Archiv der Kategorie: Kinder- und Jugendliteratur

Paul Maar – Lippels Traum

Der zehnjährige Phillipp, von allen „Lippel“ genannt, liebt vor allem Sammelbilder und Bücher und besucht gern seine Freundin Frau Jeschke, eine ältere Frau aus der Nachbarschaft. Eines Tages kommen zwei neue Mitschüler in Lippels Klasse. Das Mädchen Hamide und ihr Bruder Arslan stammen aus der Türkei. Im Gegensatz zu Hamide kann Arslan nicht viel deutsch, weshalb er nur wenig spricht. Kurz darauf müssen Lippels Eltern zu einem Kongress nach Wien verreisen. Damit Lippel in der Zeit nicht alleine bleibt, stellen sie die pingelige Frau Jakob, die Bekannte einer Freundin, als Babysitterin ein.

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Isau, Ralf – Geheimnis der versteinerten Träume, Das

|Im Bereich des Geistes ist das wahr oder wird wahr,
was man für wahr hält …
Im Bereich des Geistes gibt es keine Grenzen.
John Cunningham Lilly|

_Immer wieder bringt Leo_ aus seinen Träumen reale Souvenirs mit, als er mit dem Wetterhahn vom Kirchendach aus seinen Träumen zurückkehrt, kann dies nicht länger ignoriert werden. Der Pfarrer zeigt Leo bei der Polizei an und die Medien berichten über den jungen „Kirchenschänder“. So, schon vor einem Prozess von der Öffentlichkeit verurteilt, kommt ein Angebot von Dr. Dabelstein für ihn gerade recht. Der Schulleiter der Traumakademie, einem Internat, das durch Robert Zaki gefördert wird, lockt Leo und seine Eltern mit Straffreiheit, wenn Leo sein geheimnisvolles Internat besucht. Robert Zaki gehört die Firma „Your Dreams“, die ihre Kunden mit maßgeschneiderten Träumen beliefert.

In dem Eliteinternat werden die Talente der Traumschmiede, wie die Jugendlichen dort genannt werden, gefördert und Leo gilt schnell aus Ausnahmetalent. Doch schnell wird Leo auch mit Kritik gegenüber der Akademie konfrontiert. Ausgerechnet eine Mitschülerin, die geheimnisvolle Orla, erzählt Leo von den perfiden Plänen Robert Zakis. Diese bedrohen nicht nur die bekannte, menschliche Welt, sondern auch einen versteckten Ringplaneten |Illùsion|.

Schnell stecken Leo und Orla in einem gefährlichen Abenteuer, von dessen Erfolg der Fortbestand der Erde abhängt.

_Kritik_

„Das Geheimnis der versteinerten Träume“ ist ein neues Jugendbuch aus der Feder von Ralf Isau. Die Kombination aus Realität, Fantasy und auch einer leisen Kritik an der heutigen Gesellschaft ist dem Autor gelungen. Die Macht der Träume und eben der ungeträumten Träume, stehen im Zentrum der fantastischen Geschichte.

Auf die jugendliche Zielgruppe ist der Schreibstil des Autors ausgerichtet. In knackig prägnanten Sätzen wird die Geschichte, die in der realen Welt in der Nähe des Bodensees und in Illùsion spielt, erzählt. Seinen roten Faden, der sich beständig durch den originellen Plot zieht, verliert Ralf Isau nie aus den Augen. So fällt es leicht, der ansprechenden Geschichte zu folgen. Trotz der angenehmen Satzlänge, schafft es der Autor, ein greifbares Bild der Schauplätze zu zeichnen. Den Lesern dürfte es leichtfallen, sich die Orte vor Augen zu führen. Besonders bei den Beschreibungen des Ringplaneten Illùsion merkt der Leser schnell, dass der Autor über eine beträchtliche Menge an Fantasie und Vorstellungsgabe verfügt.

Ausdrucksstark und wortgewandt wird die spannende und unterhaltende Geschichte erzählt. Der Autor kommt dabei fast völlig ohne Umgangssprache aus, lediglich in wenigen Dialogen blitzt dieses mal hervor. Dieses jedoch nur um die Glaubwürdigkeit der Figuren zu unterstreichen. Auch Humor wird eingestreut, beispielsweise durch einen jungen Charakter, der stets verschiedenen Ausdrücke, wie „exotisch“ mit „erotisch“ verwechselt.

In seine Geschichte verpackt Ralf Isau leise Kritik an der heutigen Gesellschaft, dieses aber ohne den Zeigefinger mahnend zu heben. Da werden Kinder nur noch am Rande von ihren viel beschäftigten Eltern wahrgenommen und auch der nötige Schlaf wird durch die Designer-Droge „Your Dreams“ auf ein Minimum reduziert. Dies macht es für den machthungrigen Robert Zaki leicht, seine perfiden Pläne zu verwirklichen. Aber auch an Werte wie Vertrauen, auch in sich selbst, und Courage appelliert der Autor. Dies wird so gekonnt in die spannende Geschichte eingebettet, dass es mit dem Plot harmoniert.

Der Spannungsbogen baut sich rasch auf. Obwohl der Autor auch so manches erklärt, fällt dieser nie ins bodenlose und bleibt immer fesselnd. Verschiedene Ereignisse bieten angenehme Höhepunkte in der Geschichte. Geschickt platzierte Cliffhanger an Kapitelenden erhöhen die Spannung noch zusätzlich. Gerade zum Ende kann „Das Geheimnis der versteinerten Träume“ kaum mehr aus der Hand gelegt werden.

Aus der Perspektive eines umfassend informierten Beobachters wird das spannende Abenteuer der Protagonisten Leo und Orla erzählt. Diese dritte Person erzählt uns Lesern die Geschichte rückblickend, wobei der Fokus auf den jugendlichen Charakteren liegt. Zwar werden auch kurz die Handlungen der Antipoden und deren Handlanger angerissen, dies aber auch nur, wenn die Handlung dieses erforderlich macht.

Die Figurenzeichnung ist dem Autor bravourös gelungen. Authentisch, vielschichtig und mit einem glaubwürdigen Hintergrund hat der Autor die Darsteller konzipiert. Das zeigt sich vor allem darin, dass Ralf Isau seinen Protagonisten eine breite Bühne gibt, um sich zu entwickeln und sich damit für einen Roman mit fantastischen Elementen glaubhaft zu präsentieren.

Das Cover lädt zum Träumen ein, auf hellblauem Hintergrund scheint eine Welt über den Wolken präsentiert zu werden. Der nahe Mond, ein wunderschönes Schloss und verschiedene Elemente der Fantasy vervollständigen das traumhafte Bild.

_Autor_

Ralf Isau wurde 1956 in Berlin geboren. Fantastische Erzählungen begeisterten ihn schon früh, aber sein Interesse für Naturwissenschaft und Technik führte ihn zunächst in die Informatik. Während er in der EDV-Branche arbeitete, schrieb und veröffentlichte er mehrere Romane für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, u. a. die mittlerweile legendäre „Neschan“-Trilogie. 2002 hängte er die Informatik an den Nagel und widmet sich seitdem ganz der Schriftstellerei.

Inzwischen gilt Ralf Isau als einer der großen fantastischen Autoren Deutschlands. Er hat über 30 Bücher veröffentlicht, und seine Werke wurden in fünfzehn Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Ralf Isau lebt mit seiner Frau bei Stuttgart.

_Fazit_

Ralf Isau hat mit seinem neuen Jugendroman „Das Geheimnis der versteinerten Träume“ einen absolut empfehlenswerten Roman geschrieben. Die Macht der Träume, leise Kritik und ein Appell an Selbstvertrauen und Courage sind Träger einer traumhaft spannenden Geschichte. Interessant eingesetzte Fantasyelemente, authentische und sehr ansprechende Protagonisten und der originelle Plot, weitab vom Mainstream, konnten mich überzeugen.

„Das Geheimnis der versteinerten Träume“ ist ein Fantasybuch, das Jung und Alt mit seinem Charme in seinen Bann ziehen wird.

|Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
ISBN-13: 978-3570138335
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 – 15 Jahre|
[www.randomhouse.de/cbjugendbuch]http://www.randomhouse.de/cbjugendbuch
[www.isau.de]http://www.isau.de

_Ralf Isau bei |Buchwurm.info|:_
[„Das Jahrhundertkind“ (Kreis der Dämmerung 1)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1357
[„Der Wahrheitsfinder“ (Kreis der Dämmerung 2)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1502
[„Der weiße Wanderer“ (Kreis der Dämmerung 3)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1506
[„Der unsichtbare Freund“ (Kreis der Dämmerung 4)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1535
[„Die geheime Bibliothek des Thaddäus Tillmann Trutz“ (Die Legenden von Phantasien)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1095
[„Die Galerie der Lügen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4208
[„Die Dunklen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4829
[„Der Mann, der nichts vergessen konnte“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5361
[„Messias“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5869
[„Das gespiegelte Herz“ (Die Chroniken von Mirad 1)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1807
[„Der König im König“ (Die Chroniken von Mirad 2)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2399
[„Das Wasser von Silmao“ (Die Chroniken von Mirad 3)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3014
[„Der verbotene Schlüssel“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6731
[„Die zerbrochene Welt“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7318

Erlhoff, Kari – Die drei ??? – Der namenlose Gegner (Band 149)

Kari Erlhoff hat sich derweil bei den „drei ???“ fest etabliert und bis Ende 2011 bereits sieben Full-Size Geschichten für die Serie geschrieben sowie an der Anthologie „Die drei ??? und die Geisterlampe“ mitgewirkt, wo sie vier der zwölf Short-Storys beisteuerte. „Der namenlose Gegner“ ist insgesamt der 149. Fall des berühmten wie beliebten Jugend-Detektiv-Trios aus Rocky Beach, welcher im August 2009 wie üblich im |Kosmos|-Verlag erschien, und der vierte Einsatz der Autorin im Namen der Fragezeichen.

_Zur Story_

Im beschaulichen Wohngebiet Seven Pines tobt zurzeit ein Konflikt zwischen den spießigen Anwohnern und den Aussteigern vom „Freeman“-Gelände – eine alte Brache, die früher einmal einem gleichnamigen Barbeque-Besitzer gehörte. Der hatte ein großes Herz für die Aussteiger und ließ sie dort kostenfrei lagern. Seit seinem Tod ist der Grill-Imbiss zwar längst verschwunden, doch wohnt die bunte Truppe mit ihren Bauwagen immer noch dort – geduldet von seinem Bruder, der nun der Eigentümer ist. Allerdings schickt sich dieser an das Gelände zu verkaufen, wobei nicht raus ist, ob die als „Hippies“ verschrieenen Freemänner- und frauen dort dann weiterhin Bleiberecht haben. Im Gespräch ist nämlich auch die Siedlergemeinschaft von Seven Pines, welche die wilde Kommune dadurch am liebsten los würde, indem sie sich das gesamte Gelände sichert.

In letzter Zeit häufen sich die Übergriffe auf das Hab und Gut der Bürgerlichen. Die verdächtigen natürlich die angeblichen Freeman-Vandalen. Allein der letzte Beweis dafür ist nicht erbracht. In flagranti erwischt hat man noch nie einen davon. Hier kommen dann auch die drei ??? ins Spiel, welche die empörte Anwohnerin Mrs McGowan dafür engagieren will. Das Mandat kommt allerdings zunächst nicht zustande, da ihr Neffe mitteilt, man hätte angesichts des anstehenden Nachbarschaftsfestes eine Bürgerwehr gegründet und man würde mit den Chaoten sicherlich fertig werden. Man erwarte schließlich einen Angriff auf das große Festzelt. Doch entscheiden sich die drei Detektive trotzdem am Ball zu bleiben, denn Bob hat an kurz zuvor der Tankstelle in der Nähe zufällig Skinny Norris erspäht. Und das bedeutet meist nichts Gutes.

Bob soll jedoch mit seinen Eltern für ein paar Tage zu seiner verhassten Cousine nach Woodfield verreisen. Während sich seine beiden Kollegen also auf die spätabendliche Lauer legen, setzt er sich gegen seine Eltern durch, doch zu Hause zu bleiben. Hastig wirft er sich in alte Klamotten und eilt Justus und Peter zu Hilfe, die von alledem nichts ahnen. Die haben inzwischen auch ganz eigene Sorgen, denn während der Beschattung von Seven Pines kommt es tatsächlich zu einem Zusammenstoß mit Eindringlingen. Peter fängt sich eine Bisswunde ein und landet unfreiwillig im Pool, kann aber die beißwütige Rothaarige und ihren Anhang soweit aufscheuchen, dass sie Fersengeld geben. Das wird ausgerechnet dem dritten Detektiv zum Verhängnis, der just von deren Fluchtfahrzeug angefahren wird. Als er wieder zu sich kommt, befindet er sich im Bauwagencamp und hat keinen blassen Schimmer, wer er ist …

_Eindrücke_

Schon auf den ersten Seiten wird klar, dass wo immer Skinner E. Norris auftaucht, irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Damit bedient Kari Erlhoff auch diesmal schon gleich zu Beginn einmal all diejenigen, welche sich auf altbewährte Figuren freuen. Damit steht sie innerhalb der „Neuen Ära“ nicht allein. In letzter Zeit wurden recht häufig alte Charaktere wieder entmottet. Fragezeichen-Erzfeind Skinny Norris ganz besonders. Der hat natürlich erneut hauptsächlich die Funktion des Kotzbrockens inne, der den unter Amnesie leidenden Bob – alias „Stan“ – eine ganze Menge Unfug eintrichtert und sich damit quasi für so manche ihm durch die drei ??? eingefahrene Schmach rächt, doch er zeigt hier durchaus auch eine ganz andere Seite. Da darf man gespannt sein, ob diese Richtung irgendwann vielleicht zukünftig noch einmal aufgegriffen werden wird. Auch wenn die Figur in letzter Zeit etwas überrepräsentiert sein mag, so ist ihre Weiterentwicklung positiv zu werten und hat Ausbaupotenzial.

