Jane Morgan und Penny Leicester.
_Die Sprecher_
Es sind hier einige bekannte Schauspieler versammelt, die als Sprecher der weltbekannten Figuren arbeiteten. Ich nenne nur die wichtigsten Figuren.
Sir Ian Holm: Frodo Baggins
William Bighy: Samwise Gamgee
John le Mesurier: Bilbo Baggins
Michael Hordern: Gandalf
Robert Stephens: Aragorn
Peter Woodthorpe: Gollum / Sméagol
Richard O’Callaghan: Merry (Meriadoc Brandybuck)
John McAndrew: Pippin (Peregrine Took)
David Collins: Legolas
Douglas Livingstone: Gimli Gloin’s son
Michael Graham Cox: Boromir of Gondor
Peter Vaughan: Denethor
Andrew Seear: Faramir
Jack May: King Théoden of Rohan
Peter Howell: Saruman
Hugh Dickson: Elrond
Marian Diamond: Galadriel
Stephen Thorne: Treebeard
Philip Voss: Lord of the Nazgûl, Witchking of Angmar
Gerard Murphy: the narrator
_Handlung_
Der Zauberer Gandalf, ein alter Freund der Hobbits im Auenland, trifft rechtzeitig zum Geburtstag des Hobbits Bilbo Beutlin in ein. Bilbo übergibt beim lange geplanten Abschied von der Heimat einen goldenen Ring an seinen Neffen Frodo. Diesen Ring hatte er einst einem Wesen namens Gollum abgenommen. Bilbo geht nach Bruchtal, einem Refugium der Elben. Gandalf findet durch Recherchen in der Stadt Gondor heraus, dass Frodos goldener Ring der beherrschende Ring der Macht ist, den der dunkle Herrscher Sauron schmiedete, um alle anderen Ringe der Macht – die der Elben, der Zwerge und der Menschen – zu beherrschen.
Gandalf findet auch heraus, dass Sauron bereits seine Ringgeister in Gestalt schwarzer Reiter ausgesandt hat, um den Ringträger zu töten und den Einen Ring zu ihm zu bringen. Auf Gandalfs Geheiß muss Frodo mit seinem Freund Sam Gamdschie schleunigst das Auenland verlassen und sich nach Bruchtal durchschlagen. Zwei Freunde, Merry und Pippin, schließen sich ihnen an. (Auch in dieser Fassung fällt die Begegnung mit Tom Bombadil und dem Dämon in den Hügelgräberhöhen aus.) In der Grenzstadt Bree nimmt ein zwielichtiger Waldläufer sie unter seine Fittiche. Ein erster Angriff im Gasthaus schlägt durch eine List Streichers fehl.
|Der Kampf auf der Wetterspitze|
Dieser „Streicher“, wie er genannt wird, kann aber einen zweiten Angriff der Ringgeister auf dem Berg Wetterspitze nicht verhindern, bei dem Frodo durch eine vergiftete Klinge schwer verwundet wird. Der plötzlich auftauchende Elb Glorfindel bringt Frodo auf seinem schnellen Pferd mit knapper Not vor den Schwarzen Reitern in Sicherheit. An der Furt des Bruinen beschwört er die Flussgeister herauf, die Reiter des Feindes zu verschlingen. Dies gelingt, und Frodo erlebt es nebulös noch mit, bevor sein Geist in Bewusstlosigkeit versinkt.
Frodo erwacht genesen in Bruchtal, im Haus des Halbelben Elrond, Arwens Vater. Er trifft seinen Onkel Bilbo wieder, der in nur wenigen Monaten beträchtlich gealtert ist, aber inzwischen sein Buch fertiggestellt hat, in dem er seine Abenteuer mit den Zwergen und dem Drachen unter dem Einsamen Berg erzählt („The Hobbit or There and Back Again“).
|Elronds Rat|
Ein Rat der Freien Völker Mittelerdes beschließt unter Elronds Vorsitz, den Einen Ring nicht zu benutzen, sondern in den Feuern des Schicksalsberg zu zerstören. Allerdings muss man sich dazu ins schreckliche Land Mordor unter die Augen Saurons wagen. Frodo nimmt die Aufgabe freiwillig auf sich, denn alle anderen zerstreiten sich in dieser Frage. Aragorn, der einstige „Streicher“ und König im Exil, verabschiedet sich von seiner Verlobten Arwen, Elronds Tochter.
