Archiv der Kategorie: Kinder- und Jugendliteratur

Schwindt, Peter – Justin Time – Zeitsprung

_Mit der Zeitmaschine in Dickens‘ London_

Justin ist vorwitziger Junge, den es nicht ruhig in seinem englischen Internat hält, seit seine Eltern bei einem Experiment mit einer Zeitmaschine verschwunden sind. Er reist ihrer Spur nach und stößt auf einen Krieg der Zeitagenten, in dem um die Vorherrschaft über die neue Technik gerungen wird: Denn wer die Macht hat, die Vergangenheit zu ändern, beherrscht automatisch die Gegenwart.

Doch auf welcher Seite stehen seine Eltern? Justin muss es herausfinden, bevor es – buchstäblich – zu spät ist. Er ahnt nicht, dass er selbst der Schlüssel zum Rätsel ist.

_Der Autor_

Peter Schwindt ist der deutsche Autor der „Justin Time“-Trilogie, in der auch die Bände [„Der Fall Montauk“, 820 „Das Portal“ sowie „Verrat in Florenz“ erschienen sind. Die Abenteuer des Helden Justin Time, der seine Eltern in den Zeiten sucht, sind für junge Leser ab zwölf Jahren geeignet.

Schwindt wurde 1964 in Bonn geboren. Nachdem er als Volontär und Redakteur für verschiedene Verlage gearbeitet hatte, betreute er zahlreiche Erwachsenen-Comics und arbeitete in der PC-Spielebranche. Seit 1997 ist Schwindt freiberuflich tätig und schreibt unter anderem als Hörspiel- und Drehbuchautor für Radio und Fernsehen. Witzig: Er gründete eine Bauchtanz-Agentur. Er lebt mit Frau (eine Bauchtänzerin?) und Tochter im Siegerland.

Die „Justin Time“-Romane sind seine ersten. Sie beruhen auf den drei Hörspielen, die Schwindt 2000 für den WDR schrieb. (Ich habe zum Teil auf Verlagsinfos zurückgegriffen.)

_Handlung_

Man schreibt zwar das Jahr 2384, aber in England, das noch nicht in der Nordseee versunken ist, gibt es immer noch die guten alten Internate. Und wieder einmal langweilt sich der aufgeweckte Justin in den Sommerferien fast zu Tode. Und da er es nicht geschafft hat, seine verschwundenen Eltern wiederzufinden, macht er sich immer noch Sorgen um sie.

Da bekommt er eine Mail geschickt von seinem Onkel Chester, der auch gleich das Schulgeld für die nächsten fünf Jahre zahlt. Wie nett von ihm! Da die Rektorin, Frau Zimmerli, Justin keinen Urlaub gibt, macht er sich heimlich selbst auf die Socken, reist über Bristol nach London und von dort zu Onkel Chester. Er platzt mitten in eine Pressekonferenz: Sein Onkel gibt gerade bekannt, dass seine Zeitreiseagentur Chrono Travel Incorporated vor zehn Minuten ihren ersten Kunden in die Vergangenheit geschickt hat (Reisen in die Zukunft sind unmöglich). Dass in diesem Moment die berühmte Zeitwaise auftaucht, hat natürlich einen verheerenden Effekt auf Chester Times Propaganda. Prompt wird Justin eingesperrt.

Ein ebenfalls eingesperrter Journalist lässt aber Justin wieder frei, so dass er gerade rechtzeitig kommt, um einer Katastrophe beizuwohnen: Die Agentur hat ihren Kunden verloren, irgendwo im Jahr 1831: auf der „HMS Beagle“, auf der sich kein Geringerer als Charles Darwin befindet. Chesters Assistent gelingt es, die Kontrollen zu reparieren, und so erklärt sich Justin bereit, den Zeitreisenden zurückzuholen. Dazu braucht er bloß zwei Transponder mitzunehmen, mit deren Hilfe er im Zeitraum-Kontinuum geortet werden kann. Den anderen legt er Herbert Hanfstäckl an, sobald er ihn gefunden hat. Los geht’s, ab durch das Wurmloch …

_Mein Eindruck_

Eine zweite Zeitreise führt Justin ins London des Jahres 1862, wo gerade die Weltausstellung stattfindet. Jemand ist offenbar dabei, diese Zeitlinie zu ändern, indem er Charles Babbages Urvater aller Computer, die „Differenzmaschine“, vervollständigt.

Gegen das, was Justin in London erlebt, ist seine Aktion auf der „HMS Beagle“ der reinste Kindergeburtstag. Von den Sklaventreibern, denen er in die Hände fällt, wird er fast totgeprügelt und fängt sich eine ausgewachsene Erkältung ein, die leicht zu einer tödlichen Lungenentzündung werden könnte. Zum Glück hat er ein paar Freunde, darunter ein ungleiches Geschwisterpaar. Davy ist jedoch ein Vatermörder, und nur Fanny wird mit Justin in die Zukunft reisen, um an seinen Abenteuern in „Der Fall Montauk“ teilzunehmen, weiterhin auf der Suche nach seinen Eltern.

Es gibt wohl nur wenige Kinderbücher, in denen dem jugendlichen Helden derart übel mitgespielt wird. Dafür ist das Buch aber auch superspannend bis zum Schluss und voller Überraschungen. Der kundige Leser fühlt sich in London sofort in die schummrige Welt von Dickens‘ „Oliver Twist“ versetzt. Das geht Justin nicht anders, obwohl er einen Zeitweg von 500 Jahren hinter sich hat. Prompt nennt er sich gegenüber der Polizei „David Copperfield“, was nicht sonderlich schlau ist, denn diesen Namen kennt um diese Zeit jedes Kind: eine Romanfigur von Dickens. (Weil Dickens auch in Zeitungen gedruckt wurde, wurden seine Storys nicht nur von den gebildeten Ständen gelesen, die sich teure Bücher leisten konnten.)

|Hommage an William Gibson|

Es gibt einen bekannten Science-Fiction-Roman von den Herren William Gibson und Bruce Sterling, die man mit Fug und Recht als Begründer (Gibson als Aktivist und Sterling als Ideologe der Bewegung) des Cyberpunks der achtziger Jahre bezeichnen darf. Sie schrieben mit [„Die Differenzmaschine“ 1339 einen Thriller, in dem Charles Babbages Computervorläufer eine bedeutende Rolle spielt. Und natürlich zanken sich etliche Machtkreise um diese vielversprechende Technik.

Natürlich kennt auch der Autor Schwindt diesen Roman und das titelgebende Gerät. Um sich nicht dem Verdacht auszusetzen, er schriebe von Gibson & Sterling ab, hat er sich dadurch aus der Affäre gezogen, dass er eine Figur namens Willi(am) Gibson auftreten lässt (S. 157ff). Willi ist ein Stadtstreicher auf der Suche nach einer sicheren Bleibe. Leider verirrt er sich dabei in eine sehr obskure Ecke der neuen U-Bahn-Tunnel an der Euston Road. Was er dort unten sieht, versetzt ihm ein schweres Trauma. Er landet als Verrückter in der Irrenanstalt Bedlam. Und wer weiß, vielleicht würde auch Justin dort enden, wenn ihn nicht diverse Freunde retten würden.

|Zweifelsfall|

Auf Seite 43 ist die Rede von einem „Ostindien“, das sich auf die Inseln östlich von Mittelamerika, also auf die Karibik, erstreckt. Würde diesen Ausdruck Kolumbus um 1500 gebrauchen, wäre das kein Problem, aber diese geografische Angabe wird in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gebraucht. Der Sprecher sollte es eigentlich inzwischen besser wissen – und der Autor wohl auch.

_Unterm Strich_

Mir hat „Zeitsprung“ gut gefallen: Es ist spannend, abwechslungsreich, überrascht immer wieder mit neuen Wendungen, hat ziemlich üble Schurken, einige geheimnisvolle Figuren (der berühmte Mister X), zwei berühmte Gelehrte (Darwin und Babbage), die nicht als Selbszweck auftauchen, sondern eine tragende Rolle für Justin spielen. Zu guter Letzt sind die zwei Episoden in einigermaßen realistisch anmutende Schauplätze eingebettet, wobei mich das Londoner Eastend mit seinen schrecklichen Arbeits-, Lebens- und Hygienezuständen (man denke an die Gefängnisepisode in „Der große Eisenbanhraub“ oder an Jack the Rippers bevorzugtes Jagdrevier Whitechapel) mehr überzeugt hat als alle anderen Schauplätze.

Mit dem „Amt für Zeitkontrolle“ und seinen Agenten konnte ich allerdings herzlich wenig anfangen. Miss Portitia Abaddon – welch ein behämmerter Name: direkt aus einem Groschenroman! Schwindt sollte die Finger von solchen Karikaturen lassen, denn er ist in der Lage, ernst zu nehmende historische Romane zu schreiben.

Wer die „Justin Time“-Bände komplett lesen will, sollte mit diesem Band „Zeitsprung“ anfangen. Denn in der Fortsetzung „Der Fall Montauk“ wird ständig darauf verwiesen und nur so ist erklärlich, wo Fanny, Justins Gefährtin, herkommt.

John Ronald Reuel Tolkien – Roverandom

Abenteuer mit Drachen, Magiern und Mondhunden

Vermutlich 1927 schrieb Tolkien die Geschichte eines kleinen Hundes namens Roverandom auf. Er hatte sie sich als Trost für seinen Sohn Michael ausgedacht, der seinen geliebten Spielzeughund am Strand verloren hatte. Schon in diesem frühen Werk gelingt es Tolkien meisterhaft, Elemente aus Sagen und Mythen mit biografischem und literarischem Material zu verknüpfen. Es erschien 1998 in Buchform.
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Black, Holly / DiTerlizzi, Tony – Rückkehr der Riesen, Die (Die Spiderwick-Geheimnisse 7)

_Ein Riesen-Problem und eine verhängnisvolle Lösung_

Die neue Siedlung Mangrove Hollow in Florida liegt nicht weit vom Meer. Aber sie hat ein Riesen-Problem: Die Riesen drohen sie dem Erdboden gleichzumachen. Allerdings wissen nur Menschen mit dem zweiten Gesicht wie Nick und seine Stiefschwester Laurie, dass es sich um Riesen und nicht mysteriöse Naturgewalten handelt. Doch wie stoppt man einen Riesen?

Beim Lesen eines Märchenbuchs fällt Nick die Lösung seines Riesenproblems ein: Er muss es wie der Rattenfänger von Hameln machen und die Riesen ins Meer locken. Bestimmt haben die Nixen nichts gegen die Gesellschaft von ein paar riesigen neuen Nachbarn einzuwenden. Oder etwa doch?

Empfohlen ab etwa elf Jahren.

_Die Autoren_

Tony DiTerlizzi ist ein mehrfach ausgezeichneter amerikanischer Illustrator von Kinder- und Jugendbüchern sowie Rollenspielbänden. Zu seinen Werken gehören Arbeiten für Bücher von Tolkien, Anne McCaffrey, Peter S. Beagle sowie für das Kartenspiel „Magic the Gathering“ und „Dungeons & Dragons“. Er lebt mit seiner Frau Angela und seinem Mops Goblin (= Kobold!) in Amherst, Massachusetts, einem recht malerischen Städtchen in Neuengland. Lebte nicht auch die Dichterin Emily Dickinson dort? Mehr Infos: http://www.diterlizzi.com.

Holly Black wuchs laut Verlag in einem „alten viktorianischen Haus auf, wo ihre Mutter dafür sorgte, dass ihr die Geister- und Elfengeschichten nie ausgingen“. Ihr erster Jugendroman „Die Zehnte“ (2002) entwirft ein „schauriges Porträt der Elfenwelt“. Es wird von der American Library Association als „Best Book for Young Adults“ bezeichnet, eine gute Empfehlung für politisch korrekte Fantasy. Holly lebt mit ihrem Mann Theo und einem „beeindruckenden Zoo“ in New Jersey. Mehr Infos: http://www.blackholly.com.

