
Nicholas Blake – Ende des Kapitels weiterlesen
Archiv der Kategorie: Thriller & Krimis
Dorothy L. Sayers – Ärger im Bellona-Club
Der alte General Arthur Fentiman besitzt nicht nur die Rücksichtslosigkeit, im Salon des ehrwürdigen Bellona-Clubs zu London das Zeitliche zu segnen. Sein Tod ruft außerdem die Justiz auf den Plan, denn beinahe zeitgleich verblich Lady Felicity Dormer, Arthurs Schwester, die ebenfalls betagt sowie ungemein vermögend war. Mindestens eine halbe Million Pfund sind im Topf, doch wer wird sie erben? Das Geld der Lady sollte an den Bruder fallen und würde nunmehr an dessen überlebenden Nachkommen, die Enkel und Brüder George und Robert Fentiman, gehen. Ist der General jedoch vor seiner Schwester gestorben, erbt Ann Dorland, Lady Felicitys Gesellschafterin und Quasi-Tochter. Dorothy L. Sayers – Ärger im Bellona-Club weiterlesen
Winslow, Don – Zeit des Zorns
_Ophelia, genannt O._ hat zwei Freunde: Ben ein hochintelligenter und smarter Surfertyp, der idealistische Vorstellungen von karitativen Projekten lebt und unterstützt. Nicht selten reist der junge Mann in Krisengebieten und hilft der dortigen Bevölkerung eine Infrastruktur aufzubauen. Man kann schon sagen, Ben ist ein Entwicklungshelfer.
Chon dagegen ist der Pragmatiker, anders als sein Freund und Geschäftspartner Ben, ist Chon ein Realist, der, wenn es sein muss, mit Gewalt so beispielslos selbstverständlich seine Interessen durchsetzt. Er ist ein Einzelgänger, allerdings würde er für O. und Ben durch die Hölle gehen. Seine Vergangenheit als SEAL, die als die härteste, militärische Eliteeinheit der USA gilt, hat den jungen Mann geprägt. Seine Einsätze in Kriegsgebieten haben Chon psychisch nicht zugesetzt. Ein Job ist für ihn ein Job, ohne Reue oder Fragen diente er als Soldat seinem Land. Allerdings zeigt sich immer wieder, dass er noch Mensch geblieben ist.
O. ist die gute Seele des Trios. Sie wäscht das verdiente Geld und gibt einen guten Teil davon selbst aus. Ben und Chon liebt sie beide, auf recht unterschiedliche Weise, doch für sie sind diese beiden ihre ganze Welt.
Alle drei Personen verbindet ihre Firma. Ben und Chon betreiben ein exklusives Drogengeschäft mit hochwertigem und in der Branche einzigartigem Dope. Es bringt ihnen Millionen an Geld ein und manchmal auch reichlich Ärger. Ihre Kundschaft allerdings ist erstklassig und ihr Ruf wird immer besser. Eigentlich läuft alles prima.
Erfolg bringt Neider und Konkurrenz mit sich. Das mexikanische Drogenkartell Banja wird auf das Trio aufmerksam und möchte ihr Geschäft übernehmen. Das Baja-Kartell ist gewohnt, dass es sich nicht bitten lässt und setzt seine Interessen mit brutaler Gewalt durch. Auch Chon und Ben wird ein unmissverständliches Angebot unterbreitet. Doch beide Männer haben sich noch nie gerne etwas vorschreiben und befehlen lassen. Nach deren Absage an das Kartell, eskaliert die Situation. O. wird vom Kartell entführt und nun beginnt die Zeit des Zorns. Chon und Ben entwickeln einen höchst riskanten Plan und gehen damit einen Weg, von dem es für beide Seiten kein Zurück mehr gibt …
_Kritik_
Wer „Zeit des Zorns“ von Don Winslow nach z. B. „Satori“ gelesen hat, wird hier kaum Parallelen feststellen können, was den Stil des Autors angeht. Selten habe ich zwei Romane gelesen, in denen man feststellt, dass der Autor großartig seinen erzählerischen Stil der Geschichte angepasst hat. Don Winslow beschreibt seine Szenen wie in einem Drehbuch – kurz, prägnant, rasant und brutal effektiv. Die Dialoge der Protagonisten sind auf den Punkt gebracht. Die Gedankenwelt der einzelnen Figuren wird nicht mit den Dialogen kombiniert und steht für sich alleine.
„Zeit des Zorns“ ist ein harter Thriller auf einer hohen Welle der Gewalt, auf der die beiden Sunnyboys Chon und Ben reiten. Allerdings bricht sich auch jede Welle an den Klippen oder der Brandung und dann ist Geschick gefragt. Ben und Chon sind ein Dream-Team, zwar nicht immer einer Meinung, aber in dieser Situation ergänzen sie sich ausgezeichnet.
Dem Leser wird schnell klar, dass Angriff zwar die beste Verteidigung ist, aber ebenso ist es klar, dass Ben und Chon den Krieg nicht gewinnen können. Doch die eine oder andere Schlacht schlagen die beiden Männer fulminant. Ihre Waffen sind nicht nur todbringende und großkalibrige Schusswaffen, sondern auch Intrigen, Lügen, Neid und Zwietracht. Ihre Strategie von Verwirrung und Missverständnissen, von angezettelten inneren Kämpfen des Kartells geht auf. Das System wankt, aber fällt nicht. Aber das reicht auch schon, um Ophelia (O.) eventuell retten zu können.
Das Baja-Kartell wird von der Drogenlady Elena Lauter regiert. Quasi in die Rolle der Patin gedrängt, führt die Mutter einer studierenden Tochter, ihre Organisation knallhart und wirtschaftlich erfolgreich. Doch eine Tochter ist auch ein Schwachpunkt denken sich Chon und Ben – Auge um Auge – Zahn um Zahn – denn die Bibel hat doch Recht!?
Don Winslow schreibt in einer recht deutlichen Sprache und die ist verdammt vulgär. Trotz aller hartenr Worte schafft es der Autor allerdings auch, viel Zynismus und Ironie in seiner Geschichte unterzubringen. Und ebenso verhält er sich recht kritisch gegenüber unseren zivilisierten Werten, die doch nur auf das Materielle aus sind. Manche Auflistungen haben große Ähnlichkeiten mit Einkaufslisten und frönen unserer Konsumgesellschaft. Raffiniert und gar nicht deplatziert.
Wenn Winslow seine Charaktere zu Wort kommen lässt, dann überspitzt er gerne mal das aktuelle Zeitgeschehen und reflektiert mit Pointen unsere gesellschaftliche Wahrnehmung.
Der Roman macht Spaß, wenn auch der Autor es manchmal arg übertreibt in der Beschreibung von detaillierten Sex- und Gewaltszenen. Im Grunde bringt das dann die Handlung nicht weiter voran, aber steht stellvertretend für das innere Verhältnis der drei Helden.
_Fazit_
Zeit des Zorns von Don Winslow ist eine Achterbahnfahrt von Sex, Drugs und Rock’n Roll, durchsetzt mit Gewalt und Brutalität.
Eigentlich ist das Buch prädestiniert für eine Verfilmung, das Gute daran ist, dass quasi das Drehbuch schon vorliegt. Don Winslow greift das Thema um den Terror der Drogenkartelle in Mexiko auf. Dass er hierbei allerdings Ben und Chon nicht verurteilt, die ebenso mit Drogen und Tod Gewinne erzielen, ist manchmal etwas suspekt. Die andere Seite des Baja-Kartells dagegen wird unmenschlich und brutal betrachtet. Alles eine Frage der Perspektive?
„Zeit des Zorns“ von Don Winslow ist anders als „Satori“, aber weder besser noch schlechter – nur schneller und brutaler.
Anschnallen, lesen, durchatmen und vielleicht einen Drink nehmen, um sich beruhigen zu können.
_Autor_
Don Winslow arbeitete als Privatdetektiv in New York, schmuggelte Geld in Südafrika, verkaufte Safaritouren in China und lebt heute als Autor und Surfer in Kalifornien.
|Taschenbuch: 338 Seiten
Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (24. Oktober 2011)
ISBN-13: 978-3518463000|
[www.suhrkamp.de]http://www.suhrkamp.de
Slaughter, Karin – Tote Augen
_Inhalt_
Eine Frau wird auf einer Straße von einem älteren Ehepaar angefahren und liegt nun schwer verletzt mitten auf der Fahrbahn. Doch nicht alle Verletzungen kommen von dem Unfall. Man stellt fest, dass sie vorher misshandelt worden sein muss. Der Ermittler Will Trent beginnt die Umgebung abzusuchen und findet eine unterirdische ausgebuddelte Höhle, welche als grausame Folterkammer diente. Als in unmittelbarer Umgebung auch noch eine Frauenleiche entdeckt wird, sind alle in hoher Alarmbereitschaft und es beginnt die Suche nach dem Entführer und Mörder …
_Kritik_
„Tote Augen“ von Karin Slaughter ist von dem ersten Kapitel an packend. Die Ereignisse werden rückblickend aus der Sicht eines Beobachters geschildert. Es werden verschieden Personen durchleuchtet. Das Buch ist in einer einfachen Sprache geschrieben, so dass es leicht und schnell zu lesen ist. Die Protagonisten und die Schauplätze werden detailliert und anschaulich beschrieben. Die Kapitel sind allerdings ein wenig zu lang gehalten, sodass man manchmal ein wenig auf eine gewünschte Pause warten muss. Das verzeiht man der Autorin aber gern und es ist auch der einzige negative Aspekt, den ich zu beklagen habe. Ich habe mich schnell in die Story eingefunden und konnte den Ereignissen gut folgen.
Der Protagonist und Ermittler Will Trent ist eine interessante Person. Er ist Legastheniker und mogelt sich mit Hilfe seiner Partnerin Faith durch den Polizeialltag. Er war früher in einem Heim und hatte keine tolle Kindheit. Privat läuft es bei ihm auch nicht besonders, denn seine Frau Angie macht was sie will und lässt sich wochen- oder monatelang nicht blicken. Dann erscheint sie plötzlich wieder auf der Bildfläche und Will gibt sich ihr völlig hin. Er ist ihr sozusagen hörig. Er möchte die „Beziehung“ eigentlich beenden, um nicht mehr abhängig von Angie zu sein. Aber er schafft es nicht wirklich.
Auch Wills Partnerin Faith Mitchell ist ein sehr sympathischer Charakter. Sie hat einen Sohn, der bereits erwachsen ist. Sie hat ihn geboren, als sie Teenager war. Jetzt findet sie heraus, dass sie wieder schwanger ist. Außerdem wird nun festgestellt, dass sie unter Diabetes leidet. Dies bereitet ihr alles Kopfzerbrechen, denn ihr Gesundheitszustand macht die Arbeit als Ermittlerin für sie nicht wirklich einfacher.
Ich finde es gut, dass mitunter die privaten Erlebnisse und Gefühle der beiden Ermittler mit in die Geschichte eingeflochten werden. Es ist bestimmt nicht leicht, eine Legasthenie geheim zu halten und nur bestimmte Personen einzuweihen. Bemerkenswert ist auch, wie beide ihr Leben meistern. Faith hat trotz Muttersein noch einen Beruf erlernt und Karriere gemacht. Und Will ist trotz schwieriger Kindheit und seiner Lese- und Rechtschreibschwäche auch ein vernünftiger und guter Mensch geworden, der einen festen Job hat.
Trotzdem wird der Leser in diesem Buch nicht von Gewalt verschont. Die entdeckte Höhle, in der die Frauen gefoltert wurden, wird genauestens geschildert, so dass man die Bilder fast vor Augen hat. Auch die Verletzungen der Frau, die auf der Straße angefahren wurde und die Leiche, die im Wald gefunden wurde, werden detailliert dargestellt. Manches Mal läuft einem ein kalter Schauer über den Rücken. Bis auf ein paar wenige langweiligere Passagen, durchzieht das Buch ein leichter Spannungsbogen, dem man gerne weiter folgen will.
_Autorin_
Karin Slaughter, Jahrgang 1971, stammt aus Atlanta, Georgia, wo sie bis heute lebt. Mit ihren „Grant County“ Thrillern um die Rechtsmedizinerin Sara Linton und Polizeichef Jeffrey Tolliver hat sie sich in den Olymp der Thrillerautoren geschrieben. 2003 erschien ihr Debütroman „Belladonna“, der Karin Slaughter an die Spitze der internationalen Bestsellerlisten katapultierte. Ihre Bücher sind in 30 Sprachen übersetzt und haben eine Gesamtauflage von 20 Millionen Exemplaren überschritten. (Verlagsinfo)
_Fazit_
„Tote Augen“ von Karin Slaughter ist ein überaus gelungener Thriller. Die Autorin versteht sich im Schreiben und darin, der Geschichte zwischendurch eine überraschende Wendung zu geben. Die detaillierten Beschreibungen von den Protagonisten und den Schauplätzen runden das Ganze ab. Ich kann das Buch nur jedem Thriller-Fan ans Herz legen.
|Taschenbuch: 576 Seiten
Originaltitel: Undone
Übersetzt ins Deutsche von Klaus Berr
ISBN-13: 978-3764503437|
[www.blanvalet.de]http://www.blanvalet.de
_Karin Slaughter bei |Buchwurm.info|:_
[„Dreh dich nicht um“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1083
[„Belladonna“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1881
[„Vergiss mein nicht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2402
[„Schattenblume“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2434
[„Gottlos“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3875
[„Entsetzen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6712
Schüller, Martin – TATORT: Das ewig Böse
_Zur Story_
Die Zaubershow Professor Boernes anlässlich einer Benefiz-Veranstaltung zum Tode des Münsteraner Keksfabrikanten Franz Stettenkamp, erbringt Seltsames. Unter der Hypnose Boernes erinnert sich dessen Enkelin an die Todesnacht und enthüllt dabei, dass dieser, in seinen letzten Atemzügen liegend, meinte vergiftet worden zu sein. Eine Exhumierung der Leiche ergibt, dass der Firmenpatriarch in der Tat vorsätzlich ins Jenseits befördert wurde. Genau wie ein junger Drachenflieger, bei dem man anfänglich erst auf eine Überdosis tippte, bis die gewissenhafte Pathologie-Assistentin „Alberich“ auch in seinem Blut Spuren des gleichen Giftes findet. Kannte der tote Apothekersohn die Familie, die vom alten Stettenkamp kurz zuvor angeblich enterbt werden sollte? Boerne jedenfalls ist die High-Society-Sippe nicht unbekannt, mit Schwiegertochter Sieglinde drückte er damals sogar die Schulbank. Er „unterstützt“ in seiner bekannt aufdringlichen und gestelzten Art seinen stets etwas prolligen wie mürrischen „Kollegen“ Thiel, der sich in feineren Kreisen eher ungern bewegt. Zudem plagen den derzeit geheimnisvolle Geldsorgen.
