Archiv der Kategorie: Thriller & Krimis

Castillo, Linda – Zahlen der Toten, Die

_Man nennt sie_ die „Amische“ oder „Amish People“, eine Glaubensgemeinschaft, die sich darauf beschränkt, ihr Leben Gott zu widmen. Die Amish People entsagen jeglichem Luxus und jeder Art von technischem Fortschritt. Keine Elektrizität, keine sanitären Anlagen, die für uns zur Normalität gehören und die wir im Grunde nicht zu schätzen wissen. Ihre Religion bezieht sich auf eine disziplinierte Strenge, die sie sich selbst auferlegt hat. Doch auch unter den konservativen Amish People gibt es liberale Gruppen, die sich anpassen, sich aber selbst auch disziplinieren müssen, um ihre Religion und damit sich selbst treu zu bleiben.

In den USA und im kanadischen Ontario leben die Amish in 26 Staaten, ihre familiären Rollen sind stringent, jeglicher Kontakt zur Außenwelt wird strikt gemieden, sofern er sich vermeiden lässt. Überwiegend stammen die Amish von Süd-Westdeutschen und Schweizerdeutschen ab, ihre Sprache ist das tradierte „Pennsylvannia Deutsch“.

Linda Castilo hat mit ihrem Debütroman „Die Zahlen der Toten“ einen Thriller geschrieben, in dem die kleine, pazifistische Glaubensgemeinschaft der Amish erschüttert wird.

_Inhalt_

In Painters Mill, einer kleinen ländlichen Kleinstadt in Ohio, gab es vor 16 Jahren eine brutale Serie von Morden. Auch die jetzige Polizeichefin Kate Burkholder, eine ehemalige Amish, wurde das Opfer des Killers, der sie vergewaltigte und fast tötete. Ihre Kindheit endete mit 14 Jahren, und wenig später, als junge Erwachsene, entschloss sie sich dafür, nicht als vollwertiges Mitglied der Glaubensgemeinschaft beizutreten. Sie brach mit der Tradition, wurde so zur einer „Gebannten“ und verließ ihre Familie, um ihren eigenen Weg zu finden.

Doch als eine verstümmelte Leiche einer Frau auf dem Feld eines Amish-Bauern gefunden wird, die offensichtlich gefoltert und vergewaltigt worden ist, fühlt sich Kate in die Vergangenheit katapultiert. Als noch auf der Leiche der jungen Frau römische Zahlen entdeckt werden, die jemand ihr bei vollem Bewusstsein auf den Bauch geschnitten hat, werden die Alpträume zur erbarmungslosen Realität für die kleine Gemeinde.

Kates Geheimnis, die Wahrheit um den Serienmörder von vor 16 Jahren, trägt sie zusammen mit ihrem Bruder und ihrer Schwester, die Amish sind. Keine weitere Menschenseele weiß von den damaligen Vorgängen, und Kate ist sehr daran gelegen, dass dies auch genau so bleibt. Kann es trotzdem sein, dass der „Schlächter“ noch lebt und weiterhin mordet? Kate Burkholder ermittelt mit ihren Kollegen auf eigene Faust. Die Ermittlungen werden dadurch ein wenig verschleppt, denn eigentlich hätte sie sich direkt um Unterstützung an das FBI/BCI wenden sollen.

Kates Ängste – und dadurch wird sie selbst in den Fall involviert – lassen die junge Beamtin Fehler machen. Als der Täter erneut zuschlägt und diesmal noch bestialischer seine Foltermale an der jungen Frau hinterlässt, eskaliert die Situation. Kate bekommt Unterstützung durch einen Detective des BCI – John Tomasetti, dessen Karriere sich dahingehend entwickelt, dass er aufgrund von Fehlverhalten mit diesem Fall aufs Abstellgleis geschoben werden soll. Kate misstraut ihrem neuen Kollegen und schließt ihn aus den Ermittlungen aus, zu groß sind ihre Ängste, und als die Tochter eines promienten Politikers aus Painters Hill das nächste Opfer des „Schlächters“ wird, bleibt den Vorgesetzten nichts anderes mehr übrig, als Kate aus dem Polizeidienst zu entlassen. Ist Kate nun gezwungen, sich ihrer Vergangenheit zu stellen, um weitere Morde verhindern zu können?

_Kritik_

Linda Castillos Debütroman „Die Zahlen der Toten“ ist ein überaus kompetenter Thriller, der nicht nur durch die ansteigende Spannung zu überzeugen weiß. Auch wenn ein Thriller eben nicht mehr oder weniger als ein Thriller ist, so ist die Handlung zwar nach bekanntem Muster gestrickt, aber sie wirkt in keinem Augenblick wie ein billiges Plagiat oder eine lediglich kurzweilige Geschichte, die man irgendwo so ähnlich schon mal gelesen hat.

Die Autorin spart nicht an grausamen Details, bei denen sich das Grauen spürbar entwickelt. Bereits im Prolog wird der erste Mord aus der Sicht des Opfers beschrieben, und damit entwickelt sich der Spannungsaufbau wie verlangt. Doch Vorsicht, die Autorin beschreibt hier nur den ersten Auftritt des Täters. Bei weiteren Funden der späteren Leichen und der methodischen und übergenauen Beschreibung der Wunden und Folterungen geht es morbide zu. Besonders dann, wenn sich der Pathologe mit Kate unterhält, die erwartungsgemäß mehr darüber erfahren möchte, ob die „Handschrift“ des Täters die gleiche Visitenkarte ist wie vor 16 Jahren.

Kates Panik und Ängste beschreibt Linda Castillo großartig, denn mit steigender Intensität gehen hier auch die Hilflosigkeit und, ja, auch die Fehler den gleichen verhängnisvollen Weg. Die Panik der jungen Beamtin wird drastisch und empfindlich für den Leser fassbar. Nach und nach erfährt der Leser mehr über die Vergangenheit der jungen Frau, ihr früheres Leben als Amish, das nach einer glücklichen und behüteten Kindheit so abrupt mit einem Gewaltverbrechen endete. Sympathisch konzipiert ist die Figur der Kate Burkholder allemal, wenn auch nicht immer nachvollziehbar.

Als ihr durch John Tomasetti Unterstützung an die Seite gestellt wird, empfindet sie erst mal nichts anders als den Verlust ihrer Autorität und ihrer Kompetenz als Polizistin. Zugleich wird ihr dennoch nicht klar, dass sie diesen Fall nicht als Einzelkämpferin bewältigen kann, nicht mit der Last von Schuld und Sühne, die sie sich selbst auferlegt hat.

Auch Tomsetti, dessen Charakter sich erst spät entwickelt, ist relativ gut beschrieben, wenngleich die Autorin hier nichts Überraschendes oder Abwechslungsreiches zu erzählen hat. Als „starker“ Mann wird er seine Rolle hier perfekt ausspielen können. Dass sich die obligatorische Lovestory anbahnt, ist leider ein so logisches Klischee, dass man das gerne in Kauf nimmt.

Die vielen anderen Protagonisten sind nichts anderes als Nebenfiguren, deren Auftritte kurz und prägnant gehalten sind. Dreh- und Angelpunkt ist und bleibt die Perspektive von Kate Burkholder.

Die Autorin Linda Castillo entwickelt in „Die Zahlen der Toten“ eine Spannung, die nur zu loben ist, auch wenn sich diese meistens durch die Grausamkeit des „Schlächters“ zeigt. Kate ist immer wieder einen Tick zu spät dran, und der Täter genießt offenbar den Tanz auf Messers Schneide.

In diesem Roman werden die Amish immer wieder thematisiert und als Gegenpol zum Schlächter dargestellt. Ihr Pazifismus, ihr Streben nach Einfachheit und ihre selbst gewählte Ausgrenzung sind nicht fiktional. Linda Castillo hat sehr gut recherchiert, jedenfalls so gut, dass der Leser mehr über diese für sie merkwürdige Gemeinschaft wissen möchte, deren Angehörige noch nicht das Zeitalter der Industrialisierung erreicht haben. Spannend und auch aufschlussreich sind durchaus die Beschreibungen durch die Autorin.

_Fazit_

„Die Zahlen der Toten“ ist eine echte Überraschung. Ein sehr respektabler Thriller, der überzeugt; nicht nur durch die Figur der sehr realistischen, manchmal überheblichen Kate Burkholder wird der Leser auch sehr schnell durch die Spannung eingenommen.

In jedem Fall ist „Die Zahlen der Toten“ nichts für schwache Nerven. Die Schilderung der Foltermethoden, die Ängste der Opfer und die von Panik aufgewühlte Kate werden den Lesern nicht aufatmen lassen können.

Auch wenn das Debüt mich im Grunde schon völlig überzeugt hat, das Potenzial von Linda Castillo ist noch nicht erschöpft. In ihrem nächsten Roman „Blutige Stille“, der im Juni 2011 erscheinen wird, haben wir erneut die Gelegenheit, Kate Burkholder beim Ermitteln über die Schulter zu schauen.

„Die Zahlen der Toten“ von Linda Castillo ist ein beinharter Thriller, der beweist, dass Frauen durchaus gute Lesekost für starke Nerven schreiben können und ihrer grausamen Fantasie scheinbar keine Grenzen gesetzt sind. Lesen Sie diesen Thriller in der Nacht, bei Kerzenschein, Sie werden sich wundern, wie laut die Stille der Nacht sein kann.

Für mich eine ganz klare Leseempfehlung, und ich freue mich schon auf den zweiten Teil.

_Autorin_

Linda Castillo, geboren 1960 in Dayton, Ohio, hat als Finanzmanagerin gearbeitet, bevor sie mit dem Schreiben begann. Sie hat bereits über zwanzig Liebesromane veröffentlicht, die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden. „Die Zahlen der Toten“ ist ihr erster Thriller und der erste Roman, der ins Deutsche übersetzt wurde. Sie lebt mit ihrem Ehemann, vier Hunden und einem Pferd auf einer Ranch in Texas. (Verlagsinfo)

|Broschiert: 430 Seiten
ISBN-13: 978-3596184408
Originaltitel: Sworn to Silence|
Unter [dieser Adresse]http://www.fischerverlage.de/sixcms/media.php/308/LP__978-3-596-18440-8__kurz.pdf bietet der Verlag eine Leseprobe an.
[www.fischerverlage.de]http://www.fischerverlage.de

Richard Stark – Irgendwann gibt jeder auf [Parker 19]

Berufsräuber Parker verfolgt drei Komplizen, die ihn nach einem Überfall um seinen Anteil betrogen haben, und gerät dabei in einen Gangsterkrieg, ohne sich von seiner Rache ablenken zu lassen … – Innerhalb der ohnehin moralfreien „Parker“-Serie weist dieser 19. Band eine bemerkenswerte Dosis beiläufiger Gewalt sowie einen hohen Bodycount auf; fatale Zufälle, eine wendungsreiche Handlung und die völlige Abwesenheit jeder „Crime-doesn’t-pay“-Botschaft zeigen einen Richard Stark in Bestform. Richard Stark – Irgendwann gibt jeder auf [Parker 19] weiterlesen

Jonathan Stagge – Barmherziger Tod

stagge-barmherziger-tod-cover-1961-kleinEin etwas naiver Landarzt gerät in den Verdacht, unheilbar kranke Patienten zu ‚erlösen‘, was ihn zum idealen Sündenbock in einem Mordkomplott stempelt … – Spannender US-„Whodunit“ von 1937, dessen Verfasser weder an verdächtigen Figuren noch rätselhaften Vorfällen spart; sympathische Hauptfiguren und sachter Humor komplettieren das angenehm altmodische Lesevergnügen.
Jonathan Stagge – Barmherziger Tod weiterlesen

Schüller, Martin – TATORT: A gmahde Wiesn

Den TATORT kennt heute selbst jedes Kind. Kaum ein Format kann auf eine längere und erfolgreichere Geschichte im deutschen Fernsehen zurückblicken als die legendäre Krimiserie der ARD. 2010 feierte man Vierzigjähriges. Die beliebtesten Kommissare bzw. Ermittlungsteams gehen seit einiger Zeit auch in Buchform auf Verbrecherjagd. Als Vorlage dienen bereits im TV ausgestrahlte Fälle. Die jeweils meist um die 160 Seiten starken Bücher erscheinen seit Ende September 2009 als Broschur bei |Emons| und kosten 8,95 Euro pro Band. Mit der zweiten Veröffentlichungswelle wurde das äußere Erscheinungsbild etwas angepasst. „A gmahde Wiesn“ gehört noch zur ersten Tranche und ist – wie der mundartliche Titel unschwer erkennen lässt – das Stichwort für das beliebte Münchener Trio Leitmayr, Batic und Menzinger.

_Zur Story_

Es ist Wiesn-Zeit in München, das heißt die heiße Phase der Vergabe hat begonnen. Da die Plätze auf der berühmten Theresienwiese begrenzt sind, trifft die Stadt nach einem mehr oder weniger ausgeklügelten Punktesystem die Entscheidung, welcher Wirt und welcher Schausteller – ob überhaupt und in welchem Umfang – eine der begehrten Lizenzen ergattert. Der Konkurrenzdruck, auf dem „größten Volksfest der Welt“ zugegen zu sein, ist hoch. Für manch ansässige Gewerbetreibende ist die Wiesn nicht nur die umsatzstärkste Zeit des Jahres, sondern es geht teilweise sogar um die blanke Existenz, wenn für sie diese lukrative Einnahmequelle wegfallen oder auch nur reduziert werden würde. Fast schon traditionell haben sich Wirte und Schausteller gegenseitig im Visier, gegenüber der anderen Gruppe benachteiligt zu sein.

Das schafft selbstverständlich Nährboden für Gerüchte um angebliche Mauscheleien, versuchte Bestechung und Gefälligkeiten unter Spezis. Vor diesem Hintergrund ist der recht Aufsehen erregende Tod des für die Vergabe maßgeblich verantwortlichen Stadtrates Serner natürlich besonders pikant: Verprügelt, angeschossen und schließlich im Gartenteich seiner Prunkvilla ertrunken. In dieser Reihenfolge. Da es für München um Millionenumsätze geht und man negative Publicity logischerweise fürchtet, werden den Kommissaren Franz Leitmayr, Ivo Batic und Carlo Menzinger von ganz oben Fingerspitzengefühl, absolute Diskretion und rascher Erfolg abverlangt. Damit sieht es aber eher mau aus, denn Ivo verguckt sich ausgerechnet in eine offensichtlich nicht ganz unbeteiligte Zeugin und wird beim intimen Techtelmechtel angeschossen.

_Eindrücke_

Der Titel ist Programm und wie nicht anders zu erwarten durchaus mehrdeutig zu verstehen. „A gmahde Wiesn“ heißt ins Hochdeutsche übersetzt: „Eine gemähte Wiese“. Es bezeichnet aber auch eine bayuwarische Redensart, worunter „eine todsichere/abgemachte Sache“ zu verstehen ist. Und dass die „Wiesn“ letztendlich auch den nun noch fälligen Bezug zum berühmten Oktoberfest herstellt, dürfte ebenfalls klar sein. Überhaupt strotzt der Roman vor Lokalkolorit, welches mit einer feinen Prise Humor und teilweise auch in Mundart serviert wird. Martin Schüller, der sonst eher die nordrheinwestfälischen Kommissare (Thiel/Boerne sowie Ballauf/Schenk) literarisch „betreut“, scheint sich im vermeintlichen Sumpf der Münchener Vetternwirtschaft und in der Gedankenwelt des ermittelnden Trios höchst wohl zu fühlen.

Die manchmal etwas schrulligen Münchener Hauptkommissare (in diesem Fall noch drei, Carlo – im TV dargestellt durch Michael Fitz – verlässt die Serie später) sind im Bewusstsein des Zuschauers stark durch die Schauspieler Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec verankert. Das drückt dem Fall auch in der Romanform seinen Stempel vor dem geistigen Auge auf – jedenfalls wenn man zu den halbwegs kundigen Tatort-Zuschauern gehört. Allerdings gehört die Fernsehfassung zwar zu den sehenswerten Episoden, die man unter dem Prädikat „ganz nett aber durchschnittlich“ einsortieren mag, die Buchfassung toppt sie jedoch problemlos. Das ist eigentlich eher selten, da die Geschichte schließlich fürs TV konzipiert wurde. Dennoch erscheint die Adaption von Friedrich Anis Drehbuch irgendwie runder und flotter als die Vorlage.

_Fazit_

Um im Bild zu bleiben: Eine klare Sache. Die Umsetzung des Stoffes in einen Roman hat der ansonsten absolut identischen Story sehr gut getan und die Essenz sowie Ambiente des Münchener TATORTs exakt getroffen. Der Stil ist fluffig, hat Spannung, Witz, recht authentische Charaktere und gewährt zudem ziemlich glaubhafte Einblicke in die Persönlichkeiten der (Haupt-)Figuren. Das macht die ohnehin charmanten Kommissare noch eine Spur sympathischer und verschafft dem Buch einen deutlichen Vorteil im Vergleich zur Fernsehfassung. Es liest sich auch an den Stellen noch flüssig, an denen die TV-Version ein wenig durchhängt.

|ISBN: 978-3-89705-664-0
160 Seiten, Broschur|
http://www.emons-verlag.de

_Tatort beim Buchwurm:_
[Blinder Glaube]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5914
[Strahlende Zukunft]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5956
[Todesstrafe]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6346
[Aus der Traum]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6547
[Tempelräuber]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6549
[Die Blume des Bösen]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6803

Schüller, Martin – TATORT: Die Blume des Bösen

Den TATORT kennt heute selbst jedes Kind. Kaum ein Format kann auf eine längere und erfolgreichere Geschichte im deutschen Fernsehen zurückblicken als die legendäre Krimiserie der ARD. Nun zündete man eine weitere Stufe der Vermarktung. Die beliebtesten Kommissare bzw. Ermittlungsteams gehen nun auch in Buchform auf Verbrecherjagd. Als Vorlage dienen – derzeit zumindest – bereits im TV ausgestrahlte Fälle der Mordkommissionen aus Köln, Saarbrücken, Berlin und München. Die jeweils 160 Seiten starken Bücher erscheinen seit Ende September 2009 als Broschur bei |Emons| und kosten 8,95 Euro pro Band. „Die Blume des Bösen“ spielt in Köln, wo das langjährige Kripo-Dreamteam Ballauf/Schenk ermittelt.

_Zur Story_

Jemand hat seine Hausaufgaben gemacht – und zwar sehr gründlich. Er kennt scheinbar jedes noch so kleine Detail aus dem Leben des Hauptkommissars Max Ballauf. Er sammelt jeden Informationsschnipsel und verfolgt alles, was über den Dienststellenleiter der Kölner Mordkommission durch die Presse geht. Dass er dabei nichts Gutes im Schilde führt, dürfte klar sein. Der derart Observierte ahnt nichts von dem teuflischen Spielchen, welches sein bis dato unbekannter Gegenspieler mit ihm vorhat, als er zusammen mit seinem Kollegen Freddy Schenk zum Kölner Güterbahnhof gerufen wird: Fund einer Frauenleiche in einem Frachtwaggon.

Kein Routinefall – Ballauf kennt das Opfer. Eine Kurzbeziehung, die er vor Jahren einmal hatte. Offensichtlich hat der Täter den Tatort bzw. die Auffindesituation regelrecht inszeniert. Doch ob und was er damit sagen will, bleibt zunächst im Dunkeln. Der Doc stellt bei der Obduktion lediglich ein hochwirksames, synthetisches Spezialgift als Todesursache fest. Eine Substanz, welche so ohne Weiteres nirgendwo erhältlich ist. Ein erster Anhaltspunkt also. Der Täter bleibt derweil nicht inaktiv und beginnt mit präparierten Postsendungen und Drohanrufen, Ballauf aus der Reserve zu locken. Er droht, entführt, fordert Geld und verteilt Rätselaufgaben, die weitere Verbrechen verhindern sollen. Einmal hetzt er ihn sogar zu Fuß quer durch Köln – für Nichts.

Der Schlüssel muss irgendwo in Ballaufs Vergangenheit liegen, doch das Denken fällt ihm derzeit besonders schwer. Es plagen ihn grausame Zahnschmerzen und die Sorge um seine Lieblingscousine Beatrice, welche mit Krebsverdacht zur Untersuchung für einige Tage ins Klinikum bestellt wird. Max macht inzwischen den House- und Babysitter bei ihr und wälzt, während er zwischen Kinderbetreuung, geplatzten Zahnarztterminen und Büro schwankt, teils uralte Akten durch, um heraus zu finden, wem er wann auf die Füße getreten sein mag, sodass er diesen perfiden Rachefeldzug verdient haben könnte. Sein Peiniger schreckt ja nicht einmal davor zurück, Beatrices kleine Tochter trotz Polizeischutzes vom Kindergarten abzufangen.

