Archiv der Kategorie: Thriller & Krimis

Michael Connelly – Der Mandant

Michael Haller ist der „Lincoln Lawyer“ – ein moralisch geschmeidiger Winkeladvokat, der seine Geschäfte am liebsten vom Rücksitz einer Limousine der gerade genannten Automobilmarke aus führt. Mobilität ist angesichts seiner Arbeitsmethoden keine schlechte Wahl, denn Haller pflegt seine Klienten finanziell so stark wie möglich zur Ader zur lassen und ist daher kein beliebter Zeitgenosse. Allerdings gehört er zu den besten seiner Zunft – ein mit allen Wassern gewaschener Strafverteidiger, der seinem Job bereits zwei Ehen geopfert hat.

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Bachmann, Richard / King, Stephen – Qual

Das Leben hat Clayghton Blaisdell jr, genannt Blaze, übel mitgespielt. Mit drei Jahren verliert er seine Mutter bei einem Unfall, sein Vater ist ein Trinker, der ihn oft verprügelt. Eines Tages wirft er seinen Sohn die Treppe hinunter. Blaze überlebt nur knapp und trägt einen Hirnschaden davon, der den begabten Jungen in ein leicht zurückgebliebenes Kind verwandelt. Er kommt in ein Waisenhaus, dessen strenge Erziehungsmethoden seine Lage aber nicht verbessern. Auch die kurze Zeit bei Pflegeeltern endet mit einer Katastrophe.

Blaze wächst zu einem einfältigen, aber dafür körperlich umso stärkeren Jugendlichen heran, der sich mit kleinen Delikten über Wasser hält. In diesem Milieu trifft er auf den gerissenen Gauner George, der ihn zu seinem Partner macht. Auch wenn Blaze hin und wieder unter Georges Attacken leiden und missgelungene Coups ausbaden muss, fühlt er sich bei ihm gut aufgehoben. Kurz vor der geplanten Entführung eines Babys reicher Eltern, das den beiden zwei Millionen bringen soll, stirbt George jedoch in einer Messerstecherei.

Blaze ist wieder auf sich allein gestellt – doch er fühlt Georges Gegenwart nach wie vor in seiner Nähe. Die Stimme seines Partners sitzt in seinem Kopf und sagt ihm, er soll den großen Coup alleine durchziehen. Blaze gelingt es tatsächlich, den kleinen Joe an sich zu bringen. Von nun an wird er nicht nur von der Polizei gejagt, sondern er spürt auch eine immer größer wachsende Zuneigung zu dem Baby …

Bereits aus dem Jahre 1973 stammt dieser frühe King-Roman, der unter seinem Pseudonym Richard Bachmann, das 1985 gelüftet wurde, erscheinen sollte. Das Manuskript geriet in Vergessenheit, bis es jetzt in überarbeiteter Form veröffentlicht wurde.

|Gelungener Protagonist|

Im Mittelpunkt steht Blaze, ein geistig leicht retardierter Mann mit hünenhafter Gestalt, unverkennbar eine Hommage an die Figur des Lennie aus Steinbecks „Von Mäusen und Menschen“, wie King auch im Nachwort bestätigt. Blazes Leben steht von Anfang an unter einem schlechten Stern, die Mutter stirbt, der Vater ist ein gewalttätiger Alkoholiker. Der schwere Treppensturz hinterlässt neben dem Hirnschaden eine auffallende Delle in der Stirn des Jungen, die ihn, zusätzlich zu seinem früh entwickelten Bärenkörper, von nun an wie ein Kainsmal durchs Leben begleitet. Einen kleinen Lichtblick bildet seine Freundschaft im Waisenhaus zum schmächtigen John, die jedoch durch dessen Tod jäh beendet wird. Fast zwangsläufig gleitet der unbeholfene Blaze in ein kriminelles Leben ab und fast ebenso zwangsläufig verspürt man Mitgefühl. Obwohl man ahnt, dass es kein glorreiches Happy-End geben wird, hofft man beständig darauf, dass sich Blazes Lage bessern wird. Zu keiner Zeit ist Blaze ein schlechter Mensch, doch ein ums andere Mal überschätzt er seine körperlichen Kräfte, was fatale Folgen mit sich bringt.

Besonders gelungen sind die Rückblenden, in denen Blazes Kindheit und Jugend beleuchtet wird. Blaze wehrt sich gegen die Drangsalien des Rektors, macht Bekanntschaft mit der ersten Liebe und erlebt einen aufregenden Tag mit seinem Freund John in Boston, der ihm ein paar Momente des Glücks beschert. Bei etlichen tragikkomischen Szenen fällt es schwer, sich zwischen Lachen und Weinen zu entscheiden, etwa wenn er treudoof auf gehässige Kommentare seines Partners George reagiert.

|Wenig Gewalt, kein Horror|

Der Name Stephen King steht in der Regel für Horror, oft mit übernatürlichen Elementen. Unter den Pseudonym Richard Bachmann veröffentlichte er realitätsnähere, dafür sehr harte Romane mit deprimierend-düsterer Stimmung. Mit anderen Bachmann-Werken hat „Qual“ den knappen Stil gemeinsam. Keine ausufernden Schilderungen einer typischen Kleinstadt, wie King es sonst gerne zelebriert, dafür eine direkte Sprache, die andeutet, dass er sich stilistisch an den Hardboiled-Krimis der vierziger Jahre orientierte. Todesfälle und brutale Szenen werden nur kurz erwähnt, ohne dass auf Details eingegangen würde, doch gerade dieser lakonische Stil, der Blazes hartes, schnörkelloses Leben widerspiegelt, ruft beim Leser Emotionen hervor. Für einen Hauch von Mystik sorgt die Stimme des toten George, die Blaze in seinem Kopf hört, die aber eher den Status eines imaginären Freundes besitzt als den eines Geistes. Im Gegensatz zu Werken wie „Todesmarsch“, „Menschenjagd“ oder „Der Fluch“ ist die Atmosphäre nicht bitterböse, sondern eher auf Melancholie aufgelegt. Es ist kein reiner Krimi, sondern mehr ein tragisches Melodram über einen Außenseiter, das eher bewegt als nervenaufreibend fesselt.

|Kleine Schwächen|

Die Schwäche des Romans liegt in seiner Vorhersehbarkeit. Die geradlinige Handlung, die nie lange an einem Punkt in Blazes Leben verweilt, entwickelt sich zum größten Teil genau so, wie der Leser es erwartet. An keiner Stelle taucht eine überraschende Wendung auf, worunter mit der Zeit auch die Spannung leidet. Blazes Gefühle für das Baby kommen nicht unerwartet, da man seinen Charakter bis dato ausreichend kennt. Somit bleibt nur die Frage offen, welches Schicksal er und sein „Schützling“ nehmen, die aber am Ende nur von den eigenen Vermutungen bestätigt bleibt. Ein Manko darüberhinaus ist das zu rasch eingeleitete und zu knapp abgehandelte Ende. Gerade weil der Leser schon recht früh ahnt, auf was für ein Finale der Roman hinauslaufen wird, ist der Schluss im Vergleich zum Rest etwas enttäuschend. Man wünscht sich noch einen kleinen zusätzlichen Nachhall, muss sich aber mit einem unspektakulären Ende begnügen.

Sehr unglücklich gewählt ist der Titel der deutschen Übersetzung, da man sich unter „Qual“ kaum etwas vorzustellen hat. Während das Original schlicht nach seiner Hauptfigur „Blaze“ benannt ist, besitzt das deutsche Pendant keinen Bezug zum Inhalt, wenn man davon absieht, dass Blazes Leben größtenteils eine „Qual“ ist. Als schöne Beigabe für King-Fans ist im Anschluss die Kurzgeschichte „Erinnerung“ enthalten, die den Ausgangspunkt für den neuen King-Roman, der Anfang 2008 erscheinen soll, bildete.

_Als Fazit_ bleibt ein bewegender Roman über einen Außenseiter in bester Steinbeck-Tradition. Die vordergründige Krimi-Handlung um eine Entführung rückt zugunsten der melodramatischen Elemente in den Hintergrund. Kleine Abzüge gibt es für die vorhersehbare Handlung und das zu knapp gehaltene Ende.

_Stephen King_, Jahrgang 1947, zählt zu den erfolgreichsten Autoren der Welt. 1973 veröffentlichte der ehemalige Lehrer mit „Carrie“ seinen ersten Roman, der sofort ein Bestseller wurde. Alle folgenden Bücher wurden ebenfalls Welterfolge, viele davon sind von namhaften Regisseuren verfilmt wurden. Zu den bekanntesten Werken zählen unter anderem: „Es“, „Christine“, „Shining“, „Misery“, „The Stand“ und die siebenteilige Saga vom „Dunklen Turm“. Weitere Bücher erschienen unter dem Pseudonym Richard Bachmann. Mehr über ihn auf seiner Homepage http://www.stephenking.com.

|Originaltitel: Blaze
Originalverlag: Scribner
Aus dem Amerikanischen von Jürgen Bürger
Gebundenes Buch, 384 Seiten, 13,5 x 21,5 cm|
http://www.heyne.de

_Stephen King bei |Buchwurm.info|_ (Auswahl):

[„Brennen muss Salem – Illustrierte Fassung“ 3027
[„Brennen muss Salem“ 3831 (Hörbuch)
[„Briefe aus Jerusalem“ 3714 (Audio)
[„Friedhof der Kuscheltiere“ 3007 (Audio)
[„Puls“ 2383
[„Trucks“ 2327 (Audio)
[„Colorado Kid“ 2090
[„The Green Mile“ 1857 (Audio)
[„Das Leben und das Schreiben“ 1655
[„Atemtechnik“ 1618 (Audio)
[„Todesmarsch“ 908
[„Der Turm“ 822 (Der Dunkle Turm VII)
[„Der Sturm des Jahrhunderts“ 535
[„Tommyknockers – Das Monstrum “ 461
[„Achterbahn“ 460
[„Danse Macabre – Die Welt des Horrors“ 454
[„Christine“ 453
[„Der Buick“ 438
[„Atlantis“ 322
[„Das Mädchen“ 115
[„Im Kabinett des Todes“ 85
[„Duddits – Dreamcatcher“ 45

Kuhn, Krystyna – Wintermörder

Die im Spessart wohnende Autorin Krystyna Kuhn arbeitet fleißig daran, sich in der deutschen Literaturwelt einen Namen zu machen. Zwei Jugendbücher und vier Krimis gehen mittlerweile auf ihre Kappe. Einer davon ist „Wintermörder“, der die Gegenwart mit der dunklen Vergangenheit Deutschlands verbindet.

Myriam Singer ist Staatsanwältin. Ihr Beiname ist „Eiserne Lady“. Sie legt keinen Wert darauf, sich Freunde zu machen und hat kein Problem damit, beständig ihre geheime Telefonnummer zu ändern, weil man sie bedroht. Außerdem ist die junge Frau karriereversessen und mischt sich nur allzu gerne in die Ermittlungen der Kriminalpolizei ein, wenn es um „ihre Fälle“ geht.

An einem kalten Winterabend wird Henriette Winkler, die fünfundachtzigjährige Vorsitzende eines Frankfurter Bauunternehmens, brutal ermordet. Nachdem der Täter ihr sämtliche Knochen gebrochen hat, übergießt er sie mit Wasser und lässt sie in ihrem Garten erfrieren. Zeitgleich verschwindet Frederik, der Urenkel von Henriette Winkler. Die Kommissare Liebler und Fischer sowie Myriam sehen einen Zusammenhang. Sie können ihn nur nicht erklären. Es geht keine Lösegeldforderung ein, dafür wendet der Täter sich an Udo Jost, einen zwielichtigen Fernsehjournalisten. Er spielt ihm ein Foto zu, das Henriette Winklers Ehemann zur Zeit des Zweiten Weltkriegs mit einer Nazigröße zeigt. Myriam Singer und Henri Liebler, der neuerdings darauf besteht, sie zu duzen, stehen vor einer schwierigen Aufgabe. Wie hängt die Vergangenheit mit der Gegenwart zusammen und was hat Henriette Winkler zu verbergen gehabt?

Krimis, die einen Rückbezug zum Zweiten Weltkrieg herstellen, sind beileibe keine Seltenheit. „Wintermörder“ sticht in dieser Hinsicht auch nicht sonderlich hervor. Die Ereignisse sind nicht sonderlich originell, dafür aber wunderbar gradlinig und schnörkellos erzählt. Kuhn begeht nicht den Fehler, dem Privatleben ihrer Charaktere übertrieben viel Raum einzuräumen. Myriams einsames Singleleben kommt zwar ab und an zur Sprache, aber nie in ausschweifender Art und Weise. Der Fokus liegt eindeutig auf der Handlung. Das sorgt dafür, dass die Spannung sich gegen Schluss immer mehr steigert und in einem Showdown der leisen Töne endet.

Mit Myriam Singer ist Kuhn ein ungewöhnlicher Charakter gelungen. Myriam wirkt auf den ersten Blick nicht gerade sympathisch. Die karriereorientierte Staatsanwältin nimmt wenig Rücksicht und scheint vollkommen gefühlskalt zu sein. Ihre juristische Einstellung als Hardliner schlägt sich auch in ihrem Gefühlsleben nieder. Dennoch merkt der Leser an der einen oder anderen Stelle, dass sie doch nicht so glücklich ist, wie sie vorgibt.

Kuhn nutzt diese Tatsache für sich und zeichnet das vielschichtiges Bild einer modernen Karrierefrau. Myriam bestimmt das Buch mit ihrer Perspektive in der dritten Person. Der Journalist Jost und die Mutter von Frederik, eine ehemalige Freundin von Myriam, kommen zwar auch zu Wort, aber nur sporadisch. Dennoch sind diese Fremdperspektiven sehr dicht erzählt und überzeugen, da die Personen im Rahmen des Möglichen sehr genau ausgearbeitet sind.

Eine spannende Handlung und gut ausgearbeitete Personen machen aber noch lange kein gutes Buch aus. Es ist der Schreibstil, der letztendlich alles zusammenhält. Glücklicherweise hat Krystyna Kuhn schon in anderen Büchern bewiesen, dass sie gut schreiben kann. Ihr Stil ist sehr beweglich und orientiert sich stark an der Geradlinigkeit der Handlung. Sie benutzt nur wenige Metaphern, die sitzen dafür aber meistens. Ganz so kess wie bei [„Fische können schweigen“ 2882 klingt die Autorin dieses Mal nicht. Das passt aber zu der unterkühlten Art von Myriam Singer und schließt die eine oder andere bissige humorvolle Bemerkung nicht aus.

