Ursprünglich war HUI BUH nicht als Serie geplant gewesen, doch meistens kommt es ja ganz anders als man denkt. So brach in den frühen Siebzigern mit Folge 2 „HUI BUH, das Schlossgespenst … in neuen Abenteuern“ die Erfolgsstory für Hörspielautor Eberhard Alexander-Burghs wohl bekannteste Figur endgültig an. Der „klassische“ HUI BUH sollte es auf insgesamt 23 Hörspiele bringen, bevor der Faden erst 2008 von der (aktuell laufenden) „HUI BUH – Neue Welt“-Serie wieder aufgenommen wurde, welche hauptsächlich auf dem Kinofilm von 2006 fußt und deutlich moderner daherkommt. Diese Folge hier versetzt den Hörer aber satte 40 Jahre zurück in die Vergangenheit, zu den Wurzeln der bei alt und jung beliebten Serie. Leider sind die klassischen Geschichten (letztes Remastering 2001 – 2006) inzwischen vom – physischen -Tonträgermarkt verschwunden und werden von offizieller Seite nur noch als kostenpflichtiger Download angeboten. Es bleibt aber noch der Gebrauchtmarkt – mit erstaunlich gesalzenen Preisen.
_Zur Story_
Radau in Schloss Burgeck – und es ist nicht der sonst dort herumpolternde Geist. Während König Julius der 111. und seine Gattin Konstanzia in Urlaub sind, wird das alte Gemäuer anlässlich der 500-Jahr-Feier kräftig modernisiert. Zurück blieben lediglich der alte Kastellan und das ahnungslose Gespenst. Dieses fährt des Tages vom Baulärm aufgeschreckt aus seiner vermoderten Holztruhe und will den Bauarbeitern in der Gestalt des „Ritters ohne Furcht und Tadel“ zünftig mit dem Morgenstern die Leviten lesen, stolpert auf der Baustelle doch mal wieder von einem Schlamassel in den nächsten. Zudem will Julius es nicht zur Jahrhundertfeier einladen. Schmollend zieht sich HUI BUH in seinen Fledermausturm zurück und sinnt auf Vergeltung. Als der Burgfrieden später endlich wieder hergestellt ist, taucht Julius‘ Vetter Graf Julius auf und beansprucht Schloss Burgeck. Er ist ausgerechnet auch noch der Bruder der hässlich-grässlichen Gräfin Etepetete, die ihre Begegnung mit dem Schlossgespenst noch nicht vergessen hat (vgl. Folge 1). Ihn zu vergraulen ist für die Schlossbewohner kein leichter Job.
_Eindrücke_
Inzwischen hat Heikedine Körting bereits das Zepter von Konrad Halver übernommen. Produktion und Regie liegen fortan in ihren fähigen Händen – das Vertrauen, dass Andreas E. Beurmann, Ehemann und Mitbegründer des |EUROPA|-Labels, ihr damals entgegenbrachte, hat sich als gerechtfertigt erwiesen. Und das nicht nur was HUI BUH angeht. Heute steht sie mit weit über 2000 produzierten Hörspielen als Europas größte Märchentante sogar im „Guiness Buch der Rekorde“. Zusammen mit Autor Eberhard Alexander-Burgh soll sie hier doch erst einmal einen wichtigen Grundstein zu ihrer Karriere legen. Das gilt auch für die Story selbst, denn jene Folge ist es, wo Burgeck mit Rolltreppe, Fahrstuhl und Drehtür ausgestattet wird, die auch in späteren Geschichten immer mal wiederkehrende, witzige Stilelemente sind. Da verzeiht man gerne, dass Plot und Hauptfigur zuweilen etwas inkonsistent und nicht immer zu 100% schlüssig ausfallen. Dieser Geist ist eben etwas ganz Besonderes.
Noch hat sich die spätere Stammbesetzung nicht eingefunden. Hans Paetsch einmal ausgenommen. Selbst Hans Clarins nicht mehr wegzudenkender Part wurde quasi erst kurz vor Toresschluss ins Hörspiel übergespielt, denn ein anderer Sprecher hatte einstweilen die Rolle des namensgebenden Schlossgespensts übernommen, weiß u.a. Wikipedia zu berichten. Auch bei den anderen Hauptrollen wurden mit ziemlich unbekannten Stimmen versehen. Michael Weckler und Gerda Maria Jürgens kennt heutzutage kaum noch jemand. Helmo Kindermann ebenfalls nicht, wobei grade dieser als Kastellan ein sehr gute, würdevolle Figur macht und schon die richtige Richtung aufzeigt, in welche Andreas von der Meden (Hier noch als einer der Bauarbeiter) ab der nächsten Folge dann bis zum Ende der Serie gehen wird. Er wurde später bekannt als feste Stimme David Hasselhoffs. Bei den Nebenrollen fällt übrigens auch Franz-Joseph Steffens auf, welcher später u. a. als Professor Common bei „Commander Perkins“ (aus gleichem Hause) brilliert.
_Die Produktion_
Buch und Konzeption: Eberhard Alexander-Burgh
Künstlerische Gesamtleitung: Prof. Dr. Andreas E. Beurmann
Regie und Produktion: Heikedine Körting
|Sprecher und Figuren|
Hans Clarin (Hui Buh), Michael Weckler (König Julius der 111.), Gerda Maria Jürgens (Königin Konstanzia), Helmo Kindermann (Kastellan), Hans Paetsch (Erzähler), Michael von Rospatt (Graf Julius), Dorothea Carrera (Fürstin Fridolin), Klaus Graf (Doktor), F.-J. Steffens (Bauarbeiter Emil), Andreas von der Meden (Bauarbeiter August) u.a. im Booklet nicht genannte Statisten.
_Fazit_
Ein, mit 41 Minuten, vergleichsweise langes Hörspiel für die Ära. Gefüllt wurde es mit lustigem Inhalt, der sich allerdings nicht zuletzt durch den merklichen Einzelkapitelcharakter noch etwas zergliedert und noch nicht so auf Top-Level, wie die späteren Vertreter der Serie, präsentiert. Dennoch sind auch hier schon eine ganze Reihe markanter Sprüche aus dem Munde HUI BUHs zu hören, während der supporting cast – mit Ausnahme des Kastellans – dagegen etwas blass wirkt. Aber das wird sich stetig bessern, bis sich ab Folge 5 langsam die Stammcrew zusammenfindet. Doch das ist eine andere Baustelle, festzuhalten bleibt, dass grade die allerersten HUI BUH Hörspiele ganz bestimmt ihren Kultstatus verdient haben. Auch dieses.
|Audio-CD mit einer Laufzeit von ca. 41 Minuten
EAN: 743218935329|
[www.natuerlichvoneuropa.de]http://www.natuerlichvoneuropa.de
_Hui Buh bei |Buchwurm.info|:_
[„Hui Buh, das Schlossgespenst – Königliche Samtbox (Folge 1) (Hörspiel)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7546
[„Hui Buh … in neuen Abenteuern“ (Folge 2)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7576
[„Hui Buh … spukt lustig weiter (Folge 3)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7540
[„Hui Buh … und das Geheimnis im Burgbrunnen“ (Folge 4)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7577
[„Schlotterbox (13-15)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3478
[„Neue Welt: Der Geist der Weihnacht“ (Folge 13)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7471
[„Das Schlossgespenst“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2762
[„Hörspiel zum Film“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2881
Jack The Ripper hat gesiegt. Jane Collins scheint für immer verloren zu sein. Während Oberinspektor John Sinclair alles in seiner Macht stehende versucht, um Jane zu befreien, wartet bereits die nächste, tödliche Falle auf den Geisterjäger: Wikka, die Herrin aller Hexen, greift an! Es entbrennt ein Kampf, der völlig aussichtslos für das Sinclair-Team scheint. Ein Kampf, der Johns Leben für immer verändern wird. (Verlagsinfo)
_Mein Eindruck:_
Jack the Ripper treibt weiter sein Unwesen, nachdem ihn John in Folge 69 noch nicht stoppen konnte. Dies ist die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer 217, der erstmalig im Jahr 1982 erschien.
Jane konnte von John gefangengenommen werden, ist aber immer noch besessen und hat leider auch ihr Kind verloren. Ob und wie sie vom Ripper zu befreien ist, darüber rätseln John Sinclair und seine Getreuen. Und während sie noch grübeln, wird Jane auf einmal von der Oberhexe Wikka entführt, die Jane aufnehmen will, weil sie durch ihre Besessenheit zur Hexe geworden ist. John erfährt ihren Aufenthaltsort und macht sich auf, sie zu retten.
Dieser zweite Teil der Geschichte um Janes Besessenheit und ihre Transformation zur Hexe, denn das wird sie ab jetzt erstmal bleiben, ist abwechslungsreicher als der Erste. Und er geht dem Hörer nicht mehr ganz so unter die Haut, weil er die von den Effektmachern benutzen Gruselsteigerer schon kennt … dennoch … Hut ab, sowohl die Stimmenverzerrung bei Jane als auch die Geräusche, die zur Untermalung der Szenen verwendet werden, erzeugen wieder ein tolles Horror-Kopfkino, das hier eher ein Psycho-Beziehungsdrama ist. Denn wir erleben in dieser Folge das Ende der Beziehung zwischen Jane und John … nichts wird wieder so werden, wie es einmal zwischen ihnen war … und Jane scheint tatsächlich für immer eine Hexe zu bleiben und auch die Seiten gewechselt zu haben.
Warum der Ripper aber auf einmal in den Hintergrund getreten ist und Jane aufgehört hat zu morden, das erschließt sich mir nicht. Sie ist zwar jetzt eine Hexe, aber immer noch vom Ripper besessen, der zwar auch immer noch böse ist, aber irgendwie nicht mehr die Oberhand über Janes Geist zu haben scheint. Und woher Wikka das Ganze wusste … ich weiß es nicht.
Auf jeden Fall ist dies eine eher traurige Folge, in der Johns stärkste Waffe sein Kreuz ist. Hier wird gezeigt, dass John seine Beziehung zu Jane sehr wichtig ist … war … und er auch nur ein Mensch ist.
Leider kauft man Frank Glaubrecht die Verzweiflung und Traurigkeit am Anfang der Folge überhaupt nicht ab, das klingt zu gekünstelt und nicht echt. Auch Martin May als Suko bringt diese Gefühle nicht glaubhaft ins Ohr des Hörers. Franziska Pigulla hingegen gibt die Wahnsinnige sehr überzeugend und hat hörbar Spaß an ihrer Rolle … endlich muss sie nicht mehr die treue und liebe Jane spielen, sondern kann sich richtig austoben. Man darf auf die nächsten Abenteuer mit ihr als neue Gegnerin gespannt sein. Susanna Bonasewicz als Kara, Johns Verbündete, klingt komplett abgelesen. Vor dem geistigen Auge des Hörers steht eine Frau im Studio, die vor John und uns einen Monolog hält. Das ist wenig packend.
|Die Sprecher und ihre Rollen:|
Erzähler – Joachim Kerzel
John Sinclair – Frank Glaubrecht
Suko – Martin May
Sir James Powell – Karlheinz Tafe
Jane Collins – Franziska Pigulla
Doc Brenner – Dietmar Wunder
Wikka – Sandra Schwittau
Kara – Susanna Bonasewicz
Peter – Markus Pfeiffer
Hexe – Marion von Stengel
Chuck – Oliver Kalkofe
Grayson – Wolfgang Bahre
Ripper – Jörg Hengstler
sowie Ralf Caspers, Anja Rybiczka, Bereneice Weichert, Tanja Geke und Gerrit Schmidt-Foss
|Technik-Credits:|
Produktion: Alex Stelkens (WortArt), Marc Sieper (Lübbe Audio)
Realisation: Ila Schnier von Wittich
Originalmusik: Christian Hagitte & Simon Bertling (Stil), Florian Göbels
Buch, Schnitt und Regie: Oliver Döring
|Die Ausstattung:|
Die komplett schwarze CD steckt in einem Jewel-Case. Das Booklet-Faltblatt enthält eine Aufstellung der bereits veröffentlichten Folgen. Zusätzlich werden noch die Sprecher und ihre Rollen aufgeführt sowie die Technik-Credits. Außerdem gibt es noch eine Widmung für Horst Döring, die ich als Nachruf deute.
_Mein Fazit:_
Nicht immer wird alles gut im Horror-Metier und das soll auch so sein. John Sinclair verliert nicht nur eine Verbündete, sondern auch seine Verlobte an die dunklen Mächte. Was als Psycho-Schocker im ersten Teil begann, endet hier in einem eher traurigen Beziehungsdrama, das Johns Leben komplett auf den Kopf stellt und für ihn alles verändert.
|Audio-CD
Spieldauer: 45:56 Min.
Tracks: 10
ISBN-13: 978-3-7857-4494-9|
[www.luebbe-audio.de]http://www.luebbe-audio.de
_|Geisterjäger John Sinclair| auf |Buchwurm.info|:_
[„Der Anfang“ 1818 (Die Nacht des Hexers: SE01)
[„Der Pfähler“ 2019 (SE02)
[„John Sinclair – Die Comedy“ 3564
[„Im Nachtclub der Vampire“ 2078 (Folge 1)
[„Die Totenkopf-Insel“ 2048 (Folge 2)
[„Achterbahn ins Jenseits“ 2155 (Folge 3)
[„Damona, Dienerin des Satans“ 2460 (Folge 4)
[„Der Mörder mit dem Januskopf“ 2471 (Folge 5)
[„Schach mit dem Dämon“ 2534 (Folge 6)
[„Die Eisvampire“ 2108 (Folge 33)
[„Mr. Mondos Monster“ 2154 (Folge 34, Teil 1)
[„Königin der Wölfe“ 2953 (Folge 35, Teil 2)
[„Der Todesnebel“ 2858 (Folge 36)
[„Dr. Tods Horror-Insel“ 4000 (Folge 37)
[„Im Land des Vampirs“ 4021 (Folge 38)
[„Schreie in der Horror-Gruft“ 4435 (Folge 39)
[„Mein Todesurteil“ 4455 (Folge 40)
[„Die Schöne aus dem Totenreich“ 4516 (Folge 41)
[„Blutiger Halloween“ 4478 (Folge 42)
[„Ich flog in die Todeswolke“ 5008 (Folge 43)
[„Das Elixier des Teufels“ 5092 (Folge 44)
[„Die Teufelsuhr“ 5187 (Folge 45)
[„Myxins Entführung“ 5234 (Folge 46)
[„Die Rückkehr des schwarzen Tods“ 3473 (Buch)
[„Im Jenseits verurteilt“ (Folge 57)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6469
[„Sakuro, der Dämon“ (Classics, Folge 5)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6765
[„Das Erbe des Schwarzen Tods“ (Folge 59)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6768
[„Verlorene Seelen“ (John-Sinclair-Jubiläumsbox)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6846
[„Ich stieß das Tor zur Hölle auf“ (Folge 60)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6888
[„Im Zentrum des Schreckens“ (Folge 61)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6889
[„Bring mir den Kopf von Asmodina“ (Folge 62)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6890
[„Tokatas Todesspur“ (Folge 63)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7004
[„Die Leichenkutsche von London“ (Folge 68)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7370
[„Der Ripper kehrt zurück“ (Folge 69)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7503
[„Die Hexeninsel“ (Folge 70)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7564
Terry Pratchett, der seit 2007 offiziell an einer Alzheimer-Erkrankung leidet, hat sich literarisch ein kolossales Denkmal gesetzt. Seine Erzählungen von der Scheibenwelt sind jedem geneigten Leser ein Begriff, wurden vielfach preisgekrönt und in alle möglichen Sprachen übersetzt. Pratchett gilt als Meister kurioser Fantasyparodien, doch sind seine Romane viel mehr als das. Die Scheibenwelt, selbst ein einzigartiges Kuriosum, entspricht in ihren Gesetzen und Dogmen nun mal nicht unserer Welt, und obwohl das Genie Pratchetts die Lachmuskeln des Lesers ständig reizt, sind es bei Weitem keine flachen, konstruierten Witze, sondern der Humor entwickelt sich aus dem Stil und der Sprache, in dem zum Beispiel Wortspielereien wörtlich zu nehmen sind oder Details so wirken, als schreibe Pratchett über seine Grübeleien das erstbeste Wort, das ihm dazu einfällt – und das arbeitet er dann erst recht glaubhaft aus.
Der vorliegende Roman, der in seiner deutschen Erstausgabe auf das Jahr 2000 datiert, wurde bereits in gekürzter Version vertrieben und erscheint nun als MP3-CD ungekürzt und neu gelesen. Das Verfahren „MP3-CD“ ist zu begrüßen, da es verstärkt die Möglichkeit bietet, für akzeptables Geld an eine ungekürzte Lesung zu kommen, abseits der einschlägigen und einschränkenden Downloadseiten.
Der fünfte Elefant ist der Legende nach ein ehemals vorhanden gewesen sein sollender fünfter Träger der Scheibenwelt, der von Groß A’tuin abstürzte, die Welt umkreiste und als brüllender, Fleisch gewordener Meteor in der Region Überwald einschlug. Im Laufe weiterer Zeitalter wurde aus ihm dann ein Rohstoff, den man in dieser reinen Qualität nur in den Bergen von Überwald findet: Die gewaltigen Drücke und die Zeit machten aus ihm Talg.
Darum dreht sich die Geschichte nur beiläufig. Im Zentrum steht die bevorstehende Krönung eines neuen niederen Königs der Zwerge, ein Komplott zur Verhinderung derselben mit dem Ziel, die morporkianischen Zwerge ihrer Zwergheit zu berauben, Intrigen zwischen den mächtigsten Gruppierungen Überwalds wie Werwölfe, Vampire und Zwerge, und mittendrin der Kommandeur der morporkianischen Stadtwache Sir Samuel Mumm, Seine Gnaden und Herzog von Ankh, Diplomat und Vertreter der Stadt zum Anlass der Krönung.
