Archiv der Kategorie: Thriller & Krimis

Meyer, Deon – Weißer Schatten

Südafrika ist auf der Weltkarte der Kriminalliteratur bislang nicht besonders stark vertreten. Einer, der sich darum bemüht, dies zu ändern, ist Deon Meyer. Mit „Weißer Schatten“ legt er einen Roman über einen weißen Südafrikaner mit unsauberer Vergangenheit vor, der als Bodyguard Staatsmänner und Privatleute auf Südafrikas Straßen beschützt.

Eines Tages bekommt Lemmer den Auftrag von Emma Le Roux, sie auf einer Reise zum Kruger-Nationalpark zu begleiten und auf sie aufzupassen. Vor kurzem hat es einen Überfall auf sie gegeben, doch die Polizei nimmt die Sorgen der jungen Frau nicht sonderlich ernst. Emma glaubt, dass der Überfall damit zusammenhängt, dass ihr Bruder, der vor Jahren spurlos verschwand, wieder aufgetaucht ist. Sie glaubt, ihn in den Nachrichten erkannt zu haben, wo er wegen des Mordes an Geierwilderern gesucht wird.

Gemeinsam mit Lemmer macht sie sich auf den Weg, um Jacobus‘ Spuren zu verfolgen, und schnell wird klar, dass der Überfall auf sie ernst genommen werden sollte. Am Abend findet sich in ihrem neuen Appartement eine hochgiftige schwarze Mamba, die Lemmer nur im letzten Augenblick beseitigen kann. Es scheint, als seien die beiden auf eine Sache gestoßen, die jemand nicht aufgedeckt haben möchte. Gemeinsam ermitteln sie weiter und finden dabei heraus, dass Jacobus möglicherweise tatsächlich am Leben ist.

Leicht ist die Suche nach ihm aber nicht. Inspector Jack Phatudi stellt sich quer und hilft den beiden nicht, sondern schickt ihnen sogar seine Männer hinterher. Als die beiden gerade unterwegs zu ihrem Quartier sind, gelangen sie in einen Hinterhalt, bei dem Emma ernsthaft verletzt wird. Lemmer, der während ihrer Reise so etwas wie Gefühle für Emma entdeckt hat, schwört, die Täter aufzuspüren und zu eliminieren – und den verschollen geglaubten Jacobus zu finden.

Man muss außenpolitisch nicht besonders bewandert zu sein, um zu wissen, dass Afrika ein Land ist, das sich mit Deutschland nicht so leicht vergleichen lässt. Recht und Ordnung werden dort anders definiert als hierzulande, und dementsprechend ist Lemmers Tätigkeit eine berechtigte. Der Autor, der seine Karriere als Journalist begann, schafft es, die Zustände, die in Südafrika herrschen, gut zu skizzieren und auch historisch wichtige Ereignisse anzureißen, ohne ins Schwafeln zu geraten. Trotzdem sind die politischen und privaten Machtspiele, denen man während der Lektüre immer wieder begegnet, nicht einfach zu durchschauen. Dadurch und durch die unübersichtliche Anzahl von Personen gerät das Buch immer wieder ins Stocken. Obwohl eigentlich spannend, fällt es manchmal schwer, bei der Stange zu bleiben. An einigen Stellen zieht sich die Geschichte unnötig in die Länge, ist an und für sich aber gut lesbar.

Die Figur des Lemmers ist ausgereift, doch Meyer erfindet das Rad bei seiner Charakterskizzierung nicht neu. Schweigsame Männer in gefährlichen Jobs, die nach einem Ausrutscher in ihrer Vergangenheit zu mehr oder minder tugendhaften Geläuterten wurden, gibt es beileibe genug. Es ist schade, dass Meyer diesem Stereotyp keine eigene Note verleiht. Auch die anderen Personen wirken oberflächlich, da der Autor zu selten ins Detail geht. Passend zum nüchternen Schreibstil spielen Emotionen keine große Rolle in der Geschichte und dementsprechend wenig Tiefe weisen die Personen auf.

Der Schreibstil ist, wie bereits erwähnt, eher trocken und sachlich. Das ist allerdings ein geschickter Schachzug, denn es wird aus der Ich-Perspektive Lemmers erzählt, und dieser ist selbst kein Mann der großen Worte. Dementsprechend flüssig und zusammenpassend wirken Hauptperson und Schreibstil. Hinzu kommt, dass Meyer insgesamt sehr versiert und sicher schreibt. Er weiß genau, was er erzählen möchte, und fasst dies in einfache, leicht verständliche Worte. Abschweifungen und unnötigen Ballast lässt der Autor von vornherein weg. Abgesehen von ein paar dramaturgischen Schleifen ist das Buch daher angenehm abgespeckt, auch wenn ab und an mehr Tiefe nicht geschadet hätte.

Deon Meyer hat mit „Weißer Schatten“ einen soliden Thriller geschrieben, der vor einer für den europäischen Leser exotischen Kulisse spielt. Abstriche muss man vor allem bei der etwas langsamen Handlung und den wenig ausgearbeiteten Charakteren machen, während der Schreibstil sowohl die Stimmung der Geschichte als auch die Ansichten der erzählenden Hauptperson gut vermittelt.

|Originaltitel: Invisible
Aus dem Englischen von Ulrich Hoffmann
Hardcover, 421 Seiten
ISBN-13: 978-3-352-00759-0|
http://www.aufbau-verlagsgruppe.de
http://www.deonmeyer.com

Daschkowa, Polina – Haus der bösen Mädchen, Das

Polina Daschkowa gehört zu den bekanntesten russischen Autorinnen in Deutschland, und mit schöner Regelmäßigkeit erscheint ein neuer Roman von ihr auf dem hiesigen Büchermarkt. „Das Haus der bösen Mädchen“ ist 2008 an der Reihe, obwohl der Roman im Original schon vor acht Jahren erschienen ist.

Ermittler Ilja Borodin hat es mit einem verzwickten Fall zu tun. Die Spielzeugdesignerin Lilja wird in ihrer Wohnung erstochen aufgefunden, und die Täterin ist der Polizei sozusagen vors Auto gelaufen: Ljussja ist die Nichte der Verstorbenen und behauptet standhaft, ihre Tante umgebracht zu haben. Viel kann man auf ihre Worte jedoch nicht geben, denn Ljussja ist debil. Borodins Vorgesetzter ist deshalb davon überzeugt, dass dieser Fall gelöst wäre, doch Borodin glaubt nicht daran. Das wäre wirklich zu einfach. Außerdem wurde ein Wollkorb aus der Wohnung der Toten gestohlen und wird bei einer Obdachlosen gefunden. Wenig später stirbt auch diese. Das kann kein Zufall sein.

Borodin beginnt in alle Richtungen zu ermitteln. Er sucht nach dem unauffindbaren Kinderheim, in dem Ljussja untergebracht war, sowie nach ihrem unbekannten Vater und gerät dabei schnell in Kreise, aus denen er seine Nase lieber heraushalten sollte …

Ein Daschkowa ist ein Daschkowa. Um das Wichtigste vorwegzunehmen: Die Autorin liefert mit „Das Haus der bösen Mädchen“ nichts ab, was man in dieser Form nicht von ihr erwartet hätte. Es ist ihr Glück, dass die Daschkowa-Standardware anderen Büchern immer noch weit voraus ist. Was diesen Krimi ebenso wie ihre anderen auszeichnet, ist eine dichte, komplexe Handlung. Sie überfordert den Leser an der einen oder anderen Stelle vielleicht, aber alles Ungewisse wird sich im späteren Verlauf klären. Dadurch entsteht sehr viel Spannung, denn die Autorin beweist großes Geschick bei der Zusammenführung der verschiedenen Handlungsstränge. Wer es gerne verworren und spannend mag, mit einem Hauch Moskauer Unterwelt gewürzt, wird in diesem Roman gut bedient.

Eine weitere Spezialität, die Polina Daschkowas literarisches Schaffen auszeichnet, ist ihr Auge fürs Detail. Sie verwendet Kleinigkeiten, um ihre Personen möglichst lebendig und interessant zu schildern. Dazu benutzt sie eine amüsante Sprache, die häufig mit einem Augenzwinkern arbeitet und die Charaktere fast schon komödiantisch darstellt. Jede einzelne Figur ist gut ausgearbeitet und überrascht durch passende und ungewöhnliche Charakterzüge.

Dadurch, dass Borodins Perspektive nicht die einzige ist, erhält man Einblicke in sehr unterschiedliche Biografien und Alltagserlebnisse. Es kommt keine Langeweile auf, denn bevor man sich versehen hat, hat Daschkowa eine weitere Person eingeführt, deren Rolle im Geschehen erst mit der Zeit deutlich wird. Die kleinen Geschichten rund um ihre Personen enthalten auch viel Unwichtiges, aber sie sind sehr schön zu lesen und erklären das Verhalten und die Taten der Charaktere. Zudem erfährt der deutsche Leser, der vielleicht nicht so viel Ahnung von Russland hat, einiges über den Alltag dieses Landes, was häufig amüsant, genauso oft aber auch erschreckend ist. Das Positive daran ist, dass Polina Daschkowas persönliche Meinung dabei nicht zum Tragen zu kommen scheint. Sie wird nie sozialkritisch oder wertend, sondern, wie es ihre Art ist, betrachtet das Ganze eher mit einem Lächeln auf den Lippen. Sie verklärt es nicht, beschimpft es aber auch nicht, sondern nimmt es vielmehr ein wenig auf die Schippe.

In der Summe ist „Das Haus der bösen Mädchen“ ein weiterer guter Roman in Daschkowas Bibliografie. Fans werden ihn lieben, und wer die Autorin noch nicht kennt, kann sie durch diesen Roman gut kennenlernen. Obwohl er vor einigen ihrer anderen Werke im Original erschienen ist, kann er sich sehr wohl mit diesen messen, und das ist der einzige Ansatzpunkt für Kritik: Auch wenn Polina Daschkowa es schafft, jede ihrer Geschichten eigenständig wirken zu lassen, ähneln sich die Krimis untereinander schon alleine wegen ihres Aufbaus. Der verworrene Kriminalfall, der Stück für Stück entwirrt werden muss, erscheint beinahe in jedem ihrer Werke – allerdings auf so hohem Niveau und so spannend präsentiert, dass man gern darüber hinwegsehen kann.

|Aus dem Russischen von Ganna-Maria Braungardt
Gebunden, 391 Seiten
ISBN-13: 978-3-351-03241-8|
http://www.aufbau-verlagsgruppe.de

_Polina Daschkowa bei |Buchwurm.info|:_
[„Für Nikita“ 807
[„Keiner wird weinen“ 4224
[„Der falsche Engel“ 4359

Michael Connelly – Kalter Tod [Harry Bosch 13]

Terroristen stehlen radioaktives Material aus einem Krankenhaus und ermorden einen Arzt. Nicht nur die Mordkommission, sondern auch diverse Bundesbehörden machen sich an die Aufklärung und verursachen vor allem ein heilloses Durcheinander, das dem Gegner gefährlich viel Zeit lässt, die Polizist Harry Bosch im Alleingang einholen muss … – ‚Normale‘ Polizeiarbeit trifft auf moderne Terroristen-Hysterie: Beide Aspekte weiß der Verfasser zu einem spannenden Roman zu verschmelzen, der trotz seines geringen Umfangs zu den besseren der Bosch-Reihe zählt.
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André, Martina – Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska

Am 30. Juni 1908 kam es in der Region Tunguska im Mittelsibirischen Bergland zu einer verehrenden Explosion. Das zerstörte Gebiet hatte eine Größe von ca. 2200 Quadratkilometern, rund 60 Millionen Bäume wurden umgeknickt. Noch in 500 Kilometern Entfernung wurde von einem hellen Feuerschein berichtet, ebenso berichteten die wenigen Zeugen – Passagiere der Transsibirischen Eisenbahn – von einer Druckwelle mitsamt Erschütterungen und Donner. Aufgrund der Abgeschiedenheit des Territoriums konnte das Gebiet erst 1927 von einer Expedition aufgesucht und erforscht werden. Erschwerend kam hinzu, dass es erst 1938 möglich war, Luftaufnahmen zu machen, die auch Jahre später noch Zeugnis der Katastrophe geben konnten.

Auch jetzt noch, 100 Jahre später, ist es unserer modernen Wissenschaft und ihren technologischen Mitteln nicht zweifelsfrei möglich aufzuklären, was damals wirklich passiert ist, welche Explosion mit einer Sprengkraft von zehn bis 15 Megatonnen TNT einen ganzen Landstrich förmlich ausradieren konnte. Verschiedene namhafte Wissenschaftler verfassten in den letzten Jahrzehnten ebenso viele verschiedene Theorien dazu. War es ein Meteorit, der aus den Tiefen des Alls auf die Erde stürzte? War es ein Vulkanausbruch über einem gigantischen Erdgasfeld oder gar zwei havarierende extraterrestrische Raumschiffe? Jede einzelne Theorie wird wissenschaftlich mit Indizien unterstützt, doch beweisbar ist sind diese im Detail bislang nicht.

Vielleicht war es auch ein geheimes Projekt, die sogenannte „Zar-Bombe“, das höllisch eskaliert ist?! Die Verwüstung, sollte es wirklich eine Bombe gewesen sein, entspricht in etwa der Sprengkraft von 50 Megatonnen TNT, also der mehr als tausendfachen Sprengkraft der über Hiroshima abgeworfenen Atombombe „Little Boy“.

Was auch immer diese Zerstörung verursacht hat, das Ereignis gibt Wissenschaftlern und zahlreichen Verschwörungstheoretikern Raum für waghalsige Theorien, und auch in Literatur und Film findet sich dieses Thema ab und an wieder. Die Autorin Martina André, die auch schon [„Das Rätsel der Templer“ 4654 und „Die Gegenpäpstin“ verfasste, behandelt in ihrem neuen Roman „Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska“ diese Katastrophe in der Taiga Sibiriens.

Neben diesem rätselhaften Ereignis spielen die sibirischen Schamanen, wie der Titel des Buches bereits verrät, eine zentrale Rolle und bilden den entscheidenden Übergang zweier Epochen, in denen der Grund und die Auswirkungen der Katastrophe spannend und unterhaltsam geschildert werden.

