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Interview mit Amelie Fried

»Jede Familie ist gut, so lange sie liebevoll und verlässlich ist.«

Amelie Fried ist derzeit recht präsent bei |Heyne|: Ihr Erfolgsbuch „Liebes Leid und Lust“ (2003) erscheint 2004 auch als Taschenbuch, die Taschenbuchfassung von „Am Anfang war der Seitensprung“ (1998) wurde erst im Mai neu aufgelegt.
Zudem erscheint der dritte Teil ihrer gemeinsam mit ihrem Mann Peter Probst verfassten Kinderbuchreihe „Taco und Kaninchen“ unter dem Titel „Arme Millionäre“ zeitgleich als gebundene Ausgabe, auf CD und Kassette.

Ich habe der Autorin anno 2004 zu ihrer Arbeit als Kinderbuchautorin einige Fragen auf dem elektronischen Postweg gesandt; diese und die Antworten von Amelie Fried möchten wir euch nicht vorenthalten:

Michael Matzer:
Sie haben inzwischen drei Romane über Ihre kindlichen Helden Taco und Kaninchen veröffentlicht, und der nächste ist sicher schon in der Pipeline. Warum haben Sie die beiden zu Amateurdetektiven gemacht? Sie könnten ja auch beispielsweise Erfinder sein. Dachten Sie dabei an Erich Kästners „Emil und die Detektive“?

Amelie Fried:
Die Idee zu „Taco & Kaninchen“ ist von meinem Mann – und der hat als Drehbuchautor schon eine Menge Krimis geschrieben. Daher lag es nahe, dass die beiden Detektive sind. Direkte Vorbilder wie „Emil und die Detektive“ gibt es aber nicht.

Michael Matzer:
Warum ist die Familie von Taco und Kaninchen nur eine Rumpffamilie und wieso hat Taco eine andere Hautfarbe als seine Schwester? Sollen diese Verhältnisse die wirklichen Verhältnisse in unserer Gesellschaft spiegeln oder steckt etwas anderes dahinter?

Amelie Fried:
Wir wollten eine Familie zeigen, die nicht dem üblichen Klischee „Vater-Mutter-und-zwei-Kinder“ entspricht, sondern etwas von der Vielfältigkeit widerspiegelt, die Familien heute auszeichnet. Außerdem wollten wir denjenigen unserer kleinen Leser und Leserinnen, die selbst in einer ähnlichen Situation leben, zeigen, dass jede Familie gut ist, so lange sie liebevoll und verlässlich ist. Viele betroffene Kinder finden es übrigens toll, dass wir nicht diesen typischen mitleidigen Ton anschlagen, wenn es um Alleinerziehende geht. Das ist uns bei Lesungen schon oft gesagt worden.

Michael Matzer:
Auch in Ihrem Buch über den Opa, der (hoffentlich) in den Himmel kommt, befassen Sie sich mit einem stets aktuellen und nicht gerade pflegeleichten Thema: dem Sterben lieber Menschen. Und beantworten die Fragen, die Kinder dazu stellen. Gehört es Ihrer Ansicht nach zu den Aufgaben eines Kinderbuches, sich mit der Gegenwart zu beschäftigen und Kindern zu helfen, deren Probleme zu bewätigen?

Amelie Fried:
Ob es zu den Aufgaben eines Kinderbuches gehört, sich mit den Problemen der Gegenwart zu beschäftigen, weiß ich nicht. Mich interessieren einfach keine Bücher, in denen es um nichts geht. Als Leser und Autorin möchte ich gerne emotionale Konflikte, starke Gefühle und spannende Erlebnisse haben. Deshalb schreibe ich Geschichten, in denen all das vorkommt und die etwas mit unserem Leben zu tun haben.

Michael Matzer:
Hilft Ihnen Ihre Moderatorinnentätigkeit dabei, Ideen für Ihre Romane zu finden und auszuarbeiten? Dabei dürften Sie ja alle möglichen Leute kennen lernen.

Amelie Fried:
Für mich ist mein ganzes Leben Inspiration. Menschen, die ich kennen lerne, Gespräche, die ich führe, eigene Erlebnisse und Beobachtungen – alles kann, bewusst oder unbewusst, in meine Bücher einfließen. Aber ich suche nicht danach, sondern bin einfach offen für das, was ich erlebe.

Michael Matzer:
Werden wir auch die Abenteuer von „Taco und Kaninchen“ demnächst im Fernsehen bewundern dürfen? Gibt es sie auch im Hörbuch?

Amelie Fried:
Es gibt ein erstes Hörbuch von Taco und Kaninchen: „Arme Millionäre“ (3. Band, gerade erschienen). Ich denke, es wird auch bald die anderen Bände als Hörbücher geben. Über eine Verfilmung wird bereits verhandelt.

Michael Matzer:
Welches Buch wird als nächstes von Ihnen erscheinen? Schreibt ihr Mann Peter Probst daran mit? Wird es wieder ein so gelungenes Buch wie „Liebes Leid und Lust“?

Amelie Fried:
Mein Mann und ich schreiben an drei weiteren Bänden von „Taco und Kaninchen“ und im Frühjahr 2005 erscheint mein neuer Roman mit dem voraussichtlichen Titel „Rosannas Tochter“. Es geht um ein junges Ehepaar, das plötzlich gezwungen ist, ein vierzehnjähriges Mädchen aufzunehmen. Die Kleine hat es faustdick hinter den Ohren und stellt die Liebe der beiden auf eine harte Probe. Ob der Roman so gelungen ist wie mein letzter, das müssen natürlich die Leser beurteilen!

Homepage der Autorin: http://www.ameliefried.de/

Bibliographie 2004:

Die StörenFrieds (1995)

Traumfrau mit Nebenwirkungen (1996)

Neues von den StörenFrieds (1997)

Hat Opa einen Anzug an? (1997)

Am Anfang war der Seitensprung (1998)

Der Mann von nebenan (1999)

Der unsichtbare Vater (1999)

Wann bitte findet das Leben statt? (1999)

Glücksspieler (2001)

Geheime Leidenschaften …und andere Geständnisse (2001)

Das kleine Buch der StörenFrieds (2001)

Das neue Buch der StörenFrieds (2002)

Liebes Leid und Lust (2003)

Taco und Kaninchen (2003)

Taco und Kaninchen: Fette Beute (2004)

Taco und Kaninchen: Arme Millionäre (2004)

_Auszeichnungen:_

Neben ihren journalistischen Auszeichnungen wie dem |Grimme|-Preis 1986, dem |Telestar|-Förderpreis oder dem |BAMBI|-Fernsehpreis 1998, erhielt Amelie Fried auch für ihre Bücher große Auszeichnungen:

1997
„Hat Opa einen Anzug an?“
-> Aufnahme durch die internationale Jury der |Stiftung Buchkunst| in „Die schönsten Bücher 1997“

1998
„Hat Opa einen Anzug an?“
-> „Deutscher Jugendliteraturpreis“
in der Kategorie Bilderbuch
-> „Schönste Bücher aus aller Welt“
Ehrendiplom der internationalen Jury der |Stiftung Buchkunst|
-> Ehrendiplom der Stadt Leipzig für ausgezeichnete buchkünstlerische Leistungen

2000
„Der unsichtbare Vater“
-> Nominierung für den „Deutschen Jugendliteraturpreis“ in der Kategorie Bilderbuch
-> |FOCUS| und |Deutschlandradio| wählen im Februar das Buch unter die „Besten 7 Bücher für junge Leser“

Folgende Bücher von Amelie Fried wurden verfilmt:
„Traumfrau mit Nebenwirkungen“ – ZDF
„Am Anfang war der Seitensprung“- ARD
„Am Anfang war die Eifersucht“ – ARD
„Der Mann von nebenan“ – SAT.1

(Quelle: MSC-Promotion, mit eigenen Ergänzungen)

Interview mit Richard Montanari

_Buchwurm.info:_
Hallo, Richard, wie geht es Ihnen? Wo sind Sie gerade?

_Montanari:_
Danke, mir geht es gut. Im Augenblick befinde ich mich in meinem – Gottseidank klimatisierten – Heimbüro im nordöstlichen Ohio, USA. Draußen herrschen 33 bis 34 Grad Celsius.

_Buchwurm.info:_
Ich kenne Sie als den Autor der Thriller „Crucifix“ (The Rosary Girls) und „Mefisto“ (The Skin Gods). Warum schreiben Sie über Serienmörder? Sind Sie von diesem gesellschaftlichen und kriminalistischen Phänomen besonders fasziniert oder sind Sie darüber besorgt?

_Montanari:_
Ich gebe zu, dass ich vom krankhaft kriminellen Bewusstsein eher fasziniert als darüber besorgt bin. Wenn ich beispielsweise einen neuen Roman zu schreiben beginne, fange ich nie mit der Handlung oder gar den Figuren an, sondern stets mit dem Wahnsinn. Ich frage mich (wie es auch der Leser tun wird): Warum tut diese Person das, was er oder sie tut? Durch welches Prisma der Geisteskrankheit betrachtet sie die Welt?

Jeder meiner Romane weist eine unterschiedliche Art der Pathologie auf: der Rosenkranz (The Rosary Girls), Filme (The Skin Gods), Märchen (Merciless) als zentrale Motive. In jedem Roman verdreht der Mörder die Logik aller Dinge, bis diese, wie der Verstand des Mörders, aus den Fugen geraten. Dies ist zugegebenermaßen ein relativ seltenes Phänomen bei Serienverbrechen, aber sobald ich einmal in der Realität darauf stoße, bin ich davon gefesselt.

_Buchwurm.info:_
Worum geht es in Ihrem neuesten Roman? Kommen darin ebenfalls ein Serienkiller vor und die gleichen Hauptfiguren wie zuvor?

_Montanari:_
Der nächste in Europa erscheinende Roman heißt „Merciless“ (obwohl er bereits im April 2007 in Großbritannien unter dem Titel „Broken Angels“ veröffentlicht worden ist, wo er fünf Wochen auf der Bestsellerliste der „Sunday Times“ stand). Dies ist das dritte Buch in meiner Philadelphia-Serie, und diesmal führt die Ermittlung die Angehörigen der Mordkommission jenseits der Stadtgrenze den Schuylkill River hinauf, mitten ins Herz des Wahnsinns. Der Schuylkill River ist etwa 130 Meilen lang (ca. 200 km) und windet sich durch vier oder fünf Distrikte im südöstlichen Pennsylvania, wobei er sich manchmal bis auf wenige hundert Meter verengt. Auf dieser Wegstrecke gibt es jede Menge Gelegenheiten für Mord, Chaos und Verstecken. „Merciless“ ist der erste Roman, in dem zwei verschiedene Widersacher auftreten.

Der Roman sollte im Sommer 2008 in Europa in die Buchläden kommen. [Dazu bietet die Website http://www.richardmontanari.com unter „Gallery“ einen Trailer. Anm. des Interviewers.]

_Buchwurm.info:_
Aus welchem Grund sind diese Themen und Probleme für Sie wichtig? Gibt es dafür persönliche Gründe?

_Montanari:_
Nein, da gibt es keinen persönlichen Hintergrund, außer vielleicht ein Interesse an Verbrechen und Spannung. Anfang der neunziger Jahre war ich Filmkritiker und eingeteilt für Thriller. Ich habe so viele schlecht geschriebene Filme gesehen, dass ich (wie viele Filmkenner) dachte, ich könnte ja mal versuchen, eine Kriminalgeschichte zu schreiben. Das tat ich dann 1995, und mein erster Krimi „Deviant Way“ wurde 1996 von |Simon & Schuster| [einem der großen US-Verlage] veröffentlicht.