_Eindrücke_

Schon im Prolog wird deutlich, wie der Hase läuft und der Täter ungefähr gestrickt ist – lediglich die Person und sein Motiv bleiben im Verborgenen. Damit ist der Leser den Protagonisten bereits einen guten Schritt voraus, als das Ermittlerduo Ballauf/Schenk am ersten Tatort eintrifft. In der TV-Episode fällt die gefühlte Spanne etwas kürzer aus, bis bei den beiden der Groschen fällt, dass es sich um einen persönlichen Rachefeldzug handelt. In der Romanadaption kann es Martin Schüller etwas spannender gestalten und den Leser damit geschickter hinhalten, als das beim Drehbuch von Thomas Stiller der Fall ist. Dort steht das Katz-und Mausspiel etwas mehr im Vordergrund und wirkt auch durch audiovisuelle Darstellungsmöglichkeiten actionreicher. Der Bezug zum gleichnamigen Werk von Claude Chabrol kommt übrigens nicht von Ungefähr.

Fernsehfolge und Roman haben – obwohl von Inhalt und Handlungsabfolge her vollkommen identisch – einen leicht unterschiedlichen Grundtenor. Die Buchfassung erscheint allerdings subjektiv insgesamt einen Tick düsterer sowie der Spannungsbogen kontinuierlicher. Dabei ist es schwer zu sagen, welche Variante nun die Bessere ist. Beides hat was und es unterliegt somit sehr stark dem persönlichen Geschmack des Konsumenten, welche Fassung er bevorzugt. Fans der Kölner Mordkommission werden „ihre“ Figuren auf jeden Fall wieder erkennen, wobei die gegenüber Unbedarften schwer im Vorteil sind, da diese die Charaktere bereits fix und fertig im Kopf bzw. vor Augen haben. Ausführliche Personenbeschreibungen fehlen nämlich.

Überhaupt ist das immer der schwierigste Teil einer Adaption: Die richtige Atmosphäre zu treffen. Gerade wenn es sich um solch kultige – insbesondere Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär sei Dank – (Tatort-)Figuren handelt, besteht stets die Gefahr sich irgendwie im Ton zu vergreifen, zu verzetteln oder Dinge herein zu interpretieren, welche mit den TV-Vorbildern kollidieren. Zu unterschiedlich sind die zur Verfügung stehenden stilistischen Mittel der beiden Medien. Martin Schüller, seines Zeichens ebenfalls Buchautor für die bisherigen literarischen Umsetzungen der Tatorte mit Thiel/Boerne (Münster), Batic/Leitmayr (München) und Schimanski/Thanner (Duisburg), lässt hier aber nichts anbrennen und meistert diese Aufgabe ausgesprochen elegant und bis zum Schluss rasant und spannend – sofern man die Fernsehfassung nicht kennt, natürlich.

_Fazit_

Der Fall an sich ist einer der Besseren, obwohl das alte Rache-am-ahnungslosen-Bullen-Thema so neu eben nun doch nicht ist. Das Buch hat die Nase stellenweise vorn, da es das Kopfkino auf ganz andere Art anspricht. Das erfordert naturgegeben eine andere Taktik und Erzählstruktur, als das, was auf dem Bildschirm möglich ist. So ist hier das Tempo vielleicht geringfügig gemächlicher, dafür der Level konstanter und auch das Ambiente ein Stück weit bedrohlicher. Also TV oder Roman? Bei „Blume des Bösen“ eine schwierige Frage. Die gerechteste Antwort wäre sicherlich: Beides.

|Begleitbuch zur gleichnamigen ARD-Serie „Tatort“
Nach einem Drehbuch von Thomas Stiller
ISBN: 978-3-89705-658-9
160 Seiten, Broschur|
http://www.emons-verlag.de

_Tatort beim Buchwurm:_
[Blinder Glaube]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5914
[Strahlende Zukunft]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5956
[Todesstrafe]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6346
[Aus der Traum]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6547
[Tempelräuber]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6549

Fasquelle, Solange – Trio Infernal

_Das geschieht:_

Sie haben sich nicht gesucht, doch wahre Schurken finden sich manchmal selbst: Philomena Schmidt und ihre Schwester Kathrin verschlägt es nach dem Ersten Weltkrieg aus Bayern ins südfranzösische Marseille. Von ehrlicher oder gar harter Arbeit halten sie wenig, was den moralfreien Rechtsbeistand Georges Sarret aufhorchen lässt. Den ehrgeizigen aber im sozialen Abseits stehenden Mann drängt es in die Politik. Dieser Aufstieg ist jedoch teuer, denn seine Verbündeten muss Sarret sich kaufen. Das notwendige Geld verschafft er sich durch Veruntreuungen und Versicherungsbetrug. Geschick und ein guter Leumund haben ihn nie in Verdacht geraten lassen.

Die Schmidt-Schwestern sind bald nicht nur beide seine Geliebten, sondern auch willige Komplizen. Sowohl Philomena als auch Kathrin heiraten beide deutlich ältere und gut versicherte Männer, die wenig später das Zeitliche segnen. Als der Ex-Priester Chambon, ein weiterer Helfershelfer, Sarret zu erpressen beginnt, ist sein Todesurteil gesprochen. Mit Hilfe der Schwestern lockt der Anwalt nicht nur Chambon, sondern auch dessen Lebensgefährtin in eine angemietete, vorteilhaft einsam gelegene Villa. Dort werden beide umgebracht, die Leichen mit Schwefelsäure aufgelöst und die Reste entsorgt. Anschließend macht Sarret den Besitz der Chambons zu Geld.

Da niemand ihnen auf die Schliche kam, werden weitere Verbrechen geplant. Doch die Schwestern und der Anwalt werden gierig und leichtsinnig. Außerdem bricht ein Streit um Beute-Anteile aus. Allerdings ist man einander nach zahlreichen Untaten auf Gedeih und Verderb verbunden. Das rächt sich, als nach Jahren die Polizei endlich misstrauisch wird. Die Mühlen der Justiz mahlen jedoch langsam, was dem infernalischen Trio die Möglichkeit gibt, noch einmal neue kriminelle Höhen zu erklimmen …

_Zu absurd, um nicht wahr zu sein_

Dies ist eine jener Geschichten, die so absurd ablaufen, dass sie einfach wahr sein MÜSSEN. Wie die Autorin in ihrer täuschend naiven Ausdrucksweise gleichsam nebenbei deutlich macht, ist dem freilich keineswegs so: Während man es heutzutage schnell entlarvt hätte, boten die zeitgenössischen Verhältnisse dem Treiben des infernalischen Trios einen idealen Nährboden. Freilich ist die menschliche Dummheit unsterblich. Geht man davon aus, dass Gier, moralfreie Skrupellosigkeit und nicht die Lust aber der Wille zum Mord zeitlose Phänomene sind, könnte unser Trio unter Berücksichtigung der veränderten Grundvoraussetzungen womöglich doch erfolgreich ‚arbeiten‘.

Fest steht, dass sich die von Solange Fasquelle geschilderten Ereignisse in den Jahren 1918 bis 1934 tatsächlich zugetragen haben. Die Autorin stützt sich auf Primär- und Sekundärquellen. Dennoch ist „Trio Infernal“ nur bedingt eine |True-Crime|-Story. Fasquelle berücksichtigt die Fakten, ohne sich von ihnen fesseln zu lassen. Für „Trio Infernal“ werden Sarret, die Schmidt-Schwestern und alle, die ihren Weg kreuzen, zu Romanfiguren. Fasquelle macht sich die meist nur unter Hervorhebung ihrer kriminellen Aktivitäten beschriebenen Personen zu Eigen. Sie vertieft ihre Charaktere, indem sie ihnen, die mit ihren überlieferten Original-Äußerungen vor allem ihre Köpfe retten wollten, Gedanken und Worte gibt: So könnte, so müsste es gewesen sein, als das Trio noch unter sich und mit zahlreichen Übeltaten beschäftigt war.

|Gerade die Kleinen wollen nach oben|

Die Gelegenheit war günstig: Nach dem Ersten Weltkrieg kamen lange verkrustete Systeme endgültig ins Rutschen. Nicht länger war die Herkunft für den Sozialstatus ausschlaggebend. Auch ’neues‘ Geld konnte jetzt den Aufstieg bringen. Wichtig war und blieb dabei die individuelle Einbettung in ein soziales Netz. Georges Sarret hätte die ersehnte Karriere gelingen können. Er stolperte nicht über seine politischen Ambitionen, sondern über seinen – im Doppelsinn – kriminellen Leichtsinn.

Solange Sarret seine Fassade als Bieder- und Ehrenmann aufrecht erhalten konnte, blieb er quasi sakrosankt. Fasquelle schildert vordergründig witzig, dabei aber auch gallig, wie die Polizei nicht das verdächtige Treiben Sarrets, sondern den Gedanken, einen prominenten Mann mit Mord und Leichenbeseitigung in Verbindung zu bringen, für ungehörig hält und verwirft. Als Sarret seinen Schwager umbringt und sich als Täter praktisch auf dem Silbertablett anbietet, greift erneut die Prämisse, dass nicht sein kann, was nicht sein darf: Das neue Establishment beansprucht alte Privilegien.

Im Gegensatz dazu sind die Bedürfnisse der Schmidt-Schwester menschlicher. Sie wollen die Armut und vor allem die Stufe der grauen, öden Dienstboten-Existenz hinter sich lassen. Was zunächst verständlich wirkt, wird von Fasquelle erneut ironisch relativiert: Sobald Philomene und Catherine gelungen ist, wonach sie strebten, verwandeln sie sich in Ebenbilder genau jener Gesellschaftsdamen, die sie zuvor verflucht hatten. Geblieben ist ihnen nur die Furcht vor dem Rücksturz ins Proletariat, den sie deshalb um wirklich jeden Preis verhindern wollen.

|Das vom Teufel getriebene Trio|

Großmannssucht und Angst: Diese beiden Pfeiler stützen das Fundament, auf dem das „Trio Infernal“ knapp zehn Jahre stabil ruht. Fasquelle schildert Sarret, Philomene und Catherine als grundsätzlich alltägliche Zeitgenossen, die höchstens rücksichtsloser und dabei ehrlicher als ihre Mitmenschen vorgehen. Fatal wird es, als diese drei Personen zueinanderfinden. Ein auch von Fasquelle nicht georteter Katalysator lässt aus kleinen Ganoven Kapitalverbrecher werden.

Sie haben sich wie gesagt nicht gesucht aber gefunden, und sie ergänzen einander mit fataler Präzision. Während die Verfilmung stark auf den erotischen Aspekt der Beziehung setzt, konzentriert sich Fasquelle auf die Geldgier als primär verbindenden Faktor. Damit dürfte die Verfasserin die nüchterne Wahrheit besser beschreiben als Drehbuchautor und Regisseur Francis Girod. Sie hält sich an die überlieferten Quellen, und womöglich wahrt sie auch eine Zurückhaltung, die Girod auf dem Weg zum forcierten Film-Skandal scheute und scheuen musste.

Vor allem im Mittelteil gelingt Fasquelle die Schilderung eines Trios, das durch die Ignoranz des geblendeten Establishments eigentlich plumpe Verbrechen begeht, deren Gelingen die drei Personen anstachelt, es immer weiter zu treiben, bis das Glück sie verlässt – und verlassen muss, da die letzten Verbrechen so dreist und unbekümmert inszeniert werden, dass die Entdeckung nicht nur unausweichlich wirkt, sondern tatsächlich ist.

|Abruptes Absturz mit bösem ‚Happy End’|

Die historische Realität, der Fasquelle sich verpflichtet fühlt, wirft ihr einen dramaturgischen Knüppel zwischen die Autorenbeine. Das Ende des Trios kommt zwar, weil es kommen musste, aber es erfolgt dennoch so abrupt, dass ein geschickter Autor es in die Länge ziehen würde. Im letzten Drittel lässt Fasquelle ohnehin die Sorgfalt vermissen, mit der sie bisher die Ereignisse mit Leben erfüllt hat.

Dabei erfasst sie sehr wohl die neuerliche Ironie, die dem Untergang des Trios innewohnt: Die Schmidt-Schwestern, die nach und nach zu bloßen Helfershelfern des immer unerschrockener betrügenden Sarret herabgesunken zu sein schienen, zeigen vor Gericht wesentlich mehr Geschick als ihr alter Meister. Sie nutzen das zeitgenössische Vorurteil, Frauen seien geistig so simpel gestrickt, dass sie leicht verleitet und beherrscht werden können, mit einer Meisterschaft, die genau dies drastisch widerlegt.

Als der Tag der Abrechnung schließlich gekommen ist, bleiben die Köpfe der cleveren Schmidt-Schwestern auf ihren Schultern, während der intelligente und gebildete, alle Register seiner juristischen Kunst ziehende Sarret das Nachsehen unter der Guillotine hat. Begünstigt auch durch ein Sozial- und Rechtssystem, das auf die intellektuelle Zweitklassigkeit der Frau bestand, um sich in selbstzufriedener Wahrung traditioneller Verhältnisse zu wiegen, an denen möglichst nicht gerüttelt werden sollte, trugen die beiden „schwachen Frauen“ den Sieg davon. Insofern bekommen Sarrets letzte überlieferte Worte eine Doppelbedeutung: |“Ich bin Opfer einer Ungerechtigkeit“|. Da hat er – Ironie in buchstäblich letzter Sekunde – durchaus Recht.

|“Trio Infernal“ – der Film|

1974 inszenierte der ehemalige Journalist und spätere Produzent und Drehbuchautor Francis Girod (1944-2006) mit „Trio Infernal“ sein Regiedebüt. Er raffte die sich über ein Jahrzehnt erstreckenden Ereignisse, wich im Finale von der Realität ab und lud seine Geschichte mit aus zeitgenössischer Sicht ‚perversem‘ Sex auf. Mit Michel Piccoli (Sarret), Romy Schneider (Philomene) und Mascha Gonska (Catherine) besetzte Girod die Hauptrollen mit Darstellern, die optisch deutlich attraktiver wirkten als ihre historischen Vorbilder.

Girod gelang ein inhaltlich wie formal überragender Film, der die Gesellschaftskritik der Romanvorlage deutlich überhöhte. Sicherheitshalber setzte der Regie-Neuling zusätzlich auf den Skandal. Die Beseitigung der Leichen nach dem Doppelmord wird bei ihm zur rabenschwarzen Komödie, die den Zuschauer zwischen Übelkeit und Gelächter schwanken lässt. Als sich Jahre später der Skandal-Effekt verflüchtigt hatte, wurde „Trio Infernal“ als Klassiker des (französischen) Films anerkannt.

_Autorin_

Solange Fasquelle wurde 1933 als Tochter der Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Edmée de La Rochefoucauld geboren. Dem Vorbild der Mutter folgend, wurde auch die Tochter Autorin. Sie schrieb 25 Bücher, darunter Historienromane, Sachbücher und 1971 den auf Tatsachen basierende Kriminalroman „Le trio infernal“, mit dem sie nicht nur auf literarischer Ebene Aufsehen erregte, als 1974 der gleichnamige Film durch die drastische Darstellung von Mord und Sex zu einem Skandal-Erfolg wurde.

|Hardcover: 192 Seiten
Originaltitel: Le Trio Infernal (Paris : Presses de la Cité 1971)
Übersetzung: Irène Kuhn u. Ralf Stamm
ISBN-13: 978-3-9403-5720-5|
[www.lilienfeld-verlag.de]http://www.lilienfeld-verlag.de

Parker, Robert B. – Night and Day (Jesse Stone 8)

_Römische Sitten in Paradise: Der Night Hawk geht um_

Ein Spanner macht Paradise unsicher, und Chief Jesse Stone bekommt von ihm sogar nette Briefe. Sie sind allerdings insofern beunruhigend, als der Spanner besessen von seiner Tätigkeit ist und ahnt, dass er bald etwas Schlimmes tun wird. Dann kommt die Meldung vom ersten Hausfriedensbruch, der bald drei weitere folgen. Stone ordnet an, den Swinger-Klub von Paradise mal genauer unter die Lupe zu nehmen …

Eine deutsche Übersetzung liegt noch nicht vor.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) _“Night and Day“_
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) [„Spare Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6852

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
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„Hugger Mugger“, „Small Vices“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Dieser Sommer fängt ganz harmlos an. Chief Jesse Stone wird in die Oberschule gerufen. Empörte Eltern der Schülerinnen verlangen von ihm aufgebracht, die Rektorin Betsy Ingersoll auf der Stelle zu verhaften. Diese ist allerdings nicht zu sprechen, hat sich eingesperrt. Was könnte nur passiert sein, fragt sich der Polizeichef. Blut ist jedenfalls keines zu sehen. Also ruft er die Eltern und ihre Töchter – es sind ja keine Jungs betroffen – in die Aula.

|Die Panty-Patrouille|

Erst hier stellt sich heraus, dass Betsy offenbar Sittenpolizei gespielt und alle 13-jährigen Mädchen in der Umkleide auf Höschen kontrolliert hat. Wer nur ein Bikini-Höschen anhatte oder gar – Gott bewahr! – einen String-Tanga, der wurde nach Hause geschickt. Da die Verletzung der Intimsphäre der Mädchen jedoch nach den Gesetzen des Bundesstaates Massachusetts kein strafbarer Tatbestand ist, kann Jesse niemanden verhaften und einbuchten. Ein Gespräch mit Betsy Ingersoll ist unergiebig, denn erstens ist der mächtige Anwalt des Staates ihr Mann und zweitens lässt er sie gar nicht zu Wort kommen. Sogar der Bezirksstaatsanwalt droht Jesse, die Finger von Betsy Ingersoll zu lassen. Er denkt gar nicht dran.

|Die Swinger|

Etwas weniger harmlos ist das, was ihm die 13-jährige Missy Clark erzählt, die auch in der Elternversammlung saß: Ihre Eltern gehörten einem Swinger-Klub in Paradise an und würden ihre Treffen auch mal im Hause der Clarks abhalten. Sie ekle sich vor der Orgie und ihren lüsternen Geräuschen immer, sagt Missy, und ihr achtjähriger Bruder mache völlig verstört ins Bett. Jesse verspricht Missy hoch und heilig, etwas für sie zu tun. Vielleicht holt er als Nächstes den Mond vom Himmel? Denn auch gegen das Swingen gibt es kein Gesetz.

|Der Night Hawk|

Das ist aber noch gar nichts gegen die Meldungen von aufgeregten Einwohnern, dass ein Spanner vor ihrem Schlafzimmerfenster aufgetaucht sei – mit einem Fernglas, ganz in Schwarz gekleidet, mit einer Kamera bewaffnet. Auch gegen Voyeurismus an sich gibt es keinen Paragraphen, weiß Jesse, aber wenigstens kann er eine kleine Patrouille aussenden – mit wenig Aussicht auf Erfolg.

In dem ersten Brief, den ihm der „Night Hawk“ (Nachtfalke) schickt, klingt der Bursche noch recht annehmbar und vernünftig. Er ist stolz auf seinen Taten und glaubt, dass ihn ein Dorfdepp wie Stone niemals fangen werde. Na, da sollte man aber nicht drauf wetten! Allerdings sind die nächsten Taten des Night Hawk weitaus rechtsrelevanter: Er begeht eindeutig Hausfriedensbruch, als er am hellichten Tag Häuser von Hausfrauen betritt und diese maskiert, mit vorgehaltener Waffe und gezückter Kamera zwingt, sich vor auszuziehen und fotografieren zu lassen.

Ein weiterer Brief des Spanners verrät Jesse, dass der Kerl auf der Suche nach dem „Geheimnis der Frauen“ sei. Wollen wir das nicht alle kennen, fragt sich Jesse – zumindest wir Männer. Seltsamerweise scheint die Obsession des Spanners durch keine noch so schöne Eroberung gestillt werden zu können. Brief: „Ich kann nicht aufhören, denn Mr. Obsession verlangt von mir, immer weiterzumachen und mehr Reiz herauszuholen.“ Die Serie reißt erst ab, als Gloria, die resolute Hausfrau, den Spanner kurzerhand erbost rauswirft. Wie wird der Peeping Tom auf diese Abfuhr reagieren, fragt sich Jesse besorgt. Wird er den Schritt zur Gewalt machen, um zu bekommen, was er braucht?

Jesse setzt seine Mitarbeiter Molly Crane und Suit Simpson auf die Swinger von Paradise an. Vielleicht gibt es einen Teilnehmer an deren Treffen, der einfach zusehen möchte? Das Ergebnis dieser Untersuchung ist eindeutiger als gedacht: Es gibt nur einen Namen als Verdächtigen. Jesse teilt seine kleine Truppe von gerade mal zwölf Leuten für eine Überwachung, die teils offen, teils verdeckt erfolgen soll. Wieso denn offen, fragen sich Molly und Suit. Tja, das bleibt Jesses Geheimnis.

