
Schlagwort-Archiv: Heyne
J. R. Ward – Blutlinien (Black Dagger, Band 11)
(Die englischen Originale sind in jeweils zwei deutsche Bücher aufgeteilt worden.)
01 „Nachtjagd (1/2)“
02 „Blutopfer (2/2)“
03 „Ewige Liebe (1/2)“
04 „Bruderkrieg (2/2)“
05 „Mondspur (1/2)“
06 „Dunkles Erwachen (2/2)“
07 „Menschenkind (1/2)“
08 „Vampirherz (2/2)“
09 „Seelenjäger(1/2)“
10 „Todesfluch (2/2)“
11 „Blutlinien (1/2)“
12 „Vampirträume (2/2)“
13 „Die Bruderschaft der Black Dagger: Ein Führer durch die Welt von J.R. Ward’s BLACK DAGGER“
14 „Racheengel (1/2)“
15 „Blinder König (2/2), August 2010“
16 „Vampirseele (1/2), November 2010)“
17 „Mondschwur (2/2), Februar 2011)“
Clifford D. Simak – Als es noch Menschen gab

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Brandon Sanderson – Herrscher des Lichts (Mistborn 3)
Band 1: „Kinder des Nebels“
Band 2: „Krieger des Feuers“
Nach der Schlacht um Luthadel versucht Elant Wager, inzwischen erneut König und Oberster Herrscher, sein Reich wieder zu einen und die Menschen in seiner Hauptstadt zu versammeln. Denn nur dort kommt noch genug Sonnenlicht zum Erdboden durch, um Pflanzen wachsen zu lassen. Vor allem aber braucht Elant den Zugang zu einer Höhle unter einem Ministeriumsgebäude in Fadrex. Vier Höhlen dieser Art haben sie bereits gefunden, und dort fanden sich vor allem Vorräte jeglicher Art, außerdem aber auch eine Metallplatte mit Hinweisen des ehemaligen Obersten Herrschers Raschek. Vin erhofft sich von der fünften Platte die Lösung des Rätsels, wie sie das Wesen bekämpfen kann, das sie unwissentlich an der Quelle der Erhebung frei gelassen hat und das offensichtlich ein gefährlicher Feind ist. Doch in Fadrex hat sich ein ehemaliger Obligator namens Yomen zum Herrscher aufgeschwungen und ist nicht bereit, mit Elant und Vin zusammenzuarbeiten.
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Colin Forbes – Kalte Wut [Tweed 12]

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Brian Keene – Totes Meer

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Karl Schroeder – Planet der Sonnen (Das Buch von Virga 1)
Es gibt verschiedene Arten der Science Fiction, doch oft bietet sie ein Spielbrett für die faszinierendsten Weltenschöpfungen als Weiterentwicklung aus unserer Welt, und dort, in oder auf den fremden Planeten, spielen sich dann die Geschichten ab, die den Schriftstellern am Herzen liegen. Virga, Karl Schroeders „Planet der Sonnen“, ist so eine Welt. Sie bietet durch ihre Einzigartigkeit einen nahezu unbegrenzten Spielraum für Geschichten, denn, was sie von anderen Planeten unterscheidet, sie ist eher eine Sauerstoffsphäre im äußeren Bereich eines fernen Sonnensystems, gigantisch und doch weitgehend leer, schwerelos und mit unzähligen Attributen beschreibbar. In ihrem Zentrum schwebt Candesce, die erste Sonne, ein künstliches Gebilde, um das sich Habitate, drehende Städte, Planetoiden oder Plattformen bewegen und den Menschen als Lebensraum dienen.
Je weiter diese einzelnen bewohnten Bezirke von der ersten Sonne entfernt sind, desto mehr Material befindet sich zwischen ihm und dem Licht, weshalb Licht und Wärme ein kostbarer politischer und wirtschaftlicher Faktor ist. Es gibt weitere, kleinere Sonnen innerhalb Virgas, die kleine Lebenssphären in der Kälte der weiten Sphäre bilden und ihre jeweiligen Nationen mit Licht und Wärme versorgen. Wer keine eigene Sonne hat, ist abhängig von größeren Nationen, die ihrerseits diese Abhängigkeit erhalten wollen und daher oft den Bau eigener Sonnen sabotieren, verbieten, verhindern.
Hayden Griffin ist ein junger Bewohner der Nation Aerie, die von einer eigenen Sonne träumt und keine Mühen und Gefahren scheut, dieses Ziel zu erreichen. Aerie ist von der Nation Slipstream abhängig, doch da sich Slipstream auf einem frei fallenden Planetoiden durch die Sphäre Virgas bewegt, wird sie und ihre Sonne den Bereich von Aeries Habitaten in absehbarer Zeit verlassen und der Dunkelheit und Kälte überantworten. Trotzdem will Slipstream sich die Vorherrschaft erhalten und zerstört auf brutale und blutige Weise die neue Sonne und Teile Aeries. Griffin überlebt das Massaker und schwört dem befehlshabenden Admiral Rache.
Jahre später wird Slipstream selbst von mehreren Seiten bedroht. Besagter Admiral Fanning zieht mit einer kleinen Flotte von Schiffen aus, heimlich eine ultimative Waffe zu schaffen. Der Schlüssel dazu ist erstens die erste Sonne Candesce, zweitens eine Außenweltlerin, die überlegene Technik repräsentiert und die es aus unbekannten Gründen nach Virga verschlagen hat.
Hayden Griffin, auf der Suche nach der richtigen Chance, seine Rache zu vollenden, wird als persönlicher Pilot von Venera Fanning, des Admirals Frau, angeheuert und begleitet die abenteuerliche Expedition. Doch lange wartet er vergeblich auf eine Gelegenheit zum Mord, erfährt durch seine Nähe zu Fannings Frau ganz neue Informationen über den Ablauf des damaligen Massakers, erfährt die Gefahren und die Geheimnisse Virgas, verliebt sich in die Außenweltlerin und erhält auch noch die einmalige Chance, Aerie zu einer neuen Sonne zu verhelfen … Ihn quälen viele Fragen: Ist Fanning schuldig? Kann die Schuld überhaupt zugeordnet werden? Was verbirgt Virga noch für Geheimnisse? Was hält die NI, die Natürliche Intelligenz, die außerhalb Virgas alles beherrscht, vom Eindringen in die Sphäre ab, und was verbirgt die Außenweltlerin Aubri Mahallan für ein dunkles Geheimnis?
Fragen über Fragen, auf deren viele der Roman eine Antwort liefert. Geheimnisvoll und faszinierend bleibt sowohl Virga als auch der Rest des von Menschen und der NI besetzten Universums, hier kratzt Karl Schroeder nur an der Oberfläche, wirft ein paar heftige Brocken hin und entwirft mit diesem Roman gleich zwei so gegensätzliche Zukunftsvisionen, dass man unbedingt nach neuen Romanen aus diesem Material verlangt, um mehr darüber zu erfahren.
Viele Charaktere erhalten ihre Chance in diesem Roman, doch nur wenige wichtige erhalten mehr als ein paar porträtierende Striche. Hayden Griffin, die Fannings, ein grau gekleideter Agent, der so hintergründig ist, dass ich ihn mit „Herr Schmidt“ anreden würde, da ich seinen Namen immer vergesse, die Außenweltlerin Aubri Mahallan … Das sind Protagonisten mit Ecken und Kanten, wohl keiner von ihnen hat eine weiße Weste, manchen drückt ein Gewissen, andere scheinen auf zwei unterschiedlichen Seiten zu stehen. Schroeder macht zwar Griffin zu seiner Hauptfigur und zum Sympathieträger, aber gerade auch die merkwürdige Vielschichtigkeit von Venera Fanning macht sie zu einem interessanten Charakter. Da sie das Ende des Buches auch erlebt, kann man sicherlich damit rechnen, nochmal von ihr zu lesen.
Das Geheimnis Aubri Mahallans ist so komplex und gefährlich für die Sphäre, dass Schroeder sich bei seiner Offenbarung auf Eckpunkte beschränken musste. Trotzdem eröffnet er damit einen verstörenden Eindruck der Welt und des Lebens außerhalb Virgas, so dass man froh sein kann, ein Bewohner dieser Welt zu sein und von der anderen Seite weitgehend in Ruhe gelassen zu werden – so schwer das Leben auch sein kann.
Virga ist eine Welt, die von skurrilen Gegensätzen nur so strotzt. Schroeder streut schrittweise Informationen ein und entwirft so ein detailiertes Bild dieser Sphäre, in der die Schwerkraft nur durch Fliehkraft simuliert wird, Sturm ein Ausdruck der Eigengeschwindigkeit ist, Kugeln, die ihr Ziel verfehlen, jahrelang im freien Fall durch die Welt sausen und irgendwo eine verheerende Wirkung erzielen können … Es ist eine Welt voller Rätsel, und es verspricht eine spannende Reise zu werden, auf die uns der Autor hoffentlich in künftigen Romanen mitnimmt.
Taschenbuch: 448 Seiten
Originaltitel: Book One of Virga: Sun of Suns
Aus dem Englischen von Irene Holicki
ISBN-13: 978-3453526266
Der Autor vergibt: 



Lustbader, Eric Van / Ludlum, Robert – Bourne-Attentat, Das (Jason Bourne 6)
_Zwischen Killern und schönen Frauen: Bourne in neuer Mission_
Jason Bourne kommt nicht zur Ruhe: Eine Gruppe islamistischer Terroristen plant den finalen Schlag gegen die USA. Bourne wird ausgesandt, das Dokument, in dem das Ziel des Anschlags festgelegt ist, zu finden. Dabei gerät er ins Visier der Terroristen und des amerikanischen Geheimdienstes, für den er ein Unsicherheitsfaktor ist. Bourne entgeht nur knapp einer Serie von Mordanschlägen, aber schließlich gelingt es ihm, die brisanten Pläne an sich zu bringen.
Zu seiner Bestürzung erfährt er, dass ein Spion aus den eigenen Reihen dem muslimischen Netzwerk angehört. Erst im letzten Augenblick erkennt Bourne, wer der eigentliche Drahtzieher des drohenden Anschlags ist und wo die Terroristen zuschlagen wollen. Doch es scheint zu spät zu sein …
_Die Autoren_
a) Robert Ludlum wurde 1927 in New York City geboren. Nach dem II. Weltkrieg begann er eine Karriere als Schauspieler, die er verfolgte, bis er vierzig wurde, also bis 1967. Er studierte Kunstgeschichte und fing mit dem Schreiben an. 1971 schießt sein erster Thriller „Das Scarlatti-Erbe“, an dem er 18 Monate schrieb, an die Spitze der Bestsellerlisten. Als ähnlich erfolgreich erwiesen sich auch alle weiteren Romane, so etwa „Das Osterman-Wochenende“ (verfilmt), „Die Scorpio-Illusion“ oder „Der Ikarus-Plan“.