Die sieben SPIDERWICK-Bände heißen:

[„Eine unglaubliche Entdeckung“ 509 (Die Spiderwick-Geheimnisse 1)
[„Gefährliche Suche“ 512 (Die Spiderwick-Geheimnisse 2)
[„Im Bann der Elfen“ 959 (Die Spiderwick-Geheimnisse 3)
[„Der eiserne Baum“ 960 (Die Spiderwick-Geheimnisse 4)
[„Die Rache der Kobolde“ 1710 (Die Spiderwick-Geheimnisse 5)
[„Das Lied der Nixe“ 4241 (Die Spiderwick-Geheimnisse 6)
Die Rückkehr der Riesen (Die Spiderwick-Geheimnisse 7)

Außerdem erschienen und bei uns besprochen:

[„Arthur Spiderwicks Handbuch für die fantastische Welt um dich herum“ 3195
[„Die Geheimnisse der Spiderwicks – Das Buch zum Film“ 4738
[„Die Spiderwick-Geheimnisse – Über Haltung und Pflege von Elfen“ 4751
[„Die Spiderwick-Geheimnisse – Die große Entdeckungsreise in die verzauberte Welt“ 5193

_Handlung_

In ihrem vorhergehenden Abenteuer mit der Nixe Taloa sind Nick und seine Stiefschwester Laurie auf die Existenz von Riesen gestoßen. Diese Ungetüme sehen im Erdboden wie Grashügel aus, doch wenn sie erwachen, speien sie Feuer. Nur der betörende Gesang von Nixen vermag sie zu beruhigen und vom Feuerspeien abzuhalten. Dadurch gelang es den Geschwistern, den Riesen zu stoppen, der ihre Siedlung Mangrove Hollow bedrohte. Doch er hat jede Menge Kumpane …

Zum Glück gibt es auch einen Riesenjäger: Jack. Zwar ist er halbblind wegen seines Grauen Stars und hat die besten Zeiten schon hinter sich, doch seine Tipps und Tricks sind immer noch fundiert. Wenn Laurie und Nick, der Videogamer, nur nicht so zimperlich im Töten von Riesen wären! Dann könnten sie beispielsweise die neueste Rieseninvasion verhindern.

Der oberschlaue Nick rät Laurie, sich Verbündete zu suchen, doch als sie das tut, ist er über ihre Wahl etwas verblüfft: Durch einen magischen Talisman kann nun auch sein Bruder Jules die Riesen mit dem zweiten Gesicht sehen. Und er ist gar nicht von ihnen angetan. Kein Wunder, dass er bereit ist, zusammen mit Nick und Laurie etwas gegen die Giganten-Invasion zu unternehmen. Doch was können kleine Menschlein schon gegen Riesen ausrichten?

Während sich Laurie mit einem gefangenen Waldschrat herumschlägt, grübelt Nick über das Problem nach. In einem alten Märchenbuch findet er die Lösung: Er muss es wie der Rattenfänger von Hameln machen und die Riesen fort von dem bedrohten Mangrove Hollow führen. Das Wohin liegt buchstäblich vor seiner Haustür: ins Meer. Das Problem, ein wirksames Lockmittel zu beschaffen, ist kniffliger. Nick erinnert sich daran, wie gut Taloas Sirenengesang wirkte, doch die Teichnixe hat sich auf die Suche nach ihren Schwestern gemacht.

Aber auch im nahen Meer leben Nixen. Man nennt sie hier Meerjungfrauen. Und zu Nicks Freude singen sie auch gerne. Er könnte sie zur Mitarbeit an seinem Riesenproblem bewegen, aber nur unter einer Bedingung: Sie möchten einen neuen Fisch kennenlernen, den es in ihrem Meer nicht gibt. Um Nick gefügig zu machen, nehmen sie seinen Bruder Jules als Geisel.

Nicks Riesen-Problem wird immer größer. Nun muss er auch noch einen Fisch beschaffen! Da erzählt ihm Lauries Freundin Cindy, die sich über sein Riesen-Gerede wundert, was für ein tolles Aquarium doch ihre Eltern hätten …

_Mein Eindruck_

Wer sich nun wundert, was denn aus den drei Grace-Kinder vom nördlichen Spiderwick-Anwesen geworden ist, erfährt in der letzten Szene, dass sie Nick vor etwas anderem Bösen warnen wollten. Doch nun kommen sie zu spät. Nicks Plan ist zwar erfolgreich gewesen, als er die Riesen fortlockte. Doch der letzte Satz ist ein echter Hammer: „Nick hatte gedacht, er habe die Welt gerettet. Stattdessen hatte er sie verdammt.“

Nick hat zwar einen Plan, um eines seiner Probleme zu lösen, bedenkt aber nicht, dass auch die Riesen einen Plan haben könnten. Statt sich zu fragen, was denn die Riesen dazu bringt, über Mangrove Hollow so zerstörerisch herzuziehen, hat er nur über ihr Weglocken nachgedacht. Er hat den großen Rahmen nicht gesehen, wie es nun mal für eine ökologische Sichtweise der Natur notwendig ist. Indem er die Riesen aus dem Weg räumte, hat er einem größeren Übel den Weg bereitet. Worum es sich dabei handelt, erfährt er (und wir) in der nächsten Folge. Nicks Verhalten erinnert an „Darwins Albtraum“, der Invasion des Nilbarschs im Viktoriasee.

Wie man sieht, bringt die neue Reihe der „Spiderwick-Geheimnisse“, die mit Band sechs begann, nicht nur ökologisches Gedankengut dem jungen Leser zu Bewusstsein, sondern verlegt auch den Schauplatz in die Gegenwart – aus dem viktorianischen Neuengland mit seiner schummrigen Mystik ins sonnige Florida. Die Verbindung zwischen den drei Grace-Kindern liegt in der Verwandtschaft mit Laurie, die schon in Band sechs erklärt worden ist. Die Graces tauchen mehrfach im Süden auf, mal auf einer Lesereise, mal aber aus gewichtigerem Anlass, so wie jetzt.

Der Zweck der Riesenbekämpfung besteht nicht nur im Wecken von Erfindergeist in Nick, sondern auch darin, ihn von seinen Videospielen wegzulocken. Er kann zwar mit Laurie ausgezeichnet am Bildschirm Autorennen fahren, aber wenn er mal seinen Verstand auf ein praktisches Problem anwenden soll, ist sie ihm um mehr als eine Nasenlänge voraus. Das führt zu einer vorteilhaften Konkurrenz zwischen den beiden. Indem er es schafft, die Riesen fortzulocken, glaubt er, einen Sieg über Laurie zu erringen – zumindest nach Punkten.

Doch der Schuss könnte auch nach hinten losgehen. Jules, von den Nixen als Geisel genommen, könnte beispielsweise für immer im Meer leben müssen. Oder die Riesen könnten sich nicht mit den Sirenen vertragen. Oder arme Fisch, den niemand fragt, könnte in diesem Meer gar nicht überleben. Andererseits ist der Leser froh darüber, dass ständig etwas passiert und jemand stets die Initiative ergreift. Dass die Richtung dieses Aktionismus völlig falsch ist, stellt sich erst hinterher heraus. Irgendwie mich erinnert dieses Vorgehen an den amerikanischen Einmarsch im Irak und in Afghanistan. Gut gemeint, aber zu einem hohen Preis.

|Illustrationen und Übersetzung|

Diese Abenteuer erstrecken sich über mindestens sechs Bände, alle davon sehr schön illustriert und wertvoll gestaltet. Der Illustrator Tony DiTerlizzi bedankte sich im ersten Buch der Reihe für die Inspiration dazu bei Arthur Rackham, einem der berühmtesten Zeichner für Kinderbücher aus der viktorianischen Ära. Rackham illustrierte beide Bücher über „Alice im Wunderland“ und natürlich auch [„Grimms Märchen“ 3456 (sehr schön in der |Heyne|-Ausgabe).

Das klingt nach einem netten Bilderbuch, und das ist es teilweise auch. Auf der Rückseite ist die Nachbildung einer amerikanischen Postkarte abgedruckt, abgelegt auf einem breiten Blatt, dessen Äderung deutlich zu sehen ist. Seltsamerweise hat sich in den Text ein böser Fehler eingeschlichen: Einer der Sätze in der Mitte bricht plötzlich ab und geht unvollständig weiter.

Das Buch eignet sich wohl ab zehn Jahren – leider fehlt hier ein Hinweis vom Verlag. Dessen Website empfiehlt ein Lesealter ab acht Jahren. Nick und Laurie sind jedenfalls schon elf und können immer noch etwas mit dem Elfenbuch anfangen. Ältere Leser finden die Bilder vielleicht hübsch, aber die Handlung ist erst dann für sie interessant, wenn sie sich mit Jules und Cindy identifizieren.

Das Abenteuer ist diesmal immerhin etwa 160 Seiten lang sind – rund 40 mehr als in den ersten Bänden. Davon entfallen rund 20 Seiten auf Vor- und Abspann, und vom Rest wiederum etwa die Hälfte auf Illustrationen. Kein Wunder also, dass ein Erwachsener solch ein Buch binnen einer Stunde gelesen hat.

Die Sprache ist relativ einfach gehalten (aber nicht mehr so einfach wie am Anfang), und die Übersetzerin Anne Brauner hat das Original angemessen übertragen. Besonders gut gefiel mir ihre Übersetzung der Gedichte im Anhang des Buches. Die Landkarte erleichtert dem Leser die Orientierung.

_Unterm Strich_

Selten findet man einen so tollen Cliffhanger-Schlusssatz wie diesen: „Nick hatte gedacht, er habe die Welt gerettet. Stattdessen hatte er sie verdammt.“ Na, wer da nicht den nächsten Band kauft, ist selbst schuld. Segen und Fluch liegen also nahe beieinander, und es ist nur eine Frage des Blickwinkels, dass sich das eine in sein Gegenteil verkehrt. So geht es auch in den ökologischen Fragen, mit denen es Nick und Laurie diesmal zu tun bekommen (ohne sich dessen bewusst zu werden).

Dieser Band hat mir viel Spaß gemacht. Er ist noch reichhaltiger an Action und Überraschungen, Komik und emotionalen Nöten als der Vorgänger. Doch es ist ratsam, diesen Vorgänger mit dem Titel „Das Lied der Nixe“ zu kennen, um alle Zusammenhänge und Verweise nachvollziehen zu können. Die fünf Bände davor muss man nicht unbedingt kennen. Aber man fragt sich dann wohl, wer denn nun diese drei Grace-Kinder sind, die am Schluss auftauchen.

Obwohl das Buch vierzig Seiten mehr Umfang hat, ist der Preis ebenso gleich geblieben wie die sorgfältige Ausstattung. Diese Leistung des Verlags finde ich sehr löblich. Ich freue mich schon auf die nächsten Bände. Übrigens gibt es alle Bände in einer schönen Lesung auf Audio-CDs.

Fazit: ein Volltreffer.

|Originaltitel: Beyond the Spiderwick Chronicles – A Giant Problem, 2007
Aus dem US-Englischen von Anne Brauner
160 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-570-13212-8|
http://www.spiderwick.de
http://movies.uip.de/diegeheimnissederspiderwicks
http://www.internationalspriteleague.com
http://www.cbj-verlag.de

Lemony Snicket – Das teuflische Hospital (Betrübliche Ereignisse 8)

Schneewittchen zum Gruseln: Kalamitäten im Krankenhaus

Selten war ein Buchserientitel treffender formuliert: „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“. Sie brechen nacheinander über drei Waisen herein, die Baudelaire-Kinder. Band 8 sieht unsere drei jungen Helden auf der Flucht, denn wegen eines falschen Berichts in der Tageszeitung (Fake-News!) werden sie überall für Mörder gehalten. Werden sie im halbfertigen Henry-J.-Heimlich-Hospital in Sicherheit sein? Als eine unheimlich vertraute Stimme aus dem Lautsprecher hallt, wissen sie: Graf Olaf ist nahe! Ob ihnen wohl die Freiwilligen Freudenspender helfen können?
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Serge Brussolo – Peggy Sue und der blaue Hund

Fesselnd: Kampf gegen die Unsichtbaren

Seit eine blaue Sonne am Himmel über Point Bluff scheint, ist alles anders. Die dümmsten Schüler triumphieren über ihre Lehrer, die Hunde spielen Schach und die Katzen lesen Gedanken. Nur die 14-jährige Peggy Sue, das Mädchen mit der Zauberbrille, ahnt die bevorstehende Katastrophe. Denn nur sie kann sie sehen, die Unsichtbaren. Kleine Wesen, die aussehen wie ein Klecks Schlagsahne, den Menschen aber Böses wollen. Als das Unheil sich ausbreitet, trifft Peggy Sue eine Entscheidung. Wird sie die Unsichtbaren besiegen können? (Verlagsinfo)
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Charles Benoit – Du bist dran! Jugendkrimi

Falscher Fuffziger: Schulschelte, als Jugendkrimi getarnt

Der 15-jährige Kyle Chase, ein Durchschnittstyp, ist irgendwie auf die schiefe Bahn geraten. Schließlich steht er über einem Körper mit Blut an seinen Händen. Doch wie hat es nur dazu kommen können? Liegt es daran, dass er sein Vertrauen dem neuen Mitschüler Zack geschenkt hat und der ihn betrog? Oder hat alles schon viel früher angefangen …? (Verlagsinfo9

Der Verlag empfiehlt das Buch ab 13 – 16 Jahren

Der Autor
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Monika Feth – Der Scherbensammler. Ein Fall für Jette

Der Name Monika Feth steht für Kinder- und Jugendbücher, in denen nicht alles heile Welt ist. Die Autorin beschäftigt sich oft mit Themen, die tief gehen. Wie auch in diesem Fall. „Der Scherbensammler“ erzählt von einem jungen Mädchen, das an einer dissoziativen Identitätsstörung, im Volksmund auch multiple Persönlichkeitsstörung genannt, leidet.