Da kommt die Meldung, dass der Spanner eingebrochen sei und eine Frau gefesselt habe. Die Anzeige kommt ausgerechnet von Betsy Ingersoll. Beim Namen der Höschen-Kontrolleurin wird Jesse misstrauisch …

_Mein Eindruck_

Obsessionen sind bekanntlich verboten, solange sie nicht in Gewalt und die Verletzung von Persönlichkeitsrechten (Promi-Bilder abdrucken, ohne zu blechen – pfui!) ausarten. Deshalb sind Frauentausch, Voyeurismus und Höschenkontrollen auch keineswegs mit Paragraphen bewehrt, sondern lediglich „nicht gern gesehen“. Ist das wirklich so? Parkers Roman lediglich eine andere Beurteilung nahe. Vielleicht sind diese Dinge nämlich Symptome für das, was mit der westlichen Gesellschaft nicht stimmt.

|Obsessionen|

Und in der Tat stößt Jesse, wiewohl nicht der oberste Moralwächter, schon bald auf besorgniserregende Missstände in den Familien und Beziehungen der Betroffenen. Missy Clark und ihr bettnässender Bruder sind nur die Spitze des Eisberges. Die Ehe ihrer swingenden Eltern ist eine Farce und wird demnächst auseinanderbrechen. Mr. Clark hat das Swingen nur als Vorwand benutzt, um seiner Sex-Obsession nachzugeben.

Wenig anders verhält es sich mit den Eheleuten Ingersoll: Er, der erfolgreiche Star-Anwalt, ist besessen von seiner Tätigkeit als Schürzenjäger. Seine Frau, die überbesorgte Rektorin, weiß um seine permanente Untreue, nimmt sie aber hin – bis Jesse Stone mit impertinenten Fragen auftaucht. Der Polizist hat, zur immensen Empörung des Anwalts, den Nerv, an der Anzeige seiner Frau gegen den Night Hawk zu zweifeln. Dabei hat er sich nicht mal das interessante Foto angesehen, dass der Spanner angeblich von seiner nackten Frau gemacht hat …

„Die Wahrheit wird euch freimachen“, war schon seit jeher der Wahlspruch Jesses – den er aber nie geäußert, sondern stets nur gelebt hat. Er selbst erkennt an sich und seiner Exfrau Jenn jede Menge Obsessionen. Er ist besessen von ihr, ihrer Nähe und dem unvergleichlichen Sex – aber keineswegs von ihrer permanenten Untreue. Sie ist besessen davon, sie den Weg nach oben zu schlafen. Auch jetzt ist sie wieder einem Produzenten – wie schon vor zwölf Jahren in L.A. – gefolgt, um eine Stufenleiter nach oben zu klettern. Als der Typ sie fallenlässt, weil seine Pläne scheitern, jammert sie, dass sie zu Jesse zurück will.

Nach mehreren Gesprächen mit seinem Therapeuten Dix (in den TV-Filmen wunderbar lakonisch vom William „Familiengrab“ Sadler dargestellt) merkt Jesse, dass er Jenn lediglich als Absicherung, als Sicherheitsnetz, als Backup dient – um von dieser Basis den nächsten Anlauf zu nehmen, um untreu sein zu können. Doch diesmal ist sie zu weit gegangen, findet Jesse. Er hat nämlich in der Bostoner Privatdetektivin Sunny Randall (ebenfalls ein Geschöpf Parkers), eine kluge und hilfreiche Partnerin im Privaten wie im Beruflichen, gefunden.

|Der Night Hawk|

Und dann wäre da ja noch der Night Hawk. Was treibt ihn an? Er ist ein interessanter Fall von Mr. Jekyll und Mr. Hyde: Im Alltag ein Normalo, nachts der Night Hawk. Dass er höchst gebildet ist, verrät schon der brieflich formulierte Ausdruck „cri de coeur“. Welcher Spanne würde schon französisch ausdrücken, was ihn im Herzen plagt? Nur ein Akademiker. Und sobald Jesse den Namen des Verdächtigen hat, ist der Weg zur Uni nicht weit, wo die werte Gattin an einer Doktorarbeit schreibt. Wie sich herausstellt, ist sie gefühlskalt und egozentrisch. Sie denkt nur an ihren in Gefahr geratenen guten Ruf – und dass ihr jetzt durch diese „Störung“ die Zeit fürs Diss-Schreiben gestohlen wird. Wie es ihrem werten Gatten dabei geht, eines Sexverbrechens verdächtig zu werden, interessiert sie nicht die Bohne.

Der Autor deutet stets an, dass Obsessionen lediglich unterbewusste Reaktionen auf den Mangel an Respekt, Zuwendung und Wärme sind. Von Sex besessen zu sein, ist genau die Folge davon. Und als Erstes bekommen es die wehrlosen Kinder zu spüren. Kinder wie Missy und ihr Bruder. Aber auch die Frauen, die, um ihre Ehe zu retten, fast alles mitmachen, das Swingen inklusive. Das bedeutet aber nicht, dass es im Swinger Klub nicht auch Überzeugungstäterin gäbe. „Sind unsere Ehen nicht freier und beständiger?“ fragen sie Jesse, der weit davon ist, sie zu verurteilen.

|Showdown|

Die bange Frage, die der Night Hawk selbst in einem seiner Briefe aufwirft, ist die, ob ihn Mr. Obsession (Mr. O) überwältigen und er zum Mittel der Gewalt greifen wird. Durch den Ermittlungsdruck, den Jesse aufgebaut hat, zwingt er den Night Hawk zu einem letzten Schritt, um Jesse zu demütigen: Der Spanner muss eine Frau heimsuchen, die Jesse „am nächsten“ steht. Wer könnte dies wohl sein? Als das klar ist, trifft Jesse mit dem Köder Vorbereitungen, um dem Night Hawk eine tod-sichere Falle zu stellen …

_Unterm Strich_

Diesen Roman zu lesen, war ein pures Vergnügen. Das Garn, das Parker auf seine unnachahmliche Art spinnt, setzt dabei überhaupt nicht auf Action oder knallharte Ermittlungsmethoden, sondern entpuppt sich zum Erstaunen des Lesers zunehmend als Social Engineering. Das bedeutet, dass es genauso wichtig ist, die Psychologie zu nutzen wie die üblichen Ermittlungsmethoden.

Jesse Stone, durch seinen Therapeuten Dix gewitzt, setzt subtile Mittel ein, um hier ein wenig Druck auszuüben und dort ein paar Andeutungen fallenzulassen. Aber er braucht natürlich da, wo handfeste Beweise fehlen – das ist die Regel – vor allem Aussagen und Geständnisse.

|Der Peeping Tom|

Das klappt auch ganz hervorragend, um die meisten Rätsel zu lösen, doch es gibt natürlich kaum ein Mittel, um den Night Hawk, der ja seiner speziellen Besessenheit nicht entkommt, zur Aufgabe zu bewegen. Dabei muss man sich als Leser schon fragen, worin denn der spezielle Reiz von Hausfriedensbruch und Voyeurismus bestehen soll. Auch Jesse fragt sich zusammen mit der feinfühligen Molly Crane, ob der Kick nicht vielmehr im Machtgefühl besteht, das der Night Hawk sich durch das Bedrohen und Abknipsen des Opfers verschafft – der Fotoschuss als symbolische Tötung? Warum nicht gar? Diese Handlungsweise ist vielleicht nur eine Art, es seiner gefühlskalten, egozentrischen Frau heimzuzahlen – eine Übertragung des Wunsches nach Vergeltung.

|Die Lehre|

Der Night Hawk ist ein Spiegel, in dem sich Jesse selbst erblickt. Er spricht mit seinem Therapeuten darüber und mit Sunny Randall, die selbst eine ausgezeichnete Therapeutin konsultiert: Susan Silverman, die Gefährtin der Hauptfigur aus fast allen „Spenser“-Krimis Parkers. (Zusehends verschränken sich die fiktionalen Universen Parkers.) Diese Spiegelsicht Jesses ermöglicht ihm die Selbsterkenntnis, dass er von seiner Ex nur ausgenutzt worden ist. Diese Erkenntnis haben bislang seine Schuldgefühle ihr gegenüber verhindert. Jetzt befreit er sich davon. Ganz im Gegensatz zum Night Hawk: Den kann nur der Tod befreien.

|Bonus|

Für den fleißigen „Parker“-Leser (wie mich) hält dieser Band einige Schmankerln bereit, so etwa den wiederkehrenden Hinweis Stones, dass seine Mitarbeiterin, die brav verheiratete Mutter Molly Crane, es einmal mit einem gewissen Apachen getrieben habe. Der Hinweis gilt Crow, dem bemerkenswerten Apachen in „Trouble in Paradise“ und „Stranger in Paradise“ (das „Night & Day“ vorausgegangen ist). Sogar Spike, der bärenartige Freund Sunny Randalls, spielt eine Rolle in Jesses Plänen: Spike eröffnet ein neues Restaurant in Paradise – und eignet sich bestens zur Einschüchterung renitenter Ehemänner.

|Taschenbuch: 307 Seiten
ISBN-13: 978-0425232996|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

Hurwitz, Gregg – Ausbrecher, Der

Medikamente! Jeder kennt sie, jeder benutzt sie. Als kleine Helferchen schützen und bekämpfen sie Krankheiten, die unsere Gesundheit, und damit auch unser Leben bedrohen. In der Pharmazie werden biologische und chemische Elemente, aus denen die Medikamente nun ja auch bestehen, verwendet, um die körpereigenen Schutz- und Heilungsmechanismen zu unterstützen. Im Laufe der letzten zwei Jahrhunderte hat die Pharmabranche enorm an den Krankheiten verdient, mit exorbitantem Profit. Doch hat sie auch Quantensprünge in der Behandlung von Krankheiten gemacht und dabei viele Leben retten oder verlängern können.

Die Pharmakologie ist ein komplexer Apparat geworden, in den der Außenstehende nur schwerlich einen Blick hineinzuwerfen vermag. Das gleich aus mehreren Gründen, denn einer davon ist sicherlich, dass man sich mit den Themen „Krankheit“, „Medikamente“ und „Behandlung“ erst dann auseinandersetzt, wenn es keine anderen Alternativen mehr gibt. Viele Pharmakonzerne werden von großen privaten Unternehmen geführt, nicht zuletzt werden diese auch durch politische Verbände und Steuergelder unterstützt, was uns bis dato gar nicht klar ist. Medizinische Institute, Universitäten, Kliniken, Stiftungen … all das bleibt immer ein wenig im Schatten.

Fakt ist, die medizinischen Großkonzerne sind mächtig und profitieren von den Krankheiten. Ein Geschäft mit zwei Seiten – Leben und Tod gehen hier oft Hand in Hand durch die Flure. Jedes Medikament weist Risiken auf, kalkulierte – aber immer noch Risiken. Neben dem Wohl und der Gesundheit des Menschen, und da machen wir uns bitte nichts vor, liegt natürlich auch der Profit im Vordergrund.

Doch was würde passieren oder ist schon passiert, wenn man ein „Medikament“ entwickelt, das andere überflüssig macht und deren Wirksam- und Verträglichkeit alle anderen Medikamente ins „Aus“ stellt? Kann es nicht auch sein, dass man lieber ein Medikament auf den Markt bringt, was vielleicht teurer ist und regelmäßiger über einen längeren Zeitraum eingenommen werde muss, als ein universelles und einmalig einzunehmendes?

Gregg Hurwitz beschreibt in seinem neuesten Thriller: „Der Ausbrecher“ die Macht- und Preispolitik eines amerikanischen Pharmakonzerns.

_Inhalt_

Der Ex-Elite Soldat Walker Jameson verbüßt seine Haftstrafe wegen illegalem Waffenhandels in einem Hochsicherheitsgefängnis in Kalifornien. Noch knappe 15 Monate warten auf ihn, bevor er seine Strafe vollständig verbüßt hat. Im Gefängnis wird der stille Mann respektiert und gehört keiner Fraktion innerhalb der Gefangenenfraktionen an. Eine Position, die er sich allerdings auch verdienen musste, aber als extrem gut ausgebildeter Elitesoldat, versteht es Jameson, sich gegen alle Machtspielchen und Provokationen zu wehren.

Als Walker Jameson den „Boss“ und somit den Anführer der Gefangenen tötet und kurz darauf eine kleine Revolte erfolgt, nutzt er die Gelegenheit zu fliehen. US Deputy Marshal Tim Rackley und seine Kollegen verstehen nicht, warum Jameson, der ja nur noch eine begrenzte, kurze Zeit vor sich hatte, geflohen ist!

Inzwischen begibt sich Walker Jameson auf einen Kreuzzug, sein Gegner ist ein Pharmakonzern, dessen dubiose Politik und Machenschaften, seiner Schwester den Tod gebracht haben. Systematisch kämpft sich der von Rache getriebene Ex-Soldat durch die Reihen der Konzernleitung, sein Ziel ist, die Gesellschafterfamilie, die er persönlich für die Tragödie verantwortlich macht.

Tim Rackley folgt der Spur des Todes, die Jameson hinterlässt und ermittelt auch zusammen mit seinem Freund und Kollegen Bear auf eigene Faust. Als er Jamesons Ex-Frau aufsucht, erfährt er von ihr, dass sich die Schwester ihres Ex-Mannes erschossen hat. Aber warum? Schließlich hinterlässt die Selbstmörderin einen kleinen Sohn, der eine unheilbare Leberkrankheit hat, und dem quasi nur eine Spenderleber sein Leben retten könnte. So viele mysteriöse Fragen und kaum Antworten wecken das Misstrauen der beiden Ermittler, und je intensiver sie sich mit Jameson und seinen Opfern auseinandersetzen, desto nachvollziehbarer wird seine Motivation.

Walker Jameson ist ein Profi, eiskalt und berechnend verfolgt er sein Ziel und Tim Rackley, der selbst eine militärische Ausbildung genossen hat, bevor er Marshal wurde, begreift schnell, dass er hier selbst zum Gejagten werden wird, sollte er Jameson aufhalten wollen.

Als frischer Familienvater steht er zwischen Verstand und Mitgefühl. Seine Pflicht Jameson aufzuhalten geht nicht konform mit dem Eingeständnis, dass er ihn im Grunde versteht. Doch es kommt, wie es kommen muss – einer Konfrontation wird man nicht aus dem Weg gehen können, und zum ersten Mal in seiner Laufbahn hat Tim Rackley Angst davor zu sterben, denn sein Gegner ist wahrlich zum Fürchten …

_Kritik_

Die Reihe um und mit dem sympathischen US Marschal geht weiter. Der Autor Gregg Hurwitz baut seine Charaktere von Band zu Band weiter aus. Auch in „Der Ausbrecher“ ist das Familienleben der Rackleys wieder eine Konstante innerhalb der Handlung. Tim Rackley und Dray (Andrea) sind Eltern geworden und genießen den Tumult, den der kleine Racker vollbringt, sehr.

Das Besondere an dieser Reihe ist es, dass sich das Privatleben der Rackleys immer wieder mit dem beruflichen vermischt. Sympathisch und vor allem menschlich beschreibt der Autor seine Protagonisten. Wenig heroisch, dafür umso mehr sensibler präsentieren sich die Charaktere.

Spannend ist der vorliegende Roman „Der Ausbrecher“ allemal. Doch als Thriller gesehen, geht es hier weniger um die Actionszenen, viel mehr bewegt sich der Autor in den Dialogen, beispielsweise wenn Walker Jameson sich bewusst wird, was er unwiderruflich verloren hat und in welcher Verantwortung er sich seinem Neffen gegenüber nun befindet. Walker ist ein verlorener Charakter, auf einem Kreuzzug, den er nicht gewinnen kann, jedenfalls nicht ohne Verluste einzukalkulieren. Trotz seiner Gewalttaten ist Walker Jameson nicht nur Täter, sonder auch ein Opfer. Er ist ein Produkt aus einer militärischen Maschinerie, die nicht immer menschlich arbeitet.

Dass er also dem Leser sympathisch erscheint, ist nicht weiter verwunderlich, auch Tim Rackley hat neben seiner Hochachtung und gehörigen Respekt, auch Sympathie für ihn übrig. Das aus vielerlei Gründen: Zum einen erkennt er sich selbst wieder, teilweise mit Erschrecken, denn was wäre aus ihm geworden, wenn er weiterhin seiner militärischen Laufbahn gefolgt wäre? Würde er ebenso einen durchdachten Kurzschluss bekommen, und zu Richter, Staatsanwalt und Henker werden, um sich in diesem Labyrinth zu verirren? Er war schon mal kurz davor, siehe [„Die Scharfrichter“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3295 , vom Weg abzukommen. Als er Jamesons Ex-Frau und seinem Neffen begegnet und versteht, warum der ehemalige Elite-Soldat auf Rache aus ist, wirkt er erschüttert.

Seine sensible und offene Frau Dray konfrontiert ihn immer wieder mit seinen Pflichten und gibt ihm den notwendigen Rückhalt. Ohne Dray, die immer wieder als sein „Gewissen“ und seine geistige Inventur dient, wäre Tim ein verlorener Mensch. Ohne Dray, würde Tim den entflohenen Jameson höchstwahrscheinlich mit wenig Intensität verfolgen, zu viel lässt er sich von dem Fall kompromittieren.

„Der Ausbrecher“ ist ein Wechselbad zwischen Gefühlen und einer spannenden Handlung. Und auch der Humor kommt hier nicht zu kurz, etwas untypisch für die Reihe, aber durchaus gut platziert, wenn der jüngste Spross der Rackleys nichts als Unsinn im Kopf hat und diesen auch intensiv in seinem Umfeld auslebt.

Sehr, sehr interessant beschreibt der Autor, Gregg Hurwitz, die Preis- und Machtpolitik des Pharmakonzerns. Und zwar so komplex und authentisch, dass der Leser gern mehr davon „verstehen“ möchte, wie solche Pharmafirmen funktionieren. Der eine oder andere Leser wird sich gedanklich dann mehr damit befassen, wenn er zu einem Medikament greift, selbst dann, wenn es sich nur um eine harmlose Kopfschmerztablette handelt. Leitlinien eines Konzerns, eines Pharmakonzerns sind wohl primär der Gewinn, der Profit, vielleicht die Außendarstellung des Unternehmens, daneben natürlich die Aktionäre und Gesellschafter, und irgendwann vielleicht am Ende dieser Kette findet sich der Patient wieder! Es lohnt sich jedenfalls mal darüber nachzudenken, denn die Theorie, die uns der Autor vor Augen hält, ist erschreckend nahe an der Realität.

_Fazit_

Der Thriller bietet also vieles, neben einer angemessen Spannung noch ein wenig Hintergrundwissen, benachbart von Humor und ernsten Dialogen, die von Verantwortung, Verpflichtung und Selbstachtung sprechen.

„Der Ausbrecher“ von Gregg Hurwitz, erschienen im Knaur Verlag, verspricht dem Lesen einen hochklassigen Thriller, der nicht durch Tempo, sondern durch Menschlichkeit überzeugt. Nach „Die Meute“ ist der vorliegende, vierte Band um den „Troubleshooter“ Tim Rackley eine deutliche Steigerung.

Gregg Hurwitz hat sein Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft und seine nun sehr realitätsnahe Handlung wird sich, so hoffe ich, auch in den nächsten Bänden wiederfinden.

„Der Ausbrecher“ ist ein Pageturner seines Genres und absolut empfehlenswert.

|Taschenbuch: 592 Seiten
Originaltitel: Last Shot
ISBN-13: 978-3426636930|
[www.droemer-knaur.de/home]http://www.droemer-knaur.de

_Gregg Hurwitz bei |Buchwurm.info|:_
[„Die Scharfrichter“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3295
[„Die Sekte“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4403
[„Blackout“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5400
[„Die Meute“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6481

John Dickson Carr – Der Wahrsager und die Wahrheit

Droht der verliebte Richard Markham auf eine skrupellose Giftmischerin hereinzufallen? Einen Mord und diverse Anschläge später überlässt er es lieber dem genialen Ermittler Gideon Fell, ein dichtes Netz aus Lügen und Intrigen zu lichten … – In seinem 15. Fall ist der exzentrische Detektiv auf der Höhe seiner Kunst; die psychologischen Aspekte der Tat/en klar dem Krimi-Rätsel unterordnend, gelingt dem Verfasser ein unterhaltsam verwirrender aber fugenlos konstruierter, ebenso klassischer wie zeitloser „Whodunit“. John Dickson Carr – Der Wahrsager und die Wahrheit weiterlesen

Parker, Robert B. – Thin Air – Ein Spenser-Krimi

_Unter Räubern: Jungfer in Not befreit sich im Do-it-yourself-Verfahren_

Die junge Frau des Bostoner Cops Frank Belson ist spurlos verschwunden und Privatdetektiv Spenser soll sie finden. Seine Ermittlungen führen ihn bis nach Los Angeles und wieder zurück ins verregnete Massachusetts, in eine aufgegebene Industriestadt namens Proctor, vom lieben Gott verlassen, von irischen Cops verkehrsgeregelt und von zwei rivalisierenden Latino-Gangs beherrscht. Hier irgendwo könnte Lisa St. Claire, Belsons Gattin, über deren Vergangenheit so wenig bekannt ist, stecken. Oder auch nicht.

Titel der Übersetzung: „Brutale Wahrheit“ (1996 bei Rowohlt).

