Inhalt: 50 Jahre ist es her, dass der angehende Schriftsteller Elmore Kendrick von Dämonen heimgesucht wurde. Schloss er in seiner ersten Nacht in der „Villa Wahnsinn“ tatsächlich einen Pakt mit dem Bösen … oder sind die Ausgeburten der Hölle, die die Villa heimsuchen, lediglich das Ergebnis von Kendricks überbordender schriftstellerischer Fantasie …? (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
In diesem Jahr feiern die Fans des beliebtesten Geisterjägers der Welt das 50-jährige Jubiläum des Sohns des Lichts. Nicht nur Perry Rhodan hält lange durch, auch der Nachschub an Horror-begeisterten Deutschen scheint ungebrochen zu sein … und die Nachfrage nach Gruselunterhaltung.
Eine Mordserie rafft einen bekannten Krimiautor Englands nach dem anderen dahin. Profilerin Fiona Cameron bangt schon bald um ihren Lebensgefährten, den Thrillerautor Kit Martin. Schon bald bewahrheiten sich ihre schlimmsten Alpträume. Und die Polizei ist natürlich wieder mal auf dem Holzweg …
_Die Autorin_
Verlagsinfo: „Val McDermid wuchs in einem schottischen Bergbaugebiet auf und studierte dann Englisch in Oxford. Nach Jahren als Literaturdozentin und als Journalistin bei namhaften englischen Zeitungen lebt sie heute als freie Schriftstellerin in Manchester. Sie gilt als eine der interessantesten neuen britischen Autorinnen im Spannungsgenre – und ist außerdem Krimikritikerin.“
_Die Sprecherin_
Judy Winter, Jahrgang 1944, erhielt ihre Ausbildung an der Staatlichen Musikhochschule in Stuttgart. Sie ist eine vielseitige Schauspielerin und Regisseurin, ist einem breiten – vermutlich älteren – Publikum besonders durch ihre Fernsehrollen, wie in dem Kult-Tatort „Die Reifeprüfung“, bekannt. Für ihre Leistungen wurde sie laut Verlag mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet.
http://www.judy-winter.de/
_Handlung_
Fiona Cameron ist Profilerin und konnte als Täterpsychologin mit ihren Tipps der Metropolitan Police schon so manchen Serientäter finden helfen. Seit ihre kleine Schwester Leslie vor Jahren ermordet wurde, ohne dass man den Täter aufspüren konnte, lastet ein dunkler Schatten – ihre Dämonen – auf Fionas Seele. Die Tätigkeit als Profilerin verschafft ihr Erlösung. Bislang hat sie hervorragend mit Steve Preston zusammengearbeitet, doch seit dem letzten Fall gehen sie getrennte Wege.
Als der „Hampstead-Heath-Mörder “ soll Francis Blake in diesem Londoner Park Susan Blanchett, Mutter von Zwillingen, vergewaltigt und ermordet haben. Allerdings wird Blake vor dem Gericht Old Bailey freigesprochen. Der Grund: Die Polizei, also Preston, habe unlautere Ermittlungsmethoden eingesetzt. Blake, der acht Monate lang in Haft war, fordert Entschädigung für die Zerstörung seines Lebens. Kann man ihm nicht verdenken, deshalb wird er überwacht. Er wird später noch wichtig.
Während Steve Preston also immer noch den wahren Mörder Susan Blanchetts und anderer Vergewaltigungsopfer sucht, beunruhigt Fiona Cameron eine andere Serie von Morden. In Edinburgh wurde der schwule Krimiautor Drew Shand ermordet aufgefunden. Seltsamerweise folgte der Tathergang fast genau jenem Szenario, das Shand in seinem Serienkiller-Roman „Copycat“ gezeichnet hatte – die Morde Jack the Rippers. Dieser Mord erschüttert Fionas Lebensgefährten: Kit Martin ist selbst Krimiautor und war Shands Kumpel. Erst Fionas Besorgnis um ihn führt ihm die Möglichkeit vor Augen, selbst zum Ziel des Killers zu werden.
Als sowohl er als auch seine Kollegin Georgia Lester einen Drohbrief erhalten, ist Fiona verständlicherweise alarmiert. Angeblich sollen die beiden Arbeiten kopiert haben – Blödsinn. Im Internet findet sie die Site „Murder behind the headlines“ (Mord hinter den Schlagzeilen) und stößt auf weitere Informationen. Weniger später wird die Autorin Jane Elias tot aufgefunden – ermordet nach einem Schema aus ihrem Roman „Death on arrival“.