Von Bobs Gedächtnis- und Identitätsverlust einmal abgesehen, der in der Romanfassung übrigens wesentlich facettenreicher ausfällt, als im kürzlich ebenfalls erschienen Hörspiel, plätschert die Geschichte eher gemächlich dahin. Wobei die eine oder andere Wendung für gelegentliche Auflockerung und Spannung sorgt, im Grunde genommen die Nebelkerzen aber nicht ausreichen, um mal für richtig Feuer unterm Bauwagendach zu sorgen – abgesehen vom Kampf Just und Peter versus Bob. Der Urheber allen Übels der Vorgänge in Seven Pines ist seitens des aufmerksamen Lesers relativ schnell identifizierbar bzw. ein Verdacht drängt sich zwischen den Zeilen rasch auf. Das mögliche Motiv kann man sich dann auch schon irgendwie zusammenreimen – zumindest die grobe Richtung. Daher gerät der Showdown dann doch ein wenig überraschungsfrei und überdies eine Spur zu übertrieben, wodurch dann letztendlich die Glaubwürdigkeit leidet.

_Fazit_

Der Leser hat hier, trotz der tendenziell flotten Schreibe, so manche Länge zu verdauen und kann sich schon ungefähr denken, wohin die Reise gehen wird. Als Bob schließlich sein Gedächtnis wiederfindet, ist die Luft dann auch raus aus der Story und es wird noch ein Stückchen zäher. Das zu dick aufgetragene Finale kann dann das Steuer erst recht nicht mehr rum reißen. „Der namenlose Gegner“ polarisiert die Fans offenbar, die einen mögen, die anderen verdammen sie. Natürlich ist das Geschmacksache, doch mal nüchtern-realistisch betrachtet, rangiert sie durchaus im soliden Mittelfeld und kann mit einigen netten Ideen aufwarten, Skinnys Entwicklung sei hier ebenso lobend erwähnt, wie Bobs Attacke gegen seine Freunde. Dass der Plot gekürzt tatsächlich etwas besser funktioniert, sieht man am jüngst veröffentlichten [Hörspiel]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=7402, dass um einigen Ballast erleichtert, eleganter daherkommt.

|Hardcover: 128 Seiten
Erzählt von Kari Erlhoff basierend auf Figuren von Robert Arthur
ISBN: 978-3440-11877-1|
[www.kosmos.de]http://www.kosmos.de

90 weitere Rezensionen rund um die drei Detektive findet ihr in [unserer Datenbank]http://buchwurm.info/book

Blazon, Nina – Zweilicht

New York, New York … Für viele ist der Big Apple eine Traumstadt. Doch für Jay, den Protagonisten von Nina Blazons neuem Jugendroman „Zweilicht“, wird die amerikanische Metropole zum Alptraum …

_Für den siebzehnjährigen_ Jay geht ein Traum in Erfüllung, als er in New York einen Schulaustausch macht. An seiner Highschool findet er sofort Anschluss und auch mit seinem Onkel Matt und seinem Cousin Aidan, bei denen er wohnt, versteht er sich gut. Nur ein Mädchen lässt ihn links liegen: die attraktive, aber verschlossene Madison, in die Jay sich gleich bei ihrem ersten Zusammentreffen verliebt. Hartnäckig setzt er alles daran, um ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und hat letztendlich auch Erfolg dabei.

Doch bevor sie sich wirklich näher kommen können, taucht plötzlich ein weiteres Mädchen auf. Sie nennt sich Ivy – und niemand außer Jay kann sie sehen. Sie warnt Jay vor Madison und behauptet, das Mädchen wäre böse. Für den Jungen sieht es aber eher so aus, als ob Ivy die Gefährliche von beiden ist. Sie foppt Jay, klaut seine Sachen, greift ihn an – aber dann zeigt sie ihm etwas, was ihn so schnell nicht loslassen wird: Eine Welt hinter der eigentlichen Welt. Denn das reale New York ist nur ein schöner Schein – und Jay in größerer Gefahr als er dachte …

_Nina Blazon schreibt_ neben klassischen Fantasyromanen, historischen Geschichten und Kinderbüchern seit einiger Zeit auch Jugendfantasyromane mit einem Hauch Romantik. Während „Faunblut“, „Schattenauge“ und „Ascheherz“ herausragende Bücher waren, geht „Zweilicht“ leider etwas unter. Der Knackpunkt dabei ist vor allem die Handlung. Diese ist zwar, wie immer bei der Autorin, sehr fantasiereich und voller Überraschungen, wirkt aber stellenweise konstruiert. Die märchenhafte Stimmung, die die übrigen Bücher auszeichnet, stellt sich jedoch nicht ein. Woran das genau liegt, ist schwer zu sagen. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass die Geschichte in der Mitte einen ziemlich starken Bruch erlebt. Der Wechsel in die andere Welt ist beinahe wie der Wechsel in eine andere Geschichte. Das stört den Erzählfluss und schlägt auf die Spannung.

Schreibstil und Figuren sind von gewohnter Qualität, gehen in der Handlung aber etwas unter. Jay wird für sein Alter sehr authentisch dargestellt, mit allen Höhen und Tiefen, die ein Umzug in die Ferne, eine neue Schule, eine neue Liebe und Ärger mit der eigenen Mutter mit sich bringen. Trotz der Verliebtheit umgibt ihn eine gewisse Traurigkeit und auch Wut, deren Ursachen sich erst mit der Zeit erschließen. Die anderen Figuren, vor allem die beiden Mädchen, überzeugen ebenfalls durch eine Menge Geheimnisse, die man erstmal verstehen muss. Ivy sticht dabei besonders heraus. Ihre kratzbürstige, undurchschaubare Art ist erfrischend anders für ein Mädchen. Der Autorin gelingt es außerdem sehr gut, deutlich zu machen, dass Ivy aus einer anderen Welt kommt, ohne zu sehr in Slapstick abzurutschen.

Geschrieben ist „Zweilicht“ gewohnt versiert. Man merkt Nina Blazon ihre journalistische Erfahrung an. Mit wenigen, dafür aber den richtigen Worten beschreibt sie Situationen und Personen sehr treffend. Die Geschichte liest sich flüssig und angenehm. Vor allem die Gedanken und Gefühle ihrer Protagonisten gelingen der Autorin dieses Mal sehr gut.

_Nina Blazons Roman_ „Zweilicht“ kommt nicht an ihre anderen Jugendromane heran. Obwohl Schreibstil und Figuren gewohnt erstklassig sind, hakt es bei der Handlung.

|Gebunden: 411 Seiten
ISBN-13: 978-3570161173|
[www.cbt-jugendbuch.de]http://www.cbt-jugendbuch.de
[www.ninablazon.de]http://www.ninablazon.de

_Nina Blazon bei |Buchwurm.info|:_
[„Der Bund der Wölfe“ 2380
[„Die Rückkehr der Zehnten“ 2381
[„Der Spiegel der Königin“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3203
[„Der Maskenmörder von London“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3983
[„Die Königsmalerin“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5207
[„Faunblut“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5463
[„Schattenauge“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6275
[„Ascheherz“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6885

|Woran-Saga:|
Band 1: [„Im Bann des Fluchträgers“ 2350
Band 2: [„Im Labyrinth der alten Könige“ 2365
Band 3: [„Im Reich des Glasvolks“ 2369

|Die Taverne am Rande der Welten:|
Band 1: [„Die Reise nach Yndalamor“ 3463
Band 2: [„Im Land der Tajumeeren“ 3980
Band 3: [„Das Königreich der Kitsune“ 4725

|Die Meerland-Chroniken:|
Band 1: [„Die Sturmrufer“ 4180

Schweikert, Ulrike – Vyrad (Die Erben der Nacht 5)

_|Die Erben der Nacht|:_

Band 01 – [„Nosferas“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5084
Band 02 – [„Lycana“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5359
Band 03 – „Pyras“
Band 04 – [„Dracas“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6631
Band 05 – _“Vyrad“_

|Ende des 19. Jahrhunderts stehen die letzten Vampire kurz vor dem Untergang. Ihnen bleibt nur eine Hoffnung: Ihre Nachkommen müssen sich auf das Erbe der Nacht besinnen und die Clans zu einstiger Größe und Macht zusammenführen.|

Das fünfte Jahr ihrer Ausbildung führt die Erben der Nacht in das viktorianische London, zu Zeiten Jack the Rippers. Beim Clan der Vyrad sollen die Erben wertvolle Fähigkeiten, wie das Tageslicht zu ertragen, erlernen. Nicht nur die Fähigkeit bei Tageslicht nicht in die Totenstarre zu verfallen ist eine Besonderheit der Vyrad. Auch die Tatsache, dass sie als Anwälte tätig sind und so mit vielen Kriminalfällen zu tun haben sorgt bei den Jungvampiren für eine abwechslungsreiche Ausbildung im viktorianischen London.

Aber auch Schatten sind auf das letzte Jahr der Ausbildung gefallen. Nicht nur, dass Ivy entlarvt wurde und am Unterricht nicht mehr teilnehmen darf, auch Missverständnisse untereinander sorgen für Leid.

Dazu kommt die Gefahr, die sich seit den Abenteuern in Siebenbürgen über den Clans zusammenbraut … Können die Erben diese schreckliche Gefahr erneut abwehren?

_Kritik_

Ulrike Schweikert entführt ihre Leser in das düstere London zur Zeit Jack the Rippers. Die Erben der Nacht erleben bei den „Vyrad“ aufregende Abenteuer, eine Liebe voller Missverständnisse und kämpfen gegen eine uralte Macht.

Wie schon in den vorangegangenen vier Bänden um die Erben der Nacht, verwebt die Autorin geschickt historische Ereignisse mit fantastischen Elementen. Wie kaum jemand sonst versteht es Ulrike Schweikert, ihre Geschichte in die historischen Ereignisse des 19. Jahrhunderts einzubetten und so Abenteuer und Fantasy mit der Geschichte und Kultur der jeweiligen Schauplätze zu verbinden. In „Vyrad“ lernt der Leser bekannte Kriminalfälle Londons kennen. Nicht nur der bekannte Fall Jack the Rippers wird hier behandelt, auch Fälle wie die um Sweeney Todd oder Oskar Slater kommen vor.

Mit einer zeitgemäßen Sprache erzählt die Autorin den Lesern die Geschichte um die Erben der Nacht. Dabei vermag sie es ihrer Zielgruppe gerecht zu werden. Ein flüssiger Erzählstil fesselt die Leser an die Geschichte und durch den klaren Satzbau können auch schon jüngere Leser den Abenteuern spielend folgen.

Authentisch und bildgewaltig lässt die Autorin das London im Jahr 1881 vor den Augen ihrer Leserschaft wiederauferstehen und so meint man schnell, sich gemeinsam mit den Helden der Geschichte im düsteren London zu befinden. Auch im letzten Band ihrer Reihe bleiben keine Fragen offen und geschickt wurden die Ereignisse aus den Vorgängern miteinander verwoben. So entsteht ein grandioses Gesamtwerk, das keine Wünsche bei seinen Lesen offenlässt.

Seit dem ersten Band um die blutjungen Vampire hat die Autorin eine interessante Geschichte gesponnen, die sich stetig weiterentwickelt hat. Ihrem düsteren Plot ist Ulrike Schweikert dabei treu geblieben und dieser wurde ständig erweitert. Mit jedem Band hat die Autorin sich gesteigert und so wird auch im letzten Band um die Erben der Nacht ganz großes Kino geboten.

Ein sich aufbauender und in einem dramatischen Finale endender Spannungsbogen macht es den Lesern fast unmöglich, das Buch auf die Seite zu legen. Durch das stetig steigende Tempo schafft es die Autorin, ihre Leser spielend zu fesseln und selbst nach dem atemlosen Finale nicht so schnell loszulassen.

Aus der Perspektive einer beobachtenden dritten Person werden die Abenteuer der Erben erzählt. Der Fokus liegt dabei auf Alisa vom Clan der Vamila, Leo von Clan der Dracas, Ivy vom Clan der Lycaner und Luciano vom Clan der Nosferas. Allerdings hebt die Autorin hier auch ihre Nebenfiguren immer weiter hervor, sodass diese tragende Rollen mit übernehmen.

Auch bei der Figurenzeichnung kann der Leser keine Kritik üben. Lebendig und vielseitig sind die einzelnen Charaktere konzipiert. Interessant ist auch die Entwicklung, deren sich die Protagonisten unterziehen, sie werden nicht nur erwachsener und reifer. Auffällig ist unter anderem auch die Entwicklung der Nebenfiguren, haben so manche zwar schon im ersten Band winzige Rollen bekleidet wachsen diese und werden unverzichtbar für die Geschichte.

Die Gestaltung des Covers passt zu der Reihe. In einem dunklen Lila gehalten ist das Zeichen der „Vyrad“ zu sehen und die goldene Schrift wirkt edel. Im Innenteil ist eine Karte Londons zu sehen. Ein Glossar erklärt historische Begriffe und auch die Gaststars der Abenteuer in London werden vorgestellt und deren Leben kurz beschrieben.