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) [„Spare Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6852

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
[„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
[„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
[„Bad Business“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6840
[„Back Story“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6842
[„Painted Ladies“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6843
[„Cold Service“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6844
[„The Professional“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6866
[„Playmates“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6867
„Hugger Mugger“, „Small Vices“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Frank Belson ist ein Inspektor der Bostoner Mordkommission, mit dem Privatdetektiv Spenser schon seit 20 Jahren zusammenarbeitet. Als Belson ihm also sagt, dass seine junge Frau Lisa St. Clair verschwunden sei, macht sich Spenser Gedanken: Er war ihr Brautführer bei der Hochzeit. Frank will Lisa, seine zweite Frau, jedoch erst einmal alleine suchen.

Sorgen macht sich Spenser jedoch, als Belson mit drei Einschüssen im Rücken im Krankenhaus landet, und zwar auf der Intensivstation. Offenbar hat jemand etwas gegen Belsons Schnüffelei einzuwenden. Sein Freund beauftragt ihn explizit damit, mit der Suche fortzufahren. Leichter gesagt als getan, denn Frank weiß über seine junge praktisch nichts, außer dass sie als Radio-DJ gearbeitet hat – Prinzip Tabula rasa.

Ist Lisa entführt worden? In ihrer Wohnung fehlt zumindest die Handtasche, ebenso ihr Adressbuch. Auf dem Anrufbeantworter sind vier Nachrichten, darunter von einem Arzt, einem College, einer Freundin und einem fremden Mann. Im College hört Spenser erstmals von Lisas abgelegtem Freund Luis Deleon und von Lisas Freundin, dass Lisa mit Luis geschlafen haben muss, bevor sie Frank Belson heiratete. Aber woher stammt dieser Luis?

Captain Quirk von der Mordkommission, Franks Chef, hat die Fakten: Luis Deleon ist ein ganz schwerer Junge, der schon mehrere Male vor Gericht stand, u. a. wegen Vergewaltigung, aber seltsamerweise nie verurteilt wurde – die Zeugen zogen stets ihre Aussage zurück. Luis scheint mit seiner Hispano-Gang die eine Hälfte der heruntergekommenen Industriestadt Proctor zu beherrschen, während ein Typ namens Freddie Santiago die andere Hälfte sowie den Bürgermeister und die Polizei beherrscht. Luis wird nachgesagt, so Quirk, er zeige Anzeichen von paranoider Schizophrenie – ein netter Bursche …

Quirk weiß auch, wer Lisa St. Clair in Wahrheit ist: Abgesehen davon, dass es für ihre Jahre vor 1990 keine Einträge gibt, heißt sie offenbar Angela Richard und stammt aus Los Angeles, wo sie einem zweifelhaften Beruf nachging: Als Prostituierte und Pornodarstellerin. Soll Spenser das seinem Freund berichten? Besser nicht.

Zusammen mit seiner Freundin Susan Silverman, der Psychotherapeutin, fliegt Spenser nach L.A., um mit seinem Kontaktmann Samuelson vom LAPD zu sprechen. Und um Chollo zu kontaktieren, den spanisch sprechenden Killer, der ihm schon mehrfach beigestanden hat. Zusammen können sie es vielleicht wagen, Luis Deleons Hauptquartier in Angriff zu nehmen, um die dort vermutete Lisa herauszuholen. Aber sie werden Hilfe brauchen. Illegale Hilfe …

_Mein Eindruck_

Zunächst dachte ich – ähnlich wie einer der Kritiker – die Handlung dieses „Spenser“-Krimis würde den üblichen Verlauf nehmen: Eine Dame zweifelhaften Rufes verschwindet, Spenser muss sie unter großen Mühen finden und stößt auf unappetitliche Details; aber natürlich muss er sie vor sich selbst retten, weil sie sich mit einem Mann zweifelhaften Rufes eingelassen hat. So lief das schon in der „April Kyle“-Trilogie („Ceremony“, „Taming a Sea-Horse“ und „Hundred-Dollar Baby“) sowie in „Stardust“.

Auch die andere Hälfte des Plots meinte ich bereits zur Genüge zu kennen, nämlich die Belagerung und Erstürmung der „Festung“ eines Verbrechers, ähnlich wie in „Cold Service“ (das allerdings erst zehn Jahre später veröffentlicht wurde). Dabei bieten Spenser und seine jeweilige Gefährte, sei es Hawk, sei es Chollo, auch die Hilfe anderer Elemente wie etwa Polizisten oder gegnerische Verbrecher auf.

Um die Wahrheit endlich zu verraten: Ganz so läuft es diesmal in „Thin Air“ nicht, aber der Plot ist nicht weit davon entfernt. Die Burg wird belagert, um die „Jungfer in Not“ vor Blaubart zu retten. Doch die Jungfer ist längst keine mehr, und der Blaubart entpuppt sich als etwas anderes. Aber Spenser und Chollo erstürmen die Burg mit einem Trick und einer Ablenkung dennoch. Gerade noch rechtzeitig, bevor das Gebäude in sich zusammenbricht.

|Selbstherapie|

Das Besondere an der weiblichen Hauptfigur in „Thin Air“: Lisa St. Clair alias Angela Richard hat in Kalifornien eine Psychotherapie durchlaufen und sich selbst viel besser kennengelernt. Sie war auf dem Weg der Selbstverbesserung, um nicht auf den Strich gehen und Pornos drehen zu müssen. Sie heiratete sogar einen Cop, um aus dem Sumpf der Halbwelt herauszukommen. Nun hat diese sie wieder zurückgeholt, in Gestalt von Luis Deleon. Als geschulte Therapierte ist Lisa jedoch in der Lage, Luis‘ Psyche und Motive zu durchschauen. Und Luis hat eine Therapie offenbar dringend nötig …

|Das Leben als Film|

Lisas Erlebnisse in dem Gefängnis, in das Luis sie in seiner „Burg“ steckt, machen fast ein Drittel des Romans aus und sind kursiv gesetzt, also leicht zu erkennen. Ihr Blick ist subjektiv und dieser fällt auf das Auffälligste, was ihr Zimmer vorzuweisen hat: Bildschirme! Und auf jedem der Bildschirme sind die Filmszenen zu sehen, die Luis mit ihr in der Hauptrolle gedreht hat, selbst jene, als sie gefesselt und geknebelt im Lieferwagen ihres Entführers lag.

Nun geht Luis noch einen Schritt weiter und inszeniert sein und Lisas Zusammenleben als Filmromanze à la Hollywood. Er steckt sie in Südstaatenkostüme, um als Galan auftreten zu können. Er tritt als reicher mexikanischer Rancher auf – er ist ja Latino (eigentlich Puertoricaner). Fehlt nur noch, dass sie die Jane für seinen Tarzan spielen soll. Der Haken, sagt sie ihm, bei diesen Inszenierungen: Sie liebt ihn nicht, findet diese verlogene Maskerade zum Kotzen und will nach Hause!

|Schocktherapie|

Es kommt endlich, nach einer versuchten Vergewaltigung, zu einem Austausch von Geständnissen. Mit ihrem geschulten Blick erkennt Lisa die Wahrheit in Luis: Er überträgt einfach die Gefühle, die er für seine geliebte MUTTER hegte (und die an einer Überdosis starb), auf Lisa, ohne die Eigenständigkeit Lisas auch nur zur Kenntnis zu nehmen. Der Haken an Luis‘ Verehrung für Mutter und Lisa: Beide waren Huren und alles andere als die Engel, für die er sie immer noch hält. Also muss sie etwas dagegen unternehmen …

|Der tägliche Rassismus|

Das vierte Element ist eindeutig Rassismus. Spenser stößt nicht nur in Proctor auf Schritt und Tritt auf das „Dilemma Amerikas“, wie der Autor es nennt: Dass die USA den Freiheitssuchenden eine Zufluchtsstätte bieten wollen, aber nicht verstehen, die unterschiedlichen Völkerschaften friedlich miteinander leben zu lassen. Im Gegenteil: Anglos und Latinos tun alles, um die Abgrenzung aufrechtzuerhalten, wobei die Sprachbarriere natürlich sehr hilfreich ist. Lisa hat diese Barriere überschritten und befindet sich nun quasi in Feindesland – in einem hispanischen Teil von Proctor, wo die Latinos am abweisendsten und stolzesten sind, sogar gegen ihre eigenen „Brüder“.

Freddie Santiago erklärt es Spenser: So etwas wie „die Altinos“ gibt es gar nicht. Schließlich kommen diese Menschen aus völlig unterschiedlichen Ländern, aus Puerto Rico oder Guatemala, aus Mexiko oder Kolumbien usw. Wie sollen sie da jemals zu einer Volksgruppe verschmelzen können? Da könnte man ja gleich verlangen, dass sich England und Norwegen zusammenschließen!

_Unterm Strich_

„Spenser“-Krimi Nr. 22 verbindet die bekannte Elemente Suche, Ermittlung, Action und menschliches Drama in neuer Variation. Statt die jammernde Jungfer in Not zu spielen, rettet sich die entführte Polizistengattin vor dem Blaubart selbst. Nicht etwa durch handfeste Prügeleien, sondern durch ein Gespräch, in dem sie durch psychologische Einsicht in ihren Entführer dessen grundlegenden Fehler erkennt und zur Sprache bringt. Mit anderen Worten: Sie therapiert ihn und rettet sich selbst aus der Patsche. Die handfeste Action, also den nötigen Rest, erledigen dann zu ihrer Zufriedenheit Spenser und Chollo. Doch Luis, den Entführer, erwartet ein weitaus traurigeres Schicksal als die Entführte.

Neben den Standardelementen wie Elementen und Action erwartet den Leser als eine unerwartete Zutat: Ungefähr ein Drittel des Romans wird von Lisas Erlebnissen bestritten, die in Kursivschrift gesetzt und somit von deutlich anderer Natur sind als Spensers Erlebnisse. Erst durch die Ergänzung der Informationen aus Lisas Erleben und Spensers Ermittlungsergebnissen ergibt sich ein vollständiges Bild von Lisas Leben. Der amerikanische Traum – sieht er wirklich so aus?

Ich habe für diesen Krimi zwei Tage mehr als sonst (einen Tag) gebraucht. Mit erschien das Thema nämlich zu abgedroschen und die Lösung des Konfliktes als zu lange hinausgezögert. Doch dann entpuppte sich Lisas Erzählstrang als weitaus aufregender und interessanter als erwartet. Sie ist weitaus aktiver, als das Klischee vom Gangsterweibchen es verlangt. Dem Autor gelingt es zudem, in uns Mitgefühl für den Entführer Luis zu wecken. Und der Showdown um Luis‘ Burg ist ebenfalls vom Feinsten.

|Taschenbuch: 293 Seiten
ISBN-13: 978-0425152904|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

Baldacci, David – Sammler, Die

_Das geschieht:_

In Washington D. C., der Hauptstadt der USA, geraten die vier Mitglieder des „Camel Clubs“ in ein neues Abenteuer. Caleb Shaw, der in der Raritätenabteilung der berühmten Kongressbibliothek beschäftigt ist, sieht sich nach dem jähen Tod seines Abteilungsleiters zu dessen Nachlassverwalter bestimmt. Womöglich ist es beim Tod von Jonathan DeHaven nicht mit rechten Dingen zugegangen. Der „Camel Club“ wird plötzlich observiert. Shaws Freund Oliver Stone, einst selbst Top-Agent, identifiziert die Verfolger als Angehörige der CIA.

Doch nicht der Geheimdienst, sondern zwei kriminelle Mitarbeiter stecken hinter der Überwachung: Albert Trent und Roger Seagraves verschaffen sich einen hübschen Nebenverdienst, indem sie Agenten-Identitäten an Schurkenstaaten verkaufen. Die enttarnten US-Spione werden umgebracht, ebenso ergeht es denen, die den beiden Verrätern auf die Schliche zu kommen drohen. DeHaven hatte dieses Pech, und nun will vor allem Seagraves wissen, ob dieser vor seinem Ende den „Camel Club“ informieren konnte. Zwar trifft dies nicht zu, aber Stone und seine Freunde drehen in der Not den Spieß um, beginnen eigene Recherchen und bringen sich dadurch erst recht in Lebensgefahr.

In Atlantic City drehen die Gauner Annabelle Conroy, Leo Richter, Tony Wallace und Freddy Driscoll das Ding ihres Lebens: Mit einem genialen Trick luchsen sie dem Kasino-Mogul und Gangsterboss Jerry Bagger 40 Millionen Dollar ab. Statt anschließend in einen möglichst abgelegenen Winkel der Erde zu flüchten, reist Annabelle nach Washington: Jonathan DeHaven war die Liebe ihres Lebens. Um sein Ende zu rächen, tut sich Annabelle mit dem „Camel Club“ zusammen. Gemeinsam setzt man Trickreichtum gegen Gewalt; eine Methode, die allerdings nicht immer funktioniert, was für brenzlige Situationen sorgt …

_Hau in die Tasten, Baldacci!_

David Baldacci ist ein fleißiger Autor. Mindestens einen Thriller wirft er jährlich auf jenen Buchmarkt, der vor allem die Gelegenheits-Leser bedient, die während eines Fluges, einer Bahnfahrt oder am Strand bratend eine spannende Geschichte lesen wollen, die sich auch mit abgelenktem Hirn verfolgen lässt. Bei einem solchen Ausstoß gilt es ökonomisch zu arbeiten. Baldacci hat deshalb den Faktor „Originalität“ aus seinem Werk getilgt. Er bedient sich bekannter und bewährter Elemente, die er jeweils routiniert neu kombiniert.

Der empörte Fan wird diese Einschätzung sogleich persönlich nehmen und ablehnen. Allerdings befindet sich der Rezensent mit seiner Einschätzung auf der sicheren Seite, denn Baldacci macht aus seinem Vorgehen nie einen Hehl. Er produziert seine Verbrauchslektüre mit dem redlichen Vorsatz der möglichst intensiven Unterhaltung. Literarische Wertvorstellungen bleiben von vornherein ausgeklammert.

Auf diesem Level funktioniert „Die Sammler“ reibungslos. Obwohl ein Großteil der Handlung in stillen Bibliothekssälen zwischen staubigen Buchregalen spielt, legt Baldacci ab der ersten Seite ein Tempo vor, das er bis zum großen, leichenreichen Finale durchhält. Dabei legt er durchaus Einfallsreichtum an den Tag, wenn er betont harmlose Bücherwürmer in einen aufregend ungleichen Kampf mit skrupellosen CIA-Agenten verwickelt.

|Ist es spannend, wird es verwurstet|

Der moderne US-Mainstream-Thriller gehorcht seit jeher gewissen Regeln, die ihn gleichzeitig spannend und berechenbar machen. Entweder sitzt ‚der Feind‘ in Schurkenstaaten wie Nordkorea, Iran/Irak oder in einem der zahlreichen Nachfolge-Länder der ehemaligen Sowjetunion, oder er ist – ganz besonders heimtückisch! – Teil jener US-Einrichtungen, die Attacken aus dem Ausland abwehren sollen. Baldacci geht auf Nummer Sicher und mischt beide Konzepte. Dabei differenziert er sorgfältig: Gefoltert und gemordet wird nur von lumpigen Individuen. Die von ihnen missbrauchten Institutionen sind selbst Opfer. Scheinbare Kritik an den Praktiken der CIA wird dadurch relativiert: „Die Sammler“ ist ein ‚konservativer‘ Thriller im softkritisch aufgepepptem Gewand.

Behauptet ist ebenfalls jeder Gegenwartsbezug. Baldacci schlachtet Vorurteile gegen Politiker, Lobbyisten, Geheimdienstler, Bürokraten und andere unentbehrliche aber wenig geliebte Gruppen aus. Er instrumentalisiert sie im Rahmen einer Geschichte, die der Leser nicht ernst nehmen sollte, da er sich sonst grob veräppelt fühlen müsste. Was Baldacci als kriminelle Volte verräterischer Geheimagenten ausklügelt, ist nicht raffiniert, sondern so kompliziert und von glücklichen Zufällen abhängig, dass nur Papier-Strolche wie Albert Trent und Roger Seagraves damit durchkommen können. Aber: Es |klingt| plausibel und sorgt für Spannung. Damit ist Baldaccis Primärziel einmal mehr abgedeckt.

|Kuriose Figuren sorgen für Entertainment|

Den gar schröcklichen Finsterbolden stehen ähnlich überzeichnete Gutmenschen gegenüber. Der „Camel Club“ ist eine anachronistische Verbindung, die mit ihrem Idealismus im 19. Jahrhundert besser aufgehoben wäre. Natürlich ist dies Teil von Baldaccis Spiel mit dem Klischee (das er freilich nicht so gut beherrscht, wie er glaubt): Zirkel mit hehren Zielen gehören zum festen Inventar einer versunkenen Epoche der Unterhaltungsliteratur. Von „Lord Percy vom Excentric Club. Der Held und kühne Abenteurer“ (1913) bis zur „Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ hat sich das Konzept erhalten. Erneut überhöht (oder übertreibt) Baldacci das Vorbild, indem er vier ebenso mutige, entschlossene und ehrenhafte wie exzentrische, unkonventionelle und sympathische Figuren als Clubmitglieder vorstellt.

Dass sie im Dienst der guten Sache ständig das Gesetz biegen und brechen, macht sie nur interessanter. Baldaccis Welt ist ohnehin zynisch schwarzgefärbt: Das Establishment schreibt die Regeln vor, ohne sich selbst daran zu halten. Der brave, arglose, dumme Bürger ist ihm hilflos ausgeliefert. Als intellektuelles „A-Team“ tritt dann der „Camel Club“ auf. Er kann die Welt nicht insgesamt bessern aber seinen Teil dazu beitragen – und dabei viele Leser begeistern.

|Schräg-Helden mit Vergangenheiten|

Damit diese Klischees nicht gar zu eindimensional wirken, unterlegt Baldacci seinen vier seltsamen Helden tragische Vergangenheiten. Alle sind sie enttäuschte und gescheiterte Idealisten, die unter einem Panzer fröhlicher Gleichgültigkeit verletzte Menschenwürde durchschimmern lassen, wenn Baldacci ernste Töne anschlagen möchte.

Neu ins Boot kommt in diesem zweiten Abenteuer des „Camel Club“ die Trickdiebin Annabelle Conroy, mit der Baldacci die Figuren-Exzentrik übertreibt und ins Gegenteil verkehrt: Annabelle ist eine Super-Frau, deren Geschick das gesamte Club-Quartett in den Schatten stellt. Sie weiß immer Rat, ist schlagfertig, selbstverständlich wunderschön, und in ihrem Busen hegt sie ein trauriges Herkunfts-Geheimnis, das sie nur uns, den Lesern, und dem weisen Oliver Stone enthüllt, was den Grundstein für eine sicherlich romantische aber komplizierte Lovestory legt.

|Puzzle-Thriller mit zu vielen Teilen|

Womit wir zu den weniger erfreulichen Aspekten dieses Romans kommen. 500 Seiten ist er stark und doch nur Episode, denn Baldacci handhabt seine „Camel Club“-Reihe wie eine TV-Serie. Er beschränkt sich keineswegs auf eine Story. So hat die Jerry-Bagger-Story in diesem Roman eigentlich nichts verloren. Knapp zweihundert Seiten laufen zwei geografisch und thematisch separate Geschichten nebeneinander her. Dass der „Camel-Club“-Strang den Sieg davontragen wird, steht lange nicht fest. Baldacci schildert den Kasino-Coup und seine Beteiligten in Details, die in der zweiten Romanhälfte keine Rolle mehr spielen bzw. nur alibihaft und kurz aufgenommen werden. Erst im Finale tritt Bagger erneut und als personifizierter Schlussgag auf: Er bereitet das nächste Abenteuer des „Camel-Club“-Teams vor, das sich natürlich um Annabelles Rettung vor den vertierten Knechten des Gangsterkönigs drehen wird. (Als „Stone Cold“ – dt. „Die Spieler“ – ist es inzwischen erschienen.)

Baldacci versucht, mit überlappenden Handlungssträngen die Publikumsbindung zu erzwingen. Als Autor gedenkt er sich nicht zu disziplinieren. Er schreibt und schreibt und scheint dabei vor allem das tägliche Seitensoll im Auge zu behalten. Dies würde auch den Stillstand im Mittelteil erklären. Scheinbar geschieht weiterhin viel, aber de facto tritt die Handlung auf der Stelle und wird mit ausladenden Exkursen und durchaus netten Episoden in die Länge gezogen. So erweist sich das mit großem Getöse eingeführte und breit ausgewalzte Geschehen um ein geheimnisvolles Buch als reine Schaumschlägerei, die im Finale alibihaft in ein paar Nebensätzen lächerlich ‚aufgeklärt‘ wird.

|Spannend oder witzig?|

Kühles Kalkül legt der Verfasser schließlich auch an den Tag, wenn er den Grundton seiner Geschichte wählt. „Die Sammler“ soll möglichst alle Thriller-Wünsche befriedigen, also spannend, aktuell, actionreich, komplex und im Detail blutrünstig sein. Dazu mischt Baldacci beinahe mutwillig so viel Humor in seine Mixtur, dass diese immer wieder in einer Thriller-Parodie umzuschlagen droht. Möchte er Kritikern damit den Wind aus den Segeln nehmen? Soll der Leser die Handlung gar nicht ernst genommen werden? Oder möchte Baldacci mit ‚lustigen‘ Einschüben für Entspannung sorgen?