Seine Erfahrung als Schauspieler kam ihm zugute: „Man lernt, wie man die Aufmerksamkeit des Publikums behält.“ Seine Bücher wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt und erreichten eine Auflage von mehr als 280 Millionen Exemplaren (Verlagsangabe Heyne). Zuletzt wurden die drei legendären Bourne-Thriller mit Matt Damon höchst erfolgreich verfilmt. Ludlum lebte bis zu seinem Tod am 12. März 2001 mit seiner Frau Mary und seinen Kinder in Florida und Connecticut.
Mehrere Autoren schreiben an den Serien, die Ludlum schuf, weiter. Derzeit befinden sich die Verfilmungen zu „The Matarese Circle“/“Der Matarese-Bund“ (mit Denzel Washington) und „The Chancellor Manuscript“/“Das Kastler-Manuskript“ (mit Leonardo DiCaprio) in der Produktion. Außerdem gibt es seit 2008 das Videospiel „Robert Ludlum’s: Das Bourne-Komplott“ für |PlayStation 3| und |Xbox360|.
1) Die Bourne-Identität
2) Das Bourne-Imperium
3) Das Bourne-Ultimatum
4) [Das Bourne-Vermächtnis 5355 (von Eric Lustbader)
5) [Der Bourne-Betrug 5537 (von Eric Lustbader)
6) Das Bourne-Attentat (von Eric Lustbader, 2008)
7) The Bourne Deception (von Eric Lustbader, 2009)
Eric Van Lustbader, geboren 1946, ist der Autor zahlreicher Fernost-Thriller und Fantasyromane. Er lebt auf Long Island bei New York City und ist mit der SF- und Fantasylektorin Victoria Schochet verheiratet. Sein erster Roman „Sunset Warrior“ (1977) lässt sich als Sciencefiction bezeichnen, doch gleich danach begann Lustbader (das „Van“ in seinem Namen ist ein Vorname, kein holländisches Adelsprädikat!), zur Fantasy umzuschwenken.
1980 begann Lustbader mit großem Erfolg seine Martial-Arts-&-Spionage-Thriller in Fernost anzusiedeln, zunächst mit Nicholas Linnear als Hauptfigur, später mit Detective Lieutenant Lew Croaker: The Ninja; The Miko; White Ninja; The Kaisho usw. Zur China-Maroc-Sequenz gehören: Jian; Shan; Black Heart; French Kiss; Angel Eyes und Black Blade. Manche dieser Geschichten umfassen auch das Auftreten von Zauberkraft, was ihnen einen angemessenen Schuss Mystik beimengt.
_Handlung_
Jason ist ein Mann mit einer gespaltenen Persönlichkeit. Diesmal muss er sich zwischen Jason Bourne, dem tödlichen Killer, und David Webb, dem friedlichen Sprachwissenschaftler, entscheiden. Bei dieser Wahl hilft ihm Moira Trevor, die schöne Witwe seines besten Freundes Martin Lindros, der in „Der Bourne-Betrug“ ums Leben kam – wofür sich Jason immer Vorwürfe machen wird. Moira bittet ihn, die geheimen Sicherheitsmaßnahmen ihres privaten Sicherheitsdienstes Black River für ein neues Flüssiggas-Terminal zu überprüfen. Sie verrät ihm, dass sie Informationen hat, dass ein Anschlag geplant sei. Und tatsächlich: Sie wird bereits beschattet: vom Geheimdienst CI, Jasons früherem Arbeitgeber
Auch sein Mentor, der Sprachprofessor Dominic Specter, wird beschattet, doch Jason vereitelt einen Entführungsversuch. Ein Tattoo des Killers zeigt einen Totenschädel, der von drei Pferdeköpfen umrahmt wird. Das sei das Emblem der Schwarzen Legion, berichtet Specter und offenbart, er selbst sei ein Terroristenjäger. Die Schwarze Legion sei eine geheime Terrororganisation, die von der SS im Dritten Reich gegründet wurde, nachdem 1941 die Wehrmacht die Sowjetunion überfallen hatte. Die Schwarze Legion rekrutierte sich aus muslimischen Ex-Russen und werde heute von einem Exilrussen namens Semjon Ikupov geleitet. Niemand wisse von ihr, weil sie sich hinter der friedlichen zivilen Organisation der Eastern Brotherhood verberge.
Doch nun habe die Schwarze Legion ein großen Anschlag vor – eben jenen, von dem Moira Jason berichtete. Die Legion habe Specters Verbündeten Pjotr Zilber getötet, so dass dessen Netzwerk in Gefahr geraten sei. Der allein arbeitende Killer sei ein durchgeknallter Russe namens Leonid Arkadin, der offenbar ein bestimmtes Dokument suche, das Pjotr Zilber vom Feind stehlen konnte. Es handle sich wohl um den Bauplan für ein Anschlagsziel: ein Gebäude irgendwo an der amerikanischen Ostküste. Der Bauplan würde verraten, welches Gebäude das Ziel sei. Jason sagt seinem Mentor seine Hilfe zu, nicht zuletzt auch wegen Moiras Information und aus Sorge um viele Menschenleben.
Doch bevor er nach Moskau fliegen kann, gerät er in Washington, D.C., beinahe selbst unter die Räder. Nach dem Tod des Alten Herrn (in „Der Bourne-Betrug“) hat eine ehemalige privatwirtschaftliche Sicherheitsspezialistin namens Veronica Hart den freigewordenen Posten als Chefin des Geheimdienstes Central Intelligence erobert. Sofort ist sie von Feinden umringt, allen voran der Verteidigungsminister und dessen Geheimdienst NSA. Die NSA will die CI übernehmen, ganz besonders deren Vorderasien-Abteilung Typhon, die Martin Lindros leitete. Doch weder dessen jetzige Direktorin Soraya Moore, eine alte Bekannte Jasons, noch Veronica Hart haben die Absicht, den Kommissköppen ihre Organisation kampflos zu überlassen.
Die NSA will Jason Bourne nun dazu benutzen, um entweder die CI bloßzustellen oder um einen Helfer ärmer zu machen. Aber dazu müssen sie ihn erst einmal kriegen. Sie wenden alle Tricks an, um ihn zur Strecke zu bringen. Zu guter Letzt schickt der Sekretär des Verteidigungsministers wutentbrannt seinen besten Killeragenten aus Afghanistan nach Moskau, um Jason in der russischen Hauptstadt zu erledigen …
_Mein Eindruck_
Wie so häufig in Eric Lustbaders Romanen verläuft die Handlung in mindestens drei Hauptsträngen, die dann im Finale zusammengeführt werden. Diesmal folgen wir den Wegen von Jason Bourne, Soraya Moore und Leonid Arkadin. Sobald Jason Washington verlassen hat, ist die Verbindung zu Soraya nur noch sehr lose, doch weil die NSA-Leute Jason auch im Ausland jagen, kann Soraya einmal Jason rechtzeitig vor ihnen warnen.
|Arkadin, das Spiegelbild|
Das Verhältnis zwischen Jason und Arkadin ist jedoch ein ganz spezielles: Der eine erblickt im anderen sein seelisches Spiegelbild. Wie der Autor in zahlreichen Rückblenden erkundet, hat Arkadin ein ähnlich verlustreiches Leben geführt wie Bourne, doch im Gegensatz zu Bourne ist es Arkadin nie gelungen, den Schrecken dessen, was er verdrängt, zu verarbeiten, geschweige denn, die daraus resultierende Leere durch eine bedeutungsvolle Partnerbeziehung zu füllen.
Wo Bourne seine Marie (und zwei Kinder, die jetzt in Sicherheit sind) hatte, ergaben sich bei Arkadin nur eine Reihe von kurzfristigen Beziehungen, die meist zweckbestimmt waren. Deshalb ist es nun für Arkadin von großer Bedeutung herauszufinden, was seine neueste Beziehung zu der Moskauer Prostituierten Devra für ihn bedeutet. Liebt er sie am Ende wirklich? Er kann es nicht sagen, denn er hat nie erfahren, wie sich Liebe anfühlt.
Wie Bourne hat er keine verwundbaren Punkte in seiner Psyche, denn jede/r, der ihm zu nahe kommt, muss daran glauben. Arkadin ist in der Tat eine furchteinflößende Figur in diesem Roman, ein würdiger Gegner für einen vollendeten Krieger wie Bourne. Kein Wunder, dass diesen beiden das Finale gehört. Schließlich hat Bourne Arkadins engsten Freund getötet.
|In Moskau|
Bei seiner Suche nach der Schwarzen Legion mischt Bourne die Unterwelt von Moskau mächtig auf. Wir erhalten Einblick in die Machtstrukturen dieser Weltstadt. Die Oligarchen stehen mit ihren Machtapparaten, den Geheimdiensten, auf der einen Seite, auf der anderen Seite befinden sich zwei Clans der Drogenmafia, die sich bekriegen. Zwar erteilt Prof. Specter seinem Helfer Bourne den dringenden Rat, sich mit keiner dieser „grupperovka“ anzulegen, doch das lässt sich natürlich nicht vermeiden. Und so landet Bourne schließlich in einem Zimmer vor dem Anführer eines dieser Clans. Es ist eine interessante Unterhaltung: über Arkadin, dessen Anhängerschaft und vor allem über seine Mitgliedschaft in der Schwarzen Legion. Bourne stößt auf merkwürdige Widersprüche.
Diese Widersprüche gilt es aufzuklären. Wir machen uns unseren eigenen Reim darauf. Könnte es sein, dass man Bourne schon wieder hereingelegt hat? Und zusammen mit ihm werden auch wir an der Nase herumgeführt. Am Schluss sind wir völlig verwirrt und eine Menge Fragen harren der Beantwortung. Die Antworten fand ich jedenfalls nicht sonderlich überzeugend und legte den Roman etwas unzufrieden aus der Hand.
|Der McGuffin|
Arkadin und seine Geliebte Devra folgen Pjotr Zilber in ein Netzwerk, in dem die Baupläne für das Anschlagsziel weitergereicht werden. Arkadins Auftritt ist stets tödlich, und es ist gar nicht so wichtig, was das für ein Dokument ist, dem er hinterherjagt: ein klassischer [McGuffin]http://de.wikipedia.org/wiki/McGuffin von Hitchcock’schem Zuschnitt. Schließlich erweist sich diese ganze Aktion als belangloses Ablenkungsmanöver, das die diversen Geheimdienste auf eine falsche Spur locken soll, vor allem die NSA. Das klappt auch hervorragend. Das eigentliche Anschlagsziel ist derweil völlig ungeschützt. Wird Jason Bourne noch rechtzeitig eintreffen?
|Die Übersetzung|
Die Übersetzung durch Norbert Jakober überzeugte mich durch einen verständlichen Stil, der gediegen, aber nicht gestelzt wirkt. Alle Namen, die ich aus dem amerikanischen Original kenne, wurden natürlich an die deutsche Schreibweise angepasst, so wurde aus „Icoupov“ ein „Ikupov“, was sich auch leichter aussprechen lässt.