Der Ring geht nach Süden, zuerst Richtung Rohan, dann über das Nebelgebirge, doch als durch Saruman auch dieser Weg blockiert wird, in die düsteren Minen von Moria, einem einstigen Zwergenreich. So will es der verräterische Zauberer Saruman, der Boss der Zauberer. Doch Gandalf ahnt, welcher Schrecken in Moria auf ihn wartet. Dennoch hat er keine Furcht und stellt sich seiner Aufgabe.
|In die Tiefen Morias|
In der Grabkammer eines Zwergenfürsten werden die neun Gefährten von Orks überrascht und Frodo stirbt fast an dem Speerstich eines Höhlentrolls. An der Brücke von Khazad-dûm jedoch lauert größerer Schrecken: Ein Feuerdämon aus der Alten Welt stellt sich Gandalf in den Weg und reißt ihn mit in den Abgrund. Die übrigen acht Gefährten sind am Boden zerstört. Im Waldreich der Hochelbin Galadriel (sie ist Arwens Oma) und Celeborn erholen sich die Gefährten und Frodo wird auf eine schwere Probe gestellt.
|In Lórien|
Nach der Weiterreise auf dem großen Strom Anduin kommt es zur Entscheidung, wohin sich die Gemeinschaft wenden soll: nach Westen gen Rohan oder nach Osten Richtung Mordor. Eine Auseinandersetzung zwischen Frodo und dem Gondorkrieger Boromir zwingt Frodo zum Verlassen seiner Freunde. Nur Sam begleitet ihn auf seinem einsamen Weg ins Reich des Bösen.
Doch die anderen Gefährten müssen sich ihres Lebens erwehren, weil ein Trupp von Uruk-hai-Kriegern Sarumans hinter dem Ring her ist und droht, alle abzuschlachten. Boromir fällt, doch kann er nicht verhindern, dass die Uruk-hai die Hobbits Merry und Pippin entführen. Irrtümlich nehmen sie an, dass dies die Ringträger sind. Aragorn, Gimli und Legolas verfolgen die Uruk-hai.
(Mit dieser Zusammenfassung des ersten Teils möchte ich die Inhaltsangabe bewenden lassen. Der Rest der Geschichte ist eh schon ziemlich bekannt.)
_Mein Eindruck_
Die Geschichte Mittelerdes reicht ins Tolkiens Roman zunächst rund 3000 Jahre zurück, bis zu jener Entscheidungsschlacht, als die verbündeten Heere der Menschen (unter Isildur) und der Elben (unter Gil-galad) die Armeen des Dunklen Herrschers Sauron besiegten. Im Zweikampf verlor Sauron nicht nur seine Hand, sondern auch seinen Meisterring und damit auch seine leibliche Existenzform. Sein Geist bestand im Ring fort, der dann später im Strom Anduin verloren ging.
Nun, 3000 Jahre danach, muss der Ring seine Reise wieder nach Osten antreten und dorthin zurückkehren, wo er geschmiedet wurde: im Vulkan des Schicksalsbergs, mitten in Mordor selbst. Mit der Erfüllung von Frodos Mission, den Einen Ring zu zerstören, schließt sich der Kreis – und das Dritte Zeitalter findet seinen Abschluss, die Ära der Herrschaft der Menschen beginnt. Die alten Götter sind tot: der halbgöttliche Maia Sauron und sein Verbündeter Saruman. Aber auch die Unsterblichen verlassen Mittelerde: die Elben. Und die Hauptstadt der Zwerge, Khazad-dum, später Moria genannt, ist längst untergegangen. Bleiben also noch die Menschen – und die Hobbits in ihrem von Gandalf geschützten Reservat.