Hieraus wird für den belesenen Scheibenweltkenner schon deutlich, dass die Geschichte vor allem aus der Sicht des Kommandeurs erzählt wird. Erwartungsgemäß hat er mit Diplomatie wenig am Hut, so dass er sich in „Bumms“, der überwaldischen Hauptstadt, schnell neue Freunde macht. Erstaunlicherweise kommt er mit seiner geradlinigen und brummigen Art recht gut in dem Dschungel zurecht, bis er des Mordversuchs am König angeklagt wird, von Werwölfen zu Tode gehetzt werden soll und nebenbei das Verbrechen aufklärt, in dem das Komplott verwickelt ist.
In diesen wenigen zusammenfassenden Worten geht natürlich die ganze Bandbreite der Erzählung unter. So verschweigt uns Pratchett keinesfalls, was in der Zeit von Mumms Abwesenheit bei der Wache in Ankh-Morpork passiert. Nachdem nämlich Hauptmann Karotte und Feldwebel Angua ebenfalls nach Überwald unterwegs sind, wird Feldwebel Colon die zweifelhafte Ehre des Hauptmanns auf Zeit angetragen. Danach versinkt die Wache in Chaos und Anarchie.
Mumm, die eigentliche Hauptfigur, ist der vierschrötige Kerl, der stets im Dienst ist und seinen Gegnern immer einen Schritt voraus, der perfekte Kriminalist. Er hat Tricks auf Lager, die ihm selbst das Überleben unter Werwölfen sichern, außerdem führt er eine gerade Zunge, die ihn bei Ermittlungen schnell zum Wesentlichen bringt. Hier ist Pratchett mal ein richtiger Held untergekommen, anders als der in allen Dingen perfekte Karotte, der in seiner Perfektion auch mal sein eigenes Leben gefährdet. Mumm muss als Ausnahmeprotagonist der Scheibenwelt gelten, denn sonst werden Rätsel oder „Questen“ immer mehr durch Zufall oder den Willen, genau das Gegenteil vom scheinbar Notwendigen tun zu wollen, gelöst. Mumm kann es locker mit den führenden Ermittlern der Literatur aufnehmen.
Jeder einzelne Scheibenweltroman entwickelt ein eigenständiges Eigenleben, selbst wenn er mit vertrauten Charakteren besetzt ist oder auf vertrautem Terrain spielt – und so vermag es Pratchett auch diesmal wieder, sowohl der Hauptstadt Ankh-Morpork, als auch den Zwergen, Werwölfen und Vampiren in ihrem Überwald (eine Anspielung auf Transsylvanien, das eine Wortschöpfung aus „Über“ und „Wald“ ist) neue Facetten zu geben.
Der Sprecher Michael-Che Koch, letztlich bekannt dem entsprechenden Klientel aus den regelmäßigen Lesungen für die „Perry Rhodan“-Serie, gibt der Erzählung den richtigen Charakter. Die Stimmen sind maßgeschneidert und deutlich spezialisiert, so dass sie einen hohen Wiedererkennungswert haben. Einzig Angua, die als Werwölfin ja etwas exotisch ist – obwohl man auf der Scheibenwelt eigentlich jeden als exotisch bezeichnen müsste, und so ist auch Mumm, gerade wegen seiner Qualitäten als Ermittler, dort ein Exot – erhält eine gewöhnungsbedürftige Altstimme, die der Vorstellung der attraktiven jungen Frau, die sie in Menschengestalt ist, widerspricht. Trotzdem liegt hiermit eine überzeugende Leistung Kochs vor und hebt ihn so in die Riege der Leser, die man gern auf Hörbüchern stehen hat. Besonders nett ist seine Intonation des „Sekretärs“ beziehungsweise Assassinen Herrn Schaumlöffel mit seinem affektierten Räuspern.
Insgesamt ist dies eine Geschichte, die rundum gut unterhält, zum Lachen, Schmunzeln, Rätseln und Staunen einlädt und durch die Vertonung keinesfalls verliert. Die komischen Aspekte resultieren auch hier wieder vor allem aus der Realitätsnähe, dem Bezug zu unserer Welt, den Pratchett stets beiläufig integriert. Die Probleme, mit denen sich Mumm und Co. herumärgern müssen, sind uns in angepasster Form durchaus ein Begriff.
Ungekürzte Lesung auf 2 MP3-CDs Spieldauer: 894 Minuten Originaltitel: The Fith Elephant ISBN-13: 978-3837112047
Der Autor vergibt: (5/5) Ihr vergebt: (3 Stimmen, Durchschnitt: 2,33 von 5)
Die oft gestellte Frage, ob Huhn oder Ei zuerst dagewesen sei, trifft im übertragenen Sinne wohl auch manchmal auf die Hörspieladaptionen der drei Fragezeichen zu. Im Falle des Specials „dreiTag“ fällt die Antwort jedoch ganz eindeutig in Richtung „Ei“ aus. Denn noch bevor der Stammverlag |KOSMOS| mit der Buchfassung im Herbst 2011 endlich die Händlerregale beglückte wie -stückte, rotierte die gleichnamige 3er-CD von |EUROPA| schon fast ein ganzes Jahr lang bei den Fans in den Playern. Kunststück, schließlich wurde dieses „spezialgelagerte Sonder-Projekt“ der Hörspiel affinen Autoren Buchna, Menger („Darkside Park“) und Wenderoth vorrangig als solches konzipiert, sodass in der langjährigen Geschichte der Serie erstmals ein Hörspiel noch vor dem Buch erschien.
_Zur Story_
Ein einziger Tag und drei ganz unterschiedliche Geschichten. Ein Imbiss in „Jill’s Place“ nach einem erfolgreichen Projektorkauf und eine Cola sind die Ausgangslage. Alle Storys sind absolut eigenständig und ihre Reihenfolge somit eigentlich unerheblich. Hinweis auf die „offizielle“ – also vermeintlich „richtige“ – Reihenfolge gibt allerdings das dreiteilige (Triptychon-)Cover, sowie die Nummerierung von |EUROPA| (In der Artikelnummer versteckt: 1/3, 2/3, 3/3) preis. Gekennzeichnet sind die drei Fälle mit „J“ (weiß), „B“ (rot) und „P“ (blau) – was natürlich für Justus, Bob und Peter sowie die ihnen zugeordnete Fragezeichenfarbe steht. Gleichzeitig verdeutlicht es indirekt den jeweiligen Figuren-Schwerpunkt jeder Geschichte: Logik, Recherche und Action.
Beim „Fluch der Sheldon Street“ entpuppt sich der Projektor als Aufbewahrungsort für einen mysteriösen wie unheimlichen Super-8-Film. Dieser führt die drei Detektive 27 Jahre in die Vergangenheit und scheint ein Verbrechen zu dokumentieren, bei welchem ein geisterhaft bleicher Mann mit Augenklappe offenbar eine Frau bedroht. Mrs Sullivan, die Vorbesitzerin des Projektors engagiert die drei Fragezeichen buchstäblich Licht ins Dunkel zu bringen, denn die fragliche Aufnahme stammt wohl eindeutig von ihrem Großvater, einem begeisterten Hobbyfilmer. Das abgelegene Haus, in dem sich die Szene abspielt, befindet sich in einem Waldstück nahe der Sheldon Street. Mrs Sullivan erinnert sich, dass die Familie damals quasi Hals über Kopf von dort wegzog. Als Kind hatte sie nie nach den Gründen gefragt. Als die Jungs vor Ort bei den ehemaligen Nachbarn recherchieren wollen, begegnet ihnen nur eine Mauer aus Schweigen, Angst und sogar Feindseligkeit. Wen oder was fürchten die Anwohner?
„Im Zeichen der Ritter“ geht auch in der Zeit zurück. Wobei diesmal der Projektor eine untergeordnetere, wenn auch wichtige, Rolle spielt. Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen jedoch geheimnisvolle, rote Graffitis, die in der Stadt derzeit vermehrt auftauchten. Als sie Jungs, im Auftrag des vom Sprayer heimgesuchten Mr Bush, mit ihrer Arbeit beginnen, funkt ihnen ausgerechnet Dick Perry dazwischen. Der ist ebenfalls – von einem anderen Betroffenen – engagiert worden. Sein Klient will den Täter gar als seltsam gekleideten Außerirdischen identifiziert haben. Im Laufe von Bobs Recherche stellt sich allerdings heraus, dass die Symbole einen Geheimcode darstellen – und zwar einen, den der sagenumwobene Orden der Tempelritter verwendete. Und die dortige „Dienstkleidung“ bestand aus einem weißen Habit mit rotem Kreuz. Das passt zur Täterbeschreibung. Doch welcher Zusammenhang besteht zwischen den scheinbar so unterschiedlichen Opfern und dem mittelalterlich gekleideten Schmierfink?
Ein „Fremder Freund“ sorgt für einige Dissonanzen bei den drei Fragezeichen. Peter erleidet grade einen ziemlichen Höhenflug, denn ein überaus attraktives Mädchen hat sich ihm gegenüber als sein glühendster Fan geoutet. Sogar ein Autogramm musste er ihr geben. Zuhause erwartet ihn ein köstlicher Schokoladenkuchen und ein kurioser Brief, was er allerdings beides seiner Mutter zuschreibt. Kurz darauf trifft er bei seiner fast allabendlichen Jogging-Runde um den Mysery Lake auf einen Jungen, der sich ihm als „Peter“ vorstellt. Bei der Namensgleichheit soll es nicht bleiben, auch jener Peter läuft angeblich ebenfalls regelmäßig um den See. Darüber hinaus fährt auch er einen roten MG und scheint überhaupt in vielen Punkten ein netter Gleichgesinnter zu sein – bis hin zum Klamottengeschmack. Was er nicht ahnt, ist, dass er an einen perfide agierenden Stalker geraten ist. Der schrickt sogar nicht davor zurück in die Zentrale einzubrechen und Maskottchen „Blacky“ zu entführen. Seine Forderung: Peter steigt bei den drei ??? aus oder der Mynah stirbt!
_Eindrücke_
Ein Tag, der vollkommen unterschiedlich verlaufen kann – je nachdem welches Detail man verändert. Oder besser gesagt: wie die vorhandenen (und vermutlich untereinander abgesprochenen) Elemente miteinander kombiniert wurden. Das Ergebnis ist jedenfalls ein sehr originelles Special. Dabei schien 2011 ja das Jahr der Spezialveröffentlichungen zu sein, man denke nur an die wiederentdeckten „Top Secret“ Fälle und den 150er Dreier-Jubiläumsband „Geisterbucht“ nicht zu vergessen. Doch der „dreiTag“ ein Jahr zuvor steckt sie immer noch alle in die Tasche. Es lohnt sich die drei Hörspiele mehrfach zu hören und zu durchforsten, um all die kleinen Gemeinsamkeiten mit ihrer teils vollkommen anderen Gewichtung des jeweiligen Autoren zu entdecken. Egal ob der Projektor, der Cameo-Auftritt von Enid Blytons „Fünf Freunde“ oder der „Meadow Fresh“ Eiswagen. Die Geschichten stecken voller Querverweise und Ähnlichkeiten zueinander, sind aber vom Prinzip her absolut autark und könnten auch solo sehr gut bestehen. So macht es natürlich dreimal so viel Spaß.
Ein weiteres – und überaus wichtiges – Mosaiksteinchen zum guten Gelingen dieses Specials liefert selbstverständlich die gewohnt gekonnte Produktion der |EUROPA|-Studios, wo in letzter Zeit alles rundzulaufen scheint. Mehr noch: Die Hamburger riefen und viele kamen – vermutlich auch sehr gern. Neben den üblichen Stamm- wie Gastsprechern der Serie spiegelt sich im Line-Up ein nämlich kleines Who-is-Who der TV- und Synchronsprecherlandschaft wider. Sky Du Mont, Patrick Bach, Dirk Bach, Bastian Pastewka, Jürgen Thormann (gelegentlich Stimme von Sir Ian McKellen), Udo Schenk (u. a. Stimme von Gary Oldman, Ray Liotta sowie Ralph Fiennes), Hansi Jochmann (Bekannt an der Seite von Ottfried „Pfarrer Braun“ Fischer) oder auch Schauspiel-Urgestein Ernst H. Hilbich als Detektiv-Konkurrent Dick Perry („Die drei ??? – Gift per E-Mail“). Zudem noch Maud Ackermann („Fünf Freunde“) und Sascha Draeger („TKKG“) – ebenfalls aus dem Hause |EUROPA|. In kleinen Nebenrollen finden sich sogar zwei der Autoren wieder.
_Die Produktion_
Erzählt von Hendrik Buchna, Tim Wenderoth und Ivar Leon Menger
Nach Motiven von Robert Arthur
Buch und Effekte: André Minninger
Redaktion und Geräusche: Wanda Osten
Regie und Produktion: Heikedine Körting
Musik: Hagitte & Bertling (STIL), Morgenstern, George, Conrad, Zeiberts
– Song „A brand new Day“ performed by Splendid Mud
|Sprecher und Figuren|
Oliver Rohrbeck (Justus Jonas), Jens Wawrczeck (Peter Shaw), Andreas Fröhlich (Bob Andrews), Thomas Fritsch (Erzähler), Karin Lieneweg (Tante Mathilda), Hans Meinhardt (Onkel Titus), Holger Mahlich (Inspector Cotta), Douglas Welbat (Officer Doyle), Bastian Pastewka (Sebastian Dawson), Udo Schenker (Gil Renard), Jürgen Thormann (Matthew Cabbin), Sascha Draeger (Steve), Ernst H. Hilbich (Dick Perry), Maud Ackermann (Georgina), Tobias Meister (Radiosprecher) uva. sowie in Gastrollen: Harry Rowohlt, Dirk Bach, Patrick Bach, Hansi Jochmann, Sky Du Mont, Hendrik Buchna und Tim Wenderoth
_Fazit_
Alle drei Fälle wissen komplett zu überzeugen und man kann nicht sagen, welcher davon nun der Beste wäre, da das natürlich stark vom eigenen Hörempfinden und Geschmack abhängt. Ihre volle Wirkung entwickeln die intelligent arrangierten wie erzählten Geschichten ohnehin aber erst in Kombination miteinander. Darüber hinaus würde man solche originellen Projekte sicher gerne öfter präsentiert bekommen, welche die inzwischen zuweilen fest eingetreten scheinenden Pfade auch mal verlassen. Von der Produktion her gibt es auch nur Positives zu berichten. So ist der „dreiTag“ nicht nur für Hardcore-Fans ein Pflichtkauf – Die Nostalgiker darunter können sich den Drilling nicht nur auf CD/MC, sondern sogar ganz klassisch auf Vinyl gönnen. Ohne zu zögern schnellt daher der Rezensentendaumen in die Höhe und – was selten ist – folgt diesem der Zweite auch noch.
|3 Audio-CDs mit einer Laufzeit von ca. 80 (J), 74 (B) und 74 (P) Minuten
EUROPA / Sony Music Entertainment, 2010
EAN: 886976866624|
[www.natuerlichvoneuropa.de]http://www.natuerlichvoneuropa.de
Mehr als 90 weitere Rezensionen zu den „Drei ???“ findet ihr in unserer [Datenbank]http://buchwurm.info/book .
Nach wie vor sind Perry Rhodan und seine Begleiter in der Vergangenheit gestrandet, über 50.000 Jahre von ihrer eigenen Zeit entfernt. Verzweifelt ringen sie um ihre Rückkehr, denn die bedrohte Menschheit in der Gegenwart benötigt dringend ihre Erkenntnisse. Doch dann erhalten die Terraner unerwartete Unterstützung.
Trotz dieser Hilfe gehen die Auseinandersetzungen in der Vergangenheit weiter. Nur wenn Rhodan und seine Begleiter einen der geheimnisvollen Meister der Insel besiegen, schaffen sie den Sprung in ihre Realzeit. Dort spitzt sich der Konflikt zwischen den Galaxien weiter zu: Die Beherrscher Andromedas greifen zu neuen Mitteln, um das Solare Imperium in die Knie zu zwingen.
Das Jahr 2036: Die Menschheit steckt in der Krise. Überbevölkerung, Klimawandel und Terrorismus lassen die Kriegsgefahr weltweit steigen. In dieser Lage wird der amerikanische Astronaut Perry Rhodan mit drei Kameraden zum Mond geschickt – dort scheint etwas Unheimliches vorzugehen. Mit einer uralten Rakete starten die vier Astronauten, auf dem Mond treffen sie auf Außerirdische.
Diese bezeichnen sich selbst als Arkoniden und halten die Menschen für primitive Wesen, die voller Hass und Kriegslust stecken. Doch Rhodan findet ihre Schwäche heraus – er schlägt den Aliens einen gewagten Handel vor. Sein Ziel ist dabei klar: Mithilfe der märchenhaften Technik der Fremden will er die Menschheit einigen, um damit alle Kriege und Katastrophen für immer zu beseitigen …
Episode 2: „Utopie Terrania“
Das Jahr 2036: Perry Rhodan und die Astronauten der STARDUST sind in der Wüste Gobi gelandet. In ihrer Begleitung ist ein Außerirdischer, der schwerkranke Arkonide Crest. Ihre Lage ist äußerst angespannt – Tausende chinesische Soldaten haben einen Ring aus Panzern und Geschützen um die Position der STARDUST gezogen.
Die Technik der Arkoniden schützt Perry Rhodan und seine Begleiter: Eine Energiekuppel sichert sie gegen den unaufhörlichen, schweren Beschuss der chinesischen Truppen.
Trotz der kritischen Lage verliert Rhodan sein Ziel nicht aus den Augen: den Bau einer freien und unabhängigen Stadt. Zusammen mit arkonidischen Robotern startet er dieses Vorhaben – es ist die Utopie Terrania.
(Verlagsinfos)
Mein Eindruck:
Die Macher der erfolgreichsten SciFi-Dauer-Heftserie haben sich etwas einfallen lassen. Das mussten sie auch, wenn sie neue Käufer gewinnen wollen. Denn, obwohl die Aufforderung „Jetzt einsteigen!“ zu Anfang eines jeden neuen Zyklus der Erstauflage der Romanserie zu hören ist … faktisch ist es für Neuleser schwer bis frustrierend, wirklich neu einzusteigen. Technobabble ohne Ende und ständig das Gefühl, dass jede Menge Vorwissen fehlt, das schreckt ab.