Was die allfälligen Fehler in deutschen Übersetzungen anbelangt, so durfte ich erfreut feststellen, dass sie fast gar nicht vorhanden sind. Es sind lediglich Flüchtigkeitsfehler. Einmal schreibt der Übersetzer „was“ statt „war“ und der Name „Cambridge“ statt „Cambrigde“, das hier zu lesen ist, scheint ihm auch schwergefallen zu sein. Doch bei so wenigen und lässlichen Fehlern wird die Lektüre zum ungestörten Vergnügen.
_Unterm Strich_
Diesmal bekommt es Jason Bourne mit einem allein arbeitenden russischen Killer und einer alten Nazi-Organisation aus den eroberten Gebieten der Sowjetunion zu tun, der Schwarzen Legion. Die Spur führt über Moskau nach München. Dessen Beschreibung fand ich bestürzend negativ und unausgewogen. Die Szenen in Dachau wirkten auf mich hingegen aufschlussreich und bewegend.
Wieder mal verstrickt sich Bourne in einem Dickicht aus Täuschungen und muss sich obendrein des US-Geheimdienstes NSA des Pentagons erwehren. Seine Freunde bei Central Intelligence sind schwer damit beschäftigt, einen Übernahmeversuch der NSA abzuwehren, der mit Härte und Hinterlist geführt wird. Am Schluss führen alle Fäden zusammen, und natürlich kommt es zu diversen Showdowns.
Ob Bourne in Moira Trevor endlich eine Gefährtin fürs Leben gefunden hat, ist abzuwarten. Diesmal sind seine Flashbacks jedenfalls fast gar nicht vorhanden. Dafür hat sein Gegner Arkadin um so mehr davon. Und in der Fortsetzung „The Bourne Deception“ könnten wir möglicherweise mehr über Arkadin erfahren, sofern es Jason Bourne nicht geschafft hat, ihn ins Jenseits zu befördern.
Die Übersetzung fand ich diesmal wirklich gelungen. Weil sie fast fehlerfrei ist, kann man das Buch auch völlig ungestört genießen.
|Originaltitel: The Bourne Sanction, 2008
Aus dem US-Englischen von Norbert Jakober
608 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3453266247|
http://www.heyne.de
http://www.robert-ludlum.de
Robin Hobb – Der Nachtmagier (Die Chronik der Weitseher 3)
Die Chronik der Weitseher
Band 1: „Der Weitseher“
Band 2: „Der Schattenbote“
Band 3: „Der Nachtmagier“
Fitz hat überlebt, aber nur Dank der alten Macht und der Hilfe von Burrich und Chade. Und er hat einen hohen Preis dafür bezahlt. Nur langsam findet er zu sich selbst zurück, und eines der ersten Dinge, die er tut, nachdem er seine Erinnerungen wiedergefunden hat, ist, sich von Burrich und Chade zu lösen. Statt weiterhin ganz und gar im Dienst für seinen König aufzugehen, will er sein eigenes Leben leben, selbst wenn es nur ein kurzes sein sollte. Denn der einzige, brennende Wunsch, der ihn jetzt noch beseelt, ist, Edel zu töten, koste es, was es wolle!
Von den neuen Charakteren, die in diesem Band noch auftauchen, sind zwei von größerer Bedeutung:
Zum Einen ist da Merle, eine fahrende Sängerin. Sie betreibt ihre eigene Art von Altersvorsorge, indem sie sich auf die Suche nach einem großen Lied begeben hat. Nur der Ruhm, Zeuge großer Ereignisse gewesen und als erste ein Lied darüber gedichtet zu haben, wird ihr im Alter irgendwo einen Platz als Hofsängerin sichern. Sie wittert ihre Chance, als sie Fitz‘ Tarnung durchschaut, und so verrät sie ihn nicht, sondern heftet sich an seine Fersen. Was nicht heißen soll, dass sie Fitz nicht mag …
Außerdem trifft Fitz im Laufe seiner Reise auch noch auf Krähe, eine alte Frau, die ebenfalls aus dem Herzogtum Bock stammt. Doch Krähe ist ausgesprochen zugeknöpft, außerdem schroff und ruppig, aber auch erstaunlich zäh für ihr Alter. Und sie scheint erstaunlich viel über die Gabe zu wissen, zumindest mischt sie sich überall ein und gibt gute Ratschläge oder verteilt Rüffel. Fragen weicht sie jedoch regelmäßig aus, was Fitz mit der Zeit zur Weißglut bringt.
Man kann nicht behaupten, dass diese beiden neuen Figuren besonders tiefgründig geraten wären, aber immerhin haben sie eine Vergangenheit und auch Hoffnungen und Träume, und sie sind frei von Klischees. Das lässt sie lebendiger wirken, als es manche Hauptperson von sich sagen kann.
Die Handlung erschien mir diesmal fast ein wenig langatmig. In aller Ausführlichkeit schildert Robin Hobb, wie Fitz sich auf seine Reise nach Farrow vorbereitet, dann den Aufbruch immer wieder verschiebt und sich letztlich doch auf den Weg macht. Ebenso ausführlich erzählt sie von der Reise selbst und wie die Reise plötzlich zur Flucht wird. Manche Abschnitte sind gut gemacht, so zum Beispiel Fitz‘ Zerissenheit in Bezug auf Molly, von der er immer wieder Gabenträume hat, gegen die er sich einerseits wehrt, weil sie Edels Zirkel zu ihr führen könnten, die er andererseits aber auch nicht missen möchte, weil er sich immer noch nach Molly sehnt. Auch die Szene im Palast von Fierant fand ich sehr gelungen. Manche Details auf der Reise dagegen hätten wie gesagt ein wenig Straffung vertragen.
Dem eigentlichen Kern der Geschichte nähert sich die Autorin erst wieder, als Fitz ins Bergreich gelangt und sich endlich auf die konkrete Suche nach Veritas macht. Auch diesen Teil fand ich wieder etwas durchwachsen. Die vielen Gespräche mit dem Narren und auch die Andeutungen Krähes bringen die Lösung kein Deut näher, ihr einziger Effekt ist, dass ich Fitz‘ Gereiztheit irgendwann verstehen konnte. Der Showdown legt dann wieder etwas an Tempo zu, die endgültige Konfrontation mit Edel dagegen empfand ich fast als ein wenig schwach und unspektakulär, sodass ich mich am Ende fragte, warum das nicht schon viel früher jemand versucht hat!
Dazu kommt, dass die Erklärung für das Verhalten der roten Korsaren einen logischen Bruch enthält. Denn die roten Korsaren verwenden dasselbe Material, aus dem die Drachen erschaffen werden, um Menschen zu entfremden. Das dürfte meiner Ansicht nach aber gar nicht funktionieren, denn die Städte der Uralten waren ebenfalls aus diesem Material erbaut, was bedeuten würde, dass sämtliche Einwohner dieser Städte nach und nach hätten entfremdet werden müssen. Das war aber offensichtlich nicht der Fall. Auch fragte ich mich, warum man zum Erwecken eines alten Drachen die Alte Macht benötigt, wenn die Drachen doch eigentlich mit der Gabe geschaffen wurden.
So ist dieser letzte Band doch ein klein wenig hinter seinen beiden Vorgängern zurück geblieben. Die Handlung selbst ist nicht schlecht und bietet auch einige Höhepunkte, wäre aber mit neunhundert statt tausendzweihundert Seiten besser ausgefallen. Die Idee der Drachen und ihrer Belebung ist durchaus interessant, aber nicht ganz konsequent durchdacht.
Der Zyklus insgesamt gehört jedoch definitiv zu den besten im Genre der Fantasy. Robin Hobb erzählt flüssig und bildreich und ihre Figuren bleiben jederzeit menschlich, anstatt zu Überhelden zu werden.
Das Lektorat, das in den ersten beiden Bänden noch einige Schnitzer übersehen hat, war im letzten und längsten der drei Bände dann erstaunlich fehlerfrei. Die Karte im Umschlag ist nicht allzu ergiebig, hätte sie gefehlt, ich hätte sie nicht vermisst.
Robin Hobb war bereits unter dem Namen Megan Lindholm eine erfolgreiche, mehrfach ausgezeichnete Schriftstellerin, ehe sie mit der Weitseher-Trilogie erfolgreich ins Genre der Fantasy einstieg. Neben dem bereits erwähnten Zyklus der Zauberschiffe stammen aus ihrer Feder Die zweiten Chroniken von Fitz, dem Weitseher und die Nevare-Trilogie, sowie unter dem Namen Megan Lindholm der Windsänger– und der Schamanen-Zyklus. Derzeit schreibt sie an ihrem neuen Zyklus The Rain Wild Chronicles, dessen erster Band unter dem Titel „Dragon Keeper“ im Juni 2009 auf Englisch erschienen ist. Sie lebt mit ihrem Mann in Tacoma/Washington.
Taschenbuch: 1181 Seiten
Originaltitel: The Assassin’s Quest
Deutsch von Eva Bauche-Eppers
ISBN-13: 978-3453525214
http://www.robinhobb.com/index.html
http://www.randomhouse.de/penhaligon/index.jsp
Der Autor vergibt: 




Richardson, Kat – Underground
_Harper Blaine:_
Band 1:[„Greywalker“ 5500
Band 2: [„Poltergeist“ 5763
Kat Richardson ist mit der Romanreihe um Harper Blaine ein Schuss ins Schwarze gelungen. Schon die beiden Vorgängerbände überzeugten mit dreidimensionalen Charakteren, spannenden Kriminalfällen und einem originellen übernatürlichen Setting. In dem dritten Roman der Serie, „Underground“, behält Richardson diese Eigenschaften bei und entwickelt ihr Universum konsequent weiter – sehr zur Freude des Lesers.
Erst einmal jedoch läuft es in „Underground“ für die Protagonistin Harper Blaine in Liebesdingen nicht wirklich gut. Schon im letzten Band kriselte es zwischen ihr und Will und das hat sich auch jetzt nicht geändert. Harper hasst es, einen wichtigen Teil ihrer Persönlichkeit – nämlich ihre Fähigkeit, im Grau zu wandeln – vor Will geheimhalten zu müssen. Diese Geheimniskrämerei tut ihrer Beziehung gar nicht gut. Doch als den beiden dann zufällig ein Zombie über den Weg läuft und Harper ihn kurzerhand kalt stellt, hilft das auch nicht weiter. Ganz im Gegenteil: Nun weiß Will zwar Bescheid, doch kann er mit diesem Einbruch des Übernatürlichen in sein geordnetes Leben nicht umgehen. Harper und Will trennen sich. Und auch wenn Harper nicht völlig am Boden zerstört ist, so ist sie doch alles andere als guter Laune.