_Buchwurm.info:_
Ich nehme an, es erfordert eine Menge Recherchen, um auf glaubwürdige Weise über Serienmörder und die Arbeit von Kripo-Beamten zu schreiben. Vermutlich ist es auch nicht ganz einfach, über die emotionale Seite einer solchen Geschichte zu schreiben. Wie gehen Sie vor?

_Montanari:_
Was den technischen Aspekt einer Story angeht, so bin ich gesegnet mit einem sehr engen Verhältnis zur Mordkommission des Philadelphia Police Department wie auch zu Beamten in deren Crime Scene Unit (Spurensicherung). Ich habe viele Stunden Kripo-Beamte auf ihren Einsätzen begleitet, aber auch viel Zeit in ihrem fantastisch eingerichteten rechtsmedizinischen Labor verbracht.

Was die emotionalen Aspekte einer Story angeht, so sind die am schwierigsten zu schreibenden Stellen jene, in denen die Auswirkungen eines Gewaltverbrechens auf die überlebenden Familienmitglieder eines Opfers gezeigt werden. Ich wurde davon vielfach Augenzeuge und es ist jedes Mal eine große Belastung. Ich glaube, dass dies ein sehr wichtiger und notwendiger Bestandteil der Geschichte ist.

_Buchwurm.info:_
Was hat Sie dazu gebracht, ein Schriftsteller zu werden, noch dazu ein Krimiautor?

_Montanari:_
Ich war schon immer ein Geschichtenerzähler, sogar als Kind. Ich war obendrein ein Amateurzauberer, so dass die Begriffe des Verbergens und des Irreführens (des Betrachters) mich immer fasziniert haben. Als Leser liebe ich die Vorstellung, dass die Dinge nicht ganz so sind, wie sie erscheinen. Daher besteht die Möglichkeit, dass alles Mögliche als Nächstes passieren kann. Etwa dass eine Maske abgerissen wird, um eine neue und furchterregende Identität zu enthüllen.

Ich muss zugeben, dass das Fernsehen der sechziger Jahre mich dazu inspiriert hat, ein Schriftsteller zu werden, ganz besonders „The Twilight Zone“, „Alfred Hitchcock Presents“ und „Thriller“. Als ich etwas älter wurde, fing ich an, die Hitchcock-Klassiker zu analysieren, und wusste, dass ich Spannungsliteratur schreiben wollte. Nachdem ich Thomas Harris‘ Thriller „Roter Drache“, „Das Schweigen der Lämmer“ und Shane Stevens‘ Roman „By Reason of Insanity“ gelesen hatte, wusste ich, dass der Roman meine literarische Form ist.

_Buchwurm.info:_
Gibt es Krimiautoren, die Sie bewundern und denen Sie nacheifern?

_Montanari:_
Da gibt es so viele. Shirley Jackson, James M. Cain, Charles Willeford, Ray Bradbury, James Ellroy, Richard Price, Dennis Lehane, Shane Stevens, Russell Banks, Thomas H. Cook, William Trevor und viele weitere. Ich bewundere jeden, der mir eine Tür zeigen kann und mich dazu bringt hindurchzugehen und mich dann mit dem überrascht, was sich jenseits davon befindet. Während jeder der genannten Autoren mit einem anderen Stil schreibt, haben sie doch alle die gleiche Wirkung auf mich: ein inneres Bedürfnis weiterzulesen. Thomas H. Cook und Russell Banks haben ein erstaunlich gutes Händchen für den Aufbau einer Geschichte, und William Trevors sparsamen Umgang mit Wörtern finde ich wunderbar.

_Buchwurm.info:_
Kennen Sie auch europäische Autoren?

_Montanari:_
Ich mag die Arbeit von Jack O’Connell („Word made Flesh”, „Box nine”) und Michael Marshall („The Straw Men“, „The Intruders“). Aber was die Herkunft der Autoren anbelangt, ist das Verlagswesen heutzutage so weltumspannend, dass ich nicht sicher bin, ob es noch viele Unterschiede zwischen amerikanischen und europäischen Autoren gibt. Ich bekomme elektronische Post von Lesern aus aller Welt und finde es höchst befriedigend zu wissen, dass sich sowohl die Story als auch meine Ausdrucksweise überall übersetzen lassen und beim Leser ankommen. Ich gebe jedoch zu, dass die britischen Fernsehkrimiserien viel besser sind als die amerikanische Krimikost. Ich verschlinge geradezu DVDs von „Prime Suspect“ [„Heißer Verdacht“ mit Helen Mirren], „Cracker“, „Wire in the Blood“, „Touching Evil“, „Messiah“ und vielen anderen. Was europäische Autoren angeht, so mag ich Mo Hayder, Henning Mankell, Ian Rankin und viele andere.

_Buchwurm.info:_
Üben Sie noch andere berufliche Tätigkeiten neben Ihrem Schreiben aus?

_Montanari:_
Zurzeit nicht, obwohl ich eine Menge Jobs gehabt habe – auf dem Bau, im Einzelhandel, als persönlicher Begleiter, im Anzeigengeschäft.

_Buchwurm.info:_
Was sind Ihre liebsten Freizeitbeschäftigungen?

_Montanari:_
Ich liebe es zu kochen. Man mag mich zwar nicht als Gourmet bezeichnen, aber ich kenne mich in der Küche und im Weinkeller aus. Ich ziehe viele italienische Gerichte vor, aber ich mag auch Cajun- [aus dem Mississippi-Delta], vegetarische und japanische Küche. Außerdem bin ich ein großer Fan des Boxsports und liebe es, Filme zu sammeln und anzusehen, besonders Film-noir-Krimis.

_Buchwurm.info:_
An welchen Projekten sind Sie zurzeit beteiligt? Engagieren Sie sich auch in sozialen Projekten?

_Montanari:_
Zurzeit arbeite ich an zwei Theaterstücken. Eines ist eine romantische Fantasy, das andere ein Thriller mit übernatürlichen Elementen. Was soziale Projekte angeht, so unterstütze ich das Mentorenprojekt „Big Brothers Big Sisters“ (Erwachsene übernehmen die Ausbildung von bedürftigen Kindern) sowie verschiedene Alphabetisierungsprojekte und beginne gerade, mich an Wiederverkaufsläden zu beteiligen, deren Erlöse der American Cancer Society, der Krebshilfe, zugutekommen.

_Buchwurm.info:_
Was wird Ihr nächstes Buch sein? Wird es Verfilmungen Ihrer Romane geben?

_Montanari:_
Ich schreibe gerade an der noch unbetitelten vierten Folge in der Philadelphia-Thriller-Serie. Er soll im Sommer 2008 in den USA und in Großbritannien erscheinen. Diesmal liegt der Schwerpunkt auf dem Thema Magie und Magier im Deutschland der 1930er-Jahre, die Story spielt aber auch im Philadelphia der 40er und 50er Jahre. Diese Hintergrundgeschichte ist verknüpft mit einer Serie von bizarren und brutalen Morden im gegenwärtigen Philadelphia.

Was die Verfilmung angeht, so führe ich zurzeit Diskussionen mit einer französischen Filmfirma hinsichtlich einer Kinofassung von „The Rosary Girls“ („Crucifix“). Ich glaube, daraus könnte ein recht düsterer und emotional fesselnder Film entstehen.

_Offizielle Biografie von Richard Montanari*_

Richard wurde am 6. Dezember 1952 in Cleveland, Ohio, als Spross einer traditionellen italienisch-amerikanischen Familie geboren, was bedeutete, dass er zwei Dinge schon sehr früh lernte: erstens, dass Ravioli viel besser schmecken als Babynahrung, und zweitens, dass, wenn man nicht rechtzeitig zu Tisch kommt, keine Ravioli mehr übrig sind.

Nach einer akademischen Laufbahn ohne besondere Auszeichnungen bereiste Richard Europa intensiv, lebte eine Zeitlang in London, wo er in Chelsea Kleider und in Hampstead Heath Fremdsprachenlexika an der Haustür verkaufte. Es erübrigt sich zu sagen, dass er ein paar Krawatten mehr verhökerte als Schmöker, doch weder der eine noch der andere Job brachte ihm genügend ein, um ihn mit Bier und Proviant zu versorgen. Indem er seinen Traum aufgab, der nächste Bryan Ferry zu werden, kehrte er in die Vereinigten Staaten zurück und trat in die Baufirma seiner Familie ein.

Fünf Jahre und eine Menge zerschlagene Daumen später entschied er, dass das Schreiben eine bessere Arbeit ist. Nach jahrelanger Arbeit als freier Journalist, wobei er in mehr als 200 Zeitschriften veröffentlichte, schrieb Richard drei Seiten, aus denen das erste Kapitel seines Romans „Deviant Way“ (= Abweichung) werden sollte. Er wurde sofort von einer New Yorker Literaturagentur verpflichtet. Als er das Buch beendet hatte, vermittelte ihm Michael Korda einen Zwei-Romane-Vertrag mit dem Verlagshaus |Simon & Schuster|. 1996 errang „Deviant Way“ den OLMA-Preis für das „Beste Krimidebüt des Jahres“.

Danach veröffentlichte Richard die Romane „The Violet Hour” (1998), „Kiss of Evil” (2001), „The Rosary Girls” (2005, dt. als „Crucifix”) und „The Skin Gods” (2006, dt. als „Mefisto”). Seine Romane sind inzwischen in mehr als 20 Ländern erschienen. In Großbritannien wird Richard von |Random House U.K.| veröffentlicht. Alle drei Bücher seiner Philadelphia-Kripo-Reihe schossen sofort in die Bestsellerliste der „Sunday Times“.

Richards neuester Roman mit dem Titel „Merciless“ (Gnadenlos) ist seit 2007 in einer Hardcover-Ausgabe bei |Ballantine Books| erhältlich (und seit April 2007unter dem Titel „Broken Angels“ auch in England bei |Random House U.K.|).

* veröffentlicht auf http://www.richardmontanari.com

_Richard Montanari auf |Buchwurm.info|:_

[„Crucifix“ 2818
[„Mefisto“ 3681

Interview mit Matt Basanisi und Gerd Schneider über ihren aktuellen Thriller „Skorpion“

Interview mit Matt Basanisi und Gerd Schneider über ihren aktuellen Thriller „Skorpion“

Frage: Um es in wenigen Sätzen zu umreißen – worum geht es in SKORPION?

Gerd Schneider (GS): Es beginnt mit dem Mord an einem Priester und führt über den Fund von mehreren Tonnen Kokain in Antwerpen zum Selbstmord eines Privatpiloten in Zürich – all das hängt zusammen mit den Machenschaften eines Schweizer Geldwäschers, einem entscheidenden Rad in einem hochkriminellen Netzwerk, dem unser Protagonist David Keller hinterherjagt und in dem mehr als ein internationaler Dienst seine Finger im Spiel hat.