Als auch Georgia vermisst wird, schaltet Fiona Chefinspektorin Duvall von der Metropolitan Police ein. Doch die springt auf einen Typen an, der ihre Pressekonferenz massiv stört, indem er sich als Urheber der Mordserie an Krimiautoren denunziert. Dieser Charles Radford lenkt die Duvall derartig ab, dass sie wichtige Hinweise in andere Richtung missachtet. Steve Preston ist es mit Hilfe einer von Fiona empfohlenen Profilerin, Terry Fowler, gelungen, einen Verdächtigen, einzukreisen: Gerard Coyle könnte der wahre „Hampstead-Heath-Mörder“ sein.
Die Lage spitzt sich dramatisch zu, als Fiona in Edinburgh weilt: Ihr Geliebter Kit Martin wird entführt und soll nach dem Schema aus seinem Roman „The blood painter“ in einem Ferienhaus sterben: Der Täter will ihm das Blut so lange abnehmen und damit die Wände bemalen, bis das Opfer stirbt. Als Fiona die Gefahr erkennt, in der Kit schwebt, ist es schon fast zu spät.
Kann sie noch rechtzeitig zu Kit gelangen, um seinen Tod zu verhindern? Und wer verbirgt sich hinter seinem Entführer?
_Mein Eindruck_
„Die Erfinder des Todes“ ist ein wirklich ausgefuchst clever konstruierter Thriller, der aber einem bekannten Strickmuster folgt. Man führe den Leser auf eine Fährte, die sich zunächst als Irrweg erweist. Dann stelle man eine zweite, scheinbar separate Serie von Taten in den Vordergrund, der von Fährte Nummer 1 ablenkt. Irgendwann werden sich die beiden Handlungsstränge derartig negativ stören, dass der Leser wirklich mit der Hauptfigur – in diesem Fall Fiona – zu zweifeln beginnt, ob das alles noch gut ausgehen kann. An diesem Punkt lasse man der Action sämtliche Zügel schießen, bis es einen oder besser noch zwei Showdowns geben kann.
Val McDermid folgt dem vielfach erprobten Strickmuster auf sehr erfolgreiche Weise. Allerdings ist ihr Anliegen ein ganz anderes, als irgendwelche blutigen Morde bis ins Detail zu schildern, zu sezieren und aufzuklären, wie das etwa Thomas Harris („Das Schweigen der Lämmer“) gemacht hat.
Denn diesmal geraten die Krimiautoren als „Erfinder des Todes“ selbst in die Schusslinie. Und die letzten Absätze, in denen Fiona Resümee zieht, machen klar, warum der Täter die Autoren auf dem Kieker hat. Sie machen die Profiler zu allmächtigen Halbgöttern, die zu allem fähig sind. Und wenn sie dann bizarrste Serienmorde aufklären, glauben die Leser – und später die Kino- und TV-Zuschauer der Verfilmungen – sogar noch, dass die Morde nicht so schlimm sein können: Es gibt ja Leute, die sie aufklären und die Täter der Gerechtigkeit zuführen können.
Der Autorenkiller übt eine makabre Art von Literaturkritik: Er demonstriert den Autoren am eigenen Leibe, wie es sich anfühlt, selbst à la livre ermordet zu werden. Das hat einen gewissen ironischen Charme. Aber es verdeckt das ernsthafte Anliegen der Autorin, die Leser aufzurütteln, zwischen erfundenen und realen Morden und Polizisten bzw. Profilern zu unterscheiden. Man kann ihr zum Vorwurf machen, sie setze selbst die kritisierten Methoden ein. Das haut aber nicht hin, denn weder schildert sie die Greueltaten noch werden diese schon verfilmt.
|Die Sprecherin|
Judy Winter ist eine sehr routinierte Sprecherin, das merkt man ihrem Vortrag schon nach wenigen Sätzen an. Gefühlvoll zeichnet sie Fionas von Ängsten heimgesuchtes Seelenleben, vermag aber auch Fionas Zornesausbrüche glaubhaft zu inszenieren, wenn Fiona angesichts der Borniertheit mancher Zeitgenossen verzweifeln will. Und besonders dann, als Steve Preston auf keinem einzigen Kanal zu erreichen ist (das Werk seiner Geliebten Terry Fowler).
Es gibt aber auch eine Schwäche, die Judy Winters Stimme offenbart. An ganz wenigen Stellen scheint die Stimme brüchig und rau zu werden, so als wolle sie im nächsten Augenblick versagen. Das passiert zum Glück nie. Aber man fragt sich dann doch, wie lange Frau Winter noch ihren Job erledigen kann.
_Unterm Strich_
„Die Erfinder des Todes“ ist ein ungewöhnlich spannendes Krimiwerk. Geschrieben von einer Kennerin sowohl der Polizeiarbeit wie auch der Krimischreibergemeinde, weiß das Buch sowohl zu unterhalten als auch aufzuklären. Und der actionreiche Showdown in den schottischen Bergen schadet auch nicht.