Den Rahmen der Geschichte bilden erneut Jette Weingärtner und ihre Freundin und Mitbewohnerin Merle. Die beiden standen bereits in Feths Jugendthrillern „Der Erdbeerpflücker“ und „Der Mädchensammler“ im Mittelpunkt und nach diesen Erlebnissen hatten sie eigentlich beschlossen, nicht sofort wieder in gefährliche Situationen zu rutschen. Jette, die gerade ihr Abitur gemacht hat, arbeitet deshalb für ein Jahr im Altersheim, während Merle eine Stelle in einem Tierheim angenommen hat.

Die Tierliebe der beiden Mädchen wird ihnen schließlich zum Verhängnis. Als Jette von ihrer Mutter gebeten wird, ihre beiden Katzen ins Haus zu lassen, findet ihre Tochter im Gebüsch ein verschrecktes Mädchen, das über und über mit Blut besudelt ist. Mina, so der Name, kann sich zuerst an nichts erinnern, doch Jette und Merle, die das Mädchen erstmal bei sich aufnehmen, wird schnell klar, dass etwas mit ihr nicht stimmt. Minas Stimmungsschwankungen machen das Zusammenleben mit ihr schwer, und als sie eines Tages behauptet, ihren eigenen Vater umgebracht zu haben, spitzt sich die Situation zu.

Es stellt sich heraus, dass Mina eine Patientin des Freundes von Jettes Mutter, einem Psychologen, ist und an einer multiplen Persönlichkeitsstörung leidet. Obwohl sie sich des Risikos bewusst sind, wollen die beiden Freundinnen Mina als Mitbewohnerin behalten und sie nicht der Polizei übergeben, die Mina wegen des Mordes an ihrem Vater, dem Vorsitzenden einer mysteriösen religiösen Gemeinschaft, sucht. Doch als ein zweiter Mord geschieht, steigt auch der Druck auf die drei Mädchen, und sie beschließen, sich zu verstecken. Allerdings haben sie nicht mit dem wirklichen Mörder gerechnet …

Da in dem Buch das Thema „Multiple Persönlichkeit“ im Vordergrund steht, sollte das natürlich dementsprechend aufbereitet werden. Feth gelingt das sehr gut. Man merkt, dass sie sauber recherchiert hat, und sie schafft es, das Wissen gebündelt und ansprechend herüberzubringen. Sie stellt Mina weder als Monster noch als Heilige dar und versucht auch keinen reißerischen Profit aus der Situation zu ziehen. Stattdessen stellt sie das junge Mädchen und seine Persönlichkeiten sehr vielschichtig, authentisch und vor allem so dar, dass der Leser sich in es hineinversetzen kann.

Hineinversetzen kann sich der Leser auch gut in die anderen Personen. Feth beschränkt sich auf einige, teilweise sehr unterschiedliche Perspektiven. Neben den jungen Mädchen Merle, Jette und Mina gehören dazu auch der Psychologe Tilo und der ermittelnde Kommissar Bert. So bekommt der Leser einen sehr umfassenden Blick auf das Geschehen. Neben Jette und Merle, die Mina erst kennen lernen müssen, erfährt er von Tilo die Seite des Therapeuten, und Bert sorgt dafür, dass die Kriminalhandlung nicht in den Hintergrund gerät.

Die einzelnen Personen und ihre Perspektiven sind sehr tiefgründig und dicht gestaltet. Feth konzentriert sich neben den realen Ereignissen stark auf die Gedanken, Gefühle und Konflikte einer jeden Person, was eine sehr introvertierte und farbige Sicht auf das Leben der Charaktere ermöglicht. Nimmt man alle Protagonisten zusammen, ergibt sich ein sehr pralles, aber dennoch übersichtliches Buch, das psychologischen Tiefgang vorweisen kann.

Obwohl der Fokus auf den Personen liegt, vernachlässigt die Autorin die Spannung nicht. Die Handlung ist zwar nicht perfekt durchkomponiert, erfüllt aber ihren Zweck. Feth treibt ihr kleines Versteckspiel mit dem Leser, indem zwar alles auf Mina als Täterin deutet, der Leser es aber nicht glauben will, weil er sie von ihrer schwachen Seite kennen lernt. Minas andere Persönlichkeiten offenbaren sich erst im Laufe des Buches, was einiges an Spannung ausmacht. Auch wenn Mina als Mina nicht dazu fähig wirkt, jemanden umzubringen, werfen die Kämpferin Cleo und der aggressive Marius ein ganz anderes Licht auf die Angelegenheit.

Dementsprechend bleibt lange unklar, wer als Mörder in Frage kommt. Gibt es da vielleicht noch einen unbekannten Dritten, der bis jetzt noch nicht in Erscheinung getreten ist? Feth beherrscht dieses kleine Spielchen perfekt. Selten hat ein Jugendbuch das Etikett „Thriller“ so sehr verdient wie „Der Scherbensammler“.

Einzig am Schreibstil merkt man ab und an, dass Feth sich nicht an Erwachsene, sondern Jugendliche wendet. Einfach, teilweise ein bisschen kuschelig schreibt sie und schlägt dabei keine großartigen rhetorischen Kapriolen. Manchmal schimmert eine gewisse idealistische Naivität bei Jette und Merle durch. Vor allem ihr sozialer Zeigefinger in Bezug auf Tierhaltung und Altersheim nerven an einigen Stellen und erinnern eher an eine Propagandaschrift als an einen Roman. Glücklicherweise hält Feth sich damit aber zurück, so dass es außer ein wenig Schluckauf an erwähnten Stellen keine Unebenheiten im flüssigen Schreibstil gibt.

Unterm Strich

In der Summe ist Feth ein Jugendbuch gelungen, das sicherlich auch dem einen oder anderen Erwachsenen gefällt. Sie schreibt sehr dicht und mit psychologischer Sorgfalt und bedient sich zudem eines interessanten Themas. Gerade in Verbindung mit dem Mord erhält die Diagnose Dissoziative Identitätsstörung natürlich besondere Brisanz und ist ein geschickter Schachzug in dem fesselnden Verwirrspiel, das „Der Scherbensammler“ bietet.

Taschenbuch: 384 Seiten.
ISBN-13: 9783570303399

https://www.penguin.de/Kinder-und-Jugendbuchverlage-cbj-&-cbt/aid77972.rhd

Die Autorin vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (6 Stimmen, Durchschnitt: 1,50 von 5)

Alexander, Lloyd – Taran – Der Findling

_Neues aus Prydain, aber wo ist Taran?_

Dies ist der sechste Band eines Fantasy-Zyklus, der es vielleicht nicht mit Tolkiens „Herr der Ringe“ aufnehmen kann, der aber ebenso stark auf Mythen und Fantasythemen zurückgreift. Und die Hauptfigur Taran, die im Laufe des Zyklus eindrucksvoll heranreift, lieferte wie Tolkiens „Herr der Ringe“ die Vorlage zu einem Zeichentrickfilm.

Diese Geschichten erscheinen zum ersten Mal in deutscher Sprache, wie uns der Verlag versichert. Sie wurden vom Herausgeber der Fantasyreihe, Helmut W. Pesch, übersetzt, der auch eine erhellende Biografie und Bibliografie beigefügt hat.

|Der Autor|

Lloyd Alexander, geboren 1924, ist der Autor der „Chroniken von Prydain“ (= Britannien). Ähnlich wie bei Tolkien, der mit „The Hobbit“ (1937) zunächst eine Fantasy für Kinder schrieb, beginnt auch Alexander mit einer leichtfüßigen Kinder-Fantasy, um dann jedoch schnell auf tiefere, dunklere Themen sprechen zu kommen. Der erste und Teile des zweiten Bandes fanden Eingang in einen gleichnamigen Zeichentrickfilm aus dem Jahr 1985: „Taran und der Zauberkessel“.

Der |Taran|-Zyklus:

1. „Taran und das Zauberschwein“ bzw. „Das Buch der Drei“ (engl. The Book of Three) (1964)
2. „Taran und der Zauberkessel“ bzw. „Der schwarze Kessel“ (engl. The Black Cauldron) (1965)
3. „Taran und die Zauberkatze“ bzw. „Die Prinzessin von Llyr“ (engl. The Castle of Llyr) (1966)
4. „Taran und der Zauberspiegel“ bzw. „Der Spiegel von Llunet“ (engl. Taran Wanderer) (1967)
5. „Taran und das Zauberschwert“ bzw. „Der Fürst des Todes“ (engl. The High King) (1968) – Gewinner der Newbery Medal, 1969
6. „Der Findling und andere Geschichten aus Prydain“ (engl. The Foundling) (1973) – Sammlung von Kurzgeschichten, die in Tarans Welt Prydain spielen

_Die Geschichten aus TARANs Welt_

In der ersten Geschichte „Der Findling“ erfahren wir, wie aus einem Findling in den Marschen von Morva der Zauberer Dallben wurde. Er wuchs bei den drei Hexen/Parzen/Nornen/Schicksalsgöttinnen Orgoch, Orwen und Orddu auf. Weil er von ihrem Zaubertrank kostete, erkannte er die Wahrheit ihrer Existenz: das Schicksal der Menschen zu weben und zu bestimmen. Angesichts seines neuen Wissens konnte er nicht mehr bleiben, doch beim Abschied bekam er „Das Buch der Drei“, ein Buch der Weisheit und mit allen Informationen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Doch auch dieses Geschenk hat einen Preis.

Der Bauer, der Dallben auf der Straße begegnet war, beklagt sich über das Älterwerden, bis er eines Tages von einem der Zwerge – es ist wieder einmal Doli – einen magischen Stein als Ausgleich für einen Hilfsdienst erhält. Der Stein soll Bauer Mabion ewige Jugend verleihen. Das funktioniert auch, doch leider auch bei allem anderen, das auf dem Gehöft wächst: Die Saat geht nicht auf, die Kuh kalbt nicht und aus den Eiern schlüpfen keine Küken. Nur auf die harte Tour erkennt Bauer Mabion das Geheimnis des Lebens. Und dass ein Stein nicht wachsen kann.

Ganz andere Sorgen hat das königliche Haus Llyr unter Königin Regat. Sie muss ihre Tochter Angharad verheiraten, doch die Tradition verlangt, dass der Künftige ebenfalls über Magie herrscht. Prinzessin Angharad, Eilonwys Mutter, ist ziemlich skeptisch und prüft jeden Bewerber genau. Der erste ist ihr zu dürftig in seiner Kunst, der zweite zu egoistisch, und der dritte, der junge Geraint, vermag ihr Herz zu gewinnen, erweist sich aber als kein Zauberer: Er ist Dichter und holt ihr auf diese Weise die Sterne vom Himmel.

Die vierte Geschichte liest sich wie eine Tierfabel: „Die übermütige Krähe“. Der Hüter des Waldes warnt seine Schützlinge, die Tiere, dass der Todesfürst Arawn seine Jäger ausgesandt habe, um Tiere zu fangen und in seinen Dienst zu zwingen. So habe er es schon mit den einst sanften Gwythaint-Vögeln gemacht, die nun zu furchterregenden Spähern geworden seien. Alle Tiere schwören Medwyn, dem Hüter, Treue, alle bis auf die Krähe Kadwyr. Sie verspottet die Tiere, doch als der Jäger Arawns auftaucht, erleidet sie ein Missgeschick, das sie in höchste Bedrängnis bringt: Sie bricht sich einen Flügel. Doch wider Erwarten erweisen sich die verspotteten Tiere als solidarische Helfer in der Not.

