Es ist so weit, das Jahr der Fußball-WM im eigenen Land ist angebrochen, und überall laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die beste Weltmeisterschaft aller Zeiten soll es werden, und was die Vermarktung des World Cups betrifft, ist sie dies wahrscheinlich jetzt schon. Fußball, wohin man schaut, der König des Sports regiert das Land, und selbst potenzielle Nicht-Interessenten sind plötzlich Feuer und Flamme.
Doch niemals wäre das Interesse am runden Leder so groß, hätte der Sport nicht einige schillernde Persönlichkeiten hervorgebracht, die einerseits gehasst und verachtet, andererseits aber auch wie Popstars behandelt und abgefeiert wurden. Michael Nordmann hat sich nun die – seiner Meinung nach – 1000 besten und bekanntesten Fußballer aller Zeiten herausgepickt und in einem umfassenden Sach- und Bildband aufgelistet, bei dem nicht nur Insider mit der Zunge schnalzen werden. Man mag zwar darüber streiten, ob diese Liste der hier aufgeführten Stars wirklich repräsentativ für die Geschichte des Fußballs ist, zumal hier überraschend viele deutsche Spieler auftauchen, aber vom reinen Info- und Unterhaltungswert her betrachtet, ist „1000 Fußballer“ schon auf den ersten Blick ein richtiger Goldschatz.
Nordmann stellt die Sporthelden in einer alphabetischer Abhandlung vor und mischt so verschiedene Generationen von Fußballern zusammen, was manchmal schon ein wenig seltsam anmutet. So steht ein noch recht junger Spieler wie Zouebeier Baya direkt neben einer Legende wie Franz Beckenbauer, Griechenlands EM-Held Angelos Charisteas wird in einem Atemzug mit dem britischen Idol Jack Charlton genannt und Hany Ramzy teilt sich den Raum mit seinem ehemaligen Coach Otto Rehhagel. Und so entstehen hier zahlreiche seltsame Kombinationen, bei denen man dann ins Schmunzeln gerät.
Namen wie Carsten Jancker, Marco Bode, Steffen Freund oder Thorsten Fink – nur um mal ein paar Beispiele zu nennen – haben meiner Meinung nach in diesem Buch absolut nichts verloren, weil ihre Verdienste für den Fußball sich dann doch in Grenzen halten. Klar, man kann nicht sämtliche Jahrgänge der brasilianischen Nationalmannschaft auflisten, aber es ist schon so, dass „1000 Fußballer“ jetzt nicht zwingend auch die 1000 wichtigsten und besten Fußballer enthält. Diese Kritik muss sich der Herausgeber gefallen lassen, aber ich denke, das ist ihm auch bewusst. Andererseits wird sich der etwas jüngere Fan natürlich darüber freuen, den ein oder anderen Lieblingsspieler aus der aktuellen Fußballergeneration in diesem Buch zu finden, und das hat wahrscheinlich – ich kann nur mutmaßen – auch eine wichtige Rolle bei der Erstellung dieses Bandes gespielt.
Andererseits sind natürlich wirklich alle wichtigen Namen enthalten. Beckenbauer, Pelé, Maradonna, Ronaldo, und wie sie alle heißen, aber auch anscheinend vergessene Stars wie Gary Lineker, Roger Milla, Carlos Valedrama oder seinen Landsmann René Higuita. Man findet sie alle wieder, und je mehr man sich in das Buch vertieft hat, versteht man auch zunehmend die Misere, wie schwer es eigentlich ist, 1000 verdiente Sportler zu sammeln, und dabei auschließlich Spieler zusammenzuwürfeln, die auch tatsächlich hierhin gehören. Den subjektiven Geschmack außen vor zu lassen und trotzdem eine repräsentative Auswahl zu treffen, das war die Herausforerung, und diese wurde rein faktisch super gelöst, da muss dann die eigene subjektive Meinung (die ja oben schon beschrieben wurde) auch mal hintenan stehen …
Von der Auswahl zum Inhalt, und hier zeigt sich dann auch das wirklich Besondere an diesem opulent und sehr nobel aufgemachten Buch. Alle Spieler werden mit teils aktuellen, teils recht alten Aufnahmen vorgestellt, und diejenigen Stars, die der Fußballwelt wohl auf ewig in Erinnerung bleiben, haben dazu noch eine große Extraseite bzw. einen zusätzlichen Infokasten bekommen. Zu jedem Foto gibt es außerdem einen Kurzbericht sowie einen kurzen Überblick mit Fakten und Tatsachen aus der Karriere des jeweiligen Fußballers. Beschrieben werden Geburtsdatum, Nation, die Stationen als Spieler, WM-Spiele/Tore, Ländespiele/Tore und die Teilnahmen an der Weltmeisterschaft. Der einzige Kritkpunkt, den man hier anbringen kann, hat ebenfalls wieder etwas mit der Auswahl zu tun, und in diesem Fall mit der Auswahl der Fotos. Giovane Elber im Mönchengladbach-Trikot, Preben Elkjaer-Larsen auf einem lieblosen Ausschnitt eines Mannschaftsfotos oder Eric Gerets auf der Trainerbank – manchmal wäre sicherlich ein repräsentativeres Foto angebrachter gewesen, aber glücklicherweise sind die meisten Aufnahmen den sportlichen Höhepunkten der Spieler entnommen. Ansonsten gibt es hinsichtlich der Darstellung der Fußballer nichts auszusetzen, zumal die Darstellungen und die einzelnen Anekdoten wirklich in einen kurzweiligen, informativen Text eingebunden wurden.
Auch wenn es leichte kritische Ansätze zu verfolgen gilt, ist dieses Buch für jeden Fußballfan (nicht nur als Vorbereitung für die WM) ein echtes Muss. Hier findet man sie alle wieder, die wichtigen Gesichter der wohl wichtigsten Nebensache der Welt, und das in einem exzellent aufgemachten Buch, an dem man sehr lange seine Freude haben wird. Und aufgrund der eher drögen Konkurrenz will ich sogar so weit gehen und behaupten, dass „1000 Fußballer“ in seiner Sparte Referenzklasse ist – selbst mit einigen kleinen Schönheitsfehlern. Der geringe Preis von gerade mal 14,95 € sollte dann auch die letzten Zweifel ausräumen und die Vorbehalte auflösen. Das Geld ist jedenfalls sehr gut angelegt!
