Insgesamt ist Krystyna Kuhn ein guter Kriminalroman gelungen. Die Handlung ist spannend, der Schreibstil prima und die Hauptfigur originell. Aufgrund der Wahl des Themas im Buch – der Zweite Weltkrieg und seine möglichen Auswirkungen auf die Jetztzeit – kann man „Wintermörder“ nicht als genrebrechende Innovation bezeichnen. Trotzdem hat die Autorin ihre Hausaufgaben gemacht und ein Buch geschrieben, dass immerhin handwerklich auf ganzer Linie überzeugt.

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Brennan, Allison – Leichte Beute

Leichen im Keller – die hat die berühmte Bestsellerautorin Rowan Smith genügend, auch wenn sie diese lieber in Vergessenheit wüsste. Doch nun scheint ihre mysteriöse Vergangenheit sie einzuholen, denn ein Mörder nimmt ihre Psychothriller zur Vorlage für seine eigenen grausigen Taten und lässt das entsprechende Buch, von dem er sich hat inspirieren lassen, am Tatort zurück.

Eigentlich hat Rowan alles, was man sich nur träumen kann: Sie hat vier Bestseller veröffentlicht, die fünfte Veröffentlichung steht kurz bevor und auch die Buchverfilmungen sind ein voller Erfolg. Außerdem ist Rowan unglaublich gut aussehend, durchtrainiert und steht in der Blüte ihres Lebens, doch dann geschieht der erste Mord und ihre erste Romanprotagonistin muss in der Realität auf grausame Art und Weise sterben. Sofort ist klar, dass nicht die Protagonisten das Ziel des Mörders sind, sondern die erfolgreiche Autorin selbst. Doch erst will der große Unbekannte seinen Spaß haben und Rowan noch lange quälen. Erst wenn sie gebrochen ist, sich fürchtet und kein eigenes Leben mehr führen kann, dann will er sie holen, foltern und schließlich ermorden.

Nicht nur Rowans Agentin hat Angst um Rowan, sondern auch ihr ehemaliger Chef beim FBI. Die beiden heuern einen Bodyguard für Rowan an, obwohl diese sich mit Händen und Füßen dagegen wehren möchte und der Meinung ist, dass sie als ehemalige FBI-Agentin allein für sich sorgen und auf sich aufpassen kann. Als Rowan ihren Bodyguard Michael Flynn allerdings kennen lernt, erkennt sie schnell, dass sie tatsächlich Schutz benötigt und nimmt die Hilfe widerwillig an. Michael verliebt sich auf den ersten Blick in Rowan, doch als sein Bruder John ins Spiel kommt, merkt Michael schnell, dass er nicht nur gegen einen gefährlichen unsichtbaren Mörder kämpft, sondern auch gegen seinen eigenen Bruder, der ebenfalls Gefühle für Rowan entwickelt hat. Das Spiel gegen die Uhr beginnt, doch nicht jeder wird diesen Kampf gewinnen …

Allison Brennans Geschichte ist nicht neu; sie ist nicht die erste, die von einer Krimiautorin schreibt, deren Fantasiemorde von einem Psychopathen in die Tat umgesetzt werden, doch gelingt ihr der Plot davon unabhängig ausgesprochen gut. Von Anfang an schlägt ihr Psychothriller den Leser in den Bann. Schon im Prolog lernen wir den Mörder kennen, wissen allerdings zunächst nicht, auf wen er es abgesehen hat und um wen es sich überhaupt handelt. Lange lässt Brennan uns darüber im Unklaren, in welcher Verbindung Rowan und der unbekannte Mörder zueinander stehen. Doch früh ist klar, dass Rowan Smith etwas zu verbergen hat. Bevor sie angefangen hat, Romane zu schreiben, hatte sie eine vielversprechende Karriere beim FBI. Ein Mordfall war es damals, der Rowan schlagartig dazu bewegt hat, ihren Job an den Nagel zu hängen und sich einer neuen Karriere zu widmen. Wieso hat der Fall Franklin Rowan so sehr erschüttert, dass sie nicht länger für das FBI arbeiten konnte? Nur ganz allmählich klärt Brennan diese brennende Frage auf.

Währenddessen mordet der Unbekannte weiter und stellt einen fiktiven Mord nach dem anderen nach. Doch schon beim zweiten Mord begnügt er sich nicht mehr damit, Rowans Geschichte zu imitieren, er schickt ihr einen Grabkranz und macht ihr somit klar, dass er es im Endeffekt nur auf sie abgesehen hat, dass sie seine Mordserie wird krönen müssen. Rowan ist erschüttert und fühlt sich schuldig, weil sie die Figuren erdacht hat und die Taten ihrer Fantasie entsprungen sind. Rowan ist sich sicher, dass die Lösung für die Mordserie in ihrer FBI-Vergangenheit zu finden ist, sie wühlt sich durch ihre alten Akten, kommt der Lösung allerdings kein Stückchen weiter. In diesem rasanten Katz-und-Maus-Spiel baut Allison Brennan immer weiter Spannung auf, bis man schließlich bis in die Nacht hinein weiterlesen muss, um endlich zu ergründen, was den Mörder antreibt und welchen Hass er Rowan gegenüber hegt.

Obwohl ihr Erzähltempo hoch ist, nimmt Brennan sich Zeit, ihre Protagonisten vorzustellen. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Rowan Smith, die uns zunächst unergründlich scheint. Dass sie etwas verheimlicht, merken wir früh, auch dass sie in ihrer Vergangenheit großen Schmerz ertragen musste, lässt Brennan bald durchblicken, doch wer Rowan Smith wirklich ist, was sie zu verbergen hat, das erfahren wir spät. Auf den ersten Blick ist Rowan Smith die taffe Ex-FBI-Agentin, die mit der Waffe unter ihrem Kopfkissen schläft und jeden Tag mindestens zehn Kilometer am Strand entlangjoggt, sie kann also auf sich selbst aufpassen. Doch auf den zweiten Blick ist sie verletzlich, die Morde jagen ihr eine Heidenangst ein und reißen alte Wunden auf, die Rowan längt verheilt geglaubt hat. Sie wird immer schwächer, ängstlicher und verzweifelter, als der Mörder ihr immer näher kommt. Rowan Smith hat viele Facetten und wir lernen viele davon kennen, sodass sie nach und nach viel Profil gewinnt. Michael und John Flynn sind die beiden Männer, die ihr zur Seite stehen und die um Rowans Herz kämpfen. Beide Brüder haben sich verliebt, doch Rowan hat ihre Wahl längst getroffen. Der ebenso unergründliche John ist es, in dem sie einen Seelenverwandten wiederfindet. Er ist es, der schließlich ihr Herz erobert und mit dem sie eine gefährliche Affäre beginnt. Denn während die beiden sich ihrer Leidenschaft hingeben, schleicht sich der Mörder immer näher und droht den Wettlauf gegen die Zeit zu gewinnen.

Im Rahmen der packenden Thrillerhandlung gelingt Allison Brennan die Charakterzeichnung ausgesprochen gut, obwohl sie durchaus Schablonen verwendet. Natürlich ist die weibliche Hauptfigur schön, stark und erfolgreich und natürlich steht ihr ein ebenso starker Mann zur Seite, der sie beschützen will. Dennoch fügt sich diese Charakterisierung stimmig in den Plot ein.

Nicht ganz schlüssig gelingt allerdings die leidenschaftliche Affäre zwischen Rowan und John, die zu einer Zeit beginnt, als um die beiden herum bereits die Welt einzustürzen droht. Rowan rückt auf der Liste des Mörders immer weiter nach oben, dennoch sind die beiden Verliebten kaum aus dem Bett zu kriegen und schaffen es nur mit Not, nicht gleich am Strand nach dem Joggen übereinander herzufallen, sondern erst dann, wenn die Haustür hinter ihnen zugefallen ist. Irgendwie erscheint es mir nicht sonderlich glaubwürdig, dass zwei Menschen die Welt um sich herum so weit verdrängen können, wo geliebte Menschen bereits sterben mussten und in jeder Sekunde der Angriff des Unbekannten zu befürchten ist. Auch die ausgiebige und detaillierte Schilderung der zahlreichen Sexszenen bedient sich aller greifbaren Klischees. Etwas mehr Einfallsreichtum wäre Allison Brennan dann doch zu wünschen gewesen.

Natürlich darf am Ende nicht der packende Showdown fehlen, bei dem Mörder und Opfer sich schließlich gegenüberstehen und um ihr Leben kämpfen. So lernt Rowan am Ende ihren Widersacher kennen, obwohl sie zu dem Zeitpunkt längst wusste, wer sie erwarten würde. Das Buchende wirkt ein wenig abgedroschen und war irgendwo auch absehbar, aber das mag man Brennan vielleicht verzeihen, denn es war ein Buchende wie jedes andere. Hier ist kein Knaller, keine große Wendung mehr zu erwarten, sie schildert lediglich überwiegend stimmig ihre Geschichte zu Ende. Mich persönlich konnte das Ende zwar nicht vom Hocker reißen, doch angesichts des gelungenen Spannungsaufbaus und der kurzweiligen und packenden Erzählung möchte ich der Autorin den einen oder anderen kreativen Hänger verzeihen.

„Leichte Beute“ ist ein Thriller, der einen von der ersten Seite an packt und nicht mehr loslässt, bis man das Buch endlich durchgelesen hat und an die Seite legen kann. Allison Brennan schlägt ein unglaubliches Tempo an und schafft es dennoch, nebenbei ihre Protagonisten vorzustellen. Brennan schafft es immer wieder genau im richtigen Moment, neue Informationen einzustreuen, die den Leser der Lösung des Falles ein winziges Stückchen näher bringen und die Spannung noch weiter steigern. Die Geschichte ist mysteriös, faszinierend und wahnsinnig spannend. Und auch wenn „Leichte Beute“ vielleicht nicht der ganz große Wurf ist, so unterhält der Psychothriller ausgesprochen gut.

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Durbridge, Francis – Paul Temple und der Fall Z

Eine Reise führt das Ehepaar Paul und Steve Temple nach England: Paul, der als Schriftsteller ebenso berühmt ist wie als Amateur-Detektiv, hat der berühmten Schauspielerin Iris Archer ein Theaterstück auf den schönen Leib geschrieben. Zu seinem Erstaunen sagt sie, die zunächst die Rolle der „Lady Seaton“ spielen wollte, nunmehr ohne Angabe von Gründen ab. Enttäuscht begeben sich die Temples auf einen längeren Urlaub, der sie nach Schottland in das idyllische Dörflein Inverdale führt.

Noch bevor sie ihr Ziel erreichen, werden sie von einem jungen, sehr aufgeregten Mann angehalten, der ihnen einen Brief übergibt, den sie unbedingt einem Mr. John Richmond in Inverdale übergeben sollen. Der hilfsbereite Temple schlägt ein – und wird neugierig, als ihn zwei zwielichtige Gestalten behelligen, denen er unbedingt besagten Brief aushändigen soll. Temple täuscht sie mit einem Trick und will in Inverdale Kontakt zu Richmond aufnehmen. Der entpuppt sich als Sir Graham Forbes, Chief Commissioner von Scotland Yard und ein alter Freund der Temples, der hier offenbar auf einer geheimen Mission ist. Im Gasthof „Royal Gate“ taucht darüber hinaus Iris Archer auf!

Wie der Zufall so spielt, sind die Temples genau dorthin gereist, wo ein international aktiver Spionagering sein Unwesen treibt. Die Kunde von einer angeblichen militärischen Wunderwaffe wurde ihrem Anführer – dem mysteriösen „Z.04“ – vom britischen Geheimdienst zugespielt, der sich tatsächlich aus der Reserve locken und den Erfinder nach Schottland verschleppen ließ. Dort hat er inzwischen seine Erfindung verbessert, die nunmehr funktioniert und auf keinen Fall das Land verlassen darf!

Temples Auftauchen sorgt für Nervosität unter den Spionen. Als er und Steve nur knapp einem Mordanschlag entgehen, schaltet sich der ergrimmte Detektiv in die Ermittlungen ein. Dank seiner Fähigkeiten entlarvt er allmählich die einzelnen Bandenmitglieder, zu denen auch Iris Archer zählt. Doch wenn es nicht gelingt, „Z.04“ die Maske vom Gesicht zu reißen, könnte der Coup der Spione noch gelingen …

Francis Durbridge gehört zu denjenigen Schriftstellern, die einst in Deutschland einen Ruf wie Donnerhall besaßen und deren Werke Rekordauflagen erzielten. Die heutige Generation eifriger Krimileser kennt ihn jedoch nicht mehr. Viele Jahre zurück liegt jene Ära, in der „Durbridge“ als Synonym für intelligente, sorgfältig produzierte TV-Mehrteiler – heute würde man von Mini-Serien sprechen – stand. „Das Halstuch“ oder „Melissa“ lockten in den 1960er Jahren – es gab damals nur zwei Fernsehsender – mehr als 90 Prozent der Zuschauer vor die noch schwarzweiß strahlende Röhre; kein Wunder, dass Durbridge den Deutschen als Gott seines Genres galt!

Das ist er nicht, wie sich bei nüchterner Betrachtung herausstellt. „Paul Temple und der Fall Z“ mag zwar nicht der beste Roman seines Verfassers sein, doch typisch ist er durchaus: ein Krimi, den wir heute gern „klassisch“ nennen, weil er in einer Art Operetten-Britannien spielt und sich die Figuren mit einem Spiel beschäftigen, das wir „Whodunit?“ nennen. Ein Verbrechen ist geschehen, dem sich weitere kriminelle Untaten anschließen. Im Wettlauf mit dem Bösen ermittelt in der Regel ein Detektiv – die Polizei begnügt sich mit der Rolle des Steigbügelhalters – und kann in letzter Sekunde den Fall lösen sowie den Täter oder die Täterin entlarven. Bis es so weit ist, konnten auch die Leser miträtseln; der Verfasser streute gut versteckt diverse Hinweise ein.