Doch da betraut ihr Kumpel Quinton sie mit einem delikaten Kriminalfall. In einem U-Bahn Schacht hat er die Leiche eines Obdachlosen gefunden – angeknabbert und in Stücke gerrissen. Da Quinton nichts mit der Polizei zu tun haben will und außerdem davon ausgeht, dass diese sich nicht wirklich bemühen wird, den Mord an einem Obdachlosen aufzuklären, bittet er Harper um Hilfe. Zusammen machen sie sich also auf die Suche im Untergrund von Seattle und sprechen mit Obdachlosen, um die Spur des Mörders aufzunehmen, wobei bald klar wird, dass es sich keineswegs um einen Menschen handeln kann. Was nur gut ist, schließlich ist das Übernatürliche Harpers Spezialität!
Kat Richardson lässt sich für ihre Romane immer wieder neue spannende Themenfelder einfallen. So beackerte sie im vorangegangenen Band „Poltergeist“ das Feld von Parapsychologie und Spiritismus in wirklich umfassender – und natürlich unterhaltsamer – Form. In „Underground“ nun erfährt der Leser sehr viel über die Mythen und Legenden der indianischen Volksstämme aus der Gegend um Seattle sowie viel Interessantes zu Seattles illustrer Stadtgeschichte. Wieder ist offensichtlich, dass dem Schreiben des Romans eine umfassende Recherchearbeit vorangegangen ist. Und so ist der Roman vollgepackt mit Fakten, Hinweisen und Beschreibungen, ohne jedoch darüber die fesselnde Handlung aus den Augen zu verlieren. Auf sehr elegante Art gelingt es der Autorin, tausenderlei Fakten in ihren Roman zu schmuggeln, ohne dass sich der Leser belehrt vorkommt. Nie entsteht das Gefühl, Richardson würde Informationen referieren. Stattdessen sind Hintergrundinformationen immer dicht mit der Handlung verwoben und wirken dadurch als integraler Teil des Romans und nicht als pures Füllsel.
Richardsons Handlungsort ist diesmal der Untergrund Seattles – auf der einen Seite das tatsächliche Wegenetz der U-Bahn und auf der anderen Seite die teilweise noch zugänglichen alten Bebauungsschichten der Stadt, die nun hauptsächlich von Obdachlosen genutzt werden, um den Elementen zu entfliehen. Natürlich ist einem solchen Setting eine ganz besondere Faszination zu eigen, schließlich handelt es sich um eine Art Stadt unter der Stadt, die man normalerweise nicht zu Gesicht bekommt. Wie auch in Paris oder Berlin gibt es in Seattle jedoch Touristentouren, bei denen man diese alten, heutzutage unterirdischen, Teile der Stadt besichtigen kann. Richardson versteht es außerordentlich gut, das Surreale und gleichzeitig Faszinierende dieses Untergrunds in ihre Erzählung einfließen zu lassen. Ihre Beschreibungen sind ungemein plastisch und sie schafft es, die verschiedenen Zeitebenen (das heutige oberirdische Seattle sowie alte verschüttete Straßenzeilen) miteinander zu verknüpfen und für den Leser vorstellbar zu machen, selbst wenn er noch nie in Seattle war. Natürlich empfiehlt sich der Roman dadurch auch für jeden interessierten Touristen, der sich nicht nur mit dem Baedeker auf den geplanten Seattle-Urlaub vorbereiten will.
Selbstverständlich konzentriert sich Richardson nicht nur auf ihr Setting. Mindestens ebenso wichtig sind die Charaktere, allen voran Harper und Quinton. Letzterer war ja bisher ein Enigma. Der Leser hat nicht wirklich viel über ihn erfahren – wo kommt er her, arbeitet er, und wenn ja als was? Auf diese Fragen gibt Richardson in „Underground“ erstmals Antworten, wenn auch die Neugierde mancher Leser damit sicher noch nicht befriedigt sein wird. Wie Harper nämlich frühzeitig feststellt, wohnt Quinton – freiwillig – im Untergrund. Er hat sich sozusagen aus der Gesellschaft ausgeklinkt: keine Arbeit, keine Sozialversicherungsnummer, nirgends registriert. Dafür hat er seine Gründe, doch wird ihn seine Vergangenheit bald einholen.Und dann braucht es plötzlich viel Glück, Verstand und einige Zufälle, um die Vergangenheit wieder loszuwerden.
„Underground“ bietet wieder gute und spannende Unterhaltung aus der Feder von Kat Richardson. Was ihre Romane aus der Masse der Urban Fantasy heraushebt, ist einerseits ihre umfassende Recherche und andererseits ihre Fähigkeit, sympathische Charaktere zu schreiben. So kommt auch bei stolzen 500 Seiten niemals Langeweile auf. Als Leser folgt man Harper Blaine mit Vergnügen auf ihrer Wanderung durch den Untergrund von Seattle. Es wird zwar dunkel, kalt und feucht, aber dafür ist die Geschichte spannend – ein echter Pageturner eben.
|Taschenbuch: 480 Seiten
ISBN-13: 978-3453533158
Originaltitel: Underground
Übersetzt von Franziska Heel|
Dean Koontz – Meer der Finsternis
1) Odd Thomas (2004, deutsch 2006 als „Die Anbetung“)
2) Forever Odd (2005, deutsch 2007 als „Seelenlos“)
3) Brother Odd (2006, deutsch 2008 als „Schattennacht“)
4) Odd Hours (2008, deutsch 2009 als „Meer der Finsternis“)
5) In Odd We Trust (Graphic Novel, Juli 2008)
Der Meister des mystischen Thrillers hat sich in den letzten Jahren noch einmal von seiner fleißigsten Seite gezeigt: Dean Koontz legt im aktuellen Jahrzehnt noch einmal ein enormes Pensum vor, hat sich unterdessen aber nicht mehr so häufig von der Unberechenbarkeit seiner Ideen treiben lassen. Mit Odd Thomas hat Koontz letztlich einen Charakter geformt, der immer mehr zu seinem persönlichen Helden geworden ist und inzwischen die wohl wichtigste Figur seiner Romane darstellt.
Deas, Stephen – Adamantpalast, Der (Drachenthron 1)
Königin Shezira macht sich auf den Weg nach Osten, um ihre jüngste Tochter Lystra an den Prinzen Jehal zu verheiraten. Im Gepäck das Brautgeschenk: Ein makellos weißer Drache samt Knappe. Doch während Shezira im Adamantpalast Halt macht, wird die Eskorte des Weißen angegriffen. Am Ende ist der kostbare Drache verschwunden.
Aber das Fehlen des Brautgeschenkes ist nur eine Sorge. Der Sprecher, oberste Autorität in einem Gebilde, das aus neun Königreichen mit je einem eigenen Souverän besteht, wird alle zehn Jahre neu gewählt, und diese Wahl steht kurz bevor. Doch die Nachfolge ist längst nicht so sicher, wie ursprünglich von allen erwartet. Und was hat es mit dem seltsamen Fläschchen auf sich, das auf einer einsamen Lichtung den Besitzer wechseln soll?
Shezira ist eine ehrgeizige und starke Persönlichkeit, allerdings kühl, distanziert und sachlich. Nicht, dass sie ihre drei Töchter nicht mag, doch das hindert sie nicht daran, zwei davon mit politischem Kalkül zu verheiraten. Immerhin aber ist Shezira ehrlich und steht zu ihrem Wort, was man von anderen nicht unbedingt behaupten kann.
Der noch amtierende Sprecher Hyram hat sich in einer alten Abmachung dazu verpflichtet, Shezira als seine Nachfolgerin vorzuschlagen. Doch Hyram ist ein schwacher Mann, der Jahre alte seelische Wunden noch immer nicht verkraftet hat. Das und die Tatsache, dass er seit einem Jahr zunehmend die Kontrolle über seinen Körper verliert, machen ihn angreifbar für Intrigen.
Auch Zafir hat eine Schwäche, und die heißt Jehal. Nicht, dass Zafir nicht ehrgeizig wäre, sie hat durchaus nichts dagegen, den Platz ihrer Mutter als Königin einzunehmen und ist auch beileibe nicht zimperlich, was die Methoden zur Erreichung dieses Zieles angeht. Doch aus eigenem Antrieb hätte sie sich die Mühe nicht gemacht. Dafür ist sie durchaus bereit, sich persönlich die Mühe zu machen und Jehals junge Braut aus dem Weg zu räumen, denn auf die ist sie unendlich eifersüchtig.
Jehal scheint derjenige zu sein, um den sich alles dreht. Er ist noch ehrgeiziger als Shezira und im Gegensatz zu ihr nicht im geringsten wählerisch in seinen Mitteln. Der gut aussehende und charmante Prinz ist sehr geschickt darin, andere um den Finger zu wickeln, vor allem Frauen, die er dann, wenn er sie nicht mehr braucht, einfach fallen lässt. Auch an Absprachen und Verträge hält er sich lediglich, so lange sie seinen Zielen dienen. Jehal will Sprecher werden, um jeden Preis und mit allen, wirklich allen Mitteln.
Wirklich sympatisch ist eigentlich nur Sheziras sture und ungebärdige Tochter Jaslyn mit ihrer Leidenschaft für Drachen. Jaslyn ist genauso unverblümt und ehrlich wie ihre Mutter, allerdings nicht so kaltherzig.
Im Grunde war die Charakterzeichnung ganz in Ordnung. Vor allem der schwächliche Hyram mit seiner Obsession für eine unerreichbare Frau und der skrupellose Jehal waren gut getroffen. So richtig mitfiebern kann der Leser allerdings mit niemandem, denn Jaslyn, die einzige, die sich als Sympathieträger anbietet, rückt erst gegen Ende des Buches etwas mehr in den Vordergrund und könnte noch einiges an zusätzlicher Intensität vertragen. Andere, wie der Knappe Kailin oder der Söldner Sollos, leben einfach nicht lang genug, um ein echtes eigenes Profil zu entwickeln.
Der Ort der Handlung ist nicht unbedingt spektakulär. Die Geographie besteht aus der üblichen Mischung Wüste-Gebirge-Meer, und das einzige, was den Handlungshintergrund von der Realität unterscheidet, ist die Existenz von Drachen und Magie. Die Magie stellt bisher lediglich eine winzige Randerscheinung dar. Nur zweimal tauchen kurz echte Magier auf, und nur in einem dieser beiden Fälle erfährt der Leser überhaupt, was der Magier tut. Wobei ich in diesem speziellen Fall die Alchemisten nicht zu den Magiern gezählt habe.
Bisher ist nicht ganz sicher, ob die Alchemisten bei ihrem Tun auch Magie einsetzen. Fest steht nur, dass sie die gezähmten Drachen mittels ihrer Tränke unter Kontrolle halten. Die Tiere sind sozusagen ununterbrochen zugedröhnt. Nur so ist es möglich, sie abzurichten und zu reiten. Diese Praxis ist schon ziemlich alt, und da nur aus etwa einem Drittel aller Dracheneier auch ein Drache ausschlüpft, sind Drachen ziemlich wertvoll. Sie werden sorgfältig gezüchtet und dementsprechend auch mit Stammbäumen versehen. Kein Wunder, dass Königin Shezira ihre Weiße unbedingt wiederhaben will. Und kein Wunder, dass der Alchemist, der den Suchtrupp begleitet, es so schrecklich eilig hat. Denn was wird wohl geschehen, wenn die Wirkung der Drachendrogen nach lässt?