Nun gibt es also NEO und alles soll anders werden. Denn, anstatt einfach den Reset-Button zu drücken und eine Neuauflage der alten Hefte zu veröffentlichen, peppt der Verlag die (den Altlesern) bekannte Geschichte um Perry Rhodan auf. „Best of both worlds“ ist das Vorhaben, mit dem sowohl die Altleser gelockt als auch Neuleser gewonnen werden sollen. Zeitlich um viele Jahre nach vorn und in die greifbare Zukunft versetzt, erlebt Major Rhodan nun seine Abenteuer noch mal, aber doch irgendwie anders. Sprich, der grobe Rahmen der alten Handlung bleibt (vorerst), aber die Autoren erzählen die Geschichten anders, moderner und knackiger. Nicht jede Woche, sondern alle zwei Wochen, aber dafür länger als damals.
Und das fällt dem Altleser auf. Je nachdem wie stur und unflexibel er ist, kommt das gut oder schlecht bei ihm an, sodass einige ihre alten Hefte vom Dachboden geholt haben, um „ihren“ Perry noch mal von vorn zu lesen und andere, das ist wohl der Großteil der NEO-Leser, sich einfach drauf freuen, noch mal von vorn zu beginnen, weil auch sie nicht wirklich wissen, was bei NEO alles neu passieren wird und was aus den alten Geschichten übernommen wurde.
In diesen ersten beiden Storys passiert im Groben genau das, was schon bekannt ist: Rhodan fliegt zum Mond, trifft auf die Arkoniden Thora und Crest, der kranke Crest wird mit zur Erde genommen, die Weltpolitiker flippen aus und wollen Crest für sich und Rhodans energiekuppelgeschütztes Raumschiff in der Wüste Gobi vernichten.
Dennoch merkt man recht schnell, dass die Erzählweise der Geschichten, auch wenn sie den Altgedienten bereits in groben Zügen bekannt ist, frischer daherkommt. Es ist wie beim Unterschied zwischen den Silberbänden und den Heftromanen von damals. Die Silberbände sind von sämtlichem überflüssigem Bla befreit worden und lassen sich wie tolle Abenteuerromane lesen. So ist das bei NEO auch. Ohne große Längen wird die Handlung vorangetrieben und spannend und kurzweilig erzählt.
Und nach diesen beiden NEO-Folgen weiß jeder, woran er bei NEO ist. Es ist nichts wirklich komplett Neues, aber es ist auch nicht bloß eine Nacherzählung der alten Geschichten. Hier entwickelt sich nach und nach etwas Eigenständiges, das das Zeug dazu hat, irgendwann einmal seine eigenen Wege zu gehen und von den Nacherzählungen komplett abzusehen. Hat man doch sicher die bekannten Charaktere rund um Perry nur dazu eingebaut, um die Altleser zu erfreuen.
Musik und Effekte
Jedes Hörbuch beginnt mit einer kleinen neuen NEO-Melodie, sonst sind keine weiteren Effekte oder Musiken zu hören.
Die Sprecher:
Hanno Dinger ist neu im Reigen der Rhodan-Sprecher. Zu hören war er aber schon mal im Perryversum von Eins A Medien. Im Hörspiel Nr. 22, „Der letzte Gonozal“, sprach er einen Springer. Als Sprecher für Hörbücher scheint er mir aber leider nicht wirklich gut geeignet oder er hat einfach zu wenig Erfahrung in diesem Metier.
Einzig seine Stimmfarbe ist angenehm, was er mit seiner Stimme aber anstellt, das ist alles andere als mitreißend. Wörtliche Rede unterscheidet sich bei ihm kaum von beschreibendem Text und auch sein Enthusiasmus und das Schauspiel vor dem Mikro hält sich bei Hanno Dinger extrem in Grenzen. Alles klingt ziemlich langatmig und vorsichtig leise … und leider auch ziemlich unlebendig und abgelesen. Außerdem legt er sehr viele Pausen mitten im Satz ein, die den Hörer manchmal unruhig werden lassen. Ein starker Kaffee und ein ordentlicher Schub Action fehlen seiner Darbietung, dann könnte es etwas werden. Der Erstkontakt mit Dinger aber fällt recht mau aus.
Auch Markus Klauk ist vom Verlag neu gebucht worden und war den Rhodan-Fans bislang noch nicht bekannt. Dass seine Lesung bei gleichem Heftumfang eine halbe Stunde kürzer ist, zeigt schon, dass er fixer ist als sein Kollege noch bei NEO 1. Dennoch macht auch er jede Menge störende Pausen, die den Erzählfluss immer wieder bremsen. Und wenn er keine Pausen macht, dann liest er schnell vor. Das klingt dann leider auch schnell vorgelesen und nicht erzählt. Dafür haucht er seinen Charakteren aber mehr Leben ein als sein Vorgänger und er spielt mehr mit seiner Stimme dabei.
Unterm Strich fallen beide Sprecher im Vergleich zu Perry-Lesungs-Größen wie Josef Tratnik und Tom Jacobs schon ziemlich ab, haben aber genug Potenzial, um diese Lücke aus eigener Kraft bei den nächsten Lesungen zu schließen.
Die MP3s
Die Qualität der MP3s entspricht dem Eins-A-Medien-Standard: 192 kbps, 41,1 kHz und Joint Stereo. Die Tracks sind fortlaufend nummeriert, wobei die Tracknummer im Dateinamen vorn steht und im ID3-Tag am Ende. Auch der Name des Autors ist vorhanden, aber der des Sprechers nicht.
Das Cover des jeweiligen Taschenhefts ist auch im ID3-Tag zu finden liegt dem Hörbuch zusätzlich als JPG- und als PDF-Datei in der Auflösung 1448 x 1444 bei.
Die Ausstattung:
Die beiden MP3-CDs, die mit den jeweiligen Taschenheft-Cover bedruckt sind, stecken in einer Klappbox.
Fazit:
NEO erfindet Rhodan nicht neu, aber macht ihn wieder interessant und staubt ihn ab. Altbekannte Ansätze werden neu verfolgt und NEO geht seine eigenen Wege. Der Erzählstil ist frischer und zeigt wenig bis keine Längen. Die beiden neuen Sprecher haben in ihrer Performance vor dem Mikro noch einiges an Raum nach oben, um ihre durchaus angenehmen Stimmen so zu beherrschen, dass sie dem Hörer wirklich kurzweilige Spannung bieten können, wie das die meisten ihrer Perry-Lesungs-Kollegen tun.
2 MP3-CDs in Klappbox NEO 1 – Sternenstaub: 6:02 Std. Spieldauer, 77 Tracks, gelesen von Hanno Dinger NEO 2 – Utopie Terrania: 5:26 Std. Spieldauer, 83 Tracks, gelesen von Markus Klauk ISBN-13: 978-3943393002
www.einsamedien.de
Die Reihe „Perry Rhodan NEO“ ist auch als Download-Version erhältlicht.
Man schreibt das Jahr 1463 Neuer Galaktischer Zeitrechnung. Seit über hundert Jahren herrscht in der Galaxis weitestgehend Frieden.
Die Liga Freier Terraner, in der Perry Rhodan das Amt eines Terranischen Residenten trägt, hat sich auf Forschung und Wissenschaft konzentriert. Mithilfe uralter Transmitter will man die riesigen Entfernungen zwischen Sonnensystemen und sogar Galaxien überwinden. Zudem hofft man auf einen Technologietransfer aus bisher unbekannten Bereichen. Dazu dient unter anderem die mysteriöse Raumstation, die zwischen den Ringen des Planeten Saturn schwebt. Die besten terranischen Wissenschaftler und Techniker arbeiten daran, dem Artefakt aus tiefster Vergangenheit seine Geheimnisse zu entlocken.
Doch die Menschen sind nicht die Einzigen, die sich für das Objekt interessieren. Auch die Frequenz-Monarchie richtet ihr Augenmerk auf die Station – und es beginnt ein gefährlicher Konflikt um das PROJEKT SATURN …
(Verlagsinfo für den Zyklus)
Mein Eindruck:
Mit dieser Box bekommt der RHODAN-Fan und der, der es werden möchte, einen Einstieg in den Zyklus „Stardust“ der Erstauflage der Heftserie, der sich von Heft Nr. 2500 bis 2599 erstreckt. In dieser Sammelbox enthalten sind die ungekürzten Lesungen der ersten 20 Abenteuer, geschrieben von zehn verschiedenen Autoren und gelesen von allen Sprechern, die die Erstauflage zu diesem Zeitpunkt hatte.
Neuer Zyklus, neuer Feind, wie es so oft bei PERRY RHODAN ist. Nachdem Rhodans Wissenschaftler eine Art Sternentor gefunden und untersucht haben, zeigt sich auch schon rasch der Zyklus-Gegner: die Frequenz-Monarchie. Wer oder was dahintersteckt, das muss Rhodan erst noch herausfinden. Zeit genug dazu bekommt er vom Zyklus.
Interessant für den Hörer ist vor allem, dass das Sternentor zu einem ganzen Haufen von Stargates gehört, das sich „Polyport-Netz“ nennt. So stehen Abenteuern in unterschiedlichen Galaxien und Kämpfe mit unbekannten Gegnern und neuen Erstkontakten nichts mehr im Weg. Vor allem besteht jetzt auch die Chance, die ins Stardust-System vor dem Gegner des letzten Zyklus, TRAITOR, Geflohenen zu kontakten.
Diese 20 Lesungen bieten dafür mehr als nur einen Einstieg und bringen den Hörer mitten ins Geschehen. Sie nehmen ihn bei der Hand und reisen mit ihm durch das Polyport-Netz. Außerdem erfahren wir mehr über den neuen Gegner und seine Getreuen und auch, wie es den Stardustlern seit ihrer Flucht ergangen ist. Und nachdem sich auch der Hantelraumer JULES VERNE aufmacht, ist erstmal Pause bis zum Februar 2012 … nicht NGZ … sondern unserer Zeitrechnung. Denn dann erscheint die zweite Box mit den nächsten 20 Lesungen des Zyklus.
Die Sprecher:
Renier Baaken, Tom Jacobs, Michael-Che Koch, Volker Wolf, Andreas Laurenz Maier geben sich im Wechsel das RHODAN-Mikro in die Hand. Josef Tratnik, der eigentlich nur für die „Sonderausgaben“ wie Silber Edition und Lemuria zuständig ist, liest als Gastsprecher den extra langen Jubiläums-Roman 2500.
Einige der Sprecher mussten sich erst ein wenig eingewöhnen, aber mit fortlaufender Zeit werden sie lockerer und bereiten dem Hörer viel Spaß. Tom Jacobs ist dabei recht schnell zum Favoriten der meisten Hörer geworden, der sich anschickt, Josef Tratnik als beliebtesten Rhodan-Sprecher den Rang abzulaufen. Auch Renier Baaken bietet viel Einsatz vor dem Mikro und gehört für einige zu den beliebtesten und für andere zu den „gewöhnungsbedürftigsten“ Sprechern der SciFi-Dauerserie … die Geschmäcker sind halt verschieden.
Die MP3s
Die Qualität der MP3s entspricht dem Eins-A-Medien-Standard: 192 kbps, 41,1 kHz und Joint Stereo. Die Tracks sind fortlaufend nummeriert, wobei die Tracknummer im Dateinamen vorn steht und im ID3-Tag am Ende. Auch der Name des Autors ist vorhanden, aber der des Sprechers nicht.
Die Ausstattung:
Die MP3-CDs, stecken in beidseitig bedruckten Papphüllen, die mit den Covermotiven der auf den CDs enthaltenen zwei Lesungen bedruckt sind. Die CDs selbst sind mit dem Box-Motiv bedruckt, das dem Heft-Titel 2500 „Projekt Saturn“ entspricht.
Im Bookletfaltblatt finden wir die Technik-Credits und eine Aufstellung der CD-Inhalte. Auf der Rückseite gibts noch einmal den Klappentext, der auch schon auf der Box zu finden war und das Cover der im Februar 2012 erscheinenden zweiten STARDURST-Box. Allerdings ist die Aufschrift auf dem Cover dieselbe wie auf dieser Box und zeigt „Episode 1 – 20“.
Zusätzlich gibts auf den CDs auch immer das Cover als JPG und in einer ZIP-gepackten Datei noch einmal als PDF-Datei sowie ein PDF mit Kommentar und Glossar zu jeder Folge.
Fazit:
Eine schöne Sammlerbox mit aufwendig bedrucktem Inhalt. Ein neuer Zyklus, der einiges verspricht und ein neuer Feind, der verhindern will, dass Perry das Versprechen für die Hörer einlösen kann.
Die 20 Lesungen bieten eine Menge Hörspaß für Fans und Sammler, aber auch einen guten und fundierten Einstieg in den neuen STARDUST-Zyklus für alle Neuankömmlinge.
10 MP3-CDs in Papp-Klappbox
20 Lesungen mit einer Gesamtspieldauer von 67 Std.
ISBN-13: 978-3943013085 www.einsamedien.de
„High Strung“ aus dem Jahre 1991 ist die dritte und letzte Hörspiel-Auskopplung aus der „Top Secret Edition“ des |KOSMOS|-Verlags. Dieser allerletzte, lange verschollene Fall aus der „Crimebusters“-Ära, wie die drei Fragezeichen in ihrem Mutterland zu dieser Zeit hießen, erblickte allerdings nie das Licht der amerikanischen Öffentlichkeit. Die Serie wurde in den USA zuvor eingestellt und es dauerte ganze 20 Jahre bis die von G.H. Stone (bürgerlich: Gayle Lynds) verfasste Story dann übersetzt hierzulande als Buch herauskam – zusammen mit den bis dato ebenfalls unbekannten Fällen „House of Horrors – Haus der Angst“ und „Brainwash – Gefangene Gedanken“. Der Vertonung dieser beiden Fälle hatten sich die |EUROPA|-Studios bereits angenommen. Nun folgt also mit „Unter Hochspannung“ der dritte und somit letzte Special-Streich des Jahres 2011.
Endlich Sommerferien! Wie schon vor einigen Jahren fahren TKKG in das Ferienlager an der Nordsee, doch diesmal nicht nur um Strand, Wind und Sonne zu genießen, sondern auch um dem schusseligen Betreuer Rasputin zur Hand zu gehen. Aber Tim, Karl, Klößchen, Gaby und natürlich Oskar wären nicht TKKG, wenn es nicht im Handumdrehen eine Serie von Diebstählen aufzuklären gäbe. Kaum ist der Dieb überführt, ist es auch schon vorbei mit der ausgelassenen Ferienstimmung – während einer Nachtwanderung geschieht das Unfassbare und TKKG sind mitten drin in einem neuen Fall … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Zum 175. Folgenjubiläum gibts vom Verlag eine XL-Folge von TKKG … zwei CDs mit doppelter Abenteuerlänge. Und die Abenteuer sollen sie im gleichen Ferienlager an der Nordsee erleben, in dem sie in Folge 9, „Abenteuer im Ferienlager“, schon einmal waren. Da bekommen Tim und Klößchen am Anfang der Folge gleich noch ein paar Minuten Zeit vom Skript, um über den damaligen Fall und über die Schinkenbrote von Frau Truels zu sinnieren. Und da auch Oskar zu der Zeit schon mittendrin statt nur dabei war (er wurde damals entführt), macht ihn das eigentlich zum ältesten Serienhund ever … die Folge ist nämlich schon gute 30 Jahre alt.
Der aus Folge 9 bekannte Betreuer „Rasputin“, den die Clique an der Nordsee unterstützen soll, ist aber ausgetauscht worden und wird nicht mehr von Wolfgang Völz gesprochen. Aber auch der neue „Rasputin“ kann sich nicht gegen TKKG durchsetzen, um doch endlich Günter genannt zu werden. Oma Truels allerdings wohnt nicht mehr im Ort, sondern lebt in einem Seniorenwohnheim.
Die in der Beschreibung erwähnte Diebesserie wird durch einen schnellen Einfall von Tim und ungefragt wissenschaftliche Kurzmonologe von Karl schnell beendet. Recht schnell und unspektakulär, weil unkompliziert, schnörkellos und gradlinig. Damit ist dann auch schon der Teil der Spieldauer abgearbeitet, der über den normalen Umfang einer TKKG-Folge hinausgeht.
Und dann gehts auch schon auf die Nachtwanderung mit den Ferienlagerkindern, die TKKG selbst leitet, da „Rasputin“ im Dunkeln besser Gruselgeschichten erzählen als sehen kann. Einen Bezug zu dem Schnellfall vom Anfang gibt es aber dennoch. Scheint es anfangs so, als würde es jetzt wenig spannend und genauso seicht weitergehen wie bisher, wirds dann endlich spannend und dramatisch als Karl verschwindet. Die Polizei gibt sich wenig kooperativ und nicht nur TKKG, sondern auch der Hörer wird sauer. Und so haben die vier einen echten Fall, bei dem sie auch recherchieren müssen und nicht sofort auf die Lösung kommen.
Bis die vier Jungdetektive nebst Hund aber wirklich Brauchbares herausfinden, dauert es eine Weile. So wird der Hörer dann auch endlich an die Folge gefesselt und will wissen, wohin Karl denn nun verschwunden ist und vor allem warum.
Und wenn die Folge dann zu Ende ist, dann bleibt leider doch ein leicht fader Beigeschmack einer merklich künstlich gestreckten Folge, deren erster Teil komplett und problemlos hätte gestrichen werden können. Auch die Auflösung ist leider wenig spektakulär, weil zigmal zuvor schon erzählt.