Die fallen hier freilich ein wenig zu deutlich aus, so dass man rasch merkt, wer sich als „Z.04“ tarnt. Ohnehin sollte man nachsichtig an die Lektüre dieses Romans gehen, um zum Schutze der Nackenmuskulatur allzu ausgiebiges Kopfschütteln zu vermeiden. „Paul Temple und der Fall Z“ wurde 1940 veröffentlicht und erzählt eine Spionagegeschichte. Eigentlich ist völlig klar, wer hinter den Spionen stecken muss: die Nazis, mit denen sich Großbritannien zu diesem Zeitpunkt bereits im Krieg befand. Doch davon lesen wir kein einziges Wort: „Paul Temple und der Fall Z“ spielt offensichtlich vor Ausbruch des II. Weltkriegs.

In diesem unseren Lande wurde besonders im Bereich der ‚leichten Lektüre‘ gern ausgeblendet, was auf die unschöne Episode des „III. Reiches“ verwies. So mancher zeitgenössische Serienheld gab den Nazis Saures, ohne dass man die womöglich darob eingeschnappten deutschen Leser damit nach 1945 konfrontiert hätte. Deshalb blieb auch dieses Buch im Gegensatz zu den meisten anderen Romanen der Temple-Serie in den 1960er und 70er Jahren ohne Eindeutschung. Erst 2006 wurde „Paul Temple und der Fall Z“ zum ersten Mal in Deutschland veröffentlicht; die deutschen Leser verkraften es nunmehr, dass ihre Landsleute einst nicht wohlgelitten waren, weil sie einen Weltkrieg entfesselt hatten …

Allerdings gibt es Indizien dafür, dass sich Durbridge selbst einer gewissen Realitätsflucht schuldig gemacht hat. Er war kein Enthüllungsschriftsteller, sondern ein „professional writer“, der sein Publikum primär unterhalten wollte. Nur so lässt sich die Naivität des Plots erklären (oder entschuldigen), den er uns in „Paul Temple und der Fall Z“ präsentiert. Seit John Buchans Geheimagent Richard Hannay 1915 in „The Thirty-Nine Steps“ (dt. „Die 39 Stufen“) Spione durch Schottland jagte, hat sich im Agentengeschäft offenbar nicht viel getan. Die Organisation des „Z.04“ besticht durch ihre vollkommene Realitätsferne; hier agieren Kino-Spione der B-Kategorie.

Ebenso kindisch gestaltet Durbridge auch sonst das ‚geheimdienstliche‘ Umfeld: Da erfindet ein Hobby-Genie in seinem Kartoffelkeller eine Superwaffe; er bietet sie dem britischen Kriegsministerium an, das ihn vor die Tür setzt, weil eine Kleinigkeit noch nicht funktionieren will; „Z.04“ schnappt sich den Erfinder und richtet ihm ein Labor in der schottischen Einöde ein, wo er sein Werk vollenden soll; die britische Regierung erfährt davon, weil der Bruder des Erfinders diesen nicht mehr besuchen darf; daraufhin schleust man einen Maulwurf ein, der zu den dümmsten seiner Branche gehört, und entsendet einen ältlichen Scotland-Yard-Beamten als Kontaktmann, der in einem geisterbahnhaften Gasthaus residiert; dieser hat wiederum keinerlei Bedenken, den Kriminalschriftsteller und Privatmann Paul Temple in die Ermittlungen zu integrieren.

Nein, diese ‚Geheimwaffe‘ und diejenigen, die sich darum balgen, sollte man als reine Mittel zum eigentlich Zweck betrachten. „Paul Temple und der Fall Z“ ist ein waschechter „Whodunit?“-Krimi, den Durbridge ein wenig ‚aufpeppen‘ wollte. Spionage ist in Kriegszeiten stets ein auch hinter der Front präsentes Thema („Feind hört mit“), so dass er sich darauf verlassen konnte, auch dann verstanden zu werden, wenn er das Thema eher abstrakt anging.

Dies bestätigt die Figurenzeichnung, die im klassischen Rätselkrimi seit jeher recht simpel und schematisch ausfällt. Das Verbrechen ist einerseits die Ausnahme von der Regel und andererseits eine sportliche Herausforderung für Menschen, die offenbar keine anderen Aufgaben und Sorgen haben. Paul Temple soll ein Schriftsteller sein, doch er findet immer die Zeit, durch die Lande zu reisen und Kriminalfälle zu lösen. Da er und Gattin Steve sich das leisten können, muss er wohl dennoch irgendwann arbeiten. Er sollte sich vielleicht stärker am Schreibtisch engagieren, lässt er sich hier doch gleich in zwei Fallen locken, auf die nicht einmal ein Krabbelkind hereingefallen wäre …

Müßige Kritik, die Figuren sollen und dürfen eindimensional wirken, denn sie spielen Rollen. Temple ist der Detektiv, der viel weiß, aber wenig sagt, Steve seine treue Gattin, die ihm den Rücken stärkt und hin & wieder gerettet werden muss, Iris Archer die große Diva in theatralischen Nöten, Sir Graham Forbes die knorrige Stütze des Empires, „Z.04“ und seine Kumpane vorbildliche Bösewichte, die nicht nur entsprechend reden und handeln, sondern auch finster aussehen – sie sind halt keine Gentlemen.

Wer sich sonst im Umkreis der Hauptfiguren tummelt, ist schlicht im Geiste und für manche proletarische Drolligkeit gut. Die Figuren – man sollte besser von ‚Darstellern‘ sprechen – müssen vor allem gut unterscheidbar sein. Hier verrät „Paul Temple und der Fall Z“ deutlich seine Herkunft: Durbridge hat diese Geschichte (übrigens gemeinsam mit Charles Hatton) ursprünglich nicht als Roman, sondern als Hörspiel erzählt, das von der BBC ausgestrahlt wurde. Dies erklärt die kammerspielähnliche Struktur oder die nur andeutenden Landschaftsbeschreibungen, die wohl erst später dort eingefügt wurden, wo der Verfasser dies für notwendig hielt. Die unerhörte Glaubwürdigkeit, die John Buchan im weiter oben genannten Thriller „Die 39 Stufen“ auch deshalb erzielte, weil er die schottische Landschaft quasi zur Hauptfigur machte, geht „Paul Temple und der Fall Z“ völlig ab – nicht unbedingt zum Nachteil dieses Buches, das als charmant-naive (und gut übersetzte) Krimi-Unterhaltung aus einer versunkenen Ära des Genres durchaus seine Meriten hat.

Francis Henry Durbridge wurde am 25. November 1912 in Hull (Yorkshire) geboren. Er studierte Englisch an der Birmingham University und arbeitete für kurze Zeit als Börsenmakler, bevor er sich als Schriftsteller etablierte. 1938 debütierte er mit „Send for Paul Temple“, dem Roman zu einer sehr erfolgreichen und auch außerhalb England gern verfolgten Hörspiel-Serie um Paul Temple, Schriftsteller und Detektiv, die von der BBC bis 1968 gesendet und von Durbridge geschrieben wurde.

Vier Paul-Temple-Filme kamen zwischen 1946 und 1952 in die Kinos, doch es waren typische B-Produktionen – billig und ohne Raffinesse hergestellt. Erfolgreicher war die für das Fernsehen konzipierte Serie um den Undercoveragenten Tim Frazer, die Durbridge in den 1960er Jahren mit diversen Co-Autoren verfasste.

Als Schriftsteller konnte Durbridge seine Arbeit als Hörspiel- und Drehbuchautor nie verhehlen. Seine Romane sind dialoglastig. Die Figuren gehören der gehobenen Mittelklasse an und haben erstaunlich viel Zeit, sich neben ihrer offenbar kaum Anforderungen stellenden Brotarbeit detektivisch zu betätigen. Gern bediente sich Durbridge auch des Plots vom unschuldig Verdächtigten, der sich in einer teuflischen Verschwörung gefangen sieht.

Auch in Deutschland konnte sich Durbridge einen Namen machen. Nach seinen Drehbüchern entstanden verschiedene TV-Mehrteiler, die aufgrund ihrer sorgfältigen Machart und Durbridges Meisterschaft, die Handlung genau dann abzubrechen, wenn es besonders spannend wurde – das Prinzip des Cliffhangers – zu sogenannten „Straßenfegern“ wurden und mehr als 90 Prozent der damaligen Fernsehzuschauer vor die Bildschirme lockte.

Mehr als dreißig Romane schrieb Durbridge, wobei er sich oft auf seine Drehbücher stützte. Wegen seiner Meriten als TV-Magnet wurden die meisten seiner Thriller in Deutschland veröffentlicht. In den späten 1970er Jahren ließen sowohl Durbridges Produktivität als auch die Anziehungskraft seiner Werke nach. Nach längerer Krankheit starb Francis Durbridge am 11. April 1998.

|Die Paul-Temple-Romane:|

(1938) Send for Paul Temple (kein dt. Titel)
(1939) Paul Temple and the Front Page Men (dt. „Paul Temple und die Schlagzeilenmänner“/“Paul Temple und der Klavierstimmer“)
(1940) News of Paul Temple (dt. „Paul Temple und der Fall Z“)
(1944) Paul Temple Intervenes (kein dt. Titel)
(1948) Send for Paul Temple Again! (dt. „Paul Temple jagt Rex“)
(1957) The Tyler Mystery (dt. „Vier mussten sterben“)
(1959) East of Algiers (dt. „Die Brille“)
(1970) Paul Temple and the Harkdale Robbery (dt. „Banküberfall in Harkdale“)
(1970) Paul Temple and the Kelby Affair (dt. „Der Fall Kelby“)
(1971) The Geneva Mystery (dt. „Zu jung zum Sterben“)
(1972) The Curzon Case (dt. „Keiner kennt Curzon“)
(1986) Paul Temple and the Margo Mystery (dt. „Der Hehler“/“Paul Temple und der Fall Margo“)
(1988) Paul Temple and the Madison Case (dt. „Paul Temple und der Fall Madison“)
(1989) Paul Temple and the Conrad Case (kein dt. Titel)

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Caputo, Philip – Im Namen des Guten

Der schwarze Kontinent – eines der zuletzt wirklich erforschten Gebiete. Mit Afrika verbinden wir viele geheimnisvolle Eindrücke aus der klassischen Literatur, aus Filmen und Dokumentationen. Die endlosen Weiten der Nationalparks, der beeindruckende Kilimandscharo und die verschiedenen Stämme der Ureinwohner – genau daran werden sich Touristen erinnern und davon schwärmen.

Doch Afrika ist mehr als das muntere, vielfältige und sehr andersartige Land der unerschlossenen und romantischen Träume. Noch immer vergessen wir gern, dass es in vielen kleinen afrikanischen Staaten Kriege gibt, Völkermord in Sierra Leone oder dem Sudan, Bürgerkriege in Somalia und Rassengesetze, die man in Europa gar nicht mehr nachvollziehen kann.

Afrika als Kontinent gesehen ist sehr reich. Verschiedene Bodenschätze wie Silber, Gold und auch Diamanten sind immer wieder Auslöser von nationalen und internationalen Kriegen – der Wert des einzelnen Menschen schrumpft dagegen auf den minimalen Nenner, wenn z. B. das Töten schon von Kindern ausgeführt wird; für die ihre Kindheit nur ein brutaler Schrecken ist und oftmals die Seele wie auch den Körper verkrüppelte.

Zwar versuchen die wirtschaftlich großen Staaten unseres Planeten geringfügig Hilfe zu leisten, aber oftmals stehen diese Organisationen den Interessen einiger skrupelloser Machthaber machtlos gegenüber. Terre de homes, Ärzte ohne Grenzen, Entwicklungshelfer aus aller Welt, selbst die UNO sind machtlos. Ein Paradoxon, das wir oftmals nicht verstehen können.

Philip Caputo hat mit dem Roman „Im Namen des Guten“ eine Geschichte verfasst, die sich mit Afrika und seinen Problemen befasst.

_Die Story_

Die 90er Jahre im Sudan. Wie in vielen kleineren Staaten herrscht Bürgerkrieg zwischen den christlichen Stämmen des Südens und den islamischen Herrschern in der Hauptstadt Khartum. Der Abenteurer und charismatische Amerikaner Douglas Braithwaite gründet mit Hilfe eines Kenianers und eines risikofreudigen texanischen Buschpiloten eine von vielen privatisierten Airlines. Diese Airline soll internationale Hilfsgüter verteilen, um die Versorgung gerade auch in den entlegensten Gebieten zu gewährleisten.

Zeitgleich kommt eine christliche Hilfsorganisation im Sudan an. Die strenggläubige Amerikanerin Quinette verfolgt einzig und allein das Ziel, Sklaven freizukaufen, die in die Mühlen des Bürgerkrieges geraten sind. Doch auch ihr Idealismus findet keinen endgültigen und sicheren Weg der Hilfe. Sie begegnet dem Anführer der sudanesischen Rebellenarmee und verliebt sich Hals über Kopf in den geheimnisvollen und kultivierten Mann. Doch auch dieser verfolgt seine ganze eigene Ideologie und überredet schließlich Douglasm ihm nicht nur Hilfsgüter zu überlassen, sondern ihn auch mit Waffenlieferungen zu unterstützen.

Wo liegen die Grenzen zwischen Hilfe und dem eigentlichen Geschäftswillen? Als die Situation im Lande eskaliert, verschwimmen diese Grenzen und der Idealismus der Hilfsbereitschaft schützt keinen davor, sich letzten Ende schuldig zu fühlen …

_Kritik_

Der Autor Philip Caputo greift ein sehr ernstes Thema auf. Zurzeit scheint sich ja auch jeder für diesen Kontinent mitsamt seinen Problemen zu interessieren. Der Schauplatz des Romans „Im Namen des Guten“ spielt zum größten Teil direkt im Sudan. Ein Land, von Bürgerkrieg geplagt, vom Staatsterror und massiven Verletzungen des Völkerrechtes an den internationalen Pranger gestellt. Wie viele Probleme im Afrika, spielen diese in den Medien nur eine untergeordnete Rolle und werden auch in ihrer Dringlichkeit nicht gewürdigt. Dabei wäre genau dies ein Anfang, ein wirklicher, und nicht das übliche Aufschieben und Wegschauen im Namen der Zivilisation.

