Mit diesem Buch veröffentlichte der polnische Schriftsteller Stanislaw Lem den 3. Band seiner Essays. Wie schon in Band 1, „Sade und die Spieltheorie“ (st 1304), versammelt das Buch Lems Nach- und Vorworte zu diversen Werken der phantastischen Literatur, die diesmal v.a. aus Polen stammt. Rezensionen von populärwissenschaftlichen oder spekulativen Sachbüchern und von Romanen beschließen den Band. Eine Lebensbeschreibung und eine „Art Credo“ eröffnen den Reigen der Essays.
Der mit Lichtgeschwindigkeit rechnende Computer Golem XIV aus dem Jahre 2029 gehört zu einer neuen Generation von Prozessrechnern mit Verstandesqualitäten, die ihre menschlichen Konstrukteure in jeder Beziehung weit überrundet haben. Angst will den Leser beschleichen, wenn man mit diesem Rechner konfrontiert ist und der Gedanke beruhigt sehr, dass auch der Verstand eines Superrechners den Beschränkungen unterliegt, denen jedes denkende System unterliegt: hinsichtlich der Fähigkeit der Selbsterkenntnis.
Die Hauptfigur in Stanisław Lems „Also sprach Golem“ ist Golem XIV, ein von Menschen gebauter Supercomputer, der unsere grundlegenden Denk- und Wahrnehmungsweisen in Zweifel zieht. Er weist auf die Grenzen unseres Verstandes hin, des Versuchs, die Ziele der Natur zu erkennen. Als eine Art Übermensch kennt er weder ein Gefühlsleben, noch besitzt er einen menschlichen Charakter. Seine Ethik ist gewiß keine humanitäre. »Er selbst nannte sie ›Kalkül‹. Liebe, Altruismus und Mitleid waren bei ihm durch Zahlen ersetzt.« Kurz vor seinem Eintritt in eine »Zone der Ruhe« hält er Vorlesungen über die Stellung des Menschen im Kosmos. Der Leser sieht sich mit der unbequemen Vorstellung konfrontiert, die Menschheit sei ein Fehlprodukt der Natur und keineswegs die Krone der Schöpfung. (Amazon.de)
Hinweis: Die Erstausgabe umfasst drei Prosastücke, die heutige Taschenbuchausgabe nur „Golem XIV“.
Dieses Buch des gelehrten Polen ist eine fast einmalige Sache: Er stellt Rezensionen von Bücher und Reden vor, die es gar nicht gibt. Das ist zuweilen recht lustig, dann aber auch wieder recht ernst und sogar philosophisch. Insgesamt bietet das Buch interessante Gedankenspiele darüber, was wäre wenn.
„Die vollkommene Leere legt den Snobismus und den Glauben an einen alles erleichternden Fortschritt bloß. Die »vollkommene Leere« bezeichnet ein quälendes Gefühl der Schwerelosigkeit. Es ist dem Handeln und Schaffen im höchsten Maße feindlich, denn es tötet auch die Hoffnung.“ (Verlagsinfo)
Sind die Menschen, die dort einmal lebten, dem Vergessen anheimgefallen und ihre Träume nur ein kurzer Hauch im epochalen Wind der Zeitläufte? Christoph Hein lässt sie zu Wort kommen: überzeugte Kommunisten, ehemalige Nazis, verstrickte Funktionäre, kritische Intellektuelle, Schuhverkäufer, Kellner, Fabrikarbeiter, Hausmeister, auch einen hohen Stasi-Offizier. Doch zunehmend erleben sie die neue Gesellschaft als ein Narrenschiff, dessen Kurs auf immer bedrohlichere historische Klippen zusteuert. Mit scharfem Blick und literarischer Kraft zeichnet Hein ein facettenreiches Panorama zwischen Ideologie, Anpassung und stillem Widerstand. (Verlagsinfo)
Seitenzahl der Print-Ausgabe : 750 Seiten
Suhrkamp
Was, wenn es die Möglichkeit gäbe, die Erde abzukühlen, der Himmel dadurch aber nie wieder blau wäre? Hannah arbeitet an einer Ausstellung mit, die dieses Blau bewahren soll, kurz bevor eine globale Geoengineering-Maßnahme in Kraft treten wird. Durch die in die Stratosphäre geschossenen Schwefelpartikel wird sich das Sonnenlicht anders brechen, Meere und Flüsse werden verblassen, und der blaue Planet wird sich milchig grau färben. »Kannst du das Blaue beschreiben?«, fragt Hannah die Menschen, denen sie mit ihrem Aufnahmegerät gegenübersitzt: eine Filmemacherin, einen Botaniker, ihre ältere Schwester Vera. Immer tiefer taucht Hannah in die Erinnerungen der anderen ein, die am Tag der Ausstellungseröffnung in einem Raum zusammenfinden. Und plötzlich steht da auch Jakob, Hannahs Vater. Auch er hat eine Geschichte zu erzählen, über die die beiden bisher nie gesprochen haben. (Verlagsinfo)
Seitenzahl der Print-Ausgabe : 268 Seiten
Suhrkamp
In ferner Zukunft beherrschen die Lords der sogenannten „Instrumentalität“ die Erde. Die Menschen leben zumeist in geschützten Städten, mit Ausnahme der „Heillosen“, die in der Wildnis den Bestien ausgesetzt sind, und der Untermenschen unter der Erdoberfläche. Dies sind die Geschichten von Individualisten, die sich außerhalb der Komfortzone stellen, die die Lords eingerichtet und verordnet haben: Romantiker, aber auch Helden.