|Ein Schöpfungsmythos|
Unter diesem größeren Blickwinkel ist „Der Herr der Ringe“ ein alternativer Schöpfungsmythos für eine Vorgängerwelt zu unserer Welt: Mittelerde. Dieses Charakteristikum hat Tolkiens Roman mit den großen Schöpfungsmythen der Erde gemeinsam: mit dem „Kalevala“ der Finnen oder dem Gilgamesch-Epos Mesopotamiens, mit dem Osiris-Mythos der alten Ägypter oder der Artus-Legende der keltischen Völker Britanniens. Denn wie es im Vorspann der Verfilmung heißt: „Aus der historischen Wahrheit wurde Erzählung, aus der Erzählung Legende, und aus der Legende Mythos“. Das Spektrum dieser Geschichten ist fließend, ein Kontinuum.
Deshalb kann nicht nur Tolkien einen Roman darüber schreiben, sondern auch das Hörspiel vorgeben, eine historische Begebenheit zu erzählen – denn beide erzählen den Stoff, aus dem der Mythos ist. Und dem ist die vierte Dimension der messbaren Zeit gleichgültig, denn er birgt eine überzeitliche Wahrheit: die Story davon, dass und wie es möglich ist, dass das Gute das Böse besiegt – in jedem einzelnen Lebewesen, wie der Kampf um den Ring zeigt.
|Frodos Machtprobe|
Nicht umsonst bietet Frodo jedem der Mächtigen den Besitz des Ringes an. Dies ist eine Probe, wie man es mit der Macht hält. Nacheinander lehnen Gandalf, Galadriel und Aragorn den Besitz des Ringes ab, doch Boromir, ein edler Kämpfer der Menschen von Gondor, nicht. Man kann sich fragen, worin er sich von Aragorn unterscheidet, der doch ebenso ein edler Krieger der Menschen ist und ein künftiger König obendrein. Doch während Boromir den Ring als Instrument der Machterweiterung betrachtet, ist er für Aragorn etwas anderes: Der Ring ist selbst eine Macht, denn in ihm wohnt der Geist des Maia Sauron. Und den kann man weder für die eigenen Zwecke einsetzen noch bezwingen.
Doch besseres Wissen reicht nicht, wie Boromir kurz vor seinem Tod zeigt, als er den Ringträger angreift. Es muss bei Aragorn offenbar noch ein weiterer Faktor hinzukommen, um ihn immun gegen die Verlockung des Rings zu machen. Ich denke, es ist die Liebe Arwens, der Elbin, die ihrer Unsterblichkeit entsagt, um einen Sterblichen lieben und heiraten zu können (dies ist erst der zweite oder dritte derartige Fall in den drei Zeitaltern Mittelerdes, von dem uns Tolkien berichtet), die es Aragorn ermöglicht, materielle Macht, das Versprechen des Rings, abzulehnen.
|Die Rolle von Freiheit und Liebe|
Arwens Liebe ist aus freien Stücken gegeben, nicht erzwungen. An zahlreichen Stellen betont der Autor, wie wichtig es ist, dass Frodo das Tragen des Rings freiwillig auf sich nimmt: nicht um das Ding und seine Macht für sich zu besitzen (Bilbo erzählt, wozu dies führt), sondern um die Aufgabe für seine Freunde, die ja die Weltbevölkerung repräsentieren, zu erfüllen. Nachdem er diese Aufgabe bei Elronds Rat freiwillig auf sich genommen hat, ist es ihm möglich, sie bis zum Ende auszuführen, und sei die Bürde noch so schwer. (Der Ring verändert sich ja, je mehr Frodo sich Mordor nähert und so dem Herrn der Ringe. Der Ring erscheint Frodos Geist am Schluss wie ein feuriger Mühlstein, den er um den Hals trägt und der ihn zu Boden zieht.)