Ich muss Philip Caputo wirklich loben, dass er den Völkermord thematisiert und zurück in das Bewusstsein des Lesers holt. Dass der Terror, egal ob nun von staatlicher Seite ausgehend oder von Seiten der Freiheitskämpfer, gefördert wird und die Summe dieser Kriegshandlungen nichts weiter ist als ein eskalierender Genozid, wird dem Leser von Kapitel zu Kapitel glaubhaft erklärt.

Aber nicht nur diese Grausamkeiten werden in den Vordergrund geschoben, hierbei handelt es sich doch eher um die Rahmenhandlung für die Erzählung.
Gekonnt beschreibt Caputo das Versagen der ehrenamtlichen, internationalen und staatlich unterstützten Hilfsorganisationen, die sich gerne als eifrige Helfer profilieren möchten. In einem Bürgerkrieg wird man früher oder später Partei ergreifen müssen, ein unwiederbringlicher Prozess, und leider bleibt dann für eine der beiden Seiten die humanitäre Hilfe auf der Strecke. Vertuschung von Spendengeldern oder unrechtmäßige Verwendung von Hilfsgütern bilden mit den oben genannten Punkten ein strenges und anspruchsvolles Grundgerüst.

Seine Charaktere in „Im Namen des Guten“ sind dagegen weniger gut ausgearbeitet. Ihre Zerrissenheit und ihre eigenen Konflikte sind zwar interessant beschrieben, aber manchmal etwas zu arg stilisiert – entweder als gut oder böse, zwei Aspekte, die in der Geschichte nicht glaubhaft interpretiert werden.

_Fazit_

Ich habe mir von dem Roman vielleicht etwas zu viel versprochen. Gerade vor dem Blickwinkel des Schauplatzes Afrika hatte ich eine ziemlich hohe Erwartungshaltung. Ich hatte einen Spannungsroman erwartet, aber genau das wollte Philip Caputo scheinbar nicht vorlegen. In jedem Fall wollte er die Probleme des Sudan-Konfliktes nicht bagatellisieren, wie viele andere Autoren auch, sondern mit seiner Geschichte die Sinnlosigkeit des Krieges darstellen. Lobenswert finde ich auch die scharfe Kritik, die er direkt an die Hilfsorganisationen richtet; diese Problematik zu thematisieren und zu erklären war wichtig, nicht nur für die Handlung, vielmehr für die Grundproblematik in diesen Regionen.

Vieles ist dem Autor in diesem Roman beispielhaft gelungen. Leider vermisst der Leser aber schnell die Spannung und die maßgebliche Unterhaltung. Der Roman umfasst knappe 750 Seiten, und erst in den letzten Kapiteln wird das Netz von Verstrickungen zu Ende geknüpft. Viele Situationen beschreibt Caputo in einer schier nicht enden wollenden Schleife. Langatmige Umschreibung und Erklärungen fördern die Handlung in diesem Falle überhaupt nicht. Und nach der Lektüre war ich wirklich erschöpft und einfach nur froh, dass es vorbei war.

Caputo hat etwas Großes schaffen wollen, etwas Einmaliges mit vielen, vielen Details. Sicherlich ist der Roman komplex, aber er ist auch mit Kleinigkeiten einfach überfrachtet. Es gibt eine Unmenge von Personen und Beziehungen zueinander, bei denen man doch recht schnell den Überblick verliert und sich dabei ertappt, einige Seiten zurückzublättern. Wie oben schon beschrieben, sind die Charaktere seiner Protagonisten nur oberflächlich konzipiert und nur wenige von ihnen kommen als wirklich glaubhaft rüber.

Ein Pulitzer-Preisträger ist sicher kein Garant für eine spannende und unterhaltsame Geschichte. Ein anspruchsvolles Buch habe ich durchaus erwartet und sicherlich hat „Im Namen des Guten“ auch seine guten Seiten, seine interessanten Kapitel, aber es war einfach zu viel des Guten. Die Grundzüge der Dramaturgie und der Sprachstil konnten durchaus überzeugen und stellenweise auch begeistern, aber der Gesamteindruck bleibt nicht stimmig.

Wer sich mit dem Thema Sudan und vielleicht der Rolle der Hilfsorganisationen in solchen Konflikten befassen will, sollte diesen Roman lesen. Er wird nicht alles erklären können, aber doch das Interesse für mehr Informationen bei den Lesern wecken. Dagegen steht natürlich das Interesse an einer spannenden und trotz allem unterhaltsamen Story, die der Roman leider nicht erfüllen kann.

_Der Autor_

Philip Caputo wurde 1941 in Chicago geboren. Er wurde Auslandskorrespondent der |Chicago Tribune| in Rom und 1973 für seine Reportage über den Wahlbetrug in Chicago mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

Später verließ er die Chicagoer Tagespresse und ist seither als Schriftsteller tätig. Mehrere seiner Romane spielen in Afrika und Caputo hat eine sehr persönliche Bindung zu diesem Kontinent, da er viele seiner Länder bereist hat. Zusammen mit seiner Frau lebt Caputo in Norwalk, Connecticut.

|Übersetzung: Sabine Hübner & Nicola Volland
600 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag|
http://www.pendo.de/

Atkins, Charles – Gift

„Schuster, bleib bei deinen Leisten!“, dachte sich wohl Charles Atkins, als er den Thriller „Gift“ schrieb. Der Autor ist Psychiater, und anscheinend liegt es da nahe, sich auch literarisch mit psychischen Erkrankungen zu beschäftigen.

Dr. Peter Graininger ist Psychiater in der psychiatrischen Notfallaufnahme der New Yorker Universitätsklinik. Obwohl er es weit gebracht hat, lässt ihn die Erinnerung an den Unfall, bei dem seine Frau Beth ums Leben kam, immer noch nicht los. Mithilfe seines Sohns Kyle und seines Vaters, der ebenfalls Psychiater ist, versucht er wieder Boden unter den Füßen zu bekommen. Sein alter Studienfreund Ed Tyson, der mittlerweile ein hohes Tier an der Universität ist, hat ihm seinen Posten und auch die Wohnung, in der Peter lebt, beschafft.

Doch das hat Ed nicht nur aus Eigennutz getan. Er verfolgt Pläne, um Peter für eine Sache zu bestrafen, die bereits einige Jahre zurückliegt. Peter hat davon keine Ahnung, als er eines Tages Ann Walsh, Studentin, Gelegenheitsprostituierte und Geliebte von Ed, nach einem Selbstmordversuch behandeln soll. Wenig später wird Ann ermordet in einem Hotelzimmer aufgefunden. Peter war an diesem Abend bei Ed und seiner Familie zum Essen eingeladen. Als er am nächsten Morgen aufwacht, muss er feststellen, dass seine Erinnerungen an diese Nacht bei der Verabschiedung an Eds Haustür aufhören. Wo war er danach? Ist der Filmriss eine Nachwirkung des Traumas von Beths Tod oder geht es hier um etwas ganz anderes? Peter merkt schnell, dass er in einem perfiden Spiel gefangen ist …

Es ist nicht nur der Beruf, den Autor und Protagonist teilen. Auf seiner [Website]http://www.charlesatkins.com erläutert Atkins, dass er in „Gift“ auch eine persönliche Tragödie verarbeitet – genau wie Dr. Graininger. Aus dieser Verbindung resultiert eine sehr authentische Hauptfigur, die die Abgründe der menschlichen Seele aus eigener Erfahrung kennt. Immer wieder blendet Peter Erinnerungen an frühere Zeiten ein und gibt sich mehr als einmal der Schwäche hin, sich selbst gehen zu lassen.

An und für sich steht aber die rasante, geradlinige Thrillerhandlung im Vordergrund. Bis auf Peters persönliche Erinnerungen gibt es kaum Abschweifungen. In großen, abgestuften Schritten geht die Geschichte voran. Atkins verzichtet auf großartige Action und Blut oder weitläufige Plots. Er hält die Handlung im kleinen Rahmen, was sie sehr bodenständig wirken lässt. Sie enthält Bewegung, haarsträubende Ereignisse, aber dennoch bezieht sie ihre Spannung mehr aus der leisen, stillen Art und Weise der Manipulation, deren Opfer Peter wird.

Die Handlung besteht hauptsächlich aus einem Strang. Es gibt kaum Nebenhandlungen und auch die Nebencharaktere haben zumeist keine große Aufgabe, wenn sie nicht direkt in die Gesamtgeschichte verwickelt sind. Dadurch wirkt das Buch sehr kompakt, lässt an einigen Stellen aber etwas an Originalität missen. Das flotte Erzähltempo verhindert, dass sich bestimmte Charaktere entfalten können und Atkins Schreibstil ist ebenfalls nicht wirklich bemerkenswert.

Er arbeitet sowohl mit einer Perspektive aus der ersten als auch mit Perspektiven der dritten Person. Der Ich-Erzähler ist natürlich Peter, dem es dadurch besonders gut gelingt, seine traumatischen Erinnerungen zu beschreiben. Die anderen Perspektiven beschränken sich auf wenige Personen und unterscheiden sich untereinander kaum vom Schreibstil her.

Atkins schreibt flüssig und mitreißend. Er benutzt einen gehobenen Wortschatz und schafft es, klare Sätze zu bauen, die sich zu einem fließenden Text verbinden. Während Peters Perspektive durch die starke Subjektivität hervorgehoben wird, wirken die anderen jedoch etwas beliebig. Sie sind zu gleichförmig, um bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Einen bleibenden Eindruck hinterlässt „Gift“ insgesamt nicht unbedingt, dafür aber erstaunt hochgezogene Augenbrauen während der Lektüre. Der Thriller sprüht nicht vor Originalität, aber der Amerikaner Charles Atkins liefert saubere Handarbeit ab. Besonders positiv sind dabei der gut ausgearbeitete, sympathische Protagonist und vor allem die flotte und schnörkellose Handlung, die eine Menge Spannung aufzubauen vermag.

http://www.bastei-luebbe.de

Reginald Hill – Das Fremdenhaus

Das geschieht:

Illthwaite ist ein kleines Dorf in der englischen Provinz Cumbria. Seit Jahrhunderten lebt hier eine nicht unbedingt harmonische doch verschworene Gemeinschaft, die es gewohnt ist, Probleme intern zu lösen und der Außenwelt die kalte Schulter zu zeigen. Dabei ist es im Verlauf der Zeit mehrfach zu definitiv illegalen Aktivitäten gekommen, auf die man zum Teil stolz ist, während man weniger schmeichelhafte Ereignisse sorgfältig geheim zu halten sucht.

Nun kommen gleich zwei Besucher von sehr weit her nach Illthwaite, wo sie Nachforschungen über ihre Familien bzw. einen bestimmten Kirchenmann anstellen möchten. Samantha Flood, eine Mathematik-Studentin, reist aus Australien an, weil sie feststellen möchte, wieso ihre Großmutter, die hier im Ort ansässig gewesen sein soll, vor mehr als vier Jahrzehnten und noch als Kind davongejagt wurde. Reginald Hill – Das Fremdenhaus weiterlesen

Remes, Ilkka – Höllensturz

_Story_

Im nordfinnischen Provinzörtchen Pudasjärvi entdecken drei Wilderer die Leiche einer jungen Frau, der bereits kurze Zeit der Fund einer weiteren Toten folgen soll. Karri Vuorio, ein einstiger Großunternehmer, der sich der Wilderertruppe aus Abenteuerlust angeschlossen hatte, ist zutiefst entsetzt, handelt es sich bei den beiden Toten, Erja und Anne-Kristiine, doch um enge Freundinnen seiner Ehegattin Saara, einer Bibelforscherin, die jüngst in den Nahen Osten aufgebrochen ist, um ihre aktuellen Wissenschaften voranzubringen.

Die Kriminalkommissarin Johanna Vahtera wird mit dem Fall beauftragt und erfährt alsbald, dass sich die beiden Opfer, Saara und eine weitere junge Dame namens Lea, kürzlich in einem libanesischen Restaurant getroffen haben, kurz bevor die Vuorio nach Jordanien aufgebrochen ist. Vahtera nimmt Kontakt zu Lea auf und vereinbart ein Treffen in ihrem Haus, findet aber zum vereinbarten Zeitpunkt nur noch ihre Leiche auf.

Nun überschlagen sich die Ereignisse; der dreifache Mord erschüttert die gesamte Region, und als Karri schließlich noch erfährt, dass seine Frau von einer Gruppe islamischer Fundamentalisten entführt wurde, brechen in Pudasjärvi mehrere Welten zusammen. Haben die Morde etwas mit der Verbundenheit der Damen zur Glaubensgemeinschaft der Laestadianer zu tun? Besteht tatsächlich eine Verbindung zwischen den Attentaten und der Entführung in Nahost? Und welche Rolle spielen die inzwischen hinzugestoßenen Israelis, die großes Interesse daran bekunden, Saara zu befreien? Karri reist entgegen aller Vernunft nach Amman und versucht mit dem europäischen Spezialagenten Timo Nortamo, seine Frau zu befreien. Doch derweil spitzt sich auch in Finnland die Lage zu …

_Persönlicher Eindruck_

Nach dem fantastischen Debüt auf dem deutschen Markt, „Ewige Nacht“, durfte man berechtigterweise mit sehr großen Erwartungen auf den neuen Remes-Thriller „Höllensturz“ vorausschauen, selbst wenn die teils religiösen Inhalte zunächst einmal oberflächlich Skepsis hervorriefen, schließlich scheint dieser Themenkreis derzeit immer mehr Buchautoren zu inspirieren. Allerdings zäumt der Finne das Pferd von hinten auf und macht den brisanten religiösen Hintergrund nicht zum Aufhänger seines neuen Romans, sondern fügt ihn nahtlos und kontinuierlich in seine atemberaubende Kriminalgeschichte ein, die aufgrund der Fülle von stetig neuen Informationen in Sachen Spannung niemals abreißt und letztendlich den Anspruch auf ein Meisterwerk, wie er damals bei „Ewige Nacht“ berechtigt gestellt werden durfte, auch völlig befriedigt.