Der Autor
Cordwainer Smith war das Pseudonym von Paul Myron Anthony Linebarger (1913-66), einem Professor an der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität, China-Experten (er beriet die US-Regierung) und Autor eines vielbeachteten Buchs über psychologischen Kriegsführung. Cordwainer Smith – Sternträumer. SF-Erzählungen weiterlesen →
Im Herbst 1989 führt Luzy Morgenroth auf Amrum das Leben einer Provinzpolizistin. Kaum jemand ahnt, dass sie vor langer Zeit eine Andere war. Als in einer Sturmnacht ein Einheimischer spurlos von der Fähre verschwindet, muss sie sich einem Killerkommando stellen, das auf die Insel kam, und verwandelt sich wieder in die Luzy von früher. Eine Waffe.
In einem spektakulären Agententhriller schickt Pflüger seine Heldin am Ende des Kalten Krieges als Racheengel um die halbe Welt. Sie tritt gegen ein Geheimdienstimperium an, das den Mann beschützt, der ihr Leben zerstörte. Und es wird sich zeigen, wer kälter ist: ihr Todfeind oder sie. (Verlagsinfo)
Seitenzahl der Print-Ausgabe : 495 Seiten
Suhrkamp
1866 erblickt Emilia del Valle in San Francisco das Licht der Welt – sie ist die Tochter einer irischen Nonne und eines chilenischen Aristokraten, großgezogen wird sie von ihrem liebevollen Stiefvater, in einem ärmlichen Viertel in San Francisco. Von klein auf eigensinnig, beeindruckt sie wenig, was andere für richtig halten, ihre große Leidenschaft ist das Schreiben. Siebzehnjährig veröffentlicht sie, unter männlichem Pseudonym, erfolgreich Groschenromane, doch das echte Leben findet sie abenteuerlicher und wird Reporterin bei einer Zeitung. Ihr Kollege ist Eric, ein junger Mann mit großer Strahlkraft, und gemeinsam gehen sie nach Chile, in das Land ihrer Vorfahren, über den sich anbahnenden Bürgerkrieg zu berichten. Emilia und Eric kommen sich näher – ist das Liebe? –, und während Emilia immer tiefer in die Geschichte ihres Vaters eintaucht, gerät sie selbst zwischen die Fronten: Sie muss sich nicht nur der Gefahr, sondern auch den drängenden Fragen nach ihrer eigenen Herkunft stellen. (Verlagsinfo)
Seitenzahl der Print-Ausgabe : 359 Seiten
Suhrkamp
Als Preisträgerin des dotierten Ursula-K-LeGuin-Preises wurde Anne de Marcken binnen eines Jahres übersetzt und bei Suhrkamp verlegt. Eine ideale Plattform, bekannt für Herausgabe von phantastischer Literatur. Die Aufmachung ist ansprechend und schön gelungen, einzig das Lesebändchen fehlt dem schlanken Hardcover.
Der Klappentext wirbt mit einer skurrilen Disposition, mit Zombies und Postapokalypse, aber gleichzeitig auch mit Menschlichkeit und Humor. Wortmeldungen wie die des Kollegen Jeff Vandermeer bezeugen ebenfalls die Qualität des Buches. In Zusammenschau all dieser Häppchen kommt geneigte Leserschaft kaum um dieses Buch herum.
