Archiv der Kategorie: Hörspiele / Hörbücher

Marklund, Liza – Studio 6 (Lesung)

»“Studio 6 spielt fast acht Jahre vor den Ereignissen in meinem vorigen Buch ‚Olympisches Feuer‘ und ist zeitlich gesehen der erste Roman in der Serie um die Kriminaljournalistin Annika Bengtzon. Wir begegnen ihr, als sie gerade als junge Aushilfe bei der Zeitung ‚Abendblatt‘ begonnen hat. Ich wünsche Ihnen spannende Unterhaltung.« Liza Marklund, Hälleforsnäs im Juli 1999.

|Die Autorin|

Liza Marklund, geboren 1962, wuchs in Nordschweden auf, studierte Journalismus und arbeitete bei verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften. Mehrere Jahre war sie Nachrichtenchefin des schwedischen Privatsenders „TV 4“. Diesen Traumjob kündigte sie, um Romane zu schreiben. Für ihren Debütroman „Olympisches Feuer“ (dt. 2000) erhielt sie bedeutende Literaturpreise. Auch die Nachfolgeromane „Studio 6“ und „Paradies“ wurden offenbar erfolgreiche Krimis, ebenso wie „Der Rote Wolf“. Marklund lebt in Stockholm, ist verheiratet und hat drei Kinder. (Verlagsinfo)

Homepage der Autorin: http://www.lizamarklund.net

|Die Sprecherin|

Judy Winters Karriere am Theater begann 1962. Die 1944 Geborene wurde von Peter Zadek ans Bremer Theater engagiert und feierte in Musicals wie „My Fair Lady“ oder „Hello Dolly“ große Erfolge. Es folgten zahlreiche TV-Filme, u. a. Simmel-Verfilmungen und der Kult-Tatort „Reifezeugnis“. Mit dem Programm „Marlene“ hat Judy Winter einen Meilenstein ihrer Kunst gesetzt. Damit ging sie im Sommer 2001 auf Japan-Tournee. Sie hat bereits Marklunds Romane „Prime Time“, „Paradies“ und [„Der Rote Wolf“ 573 gelesen.

Winter liest die von Dagmar Ponto gekürzte Fassung. Ponto führte auch Regie.

_Handlung_

Annika Bengtzon, 24, übernimmt eine Sommervertretung in der Stockholmer Lokalredaktion des „Abendblatts“, einem Gegenstück zur deutschen „BILD“. Es erreicht sie ein anonymer Anruf: Jemand hat eine junge Frau ermordet auf dem jüdischen Friedhof mitten in Stockholm gefunden, nicht weit weg von Annikas neu gefundener Altbauwohnung. Sofort rast Annika mit ihrem Fotografen zum Fundort, um noch Bilder zu schießen, bevor die Bullen die Stelle absperren und die Leiche abtransportieren lassen. Was Annika an der nackten jungen Frau auffällt, sind die steil nach oben ragenden Brüste: Sie müssen künstlich sein. War die Unbekannte eine Professionelle?

Die 19-jährige Hannah Josefine Liljeberg arbeitete als Animierdame und Stripperin in einem Sexklub namens „Studio 6“. Die seltsame Parallele: So heißt auch ein stadtbekannter Radiosender. Geführt wird der Sexklub von einem Typen namens Joachim. Josefines Zimmergenossin, die aus Lateinamerika stammende Patrizia, arbeitet ebenfalls dort. Sie erteilt Annika ein paar Auskünfte, die aber allesamt ein positives Licht auf den Klub werfen – Joachim hat sie eingeschüchtert. Der Friedhof liegt auf dem Nachhauseweg vom Klub. Hat Joachim Josefine getötet, weil sie mit ihm Schluss machen wollte?

Während Annikas Redaktion mit Anders Schüman einen neuen Chef erhält – er kommt vom Gesellschafts-TV – , fällt der Tatverdacht jedoch nicht auf den Sexklubchef, sondern auf den Außenhandelsminister Krister Lundgren. Radio „Studio 6“ hechelt begeistert alle Details durch: Im Außenministerium habe man eine Rechnung des Sexklubs gefunden, die mit der Kreditkarte des Ministers bezahlt wurde. Da Wahlkampf herrscht, fallen die Aktien der herrschenden Sozialdemokraten. Es ist leicht abzusehen, wie die Reaktion aussieht: Man wird ein Bauernopfer verlangen, den Rücktritt Lundgrens.

Doch Annika Bengtzon weiß es als einzige besser: Dies ist ein politisches Täuschungsmanover, um die Öffentlichkeit von einer viel größeren Sauerei abzulenken. Warum ist gerade jetzt das Archiv der Sozialdemokraten aufgetaucht, die in den sechziger Jahren die Kommunisten abgehört hatten? Wer hat diese Aktion lanciert? Die Spur führt nach Estland und von dort weiter nach „Kaukasien“, wo ein blutiger Bürgerkrieg geführt wird – mit schwedischen Waffen.

_Mein Eindruck_

Dieser kurze Inhaltsabriss bietet nur einen winzigen Ausschnitt des ersten Drittels. Denn auch Patrizia und der Minister Lundgren haben ihre eigenen Szenen. Hinzukommt, dass Annika sowohl um ihren Job kämpfen muss und verliert, als auch um ihre Freiheit von ihrem Verlobten Sven Matsson, der nunmehr exklusive Rechte auf sie geltend machen will. Sven weist eine hohe Ähnlichkeit mit Josefines Liebhaber Joachim auf. Wird Annikas Beziehung zu Sven ebenso verhängnisvoll enden?

|Martyrium der Liebe|

Was diese private Seite der Journalistin Annika so wichtig macht, ist ein Tagebuch, das eine junge Frau führt und den schrecklichen Verlauf einer Liebesbeziehung schildert. Diese Tagebucheinträge erstrecken sich über fast zwei Jahre: Anfangs ist diese Liebe der Himmel auf Erden, am Ende die reine Hölle, denn der Ausschließlichkeitsanspruch des geliebten Mannes erweist sich als ein erstickendes Gefängnis, das der Frau alle Lebensenergie entzieht.

[SPOILER!]

Am Schluss ist das Erstaunen groß: Die ganze Zeit ist man im Glauben, es handele sich um das Tagebuch der armen, getöteten Josefine, doch nach dem Showdown zwischen Annika und Sven (so viel darf ich wohl verraten) ist ebenfalls von einem Tagebuch die Rede. Annika habe es geführt und vor Gericht habe es einen entlastenden Beitrag geleistet. Nun, es ist durch den Altersunterschied schon klar, dass die zitierten Passagen aus Josefines Tagebuch stammen und nicht aus Annikas, aber sie könnten – und das ist der eigentliche Schock! – genauso gut von Annika stammen. Die ganze Zeit hat uns die Autorin hinters Licht geführt und uns mit Annika eine positive Aufsteigerin vorgegaukelt, doch am Schluss steht sie als Opfer da, das sich aus der Umklammerung befreien konnte. Auf welche Weise, darf hier nicht verraten werden.[SPOILER ENDE]

|Politisches Schattenspiel|

Äußerst spannend ist es zu verfolgen, wie die kleine Redakteursvertretung vom Lande einem politischen Skandal erster Größenordnung auf die Spur kommt, einfach, indem sie hartnäckig nachforscht – und ihr ein klein wenig der Zufall zu Hilfe kommt: Der Minister Lundgren hat einen netten Schwager, der ihn auf einem bestimmten Flughafen zu einer bestimmten Zeit nicht nur gesehen, sondern sogar aufs Urlaubsvideo gebannt hat. Das nennt man entweder Narrenglück oder einen kühnen Eingriff des Autors. Jedenfalls hätte nun der Minister theoretisch ein Alibi für den Mord an Josefine Liljeberg. Doch der Abgrund, der sich dadurch nun auftut, ist furchterregend: Lundgren tätigte illegale und somit streng geheime Waffengeschäfte für die Regierung.

|Die Rolle der Medien – Huren oder Helden?|

Der Minister wird erstmals vom Radio „Studio 6“ in Zusammenhang mit dem Liljeberg-Mord gebracht. Offenbar hat man den Redakteuren die verhängnisvolle Rechnungsquittung zugespielt. Im größeren Zusammenhang des aktuellen Wahlkampfes lässt sich offenbar „Studio 6“ vor den Karren einer bestimmten Partei spannen und vorverurteilt den Minister. Das Radiomedium als Hure der Parteipolitik. Es ist blanker Hohn, wenn im Epilog erwähnt wird, dass der Sender einen Preis „für besondere journalistische Leistungen“ erhält. Bestimmt freuen sich auch die Bankkonten der Redakteure. Zwischen Sender und Sexklub bestehen nicht nur namentlich Übereinstimmungen.

Gleichzeitig verunglimpft sie namentlich (!) die Berichterstattung einer gewissen Aushilfsjournalistin Annika Bengtzon, die nur das Augenmerk vom Minister ablenken will und einem privaten Motiv für das Verbrechen den Vorzug gibt. Man kann sich leicht den Horror ausmalen, den die solchermaßen Angeprangerte nun zu erleiden hat. Zu allem Überfluss nicht nur durch „Studio 6“, sondern auch von den eigenen Kollegen! Der Einzige, der zu ihr hält, ist Schüman, doch auch er kann nicht verhindern, dass sie keinen festen Job erhält.

Wird Anders Schüman den Fels in der Brandung spielen? Wird er der Held sein, der der Bezeichnung „Journalist“ Ehre macht? Die Antwort ist leider niederschmetternd: Sein Chef, Torstenson aus [„Prime Time“, 385 ist die reinste Wetterfahne und so standfest wie ein Schneemann in der Sahara. Das Urteil der Autorin ist somit klar: Huren und Waschlappen, das sind die Medien. Nur hie und da ist ein einsames Häuflein Standhafter zu finden – meist mit schlechten Karten.

_Die Sprecherin_

Judy Winter verfügt über einen unglaublichen Stimmumfang, möglicherweise geschult durch ihre Schauspielausbildung und Musical-Karriere. Die Stimme reicht vom maskulinen Bass bis in die Höhen von Kinderstimmchen und Zickengekreisch. Deswegen fällt es ihr auch nicht schwer, Vertreter beider Geschlechter ebenso glaubwürdig zu sprechen wie etwa ein Kind. Wenn Annika wütend wird, klingt das ebenso glaubwürdig wie die langsam und getragen gesprochenen Zitate aus dem Tagebuch Josefines. Diese Passagen sind sehr bewegend und können durchaus Gänsehaut verursachen.

Die Wirkung von Judy Winters Vortrag ist durchaus fesselnd. An spannenden Stellen liest sie langsam, an actionreichen natürlich schneller. Dennoch gehört die Mehrheit der Stimmen weiblichen Figuren, und da könnte die Charakterisierung durch unterschiedliche Stimm- oder Tonlage größer sein, um die jeweilige Figur besser unterscheidbar zu machen – eines der Hauptprobleme bei einem Hörbuchvortrag. Bei einer Handlung mit über einem Dutzend Figuren ist dies umso notwendiger.

Beeindruckend ist Winters Beherrschung des Englischen und Schwedischen, die sie gleichermaßen korrekt aussprechen kann. Ihre Aussprache des Schwedischen stellt sicher höhere Ansprüche, und wie im Englischen und Deutschen entspricht das geschriebene Wort nicht immer dem gesprochenen. Das kann besonders bei den zahlreichen Namen des Romans Verwirrung stiften, insbesondere dann, wenn die Aussprache schwankt.

Der Vortrag durch Judy Winter habe ich als sehr eindrucksvoll und sehr gelungen empfunden. Fehler waren keine festzustellen.

_Unterm Strich_

Für Liza Marklunds Heldin Annika Bengtzon geht es in „Studio 6“ zweifach ums Überleben: beruflich in der Redaktion des „Abendblatts“ und in privater Hinsicht in ihrer Abnabelung von ihrem herrischen Verlobten Sven. Das Finale lässt denn auch nichts an Dramatik zu wünschen übrig und wird jeden Leser oder Zuhörer an den Nägeln kauen lassen und zu Tränen rühren. Die Überraschung mit dem Tagebuch ist der Autorin ebenfalls gelungen (siehe SPOILER). Das Tagebuch selbst bildet eine Geschichte in der Geschichte und sollte mit größter Aufmerksamkeit verfolgt werden. Wie Annika selbst andeutet, handelt es sich um eine klassische Fallgeschichte mit exemplarischem Charakter für „Gewalt gegen Frauen“.

Dem Engagement der Autorin entspricht die Aufdeckung der illegalen Akitivtäten der Sozialdemokraten. Sie thematisiert nicht nur die Ausspionierung der kommunistischen Anhänger in Schweden während der sechziger Jahre, sondern auch illegale Waffenexporte unter einer aktuelleren Regierung (der Roman erschien 1999). Das sollte genügend Stoff für eine politische Diskussion liefern.

Die direkte Fortsetzung im Anschluss an „Studio 6“ bildet „Paradies“. Auch hier setzt sich die Autorin keinerlei Scheuklappen auf und greift die jugoslawische Mafia an sowie die Asylantenproblematik auf. Unbedingt empfehlenswert.

Die drei ??? Kids – Chaos im Dunkeln (Folge 68)

Die Handlung:

Sonnenfinsternis in Rocky Beach. Doch kaum wird es dunkel, bricht plötzlich Chaos aus. Im Maya-Museum wird eingebrochen und clevere Diebe machen sich ans Werk.
Sind die wertvollen Kunstschätze noch zu retten? Die drei ??? Kids nehmen die Verfolgung auf. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Bervor es aber dunkel wird, will Onkel Titus schnell noch das eigene Haus klimaneutral machen … mit Sonnenkollektoren auf dem Dach und eigener Stromerzeugung und so.
Und wenn keine Sonne scheint, siehts schlecht aus für die Fotovoltaik! Warum und was das überhaupt ist, das erklärt uns … nein, nicht Justus, der hat die Backen voll mit „klimaneutralem Kirschkuchen“ … da muss halt sein Onkel aushelfen. Dass Peter aber die „Biene Maya“ kennt, fand ich schon recht ungewöhnlich, stammt die doch aus Deutschland … wie auch der Autor der Romanvorlage.

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Die drei !!! – Das geheime Parfüm (Folge 59)

Die Handlung:

Marie ist begeistert: Eine neue Parfümerie hat in der Stadt eröffnet. Gemeinsam mit Franzi und Kim meldet sie sich für einen Parfüm-Kurs an. Doch in dem kleinen Geschäft geschehen unheimliche Dinge. Flakons fallen aus den Regalen, merkwürdige Geräusche quälen eine der Besitzerinnen und alte Parfüm-Rezepturen verschwinden. Die drei !!! stehen vor einem Rätsel. Bis sie eine ganze Nacht in der Parfümerie verbringen und dabei nicht nur ein Geheimnis entdecken … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Ok, der Klappentext klingt nach POLTERGEIST-Grusel. Ist denn schon wieder Halloween oder steckt da doch etwas oder jemand anderes dahinter? Hoffentlich! Aber was hat denn der Termin in der Müllverwertungsanlage am Anfang mit allem zu tun? Spukts da auch?

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TKKG – Geheimnis im Tresor (Folge 208)

Die Handlung:

Klassenfahrt der 9b im Skiort Enders im Engthal – eine Woche Skifahren, Snowboarden und ungetrübter Winterspaß im Schnee. Doch dann wird Gaby im aufkommenden Schneesturm von einem Pistenrowdy gefährlich geschnitten und zu Fall gebracht. Tim will sich den Übeltäter vorknöpfen. Die Spur führt zu Max Fliege, Sicherheitsmann im örtlichen Casino und Mitglied einer Motorradgang. Schnell geraten TKKG in ein brenzliges Abenteuer und schon wenige Stunden nach Gabys Unfall geht es nicht mehr um die Einhaltung von Pistenregeln, sondern ums nackte Überleben auf dem nächtlichen Berg… (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Wow, der Klappentext klingt ja richtig dramatisch und das Cover passt zur Jahreszeit … kommen jetzt die vom Label versprochenen „erwachseneren“ Fälle der TKKG-Bande? Ski und Rodel ist offenbar gar nicht gut hier. Besonders nicht, wenn hier jemand Gaby über den Haufen snowboardet. Und, Wunder oh Wunder, bitte im Kalender anstreichen: Es ist nicht Tim/Tarzan, der hier sofort die Verfolgung aufnimmt, sondern ihr Bergführer!

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Gaspard, Jan / Lueg, Lars Peter / Sieper, Marc – Pyramiden-Saga, Die (Offenbarung 23, Folge 20)

_Tatort Pyramiden_

Was bisher bloße Verschwörungstheorie war, wird Realität: Die geheimnisvollsten Tragödien, die skrupellosesten Verbrechen werden entschlüsselt. Die Welt wird nicht mehr die gleiche sein, denn auch das letzte Rätsel wird gelöst.

|Die großen Pyramiden von Gizeh sind der magischste Ort dieser Welt. Grandiose Berge aus behauenem Stein, astronomisch nach den Sternen ausgerichtet und perfekt in ihren Proportionen. Es ist das größte Rätsel, was genau die Menschheit vor 45 Jahrhunderten dazu bewogen hat, diese verstörenden Bauwerke zu errichten – ohne Maschinen, ohne technische Hilfsmittel, aber mit einer unglaublichen visionären Kraft. Dabei ist die Lösung aller Pyramiden-Geheimnisse so einfach, so simpel. Man braucht nur den richtigen „Standpunkt“ und die perfekte „Beleuchtung“ – schon sieht man mit dem eigenen Auge, was das Auge des Sonnengottes Ra selbst nie erblicken durfte!| (Verlagsinfo)

_Der Autor und die Macher_

Jan Gaspard ist ein Pseudonym. Der reale Mensch hat immerhin eine Mailadresse – das ist doch schon mal was. Laut Verlag soll der Rechercheur für Unternehmer wie Axel Springer, Ross Perot, Rupert Murdoch und sogar Dick Cheney gearbeitet haben. Wer’s glaubt, sollte ihn engagieren. Er zeichnet für „Idee, Konzeption, Recherche & Buch“ verantwortlich.

Für die praktische Umsetzung dieser Steilvorlage sorgte hinsichtlich Regie, Produktion & Dramaturgie Lars Peter Lueg, seines Zeichens Verlagsleiter von |LPL records|. Für den „heiligen Geist“ in Form von „Inspiration“ sorgte Koproduzent Marc Sieper. Schnitt, Musik und Tontechnik lagen in den kompetenten Händen des preisgekrönten [Andy Matern.]http://www.andymatern.de/ Markus Wienstroer bearbeitete die Gitarren in der Titelmelodie – das Ergebnis kann sich wirklich hören lassen. Die Aufnahmeleitung oblag Anno Storbeck.

|1. Staffel von „Offenbarung 23“:|
1) [„Wer erschoss Tupac?“ 1934
2) [„Tupacs Geheimnis“ 1948
3) [„Die ‚Titanic‘ darf nie ankommen“ 2012
4) [„Die Krebs-Macher“ 2015

Einschub: [„Offenbarung 23 – Machiavelli“ 2472

|2. Staffel:|
5) [„Das Handy-Komplott“ 2576
6) [„Der Fußball-Gott“ 2577
7) [„Stonehenge“ 2590
8) [„Macht!“ 2591

|3. Staffel:|
9) [„Gier!“ 3104
10) [„Die traurige Prinzessin“ 3113
11) [„Die Hindenburg“ 3131
12) [„Der Piratenschatz“ 3136

|4. Staffel:|
13) [Das Wissen der Menschheit 3885
14) [Das Bernsteinzimmer 3887
15) [Durst! 3900
16) [Krauts und Rüben 3934

|5. Staffel:|
17) [Die Waterkant-Affäre 4340
18) [Menschenopfer 4362
19) [Angst! 4537
20) Die Pyramiden-Saga

Mehr Infos: http://www.offenbarung23.de sowie http://wiki.jan-gaspard.net/ und http://www.vertraue-niemandem.net.

_Die Sprecher_

In der Riege der Sprecher finden sich etliche einschlägig vorbelastete Herrschaften, die man schon aus dem Hause |LPL records| kennt.

Die Rollen und ihre Sprecher:

„Stimme der Wahrheit“: Friedrich Schoenfelder (David Niven, Vincent Pryce, Peter Cushing)
Erzähler: Helmut Krauss (Marlon Brando, James Earl Jones)
Georg Brand alias T-Rex: David Nathan (Johnny Depp, Christian Bale)
Tatjana Junk alias Nolo: Marie Bierstedt (Kirsten Dunst)
Ian G: Till Hagen (Kevin Spacey, Billy Bob Thornton)
Margo: Arianne Borbach (Catherine Zeta-Jones, Diane Lane)
Tom alias Mista Beat: Tilo Schmitz (Ving Rhames, Michael Clarke Duncan)
Wahid: Steven Merting
Kopte: Hasso Zorn (David Kelly)
Annie: Shalin Rogall (Alyson Stoner)
Boris F. alias Tron: Benjamin Völz (Keanu Reeves, James Spader, David Duchovny)

_Vorgeschichte_

Der Berliner Informatikstudent Georg Brand, in Hackerkreisen als „T-Rex“ bekannt, ist auf eine Verbindung zwischen dem besten deutschen Hacker Boris F. alias „Tron“ und dem Rapper Tupac Shakur gestoßen. Alle möglichen Leute, die Geheimnisse aufdecken oder vertuschen wollen, interessieren sich auf einmal für T-Rex. Während Georg mit Trons ehemaliger Freundin Tatjana Junk alias Nolo anbandelt, meldet sich Tron quasi aus dem Jenseits: Er ist seit 1998 offiziell tot. Ist er das wirklich? Jedenfalls gibt Nolo Georg eine „Chiffre“ nach der anderen in die Hand. Chiffren sind eine Umschreibung für Hinweise auf die Geheimnisse, die Tron vor seinem Tod aufgedeckt hat – brisanter Stoff sozusagen.