_Eindrücke_
Martin Schüller adaptierte mit „Das ewig Böse“ inzwischen den zweiten Fall des beliebten Münsteraner Ermittlerteams, wobei dieses natürlich ganz stark von den ständigen Käbbeleien der Hauptfiguren Professor Karl-Friedrich „KaEff“ Boerne und Hauptkommissar Frank Thiel lebt. Doch auch die Randfiguren sind oft ziemlich schräg, zumindest was die androgyne Staatsanwältn Wilhelmine Klemm und Thiels alten, taxifahrenden Herrn „Vaddern“ Herbert angeht, der seine Finger eigentlich immer irgendwie in irgendwelchen krummen Sachen hat. Diesmal selbstverständlich auch wieder. Der Fernsehzuschauer liebt diese gegensätzliche Mischung aus plakativ (über-)präsentierten Intellekt und vermeintlichem Proletentum, die zu haufenweise Situationskomik sowie (Long) Running Gags einlädt, heiß und innig. Die Einschaltquoten sprechen eine deutliche Sprache. Dies vom Drehbuch in den Roman herüber zu retten ist eine verdammt schwierige Aufgabe, die nicht immer gelingen kann, da viel vom Flair allein von den Darstellern u. a. deren Gestik und Mimik abhängt. Im Buch gelten da naturgegeben ganz andere Regeln.
So wird aus dem Roman eine bessere Nacherzählung des bereits aus dem Fernsehen bekannten Stoffes, bei dem eine Menge der dortigen Atmosphäre auf der Strecke bleibt. Ja zwangsläufig bleiben muss, da optische und akustische Eindrücke durch Buchstaben nur schwer zu ersetzen sind. Boernes blasierte Von-oben-herab-Sprechweise ebenso wie Thiels meist etwas schmuddelig wirkendes und zerknittertes Outfit, schmetternde Wagner-Opernklänge in der Pathologie sowie auch solche Kleinigkeiten wie Thiels „Auf der Reeperbahn“-Handy-Klingelton oder die bassig-rauchige Stimme der Staatsanwältin. All das kann man zwar auch in Worte fassen, was auch rege und gekonnt geschieht, doch trotzdem wirkt es nicht so wie auf dem Bildschirm. Der TATORT aus Münster ist besonders deutlich – quasi auf Gedeih und Verderb – auf das Zusammenspiel der Schauspieler gekoppelt. Hauptsächlich das von Axel Prahl und Jan-Josef Liefers. Dennoch ist „Das ewig Böse“ ein vielschichtiger, zuweilen undurchsichtiger und interessant zu lesender Fall. Vom Spannungsbogen her ziehen da beide Fassungen in etwa gleich.
_Fazit_
Ganz klarer Vorteil für die TV-Fassung, die darstellerisch aus dem Vollen schöpfen kann, während der Roman in dieser Disziplin klar ins Hintertreffen gelangt – trotz aller ehrenhaften Bemühungen des Autors den Fall, den ihm das Drehbuch vorgibt, in trockene Tücher zu bekommen. Das gelingt eigentlich auch passabel und liest sich flott, doch der allerletzte Pfiff der Fernsehvorbilder fehlt dem Buch, wenn man den direkten Vergleich zieht. Das kann man ihm allerdings nicht einmal wirklich anlasten, der Münsteraner Tatort lebt eben ganz stark von den Schauspielern und die kann man nicht so ohne Weiteres in Worte pressen, was schlicht und einfach in der Natur der Sache liegt.
|Taschenbuch, 154 Seiten
Martin Schüller nach einem Drehbuch von Rainer Matsutani
Erstveröffentlichung: Oktober 2010
ISBN 978-3-89705-748-7|
[Emons Verlag]http://www.emons-verlag.de
_Der TATORT bei |Buchwurm:|_
[40 Jahre TATORT – Das Lexikon]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7281
[Köln: Die Blume des Bösen]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6803
[München: A gmahde Wiesn]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6804
[Saarbrücken: Aus der Traum]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6547
[Berlin: Blinder Glaube]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5914
[Kiel: Borowski und die einsamen Herzen]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7105
[Hannover: Erntedank]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7000
[München: Starkbier]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7149
[Bremen: Strahlende Zukunft]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5956
[Münster: Tempelräuber]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6549
[Leipzig: Todesstrafe]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6346
[Köln: Das Phantom]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7655
Downs, Tim – Totenwache
_Die |Nick Polchak|-Romane:_
(2003) Fliegenfutter |(Shoofly Pie)| – Goldmann TB 46527
(2004) Totenwache |(Chop Shop)| – Goldmann TB 46528
(2007) |First the Dead|
(2008) |Less Than Dead|
(2009) |Ends of the Earth|
(2011) |Nick of Time|
_Das geschieht:_
Die Karriere der Pathologin Dr. Riley McKay will am Rechtsmedizinischen Institut von Allegheny County im US-Staat Pennsylvania nicht recht in Gang kommen. Dr. Nathan Lassiter, ihr Chef, nutzt sie aus und verbietet ihr, an bestimmten Obduktionen teilzunehmen. Letzteres erregt ihre Neugier. Riley beschafft sich einige auf diesen Leichen gesammelte Insekten und bittet Dr. Nicholas Polchak um Hilfe.
Der forensische Entomologe lehrt als Dozent an der North Carolina State University und genießt zumindest fachlich einen guten Ruf. Privat ist Polchak ein kritisch denkender Exzentriker, dem seine Forschung über alles geht und der nicht bereit ist, sich als gut geschmiertes Rädchen in die Universitätsmaschine einfügen zu lassen.
Da Polchak sich quasi auf Anhieb in die nicht nur kluge, sondern auch schöne Riley McKay verliebt, ist er bereit, ihr bei den Ermittlungen zu helfen. Weil er dabei ebenso unorthodox wie erfolgreich vorgeht, werden schnell Lassiters Verbindungen zu einer aufstrebenden Firma namens „PharmaGen“ offenbar. Dort will man Medikamente entwickeln, die speziell auf das Genom von Kranken abgestimmt werden und dadurch besonders gut wirken.
Doch „PharmaGen“ steckt in finanziellen Schwierigkeiten, denn die Vorarbeiten ziehen sich hin. Dies macht die Firma anfällig für die Einflüsterungen des manipulativen Dr. Julian Zohar, der als Geschäftsführer der Koordinationsstelle für Organbeschaffung in Pittsburgh seit Jahren darum bemüht ist, die Organspende-Bereitschaft seiner Mitmenschen zu erhöhen. Da er damit erfolglos blieb, ging Zohar zu unredlichen Methoden über. Er hat sich der Dienste einiger skrupelloser Schergen versichert, die ‚Spender‘ auf offener Straße überfallen und ihrer wertvollen Organe berauben. Zohar verkauft sie für viel Geld reichen aber kranken und schweigsamen Zeitgenossen. Schnüffler wie Polchak und McKay sind schlecht fürs Geschäft, und Zohar macht sich Gedanken, ob und wie er sie am schnellsten ausschalten kann …
|Nicht allzu ausführliche Körperwelten|
Ein Kriminalroman mit zwei Forensikern in den Hauptrollen, von denen der eine sich der Erforschung leichenfleischhungriger Insekten verschrieben hat: Erwarten ‚durfte‘ man den Versuch, die „CSI“-gestählte Leserschaft durch die neuerlich auf die Spitze getriebene Schilderung verwesungsbedingter Scheußlichkeiten aufmerksam zu machen.
Da sogar dieser Fraktion allmählich übel zu werden beginnt, ist es erfreulich zu erfahren, dass Tim Downs sich in diesem Punkt zurücknimmt. Detaillierte Leichenschauen sind in diesem zweiten Teil seiner Serie um den Entomologen Nick Polchak weder Selbstzweck noch ein Drehen an der Ekel-Schraube, sondern nur dort angesagt, wo sie der Story dienen.
Der zynische Rezensent könnte nun einwenden, dass dies der erste deutliche Hinweis auf einen zwar routinierten aber gleichzeitig glatten, seine Leser etwas zu offensichtlich manipulierenden Krimi ist. Für vor allem unterhaltsame Dutzendware gibt es jedoch ein kopfstarkes Publikum, dem Downs Interesse – wenn auch nicht unbedingt als Krimi-Autor – seit jeher gilt. Er orientiert sich deshalb am US-Fernsehen, dessen Erfolg u. a. auf das möglichst geschickte Neu-Arrangement bewährter Elemente zurückzuführen ist.
|Grissom 2.0 – dieses Mal mit Gefühl|
Dazu gehört die Balance zwischen „Handlung“ und „Hintergrund“: Während das Geschehen seinen Lauf nimmt, wird das Privatleben der Hauptfiguren thematisiert. Auf diese Weise steigert sich die Identifikation zwischen Leser und Figur. Dies funktioniert bei geschickter und wohldosierter Anwendung sogar bei denen, die solche seifenoperliche Einschübe mit Misstrauen betrachten.
Alte Tricks lassen sich verpacken. So hilft es, den Figuren ‚interessante‘ Eigenarten auf den Papierleib zu schreiben. Dabei sollte nicht übertrieben werden. Ein bisschen exzentrisch ist liebenswert, richtig schräg dagegen riskant, weil es das Zielpublikum verschrecken könnte. Also setzt Autor Downs seinem Dr. Polchak eine monumentale Brille auf, die allein ihn bereits optisch vom Gros seiner Mitmenschen absetzt. Ansonsten und trotzdem ist Nick ein Chaot und sanfter Meuterer gegen das Establishment, was ja jeder von uns gern wäre, sich zu sein in der Regel aber nicht traut.
Dazu kommen eine tragische, allmählich enthüllte Familiengeschichte, ein nettes Wesen, das trotz der unkonventionellen Fassade sogar von schönen Frauen wahrgenommen wird, sowie einige gute Freunde, denen Downs den Realismus zugunsten offensiver Schnurrigkeit ausgetrieben hat, was sie stets gut für ulkige Zwischenszenen werden lässt: Fertig ist der kantenfreie Grissom 2.0, der nie irritiert, sondern völlig für sich einnimmt.
Ihm zur Seite steht eine Heldin, die wie schon erwähnt nicht nur schön, sondern auch intelligent bzw. klug ist und die positiven Seiten des zerknautschten Dr. Nick sogleich erkennt. Sie trägt keine dicke Brille, sondern ist mit einem Nierenleiden geschlagen, das den gutherzigen Leser um sie bangen lässt. Zwar ist die nette Riley ein wenig zu steif in Wesen und Charakter, aber Nick lehrt sie, lockerer zu werden, d. h. sich auf Prominenten-Partys einzuschleichen, in die Häuser Verdächtiger einzubrechen oder heimlich Leichen zu untersuchen.
|Immer verdächtig: Krimi mit Moral|
Der Plot bzw. der Fall klingt alarmierend aktuell und authentisch, ist aber tatsächlich völlig abgehoben. Dass ein verrückter aber (selbstverständlich) genialer Nachfahre von Dr. Frankenstein Organtransplantate im Stil des organisierten Verbrechens beschafft, die erforderliche ‚Ware‘ dabei jedoch durch Mord und nach Operation im Straßengraben beschafft werden muss, will einfach nicht logisch klingen und würde nicht nur einer neugierigen Nachwuchs-Pathologin auffallen.
Downs geht es auch nicht um Realismus. Auf der einen Seite findet sich – als Absicht redlich – der Wunsch, eine möglichst spannende Handlung zu kreieren. Dem gegenüber steht das Bedürfnis, dem Publikum außerdem eine Lehre zu erteilen. Tim Downs ist nicht ’nur‘ Autor, sondern auch Missionar. Dies darf man wörtlich nehmen, denn er gehört zu den treibenden Kräften innerhalb des „Campus Crusade for Christ“, einer Bewegung, die christliches Denken und entsprechende Werte in den Köpfen zukünftiger Wissenschaftler verankern will. (Die US-Leser finden „Totenwache“ übrigens im Programm eines auf ‚christliche‘ Literatur spezialisierten US-Verlags.)
Was damit gemeint ist, verdeutlicht u. a. eine ausführliche Unterhaltung zwischen Dr. Nick und einem alten, weisen, gar liebenswürdigen Theologen, in deren Verlauf vermittelt wird, dass Gott dort verortet werden sollte, wo schnöde Fakten das Universum aus jenen Fugen geraten lassen, innerhalb derer die frommen Anhänger eines göttlich-„smarten“ Weltbilds es lieber gebettet sehen. Die Argumentation ist hinterlistig aber in ihrem geschmeidigen Zurechtbiegen der Fakten interessant, für die Handlung hat sie freilich keinerlei Bedeutung.