Die erfolgreiche Schauspielerin Judy Winter setzt das Buch angemessen und mit allen sprachlichen Finessen um. Leider gibt es Musik nur am Schluss, und Geräusche kommen überhaupt nicht vor. Aufgrund dessen ist der hohe Preis von knapp 30 Euro nicht zu verstehen.
|Originaltitel: Killing the shadows, 2001
Aus dem Englischen von Doris Styron
379 Minuten auf 5 CDs|
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„Commissario Montalbano wundert sich“ lautet der Untertitel dieses Abenteuers des sizilianischen Originals Montalbano. Denn auch in seiner Heimat hofft man auf das schnelle Geld: Aktien, Spekulanten, Börse – hohe Gewinne verspricht Emanuele Gargano, der „Magier der Finanzen“. Doch nicht lange, denn plötzlich ist er verschwunden … Montalbano muss herausfinden, ob Gargano ein gemeiner Dieb – oder ebenfalls ein Opfer ist.
Der Autor
Andrea Camilleri ist kein Autor, sondern eine Institution: das Gewissen Italiens. Der 1925 in dem sizilianischen Küstenstädtchen Porto Empedocle geborene, aber in Rom lebende Camilleri ist Autor von Kriminalromanen und -erzählungen, Essayist, Drehbuchautor und Regisseur. Er hat dem italienischen Krimi die Tore geöffnet. Er starb 2019.
„Commissario Montalbano löst seinen dritten Fall“ – so lautet der Untertitel dieses Kriminalromans, der seine Fortsetzung in „Die Stimme der Violine“ findet. Es gibt also durchaus eine chronologische Reihenfolge in den Montalbano-Romanen, genau wie bei Mankells Kommissar Wallander.
Der Autor
Andrea Camilleri ist kein Autor, sondern eine Institution: das Gewissen Italiens. Der 1925 in dem sizilianischen Küstenstädtchen Porto Empedocle geborene, aber in Rom lebende Camilleri ist Autor von Kriminalromanen und -erzählungen, Essayist, Drehbuchautor und Regisseur. Er hat dem italienischen Krimi die Tore geöffnet. Andrea Camilleri – Der Dieb der süßen Dinge (Hörspiel) weiterlesen →
Die grandiosen Melodien des Wiener Hofkomponisten Manfredo Cardinal zogen die Menschen vor 150 Jahren in ihren Bann – sodass die Kaiserin ihm bei Todesstrafe untersagte, weiter zu komponieren. Aber gegen die Jenseits-Melodie hilft keine Strafe und kein Verbot. Sie findet ihre Opfer – bis heute … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer 400 gemacht, das erstmalig am 3. März 1986 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.
Los gehts diesmal 1876 in Wien. Und wir hören dem Hofkomponisten Manfredo Cardinal beim Klavierspielen zu. Verbotenerweise … denn er hat den Befehl, nicht mehr zu komponieren. Und anderer Leute Musik darf er offenbar bei Todesstrafenandrohung auch nicht mehr spielen … nicht mal Pfeifen ist noch erlaubt. Aber, warum nur? Das erklärt uns niemand … nur gedroht wird ständig. Tja, und dann isser auch schon kopflos. Selbst Schuld? Aber, was dann passiert, hat mich wirklich überrascht.
Unvorhersehbar: Eine Entführung, an der etwas oberfaul ist
„Commissario Montalbano stößt an seine Grenzen“ lautet der Untertitel von Montalbanos neuestem Fall. Eigentlich ist er ja zum Zuarbeiter degradiert worden, aber auf seine unnachahmliche Art und dank einer Kaskade von Geistesblitzen löst er den Fall – und wird schließlich sogar zum Richter.
Salvo Montalbano erhält aus seinem Kommissariat einen Anruf: Auf einer einsamen Landstraße hat man den Motorroller von Susanna Mistretta, einer jungen Studentin, gefunden, die mit ihren Eltern in einem kleinen Dorf nahe der Fundstelle lebt. Der Vater, der unverzüglich eine Vermisstenanzeige aufgegeben hat, ist sich ganz sicher: Susanna ist entführt worden. Doch Commissario Montalbano findet bald heraus, dass es sich bei der Entführung um die Tarnung für eine weitaus vielschichtigere Angelegenheit handelt: Zu viel passt einfach nicht zusammen. Doch das Netz der Verwirrungen scheint undurchdringbar und der stille Rächer geduldig genug abzuwarten, bis sein Opfer in die verhängnisvolle Falle tappt ? (Amazon.de) Andrea Camilleri – Die Passion des stillen Rächers. Commissario Montalbano stößt an seine Grenzen (Lesung) weiterlesen →
2015: Kostbar sind die Sonnensegel der japanischen Solarstation NIPPON. Von ihnen aus wird die Erde mit Energie versorgt. Als die Energieübertragung versagt, denken Leonard Carr und die Mannschaft der Station zuerst an eine technische Panne. Doch dann geschieht ein Mord, und ein fremdes Raumschiff dockt an.