Auf jeden Fall ist sein Verständnis von Komik eher robust. Diversen gelungenen, weil schwarz- und trockenhumorigen Onelinern (die der Übersetzer entweder gut übertragen konnte oder für das deutsche Publikum aufpoliert hat) stehen flaue, sich ständig wiederholende Witzchen – Buchwurm Caleb verliert in kritischer Lage die Nerven, Frauenheld Reuben sabbert der hübschen Annabelle hinterher, die ihn schallend abblitzen lässt, Bibliothekare und Bibliotheksbesucher sind weltfremde Lachgestalten – gegenüber. Sie wirken besonders befremdlich und sogar zynisch, wenn Baldacci wenige Zeilen später CIA-Schergen und Gangster detailfroh foltern und verstümmeln lässt.

Die grob gesponnene Story gewinnt dennoch durch Baldaccis gefälligen Sprach- und Schreibstil. „Die Sammler“ ist kein notdürftig als Roman maskiertes Drehbuch und der Verfasser ein gewandter Routinier, der nur leider allzu geschmeidig seinem Publikum bietet, womit er sich zufriedengibt – nicht weniger, aber auch niemals mehr.

|Taschenbuch: 494 Seiten
Originaltitel: The Collectors (New York : Warner Books 2006)
Übersetzung: Uwe Anton
Deutsche Erstausgabe (geb.): Dezember 2008 (Lübbe Verlag)
ISBN-13: 978-3-7857-2354-8

Als Taschenbuch: Oktober 2010 (Bastei-Lübbe-Verlag/Allgemeine Reihe 16479), 494 Seiten
ISBN-13: 978-3-404-16479-0

Als Hörbuch: November 2008 (Bastei-Lübbe-Verlag)
6 CDs (= 447 min.), gelesen von K. Dieter Klebsch
ISBN-13: 978-3-7857-3842-9

Als (MP3-) Download: November 2008 (Bastei-Lübbe-Verlag)
6 CDs (= 447 min.), gelesen von K. Dieter Klebsch
ISBN-13: 978-3-7857-4097-2|
[Autorenhomepage]http://davidbaldacci.com
[Verlagshomepage]http://www.luebbe.de

_David Baldacci bei |Buchwurm.info|:_
[„Die Verschwörung“ 396
[„Der Abgrund“ 414
[„Mit jedem Schlag der Stunde“ 2400
[„Die Wächter“ 4513
[„Die Versuchung“ 676
[„Das Versprechen“ 361
[„Im Bruchteil der Sekunde“ 836
[„Das Geschenk“ 815
[„Im Takt des Todes“ 5677
[„Die Sammler“ 5748

Bradley, Alan – Mord ist kein Kinderspiel (Flavia de Luce 2)

_|Flavia de Luce|:_

01 [„Mord im Gurkenbeet“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5930]
02 [„Mord ist kein Kinderspiel“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6689

Nach dem furiosen Auftakt, den Alan Bradley mit seinem Debütroman [„Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeet“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5930 hingelegt hat, liegt mittlerweile der Nachfolgeband der Reihe vor. Und schon beim Blick auf das liebevoll gestaltete Cover freut man sich auf das nächste Abenteuer von Flavia, denn man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass sie eine der ungewöhnlichsten Ermittlerinnen der Krimigeschichte ist.

_England, 1950:_ Der begnadete Puppenspieler Rupert Porson bleibt, wie es der Zufall will, mit seinem Wagen in Bishop’s Lacey liegen und der Vikar lässt die Gelegenheit nicht ungenutzt, den Puppenspieler und seine Assistentin Nialla einzuladen, eine Vorführung im Pfarrhaus abzuhalten, bis ihr Wagen repariert ist. Porson willigt ein, und weil Flavia gerade in der Nähe ist, darf sie beim Aufbauen der Bühne helfen.

Und so versammelt sich am Samstagabend ganz Bishop’s Lacey im Gemeindehaus, um sich von den Künsten des Rupert Porson in eine andere Welt entführen zu lassen. Alle sind hin und weg – ganz besonders, als zum Finale die Leiche des Puppenspielers auf die Bühne fällt. Die Polizei tappt im Dunkeln und so muss Flavia Inpektor Hewitt und seinen Kollegen mal wieder auf die Sprünge helfen. Sie findet heraus, dass sich jemand an der elektrischen Anlage zu schaffen gemacht hat. Was zunächst nach einem tragischen Unglücksfall aussah, entpuppt sich als Mord.

Und so steckt Flavia wieder einmal ihre Nase in Angelegenheiten, die sie eigentlich nichts angehen und findet dabei erstaunlich viel heraus. Mit ihrem kindlichem Charme kann sie schließlich jedem im Dorf ein paar wichtige Details aus der Nase ziehen, die ihr messerscharfer Verstand dann zu einem Gesamtbild zusammenfügt. Und so ist sie Inspektor Hewitt wieder einmal um Längen voraus. Muss sie schon wieder ganz alleine gegen den Strippenzieher des Mordes bestehen?

_Wer den ersten Band mochte_, der wird sich auf das Wiedersehen mit Flavia in jedem Fall freuen. Flavia ist ein Charakter der polarisiert. Sie ist so überspitzt dargestellt, dass Alan Bradley mangelnden Realismus vorzuwerfen, eigentlich schon ein Hohn wäre. Natürlich ist Flavia an sich eine unrealistische Figur. Welche fast 11-Jährige ist schon Herrin eines eigenen Chemielabors und ersinnt dort immer wieder ausgeklügelte Methoden, um z. B. die Pralinen ihrer Schwester zu panschen? Flavia ist dermaßen gerissen und scharfsinnig und hat dabei einen so ausgeprägten Sinn für alles Morbide – nicht umsonst gilt ihre Leidenschaft der Giftmischerei – dass man sie sich schwerlich als realistisches Kind vorstellen kann. Macht aber auch nichts, denn Flavias ungewöhnliche Art trägt nun mal doch sehr erheblich zum Unterhaltungswert der Reihe bei.

Um Flavia herum konstruiert Bradley seine Geschichte so gewitzt und mit einem feinen Sinn für Humor, dass man gar nicht anders kann, als sie zu mögen. In gleichem Maße wie Flavia eine höchst ungewöhnliche Protagonistin ist, sind die Geschichten um sie eben auch höchst unterhaltsam und ein Lesevergnügen, das auf jeden Fall im Gedächtnis haften bleibt. Der Plot an sich tendiert dabei oft eher in Richtung Belletristik als in Richtung Krimi. Es dauert gute 150 Seiten, ehe es überhaupt eine Leiche zu beklagen gibt, und wäre Bradley nicht ein durchaus gekonnter Erzähler, wäre bis dahin vermutlich schon längst Langeweile aufgekommen.

Dennoch nutzt Bradley die Gelegenheit leider nicht so wie gehofft, um seinen Protagonisten etwas mehr Tiefe zu verleihen. Er hat bereits im ersten Band Flavias komplizierte Familiengeschichte angedeutet – Mutter gestorben, Vater findet wenig Zugang zu seinen drei Töchtern, Zukunft auf dem Familiensitz Buckshaw ungewiss – dennoch wirft Bradley leider keinen tiefgreifenderen Blick auf die Figuren. Zwar taucht mit Tante Felicity eine weitere Verwandte auch, die auch etwas Licht in das Dunkel bringen könnte, dennoch sind einem die Figuren am Ende des Buches kaum vertrauter als zu Beginn. Die Skizzierung der Figuren ist also in jedem Fall noch ausbaufähig.

Dennoch geht Flavia wie schon im Vorgängerband selbstbewusst ihren Weg zur Überführung des Täters. Sie ist unglaublich scharfsinnig und eine äußerst genaue Beobachterin. Die Hintergründe des Verbrechens, die Flavia dabei aufdeckt, sind dabei recht komplex und die Aufklärung war für meinen Geschmack dann leider auch nicht bis in den letzten Winkel schlüssig und glaubwürdig. Manches wirkt einfach ein wenig konstruiert. Die Geschichte bleibt dabei aber bis zum letzten Moment spannend.

_Insgesamt ist „Mord ist kein Kinderspiel“_ in jedem Fall eine gelungene Fortsetzung von „Mord im Gurkenbeet“. Flavia ist und bleibt eine absolut einmalige Krimiheldin, und wenn man sie einmal ins Herz geschlossen hat, mag man sie nicht mehr missen. Es gibt sicherlich vereinzelte Schwächen in der Konstruktion des Falls und die Hauptfiguren hätten auch eine etwas tiefgreifendere Betrachtung verdient, dennoch ist „Mord ist kein Kinderspiel“ immer noch ein höchst unterhaltsames Lesevergnügen, abseits ausgelatschter Krimipfade.

|Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Originaltitel: The Weed that strings the Hangman’s Bag
ISBN-13: 978-3764530297|
[www.randomhouse.de/penhaligon]http://www.randomhouse.de/penhaligon
[www.flavia-de-luce.de]http://www.flavia-de-luce.de

Parker, Robert B. – Professional, The – Ein Spenser-Krimi

_Mittelgut: der Detektiv gegen den Gigolo_

Als ein Gigolo zum Erpresser wird, wenden sich vier Frauen der oberen Zehntausend von Boston an Privatdetektiv Spenser, um den Mann zu stoppen. Leichter gesagt als getan, wie sich herausstellt. Noch dazu, wenn eine der Damen einen ganz anderen Plan dabei verfolgt. Und der Gatte dieser Dame scheint den Gigolo selbst fertigmachen zu wollen. Spenser muss den Mann wohl selbst dazu überreden aufzuhören …

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) [„Spare Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6852

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
[„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
[„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
[„Bad Business“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6840
[„Back Story“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6842
[„Painted Ladies“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6843
[„Cold Service“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6844
„Hugger Mugger“, „Small Vices“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Über eine Anwältin wenden sich vier junge Gattinnen von reichen Männern an Spenser. Die Angelegenheit ist höchst delikat und erfordert höchste Diskretion. Sollte etwas davon an die Öffentlichkeit dringen, wären die Karrieren der Gatten der Damen gefährdet, und sie selbst stehen natürlich für eine Zeugenaussage oder Anzeige bei der Polizei zur Verfügung. Kompliziert, gibt Spenser zu.

Um was geht es überhaupt, fragt er die vier Grazien. Sie haben alle mit dem gleichen Liebhaber geschlafen, einem überaus gutaussehenden Kerl, der sich Gary Eisenhower nennt. Zunächst ohne Bezahlung, doch kürzlich habe er angefangen, sie alle zu erpressen. Mit Ton- und Videoaufzeichnungen, die er veröffentlichen oder an die Gatten schicken könnte. Seine Geldforderung ist nicht von Pappe: 25.000 Dollar pro Monat. Nicht viel für wirkliche Reiche, aber wenn die Dame nicht selbst darüber verfügen kann, dann wird das zum Problem – der Gatte darf ja nichts merken.

Also muss der amouröse Erpresser gestoppt werden. Soll Spenser ihm gut zureden, ihn zusammenschlagen oder gar töten? Die Damen scheinen wenig von den Gesetzen zu halten und würde auch Mord in kauf nehmen. Bevor es dazu kommt, will Spenser den Erpresser selbst unter die Lupe nehmen. Da er weder korrekte Telefonnummer noch eine Adresse des Erpressers hat, schreibt er sich im Fitness-Club ein, den alle Damen frequentierten. Bingo, wenige Wochen später taucht ein passender Typ auf.

Eisenhower nennt sich auch E. Herzog und lebt in einem Wohnblock, zu dem er ihm leicht folgen kann, nachdem Eisenhower ihn, Spenser, beschatten wollte. Und Eisenhower hat in keinster Weise die Absicht, mit seinem Treiben aufzuhören. Warum auch? Es läuft alles wie geschmiert und keiner kann ihm am Zeug flicken. Aber Spenser bekommt Besuch von einem Schläger namens Boo und einem Mietkiller namens Zel: Sie wollen wissen, was Spenser wegen Beth Jackson neugierig gemacht hat, der Frau ihres Auftraggebers Chet Jackson. Spenser kann sie von seinen lauteren Absichten überzeugen.

Chet Jackson ist nicht überrascht darüber, dass seine Frau fremdgeht. Anderseits kann er sie auch nicht davon abhalten, ohne die Ehe zu gefährden. Und an die Polizei will er sich auch nicht wenden, denn offenbar sind seine Geschäfte weit jenseits von „koscher“. Das zwingt Spenser dazu, eine härtere Gangart einzuschlagen: Er bittet den Gangsterboss Tony Marcus um einen Gefallen.

Marcus droht Jackson damit, seine Geschäfte in Boston zu beenden, sollte er nicht seine Frau zurückpfeifen. Jackson denkt, Zel und Boo würden ihm was nützen, doch ein rechter Haken von Spenser setzt den Schläger außer Gefecht. Und Zel, der Shooter, wird von Marcus’ eigenen Schützen in Schach gehalten. Jackson muss klein beigeben. Aber wird ihm seine Frau gehorchen?

Wenige Tage später findet man die Leiche Jacksons tot in seinem Parkhaus. Beth Jackson hat jedoch ein hervorragendes Alibi: Sie befand sich zur Tatzeit bei Spenser, um ihm eine Morddrohung zu zeigen und ihn um Schutz zu bitten. Jetzt aber, nach der Tat, will sie von Spenser plötzlich nichts mehr wissen. Das gibt dem Detektiv sehr zu denken. Und Beth Jackson vögelt ihren Gigolo munter weiter, nachdem sie die 80 Millionen ihres Mannes geerbt hat.

Doch dann taucht die nächste Leiche auf …

_Mein Eindruck_

In seinen letzten „Spenser“-Krimis vor seinem Tod im Januar 2010 beschäftigte sich der Autor verstärkt mit Verbrechen, die auf Abweichungen vom „normalen“ Verhalten basieren – er selbst würde solche Festlegungen niemals treffen. Nicht zufällig sind diese Abweichungen Auswüchse des modernen Lebens seit dem 20. Jahrhundert.

Auf der einen Seite leben junge Frauen an der Seite von älteren oder gar schwulen Männern, verschaffen sich aber geduldete sexuelle Vergnügungen in den Armen eines Gigolos wie „Gary Eisenhower“ alias Gary Pappas. Diese Frauen sind keineswegs zu bedauern oder gar zu bemitleiden. Sie verwöhnen ihren Lover auch gerne mit Zuwendungen, jedenfalls solange wie er sie nicht erpresst.

Der Gigolo wiederum findet überhaupt nichts dabei, die Früchte von den Bäumen anderer Leute zu pflücken. Er würde es nicht mal Mundraub nennen, sondern er nimmt lediglich das, was sich ihm in Hülle und Fülle darbietet, ohne auch nur über Gefühle und dergleichen nachzudenken. Gary Eisenhower ist rund um die Uhr beschäftigt, wie Spenser durch Observation feststellen kann. Estelle, eine Trainerin im Fitness Clubs, treibt ihm die „Klientinnen“ sozusagen zu, und das schon zehn Jahre lang: Eine lukrative Partnerschaft, um die reichen Schnepfen auszunehmen.

Selbst noch dann, als Spenser den hoffnungslosen Fall längst abgegeben hat, verfolgt er die Schicksal von Eisenhower, Estelle und Beth Jackson. Es ist sein absurd wirkender Versuch, eine unkorrigierbare Sache zu korrigieren, mit unzulänglichen Mitteln. Denn er ist weder Papst noch Präsident, weder Polizist noch Richter. Erst als die Leichen auftauchen, kann er auf die Unterstützung der Cops rechnen, besonders auf Quirk, den Leiter der Mordkommission.

Was ihm am meisten zu schaffen macht, ist die Verlogenheit und Heuchelei der reichen Klasse. Die erpressten Damen und gatten wollen keinesfalls Öffentlichkeit, weil sie die Bloßstellung fürchten. Dabei gibt es einen positiven Fall, wie gerade durch die Öffentlichmachung von Eisenhowers Treiben das Verbrechen beendet und das Opfer aus seinen Klauen befreit werden konnte: Die Rektorin eines kleinen Colleges tat dies selbst. Spenser und seine Freundin Susan Silverman sind von Clarise Richardson immens beeindruckt. Sie nahm das Ende ihrer Karriere und die öffentliche Ächtung in Kauf, um sich selbst zu befreien und ihre Ehe zu retten.

Doch solches Vorgehen kommt für Beth Jackson, die Millionenerbin, nicht in Frage. Sie hat als echte Goldgräberin Erfolg auf der ganzen Linie: Das Geld ihres Gatten, die Freiheit der Witwe (obwohl sie natürlich Trauer heuchelt) und noch dazu den Spaß im Bett ihres Lovers Eisenhowers. Könnte es besser laufen? Und doch wird ihr genau dies zum Verhängnis, denn sie hat nicht damit gerechnet, dass sie jemand einen Gefallen für die Drecksarbeit schuldet, die er für sie erledigt hat. Gefühllosigkeit und Verantwortungslosigkeit werden der „treulosen Tomate“ zum Verhängnis …

_Unterm Strich_

„The Professional“ (gemeint ist wohl der Gigolo) ist einer der ersten Parker-Krimis, die ich nicht in einem Sitz durchlesen konnte. Die Handlung ausgebreitet über fast ein halbes Jahr, zieht sich nicht nur in die Länge, sondern dreht auch – zunächst jedenfalls – um ein fast vernachlässigbares Verbrechen: das Erpressen untreuer Ehefrauen. Eine fast schon absurde Szene ist jene in Chet Jacksons Büro, als ein Gangsterboss von Jackson verlangt, die Untreue seiner Ehefrau zu beenden, wolle er weiterhin im Geschäft bleiben.

Hat sich Spenser jetzt selbst zum Moralapostel ernannt, fragte ich mich. Doch dann tauchen doch noch die leichen auf, und Spenser erledigt seine Arbeit: Er schnüffelt in der Vergangenheit von Beth Jackson nach. Sie kommt aus einem Kaff im Nirgendwo, wie so viele der Schauspielerinnen in den „Spenser“-Krimis – mehr Schein als Sein, gewissenlos, aber zielbewusst. Es ist im Grunde nur eine Frage der Zeit, weiß der „Spenser“-Kenner, bis ihr diese Skrupellosigkeit das Genick brechen wird. Nicht immer obsiegt die Gerechtigkeit in den Krimis, allenfalls der poetischen Gerechtigkeit wird Genüge getan.

Insgesamt also nicht der flotteste „Spenser“-Krimi, aber ein reifes Alterswerk. Dennoch ragt selbst ein mittelguter Parker immer noch weit über die Masse der Krimiliteratur weltweit hinaus.

|Taschenbuch: 289 Seiten
ISBN-13: 978-1849162234|
[Verlagshomepage]http://www.quercusbooks.co.uk

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

Parker, Robert B. – Playmates – Ein Spenser-Krimi

_Ungewöhnliche Lösung für manipulierte Spiele(r)_

Der Bostoner Privatdetektiv Spenser wird von der Leitung der Taft University gebeten, der Anschuldigung auf den Grund zu gehen, dass die Spiele des erfolgreichen und renommierten Basketball-Teams der Uni manipuliert seien. Schon bald bestätigt sich dieser Verdacht. Allerdings taucht auch ein New Yorker Gangster auf, der Spenser nahelegt, diese Erkenntnis nicht weiterzugeben – wenn ihm sein Leben lieb ist. Was tun?

Deutscher Titel: „Spießgesellen“ (bei Ullstein, 1990).

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) [„Spare Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6852

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
[„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
[„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
[„Bad Business“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6840
[„Back Story“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6842
[„Painted Ladies“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6843
[„Cold Service“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6844
„Hugger Mugger“, „Small Vices“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Die Leitung der Taft University nahe Boston bittet Spenser, der in der Studentenzeitung geäußerten Anschuldigung nachzugehen, dass die Spiele des renommierten Basketball-Teams manipuliert seien. Zunächst schaut sich Spenser das Team an, das sich unter dem Trainer Dixie Dunham anschickt, die Liga zu gewinnen. Dunham will nichts von diesem Verdacht wissen und warnt nicht nur Spenser vor voreiligen Schlüssen, sondern auch seine Spieler davor, mit dem Schnüffler zu reden.

Unerschrocken spricht Spenser mit dem besten Mann des Teams, einem hochaufgeschossenen Schwarzen namens Dwayne Woodcott. Der spricht mit einem New Yorker Akzent, ist seit vier Jahren mit einem Stipendium an der Uni und bekommt Zensuren zwischen Zwei minus und Drei plus. Swayne lässt sich das Maul nicht verbieten, aber auch er warnt Spenser-unmissverständlich vor Andeutungen, die Spiele der Mannschaft könnten verschoben sein. Das macht Spenser erst recht stutzig.