_Autorin_

Ulrike Schweikert, Jahrgang 1966, beherrscht sowohl das historische als auch das fantastische Genre meisterhaft. Ihre historischen Romane für Erwachsene sind Bestseller und ihr „Drachenkrone“-Zyklus ist ein Fantasy-Muss. Nach ihren beiden großen Jugendbuch-Erfolgen „Das Jahr der Verschwörer“ und „Die Maske der Verräter“ hat die vielseitige Autorin nun ihre erste Fantasy-Saga für Jugendliche verfasst: „Die Erben der Nacht“. (Verlagsinfo)

_Fazit_

Mit „Vyrad² beendet Ulrike Schweikert ihre Reihe um die „Erben der Nacht“. Wieder einmal hat die Autorin bewiesen, dass sie es wie keine andere versteht, Fantasy mit historischen Ereignissen und der Kultur der jeweiligen Schauplätze zu verbinden. Liebenswerte Darsteller, spannende Abenteuer und ein reizvoller Schauplatz sorgen für ausgezeichnete Unterhaltung.

Ulrike Schweikert hört mit ihrer Reihe auf, als es fast am schönsten ist, und bleibt so mit ihrer Reihe um die Erben der Nacht in jedem Fall in Erinnerung. Ich persönlich hoffe allerdings, dass Frau Schweikert noch einmal etwas Ähnliches entwickelt und ich noch einmal so actionreiche, romantische und düstere Lesestunden, wie mit den Erben der Nacht genießen kann.

|Taschenbuch: 576 Seiten
ISBN-13: 978-3570306550
Vom Verlag empfohlenes Alter: 12 – 15 Jahre|
[www.randomhouse.de/cbt]http://www.randomhouse.de/cbt/index.jsp

_Ulrike Schweikert_ bei |Buchwurm.info|
Interview: [„Die Abwechslung ist das Reizvolle“]http://buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=93
[„Der Duft des Blutes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4858
[„Das Herz der Nacht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6020
[„Die Dirne und der Bischof“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5548
[„Die Seele der Nacht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1232

Stephen Chbosky – Das also ist mein Leben

Inhalt:

„Lieber Freund, das also ist mein Leben. Und ich will, dass du weißt, ich bin glücklich und traurig zugleich und versuche noch immer herauszufinden, wie das eigentlich sein kann.“ – Für den fünfzehnjährigen Charlie steht das erste Jahr an der High School an. Da er kaum Leute kennt, erschafft er sich einen Freund, dem er regelmäßig aus seinem Leben erzählt. Auf manchmal lustige, manchmal traurige Art versucht Charlie sein Leben zu ordnen und zu verstehen.

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Emily Kay – Durch die Nacht (Eulenflucht 1)

Die Handlung:

Immer wieder träumt Mae den gleichen Albtraum, der scheinbar keine Verbindung zu ihrem Leben hat. Und trotzdem lassen sie die Traumbilder und Gefühle nicht los. Wenig später tauchen Sam und Konrad auf – zwei rätselhafte Brüder. Mae spürt vom ersten Augenblick eine Anziehung zu Sam, die sie sich nicht erklären kann. Noch ahnt sie nicht, dass die Brüder ein dunkles Geheimnis umgibt, das mit ihr verbunden ist. Ein Schicksal, das nicht gebrochen werden kann. Eine Liebe gegen jede Vernunft. Denn sie zerstört die Menschen, die Mae liebt. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Das wirklich tolle und ansprechende Cover wird sicher viele junge Käuferinnen in der Buchhandlung zum Kauf verführt haben. Was sie aber für ihr Geld bekommen, sind gute 300 Gramm Klischees und Ideen, die die junge Leseratte schon zur Genüge kennt. Nicht zufällig bedankt sich die Autorin am Ende unter anderem bei einem „Twilight“-Forum.

Die Idee, das Ganze mit einem die Protagonistin immer wieder quälenden Handlungsstrang aus dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu kreuzen, ist aber interessant. Was dann kommt, leider nicht mehr wirklich. Dass Mae 18 ist, merkt man ihr nicht an, da sie von der Autorin eher wie eine in allen Gefühlsdingen unerfahrene 12-Jährige beschrieben wird, die für ihr Alter völlig überzogen auf Sam reagiert. Dass die beiden etwas verbindet, fühlt sie und die Leserin im Zweifel auch. Und am Ende wird dann auch noch mal für alle die, die nicht von selbst drauf gekommen sind, die Lösung erklärt.

Auch die Sprache, die die Charaktere benutzen, ist nicht durchgehend einheitlich. So gibt es Passagen, in denen sie lebendig und authentisch klingen, nur um kurze Zeit später wieder Vokabeln zu benutzen, die aus einem 50 Jahre alten Schmachtfetzen stammen könnten.

Bei der Wahl des Zeichensatzes hat sich der Verlag für eine schnörkelige Schrift entschieden, die sich nicht so leicht und flüssig lesen lässt, wie die Standardschriftarten in anderen Büchern. Auch werden hier zumeist nur halbe Absätze benutzt und manchmal sind die Seiten als kompletter Textblock abgedruckt, was auch beides beim Lesen bremst.

Das schon eingangs erwähnte schöne Cover in Rosa und Lila ist am Anfang der Kapitel immer wieder in Schwarz-weiß zu sehen. Die auf den ersten Blick geringe Seitenzahl von 240 täuscht ein kurzes Lesevergnügen vor, aber die Seiten sind wirklich gut gefüllt. Andere Verlage hätten hier sicher wesentlich mehr Blätter bedruckt.

Wer selbst weiblich, zwölf und unbelesen ist, der kann mit diesem Buch sicher ein paar aufwühlend romantische Abenteuerstunden verbringen und wird sich auch auf die Fortsetzung freuen, da das Ende trotz vieler Erklärungen den Raum dafür lässt.

Die Autorin

Emily Kay (geb. 1974) gehört zu der Generation der Kassettenkinder. Im Alter von drei Jahren bekam sie ihr erstes batteriebetriebes Tonbandgerät geschenkt und ist seitdem bekennende Anhängerin deutscher Hörspielserien. In ihrem Kinderzimmer malte sie mit Begeisterung erste Geschichten und vertonte diese mithilfe ihres Rekorders. Seit ihrer ersten Begegnung mit Rüdiger, dem kleinen Vampir von Angela Sommer-Bodenburg, schlägt ihr Herz für den Zauber der Nacht. Nach dem Abitur studierte sie zunächst Anglistik, Germanistik und Pädagogik und leitete ein Bildungsinstitut. Heute lebt sie mit ihrer Familie und zwei Katzen zwischen unzähligen Büchern und Hörspielkassetten mitten im Ruhrgebiet und widmet sich der Schreiberei. Ihr Debut „Eulenflucht – Durch die Nacht“ ist der Auftakt einer fantastischen Trilogie. (Verlagsinfo)

Mein Fazit:

Klischees, viel Schmalz und eine Mae, die sich mit ihren 18 Jahren wie eine 12-Jährige benimmt. Unsterbliche Wesen, die man schon zur Genüge aus anderen Romanen, Fernsehserien und Kinofilmen kennt, runden den Plot ab.

Dieser Roman ist wirklich nur jungen Leserinnen zu empfehlen, die immer noch nicht genug von Vampiren, Werwölfen und auf sie zugeschnittene Lovestorys haben.

Taschenbuch: 240 Seiten
Mit Illustrationen von Ulrike Kleinert
Vom Verlag empfohlen ab 12 Jahren
ISBN: 978-3-942602-13-6
elysion-books.com

Black, Holly – Weißer Fluch (The Curse Workers 1)

_|The Curse Workers|:_

Band 1: _“Weißer Fluch“_
Band 2: „Red Glove“ (noch kein dt. Titel)
Band 3: „Black Heart“ (Noch kein dt. Titel, Originalausgabe erscheint Mai 2012)

Die Jugendbuchautorin Holly Black wurde für einige ihrer Bücher bereits mit Preisen ausgezeichnet, ihre Kinderbuchreihe „Die Geheimnisse der Spiderwicks“ wurde sogar verfilmt. Mit „Weißer Fluch“, dem ersten Band ihrer neuen Trilogie um den Fluchwerker Cassel, möchte sie nun an diese Erfolge anknüpfen.

_Cassel Sharpe ist 17 Jahre alt_ und das jüngste Kind einer Fluchwerkerfamilie. Fluchwerker können durch ihre Berührung Menschen verfluchen. Es gibt verschiedene Arten von Fluchwerkern. Cassels Mutter beispielsweise ist eine Glückswerkerin, die Menschen glücklich macht, während einer seiner älteren Brüder, Philip, als Leibwerker anderen Leuten ein Bein brechen kann.

Das Einzige, was Cassel beherrscht, ist Lügen und Trickbetrug. Vor allem Ersteres spielt eine große Rolle in seinem Leben, muss er doch ein schreckliches Geheimnis bewahren: Mit vierzehn hat er seine damalige Freundin Lila getötet. Wieso er dies getan hat, weiß er nicht. Er besitzt kaum Erinnerungen an ihren Tod.

Eines Nachts wacht Cassel auf dem Dach des Internats auf, das er besucht. Er hat keine Ahnung, wie er dort hingekommen ist. Er erinnert sich nur noch an einen merkwürdigen Traum, in dem eine weiße Katze ihm die Zunge abbeißt. Zur Strafe wird er suspendiert und muss plötzlich seine Zeit mit seinen zwei älteren Brüdern und seinem Großvater verbringen. Dabei stellt er fest, dass es Geheimnisse in seiner Familie zu geben scheint. Sowohl in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit. Geheimnisse, die auch ihn betreffen …

_“Weißer Fluch“ ist ein Jugendbuch_, das auch ältere Leser von der ersten Seite an in seinen Bann zieht. Holly Black gelingt es, eine überaus interessante und mitreißende Welt zu kreieren, in der Magie vor allem etwas Dunkles, Kriminelles ist. Cassels Brüder arbeiten für einen russischen Mafiaclan und Cassels Mutter sitzt wegen Betrügerei im Gefängnis. Cassel selbst nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau und betreibt ein illegales Wettbüro im Internat. Die Geschichte ist ungewohnt düster und auch etwas unmoralisch. Zwar gibt es keine expliziten Sexszenen, dafür aber doch einiges an Kriminalität. Cassel ist auch nicht unbedingt ein Gutmensch, betrügt und lügt er doch die meiste Zeit – wenn auch manchmal mit ehrbaren Motiven. Auf den Zeigefinger, den andere Jugendbücher des Genres häufig enthalten, verzichtet Black glücklicherweise.

Im Mittelpunkt des Romans steht Ich-Erzähler Cassel. Als unscheinbarstes und einziges nicht magiebegabtes Mitglied der Familie Sharpe hat er etwas von einem trotzigen Antihelden. Sein dunkles Geheimnis macht ihn zu einer spannenden, sein Humor zu einer mitreißenden Person. Es macht Spaß ihm zu folgen. Black beschreibt außerdem anschaulich und interessant, wie er Leute anlügt – eine Fähigkeit, auf die er sehr stolz ist. Während des Lesens merkt man schnell, dass sein großspuriges Auftreten nur Fassade ist und er eigentlich an einigen Sachen zu knabbern hat – zum Beispiel am Tod von Lila und seinem alles andere als funktionierenden Familienleben.

Die anderen Figuren im Buch sind ähnlich wie Cassel toll ausgedachte Figuren mit Hang zur Kriminalität. Black verzichtet darauf, ihre Charaktere in Gut und Böse einzuteilen; sie sind alle auf irgendeine Weise böse. Für ein Jugendbuch ist das nicht unbedingt die Regel und alleine deshalb weiß die Geschichte zu gefallen.

Die Handlung von „Weißer Fluch“ ist kompakt, schnell erzählt und fesselnd. Die Autorin versteht sich darauf, geschickt die Balance zwischen Erinnerungen, Gefühlsschilderungen und Aktion halten. Auch wenn die Story selbst sehr geradlinig ist, ohne großartige Nebenschauplätze ist die Handlung eigentlich zu keinem Punkt vorhersehbar. Der Leser ahnt zwar ab und an etwas, wird aber dann von Black doch erstmal in Unwissen gehalten. Gerade Cassels Geheimnis sorgt immer wieder für Höhepunkte im Buch.

Geschrieben ist das Buch in einem sehr angenehmen Schreibstil, der, ähnlich wie die Handlung, sehr präzise mit den richtigen anstatt mit vielen Worten arbeitet. Aus der Ich-Perspektive geschrieben, fällt es nicht schwer, sich von der Geschichte in den Bann ziehen zu lassen. Der leicht humorvolle Unterton trägt außerdem dazu bei, dass das Buch sehr lebendig wirkt.