Entsetzt erkennt die Besatzung, dass sie Spielball in einem Plan ist, der die Station zu einer nie dagewesenen Bedrohung werden lässt. Leonard hat nur eine Chance: Er kennt alle Geheimnisse der Solarstation und weiß beim Kampf, die Gesetze der Schwerelosigkeit für sich zu nutzen … (Verlagsinfo)
„Solarstation“ war nach [„Die Haarteppichknüpfer“ der zweite Roman Eschbachs. 1997 wurde er mit dem Kurd-Laßwitz-Preis der deutschen SF-Kritiker als bester deutscher SF-Roman 1996 ausgezeichnet. Andreas Eschbach – Solarstation (Lesung) weiterlesen →
Dem Münchener Chirurgen Gregor Gropius stirbt nach einer Lebertransplantation der Patient weg: ein Kunstfehler? Keineswegs! Es war Mord: Die Leber war vergiftet. Wie sich zeigt, war der Tote ein ganz besonderer Patient: Er hatte das Grab Jesu gefunden …
_Der Autor_
Philipp Vandenberg, geboren 1941 in Breslau, landete gleich mit seinem Debütroman „Der Fluch der Pharaonen“ einen Bestseller. Viele seiner Romane und Sachbücher beschäftigen sich mit Archäologie. Vandenberg lebt mit seiner Frau abwechselnd in einem oberbayerischen Dorf oder in der Burganlage von Burghausen.
Weitere Titel: Der Pompejaner; Sixtinische Verschwörung; Das Pharaokomplott; Das fünfte Evangelium; Der grüne Skarabäus; Der Schatz des Priamos; Der Fluch des Kopernikus; Der Spiegelmacher; Purpurschatten; Der König von Luxor; Der Gladiator.
_Handlung_
Gregor Gropius, ein gut verdienender Chirurg an einem Münchner Klinikum, gerät schwer in die Bredouille, als ihm bei einer Leberverpflanzung der Patient stirbt. Gropius kann es nicht fassen, als sich herausstellt, dass die von einem anonymen Spender stammende Leber mit einem Insektizid vergiftet worden war. Obwohl man ihm einen Mord nicht zutraut, wird der Professor erst einmal beurlaubt. Schließlich will man keine anderen Patienten beunruhigen.
Zunächst hat Gropius seinen Oberarzt Dr. Fichte nicht im Verdacht, mit dem Mord etwas zu tun zu haben, aber das ändert sich, als er einen Privatdetektiv einschaltet. Der gesteht ihm, zuvor für seine Frau Veronique Gregors Leben ausspioniert zu haben, um ihr einen Scheidungsgrund zu liefern. Der Detektiv ertappt Dr. Fichte mit Dr. Plasskow, einem Golfkollegen Gropius‘. Er folgt den beiden nach Prag, wo sich zeigt, dass sie einen schwunghaften Organhandel betreiben und illegale Transplantationen durchführen. Und Fichte befindet sich in Begleitung von … Veronique. Macht das „geldgierige Frauenzimmer“ Geschäfte mit der tschechischen Organmafia?
Nach einigen unbequemen, aber ergebnislosen Fragen von Seiten der Münchener Sonderkommission kann sich Gropius einem anderen Kontakt widmen. Die Witwe des Ermordeten, die Kunstmaklerin Felicia Schlesinger, steht der Hinterlassenschaft ihres Gatten etwas hilflos gegenüber. Ihr Mann Arno war Archäologe und führte sein eigenes Leben an den diversen Grabungsstätten. Dort, in Israel, hatte er auch eine Geliebte, wie Felicia zu ihrer Erbitterung erfährt. Gropius besucht Felicia in ihrem Haus am Tegernsee, bemerkt, dass ihr eine Bombe geliefert wurde und transportiert diese mit seinem Wagen weg – mit knapper Not entkommt er dem Anschlag.
Für ihn (und den Bundesnachrichtendienst) stellt sich die Frage, wem der Anschlag galt: ihm oder Felicia? War es eine Warnung, da Felicia kurz vor der Detonantion angerufen wurde? Um jeden Zweifel auszuräumen, beschließt Gropius, die Spur aufzunehmen, die in Arno Schlesingers Vergangenheit. Diese führt zunächst nach Berlin und Turin, wo er jedoch gefangen genommen wird. Einen Tag später ist Professore de Luca, der Wissenschaftler, den er besuchen wollte, ebenfalls tot. Gropius entkommt nur, weil sein Tod den Hintermännern nichts nützen würde. Vielleicht führt er sie auf weitere Spuren.
