Eine einsame, regnerische Nacht in London. Auf dem Heimweg geriet ich in eine Polizeikontrolle und suchte vergeblich nach meinem Dienstausweis… als sich der Uniformierte vor mir in einen Werwolf verwandelte! Im nächsten Moment erhielt ich die Nachricht, dass Bill entführt war – und Sheila tot! Und das war nur der Anfang des morbiden Spiels, das Harold Painter sich für mich ausgedacht hatte… (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer
370 gemacht, das erstmalig am 5. August 1985 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.
Der Duft von Zuckerwatte und gebrannten Mandeln, Karussells und die Geisterbahn ‚Gruselschloss‘ locken nicht nur Kim, Franzi und Marie auf den Jahrmarkt. Doch schnell bemerken die drei, dass dort etwas oberfaul ist. Die Geisterbahn wird mehrfach sabotiert, in die Wohnwagen der Schausteller wird eingebrochen. Die drei Detektivinnen steigen sofort in die Ermittlungen ein, werden jedoch bald von den Besitzern der Geisterbahn gebeten, damit aufzuhören. Sehr verdächtig! (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Ok, klarer Fall: Versicherungsbetrug in einem Halloween-Fall … nur … zum einen wärs zu einfach und zum anderen haben wir nicht Halloween … auch nicht in der Story. Schade auch. Tja, warum also will ein Geschädigter nicht, dass man ihm hilft? Irgendwas haben die doch zu verstecken, oder? Die Mädels werdens bestimmt rauskriegen!
Ein merkwürdiger Anruf erreicht die drei ???: Eine Frau scheint sich in großen Schwierigkeiten zu befinden. Doch bevor die Detektive Näheres erfahren, unterbricht eine seltsame Stimme das Gespräch: „Hände hoch, oder es knallt!“ Als Justus, Peter und Bob kurz darauf auch noch ein Gemälde der jüngst verstorbenen und bekannten Künstlerin Caroline di Santo erben, ist ihre Verwirrung komplett. Was steckt hinter den geheimnisvollen Ereignissen? Eine spannende Suche beginnt … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Oooook, den Anruf vom Klappentext würde ich jetzt spontan nicht mit dem geerbten Gemälde in Verbindung verbinden, sodass eine Verwirrung komplett wäre. Außer, es ist die Malerin, die angerufen hatte … oder die Besitzerin (sofern es nicht die gleiche Person ist), die kurz nach oder während des Anrufs verstorben ist.
Detektivparodie, Verschwörungsfantasie und metaphysische Komödie
Gott ist tot, und seine Frau Eartha ist sauer. Gott hat nämlich vor seinem Ableben die Erde seinem Sohn Colin vererbt, obwohl er sie ihr geschenkt hatte. Damit nicht genug, trachten nun Dämonen im Auftrag eines „Ministeriums für glückliche Zufälle“ (lies: Hölle) nach der Herrschaft über eben jene nichts ahnende Erde.
Moment, ein wenig Ahnung gibt es hinieden doch: ein Dieb und ein Privatschnüffler kommen der übelriechenden Sache aus ganz unterschiedlichen Richtungen auf die Spur. Doch nach dem zu urteilen, wie sie sich anstellen, ist das Schicksal Terras mehr als ungewiss…
„Warten auf Oho“ bezieht sich im Titel – sowohl des Originals wie auch in der Übersetzung – auf Samuel Becketts Theaterstück „Warten auf Godot“. Allerdings ist Rankins Roman wesentlich lustiger, unterhaltsamer und wortreicher. Robert Rankin – Warten auf Oho (Hörbuch) weiterlesen →
USA, 1890: Der Anwalt Jenner Brading ist einigermaßen überrascht, dass Irene Marlowe, die ihn zweifellos liebt, seine Heiratsanträge vehement ablehnt. Indes hat die begehrenswerte junge Frau mit den faszinierenden blauen Augen mehr als einen guten Grund, unverheiratet zu bleiben, wie sie ihm eines Abends in der freien Natur offenbart… (Verlagsinfo) Ambrose Bierce – Das Auge des Panthers (Gruselkabinett Folge 157) weiterlesen →
TKKG sind im Fußballfieber! Doch kurz nach dem Anpfiff des brisanten Spiels zwischen SC Südstadt und Lokomotive Nordstadt fallen drei Schlüsselspieler der Südstädter und ihr Trainer mit Magenkrämpfen und Erbrechen aus. Als dann noch ihr Trainingsplatz spontan gesperrt wird und auf dem Bolzplatz des Internats akute Verletzungsgefahr herrscht, sind sich die Junior-Detektive einig: Hier hat jemand ganz böse die Finger im Spiel! Doch wer möchte der Mannschaft schaden und wieso? (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Tja, was kann ich noch sagen? Der Klappentext hat ja schon die Fragen aufgebracht, die ich mir beim Lesen des Spoilers auch gestellt hab. Wie wichtig ist denn die Liga, in der die Mannschaften kicken, damit jemand manipuliert? Vor allem … es spielt ja auch „nur“ die E-Jugend!
Im Jahr 3587 stehen die Menschen und die anderen Bewohner der Milchstraße im Zentrum kosmischer Ereignisse. Weltraumbeben erschüttern die besiedelten Sonnensysteme der Galaxis, und eine sogenannte Materiequelle wird manipuliert – das wird in naher Zukunft zum Untergang mehrerer Sterneninseln führen.Um das zu verhindern, sind Perry Rhodan, sein Raumschiff BASIS und dessen Besatzung in der fernen Galaxis Erranternohre unterwegs. Dort existiert die Materiequelle, und dort muss er einen Zugang zu den Kosmokraten erzwingen, die als einzige den drohenden Untergang abwenden können. Dafür muss Rhodan das mysteriöse Auge in seinen Besitz bringen – ein uraltes Werkzeug, das von den Loowern geraubt wurde.Auch in der heimatlichen Galaxis wächst die Gefahr. Mit ihrer Raumflotte haben die Orbiter das Sonnensystem besetzt – sie sehen in den Menschen gefährliche Feinde aus ihrer Vergangenheit, gegen die sie vorgehen müssen. Die Terraner scheinen auf verlorenem Posten zu stehen .. (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Los gehts mit Gucky, der auf Guckys Inn unfreiwillig Bekanntschaft mit einer neuen Rasse macht, die wir noch nicht kannten. Immerhin halten die Valugi sich ganze vier Heftromane im Perryversum auf, andere Völker waren da schon früher abgefertigt.
In seinem neuesten Abenteuer hat es den kleinen Drachen Kokosnuss und seine Freunde Oskar und Matilda ins ferne Rom verschlagen. Oskar träumt schon sein halbes Leben davon, einen echten Gladiatoren-Kampf zu sehen. Matilda weiß wirklich nicht, was seine beiden Drachenfreunde am Kämpfen so schön finden, wahrscheinlich ist das reine Jungssache. Doch dann lässt sie sich überreden, mit auf eine Laserphaser-Reise zu gehen und so landen sie tatsächlich im alten Rom. Dort treffen sie einen Sklaven, der auf der Flucht ist. Als dieser den Freunden gerade seine Geschichte erzählt, werden sie urplötzlich von den Häschern des Kaisers gefangen genommen und finden sich schließlich in der Gladiatoren-Schule wieder.
In der Burg wütet der fürchterliche Zauberer DomDaniel, der den Turm der Zauberer erobert hat und eine Herrschaft des Schreckens errichtet. Der Einzige, der ihn aufhalten könnte, ist Septimus Heap. Denn er verfügt als siebter Sohn eines siebten Sohns (wie sein Name schon sagt) über große magische Kräfte. Aber wo steckt Septimus? Ist er tatsächlich bei seiner Geburt gestorben, wie die Hebamme behauptet, oder wurde er sogar entführt? Und warum lässt DomDaniel ohne Unterlass nach der Tochter der ermordeten Königin fahnden?
Das magische Abenteuer wird vom Verlag ab elf Jahren empfohlen.
Rache ist süß. Ob Sekretärin, Putzfrau oder Hausfrau, wenn sie zu sehr gedemütigt werden und ihnen der Kragen platzt, dann zahlen sie es ihren Chefs, ihren Herrschaften, ihren Pantoffelhelden heim. (Verlagsinfo)
Die Buchvorlage erschien im Jahr 2000 im Diogenes-Verlag.
Die Neuinszenierung des antiken Dramas um die Kindsmörderin Medea geriet zum Triumph für den Autor und Regisseur Rick Torkano und seine Frau, die Schauspiellegende Diana Torkano. Doch hinter der Fassade des erfolgreichen Paares lauerte der Abgrund – denn die Killerpuppen erwachten zum Leben und suchten sich ihre Opfer! (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des GESPENSTER-KRIMI-Heftromans mit der Nummer 172 gemacht, der erstmalig am 28. Dezember 1976 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war. Das Titelbild des Hörspielcovers ist dabei eine Neuinterpretation der Thematik und erinnert an einen Bühnenauftritt der Band KRAFTWERK aus den 1980ern.
Spannend & erotisch: Das Geheimnis des weißen Hauses
Ein junger Arzt, der sich gerade in einem Vorort Londons niedergelassen hat, wird auf seinem Nachhauseritt auf ein gerade bezogenes, einsam gelegenes Landhaus aufmerksam. Es lässt ihn die Frage nicht mehr los, weshalb die neuen Besitzer sämtliche Fensterscheiben von innen weiß gestrichen haben … (Verlagsinfo)
Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 14 Jahren.
Die Autorin
Mary Fortune (1833-1909) hatte ein überaus interessantes Leben. Geboren 1833 in Belfast, Nordirland, wanderte sie mit ihrem Vater nach Kanada aus und heiratete dort 1851 Joseph Fortune, mit den sie einen Sohn hatte. Doch statt bei ihm zu bleiben, folgte sie ihrem Vater bei dessen Auswanderung nach Australien. Dort traf sie am 3.10.1855 ein und bekam im November 1856 einen zweiten Sohn. Im Januar 1858 starb der ältere Sohn, und im Oktober heiratete sie Percy Rollo Brett (möglicherweise bigamistisch).
„Die Rache des Kreuzfahrers“ ist ein temporeicher historischer Roman, dessen abenteuerliche Handlung im 11. Jahrhundert in der Zeit der ersten Kreuzzüge spielt. Action, Drama, Lovestory und jede Menge derber Humor sind die Hauptzutaten dieses „pageturners“. Mich hat erstaunt, wie untypisch dieses Buch für Patterson ist.