Zwar trägt Downs nie ganz dick auf, doch er kann und will seinen Hintergrund nicht verleugnen. Das erschwert allerdings die publikumswirksame Annäherung von Dr. Nick und Dr. Riley, die zwar wollen aber nicht können, weil sie Vorbildfunktionen erfüllen müssen. Sie verstecken sich daher hinter scheinbar unverbindlichen Witzeleien (Nick) oder persönlichen Ängsten (Riley) und eiern auf diese Weise viele Kapitel ziellos umeinander. Als es so nicht mehr weitergeht und unkeusche Ferkeleien drohend bevorstehen, löst ein tragisches Ereignis dieses Dilemma.
|Schwach ist der Mensch, schlau das Böse|
Der Teufel tritt heutzutage lieber im Anzug gewandet und ohne Forke auf. Downs gibt sich große Mühe, den Organräuber Zohar nicht als selbstgerechten Schurken, sondern als fehlgeleiteten Menschen darzustellen. Er wollte einst das Richtige und hat sich erst nach dem Scheitern seines Plans entschlossen, den Doppelpfad von Recht und Ethik zu verlassen. Auch dies wird uns im Rahmen einer lehrreichen Diskussion zwischen Polchak und Zohar dargelegt, was wie vorauszusehen mit einem moralischen Sieg des guten Dr. Nick endet, während sein Gegner sich als schlechter Verlierer in Mordankündigungen ergeht.
Damit es im Finale noch ein wenig dramatischer zugeht, enthüllt ein Mitglied von Zohars Mord-und-Ausschlacht-Teams seine schockierende Doppel-Identität. Noch ist der Gipfel der Unwahrscheinlichkeit nicht erklommen, denn nicht das Gesetz, sondern eine Art göttliche Gerechtigkeit richtet (in selbstgerechter Zusammenarbeit mit Dr. Nick) Zohar und seine Strolche. Das soll nach Downs Willen seine Leser bis ins Mark treffen, ist aber vor allem eines: lächerlich.
So scheitert dieser Roman nicht an seiner Plotschwäche oder einem schlechten Stil, sondern am Sendungsbewusstsein seines Verfassers. Downs schreibt gut genug, um erkennbar zu machen, wie er seine Geschichte durch die ihr aufgezwängte Mission erst hemmt und schließlich ruiniert. Das ist interessant zu verfolgen aber dem Krimi-Genuss keinesfalls förderlich.
_Autor_
Die erste Karriere des Tim Downs begann während seiner Studienzeit an der Indiana University. Dort schuf er 1974 den Comic Strip „Downstown“, der zunächst die harmlosen Alltags-Abenteuer zweier Studenten erzählte, die 1979 in die Erlebnisse zweier Single-Freunde überführt wurden, als Downs seinen Strip an das „Universal Press Syndicate“ verkaufen konnte. In den dort angeschlossenen Zeitungen erschien „Downstown“ sieben Jahre, bevor Downs die Serie 1986 auf eigenen Wunsch beendete.
Als Schriftsteller begann Downs in Zusammenarbeit mit seiner Ehefrau Joy sowie in seiner Eigenschaft als Gründer des „Communication Center“, einer mit dem „Campus Crusade for Christ“ verbandelten Einrichtung, die auf den Erhalt christlicher Werte (in der Definition genannter Kreuzfahrer) in der Welt der Wissenschaft zielt. Diesbezügliches Gedankengut floss 1999 in Downs Erstling, das Sachbuch „Finding Common Ground“, ein.
2003 ergänzte er sein Repertoire um Kriminalromane, in denen er seine Lehren in Unterhaltung verpackt. „Shoofly Pie“ wurde gleichzeitig das Debüt des forensischen Entomologen Dr. Nicholas Polchak, zu dessen weiterhin fortgesetzten Aktivitätsbeschreibungen als privater und genrekonform auf eigene Faust handelnder Ermittler sich einige Stand-Alone-Thriller gesellten. Zumindest ein Publikum, das geistliche Anleitung à la Downs schätzt, ließ seine Bücher recht erfolgreich werden.
Mit seiner Familie lebt und arbeitet Tim Downs in Cary, US-Staat North Carolina.
|Taschenbuch: 448 Seiten
Originaltitel: Chop Shop (West Monroe/Louisiana : Howard Books 2004)
Übersetzung: Christian Quatmann
ISBN-13: 978-3-442-46528-6
Als eBook: November 2010 (Wilhelm Goldmann Verlag)
ISBN: 978-3-641-05160-0|
[www.timdowns.net]http://www.timdowns.net
[www.randomhouse.de/goldmann]http://www.randomhouse.de/goldmann
Ohlsson, Kristina – Aschenputtel
_Inhalt_
Eines Tages verschwindet die kleine Lilian spurlos aus einem Zug. Einen Tag später werden der verzweifelten Mutter in einem Paket Lilians Sachen und ihre abgeschnittenen Haare geschickt. Ermittler Alex Recht und sein Team ermittelt mit Hochdruck. Doch leider ist es für Lilian schon zu spät, denn sie wird tot vor einer Notaufnahme gefunden, nackt und mit dem Wort „Unerwünscht“ auf der Stirn. Was will der Täter damit sagen und was für ein Motiv hat er?
_Kritik_
„Aschenputtel“ von Kristina Ohlsson ist aus der Sicht eines Beobachters geschrieben, der verschiedene Charaktere ausleuchtet. Meist dreht es sich natürlich um die Ermittlungen rund um Alex Recht und seine Truppe, die sich sofort an die Arbeit macht, als die kleine Lilian aus einem Zugabteil verschwindet. Aber auch andere Personen und deren Gefühle, wie zum Beispiel die Mutter des vermissten Kindes oder dessen Ex-Schwiegermutter werden in einigen Kapiteln anschaulich dargestellt. Man bekommt einen guten Eindruck davon, wie die Polizei in solchen Situationen mit Betroffenen und Zeugen umgeht und wie schwer es mitunter ist, einfühlsam und freundlich zu sein, obwohl die Zeit drängt, um die entführte Person zu finden. Viel erfährt man auch darüber, wie die Kommissare zueinanderstehen, die in diesem Fall ermitteln. Zum Beispiel hält Kommissar Peder Rydh nicht viel von seiner neuen Kollegin und Fahndungsspezialistin Frederika Bergmann, sodass er ihre Vermutungen und Recherchen zuerst nicht wirklich ernst nimmt. Nach und nach wird aber ein immer besseres Team aus den beiden, was letztendlich auch zum Erfolg führt.
Die Kapitel in dem Buch sind nicht allzu lang, sodass man das Buch auch zwischendurch mal zur Seite legen kann. Die Geschichte ist leicht zu lesen und die Sätze klar und verständlich. Das Buch ist mit seinen 480 Seiten recht umfangreich und somit kann der Autor bei vielen Beschreibungen gut ins Detail gehen. Die Szenerien und Personen werden anschaulich geschildert und die einzelnen Charaktere gut beschrieben. Von Anfang an zieht sich ein leichter Spannungsbogen durch viele Teile des Buches. Ein paar Dialoge und Szenerien waren etwas langweilig, aber das verzeiht man dem Autor gern und es hat keine Auswirkung auf den weiteren Leseverlauf. Man ist immer neugierig auf das, was als Nächstes passiert und auch gibt es etliche kleine Wendungen in dem Fall, womit man nicht gerechnet hat.
Den Hintergrund der Story finde ich ziemlich erschütternd, denn es werden hier Kinder verschleppt und ermordet. Zwar wird der Täter nicht brutal, aber dennoch muss es für Eltern unfassbar schlimm sein, ein Kind zu verlieren. Das Buch bleibt dadurch nachhaltig in Erinnerung.
_Autor_
Die Südschwedin Kristina Ohlsson, Jahrgang 1979, arbeitete zunächst im schwedischen Außen- und Verteidigungsministerium als Expertin für EU-Außenpolitik und Nahostfragen und später bei der nationalen schwedischen Polizeibehörde in Stockholm. Derzeit ist sie Terrorismus-Expertin bei der OSZE in Wien. Mit ihrem Debütroman „Aschenputtel“ gelang ihr sofort der internationale Durchbruch als Thrillerautorin. In ihrer Heimat Schweden sind inzwischen bereits zwei weitere Romane um Frederike Bergman und Alex Recht erschienen – beide mit sensationellem Erfolg. (Verlagsinfo)
_Fazit_
„Aschenputtel“ von Kristina Ohlsson ist meines Erachtens ein äußerst gelungener Debütroman. Man merkt, dass die Autorin Ahnung von dem hat, worüber sie schreibt. Ich freue mich sehr darauf, wenn die nächsten Romane von ihr auch in Deutschland erhältlich sein werden. Ich werde sie mit Freude lesen und kann das Buch „Aschenputtel“ jedem nur ans Herz legen.
|Gebunden: 480 Seiten
Originaltitel: Askungar
Übersetzt ins Deutsche von Susanne Dahmann
ISBN-13: 978-3809025917|
[www.limes-verlag.de]http://www.limes-verlag.de
Richard Essex – Lesley mit der leichten Hand

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Kepler, Lars – Paganinis Fluch
_Inhalt_
Carl Palmcrona wird im Stockholmer Nobelstadtteil Östermalm in seiner Wohnung tot aufgefunden. Das Zimmer, in dem er an einem Strick hängt, ist unmöbliert – es gibt darin nichts, worauf er hätte steigen können, um Selbstmord zu begehen. Am selben Tag wird auf einer Jacht, die in den Stockholmer Schären treibt, eine tote Frau entdeckt. Ihre Lungen sind mit Meerwasser gefüllt, ihr Körper und ihre Kleider jedoch vollkommen trocken. Sie ist auf einem Boot ertrunken, das noch schwimmt … Die beiden Todesfälle geben der Polizei Rätsel auf. Bis Kommissar Joona Linna zwischen ihnen eine Verbindung entdeckt. Die Spur führt zu einem Mann, der die Violinen des Teufelsgeigers Paganini sammelt – und Albträume wahr werden lässt.
_Kritik_
„Paganinis Fluch“ von Lars Kepler alias Alexander und Alexandra Ahndoril ist der zweite Kriminalroman des Autorenduos. Schon in „Der Hypnotiseur“ spielte der finnisch-stämmige Kriminalkommissar Joona Linna die Rolle, des eigensinnigen, aber hochkompetenten Ermittlers. In Stockholm kommt es dubiosen Morden und der Täter scheint nicht gerade zimperlich gewesen zu sein.
Schon in den ersten Kapiteln wird sich der Leser fragen, was in aller Welt die vermeintlichen Morde mit dem Teufelsgeiger Paganini zu tun haben! In „Paganinis Fluch“ geht es um mehr als leidenschaftliche Musik oder einen Pakt mit dem Teufel. Politik kombiniert mit Waffenhandel bilden die Haupthandlung in diesem Roman des schwedischen Autorenpaares.
Umso verwirrender ist demnach der Titel des Buches. Weder viele Geigen noch ein Fluch sind Bestandteil der Handlung. Als Eyecatcher gedacht, verspricht der Titel überhaupt mysteriöse Spannung, doch dieses Mal ist der Plot gar nicht so spannend, wie es der Leser nach „Der Hypnotiseur“ erwartet.
Die Handlung birgt zwar Konflikte und Komplikationen, aber entwickelt sich in einem gemächlichen Tempo. Allerdings haben es die Autoren geschickt verstanden, die Charaktere in die Handlung zu integrieren. Naive Erpresser treffen auf Auftragskiller und Politiker gehen mit Rüstungskonzernen Bande eine. Hinzu kommt dann ein dekretierendes Foto, welches das zentrale Thema für Joona Linna wird. Nach und nach lichtet sich der Nebel und der Leser kann die verschiedenen Handlungsstränge miteinander verweben, sodass er den ermittelnden Beamten gut folgen kann und manchmal ist der konzentrierte Leser den Ermittlern sogar eine Nasenlänge voraus.
Diese Perspektive ist zwar interessant, aber leider vermeiden es die Autoren, so manches Detail zu verstecken. Zu transparent werden die Handlungen der Protagonisten, was zur Folge hat, dass der Spannung keine Möglichkeit gegeben wird, sich entwickeln zu können.
Viel Mühe und Aufwand hingegen gaben sich die Autoren mit der Konzeption ihrer Protagonisten. Axel Riessen, der das politische Amt des Rüstungskontrolleurs innehat, ist der Dreh- und Angelpunkt der Handlung. Sein musikalisches Talent an der Geige konnte er nicht weiter ausbauen, da er indirekt getötet hat. Und diese Geister der Vergangenheit haben ihn mit dem Fluch der chronischen Schlaflosigkeit zurückgelassen. Sein gestörtes Verhältnis zu sich selbst und zu einem noch minderjährigen und psychisch-gestörten Mädchen klingt höchst interessant, aber ist dennoch recht unglaubwürdig. Und genau an dieser Stelle löst sich das Rätsel um den Titel des Romans in Wohlgefallen auf.
Das sehr aktuelle Thema „Waffenhandel“ wird leider in den Hintergrund gedrängt. Das Schweden so tief in den internationalen Waffenhandel involviert ist, vermutet der deutsche Leser gar nicht. Diese Brisanz hätte in dem Roman großartig verarbeitet werden können, allerdings verläuft auch diese Thematik im Sande.
_Fazit_
Die Erwartungshaltung war groß, gerade nach dem genialen Start mit „Der Hypnotiseur“ greift man nur allzu gerne nach dem zweiten Titel des schwedischen Autorenpaares.
Trotz sehr guter Ideen und einer fast schon perfekten Figurenzeichnung, verliert sich die Spannung in der oftmals unstrukturierten Handlung. Daran kann auch der interessante Joona Linna nicht viel ändern, der deutlich unterfordert erscheint.