Nun will es Gropius, der allmählich an seiner Aufgabe wächst, wirklich wissen. Während er sich zunehmend von Felicia Schlesinger entfremdet, erweist sich die Italienerin Francesca Colella, die er in Berlin und Turin antraf, als große Hilfe. Als die Bombenleger auch noch ihren Mann töten, hält sie sich an Gropius, denn er scheint zu wissen, wo’s langgeht.
In Israel stößt er endlich auf entscheidende Hinweise: Schlesinger hatte dort die Gebeine eines gewissen „Jeshua Sohn von Joseph Bruder von Jakobus“ gefunden, besser bekannt als Jesus von Nazareth. Kurz nachdem er die katholische Kirche damit erpresst hatte, erfolgte der Anschlag, der ihm die Leber zerriss. Kurz darauf landete er auf Gropius‘ OP-Tisch, doch die Gebeine Jesu wurden von einer weiteren Bombe vernichtet …
Nun meint der Vatikan, Gropius besitze die Forschungsergebnisse Schlesingers: die „Akte Golgatha“. Gropius‘ Gegner ist jedoch nicht nur die mächtige Kurie des Vatikans, sondern auch eine christliche Geheimorganisation, deren rätselhaftes Kürzel IND den Bundesnachrichtendienst in Verwirrung gestürzt hat: In nomine domini – „im Namen des Herrn“.
_Mein Eindruck_
Diesen Medizin-, Archäologie- und Religionsthriller mit Dan Browns Bestsellern „Sakrileg“ und „Illuminati“ zu vergleichen, liegt nahe. Doch der Versuch erweist sich schon bald als fruchtlos. Während Brown die geheime Geschichte des Religionsgründers erfindet und die des Abendlandes umschreibt (bzw. sich dazu früherer Autoren bedient), dienen Jesu Gebeine lediglich als Aufhänger für einen ganz normalen Thriller. Gropius‘ Erkenntnisse, die er sich stets mühsam in persönlichem Einsatz erkämpfen muss, führen zwar wie bei einer Schnitzeljagd zu weiteren Anhaltspunkten und Informationsquellen, verändern aber sein Weltbild nicht. Für Brown ist das alte Europa nur ein Palimpsest, das überschrieben wird – für Gropius ist es sein Lebensmilieu, über dessen Tellerrand er nicht hinausblickt.
Dennoch stellen Gropius und sein Erfinder Vandenberg am Schluss ein wenig verwundert fest, dass sich die Figur ganz schön verändert hat. Das ist auch für den Leser recht interessant, denn es lehrt eine Erfahrung, die man nicht aus Geheimschriften entziffert: Die Liebe des Lebens muss man sich erkämpfen.
Die erste Frau hat sich Gropius quasi gekauft, mit Reichtum an Finanzen und Wissen. Vroni, Veronika oder Veronique – schon bald entfremdete er sich von ihr. Er nahm sich die hübsche, geile Rita, eine Röntgenassistentin am Klinikum, die stets kam, wenn er sie rief: ein Betthase.
Doch die Schlesinger-Katastrophe ändert alles. Weder mit entfremdeten Gattinnen noch mit Betthasen lassen sich umfassende Probleme lösen wie das, vor dem Gropius jetzt steht: dem drohenden Ende seiner Karriere aufgrund einer ungeklärten Mordanklage. Leider erweist sich auch die Witwe Schlesingers nur begrenzt als hilfreich: Sie mag zwar gut im Bett sein, doch das Wissen, betrogen worden zu sein, macht sie verbittert.
Doch die Welt ist bekanntlich voll hübscher Frauen. Aber welcher kann Gropius trauen? Der Geliebten Schlesingers, Sheba Yadin, wohl kaum. Aber dann ist da noch die junge, attraktive Witwe Francesca Colella. Sie erweist sich als Gefährtin, die mit Gropius durch dick und dünn geht – bis zum Schluss. Sie ist sowohl mutig, schlagfertig als auch verständnisvoll. Als Italienerin hat sich auch ein großes Herz. Und sie kann warten, bis Gropius endlich auch seine Gefühle für sie zulässt.
Alles in allem hat dieser Roman zwar mehr mit echten Menschen zu tun, weil er den Figuren eine Tiefe und Breite zugesteht, die man in rasanteren Thrillern à la USA vermisst. Doch andererseits ist auch dieser Roman verpflichtet, den Leser zu unterhalten. An Vandenberg ist kein Wellershoff oder Schlink verlorengegangen: Sein Held Gropius ist kein Grübler, sondern mehr und mehr ein James Bond, der aus so mancher Falle herauslaviert und sogar mehreren Explosionen entgeht. Dass seine Bettgefährtinnen alles andere unansehnlich sind, schadet seinem Image gewiss nicht.