_Die Autoren_
James Patterson, geboren 1949, ehemaliger Besitzer einer Werbeagentur, ist der Autor von fünfzehn Nummer-1-Bestsellern (inklusive diesem Buch). Allerdings sind es vor allem seine Alex-Cross-Thriller, die den Leser berühren. Folglich war Alex Cross bereits zweimal im Film zu sehen: „Im Netz der Spinne“ und „… denn zum Küssen sind sie da“ wurden beide erfolgreich mit Morgan Freeman in der Hauptrolle verfilmt. Für Einsteiger sei gesagt, dass Alex Cross ein sympathischer schwarzer Polizeipsychologe ist, der mit seiner Familie in Washington, D.C., lebt.
Patterson ist extrem fleißig. Sein letzter Solo-Roman hieß „The Lake House“, doch inzwischen wurde auch „Sam’s Letter to Jennifer“ veröffentlicht, das ähnlich aufgebaut ist wie der |tearjerker| „Tagebuch für Nicholas“. Mittlerweile erschienen neue Alex-Cross-Romane mit den Titeln „The Big Bad Wolf“ und „London Bridges“. Im Januar und Februar 2005 sind zwei weitere Patterson-Romane erschienen, darunter „Lifeguard“. Nähere Infos finden sich unter www.twbookmark.com und www.jamespatterson.com. Patterson lebt mit seiner Familie in Florida.
Andrew Gross war Pattersons Ko-Autor an „Die 2. Chance“ (Limes-Verlag) und lebt in New York City.
_Der Sprecher_
Tobias Meister, geboren 1957 in Köln, steht seit seinem fünften Lebensjahr auf der Bühne. Er ist Schauspieler und Synchronregisseur. Als Synchronsprecher leiht er Brad Pitt, Kiefer Sutherland, Tim Robbins, Sean Penn und anderen seine Stimme.
_Handlung_
Frankreich Ende des 11. Jahrhunderts: Das Zeitalter der Kreuzzüge beginnt, zu denen Papst Urban aufgerufen hat, um das Heilige Land von den „Ungläubigen“ zu befreien.
In einem kleinen Provinzdörfchen hat sich der junge Hugh de Luc mit seiner Frau Sophie als Gastwirt zur Ruhe gesetzt – zuvor hatte er ein unruhiges Leben als umherziehender Gaukler „genossen“. Bis er sich in Sophie verliebte. Das Einzige, was den beiden zum vollkommenen Glück fehlt, ist ein Kind – und Freiheit von ihrem Oberherrn, dem Herzog Baudouin von Treille.
|Ins Heilige Land|
Seine Sehnsucht nach ungebundenem Leben in Freiheit wird Hugh zum Verhängnis: Er zieht mit einer zusammengewürfelten Soldatentruppe Richtung Palästina, um Ruhm und Beute zu erlangen. Sophie bleibt hoffend zurück, doch beim Abschied gibt sie Hugh eine Hälfte eines schönen Kammes mit, der ein Erbstück ist: ein Symbol der Treue, ein Versprechen auf ein Wiedersehen.
Die Katastrophe, in die sich Hugh begibt, hätte er sich nicht vorstellen können. Sterben die Männer nicht auf dem Fußmarsch durch die Gebirge des Balkans und Kleinasiens, dann an den Strapazen bei der Belagerung der wichtigsten moslemischen Festung vor Jerusalem, Antiochia im heutigen Syrien. Die Verteidiger dezimieren die christlichen Reihen von zusammengewürfelten, undisziplinierten Haufen, die nicht mal Sold bekommen.
Nachdem Antiochia durch Verrat gefallen ist, plündern die Christen die Stadt, metzeln die Bevölkerung, moslemische wie auch christliche Einwohner, nieder, und stecken anschließend die Häuser an. In einer winzigen Kirche, die demnächst geplündert wird, hat Hugh sein Damaskus-Erlebnis. Hatte er schon zuvor nicht an einen Christen-Gott geglaubt, so verliert er nun auch den Glauben an Vernunft, Vorsehung, Liebe und andere Werte. Ein Moslem verschont sein Leben, nachdem Hugh ob dieses Irrwitzes in Lachen ausgebrochen ist. Der Moslem verliert sein Leben beim Angriff fränkischer Fanatiker, der Tafur. Sie tragen das Zeichen des Kreuzes eingebrannt am Hals. Da vergeht Hugh das Lachen und er macht sich aus dem Staub – nicht ohne ein goldenes Kreuz aus der Kirche mitzunehmen.
|Wieder in der Heimat|
Ein halbes Jahr später, zwei Jahre nach seinem Abschied, ist Hugh wieder in seinem Heimatdorf angelangt. Seine Vorfreude auf ein Wiedersehen verwandelt sich in Schrecken, als er sieht, dass sein Gasthof bis auf die Grundmauern niedergebrannt wurde. Sophie ist verschwunden. Sein kleiner Sohn Philippe, von dem er nichts geahnt hatte, liegt begraben auf einem Feld. Dort vergräbt der verzweifelte Hugh auch sein Kreuz.
Wer hat dieses Unglück über sein Dorf gebracht? Es seien Ritter ohne Erkennungszeichen gewesen, heißt es von den versprengten Dörflern. Nun, Hugh kann sich’s denken: Baudouin von Treille muss dahinter stecken, oder? Er hofft, dass die entführte Sophie noch am Leben ist, und wandert durch die Wildnis Richtung Treille. Nach einem Angriff durch einen Eber wird der verwundete Hugh von einem edlen Fräulein namens Emilie in die Burg des Herzogs von Borée gebracht und gesund gepflegt.
Da Emilie durch Hughs Erzählungen zutiefst ergriffen ist (ohne es zu zeigen), will sie ihm helfen, Sophie zurückzugewinnen, sofern sie noch lebt. Dazu aber muss sich Hugh eines Vorwandes bedienen, und welche Verkleidung wäre für einen früheren Gaukler besser geeignet als die eines Hofnarren? Hugh macht sich auf den Weg in die Höhle des Löwen …
Unterdessen suchen Ritter vom Schwarzen Kreuz nächtens Dörfer und Weiler des Herzogtums von Treille heim. Sie sind hinter einer ganz bestimmten Reliquie her, die von Rittern und Händlern aus dem Heiligen Land mitgenommen oder erworben wurde. Was sie am dringendsten haben wollen, ist eine Reliquie von der Kreuzigung Jesu. Und die könnte sich in Hughs Besitz befinden, ohne dass er es ahnt …
_Mein Eindruck_
Ich habe dieses actionreiche und humorvolle Hörbuch in wenigen Tagen verschlungen. Ich fühlte mich hervorragend unterhalten, denn der Roman ist vieles zugleich. Was zunächst nach einem mittelalterlichen Kriegsabenteuer aussieht, verwandelt sich in Hughs Heimat in einen ungewöhnlichen Kriminalthriller, denn es geht darum, zwei Rätsel zu lösen: Wer sind die Ritter vom Schwarzen Kreuz, und in wessen Auftrag handeln sie? Und was wollen sie, das Hugh angeblich in seinem Besitz hat?
|Action, endlich!|
Sind diese Rätsel gelöst, wandelt sich der Roman erneut: zu einem romantischen Actiondrama, das einerseits in einem Bauernaufstand gipfelt und zum anderen in der Erfüllung von Lady Emilies Liebe zu Hugh de Luc. Und auch sie hat ein pikantes Geheimnis zu lüften! Die Action besteht in einem Dreisprung: Zuerst ist Baudouin zu überwältigen, dann der Anführer der Ritter vom Schwarzen Kreuz und zu guter Letzt dessen Auftraggeber.
So gelingt es also den beiden Autoren scheinbar mühelos, aber mit etlichen Tricks und Kniffen, den Hörer bis zur letzten Minute des Finales prächtig zu unterhalten. Kaum ist ein Rätsel gelöst, taucht schon das nächste Geheimnis dahinter auf. Oder eine Aufgabe, die Hugh zu bewältigen hat. Oder Lady Emilie bringt Hugh in Schwierigkeiten…
|Der spezielle Humor des Mittelalters|
Nur ein Narr würde nicht bei so vielen Sorgen durchdrehen und andere die Drecksarbeit machen lassen. Zum Glück ist Hugh eben dieser Narr! Ohne seinen bissigen und mitunter recht derben Humor würde er wohl kaum so viele Herausforderungen bewältigen. Und in der mittelalterlichen Gesellschaft bewährt sich sein eingeübter Wortwitz ausgezeichnet. Zu diesem Witz gehören eine ganze Menge Wortspiele.
Ich war skeptisch, ob die offenherzig geschilderten erotischen Szenen so stehen gelassen würden, aber in der deutschen Ausgabe wurde offenbar nichts davon der Zensur geopfert – bravo! Die mittelalterlichen Leute hatten offensichtlich ein viel unverkrampfteres Verhältnis zu körperlichen Angelegenheiten als wir heute.
|Toujours l’amour!|
Die einzige erlösende Kraft auf Erden scheint Hugh die Liebe zu sein, zuerst jene von Sophie, dann jene der Lady Emilie. Für die beiden Frauen verkämpft er sich denn auch bis zum letzten Atemzug und nimmt die größten Risiken auf sich. Als Hugh also Frau und Kind verliert, kündigt er den Lehnseid auf, der ihn als Untertan an seinen Lehnsherrn bindet, den Ritter, der sein Land besitzt und von ihm Dienste fordern kann, beispielsweise im Krieg.
|Rebellion|
Die Aufkündigung dieses seit Jahrtausenden bindenden Verhältnisses ist ein revolutionärer Akt. Seine Mitmenschen können kaum fassen, was Hugh tut. Erst nach langen Verhandlungen und intensiver Überzeugungsarbeit schließen sie sich ihm an. Der einzige Grund: Sie haben selbst nichts mehr zu verlieren außer ihrem Leben. Und das können sie genauso gut für ihre Befreiung einsetzen, oder? Außerdem hat Hugh ja eine gewisse Reliquie, die ihn zu etwas Besonderem macht.
Der nun folgende Bauernaufstand – den die Geschichtsbücher sicher nicht der Erwähnung wert halten – erinnert uns natürlich stark an den Unabhängigkeitskampf der „amerikanischen“ Siedler in den Kolonien Neu-Englands. Diese so genannten „Amerikaner“ waren ja meist ebenfalls nur eingewanderte Engländer, Schotten, Waliser oder Iren. Und viele, viele so genannte „Deutsche“ – meistens Hessen. Wie die „Amerikaner“ erhoben sie sich gegen ihre Landesfürsten. Denn das waren die britischen Lords und Ladies ja letzten Endes, wie man beispielsweise in dem Emmerich-Film „Der Patriot“ mehrmals gesagt bekommt.
|Die Übersetzung|
Axel Merz hat sich in der mittelalterlichen Kultur kundig gemacht, wie an zahlreichen Stellen zu bemerken ist. Zu dieser Kultur gehören nicht nur das Essen oder die feineren Vergnügungen der Edlen, sondern auch die Kriegskunst und die damit verbundenen Gerätschaften.