Von dem Buchmacher Lenny bekommt er eine Liste von sechs Spielen, deren Ergebnisse nicht den Erwartungen entsprachen. Mit einem Experten vom Fach schaut er sich die Videos dieser sechs Spiele an. Der Befund ist eindeutig: Dwayne hat das Spielergebnis jedesmal beeinträchtigt, meist dadurch, dass er seine Mitspieler ihre Punkte nicht machen ließ. Und sein Teamkollege sieht ebenfalls verdächtig aus.

Konfrontiert mit diesem Befund, wird Dwayne wütend und droht Spenser, der jedoch ebenfalls kampfgeübt ist. Bei dieser Begegnung findet Spenser heraus, dass Dwayne nicht einmal lesen kann. Woher bekommt er also seine guten Noten? Und seine Freundin Chantel muss ihm alles vorlesen und erklären. Spensers Freundin, die Psyschologin Susan Silverman, legt ihm nahe, Verständnis für den angehenden Basketball-Star aufzubringen: Er komme schließlich aus dem miesesten Ghetto von ganz New York.

Spenser hat sich noch nicht entschlossen, zur Uni-Leitung zu gehen, die ihn schließlich ja bezahlt, als ein interessanter Typ mit Rolex und Goldkettchen in sein Büro marschiert kommt. Bobby Deegan will über Dwayne sprechen. Fein. Spenser soll keine schlafenden Hunde wecken und die Finger davon lassen, dann bekommt er auch eine hübsche Belohnung. Wenn er das jedoch nicht tut, kann er sich bald die Radieschen von unten betrachten. Spenser liebt klare Alternativen.

Aber er will den potenziellen Großverdiener Dwayne auch nicht reinreiten, wenns nicht sein muss. Dessen Freundin Chantel liebt ihn wirklich und will mit ihm eine Familie in L.A. gründen. Wozu den jungen Mann zurück ins Ghetto schicken und die Uni bloßstellen? Vielleicht gibt es einen anderen Weg. Spenser beginnt mit Dwaynes Uni-Betreuerin, Dr. Madeleine Roth. Zu seinem Erstaunen und Verdruss behauptet sie abweisend, keine Ahnung von Dwaynes Analphabetismus zu haben. Später überprüft Spenser ihren Hintergrund und stößt auf einen interessanten Kontakt …

Zuvor kommt aber sein bester Kumpel Hawk zu ihm, um ihm mitzuteilen, dass Bobby Deegan ihn, Hawk, anheuern wollte, um Spenser umzulegen. Na, wenn das nicht eine hohe Ehre ist. Hawk lehnte dankend fünf Riesen ab. Es ist also davon auszugehen, dass Deegan andere Killer anheuern wird. Aber wer hat Deegan überhaupt den Tipp gegeben, sich an Hawk zu wenden? Sie stoßen auf den Namen eines alten Bekannten: Gerry Broz, der Sohn eines Gangsters, mit dem sie schon mehrfach zu tun hatten …

_Mein Eindruck_

Ja, wenn es um Millionen im Profisport geht, hört der Spaß auf: Ein Menschenleben ist dann noch einen Dreck wert, besonders wenn sich die Hintermänner in Sicherheit bringen wollen. So ergeht es auch Dwayne und seinem Komplizen Davis. Nachdem Spenser und Hawk Deegan durch Bloßstellung unter Druck gesetzt haben, kennt der Gangster keine Grenzen der Gewalt mehr. Nur durch Hawks Eingreifen können Deegans Killer abgewehrt werden, doch Davis muss ins Gras beißen.

Als Krimi ist diese Geschichte insofern ziemlich ungewöhnlich, als der Handlanger Deegans, Dwayne Woodcock, von Ermittler Spenser in Schutz genommen wird. Der Schnüffler könnte es sich ja einfach machen und Dwayne seinen Auftraggebern, der Unileitung, ausliefern – und nach ihm die Sintflut. Stattdessen verhält er sich sehr ungewöhnlich und zerstört in mühseliger Kleinarbeit das Band der Abhängigkeit zwischen dem Spieler und seinem Manager Deegan.

Dazu konfrontiert er Dwayne und Chantel mit Deegan und dessen Geliebter und Komplizin (man kann sich denken, um wen es sich handelt). Spenser hat seine Freundin Susan Silverman als psychologische Beraterin bei sich, um dieses Band zwischen Dwayne und Deegan zu zerschneiden. Als Deegan beginnt, Chantel zu beleidigen, wird selbst Dwayne stutzig und begehrt auf.

Aber warum lässt sich Dwayne überhaupt von so einem durchsichtigen Windbeutel wie Deegan verführen und korrumpieren, fragen sich Spenser und Susan. Vor allem, wo doch Dwayne in dem taffen Brooklyn aufgewachsen ist und öfters mal mit harten Typen wie Deegan zu tun hatte. Der Grund ist einerseits, dass Deegan einen auf gebildet und vornehm macht, was ihm ein gewisse freundliche Autorität verleiht. Der andere Grund: Der schwarze Dwayne blickt zu Deegan, dem Weißen, auf, weil er es nicht anders kennt. Es spielt auch ein rassistischer Aspekt eine Rolle.

Auch die Art und Weise, wie Spenser sich Deegans entledigt, ist ziemlich ungewöhnlich. Denn es gibt keinen blutigen Shoutout auf irgendeiner Wiese oder in einem verlassenen Schuppen, wie dies andere Autoren praktizieren. Stattdessen spannt Spenser die Strafverfolgungsbehörden von New York, Boston und dem Bund (FBI) ein, die sich schon lange für Deegan interessieren. Und so muss Deegan nicht ins Gras beißen, sondern verschwindet im Zeugenschutzprogramm der Feds – für wie lange, weiß keiner, denn schließlich hat auch die Mafia einen langen Arm …

_Unterm Strich_

„Playmates“ ist ein doppeldeutiger Titel, der sowohl „Spielgefährten“ als auch „Spießgesellen“ (und für manche auch PLAYBOY-Bunnys) bedeutet. Parker wirft in seinem Krimi ein Schlaglicht auf die Mauscheleien im hochdotierten Profisport bzw. in dessen Vorstufe, dem College-Sport. So wie bei uns Bundesligaspiele verschoben werden (das Thema ist gerade heiß), so können auch in den USA Basketballspiele manipuliert werden. Und wer sich den Jahresverdienst von Dirk Nowitzki anschaut, weiß, dass hier um hohe Summen gepokert wird. Es geht um keine Kavaliersdelikte, schon gar nicht, wenn eine Uni den guten Ruf zu verlieren hat.

Jeder andere Ermittler (außer vielleicht Maigret und Montalbano) würde den Schummler dingfest machen und seinem Schicksal überlassen. Doch Spenser sieht Dwayne als Opfer finsterer Machenschaften und will ihn nicht nur befreien, sondern auch diese Hintermänner den behörden übergeben. Gerade diese Befreiung gestaltet sich unvermutet schwierig, denn der Spieler will sich unbedingt weiter ausbeuten lassen – er hängt einem Traum vom Ruhm aus der Hand des weißen Mannes an.

Während die Ermittlung erfreulich unerwartete Haken schlägt, wartet dieser frühe „Spenser“-Krimi (Nummer 16 von 39) mit einer Menge Action auf. Diese spielt sich leider meist offscreen ab, trägt aber mit zur erheblichen Spannung bei. Auch die Gegenüberstellung bei Deegan ist von einer beträchtlichen Spannung gekennzeichnet, doch sie erweist sich vor allem als psychologisch begründet. Mögen andere Autoren wilde Schießereien inszenieren – Spenser hält seine Weste (meist) sauber. Und so kommen auch Humor und Erotik stets zu ihrem Recht.

|Taschenbuch: 257 Seiten
ISBN-13: 978-0425120019|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

Frank Tallis – Kopflos

tallis-liebermann04-kopflos-cover-kleinIm Wien des Jahres 1903 reißt ein mysteriöser Mörder seinen Opfern buchstäblich die Köpfe ab. Während allerlei Interessengruppen die Bluttaten propagandistisch missbrauchen, bemühen sich ein Polizeibeamter und ein Arzt, den Täter zu stoppen, bevor Panik und Pogrome ausbrechen … – Auch im vierten Band seiner Liebermann-Serie erzählt Autor Tallis von einem rätselhaften Kriminalfall, wobei ihm dessen Einbettung in die zeitgenössischen politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten mindestens ebenso wichtig sind: guter aber überfrachteter Historienkrimi.
Frank Tallis – Kopflos weiterlesen

Parker, Robert B. – Spare Change – Ein Sunny-Randall-Krimi

_Ay, caramba! Spiel um Mord und Spaß_

Vor 20 Jahren ermittelte der Vater der Bostoner Privatdetektivin Sunny Randall gegen einen Serienmörder, der von den Zeitungen als „Kleingeld-Möder“ bezeichnet wurde: The Spare Change Killer. Nun haben sich wieder zwei solcher Morde ereignet. Phil Randall wird von den Bostoner Polizeibehörden als Berater hinzugezogen, und er bittet seine Tochter, ihm zu helfen. Wird es ihnen endlich gelingen, den Killer zu schnappen?

Dieser Roman wurde meines Wissens nach bislang noch nicht übersetzt.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) [„Spare Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6852

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
[„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
[„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
[„Bad Business“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6840
[„Back Story“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6842
[„Painted Ladies“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6843
[„Cold Service“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6844
„Hugger Mugger“, „Small Vices“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Die Bostoner Privatdetektivin ist geschmeichelt und aufgeregt, als ihr Vater, ein ehemaliger Polizeicaptain, sie bittet, ihm dabei zu helfen, einen Serienmörder zu fangen. Dieser Spare-Change-Mörder trieb bereits vor 20 Jahren sein Unwesen in der Stadt. Und obwohl der Unbekannte dem Cop eine Reihe von Briefen schrieb, als wäre er sein bester Kumpel, gelang es Phil Randall nicht, den Kerl dingfest zu machen. Eine Reihe von Menschen starben, bis der Unbekannte aufhörte.

Jetzt hat er – oder nur sein Nachahmer? – wieder angefangen zu töten. Phil Randall berät die höchsten Polizeikreise, die mit einer Task Force die Ermittlung betreiben. Nach einem ersten Opfer, einem jungen Mann, hat es nun einen 55-jährigen Homosexuellen namens Eugene Nevins erwischt. Der Lebenspartner von Nevins findet keinerlei Anhaltspunkte, die Eugene zu einem Opfer gemacht hätten.

Sunny überlegt, was die erneut zugeschickten Briefe an Phil Randall und was das Kleingeld zu bedeuten haben. Der Täter ist sehr selbstsicher. Will er etwa gefangen werden und fordert ihren Vater heraus? Ihr Vater steht in allen Zeitungen, und sie ebenso. Als der dritte Mord passiert, hat die Polizei Glück: Es passiert mitten im Park, der sofort abgesperrt wird: Alle Passanten, die man innerhalb der Parkgrenzen angetroffen hat, werden registriert. Und die Tatwaffe liegt in einem Blumenbeet: Sie ist identisch mit derjenigen Waffe, die bei den vorhergehenden Morden benutzt wurde.

Alle in Frage kommenden Registrierten werden von den Cops interviewt; es sind über dreißig. Als den Finanzberater Bob Johnson an der Reihe ist, fällt er Sunny und Phil Randall sofort durch seine leutselige Art auf. Sunny will ihn verhören, und tatsächlich: Der Typ fährt total auf sie ab. Er weiß erstaunlich viel über den Spare-Change-Killer, auch über die Mordserie vor 20 Jahren, und er produziert sich nicht nur vor Sunny: Er genießt es auch, sie herauszufordern.

Ihre weibliche Intuition sagt Sunny: Er ist es. Dumm nur, dass sie ihn nicht festnageln können. Also muss man ihn beschatten und durchleuchten. Doch der Polizeichef hat zu wenig Leute, um Bob Johnson rund um die Uhr zu beschatten: Er schüttelt seine Verfolger immer wieder ab.

Sunny bricht bei Johnson ein und fotografiert nicht nur sein Adressbuch, sondern auch das Foto einer jungen Frau, das im Schlafzimmer auf einem Ehrenplatz steht. Während die Cops sämtliche Adressen abklappern, macht sich Sunny mit Johnsons Familiengeschichte vertraut: Sein Vater war Professor an der Taft University, einer der Elite-Unis im Land. Merkwürdig findet Sunnys Daddy, dass Johnson senior genau dann an einer Herzattacke starb, als die erste Mordserie des Spare Change Killers aufhörte. Sunny glaubt nicht an Zufälle. Zusammen geht sie diesem verdächtigen Todesfall auf den Grund.

Zugleich trifft sie sich mit Bob Johnson auf einen Drink. Vorsichtshalber hat sie den Treff in die Bar ihres besten Freundes Spike gelegt. Johnson zeigt sich nicht nur aufregt über das Treffen und lädt sie gleich zu sich ein – er ist auch bestens informiert über die Fortschritte der Polizei. Und er will alles wissen, was Sunny und die Cops herausgefunden haben. Leider ist er zu vorsichtig und haut wieder ab.

Sunnys Vater und ihr Exmann sind gar nicht sicher, ob sie sich über Sunnys Vorgehen freuen sollen. Der Mörder ist schließlich gefährlich. Und er macht weiter: Es gibt eine Serie von drei weiblichen Opfern. Ihr gemeinsames Merkmal: Sie sehen alle Sunny äußerst ähnlich. Soll Sunny wirklich weitermachen? Denn es ist klar, dass auch sie im Visier des Täters ist. Aber was, wenn Johnson unschuldig ist? Und was treibt den Verdächtigen überhaupt an? Sunny muss weitermachen und nach der jungen Frau auf dem Foto suchen …

_Mein Eindruck_

Es ist ja ziemlich ungewöhnlich, dass ein Mörder mit der Ermittlerin anbandelt, aber auch nicht das erste Mal. Außergewöhnlicher ist hingegen, dass diese Ermittlerin das ganz genau weiß, statt sich hinters Licht führen zu lassen. Und dass sie in kauf nimmt, dabei gekidnappt oder getötet zu werden. Das verleiht der ganzen Geschichte einen erhöhten Nervenkitzel.

Da die Lösung aller Rätsel erst in der allerletzten Szene erfolgt, sind wir gespannt, welchen Hintergrund der mutmaßliche Mörder Bob Johnson aufweist. Sein Job als Finanzberater scheint nur eine Fassade zu sein: An den Tagen, an denen der Spare Change Killer zuschlägt, sind in seinem Kalender keine Termine eingetragen … Aber warum ist Johnson ohne menschliche Bindung – und überhaupt: Wer ist dieser Chico Zarilla, der als letzter Name in seinem Adressbuch steht?

Sunnys Besuch bei der jungen Frau auf dem Schlafzimmer-Foto ist höchst aufschlussreich: Sie war einmal Johnsons Freundin. Doch sie gab ihm zugunsten eines anderen den Laufpass, denn Bob war sehr schüchtern und gehemmt. Das Gespräch ist erstaunlich offen, bis in die intimsten Details. Dies dürfte nur unter Frauen möglich sein.

Doch wer ist Chico Zarilla? Sunny und ihr Vater stoßen auf diesen Namen, als sie dem angeblichen Herzanfall von Johnson senior nachforschen. Dessen Sekretärin sah nämlich Blut auf der Leiche. Und hätte schon mal von einem Herzinfarkt gehört, bei dem das Opfer blutete? Eben. Es handelt sich um einen klassischen Fall von Vertuschung durch die Uni-Leitung, und als sie den damaligen Campus-Sicherheitschef befragen, präsentiert dieser ihnen nicht nur die Tatwaffe bei Johnsons Selbstmord, sondern auch den Abschiedsbrief. Darauf steht nur: „ADIOS; CHICO ZARILLA“. Sehr merkwürdig.

Wie sich in Johnsons Zweitwohnung, dem Wohnsitz von „Chico Zarilla“, herausstellt, war der mexikanische Bandit die zweite Persönlichkeit von sowohl Johnson senior als auch von Johnson junior. Da er keine Erfüllung in der Liebe fand, tötete er als Ausgleich, um das Gefühl der Macht über die Menschen zu genießen: „Das macht Spaß“, sagt der Killer. Bis er sich in Sunny Randall verliebt …

Einer der besten Spannungshöhepunkte der ganzen „Sunny Randall“-Reihe – dies ist der letzte Band – findet sich hier als Abschluss der nervenaufreibenden Liebelei zwischen dem Mörder und der Ermittlerin. Der Schauplatz ist – wieder einmal – bei Sunnys Freund Spike im Restaurant. Als Johnson kapiert, was gespielt wird, nimmt er Sunny als Geisel. Doch ihr Vater, stets vor Ort, spielt nicht nach Johnsons Regeln …

|Väter & Söhne, Väter & Töchter|

So wie der Autor die Wechselwirkung zwischen der Erfüllung bzw. Nichterfüllung in der Liebe und dem Bedürfnis nach ausgleichender Macht auf subtile Weise darstellt, so einfallsreich stellt er auch das Beziehungsgeflecht zwischen Vätern und Söhnen sowie Vätern und Töchtern dar.

Im Fall der beiden Johnsons eifert der Junior seinem Vater nach, aber auf der Schiene des Verbrechens. Mrs Johnson ist eine frustrierte, abweisende Person, keine liebende Mutter. Im Falle der drei Randall-Frauen – Mutter, Elizabeth und Sunny – wetteifern sie alle um Vaters Gunst. Doch er gibt sie ihnen uneingeschränkt und bedingungslos, statt ihnen gegenüber durch die Drohung von Liebesentzug kontrollieren zu wollen.

Die drei Frauen sind mit faszinierenden Porträts versehen worden. Mutter Randall ist in vielen Dingen auf die Hilfe ihres Mannes angewiesen (aber sie und er würden dies niemals zugeben), eine Bourbon-Trinkerin und lausige Köchin. Elizabeth ahmt ihre Mutter nach, denn eine Frau ist ohne Mann nur eine halbe Person. Doch der neue Verlobte stellt sich Sunny gegenüber als selbstverliebter Theoretiker mit faschistischem Gedankengut dar – ein Literaturprofessor, um Himmels willen!

Sunny selbst setzt auf Erfahrung als Wert, genau wie ihr Vater. Doch auch sie benötigt eine Therapie, um sich mit Richie, der seine Frau verlassen hat, wieder eine Zuklunft aufzubauen. Auch wenn sie ihren Vater liebt und mit ihm eng zusammenarbeitet, erhebt sich im Finale die Frage, wie sie damit umgeht, dass er bei ihrer Geiselnahme nicht den Forderungen des Geiselnehmers nachgibt, sondern lieber Sunnys Tod in kauf nimmt?

_Unterm Strich_

In „Spare Change“ überzeugte mich der Autor restlos mit seiner These, dass Verbrecher in der Keimzelle der Gesellschaft entstehen, in der Familie. Ein Sohn eifert seinem Vater aus frustrierter Liebe nach, wird dabei ein anderer, eine Traumfigur, nur um dann beim wahllosen Töten ein Machtgefühl erleben zu können. Doch dann kommt diese hübsche Ermittlerin namens Sunny und wird für ihn zu einer Honigfalle …

|Showdown|

Den privaten Szenarien steht das berufliche Umfeld der Cops gegenüber, in dem sich Sunny bewegt. Ihr Vater war ein Cop und er ist es wieder, um den alten Fall des Spare-Change-Killers aufzuklären. Im Showdown kommen diese beiden Felder von Sunnys Existenz zu einer kritischen Kollision: Als sie zur Geisel genommen wird, stellt sich ihr die bange Frage, ob sie zu einem in Panik geratenen Nervenbündel wird, als ihr Vater auf sie zielt – oder ob sie die Nerven behält und ihrem Daddy vertraut. Das ist einfach meisterlich zusammen-, herbei- und ausgeführt. Erst nach dem Abschluss kann der Leser erleichtert aufatmen.

|Ausblick|

Es ist wirklich schade, dass es keine weiteren „Sunny Randall“-Krimis geben wird. Es folgen zwar im Januar und Mai noch zwei Romane posthum, doch soweit ich sehen kann, sind die Hauptfiguren dabei Spenser („Sixkill“) und Jesse Stone („Split Image“). Zu gegebener Zeit werden meine Berichte dazu folgen.

|Taschenbuch: 323 Seiten
ISBN-13: 978-0425221921|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

Parker, Robert B. – Back Story – Ein Spenser-Krimi

_Zeitkritik: der Fluch der Hippies_

Die Freundin von Spensers Ziehsohn Paul Giacomin bittet den Privatdetektiv um Aufklärung, wer für den Mord an ihrer Mutter Emily Gordon verantwortlich. Emily wurde bei einem Banküberfall erschossen – vor 28 Jahren! Für sechs Donuts übernimmt Spenser den Fall. Doch als sowohl das FBI als auch ein Gangster ihn an der Ermittlung hindern wollen, weiß er, dass viel mehr dahinter stecken muss …

Der Titel der deutschen Übersetzung lautet: „Alte Wunden“.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
[„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
[„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
„Hugger Mugger“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Die Schauspielerin Daryl Gordon nennt sich Daryl Silver, als sie mit Spensers Ziehsohn Paul Giacomin, der jetzt Regisseur am Theater ist, zu Spensers Bürotür hereinspaziert. Sie hat sechs Krispy Kreme Donuts mitgebracht – Geschenk oder Bezahlung? Letzteres, wie sich herausstellt: Der Privatermittler soll herausfinden, wer Daryls Mutter Emily auf dem Gewissen hat – nach 28 Jahren!