Dabei benötigt „Höllensturz“ jedoch eine nicht gerade unbescheidene Anlaufzeit, bis sich die komplexen Schemen lösen und die Szenerie vom Leser halbwegs nachvollziehbar nachkonstruiert werden kann. Zunächst nämlich versucht man vergeblich, die wirren Zusammenhänge zwischen der Mordserie in Saara Vuorios Heimat mit der Entführung der Bibelforscherin zu finden und den recht losen Gedankenkonstrukten eine Verbindung zuzuweisen. Zu weit hergeholt scheinen die ersten Theorien im Bezug auf Terrorakt und Dreifachmord in der finnischen Provinz. Dementsprechend zügig gehen dann auch die Ermittlungen voran; der Mörder scheint schnell gefunden, seine Motive erscheinen transparent und der befürchtete Aufwand erweist sich für die Ermittler fast schon als haltlos, noch bevor die Medien überhaupt Kenntnis von der Existenz der Ratte, wie Vahtera den Mörder bezeichnet, nimmt.

Dies ist für Remes genau der richtige Zeitpunkt, um das thematisch brisante Puzzle kurz auseinanderzureißen und die vorerst falsch eingesetzten Teile mit unheimlichem Geschick richtig zusammenzusetzen. Mit Karris Aufbruch nach Nahost werden die Grenzen der Ermittlungen in Pudasjärvi gesprengt; und wie schon zuvor eröffnet der Autor seiner Geschichte plötzlich eine Tragweite, die abzuschätzen man später kaum noch wagt. Internationale Organisationen, verschiedene Terrororganisationen und dazu noch einige unberechenbare Elemente halten Einzug in die Story, und noch bevor einem bewusst wird, welch enormes Geflecht Remes insgesamt doch wieder gesponnen hat, befindet man sich inmitten eines durch und durch von Verschwörungen und Überraschungen gezeichneten Thrillers, dem es zwar bisweilen ein wenig an tatsächlichem Realitätsbezug fehlt (diverse Entwicklungen laufen definitiv zu optimal und idealistisch), welcher aber genau diesen unbeschreiblich hohen Gehalt an Spannung innehat, wie es in dieser Sparte nur ein Qualitätswerk aufweisen kann. Darüber hinaus sind die Charakterzeichnungen auch dieses Mal wieder brillant, getragen von einer durchaus heftigen Entwicklung und erstellt auf Profilen, die kaum professioneller ausgearbeitet sein könnten.

Mit anderen Worten: Ilkka Remes ist allen Anforderungen gerecht geworden, die ein Genre-Meisterwerk beansprucht, und hat dabei den Balanceakt zwischen religiösen Verschwörungen, politischen Außergewöhnlichkeiten und einer reinen Kriminalgeschichte geschickt und gekonnt vollzogen – ohne dabei auch nur im Ansatz in die Reihe der Dan-Brown-Epigonen abzudriften. „Höllensturz“ ist der nächste Auszug einer bis dato bemerkenswerten Schriftstellerkarriere und eines der größten Schmankerl der aktuellen Saison!

http://www.ilkka-remes.de/
http://www.dtv.de/

_Ilkka Remes auf |Buchwurm.info|:_

[„Ewige Nacht“ 2039
[„Das Hiroshima-Tor“ 2619
[„Blutglocke“ 3911

Tandefelt, Henrik – Ultramarin

Im Vorwort seines Buches „Ultramarin“ schreibt Henrik Tandefelt:

|“Ein Krimi enthält vor allem Sex und Gewalt. Die Sprache ist niveaulos, die Charaktere sind billig. Deshalb ist es nicht gesund, Krimis zu lesen!“| (Seite 6)

Inwiefern sich das verallgemeinern lässt, ist fraglich. Schließlich gibt es auch genug Autoren, die das Gegenteil beweisen. Henrik Tandefelt möchte auch zu diesen gezählt werden. In seinem zweiten Roman schickt er deswegen den sympathischen Ich-Erzähler aus seinem Debüt [„Lauf, Helin, lauf!“ 3912 ins Rennen. Allerdings verschlägt es den Fotografen Joseph Friedmann dieses Mal nach Helsinki anstatt nach Småland.

Seine Freundin, die Opernsängerin Bella, hat eine Gastrolle an der finnischen Nationaloper bekommen, und Josef, der nicht wirklich etwas zu tun hat, kümmert sich um den Haushalt und die Hunde. Der Frieden währt allerdings nicht lange. Lindström, der Polizist, der mit Josef dessen ersten „Fall“ gelöst hat, ruft an und macht ihn mit einem Freund, der bei der Polizei in Helsinki arbeitet, bekannt.

Josef schließt Freundschaft mit Olli Mustonen und besucht ihn gerne in seinem abgelegenen Ferienhaus. In der Nähe liegt ein verwaister Hof, auf dem vor fünf Jahren der griesgrämige Arzt Jens Bäck ermordet wurde. Seitdem fehlen drei Bilder des russischen Malers Ajvazovskij und Bäcks Gehilfe Dimitri. Die Ermittlungen verliefen damals im Sande, doch natürlich kennt Josefs Neugier keine Gnade. Er beginnt auf dem Hof und in Bäcks Leben herumzuschnüffeln. Bald findet er heraus, dass Bäck, anders als die Polizei glaubt, sehr wohl einen Sohn hat, der in Schweden lebt und behauptet, seinen Vater kaum zu kennen. Warum ist er aber dann auf vielen Fotos mit Bäck zu sehen? Das soll nicht die einzige Ungereimtheit bleiben …

Was die Kritik in seinem Vorwort angeht, hält Tandefelt Wort. Josef Friedmann ist ein äußerst sympathischer Charakter. Er erzählt aus der Ich-Perspektive im Präsens, was anfangs gewöhnungsbedürftig ist. Seine Wesenszüge sind klar gezeichnet, wirken aber etwas zu positiv. Es mangelt an wirklichen Macken, die den Protagonisten noch authentischer hätten dastehen lassen.

Die Geschichte konzentriert sich hauptsächlich auf Josefs Sicht, doch wie bei „Lauf, Helin, lauf!“ gibt es auch bei „Ultramarin“ eine zweite Perspektive. Während sie das letzte Mal aus der Sicht des menschlichen Opfers erzählte, begleitet sie dieses Mal die drei gestohlenen Gemälde und berichtet, jeweils aus dem Blickwinkel des momentanen Besitzers, wie sie immer weiter gegeben werden. Das ist auf jeden Fall ein geschickter Schachzug, auch wenn diese erfrischenden zweiten Perspektiven eher selten sind.

Als niveaulos kann man Tandefelts Schreibstil ebenfalls nicht bezeichnen. Er schreibt gehoben, aber dennoch einfach. Da aus der Ich-Perspektive erzählt wird, ist alles sehr subjektiv gefärbt, was kein Nachteil ist. Die persönliche Note macht es leicht, sich mit Josef Friedmann zu identifizieren, und seine lockere, humorvolle Art gefällt. Das Erzähltempus – Präsens – ist zwar, wie gesagt, etwas gewöhnungsbedürftig und hakt auch an einigen Stellen, alles in allem präsentiert sich „Ultramarin“ aber als runde Angelegenheit.

Einzig die Handlung dürfte dem Leser ein bisschen Kopfschmerzen bereiten. Tandefelt verlässt sich tatsächlich mehr auf die leisen Töne als auf Sex und Gewalt, aber so einen dichten, spannenden Plot wie bei seinem ersten Buch bekommt er dieses Mal nicht hin. Das liegt eventuell daran, dass es weniger Perspektiven und weniger aufzuklärende Fälle gibt.

Während sich „Lauf, Helin, lauf!“ durch eine mehrdimensionale Geschichte mit vielen losen Spannungsenden auszeichnete, ist „Ultramarin“ sehr einstrangig. An einigen Stellen plätschert die Story vor sich, und trotz des schönen Erzählstils finden sich einige Ausschweifungen. Tandefelt tendiert sehr stark dazu, präzise jeden einzelnen Handlungsschritt von Josef aufzuzählen. Mit der Zeit wird das mühsam, genau wie die Wiederholungen bei Josefs Ermittlungsarbeit. Man hat das Gefühl, als ob sein Leben daraus bestünde, Leute aufzutreiben, mit ihnen zu telefonieren und sie zu besuchen. Das führt dazu, dass die Handlung sich des Eindrucks einer leichten Konstruiertheit nicht erwehren kann.

Trotzdem gefällt Tandefelts Schreibstil nach wie vor. Wer die schwedische Krimischwermut satthat, wird an diesem Autor Gefallen finden, auch wenn „Ultramarin“ nicht an seinen Vorgänger heranreicht. Es bleibt aber zu hoffen, dass die sympathische Hauptfigur uns auch in weiteren Büchern beehrt. An der Art und Weise, wie Henrik Tandefelt seine Bücher schreibt, liegt es nämlich nicht. Es ist fast einzig und allein die Handlung, die in diesem Fall nicht ganz rund läuft.

http://www.dtv.de

Barclay, Linwood – Ohne ein Wort

Um „Ohne ein Wort“ von Linwood Barclay wird in den Medien derzeit ein ziemlicher Wirbel veranstaltet. |Ullstein| hat sogar eigens eine [Website]http://www.ohne-ein-wort.de ins Leben gerufen und bewirbt das Buch mit einem Filmtrailer.

So viel Tamtam ist man eher von Autoren der Größenordnung einer Joanne K. Rowling gewohnt. Dementsprechend hoch sind deshalb die Erwartungen an „Ohne ein Wort“. Ist Linwood Barclay wirklich der neue Stern am Thrillerhimmel, wie der Verlag suggeriert?

Eine Supernova ist es nicht gerade, die Barclay dem Leser beschert, aber immerhin auch kein schwarzes Loch. „Ohne ein Wort“ ist ein gemütliches Büchlein, das sich hauptsächlich durch seine Alltagsnähe auszeichnet.

Nun gut. Das, was Cynthia Archer, mittlerweile 39 und Ehefrau und Mutter einer achtjährigen Tochter, mit vierzehn Jahren erlebt hat, ist alles andere als alltäglich. Nach einem heftigen Streit mit ihren Eltern wacht sie am nächsten Morgen auf und muss feststellen, dass alle verschwunden sind. Das große Haus ist leer, ihre Eltern und der ältere Bruder Todd sind samt den Autos verschwunden. Gepackt haben sie nichts, auch einen Abschiedsbrief haben sie nicht hinterlassen. Was ist passiert? Wurden die Bigges ermordet? Wieso wurde Cynthia verschont?

25 Jahre später möchte Cynthia Licht ins Dunkle bringen und wagt einen verzweifelten Versuch. Mithilfe eines lokalen Fernsehsenders dreht sie eine Reportage über ihr Schicksal und hofft, dass die Zuschauer ihr weiterhelfen können. Anfangs passiert nichts, doch dann fühlt Cynthia sich plötzlich verfolgt, in ihr Haus wird eingebrochen und am Ende stirbt auch noch ihre geliebte Tante Tess, die sie aufgezogen hat. Wenig später findet die Polizei einen zweiten Toten, Denton Abagnall. Der Privatdetektiv sollte im Auftrag der Archers ermitteln, und das hat ihn das Leben gekostet. Doch anstatt den wahren Mörder zu suchen, der laut Cynthia von den Ereignissen vor 25 Jahren weiß, ermittelt die Polizei gegen die Familie. Da trifft ein anonymer Brief ein, der mit dem Verschwinden von Cynthias Eltern zu tun hat …

Anders als man es vielleicht erwartet, ist Cynthia nicht die Erzählerin dieser Geschichte. Ihr Mann Terry berichtet, wie das Wiederaufrollen des Verschwindens die Familie zerrüttet und ihren Alltag belastet. Terry ist ein sympathischer Ich-Erzähler, wenn auch nicht sonderlich interessant. Er verkörpert den netten, aber leicht langweiligen Lehrer, der es mit niemandem böse meint. Trotzdem ist er gut ausgearbeitet und wirkt dadurch, dass er so alltäglich ist, sehr authentisch.

Der Schreibstil, der Terry Archer begleitet, ist sehr stimmig gelungen. Barclay schreibt flüssig mit einem leichtfüßigen, nie bösen Humor. Sein Wortschatz ist gewählt, aber nicht zu sehr, und sein Satzbau ist klar. „Ohne ein Wort“ lässt sich sehr flüssig und angenehm lesen.

Bei den anderen Personen ist es ähnlich. Sie sind gut ausgearbeitet, aber es fehlt ihnen an Originalität. Sie wachsen dem Leser zwar ans Herz, aber wer auf der Suche nach etwas Neuem und Besonderem ist, wird bei „Ohne ein Wort“ nicht fündig. Insgesamt präsentiert sich das Buch mehr als Hausmannskost denn als echte Delikatesse.

Das merkt man auch der Handlung an, die recht konventionell aufgebaut ist. Alle Ereignisse, die darauf hindeuten, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht, bleiben in einem Rahmen, der nur wenig Spannung zulässt. Das bedeutet nicht, dass die Story schlecht wäre. Im Gegenteil baut Barclay sein Buch logisch auf und steigert die Spannung schön zum Ende hin. Dennoch ist das Buch nicht so fesselnd wie manch anderer Psycho-Thriller. Dafür fehlen die wirklich ausgefallenen Ereignisse und weniger leicht durchschaubare Ungereimtheiten.

Was Barclay sich über das Buch hinweg aufbaut, hält er am Ende leider nicht ein. Die Auflösung des Falls ist nicht wirklich spektakulär, auch wenn sie überrascht. Trotzdem hätte es sich gelohnt, das Ende so zu gestalten, dass die Auflösung auch wirklich am Ende steht. An dieser Stelle verschießt Barclay sein Pulver ein wenig zu früh, auch wenn man seiner sauberen Handarbeit keinen Vorwurf machen kann.