_Inhalt_

Der 22. Januar des Jahres 1905, der sogenannte „Blutsonntag“, soll das Leben von Leonard Schenkendorff, einem deutschen Studenten, der in Sankt Petersburg am Polytechnischen Institut lernt, vollständig verändern. An diesem schicksalhaften Tag wird es in der Innenstadt der russischen Metropole eine Demonstration der Industriearbeiter geben, die gegen Zensur, unmenschliche Arbeitsbedingungen und für die religiöse Toleranz eintreten wollen. Leonard, der sich mit seiner jungen Freundin Katja auf dem Weg zum Winterpalast des Zaren befindet, ahnt schon, dass diese Demonstration eskalieren wird. Zu viele Menschen ballen sich in der klirrenden Kälte wütend und enttäuscht zu einem gefährlichen Mob. Erwartet wird dieser schon von der staatlichen Polizei und Kosaken, die scheinbar nur darauf hoffen, die Kundgebung mit brutaler Gewalt beenden zu können, ganz gleich, wie viele Frauen und auch Kinder sich friedlich der Menge angeschlossen haben mögen. Alles deutet auf eine Revolution hin.

Als der Bruder Katjas, ein bekannter gewaltbereiter Radikaler, eine deutsche Waffenfabrik stürmt, um an Schusswaffen zu gelangen, eskaliert die Situation. Katja erschießt einen Polizisten, und Leonard, der seinen alten jüdischen Vermieter vor der wütenden Menge verteidigt, wird zu Unrecht festgenommen und für den Tod des alten Mannes verantwortlich gemacht.

In dem berüchtigsten Gefängnis Petersburgs werden Leonard und Katja gefoltert und misshandelt. Ein schneller Prozess folgt, ein ebenso schnelles wie kompromissloses Urteil wird ausgesprochen. Tod durch Erschießen erwartet die beiden jungen Menschen, doch Leonard wird von einem Geheimdienstbeamten vor die Wahl gestellt, sich und Katja dem Todesurteil zu ergeben oder aber in ein Arbeitslager in Sibirien deportiert zu werden.

Das Schicksal von Katja liegt in Leonards Händen, einen Ausweg gibt es nicht; vielleicht, so denkt er, kann er das „Tal ohne Wiederkehr“ überleben. In diesem Lager sollen er und andere Schwerverbrecher und Verräter für den Zaren an einem Geheimprojekt arbeiten, um Russland wieder eine größere politische und vor allem militärische Machtstellung zu ermöglichen.

Auf dem Weg in die Taiga werden einige der Häftlinge und ihre Wächter durch einen Unfall schwer verletzt. In diesem unzivilisierten Gelände fernab von Medizin und Versorgung kommt die einzige Hilfe von der Urbevölkerung. Ein Schamane – Zauberer und Medizinmann, der die Geheimnisse der Natur und ihrer Geister kennt – hilft den Verletzten, die nur staunend und ungläubig auf das sehen, was vor ihren eigenen Augen geschehen ist.

Das Leben im Arbeitslager ist für Leonard und andere Studenten, die unter ähnlichen Umständen verhaftet und verurteilt wurden, verhältnismäßig human. Die jungen Leute, die für ihr Überleben und in der Hoffnung, freigelassen zu werden, an einer Waffe bauen, die alles bisher Bekannte in den Schatten stellen soll, benötigen wenig später erneut die Hilfe der unheimlichen Schamanen, um das Experiment vervollständigen zu können, aber sie ahnen nicht, dass diese Entscheidung ein tödlicher Fehler sein wird.

Einhundert Jahre später: Die junge deutsche Wissenschaftlerin Dr. Veronika Vandenberg soll mit ihrem Professor und einem Team von Geologen und anderen Wissenschaftlern unter der Aufsicht und Hilfe von russischen Kollegen das Gebiet rund um den Fluss Tunguska erforschen, um Beweise für einen Meteoriteneinschlag zu finden.

Als die deutsche Delegation von Berlin-Schönefeld aufbricht und Stunden später in der steinigen Tunguska ankommt, erwarten die kleine Expedition zahlreiche Überraschungen. Finanziert wird das Forschungsunternehmen von einem neureichen russischen Geschäftsmann, der sein Geld durch das Fördern von Erdgas verdient. Aalglatt und korrupt in seinem Auftreten, weckt er nicht im mindesten Sympathie bei der deutschen Gruppe von Forschern. Auch seine gedungenen Söldner stärken das Vertrauen nicht, weder bei den deutschen noch bei den russischen Kollegen aus dieser Region, die außer ein paar Ureinwohnern, den Ewenken, noch immer nicht dichter besiedelt ist als vor knapp hundert Jahren.

Als Dr. Viktoria Vandenberg und ihre Kollegen bei einem Tauchgang in dem nahegelegenen See, der die Einschlagstelle des Meteoriten gewesen sein soll, eine merkwürdige Stange bergen wollen, entweicht eine Gasblase und zieht Viktoria mit unglaublicher Gewalt, die eine Flutwelle auslöst, mit sich.

Die junge Frau wird von einem Einsiedler mehr tot als lebendig geborgen. Der ehemalige Soldat mit dem Namen Leonid, der in der Taiga aufgewachsen ist und wie sein Onkel schamanistische Kräfte besitz, wirkt eindrucks- und geheimnisvoll auf die junge Forscherin. Viktoria verliebt sich in den Nachfahren eines mächtigen Schamanen, und dieser ahnt, dass sein eigenes Schicksal mit dem Rätsel von Tunguska unlösbar verbunden ist.

_Kritik_

Die Autorin Martina André verbindet in ihrem Roman „Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguksa“ gekonnt Fiktion und Fakten. Ihr neuer Roman ist spannend, abwechslungsreich und inhaltlich sehr gründlich recherchiert.

Erzählt wird die Handlung über zwei Zeitebenen: die der Revolution um 1905, in der das Schicksal des jungen Leonards untrennbar mit der Katastrophe von Tunguska verbunden ist, und jene der Gegenwart, einhundert Jahre später, in der die wissenschaftliche Delegation die Ursache dieser vernichtenden Kraft erforschen will. Abwechselnd werden beide Geschichten parallel zueinander immer weiter ausgebaut, ohne dabei vorab dem Leser mehr zu verraten als unbedingt nötig, was der Spannung nur zuträglich ist.

Dieser Spannungsbogen baut sich von den ersten Seiten an konstant weiter auf. Allerdings ist die Handlung im Jahre 1905 atmosphärisch dichter, dafür ist die Gegenwart umso reicher an Actioninhalten. Dies ist wohl von der Autorin so gewollt und auch in sich logisch für die Entwicklung der Geschichte.

Interessant und packend wird der Beginn des „Blutsonntags“ dargestellt, einhergehend mit der Verhaftung der beiden Protagonisten Leonard und Katja, die auch später in der Handlung noch eine Rolle spielen werden. Dabei kann man als Leser beinahe spüren, wie die Gewaltbereitschaft ansteigt und letztlich ausbricht. Die Deportation und das Leben in der Gefangenschaft eines russischen Arbeitslagers sind rührend und dramatisch beschrieben. Wie auch immer die Bedingungen wirklich in solchen Arbeitslagern gewesen sein mögen – Martina André versteht es ausgezeichnet, die Ängste und den Schrecken der jungen Menschen dort einzufangen und bildlich darzustellen.

Mit viel Sinn fürs Detail erschafft die Autorin rund um die Protagonisten eine Welt, in der Gewalt, Angst und Verzweiflung ebenso ihren Platz und Stellenwert haben wie Mut, Selbstaufgabe und Liebe. Auch erotische Elemente haben ihren Platz in „Schamanenfeuer“ gefunden, was im Zusammenspiel mit den romantischen Inhalten besonders Leserinnen in ihren Bann schlagen wird. So wie Dr. Viktoria Vandenberg als starke und intelligente Frau der Moderne erscheint, ist der geheimnisvolle Einsiedler Leonid als männlicher Archetyp konzipiert. Während sie den modernen wissenschaftlichen Part übernimmt, stellen die Schamanen in der Handlung das mystische Element dar, die große Unbekannte, die Religion und Naturwissenschaften ‚geistreich‘ kombiniert.

Als schriftstellerische Freiheit lässt André ihre Schamanen aktive Zauberei ausüben und mystische Kräfte benutzen. Belegt ist allerdings, dass es Schamanen in den Regionen Sibiriens und der Mongolei gab und in geringer Zahl noch immer gibt. Das Wirken dieser Medizinmänner als sozialer und religiöser Randgruppe wurde von russischen Regimen und den Zaren nicht gerne gesehen, aber dennoch ersetzten sie die modernen Ärzte oftmals bei körperlichen und seelischen Krankheiten.

Romane, die im Ansatz ein wissenschaftliches Thema präsentieren, sind keine einfache Sache, und der Autor setzt sich mit seinen Ansichten stets kontroversen Meinungen und Kommentaren aus. Beiden Seiten gerecht zu werden, gelingt der Autorin hier ohne große Schwierigkeiten. Für manchen Leser wirkt der Schamanismus im Buch zwar eher wie fauler Zauber, der mit psychischen Tricks die Wahrnehmung der Zuschauer manipuliert, doch wird man solcherlei religiös durchsetzte Naturmedizin, wissenschaftlich ohnehin kaum analysieren können.

Martina André hat sich wie immer die allergrößte Mühe gegeben, ihre Handlung sauber mit Recherchen zu unterstützen und realitätsnah zu beschreiben, in diesem Fall insbesondere die Entwicklung einer auf Wasserstoff basierenden Waffe, an der Leonard von Schenkendorff zusammen mit anderen internierten Wissenschaftlern arbeitet. Wie auch eingangs schon angemerkt, wird die Ebene der Vergangenheit dichter und attraktiver erzählt. Auch sind dort die Protagonisten mit ihrer Charakterisierung vielfältiger und komplexer entworfen als ihre ‚Nachfahren‘. Doch auch dieser Eindruck ist eine Frage der der Perspektive einzelner Leser. Die Figuren der Gegenwart, die eher den aktiveren Part innehaben, sind solide und klarer umrissen konzipiert, dafür aber wechseln sie – sprachbildlich und wörtlich – doch oftmals die Lager, was der Handlung an Abwechslung und Wendungen sehr gut tut.

Augenzwinkernd beschreibt die Autorin am Rande einzelne Passagen aus der jüngeren und älteren Geschichte Russlands. Der Tschetschenienkrieg findet ebenso Beachtung wie beispielsweise das korrupte Verhalten einzelner Geschäftsleute, was allerdings weniger belehrend als vielmehr schelmisch und mit ironischem Humor präsentiert wird.

_Fazit_

„Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska“ von Martina André ist wie ihre anderen Romane ausgesprochen empfehlenswert. Mit unterhaltsamer Spannung und gut recherchiertem Hintergrund versehen, ist es ein Vergnügen, diesen Roman zu lesen. Sollte an manchen Stellen allerdings der Leser skeptisch werden, gerade in jenen Kapiteln, in denen die Schamanen ihre Kräfte zeigen, so sollte man diese Vorgänge als Teil der hier präsentierten Geschichte hinnehmen. Genauso interessant und vielschichtig wird das zentrale Thema rund um die Katastrophe von Tunguska bearbeitet, die auch heute noch offene Fragen für Forschung und Wissenschaft bereithält. Auch hier lohnt es sich, selbst näher zu recherchieren.

_Die Autorin_

Martina André wurde 1961 in Bonn geboren. Sie ist Beamtin im Bundesministerium des Inneren und schreibt Action-Romane im mythisch-mystischen Bereich. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in der Nähe von Koblenz.

|494 Seiten, kartoniert
ISBN-13: 978-3-352-00761-3|
http://www.martina-andre.info
http://www.aufbauverlag.de

Faulks, Sebastian – James Bond: Der Tod ist nur der Anfang

007 – die Kennung für den wohl bekanntesten fiktiven Geheimagenten in Literatur und Film. Der britische Schriftsteller Ian Fleming ist der Vater des Agenten mit der „Lizenz zum Töten“, und dieser Geheimdienstler hat schon längst einen Kultstatus erreicht und ist zu einer popkulturellen Ikone ganzer Generationen geworden.

Anders als in den Filmen ist der literarische James Bond ein „normaler“ Mensch, verletzbar, kein Übermensch, mit vielen Schatten auf seiner Seele, ab und an verzweifelt, er ist ironisch, sarkastisch und teils auch verbittert, was dieser Figur eine gewisse Tiefe in der Charakterisierung ermöglicht.

1964 verstarb Ian Fleming in der Grafschaft Kent. Er schrieb zwölf James-Bond-Romane und neun Kurzgeschichten. Interessant ist, dass Ian Fleming im Zweiten Weltkrieg bei der britischen Marine im Nachrichtendienst tätig und somit faktisch selbst ein Spion war.

Jetzt ist „James Bond“ zurück: Der von der Erbengemeinschaft Flemings dafür berufene Autor Sebastian Faulks hat den ersten neuen Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ veröffentlicht.

_Inhalt_

James Bond ist sowohl psychisch als auch physisch angeschlagen, und „M“ verurteilt den Agenten zu einer dreimonatigen Pause. In diesem Urlaub soll Bond zu Kräften kommen und sich Gedanken über seine Zukunft machen; zu vieles hat er schon erlebt und gesehen, viel mehr, als einem Menschen zumutbar wäre, und seine körperlichen Narben sind nicht die einzigen Spuren, die ihn zweifeln und grübeln lassen.

Doch „M“ ruft James Bond wieder zurück, um einen gefährlichen Auftrag zu übernehmen: Der hochgebildete, charismatische Dr. Julius Gorner hat vor, das britische Königreich mit Drogen zu überschwemmen, um die schon von sich aus instabile und gefährliche politische Lage inmitten des Kalten Krieges weiter zu gefährden.

James Bond verfolgt Gorner durch den Orient bis nach Russland; die Jagd endet, wo sie begann: in der französischen Metropole Paris. Auf dieser Schnitzeljagd wird er wie immer unterstützt von einer schönen, bezaubernden Frau mit eindrucksvollen Eigenschaften und erhält tatkräftige Hilfe durch Rene Mathis und seinen verkrüppelten Kollegen und CIA-Agenten Felix Leiter.