_Handlung_

Kairo. Nolo ist in ihre ägyptische Heimat zurückgekehrt und betätigt sich in ihrem „Harem“ als Scheherazade. Sie erzählt die Geschichte vom Prinzen Kenkenes, der sich in die wunderschöne „Anmutige Dattelpalme“ verliebte, dabei aber Konkurrenz von seinem verleumderischen Bruder bekam. Die Reisestationen des Prinzen decken sich ziemlich genau mit der Stationen, an die Georg Brand gelangt, als er Kairo besucht.

Georg und Tom ist es gelungen, auf Schleichwegen die 14 Jahre junge schwangere Annie aus Berlin heraus- und in Kairo einzuschmuggeln Sie bringen sie in ein koptisches Kloster, das mitten in der Altstadt liegt. Bruder Johannes hat viel übrig für Namen und Worte. Die biblische Hannah beispielsweise habe den Propheten Samuel geboren. Annie ist ebenfalls bereit, ihr Kind, falls es ein Sohn wird, Samuel zu nennen. Und „Georg“ – dieser Name bedeute Sämann und sei das Symbol Oberägyptens gewesen. Georg winkt ab. Er will auf keinen Fall mit irgendwelchen Messiasrollen in Verbindung gebracht werden, denn dann würde man versuchen, ihn für irgendwelche Zwecke zu missbrauchen.

Tom und Georg besuchen Sakkara, die älteste Stufenpyramide Ägyptens überhaupt. Sie liege am Schnittpunkt von Ober- und Unterägypten, zwischen dem Land der Lebenden (Osten) und dem der Toten (Westen). Ein einheimischer Führer namens Wahid bittet Georg, ein Hieroglyphenzeichen zu entschlüsseln. Sie betreten einen langen Schacht oder Tunnel, um sodann zu einer Kammer zu gelangen, wo anders als in den Pyramiden von Gizeh reiche Wandmalereien zu sehen sind. Dies sei die älteste Bibel der Welt, schwärmt Wahid. Gezeigt würden der Obergott Osiris sowie Thot. Osiris sei der Ordner aller Dinge, wurde aber von seinem Bruder Seth verraten, der Osiris‘ Frau Nephtis ebenfalls begehrte. Aber Osiris‘ Schwester Isis erweckte ihn wieder zum Leben, ließ sich von ihm schwängern und brachte den falkenköpfigen Horus zur Welt, eine Inkarnation der Sonne.

Wider Erwarten gibt es aber hier nichts zu entschlüsseln. Daher begibt sich Georg mit Ian G, der überraschenderweise hier auftaucht, in die Cheops-Pyramide, das höchste der drei großen Pharaonengräber. Wandmalereien fehlen hier völlig, doch es gibt eine Inschrift, die mit Tinte geschrieben wurde. Sie ist als „Tron“ zu dekodieren. Wie interessant.

Draußen wird es schon Abend. Margo tritt auf, von der Georg annimmt, sie sei in der russischen Botschaft verschwunden. Kleiner Irrtum, meint Margo. Sie habe auf Georg gewartet. Ian G vergleicht Margo mit Sachmet, der raubtierartigen Schwester der Katzengöttin Bastet. Und da kommt auch schon ein weißer Löwe angetrottet, der gar nicht so friedlich knurrt. Da spricht Margo ein paar magische Worte und der Löwe beginnt seinen Angriff. Aber auf wen?

_Mein Eindruck_

In dieser Folge widmet sich der Autor mal wieder seinem zweiten Steckenpferd, dem Thema des Messias, verkörpert in Georg Brand. Schon in dem Hörbuch [„Macchiavelli“ 2472 schlachtete er dieses Thema bis zum Exzess aus. Und auch in „Das Wissen der Menschheit“ (Folge 13) tauchte Georg Brand in seiner Messias-Funktion auf. Der Betroffene findet das überhaupt nicht witzig, denn zwielichtige Gestalten wie Ian G, der für die russische Botschaft, und Tom, der für die amerikanische Botschaft arbeitet, trachten danach, ihn für ihre jeweiligen Zwecke einzuspannen.

Diesmal wird Georg zum Zankapfel zwischen Ian G und der ebenso zwielichtigen Margo, die ihn schon in der Epsiode „Stonehenge“ (Nr. 7) heimgesucht hat. Wenn Georg eine Inkarnation von Osiris ist und Ian G eine von dessen Bruder Seth, dann ist Nolo, die in Kairo erzählt, Nephtis, doch dann könnte Margo die Rolle der Isis spielen. Diese Dreiecks- oder Vierecksgeschichte, die den alten Ägyptern geläufig war, wird nicht nur in der Gegenwart nachgespielt, sondern bildet auch die Folie für Scheherazades / Nolos Erzählung aus Tausendundeiner Nacht. Die Erzählung passt mit ihrer Liebespoesie und laufenden Anrufung Gottes gut zur Mystik, die den Tenor in Georgs Geschichte angibt.

Nebenbei erfährt der Zuhörer einiges über die Ursprünge der ägyptischen Kultur und somit auch über unsere eigene. Denn das Wissen über Mathematik ist von dem Wissen über die Gestirne abgeleitet, das in Mesopotamien gesammelt wurde. Die Ägypter stammen aus Mesopotamien und errichteten im Nildelta eine ähnliche Siedlungskultur wie in ihrer früheren Heimat (in der man ja ebenfalls Stufenpyramiden baute). Wiederholt korreliert der Autor bzw. seine Figurenriege den Schöpfungsmythos um Osiris und die Entstehung der Kultur am Nil. Die ausgewanderten Juden hätten dieses Wissen mit ins Gelobte Land genommen und in ihrer Genesis niedergeschrieben, dem ersten Buch des Alten Testaments.

Das alles ist relativ faszinierend, wenn man etwas für alte Geschichte, Schöpfungsmythen und Mystik übrig hat. Es entschädigt leider nicht den Mangel an Handlung. Dass Georg mit der Bitte, ein Zeichen zu dekodieren, in eine Grabkammer gelockt wird, wo es nichts zu dekodieren gibt, ist auch nicht so einleuchtend. Die Entschlüsselung, die dann doch noch stattfindet, betrifft das Gegenstück zu einem Graffiti, wie es jeder Besucher an einer Touristenattraktion hinterlassen würde – ziemlich banal also.

Der Hörer dürfte sich wiederholt fragen, was die immer wieder eingeschobenen Passagen aus der Geschichte um Prinz Kenkenes mit der restlichen Handlung zu tun haben. Wie gesagt, sind sie eine Weiterverarbeitung des Osiris-Mythos, allerdings mit dem Schwerpunkt auf der Lovestory. Die fünf Vögel, die der Prinz schließlich im Wüstenpalast findet, sind Symbole für die Arten der Liebe. Drei davon sind Tauben, die vierte ist die Nachtigall, die fünfte ein Hesar. Und was das ist, wird nicht erklärt.

|Geräusche und Musik|

Alle Geräusche sind natürlich aus der Realität entnommen und verleihen der Handlung den Anstrich von Filmqualität. Aber sie kommen nie den Dialogen in die Quere, sondern sind in dieser Hinsicht zurückhaltend. Diesmal fehlen Verkehrsgeräusche völlig. Das einzige Vehikel ist ein Nilboot, auch Dhau oder Feluke genannt. Hier rauscht das durchpflügte Wasser recht ordentlich, so dass es schon fast zu laut ist.

Ein Rätsel gab mir ein mechanisch klingendes Hintergrundgeräusch auf, das ich nicht identifizieren konnte. Schließlich setzte ich es mit der Fortbewegung der Figuren zwischen den Pyramiden in Beziehung und siehe da: Es handelt sich um Schritte über den Sand!

Das Knurren und Brüllen des Löwen klingt ziemlich echt, und zwar so echt, dass man sich Georgs Nervosität gut ausmalen kann. Von wem die nachfolgenden Schreie stammen, soll hier nicht verraten werden.

Die Musik fungiert meist als Pausenfüller: Fetzige Gitarren, für die Markus Wienstroer verantwortlich zeichnet, bestimmen das In- und Outro, im Hintergrund plätschert etwas Schmuse-Rock. Mir gefielen mehr die Gitarren. Orientalische bzw. ägyptische Musik ist allen Erzählpassagen unterlegt, die Nolo vorträgt. Das fand ich sehr passend, denn manche Szenen sind wirklich ergreifend.

|Hinweis|

Auf dem Titelbild sind vier Pyramiden zu sehen. Die bekannten drei Pyramiden von Gizeh heben sich schwarz vor dem Nachthimmel ab. In eben diesem Nachthimmel funkelt eine Gruppe Sterne, die den Umriss einer auf dem Kopf stehenden Pyramide ergeben. Die Spitze dieser Himmelspyramide zeigt genau auf die der Cheops-Pyramide. Auf dieses Bild wird im Text des Hörspiels eingegangen. Die Entsprechung ist ein Hinweis auf die Astronomie-Kenntnisse der alten Ägypter, aber auch auf die astrologischen Bezüge, die der Autor aufgreift.

_Unterm Strich_

Das Hörspiel ist von |Lübbe Audio| und |LPL records| gewohnt sorgfältig produziert worden und ich habe an der Technik nichts auszusetzen. Die Stimmen der Hollywoodschauspieler verleihen der gewohnt abwechslungsreichen Handlung etwas Filmglamour. Die Story wartet in der Regel mit Verschwörungstheorien, Kurzinfos, Hacker-Eskapaden und allerlei zwielichtigen Aktionen auf.

Doch in dieser Folge findet die Handlung im Schneckengang im Sand statt und weitab von allen Plagen der Zivilisation. Man fühlt sich wie in den alten Orient versetzt, und dazu passt Nolos Erzählung aus „Tausendundeiner Nacht“. Die Erzählung ist im Schöpfungsmythos um Osiris gespiegelt sowie in der Figurenkonstellation um Georg Brand.

Ein Fehler in der Handlung, ein rätselhaftes Hintergrundgeräusch und ein unerklärtes Wort in Nolos Erzählung trugen nicht gerade dazu bei, mich von der Qualität dieser Episode zu überzeugen. Sie dient lediglich dazu, die Messias-Story um Georg weiterzuführen. Ob auch die kommende Folge „Tutanchamun“ in die gleiche Kerbe haut, bleibt abzuwarten. Terry Pratchetts [Roman 2615 über die Pyramiden wäre jedenfalls wesentlich lustiger zu lesen bzw. zu hören.

|76 Minuten auf 1 CD|
http://www.offenbarung23.de
http://www.lpl.de
http://www.luebbe-audio.de

Gaspard, Jan / Lueg, Lars Peter / Sieper, Marc – Mann im Mond, Der (Offenbarung 23, Folge 27)

_Altbekannt? Die Mondlandung war nur ein Fake_

Was bisher bloße Verschwörungstheorie war, wird Realität: Die geheimnisvollsten Tragödien, die skrupellosesten Verbrechen werden entschlüsselt. Die Welt wird nicht mehr die gleiche sein, denn auch das letzte Rätsel wird gelöst.

Der Wettlauf zum Mond – die Amerikaner haben ihn am 21. Juli 1969 gewonnen, als der Astronaut Neil Armstrong als erster Mensch die Oberfläche des Erdtrabanten betrat. Oder war alles ganz anders – eine gigantische Inszenierung, um die Welt zu täuschen und technischen Fortschritt dort zu suggerieren, wo keiner war? Der Berliner Student Georg Brand findet bei seinen Recherchen heraus, warum damals das eigentliche, von John F. Kennedy begonnene Raumfahrtprojekt auf jeden Fall scheitern musste.

_Der Autor und die Macher_

Jan Gaspard ist ein Pseudonym. Der reale Mensch hat immerhin eine Mailadresse – das ist doch schon mal was. Laut Verlag soll der Rechercheur für Unternehmer wie Axel Springer, Ross Perot, Rupert Murdoch und sogar Dick Cheney gearbeitet haben. Wer’s glaubt, sollte ihn engagieren. Er zeichnet für „Idee, Konzeption, Recherche & Buch“ verantwortlich.

Für die praktische Umsetzung dieser Steilvorlage sorgte hinsichtlich Regie, Produktion & Dramaturgie Lars Peter Lueg, seines Zeichens Verlagsleiter von |LPL records|. Für den „heiligen Geist“ in Form von „Inspiration“ sorgte Koproduzent Marc Sieper. Schnitt, Musik und Tontechnik lagen in den kompetenten Händen von Andy Matern. Markus Wienstroer bearbeitete die Gitarren in der Titelmelodie – das Ergebnis kann sich wirklich hören lassen. Die Aufnahmeleitung oblag Anno Storbeck.

|1. Staffel von „Offenbarung 23“:|
1) [„Wer erschoss Tupac?“ 1934
2) [„Tupacs Geheimnis“ 1948
3) [„Die ‚Titanic‘ darf nie ankommen“ 2012
4) [„Die Krebs-Macher“ 2015

Einschub: [„Offenbarung 23 – Machiavelli“ 2472

|2. Staffel:|
5) [„Das Handy-Komplott“ 2576
6) [„Der Fußball-Gott“ 2577
7) [„Stonehenge“ 2590
8) [„Macht!“ 2591

|3. Staffel:|
9) [„Gier!“ 3104
10) [„Die traurige Prinzessin“ 3113
11) [„Die Hindenburg“ 3131
12) [„Der Piratenschatz“ 3136

|4. Staffel:|
13) [Das Wissen der Menschheit 3885
14) [Das Bernsteinzimmer 3887
15) [Durst! 3900
16) [Krauts und Rüben 3934

|5. Staffel:|
17) [Die Waterkant-Affäre 4340
18) [Menschenopfer 4362
19) [Angst! 4537
20) [Die Pyramiden-Saga 4554

Einschub: 21) [Jack the Ripper 4875 (Live-Lesung)

|6. Staffel:|
22) [Der Fluch des Tutanchamun 5040
23) [Der Jungbrunnen 5171
24) [Ausgespäht und Ausgetrickst 5229
25) [Sex and Crime 5260

|7. Staffel:|
26) [Wer hat Angst vor Norma Jeane? 5403
27) Der Mann im Mond
28) Der Untergang der MS Estonia
29) 9-11

Mehr Infos: http://www.offenbarung-23.de sowie http://wiki.jan-gaspard.net/ und http://www.vertraue-niemandem.net.

_Die Sprecher_

In der Riege der Sprecher finden sich etliche einschlägig vorbelastete Herrschaften, die man schon aus dem Hause |LPL records| kennt:

„Stimme der Wahrheit“: Friedrich Schoenfelder (David Niven, Peter Cushing, Vincent Price)
Ian G.: Till Hagen (Kevin Spacey, Billy Bob Thornton)
Georg Brand alias T-Rex: David Nathan (Johnny Depp, Christian Bale)
Nat Mickler: Helmut Krauss (Marlon Brando, James Earl Jones)
Kim Schmittke: Dietmar Wunder (Daniel Craig)
Miles Davison, NSA: Michael Pan (Martin Short, Brent ‚Data‘ Spiner)
John F. Kennedy: Oliver Siebeck (‚Vegeta‘ in „Dragon Ball Z“, ‚Velal‘ in „Deep Space Nine“)
Neil Amstrong: Tobias Kluckert (Tyrese Gibson, Seth Rogen)
McCandless: Lutz Schnell (Kevin Chapman, Eddie Marsan)
Buzz Aldrin: Rainer Fritzsche
Tatjana Junk alias Nolo: Marie Bierstedt (Kirsten Dunst, Kate Beckinsale)
Intro: Benjamin Völz (Keanu Reeves, James Spader) & Jaron Löwenberg (Adrien Brody in „King Kong“)

_Vorgeschichte_

Der Berliner Informatikstudent Georg Brand, in Hackerkreisen als „T-Rex“ bekannt, ist auf eine Verbindung zwischen dem besten deutschen Hacker Boris F. alias „Tron“ und dem Rapper Tupac Shakur gestoßen. Alle möglichen Leute, die Geheimnisse aufdecken oder vertuschen wollen, interessieren sich auf einmal für T-Rex. Während Georg mit Trons ehemaliger Freundin Tatjana Junk alias Nolo anbandelt, meldet sich Tron quasi aus dem Jenseits: Er ist seit 1998 offiziell tot. Ist er das wirklich? Jedenfalls gibt Nolo Georg eine „Chiffre“ nach der anderen in die Hand. Chiffren sind eine Umschreibung für Hinweise auf die Geheimnisse, die Tron vor seinem Tod aufgedeckt hat – brisanter Stoff sozusagen. Inzwischen hat der Arzt Nathan Mickler Nolo in dieser Rolle abgelöst.

_Handlung_

Georg liegt am Montag nach einem turbulenten Wochenende auf der Couch bei Dr. Nathan Mickler, seinem Mentor und Helfer. Das Band läuft. Unser Hackerfreund hat in letzter Zeit böse Träume, geradezu Visionen, die er mit denen des heiligen Antonius vergleicht. Er berichtet, in seinen Träumen laufe er vor etwas oder jemandem davon. Dann keucht er: „Sie haben den Präsidenten umgebracht!“

Er meint John F. Kennedy, der im November 1963 einen Attentat zum Opfer fiel. Rückblende: JFK forderte in einer seiner ersten Reden, dass die Vereinigten Staaten einen Mann auf den Mond bringen sollten: Das amerikanische Raumfahrtprogramm sollte das der Russen übertreffen, die bereits Juri Gagarin in eine Umlaufbahn geschossen hatten.

Mickler erwähnt, er habe Georg auf der Ostseeinsel Ruden in der Nähe von Usedom gefunden. Auf Usedom hatten die Nazis Wernher von Brauns Raketenerprobungseinrichtungen betrieben. Und von Braun hatte später Kennedys Raketenprogramm so weit entwickelt, dass die Amis mit einer Saturn-V-Trägerrakete Apollo 11 auf den Mond bringen konnten. Die Frage ist nun: Was hatte Georg auf Ruden zu suchen?

Georg erzählt. Nach der letzten Sitzung mit Mickler am Freitag fuhr er mit seinem Kumpel Kim Schmittke seiner Freundin Nolo alias Tatjana Solnzekow hinterher. Die wollte aber nichts von ihm wissen, sondern drohte mit den Knarren finsterer Typen, die ihr folgten. Ein GPS-Sender erlaubte es Georg und Kim, sie dennoch zu verfolgen: nach Peenemünde. Dort standen in einem aufgelassenen Bergwerk die in Mainz gestohlenen Server Ian Gs. Sie waren Nolos Lebensversicherung (siehe Folgen 26 und 24).

Als Nolo und ihr Bruder wieder abgezogen waren, brach Kim das Schloss des Serverlagers auf. Georg wollte Ian Gs Daten klauen, doch das war gar nicht so einfach. Es gab kein WLAN, und die Server waren beschädigt. Er brachte eine Festplatte zum Laufen und sah sich die Dateien an: Ausgerechnet mit dem Mondprogramm hatten sie zu tun. Eine Tondatei enthielt die Funksprüche der Astronauten um Neil Armstrong – aber in einem Filmstudio! Flogen die Amis also wirklich zum Mond oder war das nur ein riesiger Fake?

Die National Security Agency (NSA) gab dazu 1974 mehrere Memoranden heraus, wonach die Bilder vom Mond echt seien. Die NASA wollte sogar ein Buch schreiben lassen. Dagegen sprechen aber Bill Kaesings Einwände von 1976, wonach alles eine Lüge war. Hatte Kaesing seine Informationen wohl von der NSA bekommen, aber was hatte er damit vor? Er war beim Militär, bei der Marine, und baute später die Triebwerke der Saturn-V-Rakete.

Deren Bau und alles andere im Mondprogramm kostete seinerzeit rund 30 Milliarden Dollar – eine schöne Stange Geld. Aber das Geld fehlte bei den Rüstungsausgaben, und das fanden die Produzenten von Rüstungsgütern, der militärisch-industrielle Komplex, alles andere als nett. Sie taten alles, um das Mondprogramm zu sabotieren, und schafften es, dass es nach Apollo 13 oder 14 eingestellt wurde. Die Kriegstreiber hatten für einen sehr lukrativen Krieg in Südostasien zu produzieren, nicht mehr für den Mondflug. Erst brachten diese Falken Kennedy um, dann durch Kaesings Lügentheorie seine größte Errungenschaft, das Mondprogramm.

Georg erzählt weiter. Kaum hatte er die Tondateien usw. abgehört, trat der amerikanische Agent Miles Davison von der NSA, den er von früher kannte (Folge 9), in den Serverraum. Er wollte unbedingt Trons Laptop haben …

_Mein Eindruck_

Jan Gaspard, der Autor mit dem Pseudonym, arbeitet immer noch die fünfziger und sechziger Jahre ab. Dies ist schon die zweite Episode, in der er die Ära John F. Kennedys abklopft. War der Selbstmord Marilyn Monroes nicht doch ein Mord? Und fand die Mondlandung vom Juli 1969 tatsächlich statt? In der Scheinwelt der Regierungen und Geheimdienste lassen sich auch Großereignisse inszenieren. Das hat Hollywood schon Anfang der siebziger Jahre so formuliert und gezeigt. Diesmal rennt Gaspard also offene Türen ein.

Was weiß er uns Neues zu bieten? Es ist weiß Gott nicht allzu viel. Ein paar NSA-Memoranden, dann die sattsam bekannte Theorie von Bill Kaesing, die Hollywoods Drehbuchautoren eine Steilvorlage lieferte, und schließlich die verblüffende Tondatei aus dem Filmstudio. In diesem Mondlandungs-„Projekt“ treffen also die Scheinwelten des Kinos und der Regierungspropaganda aufeinander und gehen eine unheilige Allianz ein. Es wäre nicht das erste Mal.

Doch wie gelangt dann Georg auf eine einsame Insel vor Usedom, quasi als moderner Robinson Crusoe? Dieses traurige Schicksal hat er einem Agenten der US-Regierung zu verdanken, wie könnte es anders sein? Es ist recht spannend inszeniert, wie sich Georg und Kim die Daten-Preziosen über die Mondlandung reinziehen und gleichzeitig unheimliche Geräusche sich nähernder US-Agenten im Hintergrund immer lauter werden.