Übrigens: Kostprobe des hier zu findenden Humors gefällig? „Zwei brave Männer stehen abends nach der Kneipe auf einer Brücke und pissen in den Fluss. Jeder brüstet sich damit, er habe den größeren. Sagt der eine: ‚Das Wasser ist aber ganz schön kalt.‘ Meint der andere trocken: ‚Ja, und ganz schön tief.'“
Zweite Kostprobe, ein Witz aus dem „wilden Languedoc“: Was ist unten drunter haarig, steht hoch aufgerichtet in seinem Bett, besitzt eine rötliche Haut und bringt garantiert jede Nonne zum Weinen? Eine Zwiebel.
_Der Sprecher_
Tobias Meister trägt mit seiner tiefen Stimme die Geschichte mit der erforderlichen Autorität vor. Denn sonst würden die schrecklichen Szenen des Krieges, die romantischen ebenso wie die komischen Szenen nicht angemessen wirken: Das Problem mit sehr emotionalen Szenen liegt darin, dass man sie völlig ernst darstellen muss, sonst wirken sie lächerlich oder übertrieben.
Meister „meistert“ diese Schwierigkeit ohne Mühe. Unzählige Male ruft die Hauptfigur Hugo de Luc ihren Gott an, mit gutem Grund – und dann hebt sich auch Meisters Stimme um einige Intervalle. Andererseits bricht er auch nicht in Lachen aus, wenn Hugo einen Witz erzählt. Er bevormundet den Hörer nicht.
Einen weiteren Pluspunkt sammelt der Sprecher durch seine perfekte Beherrschung des Französischen. Sämtliche Namen, die in Hugos Heimat auftauchen, spricht er korrekt aus. Das gilt aber nicht immer für andere Namen: Nicaea in Kleinasien spricht man eben nicht mit a-e-a aus, sondern wie Nizäa. (Dieser Ort ging im 4. Jahrhundert in die Geschichte des Christentums ein, als die Bischöfe einige abweichende Lehren wie die der Arianer und der Gnostiker als Ketzereien verwarfen und deren Anhänger fortan verfolgen ließen.)
_Unterm Strich_
Selten habe ich ein derart temporeiches Hörbuch gehört, das mich von Anfang gepackt hat und hielt. Und dabei ist es im Grunde ein historischer Roman, sollte man meinen. In Wahrheit ist es aber eine Kombination aus Action, Kriegsdrama, Liebes-Story und ganz viel Humor, wenn auch von der derberen Sorte. In das Buch flossen zahlreiche Infos der Wissenschaft ein. Diese Quellen listet in der Buchfassung ein zwei Seiten langes Quellenverzeichnis auf. Sogar ein deutscher Autor ist darunter.
Wer also ein paar Stunden mit humorvoller und spannender „kurtzweyl“ verbringen will, der greife zu diesem historischen Thriller.
Tobias Meister ist ein kompetenter Sprecher, der sich in seinem Vortrag zurückhält, aber dennoch den Schmerz und den Schrecken der Szenen – etwa auf dem Kreuzzug – zu vermitteln versteht. Bei komischen Szenen überlässt er dem Zuhörer das Lachen. Auch seine Beherrschung des Französischen ist perfekt. Insgesamt überzeugt mich die Qualität des Hörbuchs, doch der Preis ist mit 29,90 Euro ganz schön hoch. Deshalb wird so mancher Interessent auf das Taschenbuch warten wollen.
|407 Minuten auf 6 CDs
Originaltitel: The Jester, 2003
Aus dem US-Englischen übersetzt von Axel Merz|
_James Patterson auf |Buchwurm.info|:_
[„Das Pandora-Projekt“ 3905 (Maximum Ride 1)
[„Der Zerberus-Faktor“ 4026 (Maximum Ride 2)
[„Das Ikarus-Gen“ 2389
[„Honeymoon“ 3919
[„Ave Maria“ 2398
[„Wer hat Angst vorm Schattenmann“ 1683
[„Mauer des Schweigens“ 1394
[„Stunde der Rache“ 1392
[„Wenn er fällt, dann stirbt er“ 1391
[„Wer sich umdreht oder lacht“ 1390
[„Die Rache des Kreuzfahrers“ 1149
[„Vor aller Augen“ 1087
[„Tagebuch für Nikolas“ 854
[„Sonne, Mord und Sterne“ 537
[„Rosenrot Mausetot“ 429
[„Die Wiege des Bösen“ 47
[„Der 1. Mord“ 1361
[„Die 2. Chance“ 1362
[„Der 3. Grad“ 1370
[„4th of July“ 1565
[„Die 5. Plage“ 3915
Ein wirklich außergewöhnliches Fußballturnier fndet auf dem Marktplatz in Rocky Beach statt. Fußball-Roboter spielen im KO-System gegeneinander. Aber gleich zu Beginn des Turniers passieren mysteriöse Dinge. Im Finale müssen die drei ??? Kids gegen einen Roboter antreten, der alle Tricks draufhat … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Die 75 ist für manche eine Jubiläumszahl. Für den Buchvorlagen-Verlag offenbar auch, denn der spendierte den Lesern (ganz ohne Aufpreis!) des Romans ein ganz besonderes Titelbild … mit zwei Wackel-Cover, je nachdem, wie man das Buch hält. So was gibts für die Hörspielfreunde leider nicht. Ein paar Aufkleber oder so wären aber schon cool gewesen.
In Twin Oaks veranstaltet ein junger mann sogenannten „unblutige Stierläufe“. Die Fünf Freunde sehen jedoch, dass das Tier trotzdem leidet und wollen die Veranstaltung am liebsten unterbinden. Da kommt ihnen der Verdacht, der Stier könnte gestohlen sein, gerade recht. Doch bei ihren beharrlichen Ermittlungen geraten sie am Ende selbst in Gefahr. In diesem Abenteuer müssen die Fünf Freunde wieder einmal Ausdauer, Scharfsinn und eine große Portion Mut beweisen. (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Als ich in der Vorschau den Titel gesehen hatte, kochte es schon in mir hoch. Stierkämpfe gehen gar nicht. Tierquälerei mit fadenscheinigen Rechtfertigungen. Tradition rechtfertigt kein Leid, ganz einfach.
Diese Geschichte erzählt nicht nur von der seltsamen „Hassfreundschaft“ zwischen einem alten Nazi und einem jungen Amerikaner. Sie beschreibt, wie sich der Geist des Rassenwahns und der Unmenschlichkeit aufgrund der Faszination, die er auf unvorbereitete Menschen ausübt, fortpflanzen kann. Der Autor warnt davor, wozu die entsprechende Indoktrination führt: Zuerst müssen die Hilf- und Wehrlosen dran glauben – und dann?
_Der Autor_
Stephen King, geboren 1947 in Portland/Maine, begann schon in jungen Jahren mit dem Schreiben. Inzwischen ist sein Name gleichbedeutend mit guter, wirkungsvoller Horrorliteratur. Fast jedes seiner Bücher ist verfilmt worden, angefangen bei „Carrie“ bis hin zu „Der Sturm des Jahrhunderts“ und „Dreamcatcher/Duddits“. Die Novelle „Der Musterschüler“ {– die ebenfalls verfilmt wurde, und das als recht eindrucksvolles Kammerspiel mit einigen inhaltlichen Abwandlungen, Anm. d. Lektors –} wird hier ungekürzt gelesen.
_Die Sprecher_
Oliver Rohrbeck ist als Theaterschauspieler und Synchronsprecher bekannt geworden. Er machte sich v.a. in der Hörspielreihe „Die drei ???“ einen Namen. Er leiht dem Musterschüler Todd Bowden seine Stimme.
Till Schult, ein erfolgreicher Schauspieler und Sprecher, interpretiert hintergründig und flexibel den Lagerkommandanten Kurt Dussander: Man brüllt er demütigend, mal flüstert er einschmeichelnd. Er ist der ideale Gegenspieler, der den Hörer in seinen Bann zieht. Seine Stimme ist weitaus tiefer als die für „Todd Bowden“.
_Handlung_
Das Böse übt auf Todd Bowden eine gewisse unheilvolle Faszination aus. Der nette, aufgeweckte Junge von 13 Jahren sucht den Kontakt zu einem ehemaligen Lagerkommandanten der Nationalsozialisten, den er nach dem Durchstöbern von Zeitungsberichten zufällig auf der Straße erkennt. Er erpresst den alten Mann: Wenn er ihm nicht zu Willen sei, werde er ihn an die Nazijäger aus Israel und Wien verraten. Der Alte muss zähneknirschend einwilligen, doch er wartet auf seine Chance.
Von Kurt Dussander alias Arthur Denker lässt sich Todd die Verbrechen im Konzentrationslager des ehemaligen Kommandanten haargenau schildern. Er bekommt davon Alpträume, die auch erotischer Natur sind. Seine Schulzensuren gehen in den Keller. Immer mehr gerät er in den Strudel der Sucht nach Macht und in die Gedankenwelt des Dritten Reiches. Bis er selbst zu morden beginnt.
Inzwischen hat Dussander eine Handhabe gegen Todd gefunden. Er werde ihn nach seinem Tod verraten, weil er der Polizei nichts von dem gesuchten Kriegsverbrecher Kurt Dussander erzählt habe, wie es Todds Pflicht gewesen wäre. Und Dussander geht noch weiter: Er rettet Todds Zensuren durch strenge Anleitung zum Lernen und durch ein Gespräch mit dem zuständigen Rektor, Ed French. Hier tritt Dussander sogar als Todds Großvater auf.
Die Jahre vergehen. Todds Bekanntschaft mit Dussander begann im Jahr 1974. Mehrere Jahre später hat er nun einen guten Schulabschluss hingelegt und soll in die Footballmannschaft von Santo Donato, seinem Heimatort, aufgenommen werden, eine besondere Ehre. Doch sein Foto in der Zeitung bringt gewisse Leute auf seine Fährte.
Denn was soll man von der anhaltende Mordserie an Pennern und Landstreichern in der Gegend um Santo Donato halten? Als Dussander einen Herzinfarkt erleidet, bricht das unsichtbare Geflecht aus Erpressung und Schutz, das Todd und Dussander aneinander band, zusammen. Todd, der eine glänzende Karriere nach einem Collegeabschluss vor sich gesehen hatte, sieht seine Zukunft gefährdet. Als auch noch Polizei, Nazijäger und Ed French bei ihm auftauchen, brennen bei ihm die Sicherungen durch.