„Paganinis Fluch“ ist ein solider Thriller und nicht unbedingt ein Kriminalroman, da hier zu viel verraten wird. Auch wenn ein wenig Enttäuschung vorherrscht, der dritte kommende Band, kann hoffentlich wieder an „Der Hypnotiseur“ anknüpfen.
|Gebundene Ausgabe: 624 Seiten
Originaltitel: Paganinikontraktet
ISBN-13: 978-3785724286|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de
_Lars Kepler bei |Buchwurm.info|_
[„Der Hypnotiseur“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6797
[„Der Hypnotiseur“ (Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7015
Schüller, Martin – TATORT: Das Phantom
Die dienstälteste Krimiserie des Deutschen Fernsehens hat nach inzwischen 40 Jahren einen weiteren Ableger bekommen. Seit Ende 2009 erscheinen – nicht nur für die, denen die beinahe täglich auf irgendeinem öffentlich-rechtlichen Sender stattfindenden TV-Wiederholungen nicht ausreichen – ausgewählte Episoden als Taschenbuch-Ausgabe im |Emons|-Verlag. Dabei basieren die Romane, der bislang stets bereits im Fernsehen zu sehen gewesenen Fälle, auf dem jeweiligen Originaldrehbuch. Für das langjährige Kölner Ermittlerteam Ballauf/Schenk übernimmt Martin Schüller die Adaptionen (übrigens ebenso für die Münsteraner Thiel/Boerne). Die Geschichte zu „Das Phantom“ stammt von Drehbuchautor Norbert Ehry. Die entsprechende WDR-Produktion wurde im Juni 2003 erstmals in der ARD ausgestrahlt.
_Zur Story_
Der brutale Raubüberfall auf eine Tankstelle wird für Hauptkommissar Freddy Schenk zu einer unangenehmen Begegnung mit der Vergangenheit. Die Überwachungskamera zeigt den Täter eindeutig aber den hat Schenk vor 6 Jahren – wegen Überfällen nach exakt diesem Strickmuster – vermeintlich eingebuchtet. Ronald Lochte hat seine Unschuld stets beteuert, wurde aber auch nicht zuletzt durch die Zeugenaussage seiner damaligen Ehefrau, schwer belastet und letztendlich zu 9 Jahren verknackt. Nun sieht es so aus, als habe er tatsächlich einen kriminellen Doppelgänger. Den können Ballauf und Schenk auch dingfest machen, doch es ist bereits zu spät: noch bevor sie den tragischen Justizirrtum endgültig aufklären können, ist Lochte – offenbar in einer Kurzschlussreaktion aufgrund eines geplatzten Straferlasses – bereits aus der JVA ausgebrochen, verletzte einen Wachmann dabei (versehentlich) tödlich und befindet sich seither auf der Flucht. Er wird bei seiner Suche nach Freiheit, Gerechtigkeit und einem Stückchen Vergeltung immer mehr in eine Gewaltspirale gezogen, die weitere Opfer fordert.
_Eindrücke_
„Das Phantom“ ist nach „Die Blume des Bösen“ der zweite (chronologisch jedoch ältere) Köln-Fall, den Martin Schüller für die Taschenbuchreihe novellisierte. Max Ballauf, Freddy Schenk sowie ihre unterstützenden Figuren Franziska Lütgenjohann und Dr. Roth sind inzwischen recht gut in der Welt der Buchstaben angelangt. Natürlich hat man als Kenner der TV-Serie bei der Lektüre stets die Darsteller-Gesichter von Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär, Tessa Mittelstaedt und Joe Bausch vor Augen, das erleichtert, zumindest was die Hauptfiguren angeht, diesem Personenkreis das Kopfkino erheblich. Bei den Nebenrollen muss man zumeist dann schon passen, sofern man die entsprechende Folge nicht grade noch frisch im Kopf hat – oder sie sogar besonders prominent mit einem Gaststar besetzt war. Auf ausführliche Personenbeschreibungen wird in aller Regel nämlich verzichtet. Da ist „Das Phantom“ nicht anders. Die Charaktere bleiben von den Äußerlichkeiten her recht vage, was als Erbe des Drehbuchs gelten mag, das auf solcherlei Sachen keinerlei Rücksicht zu nehmen braucht.
Im Roman gelten jedoch naturgegeben ganz andere Regeln und Erzählstrukturen, will man das Publikum bei der Stange halten. Hier gibt es keine Schauspieler und andere audio-visuelle Tricks, mit denen man arbeiten kann. Genau das ist dann auch speziell bei dieser Geschichte ein wenig die Crux. Zum Beispiel Freddy Schenks Fake-Hinrichtung wirkte auf dem Bildschirm um Längen besser. Aber nicht nur das. Bleibt bei der TV-Version noch ein wenig länger im Dunklen, wie der flüchtige Ronald Lochte denn nun wirklich innerlich tickt, leistet Martin Schüller in der Buchfassung rasch einen charakterlichen Offenbarungseid, indem er uns Lesern einen recht genauen Einblick in die Psyche Lochtes gewährt. Das ist etwas, was sein Verhalten fast schon immer gleich entschuldigend erklärt. Natürlich ist er an der Eskalation, die schlussendlich drei Menschen das Leben kostet selbst schuld. Gerade aus solch unbeabsichtigten Situationen können bekanntlich ganz üble Selbstläufer entstehen. Quod erat demonstrandum: Darüber geben beide Fassungen (TV und Roman) beredt Auskunft. Jede auf ihre eigene Art und nach ihren eigenen Gesetzen der Erzählkunst.
_Fazit_
„Das Phantom“ ist ein ziemlich düsterer und irgendwie auch deprimierender Fall über eine eigentlich vollkommen unnötige Flucht sowie deren schwere Folgen. Martin Schüller müht sich redlich das Bestmögliche aus dem Drehbuch herauszuholen, dennoch bleiben die Charaktere gegenüber der Fernsehfassung durch die Bank blass und vage. Dem Roman fehlt die schauspielerische Darbietung, sprich das Visuelle, von dem die TV-Folge stark lebt. Stattdessen muss im Buch fast schon zwangsläufig mehr mit Worten erklärt werden, als dem (nachweislich möglichen) Spannungsbogen zuträglich ist. Zumindest im direkten Vergleich. Unter dem Strich steht ein schnell konsumierter Kriminalroman für TATORT-affine Leser, die von ihren Lieblingsfiguren nicht genug bekommen können, der allerdings weder Tiefe noch Raffinesse der filmischen Vorlage erreicht.
|Taschenbuch, 154 Seiten
Martin Schüller nach einem Drehbuch von Norbert Ehry
Erstveröffentlichung: Oktober 2010
ISBN 978-3-89705-747-0|
[Emons Verlag]http://www.emons-verlag.de
_Der TATORT bei |Buchwurm:|_
[40 Jahre TATORT – Das Lexikon]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7281
[Köln: Die Blume des Bösen]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6803
[München: A gmahde Wiesn]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6804
[Saarbrücken: Aus der Traum]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6547
[Berlin: Blinder Glaube]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5914
[Kiel: Borowski und die einsamen Herzen]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7105
[Hannover: Erntedank]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7000
[München: Starkbier]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7149
[Bremen: Strahlende Zukunft]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5956
[Münster: Tempelräuber]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6549
[Leipzig: Todesstrafe]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6346
Victor Gunn – Spuren im Schnee

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Child, Lee – Outlaw
_Die |Jack Reacher|-Romane:_
Band 1. „Größenwahn“
Band 2. [„Ausgeliefert]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=905
Band 3. [„Sein wahres Gesicht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2984
Band 4. [„Zeit der Rache“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=906
Band 5. [„In letzter Sekunde“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=830
Band 6. „Tödliche Absicht“
Band 7. [„Der Janusmann“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3496
Band 8. [„Die Abschussliste“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4692
Band 9. [„Sniper“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5420
Band 10. [„Way Out“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5893
Band 11. [„Trouble“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6756
Band 12. _“Outlaw“_
_Klappentext_
Zwei gottverlassene Dörfer in Colorado. Hope und Despair. Hoffnung und Verzweiflung. Dazwischen nichts weiter als meilenweit Niemandsland. Jack Reacher, per Anhalter unterwegs, strandet ausgerechnet in Despair. Er will nur einen Kaffee trinken und dann weiterziehen, doch vier düstere Gesellen wollen ihn wegen Landstreicherei von der Gemarkung verweisen. Reacher geht die Freiheit zwar über alles, aber einen Platzverweis lässt er sich nicht bieten. Und sein untrüglicher Instinkt sagt ihm, wenn jemand etwas zu verbergen hat …
(Verlagsinfo)
_Kritik_
Jack Reacher ist und bleibt ein Einzelgänger und ein wirklich eigensinniger und sehr selbstbewusster Charakterkopf. Wer die Figur des Jack Reachers schon kennt, der ohne Gepäck und quasi Besitz durch die USA reist, wird hier nicht weiter überrascht sein, wie sich die Eskalationsspirale entwickeln wird.
Im Zuge der Handlung lernen wir den Besitzer einer wohl hochmodernen Metall-Recycling Firma kennen, der die Stadt regiert, da die meisten Bewohner von Despair bei ihm angestellt sind. Und in Despair geschieht nichts, ohne dass Jerry Thurman, der ebenso ein Prediger wie auch Geschäftsmann ist, davon Kenntnis hat. Dass Reacher die logische Schlussfolgerung zieht, dass hinter den Firmentoren Eigenartiges geschieht, bestätigt sich indirekt wenig später, als er einen militärischen Stützpunkt in der Nähe dieser beiden Ortschaften findet – und hier sind Elitesoldaten eingesetzt!
Lee Child ist Amerikaner und damit ein wahrer Patriot seines Landes. Dass er als Autor aktuelle Themen und Probleme seines Landes und deren Gesellschaft in seine Handlung einbaut, ist nicht überraschend. Doch vermeidet er ganz klar eine offene Stellung zu den Themen. Stattdessen führt er dem Leser vor Augen, was Vorurteile kombiniert mit Macht und auch religiösen Vorstellungen mit einer abhängigen Gesellschaft anrichten können.
Dass sich Reacher, dem seine persönliche Freiheit über alles geht und sein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, damit die Konfrontation eröffnet, ist naheliegend. Ihn treibt nicht die Suche nach Gewalt und Tod an, sondern sein Verständnis für Gerechtigkeit, Gleichheit, Recht und Freiheit. Damit ist er in vielen Augen sicherlich der „einsame“ Cowboy, der edel und selbstlos durch die Prärie reitet. So einfach allerdings verhält es sich nicht. Reacher ist hart, erbarmungslos und geht keine Kompromisse ein. Zugleich aber immer warnend und fair, natürlich bis zu einem gewissen Punkt. Ist dieser „Point of no Return“ allerdings überschritten, gibt es für ihn keine emotionale Grenze mehr und er tötet ohne Gewissen oder spätere Reue.
„Outlaw“ ist hier auch keine Ausnahme. Etwas andere Wege dagegen geht der Autor, wenn er Reacher in absurde Szenen einsetzt, die manchmal etwas überzogen komisch wirken sollen. Schaltet man das Kopfkino ein, so kann man sich ein feines Lächeln nicht verkneifen. Selten gab es in den anderen Romanen aus dieser Reihe solch abgefahrene Situationen.
Die Spannung in diesem Roman bleibt anhaltend konstant, nicht weiter dramatisch oder gar überraschend, sondern pendelt sich auf einem Niveau ein, das Unterhaltung garantiert.
_Fazit_
„Outlaw“ von Lee Child ist nicht der stärkste Roman aus der „Jack Reacher“-Reihe, aber vielleicht einer der originellsten, wenn man überzeichneten Humor und Logik einfach ignoriert.
Als Verfilmung ist dieser Stoff im Verhältnis zu den anderen Abenteuern des Jack Reachers eher unspektakulär. Aber das muss er auch nicht, hier gibt es ganz andere Möglichkeiten.
Für alle Fans dieser Reihe bietet sich kein ungewohntes Bild, ein Titel, den man auch außerhalb der Reihe lesen kann, allerdings auch einer den man nicht unbedingt lesen muss.
_Autor_
Lee Child wurde in den englischen Midlands geboren, studierte Jura und arbeitete dann zwanzig Jahre lang beim Fernsehen, wo er u. a. so hochklassige Thrillerserien wie »Prime Suspect« (»Heißer Verdacht«) oder »Cracker« (»Für alle Fälle Fitz«) betreute. 1995 kehrte er der Fernsehwelt und England den Rücken, zog in die USA und landete bereits mit seinem ersten „Jack Reacher“-Thriller einen internationalen Bestseller. Seither fesselt er seine Fans mit immer neuen atemberaubenden „Reacher“-Romanen. Er wurde mit mehreren hoch dotierten Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem »Anthony Award«, dem renommiertesten Preis für Spannungsliteratur.
|Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
Originaltitel: Nothing to Lose (Jack Reacher 12)
Verlag: Blanvalet Verlag (21. November 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3764504205|
[www.randomhouse.de/blanvalet]http://www.randomhouse.de/blanvalet
James, Peter – Du sollst nicht sterben
_Inhalt_
Im Jahr 1997 wurden fünf Frauen vom sogenannten „Schuh-Dieb“ vergewaltigt. Der Täter suchte sich immer Frauen, die sich kurz vorher neue und sehr teure Schuhe gekauft hatten. Die Schuhe nahm er nachher mit. Damals kam der „Schuh-Dieb“ davon, denn Detective Superintendent Roy Grace gelang es nicht, ihn zu fassen. Zwölf Jahre später gibt es erneut eine Vergewaltigung einer jungen Frau, die dem Muster vom „Schuh-Dieb“ verdammt ähnelt. Detective Grace beginnt, erneut zu ermitteln. Kurze Zeit später gibt es noch weitere Opfer und eine Frau verschwindet spurlos. Kann Detective Grace den Täter diesmal stellen?
_Kritik_
„Du sollst nicht sterben“ von Peter James ist der 6. Fall in dem Detective Superintendent Roy Grace ermittelt. Das Buch ist von Anfang bis Ende durchweg fesselnd. Es fängt bereits mit einer packenden Szene an. Die Kapitel sind genau passend lang, um auch mal eine Pause einzulegen. Die Story ist einfach zu lesen und verläuft gradlinig.