Darauf erhält der Leser tatsächlich eine Antwort. Was allerdings vom Verlag angepriesen wurde als die „geheimnisvollsten, mächtigsten und gefährlichsten Geschöpfe der Fantasy“, wirkt vorerst noch ein wenig dünn. Denn alles, was von den Drachen selbst bisher zu hören ist, ist Rachsucht. Nur einige wenige Sätze lassen ein paar echte Informationen über die Drachen erahnen, doch die sind so spärlich und vage, dass sie nicht ausreichen, um ein deutliches Bild dieser Geschöpfe zu zeichnen. So bestehen die Drachen – zumindest im Augenblick – hauptsächlich aus Mordgier.
Das hat Konsequenzen.
Dass die Drachen vor allem damit beschäftigt sind, nach den Alchemisten zu suchen und dabei eine Menge Leichen zurücklassen – zu denen man noch diejenigen dazu zählen muss, die sie fressen! – lässt sie, zumindest was mein Interesse anging, ein gutes Stück in den Hintergrund treten. Die Intrigen und Ränkespiele im Zusammenhang mit der Sprecherwahl geben da wesentlich mehr her. Zafir ist auch ohne Jehal schon ein Miststück, und Jehal übertrifft sie darin noch. Beide zusammen sind schlicht gemeingefährlich. Was Jehal vor allem so erfolgreich macht, ist seine Indirektheit, er erreicht seine Ziele stets auf Umwegen und hat die unendliche Geduld einer lauernden Spinne. Zusätzlich interessant wird Jehals Intrigenspiel dadurch, dass er in seiner eitlen Selbstzufriedenheit nicht merkt, dass er ebenfalls benutzt wird.
Das ist der Punkt, der beide Handlungsstränge miteinander verbindet.
Nirgendwo wird erwähnt, wer die Eskorte des weißen Drachen überfallen hat und warum. Hätte der Angreifer den Drachen stehlen wollen, hätte er ihn wohl kaum entkommen lassen. Und wie hätte er ein solch ausgefallenes Tier auch verstecken sollen?
Und die Taiytakey von jenseits des Meeres, die Jehal ein so ausgefallenes Geschenk zur Hochzeit überreichen ließen? Jehal sagt selbst, dass die Taiytakey keine Geschenke machen, und diese bestreiten das nicht einmal. Was also wollen sie dafür? Jehal scheint es nicht zu interessieren, und das dürfte ein Fehler gewesen sein!
Und dann ist da auch noch das Fläschchen mit dem seltsamen Inhalt.
Der aufmerksame Leser merkt nur zu bald, dass die eigentliche Bedrohung von außerhalb kommt, auch wenn sie lediglich ganz am Rande auftaucht, und da sie alle so sehr mit ihren eigenen kleinlichen Machtkämpfen beschäftigt sind, fällt es natürlich keinem der Beteiligten auf.
Unterm Strich kann ich sagen, dass Stephen Deas mit „Der Drachenthron“ einen interessanten und verwickelten Roman abgeliefert hat. Die Charakterzeichnung ist nicht überragend intensiv, aber durchaus lebendig und glaubwürdig. Der Handlungsverlauf wirkt zwar durch die häufigen Szenen- und damit verbundenen Ortswechsel etwas sprunghaft, ich hatte aber keine allzu großen Probleme damit, das Ganze ist sauber aufgebaut und frei von Logikfehlern. Und auch wenn der Spannungsbogen nicht allzu straff gespannt ist, wird es nie wirklich langweilig. Allein die Tatsache, dass das Wesen der Drachen so eingleisig dargestellt ist, find ich schade. Hier hätte ich mir anstelle des vielen Bratens und Fressens etwas mehr Bandbreite und mehr Detailreichtum gewünscht, da darf sich noch einiges tun.
Stephen Deas ist Engländer und arbeitete nach einem abgeschlossenen Physikstudium in der Raumfahrttechnik, ehe er mit „Der Drachenthron“ seinen ersten Roman veröffentlichte. Seither ist er fleißig mit Schreiben beschäftigt. Im April erscheint in England der zweite Band der Trilogie Drachenreiche, außerdem im Herbst der erste Band einer weiteren Trilogie.
Broschiert: 591 Seiten
ISBN-13: 978-3453525306
Originaltitel: The Adamantine Palace
Übersetzt von Beate Brammertz
Stephen Deas.com
http://www.heyne.de
Der Autor vergibt: 




del Toro, Guillermo / Hogan, Chuck – Saat, Die
Ein Flugzeug aus Berlin befindet sich im Landeanflug auf New York. Pilot und Tower tauschen letzte Instruktionen aus, bevor die Maschine Kurs auf die Landebahn nimmt. Die Worte des Piloten, „ist doch immer wieder schön, nach Hause zu kommen“, sind die letzten, die gesprochen werden. Das Flugzeug landet planmäßig, doch danach bricht der Funkverkehr ab. Die Maschine hat sich offensichtlich komplett abgeschaltet – kein Licht, kein Funkverkehr, und auch keine panischen Anrufe von den Passagieren im Inneren. Sie steht einfach still und tot auf dem Rollfeld. Nachdem sich das Flughafenpersonal die Situation nicht erklären kann, schlagen sofort Notfallpläne an, schließlich geht man im Moment von einem terroristischen Anschlag aus – 9/11 ist gerade in New York immer noch gegenwärtig. Außerdem ruft man die CDC, die Seuchenschutzbehörde hinzu, schließlich könnte es auch sein, dass mit dem Flug irgendetwas Biologisches eingeschleppt wurde.
Und so tritt Ephraim Goodweather auf den Plan, der eigentlich ein Wochenende mit seinem Sohn verbringen wollte. Stattdessen findet er sich auf dem Flughafen wieder, wo er in voller Schutzmontur dabei ist, das Flugzeug zu betreten. Er und seine Kollegin können die Passagiere nur noch tot bergen – bis auf vier Ausnahmen, die sofort ins Krankenhaus zur Untersuchung geschafft werden. Der Rest der Insassen zeigt keinerlei Anzeichen eines Kampfes oder gar Angst. Alle scheinen so schnell gestorben zu sein, dass für derlei keine Zeit blieb.
Niemand kann sich auf diese seltsame Geschichte einen Reim machen. Zwar ist es verdächtig, dass sich im Frachtraum eine riesige, mit Erde gefüllte Holzkiste findet. Doch bevor man diese näher untersuchen kann, ist sie auch schon verschwunden. Und da man sich auch nicht in der Lage sieht, die vier Überlebenden unter Quarantäne zu stellen, sind die bald auf dem Weg zu ihren Familien. Ein fataler Fehler, wie sich schnell heraus stellt. Denn mit dem Flieger ist tatsächlich eine Seuche eingeschleppt worden – eine vampirische nämlich. Und während die Passagiere des Flugzeugs sich langsam in bluthungrige Untote verwandeln, verfolgt der Besitzer der Holzkiste offensichtlich eine größere Agenda. Und aufhalten können ihn nur Ephraim und seine Mannen.
„Die Saat“, der erste Teil einer Trilogie, stammt aus der Feder von Guillermo del Toro und Chuck Hogan. Wobei man natürlich nur spekulieren kann, wer wie viel Schreibarbeit übernommen hat, schließlich ist del Toro eher als Regisseur und Produzent bekannt geworden. Kein Zweifel allerdings besteht darüber, wer die zentralen Ideen für den Romanstoff geliefert hat. Das Buch ist eindeutig in del Toros Ideenwelt angesiedelt und es ist nicht schwer, Motive zu identifizieren, die del Toro auch in seinen Filmen immer wieder anzitiert. Besonders deutlich wird das, wenn man den Film [„Blade II“]http://www.powermetal.de/video/review-299.html kennt, bei dem del Toro seinerzeit Regie führte. Beim Lesen von „Die Saat“ fühlt man sich immer wieder an die mutierten Vampire aus „Blade II“ erinnert und es ist nahe liegend anzunehmen, dass del Toro dieses Romanprojekt dazu genutzt hat, Ideen, die er für den Film hatte, auszuformulieren und weiter zu führen. Allerdings bleibt er, wie in „Blade II“ auch, eher an der Oberfläche und konzentriert sich aufs Herumrennen und Abknallen, anstatt seinen Figuren Tiefe und Dreidimensionalität zu verleihen.
Sowohl im Film als auch im vorliegenden Buch sind Vampire weder romantisch noch anziehend. Stattdessen sind sie fast zombiehafte Kreaturen, die es nach Blut gelüstet – bei dessen Beschaffung sie selbstverständlich über Leichen gehen. Sie sind kahlköpfig, blass, haben rotglühende Augen und weisen einige physische Veränderungen auf. Denn Vampirismus ist eine hochansteckende Seuche, sie wird durch Kontakt mit dem Blut eines Vampirs übertragen. Wie ein Krebsgeschwür bilden sich daraufhin im Körper des Wirts neue Organe, während andere verkümmern.
Der Roman beginnt viel versprechend: Das gestrandete Flugzeug erscheint nach ein paar Seiten tatsächlich tot und verlassen und den Autoren gelingt es, eine unheimliche und bedrohliche Stimmung herauf zu beschwören. Auch als Leser weiß man in diesen Momenten noch nicht, wohin die Reise gehen wird. Alles ist ungewiss, und doch dräut das Unglück schon über der Handlung. Diese Szenen sind sehr atmosphärisch und bilden den frühen Höhepunkt des Romans. Dass es danach mit den Erzählkünsten und dem Spannungsbogen nur noch abwärts geht, lässt allerdings schnell Enttäuschung aufkommen. Die ohnehin eher schablonenartigen Hauptcharaktere verlieren sich in einem Wust von Nebencharakteren, Nebenschauplätzen und belanglosen Details.
Del Toro und Hogan haben ihr Buch als großes grauenerregendes Panorama angelegt, doch leider geht diese Rechnung nicht auf. Bei ihrem Versuch, dem Leser in Cinemascope-Manier viele einzelne Szenen zu präsentieren, um so das empfundene Grauen zu potenzieren, verlieren sie über weite Strecken den roten Faden der Handlung aus den Augen. Da wird zwanzig Seiten lang eine Sonnenfinsternis beschrieben, die für den weiteren Verlauf des Romans absolut nicht von Belang ist. Da wird wieder und wieder beschrieben, wie Vampire Menschen angreifen, die sich dann wiederum in Vampire verwandeln anstatt an einem gewissen Punkt einfach einen Schlussstrich zu ziehen und sich mit „und viele Menschen wurden gebissen“ zu begnügen. Da werden dem Protagonisten Eph zu allem Überfluss eine Scheidung und ein Sohn angedichtet, um beim Leser Sympathie hervorzurufen (eine billige Hollywood-Taktik, die eher dazu führt, dass man sich von Ephs zwischenmenschlichen Problemen zunehmend genervt fühlt).