_Holly Black ist mit „Weißer Fluch“_ ein wirklich tolles Jugendbuch gelungen, das vor allem durch seine politische Unkorrektheit punktet. Wem „Twilight“ zu brav ist, der wird hieran seine helle Freude haben. Handwerklich ist der Roman sehr gut geschrieben, aber es sind vor allem die großartigen Charaktere, die den Leser Seite um Seite nicht mehr loslassen.

|Gebunden: 376 Seiten
Originaltitel: The Curse Workers – White Cat
Deutsch von Anne Brauner
ISBN-13: 978-3570161074|
[www.cbt-jugendbuch.de]http://www.cbt-jugendbuch.de
[www.blackholly.com]http://www.blackholly.com

_Holly Black bei |Buchwurm.info| (Auswahl):_

|Die Spiderwick-Geheimnisse:|
Band 1: [„Eine unglaubliche Entdeckung“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=509
Band 2: [„Gefährliche Suche“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=512
Band 3: [„Im Bann der Elfen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=959
Band 4: [“ Der eiserne Baum“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=960
Band 5: [„Die Rache der Kobolde“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1710
Band 6: [„Das Lied der Nixe“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4241
Band 6 (Hörbuch): [„Das Lied der Nixe“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4658
Band 7: [„Die Rückkehr der Riesen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5388
[„Arthur Spiderwicks Handbuch für die fantastische Welt um dich herum“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3195
[„Die Geheimnisse der Spiderwicks – Das Buch zum Film“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4738
[„Die Spiderwick-Geheimnisse (Audio-CD-Box)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4697
[„Die Spiderwick-Geheimnisse – Über Haltung und Pflege von Elfen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4751
[„Die Spiderwick-Geheimnisse – Die große Entdeckungsreise in die verzauberte Welt“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5193

|Feenland:|
Band 1: [„Der gebrochene Schwur“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6516
Band 2: [„Das verborgene Reich“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6515

Die drei ??? – Skateboardfieber (Band 152)

„Manchmal kommen sie wieder“ lautet ein inzwischen recht gängiges Zitat, basierend auf Stephen Kings gleichnamiger Kurzgeschichte. Nun ist Ben Nevis sicher nicht mit diesem vergleichbar und ein Drei-???-Roman keine Horror-Lektüre – und wenn doch, dann lediglich unfreiwillig und alles andere als übersinnlich. Dennoch würde dieser Titel zumindest als Tagline auch hier passen. Eine der Figuren hatte nämlich bereits 1981 ihren ersten Auftritt und darf in diesen unseren, modernen Tagen wieder ran. Genauer gesagt im Februar 2010, anlässlich zum 152. Fall der berühmten Junior-Detektei aus Rocky Beach/Kalifornien, deren Abenteuer seit Jahr und Tag im |Kosmos|-Verlag erscheinen. Und Bert Young ist nicht einmal der einzige Wiedergänger in dieser Geschichte – auch ein gewisser Stadtstreicher ist mit von der Partie.

Zur Story

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Szillat, Antja – Solange du schläfst

_Mit ihren Eltern ist die 16-jährige Anna_ von Bremen in das kleine Dorf Mahlhausen gezogen. Obwohl Anna sich erst auf das Leben in dem kleinen Ort gefreut hat, fühlt sie sich dennoch nicht richtig wohl. Lediglich die Tatsache, dass sie ihre Pferde nun bei sich hat, stimmt sie fröhlich.

Besonders macht es Anna zu schaffen, das sie von den Jugendlichen im Ort und auch in der Schule, sehr neugierig „bestaunt“ wird. Genervt sucht sie einen Ort, wo sie für sich sein kann, als ihr Jèrome begegnet. Der dunkelhäutige Junge zieht Anna sofort in den Bann und schnell wird klar das Es nicht nur ihr so geht. Problemlos ist die junge Liebe der beiden Jugendlichen allerdings nicht. Die Jugendlichen in Mahlhausen, besonders dem verwöhnten Sohn des Bürgermeisters Konstantin, ist Jèrome ein Dorn im Auge und so auch die Beziehung der beiden.

Trotz fieser Drohbriefe und anderer Zwischenfälle genießen Anna und Jèrome ihre Liebe zueinander. Bis Jèrome eines Tages verschwunden ist. Anna sucht ihn verzweifelt und schließlich wird Jèrome schwer verletzt gefunden. Er fällt in ein Koma und Anna setzt alles daran aufzudecken, was ihm gesehen ist. Doch wird Jèrome zu ihr zurückkehren?

_Kritik_

„Solange du schläfst“ von Antje Szillat ist ein Jugendroman, der sich nicht nur mit der ersten Liebe befasst, sondern auch problematische Themen, wie Erpressung, Drogen und Mobbing aufgreift.

Der Prolog, obwohl dieser nur ein paar Zeilen umfasst, macht den Leser sofort neugierig auf den Inhalt. Flüssig und sehr gefühlsbetont geschrieben macht es die Autorin den Lesern zudem leicht, dem Geschehen zu folgen. Besonders durch die emotionale Haltung versteht es die Autorin, die Leser an den Gefühlen wie Unsicherheit, Liebe, Verzweiflung, Mut, Wut und Freude teilhaben zu lassen. Leider ist „Solange du schläfst“ mit seinen knapp 250 Seiten nicht besonders umfangreich und so wird die Handlung recht schnell abgefasst und teilweise fehlt es daher an Tiefe und Ausführlichkeit. Um die Geschichte facettenreicher zu gestalten, wäre es schön gewesen, den Roman ausführlicher zu gestalten. Authentisch hat die Autorin besonders die Zuneigung ihrer Protagonisten beschrieben, dies passt sehr gut zu Jugendlichen, die frisch verliebt sind. Besonders schön waren die Stellen des Romans, die mit federleichtem Humor und der Leichtigkeit des jungen Lebens, geschrieben wurden. Diese kommen besonders glaubwürdig beim Leser an.

Besonders interessant fand ich die Verbindung zwischen Anna und Jèrome ab dem Moment, als Jèrome im Koma liegt. Diese wird sehr gut dargestellt und wer dem siebten Sinn aufgeschlossen gegenübersteht, dürfte diese Idee zusagen. Auch die Aussage hinter dem Ganzen, „wahre Liebe übersteht alles“, finde ich sehr schön.

Intelligent wurde der fesselnde Spannungsbogen eingearbeitet. Hintergründig sind da Geheimnisse eingebaut, die der Leser gelüftet sehen will. So fällt es leicht, sich von der Geschichte fesseln zu lassen und den Roman in kürzester Zeit zu lesen.

Vordergründig wird die unterhaltsame Geschichte aus Annas Perspektive in der Ich-Form beschrieben. So lernt der Leser Anna sehr gut kennen und versteht auch das, was sie antreibt sehr gut. Diese Perspektive ändert sich zwischenzeitlich immer mal wieder und über eine dritte Person werden Teile der Geschichte aus Jèromes Sicht erläutert. Dieses interessante Zwischenspiel erlaubt auch einen Blick auf Jèromes Innenleben.

Die Protagonisten Anna und Jèrome sind ausgesprochen sympathisch und liebevoll ausgearbeitet. Zwar fehlt es deutlich an äußeren Merkmalen, dafür bietet das Seelenleben der beiden allerdings eine Fülle an Eigenschaften. Besonders bei Anna sticht die Courage ins Auge. Mutig stellt sie sich verschiedenen Schwierigkeiten und ist durchaus bereit für die Menschen, die sie liebt, zu kämpfen.

Das Cover verdient hier eine Bestnote, die ausgestanzten floralen Ornamente wirken romantisch schön vor dem roten Hintergrund. Hier hat der Verlag wirklich herausragende Arbeit geleistet.

_Autorin_

Antje Szillat (* 1966 in Hildesheim) ist eine deutsche Schriftstellerin. Sie lebt mit ihrem Mann und vier Kindern in der Nähe von Hannover. Antje Szillat ist ausgebildete Lerntherapeutin und Lernberaterin. Sie ist als freie Redakteurin für unterschiedliche Print- und Online-Magazine (darunter KidsLife, Federwelt und Urbia) und als freie Autorin von Kinder- und Jugendbüchern sowie Sachbüchern tätig. (Wikipedia)

_Fazit_

„Solange du schläfst“ von Antje Szillat ist in jedem Fall ein absolut lesenswerter Roman. Die Zielgruppe junger Leser wird hier spielend erreicht und leise vermittelt der Roman so wichtige Werte wie beispielsweise Mut, Courage und Ehrlichkeit. Besonders die Mischung aus der zarten Liebesgeschichte und der spannenden Ereignisse überzeugen. Gerade jungen Lesern kann ich „Solange du schläfst“ mit ruhigem Gewissen ans Herz legen.

|Gebundene Ausgabe: 252 Seiten
ISBN-13: 978-3649602910
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 13 – 17 Jahre|
[www.coppenrath.de]http://www.coppenrath.de

Erlhoff, Kari – Die drei ??? – Die blutenden Bilder (Band 161)

Kari Erlhoffs „Die blutenden Bilder“ erschien als Band 161 der beliebten Jugendserie im August 2011 wie üblich im |KOSMOS|-Verlag. Dieser Fall entstand in Kooperation mit der Kunsthalle Bremen, in welcher von Oktober 2011 bis Februar 2012 die Ausstellung „Edward Munch – Rätsel hinter der Leinwand“ stattfindet. Zu dieser befindet sich auch gleich ein schön gemachter Einleger mit Inhaltsbezug im Buch, wo es eben dafür als ersten Preis einen Trip inklusive Bahnfahrt, 4-Sterne-Unterbringung und Besuch der Ausstellung in Bremen zu gewinnen gibt. Des Weiteren warten eine Reihe Fanartikel auf glückliche Gewinner. Sofern man eine simple Gewinnfrage richtig und rechtzeitig beantwortet. Wie unschwer zu erraten ist, dreht sich die Geschichte diesmal um Kunst des berühmten Malers.

_ Zur Story_

Mord im beschaulichen Rocky Beach? Das ist eher eine Seltenheit, daher sind die drei ??? zunächst ziemlich geschockt, als Tante Mathilda erzählt, dass Mrs Kretchmer, die wohlhabende Vorsitzende aus dem wohltätigen Damenkränzchen des kleinen kalifornischen Nests, ermordet worden sei. Allerdings meinte sie dies nur im übertragenen Sinne, denn tatsächlich wurde nur ihr Portrait gemeuchelt. Kein Einzelfall. In letzter Zeit geht ein dreister Bildnapper um, der Lösegeld für das von ihm entführte Porträt verlangt. Dies ist stets vergleichsweise gering, es handelt sich schließlich nie um wertvolle Gemälde, sondern um solche, die eher ideellen Wert für ihre Besitzer haben. Lässt sich dieser auf den Deal ein, erhält er das Bild umgehend unversehrt zurück. Falls nicht, taucht es – mit roter Farbe bespritzt, verschandelt und aufgeschlitzt – wieder auf. Das brachte dem Dieb in der Presse die Bezeichnung „Bildermörder“ ein.

Den zu überführen, wäre sicher ein großer Fang für die drei ???, doch müssen die Jungdetektive ohnehin auf dem Schrottplatz schuften und haben so erst einmal keine Zeit – außerdem macht ihnen Inspector Cotta, bei einer diesbezüglichen Nachfrage über den Stand der Dinge bei der Polizei, unmissverständlich klar, dass dies eine ganze Nummer zu groß für die Jungs ist. Er möchte, dass sie sich aus den Ermittlungen raus halten. Bald hat man auch ganz andere Sorgen, denn der Leiter der örtlichen Kunstausstellung kommt auf dem Gelände der Firma Jonas vorbei und behauptet, dass diese kürzlich 13 gestohlene Bilder angekauft habe. Tante Mathilda verneint dies vehement, doch dann stellt sich heraus, dass der geistig etwas unterbelichtete, neue Schrottplatzgehilfe die angeblich wertlosen Studentenarbeiten in der Tat angekauft und zum Teil bereits wiederverkauft hat. Die drei ??? machen sich auf, die restlichen Bilder wieder herbeizuschaffen und ihnen schwant allmählich, dass noch viel mehr dahintersteckt.

_Eindrücke_

Dem aufmerksamen Auge – und welcher drei-???-Leser hätte ein solches nicht – springt die Liaison mit der Bremer Kunsthalle schon beim Studium der Rückseite des Einbands bereits entgegen und lässt vermuten, dass es einen Zusammenhang geben muss, zwischen der hier erzählten Geschichte und der dort angepriesenen Ausstellung zum berühmten Maler Edward Munch. Um es vorwegzunehmen: Dem ist natürlich tatsächlich so. Kari Erlhoff verpackt nützliches Munch-Wissen in einen spannenden und über weite Strecken nicht ganz einfach zu durchschauenden Fall. Dennoch ganz überraschend läuft dieser dann doch nicht ab, wenn die Katze einmal aus dem Sack ist, kann man sich den Rest schon ganz gut in Eigenregie zusammenreimen und liegt damit (vermutlich) schon ziemlich nah an der Auflösung des Falles. Aber eben doch nicht ganz, denn ein paar kleinere Mosaiksteinchen fallen erst im Showdown an ihren Platz. Klar, es wundert nicht, dass die Fäden „Bildermörder“ und „Bilderdiebe“ auf irgendeine Art zusammenlaufen.

Aber oft ist ja der Weg das Ziel, und dieser wurde mit allerlei schönem und spannendem Zierrat ausstaffiert. Verfolgungsjagden zum Beispiel. Derzeit ist es ja bei den drei ??? zudem ziemlich en vogue alte Figuren wieder zu integrieren, hier sind es gleich deren Zwei: Justus Cousin Ty Cassidy darf mit seinem VW-Bus (interessant übrigens die Häufung von Volkswagen in der – in Amerika spielenden – Serie: Bobs Käfer, Tys VW-Bus und diesmal sogar obendrauf noch ein VW Golf einer undurchsichtigen Reporterin) durch die Story gondeln und sogar etwas zur Aufklärung beitragen. Definitiv ein Highlight und nette wie willkommene Hommage an die klassische Ära, ist der Gast-Auftritt des „Potters“. Nein, nicht Harry, einen entsprechend platzierten Gag bringt Kari Erlhoff hier übrigens auch an, sondern der kauzige, stets barfüßige Töpfer aus „Die drei ??? und die flammende Spur“. Apropos Gags: Die gehen diesmal meist zu Lasten des beschränkten Schrottplatz-HiWis. Schade, dass er die Firma Jonas am Ende verlässt, um … Nee, das sei hier nicht verraten.