Yunus ist dreizehn, als sein Vater nach zwei Schlaganfällen nahezu vollständig gelähmt ist und nicht mehr sprechen kann. Nach seinem Tod versucht Yunus, sich der Lebensgeschichte seines Vaters anzunähern: Er ruft Erlebnisse und Gespräche mit ihm aus seiner Kindheit wach, und wenn die Erinnerung Lücken aufweist, leuchten in seiner Fantasie Bilder auf, die die Leerstellen füllen. Sie fügen sich zu dem warmherzigen Porträt eines Mannes, der mit lauter Stimme lachte, auf Arabisch fluchte, der häufig abwesend und leicht reizbar war und der einst aus Mardin nahe der türkisch-syrischen Grenze nach Istanbul ging, den Militärputsch miterlebte und nach Deutschland kam. (Verlagsinfo)
MANIAC erzählt von den dunklen Sphären des vergangenen Jahrhunderts, seinen brillantesten Denkern und ihren Erfindungen: Auf meisterhafte Art verknüpft der Roman das Schicksal John von Neumanns – dem Pionier der künstlichen Intelligenz und des Personal Computers, dem Erfinder der Spieltheorie und dem Geburtshelfer der Atombombe – mit der Geschichte von Paul Ehrenfest, der als gepeinigter Physiker im Deutschland der Dreißigerjahre den Einzug des tyrannischen Irrationalen vorhersieht. Die Vision von einer autonomen Maschine, die sich gänzlich der menschlichen Kontrolle entzieht, kulminiert im Duell des weltbesten koreanischen Go-Spielers Lee Sedol und der künstlichen Intelligenz AlphaGo. Wer wird gewinnen: Mensch oder Maschine? (Verlagsinfo)
Dezember 1941: Joe McGrady ist Detective beim Honolulu PD und wird mit der Untersuchung eines Falls beauftragt, der sein Leben für immer verändern wird: dem Mord an einem jungen Mann, dem Neffen des Oberbefehlshabers der Pazifikflotte, und dessen Freundin, einer jungen Japanerin. McGrady folgt einem Verdächtigen bis nach Hongkong, das gerade von den Japanern eingenommen wird. Er wird als Gefangener nach Japan verschleppt, als potenzieller Spion droht ihm der Tod. Gerettet wird er von dem Diplomaten Takahashi Kansei, der heimlich gegen die offizielle japanische Kriegspolitik arbeitet. Takahashi und seine Tochter Sachi verstecken McGrady bis zur Kapitulation Japans. McGrady kehrt nach Hawaii zurück und beginnt, nach nunmehr fünf Wintern, den alten Fall wieder aufzunehmen … (Verlagsinfo)
Wien, 1938. Samuel Adler ist sechs Jahre alt, als sein Vater und die Familie alles verliert. In ihrer Verzweiflung verschafft Samuels Mutter ihrem Sohn einen Platz in einem Kindertransport, aus dem von den Nazis besetzten Österreich nach England. Samuel macht sich allein auf die Reise, außer einer Garnitur Wechselkleidung und seiner Geige hat er bei sich nichts – die Last der Einsamkeit und Ungewissheit wird ihn ein Leben lang begleiten. (Verlagsinfo)
Israel, 1974-2008. Zwei Polizisten führen uns durch fast vier Jahrzehnte israelischer Geschichte. Cohen, der Strippenzieher im Hintergrund, und Avi Sagi, der den korrumpierenden Versuchungen seines Jobs nicht widerstehen kann. Diese Geschichte ist die dunkle Geschichte Israels. Der Patriot Cohen kennt nur eine Aufgabe – seinen Staat zu beschützen, auch wenn er dafür die bittersten Realitäten akzeptieren muss und gnadenlos danach handelt. Cohen und Sagi haben es mit jüdischen, arabischen und türkischen Gangstern, mit der CIA und dem KGB, mit den Contras und den Kartellen, mit militanten Orthodoxen und anderen Playern mehr zu tun. Cohen versucht, »die Dinge in der Balance zu halten«, und kennt dabei keine Grenzen. (Verlagsinfo)