Selbstredend kommen Kim und Georg nicht mehr rechtzeitig aus ihrem Bunker raus. Oder doch? Noch während Georg mit dem NSA-Agenten redet, der den Laptop Trons haben will, schleicht sich Kim durch den Hinterausgang hinfort. Georg spielt den Jesus-Part und lässt sich von den Schergen des Bösen um ein Haar opfern. Denn es ist ja schließlich das stets wiederholte Motto der Serie, dass die Wahrheit unsterblich sei und frei mache. Damit knüpft die Serie an das Motto von „Akte X“ an: „Die Wahrheit ist irgendwo dort draußen.“ Im Gegensatz dazu ist jedoch die Wahrheit von „Offenbarung 23“ immer hier unten bei den Irdischen. Das macht die Serie so sympathisch und halbwegs glaubwürdig.

Die Episode endet in einem dramatischen Wettlauf um Leben und Tod, weit draußen auf der Ostsee. Georg kann sich trösten, dass er die NSA-Agenten von Kim und dem Laptop abgelenkt hat. Das finden die Agenten keineswegs lustig. Jetzt muss Georg bloß noch den Kopf über Wasser halten. Buchstäblich.

|Die Inszenierung|

In dieser Folge macht die Dramaturgie nicht mehr den Fehler wie in der Nitribitt-Episode „Sex and Crime“. Dort wurden jede Menge Informationen übereinandergestapelt, bis der arme Georg Brand davon schier erschlagen wurde – und wir mit ihm. In Folge 26 zeigte sich, dass dies nur die Vorbereitung auf den nächsten Blondinenfall war: Marilyn Monroes Tod. Parallel fand in Folge 26 die Story um den Agenten Ian G ihre Fortsetzung.

Auch Nolo, eine weitere verdächtig künstlich wirkende Blondine, geriet wieder ins Scheinwerferlicht. Mit Ian G, Nolo und Georg geht die Handlung in die nächste Runde. Das Mondlandungs-Fake spielt sozusagen nur die zweite Geige, aber das ist in Ordnung. Vorträge über Verschwörungen haben wir mittlerweile genug geboten bekommen.

_Unterm Strich_

Die in Folge 26 mit „Wer hat Angst vor Norma Jeane?“ begonnene (oder vielmehr weitergeführte) Dramaturgie der parallelen Handlungsführung zahlt sich auch diesmal aus. Nolo führt Georg zu ihrem Versteck, wo weitere Enthüllungen darauf warten, präsentiert zu werden. Zugleich steigt die Gefahr der Entdeckung und sogar des Getötetwerdens durch finstere Schergen des US-Geheimdienstes.

All dies liegt jedoch zum Glück bereits hinter Georg, denn er selbst liegt bereits auf der Couch seines Psychiaters. Den er hat er nach so viel Aufregung auch dringend nötig. Noch ein netter Trick, alles als große Rückblende aufzubauen. Aber er entrückt das spannende Geschehen aus der Welt eines James Bond in die Distanz der beschaulichen Rückschau, die Sicherheit garantiert.

Letzten Endes, so das Signal an den Hörer, geht es nicht um die Action wie bei Bond, Bourne & Co., sondern um die Info, genau wie in „Akte X“. Das ist begrüßenswert, denn genau das ist ja der Grund, warum man mehr über Verschwörungen und Regierungsschweinereien erfahren möchte. Die Dreckarbeit können dann immer noch Bond, Bourne & Co. erledigen.

Das Hörspiel ist von |Lübbe Audio| und |LPL records| gewohnt sorgfältig produziert worden, und ich habe an der Technik nichts auszusetzen. Die Stimmen der Hollywoodschauspieler verleihen der Inszenierung etwas Filmglamour. Die Story wartet in der Regel mit Verschwörungstheorien, Kurzinfos, Hacker-Eskapaden und allerlei zwielichtigen Aktionen auf.

|ca. 64 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3685-2|
http://www.offenbarung-23.de
http://wikibeta-offenbarung-23.de
http://www.lpl.de
http://www.luebbe-audio.de

Die drei ??? – Im Auge des Sturms (Folge 197)

Die Handlung:

„Finde Finnley! Er ist in Gefahr!“ Kurz darauf verliert der Surfer, den Peter verletzt am Strand findet, das Bewusstsein. Doch: Wer ist Finnley? Auf ihrer Suche quer durch Rocky Beach werden Justus, Peter und Bob von einem mysteriösen Mann verfolgt. Vor allem aber muss Peter sein Können als Surfer unter Beweis stellen. Wird es den drei Detektiven gelingen, auch diesen Fall zu lösen? Die Zeit wird knapp, denn ein gewaltiger Sturm zieht auf! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Ok, der Klappentext verbreitet ja schon mal die nötige Dramatik, um den Interessenten zum Kauf des Hörspiels zu animieren. Aber, wieso drängt die Zeit? Kann man während eines Sturms nicht mehr suchen oder ist Finley noch im Wasser? Klingt nach einem Fall für Peter, den Sportlichsten der drei Detektive.

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Hohlbein, Wolfgang – Raven – Die Rache der Schattenreiter

_Horror-Fantasy: Nr. 13 spielt Schicksal_

Der Privatdetektiv Raven und seine Freundin Janice Land verbringen auf der südenglischen Isle of Wight ihren ersten gemeinsamen Urlaub. Nach einer heftigen Auseinandersetzung auf der Rückfahrt von einem Volksfest sehen sie plötzlich einen Trupp Berittener vorbeipreschen: Schattenreiter! (Die kennt Raven schon aus seinem ersten Abenteuer.) Raven will Janice vor ihnen in London verstecken, doch an der Fähre werden sie von Polizei angehalten. Es hat zwei Morde gegeben – und Raven und Jance sind die Top-Verdächtigen … (abgewandelte Verlagsinfo)

_Der Autor_

Wolfgang Hohlbein, geboren 1953 in Weimar, hat sich seit Anfang der achtziger Jahre einen wachsenden Leserkreis in Fantasy, Horror und Science-Fiction erobert und ist so zu einem der erfolgreichsten deutschen Autoren geworden (Auflage: 35 Millionen Bücher laut |Focus| 40/2006). Zuweilen schreibt er zusammen mit seiner Frau Heike an einem Buch. Er lebt mit ihr und einem Heer von Katzen in seinem Haus in Neuss.

_Der Sprecher & das Team_

David Nathan, geboren 1971 in Berlin, gilt laut Verlag als einer der besten Synchronsprecher Deutschlands. Er leiht seine Stimme Darstellern wie Johnny Depp, Christian Bale und Leonardo DiCaprio. Er hat beispielsweise das Hörbuch [„The Green Mile“ 1857 von Stephen King ausgezeichnet gestaltet. Nathan liest eine von Katia Semprich bearbeitete Fassung.

Regie führte Kerstin Kaiser, die Aufnahme leitete Fabian Frischkorn, die musikalischen Motive trugen Horst-Günter Hank und Dennis Kassel bei.

_Handlung_

|PROLOG: Rekrutierung|

Irakische Soldaten lagern mit ihren Panzern am Rande des Mündungsgebietes von Euphrat und Tigris (dem Schatt el-Arab), als ihr Kommandant Charbadan eines Nachts Zeuge eines geisterhaften Phänomens wird. Aus einer Felswand, die von einer Explosion weggesprengt wird, erscheinen die schwarzen Schatten gigantischer Reiter. Sind dies Geister der Toten aus der nahen Burgruine? Insgesamt zwölf von ihnen formieren sich in einer Linie, bis ihr Anführer eine blitzende Waffe zieht: einen Säbel. Mit bloßen Kugeln ist den Schattenreitern jedoch nichts anzuhaben, wie sich im Laufe des Gefechts erweist.

Charbadan befiehlt den Rückzug, doch seine Männer sind zu langsam und werden alle niedergemacht, bis er selbst als Einziger überlebt. Der Anführer der Reiter, die ihn umzingeln, lobt Charbadans Mut und bietet ihm an, sich ihnen anzuschließen. Sie hätten einen Auftrag zu erfüllen und eine Rache zu vollziehen, denn einer von ihnen sei getötet worden. Erst wenn sie wieder dreizehn seien, seien sie wieder vollständig. Als sich der Kommandant weigert, töten sie seinen Körper, ohne mit der Wimper zu zucken. Seine Seele jedoch schließt sich ihnen an: der 13. Reiter.

|Haupthandlung: Charbadans Bewährungsprobe|

Privatdetektiv Raven macht mit seiner Freundin und Geschäftspartnerin Janice Land einen wohlverdienten Urlaub auf der südenglischen Isle of Wight. Doch am Vorabend ihrer Abreise haben sie wegen einer Nichtigkeit Streit, woraufhin Janice in den nahen Wald davonstürmt. Als er sie wiederfindet, muss er feststellen, dass sich ein cleverer Dieb den Mietwagen gekrallt hat. Doch was Raven erst am nächsten Morgen erfährt: Der Dieb – er heißt mal Jeremy, mal Andrew Tebbitt – ist nicht weit gekommen, denn ein Schattenreiter hat ihn angehalten und ihm den Garaus gemacht.

Am nächsten Morgen werden Raven und Janice kurz vor dem Besteigen der Fähre, die sie zum Festland bringen soll, von Inspektor Belders Polizeitruppe gestoppt. Er ist sehr höflich und möchte sie lediglich zu ihrem Mietwagen befragen. Raven hat nicht vor, ihm von der Horde Schattenreiter zu erzählen, vor denen er und Janice letzte Nacht in Deckung gehen mussten. Er weiß, dass Belders ihn für bekloppt halten müsste.

Der Inspektor erzählt, dass es am Vortag zwei Morde auf der Insel gegeben: ein Autofahrer namens „Andrew Tebbitt“ wurde aufgespießt in Ravens Mietwagen gefunden, und ein Yachtbesitzer wurde vor der Küste von Säbeln praktisch zerfetzt. Die Frau dieses Frank Callamis habe einen schweren Schock erlitten und fasele nur etwas von „Reitern“ – auf offener See, ist es zu fassen? Raven bleibt jedoch völlig ernst und empfiehlt Belders, in London bei Scotland Yard mit Inspektor Cart zu sprechen.

Janice Land durfte frühzeitig das Polizeirevier verlassen und ist in ihre Pension zurückgekehrt. Hier erhält sie jedoch ungebetenen Besuch. Zuerst hört sie ein Wiehern, das die Stille beendet, dann ein Lachen, und jemand bezeichnet sie als „Närrin!“ Das gefällt ihr nun keineswegs, doch bevor sie protestieren kann, materialisieren sieben Schattenreiter in ihrem Wohnzimmer. Der Anführer schickt einen Reiter vor, den er als Charbadan bezeichnet. Dieser tritt vor und hebt den Säbel, um zum tödlichen Schlag auszuholen …

Nach dem Gespräch mit Cart glaubt Belders an die Existenz der Schattenreiter, von denen Raven einen getötet hat. Die aktuellen Schattenreiter sind hier, um sich dafür an ihm zu rächen. Und wahrscheinlich auch an Janice! Belders und Raven lassen sich sofort von einem Polizisten zur Pension fahren, doch weit vor ihrem Ziel blockieren sechs schwarze Reiter die Straße. Und nach ihren gezückten Säbeln zu urteilen, haben sie nicht vor, den Weg zu Janices Rettung freizugeben …

_Mein Eindruck_

Hohlbein hat die Hauptfiguren, die Schattenreiter, mit einer gewissen Verwundbarkeit ausgestattet, so dass es durchaus möglich ist, sie zu bekämpfen – für den, der schnell genug ist, ihren Waffen entgegenzutreten. Dennoch kommt Privatdetektiv Raven zu spät, um seine Janice vor den Klauen der Horrorgestalten zu retten. Sie wird in die nächste Dimension entführt, und es gelingt ihm, ihr zu folgen, bevor sich das Tor zu dieser Dimension schließt. Wie in jeder Serie, muss auch hier eine Fortsetzung folgen, so dass sich niemand über das offene Ende zu wundern braucht.

|Genrefiguren|

Die Nähe zu Hohlbeins Lovecraft-Geschichten um den Hexer Robert Craven ist unverkennbar. Darauf weist auch die Namenswahl für den neuen Serienhelden RAVEN hin. Dass er keinen Vornamen hat, muss uns nicht wundern, denn er teilt dieses Schicksal mit vielen Comicfiguren. (Dass es einen Comic geben dürfte, ist wohl ebenso unausweichlich.) Dass er aber mit einer Verlobten, seiner Sekretärin Janice, und einem Maserati als Einsatzfahrzeug ausgestattet ist, widerspricht dem Fantasy-Genre und rückt die Figur in die Nähe von James Bond, welcher ja bekanntlich die Marken Aston Martin und BMW bevorzugt.

|Chabardan, der 13. Reiter|

Die interessanteste Figur in dieser Episode ist für mich der neue Rekrut der Schattenreiter, der Iraker Chabardan. Er ist der 13. Reiter, und die 13 ist insofern bedeutsam, als sie an die zwölf Apostel erinnert, aber noch einen draufsetzt. Außerdem bedeutet die 13 im christlichen Westen stets Unheil, was den Schattenreitern sicher nicht unrecht ist. (Wer will, kann auch an Michael Crichtons Roman „Der 13. Krieger“ denken. Doch der hieß im Original anders, nämlich „Eaters of the Dead“.) Jedenfalls ist die 13 eine sehr wichtige Zahl.

Aber Chabardan, der Neuling in ihrem Kreis, hat auch das Schicksal von Judas Iskariot zu teilen: Er verrät seinen Anführer und verändert dadurch die Regeln des Spiels. Der Grund für seinen Verrat ist durchaus verständlich: Schon als Soldat hatte er zu viele Leben auf dem Gewissen, und als Schattenreiter tötete er noch mehr, z. B. den Seefahrer Frank Callamis. Als er auch noch eine Frau killen soll, hat er vollends die Nase voll. Ich wünschte, alle Soldaten hätten so viel Gewissen wie er.

|Schwächen|

Janice verhält sich nicht wie eine erwachsene Frau, sondern wie ein Kind. Und sie gibt das auch noch selbst zu, als sie sich wieder mit Raven versöhnt. Dass sie nicht ganz die wehrlose Jungfrau in Not ist, beweist sie, als sie gegen die Schattenreiter ein Messer zückt. Das nützt ihr aber leider nichts. Schließlich muss Raven jemanden haben, den er retten kann …

Das größte Rätsel der Episode besteht jedoch in dem unerklärlichen Namenswechsel des Autodiebes. Erst wird eindeutig als „Jeremy Tebbitt“ eingeführt. Doch Inspektor Belders scheint falsche Daten zu haben. Er redet nur von einem gewissen „Andrew Tebbitt“. Für diesen Namenswechsel gibt es nirgends eine Erklärung, so als ob er nicht wahrgenommen würde. Ich gehe daher davon aus, dass sowohl dem Autor, dem ersten Lektor, der Redakteurin Katia Semprich und dem Sprecher David Nathan ein Fehler unterlaufen ist – eine ganze Menge Leute.

|Der Sprecher|

David Nathan stellt wieder einmal seine Meisterschaft beim Vortragen unheimlicher Texte unter Beweis. Es ist nicht nur seine Flexibilität in Tonhöhe und Lautstärke: Er flüstert und krächzt, dass für Abwechslung gesorgt ist. Aber sein eigentlich effektvoller Kniff ist die winzige Verzögerungspause vor einem wichtigen Wort. Der Eindruck entsteht, als gebe es einen Zweifel an diesem Wort und als zöge dieser Zweifel ein gewisses Grauen nach sich oder leite sich daraus ab.

Es ist der Unglaube angesichts des Schreckens, der sich dem jeweiligen Betrachter bietet, der den Zuhörer in den Bann von Nathans Vortrag zieht. Es ist die hintergründig mitschwingende Frage: Kann das wirklich wahr sein? Und wenn es wahr ist, dann ist es grauenhaft! Es ist dieses Grauen, das die Figuren angesichts der Schattenreiter erfasst, das wir über Nathans Vermittlung mit ihnen spüren können.

Es gibt zwar keine Geräusche, aber doch ein wenig Musik. Diese wird als Intro und Extro hörbar. Wie es sich gehört, stimmt sie den Hörer auf die unheimlich-angespannte Atmosphäre der Geschichte ein.

_Unterm Strich_

Bei Hohlbeins Kombination aus Fantasyhorror und Agententhriller handelt es sich um die modernisierte Variante seiner Geschichten um den Hexer von Salem, die im Dunstkreis von H. P. Lovecrafts Universum spielen. Jetzt haben die Großen Alten als Götter abgedankt, doch in Gestalt ihrer Diener, den Schattenreitern, suchen sie wohl unvorsichtige Zeitgenossen immer noch heim.

Der Schluss der ersten RAVEN-Episode ließ das Erscheinen weiterer Säbelreiter erwarten, und hier, in Episode 3, treten sie endlich auf. Unter ihnen ist der Neuling Chabardan der interessanteste: Nummer 13 spielt Schicksal. Und deshalb kann die Serie weitergehen.

David Nathan macht die unheimliche Geschichte zu einem besonders packenden Erlebnis. Die Musik von Horst-Günter Hank und Dennis Kassel stimmt den Zuhörer schon mal auf Grusel und Action ein. Bei „Schattenreiter“ setzen sie moderne elektronische Instrumente ein.

Wie es zu dem seltsamen Namenswechsel des Autodiebes kommen konnte, ist mir ein Rätsel. Aber dass so etwas vorkommt und nicht erklärt wird, lässt nicht gerade auf sorgfältige Arbeit seitens des Verlages schließen – weder anno 2003, als der Roman erschien, noch jetzt, drei bis vier Jahre später.

|70 Minuten auf 1 CD|
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Meirose, Astrid / Pruß, Volker / Bertling, Simon / Hagitte, Christian / Sieper, Marc / Ihrens, O. – Schattenreich 9: Totengeläut

_Ödipale Fahndung nach der Mutter_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Als ihn eine unsichtbare Macht ins Schattenreich entführt, enthüllen sich ihm die Nachtseiten der menschlichen Natur. Hinter den Masken bürgerlicher Wohlanständigkeit treibt ein skrupelloses Netzwerk ein größenwahnsinniges Spiel.

Der Äygptologe Prof. Jan Erik Walberg, der Christian anrief und treffen wollte, ist unauffindbar: Wurde er entführt? Oder hat er sich absetzen müssen, weil seine Forschungen an Mumien alle moralischen Grenzen überschritten haben? Ein grausiger Fund, den Christian Wagner in Walbergs Labor macht, lässt Schreckliches erahnen.

In einem unterirdischen Archiv entdeckt Wagner eine alte Inventarliste über die Öffnung eines Pharaonengrabs, signiert mit dem Zeichen der Nephilim, dem Auge des Horus. Wagner erkennt, dass die Vergangenheit die Gegenwart auf grausame Weise einholen wird. Oder ist er selbst Akteur in einem Spiel, welches das Leben nur simuliert? Eine Sternenkarte könnte ihm den Weg weisen.

Die Karte zeigt eine Planeten- und Mondkonstellation, die nur an einem bestimmten Tag stattfindet und auf eine Kultstätte verweist, die er finden muss – auf einer Nordseeeinsel. Dort findet ein ungeheuerliches Ritual statt, vorgenommen von seinem Mentor Dr. Bruno Schwab. Doch plötzlich tritt eine feindliche Gruppe auf. Ist die finale Auseinandersetzung der Nephilim mit den Titanen gekommen?

Was geschah vor fast 100 Jahren, das zwei befreundete Familien zu Feinden werden ließ? Des Rätsels Lösung scheint in den Tiefen der Villa Scholl zu ruhen. Wagner bemerkt zu spät, dass er selbst der Hüter des Geheimnisses ist. Er gerät unter den Einfluss einer Geheimgesellschaft. Deren Mitglieder sind Anhänger eines genialen Herrscherpaares, dessen Wirken die Kultur fast für immer aus dem Gedächtnis gelöscht hätte. Nun scheint ihre Zeit des Handelns gekommen zu sein. Doch wohin wird ihr Weg sie führen?

Folge 9: Abermals kehrt Christian Wagner auf die Insel seiner Kindheit und Jugend zurück. Hier hofft er die Wurzeln seiner ungeklärten Herkunft zu ergründen. Wird ihm der Weg in die eigene Vergangenheit zum Verhängnis werden? Als eine Sturmflut aufkommt, offenbart ihm die Insel noch ein anderes Geheimnis.

_Die Autoren_

Als Autoren zeichnen Astrid Meirose und Volker Pruß verantwortlich. Mehr über die Serie findet man unter http://www.schattenreich.net.

Folge 1: [Die Nephilim 2912
Folge 2: [Finstere Fluten 2914
Folge 3: [Spur in die Tiefe 3767
Folge 4: [Nachthauch 3790
Folge 5: [Im Grab des Ketzers 4437
Folge 6: [Echnatons Vermächtnis 4466
Folge 7: [Hinter schwarzen Spiegeln 5047
Folge 8: [Das blinde Auge des Horus 5186
Folge 9: Totengeläut
Folge 10: Prolog im Himmel (Schluss?)

_Die Sprecher & Die Inszenierung_

Die Rollen und ihre Sprecher:

Christian Wagner: Alexander Scheer
Tina Müller: Anna Thalbach
Alexa Voss: Anne Moll
Dr. Bruno Schwab: Volker Brandt (dt. Stimme von Michael Douglas)
Adrian Bloch: Norman Matt (Cillian Murphy, Jonathan Rhys-Meyers)
Max Lohmann: Manfred Lehmann (dt. Stimme von Bruce Willis)
Geheimnisvolle Frau/Billie Scholl: Daniela Hoffmann (dt. Stimme von Julia Roberts)
Gruftie / Gerold Gruber: Dero (|Oomph!|)
sowie Christian Stark (Arzt), Natalie Spinell (Taxifahrerin) und Oliver Rohrbeck (JJ) u. a.