Matt Basanisi (MB): Die Kerngeschichte spielt Mitte der Zweitausender-Jahre vor dem realen Hintergrund der fragwürdigen Rollen der Finanzplätze Schweiz und Liechtenstein bei der Wäsche von Geldern italienischer Mafia-Organisationen und südamerikanischer Drogenkartelle. Die verantwortungslose, in Teilen auch verbrecherische Liaison der USA mit mexikanischen Narcos-Kartellen ist aber auch die Leinwand, über welche wir eine komplexe Liebesgeschichte erzählen, deren Schicksal eng verknüpft ist mit der Frage, wie weit Grenzüberschreitungen staatlicher Institutionen gehen dürfen, vielleicht auch müssen, um jene oft bemühten, aber selten greifbaren übergeordneten Interessen zu schützen. Und wie hoch der Preis ist für all jene, die ihn letztlich begleichen müssen.
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EXEMPLA-Jubiläum

|Die Baden-Württembergische Literaturzeitschrift „exempla“ feierte im Juni 2005 ihr dreißigjähriges Bestehen mit einer Doppelausgabe und einer Autorenlesung in Ludwigsburg. Unter der Herausgeberschaft von Ursula Jetter avancierte „exempla“ damit zur ältesten Literaturzeitschrift in Baden-Württemberg.|

Zur Jubiläumslesung in der Ludwigsburger Stadtbibliothek pilgerten nicht nur eine staatliche Anzahl Zuhörer, sondern auch Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit klangvollen und bekannten Namen, darunter der Lyriker Wolfgang Rappsilber und seine Nachfolgerin in der Herausgeberrolle, Ursula Jetter. Neben dem Cannstatter Urgestein Wolfgang Jenne lasen auch jüngere Autoren und Autorinnen. Dieses Netzwerk von Beiträgern bewies, wie lebendig die Literaturlandschaft in Baden-Württemberg ist und dass sie in der Lage ist, anhaltend Talente hervorzubringen und zu fördern, ohne die es keine Kontinuität gäbe.

|Der Werdegang der Zeitschrift: Katastrophen und Ehrungen|

Dass es die „exempla“ überhaupt noch gibt, grenzt beinahe schon an ein Wunder. Mehr als einmal stand sie vor dem Aus. Eine Studentengruppe um Peter Poertner, einem ehemaligen Mitherausgeber des Konkursbuches und heutigem Professor für Japanologie, und den Germanisten Ralf Roger Glöckler gründete die Zeitschrift 1974 in Tübingen.

Schwerpunkt des Konzepts war die Förderung junger literarischer Talente in den Bereichen Lyrik, Kurzgeschichte und Essay. Es entstanden auch Hefte mit thematischen Schwerpunkten, wie etwa über Südamerika, Ägypten oder zu Thaddäus Trolls 70. Geburtstag.

Nach dem Weggang der Gründungsmitglieder übernahm 1980 der Lyriker Wolfgang Rappsilber, ein Mitglied des Schriftstellerverbandes VS, die Herausgeberschaft der „exempla“, die fortan im AS-Verlag (|Ankenbauer & Spöhr|) erschien. Rappsilber konnte sich auf einen wachsenden Abonnentenkreis stützen. Als der Verlag jedoch in Schwierigkeiten geriet, schließlich 1987 liquidiert wurde und Rappsilber das Handtuch werfen wollte, schien das Ende der „exempla“ gekommen.

|Teamwork und internationale Ehren|

Doch die Krise konnte er gemeinsam mit der Möglinger Musiktherapeutin Dr. Ursula Jetter, ebenfalls einem VS-Mitglied, meistern. Ab 1990 war Jetter Mitherausgeberin, heute ist sie Alleinherausgeberin der „exempla“. Jetter wurde in den Internationalen P.E.N.-Club aufgenommen und erhielt dort 2001 für ihr literarisches Werk und ihr langjähriges Engagement als Herausgeberin einen Literaturpreis. Nunmehr erscheint die „exempla“ im Eigenverlag.

|Exitus interruptus|

Doch im Jahr 2002 drohte erneut das endgültige Aus für das Projekt. Als die finanzielle Unterstützung aus Mitteln des badenwürttembergischen Kunstministeriums Knall auf Fall gekündigt wurde, steckte die „exempla“ mitten im laufenden Produktionsprozess. Dieser musste ebenso eingestellt werden wie der aller anderen Literaturzeitschriften im so genannten Musterländle. Nur durch ein persönliches Vorsprechen beim Ministerpräsidenten Erwin Teufel selbst erreichte Jetter eine Einmalzahlung von jeweils 3000 Euro als Übergangsgeld. Danach blieb die Zeitschrift auf Gedeih und Verderb sich selbst überlassen. Aus diesem Grund sucht die Herausgeberin laufend Sponsoren, um das weitere Erscheinen abzusichern.

|Das heutige Aufgabenfeld|

Ursula Jetter organisiert laufend Lesungen, Ausstellungen, Workshops und Studientage. Regelmäßig hält sie Vorträge zu Autoren ihres Netzwerks. „Die ‚exempla‘ sieht ihre Aufgabe darin, Texte von unbekannten, förderungswürdigen Autoren zu veröffentlichen, aber auch arrivierte Schriftsteller aus ganz Europa zu präsentieren“, erläutert die Herausgeberin. „Literarisch befasst sich die Zeitschrift wie in ihren Anfängen mit den Formen Lyrik, Kurzgeschichte, Essay, druckt aber auch Ausschnitte unveröffentlichter Romane ab.“ Ferner fördert sie behinderte und verfolgte Schriftsteller.

In ihrer thematischen Vielfalt spiegle sich menschliches Sein im Kontext und der Auseinandersetzung mit einer pluralistischen, oft widersprüchlichen gesellschaftlichen Wirklichkeit, so Jetter. Das Motto der Jubiläumslesung lautete nicht von ungefähr: „Der Mensch, das noch nicht festgestellte Tier“. Das Zitat stammt von Friedrich Nietzsche (aus: „Zur Genealogie der Moral“). Die Ausgabe des Jahres 2000 beschäftigte sich mit dem Thema „Die Schuld- und Judenfrage“, ein Jahr später stand der 11. September im Mittelpunkt, und im Jahr 2002 lautete das Thema „Europa – Osteuropa“.

|Die aktuelle Ausgabe|

In der aktuellen Doppelausgabe sind weitere wichtige Namen versammelt, so etwa Peter Chotjewitz, Elisabeth Alexander, Norbert Sternmut, Rainer Wochele, Carmen Kotarski, Hartmut Steegmaier, Widmar Puhl, Regine Kress-Fricke und Reinhard Gröper. An dieser Stelle können aus Platzgründen leider nicht sämtliche Autoren aufgeführt werden.

|Bezugsquelle|

Die ‚exempla‘ erscheint 2004/2005 im 30. bzw. 31. Jahrgang. Dies ist eine Doppelnummer, doch normalerweise erscheint die illustrierte Zeitschrift einmal im Jahr im Taschenbuchformat zu einem Preis von 6,50 Euro. Wer die Zeitschrift abonnieren, eigene Texte zur Veröffentlichung anbieten oder eine Ausgabe grafisch gestalten möchte, wende sich bitte an folgende Adresse:

Ursula Jetter (Hg.), Teckstr. 56, 71696 Möglingen (bei Ludwigsburg), Tel. 07141 / 24 19 46. Eine Mailadresse hat Ursula Jetter leider nicht.

Die nächste Ausgabe der ‚exempla‘ erscheint erst 2006. Bis dahin hat die Herausgeberin viel Gelegenheit, die Einsendungen zu sichten und auszuwählen. Doch die nächste Lesung ist bereits fest geplant.

|Über die Abbildung:

Die Skultpur des Stuttgarter Künstlers THOMAS PUTZE trägt den Titel „Rosa Gorilla“ und schmückt die Jubiläumsausgabe der EXEMPLA, passend zum Motto: „Der Mensch, das nicht festgestellte Wesen“.|

Interview mit Michael Bennett, Krimi-Autor aus Neuseeland

Interview mit Michael Bennett, Krimi-Autor aus Neuseeland

Als Polizistin in Auckland und getrennt lebende Mutter einer Teenie-Tochter, hat Hana Westerman sich angewöhnt, stets nach vorn zu blicken. Doch ihr schwierigster Fall hat gerade erst begonnen: Ein mysteriöser Tippgeber weist ihr den Weg zu einem Toten, aufgehängt in einem geheimen Raum. Zu diesem Zeitpunkt ahnt Hana noch nicht, dass sie es mit dem ersten Serienkiller in der Geschichte Neuseelands zu tun hat. Doch warum hat der Täter ausgerechnet sie auf seine Fährte gelockt? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, muss Hana sich ihrer Vergangenheit stellen – und damit dem dunkelsten Kapitel ihrer Vergangenheit … (Verlagsinfo)

Der Autor

Michael Bennett (Ngāti Pikiao, Ngāti Whakaue) arbeitet als preisgekrönter Regisseur, Produzent und Showrunner für Film und Fernsehen in Neuseeland (Aotearoa). »6 Tote« ist der erste Fall für Detective Senior Sergeant Hana Westerman. In seinem Thriller-Debüt verknüpft Michael Bennett seine Leidenschaft für spannende Geschichten mit Fragen von Identität und Herkunft, die eng mit dem kolonialen Erbe seiner Heimat verbunden sind. Mit seiner Partnerin und seinen drei Kindern lebt Michael Bennett in Auckland (Tāmaki Makaurau). (Verlagsinfo)

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Interview mit Jutta Weber-Bock

_Buchwurm.info:_
Was machst du gerade? Bist du zu Hause? Fühlst du dich wohl in deinem Wohnort – wo ist das überhaupt?

_Weber-Bock:_
Gerade komme ich zurück von der Stuttgarter Karlhöhe. Der Blick hinunter auf die Stadt bringt mir im Sommernieselregen einen Hauch Norwegen, in der Sommerhitze hingegen erinnern mich Stuttgarts Hügel an San Francisco. Als Schriftstellerin fühle ich mich sehr wohl in Stuttgart. Ich wohne in der Nähe des Stuttgarter Schriftstellerhauses und genieße es, schnell in der Stadt zu sein und im Heusteigviertel, in dem ich wohne, eine Atmosphäre vorzufinden, die mich jeden Tag aufs Neue inspiriert.

_Buchwurm.info:_
Du hast am 24. Mai in Stuttgart aus deinem Roman „Liebesprobe“ vorgelesen. Wie war die Veranstaltung für dich persönlich? Und warum machst du überhaupt Lesungen?

_Weber-Bock:_
Die Lesung zusammen mit Jana Jürß in der Gedok Stuttgart hat sehr viel Spaß gemacht, weil es so möglich war, das Thema „Liebe und andere Radikalitäten“ aus zwei ganz verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Und die Einbindung der Lesung in die Veranstaltungsreihe der Autorinnenvereinigung zum Thema „Das Land der Dichterinnen und Denkerinnen – Poesie und Radikalität“ hat mir bei der Auswahl der Textpassagen einen neuen Blick auf meinen eigenen Roman eröffnet.

Bei Lesungen gefällt mir der unmittelbare Kontakt zu meinen Lesern, dieses Herüberschwingen der Worte ins Publikum hinein. Und das möchte ich mit meinen Lesungen: die Leserinnen und Leser persönlich erreichen.

_Buchwurm.info:_
Worum geht es denn in diesem Roman überhaupt?

_Weber-Bock:_
Mein Roman „Liebesprobe“ erzählt vor dem Hintergrund eines Mountainbike-Urlaubs auf Gran Canaria von einer heimlichen Liebe, von einer Frau, die als Geliebte eines verheirateten Mannes lebt. Ich verknüpfe dabei den Mythos der Insel, also diese romantische Sehnsucht nach den Elysischen Gefilden, mit dem Ideal einer Verschmelzung von Ich und Du, das sich in der Landschaft Gran Canarias widerspiegelt. Die Frau macht sich Hoffnungen auf Erfüllung ihrer Liebe, und ihr Geliebter hat Angst vor einer Entdeckung ihres Verhältnisses.