_Mein Eindruck_
Mit 511 Minuten Länge ist diese Erzählung schon keine Story mehr, sondern ein ausgewachsener Roman. Dafür spricht auch, dass hier nicht nur die Perspektive von einer oder zwei Figuren im Mittelpunkt steht, sondern auch Nebenfiguren wie Todds Eltern oder Ed French mit langen Szenen bedacht werden. Das kommt in Kurzgeschichten recht selten vor und ist eher das Vorrecht eines Romans.
Gespannt verfolgt der Zuhörer, wie sich die beiden Hauptfiguren kennen lernen, sich eine psychische Bindung entwickelt und wie sie sich schließlich gegenseitig erpressen: ein klassischer „double-bind“, der eine stabile kriminelle Partnerschaft gewährleistet. Doch als eine der beiden Seiten (Dussander) geschwächt wird und ausfällt, beginnt das auf dieser Konstruktion errichtete Leben von Todd Bowden auseinander zu fallen.
Es ist dies das Leben eines Serienkillers. Todd hat seine Opfer, die Landstreicher und Obdachlosen, das Äquivalent zum „lebensunwerten Leben“ der Nazis, systematisch umgebracht, um ein Ventil für seine Gewaltfantasien und seinen Hass auf den alten Lagerkommandanten zu finden. Dass der alte Knacker schlauer und skrupelloser ist als er, der amerikanische, wohlausgebildete Junge, wurmt Todd ganz besonders.
Obwohl er sich selbst für clever genug hält, um die am Ende bei ihm aufkreuzende Polizei zu überlisten, macht er doch kleine Fehler, die den Polizisten stutzig machen. Sein Selbstbewusstsein, das ihm erlaubt, Hilflose abzustechen, ist zu übersteigert, um ihn daran zu hindern, vorsichtig zu sein. Seine Überheblichkeit, die er wie ein echter Nationalsozialist oder Lagerkommandant entwickelt und kultiviert hatte, wird ihm doch noch zum Verhängnis.
Denn Todd ist ein Nazi geworden. Nicht dem Namen nach natürlich, aber im Geiste. Und das bedeutet, dass die Ideologie der Nazis, ihr Rassenwahn und ihre Überheblichkeit, prinzipiell überall in den Vereinigten Staaten Wurzeln schlagen können. Sie haben dies in der Tat bereits getan: Die meisten „arischen“ Publikationen im Internet stammen laut Dokumentationen aus den USA. In Oregon und Idaho existieren rechtsgerichtete Gruppierungen und sogar bewaffnete Milizen, die vom FBI (angeblich) scharf beobachtet werden. (Der Roman „Ausgeliefert“ von Lee Child beschreibt ein solches Milizenlager ausführlich als Schauplatz der actionreichen Handlung.)
_Die Sprecher_
Till Schulte spricht die Szenen, in denen die Perspektive des Alten, Kurt Dussanders, bestimmend ist. Es kommen also auch andere Figuren zu Wort, besonders Todd. Seine tiefe Stimme ist beeindruckend, fein moduliert und der jeweiligen Figur angemessen. Das, was er ruhigen Tones schildert, lässt einem manchmal die Haare zu Berge stehen.
Oliver Rohrbeck, der die Perspektive Todds spricht, ist ein ganz anderes Kaliber. Nicht nur ist seine Stimme angemessen höher, aber es fehlt ihm auch hörbar an Erfahrung (oder ausreichend Übung), um jeden Satz optimal zu betonen. Außerdem hat er Mühe, französische und spanische Wörter korrekt auszusprechen (aber das ist bei vielen Sprechern so, selbst noch bei englischen Wörtern).
_Unterm Strich_
„Der Musterschüler“ ist ein Hörbuch für die Geduldigen. Wie eingangs gesagt, beinhaltet die romanartige Erzählung eine Warnung des Autors an den Leser/Hörer, gewissen Ereignisse der jüngsten Geschichte nicht zu vergessen. Sonst werden sie unweigerlich wiederholt.
Die Qualität der Sprecher erscheint mir höchst unterschiedlich. Während Till Schulte eine erfahrener Profi ist, so muss Oliver Rohrbeck noch hart an seinem zweifellos vorhandenen Können arbeiten, um die gleiche Meisterschaft zu erlangen.
Hinweis: Die Beschreibungen von gewalttätigen und sexuellen Szenen machen die King-Hörbücher „Der Musterschüler“ und „Die Verurteilten“ {ebenfalls herausragend gut verfilmt – Anm. d. Lektors} in diesem Doppelpack „Frühling und Sommer“ nicht für Jugendliche unter 16 Jahren geeignet.
_Vesuvausbruch: die Riesenfaust des Höllenfürsten_
Im Sommer des Jahres 79 n. Chr. kommen wie eh und je die Reichen und Schönen aus Rom in ihre Villen am Meer, um Urlaub zu machen. Attilius, ein neu eingesetzter Wasserbaumeister, ist jedoch wegen der Arbeit hier. Er ersetzt in Misenum, Pompeji und Herculaneum den kürzlich spurlos verschwundenen Vorgänger Exomnius. Diese und andere Unstimmigkeiten an der lebenswichtigen Wasserleitung Aqua Augusta scheinen kriminellen Ursprungs zu sein.
Als der Vesuv ausbricht, der den Anwohnern jahrhundertelang so friedlich erschien, dass sie seine Existenz kaum noch wahrnahmen, muss Attilius um seine neue Freundin Corelia bangen, die von ihrem korrupten Vater Ampliatus eingesperrt wurde. Kann er sie rechtzeitig erreichen und aus der Apokalypse, die sich nun entfaltet, retten?
Inzwischen hat der |Hörverlag| aus dem Bestseller von Robert Harris ein Hörspiel produziert, das sich durch mit den Produktionen der Rundfunkanstalten messen kann. In der Machart erinnert es zuweilen an [„Otherland“. 603
_Der Autor_
Robert Harris wurde 1957 im britischen Nottingham geboren. Nach seinem Geschichtsstudium in Cambridge war er als BBC-Reporter und politischer Redakteur des „Observer“ tätig. Die historischen Hintergründe seiner Romane recherchiert Harris als Historiker exakt. Trotzdem schreibt er keine Sachbücher: Er will die Leser gleichzeitig unterhalten und informieren, schreibt der Verlag.
Mit seinem Roman „Vaterland“ gelangte er 1992 in die internationalen Bestsellerlisten, danach folgten das ebenfalls verfilmte „Enigma“ sowie „Aurora“ (1998). Nach „Pompeji“ wurde bei uns sein antik-historischer Roman [„Imperium“ 2916 veröffentlicht. Harris ist heute ständiger Kolumnist der Tageszeitung „The Times“. Er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in einem alten Pfarrhaus in Kintbury bei London.
_Die Sprecher / Die Inszenierung_
Die Rollen und ihre Sprecher:
Erzähler: Peter Fricke
Attilius: Patrick Bach
Ampliatus: Christian Redl
Corelia: Céline Fontanges
Corax: Lutz Herkenrath
Plinius: Gerd Baltus
Torqzatus: Sebastian Faust
Tiro: Tammo Kaulbarsch
Und andere, darunter Helmut Zierl.
Als LEXIKON: Andreas Fröhlich
Peter Fricke (Erzähler), geboren 1940, stand auf fast allen bekannten Bühnen Deutschlands und spielte in mehr als 120 TV-Produktionen mit, natürlich auch in „Tatort“ und „Derrick“. Er lebt heute in München. Für den Hörverlag wirkte er bereits an vier Hörbuchproduktionen mit.
Patrick Bach (Attilius), geboren 1968 in Hamburg, trat bereits mit drei Jahren im Fernsehen auf. 1981 wurde er für die Weihnachtsserie „Silas“ entdeckt. Danach spielte er in drei weiteren Weihnachtsserien mit: „Jack Holborn“ „Anna“ und „Laura und Louis“. Für die „Herr der Ringe“-Trilogie von Peter Jackson lieh er seine Stimme Sean Astin als Samweis Gamdschie.
Hörspielbearbeiter und Regisseur Sven Stricker, Jahrgang 1970, studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften in Essen. Nach einem Volontariat bei einem Kinder- und Jugendbuchverlag kümmerte er sich drei Jahre lang um das dortige Hörspiel- und Liederprogramm. Seit 2001 lebt und arbeitet er als freier Regisseur und Bearbeiter in Hamburg. Seine Produktionen wurden u. a. mit dem Deutschen Hörbuchpreis und dem Publikumspreis („Hörspielkino unterm Sternenhimmel“ ausgezeichnet. Für den |Hörverlag| inszenierte er Mankell, Donna Leon sowie diverse Klassiker der Jugendliteratur (Crusoe, Schatzinsel usw.).
Die Musik steuerte Jan-Peter Pflug bei. Der einzigartige Gesang im römisch-antiken Stil stammt von Etta Scollo. Die technische Realisation lag in den Händen von Kay Poppe.
_Handlung_
Der Flottenstützpunkt Misenum, 22. August 79, noch zwei Tage bis zum Ausbruch des Vesuv. Bereits zwei Stunden vor Sonnenaufgang quält sich ein kleiner Arbeitertrupp die Hänge des Vulkans empor. Der neue Wasserbaumeister Attilius ist erst drei Tage im Amt, nachdem sein Vorgänger Exomnius spurlos verschwand. Daher nehmen ihn seine Arbeiter ob seiner Jugend – er ist erst 27 – nicht für voll und murren. Vor allem Corax, der Aufseher, scheint etwas gegen Attilius, den Römer, zu haben. Was genau das ist, wirst erst später klar, aber dann ziemlich eindeutig. Corax steht nicht nur in Diensten des römischen Staates.
|Die Lebensader Kampaniens|
Attilius hat die Aufgabe übernommen, die Aqua Augusta instand zu halten und mit diesem 60 Kilometer langen Aquädukt die gesamte Region Kampanien rings um den Vulkan mit Wasser zu versorgen. Es ist die längste Wasserleitung der Welt, eine architektonische Meisterleistung. Kein Wunder, dass sich durch die optimale Wasserversorgung zahlreiche Reiche in ihren Villen angesiedelt haben und ihre Gäste mit raffinierten Wasserspielen unterhalten. Nur das Erdbeben, das Pompeji vor 17 Jahren schwer beschädigt hat, erscheint auf ihrer inneren Landkarte als kleine Störung. Die Stadt hat sich nämlich inzwischen davon erholt.