_Unterm Strich_
Ich konnte diesen Roman in wenigen Tagen lesen, da er nicht sonderlich anspruchsvoll ist. „Die Akte Golgatha“ ist ein einigermaßen spannend erzählter Thriller, der sich in den Bereichen Medizin (Organmafia), Archäologie (Israel) und Religion (Vatikan, IND-Orden) tummelt – allesamt Themen, die in Mode sind (spätestens seit „Jesus-Video“). Was den Leser wie den Helden verwirrt, ist die Verquickung all dieser Bereiche. Man fragt sich zunächst, wohin dies alles führen soll. Doch die Lösungen der Rätsel werden bis zur letzten Seite geliefert. Es bleiben keine losen Fäden zurück. Das nenne ich saubere Arbeit.
Angesichts der Fülle erotischer Begegnungen liegt der Vergleich mit James Bond nahe. Doch bei Bond gehören hübsche Frauen mit zwielichtigen Absichten gewissermaßen zum obligaten Inventar. Gropius hingegen – der nur auf Gattin und Geliebte zurückblicken kann – muss erst einmal seine Erfahrungen sammeln. Und das gestaltet sich interessanter als befürchtet. Diese Frauen sind keine Abziehbilder, sondern ebenbürtige Mitspielerinnen.
Merkwürdig ist jedoch, dass es keineswegs um das Schicksal der Welt oder wenigstens um den Untergang des Abendlandes geht. Zwar beißt hier und da jemand ins Gras, schon klar, aber die Eskalation reicht nicht in allerhöchste Ränge und aus den Liebesaffären werden keine Melodramen. Das macht die Geschichte ein klein wenig glaubwürdiger: Sowas könnte jedem von uns passieren (das nötige Kleingeld vorausgesetzt).
|Anmerkungen zur Sprache|
Damit die Figuren zum Leben erwachen, muss sich der Autor der richtigen Sprache befleißigen, sowohl in den Dialogen wie auch in den Beschreibungen. Doch schon für meine Generation der Sechziger- und Siebziger-Jahre-Männer klingen manche Satzkonstruktionen des 1941 geborenen Autors zu gestelzt. Das mag man in München ja anders sehen, wo man Latein noch in Ehren hält, doch in anderen Gegenden und Käuferschichten dürfte das auf weniger Verständnis stoßen. Mehrmals konstruiert Vanderberg Konditionalsätze, die statt ein „wenn/falls“ voranzustellen, ein „so“ benutzen. Das klingt nach Kanzleisprache.
Auch mit seinen Sprachbildern habe ich meine Mühe gehabt. Sprachbilder bestehen aus Redewendungen, Redensarten, Sprichwörtern, Vergleichen usw. Von manchen hat man völlig den Ursprung vergessen. Um solche geht es.
Als die Witwe Schlesinger erstmals auf Seite 59 auftritt, verwendet sie für ihr Aussehen den Ausdruck „in Schutt und Asche“ statt „Sack und Asche“. Das ist natürlich völliger Unsinn, denn in Schutt und Asche können nur Gebäude und dergleichen liegen. Viele Seiten später verwendet der Autor den Ausdruck korrekt. Es war also nur ein Ausrutscher. Aber der Lektorin Daniela Bentele-Hendricks fiel er nicht auf.
Bauchschmerzen bereitete mir auch der Ausdruck „im Trüben fischen“. Dies tut ausgerechnet die honorige Sonderkommission Schlesinger in München. Meistens wird dieser Ausdruck mit zwielichtigen Organisationen in Verbindung gebracht. Ich hätte lieber den Ausdruck „im Dunkeln tappen“ (S. 344) verwendet, um eindeutig klarzumachen, was gemeint ist: dass nämlich die Polizisten nichts herausgefunden haben. „Im Trüben fischen“ geht auf eine Fabel von Aesop zurück und bedeutet im eigentlichen Sinne, sich aus einer unklaren Lage einen Vorteil zu verschaffen (der Fischer wirbelt den Schlamm im Wasser auf, um dieses zu trüben, damit ihm die Fische leichter ins Netz gehen).
„Warten auf Oho“ bezieht sich im Titel – sowohl des Originals wie auch in der Übersetzung – auf Samuel Becketts Theaterstück „Warten auf Godot“. Allerdings ist Rankins Roman wesentlich lustiger, unterhaltsamer und wortreicher.