Was lernen wir jetzt daraus? Dass sich der Verlag bei den Jubiläumsfolgen der Kollegen von den „drei Fragezeichen“ wesentlich mehr Mühe bei der Story gibt und diese viel verschachtelter und spannender gehalten sind … und … wie man an der Nordsee auf friesische Art Tee zubereitet und trinkt. Eine Technik, die nicht mal Karl bekannt war!
Die Sprecher und ihre Rollen:
Erzähler: Wolfgang Kaven
Tim: Sascha Draeger
Karl: Niki Nowotny
Klößchen: Manou Lubowski
Gaby: Rhea Harder
Günther „Rasputin“: Douglas Welbat
Frau Brebeck: Luise Lunow
Glatze: Lutz Mackensy
Dennis: Anton Sprick
Verena: Sophie Lechtenbrink
Matze: Kai Schwind
Elvis: Jeremias Acheampong
Tobias: Nils Noller
Viele Kinder: Klasse 7b
Bärwald: Thomas Fritsch
Kommissar Marihn: Jürgen Thormann
Wachtmeister Olsen: Tim Grobe
Bauer Tönsen: Klaus Dittmann
Kioskbesitzer: Peter Weis
Herr Weikert: Volker Hanisch
Marcel Weikert: Tim Kreuer
und Oskar, der schwarz-weiße Cockerspaniel
Trackliste:
CD1:
1. Endlich Ferien
2. Fahrt an die Nordsee
3. Ein Dieb geht um!
4. Piratenfest
5. Plausch beim Tee
6. Ein unheimliches Haus
7. Wo ist Karl?
CD2:
8. Spurlos verschwunden
9. Spuren im Gras
10. Geheime Lauschaktion
11. Gaby wird bedroht
12. Entdeckung beim Autohändler
13. Der Milch-Erbe
14. Das Versteck
15. Kampf im Moor
16. Eine freudige Überraschung
Technik-Credits:
Produktion und Regie: Heikedine Körting
Hörspiel: Kai Schwind nach Motiven von Stefan Wolf
Effekte: André Minninger
Redaktion und Geräusche: Wanda Osten
Cover Illustration: Comicon S.L. – nach Artwork-Vorlagen von Rainer Stolte
Rahmendesign: KB&B
Gestaltung: Atelier Schoedsack
Die Ausstattung:
Die CDs stecken in einem Klapp-Jewel-Case und sind in „TKKG-Blau“ bedruckt. Das Booklet-Faltblatt, das in der gleichen Farbe daherkommt, enthält eine Aufstellung der bereits veröffentlichten Folgen, die Sprecher und ihre Rollen sowie die Technik-Credits.
Mein Fazit:
Eine hörbar gestreckte Jubiläumsfolge, die lange braucht, bis sie spannend wird, den Hörer dann aber doch bis zum Ende bei der Stange hält. Schließlich geht es um das Wohl eines TKKG-Mitglieds.
Als Eberhard Alexander-Burgh (1928 – 2004) Anfang der Siebziger mit der Arbeit an seinen HUI-BUH-Hörspielen – zunächst fürs Radio und ab 1969 für die |EUROPA|-Studios – begann, konnte er noch nicht ahnen, dass der Figur dermaßen großer Erfolg beschieden sein wird, dass es die ursprüngliche Serie auf stolze 23 Folgen brachte. Die Neuauflage „Hui Buh – Neue Welt“, welche basierend auf dem Kinofilm von 2006 den Faden moderner weiterspinnt, ist ihr inzwischen auf den Fersen. Just in jenem Jahr war es auch, vermutlich um auf der medialen Welle der Leinwandfassung mit zu schwimmen, dass die allererste Hörspiel-Folge als Sonderedition herausgebracht wurde: als „Königliche Samtbox“.
_Zur Story_
Seit über 400 Jahren geistert HUI BUH, das – einzig behördlich zugelassene – Gespenst von Burgeck durch die Gemäuer des Schlosses. An einem Freitag dem 13. wurde damals aus dem stattlich-fidelen Ritter Balduin das Gespenst mit der rostigen Rasselkette – dazu verdammt in seiner vermoderten Holztruhe hoch oben im Fledermausturm zu wohnen sowie zwischen Zwölf und Eins lautstark zu spuken. Dabei hilft ihm sein Buch „Spuken leicht gemacht für Jedermann“. Auf Burgeck lebt derzeit nur noch der alte Kastellan – was sich allerdings dieser Tage ändern wird: König Julius der 111. schickt sich an sein Erbe anzutreten und in die – zugegeben inzwischen doch etwas marode – Heimstatt seiner Ahnen einzuziehen. Aber ein König mit Sportwagen, dafür aber ohne Purpur, Zepter und Krone?!
Hui Buh ist skeptisch und zudem voller Tatendrang den Eindringling aus Burgeck zu vergraulen. Als „Mumm, der Kopfschmeißer“ pfeffert er seinen Schädel in die Blaubeersuppenschüssel auf der königlichen Tafel. Ausgerechnet daraus jedoch entsteht eine tiefe Freundschaft zwischen dem König und „seinem“ Schlossgespenst. Egal ob die grässliche Gräfin Etepetete, dreiste Einbrecher oder auch ein spukresistenter Professor: Alle kriegen ihr Fett weg – auch wenn sich der Geist dabei zuweilen etwas tollpatschig anstellt. Die größte Aufgabe jedoch wartet jedoch in Gestalt der lieblichen Prinzessin Konstanzia, dessen Herz Julius erobern möchte. Davor hat das Schicksal aber deren resolute Mutter gesetzt. Dafür muss Hui Buh seinen unlängst verschluderten Geisterschatz wiederfinden. Darin ist nicht nur eine dringend benötigte Königskrone enthalten, sondern auch die mögliche Erlösung von seinem Geisterdasein.
_Eindrücke_
Legendär ist bereits der Eröffnungsdialog („Manche Leute sagen es gibt Gespenster …“), den Erzähler Hans Paetsch und Hans Clarin als vorwitziger Hui Buh führen. Hier in Folge 1 besteht noch etwas mehr Klärungsbedarf, warum und wieso aus Ritter Balduin das Schlossgespenst wurde. Die genaueren Details der Verwünschung erfährt der treue Hörer allerdings erst in späteren Folgen. Die künstlerische Gesamtleitung des Projektes hatte schon damals Prof. Dr. Beurmann. Produktion und Regie oblag in diesem Fall aber noch nicht dessen späterer Frau, Heikedine Körting, sondern Konrad Halver. Der setzt die drei kleinen, amüsanten Episoden, aus welchen diese Folge im Prinzip besteht, aber keinen Deut schlechter um. Im Gegenteil. Für ein Hörspiel von 1969 ist die Produktion bereits sehr fortschrittlich, dank guter Soundeffekte und musikalischer Unterstützung atmosphärisch dicht und bis in die Nebenrollen hinein gut besetzt.
Bei der Sprecherbesetzung ergaben sich im Laufe der Serie einige Änderungen – lediglich die beiden unvergesslichen Hans Clarin und Hans Paetsch bildeten bereits jetzt eine Konstante und sind sicher ganz maßgebliche Faktoren für den großen Erfolg von Hui Buh. Wiewohl einige Sprecher den Part zwischenzeitlich übernahmen, so ist doch Erstbesetzung Claus Wilcke eigentlich DER König Julius schlechthin. Ähnliches gilt für Ingrid Andree, alias Konstanzia. Konrad Mayerhoff als Kastellan wirkt hingegen ein wenig zu kontur- und farblos. Ab Folge 3 übernahm dann auch Andreas von der Meden den Job und verlieh der Figur bis zum Ende der Serie einen würdevollen wie gewichtigeren Auftritt, welcher zum stets herrlich hyperaktiv palavernde Clarin-Gespenst mit passenden Bemerkungen kontrastiert.
Highlight sind natürlich auch immer die teils altdeutsch-anachronistischen Begriffe und Redewendungen, kurzum die markigen Sprüche, welche der tollpatschige Geist auf der Pfanne hat. Eine heute leider fast schon vergessene Syntax, welche eine ganze Generation – zu der auch der Rezensent gehört – sicher nicht unerheblich prägte. Als inzwischen Erwachsener wundert man sich allerdings, eher als damals, dass Eberhard Alexander-Burgh dem umtriebigen Gespenst so manch unlogisch wie widersprüchlich scheinende Eigenschaft mitgegeben hat. Hui Buh kann wie eine ausgewachsene Buffet-Fräse futtern, sich Beulen einfangen und sogar im Burggraben erkälten. Manchmal schwebt er, dann wiederum muss er Laufen. Das macht die Sache aufgrund der Situationskomik witzig, verlangte aber im Prinzip nach plausiblen Erklärungen, warum dies so ist. Nun gut, Kinder als angepeilte Zielgruppe hinterfragen solcherlei Dinge selten.
_Heda! Auf ein Wort! … zur Sonderedition_
Die „Königliche Samtbox“ enthält eine CD in nostalgischer Vinyl-Aufmachung, Poster-Cover und einem Booklet mit bis dato unveröffentlichtem Material. Dabei handelt es sich um die handgeschriebene Kurzgeschichte „Geheimnis im Burgbrunnen“, welche als Folge 4 vertont wurde, mitsamt den originalen Konzeptzeichnungen des Autors. Die CD beinhaltet zudem noch einen mittlerweile fast in Vergessenheit geratenen Song vergangener Tage. Michael Schanze und Hans Clarin setzten darin dem Schlossgespenst ein Sanges-Denkmal – Komponist dieses, heute vielleicht nicht mehr ganz salonfähigen, da doch hart an der Kitschgrenze kratzenden, Stückes war damals niemand anderes als Ralph Siegel. Leider funktioniert die schwarze Spezial-CD offenbar wohl nicht in allen Laufwerken.
_Die Produktion_
Buch und Konzeption: Eberhard Alexander-Burgh
Künstlerische Gesamtleitung: Prof. Dr. Beurmann
Regie und Produktion: Konrad Halver
|Sprecher und Figuren|
Hans Clarin (Hui Buh), Claus Wilcke (König Julius der 111.), Ingrid Andree (Prinzessin/Königin Konstanzia), Konrad Mayerhoff (Kastellan), Gräfin Etepetete (Heike Kintzel), Räuber Mausehaken (Michael Poelchau), Räuber Langfinger (Michael Hinz), Professor Schlaumeier (Hellmut Lange), Gisela Trowe (Mutter von Prinzessin Konstanzia), Hans Paetsch (Erzähler)
_Fazit_
Der Auftakt zur erfolgreichen Serie ist immer noch ein liebenswertes, äußerst hörenswertes Hörspiel, dem der Zahn der Zeit seit 1969 wenig bis gar nichts anhaben konnte. Selbst Noch-Nicht-Kenner der klassischen Hui Buh Folgen dürfte sie sofort in ihren Bann ziehen. Bei Interesse muss sich allerdings sputen noch eine Box zu ergattern, denn die ist – wie inzwischen die komplette Serie – bereits länger Out-of-Production und wird daher nur noch selten (neu) als Restbestand angeboten. Anderenfalls bleibt nur der Weg über den Gebrauchtmarkt oder den Shop von |EUROPA|, wo sämtliche Folgen als kostenpflichtige 320 kB-Downloads bereitliegen. Das 2001er Remaster, auf dem auch die Schmuckbox fußt, ist übrigens sauber in ADD abgemischt. Eigentlich ist aber diese Version ein Sammlerstück und zu schade für den wiederholten Hausgebrauch.
|Audio-CD mit einer Laufzeit von ca. 38 Minuten
EUROPA / Sony Music Entertainment, 1969/2001
EAN: 828768593929|
[www.natuerlichvoneuropa.de]http://www.natuerlichvoneuropa.de
_Hui Buh bei |Buchwurm.info|:_
[„Das Schlossgespenst“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2762
[„Hörspiel zum Film“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2881
[„Hui Buh, das Schlossgespenst“ – Königliche Samtbox (Folge 1) (Hörspiel)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7546
[„Hui Buh … in neuen Abenteuern“ (Folge 2)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7576
[„Hui Buh … spukt lustig weiter (Folge 3)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7540
[„Neue Welt: Der Geist der Weihnacht“ (Folge 13)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7471
[„Schlotterbox (13-15)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3478
Eine Sturmflut hält Kirrin in Aufregung. Tatkräftig unterstützen die Fünf Freunde die Schutzmaßnahmen am Deich und helfen Bauer Green, der nach dem Sturm eine alte Kastenuhr vermisst. Auch aus anderen Häusern sind wertvolle Dinge verschwunden. Sind sie mit dem Sturm fortgeflogen oder stimmt etwa das Gerücht von gefährlichen Schiffsgeistern? Obwohl es in Strömen regnet, ermitteln die Fünf Freunde im gesamten Hafengebiet. (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Nachdem Weihnachten bei den fünf Freunden ja schon in der vorigen Folge stattgefunden hat, gibts jetzt Regen und Sturm satt. Passend dazu sind natürlich auch wieder Ferien für die Jungs und Mädels. Nach den Weihnachtsferien in der letzten Folge stehen diesmal die Herbstferien an … fragt nicht.
Viel Zeit zum Entspannen wird den Freunden aber nicht gegönnt, eigentlich gar keine, denn sofort sind sie in die Schutzmaßnamen von Kirrin integriert und helfen den Bewohnern. Die scheinen aber weniger Angst vor dem Sturm, als vor dem Klabautermann zu haben. Und während man gemeinsam den Sturm aussitzt, hat der Geist scheinbar tatsächlich zugeschlagen und die Ersparnisse von Bauer Green aus dessen Kastenuhr gestohlen.
Auch andere Bewohner haben Verluste und Schäden an ihren Besitztümern zu verzeichnen, aber die scheinen durch eine ominöse „Flutversicherung“ abgedeckt zu sein, die alle Betroffenen abgeschlossen haben. Und die kommt den Fünf Freunden mit zunehmender Recherchedauer immer merkwürdiger vor.
Kurz nachdem die Truppe mit den Nachforschungen begonnen hat, weiß der aufmerksame Hörer schon, wie sich der Fall auflösen wird. Wenig später haben Julian, Dick, Anne und George es auch herausgefunden. Dennoch bleibt die Folge weiterhin spannend, denn es gilt ja noch die Schlussfolgerungen aufzulösen und allen anderen, besonders der Polizei, gegenüber zu beweisen. Und da bleibt der Hörer aufmerksam mit am Ball, denn das ist und bleibt spannend bis zum Schluss.
Das Hörerlebnis:
Titelbedingt gibts hier grad am Anfang viele Sturmeffekte zu hören, die sich den Zum-Einschlafen-Hörer noch tiefer in sein Bett kuscheln lassen. Alle Sprecher jeglichen Alters machen einen prima Job und klingen sehr lebendig bei ihren Auftritten. Wer hier gut oder böse ist, das hört man schon am Tonfall.
Warum Oliver Rohrbeck aber seine Stimme als Ladenbesitzer Sottleby verstellt und eine seltsame Sprachmelodie aufsetzt, das konnte ich nicht nachvollziehen. So klingt er wesentlich unnatürlicher als bei den „drei Fragezeichen“.
Die Sprecher und ihre Rollen:
Erzähler: Lutz Mackensy
Julian: Ivo Möller
Dick: Jannik Endemann
Anne: Theresa Underberg
George: Alexandra Garcia
Tante Fanny: Ursula Sieg
Onkel Quentin: Andreas von der Meden
Bauer Green: Werner Cartano
Jim: Lutz Herkenrath
Joe: Christian Rudolf
Mrs. Whittaker: Karin Lieneweg
Mr. Sottleby: Oliver Rohrbeck
Mr. Fisher: Kai-Hendrik Möller
Mr. Swann: Gustav-Adolph Artz
Mr. Heigl: Michael von Rospatt
Constable Brix: Andreas Schmidt-Schaller
Constable Wilbert: Achim Schülke
und Timmy, der Hund
Trackliste:
1. Eine Sturmflut naht
2. Letzte Arbeiten am Deich
3. Der Klabautermann im Felsenhaus
4. Die Kastenuhr ist verschwunden
5. Eine seltsame Versicherung
6. Eine böse Ahnung
7. Ein schlimmer Verdacht
8. Heimlich in die Nacht
9. Im Wettlauf mit den Dieben
Technik-Credits:
Buch: Katrin McClean
Produktion und Regie: Heikedine Körting
Redaktion: Hilla Fitzen, Wanda Osten
Geräusche: Wanda Osten
Musik: Tonstudio EUROPA
Die Ausstattung:
Die in herbstlichem Dunkelgrün bedruckte CD steckt in einem Jewel-Case. Das Booklet-Faltblatt in gleicher Farbgestaltung, nur mit zusätzlichen warmen Brauntönen, enthält eine Aufstellung der bereits veröffentlichten Folgen sowie zwölf schwarz-weiß Bilder einiger Folgen-Cover. Zusätzlich werden noch die Sprecher und ihre Rollen aufgeführt sowie die Technik-Credits.
Mein Fazit:
Die Fünf Freunde ermitteln in einer stürmischen Umgebung, können aber die Spannung festhalten. Auch wenn der Hörer die Auflösung recht schnell gefunden hat, schafft es diese Folge dennoch, das Interesse bis zum Ende zu halten und bietet prima kind- und jugendgerechtes Abenteuer.
1 Audio-CD mit 55:53 Minuten Spieldauer Vom Verlag empfohlen ab 8 Jahren EAN: 0886972309422 www.natuerlichvoneuropa.de
Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: (4 Stimmen, Durchschnitt: 2,00 von 5)
Eberhard Alexander-Burgh (1928 – 2004) schuf in den Siebzigern mit „HUI BUH – Das Schlossgespenst“ und „Hexe Schrumpeldei“ zwei absolute Klassiker unter den Kinderhörspielen aus dem Hause |EUROPA|. Ersterer schaffte es auf ganze 23 Folgen, bis die Serie eingestellt wurde . Die Geschichten gelten heute zwar als kultig, wurden 2001 – nicht zu verwechseln mit der an den Kinofilm angelehnten „HUI BUH – Neue Welt“-Serie ab 2008 – sogar noch einmal auf CD aufgelegt, sind aber inzwischen vom Tonträgermarkt verschwunden – d. h.: vom Physischen, denn als (relativ kostengünstigen) Download bekommt man sie noch. Wer allerdings auf handfeste Speichermedien (CD/LP/MC) steht, muss sich im Antiquariat bzw. auf einschlägigen Shopping-Sites und/oder Tauschbörsen umtun, wo die Originale zu teils erstaunlich hohen Preisen feil geboten werden.