Es gäbe zu den zwei weiteren Romanteilen in diesem Zusammenhang sicher noch einiges zu sagen, aber ich möchte euch die Spannung und Freude an diesen beiden Teilen nicht nehmen, indem ich schon alles verrate. Und das müsste ich, um weiterzuerzählen. Also lasse ich es bei diesen Zeilen bewenden.
_Die Inszenierung der BBC 1981_
Wie Sibley in dem ausgezeichneten (englischen) Booklet verrät, galt es für eine Aufbereitung des gewaltigen Textes kleine Stücke von jeweils 30 Minuten zu produzieren. Dies war die Länge einer Episode. Und insgesamt sollten 26 Episoden erstellt werden – nicht ganz zufällig genau die Hälfte der Anzahl der Wochen in einem Jahr.
Wie sich zeigte, mussten die Ereignisse, die besonders in der Mitte der Handlung parallel laufen, umverteilt werden, damit in jeder Episode wenigstens beide Handlungsstränge vorkamen. Tolkiens eigene Chronologie in „War of the Ring“, einem der von Christopher Tolkien herausgegebenen Bände mit dem kompletten Material, lieferte einen ausgezeichneten Ausgangspunkt.
Natürlich blieb es nicht aus, dass bestimmte Figuren gestrichen und vielen Szenen gekürzt werden mussten. Das war ja bei Peter Jacksons Verfilmung nicht anders. Hier wie dort fiel die Figur des Tom Bombadil den Kürzungen zum Opfer. Er hat nämlich nichts mit dem Ring zu schaffen, im Gegensatz zu vielen anderen Figuren. Das mag schade sein, doch dafür bekamen die übrigen Figuren mehr Platz, was natürlich schön und wichtig ist.
Ian Holm sprach Frodo, die Hauptfigur – zumindest in meinen Augen – so wie er später Bilbo spielen sollte. In diesem Hörspiel klingt er dementsprechend auch 20 Jahre jünger. Keine Debatte gab es über die Wahl des Sprechers von Gollum. Peter Woodthorpe hatte bereits in Ralph Bakshis Zeichentrickversion die Figur des verstoßenen Hobbits synchronisiert und lieferte für das BBC-Hörspiel eine fabelhafte Vorstellung: eine schleimerische, zischelnde Sprechweise, die ganz genau dem hinterlistigen und dann wieder jammervollen Wesen dieses schizophrenen Charakters entspricht.
Die fertig geschriebenen Episodenskripte schickten die beiden Ko-Autoren nach Frankreich, damit Christopher Tolkien sie prüfen konnte. Hier erfolgte ein wichtiger Arbeitsschritt: Er korrigierte die Aussprache. Und zwar dergestalt, dass er eine Tonkassette aufnahm, auf der die akzeptable Aussprache mittelirdischer Wörter und Namen zu hören war. (Jackson hätte sicher einiges dafür gegeben, um diese Kassette zu bekommen, aber er hatte ja andere Experten.)
In den folgenden zwei Monaten wurden die Episoden gemäß einem strengen Terminplan geprobt und aufgenommen. Sibley berichtet von der Aufregung, wenn das Team dem Weg Frodos vom idyllischen Auenland zu den Schrecken des Schicksalsberges folgte. Eine erhöhte Authentizität erhielt die Handlung durch die vielfältigen Soundeffekte, zu denen auch das Tappen von Gollums Füßen gehört. Eine Technikerin klatschte sich dafür einfach auf die entblößten Schenkel …
Nach viel Lachen, Weinen und vielen zerrütteten Nerven wurden die Episoden gemischt und geschnitten, so dass die erste Episode am 8. März 1981 über den Äther gehen konnte. Sibley und sein Ensemble sind erstaunt über das große positive Echo, das ihre Produktion in 25 Jahren hervorgerufen hat.