_Fazit_

Derzeit legt die Serie einen beachtlich runden Lauf hin, zu dem auch „Die blutenden Bilder“ sein Scherflein beiträgt. Es ist ein sehr sicher nach Hause gebrachter Fall, der prinzipiell zwar nicht vor Originalität sprüht, jedoch mehr als spannend genug aufgezogen ist, um sich auch auf Dauer in den oberen Reihen festsetzen zu können. Des Weiteren ist der Lerngehalt mal wieder vergleichsweise hoch und die geneigte Leserschaft lernt – ohne den pädagogischen Holzhammer und sozusagen im Vorbeigehen – eine ganze Menge über Edward Munch und sein Wirken. Das alles verpackt in einem temporeichen Plot, klassischer Machart mit viel detektivischer Fleißarbeit, einer guten Portion Humor und gelegentlicher Action-Einlagen, lässt den Rezensenten-Daumen ohne Zögern in die Höhe schnellen.

|128 Seiten Hardcover
Erzählt von Kari Erlhoff basierend auf den Figuren von Robert Arthur
Redaktion: Martina Zierold, André Marx
ISBN 978-3-440-12329-4|
[www.kosmos.de]http://www.kosmos.de

Über 80 weitere Rezensionen zu den Drei ??? gibts in [unserer Datenbank]http://buchwurm.info/book zu entdecken.

Hudson, Tara – Wenn du mich siehst

_Inhallt_

Die 18-jährige Amelia wacht völlig alleine auf einem verlassenen Friedhof auf. Sie weiß weder wie lange sie dort bereits ist noch, warum sie sich dort aufhält. Amelia ist tot! Als Geist zieht sie orientierungslos und zeitlos durch die Stadt und fühlt sich allein – bis sie auf Joshua trifft. Joshua ist in einen Fluss gestürzt und droht zu ertrinken. Amelia beobachtet den Jungen und seinen Herzschlag, bis es für einen kurzen Moment aufhört zu schlagen. Joshua wacht auf und kämpft sich an die Oberfläche. Und plötzlich ist für beide die Erkenntnis da, dass Joshua sie sehen kann.

Wenige Tage später nimmt er Kontakt zu ihr auf und die beiden Teenager nähern sich an. Alles könnte so schön sein, wären da nicht die Geisterjäger und ein Dämon, die es auf Amelia abgesehen haben …

_Eindruck_

Liebesgeschichten zwischen Menschen und Geistern gibt es wie Sand am Meer, von daher war ich bei „Wenn Du mich siehst“ besonders gespannt. Leider konnte mich die Geschichte nicht ganz von sich überzeugen, da ein paar Widersprüche und viele Wiederholungen in dem Buch vorhanden sind.

Wie in der Geschichte später herauskommt, ist Amelia im Jahr 1999 gestorben, wenn man aber ihre Gedanken und ihre Dialoge mit Joshua genauer betrachtet, hat man eher das Gefühl, dass sie aus einem Jane Austin Roman entsprungen ist. Stellenweise spricht sie doch wahnsinnig altmodisch, was zu ihrem sonstigen Wesen überhaupt nicht passt. Dadurch war sie mir während der gesamten Geschichte suspekt und ich konnte mich weder in sie hineinversetzen, noch sonst mit ihr warm werden.

Auch die vielen Wiederholungen haben mich in dem Buch gestört. Dazu gehören u. a. Amelias Albträume. Diese werden zwar gut geschildert, sind im Prinzip aber immer gleich. Wieso Tara Hudson diese dann jedes Mal aufs Neue ausführlich beschreibt, ist für mich nicht nachvollziehbar.

Allgemein plätschert die Geschichte, besonders im Mittelteil, vor sich hin. Im Grunde genommen passiert gar nicht so viel, wie es zunächst durch die Kurzbeschreibung den Anschein hat. Die Geschichte hätte locker hundert Seiten weniger haben können und man hätte dennoch nichts verpasst.

Insgesamt ist der Schreibstil aber dennoch angenehm. Die Geschichte wird aus der Sicht von Amelia erzählt und man lernt ihre Gedanken, Gefühle und Ängste sehr gut kennen. Die Kapitel und die einzelnen Sätze sind recht kurz gehalten und lassen sich trotz so mancher Langatmigkeit schnell lesen. „Wenn du mich siehst“ ist Tara Hudsons erster Roman.

Die Liebesgeschichte zwischen Amelia und Joshua ist stellenweise sehr voraussehbar und naiv. Sie nähern sich schnell an und teilen Geheimnisse miteinander und merken erst spät, dass ihre Liebe ein Problem darstellen könnte. Da kann man von 18-jährigen Menschen bzw. Geistern mehr Verstand erwarten. Besonders Amelias Gedanken waren oft zu kitschig und erinnerten an einen Groschenroman.

Beispiel:

„Auf eimal spürte ich ihn. Nicht den tauben Druck, noch nicht einmal den aufregenen Strom, sondern ihn. Ich spürte die Wärme seiner Hand und die Beschaffenheit seiner Haut, die an die meine gedrückt war. Ich spürte ihn, genau wie ich es im Fluss getan hatte, als er kurzzeitig aus dem gleichen Stoff wie ich bestanden hatte.“ [Seite 134]

Joshua konnte jedoch von sich überzeugen. Seine Erfahrungen mit dem Tod haben ihn verändert und er stellt sich gegen seine Familie, insbesondere gegen seine Großmutter Ruth, die ebenfalls die Gabe hat, Geister sehen zu können. Sie will Joshua und Amelia auseinander bringen und Amelia verbannen, weil sie angeblich etwas Böses in sich hat.

Das Cover ist ein absoluter Hingucker und ein Highlight in jedem Bücherregal. Die zarten Farben umspielen sehr gut Amelias Gesicht, deren Mund leicht geöffnet ist. Unter ihrem Kopf entdeckt man Wasser. Das Wasser symbolisiert den Fluss, in dem Amelia im Jahre 1999 ertrunken ist.

Ein kleiner Kritikpunkt ist die Kurzbeschreibung, die viel zu viel verrät und schon beinahe die komplette Geschichte erzählt. Dadurch wurde ich während der Geschichte kaum überrascht, was den Lesespaß ein wenig zerstört hat.

_Fazit:_

Insgesamt ist Tara Hudson mit „Wenn Du mich siehst“ ein solider Debutroman gelungen, der viele Höhen und Tiefen hat. Da die Geschichte in sich noch nicht abgeschlossen ist, sehe ich großes Potenzial in der Geschichte. Laut Pressemitteilung des Verlags ist eine Fortsetzung bereits in Planung.

|Hardcover: 352 Seiten
Originaltitel: Hereafter
Ins Deutsche übertragen von Ute Brammertz
ISBN 978-3453267237|
[www.heyne-fliegt.de]http://www.heyne-fliegt.de
[www.tarahudson.com]http://www.tarahudson.com

_Sabrina Reithmacher_

Buchna, Hendrik – Die drei ??? und der schreiende Nebel (Band 162)

Im meteorologisch faktisch nicht existenten Sommer war’s. Anno 2011. Genauer gesagt: Ende August. Eine kleine Schar unbeugsamer Autoren veröffentlicht beim |KOSMOS| Verlag einen weiteren Satz frischer „Drei ???“-Bücher. Darunter auch eins, welches – überaus passend zum Wetter – schon einen herbstlichen Vorboten mitbringt: Nebel. Noch dazu einen schreienden. Wohl denn, bleibt noch herauszufinden, ob Hendrik Buchna mit seinem zweiten Full-Size-Roman für die Serie an seinen Erfolg von „Im Zeichen der Schlangen“ anknüpfen kann. Das endlich mal wieder rundum gelungene Cover weckt auf jeden Fall schon einmal Interesse sowie Reminiszenzen an John Carpenters „The Fog – Nebel des Grauens“. Und das Titelbild soll bei den Anspielungen auf dieses Werk des Altmeisters des subtilen Grusels nicht ganz alleine bleiben.

_Zur Story_

Professor Arnold Brewster kennen die drei ??? seit dem Fall „Volk der Winde“. Der inzwischen pensionierte Indianer-Experte bittet sie brieflich um Hilfe – er hat sich nach South Dakota zurückgezogen, genauer gesagt ins Wüstenkaff Fort Stockburn, u.a. um an einem neuen Buch zu arbeiten und weil ihm das Haus, welches er dort bewohnt, von einem jüngst verstorbenen Freund vererbt wurde. Doch nun ist es mit der Ruhe in der Prärie offenbar jäh vorbei, denn ein seltsamer Nebel wallt neuerdings auf und die daraus klingenden Schreie und angeblich darin befindlichen Spukgestalten haben schon so manchen, der ohnehin nicht allzu zahlreichen, Bewohner dazu genötigt den Ort zu verlassen. Lediglich einige der hartnäckig-bodenständigen Senioren halten dem Terror bislang stand. Einige davon machen sogar den recht neu hinzugezogenen Professor für die Vorfälle verantwortlich.

Einen Vorgeschmack auf die kommenden Ereignisse erhalten die drei Detektive aber noch vor Antritt ihrer Reise in den wilden Westen, als ein seltsamer Anrufer sich als Brewster ausgibt und sie barsch, aber ziemlich ungeschickt, zum Wegbleiben animieren will. Die drei ??? riechen Lunte. Da ist was faul. Ein nochmaliger Anruf, untermalt mit grässlichen Schreien, soll die Forderung offenbar zusätzlich noch einmal untermauern, facht insbesondere Justus Interesse jedoch erfahrungsgemäß erst richtig an. Auch ein anonymes wie kryptisches Droh-Telex für die Jungs, welches sie noch am Flughafen von L.A. Kurz vor Abflug erreicht, kann die Junior-Detektei nun nicht mehr stoppen. Peters übliches Lamento mal außen vor. Und so ermitteln die drei ??? unter sengender Sonne und inmitten zum Teil höchst kauziger Gestalten, nach dem Grund für den gespenstischen Nebel. Und dieser lässt sich auch gar nicht lange bitten. Und das Grauen, welches in ihm umgeht auch nicht …

_Eindrücke_

Wer sich nun nicht zuletzt dank des Titelbildes auf einen lauwarmen Aufguss von „The Fog“ einstellt, dürfte sehr rasch eines Besseren belehrt werden, denn dieser Fall ist sehr vielschichtig und die Protagonisten zum Teil schön schräg, sodass man ganz mächtig tüfteln muss. Einige Parallelen und Ähnlichkeiten gibt’s dennoch. Allerdings sind Carpenters Wiedergänger tatsächlich wandelnde Tote auf Rachefeldzug, während hier die angeblich indianischen Dämonen natürlich rein irdischer Natur sind – immerhin handelt es sich um einen ???-Roman. Aber auch Schreckelemente, wie Türen kratzen/pochen und sich einfach nur kurz zeigen um wieder spurlos zu verschwinden bis hin zu späteren Handgreiflichkeiten und sogar Verfolgungsjagden mit den vermeintlichen Monstern, das kennt man in ähnlicher Form auch von einem weiteren Highlight der Serie: „Nebelberg“. Wobei es hier mindestens genauso gut – wenn nicht besser – in Szene gesetzt wurde. Und als wäre das der klassischen Bausteine nicht genug, gibt’s obendrauf einen kleinen Rätseltext zu knacken.

Doch vor allem der vermaledeite Nebel ist eine ziemliche Kopfnuss und eine manchmal wohlig gruselige dazu. Wie erzeugt man mitten in der sengenden Prärie einen solchen Nebel – und noch dazu einen, der sich scheinbar steuern lässt? Vielleicht haben doch die Außerirdischen ihre Finger im Spiel, wie der verschrobene Verschwörungstheoretiker Mr Tornby überzeugt ist oder es sind wirklich die Geister der vor langer Zeit schändlich dahin gemetzelten Indios, die sich nun an den Bewohnern rächen ausschlaggebend – davon scheint „Captain“ Hold, Nachfahre des damaligen Fort-Kommandanten, mit seinem Kavallerietick überzeugt. Fragen über Fragen: Wer kann’s sein, wer nicht? Und wo, bei allen benebelten Wiedergängern, liegt eigentlich das Motiv? Komisch sind die ollen Leut‘ irgendwie ja alle. Die unerwartete, mehrteilige Auflösung ist fantasiereich und sogar physikalisch-technisch durchaus im Bereich des Möglichen.

_Fazit_

Ein Pageturner. Es kommt auch beim lesegeübten Rezensenten eher selten vor, dass er die standardmäßigen 128 Seiten eines Drei-???-Buches in weniger als anderthalb Stunden durchpflügt. Darüber hinaus muss man eigentlich nicht viele weitere Worte verlieren. Um es auf den Punkt zu bringen: Interessante Kulisse, gruselige und plastische Nebelmonster, ein Haufen (auch falscher) Fährten, verschrobene Charaktere und eine originelle Lösung des Falles. Selbst die üblichen, vom (Stamm-)Leser übrigens erwarteten, Serienklischees werden mit feiner Selbstironie und Humor verwendet, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Dazu abgerundet mit Professor Brewster, eine Figur, die Fans an alte Zeiten erinnert – Mehr kann man wirklich nicht verlangen. Daumen klar nach oben.

|128 Seiten Hardcover
Erzählt von Hendrik Buchna basierend auf den Figuren von Robert Arthur
Redaktion: Martina Zierold, André Marx
ISBN 978-3-440123331|
[www.kosmos.de]http://www.kosmos.de

Mehr als 80 weitere Rezensionen zu den „Drei ???“ findet ihr in unserer [Datenbank]http://buchwurm.info/book .