ANNA THALBACH steht seit ihrem sechsten Lebensjahr vor der Kamera, dabei war der Weg zur Schauspielerei nicht so gerade, wie man es bei der Tochter von Katharina Thalbach annehmen könnte. Sie beginnt nach dem Abschluss der Mittleren Reife zunächst eine Hospitanz als Kostümbildnerin am Schillertheater. Doch der Hang zum Schauspiel überwiegt, und bald schon feierte sie selbst große Bühnenerfolge, so auch an der Seite ihrer Mutter in „Mutter Courage“.

DERO wurde am 16. April 1970 in Wolfsburg geboren. In der Band Oomph!, die 1989 gegründet wurde, ist er der Mann für den Gesang, die Texte, Drums, und Kompositionen. Der Weg zur Musik sah laut eigener Aussage für Dero so aus: „Auf diversen Familienfeiern in den 70ern wurde ich ‚gezwungen‘, mit meinem Vater (Gitarrist, Sänger) alle nur erdenklichen Elvis-Songs in grauenhaftem Englisch rauf und runter zu schmettern.“

|Die Musik:|

Secret Discovery: „Follow Me“
Arts of Erebus: Dawn of the Dead
Crematory: Pray
Red Cell: Substitute
Berliner Filmorchester und Kammerchor

Regisseur Simon Bertling und Tonmeister Christian Hagitte von |STIL| sorgten für die gute Produktion, die Musik und die Sounds; ihnen half Florian Müller. Die Produzenten sind Marc Sieper von |Lübbe Audio| sowie Oliver Ihrens von |Radar Media|, Bochum. Das interessante Booklet-Design stammt von Kai Hoffmann.

_Vorgeschichte_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Christian ist einer von neun Spezialschülern, den „Titanen“. So nannten sich vor 15 Jahren die Mitglieder einer Gruppe von jungen Hochbegabten, die von der Scholl-Stiftung gefördert und von ihrem Lehrmeister Dr. Volker Brandt ausgebildet wurden. Die Titanen, so Bruno, waren in der antiken Sage die Kinder von Göttern und Menschenfrauen. Die Nephilim hingegen waren die Kinder von Dämonen, die sich mit Menschenfrauen paarten: negative Titanen. Treibt hier jemand ein fieses Spiel mit den letzten Titanen?

Auf der rechten Ferse jeder Leiche findet er das gleiche Tattoo, das er selbst auch trägt: das ägyptische Ankh-Symbol, ein Henkelkreuz, das „Leben“ bedeutet. Es ist kombiniert mit dem „Auge des Horus“, das, wenn geöffnet, einen Schutzzauber darstellt. [Beide Symbole sind auf der CD selbst aufgedruckt.] Ist dieses Horus-Augen-Tattoo jedoch pupillenlos, also blind, dann handelt es sich um einen Nephilim, ein früheres, aber abtrünnig gewordenes Mitglied der „Titanen“.

Da Christian ein Waisenkind ist, das von der Industriellenfamilie Scholl aufgezogen wurde, bildet Brandt seinen Vaterersatz. Bei den Scholls lernte er Sibylle Scholl als seine Schwester kennen und machte sie zu seiner ersten Geliebten. Adrian Bloch, den er nun in seiner Heimatstadt wiedertrifft, war ebenfalls einer der „Titanen“. Die Familie Bloch ist mit den Scholls seit jeher befreundet.

Seit seiner Rückkehr sind bereits zwei der „Titanen“ umgekommen. Beide Leichen weisen eine Tätowierung an der rechten Ferse auf: das blinde Auge des ägyptischen Sonnengottes Horus, das Zeichen der Nephilim, eines Geheimordens. In den Rollenspielen der „Titanen“ war Christian stets der Gott Osiris, Sibylle die Göttin Isis und Adrian der eifersüchtige Gott Seth, der Osiris tötete. Doch wer war Horus, der Sohn des Osiris? Adrian treibt sich immer noch in der Stadt herum, als neuer Besitzer der Villa Scholl, dem Sitz der Titanen.

Dieser ägyptisch-mythologische Hintergrund könnte etwas mit dem Schicksal des Ägyptologen Prof. Jan Erik Walberg zu tun haben, der Christian anrief und treffen wollte, aber unauffindbar ist: Wurde er entführt? Als Christian mit der Journalistin Tina Müller zu Walbergs Labor fährt, findet er dort zwar eine Botschaft, wird jedoch auch mit dem Tod bedroht: durch eine Flutwelle aus dem nahen Stausee. Hat ihn jemand im Visier? Christian fühlt sich zunehmend verfolgt.

_Handlung_

|1. Akt|

Christian fliegt an Bord eines kleinen Flugzeugs, das Adrian Bloch steuert, zu der Insel, auf der aufgewachsen ist. Er will mehr über seine Herkunft herausfinden. Ist er wirklich ein Waisenjunge, oder verbirgt jemand ein Geheimnis vor ihm? Er hat eine Kopie des Geburtenregisters gefunden – in Adrians Unterlagen.

Ein Leuchtturm ist sein Ziel, und mit der Armeepistole des alten Scholl zwingt er Adrian, den Kurs zu halten und Antworten über die Titanen zu geben (siehe oben). Doch Christian muss einsehen, dass auch Adrian nur eine Schachfigur in einem größeren Spiel ist. Adrian muss den Anflug abbrechen und versucht eine Notlandung im Wald …

|2. Akt|

Als Christian im Krankenhaus der Insel erwacht, erlaubt der anwesende Arzt keine Polizei. Das macht Alexa Voss, der Polizeiinspektorin, nichts aus, denn sie gibt sich als Christians Freundin aus. Während sich der Patient noch bewusstlos stellt, wundert er sich, dass Alexa und die Journalistin Tina Müller einander duzen. Alexa sagt, sie liebe Christian, aber Tina, die bi ist, liebt auch Alexa.

Da tritt Kommissar Lohmann auf und wirft alle raus. Nachdem ihre Proteste verklungen sind, versucht er, sich von Mann zu Mann mit Christian zu unterhalten, um ein paar Antworten zu erhalten. Der immer noch simulierende Christian erhält auf diese Weise mehr Informationen. Lohmann will wissen, warum in Adrians Lungenflügel eine Kugel steckt. Handelt es sich etwa um einen perfiden Mordversuch? Zu dumm, dass Christians Waffe verschwunden sei. Es sei die gleiche Pistole, mit der seinerzeit auch Nathanael Bloch erschossen wurde.

Nachdem der Arzt seinerseits Lohmann rausgeworfen hat, fragt er ihn, warum sich im Kopf seines Patienten ein Chip befinde. Ist es ein Sender? Ein Dr. Schwab habe angerufen, der Christian als seinen Sohn bezeichnete. Aber auch Tassilo Bloch habe Christian seinen Sohn genannt. Wie das denn, bitteschön, zusammenpasse? Schwab wolle ihn in eine Privatklinik verlegen lassen.

|3. Akt|

Sobald Christian etwas mehr Schlaf getankt hat, begibt er sich zu Adrian, um sich bei ihm zu entschuldigen. Er weiß, er muss hier weg. Mit dem Taxi lässt er sich zum Leuchtturm kutschieren. Bei dem Sauwetter?, fragt die Taxifahrerin zickig. Sie kennt den dort wohnenden Sterngucker JJ ebenfalls. JJ ruft dem eintretenden Besucher aufmunternd zu, es seien bloß 176 Stufen bis zur Plattform. Na, prächtig.

Schon das Blut auf den Stufen kommt Christian reichlich unheimlich vor. Erschreckend sind jedoch das Chaos und die Verwüstung, die er in der Wohnung des Leuchtturmwächters vorfindet. Da geht plötzlich das Licht aus. Christian wird niedergeschlagen und sieht wieder mal Phantome. Als es wieder angeht, liegt die Scholl-Pistole auf dem Tisch des Zimmers. Und dahinter steht Dr. Bruno Schwab. Wieso nur sieht er Tassilo Bloch so ähnlich?

Christian misstraut Schwab, der erneut behauptet, er sei sein Vater und habe die Pistole hier vorgefunden. Er lehnt es sogar ab, Schwabs Tee zu trinken. Schwab sieht ein, dass hier nur noch die Wahrheit hilft. Endlich erfährt Christian, wer seine Mutter war …

|TOP SECRET!|

((CWs Mutter Sylvia verschwand vor seiner Geburt und kehrte ohne den Enkel des alten Siegmund Scholl zurück, um ihren Sohn vor dessen Ränkespielen zu bewahren. Die Familie log und verbarg, was geschehen war, so auch das Kind. Schwab fand Christian endlich auf der Insel und musste seinen Sohn als Findelkind ausgeben. Seine Amme war Madame Margarethe. Sylvia wollte verhindern, dass eine Weissagung sich erfüllte.))

_Mein Eindruck_

Es sieht ganz so aus, als wollte diese ziemlich überflüssige Hörspiel-Serie tatsächlich endlich auf die Zielgerade einbiegen. Was ich mich schon die ganze Zeit gefragt habe, kommt Christian Wagner jetzt erst in den Sinn: Wer, zum Geier, war seine Mutter und was wurde aus ihr? Die arme Sylvia – da soll sie nun den Heiland der Christenheit zur Welt bringen, wenn es nach den Nephilim geht! Kein Wunder also, dass sie ausbüchst, untertaucht und den Sohnemann erst einmal undercover großzieht. Klar, dass Christian sich jetzt – eigentlich – auf die Socken machen sollte, sein Mütterlein zu finden.

|Rätsel|

Ansonsten bietet die Folge weitere Rätsel der gleichen Marke, die wir schon zur Genüge vorgesetzt bekommen haben, und deren Nichtbeantwortung die Macher der Serie in die Lage versetzte, diese Serie schier ad infinitum weiterzuführen. Was soll beispielsweise der Chip in Christians Kopf bewirken? Wird er ferngesteuert und überwacht, oder hat das Ding einen anderen Zweck?

Damit auch ein wenig Erotik das gewohnte Verwirrspiel würzt, wird der umtriebigen Tina Müller, ansonsten stets als Christians Schutzengel aufgetreten, flugs eine bisexuelle Veranlagung angedichtet. Klar, dass sie nun Alexa begehrt, doch die hat nur Augen für ihren Schwarm Christian. Da fragt man sich doch nach dem wahren Grund. Der natürlich (vorerst) nicht verraten wird.

|Der Vater|

Fragwürdig ist auch die Rolle von Dr. Bruno Schwab. Zunächst hat er sich als Mentor Christians aufgeführt, doch nun behauptet er auf einmal, sein leiblicher Vater zu sein. Hätte er ihm das nicht früher sagen können? Doch auch dies ließen die Autoren nicht zu, um uns mit Chris im Dunkeln tappen zu lassen. Frei nach dem sattsam zitierten „Faust“-Vers „Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange“ usw. (Gemeint ist wohl nicht der Harndrang …)

|Faust|

Derlei Banalitäten kann man nur mit dem Spruch „Ein blindes Huhn findet auch mal nen Korn“ beantworten. Denn Christian ist weiß Gott kein faustischer Typ, der nach dem Geheimnis strebt, das die „Welt im Innersten zusammenhält“. Er geht auch keinen Teufelspakt mit einem Mephistotypen ein. Er ist lediglich ein Experiment, ein Wetteinsatz, und versucht sich aus der Verstrickung in die Verschwörung der Puppenspieler, der Nephilim, zu befreien. Na, dann viel Erfolg! Vielleicht ist Chrissi nur ein später Nachfahre von Ödipus, der seinen Vater töten und mit seiner Mutter schlafen will. Nix is unmöglich.

|Titel|

Der Episodentitel bezieht sich auf die Schlussszene, in der inmitten einer Sturmflut eine versunkene Stadt ihre Glocken läuten lässt und ein Meer toter Gesichter Christians halb träumendes Auge erschreckt. Was dies alles mit dem Rest zu tun hat, wissen nur die Autoren. Und die verraten nix.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Alexander Scheers raue Raucherstimme passt zum Möchtegerndetektiv à la Philip Marlowe, der nur per Zufall zum Kulturwissenschaftler geworden zu sein scheint. Der Typ Humphrey Bogart steht im Widerspruch zu Chrissis bisherigem Herumgestolpere. Jetzt erst nimmt Chrissi auch eine Knarre in die Hand und weiß sie einzusetzen, um Antworten zu erhalten.

Sein Gegenteil, ein Ausbund an Disziplin, Liebe und Pflichtbewusstsein, bildet die Rolle der Alexa Voss, gesprochen von Anne Moll (zuvor Sandra Speichert) Sie tritt in dieser Episode gleichberechtigt neben der kindlich-eifrigen Tina Müller, gesprochen von Anna Thalbach, auf. Tina Müller hat die Funktion des Schutzengels und darf folglich überall auftreten, wo Chris in Not ist.

Diesmal sprechen mehrere Stimmen aus dem Off, befinden sich also nicht auf der „Bühne“, sondern nur in Christians Erinnerung. Dazu gehören Bruno, Christians leiblicher Vater, sowie Sigmund Scholl, sein Ziehvater, bei dem er aufwuchs. Dass immer mal wieder Isis alias Billie Scholl etwas zitiert, sollte man ebenfalls festhalten.

|Die Geräusche|

Die Geräuschkulisse des Hörspiels ist nicht allzu realistisch. Man hört nicht jede Tasse klappern, nicht jedes Auto vorbeirauschen. Vielmehr stehen die Kommunikationsmittel im Vordergrund: Der Tower des Flughafens der Insel meldet sich, schier überlagert vom Motorengeräusch des Propellers. Das EKG-Gerät piept ebenso im Hintergrund, um zu signalisieren, dass die Hauptfigur in einem Patientenzimmer liegt.

Um das Turmzimmer in luftiger Höh‘ zu positionieren, brausen Wind und Brandung derart, dass sich Christian nicht hinaus auf die Plattform traut. Klasse fand ich das Geräusch des Schusses aus Christians Pistole. Wen es trifft, soll hier nicht verraten werden.

Häufig sind die Stimmen durch Hall verstärkt oder durch Effekte verzerrt, so etwa um eine Fluglotsenstimme aus dem Lautsprecher nachzubilden. (Die Lautsprecher sind in Hörspielen grundsätzlich auf dem Stand der siebziger Jahre und klingen entsprechend kratzig.)

Darf man sehr tiefe Bässe noch zu den Geräuschen und Effekten zählen, oder sind sie bereits zur Musik zu rechnen? Egal, sie seien an dieser Stelle mal hervorgehoben. Sie werden in den |Schattenreich|-Hörspielen nämlich regelmäßig eingesetzt, um Angst zu erzeugen, nicht etwa bei der jeweiligen Figur, sondern im Zuhörer. Sie sind deshalb so tief, damit dieser Vorgang unbemerkt bleibt und unterschwellig wirken kann.

|Die Musik|

Spätestens nach einer halben Stunde des Anhörens verhärtet sich im Zuhörer der Verdacht, dass die ganze Handlung eigentlich nur ein Vorwand ist. Nämlich der Vorwand, um möglichst viel deutsche Neo-Gothic-Musik abspielen zu können. Die oben aufgeführte Interpretenliste ist nur die Spitze des Eisbergs dessen, was den Zuhörer erwartet. Es verwundert nicht, dass in die Produktion des Hörspiels Firmen wie |Radar Media|, |STIL| (für die professionelle Soundproduktion) und das Musikmagazin |Sonic Seducer| eingebunden sind.

Letzteres hat sich mit einem Aufkleber auf der Hülle verewigt. |Radar Media| ist im Booklet mit einer ganzen Seite Werbung vertreten. |Radar| hat das Copyright und die Markenrechte für „Schattenreich“ inne, folglich war die Firma auch an der Produktion beteiligt. Und da es in ihrem Interesse liegt, die Bands wie |Rammstein|, |Oomph!| usw. zu vermarkten, packte sie natürlich so viel Musik wie möglich auf die Silberscheibe.

Diese Dinge sollte man wissen, wenn man die Musikeinlagen des Hörspiels bewertet. Plötzlich wird aus der Handlung nicht das Hauptgericht, sondern lediglich die Beilage. Deshalb dröhnt unvermittelt der Leadsong „Follow me“ durch die Boxen, nachdem bereits ein Donnerschlag den Zuhörer aus seiner Bürgerruhe aufgescheucht hat. Es gibt anschließend kaum eine ruhige Minute, in der keine Musik erklingt. Hier hat |Radar Media| ganze Arbeit geleistet.

Immerhin ist es in den jüngsten Episoden nicht mehr ganz so schlimm wie auf den ersten beiden CDs, denn jetzt wird der Hauptfigur mehr musiklose Zeit zum Nachdenken gegönnt. Die Lauscher stellten sich mir auf, als ein deutscher Text von einer Sängerin zu einem Piano gesungen wurde, so dass ich endlich einmal den Text verstehen konnte. (Die Neo-Gothic-Sänger scheinen einen Horror davor zu haben, ihre Stimme unverzerrt und verständlich einzusetzen, wahrscheinlich weil ihre Texte zu schlecht sind.)

|Webseite|

Hinweis: Auf http://www.schattenreich.net findet man das Tagebuch einer Figur, um die es immer wieder im Hörspiel geht. Ich tippe als Autorin auf Sibylle „Billie“ Scholl, die angeblich beim Brand ihrer Klinik umgekommene Billie, Christians Geliebte. Das Tagebuch bietet zusätzliche Hintergrundinformationen.

_Unterm Strich_

Wieder einmal lässt eine „Schattenreich“-Folge den Hörer mit Frustbeulen zurück – und hungrig nach mehr Informationen. Der arme kleine Chrissi Wagner kriegt es einfach nicht geregelt, das Internet zu benutzen und dort nach seiner verschwundenen Mutter zu suchen. Denn dass sie unter der Erde sein soll, wurde meines Wissens nicht erwähnt. Und Chrissis Papi führt sich auch alles andere als glaubwürdig auf.

Die Verlagerung des Showdowns in die Spitze eines Leuchtturms ähnelt diese Folge fatal der 4. Folge von [„Die Alchimistin“. 5263 Man fragt sich, ob die „Inspiration“ der Autoren nicht doch eher aus Imitieren und Kopieren besteht.

|Zielgruppe|

Die Reihe „Schattenreich“ wendet sich an die gleiche Zielgruppe wie die Musik-CDs, die DVDs und die TV-Produktionen (von denen ich bislang nichts gesehen habe): Gothic-Rock-Freunde, für die Musik nicht nur Unterhaltung, sondern eine Lebenshaltung und eine modische Aussage darstellt. Anstelle von Vampiren und anderem blutigem Gesocks treten aber in „Schattenreich“ nur jede Menge mystisch gestimmte Typen auf, die sich irgendwie zwielichtig aufführen. Ford Prefect würde sagen: „Weitgehend harmlos“. Der Einzige, der gefährlich ist, ist die Hauptfigur Chrissi Wagner.

|Design muss sein|

Wie bei allem, was das Studio |STIL| produziert, ist das Produkt hinsichtlich Sound und Optik vom Feinsten. Immerhin erreichen das Studio und der |Lübbe|-Verlag eine neue Zielgruppe, die mit „Offenbarung 23“ nur unzureichend angesprochen wird: die Gothic-Rockfans, die auf Bands wie |Rammstein|, |Oomph!| und |IAMX| stehen. Diesbezüglich kann „Offenbarung 23“ glatt einpacken. Wer die Songs runterladen will, findet auf |schattenreich.net| den Link dorthin.

|55 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3591-6|
http://www.schattenreich.net
http://www.luebbe-audio.de
http://www.stil.name
http://www.sonic-seducer.de
http://www.radar-net.de

Gaspard, Jan / Lueg, Lars Peter / Sieper, Marc – Angst! (Offenbarung 23, Folge 19)

_Schreie aus dem OP_

Was bisher bloße Verschwörungstheorie war, wird Realität: Die geheimnisvollsten Tragödien, die skrupellosesten Verbrechen werden entschlüsselt. Die Welt wird nicht mehr die gleiche sein, denn auch das letzte Rätsel wird entschlüsselt.

Es beginnt mit einer kleinen Chipkarte. Auf der müssen brisante Daten des Patienten gespeichert sein. Und als Georg Brand die falsche „Gesundheitskarte“ verpasst bekommt, gerät er in Teufels Küche. Doch mit seinen Hackerkünsten verschafft er sich Einblick in die finsteren Geheimnisse, welche die Klinik bereithält. Er traut seinen Augen und Ohren kaum: Euthanasie in Reinkultur!

_Der Autor und die Macher_

Jan Gaspard ist ein Pseudonym. Der reale Mensch hat immerhin eine Mailadresse – das ist doch schon mal was. Laut Verlag soll der Rechercheur für Unternehmer wie Axel Springer, Ross Perot, Rupert Murdoch und sogar Dick Cheney gearbeitet haben. Wer’s glaubt, sollte ihn engagieren. Er zeichnet für „Idee, Konzeption, Recherche & Buch“ verantwortlich.