Schlussendlich kann man sich nach der Lektüre des Eindrucks nicht erwehren, trotz der 520 Seiten nicht wirklich viel erfahren zu haben. Der Obervampir Sardu, Grund für die in New York ausbrechende Seuche, wird nur angerissen und bleibt mysteriös. Seine Motive bleiben im Dunkeln, ebenso wie die Frage, warum er Eph immer nur droht, anstatt ihn einfach ins Jenseits zu befördern (der alte Fehler aller billigen Fieslinge). Ebenso ergeht es dem Strippenzieher in den USA, einem Magnaten namens Eldritch Palmer, der zwar immer mal wieder im Roman vorkommt, aber ebenfalls keine tragende Rolle erhält. So fühlt sich „Die Saat“ wie ein besonders langer Prolog an, was der Roman angesichts der geplanten weiteren zwei Teile vielleicht auch ist. Doch stellt man den Roman für sich, lässt er einen unbefriedigt und mit zu vielen Fragen zurück.
Dabei hat das Autorenduo del Toro/Hogan einige interessante Ideen. So gibt es viele Anleihen sowohl bei Bram Stokers [„Dracula“ 210 als auch beim südosteuropäischen Volksglauben zum Thema Vampir. Wie das Flugzeug völlig ohne Lebenszeichen auf der Rollbahn strandet, erinnert stark an die Demeter, das Schiff, mit dem Dracula in Stokers Roman nach England reist, und das mit toter Mannschaft während eines Sturms in den Hafen von Whitby einläuft. Ebenfalls bei Stoker angelehnt ist die Figur des kautzigen, alten Vampirjägers Abraham (!) Setrakians, der in seiner Jugend in einem KZ bereits die Bekanntschaft Sardus machte und seitdem Vampiren den Kampf angesagt hat. Insgesamt können die guten Ideen und versteckten Anspielungen jedoch nicht über die offensichtlichen Längen des Romans hinweg täuschen. Der Roman lohnt sich somit vor allem wegen des wunderbar gelungenen Beginns. Der Rest, die Jagd auf die Vampire und der Versuch, die Seuche einzudämmen oder auszurotten, bleibt leider im Mittelmaß stecken.
Henry Wade – Tod auf der Treppe
Sir Garth Fratton gehört zu den großen Finanzmagnaten der Stadt London. Obwohl ihn das Alter und manche Zipperlein plagen, schlägt er die Ratschläge seines Arztes in den Wind und wird Vorstandsmitglied der noch jungen „Victory Finance Company“. Dort geht freilich nicht alles mit rechten Dingen zu, wie Fratton seinem besten Freund Leopold Hessel anvertraut. Bevor er jedoch in Details gehen kann, wird er während eines Spaziergangs von einem unbekannten Rüpel angerempelt. Nur Sekunden später bricht Sir Garth tot zusammen; die Autopsie ergibt, dass er durch das Platzen eines Aneurysmas – der krankhaften Ausweitung einer großen Ader – verblutet ist.
Frattons Tochter Inez lässt der tragische Tod des Vaters keine Ruhe. Sie lässt ein Inserat in die Zeitung setzen, dass den Rüpel auffordert, sich zu melden. Als Scotland Yard davon hört, wird der junge Inspektor Poole geschickt, um den ‚Unfall‘ vorsichtshalber noch einmal zu überprüfen. Pooles Nachforschungen sorgen für Unruhe und schließlich für die Exhumierung von Frattons Leiche, die in der Tat Spuren einer Mordattacke aufweist. Henry Wade – Tod auf der Treppe weiterlesen
David Knight – Der Fall 561

Michael Marcus Thurner – Das gestrandete Imperium (Perry Rhodan, Posbi-Krieg 1)
Der Posbi-Krieg ist der Titel eines sechbändigen Abenteuers um den Science-Fiction-Helden Perry Rhodan. Der ist gleichzeitig Name, Held und Programm für eine fantastische Erfolgsgeschichte deutscher SF, blickt die Serie, die als ausschließliche, wöchentlich erscheinende Heftromanserie begann, doch auf eine mittlerweile über 45jährige Geschichte zurück, in der über 3000 Heftromane in der immer noch wöchentlich erscheinenden Hauptserie geschrieben wurden und unzählige Taschenbücher, Schwesternserien, Sekundärliteratur, Spin-off-Serien und dergleichen mehr erschienen. Seit einigen Jahren erscheinen bei |Heyne| in schöner Regelmäßigkeit der jeweils aktuellen Hefthandlung angegliederte, jedoch eigenständige und unabhängig lesbare Romanreihen im Taschenbuchformat – und eine dieser Reihen trägt den Eigentitel „Posbi-Krieg“.
Posbis sind Roboter, die auf eine Komponente zugreifen können/müssen, die sie der Gefühle befähigt und damit zu definitionsgemäß echten Intelligenzen macht. Im ersten Band des Sechsteilers verschlägt es Perry Rhodan und seine beiden Begleiter Startac Schroeder und Mondra Diamond in eine ferne, durch hyperphysikalische Phänomene abgeschottete Galaxie. Dort leben einige den Menschen bekannte unterschiedliche Völker zusammen, unter anderem eine Gruppierung der Posbis. Und aus einem unbekannten Grund ist diese Roboterzivilisation plötzlich darauf aus, alles andere intelligente Leben in ihrem Aktionsradius (sprich in jener Galaxis) zu vernichten. Wie soll ein einzelner Mensch (oder auch derer dreie) diese furchtbare Gefahr abwenden oder auch nur bekämpfen? Zumal Rhodan selbst in der menschlichen Kolonie zunächst auf wenig Unterstützung trifft …
Thurner schreibt in typischer Perry Rhodan-Manier, verliert sich dabei oft in technischen Erklärungen und haarsträubenden Dialogen. Es gibt Dinge, Charakterzüge, die er versucht zu modernisieren oder neu zu beschreiben, um den Rhodan-Stempel auf seine Geschichte zu prügeln, und dabei misslingt ihm gerade das Wichtigste: Die Charakterisierung der Hauptfigur, Perry Rhodan. Zugegeben, eine schwere Aufgabe bei einer Figur, die länger als 40 Jahre allwöchentlich beschrieben wird, aber es ist eine der wichtigsten Aufgaben in diesem Romanprojekt. So ist – um wenigstens ein Beispiel zu nennen – es absolut undenkbar, dass Perry Rhodan einen seiner beiden Mitstreiter allein auf einer Welt zurück lässt, ohne überhaupt zu wissen, wo er ist oder ob er vielleicht in Schwierigkeiten steckt. Natürlich kann er nicht wissen, dass Startac Schroeder in dem Moment an der Grenze zwischen Leben und Tod weilt und aufs Blut gefoltert wird, aber etwas mehr als ein „Der kommt schon zurecht“ ist schon zu erwarten.
Positiv zu vermerken ist die Menschlichkeit, mit der sich Rhodan (erst zum Ende dieser ersten Geschichte) in der neuen Umgebung durchsetzt. Allerdings entbehrt es wiederum fast an gleicher Stelle jeder Grundlage, dass er vor dem Mikro seines Funkgerätes steht und versucht, mit den sturen Robotern ins Gespräch zu kommen, während tausende Menschen in explodierenden Raumschiffen sterben und die Kontaktversuche offensichtlich zu nichts führen.
Größte Ungereimtheit im ersten Teil: Rhodans Unverständnis der Abneigung, ja des Hasses der Alteraner jedwedem Posbi gegenüber. Thurner lässt ihn sich (und seine Mitstreiter) allen Ernstes fragen, wieso die angetroffenen Alteraner mit Hass und Schock auf die Anwesenheit der beiden Posbis reagieren – obwohl er von Lotho Keraete (dem Boten seines Auftraggebers) äußerst intensiv gebrieft wurde!
Ein insgesamt enttäuschender Auftakt für diesen Sechsteiler, der Heyne-typisch mit den höchsten Attributen versorgt wurde: Ein Science-Fiction-Abenteuer im Breitwandformat!
Taschenbuch: 384 Seiten
ISBN-13: 978-3453532625
Michael J. Reaves – Drachenland

Robin Hobb – Der Schattenbote (Die Chronik der Weitseher 2)
Die Chronik der Weitseher
Band 1: „Der Weitseher“
Band 2: „Der Schattenbote“
Band 3: Der Nachtmagier
Zwar hat Fitz am Ende des ersten Bandes eine schwere Bewährungsprobe bestanden, doch scheint ihn das seine Gesundheit gekostet zu haben. Er ist schwach und hat immer wieder unvorhersehbare und unkontrollierbare Anfälle. Ein ziemliches Manko für einen Assassinen! Fast schon hat Fitz beschlossen, nicht in den Dienst des Königs zurückzukehren, da hat er einen bedeutungsschweren Traum. Und so kommt es, dass er sich trotz seiner Schwäche zurück nach Bocksburg schleppt, mitten hinein in die Höhle des Löwen …
Fitz ist tatsächlich ein bisschen reifer geworden, was man an seiner veränderten Beziehung zu Molly ablesen kann. Außerdem neigt er inzwischen dazu, ab und an die Initiative zu ergreifen, meist zur äußerst mäßigen Begeisterung von Chade, der danach die Dinge wieder ins Lot rücken muss. Auch sonst fehlt es Fitz gelegentlich noch an Selbstbeherrschung, was sowohl Molly als auch den jungen Wolf betrifft, den er auf dem Markt dem Tierhändler abkauft.
Dafür wird König Listenreich immer kränker und schwächer, so dass er als eigenständige Persönlichkeit zunehmend weg fällt. Gleichzeitig rückt dadurch der Narr etwas mehr in den Vordergrund, er taucht jetzt häufig bei Fitz auf, um mit ihm zu reden. Der geheimnisvolle und hochintelligente kleine Kerl ist seinem König mit Leib und Seele ergeben und tut alles, um Fitzens Aufmerksamkeit auf die Situation des Königs zu lenken. Er braucht dringend Verbündete, nicht nur für seinen König, auch für sich selbst.
Einen Teil der Aktivitäten Listenreichs übernimmt Kettricken. Die junge Frau ist jetzt mit Kronprinz Veritas vermählt, doch dieser hat kaum Zeit für sie. Dabei wünscht Kettricken sich so sehr, in die Sorge um das Reich mit eingebunden zu werden. Sie will nicht nutzlos herumsitzen und ihre Zeit mit sinnlosem Kleinkram wie Sticken vertun, das widerspricht völlig ihrer Auffassung von dem, was eine Königin für ihr Volk sein sollte, nämlich mehr als nur eine Zuchtstute, die den Thronfolger zur Welt bringt. Und schließlich ergreift sie die Initiative.