_Mein Hörerlebnis_
Aus Peter Jacksons Kommentaren zum ersten Teil seiner „Herr der Ringe“-Trilogie weiß ich, dass er sich stark an dem Handlungsaufbau und der sprachlichen Ausdrucksweise der BBC-Hörspielfassung orientierte. In visueller Hinsicht nahm er gleich John Howe und Alan Lee ins Boot, deren Illustrationen für die Tolkien-Kalender und die illustrierte LOTR-Ausgabe er bewunderte – sie wurden seine Art Directors.
Die BBC-Fassung zeigte Ian Holm als Frodo Beutlin – bei Jackson spielte er, rund 20 Jahre älter, den Bilbo. Und in beiden Fällen ausgezeichnet. Die anderen Sprecher sind leider hierzulande völlig unbekannt geblieben, was ich recht schade finde, denn sie mache ihre Sache ebenfalls gut. Wer sich einen edlen britischen Akzent zulegen möchte, der braucht ihnen nur genau zuhören.
Der unter dieser Restgruppe herausragende Sprecher ist zweifelsohne Peter Woodthorpe, der Sprecher des Gollum. Nun ist Gollum bekanntlich nicht nur ein zwielichtig Charakter, sondern bei Jackson auch noch schizophren. So weit treibt es Woodthorpe nicht in seiner Darstellung, aber sein Gollum wirkt dennoch sehr glaubhaft in seiner Gespaltenheit: mal Frodos schlimmster Feind, dann wieder eine Jammergestallt oder sein ergebener Diener. Folglich ist Woodthorpes Ausdrucksweise sehr wandlungsfähig, und wie der brave Sam fragen wir uns früher oder später, ob man diesem zwielichtigen Gesellen über den Weg trauen kann.
Auf der Seite der weiblichen Rollen ist das Hörspiel sehr spärlich ausgestattet. Arwen tritt nur am Rande auf, wird aber nicht einmal in den Credits genannt. Einzig Eowyn und die unerlässliche Galadriel treten mit halbwegs beachtlichen Szenen auf, aber leider nur recht kurz. Wieder einmal spielen die Jungs fast ganz allein für sich. Interessant ist vielleicht noch, dass sowohl der Herr der Nazgûl, gesprochen von Philip Voss, und der Mund Saurons, gesprochen von John Rye, einen Auftritt haben. Sie sind bei Jackson bekanntlich recht vernachlässigt, und Saurons Mund kommt nur in der Extended Edition vor.
Die Handlung erinnert ansonsten an die Entscheidungen, die auch Jacksons Drehbuchautoren gemacht haben. Tom Bombadil fiel komplett weg, ebenso die Hügelgräberhöhen. Das wird verständlich, wenn man berücksichtigt, dass nur 13 Stunden zur Verfügung standen. Durch diese Einsparung konnten daher andere Szenen besser präsentiert werden, und dafür ist der Zuhörer natürlich dankbar. So wird beispielsweise die Schlacht um Hobbingen dargestellt, die bei Jackson bekanntlich fehlt.
Am Schluss werden die Besitzer der drei Elbenringe enthüllt: An Elronds Hand blitzt Vilya, der Ring des Wassers, an Galadriels funkelt Nenya, der Ring der Luft, und dreimal dürfen wir raten, wer Narya, den Ring des Feuers, trägt: Gandalf. Den Ring gab ihm der Schiffbauer Círdan von den Grauen Anfurten. Frodo trägt das Sternenglas, das ihm Galadriel gab und das Licht des Abendsterns Earendil enthält. Sam kann es sehen, während das letzte Elbenschiff in den Westen segelt.
|Geräusche und Musik|
Im Vergleich zu den heutigen raffinierten Profiproduktionen ist das BBC-Hörspiel nur sparsam mit Geräuschen ausgestattet worden: hier mal ein Hufgetrappel, dort mal ein Schrei – das war’s auch schon. Besonders gefiel mir das Erdbeben, als der Eine Ring in den Schicksalsklüften zerstört wird. Viel mehr Wert scheinen die Macher (s.o.) auf die Präsentation von Gedichten und Liedern gelegt zu haben, die ja im Roman zu Dutzenden vorkommen.