In der nächsten Erzählung erfahren wir mehr über „Das Schwert“ des rechtmäßigen Königs: Dyrnwyn. Ein Tabu liegt auf ihm, dass nämlich nur ein Mann von königlichem Geblüt es führen dürfe. Doch was ist ein richtiger König? Der aktuelle Herrscher Rhitta muss erkennen, dass nur derjenige von könglichem Geblüt ist, der selbst das Anliegen des Geringsten seiner Untertanen achtet. Diese Lektion macht ihm das magische Schwert unmissverständlich klar: Der König ist nur so viel wert, wie seine Herrschaft zum Wohle seiner Untertanen bewirkt.

„Der Schmied, der Weber und der Harfner“ werden alle vom dunklen Fürsten Arawn in Versuchung geführt, doch was er anbietet, ist eitel Blendwerk, das dem Verführten mehr schadet als nützt. Nicht so beim Harfner. Der verfügt über seine eigene Art der Magie, die eng mit der Kraft des Lebens verknüpft ist. Mag auch die Harfe zerstört sein, so spielt die Musik doch weiter: im Leben. Fürst Arawn wendet sich mit Grausen.

In der vorletzten Geschichte erfahren wir endlich, wie Fflewdur Fflam zu seiner „wahrhaftigen Harfe“ kam. Als ausgebildeter König denkt er, als Barde müsse man die Wahrheit ein wenig ausschmücken. Die Harfe, die ihm der Oberbarde (er hat hier keinen Namen, doch in den Romanen ist es Taliesin) zur Probe seiner Kunst überlässt, verhält sich recht merkwürdig. Bei jeder lobenswerten Tat, die Fflam vollbringt, etwa die Rettung eines ertrinkenden Kindes, erdichtet Fflam genau das Gegenteil der Wahrheit. Unverzüglich reißen die Saiten der Harfe, und das sind nicht wenige. Am Schluss muss Fflam dem Oberbarden sein Missgeschick eingestehen und erkennen, was die wahre Aufgabe eines Barden ist.

Die vielleicht schönste Geschichte folgt zum Schluss. Sie handelt von „Coll und seinem weißen Schwein“ Hen Wen. Da es die Zukunft kennt, möchte ihm Fürst Arawn seine Geheimnisse entreißen, um besser Prydain beherrschen zu können, und lässt es rauben. Coll ist entsetzt: Nicht nur über den Verlust, sondern auch über die Tatsache, dass er nun seinen Hof verlottern lassen muss. Wer weiß, wie lange die Jagd dauert?

Zunächst erwirbt der gute Mann per Magie die Gabe, die Sprache der Tiere zu verstehen. Eine freundliche Eule klärt ihn auf, was Sache ist. Dann hilft er einem Hirsch aus einer Dornenhecke; der trägt ihn zu den Toren der Unterwelt Annuvis, wo Hen Wen vermutet wird. Auch einem Maulwurf hilft Coll, was sich später als äußerst nützlich erweist. Ohne die Pointe zu verraten: Als Coll inklusive Zauberschwein wieder nach Hause kommt, wartet dort ein neuer Bewohner auf ihn: Es ist Dallben. Nun können die Abenteuer Tarans wirklich beginnen.

|Biografie|

Den Abschluss des Buches bildet eine Notiz des Übersetzers Helmut W. Pesch, in der er auf acht Seiten Leben und Werk Lloyd Alexanders beschreibt. Er tut dies wirklich sehr anschaulich, so als ob er den Autor in Pennsylvania besucht hätte. Alexander veröffentlichte bis Ende der neunziger Jahre Kinder- und Jugendbücher, hielt Vorträge sowie Lesungen und schrieb Artikel über dieses Genre. Der Achtzigjährige lebt immer noch in seiner Geburtsstadt Drexel Hill.

_Mein Eindruck_

Jede Geschichte ist auf eine bestimmte Pointe hin geschrieben. Das macht sie einerseits spannend und unterhaltsam, andererseits auch lehrreich. Jedes Mal wird ein Problem gelöst, was mit einer kleinen Erkenntnis verbunden ist. Sei es die Erkenntnis, dass keiner ohne Freunde überlebt oder dass man kein Zauberer sein muss, um eine Prinzessin bezaubern zu können. Jede Geschichte gibt dem jungen Leser etwas, das er für sich nutzen kann.

Innerhalb des Taran-Zyklus bieten drei Geschichten zusätzliche Hintergrundinformationen: die jeweiligen Erzählungen zu Coll dem Schweinehirten, Dallben dem Zauberer und Fflewdur Fflam, dem Barden. Man muss diese Informationen aber nicht haben, um die restlichen Bücher genießen zu können.

Eine Illustration, die Johann Peterka angefertigt hat, leitet jede Erzählung ein. Peterka hat auch den restlichen Zyklus illustriert, von daher ist diese Fortführung sehr passend. Die Übersetzung ist Helmut W. Pesch gut gelungen. Sie hebt sich deutlich von den Erzeugnissen ab, die Vocke und Killer in Band 3 und 4 abgeliefert hatten und kehrt zu der altertümelnden Diktion von Band 1 und 2 zurück. Nun klingen diese Fabeln aus alten Tagen auch wieder so, als kämen wirklich aus alten Tagen zu uns und nicht mehr aus dem Unterricht an der Gesamtschule.

Die Illustrationen und die große Schrifttype führen dazu, dass eine Menge Platz „verschwendet“ wird, um es mal ökonomisch auszudrücken. Ein anderer Verlag hätte wahrscheinlich nur halb so viel Seiten verwendet, um die Texte unterzubringen. Und das wäre wahrlich ein Jammer gewesen: Die Geschichten sind zum Vorlesen gedacht, die schönen Zeichnungen zum Anschauen. Und bei kleinerer Schrifttype würden sich die Kinder – ich denke an Kinder ab 6 bis 8 Jahren – die Augen verderben. Das geht also in Ordnung. Zumal der Preis der niedrigste in der gesamten Taschenbuchkategorie ist.

_Unterm Strich_

„Der Findling“ ist ein schönes Geschichtenbuch für sehr junge Leser ab 6 bis 8 Jahren, illustriert mit detailreichen Zeichnungen von Johann Peterka. Alles Weitere habe ich schon oben gesagt. Das Buch zu kennen, ist keine Voraussetzung für das Lesen der fünf Romane, aber es lohnt sich besonders, wenn man die Romane schon kennt. Einziges Manko: keine einzige neue Geschichte um Taran selbst.

Die Biografie klärt den Leser über den Autor des Taran-Zyklus auf, die hiermit erstmals komplett in deutscher Sprache vorliegt, und weist ihn auf weitere Werke von Lloyd Alexander hin, von denen viele noch nicht in unsere Sprache übertragen worden sind. Diesem Missstand sollte schleunigst abgeholfen werden.

Isabel Abedi – Whisper. Jugendroman

Die Autorin

Isabel Abedi, geboren 1967, hat dreizehn Jahre lang als Werbetexterin gearbeitet. Abends, am eigenen Schreibtisch, hat sie Kinder- und Bilderbuchgeschichten geschrieben und davon geträumt, eines Tages davon leben zu können. Dieser Traum hat sich längst erfüllt: Isabel Abedi hat inzwischen zahlreiche sehr erfolgreiche Kinderbücher veröffentlicht, von denen manche bereits ausgezeichnet und in andere Sprachen übersetzt wurden. Nach „Imago – Die geheime Reise“ ist „Whisper“ ihr zweiter Jugendroman. Isabel Abedi lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Hamburg.

Bilderbücher

10 Marienkäfer sagen Gute Nacht. arsEdition (2010), ISBN 978-3-7607-4090-4.
Das 99. Schaf. arsEdition (2010), ISBN 978-3-7607-3640-2.
Das 99. Schaf und der kleine Wolf.
Das 99. Schaf reist um die ganze Welt.
Blöde Ziege – Dumme Gans. arsEdition (2009), ISBN 978-3-7607-2985-5.
Verschwunden!, ruft die kleine Ziege.
Hurra, gewonnen!
Torro sieht rot.
Leila Schwein schreit Nein!
Du bist mein größter Schatz.
Hexus-Plexus.
Verschwunden/Gefunden.
Ein Wunsch für die kleine Fee.
Glück gehabt, Pechbär!
Lisa und der Krachdrache.
Abschied von Opa Elefant.
Alberta geht die Liebe suchen.
Traumschuhe für Lilian.
Der Baum ist mein Haus.
Der Nikolaus kommt heut!
Weihnachtsrabe Rasputin findet das Glück.
Keine Angst, kleines Nachtgespenst!
Wie lange noch?
Drei Jahre noch, dann halte ich es nicht mehr aus!

Kinderbücher

01 Lisbeth – Und hier kommt Tante Lisbeth! ISBN 978-3-7855-7914-5.
Kleiner Wolf sucht ein Zuhause.
Kleiner Wolf in Not.
Käpten Klonk und seine Piraten.
01 Lola – Hier kommt Lola! ISBN 978-3-7855-5169-1.
02 Lola – Lola macht Schlagzeilen. ISBN 978-3-7855-5337-4.
03 Lola – Lola in geheimer Mission. ISBN 978-3-7855-5534-7.
04 Lola – Applaus für Lola! ISBN 978-3-7855-5692-4.
05 Lola – Lola Löwenherz. ISBN 978-3-7855-5674-0.
06 Lola – auf Hochzeitsreise. ISBN 978-3-7855-5675-7.
07 Lola – Schwesterherz. ISBN 978-3-7855-5676-4.
08 Lola – Fünf Sterne für Lola. ISBN 978-3-7855-5677-1.
09 Lola – Lola und die einzige Zeugin. ISBN 978-3-7855-5678-8.
Lola – das Buch zum Film. ISBN 978-3-7855-7139-2.
Lola – Meine Freunde. (Freundebuch)
Lola – Macht Lola zum Star.
Verbotene Welt. Loewe Verlag, ISBN 978-3-7855-6300-7.
Unter der Geisterbahn. Loewe Verlag, ISBN 978-3-7855-6766-1.
Los Angeles.
Leselöwen: Popstargeschichten. Mit Bildern von Silke Brix. Loewe Verlag, (2008), ISBN 978-3-7855-4126-5.
Leselöwen: Freundinnengeschichten. Loewe Verlag

Jugendbücher

Imago. Arena, Würzburg (2004), ISBN 3-401-05572-0.
Whisper. Arena, Würzburg (2005), ISBN 3-401-02999-1.
Isola. Arena, Würzburg (2007), ISBN 978-3-401-06048-4.
Lucian. Arena, Würzburg (2009), ISBN 978-3-401-06203-7.
Die längste Nacht. Arena, Würzburg (2016), ISBN 978-3-401-06189-4

Hörbücher (Auswahl)

Hier kommt Lola! Jumbo Neue Medien & Verlag, Hamburg (2005), ISBN 3-8337-1211-2.
Lola macht Schlagzeilen. Jumbo Neue Medien & Verlag, Hamburg (2005), ISBN 3-8337-1345-3.
Lola in geheimer Mission. Jumbo Neue Medien & Verlag, Hamburg (2006), ISBN 3-8337-1499-9.
Unter der Geisterbahn. Jumbo Neue Medien & Verlag, Hamburg (2006), ISBN 3-8337-1629-0.
Applaus für Lola! Jumbo Neue Medien & Verlag, Hamburg (2007), ISBN 978-3-8337-1775-8.
Imago. Jumbo Neue Medien & Verlag, Hamburg (2007), ISBN 978-3-8337-1855-7.
Verbotene Welt. Jumbo Neue Medien & Verlag, Hamburg (2007), ISBN 978-3-8337-1908-0.
Lola Löwenherz. Jumbo Neue Medien & Verlag, Hamburg (2008), ISBN 978-3-8337-2063-5.
Isola. Arena Verlag, Würzburg (2008), ISBN 978-3-401-26048-8.
Lola auf Hochzeitsreise. Jumbo Neue Medien & Verlag, Hamburg (2008), ISBN 978-3-8337-2196-0.
Lucian. Jumbo Neue Medien & Verlag, Hamburg (2009), ISBN 978-3-8337-2535-7.
Lola Schwesterherz. Jumbo Neue Medien & Verlag, Hamburg (2010), ISBN 978-3-8337-2634-7.
5 Sterne für Lola. Jumbo Neue Medien & Verlag, Hamburg (2012), ISBN 978-3-8337-2994-2.
Lola und die einzige Zeugin
Superstarke Kindergartengeschichten. Jumbo Neue Medien & Verlag, Hamburg (2014), ISBN 978-3-8337-3286-7.

