Schlagwort-Archiv: Golem

Stanislaw Lem – Golem XIV und andere Prosa

Ketzerische Reden und ihre Verteidigung

Der mit Lichtgeschwindigkeit rechnende Computer Golem XIV aus dem Jahre 2029 gehört zu einer neuen Generation von Prozessrechnern mit Verstandesqualitäten, die ihre menschlichen Konstrukteure in jeder Beziehung weit überrundet haben. Angst will den Leser beschleichen, wenn man mit diesem Rechner konfrontiert ist und der Gedanke beruhigt sehr, dass auch der Verstand eines Superrechners den Beschränkungen unterliegt, denen jedes denkende System unterliegt: hinsichtlich der Fähigkeit der Selbsterkenntnis.

Die Hauptfigur in Stanisław Lems „Also sprach Golem“ ist Golem XIV, ein von Menschen gebauter Supercomputer, der unsere grundlegenden Denk- und Wahrnehmungsweisen in Zweifel zieht. Er weist auf die Grenzen unseres Verstandes hin, des Versuchs, die Ziele der Natur zu erkennen. Als eine Art Übermensch kennt er weder ein Gefühlsleben, noch besitzt er einen menschlichen Charakter. Seine Ethik ist gewiß keine humanitäre. »Er selbst nannte sie ›Kalkül‹. Liebe, Altruismus und Mitleid waren bei ihm durch Zahlen ersetzt.« Kurz vor seinem Eintritt in eine »Zone der Ruhe« hält er Vorlesungen über die Stellung des Menschen im Kosmos. Der Leser sieht sich mit der unbequemen Vorstellung konfrontiert, die Menschheit sei ein Fehlprodukt der Natur und keineswegs die Krone der Schöpfung. (Amazon.de)

Hinweis: Die Erstausgabe umfasst drei Prosastücke, die heutige Taschenbuchausgabe nur „Golem XIV“.

Der Autor
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Gustav Meyrink – Der Golem

Meyrinks „Golem“ gehört zu den besten Werken seines Genres. Wie sein Vorbilder E.T.A. Hoffmann und E.A. Poe lässt Meyrink das Traumhafte schon in der Alltagswelt beginnen, Realität und Überwirklichkeit fließend ineinander übergehen. Hier werden Erfahrungen im Grenzbereich der Seele zwingend in eine spannende Handlung umgesetzt. Die kongenialen Illustrationen von Hugo Steiner-Prag, einem Zeitgenossen Meyrinks, erhöhen den Reiz dieser Ausgabe. (Amazon.de)

„Der Golem“ ist ein spannender, unheimlicher Schauerroman, der aber in einer modernen, einfachen Sprache geschrieben wurde. Wer E. A. Poe und Kafka mag, ist hier richtig.

Wer je in der Altstadt von Prag den alten jüdischen Friedhof besucht hat (so wie ich 1979), wird erstens auf das Grab des Rabbi Löw hingewiesen und zweitens seinen Augen kaum trauen: Da stehen Grabsteine dicht an dicht, manche halb umgestürzt, fast von Grün überwuchert und ungepflegt, auf jedem Stein eine verwitterte Inschrift in hebräischer Schrift. So viele Tote, Legenden, so viel Vergangenheit. Dort unten, auf diesem kleinen Grundstück, lebt er noch, der Geist des Golems.
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