Gott ist tot, und seine Frau Eartha ist sauer. Gott hat nämlich die Erde seinem Sohn Colin vererbt, obwohl er sie ihr geschenkt hatte. Damit nicht genug, trachten nun Dämonen im Auftrag eines „Ministeriums für glückliche Zufälle“ (lies: Hölle!) nach der Herrschaft über eben jene nichts ahnende Erde. Moment, ein wenig Ahnung gibt es hinieden doch: ein Dieb und ein Privatschnüffler kommen der Sache aus ganz unterschiedlichen Richtungen auf die Spur. Doch danach zu urteilen, wie sie sich anstellen, ist das Schicksal Terras mehr als ungewiss…
_Der Autor_
Robert Rankin wurde 1949 in London geboren, heute lebt er mit seiner Frau und zwei Söhnen auf dem Lande in West Sussex. Seine Spezialität sind humoristische Parodien, meist auf erkennbare Vorbilder, aber nicht immer. Bei |Bastei Lübbe| sind u.a. die Elvis-Trilogie, die sechsbändige Brentford-„Trilogie“ und der Hugo-Rune-Zyklus erschienen.
_Der Sprecher_
Oliver Rohrbeck ist laut Verlag als Theaterschauspieler und Synchronsprecher bekannt und hat sich v.a. in der Hörspielreihe „Die drei ???“ einen Namen gemacht. Mit ihm als Sprecher ist bei |Lübbe Audio| „Frühling & Sommer“ von Stephen King erschienen, also die zwei Novellen „Die Verurteilten“ und „Der Musterschüler“.
_Handlung_
Zunächst sieht es so aus, als habe der Roman zwei Handlungsstränge. Das könnte sich als Irrtum erweisen. Wie sich so vieles, was man zunächst anzunehmen geneigt ist, als Irrtum herausstellt.
|Der erste Strang|
Ein Barbierladen namens „Stravino“ in jener längst untergegangenen Epoche vor 1990. Hier kehrt Icarus Smith, der 18-jährige Held, gerne regelmäßig ein, wozu auch immer, aber jedenfalls nicht, um sich den Bart stutzen zu lassen. Vielmehr hat er einen Deal mit dem Inhaber, und der lässt ihn schon mal die Erotikhefte auf dem obersten Regal durchblättern. Dies spielt in jenen goldenen Tagen, als das Internet noch nicht jedermanns Leben bis zur Unkenntlichkeit beschleunigte, und Icarus kann sich die Mädchenbilder daher nicht aus dem Netz saugen. Was ihn interessant macht, ist sein Selbstverständnis als „Relokator“. Sein Bruder Edwin sagt „Dieb“ dazu, aber Icarus betrachtet das Entwenden und Woandersplatzieren von Objekten als Kunst, Wissenschaft und Lebensform. Sein Bruder hält ihn für beknackt.
Wichtig sind die zwei anderen Besucher: Captain Ian Drayton, Armeeoffizier auf Heimaturlaub, und ein gewisser Mr. Cormerant vom „Ministerium für glückliche Zufälle“. Dessen dicke schwarze Aktentasche erregt Icarus‘ Begehren, woraufhin sie plötzlich eigene Wege geht, die ihr Besitzer nicht vorsah. In einem sicheren Versteck stößt Icarus darin auf eine Tonbandaufnahme, die ihn erschreckt: Die Stimme von Mr. Cormerant ist darauf, aber auch die eines Folterers, der einen Professor Bruce Partington aus Brentford nach der Formel für eine Droge namens „Red Head“ befragt. Und zwar mit schmerzhaften Methoden. Bevor der Prof stirbt, faselt er noch etwas von Aliens.
Im Haus des Professor erfährt Icarus endlich, was es mit Red Head auf sich hat: Es ist eine Droge, die Wahrheit der Wirklichkeit enthüllt – und die ist angefüllt mit Engeln und Dämonen. Icarus hat den Verdacht, dass auch das „Ministerium für glückliche Zufälle“ etwas damit zu tun hat…
|Der zweite Strang|
Sein Name ist Lazlo Woodbine, und er ist der größte lebende Privatdetektiv. Seine Freunde nennen ihn Laz, doch davon hat er nur sehr wenige, denn er ist ein hartgesottener Bursche (und immer noch auf der Suche nach seiner weiblichen Seite). Lazlos Schutzengel trägt den schönen namen Barry.
Heute ist sein Glückstag: Laz erhält gleich zwei Aufträge: Ein gewisser Mr. Cormerant verlangt von ihm, er solle eine schwarze Aktentasche wiederbeschaffen, die man ihm, Cormerant, in einem Barbierladen geklaut habe. Leicht verdientes Geld, denkt Laz, und die Spur führt ihn natürlich zu Icarus Smith, der Wahrheitsdroge – und Mr. Cormerants wahre Natur.