_Kritik_

Sebastian Faulks schreibt zwar als Stimme von Ian Fleming, er ist es jedoch nicht. Das Rezept ist zwar das gleiche geblieben, aber der Geschmack ein wenig fade. Inmitten eines Szenarios der 60er Jahre bedient sich Faulks legitimer Mittel, um James Bond so zu konzipieren, wie Fleming ihn geschaffen hatte. Diese Basis des Romans ist leicht erkennbar und führt zu aus heutiger Sicht eher beschmunzelnswerten Anachronismen. Die Geschichte ist für heutige Leser eher nostalgisch und nicht mehr zeitgemäß; die 60er Jahre und der damalige Kalte Krieg sind schon lange Geschichte, und wenn man dann von schlechten Funkübertragungen lesen muss oder der Suche nach einer Telefonzelle, vom Nichtvorhandensein neuer und uns vertrauter Medien ganz zu schweigen, so wirkt das Gelesene allzu irreal und in der Zeit verloren.

Historische Momente werden auch in „Der Tod ist nur der Anfang“ integriert: Vietnam, der Kalte Krieg, die Spannungen zwischen West und Ost. Die üblichen Klischees weichen nicht von denen eines beliebigen vorhergehenden James-Bond-Romans ab. Sicherlich passt das in die Handlung und zur Erwartungshaltung treuer Flemming-Leser, aber die Story wirkt dadurch noch vorhersehbarer, als sie ohnehin schon ist. Etwas individueller hätte die Geschichte schon sein können; denke ich da beispielsweise an den letzten Film „Casino Royale“ zurück, so nenne ich das wohl eine gelungene Adaption der Thematik.

Dr. Julius Gorner ist der traditionelle Bösewicht. Wie so viele Kontrahenten, weist er ein körperliches Manko auf, aber sein Intellekt ist maßlos durch- und übertrieben. Auch hier fehlt nicht der tödliche Handlanger und Diener der Bond verletzen, foltern und verprügeln darf. Hinzu kommen noch die haarsträubenden Nebenhandlungen, die völlig überflüssig zu sein scheinen. Nun, vielleicht war es notwendig, verschiedene Actioneinlagen einzubauen, um der Handlung ein wenig Spannung beizumengen. Die Logik bleibt dabei jedoch gänzlich auf der Strecke und überlässt überflüssig brutalen Morden die Arena.

Ein Duell zwischen Bond und Gorner gibt es selbstverständlich auch; diesmal ist die Waffe aber kein vergoldeter Colt, sondern ein Tennisschläger, und der Schauplatz ist nicht die Karibik oder der Pokertisch, sondern ein Tennisplatz. Dieses Match gehört allerdings zum Spannendsten, was die Handlung überhaupt zu bieten hat.

Die charakterliche Tiefe der Protagonisten lässt indes zu wünschen übrig, und ihre Motivationen sind überhaupt nicht nachvollziehbar. Derlei Einsprengsel helfen der Handlung nur dabei, inhaltliche Lücken zu schließen, um langsam und angeschlagen dem Ende der Geschichte entgegenzuhumpeln.

_Fazit_

Sebastian Faulks hat seinen Standard-Leitfaden für einen typischen James-Bond-Roman ganz nach Lehrbuch umgesetzt. Nach langem Hin und Her wird der Mythos James Bond mit dem Ergebnis dieser Arbeit nicht weiterentwickelt und stellt keine literarische Bereicherung dar. „Der Tod ist nur der Anfang“ wirkt letztendlich seelenlos. Sebastian Faulks Motivation, in die Fußstapfen eines Ian Fleming zu treten, mag in den Augen der Erbengemeinschaft erfolgreich umgesetzt worden sein, doch bedarf es mehr Mut und Individualismus, um den Mythos modern und zeitgemäß fortzusetzen und neu aufzubauen. „Der Tod ist nur der Anfang“ dagegen ist so unterkühlt wie ein Martini, und der Leser fühlt sich eher geschüttelt als gerührt.

_Der Autor_

Sebastian Faulks wurde 1953 in Newbury geboren. Er studierte Literatur und Geschichte in Cambridge und arbeitete danach als Journalist. Seit 1991 ist er freier Schriftsteller. 1995 wurde er bei den |British Book Awards| zum Autor des Jahres gewählt und zählt seitdem zu den angesehensten britischen Autoren. Zu seinen Werken zählen das verfilmte „Die Liebe der Charlotte Gray“, „Das Narrenalphabet“ und „Die Traumtänzer“. 2006 beauftragten ihn die Erben Ian Flemings, eine offizielle Fortsetzung der James-Bond-Reihe zu schreiben. Sebastian Faulks lebt mit seiner Familie in London.

|Originaltitel: Devil May Care
Übersetzung: Jürgen Bürger
351 Seiten, kartoniert
ISBN-13: 978-3-453-26602-5|
http://www.heyne.de

_Mehr James Bond auf |Buchwurm.info|:_

[„Casino Royale“ 1748
[„Moonraker“ 1830
[„Leben und sterben lassen“ 2035

Morgan, Wendy – Schlafe sanft und ewiglich

Babys, Babys, Babys … Wendy Morgan hat ein Buch geschrieben, das sich von vorne bis hinten um genau dieses Thema dreht. Das Besondere dabei: Es ist weder ein Schwangerschaftsratgeber noch ein Frauenroman. Es handelt sich um einen Thriller, auch wenn das auf den ersten Blick vielleicht etwas merkwürdig erscheint.

Im Mittelpunkt steht Peyton Somerset, eine erfolgreiche Karrierefrau aus Manhattan. Um endlich ein Kind zu kriegen, lässt sie sich mittels Samenspende befruchten und beschließt, ihr Baby ganz alleine auszutragen und großzuziehen, denn einen Mann gibt es nicht in ihrem Leben. Jedenfalls bis sie Tom Reilly trifft, dessen Interesse an ihr beinahe schon unheimlich ist. Manchmal hat sie sogar das Gefühl, er würde sie verfolgen, aber sie schiebt es auf ihre Schwangerschaftshormone.

Überhaupt bringt ihr Zustand ihr Leben ganz schön durcheinander. Sie hat Probleme auf der Arbeit und mit den üblichen Schwierigkeiten einer Schwangerschaft zu kämpfen. Allerdings lassen sich auch schöne Seiten daran entdecken. Peyton schließt sich einer Selbsthilfegruppe lediger Mütter an, wo sie in der schwangeren Allison und der Hebamme Rita gute Freundinnen findet.

Eines Tages jedoch verschwindet Allison spurlos. Niemand weiß, was mit ihr ist. Peyton macht sich natürlich riesige Sorgen. Dann verschwindet auch noch Wanda, ein weiteres Mitglied der Gruppe, und Peyton macht sich nicht mehr nur Sorgen, sondern ist geradezu alarmiert. Hat man es vielleicht auch auf sie abgesehen? Plötzlich sieht sie überall Verdächtige und distanziert sich stark von Fremden. Dabei bemerkt sie nicht, dass das Böse ihr viel näher ist, als sie glaubt …

Zugegeben, auf den ersten Seiten glaubt man wirklich, man hätte es mit einer weiteren rosafarbenen Geschichte über eine Karrieretussi aus New York zu tun, die auf der Suche nach Mr. Perfect in einige Verwicklungen und Fettnäpfchen gerät. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen nun mal Frauen und das Kinderkriegen, weshalb es vermutlich kaum zu vermeiden ist, dass solche Parallelen auftauchen. Allerdings zeigt Wendy Morgan sehr schnell, dass sie mehr kann. Sie greift auf eine recht große Anzahl von Perspektiven zurück, wobei häufig nicht ganz klar ist, welche Rolle die einzelnen Personen im Geschehen spielen, und manchmal auch nicht, wer sie überhaupt wirklich sind. Einige der Personen scheinen etwas zu verbergen haben, andere benehmen sich auffällig.

„Schlafe sanft und ewiglich“ ist kein Krimi, der vor Actionszenen und Blut sprüht. Es ist eher so, dass durch das erzählerische Talent der Autorin eine gewisse, subtile Spannung entsteht, die immer wieder neue Fragen aufwirft. Wer in Peytons Umkreis ist ein möglicher Verdächtiger? Welche Rolle spielt die merkwürdige Adoptionsagentur, mit der einige Charaktere in der Geschichte zu tun haben? Auch wenn Morgan keine nervenzerreißende, aufwühlende Handlung präsentiert, weiß sie den Leser doch bei der Stange zu halten. Dass sie dabei interessante Details über Schwangerschaft und viele, gut beobachtete Details einflechtet, ist ein weiterer Pluspunkt für das Buch.

Trotz der vielen Perspektiven wirkt der Roman nicht überladen. Das hängt zum einen damit zusammen, dass Peyton die Person ist, auf die Morgan immer wieder zurückkommt. Sie steht zwar nicht völlig im Vordergrund, ist aber eine Konstante, die den Leser von der ersten bis zur letzten Seite begleitet. Peyton ist, obwohl sie stellenweise doch ein bisschen dem entsprechenden Klischee ähnelt, eine sehr sympathische Figur mit wachem Verstand. Sie ist mit ganzem Herzen bei ihrer Schwangerschaft dabei und macht sich eine Menge Gedanken darüber, die häufig durch ihre Tiefe oder Ausgefallenheit überraschen. Wendy Morgan, selbst Mutter zweier Kinder, weiß worüber sie schreibt und transportiert dieses Mutterwissen gut in ihrer Protagonistin. Überhaupt ist Peyton gut ausgearbeitet. Sie besitzt erkennbare Charakterzüge und eine ausgefeilte Vergangenheit, welche die Autorin immer wieder einfließen lässt. Der andere Grund, warum das Buch nicht überladen wirkt, ist die Ausarbeitung der Nebenfiguren, die ebenfalls sehr gelungen ist. Der Autorin gelingt es, bereits beim ersten Einsatz eines bestimmten Erzählstranges die Personen so prägnant und farbig darzustellen, dass sie dem Leser im Gedächtnis bleiben. Das ist an und für sich eine große Leistung, wenn man bedenkt, dass ihr Personenkreis nicht unbedingt klein ist.

Der Schreibstil wird sehr stark durch die Personen geprägt. Je nachdem, aus wessen Sicht gerade erzählt wird, verändert sich Morgans Tonfall ein wenig. Peyton ist eine beschwingte, fröhliche Frau, während andere Charaktere nüchtern, deprimiert, verängstigt oder skrupellos sind und auch so dargestellt werden. Die Autorin schafft es vorbildlich, diese Stimmungen in Worte zu gießen, wobei ihr gehobener, flüssiger Schreibstil alles gekonnt zu einem Roman verbindet.

„Schlafe sanft und ewiglich“ ist sicherlich kein Buch für jedermann. Das hängt aber wenig mit der Qualität zusammen, denn an und für sich ist der Thriller nichts weiter als ein spannendes Stück gut erzählter Literatur. Wer allerdings auf das Thema Schwangerschaft und Babys allergisch reagiert, der sollte die Finger von Wendy Morgans Werk lassen. Über 400 Seiten über Babys, werdende Mütter und Frauenärzte sind – trotz der souveränen Handlung – kein Pappenstiel für jemanden, dem diese Themen nicht zusagen.

|Originaltitel: Lullaby and Goodnight
Übersetzt von Martin Hillebrand
413 Seiten, Taschenbuch
ISBN-13: 978-3-404-15896-6|
http://www.bastei-luebbe.de

_Wendy Morgan bei |Buchwurm.info|:_
[„Von schwarzem Herzen“ 2674

Giménez-Bartlett, Alicia – Stimme des Blutes. Petra Delicado ermittelt

Alicia Giménez-Bartlett gehört zu den Schriftstellerinnen, die ihren Büchern einen unverkennbaren Stempel aufdrücken, wie das auch ihre französische Kollegin Fred Vargas und einige der skandinavischen Krimiautoren tun. Sieben Bücher gibt es bereits mit dem ungleichen und höchst amüsanten Ermittlerpaar Petra Delicado und Fermín Garzón. „Stimme des Blutes“ ist wider Erwarten kein neuer Fall der beiden, sondern ein Sammelband mit vier Kurzgeschichten.

An Kriminalkurzgeschichten haben sich schon zahllose Autoren vor Alicia Giménez-Bartlett versucht. Das Problem dabei ist, dass sowohl die Kürze als auch die Handlung stimmen müssen und der Leser bei seinen geliebten Ermittlern aber nichts vermissen möchte. Die spanische Bestsellerautorin schlägt sich dabei mit ihrem Versuch ziemlich gut. Ihre Kurzgeschichten haben diesen Titel auch verdient, denn sie versuchen nicht, einen verworrenen, groß angelegten Kriminalfall auf wenige Seiten zu quetschen, sondern widmen sich mit voller Absicht sehr einfachen Fällen und der kompakt gehaltenen Suche nach Täter und Motiv.

Tiefer auf den Inhalt einzugehen, würde daher an dieser Stelle kein besonders stimmiges Bild von diesem Sammelband geben. Giménez-Bartlett lässt ihre Ermittler in sehr unterschiedliche Settings eintauchen, so viel sei gesagt. Neben dem Mord an einem arroganten Bodybuilder in einem Fitnessstudio ermitteln sie in einem Bordell, in dem vier Prostituierte umgebracht wurden. Außerdem kommen ein zwielichtiger Litauer und ein Lehrer zu Tode, wobei Petra Delicado bei Letzterem bedauert, dass es ausgerechnet ein Lateinlehrer und kein anderer war, weil die westliche Kultur dadurch noch ein wenig ärmer wird.

Die Autorin geht bei ihren vier Geschichten stets nach dem gleichen Aufbau vor: Am Anfang gibt es einen Toten, der eindeutig nicht auf natürlichem Weg verstorben ist, und eine Reihe von Tatverdächtigen. Die Ermittlung des Mörders erfolgt nun weniger über Actionszenen und tausend mögliche Spuren, sondern über die Kopfarbeit der Ermittler und die Verhöre der Verdächtigen.