_Zur Story_
Irgendjemand spielt Hui Buh in den letzten Tagen gar übel mit: Erst wird er zwischen Burgmauer und Zugbrücke eingeklemmt, dann in seine vermoderte Holzkiste im Fledermausturm eingesperrt. Auch im Weinkeller geht es nicht mit rechten Dingen zu. Dann ständig dieses Gekichere. Die Mitbewohner bezichtigen das „einzig behördlich zugelassene“ Schlossgespenst vermehrten Schabernacks, dass dieses gar nicht begangen hat – Gibt es etwa noch einen Geist auf Schloss Burgeck? Hui Buh brütet einen Spuk aus, dem vermaledeiten Widersacher das Fürchten zu lehren.
König Julius hat noch ganz andere Sorgen. Geldsorgen nämlich. Der Umbau des Schlosses hat Hui Buhs wiedergefundenen Schatz (vgl. „Hui Buh – Das Schlossgespenst“ – Folge 1) komplett aufgezehrt, jetzt soll das Inventar unter den Hammer und ein amerikanischer Kaugummi-Millionär schickt sich an alles aufzukaufen. Der Schlossgeist ist zutiefst empört und heckt einen Plan aus, dem fetten wie ignoranten US-Boy die Dollars aus der Tasche zu ziehen, ohne dabei das Tafelsilber und die anderen liebgewonnenen Erinnerungsstücke verscherbeln zu müssen. Die verspukte Auktion zur Geisterstunde kann beginnen.
_Eindrücke_
Die dritte Folge steht weiterhin im Zeichen der Konsolidierung der Serie. Die Rollen sind noch nicht wirklich konstant besetzt, sieht man von den beiden Hans – Clarin und Paetsch – einmal ab. Die Folge hat im Prinzip zwei getrennte wie kurze Episoden zum Inhalt, in späteren wird ein einziges Thema dann über die ganze Lauflänge gespannt. Diese ist für heutige Verhältnisse ohnehin sehr kurz, die Beschränkung einer Vinyl-LP in Sachen Speicherfähigkeit war damals die diktatorische Grenze für die Produzenten – und nicht nur bei EUROPA. Mehr als ca. 40 Minuten war technisch nicht drin. Damit musste man hinkommen, um die Story zu erzählen. Hier sind es sogar nur 35 Minuten für zwei Hui-Buh-Kurzgeschichten. Wie es der Serie entspricht, ist das Setup unkompliziert und zuweilen sogar fragwürdig-naiv (kann ein Gespenst zu Tode stürzen oder sich in den Vollrausch saufen?). Unterhaltsam und liebenswert ist diese Folge aber dennoch. Und natürlich stecken auch in ihr wieder jede Menge altdeutscher Ausdrücke.
Diesmal spricht übrigens Schauspieler und Synchronsprecher Wolfgang Kieling „Eure Majestät“ König Julius den Hundertelften – hier und in der nächsten Folge noch einmal. Interessanterweise hat Peter Kirchberger, der den Part (neben Claus Wilcke und Horst Stark) später auch sprechen wird, hier die Gastrolle als Mr Meyala, einem höchst überzogenen dargestellten Klischee-Ami. Wobei sein hochnäsiges „Indeed“ gar keine amerikanische, sondern eine höchst britische Floskel ist. Stilbruch? Egal. Marianne Kehlau als Königin Konstanzia hat nicht viel Text beizusteuern, sie passt stimmlich auch nicht wirklich zur Rolle – anders als Ingrid Andree, die ihr bald (wieder) folgen wird. Nur Andreas von der Meden (u. a. Synchronstimme von David Hasselhoff) ist inzwischen die Stammbesetzung für den Kastellan. Eine gute Wahl. Über den überragend krakeelenden und lamentierenden Hans Clarin muss man wohl keine Worte verlieren. Seine Hui Buh Interpretation ist ebenso legendär wie prägend. Niemand wird die Figur je wieder so hinbekommen.
_Die Produktion_
Cover: Hans Möller
Regie und Produktion: Heikedine Körting
Künstlerische Gesamtleitung: Prof. Dr. Beuermann
Buch: Eberhardt Alexander-Burgh
_Sprecher und Figuren_
Hans Clarin (Hui Buh), Wolfgang Kieling (König Julius der 111.), Marianne Kehlau (Königin Konstanzia), Andreas von der Meden (Kastellan), Raimund Hess (Auktionator), Peter Kirchberger (Mr. Meyala), Stephan Chreszinski (Küchenjunge), Hans Paetsch (Erzähler)
_Fazit_
Mit nur 35 Minuten ist das gute Stück ein verdaulicher und kurzweiliger Happen, auch für Nicht-Nostalgiker. In dieser frühen Phase hatte sich noch kein wirklich homogenes Sprecher-Team eingefunden und auch noch kein Thema, welches sich über eine komplette Folge spannt. So leben die beiden kurzen Episoden auf diesem Tonträger, aus den Anfangstagen der Reihe, fast allein von Clarins nahezu unglaublicher Performance des tolpatschigen Gespensts und ist darüber hinaus einmal mehr ein Quell ganz typischer Hui-Buh-Sprüche, -Schlagwörter und -Zungenbrecher. Die Nummer 3 ist dabei bestimmt keins der absoluten Glanzstücke der Serie, besitzt aber nichtsdestoweniger (und verdienterweise) ebenso Kultstatus, wie der Rest.
|Audio-CD mit einer Laufzeit von ca. 35 Minuten
Neuauflage 2001 / Erstveröffentlichung 1969/1970
EAN: 743218935428|
[www.natuerlichvoneuropa.de]http://www.natuerlichvoneuropa.de
_Hui Buh bei |Buchwurm.info|:_
[„Das Schlossgespenst“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2762
[„Hörspiel zum Film“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2881
[„Schlotterbox (13-15)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3478
[„Neue Welt: Der Geist der Weihnacht“ (Folge 13)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7471
Teil 1: 363 MB, 4:17 h, 54 Tracks Teil 2: 315 MB, 3:41 h, 43 Tracks
Teil 3: – erscheint am 13.12.2011 –
Teil 4: – erscheint am 03.01.2012 –
Die Handlung:
Man schreibt den Mai des Jahres 3460. Die Milchstraße ist von den technisch überlegenen Laren und ihren Helfershelfern, den Überschweren, unterjocht. Die wenigen Menschen, die den Invasoren entkommen konnten, haben sich in den Schutz einer Dunkelwolke geflüchtet. Da verfällt Leticron, der Führer der Überschweren, auf einen teuflischen Plan: Er bringt das Bewusstsein eines Mutanten in seine Gewalt. Es soll ihm den Weg zum letzten Versteck der Menschheit weisen … Erde und Mond sind derweil verschollen. Der Sprung durch den Hyperraum, der die Heimat der Menschheit in die Sicherheit der Dunkelwolke hatte bringen sollen, endete im unendlich weit entfernten Mahlstrom der Sterne. Aber die Zuflucht im Mahlstrom erweist sich bald als brüchig. Seine Herrscher, das Insektenvolk der Ploohns, fassen die Neuankömmlinge als Bedrohung auf – und ihre Königin schickt eine gewaltige Flotte aus, um die Erde und ihren Trabanten in einen Glutball zu verwandeln …
(Verlagsinfo für die komplette Silber Edition 79)
Dieser Teil:
Die Flucht von Tako Kakutas Bewusstsein geht weiter, während Rhodan im Mahlstrom endlich herausfinden will, wo sich die Erde denn nun befindet. Dabei trifft er auf Schwierigkeiten, die unüberwindbar zu sein scheinen und macht einen Erstkontakt …
Mein Eindruck:
Dieser Teil der Silber Edition 79 spielt in zwei unterschiedlichen Bereichen des Alls. Erst erleben wir die Flucht von Tako Katuta(s Bewusstsein) und diverse Sprünge in verschiedene Wirte und schließlich das gelungene Entkommen vor den Laren. Mit Wohlwollen verfolgen wir auch, dass LETICRON richtig Ärger mit den Laren bekommt.
Dann springt die Handlung zurück in den Mahlstrom, in den es die Erde verschlagen hat. Wo dieser sich denn nun befindet, das weiß Perry Rhodan immer noch nicht. Alle Scout-Schiff-Missionen waren erfolglos und als Perry die letzte große Entdeckungsoffensive mit fast 12.0000 Schiffen startet, scheitert auch diese.
Die Flotte wird von „goldenen Fäden“ eingesponnen, die alles zu zersetzen scheinen, bis auf den Kunststoff terranischer Raumanzüge. Die 12.000 Schiffe aber, sind nicht mehr zu retten. Da entdeckt man ein Raumschiff, dem diese „Energiepest“ nichts anzuhaben scheint und verfolgt es bis auf einen Planeten … der von breitköpfigen Kängurus bevölkert wird.
Wieder zeigen die Autoren, dass man bei „Perry Rhodan“ auch mal ordentlich hinlangen kann. Und so werden direkt mal eben 12.000 Schiffe von den „Fäden“ zerstört, das ist eine mächtige Anzahl. Und auch der vorangegangene Handlungsstrang mit dem flüchtenden Teleporter Tako Kakuta ist kurzweilig erzählt und spannend geschrieben.
Das Hör-Erlebnis:
Andreas Laurenz Maier macht weiterhin einen prima Job. Allein seine Hyptons tun in den Ohren weh, weil sie wirklich krächzen. Auch wenn sie das laut Vorlage sollten, ist der Hörer froh, wenn sie von der Handlung abgearbeitet wurden.
Maiers Gucky lispelt wie immer als „Bugs Bunny“, was gerade bei Wörtern wie „Psalta“ vor dem geistigen Auge des Hörers einen wahren Regen auf das Mikro des Sprechers entstehen lässt. Ansonsten trifft er immer einen angenehmen Tonfall, wenn er den verschiedenen Charakteren und Rassen sprachlich ihre individuellen Merkmale zuteilt. Auch die Trost- und Hoffnungslosigkeit der vielen Besatzungsmitglieder der 12.000 gestrandeten und zerstörten Raumer bringt Maier sehr gut ins Ohr des Hörers.
Einzig den Namen der Sonne, auf dessen zweitem Planeten „Onyx“ Gucky am Ende Kontakt zu den breitköpfigen Kängurus aufnimmt, den spricht Andreas Laurenz Maier zu deutsch aus. Die Sonne heißt „Iron“, was Gucky bei der Namensgebung auch mit „Eisen“ erklärt, aber von Maier ais „ieronn“ gelesen wird und so nicht gleich zu deuten ist.
Die Effekte – Der Hintergrund
Jedes Kapitel beginnt mit einer kleinen Melodie oder ein paar Sound-Effekten. Danach folgt bei einigen Kapiteln noch ein Ambient-Teppich als Untermalung für den Hintergrund. Dieser Teppich fällt aber kaum auf, weil er so leise und unscheinbar klingt, als wären es Nebengeräusche.
Die MP3s
Die Qualität der MP3s entspricht dem Eins-A-Medien-Standard: 192 kbps, 41,1 kHz und Joint Stereo. Die Tracks sind fortlaufend nummeriert, wobei die Tracknummer im Dateinamen vorn steht und im ID3-Tag am Ende. Auch sämtliche Namen der an der kompletten Silber Edition beteiligten Autoren wurden mit in das ID3-Tag der Dateien geschrieben. Dies macht den Eintrag in der Playlist einiger Abspielgeräte so lang, dass nur noch die Autorennamen zu sehen sind und der Titel am Ende abgeschnitten wird.
Diesmal ziert die grafisch aufpolierte Front von Band 690 „Die Flucht der Körperlosen“ die ID3-Tags. Das Bild liegt dem Hörbuch zusätzlich als JPG- und als PDF-Datei in der Auflösung 1448 x 1444 bei.
Der Download ist auch als One-Track-Version erhältlich.
Mein Fazit:
Tako Kakuta gelingt doch noch die Flucht, aber Perry Rhodan bekommt es im Mahlstrom mit einem Gegner zu tun, gegen den er erstmal nichts auszurichten weiß. Ob und wie viel der Erstkontakt am Ende dieses Teils ihm dabei helfen kann, das erfahren wir leider erst im nächsten Teil. Auch dieser Teil ist spannend, kurzweilig und gut gelesen von Andreas Laurenz Maier.
MP3-Download mit ca. 315 MB Größe Spieldauer der Lesung: 3:41 h Anzahl der Tracks: 43 Sprecher: Andreas Laurenz Maier ISBN-13: 978-3943393163
Die Silber Edition 79 wird zusammen mit dem letzten Download-Teil ab dem 03. Januar 2012 auch komplett auf zwei MP3-CDs im Handel erhältlich sein.
Seit Anbeginn der Zeit lebt das Einhorn allein in seinem Wald, doch eines Tages erfährt es von vorbeistreifenden Jägern, dass es das Letzte seiner Art sei. Also begibt es sich, begleitet vom leider nur mäßig begabten Zauberer Schmendrick und der Räuberbraut Molly Grue, auf die Suche nach seinen Artgenossen. Das seltsame Trio muss bald erkennen, dass die Erkundungsfahrt nicht ohne Kampf und äußerste Gefahr beendet werden kann. Es gilt, dem Roten Stier zu begegnen, der unter König Haggards verfluchtem Schloss haust … (Verlagsinfo)
_Der enteignete Mensch: Eine spannend inszenierte Warnung_
Noch nie war die Zukunft so bedrohlich wie in „Next“: In dieser Welt zählt nur eines; gutes Genmaterial. Und Gentechnologie-Unternehmen setzen alles daran, sich die Rechte an profitablem Gewebe zu sichern. Genau das wird Frank Burnet zum Verhängnis. Die Rechte an seinen Immunzellen, die Krebs bekämpfen können, hat sich BioGen Research gesichert. Doch Burnet hat nicht vor, sein Gewebe kampflos zur Verfügung zu stellen, und so bleibt ihm nur die Flucht. Als die Zellinie Burnets eines Nachts verunreinigt wird, bleibt BioGen nur eine Möglichkeit, um diese Wunderzellen wiederzubeschaffen: Es jagt Franks Tochter und Enkel … (erweiterte Verlagsinfo)
_Der Autor_
Michael Crichton wurde 1942 in Chicago geboren und studierte in Harvard medizin. Crichton, der seit Mitte der Sechzigerjahre Romane schrieb, griff immer wieder neueste naturwissenschaftliche und technische Forschungen auf. Für die international erfolgreiche TV-Serie „Emergency Room“ schrieb er das Drehbuch. Seite Thriller – darunter „DinoPark“, „The Lost World“, „Enthüllung“, „Der 13. Krieger“ und „Next“ – wurden auch als Filme Erfolge. 27 Romane und mehr als 100 Mio. verkaufte Bücher stehen für sein Werk. Er starb im November 2008 im Alter von 66 Jahren. (abgewandelte Verlagsinfo)
_Der Sprecher_
Hannes Jaenicke, geboren in Frankfurt/Main, absolvierte seine schauspielerische Ausbildung u. a. am Max-Reinhardt-Seminar in Wien und spielte am Burgtheater, bei den Salburger Festspielen und am Schauspiel Köln. Es folgten zahlreiche TV- und Kinofilmauftritte, häufig in Krimis. Neben seinen Filmproduktionen tritt Jaenicke als Drehbuchautor und Sprecher von Hörbüchern in Erscheinung, besonders von James-Bond-Klassikern.
Regie führte Bernadette Joos. Die Aufnahmeleitung im Tonstudio Köln oblag Bernd Schönhofen.
_Handlung_
|Prolog|
Privatdetektiv Vasco Borden verfolgt in Las Vegas den Biotechniker Eddie Tolman, der seiner Firma MicroProtein etwas sehr Wertvolles gestohlen hat, das er nun im Hotel Venetian an den Mann bringen will: tiefgekühlte Embryonen mit speziellen Zellen. Tolman und Borden lauschen den Worten des Risikokapitalgebers Jack Watson aus Los Angeles, der prophezeit, die Biotechnologie werde die Saurier der Pharmakonzerne das Fürchten lernen.
Doch zuvor muss Eddie dingfest gemacht werden. Leider merkt Eddie, dass er verfolgt wird, marschiert mit einer russischen Vermittlerin zu seinem Käufer und macht sich dann mit einem leeren Sicherheitsbehälter aus dem Staub. Netter Versuch, denkt Vasco und stellt Eddie in einem Aufzug. Er hat ihn in der Falle! Doch Eddie öffnet seelenruhig den Sicherheitsbehälter und wird ein Opfer des ultrakalten flüssigen Stickstoffs darin. Dumm gelaufen.
|Verhandlung|
Vor einem Gericht in Los Angeles verteidigt Rechtsanwältin Alex Burnet ihren Vater Frank, 51, gegen die University of California in L. A., UCLA. Frank war an Knochenmarkkrebs erkrankt und begab sich in die Behandlung von Dr. Grouse an der Uniklinik der UCLA. Nach Operation und Chemo stellte sich zum Glück eine vollständige Remission des Krebses ein. Doch Dr. Grouse machte weitere Tests und weitere. So lange, bis Frank misstrauisch wurde, weil er unterschreiben sollte, dass seine Zellen zu kommerziellen Zwecken werden können sollten. Er weigerte sich. Dr. Grouse verkaufte die Zellen dennoch – an BioGen Research.