Insgesamt ist „Ohne ein Wort“ ohne Frage ein Psycho-Thriller der besseren Sorte. Der Schreibstil ist gelungen und reißt mit, und die Personen sind sympathisch, wenn auch nicht gerade Originale. Barclays Art, auf Qualität statt auf Innovation zu setzen, rächt sich erst bei der Handlung. Der Aufbau ist konventionell und das Ende wenig spektakulär. Dadurch hat die Spannung wenig Gelegenheit, um sich wirklich gut zu präsentieren, verschwindet aber nie von der Bildfläche.

http://www.ullstein-taschenbuch.de

Mignon G. Eberhart – Während der Kranke schlief

Im einsamen Haus lauern verfeindete Verwandte auf den Tod des reichen Familienoberhaupts, bis die Anwesenden sich gegenseitig zu dezimieren beginnen. Eine Krankenschwester betätigt sich als Privatdetektivin und kommt des Rätsels Lösung dabei zu nahe … – Atmosphärisch dichter „Whodunit“ mit wirklich allen Elementen dieses Genres, deren Autorin nach vielen falschen Fährten und Rätselraten den Täter aus dem Kreis der sämtlich verdächtigen Figuren herausfiltert.
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Eckert, Renate – Hungrige Schatten

Renate Eckert weiß, wovon sie schreibt. Genau wie die Protagonistin in ihrem ersten Buch, arbeitete auch sie lange Zeit als Journalistin. Sie kennt sich also aus mit den inneren Strukturen einer Redaktion.

Diese sind es, die der Journalistin Anne Michels das Leben schwer machen. Ihr Vorgesetzter mobbt sie, und das lastet schwer auf der jungen Frau. Sie ist neu in der beschaulichen Stadt Burgstadt, und bis auf Angie, eine Arbeitskollegin, und Phil, einen Kollegen, der heimlich in sie verliebt ist, hat sie noch nicht viel Anschluss gefunden.

Das ändert sich, als sie für die bevorstehende Oberbürgermeisterwahl die Kandidaten interviewen soll. Matthias Reininger, der charismatische Anwalt, ist ihr bereits bei einer Ordensverleihung für verdiente Kommunalpolitiker aufgefallen. Als sie ihn in seinem teuren Haus besucht, zeigt sich, dass sie ihm auch aufgefallen ist. Er spinnt sie ein mit seiner Aufmerksamkeit. Doch schnell zeigt sich, dass mit seiner Zuwendung eine dunkle Seite einhergeht. Er ist dominant, manchmal geradezu sadistisch. Anne ist trotzdem verrückt nach ihm und merkt erst viel zu spät, worauf sie sich da eingelassen hat …

Im Vordergrund der Geschichte steht Anne, die als Neue in der Redaktion viel einstecken muss. Für sie bedeutet der Job eine gute Gelegenheit, um sich von ihrer Vergangenheit freizustrampeln, die von der Autorin gut ausgearbeitet wurde. Anne hat auch eigene Charakterzüge, aber die sind größtenteils schwammig dargestellt, so dass es schwerfällt, sich mit der Protagonistin zu identifizieren.

Im Großen und Ganzen bleibt die junge Journalistin dem Leser verschlossen. Der Grund dafür ist der altbackene Schreibstil von Eckert. Sie benutzt einen gehobenen Wortschatz und bemüht sich um Abwechlsungsreichtum bei der Wortwahl. Dennoch klingen viele ihrer Formulierungen gestelzt und künstlich. Das Vokabular, auf das sie zurückgreift, ist stellenweise zu erhaben, und sie schafft es nur selten, wirkliche Emotionen zu erzeugen.

Dieser Schreibstil hat weitreichende Folgen. Die Grundidee, auf der Eckert ihre Geschichte aufbaut, ist nicht unbedingt schlecht. Eine junge, vielleicht etwas naive und vor allem einsame Frau gerät in die Fänge eines charismatischen, aber verdorbenen Mannes. Daraus ließe sich ohne Probleme das stricken, was auf dem Buchdeckel angegeben ist: ein Psychothriller.

Leider verbaut sich die Autorin mit dem Schreibstil diese Möglichkeit. Durch die Verschlossenheit und Künstlichkeit kann kaum Spannung aufgebaut werden. Selbst der Kriminalfall, den Annes Kollege Phil verfolgt, kann kaum punkten. Er steht nicht im Vordergrund und verläuft mehr oder weniger im Sande, weil aufgrund des Schreibstils einfach keine Spannung aufkommen möchte.

Ähnlich ist es mit der verhängnisvollen Verbindungen zwischen Anne und Matthias. Hier fehlt es an psychologischer Tiefe, obwohl die einzelnen Stufen dieses Handlungsstrangs gut aufgebaut sind. Letztendlich ist es wieder Eckerts Schreibstil, der die Spannung blockiert. So gewandt er auch erscheinen mag, verhindert er doch, dass das Buch in die Tiefe gehen kann.

Hinzu kommen die vielen Nichtnotwendigkeiten, zu denen abgeschweift wird. Was in manch anderen Büchern für Vielschichtigkeit und Erzähldichte sorgt, wirkt in diesem Fall überflüssig. Auch das lässt sich wieder auf den Schreibstil zurückführen, der es nicht schafft, solche Abschweifungen in den Erzählfluss zu betten.

Wie man sieht, ist bei „Hungrige Schatten“ der Schreibstil der springende und wunde Punkt. Handwerklich kann man sich nicht über ihn beschweren. Eckert kann schreiben und sie greift auf einen großen Wortschatz zurück. In diesem sind leider sehr viele gestelzte Ausdrücke und Formulieren enthalten, die schuld daran sind, dass es dem Buch an Lebendigkeit fehlt. Das wirkt sich negativ auf Handlung und Personen aus. Besonders dem Plot fehlt es an Spannung und Emotionen, auch wenn er auf einer passablen Grundidee fußt.

http://www.heyne.de

Kusnezow, Sergej – Hülle des Schmetterlings, Die

Bereits die Widmung von Sergej Kusnezows Buch „Die Hülle des Schmetterlings“ macht neugierig: |“Dieses Buch wollte ich zwei Freunden widmen. Beide haben sich geweigert es zu lesen und darauf bestanden, in keiner Weise damit in Verbindung gebracht zu werden.“| Was für ein Buch muss das sein, wenn Leute nicht damit in Verbindung gebracht werden? Der Verlag selbst sieht es als |“Das russische Gegenstück zu Thomas Harris‘ ‚Schweigen der Lämmer'“|, und damit hat er gar nicht mal so unrecht.

Ein Serienkiller hält die russische Hauptstadt Moskau in Atem. Schon seit Monaten foltert und tötet er Frauen zwischen 15 und 40, und die Polizei hat keine einzige Spur. Xenia, die junge Chefredakteurin einer mäßig erfolgreichen Internetseite, hat eine zündende Idee. Zusammen mit ihrem Kollegen Alexej und ihrer besten Freundin Olga ruft sie eine Website ins Leben, auf der alle Informationen zu dem Serienkiller zusammengetragen werden. Daneben werden Expertenmeinungen veröffentlicht und in einem Forum können die Besucher der Seite über die Morde diskutieren.

Ihr Plan geht auf. Die kontroverse Internetseite erlangt schnell Ruhm und Xenia wird zu einer kleinen Berühmtheit. Eines Tages meldet sich ein Fremder, der sich „alien“ nennt, über ICQ bei ihr. Xenia geht auf seine Gespräche ein und hört auch nicht auf, als der Fremde sie „kleine Schwester“ nennt und zu selbstverletzenden Aktionen zwingt. Ehe sie es sich versehen hat, steckt sie tief in einem Strudel aus roher Gewalt und blindem Gehorsam …

Sergej Kusnezow hat mit großer erzählerischer Beweglichkeit ein sehr düsteres Buch über die Abgründe im Menschen geschrieben. Diese Menschen arbeitet Kusnezow als originellen Charaktere sehr gut aus und versieht sie mit ganz eigenen Charakterzügen und einer detailreichen Vergangenheit. Auffällig ist, dass er auf positive Emotionen beinahe gänzlich verzichtet. So gut wie alle Protagonisten, allen voran natürlich der Serienkiller, zeigen nur ihre dunkle Seite, was dem Buch eine besondere Stimmung verleiht. An dieser Stelle sei besonders die Andersartigkeit der Charaktere betont. Xenia ist zum Beispiel Fan von BDSM-Spielchen, was ja nicht gerade alltäglich ist. Dadurch wird das Buch zusätzlich interessant und erlaubt einen Blick in Welten, die der normale Leser so nicht kennt.

Dieser Blick wird durch die unterschiedlichen Perspektiven ermöglicht. Der russische Autor legt hierbei eine große Kreativität an den Tag. Der Serienkiller berichtet sehr anschaulich, ohne zu viel von sich preiszugeben, aus der Ich-Perspektive. Neben Erinnerungen und aktuellen Ereignissen flicht er außerdem sehr poetische Kapitel ein. In einem schildert er zum Beispiel ausführlich, wieso jede Jahreszeit eine gute Jahreszeit zum Töten ist und greift dabei auf viele bildhafte Beschreibungen zurück. In anderen berichtet er in Form eines reimlosen Gedichtes davon, wie er seine einzelnen Opfer umgebracht hat. Kusnezow schafft es dabei, auf geniale Art und Weise die brutalen Details mit einer blumigen Sprache und der Liebe des Tötens, die der Killer verspürt, zu verbinden.

Die anderen Perspektiven wechseln dagegen munter durch. Zumeist schreibt er aus der dritten Person, manchmal aber auch aus der ersten, was die Gedanken und Gefühle des jeweiligen Ich-Erzählers besonders intensiv und oft beklemmend wirken lässt. Oft greift er aber auch auf eine völlig andere, unbekannte Art von Perspektive zurück, die „Du-Perspektive“. Eine Du-Perspektive setzt natürlich voraus, dass es einen Ich-Erzähler gibt, der das Du anspricht. Der Ich-Erzähler ist in diesem Fall der Serienkiller, auch wenn er sich in den Kapiteln mit der Du-Anrede, die zumeist an Xenia gerichtet ist, zurückhält. Er erzählt den Tagesablauf der Protagonisten so, als ob er sie gerade dabei beobachtet und sehr genau über ihre Gepflogenheiten Bescheid weiß. Das sorgt für Gänsehaut. Der teils verspielte, teils gruselige Ton, den Kuszenow dabei anschlägt, gibt dem Leser das Gefühl, dass der Serienkiller Macht über alle Personen in dieser Geschichte hat.

Auch wenn der Autor sich sehr stark auf seine Personen konzentriert – viele Kapitel handeln einzig von deren Gedanken und Gefühlen -, vernachlässigt er nicht die Handlung. Er schweift zwar oft ab und bietet dem Leser eine große Fülle an Informationen, aber diese lenken nicht unangenehm ab, sondern sorgen für eine hohe Erzähldichte. Die Handlung kommt zwar langsam in Gang, aber sie schreitet zügig fort und findet ihren Höhepunkt in einem überraschenden, offenen Ende. Oft gehen solche Experimente schief, doch Kusnezow gelingt es, seinen originellen Abschluss sauber über die Bühne zu bringen.

Was „Die Hülle des Schmetterlings“ neben den scharf gezeichneten Personen und dem Spiel mit den Perspektiven auszeichnet, ist der Schreibstil. Dieser ist rhetorisch bemerkenswert geschickt. Kusnezow benutzt viele Reihungen und Metaphern, Bilder und Vergleiche. Manche davon ziehen sich durch das ganze Buch; die Erwähnung eines schwarzen Kokons, zum Beispiel, auf den auch der deutsche Titel des Buchs anspielt. Der Autor hält mit diesem vielfältigen Schreibstil das ganze Buch zusammen und hebt sich wohltuend von anderen Thriller-Autoren ab.

„Die Hülle des Schmetterlings“ von Sergej Kusnezow ist ein selten guter Thriller. Eine spannende Handlung und tolle, düstere Charaktere verbunden mit einem virtuosen Schreibstil – und das in einem Genre, das nicht unbedingt für seine literarische Qualität bekannt ist. Der Vergleich mit Thomas Harris hinkt trotzdem. Aber es ist Harris, der gegen Kusnezows Kreativität nicht ankommt.

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Paprotta, Astrid – Feuertod

Die in Frankfurt lebende Autorin Astrid Paprotta ist bislang vor allem durch ihre Krimis mit der Kommissarin Ina Henkel bekannt geworden. In ihrem neuen Buch „Feuertod“ führt sie zwei neue Ermittler ein: Hauptkommissar Niklas und den ihm zugeteilten LKA-Beamten Potofski.

Bei ihrem ersten gemeinsamen Fall müssen sie die grausame Ermordung von vier Menschen aufklären. Die Anwältin Ellen Rupp verbrennt zusammen mit ihrem jungen Liebhaber in ihrer Wohnung. Das Gleiche gilt für Michael Brecht. Auch er wird in seiner ausgebrannten Wohnung entdeckt. Der Einzige, der die Verbindung zwischen Rupp und Brecht herstellen kann, ist Moritz Blume.

Er arbeitete als eine Art Privatdetektiv für Ellen Rupp, die eine raubeinige Wirtschaftsanwältin war. Nebenbei engagierte sich die Frau für die Bürgerinitiative „Sichere Stadt“, was ihr einen Platz im Stadtparlament verschaffte. Gegenden wie die, in der Blume wohnt, waren ihr ein Dorn im Auge, weil dort die Armen und Arbeitslosen wohnen und das Stadtbild verschandeln. Blume ermittelt auf eigene Faust, doch als er zu viel herausfindet, stirbt auch er – bei einem Wohnungsbrand.

Blume war der Polizei einige Schritte voraus, doch Niklas und Potofski, beide ein bisschen behäbig, kommen allmählich einer Geschichte auf die Spur, die schon viele Jahre zurückliegt. Doch kann sie wirklich der Grund für die Morde sein?

Was Paprotta von anderen Kriminalautoren abhebt, sind ihr bemerkenswerter Schreibstil und ihre originellen Personen. Diese beiden Dinge stehen beinahe mehr im Vordergrund als der eigentliche Kriminalfall. Anders als erwartet, führt das aber nicht zu Problemen, sondern zu einem auffällig guten Krimi.

Neben den Ermittlern Niklas und Potofski stehen mehrere andere Perspektiven im Vordergrund, die von den Morden betroffen sind. Neben Blume sind dies das Paar Westheim und der Friseur Czerny. Czerny hat seinen Salon in der Stoltzestraße, die einen schlechten Ruf hat, und Blume ist sein Nachbar und so etwas wie ein Freund. Dadurch erfährt er vieles über die Morde und bewertet die Frisuren der einzelnen Toten mit Kennerblick.