Tatsächlich ähneln die vier Geschichtlein eher einem erzählten Bericht von Petra Delicado. Wie gewohnt in der ersten Person erzählt sie von den Ermittlungen und klingt dabei, als säße sie dem Publikum direkt gegenüber und würde einen kleinen Schwank aus ihrem Arbeitsleben erzählen. Dementsprechend skelettiert sind die Beiträge im vorliegenden Band. Weder das Privatleben der Ermittler noch irgendwelche äußeren Umstände spielen eine Rolle; die Autorin konzentriert sich auf die bloße Darstellung des jeweiligen Kriminalfalls. Wegen dessen Einfachheit passt die Kürze der Geschichte sehr gut. Die knapp 20 bis 60 Seiten, die eine Geschichte umfasst, sind spannend und konzentrieren sich nur auf das Kernproblem. Auflockerung erfahren sie dabei durch das Zusammenspiel von Inspectora und Subinspector.

Die beiden Hauptfiguren werden, genau wie die Nebencharaktere, mit wenigen, deutlichen Strichen skizziert. Langwierige Personeneinführungen finden keinen Platz, aber wer bereits andere Bücher von Giménez-Bartlett kennt, der wird sich in den Geschichten sofort zurechtfinden. Für Einsteiger bietet das Buch zwar gute Unterhaltung, aber sie werden einige Zusammenhänge nicht verstehen – und verpassen vor allem den Humor, der in „Stimme des Blutes“ natürlich auch etwas kürzertreten muss als sonst. Trotzdem blitzt der rabenschwarze Witz der Autorin immer wieder durch, vor allem in den fantastischen Dialogen zwischen Delicado und Garzón.

Diese Geplänkel gehören ebenso wie in den Langfassungen zu den Highlights des Erzählbandes und lockern die Geschichten unheimlich auf. Wie gewohnt schreibt Giménez-Bartlett zackig, mit Schmiss und unwiderstehlichem Charme. Sie präsentiert sich sprachgewandt und beweist, dass sie auch auf wenigen Seiten ein kleines Feuerwerk entfachen kann, um den Leser an die Geschichte zu binden. Tatsächlich fällt es vor allem dank des Humors schwer, das Buch aus der Hand zu legen, da man sehnsüchtig auf die nächste gelungene Pointe aus dem Munde der Ermittler wartet.

Viele sind daran bereits gescheitert, aber Alicia Giménez-Bartlett meistert den Kurzgeschichtensammelband souverän. Kleine, niedliche Kriminalfälle mit einem übersichtlichen Personenkreis, die sich auf das Finden des Täters konzentrieren – die Spanierin nimmt den Begriff „Kurzgeschichte“ ernst und fasst sich kurz. Der funkensprühende Humor der Ermittler und die geschickten Personenzeichnungen dürfen sich nach wie vor austoben und sorgen dafür, dass der Leser die vier kleinen Geschichten lieben wird.

|Originaltitel der Geschichten: Muerte en el Gimnasio, El Caso del Lituano, La Voz de la Sangre, Muerte en el Liceo
Zuerst erschienen in „El Mundo“
Aus dem Spanischen von Sybille Martin
Taschenbuch, 156 Seiten|
http://www.blt.de

_Alicia Giménez-Bartlett bei |Buchwurm.info|:_

[„Das süße Lied des Todes“ 3815
[„Boten der Finsternis“ 4203

Freeman, Brian – Las-Vegas-Killer

_Das geschieht:_

Ein Mann verfolgt und erschießt ein Millionärssöhnchen; er hinterlässt seinen sorgfältig platzierten Fingerabdruck. In einem Vorort wird ein Kind überfahren; an der Scheibe des Unfallwagens prangt der bekannte Abdruck. Einer ehemaligen Lehrerin wird die Kehle durchgeschnitten; der Verdächtige ist erneut unser dreister Unbekannter.

Wer ist der Mann, der offenbar eine Fehde mit der Polizei vom Zaun brechen will, und wo ist die Gemeinsamkeit zwischen den brutalen Taten? Jonathan Stride, Ermittler bei der Mordkommission von Las Vegas, wird mit seinem ersten großen Fall gleich ein heißes Eisen zugeschoben. Dabei ist der ehemalige Star-Polizist aus dem kalten, weit entfernten Minnesota ein Außenseiter, den sogar sein Vorgesetzter gern kaltgestellt sähe, da Stride nicht gewillt ist, politische Rücksicht walten zu lassen, sondern diverse hochgestellte Persönlichkeiten mit unangenehmen Fragen behelligt.

Zu ihnen gehört Boni Fisso, einer der letzten großen Mafia-Bosse, die Las Vegas einst regierten. Im Penthouse-Pool seines „Sheherezade“-Casinos wurde 1967 die Leiche der schönen Tänzerin Amira Luz gefunden – ein Mord, der nie zufriedenstellend aufgeklärt werden konnte. Bis Stride, seine Partnerin Amanda Gillen und seine Kollegin und Lebensgefährtin Serena Dial entdecken, dass die Ermordeten der Gegenwart in das Geschehen der Vergangenheit verwickelt waren, hat der Killer die Liste seiner Opfer verlängert. Er befindet sich offensichtlich auf einem Rachefeldzug. Was ihn antreibt, ist Rache für Amira Luz. Um ihn zu entlarven, müssen Stride, Gillen und Dial das Geheimnis lüften. Doch die Verdächtigen hatten vierzig Jahre Zeit ihre einstigen Verbrechen zu vertuschen. Stück für Stück müssen die drei Polizisten ihnen die Wahrheit entreißen. Das kostet Zeit, die sie nicht haben, denn der Las-Vegas-Killer rüstet längst zum großen Finale, für dessen Verwirklichung er sich einen besonders teuflischen Plan einfallen lässt …

_Stadt ohne Geschichte und Gewissen_

Las Vegas im US-Staat Nevada: eine Stadt, die inmitten einer heißen Sandwüste errichtet wurde und schon deshalb eine Torheit ist, die jedoch blüht und gedeiht, weil sie dem ansonsten verpönten und verbotenen Glücksspiel eine Nische bietet. Gigantische Casinos schossen nach dem II. Weltkrieg wie Fabriken aus dem Boden. Sie verbanden den Kitzel des Spiels um hohe Summen mit einem Unterhaltungsangebot, das die größten Stars ihrer Zeit darboten. Hinter den Kulissen hatte viele Jahrzehnte das organisierte Verbrechen das Sagen. Las Vegas ist eine ‚Gründung‘ der Mafia, die bis in die 1970er Jahre Erträge abwarf, die sich mit den Bruttosozialprodukten gar nicht kleiner Ausländer vergleichen ließen.

In dieser ‚großen‘ Zeit der Glitzerstadt wurzelt der Plot von „Las-Vegas-Killer“. Längst hat die US-Regierung die Mafia vertrieben. Las Vegas ist zu einer Touristenattraktion und –falle geworden. Die Verbrechensrate blieb zwar hoch, doch sind kriminelle Aktivitäten, wie Brian Freeman sie zur Grundlage seiner Geschichte macht, heute wohl nicht mehr möglich.

Vierzig Jahre sind an sich keine lange Zeitspanne. Nicht wenige Männer und Frauen, die damals Täter oder Opfer waren, haben überlebt oder mischen noch heute – vorsichtig geworden – im Vegas-Business mit. Die Zeit läuft in der Wüstenstadt anders ab; eine Tatsache, die Freeman immer wieder thematisiert, weil sie einerseits schwer verständlich ist und andererseits begriffen werden muss, damit die Story sinnvoll wird.

_Thriller ohne Originalität und Überraschungen_

Der Mythos Las Vegas ist – egal ob vergangen oder aktuell – ein Stoff, aus dem unzählige Kriminalromane und –filme entstanden sind. Die dabei gelungenen Werke zu kennen, ist nur bedingt von Vorteil, weil dies die Erkenntnis fördert, dass Freeman sich stur an die Vorgaben hält. Jedes Vegas-Klischee feiert fröhliche Urständ, was der Leser weniger begeistert registriert.

Für „Las-Vegas-Killer“ hat sich der Autor zwar einen soliden und ablauftauglichen Plot einfallen lassen, den er jedoch allzu sorgfältig konstruiert und entwickelt. Faktisch treibt er seinem Thriller damit jede Überraschung aus. Brutale Mord- und drastische Bettszenen sollen für Ersatz sorgen, aber da die einen einfallsarm und die anderen US-amerikanisch, d. h. puritanisch verdruckst daherkommen, will die Rechnung nicht aufgehen.

So erbarmungslos wie der Las-Vegas-Killer lässt Freeman die Handlung in ebenfalls sattsam bekannten Klischees (ver-)enden. Selbstverständlich wird ihr ein Schluss-Twist aufgesattelt, der die bisher erzählte Story plötzlich in Frage stellt. Um gänzlich auf Nummer Sicher zu gehen, lässt der Verfasser diesem Twist noch ein Überraschungs-Twistchen folgen … „Las-Vegas-Killer“ gehört zu jenen Romanen, die einfach kein Ende finden wollen, sondern immer noch weiter gehen, selbst wenn der logische Schlusspunkt längst gesetzt ist. Da wundert es nicht, dass auf den nun wirklich letzten Seiten die Fortsetzung vorbereitet wird.

_Thriller-Traum mit Seifenschaum_

Das bringt uns zu einem weiteren Manko: „Las-Vegas-Killer“ erschöpft sich keineswegs in einer möglichst spannenden Geschichte. Unabhängig von der Frage, ob Freeman eine solche überhaupt geglückt ist, nimmt er selbst immer wieder das Tempo aus der Handlung, wenn er die Soap-Opera-Maschine anwirft. Die arbeitet manchmal im Leerlauf, aber viel zu oft auf Hochtouren:

– Jonathan Stride ist heimatlos unglücklich in Las Vegas UND wird als Polizeibeamter gemobbt UND muss sich mit einer transsexuellen Partnerin zusammenraufen UND wird von seiner Lebensgefährtin lesbisch betrogen …

– Serena Dial ist Alkoholikerin UND wurde als junges Mädchen von ihrer Mutter als Prostituierte verkauft UND hat ihre beste Freundin UND Ex-Geliebte im Elend sterben sehen UND ist in mittleren Jahren kinderlos UND wird, obwohl unsterblich in ihren Jonathan verliebt, lesbisch (s. o.) rückfällig …

– Amanda Gillen ist eigentlich nur transsexuell, wird aber deshalb von den bösen Kollegen ständig gehänselt und muss, was viel schlimmer ist, für Freeman politisch korrekte Zaunpfahl-Hiebe austeilen: Seht doch, ich bin ein Mensch wie ihr! Akzeptiert mich doch endlich!

Mafiosi sind pompös und großtuerisch, nur um im nächsten Moment die Maske fallen zu lassen und schurkisch zu tücken, Politiker verlogen und niederträchtig. Der „Las-Vegas-Killer“ wird als übermächtiger Bösewicht geschildert und im Finale via Küchenpsychologie als Muttersöhnchen mit Riss in der Hirnwaffel demontiert.

Nein, dieses Buch weist definitiv keine Scorsese-Qualitäten auf. Näher kommt ihm eine Szene aus der TV-Serie „CSI Las Vegas“: Mogul Sam Braun sitzt mit den tattrigen Schauspielern Frank Gorshin und Tony Curtis – sie spielen sich selbst und gehörten zu ihrer Zeit zur Vegas-Prominenz – in seinem Casino und schwelgt rührselig in Erinnerungen an die gute, alte, böse Zeit (Doppelfolge „Grabesstille“ von Quentin Tarantino). Genauso ‚authentisch‘ wirkt „Las-Vegas-Killer“ mit seinem Talmi-Thrill aus zweiter Hand.

_Der Autor_

Brian Freeman wurde 1963 in Chicago, Illinois, geboren. Die Familie siedelte nach San Mateo in Kalifornien um und zog später nordostwärts nach Minnesota. Am Carleton College in Northfield studierte Freeman Englisch. Nach dem Abschluss 1984 arbeitete er u. a. in der Marketing- und PR-Abteilung einer internationalen Anwaltskanzlei.

Schriftstellerische Ambitionen spürte Freeman nach eigener Auskunft schon in seinen Jugendjahren. Ein erster Romanentwurf entstand während des Studiums; weitere, stets unveröffentlichte Manuskripte folgten. Erst 2004 erschien „Immoral“ (dt. [„Unmoralisch“/“Doppelmord“), 2037 der erste Thriller um Ermittler Jonathan Stride, und wurde sogleich ein Bestseller, der für einen „Edgar“, einen „Dagger“, einen „Anthony“ und einen „Barry Award“ nominiert wurde und den „Macavity Award“ der „Mystery Readers International“ für das beste Romandebüt gewann.

Die Jonathan-Stride-Romane von Brian Freeman erscheinen in Deutschland im Verlag |Hoffmann und Campe| (gebunden) bzw. zuvor im |Club Bertelsmann|:

(2005) Immoral [(„Unmoralisch“/“Doppelmord“) 2037
(2006) Stripped („Las-Vegas-Killer“)
(2007) Stalked (noch nicht in Deutschland erschienen)
(2008) In the Dark (US-Titel) / The Watcher (GB-Titel) (noch nicht in Deutschland erschienen)
(2009) Unsolved (noch nicht erschienen)

_Impressum_

Originaltitel: Stripped (New York : St. Martin’s Press 2006)
Übersetzung: Imke Walsh-Araya
Deutsche Erstausgabe: 2006 (Bertelsmann Club / RM-Buch-und-Medien-Vertrieb, exklusive Buchgemeinschaftsausgabe)
Erstausgabe für den deutschen Buchhandel: August 2008 (Hoffmann und Campe Verlag)
490 Seiten
EUR 17,95
ISBN-13: 978-3-455-40136-3
http://www.hoca.de

Roth, Silvia – Querschläger

Im April 2002 wurde Deutschland durch ein Ereignis erschüttert, das man bislang eher aus den Vereinigten Staaten kannte: Der neunzehnjährige Robert Steinhäuser lief in seiner ehemaligen Schule Amok und tötete dabei sechzehn Menschen. Die Autorin Silvia Roth verarbeitet in ihrem neuen Roman „Querschläger“ genau dieses Thema. Sie lässt das Ermittlungsteam Hendrik Verhoeven und Winnie Heller im Fall eines Amoklaufs ermitteln, der allerdings alles andere als „gewöhnlich“ anmutet.

