Linda Schipp – Guilty Pleasure

Worum geht’s?

Der Thriller „Guilty Pleasure“ von Linda Schipp spielt in einem scheinbar paradiesischen Luxusresort auf einer abgeschiedenen Insel. Dieses exklusive Hotel richtet sich an eine kleine, extrem wohlhabende Elite, die bereit ist, für absolute Diskretion und die Erfüllung ihrer verborgensten Wünsche ein Vermögen zu zahlen.

Das Konzept ist ebenso verlockend wie verstörend: Es gibt keine Regeln, keine moralischen Grenzen und keine Konsequenzen – zumindest glauben das die Gäste. Jeder kann hier seine dunkelsten Fantasien ausleben, ohne beurteilt zu werden. Doch hinter dieser Fassade verbirgt sich ein perfides System, das die Gäste selbst zu Spielfiguren macht.


Inhalt

Die Geschichte begleitet mehrere Protagonisten, die aus unterschiedlichen Gründen in das Resort reisen. Jeder von ihnen bringt eigene Geheimnisse, Sehnsüchte oder Abgründe mit. Anfangs wirkt alles wie ein dekadentes Spiel: luxuriöse Umgebung, perfekte Organisation und scheinbar grenzenlose Freiheit.

Doch relativ schnell kippt die Atmosphäre. Die Handlungen der Figuren werden zunehmend extremer, moralische Hemmungen fallen, und aus Fantasien werden reale Taten. Gewalt, Machtspiele und psychische Abgründe nehmen immer mehr Raum ein.

Parallel dazu wird deutlich, dass die Gäste keineswegs so unbeobachtet sind, wie sie denken. Das gesamte Geschehen wird kontrolliert, gesteuert und letztlich für andere Zwecke genutzt. Dadurch entsteht ein beklemmendes Szenario, in dem sich die Figuren immer weiter in eine Spirale aus Eskalation, Kontrollverlust und gegenseitiger Ausbeutung verstricken.

Die Handlung steigert sich kontinuierlich, allerdings weniger durch klassische Spannung als durch immer drastischere Ereignisse. Gegen Ende erreicht die Geschichte einen Punkt, an dem Chaos und Gewalt dominieren und kaum noch Raum für differenzierte Entwicklungen bleibt.

Mein Eindruck

Ich hatte große Schwierigkeiten mit diesem Buch. Die Darstellung von Gewalt und Abgründen ist nicht nur präsent, sondern nimmt einen sehr zentralen und oft übertrieben detaillierten Raum ein. Viele Szenen wirken bewusst darauf ausgelegt, zu schockieren, und überschreiten für mich die Grenze vom Provokativen zum schlicht Abstoßenden.

Besonders negativ fiel mir auf, dass die drastischen Inhalte selten einen echten erzählerischen Mehrwert bieten. Statt Spannung oder psychologischer Tiefe entsteht eher ein Gefühl von Überforderung und Ekel. Die Beschreibungen sind teilweise so intensiv und ausschweifend, dass sie eher ermüdend als packend wirken.

Hinzu kommt die Länge und das Erzähltempo: Das Buch zieht sich über weite Strecken, ohne dass die Handlung wirklich vorankommt. Viele Passagen wirken redundant oder unnötig ausgedehnt, was den Lesefluss deutlich bremst.

Auch die Figuren konnten mich nicht überzeugen. Sie bleiben größtenteils oberflächlich und sind oft eher Mittel zum Zweck als glaubwürdige Charaktere. Dadurch fällt es schwer, mit ihnen mitzufühlen oder echtes Interesse an ihrem Schicksal zu entwickeln.

Insgesamt hatte ich beim Lesen eher das Gefühl, durch eine Aneinanderreihung extremer Szenen geführt zu werden, als einer durchdachten, spannenden Geschichte zu folgen.

Über die Autorin

Linda Schipp, 31 Jahre, beschäftigt sich mit der Dramaturgie fesselnder Geschichten bereits seit ihrem Studium der Kommunikationswissenschaft. Nach einigen erfolgreichen Jahren als Storytellerin in mehreren namhaften PR-Agenturen machte sie sich selbstständig, um sich ihren Kindheitstraum zu erfüllen: „vom Schreiben zu leben“ und das überall auf der Welt. Heute wohnt Linda Schipp nahe Düsseldorf und erzählt Geschichten in Vollzeit – als Autorin, Redakteurin, Hörbuchsprecherin und auf Social Media. Sie schreibt dopamingeladene Next-Generation-Thriller, die Leserinnen und Leser an die malerischsten Orte der Welt entführen. Als Backpackerin hat sie die meisten ihrer paradiesischen Schauplätze schon selbst erkundet. (Verlagsinfo)

Fazit

„Guilty Pleasure“ ist für mich kein gelungenes Leseerlebnis. Die Kombination aus sehr brutalen, teilweise krank wirkenden Schilderungen, einer zähen Erzählweise und wenig greifbaren Figuren macht das Buch eher anstrengend als unterhaltsam.

Während die Grundidee – ein Ort ohne Regeln, an dem Menschen ihre dunkelsten Seiten ausleben – durchaus Potenzial hätte, wird dieses hier meiner Meinung nach nicht sinnvoll genutzt. Statt psychologischer Spannung oder kritischer Auseinandersetzung bleibt vor allem ein Eindruck von Übertreibung und Sensationslust.

Wer gezielt nach extremen, schockierenden Inhalten sucht, könnte hier vielleicht fündig werden. Für Leserinnen und Leser, die Wert auf Spannung, Tiefe oder eine durchdachte Handlung legen, ist dieses Buch jedoch eher nicht zu empfehlen.

E-Book: 7.3 MB
ISBN: 978-3641341787
www.penguin.de

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