Als Attilius mit seinen Arbeitern eine Grube ausgehoben hat, um eine neue Quelle anzulegen, ist er nicht wenig erstaunt, als das Wasser sofort wieder versiegt. Doch dies ist nur der Anfang vom Ende. Binnen weniger Stunden versiegt das Wasser der gesamten riesigen Wasserleitung: Acht Gemeinden sind abgeschnitten. Attilius hat so etwas noch nie erlebt und kann es sich nicht erklären. Ist die Wasserleitung gebrochen?
|Ampliatus und Corelia|
Zwei Frauen holen ihn aus dem Wasserreservoir der Stadt zur Villa Hortensia in Misenum. Sie wollen, dass er die Wasserqualität in den Fischzuchtbecken der Villa, die Ampliatus gehört, prüft. Das Wasser kommt aus dem noch vollen Reservoir, nicht aus der versiegten Aqua Augusta. Weil sich diese Qualität eventuell verändert hat, sind vor wenigen Stunden die empfindlichen, aber als Luxusspeise beliebten Meerbarben gestorben. Dafür macht Ampliatus aber nicht das Wasser, sondern den zuständigen Sklaven verantwortlich. Die junge Corelia, Ampliatus‘ Tochter, ist entsetzt über die Rohheit, mit der er den Sklaven gefräßigen Muränen vorgeworfen hat.
Der Sklave ist bereits tot, als Attilius eintrifft und dem Wasser einen hohen Schwefelanteil attestiert. Er kann sich den Grund dafür zwar nicht denken, empfiehlt Ampliatus aber, die Leitung sofort zu sperren. Er selbst werde die Brunnen der Stadt sperren lassen. Schließlich soll kein Bürger Wasser trinken, das nach faulen Eiern stinkt. Als er Ampliatus verlässt, geht ihm Corelia nicht aus dem Kopf. Sie sieht seiner fünf Jahre zuvor im Kindbett gestorbenen Frau Sabina sehr ähnlich.
|Plinius|
Der Naturforscher Gaius Plinius, ein unglaublich korpulenter, aber intelligenter und gebildeter Soldat, ist Befehlshaber der römischen Kriegsflotte, die in Misenum ihren Stützpunkt im westlichen Mittelmeer hat. Bei einem Experiment wundert er sich, dass die Flüssigkeit in einem Weinglas nicht zu zittern aufhört – Erdbeben? (Plinius wird später, während des Ausbruchs, eine zentrale Rolle in der Handlung spielen.)
Attilius muss ihm melden, dass er die Brunnen sperren und das Wasser der Flotte rationieren lässt. Inzwischen haben Boten ein Bild vom Ausmaß der Wasserkatastrophe geliefert: Acht von neun Gemeinden haben kein Wasser mehr. Warum aber hat ausgerechnet Pompeji noch Wasser? (Das hat Attilius von einem Augur erfahren, der von dort gerade in Misenum eingetroffen ist.)
Um dies herauszufinden, erbittet Attlius als Beamter des Kaisers von Plinius ein schnelles Schiff. Es wird ihm gewährt, und Attilius ist am selben Tag noch in der vor 17 Jahren von einem Erdbeben zerstörten Stadt. Er staunt, wie rasch hier der Wiederaufbau vorangegangen ist, so dass sogar das Forum, der Marktplatz, fast wieder fertig ist. Woher kam das Geld dafür? Und warum lässt die Stadt frisches Wasser ins Meer laufen – gibt es hier denn Wasser im Überfluss?
|Pompeji|
23. August, noch ein Tag bis zum Ausbruch. Um die Unterstützung der Stadtverwaltung bei der Untersuchung und eventuellen Reparatur der Wasserleitung zu erhalten, sucht Attilius die zwei zuständigen Magistrate auf. Er findet sie in der Villa eines alten Bekannten: Ampliatus. Die Stadtväter sind keineswegs geneigt, Attilius ihre Unterstützung zu gewähren, denn sie glauben seinen Theorien von drohendem Unheil nicht.
Es ist vielmehr Ampliatus, der ihm zwölf Arbeiter anbietet, gegen einen kleinen Gefallen, versteht sich. Attilius, der weiß, wie schnell aus einem Gefallen eine Schuld werden kann, ist jedoch ein wirklich ehrenwerter Mann, und weigert sich rundweg, irgendeine Gegenleistung zu gewähren – er hat das Recht, die zwölf Sklaven zu requirieren. Ampliatus ist nicht amüsiert. Gegen ehrenwerte Männer gibt es für ihn nur ein Mittel: einen Dolch in den Rücken.
Während Attilius allmählich gegen Ampliatus und seinen Vorgänger Exomnius einen schweren Verdacht hegt, begegnet ihm Corelia erneut, die heute noch besser aussieht. Kein Wunder, denn sie trägt nur eine leichte Tunika fürs Schwimmen. Selbst als er noch in der gleichen Nacht mit den Sklaven und einigen Ochsengespannen die Hänge des Vulkans erklimmt, geht sie ihm nicht aus dem Kopf.
Corelia ist wütend darüber, dass ihr Vater sie vor Attilius wegsperren will, schleicht sich in den Garten und belauscht den Mordauftrag, den ihr Vater erteilt. Sie stibitzt wichtige Dokumente und macht sich noch am Abend auf den Weg, Attilius zu warnen. Eine junge Frau, die ganz alleine auf einem Pferd durch die Wildnis am Fuße des Berges reitet – ein gefährliches Vorhaben. Doch sie hat ihr Schicksal an das des jungen Wasserbaumeisters geknüpft. Sie will keinen alten Knacker heiraten, der sie unter Verschluss hält, sondern wünscht sich eine Zukunft als freie Frau eines jungen, aufstrebenden Mannes.
Ihnen beiden bleiben nur noch wenige Stunden bis zum Ausbruch des Vesuv, der zwei volle Tage dauern wird. Werden sie der Apokalypse entgehen? Oder wird man sie fast 2000 Jahre später als versteinerte Mumien aus der Asche graben?
_Mein Eindruck_
Insgesamt ist „Pompeji“ eine rundum gelungene Kombination aus Krimi, historischem Drama und Katastrophenthriller. Harris hat saubere Arbeit geleistet.
|Der Krimi|
Ein Mann ist verschwunden, und zwar nicht bloß irgendein Mann, sondern der Wasserbaumeister der wichtigsten Wasserleitung für Kampanien. Sein eilig herbeigeholter Nachfolger Attilius muss sich daher nicht nur mit den Problemen des Alltags eines Wasserbaumeisters beschäftigen, sondern dringend dieses Verschwinden aufklären. Schließlich könnte er der Nächste sein. War es ein Verbrechen, so hat jemand Exomnius umgebracht oder entführt. War es ein Unfall, so könnte Attilius die gleiche Gefahr drohen. In beiden Fällen liegt es in seinem ureigensten Interesse, den Fall schnellstens aufzuklären.
Doch so etwas wie eine Wasserpolizei gibt es offenbar ebenso wenig wie eine normale städtische Polizei, die für Attilius ermitteln könnte. Er muss sich selbst darum kümmern und begibt sich in die verrufensten Viertel von Pompeji, dorthin, wo man bis heute die Graffiti für Gladiatoren und einschlägigen Werbesprüche für Bordelle und Huren finden kann.
Und tatsächlich wird er fündig: Doch in Exomnius Zimmer fehlt etwas, ein Kästchen mit Dokumenten. Es sind die Dokumente, die Corelia ihrem Vater stibitzt, um sie Attilius zu bringen. Dadurch stößt er auf ein lange Jahre praktiziertes Verbrechen, das Exomnius zu einem reichen Mann gemacht haben muss. Doch wo befindet sich sein beiseite geschafftes Vermögen? (Banken wurden erst im Mittelalter erfunden.)
Kaum hat Attilius diese Erkenntnisse erhalten, sieht er sich an den Hängen des Vulkans verfolgt. Es ist Ampliatus‘ Auftragskiller.
Obwohl der grundlegende Drama-Plot zwischen Attilius und Corelia recht einfach aufgebaut ist, trifft dies für den Krimiteil nicht zu. Attilus‘ Ermittlungen mögen vielleicht nicht so kompliziert und wendungsreich sein wie die in Romanen von Patricia Cornwell oder Michael Connelly, doch sie müssen mit Sachverstand und einem Gespür für Menschen geführt werden, um erfolgreich zu sein. Wenn es auch nicht Attilius ist, der Exomnius‘ Schatz findet, so deckt er doch das Verbrechen auf.
|Der Katastrophen-Thriller|
Andere Dokumente, die Corelia ihm bringt, beschäftigen sich mit Vulkanismus. Dazu zählen bekanntlich sehr viele Phänomene: Gase, Fumarolen, heiße Tümpel, Krater, Auswurf aller Art. Exomnius war Sizilier und kannte sich mit den Phänomenen an den Hängen des Ätna aus. Wusste er, worauf die verstärkte unterirdische Tätigkeit des Berges Vesuv hindeutete? Diese Fragen stellt sich Attilius selbst noch am Morgen direkt vor dem Ausbruch. Dann findet er die traurige Wahrheit heraus
Der Hörer fragt sich natürlich die ganze Zeit, warum erstens die Dokumente des Exomnius so wichtig sind, und zweitens, warum niemand sonst in Kampanien die Vorzeichen für den bevorstehenden Ausbruchs des Vulkans richtig zu deuten vermag. Offensichtlich verhält es sich so, dass der Vulkan Vesuv seit Jahrhunderten nicht mehr ausgebrochen und das Wissen über Vulkanologie verloren gegangen ist – außer in Gegenden wie Sizilien, wo Vulkanausbrüche praktisch an der Tagesordnung sind.
Wenn Plinius & Co. registrieren, wie der Wein im Glas zittert, so führen sie dies entweder auf Wind, Götter oder ein entferntes Erdbeben zurück. Da 17 Jahre zuvor Pompeji durch ein Beben verwüstet wurde, ist das eine naheliegende Erklärung. Der Naturforscher Plinius ist daher vom Ausbruch des Vesuv, als er erfolgt, nicht so sehr überrascht, dass er handlungsunfähig wäre. Vielmehr ist er als Flottenkommandeur in der Lage, Befehle zum koordinierten Einsatz von Kriegsschiffen zu geben, die den bald zu erwartenden Opfern Hilfe bringen sollen, so etwa zwecks Evakuierung.
Es ist ein erstaunlicher Effekt, wenn Plinius am Vulkan vorbeischippert und dabei seinem Sekretär diktiert, was er beobachtet: Sein geradezu klinischer Blick beschreibt eine aufsteigende Rauch- und Aschewolke, die wie die Faust eines Höllenfürsten ungeheuer hoch in den Himmel ragt. Bisher dachten Gelehrte, der von den Göttern bewohnte Himmel begönne ungefähr drei, andere meinten elf Kilometer (in Stadien gemessen) über der Erde. Aber diese ungeheure Wolke scheint diese Theorien zu widerlegen: Sie steigt 33 Kilometer weit auf. Plinius‘ detaillierte Beschreibung führt dazu, dass solche Vulkanausbrüche noch heute „plinianisch“ genannt werden.