In diesem Spannungsfeld bewegen sich die beiden radelnd über die Insel. Er will sich mit ihr nicht öffentlich zeigen und möchte, dass sie sich unter falschem Namen vorstellt. Sie fordert ihn zu einer Entscheidung auf und setzt ihm eine Frist. Er geht darauf ein, sie schöpft Hoffnung, dass nun alles gut wird, stellt ihn aber auf die Probe und entdeckt dann, dass die Dinge noch sehr viel schlimmer sind, als sie es sich hat vorstellen können.

_Buchwurm.info:_
Ich kenne dich ja auch als Lyrikerin. Ziehst du jetzt, nach Jahren der Lyrik, die erzählende Prosa dem Gedichteschreiben vor? Worin liegt der Unterschied für dich? Möchtest du unterschiedliche Ziele erreichen?

_Weber-Bock:_
Begonnen habe ich mein Schreiben tatsächlich mit Gedichten, aber schnell festgestellt, dass ich die Prosa brauche, um auch Geschichten erzählen zu können. So ist es phasenweise verschieden, ob ich mich mehr auf das Erzählen oder das Dichten konzentriere. Außerdem kommt es natürlich auf den Stoff, auf das Thema an, das ich bearbeiten möchte. Und da kann ich sehr schnell erkennen, welche Gattung ich brauche. Die Ziele sind bei Prosa und Lyrik die gleichen, nur die Mittel verschieden.

_Buchwurm.info:_
Was sind deine Themen, mit denen du dich in Lyrik und Prosa befasst? Spielt auch dein Wohnort Stuttgart eine Rolle?

_Weber-Bock:_
Im übergeordneten Sinne sind immer Menschen mein Thema und die Kommunikation zwischen ihnen. Oft helfen mir auch Themen wie zum Beispiel das Reisen, das Joggen oder das Wandern, um klarer formulieren zu können, was ich sagen möchte. Allerdings sind diese Sub-Themen mehr als bloße Kulisse – so ist die Insel Gran Canaria zwar ein Ort, an dem sich die Personen meines Romans befinden. Der Mythos der Insel aber wird erst virulent durch die Landschaft und die besondere Atmosphäre in den Bergen und löst seinerseits bei den Personen bestimmte Gefühle aus. Ähnlich geht es mir mit Stuttgart. Zurzeit arbeite ich an einem Roman, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Stuttgart spielt. Und wenn ich heute durch die Stadt laufe, versuche ich dieser historischen Atmosphäre nachzuspüren und meinen Figuren dann diese Gefühle mitzugeben.

_Buchwurm.info:_
Deiner Webseite entnehme ich, dass du auch eine pädagogische Ader hast. Ich habe selbst an den von dir organisierten Schreibseminaren und Literaturwerkstätten teilgenommen. Siehst du in diesem Zweig deiner Tätigkeiten einen wichtigen Teil deiner Persönlichkeit verwirklicht, oder warum machst du das?

_Weber-Bock:_
Von meiner Ausbildung her bin ich Lehrerin. Es gab zu einem gewissen Zeitpunkt, 1989 war das, den Wunsch, zu schreiben und gleichzeitig meinem Beruf auch wieder näher zu kommen. Ich merke immer wieder, dass ich meine Teilnehmerinnen und Teilnehmer „beflügeln“ kann. Umgekehrt erhalte ich von ihnen aber auch viele Inspirationen zum eigenen Schreiben. Insofern folge ich einer doppelten Berufung und erfahre, das dies gut bei Lesern und Seminarteilnehmern ankommt.

_Buchwurm.info:_
Wer interessiert sich für deine Seminartätigkeit? Hoffentlich viele werdende Schriftsteller – aber vielleicht auch Kulturämter?!

_Weber-Bock:_
Vor allem haben natürlich Schreibende, die sich fortbilden und professionalisieren wollen, Interesse an meinen Seminaren. Dazu biete ich inzwischen einige Themen als „inhouse-Seminare“ für kleine Gruppen an, in denen dann sehr intensiv gearbeitet wird und ein Projekt bis zur Veröffentlichungsreife gebracht werden kann. Es interessieren sich natürlich auch Kulturveranstalter für meine Angebote, wie etwa Volkshochschulen oder Fortbildungsakademien. Doch in diesem Bereich würde ich meine Tätigkeiten gerne noch ausweiten. Ich verstehe mich als Schriftstellerin und Literaturvermittlerin – für den Schriftstellerverband, den Förderkreis, die Gedok, die Autorinnenvereinigung oder den Volkshochschulverband.

_Buchwurm.info:_
Wie bist du zum Schreiben gekommen?

_Weber-Bock:_
Die Frankfurter Vorlesungen von Paul Nizon „Am Schreiben gehen“ haben bei mir als Initialzündung gewirkt. Seitdem gehe ich am Schreiben, wie Paul Nizon sagt. Schreiben ist „matière, die ich schreibend befestigen muss, damit etwas stehe, auf dem ich stehen kann.“ Ich bilde mich ab im Schreiben und vergegenwärtige mich darin. So bekomme ich mein Leben in den Griff, Stück für Stück. Ich schreibe, also bin ich.

_Buchwurm.info:_
Wer sind deine schriftstellerischen Vorbilder, denen du nacheiferst?

_Weber-Bock:_
In der Prosa sind es Isabel Allende und Philippe Djian, in der Lyrik Hilde Domin und Werner Dürrson. Zu nennen wären natürlich noch mehr Kolleginnen und Kollegen, aber ich denke, die vier umspannen ganz gut das Feld, auf dem ich mich bewege.

_Buchwurm.info:_
„Liebesprobe“ war meines Wissens dein Romandebüt. Würdest du es als erfolgreich bezeichnen? Wie konnte es dir überhaupt gelingen, den Roman zu veröffentlichen?

_Weber-Bock:_
Von meinen Lesern habe ich, soweit sie mir zugänglich sind, durchweg sehr positive Rückmeldungen erhalten. Es gibt zwei Buchrezensionen bei Amazon.de, außerdem hat die „Stuttgarter Zeitung“ im letzten Jahr anlässlich meiner Lesung im Stuttgarter Schriftstellerhaus im Rahmen des Literatursommers „Im Spiegel der Romantik“ über das Buch berichtet. Aber ich würde den Roman natürlich gerne noch mehr bekannt machen. Gerade bin ich dabei, die drei Haupt-Zielgruppen Frauen (in den besten Jahren), Liebhaber (nicht nur) der Kanarischen Inseln sowie Radfahrer/Mountainbiker gezielter auf das Buch aufmerksam zu machen. Wichtig war es mir bei der Auswahl des Verlags, dass das Buch langfristig am Markt verfügbar ist.

_Buchwurm.info:_
Kannst du vom Scheiben leben? Oder hast du noch andere berufliche Tätigkeiten?

_Weber-Bock:_
Zurzeit verkauft sich mein autobiographisches Buch [„Wir vom Jahrgang 1957 – Kindheit und Jugend“ 3882 ganz gut, und so lebe ich quasi von meiner Kindheit. Beim Schreiben bin ich mir mit der Zeit immer mehr auf die Spur gekommen und kann heute sagen und zugeben, dass alle meine Geschichten natürlich vor meinem eigenen Lebenshintergrund spielen. Ich nenne das „autobiographische Matrix“. Darauf baue ich beim Schreiben auf. Eine Konsequenz ist mein Handbuch „Autobiographisches Schreiben“, das eine Anleitung für Schreibende und Kursleitende bietet. Vom Schreiben und Unterrichten zusammen kann ich gerade einigermaßen gut leben, aber sowieso ist beides für mich untrennbar miteinander verbunden.

_Buchwurm.info:_
Mit welchen Projekten können wir in Zukunft von dir rechnen?

_Weber-Bock:_
Derzeit arbeite ich, wie gesagt, an einem historischen Roman, der in Stuttgart spielt, und an einem Lyrikband, wobei die Gedichte thematisch in der Wüste Namib angesiedelt sind. Geplant ist außerdem zum Frühjahr 2008 ein Handbuch „Reisen und Schreiben“, mit dem ich das Thema Reisen aus meinem Roman „Liebesprobe“ wieder aufnehme.

|Das schriftliche Interview führte Michael Matzer im Juni 2007.|

_Kurzbiografie_

* geboren 1957 in Melle/Niedersachsen, lebt seit 1983 in Stuttgart

* Studium Philosophie und Deutsch an der Universität Osnabrück; abgeschlossene Lehrerausbildung

‚ Arbeit als Schreibkraft, Chefsekretärin, Direktionsassistentin und Sachbearbeiterin an einem Forschungsinstitut

* seit 2004 freie Schriftstellerin, Dozentin und Lektorin in Stuttgart; schreibt Romane, Erzählungen und Gedichte

* seit 1990 Dozentin in Schreibwerkstätten

* seit 1997 für den Volkshochschulverband in der Fortbildung von Schreibwerkstättenleiter-/innen tätig

* Stellvertretende Vorsitzende des Schriftstellerverbandes (VS) in Baden-Württemberg, Mitglied in der GEDOK Stuttgart und in der Autorinnenvereinigung e. V.

* Projektleiterin des „Basisnetzwerks: Schreibwerk- und Autorenförderung in Baden-Württemberg“ (http://www.schreibwerkstaetten.de )

* Eintrag im 65. Jahrgang von Kürschners Deutschem Literaturkalender 2006/2007

* im Juni 2006 Aufenthaltsstipendium des „Internationalen Schriftstellerzentrums Three Waves“ auf Rhodos, Griechenland

Internet: http://www.weber-bock.de

Interview mit Alfred Büngen, Geest-Verlag

Alfred Büngen gründete zusammen mit einem Freund 1989 in Ahlhorn den Geest-Verlag. Foto: HeinzelHerr Büngen, in Ihren Verlagsgrundsätzen steht: „Die von ihm (dem Geest-Verlag) verlegte Literatur muss ihren Inhalten nach Ziele verfolgen, die dem Leser eine Auseinandersetzung mit grundlegenden gesellschaftlichen und humanen Fragestellungen ermöglicht.“

Bedeutet dies, dass Sie kontroverse Literatur verlegen? Aber wie kontrovers kann ein Gedicht schon sein? Sind Ihre AutorInnen lauter Radikale?

Wenn Sie wollen, verlegen wir kontroverse Literatur. Literatur, die den gesellschaftlichen Alltag hinterfragt, aufbricht. Ein Gedicht kann nicht nur, sondern sollte eigentlich kontrovers sein.

Ihr Verlag engagiert sich intensiv für die Lesekultur in Europa. Welche Formen hat Ihr Engagement?

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Interview mit Titus Müller über seinen historischen Roman „Der letzte Auftrag“, den Abschlussband seiner SPIONIN-Trilogie

Berlin, 1989. Ria Nachtmann hat ihre große Liebe geheiratet und sich als Spionin zur Ruhe gesetzt. Ihre Tochter Annie verfolgt derweil einen gewagten Plan: Sie will eine Doku des DDR-Widerstands drehen und sie in den Westen schmuggeln. Als sie und ihr Freund Michael dabei versehentlich zwei Männer einer KGB-Geheimoperation filmen, gerät alles außer Kontrolle. Der in Dresden stationierte russische Agent Wladimir Putin hängt sich an ihre Fersen. Mutter und Tochter stehen bald zwischen allen Fronten und müssen erkennen, dass es um nichts weniger geht als um den Sturz der DDR-Regierung und die Zukunft Deutschlands. (Verlagsinfo) Das Buch wurde am 11. Mai 2023 veröffentlicht.

