In „Gentlemen“ erzählt Patricia Jozef die Geschichte von Marieke und Vik, die seit vielen Jahren ein Paar sind und gemeinsam zwei Kinder haben. Nach außen wirkt ihr Leben geordnet und stabil, doch in ihrer Beziehung ist längst eine emotionale und körperliche Distanz entstanden. Um einen Neuanfang zu wagen, zieht die Familie von der Stadt auf einen abgelegenen Hof in Frankreich. Während Vik sich schnell im neuen Leben zurechtfindet, fühlt sich Marieke zunehmend isoliert und innerlich leer.
Auf der Suche nach etwas, das ihr verloren gegangen ist, beginnt sie heimlich Kontakte zu Escort-Männern zu suchen. Besonders die Begegnung mit John beziehungsweise Rocco verändert ihren Blick auf Nähe, Sexualität und ihr eigenes Leben. Der Roman beschäftigt sich dabei weniger mit Romantik als mit Entfremdung, Sehnsucht und dem Versuch, sich selbst wieder zu spüren.
Inhalt
Der Roman beginnt relativ ruhig und beobachtend. Patricia Jozef beschreibt den Alltag der Familie sehr nüchtern und konzentriert sich stark auf die innere Wahrnehmung von Marieke. Schnell wird deutlich, dass die Beziehung zu Vik zwar funktioniert, aber kaum noch echte Nähe vorhanden ist. Gespräche bleiben oberflächlich, vieles wirkt routiniert und leer.
Der Umzug nach Frankreich soll eigentlich ein gemeinsames Projekt werden, führt aber eher dazu, dass sich Marieke noch stärker entfremdet fühlt. Während Vik praktische Aufgaben übernimmt und in seinem neuen Alltag aufgeht, bleibt Marieke mit ihren Gedanken und ihrer Unzufriedenheit weitgehend allein. Aus dieser Einsamkeit heraus beginnt sie, Escort-Angebote zu recherchieren und schließlich selbst Treffen zu vereinbaren.
Die Begegnungen mit John/Rocco werden sachlich und direkt beschrieben. Der Fokus liegt weniger auf Erotik als auf Mariekes innerem Zustand. Der Roman zeigt dabei immer wieder, wie sehr sie zwischen Bedürfnis nach Nähe und emotionaler Distanz schwankt. Gleichzeitig entsteht eine Atmosphäre von Leere und Isolation, die sich durch das gesamte Buch zieht.
Mein Eindruck
Ich habe mich mit diesem Buch nicht besonders wohlgefühlt und bin insgesamt nur schwer in die Geschichte hineingekommen. Das lag vor allem am Schreibstil, der sehr sachlich und distanziert wirkt. Patricia Jozef beschreibt viele Situationen eher nüchtern und beobachtend, wodurch für mich kaum emotionale Nähe zu den Figuren entstanden ist.
Besonders Marieke blieb für mich schwer greifbar. Obwohl der Roman stark aus ihrer Perspektive erzählt wird, hatte ich oft das Gefühl, eher Zuschauerin als wirklich Teil ihrer Gedankenwelt zu sein. Dadurch konnten mich viele Szenen emotional nicht richtig erreichen.
Was das Buch allerdings durchaus geschafft hat, war eine bestimmte Stimmung zu vermitteln — vor allem Einsamkeit und innere Leere. Diese Gefühle ziehen sich konstant durch die Handlung und haben bei mir beim Lesen ein unangenehmes, bedrückendes Gefühl ausgelöst. Gerade die Distanz zwischen den Figuren und die fehlende Wärme innerhalb der Beziehung wirkten auf mich teilweise sehr trostlos.
Die Thematik rund um weibliches Begehren, unerfüllte Beziehungen und Selbstsuche ist grundsätzlich interessant, aber die eher kühle Erzählweise hat es mir schwer gemacht, wirklich mitzufühlen oder eine emotionale Bindung zur Geschichte aufzubauen.
Über die Autorin
Patricia Jozef (geb. 1975) hat Malerei und Philosophie studiert und ist immer auf der Suche nach neuen Geschichten. Ihr Debüt-Roman „Glorie“ (2017) stand auf der Shortlist des ANV Debutantenprijs und erhielt begeisterte Kritiken. Sie unterrichtet Niederländisch als Zweitsprache und genießt es, im Unterricht täglich die unterschiedlichsten Leben an sich vorbeiziehen zu sehen. (Verlagsinfo)
Fazit
„Gentlemen“ ist ein ruhiger, nüchterner Roman über Entfremdung, Einsamkeit und das Bedürfnis nach Nähe. Patricia Jozef erzählt bewusst sachlich und unaufgeregt, was gut zur Thematik passt, mich persönlich aber emotional auf Distanz gehalten hat.
Wer Bücher mag, die Beziehungen analytisch und ohne große Dramatik betrachten, könnte hier durchaus etwas finden. Für mich blieb die Geschichte jedoch kühl und bedrückend, sodass ich nie wirklich in den Roman eintauchen konnte. Besonders das Gefühl von Einsamkeit war beim Lesen sehr präsent und hat das Leseerlebnis eher schwer gemacht als angenehm.
E-Book: 2.3 MB
Ins Deutsche übersetzt von Dania Schüürmann
ISBN: 978-3641341787
www.w1-verlage.de
Der Autor vergibt: 