Veritas, der Trottel, dagegen merkt zunächst gar nicht, was für eine Perle er da zur Frau hat. Er reibt sich für sein Volk fast auf, aber anstatt seine Sorgen und Pläne mit seiner Gemahlin zu teilen, ist er blind für ihre Fähigkeiten und ihren Wunsch, ihn zu unterstützen. Erst als er sie durch Fitzens Augen sieht, erkennt er ihren Wert, aber da ist es schon fast zu spät.
Auch diesmal ist die Charakterzeichnung ausgesprochen gelungen. Einige Figuren werden intensiviert, wie zum Beispiel Molly, die aufgrund ihrer Rolle jetzt wesentlich häufiger auftaucht, und Fitz entwickelt sich nachvollziehbar und glaubwürdig zu einem jungen Mann. Na gut, einem sehr jungen Mann. Sehr gut gezeichnet ist auch Kettricken und ihr Bemühen, sich in ihrem neuen Leben zurecht zu finden und die Stellung auszufüllen, die sie nun inne hat.
Die Handlung lässt sich auch diesmal wieder eher träge an. Nachdem Fitz nach Bockburg zurückgekehrt ist, widmet sich die Autorin erst einmal dem Aufbau der neuen Situation: Veritas sucht nach Wegen, die roten Korsaren zu bekämpfen, und tatsächlich kann er ein paar Erfolge verzeichnen. Doch die Nachrichtenübermittlung ist mangelhaft, und letztlich muss gesagt werden, dass all seine Bemühungen ohnehin nur die Symptome bekämpfen. Keiner außer Chade hat bisher auch nur versucht, die Ursachen herauszufinden.
All das, Veritas‘ Kampf, Listenreichs Siechtum, Kettrickens Schwierigkeiten, aber auch Fitzens Beziehung zu Molly, sorgt dafür, dass sich der Anfang doch etwas zieht.
Fahrt nimmt das Ganze erst auf, als Veritas sich entschließt, sich auf die Suche nach den Uralten zu begeben. Edel fängt bei der Aussicht darauf, in Abwesenheit Veritas‘ endlich nahezu freie Hand zu haben, regelrecht an zu sabbern. Und tatsächlich sieht der Leser von Veritas‘ Abreise an, wie Fitz und seine Verbündeten hilflos und unaufhaltsam in die Katastrophe rutschen. Dabei ist so offensichtlich, was Edel da tut! Und es erstaunt mich doch sehr, wie lange Chade vor dem Offensichtlichen die Augen verschließt, eigentlich hatte ich ihn für intelligenter gehalten.
Natürlich ist auch die Bedrohung durch die Roten Korsaren noch immer vorhanden, obwohl die Autorin in dieser Hinsicht noch immer mit neuen Informationen geizt. Statt dessen nutzt sie ihre Andeutungen dazu, neue Rätsel aufzubauen, was die Neugierde gehörig schürt.
So wird es dann doch noch zunehmend fesselnd, vor allem gegen Ende, unter Anderem auch deshalb, weil Fitz sich durch seinen Rachefeldzug wirklich so richtig tief in die Patsche hineinreitet. Natürlich muss er überleben, schließlich gibt es noch einen dritten Band. Trotzdem fragt sich der Leser bis zur letzten Seite, wie Fitz sich da wohl herauswinden wird. Die Lösung ist dann überraschend und spektakulär. Und obwohl er mit dem Leben davon kommt, scheint alles andere in Trümmern zu liegen. Nun, wenigstens kann es dann im dritten Band eigentlich nur noch aufwärts gehen. Schade nur, dass ich darauf und auf die Antworten auf all die Rätsel und offenen Fragen noch bis März 2010 warten muss.
Robin Hobb war bereits unter dem Namen Megan Lindholm eine erfolgreiche, mehrfach ausgezeichnete Schriftstellerin, ehe sie mit der Weitseher-Trilogie erfolgreich ins Genre der Fantasy einstieg. Neben dem bereits erwähnten Zyklus der Zauberschiffe stammen aus ihrer Feder Die zweiten Chroniken von Fitz, dem Weitseher und die Nevare-Trilogie, sowie unter dem Namen Megan Lindholm der Windsänger– und der Schamanen-Zyklus. Derzeit schreibt sie an ihrem neuen Zyklus The Rain Wild Chronicles, dessen erster Band unter dem Titel „Dragon Keeper“ im Juni 2009 auf Englisch erschienen ist. Sie lebt mit ihrem Mann in Tacoma/Washington.
Taschenbuch: 960 Seiten
Originaltitel: Royal Assassin (Farseer 2)
Deutsch von Eva Bauche-Eppers
ISBN-13: 978-3453525207
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http://www.randomhouse.de/penhaligon/index.jsp
Der Autor vergibt: 




Robin Hobb – Der Weitseher (Die Chronik der Weitseher 1)
Die Chronik der Weitseher
Band 1: „Der Weitseher“
Band 2: Der Schattenbote
Band 3: Der Nachtmagier
Als der sechsjährige Bursche in die Obhut von Burrich gegeben wird, hat er nicht einmal einen Namen. Und so nennt Burrich ihn Fitz. Denn der Junge ist ein Bastard, der uneheliche Sohn des Kronprinzen Chivalric, Burrichs Dienstherrn. Der sich allerdings bemüßigt fühlt, dem Jungen erst gar nicht zu begegnen und sich statt dessen unter Verzicht auf die Thronfolge in eine der Provinzen des Reiches zurück zu ziehen. So wächst Fitz als Stallbursche auf. Als Bastard hat er von Anfang an kein leichtes Leben in der Burg. Doch dann läuft er mehr oder weniger versehentlich dem König über den Weg. Und das Schicksal nimmt seinen Lauf …
Fitz ist ein aufgeweckter Bengel, der von seinem Vater nicht nur die Gabe geerbt hat, sondern offenbar auch noch über die alte Macht verfügt, die ihn befähigt, extrem engen Kontakt zu Tieren zu knüpfen, vor allem zu Hunden. Ansonsten ist er hauptsächlich bemüht, seinen Platz in der Welt zu finden, was aufgrund des Makels seiner Geburt extrem schwierig ist. Auf der einen Seite ziemlich stur, auf der anderen auch noch sehr leicht beeinflussbar, oft unbeholfen oder naiv, erinnert er den Leser stets daran, dass er noch lange nicht erwachsen ist.
Burrich dagegen ist ein ziemlich knurriger Kerl, dem die ihm anvertrauten Tiere – Pferde, Jagdhunde, Falken – nahezu über alles gehen. Einst war er eine Autorität, doch nachdem Chevalric ohne ihn ins Exil gegangen ist, ist er nicht mehr derselbe. Er trinkt zu viel und den Jungen, den man in seine Obhut gegeben hat, empfindet er als eine Last, zumal er sich vor der alten Macht, über die Fitz verfügt, regelrecht zu fürchten scheint. Doch wie seine Pflichten als Stallmeister nimmt er auch die Erziehung des Jungen sehr ernst. Er tut sein Bestes, allerdings scheint er in seiner direkten, fast derben und wenig einfühlsamen Art manchmal einfach nicht der Richtige dafür zu sein.
Mit Chade kommt Fitz besser zurecht. Chade ist ein alter Mann, aber immer noch stark, zäh und voller Energie. Er bildet Fitz zum Assassinen aus, allerdings mit weniger ruppigen Methoden. Bei ihm lernt Fitz, nicht nur seine Hände zu benutzen, sondern auch seinen Verstand. Die Übungen, die er Fitz absolvieren lässt, erfordern nicht nur körperliches Geschick, sondern auch Ideenreichtum, und er ermuntert Fitz dazu, nicht nur genau zu beobachten und zuzuhören, sondern auch das Beobachtete zu interpretieren und mögliche Zusammenhänge herzustellen. Von allen Beteiligten kommt er einem Freund am nächsten.
Edel dagegen, der jüngste Sohn des Königs, kann Fitz auf den Tod nicht ausstehen. Der ehrgeizige Schönling empfindet den Jungen offenbar als Konkurrenten, obwohl Chivalric Fitz nie anerkannt hat. Abgesehen davon ist Edel auch so eitel und selbstsüchtig genug, um auf dem wehrlosen Fitz herumzuhacken.
Und dann wäre da auch noch Galen zu nennen, der Gabenmeister der Feste. Zu arrogant, um auch nur irgendjemanden des Unterrichts im Gebrauch der Gabe für würdig zu halten, macht er seinen Schülern das Leben zur Hölle. Ganz besonders hasst er Fitz, denn er spürt nur zu bald, dass dessen Potential das seine weit übersteigt. Und so versucht er auf feige und hinterlistige Art, Fitz loszuwerden.
Ich finde die Charakterzeichnung hervorragend. Robin Hobb hat nahezu sämtliche Klischees erfolgreich umschifft, indem sie zum Beispiel die Beziehung zwischen Fitz und Burrich so zwiespältig gestaltet hat. Auch ist Fitz zu keiner Zeit ein strahlender Überheld, trotz seiner doppelten Begabung macht er immer wieder Fehler. Allein Edel in seiner übertriebenen Eitelkeit und Arroganz droht ein wenig ins Klischee abzurutschen, doch da er so selten vorkommt, hält sich dieser Eindruck in Grenzen.
Der Ort des Geschehens nennt sich die sechs Provinzen. Sie sind auf demselben Kontinent angesiedelt, der schon als Kulisse für Robin Hobbs Zyklus der |Zauberschiffe| diente, genauer gesagt befinden wir uns in dieser Geschichte nordöstlich von Bingtown, an der Grenze zu Chalced. Allerdings verweisen darauf nur eine kurze Bemerkung und die Karte. Eine paar Andeutungen lassen mich vermuten, dass es sich bei den erwähnten Uralten um die Drachen handeln könnte. Ansonsten konzentriert sich die Darstellung des Hintergrunds auf das direkte Umfeld, sprich, auf die sechs Provinzen, die bei Weitem kein einheitliches Reich darstellen. Nicht, dass dabei besonders ins Detail gegangen worden wäre. Sowohl der geschichtliche Hintergrund als auch die Magie, sowohl im Hinblick auf die Gabe als auch auf die alte Macht, sind noch ausbaufähig, aber vielversprechend.
Die Handlung verläuft erstaunlich ruhig. Hier wird nicht die Welt vor dem abgrundtiefen und übermächtigen Bösen gerettet, zumindest vorerst nicht. Statt dessen wird der Leser Zeuge, wie Fitz in Bocksburg aufwächst, erlebt die Gleichgültigkeit und Abneigung, die ihm entgegen gebracht wird, die kaltblütige Berechnung, mit der man ihn benutzt, die Verluste, die ihm nach und nach zugefügt werden. Fitz gehört zu den einsamsten Protagonisten, über die ich je gelesen habe.