Der Autor

Titus Müller studierte Literatur, Geschichtswissenschaften und Publizistik. Mit 21 Jahren gründete er die Literaturzeitschrift »Federwelt« und veröffentlichte seither mehr als ein Dutzend Romane. Er lebt mit seiner Familie in Landshut, ist Mitglied des PEN-Clubs und wurde u.a. mit dem C.S. Lewis-Preis und dem Homer-Preis ausgezeichnet. Seine Trilogie um »Die fremde Spionin« brachte ihn auf die SPIEGEL-Bestsellerliste und wird auch von Geheimdienstinsidern gelobt. (Verlagsinfo)

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Gerhard J. Rekel über seinen historischen Roman über den Orient-Express


„Der Orient-Express gilt als berühmtester Zug der Welt. Agatha Christie, Graham Greene und schließlich Hollywood machten ihn zum Mythos. Doch was ist die Geschichte des Orient-Express, wer hat ihn auf die Gleise gestellt, welche Vision steckte dahinter? Um 1880 stehen die Zeichen in Europa auf Nationalismus, viele europäische Länder streben eine Großmachtstellung an und schotten sich ab. In dieser Zeit taucht ein Mann auf, der die europäischen Staaten miteinander verbinden will: Georges Nagelmackers (1845–1905). Trotz Vorurteilen, Fremdenhass und bürokratischer Hindernisse gelingt es dem Eisenbahn-Pionier, ab 1883 Paris mit Konstantinopel zu verbinden und ein Netzwerk von über 180 europäischen Nachtzugverbindungen aufzubauen.

Georges Nagelmackers’ Lebensgeschichte, hier in Szene gesetzt und mit prächtigen zeitgenössischen Illustrationen versehen von Gerhard Rekel, ist ein Plädoyer für die hartnäckige Verfolgung einer Vision, das raffinierte Spiel über die Bande und den Glauben an den Umweg: geografisch, politisch und menschlich.“ (Verlagsinfo)

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Interview mit Richter Thorsten Schleif, dem Autor von „Richter jagen besser“

Torsten Schleif hat kürzlich seinen zweiten Siggi-Bruckmann-Krimi bei Heyne veröffentlicht: „Richter jagen besser“.
„Amtsrichter Siggi Buckmann hat sich geschworen, für Gerechtigkeit einzustehen – notfalls auch nach Feierabend. Als sein einstiger Mentor tot in einem Waldstück aufgefunden wird, macht er sich auf die Suche nach den Schuldigen. Schneller als gedacht handelt er sich dabei Ärger mit einer dubiosen Immobilienfirma, der russischen Mafia und dem Sohn des Ministerpräsidenten ein. Die einzige Verbündete gegen seine neuen Feinde ist die kluge Journalistin Robin Bukowsky. Aber kann er ihr wirklich trauen? Vieles scheint dagegen zu sprechen. Zum Beispiel Buckmanns nicht ganz so gesetzeskonforme Vergangenheit …“ (Verlagsinfo)
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Andreas Eschbach über die Erzählungen von James Tiptree jr. (Alice B. Sheldon)

Wanderungen entlang der Grenze des Wahnsinns
Von Andreas Eschbach

Falls Sie dieses Nachwort zum Erzählband „Houston! Houston!“ (Septime Verlag 2014) in der Hoffnung lesen, mehr über die Autorin [Alice B. Sheldon] zu erfahren, die unter dem Namen James Tiptree jr. zu Weltruhm gelangt ist, muss ich Sie enttäuschen: Das werden Sie hier nicht.

Was das anbelangt, muss ich Sie auf die Nachworte der übrigen Bände dieser Reihe verweisen, wo Berufenere, als ich es bin, sich dazu geäußert haben. In diesem Nachwort erfahren Sie lediglich etwas über den Autor Andreas Eschbach und darüber, welchen Einfluss die Storys von James Tiptree jr. auf diesen Autor gehabt haben. Was, zugegeben, nicht jeden interessieren mag; sollten auch Sie eher zu denen zählen, die angesichts dieser Perspektive mit den Schultern zucken und „Na und?“ denken, dann nutzen Sie Ihre Lebenszeit vermutlich besser, wenn Sie die Lektüre des vorliegenden Buches jetzt als abgeschlossen betrachten und sich anderen, interessanteren Dingen zuwenden.

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Interview mit Jean-Louis Glineur

|Jean-Louis Glineur, Autor von [„Todesangst in der Nordeifel“, 3020 über sein Schreiben, seinen Einsatz für Tiere, Nord- und Südeifeler und warum Europa noch nicht genügend vereint ist|

_Buchwurm.info:_
Was machst du gerade? Bist du zu Hause? Fühlst du dich wohl in deinem Wohnort – wo ist das überhaupt?

_Glineur:_
Ich habe gerade eine Cabrio-Tour in meinem alten Alfa Spider hinter mir und genieße die Eifeler Sonne. Konkret die im kleinen Dorf Dedenborn nahe der belgischen Grenze.

_Buchwurm.info:_
Würdest du sagen, dass du dich als geborener Belgier inzwischen in der Nordeifel heimisch fühlst?

_Glineur:_
Absolut. Schließlich lebe ich hier seit meinem fünften Lebensjahr, da meine Mutter Deutsche ist. Aber Anfang der Siebziger gab es auch schon mal Anfeindungen gegen einen Belgier in der Eifel. Ein paar sonderbare Charaktere spielten zumindest verbal weiter „Krieg“. Aber das ist lange her, und da gab als Kind auch mal die eine oder andere Rauferei. Meine Wurzeln in Belgien liebe ich ebenso wie die Eifel.

_Buchwurm.info:_
Was macht den Nordeifeler Menschen aus? Was unterscheidet ihn vom Südeifeler? In deinem Roman „Todesangst in der Nordeifel“ beschreibst du ein paar Alteingesessene auf recht humorvolle Weise.

_Glineur:_
Die Nordeifel ist wesentlich moderner, hier gibt es eine stärkere Infrastruktur als in der Südeifel. Dort ist fast nur der Nürburgring ein Wirtschaftsmotor. Die Menschen beider Regionen unterscheiden sich nicht. Bestenfalls muss der Südeifeler bis zu 45 Minuten fahren, bis er eine Disco findet …

Ja, in meinem Roman sind auch Alteingegessene das Thema am Rande, Menschen, die sympathisch sind, die sich aber im Alltag nicht wirklich vom Hunsrücker oder Westerwälder unterscheiden. Der Roman spielt in der Nordeifel, weil ich hier lebe und die meisten Eifelkrimiautoren ihre Protagonisten im Süden der Eifel, auch Vulkaneifel genannt, ansiedelten. Carola Clasen und ich haben die Nordeifel wohl am intensivsten im literarischen Fokus.

_Buchwurm.info:_
Du hast in „Todesangst in der Nordeifel“ die Nordeifel quasi als „Euroland“ vorgestellt, wo es zwischen Belgien, Deutschland und Luxemburg nur die grüne Grenze gibt. Diese günstige Ausgangslage, die dem Bürger nützt, wird von den Verbrechern im Buch, gewieften Autoschiebern, schamlos ausgenutzt. Wolltest du vor der Offenheit der Grenzen warnen?

_Glineur:_
Nein, keinesfalls, ich schätze die offenen Grenzen und das Zusammenwachsen der Länder um mich herum. Ich denke aber, dass ich einen realistischen Wermutstropfen geschildert habe, dass ein Verbrechen mit oder ohne grüne Grenze geschieht, aber bei der Bekämpfung von Kriminalität noch Kooperationshemmnisse da sind, sicher zum Teil auch bedingt durch die verschiedenen Sprachen. Mein Detektiv Alwin Schreer durfte als „Private Investigator“ locker die Grenze überqueren, um einen Mörder und Vergewaltiger zu stellen, doch eine Polizeistreife hätte im Grenzort Mützenich an der belgischen Grenze halten und die belgischen Kollegen informieren müssen. Das kann’s nicht sein, jedenfalls nicht in einem vereinten Europa.

_Buchwurm.info:_
Befürchtest du, dass mit der Erweiterung der Europäischen Union und der Eurozone weitere solche Verbrecherorganisationen ihr Unwesen treiben? Du hast ja auch Gastarbeiterschmuggel thematisiert. Die nächste Stufe ist der allgemeine Menschenschmuggel.

_Glineur:_
Nein, das befürchte ich nicht. Auch ohne die Erweiterung der EU finden wir genug Straftäter aus dem Ausland. Wohlgemerkt, das ist keine Meinung gegen Ausländer, denn Schurken haben wir auch eigene genug. Ein Zusammenwachsen der EU sollte aber nicht nur wirtschaftlich funktionieren, sondern zu einem internationalen Netz gegen Kriminalität führen. Im Umkehrschluss sollte ein deutscher Verbrecher auch leichter durch Amtshilfe in z. B. Polen oder Belgien gefasst werden können.

_Buchwurm.info:_
Wie bist du zum Schreiben gekommen und zur Auswahl dieses Sujets?

_Glineur:_
Schreiben war schon immer meine Leidenschaft. Als Kind hatte ich eine blühende Fantasie, auch wenn ich eher Comics zeichnete, was manchen Deutschlehrer störte, aber ich denke, dass die Verbindung von Bild und Wort die Kreativität fördert. Hier kommt mein Ursprung aus dem Comicland Belgien wohl durch.

1984 war ich aktiv im regionalen Motorsport und bat eine Zeitung, ob ich über unsere Veranstaltungen berichten darf. Zwanzig Jahre später begann ich wieder mit dem Schreiben und Fotografieren für die Presse, und ich hatte eines Tages Lust, einen Krimi zu schreiben. Das Thema ist davon geprägt, dass ich vor rund 20 Jahren eine junge Frau kennen lernte, die beim Waldlauf vergewaltigt wurde. Das Thema habe ich aufgegriffen, um einen Roman zu schreiben.

_Buchwurm.info:_
Wer sind deine schriftstellerischen Vorbilder, denen du nacheiferst?

_Glineur:_
Jacques Berndorf als Eifelkrimi-Autor ist „schuld“, dass ich rund ein Jahr |nicht| an dem Manuskript weiterschrieb. Ich kannte seine Bücher noch nicht, las dann das erste und hatte Angst, ihn zu kopieren. Das ist nicht der Fall, aber es hat mich damals irritiert.

„Nacheifern“ ist der falsche Ausdruck – ich schätze und liebe vor allem die Eifeler Krimiautoren Carsten Sebastian Henn und Ralf Kramp, auch wenn wir uns vollkommen unterscheiden. Beide schreiben mit mehr Humor und skurrilen Protagonisten, ich bin da eher kühl und berechnend.

Es war zudem nichts Literarisches, was mich zu „Todesangst in der Nordeifel“ bewegte: Es war die TV-Serie „Ein Fall für zwei“ und da ganz speziell die Figur des Matula, gespielt von Claus-Theo Gärtner. So und nicht anders stelle ich mir meinen Alwin Schreer als Typ vor, auch optisch. Anne Catherine Vartan, als belgisches Pendant zu Alwin, erinnert mich in Bildern an eine belgische Freundin, die in der Tat auch Anne-Catherine, aber nicht Vartan, heißt. Bei Kommissar Welsch hatte ich indes immer „Schweinchen Dick“ mit schwarzem Sakko und Krawatte vor Augen. Ich denke, da spielt mir meine Leidenschaft Comics einen Streich, die mich dazu bringt, so visuell zu denken.