Paprottas Perspektiven sind wunderbar gestaltet. Es gibt nur wenige objektive Beschreibungen. Zumeist scheinen die gedruckten Worte direkt aus den Köpfen der Perspektiven zu kommen. Das hängt mit dem Schreibstil zusammen, der sehr alltäglich gehalten ist. Paprotta benutzt Alltagssprache, die sich auch im Satzbau widerspiegelt. Oft verbindet sie mehrere Hauptsätze mit Kommas, anstatt Nebensätze zu bilden. Trotzdem liest sich das Resultat frisch und flüssig und erinnert an einigen Stellen an den so genannten „stream of consciousness“. Diese Erzählweise definiert sich dadurch, dass sie ungefiltert aus dem Kopf der Person erzählt, was diese gerade sieht, erlebt und denkt. Dadurch entsteht ein rundes, kompaktes Bild der Situationen mit einer sehr subjektiven Färbung. Der beiläufige, trockene Humor, den die Autorin einwebt, und die sarkastischen Bemerkungen von Niklas, bevorzugt über seinen neuen Kollegen, sorgen dafür, dass eine angenehme Frische in den flüssigen Schreibstil einzieht.

Wer so sehr aus dem Kopf seiner Personen berichtet, muss diese auch dementsprechend ausarbeiten. Das gelingt der studierten Psychologin geradezu perfekt. Ihre Charaktere sind sehr eigen, haben gut ausgearbeitete Wesenszüge und einen Haufen interessanter Gedanken. Letztere sind sehr authentisch, genau wie die Dialoge, die stark von Alltagssprache gefärbt sind.

Insgesamt schafft es die Autorin, eine ganz eigene Erzählmagie zu entwickeln. Perspektiven wie die von Czerny, der mit den Morden nicht wirklich etwas zu tun hat, lassen die Handlung an manchen Stellen abschweifen. Trotzdem kehrt die Autorin immer wieder dorthin zurück. Es ist erwähnenswert, dass die beiden Ermittler Niklas und Potofski gar nicht so sehr im Vordergrund stehen. Ihre Aufgabe ist es, den Schuldigen zu finden, und nicht, ihre Gedankenwelt dem Leser zu präsentieren. Das ist auf der einen Seite geschickt, weil dadurch keine Trockenheit aufgrund zäher Polizeiarbeit entstehen kann. Auf der anderen Seite werden Fans des eher klassischen Kriminalromans ein Problem mit „Feuertod“ haben.

Wer allerdings nicht davor zurückschreckt, einen Kriminalroman mit einem kräftigen Schuss Belletristik zu lesen, der ist mit „Feuertod“ gut beraten. Astrid Paprotta schafft es, dem Genre Kriminalroman ein paar ganz eigene Töne zu entlocken. Das Buch ist interessant, abwechslungsreich und wird von einem sehr guten Schreibstil und originellen Charakteren erfolgreich getragen.

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Patricia Cornwell – Brandherd [Kay Scarpetta 9]

Ein Brandstifter entfacht wahre Höllenfeuer. In der Asche finden sich Leichen, die nur die geniale Gerichtsmedizinerin Kay Scarpetta identifizieren kann. Sie erkennt, dass hier eine Serienmörderin, mit der sie vor Jahren schon einmal zu tun hatte, wieder aktiv geworden ist, erkennt deren perfiden Racheplan aber beinahe zu spät … – Der 9. Band der erfolgreichen Scarpetta-Serie bietet erneut spannende Thriller-Unterhaltung mit bizarren Morden und Forensik-Exotik, leidet aber unter allzu dick aufgetragenen, predigtähnlich die Handlung ins Stocken bringenden Seifenoper-Elementen. Patricia Cornwell – Brandherd [Kay Scarpetta 9] weiterlesen

Frost, Scott – Risk. Du sollst mich fürchten

Scott Frost ist bislang eher für seine Drehbücher für Serien wie „Akte X“ oder „Twin Peaks“ bekannt gewesen. Mit „Risk. Du sollst mich fürchten“ soll sich das ändern. Der Psychothriller ist Frosts erstes Buch und wurde sogar für den |Edgar Award| als bestes Thrillerdebüt nominiert.

Der Fall, mit dem Lieutenant Alex Delillo sich beschäftigt, beginnt recht harmlos mit dem Mord an einem Blumenhändler. Als sie einen vorbestraften Mitarbeiter des Geschäfts überprüfen wollen, fliegt dessen Haus in die Luft und Alex‘ Partner Dave Traver wird lebensgefährlich verletzt.

Schon bald zeigt sich, dass der Täter zu noch weit grausameren Taten fähig ist. Immer wieder greift er auf selbst gebastelte Bomben zurück und schon bald kristallisiert sich sein Ziel heraus: Er möchte eine Bombe auf der jährlichen Rosenparade in Pasadena zünden. Für Alex und ihren neuen Kollegen Dylan Harrison, Experte für Sprengstoffe, beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Alex ist davon ganz besonders betroffen, denn der Täter hat ihre Tochter Lacy entführt und droht damit, sie umzubringen, wenn nicht alles nach seinem Plan läuft …

Die Handlung, die Frost in seinem Buch anbietet, ist nicht unbedingt das Nonplusultra. Der Bombenleger, der sich inszeniert und die Welt in die Luft sprengen möchte, ist ein bisschen abgeschmackt. Trotzdem schafft der Autor es, immer wieder unkonventionelle Ereignisse in seinen Plot einzubinden. Er verfolgt also nicht immer das übliche Schema, kann uns aber auch nicht völlig vom Gefühl des bereits Dagewesenen befreien.

Auch wenn das Thema nicht neu ist, so kann man sich über den Aufbau des Buches nicht beklagen. Man merkt Frost seine Vergangenheit als Drehbuchautor an. Schlag auf Schlag passieren die Morde und werden meist actionreich dargestellt. Für Ausschweifungen bleibt wenig Platz. Einzig Alex gönnt sich ab und an ein paar Zeilen, um über das schwierige Verhältnis zu ihrer Tochter zu philosophieren oder ihre eigene Vergangenheit zu beleuchten.

Diese Passagen tragen dazu bei, dass der Thriller trotz seiner actionreichen und teilweise hightechlastigen Handlung viel menschliche Wärme in sich trägt. Die Ich-Perspektive, aus der Alex erzählt, ist dem Autor sehr gut gelungen. Alex ist eine schlagfertige, im Beruf kompetente Frau, die an ihrer Unfähigkeit als Mutter zu knabbern hat. Das Verhältnis zu ihrer Tochter Lacy ist sehr schlecht. Sie weiß nur wenig über deren Leben und wird mit dieser Tatsache immer wieder konfrontiert. Frost schafft es, Alex‘ Verzweiflung, Reue und Angst im Verlauf des Buches sehr gut darzustellen. Dabei vernachlässigt er nicht, die Geschichte mit sarkastischen, teils selbstironischen Bemerkungen aufzulockern.

Auch die anderen Charaktere sind sehr vielschichtig gezeichnet, wenn auch nicht immer so interessant wie Alex. Frost setzt weniger auf wirkliche Originalität als auf gute Handarbeit. Seine Personen sind dementsprechend gut ausgearbeitet, wirken aber alltäglich.

Alex‘ Ich-Perspektive bestimmt das Buch weitgehend. Sie wird von einem klaren, sauberen Schreibstil gestützt, der bis auf die humorvollen Bemerkungen kaum Besonderheiten in Form von rhetorischen Stilmitteln besitzt. Da Frost aber sehr dicht und flüssig schreibt, ist das nicht weiter negativ. Weiterer positiver Nebeneffekt der Wahl der Ich-Perspektive ist die Homogenität in der Handlung. Scott Frost verzichtet auf weitere Perspektiven. Alles wird aus der Sicht von Alex Delillo erzählt. Dadurch gibt es nur einen Erzählstrang in der Geschichte und keine unnötigen Nebenhandlungen, die vom Kriminalfall ablenken. Eintönigkeit kommt trotzdem nicht auf. Alex Delillo ist aufgrund ihres Berufs und ihrer Sorge um ihre Tochter immer nah am Hauptgeschehen. Und auch, wenn die Handlung nicht immer zieht, so ist sie doch gut dargestellt und wird von einer sympathischen Protagonistin erzählt.

Scott Frost ist nicht der hellste Stern am Thrillerhimmel, aber er muss sich mit seinem Debüt „Risk“ auch nicht in einem schwarzen Loch verstecken. Der souveräne Thriller kann vielleicht nicht unbedingt mit dem schon oft durchgekauten, aufmerksamkeitsüchtigen Serienkiller punkten, aber dafür ist Protagonistin Alex Delillo eine sehr sympathische Frau. Der Aufbau des Buches ist spannend und die Ereignisse passieren Schlag auf Schlag. Insgesamt ist Scott Frost ein lesenswertes Buch gelungen.

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Tandefelt, Henrik – Lauf, Helin, lauf!

„Nicht noch ein skandinavischer Krimiautor!“ möchte man zunächst stöhnen, wenn man den Namen des in Helsinki geborenen Henrik Tandefelt liest. Obwohl in Finnland geboren, spielt sein Krimi „Lauf, Helin, lauf!“ in Schweden, genauer gesagt in Småland. Der Fotograf Josef Friedmann und das Ehepaar Lindström befinden sich gerade dort, weil das Ehepaar ein Ferienhaus gekauft hat, das renoviert werden muss.

Eines Tages findet man im Kanal der Kleinstadt Ekemåla eine stark verweste Leiche in einem Abwasserkanal. Zur gleichen Zeit meldet der Lehrer und Bekannte der Lindströms, Arvid Lönnholm, dass eine seiner Schülerinnen verschwunden ist. Die Kurdin Helin ist seit dem Türkeiurlaub mit ihrer Mutter weder in der Schule noch in ihrer Wohnung gesehen worden. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Leiche im Kanal und Helin?

Lindström, der sich für die Renovierungsarbeiten Urlaub genommen hat, wird von seinem Chef gebeten, der örtlichen Polizei zur Seite zu stehen. Bereits kurze Zeit später meldet sich ein Albaner, der behauptet, der Mörder der unidentifizierbaren Toten zu sein. Angeblich handelt es sich dabei um die Jahrmarktswahrsagerin Serafina, die der Albaner in den Kanal geschubst haben möchte, weil sie seinen Heiratsantrag nicht angenommen hat.

Die örtliche Polizei glaubt, dass der Mann der Täter ist, auch wenn er bei einem Unfall stirbt, bevor er ordentlich verhört worden ist. Die Ermittlungen werden eingestellt, doch Lindström, seine Frau Ingbritt und Josef Friedmann wollen das nicht glauben. Auf eigene Faust gehen sie der Sache nach …

Die Handlung an und für sich ist weder wirklich aufregend noch wirklich neu. Doch die Art und Weise, wie die vielen verschiedenen Erzählstränge verflochten sind, ist geradezu faszinierend.

Tandefelt legt der Geschichte eine hohe Erzähldichte zugrunde, die mit detaillierten, aber nicht ausschweifenden Situationsbeschreibungen und Dialogen aufwartet. Der Finne schreibt bildhaft, meist mit wenig Emotionen, dafür aber mit einem guten Auge für kleine Besonderheiten. Der dezent eingesetzte trockene Humor sorgt immer wieder für Glanzpunkte in der sehr authentischen Erzählung mit einer starken Konzentration auf Dialoge beziehungsweise innere Monologe.

Josef Friedmanns ist die einzige Perspektive, die in der ersten Person erzählt. Er gefällt durch seine sehr persönliche Art, seine Selbstironie und die Neigung, sich selbst nicht immer ganz ernst zu nehmen. Die anderen erzählen in der dritten Person. Dass Tandefelt die Perspektiven zumeist ohne Absätze ineinanderfließen lässt, ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Gleiches gilt für die verkürzten Sätze, die Josef benutzt und die manchmal etwas holprig klingen. Die Wahl des Präsens als Erzähltempo ist auch nicht immer ganz unkompliziert, doch aufgrund Tandefelts Selbstsicherheit, seiner cleveren Wortwahl und der atmosphärischen Dichte kann man darüber hinwegschauen.

Worüber man keineswegs hinwegsehen sollte, ist die Handlung. Die unterschiedlichen Fälle sind gut miteinander vereinbart und laufen am Ende alle zusammen. Die Zusammenführung funktioniert reibungslos und sorgt für ordentlich Spannung. Der Leser, der die unterschiedlichen Perspektiven kennt, weiß mehr als die Figuren. Er durchblickt dadurch viel schneller das Geflecht aus Zufällen und Geheimnissen.

Ein gutes Beispiel hierfür ist Helins Perspektive. Sie verläuft gegenläufig zum Rest des Buches und erzeugt durch das abweichende Erzähltempus – die Vergangenheit – starke Spannung. Wieso erzählt Helin im Perfekt? Ist ihr etwas passiert? Tandefelt lässt den Leser lange im Ungewissen über die wahren Umstände, und das gefällt.

Am Schluss bleibt noch eine Frage: Gibt es für Henrik Tandefelt eine Möglichkeit, dem „Nicht noch ein skandinavischer Krimiautor!“-Ausruf zu entkommen? Ja, die gibt es, denn „Lauf, Helin, lauf!“ hat bis auf die Kulisse und die hohe Qualität nicht besonders viel mit dem üblichen Schwedenklischee zu tun. Das, was die |Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln| in einer Kritik als „ironisch-amüsanten Stil“ beschreibt, sorgt für wohltuende Frische. Von der gängigen skandinavischen Schwermut merkt man wenig in Tandefelts Krimi. Stattdessen verlässt er sich auf eine atmosphärische Erzähldichte, die kunstvolle Anordnung der verschiedenen Handlungsstränge und das geschickte Erzeugen von Spannung.

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Remes, Ilkka – Blutglocke

Der finnische Bestsellerautor Ilkka Remes hat sich mit seinen rasanten Thrillern einen Namen als Meister der Spannung gemacht, sodass auch sein aktuelles Werk „Blutglocke“ von seinen Fans heiß erwartet wurde. Schauen wir uns an, ob sich das sehnsüchtige Warten denn auch gelohnt hat.