Das Haus, in dem Yasemin bis vor kurzem gelebt hat, steht nicht mehr. Es musste bis auf die Grundmauern abgerissen werden. Von der Wohnung, die sie zuletzt mit ihrem Freund Vito geteilt hat, sind nur Erinnerungen übrig. Die Geschichte der beiden reicht bis in ihre Jugend zurück: Beide wachsen im selben Hochhauskomplex auf, und Yasemin verliebt sich mit dreizehn in den drei Jahre älteren Nachbarn. Von klein auf fasziniert von Glaubensfragen und Spiritualität, versucht sie durch einen Liebeszauber, Vito für sich zu gewinnen. Doch nach einem Sanatoriumsaufenthalt, wo ihre Skoliose behandelt wird, geht sie auf Distanz. Zu fremd ist ihr der eigene Körper, zu groß die Scham wegen ihres Korsetts. Erst zwanzig Jahre später, als die mühsam aufgerichtete Wirbelsäule droht sich wieder zu stauchen, begegnen sie sich erneut. Yasemin hält dieses späte Aufflammen der Jugendliebe für Schicksal. Aber dann zeigt Vito sein Inneres, das bedrohlich ist und leer.(Verlagsinfo)
Der Aufstieg von Ben, Chon und Ophelia zum erfolgreichsten Marihuana-Start-up Kaliforniens verläuft alles andere als geradlinig. Korrupte Cops und rivalisierende Dealer stehen ihnen im Weg – und die Sünden ihrer Eltern. Ihre geschichte reicht weit zurück, bis in die Sechziger, als in Lagina Beach Surfer und Hippies zusammentrafen und einen pakt mit dem Teufel schlossen. „Ein episches Panorama voller, Sonne, Surfer und Sex. Eine Version des Höllensturzes. California dreaming? Vergiss.“ DIE WELT Don Winslow – Kings of Cool. Drogen-Thriller weiterlesen →
Seitdem die Verdunstung der Meeresoberfläche durch künstliche Moleküle verhindert wird, regnet es nicht mehr. Die zunehmende Dürre sorgt für das Erscheinen von Rissen in der menschlichen Zivilisation. Schließlich sieht sich auch der Arzt Dr. Charles Ransom gezwungen, mit ein paar Schützlingen die zerstörte Stadt zu verlassen und an der Küste eine Zukunft zu suchen. Doch an der von Flüchtlingen überlaufenen Küste herrscht das pure Chaos …
Das Innere Afrika ist von seltsamen Kristallen überzogen. Im Dschungel herrscht der Leuchtende Mann.
Wie schon in „The Drowned World“ und „The Drought“ hat Ballard die Welt, wie wir sie kennen, transformiert und sie mit seinen gewaltigen sprachlichen Mitteln zu einem fremden Planeten gemacht, in dem sich neue Wesen tummeln. „Kristallwelt“ zu lesen, verwandelt den Leser selbst: nicht etwa durch die kaum vorhandene Handlung, sondern durch die Konfrontation mit eben jener transformierten Wirklichkeit. In seinen besten Passagen erinnert das Buch an Joseph Conrads „Heart of Darkness“.
Die 200 Kilometer lange Küste von Vermilion Sands ist eine Riviera an und in der Wüste. Orte wie Red Beach, Ciraquito und Lagoon West – sie liegen nicht nur am Meer, sondern auch an den Steilklippen des nahen gläsernen Sandmeers, wo fliegende Sandrochen segeln. Die Örtchen bieten Künstlern ein Domizil, aber auch Touristen und neurotischen Reichen. Unwirklich wie ein Fiebertraum sind sie ein Treffpunkt seltsamster Leidenschaften. Futuristische Kunstformen treffen auf uralte Liebeskonflikte und unheimliche Spiele. Die Vermilion-Sands-Erzählungen sind einzigartig in der Zukunftsliteratur.
Acht Kurzgeschichten und eine Novelle aus den 1930er Jahren, verfasst von Clark Ashton Smith (1893-1961), dem Meister des Bizarren und Morbiden, der europäische Dekadenz mit amerikanischer Fabulierkunst kreuzt und dem Ergebnis morgenländische Märchenhaftigkeit beimischt; es entsteht eine schwüle, von unguter Fruchtbarkeit geprägte Atmosphäre drastischen Grauens – und ein von der Zeit mit nostalgischer Patina geadeltes, aber weiterhin kraftvolles Lese-Erlebnis, das schon den großen H. P. Lovecraft beeindruckte. Clark Ashton Smith – Saat aus dem Grabe. Phantastische Geschichten weiterlesen →
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