_Buchwurm.info:_
Ist der Privatdetektiv Alwin Schreer in dem Roman dein Alter Ego? Man merkt jedenfalls, dass du wie er über Fotografiekenntnisse verfügst. Würdest du dich selbst so wie er gegen Verbrecher einsetzen?

_Glineur:_
Eigene Eindrücke zu verarbeiten, ist auch Mittelpunkt meiner Schreiberei. Mir war wichtig, zwischen gutem und schlechtem Journalismus zu unterscheiden. Darum watscht der Detektiv Schreer auch einen Skandalreporter. Da ich selbst viel fotografiere, kam das vielleicht auch ins Kalkül.

_Buchwurm.info:_
Der Detektiv mag Tiere sehr. Trifft das auch für dich zu, und falls ja, wie setzt du das praktisch in deinem Leben um? Bist du in einer Tierhilfsorganisation?

_Glineur:_
Ja, Privatermittler Alwin Schreer ist ein Spiegelbild von mir, und da gibt es einige kleine autobiographische Züge. Ich bin ein absoluter Tiernarr, der sich auch schon als Falkner versucht hat und von einem Weißkopfseeadler nach Strich und Faden verprügelt wurde. Tiere sind für mich der Mittelpunkt meiner Emotionen. Frauen nerven mich eher, vielleicht bin ich auch beziehungsunfähig, aber bei Tieren geht mein Herz vollkommen auf. Bekannt bin ich für einen totalen Enten-Tick, habe diese Tiere auch schon mal ein Jahr lang für eine Fotoreise durch ihr Leben „verfolgt“ und darüber geschrieben. Kürzlich erhielt ich von der Redaktion der „Kölner Rundschau“ mit viel Humor den Hinweis, die nächsten zwanzig Service-Bilder sollten bitte vollkommen „federfrei“ sein. Wir haben viel darüber gelacht.

Mitglied bin ich im „Komitee gegen Vogelmord e. V.“ – übrigens von der Zeitschrift „Ökotest“ für sein Engagement ausgezeichnet. Und manchmal führe ich einfach einen Hund aus dem Tierheim aus.

_Buchwurm.info:_
Dein Romandebüt war recht erfolgreich. Trittst du bei Lesungen auf, machst du Lesereisen? Oder hast du andere Jobs, denen du mehr verpflichtest bist – kurzum: Kannst du mit dem Schreiben deine Brötchen verdienen?

_Glineur:_
Nein, damit kann ich meine Brötchen nicht verdienen. Schön wäre das, durchaus, aber es hat eher Hobbycharakter. Lesereisen gibt es nicht, da ich meinen Lebensunterhalt anderweitig verdienen muss, aber meine erste Lesung habe ich Anfang Mai. Da bin ich schon sehr aufgeregt, nicht nervös, sondern schlicht voller Erwartung, wie es für die Zuhörer und für mich sein wird.

_Buchwurm.info:_
Kommst du jetzt überhaupt noch zum Schreiben? Wir sind schon gespannt auf deinen nächsten Roman und fragen uns, wann wir mit seinem Erscheinen rechnen können.

_Glineur:_
Nein, ich schreibe seit ein paar Monaten nicht. Das neue Manuskript „Sabotage am Nürburgring“ ruht sich nach 90 Seiten auf meiner Festplatte aus. Da muss mich mal wieder die Muse küssen. Und die richtige Muße hat mir durch verschiedene Schulungen und persönliche (positive) Veränderungen gefehlt. Ich brauche vermutlich mal wieder eine schwere Grippe, um mich mit dem Laptop im Bett zu verkrümeln. Ich kenne mich ja: Wenn es wieder „klick“ macht, dann geht das Schreiben auch wieder wie mit Vollgas. Ich lebe nicht davon – also mache ich mir deswegen auch keinen Druck.

|Das Interview führte Michael Matzer.|

_Biografische Kurznotiz_

Jean-Louis Glineur wurde 1964 in Verviers/Belgien geboren, wuchs aber in Gemünd in der Eifel auf. Heute lebt er in Dedenborn, Nordeifel. Er arbeitete als Industriekaufmann und ist heute als freier Journalist tätig, unter anderem für die Kölnische Rundschau. Sein Hobby Fotografieren hat er zum Nebenberuf gemacht und mit seinen Fotos beliefert er Zeitungen in der Nordeifel und Aachen. In seinem Hauptberuf ist er Arbeitsvermittler.

2006 erschien sein Kriminalroman [„Todesangst in der Nordeifel“, 3020 zuerst als Hörbuch bei |Radioropa|.

Interview mit Jan-Erik Fjell zu seinem Thriller „Nachtjagd. Ein Fall für Kriminalkommissar Anton Brekke“

»Nachtjagd« spielt auf einem der Hurtigruten-Kreuzfahrtschiffe, die entlang der norwegischen Küste verkehren. Dort verliebt sich eine junge Frau in einen mysteriösen amerikanischen Fotografen, der die spektakulären Nordlichter ablichten möchte. Am Ufer eines Sees in Norwegen wird die Leiche einer jungen Frau gefunden, ihr geschundener Körper ist mit Wunden übersät.

Kriminalkommissar Anton Brekke von der Polizei Oslo läuft es bei dem Anblick eiskalt den Rücken herunter. Wenn sich sein Verdacht bestätigt, dann hat der flüchtige Serienmörder Stig Hellum sein grausames Werk wiederaufgenommen – und bereits sein nächstes Opfer im Visier. Für Brekke beginnt ein Kampf gegen die Zeit und gegen unvorstellbar Böses. Zur gleichen Zeit treffen die Leser*innen einen Mann in der Todeszelle in Texas, der nur noch Stunden von seiner Hinrichtung entfernt ist.

Interview mit Jan-Erik Fjell zu seinem Thriller „Nachtjagd. Ein Fall für Kriminalkommissar Anton Brekke“ weiterlesen

Interview mit der Autorin Dagmar Petrick

BUCHWURM.info sprach mit Dagmar Petrick, einer Autorin und Dozentin aus Ludwigsburg.

Art is about making something, not about making ourselves something special.

Julia Cameron

Dagmar Petrick (c) Matthias Ritzmann

BUCHWURM: Hallo, Frau Petrick, was machen Sie gerade?

Petrick: Eben habe ich die Druckfahne für eine Anthologie mit Texten schreibender Schülerinnen und Schüler an den Verlag geschickt; die wird bald erscheinen und ist bereits der dritte Band, den ich als Redakteurin begleite. Noch ein bisschen früher war ich Gassi mit meinem Hund. Sodann schreibe ich am nächsten Buch. Aber genau jetzt lese ich natürlich Ihre Fragen und der Hund, der sich ausgetobt hat, aber auch schon ziemlich alt ist, döst dabei zu meinen Füßen. Das sind doch gute Voraussetzungen für ein Gespräch, nicht wahr?

Unbedingt. Sie leben jetzt mit Ihrer Familie in Ludwigsburg, wo in Sachen Kunst bekanntlich der Bär los ist. Wie hat es Sie von Ihrem Geburtsort dorthin verschlagen? Sie waren ja im Vereinigten Königreich und in USA.

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Interview mit Andreas Eschbach zu seinen neuen Romanen und zur Verfilmung von „Eine Billion Dollar“

Andreas Eschbach ist ein sehr fleißiger Autor, und seine Werke erscheinen bei Lübbe, Arena, Fischer TOR und in den bekannten PERRY-RHODAN-Heften. Allerdings kommen die Rezensenten kaum noch mit diesem Ausstoß hinterher. Lassen wir doch den Autor einfach seine jüngsten Werke, die seit „Eines Menschen Flügel“ erschienen sind, selbst vorstellen.

BUCHWURM: Was ist denn der Clou beim Plot deines Jugendromans „Gliss“, der 2021 im Arena-Verlag erschienen ist?

Andreas Eschbach: Der Clou ist zweifellos das geheimnisvolle Material dieses Namens, das den weitaus größten Teil des Planeten Hope bedeckt und sich dadurch auszeichnet, dass es darauf keinerlei Reibung gibt: Was aufs Gliss gerät und eine Eigenbewegung hat, rutscht weiter und weiter und umrundet, wenn es nicht zufällig auf ein Hindernis stößt – und Hindernisse sind ausgesprochen rar – den ganzen Planeten.

Und worum kämpfen die darin auftretenden Jugendlichen?

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Interview mit Norbert Sternmut zum unveröffentlichten Gedichtband „Abschied vom Feuer“

BUCHWURM: Der Titel Ihres neuen Gedichtbandes lautet „Abschied vom Feuer“. Das würden die Menschen in der Ukraine, denen es an Strom und Gas mangelt, die ihnen Wärme, Licht und Energie spenden, als eher negativ interpretieren. Was verstehen Sie also unter dem Begriff „Feuer“?

Norbert Sternmut

Sternmut: Zunächst ist „Feuer“ weder gut noch schlecht, und so wie jeder andere Begriff und jedes andere Element allein durch die menschliche Bestimmung und Definition eine Zuordnung in bestimmte Kategorien bekommt. Ebenso steht auch der Begriff „Abschied“ zunächst ohne Zuordnung, und allein durch die subjektive oder objeZektive Zuweisung einer Bedeutung kann der Begriff übersetzt und betrachtet und zum sprachlichen Austausch verwendet werden.

Wie in vielen vorangegangenen Büchern wie etwa „Sprachschatten“ (1989) oder „Schattenpalaver“ (2011) bleibt auch hier die Sprache an sich in ihrer Semantik, Verwendung und Verwendbarkeit ein grundlegender Teil der Auseinandersetzung in den Gedichten, auch wenn im Unterschied zu früheren Bänden die Metaphorik eher in den Hintergrund tritt und eher eine eindeutig verständliche Sprache als Transportmittel des Inhalts in den Vordergrund gerückt wird.

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Interview mit Falko Löffler, Schriftsteller und Podcaster

Interview mit Falko Löffler, Schriftsteller und Podcaster

Löffler stellt sich selbst vor: „Hallo, mein Name ist Falko, ich bin 48 Jahre alt und meine Hobbys sind Lesen, Schreiben, Filme und Telespiele. Dummerweise habe ich die alle zu meinem Beruf gemacht, weswegen ich ohne finanzielle Interessen und rein zum Spaß nur noch durch den Wald schlurfen und es joggen nennen kann.“

Falko Löffler (c) Maria Manneck, 2019

Vita:
Jahrgang 1974, geboren in Lauterbach/Hessen, Studium der Germanistik, Anglistik und Medienwissenschaft in Marburg, Abschluss mit einer Magistarbeit über narrative Strukturen in Computerspielen. Über ein Praktikum beim Spiele-Distributor Bomico in die Gamesbranche eingestiegen und von 1996 bis 1999 als studentischer Freiberufler im Marketing mitgearbeitet. Von 1999 bis 2003 Autor und Leveldesigner beim Spieleentwickler Neon Studios (heute keen games) in Frankfurt/Main. Freier Autor und Übersetzer seit 2003. Seit 2018 auch Podcaster.