Thiemeyer, Thomas – David und Juna (Das verbotene Eden 1)

Das verbotene Eden

Band 1: David und Juna
Band 2: Logan und Gwen (2012)
Band 3: -geplant- (2013)

Wir schreiben das Jahr 2080 und die Welt liegt in Trümmern. Die junge Juna ist auf dem Weg zu einem Dorf, aus dem ein Notsignal kam. Doch als sie eintrifft, ist schon alles vorbei. Ein Trupp Männer aus der Stadt hat das Dorf überfallen und nicht nur den freiwilligen Tribut eingetrieben, sondern auch Frauen misshandelt und den Tempel angezündet. Und offenbar haben sie das auch noch bei weiteren Dörfern vor. Juna ist fest entschlossen, das zu verhindern. Schließlich ist ihre Mutter die Hohepriesterin. Doch sie hat nicht damit gerechnet, dass ihre Mutter ihr gesamtes Weltbild ins Wanken bringen wird … sie und ein junger Mönch namens David!

Natürlich könnte man sich darüber streiten, wie logisch oder unlogisch die Entstehung der Ausgangssituation wohl ist. Ein mutiertes Virus, das die Anziehungskraft zwischen den Geschlechtern in ihr Gegenteil verkehrt, und zwar bei allen Menschen, das klingt schon ein wenig phantastisch, vor allem, wenn man bedenkt, wie unterschiedlich verschiedene Individuen auf ein und dieselbe Person reagieren können. Auch fragte ich mich, ob die Tatsache, dass Männer und Frauen sich nicht mehr ausstehen können, wirklich gleich in einen Bürgerkrieg münden muss. Aber im Grunde geht es ja wohl eher um die Frage, wie man mit einer solchen Katastrophe, wenn sie denn einträte, umgeht, und wie man aus der Patsche wieder herauskommt, in die man geraten ist.

Bei einem solchen Szenario begibt sich der Autor naturgemäß auf gewisses Glatteis. Das Geplänkel zwischen Männlein und Weiblein hat es schon immer gegeben, auch hier und heute, in der Regel mit einem Augenzwinkern. Genau dieses Augenzwinkern passt überhaupt nicht in den Kontext dieser Geschichte, sich allerdings ernsthaft damit auseinanderzusetzen, ohne dabei Klischees zu bedienen, verlangt durchaus Fingerspitzengefühl. Und man muss Thomas Thiemeyer lassen: er hat bei der Einarbeitung der unbestreitbar bestehenden, nicht-biologischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern jegliches Klischee und sämtliche Schwarz-Weiß-Malerei gekonnt vermieden. So entspricht die Nutzung der verbliebenen Technik – wie Autos, Feuerwaffen und Generatoren – tatsächlich eher dem männlichen Aspekt als dem weiblichen. Und obwohl auch in den Klöstern Gärten mit Kräutern und Gemüse gepflegt werden, beruht die Hauptversorgung der Männer auf den Tributzahlungen der Frauen. Die Frauen übernehmen hier eindeutig den produktiveren Part, was unter anderem daran liegt, dass sie die ländlichen Gebiete besiedeln, während die Männer in den Ruinen einer Stadt wohnen und damit weniger Raum und eingeschränkteren Zugriff auf Rohstoffe haben.

Ackerbau und Handwerk werden daher nahezu ausschließlich im Zusammenhang mit den Dörfern und der Hauptstadt der Frauen erwähnt, während die Männer sich hauptsächlich auf das verlassen, was aus der Zeit vor der Katastrophe übrig geblieben ist. Die einzige Ausnahme ist eine Klosterbibliothek, in der es Papierherstellung und Buchbinderei gibt.
Was religiöse Belange angeht, so sind die Männer noch immer Christen. Das höchste Amt innerhalb dieser neuen Kirche ist allerdings das eines Inquisitors, und der derzeitige Amtsinhaber ist ein ziemlich kriegerischer Mann, dessen Lieblingsbuch der Hexenhammer ist. Die Frauen dagegen haben sich verständlicherweise von dieser männlich dominierten Kirche abgewandt. Warum sie aus Gott allerdings nicht einfach eine Göttin gemacht haben, sondern gleich ein ganzes Pantheon davon, das ging aus der Geschichte nicht hervor. Hass und Hetze dagegen gibt es, ebenso wie Nachsicht und das Bemühen um Verständnis, auf beiden Seiten.

Da wäre zum einen Juna. Das junge Mädchen ist eine Brigantin, eine Kriegerin und Jägerin. Sie ist dazu erzogen, die Männer zu hassen, zu verabscheuen und zu verachten. Dennoch ist sie in der Lage, nicht alle über einen Kamm zu scheren, sondern diejenigen, die ihr begegnen, als Individuen zu betrachten. Zum Beispiel ist sie sich von Anfang an der Unterschiede zwischen David und Amon bewusst.

David ist ein junger Mönch, der gern allein ist und Bücher liebt. Er ist freundlich, wissbegierig und ein Romantiker, und da er sein Kloster kaum je verlassen hat, auch ein wenig naiv. Aber er ist auch mutig und hat ein ausgeprägtes Gefühl für richtig und falsch.
Amon dagegen ist zwar charmant und gutaussehend, aber auch gewalttätig und arrogant. Für ihn sind allein die Frauen schuld am Zusammenbruch der Zivilisation, andererseits ist er mit seinem Leben gar nicht so unzufrieden, denn es bietet ihm die Möglichkeit, Druck auf Schwächere auszuüben und seinen Aggressionen freien Lauf zu lassen.

Auch Junas Mutter ist der Überzeugung, dass nicht alle Männer schlecht sind, vor allem ist sie sich der Tatsache bewusst, daß Männer und Frauen einander brauchen, um nicht auszusterben. Frauen wie Edana, die miterleben musste, wie ihre Tochter vergewaltigt und umgebracht wurde, sind eher der Meinung, dass zur Fortpflanzung auch ein paar Sklaven genügen würden, und wollen die restlichen Männer am liebsten alle ausrotten.

Angenehm an dieser Charakterzeichnung ist, dass alle, selbst die größten Unsympathen und Hetzer, einen Grund für ihren Hass auf das andere Geschlecht haben. Das macht die Figuren nicht nur menschlich und nachvollziehbar. Anhand der einzelnen Personen und ihrer Schicksale wird auch deutlich, wie leicht es ist, in eine Spirale aus Gewalt zu geraten, und wie schwer, daraus wieder auszubrechen. Ein Lehrstück über die Pauschalität des Hasses und ihre Wirkung, unmittelbar anwendbar zum Beispiel auf den nahen Osten.

Ich fand das Buch durchaus faszinierend. Im Grunde passiert nicht allzu viel, und es dauert auch ein Weilchen, bis David und Juna aufeinandertreffen. Trotzdem gab es abgesehen von der Darstellung zweier verschiedener Gesellschaftsformen viele kleine Details, die auch in den ruhigeren Passagen das Interesse wachhielten, seien es nun Davids Fragen nach der Vergangenheit, das Geheimnis um seine Herkunft oder die Intrigen innerhalb des Rates der Frauen. Spannung entwickelte sich vor allem gegen Ende, wobei der Showdown sich weniger durch rasante Action als vor allem durch die Entwicklung von Davids Charakter auszeichnet. Das Ende fand ich dann ein wenig abrupt. Die Änderung von Edanas Gefühlen und ihrer Einstellung den Männern gegenüber kam mir zu plötzlich und wirkte nicht ganz glaubwürdig auf mich.

Abgesehen davon ist die Geschichte natürlich noch gar nicht zu Ende. Denn schließlich hat sich die Situation so stark verändert, dass sich die Frage stellt, wie es denn nun weitergehen soll mit David und Juna, die sich auf die Suche nach dem Ort namens Zuflucht gemacht haben. Und da sind wir wieder bei der Logik: denn bisher war der Handlungsort auf eine verfallene Stadt und ihre nähere Umgebung gerichtet, und die waren offenbar vom Rest der Welt völlig abgeschottet. In fünfundsechzig Jahren ist nicht ein einziges Mal irgendein Mensch von außerhalb in diese Zone eingedrungen. Wie merkwürdig! Vielleicht geben die Folgebände darauf eine Antwort.

Thomas Thiemeyer stammt aus Köln und arbeitete nach einem Geologie- und Kunststudium zunächst als Grafiker und Illustrator, eher er sich vermehrt dem Schreiben zuwandte. Sein Debutroman „Medusa“ erschien im Jahr 2004, seither hat er eine ganze Anzahl weiterer Romane geschrieben, nicht nur Thriller, sondern auch den Jugendbuchzyklus Die Chroniken der Weltensucher, der inzwischen aus drei Bänden besteht. Der Autor lebt und arbeitet heute in Stuttgart.

Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
ISBN-13: 978-3426283608

http://www.thiemeyer.de/

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (2 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

Cornelia Funke – Geisterritter

Die Handlung:

Jon Whitcroft hat es schwer. Seine Mutter und ihr neuer Freund schicken ihn aufs Internat nach Salisbury. Strömender Regen, dunkle Gemäuer, enge Flure, fremde Gesichter und ein Zimmer, das er sich mit zwei Mitschülern teilen muss. Jon ahnt nicht, dass dies bald seine geringsten Sorgen sein werden. Denn in seiner sechsten Nacht im Internat erscheinen plötzlich drei Geister unter dem Fenster seines Zimmers und starren zu ihm herauf. Doch zum Glück gibt es jemanden in Salisbury, der sich mit Geistern auskennt …
(Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Aus der Ich-Perspektive des jungen Jon erzählt Cornelia Funke ihre neue Kinder-Gruselgeschichte. Nicht so blumig und ausschweifend wie gewohnt schildert sie die Erlebnisse im Internat in Salisbury, in das Jon von seiner Mutter abgeschoben wurde. Begleitet wird der Leser dabei von wunderschönen, ganz- oder auch mal doppelseitigen Illustrationen, die die schaurige Atmosphäre abrunden und den Leser immer wieder innehalten und die dargestellte Situation auf sich einwirken lassen. Passend zum Titelbild sind sie auch immer in düsteren Grüntönen gehalten.

Kindgerecht erzählt, aber wie immer für alle Altersgruppen ansprechend berichtet, begleitet der Leser Jon in dieser Geistergeschichte. Die titelgebenden Geisterritter, die nur er zu sehen scheint, tauchen recht schnell auf und sorgen bei den jüngeren Lesern gleich für die erste Gänsehaut. Die Charaktere, allen voran natürlich Jon und seine Mitstreiterin im Kampf gegen die Geister, Ella, sind liebevoll gezeichnet und wachsen dem Leser schnell ans Herz. Auch Ellas Oma Zelda gehört zu den Guten und hilft den beiden bei ihrem Abenteuer.

Die gut 250 Seiten, die mit vielen Bildern und einem großen Zeichensatz ausgefüllt sind, überfordern die Zielgruppe nicht und sind flüssig, schnell und leicht zu lesen. Auch ist das Buch gut für Eltern geeignet, die ihren Kindern gern einmal wieder etwas vorlesen wollen, auch wenn die Kinder aus dem Bilderbuchalter schon herausgewachsen sind. Sicher ist es kein böser Spoiler, wenn man davon ausgehen kann, dass alles ein gutes Ende nehmen wird. Das schmälert den Gruselspaß aber nicht, den dieses Kinderbuch bietet.

Die Autorin

Cornelia Funke, eine der bekanntesten deutschen Autorinnen von Kinder- und Jugendliteratur, hat erst nach einer Ausbildung zur Diplom-Pädagogin und einem anschließenden Grafikstudium angefangen zu schreiben. Texte zu Bilderbüchern, Bücher zum Vorlesen, für Leseanfänger und Leseratten entstanden und wurden zum größten Teil auch von ihr selbst illustriert; einige ihrer Romane sind Familienbücher im besten Sinne. Zu großen internationalen Erfolgen wurden „Herr der Diebe“, „Drachenreiter“ sowie die Tintenwelt-Trilogie: „Tintenherz“, „Tintenblut“ und „Tintentod“. Auch Ehrungen und Preise gibt es für Cornelia Funke nicht nur in Deutschland (schließlich sind ihre Bücher inzwischen in mehr als 40 Sprachen erschienen), Verfilmungen sind geplant und realisiert, und ihre Fans warten stets sehnsüchtig auf das jeweils nächste Buch und sorgen dann für den Sprung auf die Bestsellerlisten. Cornelia Funke lebt mit ihrer Familie in Los Angeles, Kalifornien. (Verlagsinfo)

Mein Fazit:

Eine Kinder-Geister-Geschichte für Leser jeden Alters (ab 10) mit Charakteren, die dem Leser schnell ans Herz wachsen. Ein gruseliges, aber nicht zu gruseliges Abenteuer, das durch wunderschöne Bilder noch lebendiger wirkt.