Das Lied „The road goes ever on / Die Straße gleitet fort und fort“, das Bilbo im Film singt, wird hier als Gedicht vorgetragen. Dann wieder taucht ein Gedicht als neues Lied auf: „Upon the hearth / Auf dem Herd“, das im Film nicht vorkommt. Auf der Wetterspitze singt jemand das Lied über Gil-galad, den letzten Elbenkönig, der die Allianz gegen Sauron vor rund 3000 Jahren anführte. Damals fiel der Eine Ring Isildur in die Hände.
Auch Boromir singt ein Lied, und zwar jenes mit der im Traum empfangenen Prophezeiung, dass die Rettung Gondors durch den Ringträger aus dem Norden kommen werde. Aber er hält Gollum für den Ringträger. Und was ist überhaupt der Eine Ring? — Auch Gimli hat ein Lied zum Besten zu geben: über den Zwergenkönig von Moria, Dûrin. In L´roien singen die Elben ein Klagelied für den in den Abgrund gestürzten Gandalf. Dass im Fangornwald der Baumhirte Baumbart singt, versteht sich fast von selbst, aber er tut es gleich zweimal.
Nun ja, diese Aufzählung könnte noch seitenweise weitergehen. Das Gesagte soll genügen. Anzumerken ist noch, dass die Musik und die Lieder durchweg kein Selbstzweck sind, sondern dazu dienen, erstens den Sänger als Vertreter seines Volkes (Elb, Zwerg, Hobbit usw.) zu charakterisieren und zweitens eine Geschichte zu erzählen. Alle Lieder sind auch Balladen. Die über Gil-galad berichtet vom Schicksal des Einen Rings und wie er den Menschen in die Hände fiel und wieder verschwand. Dass er sich nun in Händen Bilbos und Frodos befindet, wird tunlichst geheim gehalten. Schließlich suchen die Schwarzen Reiter überall nach dem Schmuckstück ihres Herrn und Meisters.
Man braucht sich diese Lieder nicht immer als Soli vorzustellen. Gerade in der Phase nach der Rettung Gondors durch Aragorn und Co. schwingt sich der Gesang zu hymnischer Pracht auf: Solisten, Chöre und ein Orchester – das komplette Paket – vermitteln eine Vorstellung von höfischer Prachtentfaltung. Das können die monarchistischen Briten seit jeher recht gut.
_Unterm Strich_
Ich fand dieses Hörspiel recht interessant und mitunter geradezu kurios. Als Variante zum Roman, mit dem ich es vielfach verglich, und zur Jackson-Verfilmung geht es einen Mittelweg: nicht ganz so drastisch gekürzt wie der Film, aber lange nicht so ausführlich wie der Roman. Es enthält jede Menge Lieder, dass man meinen könnte, man befinde sich auf einer aufs Poetische versessenen Welt. Dabei ist es lediglich so, dass in den mythischen Vorzeiten – als „Beowulf“ und die isländischen Eddas geschrieben wurden – die mündliche Überlieferung die vorherrschende Form darstellte, genau wie einst bei Homer.
Dass man für das Verständnis dieses Hörspiels sehr gut Englisch können muss, versteht sich von selbst. Dieses Englisch ist kein modernes à la BBC oder Oxford, sondern ein mitunter dem Englisch des 17. und 18. Jahrhunderts angenähertes Englisch. Das passt zwar zu den alten, mythischen Zeiten, in denen die Handlung spielt, frustriert den heutigen Zeitgenossen aber etwas, der kein Mittel- oder Frühneuenglisch gelernt hat.
Die Ausstattung durch den |Hörverlag| ist in Ordnung. Das Booklet (s.o.) ist nicht weitschweifend, erklärt aber eine ganze Menge hinsichtlich der Zielsetzung und den Produktionsbedingungen. Die Soundqualität entspricht etwa DD 2.0, also Stereoton, aber mehr darf man nicht erwarten (es sei denn auf einer besseren HiFi-Anlage als meiner). Die CDs sind einzeln in Karton verpackt und allesamt in einem aufklappbaren Schuber untergebracht – eine stabile und kompakte Sache.