Die Geschichte spielt generell im Jetzt. Einige Kapitel handeln allerdings von den Vorfällen und Ermittlungen aus den Jahren 1997/1998, die eine wesentliche Rolle spielen. Am Anfang eines jeden Kapitels wird mitgeteilt, ob das Kapitel im Jetzt oder in der Vergangenheit spielt, so dass man nicht durcheinanderkommt. Zu Anfang ist es allerdings nicht ganz so leicht, die Schilderungen von heute und damals auseinanderzuhalten. Aber nach ein paar Seiten legt sich das und man wird voll von der Story eingenommen.
Die Charaktere des Protagonisten Detective Superintendent Roy Grace ist recht liebenswert konzipiert. Er liebt seine Frau, aber auch seinen Job. Es ist schwer für ihn, beides unter einen Hut zu bekommen, da die Arbeit ihn natürlich sehr vereinnahmt. Aber meistens schafft er es doch, seine Frau mit seinem Charme zu besänftigen, wenn er wieder mal Überstunden machen muss.
Die Handlungen werden aus den Perspektiven von verschiedenen Personen beschrieben. Einmal aus der Sicht des Detectives, dann aus der Sicht der Opfer und auch aus der Sicht des Täters. Trotzdem auch die Sicht des Täters dargestellt wird, ist die Story unheimlich spannungsreich und man weiß nicht, was als Nächstes passiert oder wie und wann die Ermittlungen zu wichtigen Ergebnissen führen. Der Autor versteht es, einen im Dunkeln zu lassen, obwohl er jede Menge Details verrät. Es passiert immer wieder etwas Unerwartetes, was den Leser auf eine andere Fährte führt. Man ahnt dieses oder jenes und zum Schluss ist man doch überrascht, welches Ende es nimmt.
_Autor_
Peter James war lange Jahre in den USA als Drehbuchautor und Filmproduzent tätig. Seit seiner Rückkehr nach England widmet er sich vorrangig dem Schreiben. Seine Thriller-Serie mit Detective Superintendent Roy Grace ist mittlerweile in 33 Sprachen übersetzt. Der Autor lebt im Londoner Stadtteil Notting Hill und in seinem Landhaus in Sussex. (Verlagsinfo)
_Fazit_
„Du sollst nicht sterben“ von Peter James ist wieder einmal ein wirklich gelungener Thriller, der den Leser bis zum Schluss fasziniert. Die letzten hundert Seiten habe ich in einem Rutsch gelesen, da es wirklich super spannend war und ich wissen wollte, wie es nun ausgeht. Der Klapptext verspricht also nicht zu viel. Das Buch ist jedem Thriller-Fan nur zu empfehlen und auch ich werde noch weitere Fälle von Detective Roy Grace gerne lesen.
|Gebunden: 400 Seiten
Originaltitel: Dead Like You
Übersetzt aus dem Englischen von Susanne Goga-Klinkenberg
ISBN-13: 978-3502101987|
[www.fischerverlage.de]http://www.fischerverlage.de
_Peter James bei Buchwurm.info:_
[„Mein bis in den Tod“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2493
[„Stirb schön“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3154
[„Stirb ewig“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3268
[„Nicht tot genug“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5969
[„So gut wie tot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6003
[„Und morgen bist du tot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6601
George, Anne – Mörderische Verstrickungen
_Inhalt_
Die Ehefrau von Patricia Annes Cousin Luke verschwindet von jetzt auf gleich spurlos. Die beiden Geschwister Patricia Anne und Mary Alice helfen Luke bei der Suche nach ihr. Sie finden heraus, dass Lukes Ehefrau Virginia wohl mit einem Schlangenprediger durchgebrannt ist. Kurze Zeit später wird Virginias Wagen mit der Leiche des Predigers gefunden. Von Virginia immer noch keine Spur. Einziger Anhaltspunkt ist die Kirche, in der die Schlangenpredigten durchgeführt wurden. Die beiden Schwestern und Cousin Luke machen sich auf den Weg dorthin, wo sie noch eine schreckliche Entdeckung machen …
_Kritik_
„Mörderische Verstrickungen“ von Anne George wird aus der Sicht der Protagonistin Patricia Anne geschrieben, die mit ihrer Schwester den Fall ihrer verschwundenen Cousine und auch gleichzeitig damit zusammenhängende Mordfälle zu lösen versuchen. Es ist ein leicht zu lesender Kriminalroman, der durch kleine humorvolle Dialoge der beiden Schwestern gespickt ist. Die beiden Hobby-Detektivinnen sind bereits um die 60 Jahre alt, aber das Alter machen sie durch ihren Humor und ihre Schlagfertigkeit wieder wett. Wenn man liest, denkt man eher, dass die beiden erst um die vierzig sind. Sie necken sich zwischendurch, und das auch in skurrilen oder gefährlichen Situationen. Sie lassen sich nicht aufs Korn nehmen und schalten immer noch blitzschnell um sich aus brenzligen Lagen zu befreien.
Ich selbst bin in die Geschichte nicht so ganz reingekommen. Viele Passagen haben mich ein wenig gelangweilt und ich musste mich zum Weiterlesen zwingen. Vielleicht ist es einfach der Schreibstil, der nicht meinen Vorstellungen entspricht. Erst zum Schluss wurde es noch mal richtig spannend und man liest das Buch erwartungsvoll bis zum Ende durch, um zu erfahren, wie die Geschichte ausgeht. Allerdings hat das Buch ein ziemlich abruptes Ende, wie ich finde. Es geht alles wahnsinnig schnell und dann ist man schon auf der letzten Seite des Buches angekommen.
Generell sind die Charaktere der Schwestern aber sehr liebenswert dargestellt. Sie sind hilfsbereit, blitzgescheit und stehen immer noch mitten im Leben. Auch die Nebenrollen werden anschaulich beschrieben und man kann sich in etliche Szenen gut rein denken. Die Örtlichkeiten und auch das Aussehen der Personen werden genügend geschildert. Die Kapitel sind im Allgemeinen nicht zu lang und die Geschichte ist in einfacher Sprache geschrieben.
_Autor_
Anne George hat acht Krimis um die „Southern Sisters“ geschrieben und erhielt den begehrten Agatha Award. Sie wurde zum „Alabama State Poet“ ernannt, gründete den Verlag Druid Press und wurde für ihre Lyrik für den Pulitzer-Preis nominiert. Sie starb 2001 an den Folgen einer Operation. (Verlagsinfo)
_Fazit_
„Mörderische Verstrickungen“ von Anne George ist meines Erachtens eher eine durchschnittliche Geschichte mit nicht allzu viel Spannung und Aha-Erlebnissen. Dennoch sind etliche Passagen des Buches, trotzdem es eine Kriminalgeschichte ist, mit reichlich Humor versehen. Das lockert die ganze Sache auf. Der Klapptext verspricht allerdings zu viel. Mein Fall ist dieses Buch nicht, aber für jemanden, der schon mehrere Bücher von Anne George gelesen hat und sich daran erfreuen kann, ist es bestimmt die richtige Wahl.
|Taschenbuch: 304 Seiten
Originaltitel: Murder Carries a Torch
ISBN-13: 978-3423213325|
[www.dtv.de]http://www.dtv.de
_Anne George bei |Buchwurm.info|:_
[„O du Mörderische“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2056
[„Mörderische Dividende“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4379
A. E. W. Mason – Das Geheimnis der Sänfte

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Sanborn, B. X. – Wahrsager, Der
_Das geschieht:_
Das Schicksal scheint es endlich gut mit John Perseus, einem aufstrebenden Maler, zu meinen. Gerade konnte er ein erstes Bild an ein bedeutendes Kunstmuseum verkaufen, was seinem Ruf ebenso zugutekommen wird wie seiner Geldbörse. Die Heirat mit der schönen Vivian MacDonald ist nur noch eine Frage der Zeit, der Umzug aus dem New Yorker Künstlerviertel Greenwich Village in eine noblere Gegend absehbar.
Noch haust Perseus kostengünstig im behaglich verlotterten Haus von Miss Serana Soolie, die gern an Künstler vermietet. Allerdings war die Kellerwohnung gerade Schauplatz einer Tragödie: Tänzerin Fay Farrell hat sich mit Chloralhydrat vergiftet. Perseus hilft der aufgeregten Hauswirtin beim Sortieren des Nachlasses. Er stößt dabei auf die Adresse des mysteriösen Marcolf, den auch er kennengelernt hat.
Marcolf bezeichnet sich als Wahrsager, seine Prophezeiungen äußert er nach eigener Auskunft unentgeltlich sowie zum Wohle und zur Warnung betroffener Mitmenschen. Perseus hatte er im Vorjahr beruflichen Erfolg angekündigt. Vivian wurde von ihm gewarnt und konnte einen gefährlichen Autounfall vermeiden. Wie sich herausstellt, gehören noch andere Perseus-Bekannte zum Kreis der Marcolf-Jünger.
Als diese plötzlich diversen ‚Unfällen‘ zum Opfer zu fallen beginnen, wird Perseus misstrauisch. Wer ist dieser Marcolf, und was könnte er planen? Da polizeilich gegen den Wahrsager nichts vorliegt, beginnt der Künstler selbst zu ermitteln. Er stößt dabei auf die Spur einer raffiniert eingefädelten Intrige, stellt sich jedoch nicht sehr geschickt an. Auch ohne seherische Fähigkeiten werden einige unsympathische Zeitgenossen auf Perseus aufmerksam, die ihre einträglichen Machenschaften keinesfalls aufgedeckt sehen wollen …
|Klasse kann & muss man suchen!|
In der Regel sind es die klassischen Rätsel-Krimis, die im Strom der Zeit auch weit flussabwärts noch an der Oberfläche treiben. Sie bestechen durch die ‚mechanische‘ Struktur eines Plots, der auf ein Rätsel konzentriert ist. Darüber hinaus spielen sie in der „guten, alten“ Zeit und unterhalten durch zeitgenössische Drolligkeiten, die der Geschichte eine zusätzliche Patina verleihen.
Klassikerstatus dürfen daneben auch die „Hard-Boiled“-Krimis der 1930er und 1940er Jahre beanspruchen, die umgekehrt von den großen Filmen der „Schwarzen Serie“ profitierten: Krimi kann gesellschaftskritisch und trotzdem unterhaltsam sein, ohne dafür in seifenoperlichem Beiwerk ertränkt zu werden.
Natürlich behaupteten sich in beiden Genres primär die Autorinnen und Autoren mit den kräftigen Stimmen. In Deutschland traten eigene Vorlieben der Leserschaft hinzu. Sie verurteilte nicht wenige wunderbare Autoren zu einem Schattendasein, das sie objektiv nicht verdien(t)en. B. X. Sanborn alias William S. Ballinger gehört eindeutig in diese Kategorie.
|Sagt der Wahrsager die ganze Wahrheit?|
„Der Wahrsager“ wird nie die Bedingungen eines ‚richtigen‘ Klassikers erfüllen. Auch als „Pulp“-Perle kann dieser Roman nicht gelten, denn hier gibt es weder offene Gewalt noch wogende Busen oder spektakuläre Gefühlsaufwallungen. Sanborn erzählt stattdessen eine Kriminalgeschichte. Dies war sein selbst gewählter Job, und er produzierte rasch, was angesichts schmaler Gewinnmargen auch notwendig war: Der Zenith-Verlag verkaufte „Der Wahrsager“ als „The Blonde on Borrowed Time“ im März 1960 für 35 Cents, was auch inflationsbereinigt keine besonders hohe Summe ist.
Trotzdem gelang Sanborn ein Krimi, der sich viele Jahrzehnte später mit großem Vergnügen lesen lässt. Der Autor beschränkt sich auf das Wesentliche: einen Plot, der interessiert, für eine Geschichte, die linear aber wendungsreich und schnell auf ihren Höhepunkt zusteuert. Für jenen Ballast, der heutzutage Kriminalromane auf bis zu tausend Seiten anschwellen lässt, hatte Sanborn weder Sinn noch Zeit.
Siehe da: „Der Wahrsager“ funktioniert wunderbar ohne jede Zeilenschinderei. Langeweile stellt sich nicht ein, der Verfasser hat sein Publikum fest im Griff. Wie sich das Rätsel lösen wird, steht früh fest: Dass Marcolf kein echter Wahrsager ist, dürfte niemanden überraschen. Nichtsdestotrotz schürt Sanborn unsere Neugier. Was ist Marcolfs Trick? Wir wollen es wissen, und als auch unser Held endlich schlauer ist, wird es ebenso spannend zu verfolgen, wie er sich sehr diesseitigen Gangstermethoden ausgesetzt sieht.
|Figuren mit Zügen|
Der Detektiv ist dieses Mal ein Kunstmaler. Dies steht nicht im Widerspruch, denn John Perseus ist ein kreativer Geist, dessen Finger nicht nur einen Pinsel halten können: Bei Bedarf ballt er sie auch zur Faust, denn schließlich trägt er den Namen eines Helden der griechischen Mythologie. Perseus ist es zudem, den Sanborn die Handlung erzählen lässt. Seine Sprache ist nüchtern aber anschaulich, und gern verwendet er Vergleiche, die seinem künstlerischen Umfeld entspringen – einer jener kleinen aber feinen Tricks, mit denen Sanborn die Distanz zwischen Hauptfigur und Leser verkürzt.
Charakterlich bietet Perseus eine heute seltsam anmutende Mischung aus ‚modernem“ Laissez-Faire und zeitgenössischer Political Correctness. Zwar lebt er im und liebt das Viertel Greenwich Village, aber er hält Abstand zum locker-lebenslustigen Künstlervolk und widmet sich seiner Malerei. Perseus ist erfolgsorientiert – ein ‚typischer‘ Mann seiner Ära. Zwar ist er verlobt mit einer reichen Frau, will aber unbedingt den Durchbruch schaffen, um vor seiner Hochzeit finanziell auf eigenen Füßen zu stehen.