Hardcover: 252 Seiten
Cover und Illustrationen von Friedrich Hechelmann
Vom Verlag empfohlen ab 10 Jahren
ISBN: 978-3791504797
www.cecilie-dressler.de
www.corneliafunkefans.com

David Lozano Garbano – Totengelächter (Puerta Oscura 2)

Puerta Oscura:

Band 1: „Totenreise“
Band 2: „Totengelächter“
Band 3: „Totengesang“

Die Handlung:

Pascal ist der Wanderer. Er ist der einzige Mensch, der die Dunkle Pforte durchschreiten kann, die Schwelle zwischen den Lebenden und den Toten. Unter der Führung der schönen Toten Beatrice hat er sich tief in das Reich der Verdammten vorgewagt und seine Freundin Michelle befreit, die dorthin entführt worden war. Nie wieder wollte Pascal nach diesem Erlebnis das Jenseits betreten, jedenfalls nicht vor seinem eigenen Tod.
Doch er ahnt nicht, dass er beobachtet wird. Auf der Suche nach dem Wanderer geistert ein Dämon durch das Zwischenreich. Es ist Marc, der vermeintlich unschuldige zehnjährige Junge, den Michelle und Pascale aus Mitleid befreit haben. Er blickt durch jeden Spiegel, den er finden kann, hinein in unsere Welt. Denn er wartet nur auf die Gelegenheit, ins Leben zurückzukehren. Und während Pascal sich hin- und hergerissen fühlt zwischen seiner Liebe zu Michelle und der tiefen Sehnsucht nach Beatrice, erhält er einen neuen Auftrag: Er muss Marc wieder dorthin bringen, wohin er gehört: in die Hölle.
(Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Im echten Leben ist ein Jahr vergangen, in der Welt von Pascal, dem Wanderer zwischen dem Reich der Lebenden und der Toten waren es drei Monate. So lange hatte unser Held Zeit, sich zu erholen und seine blutigen Abenteuer mit dem im letzten Band befreiten Vampir zu verarbeiten. Und auch in Sachen Liebe hat Pascal so einiges zu verdauen. Ist er doch auch hier zwischen den Lebenden und den Toten hin- und hergerissen. Michelle und Beatrice üben beide ihre besonderen Anziehungskräfte auf ihn aus.

Im Prinzip wurde zur Fortführung der Handlung lediglich der Vampir aus dem ersten Band durch einen Dämon ersetzt, dennoch ist auch der zweite Teil der Reihe um die Dunkle Pforte, die Puerta Oscura, spannend zu lesen und voller gruseliger Momente. Das Leseerlebnis ist trotz des für ein Jugendbuch beträchtlichen Umfangs kurzweilig. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Kapitel angenehm kurz sind und gar keine Langeweile aufkommen kann, weil der Autor es versteht, die Spannung die ganze Zeit hochzuhalten.

Nicht kindgerecht und zweifelhaft jugendgerecht wird auch hier munter drauflosgemetzelt. Der Verlag empfiehlt das Buch ab 13, ich würde das Einstiegsalter aber eher auf 16 erhöhen, weil der Leser schon einiges serviert bekommt. Nachdem es mit einer harmlosen Gänsehaut losgeht, wenn der Dämon anfängt, durch die Spiegel ins Diesseits zu spähen, dreht der Autor gehörig an der Horror-Schraube, denn auch der Dämon möchte sich nicht mit einer Peepshow zufriedengeben.

Wie befürchtet und erwartet endet dieser Roman, der zwar auch einzeln gelesen werden kann, aber viel mehr Spaß macht, wenn man den Vorgänger und die Charaktere schon kennt, mit einem Cliffhanger. Und wer an dieser Stelle kein Spanisch spricht, der muss sich leider gedulden, bis der Verlag auch den dritten Band der Reihe übersetzt, was vermutlich wieder ein Jahr dauern wird.

Wie schon beim Vorgänger „Totenreise“ ist das Cover auffällig gestaltet, sodass es sicher vielen Spontankäufern direkt ins Auge springt. Viele kleine, schwarze, lachende Skelette tummeln sich auf weißem Untergrund und lassen erahnen, dass es hier nicht um einen schmalzigen Liebesroman handelt. Die gleichen Skelette finden wir auch am Anfang jedes Kapitels im Buch wieder, wo sie sichtlich ihren Spaß haben.

Der Autor

David Lozano Garbala wurde 1974 in Zaragoza geboren. Schon als Jugendlicher liebte er Fantasy- und Horrorfilme und er fing schon früh an, selbst zu schreiben. Er studierte Jura und arbeitete als Anwalt in seiner Heimatstadt, aber er hörte nie auf, Geschichten zu erzählen. Seit dem Erscheinen von Puerta Oscura in Spanien ist David Lozano Garbala dort zu einer Ikone der Jugendliteratur geworden. (Verlagsinfo)

Mein Fazit:

Eine gelungene gruselig-spannende Fortsetzung der Geschichte um den Wanderer zwischen den Welten, die aufgrund der angenehm kurzen Kapitel und der fesselnden Erzählweise des Autors ein blutiges Kopfkino entstehen lässt. Für Kinder sicher nichts und auch nicht für jeden Jugendlichen geeignet. Wer nicht so zart besaitet ist, verbringt hier aber einige schaurig schön spannende Stunden.

Hardcover: 590 Seiten
Originaltitel: La Puerta Oscura – El Viajero
Aus dem Spanischen von Kirstin Bleiel und Catalina Rojas Hauser
Vom Verlag empfohlen ab 13 Jahren
ISBN: 978-3785568644
www.loewe-verlag.de

Eva Völler – Zeitenzauber – Die magische Gondel

Venedig 2009. Die 17 Jahre junge Anna_ verbringt mit ihren Eltern die Sommerferien in Venedig. Ihr Vater, ein bekannter Archäologe, hat beruflich in der Stadt der schwarzen Gondeln zu tun. Nachdem Anna schon viel Kultur „ertragen“ musste, ist sie froh, dass ihre Eltern viel unterwegs sind und sie ihre Tage frei von Verpflichtungen gestalten kann.

Bei einem Stadtbummel fällt Anna eine rote Gondel ins Auge, sie stutzt kurz, schließlich sind in Venedig alle Gondeln schwarz. Da am nächsten Tag jedoch eine historische Bootsparade stattfindet, misst sie der Gondel nicht allzu viel Bedeutung bei. Merkwürdig ist allerdings, dass sie ein leichtes Kribbeln im Nacken spürt, eine Warnung vor Gefahr!

Am nächsten Tag besucht Anna mit ihren Eltern die historische Bootsparade. Durch ein Gedränge, hervorgerufen durch einen gutaussehenden Jungen, wird Anna ins Wasser gestoßen. Prustend taucht sie aus dem verschmutzen Wasser auf und wird von einem alten einäugigen Gondoliere ausgerechnet in die merkwürdige rote Gondel gezogen. Anna will gerade wieder auf den Bootssteg klettern, als die Luft um sie zu flirren beginnt. Plötzlich wird die Welt dunkel um Anna und sie verliert das Bewusstsein.

Anna erwacht völlig nackt und muss mit Erschrecken feststellen, dass sie im Venedig des 15. Jahrhunderts gelandet ist!

_Kritik_

Eva Völler hat mit „Zeitenzauber – Die magische Gondel“ ihren ersten Jugendroman im Genre „Fantasy“ geschrieben. Eingebettet in eine wunderbare Kulisse erzählt die Autorin die Abenteuer die Anna erlebt.

Klar und flüssig erzählt Eva Völler die fesselnde Geschichte, rückblickend auf die Ereignisse, aus der Perspektive ihrer jungen Protagonistin Anna. Der Schreibstil ist auf die Zielgruppe junger Leser ausgerichtet. Verständlich und mit einer guten Portion Humor fesselt die Autorin ihre Leser spielend. Begriffe und Schauplätze, die nicht jedem geläufig sind, wie beispielsweise die Namen einiger Museen oder die mittelalterlichen Zeitangaben wie „Terz“ werden in der Fußzeile erklärt. So ist der unterhaltsame Roman auch für jüngere Leser leicht verständlich. Humorvoll löst die Autorin auch das Problem mit den neumodischen Begriffen im Jahre 1499, ihre Darsteller aus der Zukunft unterliegen einer Sprach-„Sperre“, die zum Beispiel aus der Toilette einen Abtritt oder aus einem iPod schnell einen Spiegel werden lässt.

Der Großteil der Geschichte spielt sich im Venedig des Jahres 1499 ab, dank einer guten Recherche, schafft es die Autorin den Lesern diese Zeit in der Renaissance bildgewaltig nahezubringen. Authentisch und detailliert werden die Gebäude und die Stadt beschrieben und so fällt es leicht, mit den Figuren in die Geschichte einzutauchen.

Auch die Spannung lässt keine Wünsche offen, mit den Ereignissen steigt auch der Spannungsbogen stetig an und schnell ist der Leser von den abwechslungsreichen Abenteuern gefesselt. Nach einem spannenden Showdown läuft die Geschichte langsam aus. Dabei bleiben letztendlich jedoch einige Fragen offen, was auf weitere Fortsetzungen hoffen lässt. Auch die abschließenden Ereignisse lassen auf den Beginn einer Reihe hoffen.

Eva Völler hat ihre liebenswerten Darsteller sehr sympathisch und authentisch konzipiert. Äußere Erkennungsmerkmale sind hervorgehoben und so fällt es leicht, sich die Figuren bildlich vorzustellen. Auch das Verhalten passt zu dem jeweiligen Alter und auch zu den Zeiten, aus denen die verschiedenen Figuren kommen.

Am besten lernt der Leser Anna kennen, da die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt wird, werden ihre Charaktereigenschaften und Gefühle glaubwürdig übermittelt und der Leser hat die Chance, sich in die junge Protagonistin hineinzuversetzen. Altersgemäß tritt Anna auf und beweist zudem eine Menge Mut.

Leider wirken die weiteren Figuren recht eindimensional und blass. Auch wenn diese Figuren trotzdem für einige Überraschungen im Handlungsverlauf sorgen, wirken diese unvollständig. Einige Fragen bleiben daher ungeklärt oder verlaufen im Nichts. Viele Hintergründe dieser Charaktere werden nur kurz angerissen und diese werden lediglich von der Handlung vorangetrieben. Hier bleibt zu hoffen, dass die Autorin einen Mehrteiler geplant hat und sich auch die weiteren Figuren entwickeln können.

Das Cover fällt besonders ins Auge, auf dunkelblauem Hintergrund sind ein voller Mond, eine rote Gondel und Anna zu sehen. In diese Illustrationen ist der Titel eingebettet. Stimmig zum Inhalt ist dieses Cover wunderschön anzusehen.

_Autorin_

Eva Völler hat sich schon als Kind gern Geschichten ausgedacht. Trotzdem hat sie zuerst als Richterin und später als Rechtsanwältin ihre Brötchen verdient, bevor sie Juristerei und Robe schließlich endgültig an den Nagel hängte. „Vom Bücherschreiben kriegt man auf Dauer einfach bessere Laune als von Rechtsstreitigkeiten. Und man kann jedes Mal selbst bestimmen, wie es am Ende ausgeht.“ Die Autorin lebt mit ihren Kindern am Rande der Rhön in Hessen.

_Fazit_

„Zeitenzauber – Die magische Gondel“ ist ein zauberhafter und magischer Jugendroman. Eva Völler hat hier, trotz der bekannten Idee, etwas ganz Eigenes geschaffen. Hier überzeugt nicht nur der charmante Sprachstil, auch die zarte Romanze und besonders die wunderbare Kulisse überzeugen absolut. Da fällt es leicht, kleinere Schwächen zu vergeben.

Junge und jung gebliebene Leser werden viel Freude an „Zeitenzauber – Die magische Gondel“ haben, besonders Liebhaber von Zeitreiseromanen wie zum Beispiel Kerstin Giers „Edelstein“-Trilogie ist das Buch wärmstens zu empfehlen.

Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
ISBN-13: 978-3833900266
www.luebbe.de
www.evavoeller.de

JANA OLVIVER – Aller Anfang ist Hölle (Die Dämonenfängerin 1)

Die Dämonenfängerin:

Band 1: „Aller Anfang ist Hölle“
Band 2: „Forbidden“ (noch ohne dt. Titel)
Band 3: „Forgiven“ (noch ohne dt. Titel)

Die Hölle ist leer, und alle Teufel sind hier (Shakespeare).

Atlanta 2018. Riley Blackthorne lässt sich von ihrem Vater zu einer Dämonenfängerin ausbilden. Luzifer hat die Zahl der Dämonen stark erhöht und so will die junge Riley in die Fußstapfen ihres Vaters Paul treten. Dieser gilt als der erfolgreichste Dämonenfänger und Riley begegnet daher nicht nur Wohlwollen in der Zunft der Dämonenjäger.

Als ihr Vater überraschend bei einem Auftrag ums Leben kommt, stellt sich das Leben der 17 Jahre jungen Riley auf den Kopf. Ihre Mutter musste sie bereits zu Grabe tragen und so erträgt sie es nur schwer, auch noch ihren Vater zu verlieren. Nun hat sie nur noch Denver Beck, Pauls ehemaligen Lehrling und Partner an ihrer Seite. Vor Jahren war Riley sehr verliebt in den jungen Dämonenfänger, der sie aber zurückwies. So erträgt Riley Beck kaum.

Nekromanten haben es zusätzlich auf den Leichnam ihres Vaters abgesehen, Reiche würden eine Menge Geld für so einen untoten Diener zahlen. So bleibt Riley nichts anderes über, als nächtelang auf dem Friedhof Wache zu halten.