Richtig bizarr wird es dann, als Plinius‘ Galeere von einem Regen von Bimsstein zuerst zugedeckt und dann gestoppt wird. Da die gesamte Wasseroberfläche von leicht schwimmendem Bimsstein meterhoch bedeckt ist, gibt es kein Vorwärtskommen mehr. Steine regnen tonnenweise und stundenlang aufs Schiffsdeck, unter dem Besatzung und Passagiere Zuflucht gesucht haben. Das Ende der Welt scheint nicht nur nahe zu sein – es ist bereits angebrochen.
Als Attilius von der Küste nach Pompeji marschiert, um Corelia zu suchen, wandert er durch eine finstere Alptraumlandschaft, die es mit jeder jemals ersonnenen Version der Hölle aufnehmen kann. Doch Pompejis Schicksal ist noch nicht besiegelt.
|Das historische Drama|
Ich bin vor etlichen Jahren einmal stundenlang durch die Ruinen von Pompeji gegangen: das gewaltige Forum mit den Säulen des zentralen Tempels, die kleinen Häuser der umliegenden Viertel, die mit bunten, kostbaren Wandfresken ausgemalten Villen (z. B. die „Villa der Mysterien“) – all dies beherbergte einstmals Menschen und viele andere Lebewesen. Die unter der heißen Asche zu Stein erstarrten „Mumien“ stammen nicht nur von Bürgern, sondern auch von Hunden und anderen Haustieren. Es sind tausende solcher „Mumien“ gefunden worden – und das nur in einer der neun Städte am Fuße des Vulkans.
Dem Autor gelingt es, ein vielschichtiges Bild des damaligen Daseins mit Leben zu füllen. Dies ist aber kein statischer Querschnitt, sondern verfügt über eine historische Tiefe. Viele Entwicklungen haben dazu geführt, dass Attilius diese Gegend so blühend vorfindet und vor allem in Pompeji auf einen Überfluss an Wasser stößt. Offenbar blüht hier nicht nur der Oleander, sondern auch das Verbrechen. Vielleicht eine frühe Form der neapolitanischen Camorra? Ampliatus ist der „Pate“ der Stadt, und zwar in mehr als nur einer Hinsicht.
Für die Reichtümer, die die Adeligen in ihren Villa angesammelt haben, steht stellvertretend die Villa Calpurnia des Senators Cascus. Als Plinius seine Schiffe ausschickt, weiß er um die kulturellen Schätze, die hier in Gefahr sind, vernichtet zu werden. Die Villa ist Aufenthaltsort zahlreicher Philosophen, und der Senator hat aus Griechenland sämtliche 120 (!) Dramen des Sophokles herbeigeschafft. Alles verloren. Von den Dramen sind uns heute nur eine Handvoll überliefert.
Der Autor hat jede seiner Hauptfiguren mit Leben gefüllt: mit Zielen, Motiven, Erinnerungen, Wünschen und Ängsten, so dass aus dem historischen Roman durch das Aufeinandertreffen dieser Figuren ein Drama wird. Dies ist der eigentliche Motor der Handlung. Und dadurch stellt uns der Roman auch auf einer menschlichen Ebene zufrieden. Krimi und Katastrophen – das ist schön und gut, würde aber nur für oberflächliche Unterhaltung ohne Bedeutung für uns ausreichen. Erst das Drama hat Bedeutung, denn es behandelt Themen, mit denen wir uns noch heute identifizieren können: Liebe, Furcht und Schrecken, auch Tragik und möglicherweise sogar Heldentum.
|Humor|
Wie könnte ein Katastrophenthriller auf irgendeine Weise humorvoll sein, mag sich der Leser bzw. Hörer fragen. „Es gibt nichts Lukrativeres als Besitz in Pompeji“, sagt Ampliatus an einer Stelle. Allerdings gibt es bestimmte Einschränkungen, wie er erfahren muss. So etwas nennt man tragische Ironie.
|Die Sprecher & Die Inszenierung|
Das Hörspiel beginnt jedoch nicht mit der Handlung, sondern mit dem Zitieren aus einem LEXIKON, das extra für diese Textfassung eingeführt wurde. Daraus erfahren wir von den unsichtbaren Vorgängen unter dem Vesuv und von der Geschichte der Vulkanausbrüche. Die Sprache entspricht jener der modernen Wissenschaft, aber ich nehme an, dass Begriffe wie Lava, Magma, Gas, Schwefel und sogar Tephra (Bimssteinauswurf) schon damals den Experten bekannt waren, Leuten wie Exomnius beispielsweise. Die Begriffe stammen aus dem Griechischen und dem Lateinischen. Möglich, dass manche erst erfunden wurden, um Ausbrüche wie den des Vesuvs überhaupt angemessen beschreiben zu können.
Wie auch immer: Das Lexikon ist notwendig. Doch eine ganz andere Frage ist es, wie es zu präsentieren ist, damit es sowohl mit der Handlung zu tun hat als auch sich wie ein antiker Chor über dieselbe erhebt und sie kommentiert. Der Sprecher des Lexikons ist Andreas Fröhlich, einer der Top-5-Sprecher Deutschlands (Synchronstimme von John Cusack, „Gollum“ usw.). Doch nicht nur seine Stimme ist zu hören, sondern mindestens zwei oder drei weitere, die ähnlich klingen wie er: Es sind durch Filter verfremdete Versionen Fröhlichs. Der Eindruck eines Teams von Autoren des Lexikons entsteht. Das Lustige dabei: Sie sind gerade dabei, den Lexikoneintrag über den Vesuvausbruch zu schreiben, probieren noch an der Formulierung herum. Dadurch kommt ein gewisses Reportage-Feeling auf. Wir wissen nie, was als Nächstes kommt. Ein schlauer, wenn auch notwendiger Einfall, dieses Lexikon.
|Der Gesang|
Was wir nach dem Lexikonzitat hören, ist immer noch nicht der erste Sprecher. Es ist vielmehr die einführende Hintergrundmusik, deren hervorstechendstes Merkmal der Gesang von Etta Scollo ist. Ich bin zwar kein Experte für antiken römischen Gesang, aber der Eindruck, den ich von Scollos Gesang erhielt, stimmt mit dem überein, was unter anderem in den antikisierenden „Carmina Burana“ des Carl Orff zu hören ist. Die Tonleitern sind ebenso unvertraut wie die Kadenzen und die Tonlage.
Diese „echte“ Antike hat nichts mit Ridley Scotts „Gladiator“ zu tun, der reines Hollywoodkino darstellt. Allenfalls ganz am Schluss hört man einen Anklang an das echte Rom, wenn die Stimme von Lisa Gerrard den Abgang von Maximus beklagt. Dass die Instrumentierung ebenfalls zu den Kadenzen, die die Scollo vorträgt, passen muss, versteht sich von selbst, denn sonst könnte ihr Gesang nicht authentisch wirken. Nach einer Weile achtet der Hörer nicht mehr so stark darauf, aber am Anfang scheint sich der Gesang doch unziemlich in den Vordergrund zu drängen. In den Intermezzi darf er das natürlich.
Dass die Geräusche von größtmöglichem Realismus sind, darf man heutzutage erwarten. Dies ist filmische Qualität, wie sie von einem Hörspiel erwartet wird. Da rauschen die Wellen, und der Wind weht schier unablässig, doch zunehmend scheint sich ein fernes Rumpeln und Beben bemerkbar zu machen – der Ausbruch des Vulkans ist nahe. Der Realismus lässt sich aber auch zu weit treiben. Als Attilius die Villa Hortensia betritt, hört er sofort die Schreie des sterbenden Sklaven. Weil diese gar nicht mehr verstummen wollen, gehen sie entweder auf die Nerven oder an die Nieren, je nach Konstitution des Hörers. Abrupt brechen sie – endlich ist der Schreihals tot, seufzt man erleichtert auf.
Wenn es zu wichtigen Szenen kommt, verweisen sowohl Geräusche als auch Musik auf die dafür angemessene Emotion. Als Ampliatus, der „Pate“ von Pompeji, Attilius eine Angebot macht, das dieser „nicht ablehnen kann“, grummeln zuvor tiefe Bässe, um anzudeuten, dass Gefahr droht. Wir hätten uns um den rechtschaffenen Attilius keine Sorgen machen müssen. Das müssen wir erst tun, als ihm der Attentäter auf dem Vulkangipfel nachstellt.
Dies ist eine höchst gespenstische Szene und wohl die einzige, in der wir an Attilius selbst zu zweifeln wagen. Sie findet auf dem Gipfel des noch nicht ausgebrochenen Vulkans statt, und der Beamte stolpert durch eine menschenfeindliche Wüstenei aus Schlacke, giftigen Gasen und Asche. In einem der kleinen Krater hat sich ein Tümpel giftigen Gases – vermutlich Kohlenmonoxid oder Stickoxid – gebildet, und Attilius bekommt die Auswirkungen am eigenen Leib zu spüren. Sein Geist wird verwirrt, als das Gift seine Wahrnehmung beeinträchtigt. Noch unheimlicher fühlt er sich, als er über eine Leiche stolpert. Dieser Szenerie der Unterwelt und des Todes wird schließlich die Krone aufgesetzt, als der Mörder auftaucht, den Ampliatus auf Attilius angesetzt hat
Wieder ertönen Schreie der Todesqual, und nicht zu wenige. Irgendjemandem im Sounddesign machte es offenbar Spaß, möglichst viele Schreie einzuflechten, besonders wenn sie so realistisch wie möglich klingen. Auch Hall und Filter werden gerne eingesetzt, allerdings nicht zum Nachteil, sondern zur Betonung des Geschehens.
Am massivsten ist der Filtereinsatz bei den LEXIKON-Zitaten zu hören, und direkt davor erklingen sehr moderne Sounds des Splitterns und Brechens, wie ich sie bislang nur in den „Otherland“-Hörspielen des |Hörverlags| vernommen habe. Diese Parallele ist verblüffend, aber naheliegend. Denn Andreas Fröhlich tritt in den Otherland-Hörspielen ebenfalls auf, und zwar ebenfalls als eine Art Kommentator. Obwohl „Otherland“ in der Zukunft spielt und „Pompeji“ in der fernen Vergangenheit, wird sich der Hörspielkenner also sofort in beiden zurechtfinden.