Am Wiesbadener Clemens-Brentano-Gymnasium erschießt ein Schüler elf Menschen und nimmt sich anschließend selbst das Leben – so die offizielle Version der schrecklichen Tat. Doch schnell wird klar, dass der Täter, ein Außenseiter, der von seinen Mitschülern gemobbt wurde, nicht vorhatte, sich selbst umzubringen. Dafür spricht die Tatsache, dass er die Schuld einem Mitschüler in die Schuhe schieben wollte und sich vermummte, um nicht erkannt zu werden. Außerdem gibt es einen Zeugen, der ihn mit einer anderen Person hat reden hören. Ein Mittäter? Und wenn ja, hat dieser Nikolas Hrubesch mit Absicht getötet?

Die Wiesbadener Polizei ermittelt auf einmal nicht nur wegen des Amoklaufs, sondern auch wegen vorsätzlichen Mordes. Hendrik Verhoeven und seine junge Kollegin Winnie, die sich immer noch nicht so recht im neuen Team eingelebt hat, suchen nach möglichen Motiven für den Amoklauf und überprüfen die These eines zweiten Täters. Dabei stochern sie in einem Sumpf von Mobbing und Intoleranz herum. Da zwei der getöteten Schüler dafür bekannt waren, gerne auf ihren Mitschülern herumzuhacken, vermuten die Polizisten, dass der Zweittäter es explizit auf die beiden abgesehen hätte. Sie beginnen, im Umfeld der Getöteten zu ermitteln, doch es ist schwierig, durch den Mobbingsumpf durchzublicken …

Silvia Roth schreibt nicht alleine über den Tathergang und die Ermittlungen, sondern widmet auch dem Privatleben der Ermittler und den Überlebenden sehr viel Raum. Daraus ist ein über 500 Seiten starkes Buch geworden, dem man vorwerfen kann, ab und an den roten Faden zu verlieren. Gerade am Anfang geht die Autorin mehr auf das Leben der Ermittler als auf die Tat ein, und auch danach widmet sie den Gedanken und Gefühlen der Überlebenden beinahe mehr Raum als den eigentlichen Ermittlungen. Der Kriminalfall an und für sich ist daher eine zweischneidige Sache. Obwohl der Ausgangspunkt – die Vermutung eines zweiten Täters – sehr interessant ist, wird er nicht besonders konsequent umgesetzt. Der Verlauf der Geschichte deutet kaum auf den richtigen Täter hin, weshalb die Auflösung des Rätsels reichlich überraschend kommt – und auch nicht unbedingt glaubwürdig wirkt.

Die belletristischen Einschübe lassen das Talent der Autorin erkennen, denn sie zeichnen sich durch präzise Charakterbeschreibungen aus. Gefühle und Gedanken der Personen werden sehr anschaulich dargestellt, so dass man sie gut nachvollziehen kann. Besonders Winnie Heller ist interessant, da sie eine bewegte Vergangenheit hat und ihre inneren Konflikte gut dargestellt werden. Immer wieder lustig sind auch Hendrik Verhoevens Gedanken über den dicken, verzogenen Freund seiner fünfjährigen Tochter Nina. Ansonsten bleibt der Kommissar im Gegensatz zu seiner Kollegin leider etwas farblos. Auch andere Charaktere hätten etwas mehr Trennschärfe vertragen können. Zwei der Überlebenden des Amoklaufs sind beispielsweise nur schlecht voneinander zu unterscheiden, da ihre Gedankengänge zu ähnlich wirken.

Lobenswert ist der Schreibstil, der alle Elemente des Buches – den Kriminalfall, die Personenstudien, den Tathergang – gekonnt verbindet, ohne dass Bruchstellen entstehen. Silvia Roth flicht bei den Kapitelanfängen häufig Zitate von Mitschülern oder fiktive Zeitungsüberschriften ein und erweitert so den Blick auf das Geschehen um eine weitere Perspektive. Die Autorin schreibt eher nüchtern, ihre Wortwahl ist sicher und lässt keine Wünsche offen.

An und für sich bietet sie dadurch eine gute Grundlage für einen spannenden Kriminalroman, der sich auf die Lösung des Falls konzentriert. Leider franst „Querschläger“ aufgrund der ermittlungsirrelevanten Episoden stark aus. Obwohl diese stellenweise ein hohes literarisches Niveau vorweisen können, stimmt die Mischung zwischen Belletristik und Krimi in diesem Fall nicht ganz.

|511 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-455-40128-8|
http://www.hoca.de

Siegel, James – Lügenspiel

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er mal die Wahrheit spricht – dieses Sprichwort aus dem Volksmund beschreibt in einem Satz, worum es in „Lügenspiel“, dem aktuellen Thriller von James Siegel, geht. Protagonist Tom Valle ist ein ehemaliger Starjournalist, dessen Ruhm auf erfundenen Storys aufbaute – bis man ihm auf die Schliche kam. Nun lebt er in einem abgelegenen Nest namens Littleton und arbeitet für die dortige Lokalzeitung. Anders als erwartet kann dies jedoch überaus nervenaufreibend sein …

Toms beschauliches Berufsleben spielt sich zwischen der Berichterstattung über kleine Autounfälle und den Geburtstagswünschen für die ältesten Bewohner des Ortes ab. Doch er kann froh sein, dass er diesen Job überhaupt bekommen hat. Sein „Ruhm“ eilt ihm nämlich immer noch voraus. Er ist bekannt als der lügende Journalist, und niemand möchte glauben, dass er sein Leben tatsächlich herumgedreht hat.

Eines Tages gibt es einen Verkehrsunfall, bei dem ein gewisser Dennis Flaherty ums Leben kommt. Die Leiche, die unter diesem Namen begraben wird, gehört aber nicht einem Weißen, sondern einem Afroamerikaner mit unklarer Identität, wie Tom herausfindet. Selbstverständlich glaubt ihm niemand, auch nicht, als er glaubt, den Namen des Schwarzen herausgefunden zu haben – Benjamin Washington, Sohn von Belinda Washington, die er zu ihrem 100. Geburtstag im Altersheim besucht hat.

Offiziell ist Benjamin bei einer Flutkatastrophe in Littleton Flats vor fünfzig Jahren ums Leben gekommen. Damals brach ein Staudamm und spülte das kleine Dörfchen mit seinen über 800 Einwohnern weg. Niemand in Littleton möchte darüber reden, doch Tom erfährt, dass John Wren, sein Vorgänger, an genau dieser Sache dran war – und dann verrückt wurde und in den Wald in ein Blockhaus zog. Tom wittert eine große Story und macht sich auf die Suche nach John Wren, Benjamin Washington – und der Wahrheit über eine Katastrophe vor fünfzig Jahren. Dumm nur, dass jemand verhindern möchte, dass er recherchiert, und auch nicht davor zurückschreckt, sein Leben zu bedrohen …

„Lügenspiel“ ist eines jener Bücher, die sich direkt an die Leser wenden und wie aus der Erinnerung des Protagonisten geschrieben wirken. Da dieser Journalist ist, ist die Geschichte entsprechend gut aufbereitet und sorgt mit Rückblenden in die Vergangenheit, Vorgriffen in die Zukunft und sorgfältig gesetzten, bodenständigen Metaphern für Lesegenuss. Der Autor James Siegel schafft es anhand seines Schreibstils tatsächlich, dem Leser das Gefühl zu vermitteln, Tom Valle bei seinen Erlebnissen über die Schulter zu sehen und nur dessen subjektive Sichtweise serviert zu bekommen. Man macht sich dadurch automatisch Gedanken während der Lektüre, denn Tom Valles Leumund ist aufgrund seiner Vergangenheit selbstverständlich nicht der beste. Soll man ihm glauben oder soll man ihm nicht glauben? Der Autor beantwortet diese Frage nicht, sondern überlässt dies dem Leser.

Dieser wird Tom Valle vermutlich Glauben schenken, so ausgefallen die Story auch ist. Tom kommt nämlich trotz seiner Fehler sehr glaubhaft und sympathisch rüber. Auf den ersten Blick wirkt er wie einer dieser typischen abgestürzten Karrieretypen, die alleine wohnen und zu viel Alkohol trinken. Die neue, unglaubliche Geschichte rettet ihn quasi aus seiner Lethargie, wenn auch nicht unbedingt davor, stellenweise klischeehaft zu wirken. Der Loser, der den Weg zurück ins Leben findet, wurde einfach schon zu oft präsentiert, und Siegel kann diesem nur wenig Neues hinzufügen. Nichtsdestotrotz ist Tom Valle ein netter Erzähler, mit dem man sich identifizieren kann und der sehr gut ausgearbeitet ist. Die anderen Personen wirken ebenfalls realistisch und bodenständig, wenn auch stellenweise mehr wie Kulisse denn wie echte Figuren.

In der Summe ist „Lügenspiel“ jedoch eine sehr runde Sache mit einer harmonischen Personenkonstellation und einem durchgängig spannenden Plot. Die Handlung braucht eine Weile, um in Gang zu kommen, und legt auch kein sonderlich flottes Tempo vor, weiß die Spannung aber zu halten. Während der Anfang noch gut verständlich ist, wird das Buch gegen Ende immer abgedrehter und verliert beinahe den Boden unter den Füßen. Die Betonung liegt auf „beinahe“, denn James Siegel schafft es, der Geschichte trotz der teils absurden Verschwörungstheorien einen realistischen Anstrich zu geben.

James Siegels Geschichte über einen Journalisten, der einer ungeheuerlichen Sache auf die Spur kommt, hat durchaus ihre guten Seiten. Der sympathische Protagonist, der sichere Schreibstil und die gut konstruierte Handlung sorgen für eine Menge Lesespaß. Dieser wird allerdings dadurch beeinträchtigt, dass die Handlung sich an einigen Stellen verheddert und die Personen teilweise etwas stereotyp wirken.

|Originaltitel: Deceit
Übersetzt von Axel Merz
Hardcover, 428 Seiten
ISBN-13: 978-3-431-03751-7|
http://www.ehrenwirth.de

_James Siegel auf |Buchwurm.info|:_

[„Entgleist“ 690
[„Getäuscht“ 2825

Victor Gunn – Der Tod hat eine Chance

Gunn Tod Chance Cover kleinEin dummer Streich auf Kosten der Polizei verwandelt sich in ein für den Verursacher womöglich tödliches Komplott. Hoffen kann er nur auf zwei Beamte von Scotland Yard, die sich nicht auf die falsche Fährte locken lassen wollen … – Altmodischer und ‚gemütlicher‘ britischer Landhaus-Krimi, der seinen obskuren und realitätsarmen Plot mit einiger Verzögerung aber dann geschickt entwickelt: solide Serienware eines einst sehr beliebten und heute vergessenen Vielschreibers. Victor Gunn – Der Tod hat eine Chance weiterlesen

Holt, Anne – norwegische Gast, Der

Der klassische Kriminalroman greift tendenziell in der Frage nach dem Täter nicht vor und identifiziert den Mörder damit bereits in der Einleitung. Nein, in einem Krimi alter Tradition steht formal die Aufklärung des Verbrechens im Mittelpunkt der Geschichte. Der Leser übernimmt die Rolle des Ermittlers und fühlt sich ähnlich wie der literarische Detektiv oder Kriminalbeamte dazu herausgefordert, den oder die Mörder zu ermitteln und zu überführen. Was war das Motiv des Mörders? Worin lagen seine Beweggründe? Welche Indizien und Beweise tauchen auf? Wer gilt als prädestinierter Verdächtiger?

Die britische Autorin Dame Agatha Christi schuf mit ihren beiden ermittelnden Figuren Miss Marple und dem belgischen Hercule Poirot zwei Charaktere der Kriminalliteratur, die noch immer als Vorbilder dienen und an Ruhm nichts eingebüßt haben. Die norwegische Autorin Anne Holt hat nun mit ihrem aktuellen Kriminalroman „Der norwegische Gast“ einen angehenden Klassiker dieses Stils für die |Piper|-Reihe „Nordiska“ verfasst.

_Inhalt_

Alles beginnt mit einem Zugunglück. Der Express von Oslo nach Bergen entgleist, und obwohl es viel schlimmer hätte ausgehen können, so gilt dieser Unfall dennoch als Katastrophe. In Anbetracht der Verhältnisse hatten die Passagiere ein sagenhaftes Glück im Unglück, denn es gab nur ein Todesopfer: den Lokomotivführer; die übrigen 269 Reisenden kommen mit einem Schrecken oder nur leichten Verletzungen wie Hautabschürfungen, Prellungen und dem einen oder anderen Knochenbruch davon.

Das Schlimmste an ihrer Lage ist aber die Geographie. Mitten im Gebirge von Bergen eingeschlossen, werden die verunglückten Passagiere des Zuges 601 von einem Orkan und heftigen Schneefällen festgehalten. Die nächste Ortschaft ist zu weit entfernt, die Straße und Wege sind völlig überschneit, so dass den Reisenden nur das nahe gelegene Berghotel „Finse 1222“ als alternativer Zufluchtsort zur Auswahl steht.

Abgeschnitten von der Umwelt und der Zivilisation, bleibt ihnen nichts anderes zu tun als abzuwarten, bis sich das Unwetter gelegt hat. Doch im Laufe der nächsten Stunden wird der Schicksalsgemeinschaft schnell klar, dass es länger als ein paar Stunden dauern wird, bis Hilfe aus der nächsten Stadt zu ihnen kommen kann.

Die Spannungen in der Gemeinschaft nehmen zu, ebenso die Gerüchte, dass sich vielleicht ein Mitglied der Königsfamilie, die in einem Extra-Wagen gereist sein soll, in den oberen Stockwerken des Hotels befinden. Bewaffnete Sicherheitsleute scheuchen jeden neugierigen Besucher freundlich, aber bestimmt fort. Die Ärzte, die auf einem Weg zu einem Kongress waren, kümmern sich um die Leichtverletzten, und die Hotelangestellten haben alle Hände voll zu tun, um die vielen Menschen auf engstem Raum zu versorgen und vor allem zu beruhigen.