Kritik

Mit „Aller Anfang ist Hölle“ eröffnet Jana Oliver ihre Serie um die Dämonenfängerin Riley Blackthorne. Die Serie spielt in Atlanta, einer Stadt, die Luzifer mit Dämonen überspült.

Auf jugendliche Leser ausgerichtet, ist dem lockeren Erzählstil leicht zu folgen. Verständlich und flüssig geschrieben erleben die Leser die fesselnden Abenteuer Rileys mit. Dem Verlauf der Geschichte kann spielend gefolgt werden. Zwischen den interessanten Figuren geführte Dialoge sind in jugendlicher Sprache verfasst. Dies passt zwar hervorragend zu den heranwachsenden Charakteren. Bei Sätzen wie: „Die Hütte tut bald einstürzen …“ dürften sich die Leser jedoch ernsthaft fragen was sich Autorin oder Lektorat dabei gedacht haben. Witzig sind die Wortstellungen der Dämonen, diese erinnern stark an Yoda aus „Star Wars“.

Das Atlanta in dem Riley lebt wird ausführlich beschrieben und so entsteht auch schnell ein umfassendes Bild der Gesamtsituation. Interessant ist vor allem, wie es mit der Schulbildung steht und mit welchen Problemen die Bevölkerung zu kämpfen hat, nicht nur die unterschiedlichen Dämonen machen den Menschen das Leben schwer.

„Aller Anfang ist Hölle“ ist definitiv als Einführung in das Leben der jugendlichen Riley und die Serie um diese Figur zu verstehen. Viel wird erklärt und die unterschiedlichen Charaktere eingeführt. Da bleibt die Spannung so manches Mal auf der Strecke, faszinierend ist der Plot allerdings allemal. Aufgrund der interessanten Handlung bleibt der Lesefluss auch nicht auf der Strecke und interessiert verfolgt der Leser wie das Schicksal Rileys sich entwickelt. Auch wenn das Buch die meiste Zeit vor sich hinplätschert, kommt es doch zu einem gewaltigen Showdown, der extrem spannende Folgebände verspricht.

Rückwirkend erzählt ein vorurteilsfreier Beobachter die aufregenden Erlebnisse von Riley. Dabei konzentriert sich die dritte Person vollkommen auf Riley, dadurch lernt der Leser die ansprechende Protagonistin überaus gut kennen. Die persönlichen Hintergründe der weiteren interessanten Figuren bleiben allerdings noch auf der Strecke. Dies dürfte sich allerdings in den Folgebänden nach und nach legen, gehören diese offenen Fragen unter anderem zu den Dingen, die neugierig auf mehr machen.

Die Figurenzeichnung ist der Autorin sehr glaubwürdig und überzeugend gelungen. Die zumeist jugendlichen Charaktere verhalten sich, wie der Leser es von dieser Altersgruppe erwarten kann.

Rileys Charakter und auch ihre Motivation werden ausführlich und glaubwürdig beschrieben. Wie sie mit den Problemen umgeht, die sich im Zuge ihrer außergewöhnlichen Tätigkeit und des Todes ihres Vaters entwickeln, werden authentisch vermittelt. Auch die weiteren Darsteller wirken meist sympathisch. Offene Fragen gibt es zu manchen, dies macht einen Serienstart allerdings auch aus. Letztendlich lebt eine Serie davon, dass der Leser in den Folgebänden auf Antworten hofft. Dämonen stellen ja in der Regel das vollkommene Böse dar, in dem vorliegenden Roman ist dies auch genau so. Zumindest ab der Dämonenstufe drei. Durch die Sprache, die die Autorin den dämonischen Wesen in den Mund gelegt hat, schmunzelt der Leser sicherlich aber auch so manches Mal.

Das Cover ist sehr ansprechend gelungen. Hell gehalten ist ein junges Mädchen abgebildet, das durchaus Riley sein kann. In der Hand hält sie eine, in der Handlung öfter vorkommende, Glaskugel. Der Serientitel wird durch Prägung und Spotlack hervorgehoben.

Autorin

Jana Oliver, geboren und aufgewachsen in Iowa, ist eine preisgekrönte Autorin. Sie ist am glücklichsten, wenn sie haarsträubende Legenden recherchiert, auf alten Friedhöfen umherwandert und neue Geschichten erträumt. Sie glaubt wirklich, dass sie den besten Job der Welt hat. „Aller Anfang ist Hölle“ ist der erste Band ihrer neuen Serie „Die Dämonenfängerin“. Die Autorin lebt wie ihre Heldin Riley Blackthorne in Atlanta, Georgia.

Fazit

Mit „Aller Anfang ist Hölle“ hat Jana Oliver den äußerst vielversprechenden Start ihrer Serie um die Dämonenfängerin Riley Blackthorne veröffentlicht. Sicherlich als Einführung in die folgenden Bände gedacht, lernt der Leser die verschiedenen Charaktere, besonders die Protagonistin Riley Blackthorne, sehr gut kennen. Neben dem spannenden Showdown überzeugt der Roman durch den feinen Humor und die lebendigen Figuren. Der fesselnde Plot tut sein Übriges.

Ich bin sehr gespannt, wie es mit Riley weitergeht. Ich denke wir Leser können uns hier noch auf viele unterhaltsame Lesestunden freuen.

Gebundene Ausgabe: 537 Seiten
Orginaltitel: The Demon Trappers 1. Forsaken
ISBN-13: 978-3841421104

Verlagshomepage

Sonnleitner, Marco – Die drei ??? und das Fußballphantom (Band 153)

Im 153. Fall des wohl berühmtesten Jugend-Detektiv-Trios der Literatur, schickte Autor Marco Sonnleitner die drei ??? im Jahre 2010 – wie Titel und Cover unschwer erkennen lassen – mal wieder in Richtung Fußball. Prinzipiell ist „Soccer“ ja eigentlich ein vollkommen unamerikanischer Sport und für so manchen daher in der Serie generell überrepräsentiert. Aber da sie sich seit Beginn der „Neuen Ära“ in den Neunzigerjahren nun einmal fest in deutscher Hand befindet, scheint dies eine der Anleihen zu sein, die der hiesige Markt verlangt – auch wenn die Geschichten weiterhin in den USA spielen. Die dort wesentlich authentischeren Sportarten Foot-, Base- oder Basketball kriegt man dem deutschen Publikum offensichtlich nicht ganz so leicht schmackhaft gemacht. Wie auch immer man dazu stehen mag – letztendlich ist natürlich alles reine Geschmackssache – ist in den letzten paar Jahren allerdings eine bemerkenswerte Häufung von „König Fußball“ bei den Grundthemen der drei ??? zu beobachten.

_Zur Story_

Peters Fußballbegeisterung ist hinlänglich bekannt und als die |Hawks| im Lokal-Derby gegen die |Tornados| antreten, darf der zweite Detektiv bei diesem Spiel nicht fehlen. Selbst Justus, sonst eher der Inbegriff des Ausdrucks „sportfaul“ ist mit ins Stadion gekommen. Allerdings wäre die Alternative Frondienst für Tante Mathilda auf dem Schrottplatz gewesen – dann doch schon lieber Fußball. Bob ist natürlich auch mit von der Partie. Als ihr Handy auf der Tribüne plötzlich klingelt, scheint es als wäre jemand einfach nur falsch verbunden, doch dann stellen die drei mit Erschrecken fest, dass sie hier unfreiwillig in eine Konferenzschaltung zwischen einem Erpresser, der sich „Namenlos“ nennt, und seinem Opfer – vom Erpresser spöttisch „Brainman“ tituliert – gelangt sind. Der Namenlose droht damit den Sohn Brainmans, der offensichtlich grade für eins der Teams kickt, auf dem Platz durch einen Scharfschützen erschießen zu lassen, sollte Daddy das ihm gestellte Rätsel nicht binnen der Spielzeit lösen.

_Eindrücke_

Ob Marco Sonnleitner irgendwie von Echtzeitthrillern – insbesondere „Nicht Auflegen!“ – inspiriert wurde? Der Verdacht liegt jedenfalls recht nahe, denn das grundsätzliche Strickmuster ist eben jenem nicht unähnlich. Zumindest jedoch handelt es sich hier um einen solchen Fall, der weitgehend in Echtzeit abläuft. Durchbrochen wird diese Gangart erst weit am Ende der rasanten Geschichte, wenn die restlichen Puzzleteile in Position fallen und Schlaumeier Justus zum finalen Aufklärungsschlag ausholt. Das wirkt zwar irgendwie etwas inkonsequent, aber innerhalb der vorgegebenen Seitenzahl, der stets 128 Seiten umfassenden Bücher, offenbar wohl nicht anders zu lösen gewesen. Apropos lösen: Schon wieder mal ein Rätsel als Triebfeder. Diese Häufung in letzter Zeit ist eine recht bemerkenswerte wie langweilige Entwicklung – speziell dann, wenn der Leser diesem nicht aus eigenem Antrieb zu folgen vermag, da Orte und Ereignisse, auf die sich der Inhalt der Rätsel bezieht, wenigstens teilweise auf fiktive Orte, Personen und Handlungen verweisen.

Obwohl der Hauptteil der Story, nicht zuletzt dank des begrenzenden Zeitrahmens von 90 Minuten (plus genutzter Nachspielzeit, Verlängerung und Elfmeterschießen), schön flott und spannend voranschreitet, was an sich ja absolut wünschenswert und positiv anzumerken ist, klemmt es – wie so oft – an den Kleinigkeiten, die nicht so recht ins Bild passen wollen. So ist etwa nicht nachvollziehbar, warum ein angeblich so (erfolg-)reicher Geschäftsmann bei seiner eigenen Hausbank nicht kreditwürdig genug ist, einen doch ziemlich lächerlichen Betrag quasi zu überziehen. Gemeint sind aber, neben der doch in einigen Punkten ziemlich übertriebenen und streckenweise sogar sehr unglaubwürdigen Grundgeschichte, auch einige konkretere Recherche- und/oder Logikfehler, wovon sich manche sofort, andere hingegen vielleicht erst später, nach einer kleinen Denkpause, offenbaren. Einige Beispiele gefällig? Bitteschön:

Halbzeit ist beim Fußball nicht nach 90 Minuten (sondern 45 Minuten – S. 22). Es ist zwar theoretisch möglich, einen Sniper auf 2,5 Kilometer Entfernung zum Ziel zu postieren – in der Praxis wäre dies jedoch eine beinahe unmögliche Distanz, welche weltweit vielleicht nur eine Handvoll Scharfschützen beherrschen (S. 26). Zuvor auf Seite 18/19 entweicht dem vom vermeintlichen Sniper getroffenen Ball die Luft, ohne dass er sich dabei bewegt. Das dürfte so nicht hinhauen – zumal das Geschoss aus nächster Nähe aus einer vergleichsweise kleinkalibrigen Waffe abgefeuert wurde, wie sich später herausstellt. Da würde ein prall gefüllter Ball in jedem Fall mindestens ein bisschen wegkullern. Vermutlich reicht unter den gegebenen Umständen nicht einmal die (unterstellte) Aufprallenergie aus, ihn überhaupt zu penetrieren. Das hinge u. a. auch noch stark von der Projektilform ab. Ok, nun hat die Zielgruppe bestimmt keine waffentechnische Ausbildung, sodass dies sicherlich eine pingelige Spitzfindigkeit des ewig nörglerischen Rezensenten darstellt. Aber: Physik bleibt eben Physik.

_Fazit_

„Schon wieder Fußball?!“ Gemach. Der Titel des Buches scheint eher darauf abzuzielen das offenbar vorwiegend jugendlich-männliche Publikum anzulocken, denn wie so oft hat er kaum Inhaltsbezug. Der Sport an sich ist eigentlich nur eine kulissenhafte Randerscheinung. Die dahinter tickende, stellenweise arg überzogene Knobel-Schnitzeljagd ist, lässt man die Mobilfunkkomponente einmal außen vor, wenig originell, da – so oder so ähnlich – schon viel zu oft bemüht. Leider, denn die (Echtzeit-)Ansätze, Spannung sowie das Tempo sind durchaus gut, wurden aber in letzter Instanz eben nicht konsequent zu Ende geführt und gedacht. Unterm Strich bleibt eine dennoch gut lesbare Geschichte, bei der man seine Ansprüche an Realismus aber ziemlich herunterschrauben muss: Daumen in die Waagerechte.

|Hardcover: 128 Seiten
Erzählt von Marco Sonnleitner nach Figuren von Robert Arthur
Redaktion: Martina Dold, Martina Zierold
ISBN 978-3440118405|
[www.kosmos.de]http://www.kosmos.de

Mehr als 80 weitere Rezensionen zu den „Drei ???“ findet ihr in unserer [Datenbank]http://buchwurm.info/book .

Thomas Thiemeyer – David und Juna (Das verbotene Eden 1)

Das verbotene Eden

Band 1: David und Juna
Band 2: Logan und Gwen (2012)
Band 3: -geplant- (2013)

_2080 steht die Menschheit_ kurz vor ihrem Ende. Vor 65 Jahren brachte die Pharmaindustrie einen zunächst harmlosen Virus unter die Menschheit, um mit einem Impfstoff viel Geld zu verdienen. Dieser Impfstoff hatte allerdings verheerende Nebenwirkungen. Männer und Frauen entwickelten einen unbändigen Hass aufeinander und die Zivilisation wie wir sie kennen ist untergegangen.

Thomas Thiemeyer – David und Juna (Das verbotene Eden 1) weiterlesen