Mit einem Trick drückt sich Sanborn um das moralische ‚Problem‘, Perseus und Vivian als Paar in ‚wilder Ehe‘ zu präsentieren: Ihr bigotter Vater hat sie per Testamentsklausel zum braven Tochterleben verurteilt. Erst wenn Vivian ihren 25. Geburtstag feiert und bis dahin in keinen Skandal verwickelt war, kann sie ihr Erbe antreten. Also bleiben sie und John (zumindest auf dem Papier) keusch und ehrenhaft. Dies klingt inzwischen witzig, hat hier aber einen ernsthaften Hintergrund: Schon ein gestelltes ’schmutziges‘ Foto und eine falsche Zeugenaussage reichen als Drohung aus, um Perseus und Vivian in die Schranken zu weisen, als sie zu neugierig werden und Gangstern auf die Füße treten.
|Ende gut, Leser zufrieden|
Vertrauensvoll bzw. voller Spannung erwartet der Leser, der sich vom Verfasser redlich behandelt weiß, die Auflösung. In der Tat gelingt es Sanborn, die zahlreichen losen Fäden nicht nur schlüssig, sondern auch rasch zum finalen Knoten zu schnüren. Ein wenig Lebensgefahr und Action gibt es auch, und selbstverständlich begeht Sanborn nicht den Fehler, Perseus plötzlich zur strafenden Kampfmaschine mutieren zu lassen.
Stattdessen fangen sich die Schurken in einem Netz schlampig verwischter oder übersehener, von John und Vivian sorgfältig gesammelter und aufgedröselter Indizien, die sich auch durch Waffengewalt nicht mehr aus der Welt schaffen lassen. Die Polizei muss nur noch kommen und aufräumen.
Am Ende ist vieles gut aber nicht alles happy – bis auf den Leser, der kaum glauben kann, dass es einst Kriminalautoren wie B. X. Sanborn gab, die ihre Geschichten so präzise und zügig auf den Punkt bringen konnten. Man muss deshalb kein Wahrsager sein, um voraussagen zu können, dass dieser Roman auch heute seine Leser begeistern wird – wenn sie ihn denn finden können!
_Autor_
B. X. Sanborn wurde als William Sanborn Ballinger 1912 in Oskaloosa im US-Staat Iowa geboren. Er studierte an der Universität von Wisconsin. Ab 1934 arbeitete er in der Werbung und schrieb dann für das Radio. In den 1950er Jahren zog Ballinger nach Südkalifornien, um Drehbücher für das Fernsehen zu verfassen. Bis in die 70er Jahre lieferte er die Vorlagen für ca. 150 TV-Shows, darunter bekannte Thriller-Serien wie „Cannon“, „Ironside“ („Der Chef“), „I Spy“ („Tennisschläger & Kanonen“), „Mickey Spillane’s Mike Hammer“ oder „M. Squad“ („Dezernat M“). 1960 zeichneten ihn die „Mystery Writers of America“ für seine Adaptation der Stanley Ellin-Story „The Day of the Bullet“ für „Alfred Hitchcock Presents“ mit einem „Edgar Allan Poe Award“ aus. Zwischen 1977 und 1979 unterrichtete Ballinger kreatives Schreiben an der California State University.
Bill S. Ballinger begann als Verfasser geradliniger Detektivgeschichten. Barr Breed, Held seines Debütromans „The Body in the Bed“ (1948) war der typische hartgesottene Schnüffler, die Geschichte eng an Dashiell Hammetts „Der Malteser Falke“ angelehnt. Aber Ballinger hatte Talent und entwickelte Ehrgeiz; seine Geschichten wurden innovativer und vielschichtiger, kratzten am Lack der scheinbar idealen US-Gesellschaft.
Schon 1950 gelang der Durchbruch mit „Portrait of a Smoke“, der sechs Jahre später als „Wicked as They Come“ (dt. „Keiner ging an ihr vorbei“) verfilmt wurde. Weitere Erfolge verzeichnete Ballinger mit „The Wife of the Red-Haired Man” (1957) oder „The Tooth and the Nail” (1955).
In den 1960er Jahren griff der Verfasser den aktuellen Trend zum Spionage-Thriller auf und schuf seinen eigenen James Bond: Joaquin Hawks vom CIA, den wir zuerst in „The Chinese Mask“ (1965) treffen. Lange Passagen dieses Romans spielen in China; Ballinger profitierte hier von seinen ausgedehnten Reisen durch den Fernen Osten. Das gilt auch für sein Drehbuch zum Actionfilm „Operation CIA“ (1965), in dem es einen noch sehr jugendlichen Burt Reynolds nach Saigon verschlägt.
In die Spätphase von Ballingers Karriere fallen der epische „The Corsican“ (1974), die mehrere Jahrzehnte umfassende Chronik einer Mafia-Familie, und die merkwürdige aber spannende Reinkarnationsfabel „49 Days of Death“ (1969), die auf dem tibetanischen „Buch der Toten“ basiert.
Bill S. Ballinger, der auch unter dem Namen Frederic Fryer schrieb, starb im Jahre 1980. Sein letztes Werk war eine Geschichte der kalifornischen „Federal Credit Union“, der er 1978/79 als Präsident vorstand.
|Taschenbuch: 171 Seiten
Originaltitel: The Doom-Maker (New York : E. P. Dutton & Co. 1959)/The Blonde on Borrowed Time (New York : Zenith Books 1960)
Übersetzung: Paul Baudisch|
Reichs, Kathy – Fahr zur Hölle
_|Temperance Brennan|:_
Band 01: „Tote lügen nicht“
Band 02: [„Knochenarbeit“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1229
Band 03: [„Lasst Knochen sprechen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1479
Band 04: „Durch Mark und Bein“
Band 05: „Knochenlese“
Band 06: „Mit Haut und Haar“
Band 07: [„Totenmontag“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=937
Band 08: [„Totgeglaubte leben länger“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2083
Band 09: [„Hals über Kopf“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4806
Band 10: „Knochen zu Asche“
Band 11: „Der Tod kommt wie gerufen“
Band 12: „Das Grab ist erst der Anfang“
Band 13: [„Blut vergisst nicht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6621
Band 14: _“Fahr zur Hölle“_
[„Bones – Die Knochenjägerin: Tief begraben“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3355
_Story_
In Charlotte winkt der alljährliche Zirkus mit seinen vielen Attraktionen: Die NASCAR-Serie hält in der finanzstarken Metropole und verspricht, auf dem Motor-Speedway ein riesiges Spektakel zu entfachen. Temperance Brennan hat eigentlich kaum Interesse an der Motorsport-Veranstaltung, muss sich jedoch zwangsläufig damit beschäftigen, als kurz vor Start der ersten Trainigsrennen die Überreste eines Menschen, asphaltiert in einem Müllfass, entdeckt werden. Während die Forensikerin die ersten Spuren sichert, macht sie Bekanntschaft mit einem verzweifelten jungen Mann, der vermutet, dass es sich bei der Leiche um seine seit zwölf Jahren vermisste Schwester Cindi handelt. Diese war damals mit ihrer Jugendliebe Cale Lovett durchgebrannt und urplötzlich von der Bildfläche verschwunden. Und da Lovett Kontakt zu rechtsgerichteten Vereinigungen hatte und auch in Verbindung mit dem offenkundigen Attentäter Eric Rudolph stand, scheint der Fall plötzlich Kreise zu ziehen, die sich Brennan bis dato nicht ausgemalt hatte.
Während die Ermittlerin mit dem übergewichtigen, ebenfalls nicht wirklich vertrauenerweckenden Inspektor Skindell im Hintergrund an dem Fall arbeitet, mischt sich auch das FBI in die Angelegenheiten und schränkt die Arbeiten an den entscheidenden Stellen ein. Brennan ist sich sicher, dass hier Fakten aus Gründen vertuscht werden, die bis in die tiefsten Kreise des Bureaus hineinreichen, und begibt sich immer weiter in Gefahr. Als sie schließlich überhaupt nicht mehr einsehen kann, wem sie glauben und vertrauen kann, steckt sie bereits tiefer in der Sache drin, als Temperance lieb ist …
_Persönlicher Eindruck:_
Es schleicht sich langsam aber sicher der Eindruck ein, als wüsste Kathy Reichs auch nicht mehr so recht, was sie mit ihrer einstigen Kultfigur Temperance Brennan anfangen soll. Das Potenzial scheint erschöpft, der Chjarakter verblasst von Fall zu Fall mehr, und auch wenn die Rahmenhandlung bisweilen spektakulärer und bunter ausgemalt wird, treten die Storys um die berüchtigte Forensikerin immer deutlicher auf der Stelle.
Diese Entwicklung setzt sich leider auch im aktuellen Roman „Fahr zur Hölle“ fort, der zwar mit gewohnt interessanten Ansätzen einsteigt, sich aber schnell wieder in einem Wust an Details verrennt, die in dieser Masse weder adäquat aufgearbeitet werden, noch bei der Klärung des Falles mit genügend Aufmerksamkeit bedacht werden können. Dabei scheint das Setting perfekt: Das NASCAR-Spektakel zieht seine Kreise, ein plötzlicher, abstrakt inszenierter Todesfall macht die Runde, eine verschollene Person bringt einen folgenschweren Kontrast in die Ermittlungen, und da die übrigen Personen gerade auf den ersten Seiten nie so recht eingeschätzt werden können, ist in der Einleitung für genügend Spannung gesorgt.
Doch alsbald werden die gravierenden Schwächen der Story immer markanter. Insbesondere die Charakterzeichnungen sind widersprüchlich und eigenbrödlerisch, erfüllen ihren teils absurd anmutenden Zweck aber im weiteren Verlauf der Erzählung absolut nicht mehr. Da gibt es einen aufgesetzten Streit zwischen Brennans Kollegen, die dem jeweils anderen den Schwarzen Peter zuschieben. Da taucht ständig dieser mysteriöse Mann auf, der nach seiner Schwester sucht, aber eigentlich überhaupt kein wirkliches Motiv bekommt, Teil der Handlung zu sein. Und überdies schneiden die Verhöre und Nachforschungen immer wieder die Arbeiten des strikt auftretenden FBI, dessen Verhalten im Grundsatz jedoch auch keiner echten Logik folgt, zumal die Detectives immer wieder Inhalte preisgeben, die sie in ihrer Position gar nicht offenbaren müssten. Schlussendlich wirkt einfach zu viel konstruiert und immerzu passend für die Story maßgeschneidert, damit hier keine Verwicklungen entstehen, die Reichs in der Auflösung nicht mehr mit der nötigen Konsequenz rechtfertigen kann. Dass hierbei jedoch gerade eindeutige Ungereimtheiten auftreten, während der Plot sich stetig mehr verbraucht und die Spannung Schritt für Schritt weiter entlässt, scheint der renommierten Autorin ganz und gar zu entgehen.
Zur Lockerung all dieser Widersprüche taucht Kathy Reichs ab und an noch einmal in das Seelenleben ihrer Protagonistin ein und stellt hier im Wesentlichen kurze, knappe Verbindungen zu ihren letzten Romanen her. Da aber auch hier lediglich an der Oberfläche gearbeitet wird und man sowohl emotional als auch inhaltlich überhaupt keinen Tiefgang zulassen mag, kommt einem auch in diesen Passagen der Gedanke, die Autorin agiere inzwischen hilflos und täte definitiv besser daran, ihre Hauptfigur langsam aber sicher aus der literarischen Welt zu entfernen und sich nicht mehr von der damit verbundenen Erwartungshaltung an den oftmals sturen Charakter fesseln lassen. „Fahr zur Hölle“ ist nämlich in der Zusammenfassung ein ernüchternd langweiliger Thriller, der nach viel versprechendem Beginn immer weiter zu entgleiten droht und letzten Endes mehr Schaden als Freude beim Leser anrichtet. Dass man nämlich einer Persönlichkeit wie Temperance Brennan eines Tages derart überdrüssig sein könnte, hätte man vor einer knappen Dekade wohl kaum geglaubt!
|Gebunden: 352 Seiten
Originaltitel: Flash and Bones
ISBN-13: 978-3896673251|
[www.randomhouse.de/blessing]http://www.randomhouse.de/blessing/index.jsp
Baldacci, David – Spieler, Die (Lesung)
_Die |Camel Club|-Serie:_
1) [„Die Wächter“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4513
2) [„Die Sammler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5748
3) [„Die Spieler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7606
4) „Die Jäger“
5) „Hell’s Corner“ (noch ohne dt. Titel)
_Washington: Mord und Totschlag um ein tödliches Geheimnis_
Der geheimnisvolle Camel Club will die verborgenen Machenschaften der US-Regierung aufdecken, um Korruption und Betrug ein Ende zu bereiten. Auch Trickbetrügerin Annabelle Conroy hat sich dieser hehren Aufgabe verschrieben, doch unvermittelt wird sie selbst zur Gejagten. Nachdem sie den Mörder ihrer Mutter, einen skrupellosen Kasinoboss, um 40 Mio. Dollar erleichtert hat, steht sie als Nächste auf seiner Abschussliste.
Im Kampf um Leben und Tod ist ihr die Hilfe des Klubs gewiss. Die Karten werden jedoch neu gemischt, als dessen Anführer Oliver Stone von seiner Vergangenheit eingeholt wird und plötzlich selbst vor einem Killer fliehen muss … (abgewandelte Verlagsinfo)
_Der Autor_
David Baldacci wurde 1960 in Virginia geboren, wo er heute lebt. Er wuchs in Richmond auf; sein Vater war Mechaniker und später Vorarbeiter bei einer Spedition, seine Mutter Sekretärin bei einer Telefongesellschaft. Baldacci studierte Politikwissenschaft an der Virginia Commonwealth University (B. A.) und Jura an der University of Virginia. Während des Studiums jobbte er u.a. als Staubsaugerverkäufer, Security-Guard, Konstrukteur und Dampfkesselreiniger. Er praktizierte neun Jahre lang als Anwalt in Washington, D. C., sowohl als Strafverteidiger als auch als Wirtschaftsjurist.