Unter den Passagieren ist neben einem bekannten Fernsehprediger auch die ehemalige Kommissarin Hanne Wilhelmsen. Diese war vor Jahren in einer Schießerei geraten und eine Kugel zerfetzte ihr Rückenmark, so das sie seit mehreren Jahren von der Hüfte ab gelähmt und auf ihren Rollstuhl angewiesen ist. Durch ihre Behinderung ist die frühere Beamtin launisch, verbittert und recht eigensinnig und anstrengend geworden.

Die angespannte Situation spitzt sich weiter zu, als der bekannte Fernsehprediger Cato Hammer erschossen aufgefunden wird. Es war eindeutig Mord, und Hanne ermittelt gegen ihren Willen, denn sie glaubt, dass die Polizei den Mord schnell aufklären kann, schließlich gibt es nur eine begrenzte Anzahl von potenziellen Tätern und auch der Tatort ist ja eher auf ein minimalen Umkreis eingeschränkt.

Doch die anfängliche Panik steigert sich und die Schicksalsgemeinschaft teilt sich in mehrere Lager auf. Einige Reisende sind abgeklärt und gelassen, andere hingegen befinden sich auf dem Weg in eine panische Hysterie und die nächsten wiederum versuchen sich als Anführer zu profilieren.

Das Unwetter wird nicht besser, eher im Gegenteil. Je stärker der Orkan an dem vom Schnee eingeschlossenen Hotel rüttelt, desto unruhiger werden die dort Eingeschlossenen. Hanne ist sich dessen bewusst und hofft, dass schnellstens der Mörder unter ihnen gefasst wird oder Rettung naht, sonst könnte es innerhalb von „Finse 1222“ zu einer wahren Katastrophe kommen.

Hanne Wilhelmsen – unterstützt von einem Arzt mit enormen Wissen und einem charismatischen Anwalt sowie der Hotelmanagerin – beginnt zu ermitteln, und als sie glaubt, einen Zeugen der Mordtat zwischen den Passagieren aufgespürt zu haben, wird dieser erstochen aufgefunden …

_Kritik_

„Der norwegische Gast“ von Anne Holt ist ein klassischer Kriminalroman, ganz im Stil der bereits erwähnten britischen Autorin Agatha Christi. Die Geschichte wird dabei aus der Perspektive der kauzigen Hanne Wilhelmsen geschildert. Mit vielen humoristischen Zwischenbemerkungen und Vergleichen durchsetzt, liest sich der Roman flüssig und fesselnd.

Anne Holt hat aber ihr Hauptaugenmerk auf den Ausbau und die Darstellung der verschiedenen Persönlichkeiten gerichtet. Es gibt etwa fünfzehn Personen, denen mit all ihren menschlichen Eigenarten eine literarische Seele eingehaucht wird. Dabei geht die Autorin sehr ins Detail, jedoch tut dies dem Spannungsbogen keinen Abbruch, sondern vertieft ihn nur. Die Protagonisten wirken derart gut konzipiert, dass der Leser deren Schicksal und ihre Ängste und Hoffnungen gut nachempfinden kann. Die ganze Story erscheint überhaupt recht realitätsnah und wird nicht übertrieben oder gar verworren.

Spannend sind nicht nur die Ermittlung des Täters, sondern auch die Beziehungen der eingeschlossenen Personen untereinander. Wer kennt wen? Wer verheimlicht etwas? Mit der Tragik der Abgeschiedenheit, der Angst und der Panik, aber auch dem Überlebenswillen und der Hoffnung legt die Autorin viel Wert auf die Dialoge ihrer sympathischen Figuren.

Ein Krimi ist nun allerdings kein Thriller, sodass hier angenehm wenig Blut fließt und auch die Spannung zwar vorhanden ist, nicht aber über die ganze Handlung dominant wirkt. Der Leser ist wirklich angehalten, sich selbst Gedanken zum Motiv und dem Ablauf des Mordes zu machen. Mit jedem Kapitel summieren sich die Hinweise, so dass der Leser erst zum Schluss mit der Auflösung des Rätsels konfrontiert wird.

Anne Holts Stil ist authentisch und sehr detailreich. Über die Hauptperson, die im Rollstuhl sitzende Hanne Wilhelmsen, erfährt man viel Persönliches, sodass man durchaus das Gefühl bekommt, die Figur schon länger zu kennen oder auch mitten unter den Eingeschlossenen zu sein und alles zu beobachten. Etwas paradox verhält es sich dabei aber, dass man sich zwar Hanne nahe fühlt, zugleich aber an ihrer Gedankenwelt keinen unmittelbaren Anteil hat. Ihre Ermittlungen, Vermutungen und Verdächtigungen behält sich fast gänzlich für sich, sodass der Leser ihr aus einer bestimmten Distanz nicht folgen kann, selbst wenn er das versucht. Einerseits erzeugt dieser Dreh Spannung und motiviert den Leser dazu, selbst aktiv zu werden, andererseits kann das Konzept schon etwas befremdlich wirken.

_Fazit_

Anne Holts skandinavisches Ich spiegelt sich gut in „Der norwegische Gast“ wider. Von Norwegen und seinen Menschen und nicht zuletzt dem Wetter erfährt der Leser – für einen Kriminalroman – recht viel, und die Autorin macht sich oftmals schelmisch im positiven wie auch negativen Sinne über ihre Landsleute lustig. Objektive Selbstkritik ihrer Figuren gibt ihre Liebe und Verbundenheit zu Norwegen gut wieder.

„Der norwegische Gast“ ist ein Lesevergnügen à la Miss Marple, die wie es mir erschien, eine Großmutter von Hanne Wilhelmsen gewesen sein könnte. Der Schauplatz erinnerte mich sofort an [„Mord im Orientexpress“, 1844 in dem es auch ein ähnliches Szenario aufzuklären gab. Ein Mord, eine eingeschränkte Lokalität und jeder könnte der Mörder sein – ein Whodunit klassischer Zusammenstellung. Die Zutaten für diese Art von Geschichte sind daher zwar nicht neu, aber doch gekonnt an den richtigen Stellen platziert.

Dieser Krimi ist für jedem Fan zu empfehlen, und man sollte sich die Lektüre keinesfalls entgehen lassen, erst recht nicht, wenn man ohnehin gerne [Whodunits]http://de.wikipedia.org/wiki/Whodunit oder nordische Krimis liest und sich in den skandinavischen Ländern mit ihrer Lebensart wohlfühlt.

_Die Autorin_

Anne Holt, geboren 1958 in Larvik, wuchs in Norwegen und in den USA auf. Als freie Autorin lebt sie heute mit ihrer Familie in Oslo. Ihre Kriminalromane werden in zahlreiche Sprachen übersetzt und machen sie zu einer der erfolgreichsten skandinavischen Autorinnen weltweit. Zuletzt erschienen von ihr „Was niemals geschah“ und „Die Präsidentin“.

|Originaltitel: 1222|
Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs
317 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-492-04693-0|
http://www.piper-verlag.de

_Anne Holt auf |Buchwurm.info|:_

[„Was niemals geschah“ 1971
[„Die Wahrheit dahinter“ 1523

Seamark – Das Kokainschiff

seamark kokainschiff cover kleinIn London treiben Rauschgiftschmuggler ihr Unwesen. Kopf der Bande ist ein verschlagener Kapitän aus dem Fernen Osten, der vor Entführung und Mord nicht zurückschreckt, bis ihm wackere Polizisten und mutige Bürger das Handwerk legen … Reizvoll naiver Groschen-Krimi, der politisch völlig unkorrekt aber spannend zeitgenössische Klischees in eine schaurig-schöne, rasante Story packt und die Hafenkulisse Londons gut zu nutzen weiß: ein Lesevergnügen aus eindeutig vergangener Zeit. Seamark – Das Kokainschiff weiterlesen

Adams, Poppy – Wer die Ruhe stört

Die siebzigjährige Virginia Stone lebt von Geburt an auf Bulborrow Court, dem ländlichen Herrenhaus ihrer Eltern. Wie ihr Vater, hat auch sie ihr Leben der Schmetterlingsforschung verschrieben. Clive Stone war ein ehrgeiziger Wissenschaftler, Mutter Maud eine naturverbundene Umweltaktivistin. Virginias jüngere Schwester Vivien hat das Elternhaus bereits in jungen Jahren verlassen und ist nach London gegangen.

Schon früher waren die Schwestern, obwohl eng befreundet, sehr gegensätzlich – Ginny die ordnungsliebende Forscherin, Vivi die impulsive Chaotin. Jetzt kommt Vivien überraschend nach Jahrzehnten wieder zu Besuch. Nach der ersten Wiedersehensfreude ist Virginia vor allem misstrauisch. Sie fühlt sich durch die Anwesenheit ihrer Schwester irritiert; zu sehr hat sie sich an die Einsamkeit gewöhnt und hasst jede Störung ihrer Ruhe.

Während Virginia über den wahren Grund der Wiederkehr ihrer Schwester nachgrübelt, versinkt sie in Erinnerungen an ihr Leben mit Vivien vor über vierzig Jahren. Sie erinnert sich an glückliche Tage in ihrer Kinderzeit und Jugend – aber auch an dunkle Familiengeheimnisse, die sie längst verdrängt geglaubt hat und die nie wieder an die Oberfläche kommen sollten …

Ein abgelegenes Herrenhaus, eine verschrobene Besitzerin und dunkle Familiengeheimnisse – dies sind die bewährten Zutaten, die sich Poppy Adams für ihren Debütroman zurechtgelegt hat.

|Spannung auf mehreren Ebenen|

Gleich mehrere Fragen fesseln den Leser, sowohl in der Gegenwart als auch im Handlungsstrang, der in der Vergangenheit spielt. Schon früh ist erkennbar, dass Virginia sich zwar über das Wiedersehen mit Vivien freut, dass aber auch Spannungen und viel Unausgesprochenes in der Luft liegen und es womöglich zu einem Streit mit ungewissem Ausgang kommen mag. Nach und nach wird das anfänglich gezeichnete Bild von der Idylle einer wohlhabenden Forscherfamilie zerstört, indem immer mehr Enthüllungen aus der Vergangenheit ans Tageslicht geholt werden. In ihrer Liebe zu Vivi verwickelt sich die junge Ginny in eine verhängnisvolle Aufgabe, und man ahnt, dass das Vorhaben der beiden Schwestern ein böses Ende nehmen muss. Auch über dem Tod der Mutter liegt ein Schatten und Ginny muss sich nach all den Jahren mit einer möglichen neuen Ursache auseinandersetzen.

|Interessante Charaktere|

Lange Zeit sind es vor allem die Gegensätze zwischen den Schwestern, die für Faszination sorgen. Da ist die lebhafte Vivien, stets unbekümmert und spontan, die eindeutige Anführerin, obwohl drei Jahre jünger als Virginia. Keine zehn Jahre ist sie alt, als sie beim Spielen von einem Glockenturm stürzt und nur knapp überlebt. Doch anstatt sich zurückzunehmen, bleibt sie ihrer energischen Linie treu, immer die ergebene Schwester im Schlepptau, die gar nicht auf die Idee kommt, der geliebten Vivi einen Wunsch abzuschlagen.

Erfreulicherweise ist Virginia trotz dieser Ergebenheit alles andere als langweilig geraten. Schon früh entdeckt sie ihren Forscherdrang und eifert ihrem berühmten Vater nach. Stundenlang beobachtet sie Raupen und Schmetterlinge, katalogisiert sie, tötet sie zu Untersuchungszwecken. Was Vivien mit der Zeit öde wurde, bleibt bis an Virginias Lebensende ihre Leidenschaft. Auch dem Leser wird die bunte Welt der Schmetterlinge nahegebracht, immer wieder lässt sich Ich-Erzählerin Virginia zu kleinen Abschweifungen hinreißen, die nie ins Belehrende gleiten, sondern eindrucksvoll ihre Liebe zu dieser Wissenschaft unterstreichen.

Die Darstellung der Familienverhältnisse ist angenehm vielschichtig geraten. Anfangs erscheint das Bild harmonisch, doch allmählich beginnt es zu bröckeln. Maud Stone greift vermehrt zum Alkohol, was die entsetzte Virginia krampfhaft vor dem Rest der Verwandtschaft verbergen möchte; Vivien verlässt ihr Elternhaus und bricht mit dem Vater. Trotz der teilweise dramatischen Verwicklungen gibt es auch amüsante Szenarien, vor allem im Zusammenspiel mit Arthur, Vivis Freund und späterem Ehemann. Völlig ahnungslos steht er der Schmetterlingsforschung gegenüber und registriert erstaunt, wie intensiv sich sein Schwiegervater in spe mit dem scheinbar staubtrockenen Thema auseinandersetzt – während dieser nur über die naiven Äußerungen des Schwiegersohns müde lächeln kann.

|Kleine Schwächen|

Ein paar Mankos sind Poppy Adams bei ihrem Debüt dennoch untergekommen. Zum einen vermisst man ein wenig mehr Zeitgeist im Handlungsstrang der Vergangenheit. Die Schwestern werden in den turbulenten Vierzigerjahren geboren, doch von Krieg oder Nachkriegszeit ist nicht viel zu spüren; stattdessen macht die Handlung einen durchweg modernen Eindruck. Zudem kann das Ende nicht ganz die geweckten Erwartungen bestätigen. Die finale Wendung ist zwar schlüssig, lässt aber in der Umsetzung Atmosphäre vermissen, und vor allem Virginia erscheint in ihren Handlungen seltsam steril. Aufgrund der vorherigen Enthüllungen und der sich stetig steigernden Spannung erhofft man sich unwillkürlich einen Knalleffekt am Schluss – aber vergebens, denn eine wirkliche Überraschung tritt nicht ein.

_Als Fazit_ bleibt ein solider Debütroman, der eine dramatische Familiengeschichte mit Thrillerelementen verbindet. Die Charaktere sind gut gelungen, die Handlung ist spannend inszeniert. Kleine Abzüge gibt es für das verhältnismäßig unspektakuläre Ende.