_Kling, Glöckchen, kling_

Zu Beginn des Buches werden wir Zeuge, wie der sechzehnjährige Sohn des deutschen Innenministers Klein beim Baden entführt wird. Schnell schaltet Remes zur finnischen Kommissarin Johanna Vahtera, der beim Zahnarzt gerade eine kleinere Tortur bevorsteht, vor der sie ein wichtiger Anruf allerdings vorerst rettet. Vahtera wird als Profilerin nämlich hinzugerufen, als die Entführung Sebastian Kleins bekannt wird. Doch die Entführer locken den Innenminister ohne polizeiliche Unterstützung zum vereinbarten Übergabeort. Dort lassen sie den Sohn fast unverletzt zurück, doch der Vater hat es nicht so gut getroffen: Klein ist nicht nur ermordet, sondern ausgeblutet worden. Was um Himmels Willen will der Mörder mit Kleins Blut, fragt sich nicht nur Vahtera, doch dauert es noch lange, bis sie des Rätsels Lösung finden wird.

Der Leser hat es hier besser, denn er lernt den Strippenzieher hinter der Entführung schnell kennen. Dabei handelt es sich um Rem Granow, der jüngst seine Mutter verloren hat und dessen Vater – ein berühmt-berüchtigter russischer Mafiaboss – nun ebenfalls im Sterben liegt. Er möchte eine Blutglocke anfertigen, also eine Glocke, in die Kleins Blut eingearbeitet ist, um sie zur Beerdigung seiner Mutter besonders hell erklingen zu lassen. Doch das ist nicht Granows einziger Plan, denn seine ausgefeilte Racheaktion ist bereits angelaufen. Bei einer Polizeiaktion, angeordnet vom deutschen Innenminister Klein, die eigentlich Rems Vater treffen sollte, stirbt durch einen dummen Zufall Rems Mutter. Rem sinnt auf blutige Rache, die die ganze deutsche Politikerriege treffen soll.

Dazu heuert er die unterschiedlichsten Handlanger an, die ihn mit Bakterienstämmen und diversem technischen Material versorgen, die für Rems teuflischen Plan gebraucht werden. Auch der deutsche Umweltminister Beck spielt eine tragende Rolle in Rems Plan, denn er ist es, der künftiger Bundeskanzler werden soll, wenn der bisherige Rems Anschlag zum Opfer gefallen ist. Johanna Vahtera kommt früh auf Rems Spur, doch traut sie zeitweise ihrer eigenen Intuition nicht und lässt sich von einigen Internetbekanntschaften ablenken, die nicht immer das sind, was sie zu sein vorgeben …

_Wie Bauern auf einem Schachbrett_

Ilkka Remes‘ Plot in „Blutglocke“ ist vielschichtig und spaltet sich in zahlreiche Handlungsfäden auf, in denen wir die beteiligten Personen (mehr oder weniger) kennen lernen. Rem Gramows Vorhaben ist dermaßen ausgefeilt, dass er unzählige Helfer benötigt, um seine Pläne in die Tat umzusetzen. Lange braucht es, damit wir überhaupt erahnen können, was Rem beabsichtigt und welche Rolle den einzelnen Figuren dabei zufällt. Kaum bilden wir uns ein, nun alle wichtigen Personen zu kennen, bringt Remes weitere (Schach-)figuren auf sein literarisches Spielbrett, die oftmals unwissend Teil von Rem Gramows Plan werden, was sie meistens mit dem Leben bezahlen müssen. Denn eins ist klar: Gramow geht rücksichtslos über Leichen und tut alles, um seine Eltern zu rächen, die seiner Meinung nach dem deutschen Innenminister zum Opfer gefallen sind.

Aufgrund der zahlreichen Figuren lässt die Charakterzeichnung leider an manchen Stellen zu wünschen übrig. Nur wenige Charaktere sind es, die Profil erhalten und uns im Gedächtnis bleiben werden. Zum einen wäre das auf jeden Fall Johanna Vahtera, die von Anfang an daran glaubt, dass Rem Gramow hinter der Ermordung des deutschen Innenministers steckt. Doch sie ist unsicher, weil sie keine Beweise findet, die ihr Gefühl untermauern könnten. Und wenn sie ehrlich ist, so spricht objektiv gesehen vieles gegen Gramow. Auch privat ist Vahtera nicht gerade vom Glück verfolgt; mit Männern hat sie einfach kein Glück und auch ihre Internetbekanntschaften sind nicht mehr als ein verzweifelter Hoffnungsschimmer für ihre einsamen Abende und Wochenenden. Unverhofft taucht jedoch ihr Exfreund Craig wieder in ihrem Leben auf, der inzwischen allerdings mit einer neuen Frau zusammenlebt. Doch scheint Johanna vielleicht trotzdem eine zweite Chance zu bekommen.

Eine weitere Hauptfigur ist sicherlich Rem Gramow selbst, der erst kaltblütig den Innenminister ermordet hat und nun weitere Morde plant, die wohl noch schwerer wiegen dürften, denn eines seiner Opfer soll der Bundeskanzler werden. Gramow ist auf der einen Seite eine tragische Figur, hat er doch gerade beide Elternteile kurz hintereinander verloren, auf der anderen Seite kann er aufgrund seiner Kaltblütigkeit trotzdem keine Sympathiepunkte sammeln, obwohl wir einen größeren Teil der Handlung an seiner Seite verbringen.

Anders ist es bei Nick Boyd, der sich einen Namen als Werbefilmregisseur gemacht hat und nun in die Geschichte hineinstolpert, weil er für Gramows Propaganda benötigt wird. Zunächst läuft Boyd unwissend in sein Unglück, doch bald beginnt er zu ahnen, dass nicht nur sein Leben in Gefahr ist, sondern auch das seiner Frau und seiner Tochter. Verzweifelt versucht Boyd im weiteren Verlauf der Geschichte, sich und seine Familie zu retten, doch leider wurde er in ein kleines Dörfchen in Russland verschleppt, wo niemand seine Sprache spricht. Die Zeichen stehen also schlecht für ihn.

Dies sind zwar noch lange nicht alle wichtigen Figuren, aber doch alle, die uns Ilkka Remes etwas näher vorstellt. Die meisten anderen auftauchenden Personen werden zu Randfiguren degradiert, auch wenn sie in Gramows teuflischem Plan eine entscheidende Rolle spielen. Viele Menschen müssen dabei ihr Leben lassen, doch da Remes kaum Zeit darauf verwendet, seine Figuren alle entsprechend vorzustellen, war es mir irgendwann auch ziemlich gleichgültig, wenn mal wieder eine seiner Schachfiguren zum Bauernopfer wurde. Trauer habe ich keine empfunden, da man im Verlauf der Lektüre höchstens zu Johanna Vahtera und Nick Boyd eine „Beziehung“ aufbauen kann.

_Ausgefranst_

Die vielen einzelnen Handlungsstränge führen zwar dazu, dass Ilkka Remes‘ Erzählung ein hohes Tempo aufnimmt, doch leider ist es schwierig, sich in dem Gewühl verschiedener Schauplätze und in der Masse von Menschen zurechtzufinden. Ich hatte teilweise tatsächlich Probleme, Namen und Biografien richtig zuzuordnen, und musste mich auch dabei ertappen, dass ich überrascht war, eine Person in Deutschland anzutreffen, obwohl ich sie in der Geschichte eigentlich in Russland vermutet hatte. Denn Ilkka Remes begnügt sich nicht damit, seinen Thriller klassisch in seiner Heimat Finnland spielen zu lassen. Von dort „flüchtet“ bald sogar Johanna Vahtera, um den Ereignissen näherzukommen. Die Hauptgeschichte spielt in Deutschland, und zwar genauer in Berlin und Umgebung, doch die Hintergründe sind fast sämtlich in Russland zu suchen. So reisen wir gemeinsam mit den handelnden Personen kreuz und quer durch die Gegend, sodass es fast schon verständlich ist, dass man zwischendurch den Überblick verlieren kann.

Ilkka Remes‘ vorliegender Thriller ist leider schwer durchschaubar; es ist nicht nur schwierig, alle Figuren richtig zuzuordnen, sondern auch deren Handlungen und Funktion im Gesamtgeschehen. Erst spät erhalten wir so viele Erklärungen, dass wir in etwa abschätzen können, was Rem Gramow ausgeheckt hat. Doch sein Racheplan ist so verworren, dass er nicht all sein Gräuel entfachen konnte, weil die Lektüre den Leser zu sehr verwirrt, um wirklich schockiert sein zu können. Ein roter Faden hätte der Handlung sicher sehr gut getan und vielleicht hätte auch die Hälfte der Handlungsfäden ausgereicht. Manchmal habe ich mich gefühlt wie in einem Labyrinth, aus dem nur schwer herauszufinden ist und bei dem auch nicht klar ist, was einen am Ausgang erwarten wird. Zudem kamen mir einige der Handlungsstränge völlig überflüssig vor, da sie weder für Gramows Rache notwendig erschienen noch die Geschichte vorangebracht haben.

Kiefer Sutherland und Jon Cassar hätten aus der verworrenen Story vielleicht eine spannende Staffel [„24“ 3118 gestalten können, aber diese wäre auch getragen gewesen von einem überragenden Kiefer Sutherland, für den alleine man immer wieder einschalten würde. Doch Remes hat leider keine Helden wie Cassar, die auch einen völlig überkonstruierten Plot retten und über hanebüchene Wendungen hinwegtrösten können.

_Klingelingeling_

Am Ende war ich doch etwas enttäuscht von Ilkka Remes‘ neuestem Thriller, der meines Erachtens inhaltlich völlig überfrachtet war, sodass man schnell im Personen- und Handlungsgewirr unterzugehen droht. Zu viele Figuren treten auf den Plan, als dass Remes Zeit gehabt hätte, sie alle entsprechend zu würdigen, aber auch viele Szenen kamen mir so überflüssig vor, dass ich mir wünschte, Remes hätte sich mehr auf das Wesentliche konzentriert. „Blutglocke“ ist sicherlich kein absoluter Fehlgriff gewesen, die Geschichte hatte durchaus ihren Reiz und entwickelte eine gewisse Spannung, aber Remes hat viel Potenzial verspielt, das dieser Virenthriller mit politischem Hintergrund in sich hat. Ich hatte den Eindruck, dass Remes zu viel wollte und jede seiner (Schnaps-)Ideen Einzug in das Buch gefunden hat. Der Killer hätte sicherlich nicht einen Privatjet mit Sauna fliegen müssen, Vahtera hätte auch nicht unbedingt den Clarice-Starling-Touch benötigt und auch das ziemlich überzogene Ende war vielleicht doch etwas zu viel des Guten.

Insgesamt ist „Blutglocke“ eher etwas für Leser, die sich gerne durch einen Wust an Handlungssträngen kämpfen und bereit sind, sich mindestens zwei Dutzend fremdländische Namen zu merken, auch wenn die Personen keine wirklich tragende Rolle spielen. So bleibt zu hoffen, dass Ilkka Remes mit diesem Buch seine Durststrecke überwunden hat und mit dem nächsten Thriller wieder mehr zu überzeugen weiß.

|Siehe ergänzend dazu auch:|

[„Ewige Nacht“ 2039
[„Das Hiroshima-Tor“ 2619

http://www.ilkka-remes.de/
http://www.dtv.de

Gruber, Andreas / Hornung, Kathrin / Jordan, Michael / Schubarsky, Susanne / u. a. – Tod aus der Teekiste, Der … und 30 andere abgedrehte Geschichten

_Autoren:_

Christoph Aistleitner
Dirk-Uwe Becker
Katharina Bendixen
Verena Blecher
Philipp Bobrowski
Nadine Boos
Carsten Burfeind
Stefan Fischer
Annegret Glock
Claudia Göpel
Anne Grießer
Andreas Gruber
Katja Hille
Kathrin Hornung
Bernhard Horwatitsch
Katharina Joanowitsch
Michael Jordan
Marc Lehmann
Barbara Lehner
Monique Lhoir
Regina Lindemann
Sabine Ludwigs
Karl-Heinz Manier
Eva Markert
Sascha Mrowka
Stephanie Pappon
Hendrik Peeters
Moni Schreckenberg
Susanne Schubarsky
Andrea Tillmanns
Marc Wiswede

Eine zum Leben erwachte Jesus-Figur, eine Badematte als Haustier, eine Teekiste voller skurriler Monster, die ins Rampenlicht streben, und ein kleiner Junge namens Dennis, der Hunde besonders gerne mag. Fantasievoll, aber auch mal bodenständig, spannend und witzig sind die Geschichten dieser außergewöhnlichen Anthologie.

„Viele Autoren können schreiben, aber nur wenige können originell schreiben. Wir präsentieren Ihnen die Stecknadeln aus dem Heuhaufen“, so heißt es auf dem Klappentext des Buches, und jedes Wort entspricht der Wahrheit! Die zum Teil recht kurz gehaltenen Beiträge sind wahrlich einzigartig auf dem deutschen Buchmarkt. Um so schöner, dass sich ein Verlag gefunden hat, diese Werke zu sammeln und ein Buch damit zu füllen, das jedem Literaturbegeisterten wärmstens empfohlen sei.

Der Krimifreund kommt hier ebenso auf seine Kosten wie der Liebhaber düsterer Horror-Geschichten oder der Leser humoristischer Episoden. Die Palette der Autoren reicht von noch unbekannten Namen bis hin zu berühmteren Schriftstellern des deutschen Buchmarktes, wie beispielsweise Andreas Gruber oder Susanne Schubarsky, welche neben diversen Krimis auch die Kolumne „Die Angst des Autors“ im |Schreiblust|-Print-Literaturmagazin verfasst.

Die Aufmachung ist dem Verlag wieder perfekt gelungen, und neben der bekannt hochwertigen Papierqualität erwartet den Leser eine sehr kunstvolle und passende Grafik von Michael Henke als Titelbild. Das Einzige, was das Gesamtbild abrunden würde und leider fehlt, sind diverse Illustrationen zu den Geschichten, welche das Tüpfelchen auf dem i darstellen würden. Doch auch ohne diesen Bonus ist das Buch sein Geld wert und ein ideales Geschenk für alle Liebhaber ungewöhnlicher literarischer Experimente.

_Fazit:_ Herrlich abgedrehte Kurzgeschichten mit viel schwarzem Humor und originellen Ideen.

http://www.schreib-lust.de

_Florian Hilleberg_