Der Roman

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Scott Westerfeld – Cool Hunter. Ein Lifestyle-Thriller

Spannend und lustig: Coolness mit unerwarteten Nebeneffekten

Lifestyle, Labels und Logos bestimmen die Welt des siebzehnjährigen Hunter Braque. Als sich der coole Trendscout auf der Jagd nach den neusten Innovationen in die lässige Jen verliebt, gerät er in mysteriöse Verstrickungen: Plötzlich fehlt von seiner Auftraggeberin jede Spur, dafür entdeckt Jen ein Paar absolut megahippe Sneaker in einer leer stehenden Fabrikhalle, die sie begeistert an sich nimmt. Die beiden Trendjäger ahnen nicht, dass sie in eine Falle getappt sind. Denn es geht um die Macht der Marken … (Verlagsinfo)

Vom Verlag empfohlenes Lesealter: 12 – 15 Jahre.
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Hoeye, Michael – Hermux Tantamoq: Vorhang auf – Die Zeit läuft!

Unser Mäusedetektiv sieht sich in seinem dritten Abenteuer einer harten Prüfung seiner Liebe zu Linka Perflinger ausgesetzt. Ein Schürzenjäger, der sich als Actionregisseur ausgibt, will mit ihr einen Dokumentarfilm drehen, sie aber eigentlich bloß ins Bett kriegen. Doch wie so oft erweisen sich Linkas Informationen als Schlüssel zu einem Geheimnis, dem Hermux in seiner Heimatstadt Pinchester auf der Spur ist.

Für kleine und große Kinder ab 10 Jahren.

|Der Autor|

Michael Hoeye wohnt mit seiner Frau Martha in einem Cottage in Oregon im Nordwesten der USA. „Umgeben von hohen Bäumen und freundlichen Eichhörnchen arbeitet er dort als freier Schriftsteller“, säuselt der Klappentext. Da juchzt das Mutterherz, das dieses Buch kaufen soll.

Hoeyes erstes Buch „Hermux Tantamoq – Im Wettlauf mit der Zeit“ wurde in über 20 Sprachen übersetzt und ist 2002 bei |Omnibus| – jetzt |cbj| bei |Random House/Bertelsmann| – erschienen. „Hermux Tantamoq – Das Geheimnis der verbotenen Zeit“ ist der zweite Band der Trilogie, deren letzter Band „Vorhang auf – Die Zeit läuft!“ in diesem Herbst erschien.

Band 1: Im Wettlauf mit der Zeit
Band 2: Das Geheimnis der verbotenen Zeit
Band 3: Vorhang auf – Die Zeit läuft!

_Handlung_

Eines Tages erhält Hermux Tantamoq, seines Zeichens friedliebender Uhrmacher in Pinchester, eine dringende Einladung vom Direktor des bekanntesten Varietétheaters der bekannten Mauswelt, von Fluster Varmint himself. Was mag der bekannte Maestro wohl von ihm wollen? Wie sich zeigt, hat sich Hermux den Ruf eines Meisterdetektivs erworben.

Diesmal soll er denjenigen dingfest machen, der Varmint laufend Drohbriefe schreibt, in denen nicht nur Varmint selbst gedroht wird, sondern auch seiner Tochter Beulith. Um den Schreiber zu finden, soll Hermux erst einmal vorgeben, im Theater eine Weckeranlage zu installieren. Dazu muss er praktisch den ganzen Tag vor Ort sein.

Hermux macht sich daher Sorgen um sein Haustier: Wer kümmert sich um Terfle, seinen Marienkäfer? Kurzentschlossen kauft er einen „Haustierpalast“ und quartiert damit Terfle im Theater ein. Dort kümmert sich die Kostümbildnerin Glissin rührend um das liebe Tierchen. Von den Künstlern lernt Terfle Kartentricks und die Kunst des Hypnotisierens – beides sehr nützliche Fertigkeiten, wie sich später erweist. Um Hermux‘ Uhrenladen kümmert sich sein Kumpel Nip.

Unterdessen hat es ein windiger Regisseur namens Brinx Lotelle geschafft, Hermux‘ Freundin Linka Perflinger zu einer Flugreise zu überreden, die zu den verschiedenen Orten führen soll, an denen die berühmte, aber nach einem Unglück verschwundene Filmschauspielerin Nurella Pinch gelebt hatte. Linka ist schnell für das noble Vorhaben dieses Dokumentarfilms gewonnen, doch wie sich zeigt, hat Brinx ganz andere Absichten mit ihr. Fast jeden Abend ruft sie Hermux an und unterrichtet ihn über ihre Erkenntnisse Nurella betreffend.

Ständig kommt Hermux seiner Erzfeindin und Nachbarin, der Kosmetikzarin Tucka Mertslin in die Quere – oder ist es vielmehr anders herum? Wie wir schon aus den beiden vorherigen Abenteuern wissen, ist Tucka eine Egomanin, die der bösen Königin in „Schneewittchen“ – „Wer ist die Schönste im ganzen Land – und wehe, du sprichst nicht die Wahrheit, dann lass ich dich zertrümmern!“ – locker das Wasser reichen kann.

Tucka hat einen neuen Verehrer, den Heiratsschwindler Corpius Crounce. Jedenfalls nennt er sich im Augenblick so, findet Tucka heraus. Sie sagt ihm die Wahrheit auf den Kopf zu und macht ihn so zu ihrem Komplizen und Helfershelfer in ihrem Großangriff auf Varmints Theater: Sie will es unbedingt haben – und das ganze umgebende Viertel dazu!

Varmint und Hermux, sein Detektiv, merken schnell, dass sie es mit skrupellosen Widersachern zu tun haben: Herabfallende Scheinwerfer sind nur eine der Methoden, mit denen hier gearbeitet wird. Ein sprechender und intelligenter Papagei kann Hermux aber aufklären, was läuft.

Doch beide Seiten ahnen nicht, dass Varmints Theatertruppe mehrere große Geheimnisse birgt, die den weiteren Verlauf der Auseinandersetzung in eine unerwartete Richtung lenken werden.

_Mein Eindruck_

Die ersten beiden Abenteuer hatten unseren Mäuserich Hermux Tantamoq in ferne Gefilde und in die nächste Umgebung Pinchesters geführt, ins Institut der wahnsinnigen Dr. Mennus. Dabei hat sich sein Horizont erweitert, seine Erkenntnisfähigkeit für Lügen und Täuschungen wurde geschärft und seine Liebe zu Linka hat sich vertieft.

Dies alles wird nun in der Scheinwelt des Theaters von Fluster Varmint auf die Probe gestellt. Kann Hermux‘ Auge zwischen Verkleidung und wahrem Selbst unterscheiden? Wenn ja, dann muss er diese Fähigkeit auch auf sich selbst anwenden: Er muss Linka einen Antrag machen und ihr seine Liebe erklären. (Da schlagen die Herzen der Leserinnen und Mäusinnen höher!)

Bis auf Tucka Mertslin, die es nicht mehr nötig hat, lügen alle Bösewichte und Gauner wie gedruckt. Aber auch die „Guten“ in der Welt des Theaters sagen nicht immer die Wahrheit, wie sich erweist, wie auch ihre Täuschungen Opfer fordern, wenn diese Täuschungen auffliegen. Dann erfordert es viel Mut und gutes Zureden, um die Wahrheit triumphieren zu lassen.

Hermux, unser Held mit dem Herzen auf dem rechten Fleck, legt sich entsprechend ins Zeug – und ist froh, wenn alles klappt. Daher gibt es im Buch mehrere schöne Überraschungen. Aber auch ein Actionfinale à la James Bond ist vorgesehen – ob Hermux und Terfle da wieder heil herauskommen?

|Mein Leseerlebnis|

Auch das dritte Abenteuer lässt sich in wenigen Tagen – ach was, in einem Tag! – bewältigen, denn die Handlung ist zwar etwas komplizierter aufgebaut, aber dafür umso spannender zu lesen. Für Zehn- bis Zwölfjährige ist so ein Mäuse-Abenteuer gut zu verstehen, für jüngere Semester wohl weniger.

Neben Spannung, Action und Geheimnis hält das Buch aber auch viele humorvolle Situationen bereit. Sie drehen sich sehr oft um Terfle, das geliebte Marienkäferchen des Helden, das ihm diesmal fast die Hauptrolle streitig macht. Über einen Marienkäfer, der geldgierige Eilboten – die Hermux schon seit Band 1 das Geld aus der Tasche gezogen haben – im Kartenspiel abzockt, liest man nicht alle Tage. Und wenn Hunde von ihm hypnotisiert werden, sind die Folgen mindestens ebenso lustig.

|Die Übersetzung|

Die Übertragung ins Deutsche ist den beiden Übersetzern Gerald Jung und Katharina Orgaß – in allen drei Hermux-Bänden – ganz außerordentlich gut gelungen. Es gibt zahllose Beispiele, an denen sie einen idiomatischen Ausdruck aus dem Englischen angemessen übertragen mussten. Diese umgangssprachlichen Ausdrücke sind immer heikel: Erstens muss man sie kennen, zweitens können sie im Laufe der Jahre ihre Bedeutung verändern – ein veraltetes Wörterbuch hat schon so manchen Übersetzer aufs Kreuz gelegt. Man muss also auf dem Laufenden sein. Und wie ich feststellen konnte, ist es ausnahmslos gut gelungen, die lockere und lebendige Ausdrucksweise des Autors zu erhalten. Deshalb ist die Lektüre ein echtes Vergnügen – wozu die Geschichte natürlich noch ebenfalls einen guten Teil beiträgt.

_Unterm Strich: Was uns der Dichter sagen will_

Diese drei Mäuseabenteuer sind nicht nur spannende und lustige Lektüre, sondern vermitteln durch die Entwicklung des Helden auch noch zahlreiche Erkenntnisse – nicht so sehr über Mäuse, versteht sich, sondern über Menschen. Aber gerade die Verfremdung (bzw. Maskierung), Menschen als Mäuse, Ratten, Maulwürfe, Murmeltiere und sogar Wiesel darzustellen, lässt die eigentlichen inneren Eigenschaften klarer hervortreten. Deshalb können uns Tierabenteuer manchmal mehr über uns selbst verraten als so manche antike Tragödie. „No time like show time“ – das gilt in Pinchester genauso sehr wie in New York, Paris oder London.

Die wichtigste Lehre durchzieht alle drei Bände: Es geht um unseren Umgang mit dem Phänomen der Zeit. Tucka Mertslin ist nur deshalb Kosmetikfetischistin geworden, um für alle Ewigkeit jung auszusehen. Der Preis dafür ist ihr fragwürdiges moralisches Verhalten, denn als Egomanin hat sie keinerelei Interesse am Wohlergehen ihrer Mitmäuse. Hermux Tantamoq ist ihr genaues Gegenteil: Er leugnet das Verstreichen der Zeit nicht, da diese quasi sein Medium ist: Er ist als als Uhrmacher von Zeit-Messern umgeben, nennt sogar uralte Erbstücke in Form von Sanduhren sein Eigen (Band 1).

Daher ging es in Band 1 um Jungbrunnen und Schönheitschirurgie – beides Versuche, das Altern aufzuhalten. In Band 2 erhob sich die Vergangenheit selbst – und wieder spielt ein (gigantischer) Zeitmesser eine zentrale Rolle. Natürlich dreht sich auch in Band 3 alles um Zeit und Altern: Tucka will aus dem Theaterviertel ein Monument für ihre Größe machen, unter dem Vorwand, der großen Schauspielerin Nurella Pinch ein Denkmal zu setzen. Die eigentliche Pinch-Gedenkplakette ist hingegen winzig. Der andere, quasi gegenläufige Handlungsstrang demonstriert anhand von Nurella Pinch, wie vergänglich – oder auch unsterblich – wahrer Ruhm sein kann. Hermux hingegen zieht die Bewältigung des Alterns in den Armen von Linka vor. Zusammen mit einem geliebten Menschen alt zu werden, ist vielleicht doch die beste Methode, mit der Zeit fertigzuwerden.

Zumindest meint das der Autor. Und darüber sollte man vielleicht mal nachdenken. Vielleicht ein oder zwei Sekunden lang. Oder länger.