Bislang hat Löffler eine ganze Reihe Bücher veröffentlicht und übersetzt:

Romane

Drachenwächter. Die Prophezeiung. Roman, Spreeside Verlag, Berlin 2007. ISBN 978-3-939994-02-2 (auch als Hörbuch, gesprochen von David Nathan, ISBN 978-3-939994-03-9)
Cademar. Günstling der Magie. Roman, Spreeside Verlag, Berlin 2008. ISBN 978-3-939994-04-6 (auch als Hörbuch, gesprochen von Thomas Nero Wolff, ISBN 978-3-939994-05-3)
Drachenwächter. Die Jagd. Roman, Spreeside Verlag, Berlin 2009. ISBN 978-3-939994-38-1 (auch als Hörbuch, gesprochen von David Nathan, ISBN 978-3-939994-39-8)
Im Funkloch. Roman, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2010. ISBN 978-3-423-78244-9
Tiefe Saat. Roman, Spreeside Verlag, Berlin 2017. ISBN 978-3-939994-40-4

Humoristische Sachbücher

Bin ich blöd und fahr in Urlaub? Zuhausebleiben ist der beste Trip. Humor, Goldmann Verlag, München 2014. ISBN 978-3-442-15819-5
Ich kann da nicht nüchtern hin: Familienfeiern und wie man sie überlebt. Humor, Goldmann Verlag, München 2014. ISBN 978-3-442-15843-0

Kurzgeschichtensammlung

Ausgewählt. Fantastische Geschichten. Kurzgeschichtensammlung, kindle direct publishing / Createspace, 2013. ISBN 978-1492133087

Übersetzungen

D.M. Pulley: Das verlassene Haus, amazon crossing, 2019
D.M. Pulley: Das vierzehnte Opfer, amazon crossing, 2018
Tom Bale: Listige Brut, amazon crossing, 2018
Tom Bale: Sieh, wie sie fliehen, amazon crossing, 2017
Jen Williams: Das Kupferversprechen, beBEYOND by Bastei, 2017
D.M. Pulley: Das begrabene Buch, amazon crossing, 2017
D.M. Pulley: Der tote Schlüssel, amazon crossing, 2016
Bryan James: LZR-1143: Kontamination, amazon crossing, 2014

Was machst du gerade, Falko?

Jetzt gerade im Frühsommer 2022 bin ich mit Story und Texten eines größeren Computerspiels beschäftigt. Es ist noch nicht offiziell angekündigt, daher kann ich nicht viel dazu sagen, zumal ich nur eine von vielen Personen bin, die da mitwirkt und nicht – anders als bei einem eigenen Buch – der alleinige Entscheider. Wegen dieses umfangreichen Jobs liegt mein nächstes Buch beim Stand von 2/3 fertig auf Eis. Ansonsten bin ich an einem Podcast beteiligt, für den vier Folgen pro Monat produziert werden wollen.

Jetzt GERADE sitze ich im Dahliengarten des Kunstvereins Fulda, wo meine Frau Mona an einer Gemeinschaftsausstellung beteiligt ist und gerade aufbaut, und schwitze.

Ich habe dich auf einer Jahrestagung der Inklings Gesellschaft kennengelernt. Auf deiner Visitenkarte stand „Schriftsteller“. Bist du das geworden und wenn ja, was hast du alles veröffentlicht?

Zu diesem Zeitpunkt – ist ja schon ein paar Jahre her – hatte ich gerade meine ersten paar Romane veröffentlicht. Ich habe diese schreckliche Angewohnheit, dass meine Visitenkarten möglichst meinen aktuellen Schwerpunkt widerspiegeln müssen, weswegen ich immer neue Karten drucken lasse und einen Stapel alter Karten wegschmeiße. Als ich meinen Magister-Abschluss in der Tasche hatte, musste sofort eine neue Karte her, auf der „M.A.“ hinter dem Namen stand. Ein Jahr später war mir das schon wieder zu prätentiös, also habe ich neue drucken lassen, auf denen schlicht „Autor“ stand. Und als die ersten Romane draußen waren … nun ja … die hast du.

Zuletzt hatte ich eine Visitenkarte, die extrem beliebt war, denn sie war gleichzeitig ein Bonusheft, auf dem ich Treffen mit den Leuten abgezeichnet habe, und wer mich fünf Mal getroffen hat, bekam von mir eine individuelle Kurzgeschichte. Das ist dann etwas ausgeufert, daher verteile ich die nicht weiter.

Meine aktuelle Visitenkarte zeigt dann auch meine derzeitige berufliche Gewichtung. Darauf steht als Jobtitel: „Autor, Übersetzer, Podcaster“.

Worum geht es meist in deinen Geschichten?

Eigentlich mache ich es strategisch völlig falsch. Die erfolgreichen Autor*innen da draußen haben ein klares Profil und eine eindeutige Nische, in der sie sich etablieren. Bei mir hat sich das noch nicht ergeben, aber ich veröffentliche ja erst seit 30 Jahren.

Meine eigene Arbeit spiegelt oft meinen Konsum wider, und der geht in allen Medien querbeet durch die Genres. Ich kann mich für alle Spielarten der Fantastik begeistern, für anarchischen Blödsinn, für kleine und menschliche Geschichten. In meinen eigenen sind die besten Geschichten diejenigen, die mehr als nur ein Flair bieten, die versuchen, einen neuen Blick auf etwas zu werfen. Aber sie sind dann uneindeutig, also schlecht zu platzieren und zu verkaufen.

Daher kann ich es bei mir gar nicht so klar quantifizieren, worum es in den meisten Geschichten geht. Objektiv sind die meisten meiner Bücher Fantasy, aber das heißt nicht, dass ich mich dort am ehesten selbst verorte.

Du hast geschrieben, dass du Computer-Games mit Texten versiehst. Was darf ich mir darunter vorstellen?

Die Textarbeit an Computerspielen ist teilweise deckungsgleich mit der Arbeit an Romanen oder Drehbüchern, manchmal völlig anders. Das Berufsbild „Autor*in von Computerspielen“ ist nicht klar umrissen, nicht mal bei der Begrifflichkeit, wo mal von „Game Writer“, mal von „Narrative Designer“, mal von „Game Designer“ gesprochen wird. Manchmal geht es wirklich um den Entwurf einer Welt oder Dramaturgie wie bei einem linearen Medium.

Aber in den meisten Fällen führt Interaktivität dazu, dass eine Menge Text für eine Menge Situationen und Umstände gebraucht wird. Spielefirmen haben oft versucht, bekannte Autor*innen für ihre Games anzuheuern, und das funktioniert in den wenigsten Fällen, denn nur, wenn diese Leute einen Bezug zum Medium haben. Wer nicht zockt, kann kein Game Writer werden, sondern nur den eigenen Namen vermieten.

Verdienst du daran besser als an Romanen und Geschichten?

Solange man keinen Bestseller schreibt, verdient man mit ALLEM besser als mit Romanen. Nur der kleinste Teil der Veröffentlichungen da draußen rechnet sich, sowohl im Hinblick auf die Gesamtbilanz, wie auch umgerechnet auf die Arbeitszeit, die ich als Autor in ein Buch stecken muss. Ein Roman ist ein Lottoschein mit etwas besseren Gewinnchancen als ein normaler Lottoschein.

Natürlich kann ein Roman auch Abstrahleffekte haben, aber Lesungen, Verfilmungen, Übersetzungen in andere Sprachen – all das ist nur gefragt, wenn das Buch AN SICH schon erfolgreich ist. Der gleiche Fall mit den Vorschüssen. Die meisten Autor*innen können froh sein, wenn die reine Arbeitszeit auf Mindestlohnniveau bezahlt ist.

Bei den Computerspielen bin ich in einer anderen Rolle. Niemand klopft bei mir an, damit ich eine Story aus der Schublade zaubere, aus der ein Spiel gemacht wird. Nein, da bin ich ein Zahnrad im ganzen Team, und ich bin da eher Dienstleister als der kreative Oberhoschi. Entsprechend habe ich in den nun fast 20 Jahren als Freelancer in der Regel von Story- und Textarbeit an Spielen gelebt, und die Bücher kamen immer dann in den Mix, wenn ich entweder eine gute Verkaufschance oder einfach Bock darauf hatte.

Inzwischen bietest du auch Podcasts an. Was ist der Inhalt bzw. die Inhalte dieser Podcasts?

Jochen Gebauer und ich betreiben seit Sommer 2018 den Buchpodcast „Kapitel Eins“. Jochen ist erfahrener Journalist in der Gamesbranche und schon länger professionell im Podcast-Geschäft mit dem Gamespodcast „Auf ein Bier“, den er mit André Peschke betreibt.

Wir veröffentlichen meist alle 14 Tage eine Folge, in der wir ein neues oder altes Buch besprechen oder allgemeine Bücherthemen beackern. Wir führen seit 2020 auch ergänzend eine Crowdfunding-Kampagne durch. Leute, die uns fünf Euro im Monat geben, erhalten exklusiv zwei Bonusfolgen pro Monat – eine weitere Buchbesprechung und ein Interview, das ich führe. Aktuell tun das 300 Leute, und das erlaubt es uns auch, eine professionelle Aufnahme und Nachproduktion zu finanzieren. Unsere Domain ist www.buchpodcast.de

Für mich selbst ist das eine lustige Entwicklung, weil ich Zeit meines Lebens kein großes Interesse am Audio-Medium hatte. Mal eine Drei-Fragezeichen-Kassette als Kind, okay, aber Hörbücher waren nie meins und Radio brauchte ich nur für Musik. Glücklicherweise hatte ich gerade Zugang zum Medium Podcast gefunden, als Jochen bei mir angeklopft hat, sonst hätte ich wahrscheinlich lachend abgewunken.

Bestimmt das Medium den Inhalt bzw. dessen Form (Länge usw.)?

Ich habe für meine Bücher schon einige Radio-Interviews gegeben, und es war immer sehr anstrengend, in ein paar Minuten gepresst zu werden, kurz und prägnant sein zu müssen. Beim Podcast ist das Schöne, dass man höchstens sich selbst eine Längenvorgabe geben kann, aber nicht muss, und natürlich lässt sich in der Nachbearbeitung auch noch etwas ändern.

Podcasts werden in allen möglichen Alltagssituationen gehört, mal ganz intensiv, mal nebenbei. Aber daran denke ich während der Aufnahme nicht. Wir versuchen, eine grobe Struktur einzuhalten, aber erlauben uns auch, in unterschiedliche Richtungen zu galoppieren. Wir können mit Form und Länge auch experimentieren, und das finde ich toll.

Wie groß ist die mögliche Nachfrage im Netz bzw. auf den Smartphones?

Die Nachfrage auf unser Crowdfunding habe ich oben schon erwähnt. Was freie Folgen angeht: Eine öffentlich einsehbare Zahl ist beispielsweise in der populären App „Podcast Addict“ zu sehen, in der die Abo-Zahl jedes Kanals angezeigt wird. Allein dort haben wir im freien Kanal aktuell über 5000 Abonnent*innen.

Nimmt die Nachfrage zu?

Es fluktuiert immer etwas, scheint mir sogar saisonal abhängig zu sein, aber im Schnitt haben wir immer noch leichtes Wachstum. Natürlich haben wir es etwas schwerer, auf uns aufmerksam zu machen, als Kulturkanäle von Öffentliche-Rechtlichen Sendern oder rein kommerzielle Anbieter, die ein Marketingbudget haben.

Wie lässt sich damit Geld verdienen – durch Abos?

Ja, und da ist auch viel in Bewegung. Es gibt Crowdfunding-Seiten wie „Steady“ (dort sind wir mit unserem Buchpodcast), aber auch internationale Anbieter wie Patreon oder Ko-Fi, die sich in ihren konkreten Ausprägungen etwas unterscheiden, aber alle im Prinzip eine Paywall und ein Bezahlsystem als Infrastruktur bieten. Das zu nutzen, heißt natürlich auch, dass zwar einige Gebühren fällig werden, aber der Aufwand, diese Infrastruktur aufzubauen, hält sich für uns sehr in Grenzen.

Was hast du noch so für Pläne?