Biogen Research will das Zytotoxin als Krebsheilmittel in absehbarer zeit auf den markt bringen und führt bereits Testreihen an Ratten durch. Das wird ein Knaller, freut sich Vorstandsvorsitzender Rick Diehl, der mit im Gerichtssaal sitzt, und sieht schon die Milliarden fließen. Genauer gesagt: drei Milliarden. So viel sind Frank Burnets Antikrebszellen auf dem Markt wert. Zu blöd, dass der Kerl nicht weiß, wann er verloren hat, findet Diehl und träumt von seinem neuen Porsche. Der Richter hat endlich ein Einsehen und verurteilt Burnet zur Herausgabe seiner Zellen. Basta, na bitte, endlich, lächelt Diehl heimlich.
Allerdings muss Diehl in mindestens einen sauren Apfel beißen. Jack Watson hat ihm Kapital geliehen, auf das er nun, da Diehls untreue Frau weggelaufen ist, angewiesen ist: Sie hatte das Geld in die Firma eingebracht. Wenn er nicht aufpasst, könnte Watson versuchen, ihn auszubooten und die Firma zu übernehmen. Das zweite Problem ist Diehls Sicherheitschef: Brad Gordon ist zwar ein Nichtskönner, aber der Neffe von Watson, also unkündbar. Dass ihm sein neuer Porsche auf dem Firmenparkplatz direkt vor sämtlichen Überwachungskameras gestohlen werden konnte, bringt das Fass zum Überlaufen.
Watson verspricht, sich um dieses kleine Problem zu kümmern. Schon bald taucht eine sehr elegante und sehr verführerische Lady in Diehls Vorstandszimmer auf: Jaqueline Maurer von der IT-Firma BDG will sich auf Watsons Bitte hin um die Security von Diehls Firma kümmern. Schon bald sieht sich Brad Gordon, der eine Schwäche für kleine Mädchen hat, verhaftet: Er hat die Nacht mit einer minderjährigen Asiatin verbracht, die ihn anklagt, sie mehrfach brutal vergewaltigt zu haben. Die Rechtsanwälte schütteln bedauern den Kopf: Die Kleine mag ihn ja reingelegt haben, aber seine Chancen, das Gegenteil zu beweisen, seien gleich null. Doch Jaqueline Maurer hat auch dafür eine Lösung, solange sich Brad kooperativ zeigt …
|Einbrüche|
Eines Morgens wenige Tage später erhält Rick Diehl eine Schreckensmeldung, die für seine Firma das Aus zu bedeuten droht: Brad Gordon, der gefeuerte Sicherheitschef, hat sämtliche Zellkulturen, die auf Frank Burnets phantastischen Antikrebszellen basieren, absichtlich kontaminiert, offenbar aus Rache. Natürlich gibt es in anderen Labors Sicherheitskopien. Doch es wie verhext: Auch diese sind plötzlich unbrauchbar. Diehl starrt in den Abgrund.
Es gibt nur einen letzten Ausweg: Er muss frische Zellen von Frank Burnett beschaffen, und sein Anwalt Rodriguez kennt auch schon den richtigen Mann dafür: Vasco Borden. Allerdings gibt es ein kleines Problem: Frank Burnet, ein Kriegsveteran, ist vollständig untergetaucht.
Na, schön, das ist kein Weltuntergang, denn Frank hat als kluger Mann dafür gesorgt, seine Gene weiterzugeben, an seine Tochter Alex und deren Sohn Jamie. Nach mysteriösen und gewalttätigen Übergriffen durch Vasco Bordens Helfer beschließt Alex, den dringenden Rat ihres Vaters zu befolgen und unterzutauchen. Leider unterlaufen ihr einige Anfängerfehler, so etwa die, eine Kreditkarte und ein Handy zu benutzen …
Unterdessen versucht Henry Candle, ein Genforscher, in das Schimpansenlabor einzudringen, aus dem er vor vier Jahren verbannt worden ist. Seitdem ist es ihm nicht gut ergangen, aber er hat wenigstens noch seine Frau Lynn, seine Tochter Tracy und seinen Sohn Jamie. Lynn ist eine frühere Schulfreundin von Alex Burnet und wird schon bald von ihr Besuch erhalten.
Henry will zu Dave, dem klügsten Schimpansen, der jemals durch Gentechnologie geschaffen worden ist. Er hat erfahren, dass die Leitung der Forschungsstation herausgefunden hat, wie Dave erschaffen wurde: durch die Kombination von Schimpansen-Erbgut mit menschlichem Erbgut. Genauer: mit dem von Henrry Candle höchstselbst. Und wer würde schon seinen Sohn umkommen lassen, bloß weil er ein illegales Experiment ist?
Doch die Ankunft von Dave, dem Monkey Man, in Henrys Familie führt schon bald zu unerwarteten Komplikationen, die mit der Ankunft von Alex und Vasco Borden einen ersten explosiven Höhepunkt erreichen …
_Mein Eindruck_
In seinem Wissenschaftsthriller verteilt der Autor seine Handlungsstränge auf Haupt- und Nebenschauplätze. Ich habe oben nur den zentralen Strang berücksichtigt. Viele Stränge sind nur von illustrativer Funktion, so etwa die Sache mit dem sprechenden Affen von Sumatra oder das Schicksal von Brad Gordon. Wenigstens spielen die transgenen Tiere (mehr dazu unter „Der Sprecher“) Dave und Gérard eine mittelbare Hauptrolle in der Vorbereitung und der Ausführung des ersten und zweiten Finales.
Bei manchen Figuren fragt sich der Leser oder Hörer, was dies denn mit der Haupthandlung zu tun hat. Aber das ist nicht der Punkt. Es geht um die Relevanz für das Thema, und das heißt eben „Die Folgen der Gentechnologie für wichtige Bereiche der Gesellschaft“. Dass die Medizin eine Hauptrolle spielt, belegt schon der skandalöse Fall von Frank Burnet.
Aber auch Totenbestattung, Versicherungen, Berufseignung und vieles mehr illustrieren die Implikationen, wenn die Biotechnologie nicht nur Humangewebe jagt, sondern ihre Produkte zudem in die falschen Hände gelangen: ungenehmigte Humanversuche in „freier Wildbahn“ sozusagen. So passiert es der Familie Weller, die herausfindet, dass der soeben verstorbene Vater vielleicht nicht, vielleicht aber doch der Vater der abtrünnigen Tochter Lisa war (die buchstäblich unter Rick Diehl arbeitet). Das relative bizarre Phänomen des Chimärismus wird hier aufgezeigt: zwei DNA-Sätze in einem einzigen Menschen! Das dürfte für einige Gentests ein Problem darstellen.
Als wäre dies nicht schon seltsam genug, muss vor allem geklärt werden, wer ein Anrecht auf Frank Burnets Zellen und Gene hat. Es kommt zu einer zweiten, denkwürdigen Verhandlung. Die gierige Biotechindustrie will ja praktisch jeden Menschen zu ihrem Freiwild erklären. Ja, der Staat Kalifornien könnte sogar lebendes Humangewebe enteignen, sofern es dem Gemeinwohl dient. Die Auswirkungen sind albtraumhaft: Bürger als Ersatzteillager der Genindustrie? Mit Recht weist Alex Burnets Chef, der Rechstanwalt Bob Kotch, auf den 13. Verfassungszusatz hin, der das Recht auf körperliche Unversehrtheit garantiert. Das Prinzip „Habeas corpus“ soll auch für die Gene gelten.
Dieser rechtliche Ansatz mag manchem Leser oder Hörer irrelevant oder vernachlässigbar erscheinen. Doch was er für Weiterungen bedeutet, macht Vasco Borden mit seinen brachialen Aktionen gegen Alex und Jamie Burnet überdeutlich: Menschenjagd in ihrer brutalsten Form. Man kommt sich vor wie in einem Stephen-King-Horrorthriller. Zum Glück wissen Bob Kotch und der zuständige Richter diesen Horror abzuwenden und die aktuelle, fiktive Rechtsprechung für illegal zu erklären.
_Der Sprecher_
Hannes Jaenicke hat eine tiefe, wenn auch nicht sonore Stimme. Damit kann er männliche Figuren kompetent darstellen, was ihm aber bei weiblichen Figuren weniger überzeugend gelingt. Die Frauen klingen alle gleich, mal mehr, mal weniger laut. Deshalb ist es von Vorteil, wenn die Frauen einen Akzent haben. Die Kontaktfrau Eddie Tolmans spricht mit gutturalem russischem Akzent. Auch wenn der Orientale Raza im Labor des Memorial Hospitals spricht, merkt man den fremdartigen Akzent.
Wichtiger für die Dramatik und Emotionalität der Handlung ist jedoch Jaenickes Ausdruck von Gefühlsregungen. Hier hapert es aber gewaltig, denn Jaenicke ist offenbar ein Anhänger der Theorie, durch ruhigen, gleichmäßigen Vortrag hinter der Geschichte zurückzutreten. Das klappt zwar in ruhigen Szenen und spannenden Passagen ganz gut, wirkt aber in dramatischen Szenen fehl am Platze. Selten einmal hört man ihn rufen, etwas häufiger hingegen heiser flüstern.
Und dann sind da noch die transgenen Tiere. Sie verleihen der Handlung ihren besonderen Reiz. Jaenicke weiß sie zu nutzen, um seinen Dialogen Würze und Witz zu verleihen. Da ist der sprechende Orang-Utan, der im Urwald von Sumatra unanständige Sachen sagt. Da ist Dave, der Monkey Man, der so gerne ein menschlicher Junge wäre. Er spricht mit einem hohlen Akzent, der die eigene Schöpfung des Sprechers sein dürfte.
Und schließlich ist da noch Gérard, der sprechende und hyperintelligente Graupapagei aus Paris, den es nach Nevada oder Arizona verschlägt, wobei er den Mann seines Frauchens bei einer Untreue ertappt hat. Gérard ist ein Sprachgenie, das wie ein Stimmrekorder funktioniert – aufnehmen und wiedergeben sind nicht das Problem; erst wenn Gérard das falsche wiedergibt, wird’s für die Menschen kompliziert. Gérard ist kein Spielzeug, sondern spielt eine Hauptrolle im actionreichen Finale des Romans.
Da es weder Musikuntermalung noch Geräusche gibt, brauche ich darüber kein Wort verlieren.
_Unterm Strich_
Michael Crichton schafft es auch diesmal, einen Wissenschaftsthriller zu liefern, der zugleich zu unterhalten, zu informieren und zu warnen weiß. Der Schauplatz ist nur ein klein wenig in die Zukunft verlegt, so dass uns dieses Szenario schon wieder ein wenig veraltet vorkommt. Transgene Tiere existieren, das ist unstrittig, doch was ist mit Verbindungen aus Mensch und Tier?
Crichton verbiegt die amerikanischen Gesetze, ein wenig spekulieren zu können, wie eine Gesellschaft aussähe, in denen das Zellgewebe eines Bürgers sowohl enteignet als auch requiriert werden könnte. Und in denen Biotechfirmen freie Hand hätten, Humanversuche mit neuen Genreihen vorzunehmen. Es erscheint nicht an den Haaren herbeigezogen, dass Leichen zweckentfremdet werden und dass es bereits zur Freisetzung von Testviren gekommen ist.
Dass man sehr wenig von diesen Ereignissen liest, mag entweder an der Unterdrückung der Nachrichten liegen – oder an einer selbsterfüllten Prophezeiung eines gewissen Michael Crichton: Er könnte dieses Szenario durch seinen warnenden Roman verhindert haben. Letzteres wäre aber wirklich zu viel der Hoffnung, nicht wahr?
Romantik, Erotik, rührendes Drama, spannende Action und schräger Humor bilden die tragenden Elemente des Thrillergarns, so dass für genügend Unterhaltung gesorgt. Doch die Kürzung auf die wichtigsten Handlungsstränge lässt dem Hörer keine Gelegenheit, sich Gedanken über die Verbindungen und die Bedeutung der Ereignisse zu machen. Es ist schon anstrengend genug, dem Plot zu folgen. Deshalb sind wir auf die Erklärungen des Erzählers angewiesen, um uns zurechtzufinden. Doch sie sind spärlich gesät.
|Das Hörbuch|
Der ruhige Vortrag lässt dem Hörer Raum, dem schnellen Szenenwechsel zu folgen und sich auf die Figuren zu konzentrieren. Der Humor, der durch den Stimmwechsel für die transgenen Tiere möglichst, sorgt für Abwechslung. Wäre dies nicht, könnte man bei dem Vortrag glatt einschlafen. So aber ist man wegen dieser Rätsel gespannt, worauf die Handlung hinauslaufen soll. Das Buch lässt dem Hörer sicher mehr Raum, um sich Gedanken zu machen. Aber manchmal habe ich den leisen Verdacht, dass man einen Crichton-Roman nicht wegen der Warnung, sondern der Unterhaltung liest.
|6 Audio-CDs
Spieldauer: 411 Minuten
Originaltitel: Next, 2006;
Aus dem US-Englischen übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
IBN-13: 9783866046474|
[www.randomhouse.de/randomhouseaudio]http://www.randomhouse.de/randomhouseaudio/index.jsp
_Michael Crichton bei |Buchwurm.info|:_
[„Timeline“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=360
[„Sphere – Die Gedanken des Bösen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=698
[„Welt in Angst“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=880
[„Next“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3300
[„Gold: Pirate Latitudes“ (Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6108
_Eine Detektivin des Herzens: Der Tod kommt auf vier Rädern_
Georgia Kane, eine freischaffend tätige Krankenschwester, verlässt 1923 das neblige London, um die Betreuung eines Kranken in den Hügeln an der südenglischen Steilküste zu übernehmen. In dem einsam gelegenen Farmhaus ihrer Auftraggeber findet sie eine angespannte Atmosphäre vor, die durch merkwürdige Heimlichkeiten und ein seltsames Ritual geprägt ist. (erweiterte Verlagsinfo)
_Die Autorin_
Edith Nesbit (1858-1924) war eine englische Autorin, deren Werke für Kinder im englischen Original unter dem „geschlechtslosen“ Namen E. Nesbit veröffentlicht wurden. Sie verfasste über 40 Kinderbücher. Einige davon wurden später verfilmt. (Wikipedia)
Werkverzeichnis auf Wikipedia:
• Die Schatzsucher (The Story of the Treasure Seekers; Bastable-Trilogie 1; 1899)
• Der Club der guten Taten (The Would-Be-Goods; Bastable-Trilogie 2; 1901)
• Das rote Haus / Die lustige Ehe (The Red House; 1902)
• Fünf Kinder und zehn Wünsche / Der Sandelf (Five Children and It, Psamead-Trilogie 1; 1902)
• Der Phönix und der Teppich / Feuervogel und Zauberteppich (The Phoenix and the Carpet; Psamead-Trilogie 2; 1904)
• New Treasure Seekers (Bastable-Trilogie 3; 1904)
• Die Eisenbahnkinder ( The Railway Children; 1905)
• The Story of the Amulet (Psamead-Trilogie 3; 1906)
• Das verzauberte Schloß (Enchanted Castle; 1907)
• Die Kinder von Arden (House of Arden; 1908)
• Der Traum von Arden (Harding’s Luck; 1909)
• Die verzauberte Stadt (Magic City; 1910)
• Meereszauber (Wet Magic; 1913)
_Die Sprecher/Die Inszenierung_
|Die Rollen und ihre Sprecher|
Georgia Kane: Solveig Duda
Marian Eldrige: Doris Gallart
Robert Eldrige: Eckart Dux
Mr. Dawson: Roland Hemmo
Amanda Dawson: Monika Barth
Milly Dawson: Sophia Abtahi
Chauffeur: Michael Schwarzmaier
Regie führten die Produzenten Marc Gruppe und Stephan Bosenius. Die Aufnahmen fanden in den Planet Earth Studios und im Fluxx Studio statt. Die Illustrationen trug Firuz Askin bei.
_Handlung_
Georgia Kane sehnt sich nach den Downs an der englischen Südküste zurück. Und dort soll sie heute ihre neue Stelle als Krankenpflegerin antreten. Als sie im nebligen November 1923 am Londoner Bahnhof steht. Findet sie Gelegenheit, der kleinen Tochter von Amanda Dawson zu helfen, die, wie sich herausstellt, eine Nachbarin von Georgias neuen Arbeitgebern ist. Zusammen fahren sie im Zug und als niemand Georgia abholt, nimmt Amanda sie einfach mit. Amanda ist Witwe und lässt sich chauffieren. Als sie aber den Namen des Anwesens „Charlestown“ hört, wird ihre Freundlichkeit zurückhaltend.
Über den Grund wundert sich Georgia noch, als sie dort an die Haustür der Eldridges klopft, bei denen sie jetzt arbeiten soll. Es dauert ewig, bis jemand öffnet, und bis dahin ist Georgia vom Regen pitschnass. Eine alte Frau öffnet, um sie einzulassen, dann kommt ein alter Mann hinzu. Es handelt sich um Marian und Robert Eldridge. Als Erstes gibts natürlich wärmenden Tee, schließlich ist man ja in England.
In Einzelgesprächen wird Georgia allerdings zunehmend verwirrt: Wen sie denn nun pflegen – Marian oder Robert? Jeder meint, es müsse sich um den anderen handeln. Marian meint, Robert phantasiere, weil er Erscheinungen wahrnehme, die gar nicht da seien. Und als Georgia en passant erwähnt, sie habe Amanda Dawson kennengelernt, lässt er tatsächlich vor Schreck die Tasse fallen. Etwas stimmt hier nicht. Doch Fragen weicht das Ehepaar aus.
Als Georgia m nächsten Morgen meint, dass sie sie gar nicht benötigten, widerspricht Marian. Sie hätten ihre Tochter Bessie verloren, die sie sehr liebten. Sie wurde von einem violetten Automobil auf der Landstraße überfahren. Nun sei ihr Leben sinnentleert, und Georgia würde ihnen helfen, es zu bewältigen.