Hoeye, Michael – Hermux Tantamoq: Im Wettlauf mit der Zeit

In einer Welt voller Mäuse entwickelt sich ein friedliebender Uhrmacher namens Hermux Tantamoq zu einem Amateurschnüffler. Diesmal hat es ihm die fesche Fliegerin Linka Perflinger angetan, doch sie ist seit Tagen verschwunden. Seltsame Dinge ereignen sich in Pinchester, auch mysteriöse Todesfälle. Da hilft ihm ein Expeditionstagebuch endlich zu verstehen, was eigentlich los ist: die Jagd nach dem Jungbrunnen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, um Linka zu retten.

Für kleine und große Kinder ab 10 Jahren.

|Der Autor|

Michael Hoeye wohnt mit seiner Frau Martha in einem Cottage in Oregon im Nordwesten der USA. „Umgeben von hohen Bäumen und freundlichen Eichhörnchen arbeitet er dort als freier Schriftsteller“, säuselt der Klappentext. Da juchzt das Mutterherz, das dieses Buch kaufen soll.

Hoeyes erstes Buch „Hermux Tantamoq – Im Wettlauf mit der Zeit“ wurde in über 20 Sprachen übersetzt und ist 2002 bei |Omnibus| – jetzt |cbj| bei Random House/Bertelsmann – erschienen. „Hermux Tantamoq – Das Geheimnis der verbotenen Zeit“ ist der zweite Band einer Trilogie, deren letzter Band in diesem Herbst erschien.

Band 1: Im Wettlauf mit der Zeit
Band 2: Das Geheimnis der verbotenen Zeit
Band 3: Vorhang auf – Die Zeit läuft!

_Handlung_

Hermux Tantamoq ist ein ebenso brillanter wie friedliebender Uhrmacher in der friedliebenden Stadt Pinchester. Eines Tages kommt zu ihm eine bildhübsche Mäusin, die ihm sowohl ihre Visitenkarte als auch eine Uhr zum Reparieren gibt. Auf der Karte steht: „Miss Linka Perflinger, Abenteurerin, Draufgängerin und Fliegerin – Halsbrecherische Bravourstücke – Nervenkitzel garantiert – Zu Lande und in der Luft – Faire Preise“. Er verliebt sich sofort in sie.

Die Uhr ist zwar am nächsten Vormittag repariert, doch von der Abholerin fehlt jede Spur. Immerhin hat er ja ihre Adresse. Vor ihrem Haus wird er Zeuge, wie Linka in einen Luxusschlitten geführt wird, in dem zwielichtig aussehende Ratten sitzen. Am nächsten Tag folgt er einer verdächtigen Ratte, die sich nach der Uhr erkundigt hat, auf deren Wegen in der Stadt: Sie führen zum Forschungsinstitut eines gewissen Dr. Hiril Mennus, seines Zeichens Schönheitschirurg.

Er sieht sich in Linkas Haus ein wenig um und wird fündig: eine ungewöhnliche Pflanze, deren Blätter ihm ungeahnte neue Energie zuführen. Er bekommt heraus, dass Linka im Auftrag eines gewissen Dr. Jervutz vom Perriflot-Forschungsinstitut unterwegs gewesen war, und zwar im tropischen Teulabonarien. Doch um welchen Auftrag handelte es sich? Am Perriflot-Institut angekommen, bemerkt er einen Menschenauflauf: Dr. Jervutz ist tot. Ermordet?

Vor seinem Tod hat Jervutz einen Dr. Dandiffer erwähnt, der im tropischen Urwald als Ethnobotaniker nach bestimmten Pflanzen suchte. Dabei handelt es sich um genau jene Mondpflanzen, von deren Blättern Hermux selbst gegessen hat. Sie haben eine verjüngende Wirkung. Dann erhält Hermux das Expeditionstagebuch des unglücklichen Dr. Dandiffer, der verschollen ist.

Aus diesem Tagebuch wird ihm klar, warum Hiril Mennus hinter Linka Perflinger her ist: Er will das, was Linka von Dr. Dandiffer zurückgebracht hat – die Formel für die ewige Jugend. Und mit dieser will er Tucka Mertslins Kosmetikimperium mit verjüngenden Produkten versorgen: das „Millennium-Projekt“.

Jetzt weiß Hermux, wo er Linka suchen muss. Leider hat er die Rechnung weder mit Tucka noch mit Dr. Mennus gemacht.

_Mein Eindruck_

Der teuflische Dr. Mennus hat mich stark an seine Film-Vorbilder Dr. Mabuse, Fantomas und andere verrückte Wissenschaftler erinnert, ja, an einer Stelle sogar an Dr. Mengele, den Auschwitz-Arzt … Mehr darf nicht verraten werden, aber sie wollen die Welt mal wieder mit den irrsinnigsten Apparaturen beglücken.

Die schönste bzw. verrückteste davon ist „U-Babe 2000“. Sie verwandelt das Opfer in wenigen Minuten in den körperlichen Idealzustand. Von der mentalen Verfassung des „Versuchsobjektes“ schweigen wir lieber, sofern es die Prozedur überhaupt überlebt. Das ist überhaupt nicht lustig, und im Finale gibt es durchaus spannende Horrormomente, in die sich makabre Komik mischt. Die Zeit bzw. Zeitmesser spielen dabei eine zentrale Rolle, weshalb Hermux‘ Anwesenheit durchaus passend ist.

Mich hat am meisten dieses widerliche Frauenzimmer namens Tucka Mertslin gestört. Mir will gar kein Gegenstück in unserer Welt einfallen, obwohl es etliche Gründerinnen von Kosmetikimperien gegeben hat, so etwa Ellen Astor und andere. Tucka ist die Egozentrikerin par excellence: Wer nicht nach ihrer Pfeife tanzt, ist ihr Feind. Und die Bevölkerung dient ihr lediglich als Absatzmarkt ihrer minderwertigen Produkte. Hermux rümpft regelmäßig die Nase, wenn ihm eines ihrer Erzeugnisse in die Nase steigt. Sie schikaniert ihre Sekretärin – und dreimal darf man raten, mit wem sie sich für das Millennium-Projekt zusammengetan hat und wer ihr Lieblingsdesigner ist.

Da haben es redliche Uhrmacher und Amateurdetektive wie Hermux Tantamoq wahrlich nicht leicht. Der Leser darf sich auf etliche haarsträubende Abenteuer freuen. Er darf sich aber nicht von den falschen Fährten verwirren lassen. Nicht jeder ist, was er vorgibt zu sein.

|Keine Disney-World|

So mancher erwachsene Leser ist vielleicht an gewisse Abenteuer in Entenhausen erinnert, die ja oft auch mit Expeditionen zu tun hatten. Doch Hermux Tantamoq in Pinchester hat sehr wenig mit dem Disney-Imperium aus Kalifornien zu tun. Vielmehr scheinen er und seine mal mehr, mal weniger braven Mitbürgermäuse direkt einem viktorianischen Nimmerland entstiegen zu sein, das dem von Harry Potter in mancher Hinsicht ähnelt. Allerdings gibt es hier weit und breit keine Magie. (Außer der der Liebe.)

Viktorianisch ist das beschauliche, noch kaum von Autos und Telefonen beschleunigte Leben in Pinchester, wo selbst die Postbotin noch eine strategisch wichtige Rolle in der Gesellschaft zu spielen vermag. Viktorianisch sind die gediegenen Einladungen, die Hermux erhält, und die uralten Uhren in seinem Laden – allesamt mechanisch, versteht sich. Ganz und gar 20. Jahrhundert sind hingegen Wirtschaftsspionage und durchgeknallte, skrupellose Wissenschaftler. Selbst die Kunst ist nicht mehr das, was sie mal war: Rink Firsheen stellt eine Straßensszene nach einem Raubüberfall nach – im Foyer von Hermux‘ einst so wohnlichem Mietshaus.

|Grafik-Design|

Ein Element, das jedes Hermux-Buch zu einem visuellen Erlebnis macht, sind die zahlreichen Wiedergaben von Dokumenten. Die Visitenkarte von Linka Perflinger habe ich ja bereits erwähnt. Aber es gibt auch seitenlang abgedruckte Zeitungsartikel, insbesondere von einem zwielichtigen Journalisten namens Pup Schoonagliffen, dem Hermux leider nur zu sehr vertraut.

Ganz am Schluss des Buches findet sich eine gezeichnete Landkarte, deren Studium sich lohnt. Hier finden sich Hinweise darauf, wohin Dr. Dandiffers Expedition in Teulabonarien wirklich führte. Wer also aus der Beschreibung im Expeditionstagebuch nicht schlau geworden ist, findet hier anschaulich Aufschluss.

_Unterm Strich_

Ich habe auch dieses, mein zweites „Hermux Tantamoq“-Abenteuer mit großem Spaß gelesen. Die Lektüre ist völlig entspannt zu bewältigen, wartet stets mit netten Überraschungen auf und wird zum Finale hin zunehmend spannender. Etliche Seitenhiebe auf menschlich-allzumenschliche Phänomene gibt es zu belächeln, vielleicht sogar zu bedenken: verrückte Wissenschaftler, durchgeknallte Schönheitschirurgen, eine „diskrete“ Postbotin, Kosmetikimperialistinnen, romantische Liebespaare. Ach ja, nicht zu vergessen: Terfle, Hermux‘ lieben Marienkäfer. Nach ihm ist die Agentur des Autors benannt: Terfle House Limited.

Ich habe das Buch in wenigen Tagen ausgelesen und kann es Freunden von Tierabenteuern nur wärmstens ans Herz legen. Kleine und große Kinder ab 10 oder 12 Jahren dürften damit keinerlei Schwierigkeiten haben – Mütter seien gewarnt, dass ihr Schützlinge die komplette Trilogie werden haben wollen.

Pat Croce – Piraten – Die ganze Wahrheit über ihr wildes Seeräuberleben!

Joho, wild ist das Piratenleben

Joho! „Ein lustiges und kurzes Leben, das soll mein Motto sein“, soll Bartholomew „Black Bart“ Roberts gesagt haben. Er wurde zu einem der berüchtigsten Seeräuber der Karibik. Im Goldenen Zeitalter der Piraterie zwischen 1690 und 1730 befuhren Tausende von wagemutigen und skrupellosen Seeräubern wie Roberts die Meere und hielten Ausschau nach Schiffen mit wertvoller Ladung, um diese zu plündern.

Diese Burschen sind zwar faszinierend, doch wie ihr Alltag aussah, wie sie kämpften und lebten, das können wir uns nur schwer vorstellen. Und viele Mythen und Legenden spinnen sich um ihr Leben zwischen Freiheit und Todesgefahr.

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Doyle, Roddy – Mister Macks Missgeschicke

_Schnell und unterhaltsam wie eine Achterbahnfahrt_

Eine Säge, die aussieht wie eine Maschinenpistole, kann leicht zu Missverständnissen führen, gerade in diesen Tagen. Schon bald sieht sich Erfinder Mister Mack („Mister“ ist sein Vorname) unangenehmen Fragen seitens der Polizei ausgesetzt. Seine Söhne und ihr Hund Rover buddeln einen Tunnel unters Gefängnis, um ihn zu befreien. Doch was treibt Mrs. Mack unterdessen? Sie stellt einen Rekord auf. Für das Guinness-Buch. Wenn das mal gut geht.

_Der Autor_

Roddy Doyle, 1958 in Dublin geboren, ist wohl einer der bekanntesten Vertreter der neueren irischen Literatur. Für seinen Roman „Paddy Clarke Ha Ha Ha“ erhielt er den traditionsreichen (und gut dotierten) Booker Prize. Mit „Das große Giggler-Geheimnis“ und „Rover rettet Weihnachten“ gelang ihm auch als Kinderbuchautor ein erfolgreicher Start. Doyle lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Irlands schöner Hauptstadt.

_Handlung_

Mister Mack, der brave Familienvater aus Dublin, verliert eines Tages seinen Job als Kekstester in der Keksfabrik. Die Leute wollen etwas anderes essen, sagt sein Boss: Knäckebrot. Er lässt sich etwas einfallen und versucht, sich als Erfinder durchzuschlagen. Nach ein paar Fehlschlägen scheint ihm mit der Vielzwecksäge der Durchbruch gelungen zu sein. Mit seiner Erfindung „bewaffnet“, begibt er sich stante pede zur Bank, um bei seinem Berater einen Kredit zu beantragen.