_Die Autorin_ Poppy Adams, Jahrgang 1974, studierte Naturwissenschaften und arbeitete als Dokumentarfilmerin für |BBC|, |Channel 4| und |The Discovery Channel|. Das vorliegende Buch ist ihr erster Roman. Sie lebt mit ihrer Familie in London.

|Originaltitel: The Behaviour of Moths
Übersetzung von Rita Seuß
368 Seiten, gebunden|
http://www.hoca.de

Henn, Carsten Sebastian – Tod und Trüffel

Spätestens seit dem tierisch guten Tierkrimi [„Glennkill“ 1583 oder dem Klassiker „Felidae“ sind uns Tiere als Krimi- und Romanhelden nicht mehr fremd. Was lag da näher, als den besten Freund des Menschen zum ermittelnden „Beamten“ zu erheben, und dies zudem noch in einer ausgesprochen idyllischen Gegend? Genau diese Idee hat Carsten Sebastian Henn mit seinem Hundekrimi aus dem Piemont in die Tat umgesetzt, doch die Messlatte liegt seit den liebenswerten schafigen Krimihelden ausgesprochen hoch …

_Die Spürnasen ermitteln_

Das [Italienische Windspiel]http://de.wikipedia.org/wiki/Italienisches__Windspiel Niccolò lebt bei einer Familie im beschaulichen Örtchen Rimella im Piemont. Doch eines Tages ist alles anders: Die Menschen sind verschwunden! Niccolò macht sich auf die Suche nach seinen Freunden und Bekannten und findet – nichts! Als er seine Hundefreundin Cinecitta schließlich doch noch entdeckt, stürzt über den beiden die Welt zusammen. Niccolò kann sich retten, doch Cinecitta wird verschüttet. In jenem Moment, in dem Niccolòs Welt buchstäblich zusammenbricht, tauchen Wölfe auf und jagen das junge Windspiel. Niccolò rennt um sein Leben und kann seine Verfolger schließlich abschütteln. Allerdings verirrt er sich dabei und findet den Weg nicht mehr zurück nach Rimella. Bald fällt ihm aber die Lösung ein: Er muss Giacomo finden, den legendären Trüffelhund, der mit seiner Spürnase praktisch alles findet. Also begibt Niccolò sich nach Alba, wo er Giacomo aufsucht.

Giacomo führt ein angenehmes Leben in Alba; zwar findet er nicht immer Leckereien zum Naschen, doch kennt er eine Weinhändlerin, die ihm abends den köstlichsten Wein bereitstellt, der tagsüber nicht ausgetrunken wurde. So schwelgt Giacomo oftmals in weinseligen Träumen, die ihm der edle Barolo beschert hat. Als das aufgeregte Windspiel bei ihm auftaucht, braucht es daher einige Überredungskunst, um Giacomo aus seinem Leben herauszureißen. Als er jedoch einen Menschen beißt und selbst verfolgt wird, verlässt er Alba freiwillig und begibt sich mit Niccolò zusammen nach Rimella.

Dort haben derweil die Wölfe die Stadt erobert. Nirgends ist ein Mensch zu finden, dafür vergrößern die Wölfe ihr städtisches Territorium. Über allem wacht der gefährliche Grarr, der nicht einmal vor Brudermord zurückschreckt. Aber die Leitwölfin Laetitia beginnt Grarr zu durchschauen. Sie sucht nach ihrem Geliebten Aurelius, den Bruder Grarrs, der dessen teuflischen Plänen zum Opfer fiel, doch das weiß Laetitia zunächst noch nicht.

Die Biologin Isabella hat gemeinsam mit ihrer verwöhnten Hündin Canini ihr Lager nahe Rimella aufgeschlagen, um die Wölfe zu beobachten und vor allem vor den fiesen Attacken Tarcisio Burgnichs zu bewahren. Als Niccolò ihr das Leben rettet und sie im Gegenzug das Gleiche für ihn tut, entdeckt das junge Windspiel die perfekte Verbindung zwischen sich und der Biologin: Er kann ihre Gedanken lesen, doch was er da entdeckt, gefällt ihm gar nicht, denn er möchte Rimella lieber wieder für sich, die Hunde und die Menschen haben, vor den Wölfen hat er schreckliche Angst. Wieso will Isabella diesen gefährlichen Tieren also helfen? Was er nicht ahnt, ist, dass Burgnich ganz eigene Pläne für das kleine Städtchen hat, und nicht alle Lebewesen haben Platz in seinen Plänen …

_Tierische Helden_

„Tod und Trüffel“ spricht schon auf den ersten Blick an. Das farbenfrohe Cover zieren die beiden Helden unserer Geschichte – der legendäre Trüffelhund Giacomo mit seiner verschrobenen Nase und das kleine, zierliche und etwas ängstliche Windspiel Niccolò. Im Hintergrund sehen wir noch Teile der Stadt Rimella, die ein großes Unglück ereilt hat. Im gleichen Maße, wie die Menschen verschwinden, breiten die Wölfe sich dort aus und sichern ihr Territorium gegen Mensch und Hund.

Das gefällt Niccolò natürlich überhaupt nicht. Unterstützt von Giacomo und seinen alten hündischen Freunden, die sich noch aus der Stadt retten konnten, sagen sie den Wölfen den Kampf an, erst recht, nachdem Niccolò erfährt, was aus seinem Herrchen geworden ist. Während Niccolò manchmal etwas verzagt ist, wirkt Giacomo mitunter etwas phlegmatisch, was durchaus auch am Genuss diverser Köstlichkeiten wie Trüffel und Wein liegen kann, die ihm die Sinne benebeln.

Carsten Sebastian Henn präsentiert uns hier tierisch gute Helden, wie man sie leider nur selten zu lesen bekommt. Obwohl es bis auf wenige Ausnahmen nur tierische Charaktere gibt, tragen sie doch alle allzu menschliche Züge. Da wäre das kleine Windspiel Niccolò, das alles verliert, aber trotzdem nicht aufgibt. Niccolò trottet durch die Lande, um den Trüffelhund zu finden, der ihm helfen kann, zurück in seine Heimat und zu seinen Menschen zu finden.

Niccolò mausert sich im Laufe der Geschichte zu einem mutigen Helden, der am Ende sogar eine ganze Hundemeute anführt, die Rimella zurückerobern will. Als er schließlich die perfekte Verbindung zu Isabella entdeckt, scheint fast alles makellos, wäre da nicht die überaus eifersüchtige und verzogene Hündin Canini, die Isabella natürlich für sich allein haben möchte. Auch diese Zickereien dürften aus dem wahren Leben nicht allzu unbekannt sein.

Ganz anders Giacomo, der in seinem Hundeleben schon einige harte Schicksalsschläge erleiden musste. Erst verliert er sein Herrchen, mit dem er immer die allerbesten Trüffel gefunden hat, um dann zu einem Herrchen zu kommen, das ihn misshandelt. Aber Giacomo lässt sich nicht unterkriegen und flüchtet in ein Leben ohne Menschen. Ihm reicht es schon, ab und an verschiedene Leckereien aufzutun und das Leben und all seine Vorzüge zu genießen. Hier treffen also die unterschiedlichsten Charaktere aufeinander, die man einfach auf Anhieb liebgewinnen muss.

Den Hunden gegenüber stehen die Wölfe, die natürlich deutlich gefährlicher und rücksichtsloser charakterisiert werden. Aber auch bei den Wölfen gibt es Ausnahmen, wie zum Beispiel den weisen Aurelius, der allerdings den Intrigen seines Bruders zum Opfer fällt, doch Laetitia will ihn rächen und Grarrs Herrschaft beenden. Auf sich allein gestellt, trotzt sie den Schergen Grarrs und findet Unterstützung durch ihren Sohn Vespasian, der nicht ahnt, dass Aurelius sein Vater war.

_Verstricktes_

Rimella hat ein großes Unglück ereilt, die Menschen sind verschwunden und die Wölfe haben Einzug in die Stadt genommen. Doch was ist eigentlich wirklich passiert? Was steckt hinter all dem? Das sind die Fragen, um die sich praktisch alles dreht, denn die Hunde der Stadt verstehen nicht, was vorgefallen ist und wohin ihre Menschen einfach verschwinden konnten, ohne sie mitzunehmen. Um zu verstehen, was vorgefallen ist, braucht es allerdings erst Isabella und ihr menschliches Gespür.

Carsten Sebastian Henn macht viele Baustellen auf, um die sich seine Romanhandlung dreht. Wir lernen die verschiedensten handelnden Figuren kennen und erfahren, was sie vorhaben, denken und planen. Allerdings dauert es arg lange, bis wir beginnen, hinter die Fassade zu schauen und zu verstehen, was vorgefallen ist. Mir persönlich waren es deutlich zu viele Handlungsstränge für das mit gut 300 Seiten doch recht schmale Büchlein.

So verfolgen nicht nur die jeweiligen Rassen ihre eigenen Pläne, sondern sie splitten sich auch untereinander auf. Die Hunde wollen nahezu geschlossen ihre alte Heimat zurückerobern. Isabella möchte die Wölfe retten, durchschaut allerdings noch nicht ganz Burgnichs Pläne. Am schlimmsten ist es bei den Wölfen, die völlig auseinanderdriften. Da ist einmal Grarr, der alle anderen Wölfe befehligt und stets begleitet wird von seinen schaurigen Schergen. Wie wir später erfahren, verfolgen diese allerdings ihre ganz eigenen Pläne. Sie alle hören aber auf die Mutter aller Wölfe, deren Stimme in einer Höhle zu ihnen spricht und sie an die Legende von Romulus und Remus erinnert. Laetitia will Grarr stürzen und die Wölfe zurück in den Wald locken. Vespasian, der zunächst ein treuer Gefährte Grarrs ist, hilft Laetitia später mehr und mehr. Aber auch Aurelius verfolgte bereits eigene Pläne.

Insgesamt ist das alles kaum zu durchschauen. So findet die Handlung an zu vielen Schauplätzen statt, wodurch man leicht den roten Faden zu verlieren droht. Sicherlich waren nicht alle Handlungsstränge notwendig, um eine spannende Geschichte zu stricken. Sinnvoller wäre es meiner Meinung nach gewesen, sich auf wenige Handlungsstränge zu beschränken und dafür viel früher Informationen einzustreuen, die den Leser auf die Fährte einer möglichen Lösung locken. Doch Henn tut dies leider nicht. Er verfolgt die verschiedenen Geschichten und verliert dabei aus den Augen, dem Leser mitzuteilen, was eigentlich in Rimella geschehen ist. Das mindert dann auch irgendwann die Spannung, weil man zwar mit den tierischen Charakteren mitfiebert, aber gar nicht mehr genau weiß, was eigentlich Sache ist.

_Tierisch gut?!_

Unter dem Strich gefällt „Tod und Trüffel“ trotzdem gut. Insbesondere die tierischen Charaktere überzeugen auf ganzer Linie. Mit den beiden sympathischen Hunden Niccolò und Giacomo steht und fällt alles, und da man sie richtig ins Herz geschlossen hat, funktioniert auch das Buch als Ganzes irgendwo. Inhaltlich wäre weniger aber durchaus mehr gewesen. Lesen lässt sich das Buch dennoch prima; die Sprache ist einfach, beschreibt die Situationen aber immer so treffend, dass man sich in die Szenen hineinversetzen kann. Der Roman macht neugierig auf weitere Hundekrimis, denn wie es mit unseren beiden Hundehelden weitergeht, möchte ich jetzt natürlich schon wissen!

|336 Seiten, gebunden|
http://www.ullsteinbuchverlage.de/listhc/

Baden, Michael / Kenney, Linda – Skalpell N° 5

Michael Baden und Linda Kenney, die Autoren von „Skalpell N° 5“, wissen, wovon sie reden: Er ist Gerichtsmediziner und sie Anwältin für Bürgerrechte – genau wie die gegensätzlichen Protagonisten des ersten gemeinsamen Krimis.

Diese sind die junge, energische Bürgerrechtsanwältin Manny mit Herz und verwöhntem Hund sowie der erfahrene, bedächtige Pathologe Dr. Jack Rosen. Manny kann Jake eigentlich nicht mehr riechen, seit er sie in einem Prozess, bei dem sie sich auf verschiedenen Seiten der Anklagebank befanden, blamiert hat. Als er sie jedoch um Hilfe bei einem verzwickten Fall bittet, hilft sie ihm nicht nur, weil ihre anwaltlichen Fähigkeiten gefragt sind. Immer wieder ertappt sie sich bei Gedanken, die mit der Verführung von Jake zusammenhängen, auch wenn ihre schlagfertigen Antworten zumeist etwas anderes zeigen.

Der Fall rückt bei der gegensätzlichen Liebelei zum Glück nicht in den Hintergrund. Dr. Pete Harrigan, der Gerichtsmediziner von Turner und Jakes ehemaliger Mentor, ruft Jake an, damit er ihm hilft, die Knochen zu identifizieren, die beim Bau eines Einkaufszentrums in Turner gefunden wurden. Es stellt sich heraus, dass die Knochen eben kein alter Indianerfriedhof, sondern relativ jung sind und zu vier verschiedenen Gerippen gehören.

Bei seinen Ermittlungen entdeckt Jake, dass einer der Toten ein ehemaliger Soldat ist, der nach dem Krieg in eine psychiatrische Anstalt kam. Er sucht die Angehörigen des Opfers auf und kann sie überzeugen, mit Mannys Hilfe Klage gegen den Staat einzureichen. Doch der Kampf für Gerechtigkeit währt nicht lange. Erst stirbt Pete Harrigan, dann wenig später seine Haushälterin, und schließlich ziehen die Angehörigen die Klage zurück. Es scheint, als ob jemand Druck auf sie ausgeübt hat, doch wer? Die Bauherren des Einkaufszentrums, die die zeitliche Verzögerung nicht unbedingt schätzen? Oder gibt es jemandem im Hintergrund, der unbedingt verhindern möchte, dass die Wahrheit über die Skelette zum Vorschein kommt? Würde dieser Jemand so weit gehen, Pete und dessen Haushälterin brutal zu ermorden?