Das heißt natürlich nicht, dass sonst nichts passiert. Sowohl die Ausbildung bei Chade als auch die bei Galen sorgen für ein paar turbulente Szenen außerhalb der Burgmauern, und außerdem stellt sich schließlich heraus, dass da im Geheimen einiges gemauschelt wird. Diese Intrige sorgt dafür, dass der Spannungsbogen sich gegen Ende ziemlich strafft.
Und außerdem wären da auch noch die Roten Korsaren. Sie sind der eigentliche Feind; das, was sie mit den Menschen anstellen, wirkt außerordentlich bedrohlich. Bisher hat die Autorin diesen Aspekt jedoch nur gestreift. Er muss ja auch noch für zwei Folgebände reichen, also ist Robin Hobb diesbezüglich eher sparsam.
So kommt am Ende eine sehr gelungene Mischung aus Lebensgeschichte, politischen Verwicklungen, vielfältigen Charakteren und unterschwelliger Bedrohung durch eine Macht des Bösen heraus, die ich regelrecht verschlungen habe. Ich hatte den „Weitseher“ kaum weggelegt, da hätte ich am liebsten schon nach dem „Schattenbote“ gegriffen, und es hat mich einiges an Selbstbeherrschung gekostet, mich erst einmal dieser Rezension zu widmen, ehe ich weiterlese. Was ich aber hiermit sogleich tun werde.
Robin Hobb war bereits unter dem Namen Megan Lindholm eine erfolgreiche, mehrfach ausgezeichnete Schriftstellerin, ehe sie mit der Weitseher-Trilogie erfolgreich ins Genre der Fantasy einstieg. Neben dem bereits erwähnten Zyklus der Zauberschiffe stammen aus ihrer Feder Die zweiten Chroniken von Fitz, dem Weitseher und die Nevare-Trilogie, sowie unter dem Namen Megan Lindholm der Windsänger– und der Schamanen-Zyklus. Derzeit schreibt sie an ihrem neuen Zyklus The Rain Wild Chronicles, dessen erster Band unter dem Titel „Dragon Keeper“ im Juni 2009 auf Englisch erschienen ist. Sie lebt mit ihrem Mann in Tacoma/Washington.
Taschenbuch: 624 Seiten
Originaltitel: Assassin’s Apprentice (Farseer Trilogy 1)
Deutsch von Eva Bauche-Eppers
ISBN-13: 978-3453524811
http://www.robinhobb.com/index.html
http://www.randomhouse.de/penhaligon/index.jsp
Der Autor vergibt: 




Charles Stross – Die Kinder des Saturn
Es gibt mehrere auf Deutsch unveröffentlichte Titel von Charles Stross, was das Warten auf die nächste deutsche Ausgabe noch erschwert. „Die Kinder des Saturn“ ist schon an sich ein Titel, der bei Science-Fiction-Lesern Begehrlichkeiten weckt, kündet er doch von Weltraum, Reisen, Eroberung fremder Welten … Und so kann man sich täuschen.
Inhalt
Freya ist das letzte Modell einer Serie von menschlichen Robotern, die dazu geschaffen wurden, sexuelle Dienste an ihren Schöpfern (also den Menschen) zu leisten. Ihr Modell hat mittlerweile seinen Daseinszweck verloren, da die Menschheit ausgestorben ist. Trotzdem halten sich einige ihrer baugleichen Schwestern mit erniedrigenden Jobs in der Roboterzivilisation mehr schlecht als Recht in der Unabhängigkeit, und auch Freya schätzt sich glücklich, ein unversklavter Bürger dieses unbeweglichen Systems zu sein – bis eine geheimnisvolle Mail einer ihrer Schwestern sie in Aufruhr versetzt und in Geschehnisse verwickelt, die sie anfangs überfordern und zu neuen Erkenntnissen führen, von denen sie sich nie hätte Träumen lassen.
Als Agentin einer Organisation, die sich die Neuerschaffung der Menschen aus uraltem genetischen Material zum Ziel gesetzt hat (um – der Zivilisation den Daseinszweck zurück zu geben? Um – der eigenen Versklavung vorzubeugen und vielmehr selbst zum absoluten Herrscher zu werden?), verschlägt es sie einmal quer durchs Sonnensystem und konfrontiert es sie mit Gefahren, die sich in ihrem bisherigen 150-jährigen Leben niemals offenbart haben. In ihrem Hinterkopf regen sich frevlerische Gedanken, und aus dem Nichts tauchen totgeglaubte Schwestern auf – nicht immer zu ihrer Freude …
Charles Stross
… wurde als neuer Shootingstar der Sciencefiction gehandelt, mittlerweile muss man ihn zu den besten Genreautoren unserer Zeit zählen. Neben seinen weitblickenden Visionen „Accelerando“ und „Glashaus“ weiß er auch mit mysteriösen Geschichten um seinen Ermittler Bob Howard zu begeistern. Ein Autor, den zu verfolgen sich lohnt!
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Kritik
Der Titel täuscht im ersten Moment eine Richtung vor, die an sich zwar ein fester Bestandteil des Genres ist (nämlich die Space Opera), doch wer andere Romane von Charles Stross gelesen hat, ist im zweiten Moment fast ein wenig enttäuscht – und dennoch wartet man ungeduldig auf sein Erscheinen. Schließlich wird Stross nicht nur von irgendwelchen Magazinen gelobt, sondern versprüht durch seine Geschichten tatsächlich ein Charisma und eine unbändige Kreativität, der es sich lohnt zu folgen. Enttäuscht allein schon im Vorfeld durch den Titel – aber hoffnungsvoll im Innern, dass es sich nicht um den x-ten Saturnerforschungsroman handelt.
Tatsächlich spielt der Saturn selbst keine Rolle.
Schon die erste Seite zeigt dem Leser die Richtung, indem Stross den Roman zwei Riesen der Sciencefiction widmet, deren Romane und Geschichten ganz bestimmte Aspekte der Gesellschaft, der Zukunft und des Lebens aufgreifen. Die zweite Seite ruft uns die Asimov’schen Robotergesetze in Erinnerung, doch verdeutlicht uns die Protagonistin sehr bald, dass es mit der Universalität und Einfachheit dieser Gesetze in der Realität (d. h. der Romanrealität) nicht getan ist, sondern dass ihre Aussage wichtig ist, die Umsetzung dagegen keine einfache Sache: Erstmals wird hier die Programmierung einer KI mit Begriffen wie „Override“-Befehlen erleuchtet.
Hier geht es also um Roboter. Aber glücklicherweise nicht um die seelenlosen Blechdinger, sondern sehr moderne Designs und KI – so ist die Protagonistin beispielsweise eine der selten gewordenen idealisierte Körperlichkeit des Menschen 1.0, während, den Gesetzen der Raumfahrt und Masse gehorchend, die meisten posthumanen Roboter wenig Menschliches an sich haben. Doch alle, bei denen ein Kontakt mit Menschen vorstellbar war, sind sich in einer grundlegenden Besonderheit gleich: Die Anwesenheit eines Menschen erstickt ihre Individualität und eigenen Willen, sie werden zu widerstandslosen Sklaven.
Es ist das Grundthema des Romans: Versklavung. Ursprünglich von den Menschen einprogrammiert aus Angst vor der Eigenständigkeit und Verselbstständigung ihrer Schöpfung (eine Angst, die schon viele Romane thematisiert haben), wird sie in dem Roman von Clans als „Aristos“ bezeichneter reicher Roboter zur Erhaltung ihrer Scheinmacht eingesetzt und missbraucht. Stross konstruiert ein fabelhaft funktionierendes System einer Roboterzivilisation, die emsig der Aufgabe nachgeht, den Weltraum für die Menschen zu erobern – nur sind die Menschen ausgestorben. Das Rechtssystem ist unveränderlich und stagniert seit dem Abtritt der Menschen, da es den Robotern nie den Status eines Bürgers gewährte und damit auch die Möglichkeit zur Veränderung nahm.
Wir erleben den Roman aus der Ich-Perspektive einer „weiblichen“ KI, geschaffen als Sexsklave für Menschen. Dieses Innenleben offenbart keinen Unterschied zu dem eines Menschen, womit der Aspekt der Versklavung noch verstörender wird, da man nicht von Maschine, sondern von Menschen sprechen muss, da diese KIs perfekt nach menschlichem Vorbild erschaffen wurden. Ihre Erlebnisse sind bizarr, wenn man sich ihrer Beschaffenheit bewusst ist, aber das verleiht der Geschichte den menschlichen Charakter, an dem man erst in voller Konsequenz vermitteln kann, was ihr eigentliches Motiv ist.
In einem Glossar klärt der Übersetzer uns darüber auf, dass Stross sich bei Personennamen oder Kapitelüberschriften in der Literatur bedient hat, um bestimmte Eigenschaften zu projizieren, ohne näher darauf einzugehen. Das erweckt die Idee, den irreführenden Titel des Romans genauer unter die Lupe zu nehmen (was der Übersetzer versäumt hat):
Der Originaltitel führt zu einem politikwissenschaftlichen Buch gleichen Titels, geschrieben von den Autoren Duncan und Hobson, die sich in diesem Buch mit dem Staat als entmündigende, enteignende und versklavende Institution beschäftigen. Also ist der Titel diesen Buches genau das, was ein Titel sein soll, nämlich ein deutlicher Hinweis auf die Motivation des Romans, und zwar in doppelter Form: Die Autoren Duncan und Hobson bedienten sich des Titels auch als Motivationsträger, indem sie die Sklaven des Systems mit den Kindern Saturns aus den Mythen in Verbindung bringen, nach denen der Gott Saturn aus Angst vor Insubordination durch seine Kinder diese nach der Geburt verspeist. So ist der Titel in Stross‘ Fall ein zweifacher Zeiger: Direkt, durch seine literarische Anspielung, und im übertragenen Sinne durch den mythologischen Hintergrund. Und beides trifft die Sache im Kern.
Während der Lektüre erweckt einzig die Wahl des Protagonisten hin und wieder Missfallen, wenn sie zum x-ten Mal in lüsternen Träumen schwelgt oder ihre Handlungen nach sexuellen Zielen ausrichtet – aber gerade anhand dieses tragenden Beispiels wird einem die unausweichliche Versklavung sehr deutlich gemacht.
Fazit
Verwoben wie ein Thriller und von ungemeiner kreativer Kraft, wendet sich das Buch in eine ganz andere Richtung, als man vermuten mag. Und es ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite, denn ungeachtet des hintergründigen Motivs ist die eigentliche Handlung ein verzwicktes Vergnügen voll unerwarteter Wendungen und punktgenauer Landung bei einem herzlich befriedigenden Ende.
ISBN-13: 978-3-453-52578-8
448 Seiten, Taschenbuch
Deutsche Erstausgabe
Originaltitel: Saturn’s Children
Übersetzt von Usch Kiausch
Der Autor vergibt: 




