Für die praktische Umsetzung dieser Steilvorlage sorgte hinsichtlich Regie, Produktion & Dramaturgie Lars Peter Lueg, seines Zeichens Verlagsleiter von |LPL records|. Für den „heiligen Geist“ in Form von „Inspiration“ sorgte Koproduzent Marc Sieper. Schnitt, Musik und Tontechnik lagen in den kompetenten Händen von [Andy Matern.]http://www.andymatern.de/ Markus Wienstroer bearbeitete die Gitarren in der Titelmelodie – das Ergebnis kann sich wirklich hören lassen. Die Aufnahmeleitung oblag Anno Storbeck.

|1. Staffel von „Offenbarung 23“:|
1) [„Wer erschoss Tupac?“ 1934
2) [„Tupacs Geheimnis“ 1948
3) [„Die ‚Titanic‘ darf nie ankommen“ 2012
4) [„Die Krebs-Macher“ 2015

Einschub: [„Offenbarung 23 – Machiavelli“ 2472

|2. Staffel:|
5) [„Das Handy-Komplott“ 2576
6) [„Der Fußball-Gott“ 2577
7) [„Stonehenge“ 2590
8) [„Macht!“ 2591

|3. Staffel:|
9) [„Gier!“ 3104
10) [„Die traurige Prinzessin“ 3113
11) [„Die Hindenburg“ 3131
12) [„Der Piratenschatz“ 3136

|4. Staffel:|
13) [Das Wissen der Menschheit 3885
14) [Das Bernsteinzimmer 3887
15) [Durst! 3900
16) [Krauts und Rüben 3934

|5. Staffel:|
17) [Die Waterkant-Affäre 4340
18) [Menschenopfer 4362
19) Angst!
20) Die Pyramiden-Saga

Mehr Infos: http://www.offenbarung23.de und http://www.vertraue-niemandem.net.

|Die Sprecher|

In der Riege der Sprecher finden sich etliche einschlägig vorbelastete Herrschaften, die man schon aus dem Hause |LPL records| kennt:

„Stimme der Wahrheit“: Friedrich Schoenfelder (David Niven, Vincent Price)
Erzähler: Helmut Krauss (Marlon Brando, James Earl Jones)
Georg Brand alias T-Rex: David Nathan (Johnny Depp, Christian Bale)
Leo: Tobias Kluckert (Tyrese Gibson, Seth Rogen)
Ian G: Till Hagen (Kevin Spacey)
Kim Schmittke: Dietmar Wunder (Cuba Gooding jr., Don Cheadle, Daniel Craig)
Annie: Shalin Rogall (Alyson Stoner)
Arzt 1: Lutz Schnell (Kevin Chapman)
Arzt 2: Ernst Meincke (Patrick Stewart)
Tom alias Mista Beat: Tilo Schmitz (Ving Rhames, Michael Clarke Duncan, Ron Perlman)
Nachrichtensprecherin: Ulrike Hübschmann
Krankenschwester: Denise Gorzelanny (Kathryn Anderson in „13 Geister“)
Tatjana Junk alias Nolo: Marie Bierstedt (Kirsten Dunst, Kate Beckinsale)
Boris F. alias Tron: Benjamin Völz (Keanu Reeves, James Spader, Tim Roth, David Duchovny …)

_Vorgeschichte_

Der Berliner Informatikstudent Georg Brand, in Hackerkreisen als „T-Rex“ bekannt, ist auf eine Verbindung zwischen dem besten deutschen Hacker Boris F. alias „Tron“ und dem Rapper Tupac Shakur gestoßen. Alle möglichen Leute, die Geheimnisse aufdecken oder vertuschen wollen, interessieren sich auf einmal für T-Rex. Während Georg mit Trons ehemaliger Freundin Tatjana Junk alias Nolo anbandelt, meldet sich Tron quasi aus dem Jenseits: Er ist seit 1998 offiziell tot. Ist er das wirklich? Jedenfalls gibt Nolo Georg eine „Chiffre“ nach der anderen in die Hand. Chiffren sind eine Umschreibung für Hinweise auf die Geheimnisse, die Tron vor seinem Tod aufgedeckt hat – brisanter Stoff sozusagen.

_Handlung_

Georg Brand alias T. Rex hat einen schlimmen Albtraum. Ein fieser Zahnarzt foltert ihn mit einem Bohrer und will ihm jedes seiner Zillionen Geheimnisse entlocken. Erst sein Kumpel Kim Schmittke erlöst ihn, indem er ihn aufweckt. Georg habe das ganze Studentenwohnheim mit seinen Schreien in Aufruhr gebracht. Darauf braucht der ausgepumpte Georg – Mann, das war ja wie in „Marathonmann“ – erstmal einen Kaffee aus der Cafeteria. Doch auf dem Weg die Treppe hinab rutscht er aus und tut sich dermaßen weh, dass er sich wie gelähmt fühlt. Kim ruft die Ambulanz.

Nach langer Suche erklärt sich die Rudower Großklinik bereit, den Notfallpatienten aufzunehmen. Doch beim Einchecken passiert ein blöder Fehler. Georg bekommt die falsche Chipkarte verpasst und wird vom Diagnosearzt folglich wie ein Sadomaso-Anhänger behandelt. Georg wundert sich, warum der Typ so dreckige Anspielungen macht, da erblickt er zufällig den Punk Leo. Was macht der denn hier? Georg kennt ihn noch von seiner Kaspar-Hauser-Nummer (in Episode 18). Leo ist hier, weil einer seiner Schützlinge hier eingeliefert wurde – ohne Krankenversicherung. Annie, die erst 14 ist, soll hier wegen ihrer Schwangerschaft untersucht werden.

Als Leo ihm erzählt, dass hier in der Nähe auch Tron alias Boris F. gestorben sei, wird Georg hellhörig, halten ihn doch gewisse Herrschaften für Trons legitimen Nachfolger. Leo kann ihm sogar zeigen, dass Tron seinerzeit, also 1990, in die Pathologie eben dieses Krankenhauses eingeliefert wurde. Mal einen Blick reinwerfen? Logo!

In dem erstbesten Leichenfach der nicht abgeschlossenen Pathologie-Abteilung steckt jener Typ, dessen Patientenkarte man Georg zugesteckt hat. Das entdeckt Georg nun auch. Der Typ heißt Ben Bast und kommt ihm ziemlich bekannt, denn es ist der Messerstecher, der ihn als „Kaspar Hauser“ abstechen wollte. Diese Sache will Georg sofort checken und eilt mit Leo zurück in den Verwaltungstrakt. Morgens um drei Uhr dürfte sich da höchstens der Wachdienst herumtreiben. Mit einer Colaflasche hebelt Georg die unverriegelte Tür auf und dringt in ein Büro ein, wo sogar noch ein PC läuft, der nicht mal ein Passwort verlangt. Welch Glückes Geschick!

Der Eintrag zu Tron, der am 17. Oktober 1990 eingeliefert wurde, ist leer. Seltsam. Aber zu Ben Bast findet sich einiges: „schwere Hämatome im Genitalbereich“, aber schon 1998, und am gleichen Tag wie Tron. Da wird Georg einiges klar: Hier hat jemand manipuliert. Unter „Georg Brand“ ist „natürlicher Tod durch Herzinfarkt“ eingetragen. Na, klasse! Das wird sofort geändert.

Schritte nähern sich, und Leo und Georg verstecken sich. Zwei Ärzte treten an den PC und fragen die Genetikdaten von Annie, Leos Schützling, ab. Ihr Nazijargon kennzeichnet sie als Anhänger der Rassenlehre. Sollen sie Annies Baby abtreiben lassen? Ja, denn sie haben eine Lieferung zu erfüllen. Als sie wieder abgezogen sind, gibt es für Leo kein Halten mehr, denn er will unbedingt Annie vor diesen beiden Medizinern des Todes bewahren. Schon bald geht es im Krankenhaus drunter und drüber …

_Mein Eindruck_

Diesmal prangert der Autor die Handhabung des Themas Gesundheitskarte an. Diese Chipkarte soll bereits in diesem Jahr eingeführt werden. Die dazugehörige EDV-Infrastruktur wird Ärzte, Krankenkassen und Patienten miteinander vernetzen. Dazu werden natürlich riesige Datenbanken angelegt, die hoffentlich wie Fort Knox gesichert sein werden, denn die Daten sollen nicht nur persönliche Patienten- und Diagnosedaten enthalten, sondern womöglich auch Behandlungsdaten. Will heißen, dass auch jedes rezeptpflichtige Medikament aufgeführt wird.

Das wiederum lässt Einblicke in die wahre Natur einer Krankheit zu, z. B. bei Depressionen usw. Ein Fest für jede Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherung, wenn sie solche Daten in die Finger bekommt. Die Daten sind zwar, wie schon im Rudower Krankenhaus, ICD-kodiert, doch der Code lässt sich leicht übersetzen. Code 65.5 wäre beispielsweise „geistig behindert“. Was, wenn sich dadurch Erbkrankheiten kodieren ließen?

Auf dieser Basis, so die These des Autors, ließe sich die Effizienz des Gesundheitswesen erheblich beeinflussen. Von den Verwaltungsstrategen hört man natürlich nur von „Optimierung“, ist ja klar. Am Schluss hören wir ein längeres Zitat aus der wirtschaftswissenschaftlichen Doktorarbeit eines gewissen Freiherrn von Stackelberg, der bereits 1980 in Marburg über genetische Beratung und Beurteilungskriterien schrieb. Demnach ließe sich der Kapitalrückfluss im genetischen Gesundheitswesen um das 50-fache steigern, wenn man entsprechend aussichtslose Patienten nicht unterstützen bzw. wenn man das investierte Humankapital entsprechend optimal einsetzen würde.

Das liefe, so der Autor, auf Euthanasie hinaus, nämlich auf die Vernichtung von „lebensunwertem Leben“, wie es ab 1939 auf einen Erlass der Regierung hin die im Reich ansässigen Ärzte veranlassen mussten (in der „Aktion T-4“). Kinder (und andere) wurden ermordet, nur weil sie eine Erbkrankheit aufwiesen oder behindert waren.

Würde Annies Baby abgetrieben, so das Szenario des Hörspiels, könnte man nicht nur die Arbeitskraft der Mutter erhalten/erhöhen, sondern zudem noch optimales genetisches Labormaterial vom Fetus erhalten. Georg Brand hat gerüchteweise gehört, dass Kosmetika aus Feten erzeugt würden. Annie weiß ihm als Arzttochter dazu einige Horrorgeschichten zu erzählen. Und sie erzählt ihm auch von Stackelberg, der heute ein hochrangiger Diplomat sein. Dass auch Ministerin Ulla Schmidt sich des Naziterminus „Endziel“ bedient, findet sie auch ziemlich bedenklich.

Na, jedenfalls im Hörspiel geht es für Annie gut, doch Leo hat leider keine Chance. Ihm widerfährt das Schicksal des „Marathon-Manns“ …

Für Hacker besonders interessant dürfte Georgs Trick mit der ferngesteuerten Lautschaltung eines Siemens-Handys sein. Durch das Handy-Mikro kann er genau mithören, wie Leo mit den beiden Folterärzten redet. Für diesen Trick hat er lediglich einen Spezialcode eingegeben. Das sollte man mal in den „Hacker’s Guide“ aufnehmen.

_Unterm Strich_

„Angst!“ ist eine der furchteinflößendsten Episoden dieser Serie überhaupt. Nicht nur, dass es schon mit Folter und Schreien losgeht, nein, diese Szene wiederholt sich später sogar (abgehört per Handy). Außerdem geht es um Abtreibung zwecks Geweberaub, Euthanasie und Datenmissbrauch. Die „Gesundheitskarte“ – Tron hätte sie bestimmt verhindert. Denn in dieser neuen Infrastruktur steckt ein hohes und ziemlich erschreckendes Potenzial für Missbrauch. Es braucht nur jemand den Mut zu haben, das Konzept des Freiherrn von Stackelberg in die Tat umzusetzen – und schon befinden wir uns auf einer Schlitterpartie Richtung Rassengesetze. Eine wahrliche Schauder erregende Vorstellung.

Das Hörspiel ist von |Lübbe| und |LPL records| gewohnt sorgfältig produziert worden und ich habe an der Technik nichts auszusetzen. Die Stimmen der Hollywoodschauspieler verleihen der gewohnt abwechslungsreichen Handlung etwas Filmglamour. Die Story wartet mit Verschwörungstheorien, Kurzinfos, Hacker-Eskapaden und allerlei zwielichtigen Aktionen auf, so dass für eine Menge Unterhaltung gesorgt ist, nur dass diesmal einige Horrorszenen eingebaut sind. Hierzu hat sich der Autor möglicherweise von den UFA-produzierten „Anatomie“-Schockern inspirieren lassen, aber eindeutig auch von John Schlesingers „Der Marathon-Mann“ aus dem Jahr 1976.

|60 Minuten auf 1 CD|
http://www.lpl.de
http://www.luebbe-audio.de
http://www.offenbarung23.de
http://www.vertraue-niemandem.net
http://www.keine-geheimnisse.de

M.R. James – Runenzauber (Gruselkabinett Folge 140)

Wie man einen Dämon loswird

London 1899: Edward Dunning hat über ein Vortrags-Exposé zum Thema „Die vielen Gesichter der Alchemie“ aus der Feder eines gewissen Mr. Karswell, der dem Vernehmen nach selbst Alchemie und okkulte Künste praktiziert, eine ungünstige Einschätzung verfasst. Dadurch hat er sich ganz offensichtlich einen sehr gefährlichen Feind gemacht… ((Verlagsinfo)
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Maupassant, Guy de – HR Giger\’s Vampirric 4 – Der Horla

In der vierten Folge von HR Giger´s Vampirric findet sich die Vampir-Geschichte „Der Horla“ von Guy de Maupassant. Es liest Torsten Michaelis. H. R. Giger spricht persönlich das Vorwort und läutet so auf seine ganz persönliche Art das Grauen ein.

_Der Autor_

Guy de Maupassant lebte von 1850 bis 1893. „Der aus lothringischem Adel stammende, in der Normandie aufgewachsene Maupassant war nach Jurastudium und Teilnahme am Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 im Marine-, dann im Unterrichtsministerium tätig. Nach dem Erfolg der Novelle „Boule de suif“ (1880, dt. „Fettklößchen“, 1900) widmete er sich ganz der Schriftstellerei.

Die Bandbreite seiner fast 300 Novellen reicht von traditionellen schwankhaften Dreiecksgeschichten über die seit der Romantik beliebten Schauernovellen und phantastischen Erzählungen, meist tragisch endende Liebesgeschichten bis hin zu sozialkritischen Novellen. Er veröffentlichte sechs Romane, von denen „Bel Ami“ (1885) verfilmt wurde. In seinem Stilwillen und seiner Freiraum lassenden Erzählhaltung kommt Maupassant seinem literarischen Ziehvater Gustave Flaubert nahe, mit dem er auch die pessimistische Weltsicht teilt.“ (zitiert nach: Harenbergs Lexikon der Weltliteratur, S. 1945/46). Er fürchtete sich vor einem eingebildeten Doppelgänger und schrieb darüber in der Novelle „Lui“. Auch „Der Horla“ weist in diese Richtung.

|Der Sprecher|

Ich kenne Torsten Michaelis als den Synchronsprecher von Wesley Snipes. Durch sein Spektrum an verschiedenen Klangfarben wird er für die unterschiedlichsten Rollen eingesetzt. Er kann auf über 400 synchronisierte Filme zurückblicken.

Neben Wesley Snipes leiht er seine markante Stimme auch Martin Lawrence, Sean Bean, Don Cheadle, Thomas C. Howell, Jason Scott Lee, Salvatore Marino, Sergio Rubini, James Russo, Chris Tucker, Brandon Lee. Kein Scherz – das steht in seiner Selbstbeschreibung.

_Handlung_

Die Geschichte folgt der Form eines Tagebuchs. Der erzählte Zeitraum erstreckt sich über einen Sommer, von Mai bis September. Der Ich-Erzähler erzählt am 8. Mai von seiner ländlichen Heimat in der Nähe von Rouen, von wo er die Glocken der großen Kathedrale läuten hört. Unweit der idyllischen Ufer der Seine befindet sich der elterliche Landsitz. Auf der Seine betrachtet er die schönen Schiffe, darunter welche aus dem fernen Brasilien …

Nur wenige Tage später verspürt er eine seltsame Traurigkeit, Gereiztheit und später Fieber. Ihn beschleicht das Gefühl drohender Gefahr und er macht sich Gedanken um das „Mysterium des Unsichtbaren“: Der Mensch kann weder das unsichtbar Kleine, etwa Mikroben, noch das unendlich weit Entfernte sehen, etwa Galaxien.

Nach einem ergebnislosen Arztbesuch hat er einen Albtraum, dass ihn ein Dämon würgt, der ihm auf der Brust sitzt und den er nicht abzuschütteln vermag. Dies wiederholt sich Nacht für Nacht, bis ihn sogar tagsüber das Gefühl beschleicht, verfolgt zu werden. Wird er wahnsinnig?

Auf einer Kurreise zum Mont St. Michel erzählt ihm ein Mönch von Geisterstimmen. Nach der Rückkehr – es ist Anfang Juli – geht der Albtraum von Neuem los. Als er bemerkt, dass seine Wasserkaraffe am nächsten Morgen leer ist, fragt er sich, ob er nicht selbst ein Schlafwandler ist. Einfache Versuche mit der Karaffe bestätigen ihm jedoch, dass es ein anderes Wesen sein muss, das das Gefäß leert.

Doch welche Art von Wesen vermag zugleich unsichtbar zu sein und ihm die Lebenskraft auszusaugen?

_Mein Eindruck_

Die berühmte Erzählung thematisiert den Horror, der damit verbunden ist, dass eine unsichtbare, fremde Macht parasitär Besitz von einem Menschen ergreift und ihn zu Taten zwingt, die er gar nicht begehen will. Wohlgemerkt, hier geht es nicht nur um den Entzug von Lebenskraft, wie ihn der altbekannte, inzwischen schon heimelig wirkende Vampir praktiziert. Hier geht es vielmehr auch um die Inbesitznahme von Willen und Verstand des Opfers. Der solcherart Besessene wird quasi ferngesteuert, nur mit dem Unterschied, dass der Steuernde im Kopf seines Instrumentes sitzt.

Der Autor zieht die damals bekannten Techniken der psychischen Steuerung heran, nämlich die als Mesmerismus etc. bekannte Hypnose, insbesondere den posthypnotischen Befehl, etwas zu einem bestimmten Zeitpunkt auszuführen. Der Erzähler wird selbst Zeuge eines solchen Psycho-Experiments an seiner Schwester, als er in Paris weilt, wo man den Dingen des Unsichtbaren normalerweise abgeklärt gegenübersteht. Als er seine eigene Notlage erklären will, um Hilfe zu erlangen, wird er daher ausgelacht.

Auf sich selbst zurückgeworfen, muss er umso angestrengter danach trachten, seinen Meister, den er inzwischen den „Horla“ nennt, zu besiegen. Sein Anstrengungen kann man einfach nur heldenhaft und einfallsreich nennen, wenn sie auch auf tragische Weise Neben-Opfer fordern. Was aber, wenn der Horla unsterblich ist und selbst den letzten Vernichtungsversuch überleben könnte?

Ein Aspekt, der in meinen Augen diese Geschichte aus dem Umfeld der Vampirstorys heraushebt, ist die Überlegung, dass der Horla a) der Nachfolger der Spezies Mensch auf der Erde ist und b) von den Sternen kommt. Beide Vorstellungen sind bislang der Science-Fiction vorbehalten geblieben, doch Maupassant hat sie bereits geäußert, lange bevor H. G. Wells 1898 seinen Invasionsroman „Krieg der Welten“ veröffentlichte, der fortan das Klischee vom Alien-Monster bestimmen sollte.

|Der Sprecher|

Manche Sprecher lesen eine Geschichte nur vor, manche aber spielen sie vor. Torsten Michaelis gehört mit „Der Horla“ zur zweiten Kategorie. Da der Schurke im Stück ja unsichtbar und quasi un(an)greifbar ist, gehört eine Menge Darstellungsvermögen dazu, die Reaktionen auf dieses Un-Wesen herauszustellen, um wenigstens auf diesem indirekten Wege den Horror, den es verbreitet, zu vermitteln. Und Michaelis gelingt dies auf sehr eindringliche Weise.

Man würde auch nicht unbedingt annehmen, dass sich die Form des Tagebuchs für eine dramatische Schilderung von Horror eignet. Doch hier ist eben der Knackpunkt: Der Horror ist rein psychologisch statt äußerlich (außer an einer Stelle). Deshalb ist es umso wirkungsvoller, dass Michaelis bestimmte Passagen im Tempo ebenso moduliert wie in der Tonlage und der Tonstärke. Mal liest er langsam, mal schnell, dann wieder leise oder laut. Auf diese Weise erzielt er nicht nur den gewünschten eindringlichen Effekt, sondern hält auch unsere Aufmerksamkeit wach.

_Unterm Strich_

Die beiden wirkungsvollsten und besten Erzählungen in der Vampirric-Reihe sind zweifellos [„Das Grabmal auf dem Père Lachaise“ 583 und „Der Horla“. Welche von den beiden nun die „bessere“ ist, hängt von der individuellen Vorliebe des Hörers ab. „Das Grabmal“ ist anschaulicher, szenischer aufgebaut und bedient weitaus mehr Klischees aus der Vampirliteratur.

Mit Vampiren dieser Art hat „Der Horla“ nichts am Hut. Auch die Bezeichnung „Vampir“ fällt kein einziges Mal. Und doch geht „Der Horla“ weiter als „Das Grabmal“, indem er den Horror, der von der Besessenheit durch ein Fremdwesen von den Sternen ausgeht, nicht nur zu einem globalen, aber weltimmanenten Grauen aufbauscht, sondern es sogar zu einem kosmischen Grauen à la Lovecraft ausbaut. Die Horlas werden Menschen ablösen – gibt es eine größere Horrovision? Und all dies ist mit einer Stilsicherheit erzählt und mit anschaulichen Beispielen gespickt, dass auch der Durchschnittsleser noch etwas damit anfangen kann (sofern er nicht Splatterfan ist).

Der Sprecher Torsten Michaelis macht mit seiner Präsentationskunst „Der Horla“ praktisch schon zu einem Hörspiel, und Geräusche und Musik kann man sich leicht hinzu denken, denn die Erzählung ist dafür anschaulich genug. Schaurig, so vermittelt es der Sprecher, ist auch das Finale der Novelle, wenn der Erzähler die letzte Konsequenz aus dem Erfahrenen erkennt und zieht. Das hat Klasse.