_Unterm Strich_
Der Autor hatte mit [„Vaterland“ 1485 und „Enigma“ große Erfolge, doch sein dritter Roman „Aurora“ („Archangel“) ging bei uns ein wenig unter. „Pompeji“ hingegen könnte man keinen größeren Erfolg wünschen, als es eh schon hat. Es ist ein auf drei Ebenen hervorragend funktionierender Roman und stellt jeden Leser zufrieden: Krimi, Katastrophenthriller und menschliches Drama.
Die Unterschiede, die das Hörspiel im Vergleich zur Lesung und zur Buchvorlage aufweist, sind Legion. Sie aufzuzählen, wäre daher recht müßig. Sinnvoller erscheint es mir, die Vor- und Nachteile zusammenzutragen, die das Hörspiel bereithält.
Am auffälligsten ist die Ausgliederung der wissenschaftlichen Erläuterungen in ein Lexikon, das auf eigenwillige Weise von Andreas Fröhlich gestaltet wurde. Das nächste Element ist der antik-römisch anmutende Gesang von Etta Scollo, der den Filmkenner an Lisa Gerrards Gesang in „Gladiator“ erinnern könnte. Die Hintergrundmusik ist entsprechend auf antik getrimmt, aber dennoch recht melodiös. Sie stört den Vortrag der Dialoge überhaupt nicht. Am Schluss entlässt uns ein Ensemble aus Piano, Geigen und Scollo-Gesang auf die entspannteste Weise. (Merke: Die Geschichte hat ein Happyend.)
Ich fand lediglich die sehr kleine Rolle, die Corelia spielt, ein wenig schade, denn offenbar wurde die Rolle sehr stark gekürzt. Und zwar so sehr, dass es sehr unerwartet kommt, als sie ihrem Geliebten die Geheimpapiere ihres Vaters anvertraut. Das ist zwar nobel von ihr, und es bringt die Handlung voran (erst deshalb besteigt Attilius den Gipfel), aber wieso tut sie das, wenn sie ihn doch erst zweimal gesehen hat?
Ein Höhepunkt im Buch, in der Lesung wie auch jetzt im Hörspiel ist die Expedition, die Plinius mit seiner Flotte – immerhin 4000 Soldaten – nach Pompeji unternimmt. Der wissenschaftliche Vortrag des Autors Plinius steht dabei in haarsträubendem Kontrast zu der höllischen Szenerie, die er da beschreibt und die garantiert Tod und Vernichtung über Kampanien bringt. Letzteren Aspekt übergeht Plinius jedoch geflissentlich, wodurch er ein ganz klein wenig an den wahnsinnigen Kaiser Nero gemahnt. Den Hörer jedoch schaudert’s. Doch Plinius erfährt ein höchst nobles Ende, das wir zwar ebenfalls als Wahnsinn abtun würden, das aber innerhalb seines damaligen Ehrenkodex absolut okay war: Er stellt sich dem Vulkan wie einem Feind, bis zum bitteren Ende. Wohingegen Attilius das tut, was jeder andere „normale Mensch“ täte: Er schnappt sich Corelia und sucht mit ihr den sichersten Ort in ganz Pompeji …
|Originalveröffentlichung: Pompeji, 2003; ersch. bei Heyne 2003
Übersetzt von Christel Wiemken
133 Minuten auf 2 CDs|
http://www.hoerverlag.de
Siehe ergänzend dazu auch unsere [Rezensionen zur Buchausgabe. 274
Es war der spektakulärste Postraub der britischen Kriminalgeschichte. Europa hielt den Atem an, als eine maskierte Gangsterbande Anfang der 60er Jahre beim Überfall auf einen englischen Postzug 2,5 Millionen Pfund erbeutete. Von Drahtziehern und Diebesgut fehlte jahrzehntelang jede Spur. Nicht nur der listige Plan, sondern vor allem der ausgeprägt galante Stil des Überfalls machte die Gangstergeschichte zum Kult. Die erste Verfilmung des Coups von 1966 brachte das Gentlemen-Flair in Millionen deutscher Wohnzimmer.
Der Norddeutsche Rundfunk produzierte den Film 1966 und lieferte so die Vorlage fürs Hörspiel.
Die Wikipedia bietet ausführliche, deutschsprachige Informationen unter [dieser Adresse]http://de.wikipedia.org/wiki/Postzugraub an.
_Die Sprecher/Die Mitwirkenden_
Erzähler: Hans-Günter Martens und Peter Weis
Michael Donegan: Horst Tappert
Patrick Kinsey: Hans Cossy
Archibald Arrow: Günther Neutze
Geoffrey Black: Karl-Heinz Hess
Dennis McLeod: Siegfried Lowitz
Jennifer Donegan: Grit Boettcher
Und viele weitere.
Regie führten beim Film John Olden & Claus Peter Witt, beim Hörspiel Günter Merlau. Das Drehbuch stammt von Henry Kolarz.
_Handlung_
Am 7. August 1963 fuhr der Postzug von Glasgow um 18:50 Uhr ab und sollte wie stets um 3:40 Uhr in London eintreffen. Doch in der Nacht zum 8. August wurde er bei der Bridego-Eisenbahnbrücke in Ledburn nahe Mentmore in der Grafschaft Buckinghamshire in England ausgeraubt.
Die Beute von exakt 2.631.684 Pfund war damals 29,5 Millionen D-Mark wert – eine gigantische Summe für westdeutsche Nachkriegsverhältnisse. Das entspricht heute einem Wert von etwa 39 Millionen Pfund oder 46 Millionen Euro, also nicht gerade Peanuts. Im Laufe der Ermittlung und der Festnahmen tauchte nur ein Achtel der Beute wieder auf (rund 330.000). Wo ist der Rest?
|Der Tipp|
Archibald Arrow, ein stilvoll gekleideter Betreiber eines Friseursalons, den seine Frau Susie Frost führt, erhält im Klub von gerald Williams einen heißen Tipp. Der abgehalfterte Gauner Twinkie gibt ihm den Tipp für den Postzug von Glasgow nach London. Der Zug karre jede Nacht gebrauchte Banknoten in Millionenwert von A nach B. Archie ist skeptisch, doch wenn was draus werden sollte, kriegt Twinkie die üblichen zehn Prozent.
|Der Major|
Archie braucht einen Mann, der so ein Riesending beurteilen und im Ernstfall auch organisieren kann. Der Mann dafür ist Michael Donegan, ein ehemaliger Major der Armee, der anno 1944 in Südfrankreich mit dem Widerstand gegen die Nazis kämpfte, um die Invasion vorzubereiten. Seine Spezialität: Eisenbahntunnel. Mit einem Trick stoppte er einen Nachschubzug der Nazis nach dem anderen, immer in Tunneln und Unterführungen. Der Major: Das Ding kann gemacht werden. Wenn man es richtig vorbereitet und finanziert.
|Probelauf|
Donegan ist klar, dass er für die Vorfinanzierung eines Stabes von über einem Dutzend Helfern mindestens 50.000 Pfund braucht (über 5 Mio. D-Mark). Woher nehmen und nicht stehlen? Eben. Wenig später stürmen vier maskierte Gentlemen in das Büro der Fluggesellschaft BOAC auf dem Londoner Flughafen und greifen bei einer Geldübergabe zu. Die Beute von 62.000 Pfund reicht, um die Vorbereitungen voranzutreiben.
Aber der Überfall ruft auch Kriminalkommissar Dennis McLeod auf den Plan, der von seinen Kollegen nur „Mister Mac“ genannt wird, weil er so eine sanfte und ruhige Art hat, dass der Normalbürger ihn für einen von ihnen hält. Weit gefehlt! Wenig später steht McLeod vor Archies Haus auf der Matte. Archies Neffe hat sich verplappert: Er führ den Fluchtwagen. Doch Archie bleibt kühl wie stets, und McLeod muss wieder abziehen. Man wird sich wiedersehen.
|Die Farm|
Archie kauft mit Hilfe des Anwalts Peter Masterson und dessen deutscher Frau Inge eine abgelegene Farm auf dem Lande. Der einzige Vorteil des leerstehenden Gemäuers: Es ist nur 30 Meilen vom geplanten Tatort entfernt. Nach und nach treffen hier die Männer ein, die das Ding ihres Lebens drehen wollen. Rennfahrer, Elektriker, Lokführer, Maler und vieles mehr. Der wichtigste Mann für Donegan ist der Elektriker, der das Stoppsignal manipulieren soll: Walter Lloyd. Eigentlich eine ehrliche Haut, gehört er aber doch zu den Fulham Boys, Londoner Gauner. Er holt zwei davon mit ins Boot, was den Major verärgert.
Die Fenster sind verhängt, die Fahrzeuge geklaut und umgespritzt, die Alibis etabliert, die Gattinnen eingeweiht. Es kann losgehen. Doch am 6.8. ruft Twinkie an: Der Postzug heute Nacht ist nur halb voll, das lohnt sich nicht. Morgen wird dafür doppelt so viel Geld Transport. Also alles zurück auf Anfang auf der Farm. Donegan ist das Saufen, Spieln und Feiern der Arbeitertypen zuwider. Auf Wache wimmelt er einen neugierigen Nachbarn ab, der ein Feld pachten will. Dieser Mann wird sich später genau an die Farm erinnern.
|D-Day|
Die Nacht der Tat ist da! Rund 14 Mann brechen um Mitternacht, um rechtzeitig an der Unterführung Sears Crossing bei Lindsdale zu sein. Doch sie müssen den schwerbewachten Zug schon fast einen Kilometer davor an einem Haltesignal stoppen. Dieses manipuliert Walter Lloyd wie vorgesehen. Der Zug aus Glasgow hält mit kreischenden Bremsen an. Sofort überwältigen die Räuber die beiden Lokführer. Trotz des strikten Befehls des Majors, keine Gewalt anzuwenden – keine einzige Pistole ist im Spiel – , wird einer der Lokführer schwer am Kopf verwundet. Gleich hinter der Lok ist der Waggon mit dem Geld. Beide werden abgekoppelt und zur Unterführung gefahren. Die Wachmannschaft in den anderen Waggons kriegt nichts davon mit.