Emily Gordon war ein Mitglied der Hippie-Generation, wie es Daryls Vater Barry heute noch ist – in San Diego. Doch Emily geriet irgendwie von der sonnigen Westküste ins neblige Boston. Dort wollte sie auf einer Bank Reiseschecks einlösen. Sie geriet in einen Banküberfall, der von der radikalen Dread Scott Brigade verübt wurde, und wurde erschossen. Spenser bohrt mehrfach nach: Emily Gordon hatte einen schwarzen Freund namens Leon Horton alias „Coyote“. Und der Anführer der Dread Scott Brigade, Abner Fancy, nannte sich Shaka, nach dem Häuptling Shaka Zulu. Es waren die Tage der Revolution.

Die Cops haben den Fall bis heute nicht gelöst. Trotz Überwachungsfotos und Zeugenaussagen. Bemerkenswert. Ein Vermerk in der Akte macht Spenser stutzig: Eine Ermittlungsakte vom FBI sollte unterwegs sein, traf aber nie ein. Er spricht mit dem FBI-Stationsleiter vor Ort, SAC Nathan Epstein, der das Fehlen der Akte auch sonderbar findet. Doch eine Andeutung macht auf Spenser Eindruck: Entweder haben die FBI-Leute mit den Akten geschlampt – sie sind nicht bekannt dafür – oder es handelt sich um eine Vertuschungsaktion der Bundespolizei.

Als zwei Typen in Spensers Büro auf ihn warten und sagen, sie seien von der Regierung, verlangen sie, er solle seine Schnüffelei einstellen. Offenbar ist er jemandem auf die Zehen getreten. Sie sollen sich verpissen. Aber dann taucht eine ernstzunehmendere Figur auf: „Harvey“ ist offensichtlich ein professioneller Killer. Und wie Spenser von Vinnie Morris und Hawk erfährt, arbeitet „Harvey“ für den Bostoner Gangster Sonny Aronofsky. Als Spenser diesen Typen besucht, schreit der ihn an, er solle die Finger von seiner „Familie“ lassen. Familie?

Jedenfalls findet Spenser es bemerkenswert, dass sowohl FBI als auch Gangster alles tun, um ihn vom Fall Emily Gordon abzuhalten. Als er den pensionierten FBI-Ermittlungsleiter von damals besucht, stellen ihm einige Killer eine Falle. Spenser entkommt mit knapper Not, doch wird ihm klar, dass an dieser Sache viel mehr dran ist, als er gedacht hat. Er tut sich mit seinem besten Freund Hawk zusammen, damit der seinen Hintern deckt.

Eine weise Maßnahme, wie sich schon bald erweist …

_Mein Eindruck_

Diese Story versetzt den Leser in die Zeit der ausgehenden Hippie-Ära und der radikalen Studentenbewegungen. Beide werden im Rückblick und in ihren Auswirkungen äußerst negativ bewertet. Dabei ist der Autor keineswegs besonders genau und legt auch keine besondere Sachkenntnis an den Tag. Er setzt das Wissen um die acht Jahre zwischen 1966 (der wahre „Summer of Love“) und dem Jahre 1974, nach Watergate, Studentenrevolution und Rassenunruhen, als bekannt voraus. Es hieße, Eulen nach Athen zu tragen, würde er die Fakten hier nochmals wiederholen.

Außerdem geht es zwar um die Bewältigung dieser Ära, aber auch um die Auseinandersetzung mit der Behandlung jener Ereignisse durch die Behörden. Im Fall des Bankraubs stellt sich heraus, dass das FBI einen sehr guten Grund hatte, um die ganze Sache zu vertuschen: Einer ihrer Informanten war der Fahrer des Fluchtfahrzeugs. Das durfte keinesfalls bekannt werden. Als Folge davon schloss das FBI einen Schutzpakt mit dem Informanten. Als dieser sich zum Drogengangster mauserte, konnte ihm kein Richter und kein Cop am Zeug flicken: Das FBI hielt die Hand über ihn. Bis Spenser kommt.

Aber nicht nur die Agenten der Bundespolizei wollen ihn deshalb um die Ecke bringen, sondern auch ein Gangster namens Sonny Karnofsky. Die Hintergründe sind Spenser und seinem Kumpan Hawk bis zum Finale unbekannt, doch sie machen Spenser das Leben sauer, und sogar Susan muss beschützt werden.

Doch Sarnofsky wohnt in Paradise, einem schick gewordenen Fischerdörfchen nördlich von Boston. Hier ist Jesse Stone der Polizeichef. Und sobald Stone einmal von Spenser und seinen Leuten bei der Staatspolizei (Healy) in die Sache eingeweiht worden ist, erweist er sich als äußerst hilfreich. Denn ihm ist die Anwesenheit eines Gangsters in seinem Städtchen ebenfalls schon lange ein Dorn im Auge. Also hilft er Spenser mit Informationen aus seiner Überwachungstätigkeit. Spenser hat Hochachtung vor dem Mann: „not a smalltown shitkicker“ lautet sein höchstes Lob.

Und so kommt es, dass Spenser endlich die beste Freundin von Emily Gordon ausfindig macht. Und auch den Grund, warum Karnofsky überhaupt von „Familie“ sprach, als Spenser ihn auf Emily ansprach. Und dabei treten die Folgen der sexuellen Freizügigkeit unter den Hippies wieder mal sehr deutlich zutage. Und auch die Gründe, warum Emily Gordon an jenem Tag in der Bank erschossen wurde.

_Unterm Strich_

Ich fand diesen „Spenser“-Krimi zwar recht spannend, aber wenig unterhaltsam. „Bad Business“ war wesentlich unterhaltsamer und lustiger, ein Thriller wie „Trouble in Paradise“ actionreicher. „Back Story“ weist zwar ein interessantes Sujet auf, doch der Autor macht zu wenig daraus. Die Kollaboration von FBI und Verbrechern auf der Ebene von Spitzeln ist sattsam bekannt und vielfach von Autoren aufgegriffen worden. (Erst gestern kam die Meldung, fünf deutsche Polizeibeamte hätten den Hell’s Angels Informationen zugesteckt.)

Die Konfrontation Spensers mit dem alten FBI und den Verbrechern sorgt zwar für jede Menge Actionszenen, doch wenn es um Wissen über die Hippies, die Studentenrevolte und die Rassenunruhen in den USA geht, liefert der Autor nichts an Hintergrundinformationen. Die muss der deutsche Leser gefälligst selbst mitbringen, oder er ist reichlich verwirrt. Es wäre recht empfehlenswert, sich über jene bewegte Zeit zu informieren. Dass die Vergangenheit nämlich keineswegs tot ist, zeigen unter anderem die Aufhebung des Strafbefehls gegen DOORS-Sänger Jim Morrison nach rund 40 Jahren und die Weiterverfolgung von Roman Polanski durch US-Gerichte, ebenfalls nach fast 40 Jahren.

Bemerkenswert ist dieser „Spenser“-Krimi auch durch den Auftritt von Jesse Stone, dem Polizeichef von Paradise. Stone stellt die Zentralfigur zahlreicher weiterer Krimis von Robert B. Parker dar, und ich habe über ein halbes Dutzend davon bereits vorgestellt. Wie stets sorgen zahlreiche Anspielungen auf Literatur und Film für Erheiterung und ironische Seitenhiebe. So ist zumindest für Amüsement gesorgt. Dies ist beileibe kein langweiliger Roman. Aber der deutsche Leser muss sein Scherflein beitragen, um seine Tiefe zu würdigen.

|Taschenbuch: 291 Seiten
ISBN-13: 978-0399149771|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/putnam.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

Parker, Robert B. – Painted Ladies – Ein Spenser-Krimi

_Kunst killt – Spenser auch_

Privatdetektiv Spenser wird von einem Kunstprofessor als Leibwächter angeheuert, der Lösegeld für ein gestohlenes Gemälde übergeben will. Kurz nach der Übergabe des Lösegeldes explodiert ein Paket, das der Professor trägt, und zerfetzt ihn. Spenser betrachtet es als seine Pflicht, die für den Mord Verantwortlichen ausfindig zu machen. Doch jemand hat mächtig etwas dagegen und verübt zwei Anschläge auf ihn … So viel Blut nur für ein Gemälde, wundert sich Spenser.

Dieser Roman wurde noch nicht übersetzt.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
[„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
[„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
„Hugger Mugger“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Der Kunstprofessor Ashton Prince heuert Spenser an, um ihm dabei zu helfen, ein berühmtes gestohlenes Gemälde wiederzubeschaffen: einen alten holländischen Meister. Die Diebe fordern ein Lösegeld und Prince soll es übergeben. Spenser spielt bei der Übergabe praktisch nur den Leibwächter. Weil das nach einem einfachen Job aussieht, willigt er sofort ein.

Die Übergabe findet auf einer Autobahnbrücke statt. Weil Spenser darunter parken und nicht mitgehen soll, sieht er nicht, wie der Professor den Geldkoffer übergibt, auch nicht, an wen. Erst als Prince mit einem kleinformatigen, flachen Paket zurückkehrt, das das Gemälde sein könnte, sieht er ihn wieder. Da explodiert das Paket und zerfetzt den Mann. Spenser ist sauer: Er hat in seiner Aufgabe versagt, den Mann zu schützen. Deshalb betrachtet er es nun als seine Pflicht, dem Mord auf den Grund zu gehen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Das Bild gehörte dem Hammond-Museum in Boston. Doch weder deren Präsident noch sein Anwalt Morton Lloyd wollen irgendwelche Auskünfte erteilen. Und in der Versicherung der Uni arbeitet eine ehemalige FBI-Mitarbeiterin namens Winifred Minor. Auch sie hält sich bedeckt. Doch was für ein Zufall: Ihre Tochter Melissa studiert an der Waltham Universität, an der Ashton Prince lehrte. Und wie Melissas Kommilitoninnen tuscheln, war sie seine Geliebte. Ein paar Zufälle zu viel für Spensers Geschmack.

Die Frau des Professors, eine Dichterin, informiert ihn, dass Ashton Prince nicht der richtige Name des Professors war, sondern vielmehr Ascher Prinz lautete. Der Schürzenjäger des Waltham College war Jude, aber er schämte sich dieser Herkunft. Sein Vater Amos Prinz kam ins KZ Auschwitz. Dafür war Prince eine Koryphäe in Sachen alte holländische Meister und Fälschungen. Von einem Professor in New York City erfährt Spenser, dass Prince völlig unterbezahlt und überbeschäftigt war. Er hätte eine bessere Stellung haben können, warum blieb er dann an einem Provinz-College?

|Die Geschichte des Gemäldes|

Der New Yorker Professor erzählt Spenser die Geschichte des Gemäldes (und wie sich später herausstellt, hat Prince darüber seine Doktorarbeit geschrieben). Der holländische Maler Frans Hermenszoon starb mit 27 im 17. Jahrhundert und kreierte lediglich acht Bilder, wovon „Die Dame mit dem Fink“ das einzige war, das überlebte. Dementsprechend unersetzbar und wertvoll ist es. Nach zwei Jahrhunderten im Besitz der Familie wurde es an den Amsterdamer Kunsthändler Judah Herzberg verkauft.

Doch nach weiteren zwei Jahrhunderten wurden Herzberg und seine Familie 1940 von den Nazis deportiert und ins KZ Auschwitz gebracht, wo alle bis auf den neunjährigen Sohn Isaac umgebracht wurden. Er verschwand mit einem Freund namens Amos Prinz, dem Vater von Ascher Prinz alias Ashton Prince. Die Nazis hatten die reichhaltige Herzberg-Sammlung konfisziert. Aber die beiden holten das Bild aus seinem Versteck im Herzberg-Haus und verkauften es für einen Appel und ein Ei an einen unbekannten Kunsthändler in Rotterdam. Ende der vierziger Jahre tauchte es im Hammond Museum auf. Aber warum ausgerechnet dort?

|Anschlag|

Er lässt Staatsanwältin Rita Fiore Erkundigungen über Morton Lloyd einziehen. Etwas ist faul an diesem Mann, denn Lloyd war es, der Prince den Kontakt mit dem Hammond Museum vermittelte, um das gestohlene Bild wiederzubeschaffen – und so in Lebensgefahr brachte.

Spensers Nachdenken wird erheblich gestört, als zwei bewaffnete Söldner in seinem Büro auf ihn lauern. Nur sein treuer Hund Pearl warnt ihn vor den Eindringlingen. Nach einem Erkundungsgang schließt Spenser seine Bürotür vorsichtig auf, ohne einzutreten, und legt sich flach auf den Korridor davor.

Wie erwartet stürmen die Killer um sich schießend auf den Gang heraus, wo Spenser sie mit gezielten Schüssen ausschalten kann. Dass beide die gleiche eintätowierte KZ-Häftlingsnummer tragen, ist nicht gerade alltäglicher Anblick. Captain Healy von der Staatspolizei findet heraus, dass sie aus Holland kommen, der Heimat von Prinz und Herzberg – und des Bildes. Und die Häftlingsnummer war die, welche Judah Herzberg in Auschwitz tragen musste …

Der Mordanschlag involviert natürlich die Bostoner Polizei, doch Frank Belson macht ebensowenig Schwierigkeiten wie Healy oder Belsons Chef Quirk. Allerdings bleibt es nicht bei diesem ersten Anschlag. Fortan lebt Spenser gefährlich – und seine Freundin Susan ebenfalls …

_Mein Eindruck_

Der Kunstmarkt ist auch nicht mehr das, was er mal war. Zumindest der für die Beutekunst, um die es im vorliegenden „Spenser“-Krimi geht. Denn das Bild „Dame mit Fink“ wurde von den Nazis geraubt und nach dem Krieg erst verkauft und dann den Amis übergeben. Oder auch nicht, aber mehr darf nicht verraten werden. In der Tat bleiben die Umstände der Verwicklungen von Ashton Prince, Ariel Herzberg und Anwalt Lloyd bis fast zum Finale im Dunkeln. Deshalb ist mal wieder gute alte Detektivarbeit angesagt, und Spenser erledigt sie wie stets mit großer Geduld und Hartnäckigkeit.

Dass sich ein amerikanischer Krimiautor überhaupt einmal mit dem Kunstmarkt beschäftigt, finde ich ja schon lobens- und bemerkenswert. Doch wenn Parker dies tut, weiß man, darf man etwas Besonderes erwarten darf. Nämlich nicht nur fundiertes Sachwissen, sondern auch ein menschliches Drama, das zunächst hinter dem Thema steht, dann aber im Finale den Ausschlag gibt. Schließlich drehen sich alle Geschichten, die es zu erzählen wert sind, nicht um Sachen, sondern um Menschen.

Der Roman ist für einen von Parker ungewöhnlich ernst und tragisch. Zwar versuchen Spenser und Hawk wie immer, sie gegenseitig aufzuziehen, aber die Anschläge auf Spenser und die weiteren Leichen lassen auch Spenser das Lachen vergehen. Vielleicht liegt der Ernst des Tons daran, dass der Holocaust an den Juden, also die Konzentrationslager, ein zu ernstes und düsteres Element sind, als dass der Autor auf einer heiteren Note weitererzählen könnte. Zumal es bei der Beutekunst nicht nur um Menschenleben und Schicksale, sondern auch um viel Geld geht.

Die Figuren in diesem Roman verhalten sich nicht immer so, wie es sich Otto Normalbürger wünscht oder wenigstens vorstellt. Der Kunstsachverständige ist ein Betrüger, der Anwalt ein Schwindler und der Beutekunstjäger ein gemeiner Dieb. Aber auch die Ermittler haben keine weiße Weste. Winifred Minor war beim FBI, verliebte sich aber in den Kunstdieb – und ließ ihn nicht nur laufen, sondern half ihm sogar. Nicht ganz das Verhalten, das sich Edgar Hoover gewünscht hätte. Der Autor scheint sein Menschenbild weiterentwickelt zu haben: Es ist multidimensionaler geworden und lässt mehr Möglichkeiten als früher zu.

_Unterm Strich_

Wie so oft fängt Spensers neuer Fall ganz einfach an, entwickelt sich dann aber rasant zu einer Angelegenheit auf Leben und Tod. Kunst killt, im wahrsten Sinne des Wortes. Während Spenser noch den Hintergrund seines Klienten prüft, ist der Gegner schon zwei Schritte weiter. Und als sich immer weitere Merkwürdigkeiten eröffnen, kristallisiert sich mit schauriger Gewissheit heraus, was der unbekannte Mörder wirklich vorhat – und dass Spenser dies unbedingt verhindern muss.

Der einzige Grund, warum ich einen Punkt abziehe, ist der langsame Mittelteil und die Kompliziertheit des Plots. Diese Wertung ist jedoch höchst subjektiv, denn für manch anderen Leser liegt wahrscheinlich genau in dieser Unvorhersehbarkeit der Reiz eines guten Krimis. Also, jedem das Seine.

|Taschenbuch: 290 Seiten
ISBN-13: 978-1849161329|
[www.quercusbooks.co.uk]http://www.quercusbooks.co.uk

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

Parker, Robert B. – Bad Business – Ein Spenser-Krimi

_Der Sex-Guru und das Kapital_

Als die Gattin einer Managers Spenser darum bittet, ihren Mann wegen Untreue zu beschatten, ahnt der Privatdetektiv noch nicht, auf welches Schlangennest aus Betrug, Sex und Mord er stoßen wird. Er braucht jede Hilfe seiner Freunde, um diesen Fall zu bewältigen …

Dieser Roman wurde noch nicht übersetzt.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
[„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
[„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
„Hugger Mugger“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Eine Frau tritt in Spensers Büro und beauftragt ihn damit, ihren Mann zu beschatten, weil sie glaubt, er sei ihr untreu. Spenser bittet sie, mal ihren Namen zu verraten, damit er weiß, wen er überhaupt beschatten soll. Widerwillig gibt sie dieses Staatsgeheimnis preis: Marlene Rowley. Er soll Trenton Rowley beschatten, den Finanzchef der Firma Kinergy in Waltham. Das Unternehmen handle mit Energiekapazitäten und sei sehr aufstrebend. Ach ja, noch eine Kleinigkeit: Die Bezahlung erfolge nur über ihren Anwalt. Spenser nimmt auch dies gelassen hin.

Dem Manager Trenton Rowley zu folgen, erweist sich als einfach. Nach Büroschluss um 19:00 Uhr düst der Manager nicht etwa nach Hause zu Heim und Herd, sondern in das Nobelhotel Hyatt, um dort eine Frau zu treffen, die bereits auf ihn wartet. Nach drei Stunden erscheint er wieder, mit einer Blondine am Arm. Gerade als Spenser den beiden folgen will, wird er von einem Mann angesprochen: „Folgen Sie dem Mann? Ich folge der Blondine.“

Der Typ ist ebenfalls Privatdetektiv. Elmer O’Neill wurde angeblich von Ellen Eisens Mann engagiert. Na, fein: Spenser und Elmer teilen sich die Arbeit und die Erkenntnisse. Doch das ist noch nicht alles: Als Spenser mal Marlene folgt, stößt er auf einen weiteren Detektiv. Dieser wurde ebenfalls von einem Mann engagiert. Das ist ja der reinste Ringelpietz mit Anfassen, findet Spenser. Was steckt dahinter?

Regel Nr. 1: Wenn man im Zweifel ist, sollte man alle Beteiligten befragen. Ellen Eisen ist die Erste. Ellen ist (noch?) mit Bernie Eisen verheiratet, einem Kollegen von Trenton Rowley, der ebenfalls im Vorstand arbeitet. Sie hat einen „Berater in Dingen des Herzens“ namens Darrin O’Mara dabei, den Spenser als TV- und Rundfunkratgeber kennt. Wie sich herausstellt, propagiert O’Mara die „höfische Liebe“ des Mittelalters, die nichts weiter besagt, als dass die Ehe ein Gefängnis sei, aus dem es durch andere Liebschaften auszubrechen gelte. Nur so könne man der Herzensdame seine Zuneigung zeigen. Zwar hält Spenser dies für ausgemachten Blödsinn, doch Ellen weist ihm die Tür, als er sie dafür kritisiert, daran zu glauben.

Spenser wartet abends vor dem Firmengebäude von Kinergy darauf, dass Rowley endlich Feierabend macht. Es wird später und später. Schließlich reißt ihm der Geduldsfaden und er wendet sich an den Wachmann am Eingang: Er sei Johnny Weismuller und wollte Trenton Rowley sprechen. Nach einer Weile tauchen jedoch statt des erhofften Mannes zwei Streifenwagen auf und halten Spenser erst einmal fest. Eine Ambulanz trifft ein – kein gutes Zeichen. Schließlich taucht sogar Captain Healy von der Staatspolizei von Massachusetts auf. Der alte Bekannte Spensers klärt ihn auf, was dieser Auflauf soll: Rowley wurde mit drei Einschüssen tot aufgefunden. Ein Verbrechen aus Leidenschaft?, sinnieren die beiden. Oder steckt mehr dahinter?