Jeden Tag führt das Ehepaar eine Art Ritual aus, zu dem Georgia nicht eingeladen ist. Sie gehen stets um die gleiche Uhrzeit Richtung Klippen spazieren und kehren stets verstört und aufgewühlt zurück. Eines Tages kehrt Georgia aus dem Dorf zurück und kann die beiden belauschen. Er sagt zu ihr, sie solle ausweichen, er höre, wie es komme, doch sie streitet dies ab. Dann gibt sie nach und weicht aus. Aber vor was? Robert prophezeit, dass bald etwas geschehen werde …
_Mein Eindruck_
Edith Nesbitt ist eigentliche für ihre vielen Kinder- und Jugendbücher bekannt, doch die vorliegende Geschichte spielt unter Erwachsenen. So wie die Autorin im Kinderbuchbereich „erwachsene“ Themen einführte, so schreckt sie auch hier nicht vor dem Thema Sterben, Schuld und Erlösung zurück.
Die beiden Eldridges wirken zunächst wie Goethes harmonisches altes Ehepaar Philemon und Baucis aus „Faust II“. Doch je mehr Georgia Kane sie kennenlernt, desto mehr wird der fundamentale Unterschied sichtbar: Robert sieht ein Auto, das für Marian nicht existiert. Sein Problem: Er fühlt sich als Mörder. Und das Auto ist sein Schicksal. Erst wenn er dieses Schicksal besiegelt und seine Schuld beglichen hat, kann seine Seele Ruhe finden. Doch warum und wie?
|ACHTUNG, SPOILER|
Roberts Tochter Bessie wurde seinerzeit vom violetten Automobil auf der Landstraße angefahren. Dessen Besitzer war als Mr. Dawson bekannt, der immer zu schnell fuhr, weil er nicht aus der Gegend kam. Hier geht es gemächlich zu, keiner hat es eilig, schon gar nicht im Nebel. Bis er und die Automobile kamen.
Robert fand seine verletzte Tochter, so dass sie ihm noch sagen konnte, wer der Fahrer war: Dawson. Als ihn Dawson einmal im Nebel nach dem rechten Weg fragte, rächte sich Robert und nannte ihm die falsche Richtung: immer geradeaus, direkt über die Klippen ins Meer. Dawson starb, und seitdem hält sich Robert für einen Mörder.
Tag für Tag stellt er sich an die Landstraße, um auf ein Auto zu warten, das nur er sehen kann. Wirklich? Eines Tages muss Georgia Marians Stelle einnehmen, weil sich die alte Frau den Fuß verstaucht hat. Wird auch sie das Auto sehen können? Und wenn ja, was wird dann passieren?
_Die Sprecher/Die Inszenierung_
|Die Sprecher|
Im Zentrum des Stückes stehen im Grunde nur drei Figuren, nämlich die beiden Eldridges und Georgia, die ihre Ersatztochter und Erbin wird. Sie bilden eine gestörte Idylle, die in Ordnung sein könnte, wenn da nur nicht das violette Automobil wäre, das nur Robert sehen kann. Es ist lediglich ein Symbol für sein Schuldbewusstsein – und für den Tod.
Doris Gallart als Marian Eldrige und Eckart Dux als Robert Eldrige harmonieren ausgezeichnet. Man nimmt ihnen ab, dass sie eigenständige Persönlichkeiten sind, aber bereits so weit aufeinander eingespielt, dass sie sich praktisch wortlos verständigen können. Natürlich haben sie auch ihre Differenzen, gerade in der Sache mit dem Auto.
Solveig Ducha als Georgia Kane hat eine angenehme Stimme in Mittellage, die sie weder als naives Dummchen noch als herrische Gouvernante erscheinen lässt, sondern genau dazwischen: vernünftig, aber gefühlvoll und einfühlsam. Georgia ist schwer von Amanda Dawson (Monika Barth) zu unterscheiden, die vor allem durch ihre Mutterrolle charakterisiert ist. Sophia Abtahi spricht die kleine Milly Dawson ganz natürlich, als hätte sie ihren lebtag nichts anderes getan.
|Geräusche|
Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und realistisch aufgebaut. Das geht schon bei der Bahnhofsszene los, wo die Dampflok im Hintergrund schnauft und Stimmengewirr herrscht. Georgia in einem donnernden Gewitter mit plätscherndem Platzregen an und bibbert zum Gotterbarmen.
Die heimeligen Geräusche des Eldridge-Heims werden von den Küstenlauten kontrastiert, als da wären Möwengeschrei, Windblasen und Brandungsrauschen. In dieser harmonischen Polarität wirkt das violette Automobil wie der Fremdkörper, der es von Anfang ist.
|Musik|
Die Musik entspricht der eines Scores für ein klassischen Spielfilm, also nicht zwangsläufig für einen Horrorstreifen. Klassische Instrumente wie Violine, Cello und Kontrabass werden manchmal von elektronisch erzeugten Effekten ergänzt. Schnelle Musik deutet Dynamik und Dringlichkeit an, langsame Musik entspannt und manchmal endet eine Szene in einem dramatischen Crescendo. Das ist aber hier weniger der Fall, außer im Finale. Insgesamt ist dieses Hörspiel sehr stimmungsbetont.
Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.
|Das Booklet|
Im Booklet sind die Titel des GRUSELKABINETTS verzeichnet sowie Werbung für Firu Askin zu finden. Die letzte Seite zählt sämtliche Mitwirkenden auf. Ein zweites Booklet listet sämtliche Titel von Titania Medien auf, und zwar auch alle Neuerscheinungen bis Mai 2012.
Hinweise auf die nächsten Hörspiele:
Nr. 59: Edith Nesbit: Das violette Automobil (November 2011)
Nr. 60: Robert E. Howard: Der Grabhügel (ab März 2012)
Nr. 61: Arthur Conan Doyle: Der Ring des Thot (ab März)
Nr. 62: Nathaniel Hawthorne: Rappaccinis Tochter (April)
Nr. 63: Robert E. Howard: Besessen (April)
Nr. 64: Francis Marion Crawford: Der schreiende Schädel (Mai)
Nr. 65: Mary Elizabeth Braddon: Gesellschafterin gesucht (Mai)
_Unterm Strich_
Mir hat das atmosphärisch dichte Hörspiel gut gefallen, denn es baut eine durchgehend wehmütige Stimmung auf, die von einem vergangenen und einem kommenden Unglück etwas überschattet wird. Georgia Kane findet heraus, um was es geht, wie eine Detektivin des Herzens. Das erzeugt sowohl Spannung als auch Mitgefühl für die beiden Hauptfiguren.
Das Problem des Stücks ist natürlich, dass praktisch nichts passiert, sich aber einiges entwickelt. Daher lebt es von der gespannten Erwartung, die dem ansteigenden Schuldgefühl Roberts entspricht. Eines nahen Tages muss sich diese Anspannung entladen und hoffentlich lösen. Ob Robert wirklich Mr. Dawson auf dem Gewissen hat, muss jeder Zuhörer selbst beurteilen. Doch wer eigentlich dieses verhängnisvolle violette Automobil STEUERT, das soll hier nicht verraten werden.
|Das Hörspiel|
Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und bekannte Stimmen von Synchronsprechern und Theaterschauspielern einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Besonders gut gefielen mir die beiden zentralen Figuren, die sich wirklich Zeit lassen, das richtige und wichtige Wort genau zu platzieren.
Auch jungen Menschen, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert, und die Stimmen der Hollywoodstars vermitteln das richtige Kino-Feeling.
Wer jedoch mit Dramatik und Romantik absolut nichts am Hut hat, sich aber trotzdem zünftig gruseln will, der sollte zu härterer Kost greifen. Die Hörbücher der „Necroscope“-Reihe von Brian Lumley dürften dem Hörer eine ausreichend starke Dosis verabreichen. Leider hat LPL diese Reihe schon längst endgültig eingestellt.
Noch immer ist Dorian Hunter verschwunden. Niemand weiß, ob der Dämonen-Killer noch lebt. Alle Informationen, die dem Secret Service zur Verfügung stehen, befinden sich auf jenem Videoband des französischen Journalisten Armand Melville, der Hunter während der letzten Tage als „Chronist“ begleitet hat – von Nizza über die griechische Insel Lucyros bis auf Jeff Parkers Jacht in der Ägäis, die vor Kurzem bei einer Explosion zerstört wurde … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Als Vorlage für dieses Hörspiel diente der Vampir-Horror-Roman Nr. 83 aus dem Jahr 1974. Dieser zweite Teil der „Asmodi-Trilogie“ knüpft genau an den Vorgänger an und wir laufen direkt mit dem unsterblichen Dorian Hunter auf der Teufelsinsel vor einem Monster weg. Spielfilmtaugliche Metzel-, Massaker- und Ballereffekte inklusive. Einen Zeitsprung an den Anfang des 18. Jahrhunderts zu Mackandal wie schon im letzten Teil gibt es auch. Hier erleben wir die letzten Minuten des Weißen-Hassers Mackandal.
Ansonsten spielt fast die gesamte Folge auf Jeff Parkers Jacht, auf der der von Asmodi ins Rennen geschickte Moloch sich einen Passagier nach dem anderen einverleibt, bis es letztendlich zum Showdown mit Dorian Hunter kommt, bei dem er seine Unsterblichkeit verliert. Währenddessen kann Melville vom Boot fliehen (und auch das Video in Sicherheit bringen, dessen Zeuge wir jetzt schon die zweite Folge sind) und sieht (und wir hören), dass die Jacht in die Luft fliegt. Da Hunter ja nun sterblich ist, müsste auch er dabei ums Leben gekommen sein. Ob dem wirklich so ist und ob Asmodi seinen Sohn endlich hat beseitigen können, das erfahren wir wohl in der nächsten Folge, dem Abschluss der „Asmodi-Trilogie“.
Auch wenn der Handlungsverlauf etwas vorhersehbar ist, schafft es diese Folge dennoch, Spannung aufzubauen und sie zu halten. Die glitschig von den Effektmachern ins Ohr des Hörers flutschende Moloch-Amöbe greift sich einen nach dem anderen … und das erhöht den Grusel stetig. Die „70er-Jahre-Porno-Musik“, die perfekt zu dem Swinger-Treiben auf der Jacht von Jeff Parker passt, lässt den Hörer dumm grinsend mitgrooven. Sex und Horror passen halt schon seit Erfindung des Genres gut zusammen.
Geräusche und Musik:
Die Geräuschkulisse ist aufwendig und abwechslungsreich gestaltet, mit vielen Effekten, die die Szenen sehr lebendig wirken lassen. Auch die Soundeffekte bei den Übergängen der Handlungen und Tracks sind … interessant.
Die Musik wird hier nicht als Lückenfüller verwendet, sondern dezent wenig und auch nur aus dramaturgischen Gründen … zum Beispiel wenns zur Sache geht.
Die Sprecher und ihre Rollen:
Dorian Hunter – Thomas Schmuckert
Jeff Parker – Andreas von der Meden
Armand Melville – Oliver Kalkofe
Valiora – Daniela Hoffmann
Olivaro – Stefan Krause
Asmodi – K. Dieter Klebsch
Kapitän Medarchos – Jörg Reichlin
Murray – Bernd Rumpf
Skip – Martin Keßler
Clifford Montgomery – Thomas Petruo
Domenico Clerici – Jan-David Rönfeldt
Tante Pepe – Stephan Schwartz
Fabienne – Dina Kürten
Doreen – Annabelle Krieg
Marvin Cohen – Frank Gustavus
Trevor Sullivan – Konrad Halver
Donald Chapman – Frank Felicetti
Coco Zamis – Claudia Urbschat-Mingues
Mackandal – Bernd Vollbrecht
in weiteren Rollen: Dagmar Dreke, Eckart Dux, Marco Göllner, Dirk Hardegen, Kirstin Hesse, Martin May, Costa Meronianakis, Martin Sabel
Technik-Credits:
Produktion: Dennis Ehrhardt, Zaubermond Verlag
Skript, Regie, Tonproduktion: Marco Göllner
Aufnahmen: Alexander Rieß, CSC Studio, Hamburg
Gary Stack im Studio Konterfei, Berlin
Marijo Dolic, Hurst Media Company, Offenbach
Musik: MoorlandMusic
Titelmusik: Joachim Witt
Illustrationen: Mark Freier
Layout: Sebastian Hopf
Product Management: dp
Label: Folgenreich (LC 12520)
Die Ausstattung:
Das Cover des Booklets zeigt eine düstere Yacht-in-schwerer-See-Szene im Stil der „Dorian Hunter“-Serie. Die CD, die mit dem gleichen Motiv bedruckt ist, steckt in einem Jewel-Case. Das Booklet enthält eine Aufstellung der bereits veröffentlichten Folgen und eine ausführliche Beschreibung der Recherche für den Klang der Serie und die „70er Jahre Porno-Musik“ vom Autor Marco Göllner. Zusätzlich werden noch die Sprecher und ihre Rollen aufgeführt sowie die Technik-Credits. Und dann gibts noch ein paar Infos zu den Buchausgaben von „Dorian Hunter“.
Mein Fazit:
Eine Bootsfahrt, die ist glitschig … wenn sich eine Moloch-Amöbe einen Passagier nach dem anderen schnappt. Dorian Hunter verliert auf dem Weg nach Haiti etwas sehr Wichtiges, wenn er denn überhaupt noch lebt, denn das erfahren wir wohl erst in der nächsten und letzten Folge der „Asmodi-Trilogie“.
1 Audio-CD Spieldauer: 75 Min. Tracks: 33 Empfohlen ab 16 Jahren UPC: 0602527711874
Folge 1: [„Im Schatten des Rippers“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7494
Folge 2: [„Spuk im Pfarrhaus“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7519
Folge 3: _“Das entwendete Fallbeil“_
Folge 4: „Der Engel von Hampstead“ (07.04.2012)
_Das Fallbeil wartet, doch die Bombe nicht_
Ganz in der Nähe der Baker Street 221B, dem Wohnsitz von Sherlock Holmes und seinem treuen Chronisten Dr. Watson, befindet sich das Wachsfigurenkabinett „Madame Tussaud’s“. Den Erben der berühmten Wachsbildnerin plagen ernste Probleme, denn das originale Fallbeil, mit dem die französische Königin Marie Antoinette enthauptet wurde, ist aus der Ausstellung entwendet worden… (Verlagsinfo)
Diese Fälle dieser neuen Holmes-Reihe wurden nicht von Sir Arthur Conan Doyle geschrieben, sondern alle von Marc Gruppe. Sie basieren natürlich auf den originalen Figuren, die mittlerweile Allgemeingut geworden sind.
_Der Autor_
Marc Gruppe ist der Autor, Produzent und Regisseur der erfolgreichen Hörspielreihe GRUSELKABINETT, die von Titania Medien produziert und von Lübbe Audio vertrieben wird. Genau wie dort erscheinen auch „Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs“ meist im Doppelpack.
_Die Sprecher/Die Inszenierung_
|Die Rollen und ihre Sprecher|
Sherlock Holmes: Joachim Tennstedt (dt. Stimme von John Malkovich)
Dr. John H. Watson: Detlef Bierstedt (dt. Stimme von George Clooney u. a.)
Mrs. Hudson: Regina Lemnitz (dt. Stimme von Kathy Bates)
Inspektor Abberline: Christian Stark
John Theodore Tussaud: Till Endemann
Ellen Tussaud: Maria Koschny
Edward White: Michael Pan
Sims: Simon Jäger
Sean Corder: Axel Lutter
Margery Mapleton: Philine Peters-Arnolds
Regie führten die Produzenten Marc Gruppe und Stephan Bosenius. Die Aufnahmen fanden in den Planet Earth Studios statt. Alle Illustrationen – im Booklet, auf der CD – trug Firuz Askin bei.
_Handlung_
|Prolog|
Am 28. Juni 1889 lässt sich der Reporter Sims im Keller des bekannten Wachsfigurenkabinetts von Madame Tussaud einschließen. Er möchte seinen Lesern von der „Kammer des Schreckens“ berichten, in der berühmte Verbrecher und Mordinstrumente ausgestellt sind. Doch ein hämisches Lachen im Dunkeln lässt ihn erst die Nerven und dann seine Laterne verlieren. Erst der Nachtwächter jolt den völlig Entnervten wieder heraus …
|Haupthandlung|
Dieser Vorfall ist jedoch nicht der Grund, warum John Theodore Tussaud, der Sims eingelassen hatte, sich an Sherlock Holmes wendet. Nachdem man sich über die berühmte Institution und deren momentane wirtschaftliche Schwierigkeiten ausgetauscht hat, bringt er sein Anliegen vor: Das Fallbeil aus der Guillotine, mit der Marie Antoinette geköpft wurde, ist weg. Verschwunden. Entwendet womöglich. Damit die Probleme mit seinen Teilhabern nicht noch größer werden, müsse bei der Wiederbeschaffung größte Diskretion beachtet werden. Daher hat er sich nicht an die Polizei, sondern an den Meisterdetektiv gewendet.
Eine Besichtigung des Tatorts ergibt nichts, aber als Holmes die Konstruktionspläne der Guillotine sehen will, stellt sich heraus, dass auch diese verschwunden sind. Holmes drängt sich der Verdacht auf, dass jemand entweder Tussaud erpressen, Konkurrenz machen oder einfach nur die Guillotine nachbauen will – zu eigenen finsteren Zwecken. Um Schlimmes zu verhüten, muss sie schleunigst gefunden werden, soviel ist klar.
Und es gibt auch schon einen verdächtigen. Es gab Entlassungen, und einer der gefeuerten Mitarbeiter war der Wachsfigurenbildner Edward White. Wie sich herausstellt, hat Tussauds Schwester Ellen ein zärtliches Verhältnis zu White und ihm erzählt, was im Museum s vor sich geht. Klarer Fall: Der Mann nutzte seine Chance, ließ sich einschließen und entkam mit Sims‘ Hilfe.