Neben seiner Arbeit als Schriftsteller engagiert sich Baldacci für eine Reihe karitativer und gesellschaftlicher Institutionen, darunter der National Multiple Sclerosis Society, der Barbara Bush Foundation for Family Literacy, der Virginia Foundation for the Humanities, der America Cancer Society, der Cystic Fibrosis Foundation und der Viriginia Commonwealth University. David Baldacci ist verheiratet und hat zwei Kinder: Tochter Spencer und Sohn Collin. Laut Verlag liegt die Gesamtauflage seiner Bücher weltweit bei über 55 Millionen Exemplaren.
Mehr Infos: [www.david-baldacci.com]http://www.david-baldacci.com (Verlagsinfo)
_Der Sprecher_
K. Dieter Klebsch absolvierte seine Schauspielausbildung an der Staatlichen Schauspielschule Berlin „Ernst Busch“. Seit 1973 wirkte er in verschiedenen Theater-, TV- und Kinoproduktionen mit. Seit 1976 ist Klebsch auch als Synchronsprecher tätig und leiht seine Stimme u. a. Alec Baldwin.
Klebsch liest eine von Kai Lüftner bearbeitete Fassung. Die Aufnahme in den d.c. studios NRW-Berlin, leiteten Dicky Hank und Dennis Kassel, die wohl auch das musikalische Motiv beitrugen (diese Angabe fehlt). Regie führte Kati Schaefer.
_Handlung_
Annabelle Conroy, 36, ist auf der Flucht. Sie hat den Gangster Jerry Beggar, den Mörder ihrer Mutter, um 40 Millionen Dollar betrogen. Anthony Wallace, der ihr Komplize war, ist schwer verletzt und drei weitere Personen sind in einer Villa getötet worden, sie selbst konnte entkommen, gerade noch. Doch Beckers Rache ist ihr gewiss. Sie muss die Hilfe des Camel Club in Anspruch nehmen, die man ihr sicher nicht verweigern wird. Sie kennt zumindest dessen Mitglieder Caleb Shaw und Oliver Stone.
Stone arbeitet auf dem Friedhof und wird am TV-Gerät Zeuge, wie Carter Gray, dem ehemaligen Sicherheitschef des Präsidenten, eine Medaille verliehen werden soll. Dabei plante doch Gray, den Präsidenten zu ermorden. Als Gray mit seiner Medaille aus dem Weißen Haus gefahren wird, zeigt er Stone den Stinkefinger, denn Stone hält ein Schild hoch, auf dem steht: „Ich will die Wahrheit wissen.“
Von Stone unbemerkt folgt Harry Finn dem Wagen von Gray zu dessen Wohnsitz an der Chesapeake Bucht. Er hat den Auftrag, Gray umzulegen. Nur zwei Wachen beschützen das Zielobjekt. Finn ist ein ehemaliger Spezialkämpfer der Marine, ein Navy SEAL. Er hat bereits einen Plan, wie der Mord gelingen kann. Denn unerkannt arbeitet er beim Heimatschutz.
Stone rät Anne Conroy dringend, nicht unterzutauchen, sondern in Washington zu bleiben und herauszufinden, was Beggar überhaupt weiß. Sie ist einverstanden, und Stone ruft den Club zusammen. Sie finden heraus, dass der Fall Beggar vom Justizministerium, also vom FBI, untersucht wird. Unterdessen folgt Stone einer Einladung Grays. Gray zeigt ihm Fotos dreier ehemaliger Kollegen Stones beim Secret Service: Sie wurden alle in den letzten zwei Monaten ermordet. Von wem und weshalb? Und Stone, der ehemalige Mr. John Carr, steht bestimmt ebenfalls auf der Liste des Killers. Am nächsten Tag wird Grays Haus in die Luft gejagt. Kein Wunder, dass das FBI ihn dringend sprechen will.
Stone hat damit kein Problem: Er besitzt zwar keine Ausweispapiere, aber dafür eine Belobigung vom FBI-Chef selbst. Grays Haus ist ein Trümmerfeld. Grays Leiche ist nicht eindeutig zu identifizieren. Es gibt verwirrende Berichte von Überlebenden, doch als Stone ein Druckventil findet, reimt er sich zusammen, dass der Täter im Haus Gas ausströmen ließ und es dann mit einem Schuss zur Explosion brachte. Dieser Schuss muss von einer Steilwand über der Brandung gekommen sein. Der Mörder ist ein verdammt guter Kletterer.
Aus alten Unterlagen, die er in einem Grab auf seinem Friedhof deponiert hat, fischt Stone ein altes Foto aus seiner Zeit beim CIA in Vietnam. Dort erledigte er mit drei Kollegen die Drecksarbeit für Gray und Roger Simpson, einen jetzigen Senator mit Ambitionen auf den Präsidentensessel. Haben diese beiden vielleicht ein Unrecht begangen, das gesühnt und nun auch ihren Untergebenen in die Schuhe geschoben werden soll?
Stone ruft Anne Conroy an. Sie ist in ihrer Heimatstadt in Maine, in Kennebunk. Dort fing alles an, was dann zu ihrer Vergeltung an Beggar führte. Beggar tötete ihre Mom, will Annes Vater ihm 10.000 Dollar geraubt hatte. Während er zu ihr fährt, erkundigen sich drei seiner Freunde vom Club in Atlantic City nach Jerry Beggar. Sie erfahren, dass er nach Washington geflogen ist. Caleb Shaw, ein weiteres Clubmitglied erhält in einer Bibliothek Beggars Besuch. Beggar bietet ihm viel Geld an, um an Annabelle Conroy heranzukommen, die mit Calebs Vorgänger liiert war. Caleb ruft aufgeregt Stone an, der in Maine ist. Dieser warnt Reuben in Atlantic City sowie Annabelle in Maine, die ihm falsche Papiere verschafft.
Es sieht ganz so aus, als müsste Stone nicht nur gegen den unbekannten Killer kämpfen, sondern auch sehr bald schon gegen den skrupellosen Jerry Beggar. Doch auch Carter Gray weilt keineswegs unter den Toten, sondern bereitet Stone schon bald ein unangenehmes Wiedersehen …
_Mein Eindruck_
Im typischen Baldacci-Stil springt die Erzählung von Szene zu Szene und wechselt dabei stets Schauplatz und Figuren. Schon bald hat der Hörer Mühe, den drei – oder waren’s vier? – Erzählsträngen zu folgen. Da ist zum einen Oliver Stone, dann Annabelle Conroy und ihr wiedergefundener Vater, die noch ein Hühnchen mit Jerry Beggar zu rupfen haben.
Schließlich taucht aus der Vergangenheit ein gewisser Harry Finn auf, der die ehemaligen Kollegen Stones bei der CIA eliminiert. Aber warum und in wessen Auftrag, fragen sich sich Stone und Carter Gray. Wie sich herausstellt, steckt Lesya, eine ehemalige russische Spionin, dahinter, die von Harry Finns Vater Ray Solomon für die CIA rekrutiert wurde. Doch zu welchem Zweck? Harry Finn ist hinter Stone alias John Carr her, weil dieser von Gray und Roger Simpson seinerzeit den Befehl erhielt, Solomon zu eliminieren. Solomon war ein unerwünschter Zeuge für eben jenen supergeheimen Zweck, den der US-Präsident nicht autorisiert hatte: die Ermordung der beiden sowjetischen Ministerpräsidenten Adropow und Tschernenko, denen 1986 Gorbatschow folgte.
Selbstverständlich darf nichts davon auch nur mit einem Sterbenswörtchen an die Öffentlichkeit gelangen, sondern wird der dritte Weltkrieg entfacht, suggeriert der Autor mehrfach. Also wächst bei allen Beteiligten der Druck, besonders bei Gray, Simpson und Stone. Indem sich jedoch Stone einfach an Finns Fersen heftet und ihm über die grüne Grenze nach Kanada folgt, stößt er auf Lesya und Geheimdokumente, die Grays und Simpsons Schuld am Anti-Andropow-Komplott beweisen. Brisanter Stoff! Lesya will Solomons Rehabilitation, Stone will Grays und Simpsons Ende.
Doch als sie in Washington eintreffen, ist dort die Lage bereits zu ihren Ungunsten gedreht worden – Gray ist auf alles vorbereitet. Deshalb kommt es direkt vor dem Capitol und dessen neuem Besucherzentrum zu einem explosiven Showdown, der sich gewaschen hat. Auch das Nachspiel bleibt spannend bis zur letzten Szene. Also: dranbleiben!
Man sieht also, dass der Autor nicht nur die Drecksarbeit der Spezialkommandos in Vietnam aufgearbeitet hat, sondern auch noch eine Erklärung für den vorzeitigen Tod der beiden Ministerpräsidenten Andropow und Tschernenko serviert. Sollen wir diesem Braten wirklich trauen? Lieber nicht, sonst könnte ja der dritte Weltkrieg ausbrechen.
Wem dieses ganze Geflecht von Querverbindungen und laufendem Szenenwechsel zu kompliziert ist, weil er lieber MTV schaut, der soll sich doch einfach das Buch zulegen. Da hat er dann Gelegenheit, jederzeit wieder zurückzublättern. Das Taschenbuch erscheint aber erst am 16. September 2011.
_Der Sprecher_
Die Stärke von Klebsch, dem Synchronsprecher von Alec Baldwin, bekannt als Jack Ryan in der Clancy-Verfilmung „Jagd auf Roter Oktober“, liegt nicht in der Charakterisierung. Seine Figuren klingen oftmals gleich, insbesondere die männlichen. Stone, Reuben, Gray und Simpson klingen alle recht ähnlich, auch wenn sie sich vielleicht eines anderen Tonfalls befleißigen. Die weiblichen Figuren, von denen es leider nur zwei (Annabelle und Lesya) gibt, klingen ebenfalls sehr ähnlich, aber wenigstens ist Annabelle jung und Lesya recht alt.
Klebschs Stärke liegt in der situationsbedingten Gestaltung der Stimmen. Hier kann er richtig aus sich herausgehen, wenn es darum geht, entrüstetes oder feierliches Pathos zu intonieren sowie wütende Proteste zu deklamieren. Er kann aber auch sehr leise sein, so etwa dann, wenn jemand flüstert. Dies alles und noch viel mehr bietet sein Vortrag.
Besonders gefiel mir seine Darstellung des Gangsters Jerry Beggar. Der droht, lacht und einmal brüllt er sogar. Das glatte Gegenteil ist hingegen ein alter CIA-Analytiker namens Max Hemmerling. Als Stone ihn besucht, schlottert hemmerling praktisch vor Angst, redet schnell und panisch. Wenig später ist er mausetot.
Gestört hat mich wiederholt Klebschs fehlerhafte Aussprache des Vornamens Reuben, der ziemlich häufig genannt wird, weil einer der „Wächter“ so heißt. Er spricht es [roiben] statt [ru:ben] aus.
|Die Musik|
Michael Marianetti hat das musikalische Motiv für das In- und das Outro beigetragen. Es handelt sich dabei hauptsächlich um eine im martialisch-bedrohlichen Rhythmus einer Marschtrommel eingebetteten Abfolge von Kadenzen.
_Die Übersetzung_
… durch Uwe Anton, einen früheren Übersetzer von Comictexten – lang ists her – ist kompetent gelungen. Allerdings hatte ich am Anfang Schwierigkeiten, alle Abkürzungen zuzuordnen. Dass es sich beim NIC um das Heimatschutzministerium handeln muss, begriff ich erst allmählich.
Anton hat einen erschreckend schweren Fehler schon in den ersten Kapiteln eingebaut. Da ist die Rede von einer „Foltermethode Surfbrett“. Das ergibt natürlich keinen Sinn. Gemeint sein dürfte wohl der allseits berüchtigte Begriff „Waterboarding“, der garantiert nichts mit Surfen zu tun hat, sondern mit dem simulierten Ersäufen eines Opfers. Mir ist schleierhaft, wie dieser Fehler in den Text geraten konnte.
_Unterm Strich_
In seiner üblichen Technik des spannenden Erzählens verknüpft Baldacci mehrere Handlungsstränge, um sowohl finstere Machenschaften aufzudecken als auch um ein altes Familiengeheimnis aufzudecken und zu sühnen. Dass dabei bestimmte Figuren auf der Strecke bleiben, andere aber überleben, versteht sich von selbst – mehr darf nicht verraten werden.
Seit „Der Abgrund“ hat Baldacci immer mehr Actionthriller geschrieben und mit den Romanen um den Camel Club (ab „Die Wächter“) verlegt er die Handlung regelmäßig in das Machtzentrum des Weißen Hauses. Damit macht er den amerikanischen Thrillern um Jason Bourne (Lustbader) und Alex Cross (Patterson) heftig Konkurrenz.
Baldacci schreckt nicht davor zurück, die Tode der beiden russischen Ministerpräsidenten Andropow und Tschernenko, die den Aufstieg Gorbatschows ermöglichten, der CIA unterzuschieben. Natürlich wusste der Präsident nichts davon! Aber klar doch. Und der Präsi genehmigte auch nie Foltermethoden wie Waterboarding (das hier fälschlich als „Surfbrett-Methode“ übersetzt wird). Schon klar.
|Das Hörbuch |
Klebsch versucht sein Möglichstes, um den Figuren Leben einzuhauchen. Während die Figuren meist ziemlich ähnlich Tonlagen haben, gelingt ihm sein Ziel am besten, indem er die Figuren in bestimmten Szenen mal laut, mal leise sprechen lässt. Dabei schreckt er auch nicht vorm Brüllen zurück. Doch keine Sorge, es wird auch geflüstert.