Als Spenser Bernie Eisen erstmals kennenlernen will, um ihn über Rowley zu befragen, begrüßt ihn erst einmal der Sicherheitschef von Kinergy, Gavin. Der führt ihn in ein karges Büro. Als sich auch Eisen dazusetzt, ist Spenser sehr vorsichtig. Allein schon die Frage, ob Rowley ein Verhältnis mit Eisens Frau habe, führt zum Abbruch des Gesprächs. Spenser muss unverrichteter Dinge zurück. Doch er kann zumindest die anderen beiden Detektive nach ihren Erkenntnissen fragen. Dabei stellt sich heraus, dass sie nicht wie angenommen, von den Ehemännern beauftragt wurden, sondern der Beschreibung nach von Sicherheitschef Gavin. Warum sollte Gavin seinen eigenen Managern nachspionieren?

Um allem die Krone aufzusetzen, macht Gavin Spenser ein fürstliches Angebot: Eine Sinekure in der tiefsten Provinz – viel Geld fürs Nichtstun. Spenser lehnt dankend ab. Dann taucht schließlich sogar der Vorstandschef Bob Cooper – „nenn mich Coop“ – auf und macht ihm ein lukratives Angebot: Sicherheitsberater bei Kinergy. Spenser lehnt wieder ab, denn er hat ja schon einen Klienten (Mrs Rowley).

Aber als auch Gavin tot aufgefunden wird – Suizid? – , ahnt Spenser, dass das nächste Opfer bei Kinergy nicht lange auf sich warten lassen wird. Es sei denn, er unternimmt schnellstens etwas dagegen. Zusammen mit Hawk, seinem besten Freund, beginnt er, den unsichtbaren Gegner aufzuscheuchen, wer auch immer es sein mag …

_Mein Eindruck_

Selten habe ich in der Reihe der Spenser-Krimis einen so spannenden, erotischen und lustigen Roman gelesen. Vordergründig scheint es um Liebeshändel zu gehen, doch in Wahrheit geht es um eine Firmenübernahme. Dreiecksgeschichten sind Standardware in Krimis, und Ermittlungen in Scheidungsfällen sind das Brot-und-Butter-Geschäft der Privatschnüffler. Allerdings entpuppen sich die Schäferstündchen als etwas anderes: Sie wurden vom Sex-Guru höchstpersönlich arrangiert! Also ist der Seitensprung gar nicht so schlimm, oder?

|Minne und dergleichen|

Als ehemaliger Literaturprofessor kennt sich der Autor natürlich auch mit den provenzalischen Troubadouren und deutschen Minnesängern aus. Die höfische Liebe, auch „Minne“ genannt, wurde im 14. Jahrhundert in Aquitanien erfunden (vgl. dazu A. Ballhaus: „Liebe und Sex im Mittelalter“, dt. bei Lübbe, 2009). Manche ihrer Vorstellungen wirken seltsamerweise bis heute nach, so etwa die Idee, dass romantische Liebe zur „edlen Dame“ bzw. „Gentleman“ genügen würde, um eine Ehe zu begründen. Über Minne und dergleichen kann Spenser nur lachen, denn seine Beziehung zu Susan ist auf etwas ganz anderes gegründet: auf sexuelle Anziehung. Ellen Eisen und Marlene Rowley scheint es an sexueller Erfüllung jedoch eindeutig zu mangeln.

|Der Liebesguru|

Immer wieder stolpert der Schnüffler über den Sex-Guru Darrin O’Mara. Dieser hält Liebesseminare ab, und Spenser lässt seinen Kumpel Hawk seine Freundin Cecile in eines dieser Seminare einschleusen. Das Ergebnis ist ganz erstaunlich und hat reichlich wenig mit höfischer Liebe zu tun. Der Herzensberater könnte sich genauso gut Zuhälter für Kinergy nennen. Und er hat einen zwielichtigen Helfer mit unbekannten Aufgaben.

|Firma mit doppeltem Boden|

Kinergy ist eine aufstrebende Firma, wie es heißt. Der Vorstandschef Bob Cooper ist ein jovialer Bursche, der sich bei jedem anbiedert. Aber Spenser lässt sich nicht einwickeln: Das ist einfach nur Geschäftsstrategie, wie sie in jeder amerikanischen Firma zum guten Ton gehört. Spenser beginnt nach dem zweiten Mord hinter die Fassade zu blicken, als sich ihm eine junge „Geschäftsentwicklerin“ anvertraut: Mit den Finanzen der Firma könnte es nicht zum Besten stehen. In wenigen Tagen könnte sie pleite sein.

Spenser ist nun aber der Letzte, der sich mit Buchhaltung auskennt. Er kennt aber wie jeder gute Amateur Leute, die die besten auf ihrem Gebiet sind. Marty Siegel ist so einer, und er findet mit Hilfe der jungen Managerin und Einwilligung von Bob Cooper heraus, was mit den Bilanzen von Kinergy nicht stimmt: Finanzchef Rowley und sein Kumpel Bernie Eisen haben einen großen Finanztrick namens Special Purpose Entity (SPE) abgezogen, der zwar ihre Börsennotierung schönte, aber dafür sorgte, dass sie sich ihre Taschen füllen konnten: Es war eine gigantische Luftblase, denn das Vermögen der Firma stand nur auf dem Papier. Von Cash keine Spur.

|Showtime|

Soweit, so schön, Aber, woher kommen denn nun die Leichen, fragt sich Spenser. SPEs bringen keine Leute um, schon gar keine Finanzchefs. Spenser greift mit seinem Kumpel Hawk auf die beste Tugend des Schnüfflers zurück: geduldig beobachten. In welchem Zusammenhang der Liebesguru Darrin O’Mara zu Bob Cooper steht, wissen sie bereits, aber was soll Darrins Heimlichtuerei mit den Damen? In klassischer Manier entdecken die beiden Beschatter die naheliegende Wahrheit und führen eine Gegenüberstellung der wichtigsten Figuren im verzwickten Spiel herbei. Denn wo es an Beweisen mangelt, müssen Geständnisse die Wahrheit ans Licht bringen.

Die Wahrheit ist jedoch derart hässlich, dass schon bald der Adrenalinpegel ins Unerträgliche steigt und es zu emotionalen Explosionen kommen muss …

_Unterm Strich_

Ich habe diesen Krimi an nur einem Abend gelesen. Er ist nicht nur spannend und actionreich, sondern auch äußerst lustig. Die Sache mit der höfischen Liebe ist von Anfang ein verdächtiges Konstrukt, dass wir sofort einen Vorwand für sexuelle Aktivitäten vermuten. Wunderbar, wie Spenser und Hawk die Wahrheit ans Licht bringen – mit einem unwahrscheinlichen Kandidaten im Rampenlicht.

Und dann noch die Sache mit den drei Detektiven, die sich gegenseitig auf die Füße treten. Herrlich! Wunderbar die Szene, wie sich Marlene Rowley im Rekordtempo besäuft und in den Geisteszustand eines Kleinkindes zurückverfällt: „Hab Pipi macht“, meldet sie schließlich stolz ihre Verrichtung. Spenser weiß nicht, ob er lachen oder weinen soll. (In dem „Jesse Stone“-Krimi „Death in Paradise“, der längst nicht so lustig ist, gibt es eine ähnliche Szene mit einem Schriftsteller: Sein Kopf fällt ins Essen. Unterschwellig warnt der Autor seine Leser mehrfach vor den Gefahren der Alkoholsucht.)

Von großem Sachverstand zeugen die Kapitel, die der Autor dem Finanztrick der Special Purpose Entitys (SPEs) widmet. Spenser bedingt sich aus, was auch wir wünschen würden: Übervereinfachung. Tatsächlich erklärt der „weltbeste Wirtschaftsprüfer“ Marty Siegel diese komplexe Sache mit Worten, die jeder verstehen kann. Und wie schon in „Widow’s Walk“ wird aus einer unscheinbaren Finanzinstitution bzw. -abteilung ein Monster, das ohne Weiteres sein Scherflein zum Börsencrash von 2008 beigetragen haben könnte. Und zwar völlig legal.

Natürlich darf in einem „Spenser“-Krimi die Action nicht zu kurz kommen. Doch darüber darf hier nichts verraten werden. Alles in allem ein perfekter Beitrag zur „Spenser“-Reihe.

|Taschenbuch: 310 Seiten
ISBN-13: 978-0399151453|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/putnam.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

Ludlum, Robert – Das Osterman-Wochenende

_Mittelmäßiger und überholter Cold War Thriller_

Als John Tanner vom CIA darüber informiert wird, dass seine drei besten Freunde Tremayne, Osterman und Cardone Mitglieder einer vom KGB gesteuerten Spionageorganisation seien, gerät sein Leben aus den Fugen, Alles erscheint im Zwielicht. Im bevorstehenden Treffen am Wochenende, wenn die Ostermans aus L.A. nach New Jersey kommen, soll Tanner als der Agent der CIA fungieren. Und als wäre dies nicht genug, macht die CIA seine drei Freunde durch gezielte Kontakte hypernervös. Es wird diesmal ein sehr explosives Wochenende …

_Der Autor_

Robert Ludlum wurde 1927 in New York City geboren. Nach dem II. Weltkrieg begann er eine Karriere als Schauspieler, die er verfolgte, bis er vierzig wurde, also bis 1967. Er studierte Kunstgeschichte und fing mit dem Schreiben an. 1971 schießt sein erster Thriller „Das Scarlatti-Erbe“, an dem er 18 Monate schrieb, an die Spitze der Bestsellerlisten. Als ähnlich erfolgreich erwiesen sich auch alle weiteren Romane, so etwa „Das Osterman-Wochenende“ (verfilmt), „Die Scorpio-Illusion“ oder „Der Ikarus-Plan“.

Seine Erfahrung als Schauspieler kam ihm zugute: „Man lernt, wie man die Aufmerksamkeit des Publikums behält.“ Seine Bücher wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt und erreichten eine Auflage von mehr als 280 Millionen Exemplaren (Verlagsangabe von Heyne). Zuletzt wurden die drei legendären „Bourne“-Thriller mit Matt Damon höchst erfolgreich verfilmt. Ludlum lebte bis zu seinem Tod am 12. März 2001 mit seiner Frau Mary und seinen Kinder in Florida und Connecticut.

Mehrere Autoren schreiben an den Serien, die Ludlum schuf, weiter. Derzeit befinden sich die Verfilmungen zu „The Matarese Circle“/“Der Matarese-Bund“ (mit Denzel Washington) und „The Chancellor Manuscript“/“Das Kastler-Manuskript“ (mit Leonardo DiCaprio) in der Produktion. Außerdem gibt es seit 2008 das Videospiel „Robert Ludlum’s: Das Bourne-Komplott“ für PlayStation 3 und Xbox360.

1) „Die Bourne-Identität“
2) „Das Bourne-Imperium“
3) „Das Bourne-Ultimatum“
4) [„Das Bourne-Vermächtnis“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5355 (von Eric Lustbader)
5) [„Der Bourne-Betrug“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5537 (von Eric Lustbader)
6) [„Das Bourne-Attentat“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6125 (von Eric Lustbader, 2008)
7) „Die Bourne-Intrige“ (von Eric Lustbader, Veröffentlichung 2009)
8) „The Bourne Objective“ (von Eric Lustbader, Veröffentlichung 2010)

Weitere Reihen: „Der Matarese-Bund“ (zwei Bände); die „Covert ONE“-Reihe (von Ko-Autoren verfasst, die auf unveröffentlichtes Material Ludlums zurückgreifen; bislang sieben Bände, davon wurde „Der Hades-Faktor“ 2006 mit Anjelica Huston, Mira Sorvino, Colm Meaney & Stephen Dorff verfilmt).

_Handlung_

|Sonntagnachmittag|

In Saddle Valley, einem verschlafenen Villenvorort in New Jersey, 25 km von Manhattan entfernt, verläuft die Zeit am Sonntagnachmittag träge. Aber vier Familien registrieren die verstärkte Präsenz von Streifenwagen der Cops. Manche der Familienväter machen sich Gedanken:

1) Richard Tremayne, der Anwalt für Firmenübernahmen, lebt in einem Haifischbecken;
2) Joe Cardione, vormals Cardione, ist Investmentmakler für italienische „Freunde“, die Kontakte zur Unterwelt haben;
3) John Tanner, Nachrichtenchef des Senders Standard Mutual, der seiner Konkurrenz meilenweit voraus ist.

Sie alle freuen sich auf das kommende Wochenende, wenn die Ostermans, Bernie und Leila, aus L.A. einfliegen und sie alle mit ihren Familien eine Party feiern werden.

|Montag|

Unter einem fadenscheinigen Vorwand, der ihm gleich als merkwürdig auffällt, fordert die FCC, die Bundesnachrichtenkommission für die Senderkontrolle, John Tanner auf, drei Schriftstücke vorzulegen – und zwar dalli, noch heute. Oder man entzieht ihm die Sendelizenz. Wütend fliegt Tanner in die Bundeshauptstadt.

Doch statt des erwarteten FCC-Beamten empfängt ihn in leeren Büros ein Agent der Central Intelligence Agency. Dieser Laurence Fassett hat die Rückendeckung des Weißen Hauses. Und er ist fair genug, Tanner die Wahl zu lassen, ob er die Informationen, die ihm jetzt gebe, glauben wolle oder nicht. Es gibt drei Stufen der Offenlegung, die dritte ist unterschriftspflichtig und mit persönlicher Haftung verbunden.

Was Tanner zu hören bekommt, ist unfassbar: Ein Netzwerk von Agenten, die vom KGB gesteuert werden, soll binnen vier Wochen losschlagen, um in einer Welle von Erpressungen die Wirtschaft des Landes in die Knie zu zwingen. Das Netzwerk namens „Omega“ bestehe in Saddle Valley aus den beiden Nachbarn Tanners, Tremayne und Cardone sowie aus den beiden Ostermans. Diese Namen erfährt Tanner erst auf Stufe drei – ein Zurückgehen zu Unschuld und Unwissenheit ist nicht mehr möglich.

Fassett bittet Tanner, als Agent der CIA am kommenden Zusammentreffen der Omega-Organisation teilzunehmen: dem alljährlich stattfindenden Osterman-Wochenende. Aus Angst um seine Familie, aber auch um seine Existenz bei seiner Firma sagt Tanner zu, weniger also, weil er ein Patriot wäre. Dafür ist sein Unglaube noch zu groß. Fassett warnt ihn vor, dass die drei Omega-Leute durch Anrufe und andere Kontakte vor Tanner gewarnt würden, beruhigt ihn aber zugleich, dass Tanner und seine Familie völlig außer Gefahr seien. Nur 50 Meter entfernt seien CIA-Agenten in Bereitschaft: eben jene auffälligen Streifenpolizisten vom Vortag. Mit wackligen Beinen kehrt Tanner zu seiner Familie zurück.

|Dienstag bis Freitag|

Tremayne, Osterman und Cardone erhalten die angekündigten Botschaften, die sie vor Tanner warnen. Aber was hat Tanner vor? Was weiß er? Weiß er von der Sache mit Zurich?

|Mittwoch|

Tanner findet seine Familie nicht zu Hause vor. Statt dessen hängt ein unangenehmer Geruch nach Gas in seiner Garage. Wo können sie nur sein? Nach einer hektischen Suche im Hause rast er los, denn er will nicht mehr auf Fassetts Hilfe zählen. Als er Alice und seine zwei Kinder an einem verlassenen Bahnhof wiederfindet, erwachen sie gerade aus ihrer Betäubung.

Was soll diese Botschaft bedeuten und wer hat sie gesendet? Je mehr Tanner darüber nachdenkt, desto mehr zweifelt er an Fassett und der Kompetenz von dessen Leuten. Denn dieser Übergriff auf seine Familie, hätten diese auf jeden Fall verhindern müssen. Doch Fassett hat andere Sorgen: Einer seiner Männer wurde erschossen. Omega muss Tanner bereits ganz nah sein …

_Mein Eindruck_

Wie auch in den „Jason Bourne“-Thrillern ist der Agent bzw. der Komplize des Spions immer auch ein Schauspieler. Und mit diesem Metier kennt sich der Autor bestens aus. John Tanner ist ein solcher Agentenkomplize, und er spielt seine Akteursrolle recht gut. Allerdings hat er seine Probleme, besonders wenn er mit Alice spricht, seiner Frau und engsten Vertrauten. Aber er hat keine Probleme zu lügen, wenn er mit Cardone, Tremayne und Osterman bzw. deren Frauen spricht.

Tanners neues Doppelleben wird allerdings auf mehrere harte Proben gestellt, und das macht die Spannung dieses Romans aus. Zuerst die Entführung und Betäubung seiner Familie, dann Fassetts ermordeter Kollege, schließlich der tote und geköpfte Hund in Tanners eigenem Badezimmer – da können einem schon die Nerven durchgehen. Aber das ist noch gar nichts, als sich die Tanners und Ostermans in seinem Keller verschanzen müssen, um einen Feuerüberfall zu überstehen!

Immer wieder wird Tanners Haus beschossen, es gibt Attacken auf der Straße – wo ist Fassetts Truppe, wenn man sie braucht?! Doch da liegt eben der Hund begraben. Kann Tanner Fassett wirklich trauen? Als er im CIA-Hauptquartier anruft, weiß man dort nichts von einem Fassett, der für sie arbeiten soll. Hat Fassett Tanner hinters Licht geführt und ist in Wahrheit etwas ganz anderes? Und kann Tanner dem lokalen Polizeichef trauen, von dem Fassetts Mann Jenkins behauptet, er sei nicht in die Omega-Sache eingewiesen?

Wie üblich ist der Held umstellt von zwielichtigen Figuren, auf deren Loyalität er sich nur bedingt verlassen kann – sie könnten alle ebenso schauspielern wie er selbst. Natürlich nicht die eigene Frau oder die eigenen Kinder, aber der Rest. Und dieser Rest ist verdammt groß: Es wird keine weiteren Osterman-Wochenenden mehr geben. Denn nun herrscht ringsum Omega.

|Die Übersetzung|

Heinz Nagel hat diesen Roman ins Deutsche übertragen. Der Text ist leicht verständlich und die deutschen Entsprechungen erscheinen mir durchaus korrekt. Allerdings ging man in den siebziger Jahren bei der Eindeutschung wesentlich weiter als heutzutage, sodass sich weniger ursprünglich englische Bezeichnungen und Namen finden.

Die Druckfehler, die sich seinerzeit in vielen Heyne-Taschenbüchern fanden, sind auch hier zu finden, und nicht zu knapp, aber sie stören den Lesefluss nicht.

_Unterm Strich_

Ich brauchte mehrere Tage für diesen Thriller, der für Ludlum-Verhältnisse recht kurz ist. Allein schon das Setting, das in einem Nobelvorort angesiedelt ist, macht es schwer, sich mit den Figuren zu identifizieren. Dies sind keine Durchschnittsbürger mit Durchschnittssorgen, sondern die wirtschaftliche und bewusstseinsbildende Elite der Vereinigten Staaten. Und nun kommt Omega daher und will sie untergraben, um die USA vom Thron zu stürzen.

Wir befinden uns also wieder mitten im Kalten Krieg, und Omega ist ebenso gesichtslos oder austauschbar wie die Protagonisten. Deshalb erinnert der Plot so sehr an die „Jason Bourne“-Thriller: Es ist eine Schattenwelt, in der jede Identität unsicher ist. Wohl dem also, der der beste und am besten täuschende Schauspieler unter Schauspielern ist. Wird Tanner, der aufrechte Nachrichtenmann, den Test bestehen? Na, und ob, denn sein Job ist es, den Lügen grundsätzlich zu misstrauen und Alternativen in Betracht zu ziehen, die zunächst undenkbar erscheinen.

Leider hat Tanner ein Handicap: Er ist weder ein Mann der Waffe noch der Action. Das macht ihn für heutige Ludlum-Leser wenig geeignet, die so etwas wie einen Prototypen von Jason Bourne erwarten. Selbst im Keller, als er mit seinen Lieben belagert wird, steht ihm keine Feuerwaffe zur Verfügung – heutzutage ein unwahrscheinliches Charakteristikum, denn die Amis sind bis an die Zähne bewaffnet. Tanners Stärke ist das Nachdenken und Kombinieren. Das ist zwar letzten Endes erfolgreich, allerdings wenig unterhaltsam. Dementsprechend zäh kann sich die Lektüre gestalten.

|Taschenbuch: 316 Seiten
Originaltitel: The Osterman Weekend (1972)
Aus dem US-Englischen von Heinz Nagel
ISBN-13: 978-3453012653|

_Robert Ludlum bei |Buchwurm.info|:_
[„Die Paris-Option“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1068
[„Die Ambler-Warnung“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3493