Bei der Unterführung stehen die Lieferwagen bereit, die Geldsäcke aufzunehmen. Doch zuerst müssen die Wachen im Geldwaggon überwältigt werden. Auch das geht ruckzuck. Keiner der Beamten riskiert Gesundheit oder Leben für ein paar alte Scheine. Nach weniger als einer Stunde ist der Spuk vorbei. Als die Wachmannschaften in den abgekoppelten Waggons auf einer Farm Alarm geben können, sind die Posträuber bereits zurück auf ihrem Stützpunkt. Wird man sie entdecken?
|Die Ermittlung|
Die Nachricht vom Postzugraub versetzt nicht nur die Britischen Inseln in helle Aufregung, sondern auch den rest der westlichen Welt. Die Beute ist einfach zu gigantisch: Die größte in der gesamten Kriminalgeschichte! Für die Presse ein gefundenes Fressen. Und Kommissar Dennis McLeod hat mit seinen zwei Leuten einen schweren Stand gegen die peinlichen Fragen der Reporter. Es hilft ihm auch wenig, dass die Bevölkerung gegenüber den Gentlemanräubern eine positive Haltung einnimmt. „Wow, das war generalstabsmäßige Arbeit, Hut ab! Es gibt noch Hoffnung für England, wenn es solche Männer hat!“
Aber es gibt reichlich Spuren am Tatort, die sorgfältig katalogisiert werden. Die Räuber halten sich drei Tage versteckt, bevor sie im Radio hören, dass die Polizei den Radius der Durchsuchungen auf 30 Meilen (ca. 48 km) ausgeweitet hat: Das betrifft auch ihre Farm. Sie müssen weg. Die Luft wird dünn.
|Die Trennung|
Jetzt kommt es zum Bruch zwischen Donegan und Arrow, den zwei Anführern. Archie will das geld nehmen und sofort aufteilen, natürlich mit der Maßgabe, es nicht gleich zu verjubeln – das würde auffallen und Verdacht auf die Täter lenken. Donegan ist strikt dagegen, denn er weiß, wozu Gauner neigen: Sie leben für den Tag und wollen ihren plötzlichen Reichtum genießen. In einer Abstimmung werden der Major und seine Getreuen überstimmt. Archie übernimmt das Kommando.
Schon machen sich die Fulham Boys auf Fahrrädern aus dem Staub, als Archie und seine Leute aufbrechen. Erst jetzt können der Major und seine Leute die Spuren beseitigen und ihren beträchtlichen Anteil begraben. Wer würde schon auf dem Friedhof nachsehen? „Ruhe in Frieden“ – wohl wahr. Danach versteckt sich Donegan, während die beiden anderen, Black und Kinsey, das Unschuldslamm spielen.
|Der Anfang vom Ende? |
McLeod braucht nicht lange zu warten, bis die ersten Zeugenmeldungen eintreffen und die Spurensicherung auf der verlassenen Farm reiche Beute einfährt: Finderabdrücke, Farbspritzer, Stoffreste. Wunderbar. Doch wo sind die beiden Anführer Archie Arrow und Michael Donegan, fragt er sich. Und wie sich herausstellt, muss seine Truppe hart arbeiten, um wenigstens einen der beiden zu schnappen …
_Mein Eindruck_
„Die Gentlemen bitten zur Kasse“ wurde nach dem Drehbuch von Henry Kolarz, der den „Tatsachenbericht“ schrieb, fürs Fernsehen und als Hörspiel inszeniert. Die drei Teile der Filmserie waren in der tristen, von Schwarzweißsendungen geprägten TV-Landschaft Westdeutschlands ein echter Knaller. Ein ähnlicher Straßenfeger wie später die Durbridge-Krimis und die Edgar-Wallace-Verfilmungen.
Ich weiß noch genau, dass die drei Filme mehrfach wiederholt wurden. Damals sah ich erstmals das Gesicht von Horst Tappert (Donegan), Günter Neutze (Arrow) und Siegfried Lowitz (McLeod). Ich hätte aber nicht gedacht, dass auch die TV-Hörspiele eine ähnlich spannende Wirkung entfalten könnten wie die Fernsehfassung.
Die Story entfaltet aber gemäß der Aufbereitung durch Kolarz ihre unvermeidliche Wucht. Die Vorbereitung, die Durchführung, die Ermittlung, die Trennung, der Untergang – alles wie in einem klassischen Drama. Der Witz bei der Geschichte ist jedoch nicht die gigantische Beute oder die ausgefuchste Ermittlung McLeods, sondern die überraschende Sympathie, die den Gentlemen-Räubern bis heute entgegengebracht wird.
Es waren eben keine gewöhnlichen Ganoven, die den Coup ausbaldowerten, sondern ein ehemaliger Offizier, Michael Donegan. Seine Figur wirkt auf uns zwiespältig: Wir können zwar seine Beherrschtheit und Coolness bewundern, müssen aber mit Bedauern hinnehmen, dass er nicht gerade dem Lustprinzip frönt – dafür ist er in seiner Pedanterie viel zu uncool. Die Vorstellung davon, was „cool“ ist, hat sich eben im Lauf der knapp fünfzig Jahre grundlegend gewandelt.
Da ist uns Nachgeborenen doch Archie Arrow, der stilvolle Lebemann, viel sympathischer. Sicher, er lebt für den Tag, aber tun wird das nicht auch? Und wer würde wirklich auf 30 Millionen hocken, als wärs ein Gelege von goldenen Eiern, während sich die anderen einen schönen Lenz machen? Eben! Dumme Sache also, dass Archie dennoch geschnappt wird – und Donegan nicht.
Zum Erstaunen des Zuhörers geht die Story nämlich nach der Gerichtsverhandlung eine ganze Zeitlang weiter – mit zwei Updates auf „den neuesten Stand der Ermittlungen“ bis 1965. Es ist nicht Archie, sondern Donegan, der einen der Verurteilten nach dem anderen aus dem Knast befreit, zuerst natürlich seinen getreuen Kinsey. Er verliert seine Frau, die den Stress des Versteckens nicht mehr aushält und mit den Kindern auf die Bahamas zieht, macht aber dennoch weiter. Ein moderner Held?
_Die Sprecher/Die Inszenierung_
|Die Erzähler und Sprecher|
Es gibt erstaunlicherweise zwei Erzähler, einen aus dem Original-Hörspiel bzw. -Film und einen aus der aktuellen Produktion. Der Erste ist für die Fakten zum Kriminalfall zuständig, der Zweite für Hintergrundinformationen und Übergänge zwischen Szenen.
Die Sprecher sind selbstredend jene aus den Filmen. Tappert spielt den Ex-Militär Donegan, der überstimmt wird, Neutze den Lebemann Archie Arrow und Siegfried Lowitz den täuschend sanften Kommissar (den er dann auch später in „Der Alte“ verkörperte). Es gibt für einen Kriminalfilm erstaunlich viele Frauenfiguren, so etwa Susie Frost, Arrows Frau, gesprochen von Grit Boettcher, die damals recht bekannt war.
Daneben tauchen noch weitere Gattinnen und Liebchen auf. Archie betrügt seine Frau nämlich – McLeod schreckt nicht davor zurück, Arrow in flagranti delicto, nämlich beim Ehebruch, zu ertappen und zu verhaften. Auch Donegan scheint mit Ehebruch beschäftigt – doch das ist alles nur gespielt, um die Cops, die einen Einbrecher suchen, zu täuschen. Wer hätte gedacht, dass in diesem Kriminalstück so viel witzige Würze steckt!
|Geräusche|
Die Geräusche sind allesamt die eines realistischen Films. Wir holen also jede Menge Motoren, Schritte, Sirenen, Radionachrichten, Durchsagen, Rufe, sogar Gesang. Doch das Einzige, was wir nicht hören, ist das, was wir von jedem Krimi erwarten würden: Schüsse.
|Musik|
Die Musik stammt von der damals für einen Krimi standardmäßigen Jazz-Combo, was ja bekanntlich nicht jedermanns Geschmack ist. Aber der Jazz-Rhythmus ist so flott und eingängig, dass man gleich fasziniert ist. Obendrein wird dieses Motiv an jedem Ende und jedem Angang einer CD wiederholt.
|Booklet|
Von einem Booklet kann keine Rede sein. Alle Infos über die Sprecher und die Macher sind auf der Innenseite des Hörbuchs abgedruckt.
_Unterm Strich_
Ich habe jede Minute dieses über drei CDs verteilten Hörspiels genossen. (Zumindest da, wo die jeweils einleitenden Recaps nicht die Namen und Handlungsabläufe wiederholen.) Die Story ist straff erzählt, folgerichtig aufgebaut und in manchen Szenen spannend geschildert, manchmal sogar amüsant. Etwas ironisch sind die beiden Aktualisierungen auf den „neuesten Stand der Ermittlungen“ bis zum Jahr 1965.
|Der Fall Ronald Biggs|
Was mich etwas verblüfft hat: An keiner einzigen Stelle wird Ronald Biggs erwähnt, jener „Posträuber“, der nach Brasilien flüchtete und sich dort einen schönen Lenz machte. Er wird im [Wikipedia-Artikel]http://de.wikipedia.org/wiki/Postzugraub erwähnt, einer der Ausbrecher, der nach nur 15 Monaten Haft nach Rio entkam. „1991 nahm Biggs mit der Deutschen Punk- und Rockband Die Toten Hosen die Single „Carnival In Rio (Punk Was)“ für deren Album „Learning English – Lesson One“ auf und feierte mit ihnen seinen 62. Geburtstag.“
|Das Hörbuch|
Die größte Herausforderung an den Audio-Verlag bestand sicherlich in der Sicherstellung einer hohen Tonqualität. Dieser Transfer von der Filmtonspur ist erstaunlich gut gelungen. Es gibt keine Mängel. Die CDs sind in einem Stapel untergebracht, der zwar etwas wirkt, aber funktioniert, wenn man vorsichtig ist.
|3 Audio-CDs mit 178 Minuten Spieldauer
ISBN-13: 978-3862310166|
_Henry Kolarz bei |Buchwurm.info|:_
[„Nachts um 4 wird nicht geklingelt“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=2235
Gemeinsam mit dem Pfähler Frantisek Marek hatte ich den Vampir-Express stoppen können – doch der Anführer der Vampir-Sippe Boris Bogdanovich war uns entkommen. In einem Wohnmobil folgten wir Bogdanovich nach Petrila … und stießen auf eine alte Gegnerin, die wir längst totgeglaubt hatten! (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer
343 gemacht, das erstmalig am 28. Januar 1985 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.
Eigentlich sollte Bob in dem einsam gelegenen Haus nur die Katzen von Mr. Pinches füttern. Doch dann Läuft etwas furchtbar schief. Als sich der dritte Detektiv nicht mehr meldet, tappen Justus und Peter im Dunkeln. Steckt etwa der verschrobene Besitzer des Hauses dahinter? (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Wurde aber auch mal Zeit, dass Bob mal verschwindet. Peter war ja letztens in China und Justus war in der Jubi-Geschichte 200 weg. Ist es wichtig oder soll es nur extrem gruselig wirken, dass das Klappentext-Haus „einsam gelegen“ ist? Huuuuuuh … oder so.