Die Schalterangestellte ist erstaunlich kooperativ, als er ihr seine Säge zeigt, und schon bald kann er mit seinem persönlichen Berater sprechen. Beim Gespräch stören lediglich die vielen Sirenen in dieser Gegend. Bei der praktischen Demonstration seiner Säge unterläuft Mister Mack leider ein kleiner Fehler. Offenbar muss er die Zielgenauigkeit der Säge noch feiner justieren. Da wird er festgenommen. Wegen Besitzes einer gefährlichen Waffe. Die Polizisten meinen, die Säge habe eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit einer Maschinenpistole, und was er davon halte? Leider haut die Demonstration der Harmlosigkeit seiner Säge nicht so ganz hin: Die Bank sieht relativ verwüstet aus. Mister Mack wird abgeführt.

|Unterdessen …|

Mrs. Mack hat wieder einmal beschlossen, ein Eintrag ins „Guinness-Buch der Rekorde“ würde ihrem Ego gut tun und hat sich auf den Weg gemacht, die Erde zu umrunden. Zu Fuß. Das Besondere daran: Sie hat davon niemandem außer ihrem Mann etwas gesagt – das ist ja das Geniale an diesem Rekordversuch. Allerdings findet sie es sonderbar, dass eine andere Frau, die sie China trifft, offenbar genau die gleiche Idee gehabt hat …

|Unterdessen …|

Die Gartenschnecken haben sich in einem Hinterhof versammelt, um die Weltrevolution zu starten. Doch jeder Anfang ist langsam.

|Unterdessen …|

… sucht die Waisenkinderfängerin Missis Meanie in Mister Macks verlassenem Heim nach den verlassenen Waisen. Töchterchen Kayla ist mit ihrer Freundin Victoria und ihrem Haushund Rover auf der Suche nach Mami ausgeflogen, aber die beiden Söhne Jimmy und Robbie sollten noch da sein. Allerdings sind sie gerade dabei, einen Tunnel von ihrem Heim zum Gefängnis zu graben, wo ihr Daddy einsitzt und sich zudringlichen Fragen der Polizisten und des Gefängniswärters ausgesetzt sieht. Er stellt sich dumm, was ihm nicht schwer fällt.

Ob das Abenteuer der Familie Mack noch gut ausgeht oder vorher die Schnecken die Weltherrschaft erringen, darf hier nicht verraten werden.

_Mein Eindruck_

Diese Geschichte erzählt sich der Erzähler nicht selbst, sondern jemandem, der immer sagt „Langweilig!“ und damit droht, etwas ganz Schreckliches zu tun (zum Beispiel nicht einzuschlafen und das ganze Haus zusammenzubrüllen). Also muss der Autor sich ziemlich abgefahrene und vor allem gewalttätige Dinge einfallen lassen. Bloß, damit seine Geschichte nicht LANGWEILIG wirkt. Auch dass die Szenerie sehr schnell hin und her wechselt – manchmal mitten im Absatz – hilft, die LANGEWEILE außen vor zu halten wie einen bösen Dämon zu Halloween.

Das Buch trägt im Original nicht umsonst den Titel „The meanwhile Adventures“, und „meanwhile“ heißt bekanntlich „unterdessen“. (Bin ich schnell genug? Ich will um Gottes willen nicht langweilen!) Daher auch die vielen „unterdessens“, aber das war wohl schon klar. Wir haben es also mit mindestens vier Handlungssträngen zu tun: Mister und Mrs. Mack, die Brüder, die Tochter. Huch, ich habe die Schnecken vergessen! Die Revolution marschiert voran, wenn auch im Schneckentempo.

|Schwierigkeiten|

Es hilft nicht wirklich, dass Kayla Mack immer nur „Wer bist duuuuuuuu?“ fragt und ihre Freundin Victoria immer nur „Batterien inklusive!“ ruft. Die kleinen Kinder scheinen in diesen Äußerungen einen Code versteckt zu haben, den zumindest ihre Eltern entschlüsseln können. Das lässt auf einen Fortschritt hoffen. Aber nicht für die Nerven.

Es hilft auch nicht wirklich, ständig mit Begriffen und Ausdrücken der irischen Alltagssprache – natürlich in Übersetzung – bombardiert zu werden, aber es macht die Geschichte ungemein interessant. Wer will, kann sie im angehängten Glossar nachschlagen, aber der Erzähler ist so freundlich, sie auch im Erzähltext zu erklären. Manchmal tragen auch die zahlreichen Illustration von Brian Ajhar zum unmittelbaren Verständnis dessen bei, was gemeint ist.

Wer kann sich schon unter „Unterbuxen“ etwas Konkretes vorstellen? (Es handelt sich um Unterhosen. „Kackbuxen“ erklärt sich daher fast von selbst.) Ein „Poscher“ ist das dazu passende menschliche Hinterteil. Nicht zu verwechseln mit „Puschen“ (Pantoffeln) oder gar „puschen“ (Pipi machen). Man sieht: Nichts Menschliches ist dem irischen Autor fremd und er mutet es seinen jungen Lesern ohne Weiteres zu.

|Die Wirkung|

Schon bald ist jeder Anflug oder gar Gedanke an die grässliche LANGEWEILE verflogen. So viel Positives lässt sich zumindest sagen. Wir können uns beinahe beruhigt zurücklehnen. Aber nur beinahe. Denn auch jede Hoffnung an VORHERSAGBARKEIT hat sich verflüchtigt oder Reißaus genommen. Nun ist es Zeit, entweder die eigenen Fingernägel zu vernichten (oder was noch davon übrig ist) oder wahlweise eine Packung Kartoffelchips. Eine Achterbahnfahrt könnte nicht unterhaltsamer sein.

_Unterm Strich_

Als Autor auf dem umkämpften Kinderbuchmarkt muss man sich heutzutage offenbar schon einiges einfallen lassen. Offensichtlich darf es auf gar keinen Fall LANGWEILIG sein, sondern muss mindestens so aufregend wie ein Nintendo-Spiel daherkommen. Das bedeutet, dass sich ältere Leser etwas umstellen müssen, was das Actiontempo angeht. Leider bleibt dabei jedwede Art von plausibler Entwicklung oder gar LOGIK auf der Strecke.

Bücher als Achterbahnfahrt? Das ist vermutlich günstiger als ein Ticket auf dem Jahrmarkt, aber es macht lange nicht so viel Spaß. Vielleicht sollten doch allmählich die Schnecken in die Puschen kommen und die Weltherrschaft antreten. Dann könnten wir alle wieder so gemütlich und gemächlich wie im frühen 19. Jahrhundert leben. Ich werde erst einmal mein SCHLEUDERTRAUMA auskurieren.

|Originaltitel: The Meanwhile Adventures, 2004
Aus dem Englischen von Andreas Steinhöfel, illustriert von Brian Ajhar|

Pratchett, Terry – A Hat Full of Sky / Ein Hut voller Sterne (Tiffany Weh 2)

Wee Free Men: Bitte zu Tiffanys Rettung!

An ihrer ersten Lehrstelle lernt die Nachwuchshexe Tiffany Aching in Miss Level eine interessante, aber auch ein wenig enttäuschende Lehrmeisterin kennen. Auch die anderen Junghexen in Tiffanys Gegend sind mit ihrem Los unzufrieden. Tiffanys Leben und das aller in ihrer Umgebung erlebt eine drastische Wendung, als ein unsichtbares Ungeheuer ihr Bewusstsein übernimmt und sie zu einer der mächtigsten Hexen der Region macht, gefürchtet, aber gut gekleidet.

Können die Nach Mac Feegle und Oma Wetterwachs der besessenen Tiffany Einhalt gebieten, bevor sie die Welt zu ihrem Spielball macht?

Hinweis

Diese Besprechung beruht auf der englischsprachigen originalausgabe. Daher sind alle Namen in der englischen Originalform wiedergegeben.

Der Autor
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Michael Büker – tiptoi®Der Weltraum: Raumfahrt, Sterne und Planeten


Worum geht’s?

tiptoi® ist ein audiodigitales Lern- und Kreativsystem des Ravensburger-Verlags. Mit den zahlreichen Büchern, Puzzeln, Spielen, u. ä. lernen Kinder aller Altersgruppen täglich neue spannende Dinge kennen. Bei der Handhabung ist jedes Kind sozusagen sein eigener Herr, denn es bestimmt selbst was und wen es entdecken möchte. Es erklingen verschiedene Geräusche, Melodien und/ oder Texte, sobald man mit dem dazugehörigen Stift Bilder antippt. Ebenfalls hat man die Möglichkeit spielerisch sein neuerworbenes Wissen abzufragen.

In diesem Buch begleitet man die Crew des Raumschiffes auf eine intergalaktische Abenteuerreise. Doch während des Landeanflugs bemerkt die Besatzung der Gaia plötzlich, dass sich ein unbekanntes Flugobjekt der Erde nähert. Taucht ein in eine spannende Geschichte rund um das Weltall, die Planeten und das Sonnensystem.

Inhalt

Im neuen  tiptoi®-Buch „Der Weltraum“ erfahren kleine Entdecker alles über die unendlichen Weiten des Weltraums. Welche Planeten gehören eigentlich zu unserem Sonnensystem? Wie laut ist ein Raketenstart? Und was sind überhaupt Schwarze Löcher?

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McCartney, Paul / Dunbar, Geoff / Ardagh, Philip / Rowohlt, Harry – Hoch in den Wolken

_Zum Vorlesen: optimales Weihnachtsgeschenk_

Eichstrich-das-Eichhorn macht sich nach dem Tod seiner Mutter und seines Waldes auf die abenteuerliche Reise in das sagenumwobene Land Animalia. Dort sollen, wie seine Mutter immer erzählte, die Tiere froh und ohne Sorgen leben.

Begleitet wird Eichstrich von seinen Freunden Froscho, dem Ballonfahrer-Frosch, und Wilhamina, der netten roten Eichhörnchendame. Doch der Weg nach Animalia ist weit und der Feinde sind viele.

_Die Autoren_

Paul McCartney, geboren 1942, ist wohl das populärste Mitglied der „Beatles“ gewesen. Er engagiert sich seit vielen Jahren für Menschen und Tiere in aller Welt. Als Kopf eines kongenialen Trios präsentiert er hier sein erstes Kinderbuch.

Geoff Dunbar, Koautor und Illustrator dieses Buches, ist einer der besten Zeichentrick-Regisseure der Welt. Für seine Filme hat er zahlreiche namhafte Auszeichnungen erhalten.

Philip Ardagh ist einer der Bestseller-Autoren der modernen Kinderliteratur – was man an dem Erfolg seiner Eddie-Dickens-Bücher mühelos ablesen kann. Ardagh hat der Geschichte von Paul und Geoff den letzten Schliff gegeben. (Verlagsinfo)

_Der Übersetzer_

Harry Rowohlt gehört in dieser Reihe unbedingt mit erwähnt. Er ist Rezitator, Schauspieler („Lindenstraße“) und ein erstklassiger Übersetzer englischsprachiger Literatur mit besonderer Vorliebe für verschrobene Iren.

_Handlung_

Eichstrich-das-Eichhorn hört seiner Mutter Dorothee zu, wie sie vom Lande Animalia erzählt, wo alle Tiere froh und sorgenfrei leben könnten. Doch ein Blick auf die ferne Stadt Megatropolis beweist Eichstrich-das-Eichhorn, dass dort das Land Animalia wohl kaum liegt.

Als er sich in seinem Wald auf einem Ast ausruht, fängt die Erde plötzlich zu beben an. Sein Freund Froscho, der Ballonfahrer mit dem Holzbein, schaut nach, woher das Beben rührt. Bulldozer und Planierraupen machen den Wald platt! Die Tiere fliehen in Sicherheit, doch als Eichstrich-das-Eichhorn und seine Mutter fliehen, erschlägt ein umstürzender Baum seine Mutter. Im Sterben gibt sie ihm den Auftrag, das Land Animalia zu suchen.

Nachdem er seine Mutter gebührend auf dem Fluss bestattet hat, macht sich Eichstrich-das-Eichhorn auf den Weg nach Megatropolis, um herauszufinden, was der Grund für die Vernichtung seines Lebensraums und den Tod seiner Mutter gewesen ist.