Wenn ich mit dem Schwitzen im Dahliengarten zu Fulda fertig bin, werde ich mich dem Spiel widmen, das mich weiter auf Trab hält. Dann werde ich ausschlafen. Dann den Roman fertigschreiben. Und der Podcast läuft sowieso.

Darüber hinaus: keine Ahnung. Ich sage schon seit langem, dass ich als Freiberufler nicht weit im voraus plane. Nur immer die nächsten drei Monate. Die sind verplant, also ist alles gut.

Wenn die Frage im ganz großen Bogen gemeint ist: Ich wäre glücklich, einfach weiter mein Zeug querbeet in den Medien zu machen. Um Buzz Lightyear halb zu zitieren: to Ruhestand and beyond!

Das schriftliche Interview führte Michael Matzer.

Interview mit Jutta Weber-Bock anlässlich der Veröffentlich ihres Romans „Das Mündel des Hofmedicus“

Die Stuttgarter Schriftstellerin Jutta Weber-Bock hat am 8. September 2020 im Hospitalhof Stuttgart ihren ersten historischen Roman „Das Mündel des Hofmedicus“ vorgestellt.

Kurz zum Inhalt:

Stuttgart 1804. In einem Stuttgarter Gasthof bringt eine adelige Dame heimlich das Mädchen Christiane zur Welt. Der Hofmedicus nimmt es seiner Mutter weg und unterwirft es einem Erziehungsexperiment. Die Spielkarten Herzsieben und Ecksteinsieben spielen dabei eine geheimnisvolle Rolle. Bis zu ihrem achten Lebensjahr wächst Christiane kindgerecht in einer Pfarrersfamilie auf, dann wird sie von der Schwester des Hofmedicus nach Stuttgart geholt. Diese gibt sich als Christianes wahre Mutter aus. Beim geringsten Vergehen züchtigt sie das Kind. Christiane lernt, sich zu wehren. Der Hofmedicus unterstützt das Mädchen heimlich. Christianes Versuch, mit der Mutter Frieden zu schließen, nutzt ihr nichts, ihre Zeit bei der Schwester des Hofmedicus endet dramatisch. Mit siebzehn Jahren tanzt Christiane auf einem Maskenball und verliebt sich unglücklich. Aus Verzweiflung isst sie eine ganze Schokoladentorte, doch diese ist vergiftet. Zufall oder Mordversuch?
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Interview mit der Stuttgarter Krimiautorin Sigrid Ramge

BUCHWURM.org: Hallo Sigrid, was machst du gerade? Schreibst du an einem neuen Krimi?

Sigrid Ramge: Ein neuer Roman? Da muss ich dich wie alle meine Fans enttäuschen. Die Corona-Pandemie hat nicht nur meine Schreibsucht, sondern auch meine öffentlichen Lesungen ausgebremst. Doch da es jetzt scheint, als ob hierzulande die Pandemie abflaut, hoffe ich, meine Ideen, die darauf warten, in Geschichten verwandelt zu werden, bald aus dem Corona-Schlaf befreien zu können.

Wie fühlst du dich? Bist du bedrückt durch die Folgen der Corona-Pandemie? Gibt es auch Grund zur Freude?

Wer fühlt sich in dieser Hinsicht nicht bedrückt? – Du fragst gleichzeitig, ob es auch Grund zur Freude gibt. Falls die Frage in Verbindung mit der Corona-Pandemie gemeint ist – dann freue ich mich, dass die Luft sauberer ist, weniger Autoverkehr herrscht und der Himmel nicht von Kondensstreifen zerstückelt wird. Grund zur Freude ist auch, dass der Umweltschutz ernster genommen wird als je zuvor.

Du schreibst ja schon viele Jahre. Wie kam es, dass du angefangen hast, auch oder nur noch Krimis zu schreiben? Aus Vorliebe oder wegen eines gewissen Interesses deiner Leser oder deines Verlags?

Bevor 2009 mein erster Krimi veröffentlicht wurde, waren von mir bereits mehrere Bücher anderer Genres in verschiedenen Verlagen erschienen (siehe unten).
Mein erstes Krimi-Manuskript hatte den Arbeitstitel „Endstation Sahara“, weil eine wichtige Nebenhandlung in Tunesien spielt.
Die Haupthandlung ist in und um Stuttgart angesiedelt. Da das Mordopfer mit vergiftetem Trollinger umgebracht wird, schlug der Silberburg-Verlag, der ausschließlich Regionales für Baden-Württemberg herausgibt, den Titel Tod im Trollinger vor. Damit war mein erster Weinkrimi geboren.

Jeder Titel deiner Krimis trägt, wenn ich das richtig deute, den Namen eines lokalen Weins. Wie kam es dazu? Und wie reagieren deine Leser darauf?

Der Krimi Tod im Trollinger war auf Anhieb so erfolgreich, dass die Leser und der Verlag eine Fortsetzung verlangten. In den folgenden zehn Jahren entstanden vier weitere Krimis mit Weinsorten aus der Region Baden-Württemberg im Titel: Cannstatter Zuckerle, Lemberger Leiche, Das Riesling-Ritual und Blutburgunder.

Meine Leser lieben die Weintitel und zusätzlich stieg mit jedem neuen Krimi die Beliebtheit des Ermittlerteams. Jeder, der einen Krimi aus der Serie kennengelernt hatten, wollte wissen, welchen Mordfall das Stuttgarter Ermittlerteam als nächsten zu lösen hat. Hauptkommissar Schmoll, ein gestandenes Mannsbild und hervorragender Weinkenner, die junge clevere Kommissarin Irma Eichhorn aus Itzehoe und der Urschwabe Kommissar Steffen Katz waren den Lesern schon beim ersten Krimi der Reihe ans Herz gewachsen. Die positive Reaktion der Leser zeigt sich an hohen Verkaufszahlen, begeisterter Fanpost und vollen Sälen bei Leseveranstaltungen.

Ist es dir wichtig, in deinen Kriminalgeschichten einen lokalen Bezug zu haben, und wenn ja, warum?

Ich denke, dass jedes Buch und jede Geschichte einen lokalen Bezug braucht, sei es ein fiktiver Ort oder wie in meinen Krimis, eine reale Region. Für den Haupthandlungsort in allen fünf Krimis habe ich Stuttgart gewählt, weil ich seit vielen Jahren in dieser Stadt lebe und mich auskenne. Es hat Spaß gemacht, altbekannte Orte durch die Augen meiner Romanpersonen neu zu entdecken.

Um dem Schwäbischen etwas Exotik beizumischen, spielen die Nebenhandlungen jeweils in einem anderen Land. In Gegenden, in denen ebenfalls Wein angebaut wird. Der Leser lernt nicht nur Stuttgart und besonders schöne Flecken in Baden-Württemberg kennen, sondern wird nach Tunesien, Ägypten, Mallorca, Sizilien und im fünften und vorläufig letzten Krimi in eine der geheimnisvollen Höhlenstädte Kappadokiens geführt. Für mich war es eine dankbare und spannende Möglichkeit, meine Reisetagebücher aufzuarbeiten oder neue Recherchereisen zu unternehmen.

Bist du mit dem Erfolg deiner Krimis zufrieden? Könntest du dir auch andersartige Bücher vorstellen? Und wenn ja welche?

Der Erfolg der Krimireihe ist für mich und auch für den der Verlag durchaus zufriedenstellend. Du fragst, ob ich mir vorstellen kann, andersartige Bücher zu schreiben.

Bevor 2009 Tod im Trollinger erschienen ist, waren von mir bereits mehrere Bücher in anderen Genres veröffentlicht. Zwei Bände mit Erzählungen Die Fäden der Träume und Das Lächeln der Steine.

Inspiriert durch Aufenthalte in Kenia entstand der Jugendroman Wanjiko und die schwarzen Störche. 2006 erschien der Roman Strahlenkinder, 20 Jahre nach Tschernobyl und im gleichen Jahr das Kinderbuch Die unsichtbare Wilhelmine. Diese Bücher mit sozialkritischem Unterton sind auch außerhalb Baden-Württembergs für Schullesungen begehrt.

Zwischen dem vierten und fünften Krimi habe ich mir endlich Zeit genommen für das Manuskript des Romans, der mir, seit ich zu schreiben angefangen habe, am Herzen liegt. Maifrost, eine deutsch-deutsche Familiensaga, erzählt von menschlichen Schicksalen, wie sie in Deutschland im letzten Jahrhundert unzählige Familien erleben und erleiden mussten. Das Buch erschien 2016.

Hinweis

Wer mehr über mich und meine Bücher wissen möchte, findet auf meiner Homepage www.sigrid-ramge.de eine kurze Vita und alle Buchveröffentlichungen mit Inhaltsangaben, Leseproben, Presseberichten und Fotos von Lesungen.

Eigene Lebensbeschreibung:

„Sigrid Ramge stammt aus Bad Köstritz, einer Kleinstadt in Thüringen, in der Schwarzbier gebraut wird und der Komponist Heinrich Schütz geboren ist.
19-jährig floh sie aus der DDR in die Freiheit und studierte Gartenarchitektur. In diesem Beruf arbeitete sie zwei Jahre lang in Zürich.
Zarte Bande führten nach Stuttgart und endeten in Ehe und Sesshaftigkeit.
Nach gelungener Brutpflege folgten beharrliche Schreibversuche und Weiterbildung in Sachen Literatur.
Reisen und Auslandsaufenthalte nach Ägypten, Kenia und Kanada lieferten Ideen für den ersten Erzählungsband.
2001: Der 1. Preis für Kinder- und Jugendliteratur finanzierte eine neue PC-Ausrüstung, aus der sogleich ein hochgelobter Jugendroman purzelte, der aber letztendlich, genau wie vier weitere Bücher, zwar zu Ehre, aber leider nicht zu Weltruhm führte.

Sigrid Ramge hat bisher (Stand 2019) mehr als 100 Lesungen in Buchhandlungen, in Bibliotheken, auf Buchwochen und in Schulen gehalten. Außer im süddeutschen Raum auch in Thüringen, Bayern, Nordrhein-Westfalen und in Berlin.

Sie leitete zehn Jahre lang die Schreibwerkstatt an der Universität Stuttgart im Studium Generale und gab Schreibseminare in verschiedenen literarischen Institutionen. Sie ist Mitglied des Schriftstellerverbandes.“

Das schriftliche Interview führte Michael Matzer.

Interview mit Tade Thompson, nominiert für den Kurd-Laßwitz-Preis 2021

Interview mit Tade Thompson, der für den KLP 2021 nominiert ist

Der Autor

Tade Thompson ist in London geboren, in Nigeria aufgewachsen und wieder nach England zurückgekehrt, um dort Medizin und Sozialanthropologie zu studieren. Inzwischen lebt er als Arzt an der englischen Südküste, wo er gegen seine Bibliomanie ankämpft. Mehr Info im folgenden.
Tade Thompson (c) Golkonda und David Thomson

BUCHWURM: Hallo, Mr. Thompson, was machen Sie gerade?

Tade Thompson: Ich versuche mir gerade einen Plot für eine Story über Hexen auszudenken.

Wie fühlen Sie sich in diesen besonders erschöpfenden Zeiten?

Thompson: Ich kann nicht klagen. Ich bin ein Arzt im Krankenhaus, deshalb verfüge ich nicht über den Luxus, erschöpft zu sein.

Was bedeutet es für Sie, ein erfolgreicher Autor zu sein?

Interview mit Tade Thompson, nominiert für den Kurd-Laßwitz-Preis 2021 weiterlesen