Ein Paket sei für John abgegeben worden, sagt Ellen. Da tut es auf einmal einen Mordsschlag! Eine Explosion verwüstet Johns Büro und der Rauch bringt alle zum Husten. Eines ist klar: White oder seine Auftraggeber meinen es ernst. Es dauert nicht lange, und eine Lösegeldforderung trifft ein …
_Mein Eindruck_
Die spannende Handlung für erst zu Edward White, dann zu seinem Auftraggeber. Das war vorauszusehen. Doch wo hat der Auftraggeber die Guillotine versteckt? Inspektor Abberline wendet sich ebenfalls an Sherlock Holmes: Prinz Victor Albert, der sich im Rotlichtviertel der Homosexuellen herumtrieb, ist entführt worden – und soll offenbar mit der Guillotine und dem Tussaud’schen Fallbeil hingerichtet werden!
Es kommt selbstredend zu einem dramatischen Showdown in den Katakomben von London. Die Handlung wirft ein Schlaglicht auf die antimonarchistischen Umtriebe Ende des 19. Jahrhunderts, doch sie wurden in der Mehrzahl vom Geheimdienst Ihrer Majestät (Mycroft!) unterdrückt, so dass es kaum je zu einem effektiven Anschlag kam. Anders als in St. Petersburg, wo die Anarchisten bekanntermaßen schreckliche Erfolge hatten, als sie den Zar töteten und Reformen (ca. 1905) erzwangen. (Man lese dazu auch Kai Meyers exzellentes Jugendbuch „Frostfeuer“.)
Dieser ernste Hintergrund der Handlung wird natürlich nur angedeutet und nie ausgelotet. Schließlich soll das Hörspiel ja unterhalten und nicht belehren. Dennoch behelligt uns der Text nicht grundlos mit zahlreichen Informationen über die Entstehung des Wachsfigurenkabinetts. Madame Tussaud gründete es 1850, doch sie war die Angestellte der Königin Marie Antoinette und erlebte deren Ende mit. Es war ihre traurige Aufgabe, die Totenmasken der Enthaupteten der Revolution anzufertigen. Daher verfügte sie über Vorlagen aus erster Hand.
Durch diese Erinnerung liegt die Assoziation nahe, dass sich eine bürgerliche Revolution wiederholen könnte. Im Vereinigten Königreich?! Die letzte Revolution liegt bereits über 200 zurück, und sie führte bekanntlich zum englischen Bürgerkrieg, in dem Oliver Cromwell eine wichtige Rolle spielte. Wiederholt sich also die Geschichte? Ja, wenn man nicht aus ihr lernt.
_Die Sprecher/Die Inszenierung_
|Die Sprecher|
Die Hauptfigur ist natürlich der Titelgeber himself. Joachim Tennstedt verleiht Sherlock Holmes eine flexible Janusköpfigkeit. Die erste Seite bekommen wir zu sehen, wenn Holmes recht abweisend zu Mrs. Hudson, der treuen Seele des Haushalts, ist. Das hält sie aber nicht davon ab, die Vorhänge aufzureißen und frische Luft in die Detektivsgruft zu lassen.
Die andere Seite Holmes‘ ist die des energischen Ermittlers, der sich auch verkleidet. Die dritte ist die des freundlichen Verführers und Gentleman – sie bekommen wir erst in späteren Folgen zu Gesicht, insbesondere im Tussaud-Fall. Wie bei John Malkovich können wir uns auf einen Facettenreichtum an Darstellungsformen freuen.
|Dr. Watson |
Die Figur des Dr. Watson ist in vielen Verfilmungen misrepräsentiert worden. Neben Basil Rathbone und Peter Cushing musste er den vertrottelten Stichwortgeber mimen. Er war der selbstgefällige Körper neben dem rastlosen, aber kranken Geist des Detektivs. Nicht so in dieser neuen Serie.
Detlef Bierstedts Stimme ist uns von George Clooney vertraut, daher kann er mit einer gewissen geliehenen Autorität auftreten, ganz besonders in allen medizinischen Belangen. Dennoch kommt er häufig über die Rolle des Stichwortgebers nicht hinaus. Holmes hat stets die Initiative. In Folge 3 wird er sogar als Aktenträger missbraucht. Doch auch Watson verfügt über einen Revolver und die Kenntnisse, diesen zu gebrauchen, besonders aus seiner Zeit in Afghanistan.
|Mrs. Hudson|
Regina Lemnitz als Mrs. Hudson zeigt sich stets hilfreich, mal energisch, mal als fühlende Seele, etwa bei ihrem Besuch im Wachsfigurenkabinett, bei sie unverhofft von Sherlock Holmes überrascht wird – dieses „Experiment“ ist sehr erfolgreich. Außerdem ist sie das moralische Zentrum jeder Folge. Alles, was Holmes & Watson tun, müssen sie nicht nur gegenüber Inspektor rechtfertigen, sondern vor allem vor ihrer Haushälterin. Sie würde sie sonst hochkant hinauswerfen. Holmes lässt es sich nicht nehmen, Mrs. Hudson und ihre Kusine in der „Kammer des Schreckens“ zu erschrecken – ein komischer Höhepunkt des Stücks.
John und Ellen Tussaud sind ein gut besetztes Geschwisterpaar, das durch professionelle Darstellungskunst zu überzeugen weiß. Besonders Maria Koschnys Stimme fand ich sehr angenehm. Man kann sich gut vorstellen, dass sie einen Mann wie Edward White zu verführen weiß.
|Geräusche|
Die Geräusche sind genau die Gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und realistisch aufgebaut. Statt der aus dem GRUSELKABINETT vertrauten Andeutungen setzt diese Reihe mitunter auf handfeste Splattereffekte. So kann es Sherlock einfach nicht lassen, das Fallbeil selbst einmal zu testen.
Natürlich gibt es eine Fülle anderer Geräusche, so etwa immer wieder das typisch englische Teetrinken inklusive Tassenklirren und Teegluckern. Diesen heimeligen Klängen stehen knallharte Geräusche wie etwa das Fallbeil oder die Bombenexplosion gegenüber. Letztere macht doch einiges her, um der Mitte des Stücks etwas Pfeffer zu verleihen.
|Musik|
Die Musik entspricht der eines Scores für ein klassischen Spielfilm, also nicht zwangsläufig für einen Horrorstreifen. Klassische Instrumente wie Violine, Cello und Kontrabass werden manchmal von elektronisch erzeugten Effekten ergänzt. Schnelle Musik deutet Dynamik und Dringlichkeit an, langsame Musik entspannt und immer wieder endet eine Szene in einem dramatischen Crescendo. Die Haupthandlung beginnt mit idyllisch-heiteren Klängen, endet dann jedoch umso dramatischer.
Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.
|Das Booklet|
Im Booklet sind die Titel des GRUSELKABINETTS verzeichnet sowie Werbung für Firu Askin zu finden. Die letzte Seite zählt sämtliche Mitwirkenden auf. Ein zweites Booklet listet sämtliche Titel von Titania Medien auf, und zwar auch alle Neuerscheinungen bis Mai 2012.
Hinweise auf die nächsten Hörspiele:
Nr. 58: Lovecraft: Pickmans Modell (November 2011)
Nr. 59: Edith Nesbit: Das violette Automobil (November 2011)
Nr. 60: Robert E. Howard: Der Grabhügel (ab März 2012)
Nr. 61: Arthur Conan Doyle: Der Ring des Thot (ab März)
Nr. 62: Nathaniel Hawthorne: Rappaccinis Tochter (April)
Nr. 63: Robert E. Howard: Besessen (April)
Nr. 64: Francis Marion Crawford: Der schreiende Schädel (Mai)
Nr. 65: Mary Elizabeth Braddon: Gesellschafterin gesucht (Mai)
_Unterm Strich_
Das Phänomen des Wachsfigurenkabinetts bildet eine geschichtliche Brücke zwischen der französischen Revolution, als das entwendete Fallbeil eingesetzt wurde, und den (anno 1889) aktuellen antimonarchistischen Umtrieben in London. Droht eine zweite Revolution, wenn der entführte Prinz enthauptet gefunden wird? Wer weiß. Auf jeden Fall wäre es eine Riesenblamage für die Regierung Ihrer Majestät, besonders für den Geheimdienst und die Polizei. Und die Monarchie würde sich als verletzlich und vergänglich erweisen.
Wie auch immer, es ist ein heikler Fall für Holmes, und es versteht sich, dass Holmes darüber Stillschweigen bewahren muss. So macht sich die Inszenierung ein Vergnügen daraus, das Verbrechen mit dem Nervenkitzel zu kombinieren: eine Bombenexplosion, eine Beinahe-Enthauptung, ja sogar ein Schrecken für Mrs. Hudson ist mit drin.
Dieses Hörspiel ist viel flotter inszeniert als etwa „Im Schatten des Rippers“ und weit weniger idyllisch als etwa „Spuk im Pfarrhaus“. Ich hätte mir noch mehr Gruselszenen in der „Kammer des Schreckens“ gewünscht und mehr Romantik. Anders als im GRUSELKABINETT scheint es in dieser Reihe zudem keinerlei Rückblenden zu geben, ein Stilelement, das ich für sehr wirkungsvoll erachte, um eine Szene unmittelbarer wirken zu lassen.
|Das Hörspiel|
Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und bekannte Stimmen von Synchronsprechern und Theaterschauspielern einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Die Sprecherriege für diese neue Reihe ist höchst kompetent zu nennen, handelt es sich doch um die deutschen Stimmen von Hollywoodstars wie John Malkovich und George Clooney.
|Audio CD mit 78 Min. Spieldauer
ISBN 9783785745267|
[www.titania-medien.de]http://www.titania-medien.de
Juni 1099. Kreuzfahrer stehen vor Jerusalem. Niemand ist mehr sicher. Auch die vier Menschen nicht, die nach dem größten Geheimnis der Christenheit suchen … Köln, drei Jahre zuvor. Unzählige Kreuzfahrer ziehen durch die Stadt. Immer wieder gibt es Übergriffe gegen Juden. Schließlich wird der Kaufmann Isaac beauftragt, den wertvollsten Besitz der Gemeinde zurück ins Gelobte Land zu bringen: Das Buch von Ascalon. Zusammen mit seiner Tochter Chaya macht er sich auf den Weg. Dabei begegnen sie dem jungen Dieb Con und einem armenischen Gelehrten. In Jerusalem soll sich ihrer aller Schicksal erfüllen … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Es geht ein wenig verwirrend los, wenn der Autor nach einem erstmal nicht zuzuordnenden Vorwort zwischen den Zeiten, den Handlungsorten und den Charakteren ein wenig schnell hin- und herspringt. Wenn er sich aber länger an einem Ort aufhält, dann bekommt der Hörer eine Chance zu erkennen, wer denn hier überhaupt im Fokus steht und worum es überhaupt geht.
Und im Fokus steht die auf dem Klappentext erwähnte deutsche Jüdin Chaya, die mit ihrem Vater vor der Judenverfolgung in Deutschland flüchtet. Er hat versprochen, eine wichtige Schriftrolle ins Heilige Land nach Antiochia zu bringen und eigentlich sollte Chaya vorher noch verheiratet werden und in Deutschland bleiben. Das passt ihr aber nicht und so begleitet sie ihn … als Junge verkleidet.
Und der andere Handlungsstrang befasst sich mit dem Engländer Con, der eigentlich den Mord an seiner Geliebten rächen will. Uneigentlich wird er aber unfreiwillig Zeuge einer Verschwörung, für die eben dieser Mörder, Guillaume de Rein, für den König von England dessen kreuzfahrenden Bruder Robert aus dem Weg schaffen soll, damit er seine Ländereien in der Normandie bekommt.
Auch Con wird zwangsverpflichtet, in die gleiche Richtung aufzubrechen, als er während der Flucht vor Guillaume von einem Normannen gerettet wird, der auf einer Pilgerreise gen Süden ist und Con als Diener aufnehmen will.
So sind nach über 2.5 Stunden Hörzeit immerhin drei der vier Charaktere des Klappentexts nebst ihren Absichten bekannt, auf den armenischen Gelehrten Baram el Ameni wartet der Hörer aber nach wie vor. Es sind ja auch noch zwei Jahre, bis das Jahr 1099 erreicht ist, von dem im Klappentext gesprochen wird.
Es passierte mir generell zu wenig, das meine Aufmerksamkeit wirklich auf sich gezogen oder mich gar an die Geschichte gefesselt hätte. Von ein paar Familienstreitigkeiten im Hause de Rein abgesehen, sind alle irgendwie nur auf der Reise nach Antiochia. Erst im letzten Drittel des Hörbuchs passiert dann endlich etwas Interessanteres, nachdem sich alle Beteiligten endlich begegnet sind und die Beziehungen sich entwickeln.
So ist es eine nette romantische Idee des Autors gewesen, dass Con und Chaya sich sehr, sehr nahekommen, wenn das allerdings auch für meinen Geschmack ein wenig unrealistisch schnell vonstattenging. Aber, ich hab ja nicht zu der Zeit gelebt und weiß nicht, ob das um 1098 wirklich so fix ging.
Nachdem es nun dann auch endlich mal ein paar Kämpfe gegeben hat und nicht nur Gerede und Gereise, ändert sich die Geschichte und „Das Buch von Ascalon“ wird auf einmal zu „Indiana Con und die Kreuzfahrer“. Und dann ist aber auch schon Schluss.
Und im Epilog erklärt uns der, der die Geschichte um Con niedergeschrieben hat, was aus den beteiligten Personen geworden ist. Das mag ich immer gern, so braucht sich der Hörer nicht zu fragen, wohin es ihn oder sie wohl verschlagen hat und was sie nach den Geschehnissen im Roman gemacht haben.
Der Klappentext ist im Vorfeld gelesen und im Nachhinein betrachtet schon unvorteilhaft, denn der erste Satz findet fast am Ende der Geschichte statt und könnte zu falschen Vermutungen führen.
Und auch wenn es so klingt, als hätte ich hier schon alles verraten, ist dem nicht so. Wer weniger Wert auf einen straffen Handlungsfaden legt, sondern sich stärker für die handelnden Personen interessiert, für den gibt es einige gut gezeichnete Charaktere zu erleben.
Das Hörerlebnis:
Philip Schepmann macht einen super Job. Ob die handelnden Charaktere nun verzweifelt, gehetzt, traurig, sterbend, aufgeregt, freudig, männlich, weiblich, aristokratisch königlich, überheblich, verschwörerisch, krank, sterbend, ungläubig oder entsetzt sind, Schepmann bringt jede Gemüts- und Gefühlsregung perfekt ins Ohr des Hörers.
Con liest er ein wenig schreckhaft und hektisch, den alten Kaufmann Issac ruhig und langsam. Chaya klingt erst passend aufsässig und wird später zur Geliebten und zur Frau. Guillaume de Rein und seine Familie klingen allesamt hochnäsig, wie es sein sollte.
Nicht nur aufgebrachte Wortwechsel bringt Schepmann gut ins historische Kopfkino, auch beschreibender Text klingt bei ihm nie langweilig. Er ist wirklich ein One-Man-Ensemble, das immer authentisch und lebendig wirkt. Für mich ist der Sprecher hier eindeutig interessanter, als die teilweise zu sehr in die Länge gezogene Handung … und dabei ist dies sogar eine gekürzte Lesung.
Der Autor:
Michael Peinkofer, Jahrgang 1969, studierte in München Germanistik, Geschichte und Kommunikationswissenschaft. Seit 1995 arbeitet er als freier Autor, Filmjournalist und Übersetzer. Unter diversen Pseudonymen hat er bereits zahlreiche Romane verschiedener Genres verfasst. Bekannt wurde er durch den Bestseller „Die Bruderschaft der Runen“ und der Abenteuerreihe um Sarah Kincaid, deren abschließender vierter Band mit „Das Licht von Shambala“ vorliegt. Michael Peinkofer lebt mit seiner Familie im Allgäu. (Verlagsinfo)
Der Sprecher:
Philipp Schepmann, geboren 1966, ist Sprecher, Produzent und Rundfunkautor. Seine Schauspielausbildung absolvierte er an der renommierten Folkwang-Hochschule in Essen. (Verlagsinfo)
Die Ausstattung:
Die mit zur Gesamtaufmachung passendem Rot und einem schwarzen Kreuz bedruckten CDs stecken in Einschubschutzschlitzen einer Falt-Pappbox. Auf den Einschüben gibt es Infos zu Autor und Sprecher und, was für den Hörer besonders wichtig ist, eine Aufstellung der im Roman vorkommenden Charaktere, nebst Hinweis, welche Aufgabe sie erfüllen. Außerdem gibts auf der Rückseite noch ein Foto des Sprechers zu sehen.
Mein Fazit:
Nach anfänglichem Tumult passiert in den ersten Stunden sehr wenig und dann wird nur gereist, da baut sich wenig Spannung auf, später kommen dann noch familiäre Konflikte hinzu. Gegen Ende lehnt sich „Das Buch von Ascalon“ meines Erachtens an die „Indiana Jones“-Filme an und wird interessanter.
Für mich bleiben gemischte Gefühle zurück. Ein mir zu langatmiger Anfang, der sich über Stunden zieht und sich eher auf die Charakterentwicklung von Con und Chaya konzentriert, als auf die Auflösung des Rätsels um das Buch von Ascalon. Trotz der schon gekürzten Lesung hätte man die Geschichte durch weitere gekürzte Stunden für den Hörer spannender und vor allem kurzweiliger machen können.
Der Sprecher rettet für mich das Hörerlebnis, denn er macht einen prima Job und führt auch gekonnt durch die nicht so spannungsgeladenen Handlungsteile.
6 Audio-CDs Spieldauer: 7:51 Std. Tracks: 81 Gelesen von Philipp Schepmann ISBN: 978-3-7857-4559-5 www.luebbe.de
Band 1: Erwachen
Band 2: Vampirblut
Band 3: Kreaturen der Nacht
Band 4: Untot
Band 5: Totenwache
Band 6: Das Dämonentor
Band 7: Blutlust
Band 8: Höllenbrut
In Brian Lumleys „Blutlust“, dem siebten Teil der endlosen „Necroscope“-Reihe, geht es gar nicht so blutlustig zu, wie der Titel vermuten lässt. Stattdessen gibt es ein paar Schlägereien, unbekannte Dimensionen und Landschaften und allerlei neue Vampire zu bewundern.