Zugegeben, am Anfang wirkt „Skalpell N° 5“ so langweilig und zäh wie viele amerikanische Krimis. Es dauert einige Seiten, bis die Geschichte in Schwung kommt und die Figuren nicht mehr wie abgekupfert wirken. Hat man diese Durststrecke hinter sich gebracht, findet man einen sehr spannenden, wendungsreichen Kriminalroman vor, der häufig überrascht. Die Frage nach dem Mörder wird erst am Ende geklärt, wie es sich gehört, obwohl es genug Fährten in diese Richtung gibt. Die Autoren legen zusätzlich noch andere Spuren aus, so dass der Leser mit seinen Verdächtigungen zwischen den einzelnen Personen hin und her springt. Jeder scheint Dreck am Stecken oder ein Motiv zu haben. Das Autorenduo schafft es zwar nicht immer zu fesseln, aber die Handlung ist sauber und spannend konstruiert und lädt zum Weiterlesen ein. Die Schnipsel aus dem Privatleben der Autoren – hauptsächlich romantischer Natur – werden elegant eingebaut und wirken nicht störend, wie das in anderen Büchern dieser Machart der Fall ist.

Die Personen bedürfen ebenfalls einer gewissen Aufwärmzeit. Der Einstieg in das Buch gelingt Baden und Kenney nicht besonders gut. Manny wird als arrogante, luxusverliebte Zicke mit eiskaltem Mundwerk dargestellt, Jake als ruhiger, langweiliger Wissenschaftler. Damit unterscheiden sie sich nur wenig von Charakteren ähnlicher Bücher. Erst mit der Zeit durchbrechen die Autoren diese anfängliche Oberflächlichkeit und zeigen, dass die beiden Hauptpersonen eben nicht nur reine Klischees sind. Manny ist nicht so luxusverwöhnt, wie es scheint, und Jake kein vertrottelter Gerichtsmediziner. Diese Unterschiede zu den gängigen Klischees hätten ruhig ein wenig besser herausgearbeitet werden können, da sie immer noch zu schwach sind, um „Skalpell N° 5“ wirklich originell zu machen.

Der Schreibstil an und für sich ist sehr nüchtern. Dank der guten Recherche der Autoren können sie mit vielen Fachbegriffen aufwarten und erklären diese auch. Überhaupt ist die sorgfältige Ausarbeitung der Obduktionen und Jakes Wissen ein großer Pluspunkt der Geschichte. Baden schafft es tatsächlich, interessante Dinge, die dem Leser nicht unbedingt bekannt sind, einzuflechten und so das Interesse wachzuhalten. Das ist insbesondere deshalb gut, weil der Roman sehr trocken und sachlich wirkt und sprachlich kaum berührt – wenn es nicht die Dialoge und Mannys Gedanken gäbe. Die Dialoge sind spritzig und schlagfertig, Mannys Gedanken sind sarkastisch und häufig angenehm überdreht. Die quirlige junge Frau bringt dadurch eine Menge Leben in das Buch, was dieses von der anfänglichen Lethargie befreit.

Hat man den trockenen Anfang erst einmal überwunden, kann man „Skalpell N° 5“ nur schwer aus der Hand legen. Die Handlung ist wider Erwarten spannend und überraschend, während die Personen sich, wenigstens stellenweise, originell präsentieren. Vor allem Mannys Charakter und ihre Dialoge hieven das Buch über die Hürde des guten Durchschnitts und machen Hoffnung auf weitere Bände mit dem gegensätzlichen Ermittlerduo.

|Originaltitel: Remains Silent
Aus dem Amerikanischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
Taschenbuch, 318 Seiten|
http://www.heyne.de

Sylvain, Dominique – Letzte Show

Das Duo Infernale, das bereits in [„Die Schöne der Nacht“ 3246 das Pariser Kriminellenleben unsicher gemacht hat, ermittelt erneut. Dominique Sylvains Debütkrimi konnte auf ganzer Linie überzeugen, was vor allem dem genialen Ermittlerduo – bestehend aus der pensionierten Kriminalkommissarin Lola Jost, die ihre Nase einfach überall reinstecken muss, und der Masseurin und Stripperin Ingrid Diesel – geschuldet war, die sich einfach herrlich ergänzten und wunderbare Eigenarten offenbarten. Umso gespannter und erwartungsfroher war ich nun, als ich Sylvains zweiten Krimi aufgeschlug.

_Ein letzter Tanz_

Alice Bonin ist eine geniale Tänzerin, wenn auch nur eine durchschnittliche Schauspielerin. Ihr Geld verdient sie sich als Britney-Spears-Double, und ihr jüngster Auftrag führt sie in den Hochhausturm des Astor Maillot Luxushotels. Noch ahnt sie nicht, dass sie bald für Schlagzeilen sorgen wird, und zwar durch ihren Sturz aus dem 34. Stock, der live auf Video gebannt wird. Nichts deutet auf einen Mord, doch warum sollte sich die junge Frau das Leben nehmen? Das fragt sich auch Lola Jost recht bald, die zudem mit Alices Vater befreundet ist und ihm daher diesen Freundschaftsdienst tut und ihre eigenen Ermittlungen anstellt. Das geht natürlich nicht ohne ihre Freundin Ingrid, die nach wie vor als Stripperin des Nachts für Aufsehen sorgt.

Die Ermittlungen führen die beiden in hohe Kreise der Pariser Gesellschaft. Die beiden scheuen sich wieder einmal nicht, sich auch mit mächtigen Personen anzulegen, und so ist Ingrid Diesel auch bald ihren nächtlichen Job los, da sie den falschen Herren auf den Schlips getreten ist. Ein Tatverdächtiger ist Alices Exfreund Diego, dem sie immer noch hinterhertrauerte und der als Krankenpfleger seine Brötchen verdient. Der rassige Südländer fällt auch Ingrid gleich ins Auge, sodass sie gut nachvollziehen kann, dass Alice ihn nicht vergessen konnte. Doch die Dinge sind kompliziert, erst recht, als Ingrid eines Tages in ihrem Kühlschrank eine Hand findet, die von einem dicken Nagel durchbohrt wurde. Alle Spuren führen in genau jenes Krankenhaus, in dem Diego arbeitet. Aber was soll die Hand im Kühlschrank bezwecken und wer hat sie dorthin gelegt? Fragen über Fragen, die sich zu denen gesellen, die Lola und Ingrid sich bereits über Alice stellen.

Neben Alices Exfreund befragen die beiden wagemutigen Frauen natürlich auch Alices ehemaligen Kolleginnen und Chefs, doch nirgends findet sich eine heiße Spur. Bald darauf erwachen Ingrid und Lola gefesselt und wehrlos in einem kargen Raum. Eine mysteriöse Stimme spricht zu ihnen und befragt sie nach Alices Auftraggebern. Zwei Männer haben sie entführt und quälen sie nun mit Elektroschocks, um die beiden Frauen zum Reden zu bringen. Doch so leicht geht das bei ihnen natürlich nicht! Mit einer schauspielerischen Meisterleistung gelingt es Ingrid, sich zu befreien und gemeinsam mit Lola die beiden Männer in Schach zu halten. Einer der Entführer ist schnell identifiziert, und seine Identität führt die beiden Ermittlerinnen endlich auf die richtige Spur. Lola und Ingrid sind schockiert, als sie erkennen, mit welchen Kreisen sich Alice angelegt hat, sodass sie mit ihrem Leben zahlen musste …

_Abgestürzt?_

Endlich versorgt uns Dominique Sylvain mit spannendem Kriminachschub. Wie hatte ich mich auf das Wiedersehen mit dem unvergleichlichen Ermittlerduo Lola Jost und Ingrid Diesel gefreut! Kaum könnten zwei Frauen unterschiedlicher sein als diese beiden. Während Lola eher ein paar Pfunde zu viel durch die Lande schleppt, ist Ingrid durchtrainiert bis zum kleinen Zeh, denn sonst könnte sie schlecht als Stripperin arbeiten. Offiziell fungiert sie weiterhin als Masseuse, doch ihre eigentliche Leidenschaft lebt sie als Gabriella Tiger des Nachts aus. Um Lola Jost nach ihrer Pensionierung wieder zum Ermitteln zu bringen, braucht es nur wenig Überredungskunst. Ihr Sohn und die Enkel leben im fernen Japan, und sie vertraut ohnehin nicht wirklich auf die ermittlerischen Fähigkeiten ihres Nachfolgers, und tatsächlich findet die Polizei im Hotelzimmer Alice Bonins keinerlei Hinweise auf einen Mord. Ganz im Gegenteil, die Badewanne ist voller Wasser, auf dem unzählige Blüten schwimmen, alles sieht nach einem romantischen Szenario aus. Aber Lola Jost nimmt das lieber selbst in die Hand und wird am Ende selbstverständlich triumphieren und die wahren Täter an den Pranger stellen.

Getragen wird „Letzte Show“ wieder einmal von Lola und Ingrid. Die beiden ergänzen sich einfach hervorragend. Mit unglaublicher Penetranz befragen sie die verdächtigen Leute und lassen sich auch wirklich nicht eher abwimmeln, bis sie die gewünschten Informationen erhalten haben. Nichts kann sie abschrecken, nichts von ihren Ermittlungen abbringen, auch nicht die Entführung und die Tatsache, dass anschließend nicht nur sämtliche Klamotten und Papiere verschwunden sind, sondern dass darüber hinaus auch noch alle ihre Konten gesperrt wurden. Als sie die Wohnung eines betuchten Verdächtigen durchsuchen und einen gut sortierten Weinschrank entdecken, beschließen die beiden – ganz à la Robin Hood -, den kostbaren Wein mitgehen zu lassen und an bedürftige Menschen zu verteilen. Und natürlich wird diese Idee auch in die Tat umgesetzt. Einzig Ingrids permanente englische Flüche nerven auf die Dauer etwas, ebenso wie die Tatsache, dass Ingrids „Deutsch“ (im Original natürlich Französisch) nicht perfekt ist und Lola sie daher ein ums andere Mal korrigiert. Da kann man nur hoffen, dass sie ihre Sprachkenntnisse für die weiteren Fälle auffrischt und solche Ärgernisse dann nicht mehr auftreten.

_Undurchsichtig_

Natürlich ist es von Anfang an klar, dass Alice Bonin keinen Selbstmord begangen hat, sonst gäbe es ja schließlich auch keinen Fall zu lösen, doch wie verwickelt am Ende wirklich alles gewesen ist, ahnt der Leser selbstverständlich noch nicht. Lange dauert es, bis Lola und Ingrid für uns alles entwirren und uns Schritt für Schritt der Lösung des Falls näherbringen. Was sie dabei zutage fördern, hätte der Leser nicht selbst erraten können, zu unklar sind die Zusammenhänge, zu vage Sylvains Andeutungen. Was sie am Ende daraus gesponnen hat, konnte mich nicht vollends überzeugen, und auch Lolas und Ingrids Aktivitäten, um ihr Leben und ihre Konten zurückzugewinnen, habe ich zugegebenermaßen nicht vollkommen durchschaut. „Letzte Show“ ist sicherlich kriminaltechnisch gesehen nicht der gelungenste und am besten konstruierte Fall, auch wenn am Ende schon alle Puzzlestücke zusammenpassen. Dennoch überzeugt das vorliegende Buch wieder einmal durch seine Charaktere, durch deren Eigenarten und auch durch manch nette Metapher, die Sylvain an den passenden Stellen einstreut.

So ist „Letzte Show“ unter dem Strich ein unterhaltsames Lesevergnügen, das durchaus Lust auf mehr macht, obwohl man zugegebenermaßen einige Abstriche machen muss, was den reinen Kriminalfall betrifft. Manches wirkte auf mich zu konstruiert, zu aufgesetzt, um wirklich schlüssig aufgelöst werden zu können. Dennoch möchte ich Lola Jost und Ingrid Diesel als furioses Ermittlerduo ganz sicher nicht missen!

|Originaltitel: La fille du Samourai
Aus dem Französischen von Brigitte Lindecke
336 Seiten, kartoniert|
http://www.ullsteinbuchverlage.de/listtb/

Richard Stark – Fragen Sie den Papagei [Parker 23]

Nach einem Raubzug auf der Flucht, muss Berufsverbrecher Parker in der US-Provinz mit sehr unsicheren Komplizen einen neuen Coup versuchen. Sorgfältige Planung löst sich im Chaos auf und sorgt für ein spektakuläres Ende … – Endlich ist Parker, Kultfigur des Gangsterkrimis, wieder mit neuen Abenteuern in Deutschland präsent. Er ist der alte Profi geblieben, der in kleine, schmutzige Verbrechen verwickelt wird und dem nicht selten am Ende nur das nackte Leben bleibt: ein angenehm altmodisches, spannendes, routiniert geschriebenes Lesevergnügen. Richard Stark – Fragen Sie den Papagei [Parker 23] weiterlesen

Anthony Berkeley – Galgenvögel

berkeley-galgenvoegel-cover-kleinEine allseits ungeliebte Dame stirbt einen bizarren Tod. Selbstmord kann es nicht gewesen sein, wie ein anwesender Hobby-Detektiv feststellt, bevor er unüberlegt die Spuren verwischt. Um nicht selbst auf der Anklagebank zu landen, muss er im Wettlauf mit der misstrauischen Polizei den Fall selbst klären … – Klassischer „Whodunit“-Krimi aus der ganz großen Zeit des Genres. Der Verfasser spielt meisterhaft mit den Regeln ohne sie zu brechen und verschafft dem Leser ein nicht alltägliches Vergnügen: die Jagd nach einem Mörder, den er im Gegensatz zum Detektiv bereits kennt!
Anthony Berkeley – Galgenvögel weiterlesen

Peter Robinson – Ein seltener Fall

Endlich hat Chief Inspector Alan Banks Zeit gefunden, um einen entspannten Urlaub in Griechenland zu verbringen. Ein Zeitungsartikel aus seiner Heimat bringt ihn jedoch dazu, sofort wieder abzureisen. Seit seiner Kindheit, als sein Freund Graham spurlos verschwand, trägt er ein schweres Schuldgefühl mit sich herum. Kurz zuvor war der junge Banks von einem Fremden belästigt worden, ohne diesen Vorfall der Polizei oder seinen Eltern zu melden. Bis heute fürchtet er, der Unbekannte könnte der Mörder seines damaligen Freundes gewesen sein.

Peter Robinson – Ein seltener Fall weiterlesen