Zuerst gelangt er in den Slum namens „Styx“, wo ihn eine flinke Ratte namens Ratzo (der Sohn von Papa Ratzo, dem Fotografen) vor einem vorbeirasenden Auto rettet. Sie schließen Freundschaft und verabreden sich zu einem Wiedersehen im Lokal „SchluxxRunter“, und zwar dann, wenn das Nachtsirenensignal ertöne. Eichstrich-das-Eichhorn werde es erkennen, wenn es soweit sei. Ratzo muss sich um seine Geschäfte kümmern. (Später zeigt sich, welcher Art diese „Geschäfte“ sind.)

Sogar in der großen Stadt gibt es Bäume! Im Park klettert Eichstrich auf einen Baum, von wo er Zeuge eines versuchten Überfalls wird. Die rote Eichhörnchendame Wilhamina wird von zwei fies aussehenden Dachsen bedrängt. Mit einem Trick schlägt Eichstrich die Dachse in die Flucht und setzt seinen Weg mit Wilhamina fort.

Sie zeigt ihm Kwisling, die Ratte, die als Oberaufseher in der Fabrik von Gretsch als Sklaventreiber auftritt: Alle gefangenen Tiere müssen für ihn und seine Chefin Gretsch Fronarbeit leisten. Eichstrich würde am liebsten alle bemitleidenswerten Tiere auf der Stelle befreien und ins gelobte Land Animalia führen. Da fängt die Nachtsirene an zu dröhnen, dass Eichstrich und Wilhamina zu stottern anfangen.

Im SchluxxRunter redet Eichstrich nur noch davon, mit Froscho nach Animalia zu fliehen, egal wo das liege. Das aber hört unerkannt Kwisling mit. Was Eichstrich und seine Gefährten nicht ahnen: Sobald sie in Animalia anlangen, werden sie von Kwislings Kanonenboot angegriffen werden!

_Mein Eindruck_

Ursprünglich sollte Eichstrich-das-Eichhorn wohl „Eichinger“ heißen, jedenfalls, wenn man sich die alten PR-Texte ansieht. Aber das war wohl dem Übersetzer Harry Rowohlt erstens zu deutsch und bieder und zweitens nicht witzig genug. Denn Eichstrich ist ein Wortspiel mit doppelter Bedeutung. Die gebräuchliche Bezeichnung „Eichstrich“ wird für Markierungen auf Messlatten und dergleichen verwendet. Beim „Eichen“ handelt es sich um das „amtliche Justieren“ von Messapparaten wie etwa Waagen.

Und was das Eichhorn angeht, so soll der Name „Eichstrich“ vielleicht andeuten, es sei so schnell, dass es beim Hüpfen in den Eichbäumen wie ein Strich aussieht. Vielleicht ist es aber auch, auf einer symbolischen Ebene, ein Maßstab für das, was der Mensch der Natur antut. Nicht nur in freier Wildbahn, sondern auch in seinen Nahrungsmittelfabriken, wie etwa einer Hühnerfarm.

Namen wie „Papa Ratzo“, der Fotograf (von „paparazzo“ = Sensationsfotograf), oder „SchluxxRunter“ (statt McDonald’s) sind ja relativ ungewöhnlich für ein Kinderbuch. Und der Name „Kwisling“ ist die in England geläufige Bezeichnung für einen Verräter. Quisling war ein norwegischer Parlamentarier, der sich während der deutscher Besetzung Norwegens ab April 1940 dazu bereiterklärte, mit den Besatzern zusammenzuarbeiten. Er wurde vom Widerstand natürlich rundweg abgelehnt und als Verräter betrachtet, später verurteilt. Inzwischen steht sein Name allgemein für die Tat.

All diese tieferen Bedeutungen sollen vielleicht, wie bei „Shrek“, ein erwachsenes Publikum ansprechen, während sich die kindliche Leserschaft mit der oberflächliche Bedeutung begnügt. Dann erhebt sich aber die Frage, ab welchem Alter sich das Buch empfehlen lässt. Der Verlag schlägt ein Alter ab 7 Jahren vor.

|Drei Väter|

Dass das Buch so viel Tiefgang hat und doch eine recht witzige Geschichte geworden ist, verdankt es sicher u. a. der Tatsache, dass es gleich drei Väter hatte. Vielleicht hatte McCartney die Idee für die Grundzüge der Geschichte, aber jemand muss ihm wohl dabei geholfen haben, die Figuren ein wenig auszuschmücken und obendrein ein wenig Sprachwitz einzubringen.

Auf literarischer Seite gehört dazu der Kinder- und Jugendbuchautor Philip Ardagh (siehe oben unter „Autoren“). Seine Spezialität ist der skurrile Wahnsinn. Dass die davon befallenen Figuren eine vernünftig begründete Handlungsweise an den Tag legten, wäre recht ungewöhnlich. Im vorliegenden Buch ist davon allerdings kaum etwas zu merken. Ardaghs zweite Stärke sind sehr genaue Beschreibungen und die Erklärung ungewöhnlicher Wörter oder Phänomene. Diese finden wir zum Beispiel in der Krokodilsdame, die in einem Abwasserkanal lebt, aber viel lieber Opernarien schmettern würde.

Vielleicht geht auf sein Konto auch die lustige Nachahmung des Zitterns, das die Hauptfiguren überkommt, wenn die Bulldozer anrücken oder die Nachtsirene erdröhnt. Seite 32: „Als der Lärm endlich aufhört, klingen Eichstrich die Ohren, und er z-z-zittert am ganzen Leibe. „D-d-das war die Na-na-nacht-sch-scha-schicht-si-si-sirene, scha-scha-scha-timmt’s?“ „[…] jetzt f-f-fängt in der ganzen Scha-scha-stadt die Na-na-nacht-scha-scha-schicht an.“

|Die Illustrationen|

Der dritte Vater des Buches und der bei weitem sichtbarste ist Geoff Dunbar: Von ihm stammen alle Illustrationen. Dazu gehören nicht nur die ausgemalten Zeichnungen zwischen Anfang und Ende der Geschichte, sondern auch die einfarbigen, mit Bleistift ausgeführten Skizzen in den Vor- und Nachsatzblättern (deren Motive übrigens identisch sind). Dass es sich um eine Zauberwelt handelt, erkennt der Betrachter schon auf der ersten Doppelseite daran, dass die Vögel blau und die Schmetterlinge so bunt und groß wie Vögel sind. Andererseits: Wo bliebe der Spaß, wenn alles so realistisch wie in unserer Welt dargestellt würde?

Seine Figuren sehen aus, als seien sie gerade einem Lurchi-Büchlein oder Zeichentrickfilm entstiegen: Wie Menschen angezogene Tiere, die sich auch wie solche zu verhalten scheinen. Da dürften sich die lieben Kleinen in einigen Figuren wiederfinden. Oder auch nicht: Wer möchte sich schon in dem muskelstarken Floh Alfredo wiedererkennen?

So dynamisch wie in einem Zeichentrickfilm sind die Figuren auch gezeichnet. Es fehlen eigentlich nur noch die Speedlines, die den Verlauf einer Bewegung nachzeichnen. Bemerkenswert finde ich die Handhabung von großem, einfachem Hintergrund und detailliertem Vordergrund. Die Wirkung ist schon beinahe dreidimensional. Sehr gekonnt. Der Blick fällt immer auf das Wesentliche in einem Bild.

|Das (Vor-) Lesen|

Die Schrift ist so groß gedruckt, dass sowohl Kinder- als auch Großelternaugen sehr gut damit zurechtkommen dürften. Die Sätze sind leicht verständlich, nicht nur aufgrund des einfachen Satzbaus, sondern weil es vor allem um konkrete Dinge geht, weniger um abstrakte Begriffe. Deshalb ist es für einen Erwachsenen kein Kunststück, den Text in nur einer Stunde durchzulesen. Was aber wirklich schade ist, denn dafür muss man die Betrachtung der gelungenen Illustrationen gnadenlos vernachlässigen. Was bei einem kindlichen Leser aber wohl kaum vorkommen dürfte.

_Unterm Strich_

Kinderbücher sind unter dem britischen Blut- und Geldadel inzwischen ein „Must-have“ geworden. Prinz Charles hat eines geschrieben, kürzlich Madonna und jetzt auch Paul McCartney. Wenn die Einkünfte einer wohltätigen Stiftung zugute kommen (und die Autoren haben das Geld ja nicht nötig, oder?), umso besser.

Doch nicht jedes dieser Bücher verdient es qua Herkunft, unters Volk gebracht zu werden, das dafür in der Regel gutes Geld hinblättern muss. Mit einem preis von knapp 15 Euronen ist McCartneys Buch auch nicht gerade das preisgünstigste Exemplar seiner Gattung. Aber für diesen Obolus erhält der Käufer ein Buch, das sich geradezu optimal als Weihnachts- und Geburtstagsgeschenk eignet. Es ist wertvoll aufgemacht, sehr schön illustriert und hält eine teils witzige, teils dramatische, auf jeden Fall aber lehrreiche Geschichte bereit.

Ich will mich nicht den Vergleichen des Verlags mit „Unten am Fluss“ und „Der Wind in den Weiden“ anschließen. Die scheinen mir zu weit hergeholt zu sein. Aber die Geschichte kann ihre dort liegenden Wurzeln nicht verleugnen: Exodus, Kampf in der Fremde, neue Liebe und neue Heimat – alles findet sich wieder. Ich würde das Buch daher einem Publikum zwischen 6 und 10 Jahren empfehlen (mit nach oben offener Richterskala).

|Originaltitel: High in the clouds, 2005|
[Leseprobe]http://www.randomhouse.de/specialskids/mccartney__wolken/leseprobe.htm

Die drei ??? Kids – Mission Spiele-Code (Escape-Krimi 4)

Die Handlung:

Endlich kommt die Spiele-Messe nach Rocky Beach! Die drei ??? Kids freuen sich am meisten auf die Halle für Rätsel-, Escape- und Krimi-Spiele. Dort findet gerade ein Marketing-Event zu einem neuen Escape-Spiel statt. In einem Live-Wettkampf sollen zwei Teams Gracula durch Rätselaufgaben befreien. Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews werden von den Leserinnen und Lesern unterstützt! Krimi lesen und die doppelseitigen, illustrierten Rätselaufgaben lösen. Nach jedem gelösten Rätsel zeigt ein dreistelliger Code an, auf welcher Seite es weitergeht. Ein spannender Band in der Escape-Reihe von Die drei ??? Kids. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Mit der EXIT-Reihe hat sich der Verlag gut im Bereich der „Escape-Room“-Spiele etabliert und gezeigt, dass das Prinzip auch außerhalb verriegelter Räume ehemaliger Bürogebäude funktioniert. Und da dies bereits der vierte ESCAPE-Krimi der ???-Kids ist, vermute ich mal, dass das Ganze nicht nur bei mir gut angekommen sind.

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Die drei ??? Kids – 24 Tage Elfen-Alarm (Adventskalender 2023)

Die Handlung:

Die Elfen sind los! Weihnachten steht vor der Tür und der Marktplatz in Rocky Beach verwandelt sich in eine Geschenke-Werkstatt mit Weihnachtselfen. Doch plötzlich geht alles schief und die drei ??? Kids begeben sich auf eine spannende Spurensuche.
(Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Vorweihnachtlich gehts los. Mit leckeren Keksen und noch leckerer Füllung. Mit öffentlichem Weihnachtssingen und der Bekanntgabe, dass es dieses Jahr eine Elfen-Werkstatt gibt, die außerhalb von Rocky Beach Halt macht. Die drei ??? sind offizielle Helfer und melden sich am nächsten Tag pünktlich und motiviert zur freiwilligen Arbeit.

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Die drei ??? – Böser die Glocken nie klingen (Adventskalender 2023)

Die Handlung:

Bald ist Weihnachten! Die drei ??? freuen sich schon riesig und schmücken den Weihnachtsbaum auf Onkel Titus‘ Schrottplatz. In einem zerbrochenen Glöckchen entdecken sie zufällig einen Hilferuf. Wer hat den Freunden diese Nachricht geschickt? Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews nehmen sofort die Ermittlungen auf. Was erfahren sie im Jugendheim? Ist das Weihnachtsfest etwa in Gefahr? 24 spannende Kapitel mit farbigen Illustrationen verkürzen die Wartezeit bis Weihnachten. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Wie? Moment, Jugendheim? In welchem Zusammenhang steht das denn jetzt zu dem Weihnachtsschmuck? Und warum sieht die Weihnachtsschmuckglocke auf dem Cover wie ein Totenkopf aus? Antworten darauf wirds mutmaßlich geben, 24 Kapitel bieten ja auch Raum genug dafür.

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