Leider ist dies nie Liebesgeflüster. Merkwürdig, dass sich zwischen Stone und Annabelle Conroy kein Techtelmechtel entwickelt. Aber er ist wohl „einfach zu alt für diesen Scheiß“, hat er doch schon in Vietnam gedient. Jedenfalls hat er nicht seine Kampffähigkeiten verloren. Der Hörer ist gut beraten, Action bis zum Schluss zu erwarten.
|6 Audio-CDs mit 455 Spieldauer
Originaltitel: Stone Cold (2007)
Aus dem US-Englischen von Uwe Anton
ISBN-13: 978-3-7857-4153-5|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de
_David Baldacci bei |Buchwurm.info|:_
[„Mit jedem Schlag der Stunde“ 2400
[„Im Bruchteil der Sekunde“ 836
[„Das Geschenk“ 815
[„Der Abgrund“ 414
[„Die Verschwörung“ 396
[„Das Versprechen“ 361
[„Die Versuchung“ 676
[„Im Takt des Todes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5677
[„Im Takt des Todes“ (Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5880
[„Die Sammler“ (Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7058
Baldacci, David – Spieler, Die
_Die |Camel Club|-Serie:_
1) [„Die Wächter“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4513
2) [„Die Sammler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5748
3) _“Die Spieler“_
4) „Die Jäger“
5) „Hell’s Corner“ (noch ohne dt. Titel)
_Der Camel Club in Aktion_
Der geheimnisvolle Camel Club will die verborgenen Machenschaften der US-Regierung aufdecken, um Korruption und Betrug ein Ende zu bereiten. Auch Trickbetrügerin Annabelle Conroy hat sich dieser hehren Aufgabe verschrieben, doch unvermittelt wird sie selbst zur Gejagten. Nachdem sie den Mörder ihrer Mutter, einen skrupellosen Kasinoboss, um 40 Mio. Dollar erleichtert hat, steht sie als Nächste auf seiner Abschussliste.
Im Kampf um Leben und Tod ist ihr die Hilfe des Klubs gewiss. Die Karten werden jedoch neu gemischt, als dessen Anführer Oliver Stone von seiner Vergangenheit eingeholt wird und plötzlich selbst vor einem Killer fliehen muss … (abgewandelte Verlagsinfo)
_Der Autor_
David Baldacci wurde 1960 in Virginia geboren, wo er heute lebt. Er wuchs in Richmond auf; sein Vater war Mechaniker und später Vorarbeiter bei einer Spedition, seine Mutter Sekretärin bei einer Telefongesellschaft. Baldacci studierte Politikwissenschaft an der Virginia Commonwealth University (B. A.) und Jura an der University of Virginia. Während des Studiums jobbte er u.a. als Staubsaugerverkäufer, Security-Guard, Konstrukteur und Dampfkesselreiniger. Er praktizierte neun Jahre lang als Anwalt in Washington, D. C., sowohl als Strafverteidiger als auch als Wirtschaftsjurist.
Neben seiner Arbeit als Schriftsteller engagiert sich Baldacci für eine Reihe karitativer und gesellschaftlicher Institutionen, darunter der National Multiple Sclerosis Society, der Barbara Bush Foundation for Family Literacy, der Virginia Foundation for the Humanities, der America Cancer Society, der Cystic Fibrosis Foundation und der Viriginia Commonwealth University. David Baldacci ist verheiratet und hat zwei Kinder: Tochter Spencer und Sohn Collin. Laut Verlag liegt die Gesamtauflage seiner Bücher weltweit bei über 55 Millionen Exemplaren.
Mehr Infos: [www.david-baldacci.com]http://www.david-baldacci.com (Verlagsinfo)
_Handlung_
Annabelle Conroy, 36, ist auf der Flucht. Sie hat den Gangster Jerry Beggar, den Mörder ihrer Mutter, um 40 Millionen Dollar betrogen. Anthony Wallace, der ihr Komplize war, ist schwer verletzt und drei weitere Personen sind in einer Villa getötet worden, sie selbst konnte entkommen, gerade noch. Doch Beckers Rache ist ihr gewiss. Sie muss die Hilfe des Camel Club in Anspruch nehmen, die man ihr sicher nicht verweigern wird. Sie kennt zumindest dessen Mitglieder Caleb Shaw und Oliver Stone.
Stone arbeitet auf dem Friedhof und wird am TV-Gerät Zeuge, wie Carter Gray, dem ehemaligen Sicherheitschef des Präsidenten, eine Medaille verliehen werden soll. Dabei plante doch Gray, den Präsidenten zu ermorden. Als Gray mit seiner Medaille aus dem Weißen Haus gefahren wird, zeigt er Stone den Stinkefinger, denn Stone hält ein Schild hoch, auf dem steht: „Ich will die Wahrheit wissen.“
Von Stone unbemerkt folgt Harry Finn dem Wagen von Gray zu dessen Wohnsitz an der Chesapeake Bucht. Er hat den Auftrag, Gray umzulegen. Nur zwei Wachen beschützen das Zielobjekt. Finn ist ein ehemaliger Spezialkämpfer der Marine, ein Navy SEAL. Er hat bereits einen Plan, wie der Mord gelingen kann. Denn unerkannt arbeitet er beim Heimatschutz.
Stone rät Anne Conroy dringend, nicht unterzutauchen, sondern in Washington zu bleiben und herauszufinden, was Beggar überhaupt weiß. Sie ist einverstanden, und Stone ruft den Club zusammen. Sie finden heraus, dass der Fall Beggar vom Justizministerium, also vom FBI, untersucht wird. Unterdessen folgt Stone einer Einladung Grays. Gray zeigt ihm Fotos dreier ehemaliger Kollegen Stones beim Secret Service: Sie wurden alle in den letzten zwei Monaten ermordet. Von wem und weshalb? Und Stone, der ehemalige Mr. John Carr, steht bestimmt ebenfalls auf der Liste des Killers. Am nächsten Tag wird Grays Haus in die Luft gejagt. Kein Wunder, dass das FBI ihn dringend sprechen will.
Stone hat damit kein Problem: Er besitzt zwar keine Ausweispapiere, aber dafür eine Belobigung vom FBI-Chef selbst. Grays Haus ist ein Trümmerfeld. Grays Leiche ist nicht eindeutig zu identifizieren. Es gibt verwirrende Berichte von Überlebenden, doch als Stone ein Druckventil findet, reimt er sich zusammen, dass der Täter im Haus Gas ausströmen ließ und es dann mit einem Schuss zur Explosion brachte. Dieser Schuss muss von einer Steilwand über der Brandung gekommen sein. Der Mörder ist ein verdammt guter Kletterer.
Aus alten Unterlagen, die er in einem Grab auf seinem Friedhof deponiert hat, fischt Stone ein altes Foto aus seiner Zeit beim CIA in Vietnam. Dort erledigte er mit drei Kollegen die Drecksarbeit für Gray und Roger Simpson, einen jetzigen Senator mit Ambitionen auf den Präsidentensessel. Haben diese beiden vielleicht ein Unrecht begangen, das gesühnt und nun auch ihren Untergebenen in die Schuhe geschoben werden soll?
Stone ruft Anne Conroy an. Sie ist in ihrer Heimatstadt in Maine, in Kennebunk. Dort fing alles an, was dann zu ihrer Vergeltung an Beggar führte. Beggar tötete ihre Mom, will Annes Vater ihm 10.000 Dollar geraubt hatte. Während er zu ihr fährt, erkundigen sich drei seiner Freunde vom Club in Atlantic City nach Jerry Beggar. Sie erfahren, dass er nach Washington geflogen ist. Caleb Shaw, ein weiteres Clubmitglied erhält in einer Bibliothek Beggars Besuch. Beggar bietet ihm viel Geld an, um an Annabelle Conroy heranzukommen, die mit Calebs Vorgänger liiert war. Caleb ruft aufgeregt Stone an, der in Maine ist. Dieser warnt Reuben in Atlantic City sowie Annabelle in Maine, die ihm falsche Papiere verschafft.
Es sieht ganz so aus, als müsste Stone nicht nur gegen den unbekannten Killer kämpfen, sondern auch sehr bald schon gegen den skrupellosen Jerry Beggar. Doch auch Carter Gray weilt keineswegs unter den Toten, sondern bereitet Stone schon bald ein unangenehmes Wiedersehen …
_Mein Eindruck_
Im typischen Baldacci-Stil springt die Erzählung von Szene zu Szene und wechselt dabei stets Schauplatz und Figuren. Schon bald hat der Hörer Mühe, den drei – oder waren’s vier? – Erzählsträngen zu folgen. Da ist zum einen Oliver Stone, dann Annabelle Conroy und ihr wiedergefundener Vater, die noch ein Hühnchen mit Jerry Beggar zu rupfen haben.
Schließlich taucht aus der Vergangenheit ein gewisser Harry Finn auf, der die ehemaligen Kollegen Stones bei der CIA eliminiert. Aber warum und in wessen Auftrag, fragen sich Stone und Carter Gray. Wie sich herausstellt, steckt Lesya, eine ehemalige russische Spionin, dahinter, die von Harry Finns Vater Ray Solomon für die CIA rekrutiert wurde. Doch zu welchem Zweck? Harry Finn ist hinter Stone alias John Carr her, weil dieser von Gray und Roger Simpson seinerzeit den Befehl erhielt, Solomon zu eliminieren. Solomon war ein unerwünschter Zeuge für eben jenen supergeheimen Zweck, den der US-Präsident nicht autorisiert hatte: die Ermordung der beiden sowjetischen Ministerpräsidenten Adropow und Tschernenko, denen 1986 Gorbatschow folgte.
Selbstverständlich darf nichts davon auch nur mit einem Sterbenswörtchen an die Öffentlichkeit gelangen, sondern wird der dritte Weltkrieg entfacht, suggeriert der Autor mehrfach. Also wächst bei allen Beteiligten der Druck, besonders bei Gray, Simpson und Stone. Indem sich jedoch Stone einfach an Finns Fersen heftet und ihm über die grüne Grenze nach Kanada folgt, stößt er auf Lesya und Geheimdokumente, die Grays und Simpsons Schuld am Anti-Andropow-Komplott beweisen. Brisanter Stoff! Lesya will Solomons Rehabilitation, Stone will Grays und Simpsons Ende.
Doch als sie in Washington eintreffen, ist dort die Lage bereits zu ihren Ungunsten gedreht worden – Gray ist auf alles vorbereitet. Deshalb kommt es direkt vor dem Capitol und dessen neuem Besucherzentrum zu einem explosiven Showdown, der sich gewaschen hat. Auch das Nachspiel bleibt spannend bis zur letzten Szene. Also: dranbleiben!
Man sieht also, dass der Autor nicht nur die Drecksarbeit der Spezialkommandos in Vietnam aufgearbeitet hat, sondern auch noch eine Erklärung für den vorzeitigen Tod der beiden Ministerpräsidenten Andropow und Tschernenko serviert. Sollen wir diesem Braten wirklich trauen? Lieber nicht, sonst könnte ja der dritte Weltkrieg ausbrechen.
Wem dieses ganze Geflecht von Querverbindungen und laufendem Szenenwechsel zu kompliziert ist, weil er lieber MTV schaut, der soll sich doch einfach das Buch zulegen. Da hat er dann Gelegenheit, jederzeit wieder zurückzublättern.
_Die Übersetzung_
… durch Uwe Anton, einen früheren Übersetzer von Comictexten – lang ists her – ist kompetent gelungen. Allerdings hatte ich am Anfang Schwierigkeiten, alle Abkürzungen zuzuordnen. Dass es sich beim NIC um das Heimatschutzministerium (das eigentlich DHS abgekürzt wird) handeln muss, begriff ich erst allmählich.
Anton hat einen erschreckend schweren Fehler schon in den ersten Kapiteln eingebaut. Da ist die Rede von einer „Foltermethode Surfbrett“. Das ergibt natürlich keinen Sinn. Gemeint sein dürfte wohl der allseits berüchtigte Begriff „Waterboarding“, der garantiert nichts mit Surfen zu tun hat, sondern mit dem simulierten Ersäufen eines Opfers. Mir ist schleierhaft, wie dieser Fehler in den Text geraten konnte.
_Unterm Strich_
In seiner üblichen Technik des spannenden Erzählens verknüpft Baldacci mehrere Handlungsstränge, um sowohl finstere Machenschaften aufzudecken als auch um ein altes Familiengeheimnis aufzudecken und zu sühnen. Dass dabei bestimmte Figuren auf der Strecke bleiben, andere aber überleben, versteht sich von selbst – mehr darf nicht verraten werden.
Seit „Der Abgrund“ hat Baldacci immer mehr Actionthriller geschrieben und mit den Romanen um den Camel Club (ab „Die Wächter“) verlegt er die Handlung regelmäßig in das Machtzentrum des Weißen Hauses. Damit macht er den amerikanischen Thrillern um Jason Bourne (Lustbader) und Alex Cross (Patterson) heftig Konkurrenz.
Baldacci schreckt nicht davor zurück, die Tode der beiden russischen Ministerpräsidenten Andropow und Tschernenko, die den Aufstieg Gorbatschows ermöglichten, der CIA unterzuschieben. Natürlich wusste der Präsident nichts davon! Aber klar doch. Und der Präsident genehmigte auch nie Foltermethoden wie Waterboarding (das hier fälschlich als „Surfbrett-Methode“ übersetzt wird). Schon klar.
Merkwürdig, dass sich zwischen Stone und Annabelle Conroy kein Techtelmechtel entwickelt. Aber er ist wohl „einfach zu alt für diesen Scheiß“, hat er doch schon in Vietnam gedient. Jedenfalls hat er nicht seine Kampffähigkeiten verloren. Der Leser ist gut beraten, Action bis zum Schluss zu erwarten.
|Taschenbuch: 480 Seiten
Originaltitel: Stone Cold (2007)
Aus dem US-Englischen von Uwe Anton
ISBN-13: 978-3404160808|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de
_David Baldacci bei |Buchwurm.info|:_
[„Mit jedem Schlag der Stunde“ 2400
[„Im Bruchteil der Sekunde“ 836
[„Das Geschenk“ 815
[„Der Abgrund“ 414
[„Die Verschwörung“ 396
[„Das Versprechen“ 361
[„Die Versuchung“ 676
[„Im Takt des Todes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5677
[„Im Takt des Todes“ (Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5880
[„Die Sammler“ (Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7058
W. R. Burnett – Little Caesar

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