_Hinweis_
Nach dem großen Erfolg seines Sprechers Achim Höppner, der Synchronstimme Gandalfs, mit dem ungekürzten „Silmarillion“ und der Novelle „Der Elbenstern“ bereitet der Münchner |Hörverlag| eine ungekürzte Lesung des „Herrn der Ringe“ vor. Sprecher ist wieder Achim Höppner, versteht sich. Diese Lesung dürfte das bestehende deutsche Hörspiel endlich ablösen. Und wer weiß – vielleicht gibt es dereinst auch eine vollständige Lesung des „Hobbits“.
Fletcher Moon, von allen wegen seiner geringen Körpergröße auch „Halbmond“ genannt, ist alles andere als eine halbe Portion: Mit seinen 12 Jahren hat er – nach Vorlage der Geburtsurkunde seines Vaters – einen Online-Detektivlehrgang abgeschlossen, und das auch noch mit Bravour!
Als sich an seiner Schule mysteriöse Diebstähle häufen, ist wieder einmal sein Spürsinn gefragt. Wie alle anderen hat er die vermeintlich kriminellen Gebrüder Sharkey in Verdacht. Doch schon bald muss er zwei Dinge einsehen: 1.) Das Leben eines Detektivs ist brandgefährlich, und 2.) Nichts ist, wie es scheint!
Im Viereck der Begierden: Liebeswahn und Liebestod
Wellershof erzählt in seinem Roman die dramatische Geschichte eines Ehebruchs und dessen Folgen. Marlene hat vor Jahren ihren Mann Leonhard verlassen, um mit dessen bestem Freund Paul zusammenzuleben. Nur mühsam gelang es ihnen, den Freundschaftsbund wieder in Balance zu bringen. Als Leonhard die junge Anja heiratet, scheint das Glück wiederhergestellt. Aber Leonhard kann Anjas verzweifelten Wunsch nach Liebe nicht erfüllen. Und so wiederholt sich die Geschichte. Anja betrügt ihren Mann mit Paul – und zahlt dafür einen hohen Preis…
Der Autor erzählt die subtile Dramatik des Geschehens aus den wechselnden Perspektiven seiner Figuren. Man erlebt sie in ihren privaten und beruflichen Lebenswelten und blickt in die Intimität ihrer heimlichen Gedanken und Gefühle. Jeder versucht die anderen zu durchschauen und zu beeinflussen, während sich etwas vollzieht, das ihnen allen aus der Hand gleitet. (Verlagsinfo) Dieter Wellershoff – Der Liebeswunsch (Hörbuch) weiterlesen →
Der Hinkebein-Mord am Teich: Holmes ermittelt in der Provinz
Im westenglischen Boscombe Valley wird der Pächter der Hatherley-Farm, Charles McCarthy, an einem kleinen Waldsee erschlagen. Er hatte dort angeblich einen wichtigen Termin mit einem Unbekannten. Zeugenaussagen zufolge soll ihm sein 19-jähriger Sohn James mit einer Waffe gefolgt sein… (Verlagsinfo)
Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 12 Jahren.
Die Serie wurde mit dem „Blauen Karfunkel“ der Deutschen Sherlock Holmes-Gesellschaft ausgezeichnet.
Der Autor
Sir Arthur Conan Doyle lebte von 1859 bis 1930 und gelangte mit seinen ca. 60 Erzählungen um den Meisterdetektiv Sherlock Holmes zu Weltruhm. Dabei begann der Mediziner, der eine eigene Praxis hatte, erst 1882 mit dem Schreiben, um sein Einkommen aufzubessern. Neben mystischen und parapsychologischen Themen griff er 1912 auch die Idee einer verschollenen Region (mit Dinosauriern und Urzeitmenschen) auf, die von der modernen Welt abgeschnitten ist: „The Lost World“ erwies sich enorm einflussreich und wurde schon 13 Jahre später von einem Trickspezialisten verfilmt. Schon 1913 ließ Doyle eine Fortsetzung unter dem Titel „The Poison Belt“ (dt. als Im Giftstrom, 1924) folgen.