_Der Herausgeber_

HR Giger wurde 1940 in Chur, Schweiz, geboren. Im zweiten Stock des Elternhauses befand sich sein legendäres schwarzes Zimmer. Die fortschreitende Transformation aus einem Jugendzimmer zu einer Werkstätte, in eine Waffenschmiede, bis hin zu einer ägyptischen Grabkammer wurde zur ersten Kostprobe der Kreativität Gigers. 1977 erscheint sein Bildband „Giger´s Necronomicon“. Daraufhin folgt der weltweite Durchbruch. 1980: Oscar für „Alien“. Seit 1981: Arbeit an Projekten wie Poltergeist 2, Species und Alien 3. 1988: Eröffnung der Giger-Bar in Tokio. 1991: Sein Bildband ARh+ erscheint in sieben Sprachen. Seit Mitte der Neunziger Jahre arbeitet HR Giger unermüdlich an seinem Museum. Dies befindet sich im mittelalterlichen Schloss Saint-Germain in Gruyères, Schweiz. Das Museum beherbergt Gigers persönliche Kunst-Sammlung, seine eigenen Bilder und Skulpturen. Das jetzige Museum ist die erste Stufe eines umfassenden Gesamt-Kunstwerkes. HR Giger ist einer der bedeutendsten modernen Künstler weltweit. (Verlagsinformation)

|Umfang: 78:32 Minuten auf 1 CD|

Strobl, Karl Hans – HR Giger\’s Vampirric 3 – Das Grabmal auf dem Père Lachaise

In der dritten Folge von HR Giger´s Vampirric findet sich nur eine Vampirgeschichte, aber die hat es in sich: „Das Grabmal auf dem Père Lachaise“ von Karl Hans Strobl. Es liest David Nathan. Das Vorwort spricht HR Giger. „Es ist eine unvergessliche Horrorgeschichte über Gier, Wahnsinn und Alpträume, die sich jeder selber macht“, behauptet der |Festa|-Verlag.

_Der Autor_

HR GIGER: „Dieses Mal erwartet Sie bei Vampirric eine Geschichte von Karl Hans Strobl, der zu Lebzeiten einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren war. Strobl, ein Österreicher, der zusammen mit Meyrink und Ewers zu den wichtigsten deutschen Phantasten des frühen 20. Jahrhunderts zählt, starb 1946. Es ist eine Geschichte über die teuflische Gier, das menschliche Übermaß und den Wahnsinn. Zu welchen Taten den Mensch ein wenig schnöder Mammon nur treiben kann! … Eine wirklich böse Story! Und ich mag böse Storys – Sie nicht auch?“

Zum Herausgeber schreibe ich am Schluss etwas.

_Handlung_

„Das Grabmal auf dem Père Lachaise“ besteht im Wesentlichen aus den Tagebuchauszügen des Wissenschaftlers Ernest, der sich, da er bettelarm ist, auf einen äußerst merkwürdigen Deal einlässt: Die am 13.3.1913 – also wenige Jahre zuvor – verstorbene Gräfin Anna Feodorowna Wassilska hat in ihrem Testament verfügt, dass demjenigen Mann zweimal hunderttausend Franken aus ihrem Nachlass gegeben werden sollen, der es schafft, ein Jahr in ihrem marmornen Grabmal auf dem bekannten Pariser Friedhof Père Lachaise zu leben. Hier sind ja etliche Künstler begraben, darunter nicht zuletzt auch Jim Morrison.

Wir brauchen aber für Ernest, den Ich-Erzähler, keinerlei Mitleid zu hegen, denn er ist ein von sich selbst sehr überzeugter Jünger der optischen Physik. Im Grabmal schreibt er sein erstes Buch, das unter anderem auf seinen Aufzeichnungen im Grabmal basieren soll. Hier will er eine Theorie des Lichts aufstellen und untermauern. Von dem nicht unbeträchtlichen Lohn plant er eine Vortragsreise sowie einen Urlaub mit seiner Frau Margause zu finanzieren.

Um Verpflegung während des einen Jahres braucht er sich keine Sorgen zu machen. Iwan, ein „borstiger Tatar“, hässlich wie die Nacht und seiner nun toten Herrin noch immer treu ergeben, versorgt Ernest mit den exquisitesten Speisen, doch soll dies gemäß Testamentsbestimmungen der einzige Kontakt sein, den der Wissenschaftler pflegen darf. Schon bald nimmt der Leibesumfang des Grabbewohners erheblich zu. Soll er etwa gemästet werden? Der Tatar gibt keinen Piep von sich. Er erinnert Ernest lieber an die Geschichte vom nekrophilen Sergeanten, der auf dem Friedhof sein Unwesen treiben soll.

Doch auch das in der Gruft bestattete Frauenzimmer verdient unser Mitgefühl nicht. Ein Vamp bleibt eben ein Vamp. Die Madame Wassilska muss nach dem Bild, das Ernest uns zeichnet, nicht nur mannstoll wie Katharina die Große gewesen sein, sondern obendrein reichlich brutal und grausam. Einen Bäckerlehrling biss sie beispielsweise zweimal, so dass er lieber Reißaus nahm. Ihren Bediensteten, etwa wehrlosen Kammerzofen, trieb sie Nadeln ins Fleisch. Auf ihrem Foto fallen Ernst die ungewöhnlich „grausam weißen“ Zähne auf …

In der Gruft ereignen sich unerklärliche Phänomene. Obwohl kein Wind ging, sind Ernests zahlreiche und wohlsortierte Notizzettel durcheinander gewirbelt. Ein grünliches Leuchten geht vom Stein des eigentliches Grabes und der bronzenen Grabplatte aus – sehr interessant, gerade für einen Optophysiker. Handelt es sich etwa um Röntgenstrahlen oder gar um den mysteriösen Äther? Wirken hier intermolekulare Kräfte? Die Steinstruktur selbst scheint sich regelmäßig um Mitternacht in Gallert zu verwandeln. Der Gallert brennt auf der Haut. Das ist für Ernest aber auch nichts Neues, denn polnische Experimente im galizischen Lemberg beschreiben ein ähnliches Phänomen.

Richtig ernst wird’s für Ernest aber erst, als er nicht mehr durch den schmalen Zugang zur Gruft passt: Er ist so gemästet worden, dass er zum Gefangenen der Gruft geworden ist. Nach dem Allerseelentag stellt er fest, dass er gebissen und ausgesaugt wurde. Geradezu elend fühlt er sich, als er einen Zettel findet, auf dem eine Botschaft steht: „Der Atem der Katechana“.

Iwan verrät ihm auf seinen Drängen hin, dass es sich bei der „Katechana“ um die Gräfin handelt: „eine, die nie genug haben kann vom Opfer der Mannheit, bis jenseits des Todes“. Ernest beschleicht ein übler Verdacht: Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Verflüssigung der Grababdeckung, dem grünen Leuchten und den allnächtlich wiederkehrenden Bissen in seinem Hals?

_Mein Eindruck_

Na, servus! Mit Physik hat dies wohl weniger zu tun als vielmehr mit Metaphysik. Schon solche antiquierten Begriffe wie der noch um 1900 herum postulierte „Äther“ als universelles Trägermedium kennzeichnen den Wissensstand des „Helden“ als einen Physiker, der immer noch auf der Schwelle zur Metaphysik steht. Und wenn es nicht um sehr viel Geld ginge, das ihn korrumpiert, hätte er sich wohl kaum auf eine solch makabre Forschungsstätte eingelassen, die eines echten Physikers schwerlich würdig ist.

Der eng umgrenzte Raum des Grabmals ist ein exzellentes Experimentierfeld: Hier treffen zwei Zeiten und Kulturen aufeinander. An der Nahtstelle zwischen modernem Leben und uralter Totenkultur treffen sich der wissenschaftlich-rational orientierte Westen mit dem weitaus mysteriöseren Osten des europäischen Kontinents, mit den alten legenden Asiens von den Vampyri. Von diesen Wesen hat Ernst offensichtlich noch nichts gehört, denn alle seine Erklärungsversuche und haltlosen Theorien betreffen nur Bildungsbruchstücke, gehen aber an dem eigentlichen Phänomen weit vorbei. Umso genauer treffen sie den Leser bzw. Hörer, der sich allmählich seinen eigenen Reim darauf machen muss. Umso wirkungsvoller ist das Grauen, das sich im Hörer unterschwellig breitmacht.

Bereits die Charakterisierung der Gräfin sollte Ernest einen wichtigen Hinweis liefern: eine männermordende Nymphomanin mit grausamen Zügen; mit „grausam weißen“ Zähnen und „Fingern wie Klauen“. Dazu passen die klassischen Versatzstücke wie etwa die Gruft, Nekrophilie, ewiger Hunger über den Tod hinaus, Bissmale, sich zersetzende Materie, der stumme Diener, ein Todeshauch, unheimliches Leuchten und dergleichen mehr. Doch der Vampir selbst ist, wie sich zeigt, weit mehr als nur ein materielles Phänomen. Er dringt in den Verstand seines Opfers und beschwört allerlei Trugbilder.

Ernst ist jedoch beileibe kein tumbes Opferlamm. Natürlich darf zwar der actionreiche Schluss nicht verraten werden, aber der als Opfer Auserkorene weiß sich durchaus wirkungsvoll seiner lädierten Haut zu wehren. Obwohl die Ereignisse im Grabmal auf eine Krise zutreiben, so verblüfft doch das Ausmaß der nun gebotenen Action den auf sachten Grusel eingestimmten Zuhörer.

|Der Sprecher|

David Nathan ist Regisseur und gilt außerdem als einer der besten Synchronsprecher Deutschlands. Im deutschsprachigen Kino erlebt man ihn als Synchronstimme von Johnny Depp, „Spike“ oder Christian Bale. Auch auf den Webseiten zu den „Drei ???“ findet man seinen Namen einschlägig erwähnt. Nathan hat für |LPL records| bereits eine Erzählung auf der Hör-Anthologie „Necrophobia 1“ gesprochen, außerdem tritt er auf „Das Ding auf der Schwelle“ und „Der Schatten über Innsmouth“ in Erscheinung. „Das Grabmal“ wird von ihm souverän und mit einer zunehmenden Eindringlichkeit vorgetragen, der man sich nur sehr schwer entziehen kann.

Ich konnte nur einen Aussprachefehler feststellen: Müsste der Name des bekannten Physikers und Mathematikers Henri Poincaré nicht französisch statt englisch ausgesprochen werden?

_Unterm Strich_

In seinem Aufbau ist „Das Grabmal“ offensichtlich an viele der Frauenerzählungen von Edgar Allan Poe angelehnt. Ob nun die vampireske Lady Ligeia, Morella, Eleonora oder wie sie alle heißen – es ist eine unheimliche Frauengestalt, die durch ihren Bann den ihr psychisch oder emotional ausgelieferten Mann erst um den Verstand und dann um sein armseliges Leben bringen wird. Das psychische Band ist jedoch bei Strobl durch physikalische bzw. metaphysische Phänomene ersetzt, was die Story zwar moderner, aber weitaus weniger romantisch macht.

Die andere Komponente, die Poe entspricht, ist die Bemühung der Hauptfigur, all die seltsamen Phänomene, die er beobachtet oder am eigenen Leib erfährt, wegzurationalisieren (im Sinne von „ratiocination“ à la Auguste Dupin), indem er die Erkenntnisse der Naturwissenschaft anführt. Diese geistigen Waffen gegen Geister einzusetzen, erweist sich selbstverständlich (und ironischerweise) als völlig zwecklos. Die immaterielle Welt obsiegt über die kläglichen Versuche, sie mit Erkenntnissen aus der materiellen Welt zu erklären. Insofern ist diese Erzählung wiederum zutiefst romantisch.

Stellt man Modernität und Romantizismus nebeneinander, so ergibt sich der Eindruck einer Erzählung, die einer Zeit des Übergangs entspricht. Gut möglich, dass sie unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs entstand, als die alte, so wohlgeordnet erscheinende Welt der Monarchien und des Großbürgertums unter den Stiefeltritten faschistischer und kommunistischer Bewegungen verschwand. Es dürfte wohl kein Zufall sein, dass die Gräfin Wassilska als Vertreter eines absolut herrschenden Adels genau im Vorjahr des Kriegsausbruches das Zeitliche segnete und fortan ihre Grabinsassen als Vampir beehrt – böser Schatten einer versunkenen Welt. Adieu, belle epoque!

Das Hörbuchs inszeniert diese reichhaltige Erzählung mit angemessenen Mittels. Besonders der Sprecher David Nathan vermittelt die unterschwellige Botschaft ausgezeichnet mit seinem Vortrag.

Innerhalb der Vampirric-Serie ist „Das Grabmal …“ mit Sicherheit ein Höhepunkt. Noch besser gefiel mir allerdings [„Der Horla“, 584 weil dort die horrible Vision des Autors geradezu kosmische Dimensionen annimmt.

_Der Herausgeber_

HR Giger wurde 1940 in Chur, Schweiz, geboren. Im zweiten Stock des Elternhauses befand sich sein legendäres schwarzes Zimmer. Die fortschreitende Transformation aus einem Jugendzimmer zu einer Werkstätte, in eine Waffenschmiede, bis hin zu einer ägyptischen Grabkammer wurde zur ersten Kostprobe der Kreativität Gigers. 1977 erscheint sein Bildband „Giger´s Necronomicon“. Daraufhin folgt der weltweite Durchbruch. 1980: Oscar für „Alien“. Seit 1981: Arbeit an Projekten wie Poltergeist 2, Species und Alien 3. 1988: Eröffnung der Giger-Bar in Tokio. 1991: Sein Bildband ARh+ erscheint in sieben Sprachen. Seit Mitte der Neunziger Jahre arbeitet HR Giger unermüdlich an seinem Museum. Dies befindet sich im mittelalterlichen Schloss Saint-Germain in Gruyères, Schweiz. Das Museum beherbergt Gigers persönliche Kunst-Sammlung, seine eigenen Bilder und Skulpturen. Das jetzige Museum ist die erste Stufe eines umfassenden Gesamt-Kunstwerkes. HR Giger ist einer der bedeutendsten modernen Künstler weltweit. (Verlagsinfo)

|Umfang: 78:22 Minuten auf 1 CD|

Hohlbein, Wolfgang / Lüftner, Kai / Weick, Kathrin – Kevins Schwur 1: Die Druiden von Stonehenge (inszenierte Lesung)

_Action & Mystik: Kampf gegen den Druiden_

Kevin von Locksley ist aus dem Heiligen Land zurückgekehrt. Sofort macht er sich gemeinsam mit Gefährten auf den Weg nach Sherwood Forest, um seinen Bruder Robin Hood zu treffen. Doch auf der Reise reiht sich ein seltsames und bedrohliches Ereignis an das andere. Zufall oder Berechnung einer dunklen Macht? Als Kevin auf seinen alten Widersacher Darkon stößt, wird ihm klar, dass dessen Kräfte größer sind, als er dachte. Und Darkon hat vor, Kevin in seine Pläne einzuspannen, um England unter seine Kontrolle zu bekommen. Sollte sich Kevin weigern, muss er mit dem Schlimmsten rechnen.

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab zehn Jahren.

_Der Autor_

Wolfgang Hohlbein, geboren 1953 in Weimar, hat sich seit Anfang der Achtzigerjahre einen wachsenden Leserkreis in Fantasy, Horror und Science-Fiction erobert und ist so zu einem der erfolgreichsten deutschen Autoren geworden (Auflage: 35 Millionen Bücher laut |Focus| 40/2006). Zuweilen schreibt er zusammen mit seiner Frau Heike an einem Buch. Er lebt mit ihr und einem Heer von Katzen in seinem Haus in Neuss.

Der Kevin-Zyklus:

1) [Kevin von Locksley 4593
2) [Kevins Reise 5082
3) Kevins Schwur 1: Die Druiden von Stonehenge
4) Kevins Schwur 2: Der Weg nach Thule

Mehr von Wolfgang Hohlbein auf |Buchwurm.info|:

[„Anubis“ 2826
[„Horus“ 4079
[„Das Paulus-Evangelium“ 2630
[„Das Paulus-Evangelium“ 4007 (Hörbuch)
[„Von Hexen und Drachen. Das große Wolfgang-Hohlbein-Buch“ 3470
[„Das Blut der Templer“ 3235
[„Fluch der Karibik 2 – Dead Man’s Chest“ 2717
[„Die Zauberin von Märchenmond“ 2053
[„Märchenmond“ 1882
[„Hagen von Tronje“ 1860 (Hörbuch)
[„Feuer“ 816
[„Dunkel“ 552 (Hörbuch)
[„Dunkel“ 69
[„Der Hexer von Salem“ 249
[„Die Spur des Hexers“ 4081 (Der Hexer von Salem 1)
[„Der Seelenfresser“ 4141 (Der Hexer von Salem 2)
[„Engel des Bösen“ 4206 (Der Hexer von Salem 3)
[„Der achtarmige Tod“ 4353 (Der Hexer von Salem 4)
[„Buch der tausend Tode“ 4597 (Der Hexer von Salem 5)
[„Das Auge des Satans“ 4606 (Der Hexer von Salem 6)
[„Der Sohn des Hexers“ 4898 (Der Hexer von Salem 7)
[„Das Haus der bösen Träume“ 4921 (Der Hexer von Salem 8)
[„Intruder“ 144 (Hörbuch)

_Der Sprecher & die Inszenierung_

Timmo Niesner begann bereits im Teenageralter beim Fernsehen. Es folgten viele weitere TV-Rollen. Er ist die deutsche Synchronstimme von Elijah Wood, des Frodo in Peter Jacksons Verfilmung von „Der Herr der Ringe“, und vielen weiteren Schauspielern. (abgewandelte Verlagsinfo)

Bei diesem Hörbuch handelt es sich um die inszenierte Lesung der bearbeiteten (= gekürzten) Textfassung. Für die Redaktion zeichnete Kai Lüftner verantwortlich, Regie führte Kathrin Weick, die Musik trug Andy Matern bei. Weick und der Cutter Christian Päschk besorgten auch die Inszenierung. Die Aufnahme leiteten die |d.c. Studios|, NRW-Berlin.

_Handlung_

Kevin, der 15-jährige Bruder von Robin „Hood“ von Locksley, ist aus dem Heiligen Land zurückgekehrt, wo er seine Freundin, Lady Marians Zofe Susan, durch die Intrigen der Haschischin verloren hat. Doch sie ist in der Gralshöhle in Sicherheit, wenn auch im Koma. Nun kann er sich neuen Aufgaben zuwenden, denn sein Bruder braucht ihn bestimmt in seinem Kampf gegen den Sheriff von Nottingham.

Gerade fahren er und seine Gefährten Arnulf, der Nordmann, und der leichtlebige Will Scarlet mit ihrem Pferdewagen durch den Sherwood Forest, als ein gehetzter Mann auf sie zukommt. Er nennt sich Estrid und lebt in einem der Dörfer nicht weit von hier. Er werde von einem Bandenführer namens Borg und dessen acht Reitern verfolgt. Borg gehöre zu Robin Hoods Bande. Das bringt die drei Reisenden zum Stirnrunzeln und macht Arnulf misstrauisch. Er lehnt deshalb ab, gegen eine Übermacht Borgs anzutreten, um Estrid zu helfen. Sehr zu Kevins Empörung, der Estrid seinen Dolch gibt, bevor der Mann wieder verschwindet.

|Borg|

Bei einer Rast am Abend geht Kevin angeblich Feuerholz suchen, doch in einem unbeobachteten Augenblick zieht er seine Rüstung als Tempelritter an und reitet in die Richtung, in die Estrid gegangen ist. Schon bald findet er ihn auf einer Lichtung, wo er von einem großen Kerl und dessen drei Reitern gepiesackt wird. Das muss wohl Borg sein. Diese Typen tragen zwar Lumpen, sind darunter aber gepanzert, Estrid ist hingegen schutz- und wehrlos (bis auf Kevins Dolch). Das sind keine Angehörigen von Robin Hoods Rebellen. Aber für wen arbeiten sie?

Die Reiter staunen nicht schlecht über diesen Tempelritter in „ihrem“ Wald und greifen ihn an. In einem kurzen, aber heftigen Gefecht mit ihnen verteidigt Kevin Estrid, der flüchtet, zieht sich aber selbst eine Wunde durch Borgs Schwert zu. Durch eine List hängt er sie ab und kehrt ohne Rüstung zu Estrid zurück. Ihm gegenüber nennt er sich Cedric. Sie trennen sich, damit Kevin zurück zum Lager laufen kann. Arnulf sieht an seinen Blessuren, was los ist: Kevin hat gekämpft. Kevins Pferd findet den Weg zu ihm zurück, mitsamt der Rüstung.

|Das Dorf|

Am nächsten Tag bleibt ihr Wagen im Schlamm des regennassen Waldes stecken. Borg und seine Männer tauchen auf. Trotz seines Misstrauens lässt er sich von „Cedric“ überzeugen, dass diese Reisenden harmlos sind. (Unter dem Ritterhelm hat Borg Kevins Gesicht ja nicht sehen können.) Nach Borgs Hilfeleistung können sie weiterfahren und gelangen in ein befestigtes Dorf. Sie berufen sich auf Borg und auf Estrid, die sie beide hergeschickt hätten. Osred, der Dorfvorsteher, gewährt ihnen Obdach und Zuflucht vor dem Regen. Arnulf und Will sprechen besonders dem guten Wein zu.

Kein Wunder, dass Kevin, als er nachts ein verdächtiges Geräusch hört, sie einfach nicht wachbekommt. Draußen versammeln sich die Dörfler, um zu einem Ort im Wald zu pilgern. Sehr seltsam, findet Kevin und schleicht ihnen vorsichtig nach. Ihr Ziel ist ein Kreis aufrechter Steine, der einen Steinaltar umgibt. Darauf liegt ein gefesselter Hirsch, offenbar ein Opfer. Ein Druide in weißem Gewand tritt aus dem Schatten ins Licht der Fackeln: Es ist Darkon!

|Der Widersacher|

Darkon war im Heiligen Land ein Komplize der Haschischin und wollte Susan und Kevin töten. Trotz seiner Gefangennahme konnte er auf rätselhafte Weise entfliehen. Nun taucht er hier wieder auf, aber wozu, fragt sich Kevin. Der Druide Darkon dankt den Dörflern für das Opfer, das er für seinen Schutz vor Borg verlangt hat. Nun habe er ein Anliegen. Unter den Fremden, die Osred aufgenommen und betäubt habe, befinde sich ein Junge. Den wolle er sehen – jetzt!