Der Amerikaner William Delapore entschließt sich im Jahr 1918, den Stammsitz seiner Familie in Südengland zurückzukaufen und aufwendig zu restaurieren. Zu Anfang des 17. Jahrhunderts ist dort, bis auf ein Familienmitglied, unter mysteriösen Umständen die gesamte Familie zu Tode gekommen… (Verlagsinfo)
Fünf Jahre später sind die Restaurierungsarbeiten an der uralten Abtei fertiggestellt, und der Sohn von William Delapore kann mit seinen zwei Dienern und einer Schar Katzen einziehen. Doch schon in der ersten Nacht kommt es zu merkwürdigen Ereignissen. Zusammen mit Captain Edward Norrys, einem Spross der Vorbesitzerfamilie, beschließt er, den unerklärlichen Phänomenen auf den Grund zu gehen und wagt sich in die unerschlossenen Tiefen unter dem Altarstein der Abtei vor…
Providence, Rhode Island, November 1926. Francis Wayland Thurston wird zum Nachlassverwalter seines Großonkels bestimmt. Dieser war zu Lebzeiten Professor für semitische Sprachen an der Brown-Universität. Aus den zu sichtenden Unterlagen erfährt der Großneffe Erschreckendes über den eigentlichen Forschungs-Schwerpunkt seines Verwandten.
Thurston besucht einen befreundeten Wissenschaftler und stößt dabei eher zufällig auf weiteres erschütterndes Material den unheimlichen Cthulhu-Kult betreffend … (Verlagsinfo)
Tim, Karl, Klößchen, Gaby und natürlich Hund Oskar verbringen einen sommerlichen Badetag am Moorsteiner See. Am Ufer präsentiert Karl seinen Freunden seine selbstgebastelte Abhörwanze, die mitgelauschte Audiosignale direkt auf sein Smartphone überträgt. Er bringt das winzige Ding an Oskars Halsband an und Gaby schickt ihren Hund durchs dichte Schilf zur nächsten Badebucht. So werden TKKG Ohrenzeugen eines befremdlichen Dialogs über ein mögliches Verbrechen. Mehr noch: Wenig später finden TKKG einen Rucksack voll Geld im Schilf – Geld, das keiner der Badegäste haben will. Nicht einmal der, dem es offensichtlich geklaut wurde. Die vier Detektive stehen vor einem rätselhaften Fall. (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Ok, ok, ok. Bevor jetzt hier zu viel Aufregung entsteht … wenn keiner das Geld haben möchte, ich nehms gern, damit sich alle wieder beruhigen! Aber, im Ernst … der Klappentext macht schon mal richtig neugierig, auch wenn die Abhöraktion legal grenzwertig ist. TKKG sind aber nur vor dem Mikro längst erwachsen und daher ist es nachvollziehbarer, warum sie Abhör-Oskar loslassen.
Teuflische Herausforderung: Die Falle des Zauberspiegels
Ben Canevin ist Lehrer an einer Privatschule in Connecticut, USA. Sein wertvollster Besitz und von seinen Schülern am meisten bewunderter Besitz ist ein alter, prächtig verzierter Spiegel, den er auf den Jungferninseln aus einem verlassenen Herrenhaus mitgenommen hat…. (Verlagsinfo) Kurz vor Weihnachten verschwindet darin einer seiner Schüler…
Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab 14 Jahren.
Der Autor
Henry S. Whitehead (1882-1932) war Erzdiakon auf den Virgin Islands, deren Kultur und Bevölkerung er genau beschrieb. Er gehörte zum engeren Zirkel um H. P. Lovecraft und veröffentlichte mehrere unheimliche Erzählungen, nicht nur über die Karibik und Voodoo, sondern auch über griechische Anbeter des Gottes Pan (vgl. auch Arthur Machen).