Kevin ist bestürzt. Woher weiß Darkon von ihm und seiner Anwesenheit in England, ja, in diesem Dorf? Er muss sofort zurück zu seinen Gefährten, denn sicherlich schweben auch sie bereits in Gefahr. Und dann müssen sie alle schnellstens abhauen. Doch das ist leichter gesagt als getan …

_Mein Eindruck_

Es dauert nicht allzu lange, bis sich Kevin nach einem üblen Verrat in Darkons Händen befindet. Da Darkon ein echter Zauberer ist, beherrscht er sowohl die Elemente der Natur als auch die Psyche seiner Mitmenschen. Nun kommt es zu einem sehr interessanten psychischen Zweikampf zwischen Kevin und dem machtgierigen Druiden.

|Konflikt|

Damit Kevin sich Darkons religiösem Feldzug gegen den König anschließt, muss er ihn überzeugen, dass die dunkle Seite in ihm diesen Schritt hin zu Macht und Reichtum wünscht. Kevin ist unversehens in einem Zwiespalt gefangen: zwischen seiner eigenen dunklen Seite, die Darkon hervorgelockt hat, und seinem besseren Ich, das sonst sein Bewusstsein kontrolliert.

Wie der Zweikampf ausgeht, soll hier nicht verraten werden. Aber in dessen Verlauf kommt es zu einer Schlacht zwischen den Druiden und einer unerwartet auftretenden dritten Partei. Dabei gibt es jede Menge Action, leider aber auch den bitteren Verlust eines Freundes. In dessen Folge wird ihn sein weiterer Weg nach Thule im kalten Norden führen. (Ob damit nun Norwegen oder Island gemeint ist, wird an dieser Stelle nicht klar und ist auch unerheblich.)

|Überraschungen|

Die Geschichte wartet also mit mehreren überraschenden Wendungen auf, wie es sich für einen zünftigen Abenteuerroman gehört. Täuschung und Verrat spielen dabei eine große Rolle. Wenigstens ist in dieses Intrigenspiel kein Frauenzimmer verwickelt. Das wäre doch wohl etwas zu negativ gewesen – obwohl sich Hohlbein in seinen HEXER-Romanen keineswegs gescheut hat, Frauen als fiese Hexen auftreten zu lassen. Vielleicht hat er inzwischen dazugelernt, was den Geschmack seiner Leserschaft angeht. „Kevins Schwur“ erschien wesentlich später als die HEXER-Groschenhefte.

|Stonehenge|

Andererseits ist das Fehlen einer Frauenfigur doch ein auffälliges Manko in dieser ersten Hälfte des Romans „Kevins Schwur“. Die Männer machen wieder mal alles unter sich aus und kloppen sich schließlich, bis der Arzt kommt (oder auch nicht kommt).

Ein faszinierendes Bühnenbild bietet dabei der gigantische Steinkreis von Stonehenge, der in dieser Beschreibung nicht weniger als dreißig Ringe aufweist. Offensichtlich dient dieses Stonehenge nicht wie ursprünglich gedacht der Sternenbeobachtung und Vorhersage der Jahres- und Saatzeiten, sondern der blutigen Opferung von Unschuldigen.

Das ist sicherlich viel dramatischer als die friedliche Astronomie, aber leider viel weniger glaubwürdig. Allerdings hat sich der Romanautor Hohlbein noch nie viel um Glaubwürdigkeit seiner Plots oder Figuren bemüht. Warum sollte er also gerade jetzt damit anfangen?

_Die Inszenierung_

Bei diesem Hörbuch handelt es sich um eine inszenierte Lesung, wie sie in dieser |Wellenreiter|-Reihe öfter auftaucht. Das ist für ein junges Publikum einfach unterhaltsamer als eine pure Textlesung.

|Der Sprecher|

Der Sprecher erzählt alle Vorgänge aus dem Blickwinkel der Hauptfigur Kevin. Da dieser ein 15-jähriger Junge ist, erscheint die jugendlich wirkende Stimmlage des Sprechers sehr passend. Und dies ist die deutsche Stimme Elijah „Frodo“ Woods, dürfte also jedem vertraut sein, der Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Verfilmung gesehen hat (und das waren ja nicht wenige). Doch Kevin ist kein zweiter Frodo, sondern ein junger Mann, der auf Kämpfe brennt, um seinen König, den geliebten Richard Löwenherz, zu schützen.

Arnulf, der hünenhafte Nordmann, spricht hingegen mit einer sehr tiefen Stimme, die ich Niesner nicht zugetraut hätte. Dessen Gegenteil sind der wieselhafte Estrid sowie der leichtlebige Will Scarlet (der in den alten Robin-Hood-Filmschinken stets als fahrender Sänger auftritt). Darkons Stimme ist weitaus faszinierender: Man stelle sich Saruman mit einer sehr tiefen und berückenden Stimme vor, wie er seinen Willen dem jungen Kevin aufzuzwingen versucht. Die Vorstellung ist recht beängstigend.

Sehr gut setzt der Sprecher auch die Emotionalität einer Szene um. Wenn Kevins Freund stirbt, so hat dies natürlich möglichst realistisch zu wirken, um eindringlich zu sein. Der Mann ächzt und keucht, während Kevin schluchzt. Die tragische Hintergrundmusik tut ein Übriges, um die Sterbeszene zu einem eindrücklichen Erlebnis zu machen.

|Geräusche|

Die Geräuschkulisse soll nicht von dem Dialog im Vordergrund ablenken. Deshalb sind die Gefechte und das Schwerterklirren nur dezent zu hören. Aber die Rufe der Mühe und die Schreie des Schmerzes und Todes sind doch unüberhörbar, ganz besonders natürlich während der finalen Schlacht.

Ebenso eindrucksvoll ist das Vorspiel zur Schlacht. Während des Psycho-Duells Kevins mit Darkon nimmt die Zahl der Donnerschläge über dem Steinkreis von Stonehenge stetig zu, so dass die Verbindung von Darkons Psyche und den Naturgewalten sinnfällig deutlich wird. Allerdings ist die Soundqualität lediglich als „bescheiden“ zu bezeichnen, denn von einem DD-5.1-Sound kann keine Rede sein. Noch nicht einmal Stereoeffekte sind zu bemerken.

|Musik|

Die Musik tut wenig, um auf sich aufmerksam zu machen, sondern beeinflusst die Gefühle des Zuhörers unterschwellig. Das ist in der finalen Sterbeszene ganz deutlich, in der die Musik den Dialog und die Geräusche optimal ergänzt. An anderen Stellen deutet die Hintergrundmusik Unheil an. Im Intro und Outro ist sie jedoch flott und dynamisch gestaltet. Ja, sie weist sogar einen Western-Rhythmus auf, der an einen Ritt erinnert.

|Das Booklet|

Das Booklet listet zunächst die Mitarbeiter an dieser Produktion auf, beschreibt dann aber kurz die Geschichte von Stonehenge sowie die Legenden, die sich darum ranken. Die vierte Seite beschreibt kurz den Inhalt von „Kevin von Locksley“ und „Kevins Reise“.

_Unterm Strich_

Wie es sich für einen Abenteuerroman für zehn- bis zwölfjährige Jungs gehört, ist auch diese erste Hälfte von „Kevins Schwur“ gespickt mit actionreichen Kämpfen, mysteriösen Szenen der Magie und überraschenden Wendungen. Die finale Schlacht löst dann endlich die Spannung auf und führt den Helden zu neuen Zielen. Weil auch der Widersacher entkommen ist, dürfte es ein spannendes Wiedersehen mit Darkon geben. Frauenfiguren kommen diesmal keine vor, aber das kann sich in der nächsten Episode „Der Weg nach Thule“ schon ändern. Vielleicht verliebt sich Kevin ja mal in ein fesches Schwedenmädel!

|Das Hörbuch|

Der Sprecher trägt einen großen Teil dazu bei, dass die Handlung den Hörer mit Action, Magie und Humor unterhält. Die Musik und die Geräusche stören seinen Vortrag nicht, sondern unterstützen die Emotionalität der Szenen und vermitteln mit gedämpften Hintergrundgeräuschen einen realistischeren Eindruck. Das werden vor allem junge Hörer unterhaltsamer finden als einen puren Vortrag.

Leider hat dieser Aufwand – und vielleicht auch der Autor – auch einen Preis, und für die zwei CDs muss man knapp 15 Euro hinblättern. Aber es lohnt sich.

|Buchausgabe: 2000 bei Bastei Lübbe
151 Minuten auf 2 CDs
ISBN-13: 978-3-78573-666-1|
http://www.luebbe-audio.de
http://www.wellenreiter.la
http://www.hohlbein.net

Harris, Robert – Pompeji

Im Sommer des Jahres 79 n. Chr. kommen wie eh und je die Reichen und Schönen aus Rom in ihre Villen am Meer, um Urlaub zu machen. Attilius, ein Wasserbaumeister, ist jedoch wegen der Arbeit hier. Er ersetzt in Misenum, Pompeji und Herculaneum den spurlos verschwundenen Vorgänger Exomnius. Diese und andere Unstimmigkeiten an der lebenswichtigen Wasserleitung Aqua Augusta scheinen kriminellen Ursprungs zu sein.

Als der Vesuv ausbricht, der den Anwohnern jahrhundertelang so friedlich erschien, dass sie seine Existenz kaum noch wahrnahmen, muss Attilius um seine neue Freundin Corelia bangen, die von ihrem korrupten Vater Ampliatus eingesperrt wurde. Kann er sie rechtzeitig erreichen und aus der Apokalypse, die sich nun entfaltet, retten?

_Der Autor_

Robert Harris wurde 1957 im britischen Nottingham geboren. Nach seinem Geschichtsstudium in Cambridge war er als BBC-Reporter und politischer Redakteur des „Observer“ tätig. Die historischen Hintergründe seiner Romane recherchiert Harris als Historiker exakt. Trotzdem schreibt er keine Sachbücher: Er will die Leser gleichzeitig unterhalten und informieren, schreibt der Verlag.

Mit seinem Roman „Vaterland“ gelangte er 1992 in die internationalen Bestsellerlisten, danach folgten das ebenfalls verfilmte „Enigma“ sowie „Aurora“ (1998). Harris ist heute ständiger Kolumnist der Tageszeitung „The Times“. Er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in einem alten Pfarrhaus in Kintbury bei London.

_Der Sprecher_

Jürgen Tarrach erhielt seine Schauspielausbildung am Max-Reinhardt-Seminar in Wien und stand seit Mitte der neunziger Jahre in zahlreichen großen Rollen auf der Bühne. Zu seinen Filmerfolgen zählen „Die Musterknaben“, neben Oliver Korittke, und – zusammen mit Dietmar Bär – „Durch dick und dünn“ sowie diverse Rollen in Film und Fernsehen. (Verlagsinfo)

_Handlung_

Misenum, 22. August 79, noch zwei Tage bis zum Ausbruch des Vesuv. Bereits zwei Stunden vor Sonnenaufgang quält sich ein kleiner Arbeitertrupp die Hänge des Vulkans empor. Der neue Wasserbaumeister Attilius ist erst drei Tage im Amt, nachdem seine Vorgänger Exomnius spurlos verschwunden ist. Daher nehmen ihn seine Arbeiter ob seiner Jugend – er ist erst 27 – nicht für voll und murren. Vor allem Corax, der Aufseher, scheint etwas gegen Attilius, den Römer, zu haben. Was genau das ist, wirst erst später klar, aber dann ziemlich eindeutig. Corax steht nicht nur in Diensten des römischen Staates.

|Die Lebensader Kampaniens|

Attilius hat die Aufgabe übernommen, die Aqua Augusta instand zu halten und mit diesem 60 Kilometer langen Aquädukt die gesamte Region Kampanien rings um den Vulkan mit Wasser zu versorgen. Es ist die längste Wasserleitung der Welt, eine architektonische Meisterleistung. Kein Wunder, dass sich durch die optimale Wasserversorgung zahlreiche Reiche in ihren Villen angesiedelt haben und ihre Gäste mit raffinierten Wasserspielen unterhalten. Nur das Erdbeben, das Pompeji einmal schwer beschädigt hat, erscheint auf ihrer inneren Landkarte als kleine Störung. Die Stadt hat sich nämlich inzwischen davon erholt. Etwas störender ist die Dürre, die seit drei Monaten Kampanien belästigt.

Als Attilius eine Grube ausgehoben hat, um eine neue Quelle anzulegen, ist er nicht wenig erstaunt, als das Wasser sofort wieder versiegt. Doch dies ist nur der Anfang vom Ende. Binnen weniger Stunden versiegt das Wasser der gesamten riesigen Wasserleitung: Acht Gemeinden sind abgeschnitten. Attilius hat so etwas noch nie erlebt und kann es sich nicht erklären. Ist die Wasserleitung gebrochen?

|Ampliatus und Corelia|

Zwei Frauen holen ihn aus dem Wasserreservoir der Stadt zur Villa Hortensia in Misenum. Sie wollen, dass er die Wasserqualität in den Fischzuchtbecken der Villa prüft. Das Wasser kommt aus dem noch vollen Reservoir, nicht aus der versiegten Aqua Augusta. Weil sich diese Qualität eventuell verändert hat, sind vor wenigen Stunden die empfindlichen, aber als Luxusspeise beliebten Meerbarben gestorben. Dafür macht der Besitzer Ampliatus aber nicht das Wasser, sondern den zuständigen Sklaven verantwortlich. Die junge Corelia, Ampliatus‘ Tochter, ist entsetzt über die Rohheit, mit der er den Sklaven gefräßigen Muränen vorgeworfen hat.

Der Sklave ist bereits tot, als Attilius eintrifft und dem Wasser einen hohen Schwefelanteil attestiert. Er kann sich den Grund dafür zwar nicht denken, empfiehlt Ampliatus aber, die Leitung sofort zu sperren. Er selbst werde die Brunnen der Stadt sperren lassen. Schließlich soll kein Bürger Wasser trinken, das nach faulen Eiern stinkt. Als er Ampliatus verlässt, geht ihm Corelia nicht aus dem Kopf. Sie sieht seiner fünf Jahre zuvor im Kindbett gestorbenen Frau Sabina sehr ähnlich.

|Plinius|

Der Naturforscher Gaius Plinius, ein unglaublich korpulenter, aber intelligenter und gebildeter Soldat, ist Befehlshaber der römischen Kriegsflotte, die in Misenum ihren Stützpunkt im westlichen Mittelmeer hat. Bei einem Experiment wundert er sich, dass die Flüssigkeit in einem Weinglas nicht zu zittern aufhört – Erdbeben? (Plinius wird später, während des Ausbruchs, eine zentrale Rolle spielen.)

Attilius muss ihm melden, dass er die Brunnen sperren und das Wasser der Flotte rationieren lässt. Inzwischen haben Boten ein Bild vom Ausmaß der Wasserkatastrophe geliefert: Acht von neun Gemeinden haben kein Wasser mehr. Warum aber hat ausgerechnet Pompeji noch Wasser? (Das hat Attilius von einem Augur erfahren, der von dort gerade in Misenum eingetroffen ist.)

Um dies herauszufinden, erbittet Attlius als Beamter des Kaisers von Plinius ein schnelles Schiff. Es wird ihm gewährt, und Attilius ist am selben Tag noch in der vor 17 Jahren von einem Erdbeben zerstörten Stadt. Er staunt, wie rasch hier der Wiederaufbau vorangegangen ist, so dass sogar das Forum, der Marktplatz, fast wieder fertig ist. Woher kam das Geld dafür? Und warum lässt die Stadt frisches Wasser ins Meer laufen – gibt es hier denn Wasser im Überfluss?

|Pompeji|

23. August, noch ein Tag bis zum Ausbruch. Um die Unterstützung der Stadtverwaltung bei der Untersuchung und eventuellen Reparatur der Wasserleitung zu erhalten, sucht Attilius die zwei zuständigen Magistrate auf. Er findet sie in der Villa eines alten Bekannten: Ampliatus. Die Stadtväter sind keineswegs geneigt, Attilius ihre Unterstützung zu gewähren, denn sie glauben seinen Theorien von drohendem Unheil nicht.

Es ist vielmehr Ampliatus, der ihm zwölf Arbeiter anbietet, gegen einen kleinen Gefallen, versteht sich. Attilius ist jedoch ein wirklich ehrenwerter Mann, der sich rundweg weigert, irgendeine Gegenleistung zu gewähren – er hat das Recht, die zwölf Sklaven zu requirieren. Ampliatus ist nicht amüsiert. Gegen ehrenwerte Männer gibt es für ihn nur ein Mittel: einen Dolch in den Rücken.

Während Attilius allmählich gegen Ampliatus und seinen Vorgänger Exomnius einen schweren Verdacht hegt, begegnet ihm Corelia erneut, die heute noch besser aussieht. Kein Wunder, denn sie trägt nur eine leichte Tunika fürs Schwimmen. Selbst als er noch in der gleichen Nacht mit den Sklaven und einigen Ochsengespannen die Hänge des Vulkans erklimmt, geht sie ihm nicht aus dem Kopf.

Corelia ist wütend darüber, dass ihr Vater sie vor Attilius wegsperren will, schleicht sich in den Garten und belauscht den Mordauftrag, den ihr Vater erteilt. Sie stibitzt wichtige Dokumente und macht sich noch am Abend auf den Weg, Attilius zu warnen. Eine junge Frau, die ganz alleine auf einem Pferd durch die Wildnis am Fuße des Berges reitet – ein gefährliches Vorhaben. Doch sie hat ihr Schicksal an das des jungen Wasserbaumeisters geknüpft. Sie will keinen alten Knacker heiraten, der sie unter Verschluss hält, sondern wünscht sich eine Zukunft als freie Frau eines jungen, aufstrebenden Mannes.

Ihnen beiden bleiben nur noch wenige Stunden bis zum Ausbruch des Vesuv, der zwei volle Tage dauern wird. Werden sie der Apokalypse entgehen? Oder wird man sie zweitausend Jahre später als versteinerte Mumien aus der Asche des Vulkans graben?

_Mein Eindruck_

Insgesamt ist „Pompeji“ eine rundum gelungene Kombination aus Krimi, historischem Drama und Katastrophenthriller. Harris, Autor von historischen Thrillern wie „Enigma“ und „Vaterland“, hat saubere Arbeit geleistet.

|Der Krimi|

Ein Mann ist verschwunden, und zwar nicht bloß irgendein Mann, sondern der Wasserbaumeister der wichtigsten Wasserleitung für Kampanien. Sein eilig herbeigeholter Nachfolger Attilius muss sich daher nicht nur mit den Problemen des Alltags eines Wasserbaumeister beschäftigen, sondern muss dringend dieses Verschwinden aufklären. Schließlich könnte er der Nächste sein. War es ein Verbrechen, so hat jemand Exomnius umgebracht oder entführt. War es ein Unfall, so könnte Attilius die gleiche Gefahr drohen. In beiden Fällen liegt es in seinem ureigensten Interesse, den Fall schnellstens aufzukleren.

Doch so etwas wie eine Wasserpolizei gibt es offenbar ebenso wenig wie eine normale städtische Polizei, die für Attilius ermitteln könnte. Er muss sich selbst darum kümmern und begibt sich in die verrufensten Viertel von Pompeji, dorthin, wo man bis heute die Graffiti für Gladiatoren und einschlägigen Werbesprüche für Bordelle und Huren finden kann.

Und tatsächlich wird er fündig: Doch in Exomnius Zimmer fehlt etwas, ein Kästchen mit Dokumenten. Es sind die Dokumente, die Corelia ihrem Vater stibitzt, um sie Attilius zu bringen. Dadurch stößt er auf ein lange Jahre praktiziertes Verbrechen, das Exomnius zu einem reichen Mann gemacht haben muss. Doch wo befindet sich sein beiseite geschafftes Vermögen? (Banken wurden erst im Mittelalter erfunden.)

Kaum hat Attilius diese Erkenntnisse erhalten, sieht er sich an den Hängen des Vulkans verfolgt. Es ist Ampliatus‘ Auftragskiller.

Obwohl der grundlegende Drama-Plot zwischen Attilius und Corelia recht einfach aufgebaut ist, trifft dies für den Krimiteil nicht zu. Attilus‘ Ermittlungen mögen vielleicht nicht so kompliziert und wendungsreich sein wie die in Romanen von Patricia Cornwell oder Michael Connelly, doch sie müssen mit Sachverstand und einem Gespür für Menschen geführt werden, um erfolgreich zu sein. Wenn es auch nicht Attilius ist, der Exomnius‘ Schatz findet, so deckt er doch das Verbrechen auf.

|Der Katastrophen-Thriller|

Andere Dokumente, die Corelia ihm bringt, beschäftigen sich mit Vulkanismus. Dazu zählen bekanntlich sehr viele Phänomene: Gase, Fumarolen, heiße Tümpel, Krater, Auswurf aller Art. Exomnius war Sizilier und kannte sich mit den Phänomenen an den Hängen des Ätna aus. Wusste er, worauf die verstärkte unteridische Tätigkeit des Berges Vesuv hindeutete? Diese Fragen stellt sich Attilius selbst noch am Morgen direkt vor dem Ausbruch. Dann findet er die traurige Wahrheit heraus …

Der Leser oder Hörer fragt sich natürlich die ganze Zeit, warum erstens die Dokumente des Exomnius so wichtig sind und zweitens, warum niemand sonst in Kampanien die Vorzeichen für den bevorstehenden Ausbruchs des Vulkans richtig zu deuten vermag. Offensichtlich verhält es sich so, dass der Vulkan Vesuv seit Jahrhunderten nicht mehr ausgebrochen ist und das Wissen über Vulkanologie verloren gegangen ist – außer in Gegenden wie Sizilien, wo Vulkanausbrüche praktisch an der Tagesordnung sind.

Wenn Plinius & Co. registrieren, wie der Wein im Glas zittert, so führen sie dies entweder auf Wind, Götter oder ein entferntes Erdbeben zurück. Da 17 Jahre zuvor Pompeji durch ein Beben verwüstet wurde, ist das eine nahe liegende Erklärung. Der Naturforscher Plinius ist daher vom Ausbruch des Vesuv, als er erfolgt, nicht so sehr überrascht, dass er handlungsunfähig wäre. Vielmehr ist er in der Lage, Befehle zum koordinierten Einsatz von Kriegsschiffen zu geben, die den bald zu erwartenden Opfern Hilfe bringen sollen, so etwa zwecks Evakuierung.

Es ist ein erstaunlicher Effekt, wenn Plinius am Vulkan vorbeischippert und dabei seinem Sekretär diktiert, was er beobachtet: Sein geradezu klinischer Blick beschreibt eine aufsteigende Rauch- und Aschewolke, die ungeheuer hoch in den Himmel ragt. Bisher dachten Gelehrte, der von den Göttern bewohnte Himmel begönne ungefähr drei, andere meinten elf Kilometer (in Stadien gemessen) über der Erde. Aber diese ungeheure Wolke scheint diese Theorien zu widerlegen. Plinius‘ detaillierte Beschreibung führt dazu, dass solche Vulkanausbrüche noch heute „plinianisch“ genannt werden.

Richtig bizarr wird es dann, als Plinius‘ Galeere von einem Regen von Bimsstein zuerst zugedeckt und dann gestoppt wird. Da die gesamte Wasseroberfläche von leicht schwimmendem Bimsstein meterhoch bedeckt ist, gibt es kein Vorwärtskommen mehr. Steine regnen tonnenweise und stundenlang aufs Schiffsdeck, unter dem Besatzung und Passagiere Zuflucht gesucht haben. Das Ende der Welt scheint nicht nur nahe zu sein – es ist bereits angebrochen.

Als Attilus von der Küste nach Pompeji marschiert, um Corelia zu suchen, wandert er durch eine Albtraumlandschaft, die es mit jeder jemals ersonnenen Version der Hölle aufnehmen kann. Doch Pompejis Schicksal ist noch nicht besiegelt …

|Das historische Drama|

Ich bin vor etlichen Jahren einmal stundenlang durch die Ruinen von Pompeji gegangen: das gewaltige Forum mit den Säulen des zentralen Tempels, die kleinen Häuser der umliegenden Viertel, die mit bunten, kostbaren Wandfresken ausgemalten Villen (z. B. die „Villa der Mysterien“) – all dies beherbergte einstmals Menschen und viele andere Lebewesen. Die unter der heißen Asche zu Stein erstarrten „Mumien“ stammen nicht nur von Bürgern, sondern auch von Hunden und anderen Haustieren. Es sind tausende solcher „Mumien“ gefunden worden. Und das nur in einer der neun Städte am Fuße des Vulkans.

Dem Autor gelingt es, ein vielschichtiges Bild des damaligen Vesuvgebietes mit Leben zu füllen. Dies ist aber kein statischer Querschnitt, sondern verfügt über eine historische Tiefe. Viele Entwicklungen haben dazu geführt, dass Attilius diese Gegend so blühend vorfindet und vor allem in Pompeji auf einen Überfluss an Wasser stößt. Offenbar blüht hier nicht nur der Oleander, sondern auch das Verbrechen. Vielleicht ein frühe Form der neapolitanischen Camorra? Ampliatus ist der Pate der Stadt, und zwar in mehr als nur einer Hinsicht.

Für die Reichtümer, die die Adeligen in ihren Villa angesammelt haben, steht stellvertretend die Villa Calpurnia des Senators Cascus. Als Plinius seine Schiffe ausschickt, weiß er um die kulturellen Schätze, die hier in Gefahr sind, vernichtet zu werden. Die Villa ist Aufenthaltsort zahlreicher Philosophen, und der Senator hat aus Griechenland sämtliche 120 (!) Dramen des Sophokles herbeigeschafft. Alles verloren. Von den Dramen sind uns heute nur eine Handvoll überliefert.

Der Autor hat jede seiner Hauptfiguren mit Leben gefüllt: mit Zielen, Motiven, Erinnerungen, Wünschen und Ängsten, so dass aus dem historischen Roman durch das Aufeinandertreffen dieser Figuren ein Drama wird. Dies ist der eigentliche Motor der Handlung. Und dadurch stellt uns der Roman auch auf einer menschlichen Ebene zufrieden. Krimi und Katastrophen – das ist schön und gut, würde aber nur für oberflächliche Unterhaltung ohne Bedeutung für uns reichen. Erst das Drama hat Bedeutung, denn es behandelt Themen, mit denen wir uns noch heute identifizieren können: Liebe, Furcht und Schrecken, auch Tragik und möglicherweise sogar Heldentum.

|Humor|

Wie könnte ein Katastrophenthriller auf irgendeine Weise humorvoll sein, mag sich der Leser bzw. Hörer fragen. „Es gibt nichts Lukrativeres als Besitz in Pompeji“, sagt Ampliatus an einer Stelle. Allerdings gibt es bestimmte Einschränkungen, wie er erfahren muss. So etwas nennt man tragische Ironie.

_Der Sprecher_

Jürgen Tarrach erweist sich als überaus kompetenter Sprecher des Textes. Zwischen jedem Kapitel macht er eine deutliche Pause, so dass der Hörer nie im Zweifel ist, wo die eine Szene aufhört und die nächste anfängt. Dies ist umso notwendiger, als die Erzählung im Verlauf der Handlung auf vier Handlungsstränge aufgeteilt wird: Attilius, Corelia, Ampliatus, Plinius. Sie finden erst im letzten Drittel wieder zusammen.

Auch Tarrachs Vortrag selbst lässt nichts an Verständlichkeit zu wünschen übrig. Corelias Stimme ist deutlich wegen ihrer etwas höheren Stimmlage zu identifizieren. Plinius sticht mit seiner kurzatmigen, etwas heiseren Stimme ebenfalls deutlich heraus.

Nur bei Attilius und Ampliatus muss man ein wenig aufpassen. Doch der Letztere verrät sich durch einen etwas hinterlistigen öligen Tonfall als Ganove: der „Pate“ von Pompeji. Attilius hingegen ist stets der dynamische und von seiner Mission voll überzeugte, aufrechte Beamte des Kaisers, der es nie nötig hat, sich zu verstellen. Sein autoritäres Auftreten gegenüber dem reichen Ampliatus lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig.

Es gibt aber eine gespenstische Szene, in der wir an Attilius selbst zu zweifeln wagen. Sie findet auf dem Gipfel des noch nicht ausgebrochenen Vulkans statt, und der Beamte stolpert durch eine Wüstenei von Schlacke und Asche. In einem der kleinen Krater hat sich ein Tümpel giftigen Gases – vermutlich Kohlenmonoxid – gebildet, und Attilius bekommt die Auswirkungen am eigenen Leib zu spüren. Sein Geist wird verwirrt, als das Gift seine Wahrnehmung beeinträchtigt. Noch unheimlicher fühlt er sich, als er über eine Leiche stolpert. Dieser Szenerie der Unterwelt und des Todes wird schließlich die Krone aufgesetzt, als der Mörder auftaucht, den Ampliatus auf Attilius angesetzt hat …

_Unterm Strich_

Der Autor hatte mit „Vaterland“ und „Enigma“ große Erfolge, doch sein dritter Roman „Aurora“ („Archangel“) ging bei uns ein wenig unter. „Pompeji“ hingegen könnte man keinen größeren Erfolg wünschen, als es ohnehin schon hat. Es ist ein auf drei Ebenen hervorragend funktionierender Roman und stellt jeden Leser zufrieden: Krimi, Katastrophenthriller und menschliches Drama.

Das Hörbuch kann eine rundum gelungene Lesung von Jürgen Tarrach vorweisen, die mir sehr gut gefallen hat. Sein Stimmumfang ist zwar begrenzt, doch für die Charakterisierung der vier Hauptfiguren reicht es allemal. Wenn sich |Random House/Bertelsmann| einmal zu einer Senkung seiner Hörbuchpreise entschließen könnte, so wäre dies ein weiterer Grund, das Hörbuch zu kaufen. Andere Verlage wie |Lübbe| können das ja auch.

|Umfang: 430 Minuten auf 6 CDs
Übersetzt von Christel Wiemken|

Stein, Leonhard / Long, Amelia Reynolds – HR Giger\’s Vampirric 2 – Der Vampyr / Der Untote

In der zweiten Folge von HR Giger´s Vampirric finden sich die Vampir-Geschichten: „Der Vampyr“ von Leonhard Stein und „Der Untote“ von Amelia Reynolds Long. Beide Storys liest Helmut Krauss. Die Vorworte spricht wieder HR Giger. (Mehr zum Herausgeber am Schluss.)

_Autor #1_

HR GIGER über DER VAMPYR: „Zwischen 1918 und 1920 erschienen einige Erzählungen eines gewissen Leonhard Stein. Niemand weiß bis heute, wer dieser Autor war, vielleicht war der Name sogar ein Pseudonym, wer weiß. Auf jeden Fall werden Sie seine Geschichte über ein recht seltsames Arbeitsverhältnis nie vergessen, da bin ich mir sicher!“

_Handlung von „Der Vampyr“_

Den Anfang macht mit „Der Vampyr“ eine fast schon kafkaeske Horrorgeschichte, die sich auch als Parabel auf die Arbeitswelten der modernen Zivilisation lesen lässt.

Die Hauptfigur ist Herr Samassa, ein „schöner Mann“ und Genussmensch, der in der Anwaltskanzlei Dr. Herzfeld arbeitet. Er plant, demnächst die schöne Klara Gärtner zu ehelichen und eine Familie zu gründen. Privat wie beruflich dürfte ihm der Erfolg sicher sein.

Doch es soll anders kommen. Er lehnt die Annäherungsversuche der neuen Tippse ab, ist sie doch viel zu unansehnlich, schlecht gekleidet und verhärmt: ein Inbild des Misserfolgs. Zu seinem Verdruss muss er feststellen, dass sie in die Wohnung neben seiner eingezogen ist. Wie kann sie sich die denn leisten? Sie hat rotes Haar und betörende grüne Augen, die ihn, als sie im Nachthemd auftritt, in Versuchung führen. In einem Alptraum, so kommt’s ihm vor, saugt sie ihm das Blut aus den Adern. Er fühlt seltsamerweise keinen Schmerz, nur eine „tiefe Ermattung“. Schlaf und ein gutes Steak bringen Erhohlung, doch fortan wiederholt sich das nächtliche Phänomen.

Während die Tippse schön und proper gedeiht, verblasst ihr Wirt zusehends. Vergeblich bittet er um Entlassung des Vampirs, wird aber abschlägig beschieden. Nach einem Zusammenbruch bei Klara wird er ins Hospital eingeliefert. Er sieht nur einen Ausweg aus der Misere: Kurz vor seiner Hochzeit mit Klara quartiert er sie zwischen seiner Wohnung und der des Vampirs ein. Nachdem Klara den Löffel abgegeben hat, ist Samassa wieder an der Reihe. In dem Kollegen Iglseder findet er einen würdigen Nachfolger für die arme Klara.

Doch der Strom der Opfer, die er dem Vampir zuführen muss, um selbst überleben zu können, reißt nicht ab und nimmt Formen an, die eines Jack the Ripper würdig wären. Bevor er von der Polizei gestellt wird, sieht er nur noch einen Ausweg: Der Vampir muss dran glauben. Doch wie tötet man einen Unsterblichen?

_Mein Eindruck_

Der Vampir in Gestalt der hexenhaft gezeichneten Frau ist das genaue Gegenteil der wohlanständigen Heiratskandidatin Klara Gärtner, nämlich das Inbild hemmungsloser Lust und Sinnlichkeit. Diese Lust kennt jedoch keine Grenze, als wäre sie ein Traumbild. Vielmehr ist ihr Hunger unersättlich und erfordert immer neue Opfer. Bis schließlich nichts mehr ausreicht, will der Träumer Samassa nicht seine körperliche Existenz vollends verlieren. Ergo muss der Vampir sterben. Dass Samassa einen Teil von sich tötet, dürfte klar sein. Die Folgen sind dementsprechend.

Ein Hörer hat die Geschichte als Reflektion der modernen Zivilisation und ihrer Arbeitsverhältnisse interpretiert. Ein Marxist und Sozialtheoretiker könnte dies tun, würde aber dabei die psychoanalytischen Erkenntnisse eines gewissen Sigmund Freud sowie von dessen Schüler C. G. Jung außer Acht lassen. Der bekannte Wiener Arzt hat ja gerade solche Traumbilder und Extreme ebenso untersucht, wie Jung Archetypen postuliert hat. Eine rothaarige, grünäugige Frau von verlockender Sinnlichkeit und unersättlichem Blutdurst dürfte sämtliche Klischees furchterfüllter Männer mit Kastrationsangst befriedigen. So kommt man dem Kern der Sache schon näher, wie mir scheint. Und ein bajuwarisch-austriakischer Name wie Iglseder verlegt den Schauplatz sehr wahrscheinlich in die gleiche Großstadt, in der Freud wirkte: Wien.

Ähnlich wie „Der Golem“ von Gustav Meyrink oder die Romane „Nachts unter der steinernen Brücke“ und „Zwischen neun und neun“ von Leo Perutz baut die Geschichte sorgfältig ein Spannungsfeld auf zwischen Alltag und Normalität einerseits und nächtlichem Irrsinn andererseits auf. Dass diese Entwicklung in eine Katastrophe münden muss, erscheint folgerichtig. Sie spiegelt die Katastrophe des 1. Weltkriegs wider, der den Untergang der alten Monarchien zur Folge hatte.

|Zweite Story: Amelia Reynolds Long: „Der Untote“|

_Autorin #2:_

Über das Leben und Werk der Autorin Amelia Reynolds Long ist mir nichts bekannt. Ihre Geschichte folgt klassischen Mustern englischer Spukgeschichten.

HR GIGER über DER UNTOTE: „Während der Arbeit an Vampirric habe ich viel über das Thema Vampire nachgedacht – und über Blut. Ich erinnere mich an eine merkwürdige Vision während einer Autofahrt durch Zürich …“

_Handlung von „Der Untote“_

Henry Thorne erzählt seinem Besucher (und Ich-Erzähler) Michael, der der „Gesellschaft für psychologische Forschung“ angehört, zunächst von seinem verstorbenen Halbbruder, dem Baronet James Thorne, dann von seinem zurückgezogen in einem Turm des Herrenhauses lebenden Bruder George Thorne. Henry selbst hat ein nervöses Leiden, das er kuriert zu haben wünscht. Er fühle sich nämlich bedroht vom Schatten einer großen Fledermaus, von der ihm träume.

Dem Manne kann geholfen werden, denkt Michael. Er erwacht eines Nachts, erblickt auf dem Gang eine Gestalt, die in einen Lederumhang gehüllt ist und eine Laterne trägt. Vor allem ihr weißes Gesicht verstört Michael und er folgt der Gestalt, die in der Bibliothek verschwindet. Doch gleich nebenan liegt Sir Henrys Schlafzimmer. Dort beugt sich das Schattenwesen über den Schlafenden, doch Michaels Eintreten verscheucht es.

Anderntags werden zwei Tote in der Umgebung gefunden: ein Irrer und ein Junge. Handelt es sich um Opfer eines Vampirs? Michael schwant nichts Gutes und stellt dem nächtlichen Eindringling eine Falle.

_Mein Eindruck_

Die Zutaten der Kurzgeschichte von Amelia Reynolds Long sind derart klassisch, dass die Geschichte abläuft, als handle es sich um ein Uhrwerk. Allzu vorhersehbar sind die nächsten Ereignisse, als dass sie dem Kenner noch einen Anreiz bieten würden, neugierig das Ende zu erwarten. Es gibt keinerlei Überraschungen für den, der zwei und zwei zusammenzählen kann und nicht auf fünf kommt.

Selbst Helmut Krauss mit seiner charismatischen Stimme kann nicht viel mehr aus der Geschichte herausholen. Giger selbst, der Herausgeber, trägt nichts Erhellendes oder Reizvolles bei, denn seine Einleitung ist irrelevant.

_Der Sprecher_

Helmut Krauss ist seit Jahrzehnten ein vielbeschäftigter Schauspieler. In Filmen schenkt er Marlon Brando und Samuel L. Jackson seine sonore, beeindruckende Stimme.

Helmut Krauss erweist sich als wahres Stimmwunder, wenn er nicht nur Stimmungen und Atmosphäre in seine rauchigen, getragenen Vortrag legt, sondern er erweckt tatsächlich einen Charakter zum Leben, erschafft eine ganze Stadt um ihn herum und schickt ihm und den Hörer dann einen fleischgewordenen Alptraum hinzu.

_Unterm Strich_

„Der Vampyr“ ist eine ganz besondere Geschichte für alle Freunde älterer Horrorkunst, die noch ohne viel Blutvergießen auskam. Giger hat hier eine echte Perle ausgegraben.

Nicht ganz so überzeugend wie die [erste CD 581 der „Vampiric“-Reihe, ist das Hörbuch doch immer noch weit jenseits der allermeisten anderen Horror-Hörbuchproduktionen und auf alle Fälle ein Kauftipp. Mit der titelgebenden Geschichte hat Giger eine wahre Meistererzählung vor dem Vergessen bewahrt. Dass „Der Untote“ den äußerst positiven Gesamteindruck schmälert, fällt da eigentlich nicht weiter ins Gewicht.

_Der Herausgeber_

HR Giger wurde 1940 in Chur, Schweiz geboren. Im zweiten Stock des Elternhauses befand sich sein legendäres schwarzes Zimmer. Die fortschreitende Transformation aus einem Jugendzimmer zu einer Werkstätte, in eine Waffenschmiede, bis hin zu einer ägyptischen Grabkammer wurde zur ersten Kostprobe der Kreativität Gigers. 1977 erscheint sein Bildband Giger´s Necronomicon. Daraufhin folgt der weltweite Durchbruch. 1980: Oscar für „Alien“. Seit 1981: Arbeit an Projekten wie Poltergeist 2, Species und Alien 3. 1988: Eröffnung der Giger-Bar in Tokio. 1991: Sein Bildband ARh+ erscheint in sieben Sprachen. Seit Mitte der Neunziger Jahre arbeitet HR Giger unermüdlich an seinem Museum. Dies befindet sich im mittelalterlichen Schloss Saint-Germain in Gruyères, Schweiz. Das Museum beherbergt Gigers persönliche Kunst-Sammlung, seine eigenen Bilder und Skulpturen. Das jetzige Museum ist die erste Stufe eines umfassenden Gesamt-Kunstwerkes. HR Giger ist einer der bedeutendsten modernen Künstler weltweit.

|Umfang: 78:32 Minuten auf 1 CD|

Allison Pearson – Working Mum (gekürzte Lesung)

Karrieremütter managen das Chaos

Kate Reddy dreht in aller Herrgottsfrühe auf und geht erst um Mitternach, möglichst nach einem Vollbad, ins Heiabettchen. Dort wartet schon der Göttergatte mit seinen sexuellen Ansprüchen. Denen weicht sie gekonnt durch ausgedehntes Zähneputzen aus, so dass sie am Morgen danach mehr Zeit für die Zeit unter der Dusche und am PC (Mails!) hat. Ansonsten hat die fleißige Biene Kate fast alles im Griff – bis ein weiterer Mann ihren Weg kreuzt.

Die Romanvorlage, die sich in USA und UK 4 Mio. Mal verkaufte, wurde 2011 relativ erfolgreich mit Sarah Jessica Parker und Pierce Brosnan verfilmt.
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Thomas Ligotti / Horacio Quiroga – H. R. Giger’s Vampirric 1 – Die verloren gegangene Kunst des Zwielichts

Der Schweizer Multimediakünstler H.R. Giger ist am besten bekannt für seine Kreation des Alien-Monsters in Ridley Scotts gleichnamigen Science-Fiction-Horror-Film. Sein Museum befindet sich in Gruyères in der Schweiz – und natürlich auch im Internet. Siehe auch den Schluss dieses Artikels.

In der ersten Folge von H.R. Gigers vierteiliger „Vampirric“-Reihe finden sich folgende zwei Vampir-Geschichten: „Die verloren gegangene Kunst des Zwielichts“ von Thomas Ligotti und „Das Federkissen“ von Horacio Quiroga. Beide Storys liest Lutz Riedel. Die Vorworte spricht HR Giger.

Thomas Ligotti / Horacio Quiroga – H. R. Giger’s Vampirric 1 – Die verloren gegangene Kunst des Zwielichts weiterlesen

Rudyard Kipling – Das Zeichen der Bestie (Gruselkabinett Folge 142)

Unheimliches Indien: Bestrafung und Erlösung eines Frevlers

Indien, Jahreswechsel 1889/1890: Fleete, der sich wenig um Indien und die Inder schert, betrinkt sich in Begleitung seiner beiden Freunde am Silvester-Abend und schändet in einem Tempel das Standbild des Affengottes Hanuman. ((https://de.wikipedia.org/wiki/Hanuman)) Das hätte er besser nicht getan… (Verlagsinfo).
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Sherlock Holmes – Das unheimliche Pfarrhaus (Folge 36)

Spukszenen in Cornwall: ein spannender Holmes-Fall

Eigentlich wollten Holmes und Watson in dem idyllischen Städtchen St. Porodoc an der Küste von Cornwall nur ein wenig Urlaub machen. Als der Meisterdetektiv jedoch Kenntnis von unheimlichen Ereignissen im Pfarrhaus von Saint Porodoc bekommt, wird seine Neugier dadurch mehr als geweckt… (erweiterte Verlagsinfo)
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