Der zweite Auftrag erweist sich als kniffliger: Gott ist aus dem Himmel verschwunden, nachdem er seiner Gattin Eartha einen Planeten namens Terra geschenkt hatte. Eartha will von Lazlo, dass er Gott findet UND ZURÜCKBRINGT. Das Wetter spiele bereits verrückt. Außerdem seien nun drei Kinder vaterlos. Wenn Laz den Fall nicht übernehme, so Barry, könne Eartha allerdings recht unagenehm werden. Den Rest seiner Tage könnte laz in einer Art Vorhölle verbringen.
|Wo ist das Problem?| denkt Laz lässig, besorgt sich von Barry die himmlischen Daten und begibt sich in die Disco Crimson Teacup. Hier soll sich Gott, verkleidet als Richard E. Grant, herumtreiben, in der Hoffnung, jüdische Jungfrauen aufreißen zu können. Laz findet Gott auf der Toilette, doch der verschwindet durch die Hintertür, die natürlich zu einer schummrigen Seitengasse führt. Laz hört Schüsse fallen und tatsächlich: Da liegt Gott auf dem Boden, beleuchtet von den Blitzen eines Hurrikans.
Nun hat Laz ein kleines Problem, denn wie Barry weiß, hat Gott den Planeten Terra in seinem Testament seinem Sohn Colin („Colin?!“) vererbt, doch die betrogene Eartha ficht dieses Testament natürlich an. Damit fangen Lazlos Probleme aber erst an, denn Colin steckt mit einem gewissen Mister Cormerant unter einer Decke. Und wie Icarus soeben schmerzhaft herausgefunden hat, ist Cormerant ein Dämon…
_Mein Eindruck_
Ein Dieb und ein Privatdetektiv machen sich also auf den Weg, eine umfassende Verschwörung aufzudecken, die die Weltherrschaft anstrebt – was sonst? Verschwörungskomplotte sind ja seit seligen James-Bond-Tagen ein beliebtes Mittel, einerseits die Welt zu erklären und zweitens den jugendlichen Helden eben diese Welt vor den Verschwörern retten zu lassen. Für die üblichen Actionkämpfe ist also gesorgt. Und um alle Klischees zu erfüllen, findet der Showdown auf dem Dach eines Hauses statt, das gerade gesprengt werden soll.
Neben seiner Parodie aller Hard-boiled-Detektivfilme der Vierziger und Fünfziger bietet der Autor aber auch eine metaphysische Komödie auf, und die leiht dem Buch den Titel. Gottes Familie ist leicht in Unordnung geraten, seit er selbst aushäusig „aktiv“ ist, seine Frau Eartha sich um ihr Geschenk, die Erde, sorgt und die drei Kids eigene Wege gehen: Jesus Christus natürlich, dann aber auch Colin und seine Schwester Christina. Ja, und wo diese beiden in dieser Geschichte auftauchen, das führt dann auch noch zu ein paar netten Überraschungen.
Lediglich im letzten Viertel, wenn sich alle Annahmen über Gott und die Welt als Irrtümer entpuppen, wird es für den Zuhörer etwas unübersichtlich. Am besten macht man vorher mal eine Pause oder zwei. Den Atem kann man nämlich gut gebrauchen.
Die Detektivparodie, Verschwörungsfantasie und metaphysische Komödie fand ich ganz nett, aber viele Gags klingen schon etwas abgedroschen, was Detektive und Götter anbelangt. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass der Roman bereits 1999 erschienen ist – und womöglich schon Jahre davor (vor dem Internet?) geschrieben wurde. Nicht zuletzt die Spielfilmreihe um die „Nackte Kanone“ hat den Mythos um ruhmreiche, einsame, abgebrühte Privatschnüffler ad absurdum geführt.
Nicht nur, dass Lazlo Woodbine (ich glaube, so hieß mal eine Zigaretten- oder Zigarrenmarke) ein überholtes Modell ist. Er ist auch noch ein penetranter Klugschwätzer, der selbst einem Jim Carrey das Wasser reichen könnte. Allerdings bietet der Autor die eingebaute Ironiebremse an: Alle anderen Figuren können sich nicht an Woodbines wahren Namen erinnern und verunstalten ihn. Woodbine selbst kann – oder darf – sich den Namen des Herstellers seines Revolvers von Smith & Wesson nicht merken. Das führt ebenfalls zu netten Sprachentgleisungen. Leute, die diese Art Humor noch witzig finden, dürften heute kaum älter als 17 sein. Denn danach ist die Welt einfach eine zu ernste Angelegenheit.
_Der Sprecher_
Oliver Rohrbecks Vortrag hat viele gute Qualitäten, so etwa das unglaublich schnelle Sprechen lustiger Stellen, doch die korrekte Aussprache bestimmter fremdsprachlicher Wörter gehört nicht dazu. Wenn er den Eigennamen Ian ausspricht, so sagt er „aiän“ statt „i’än“, und den französischen Ausdruck „sang froid“ (kaltes Blut) spricht er englisch „säng freud“ aus statt französisch „så froá“.
Immerhin charakterisiert er die wichtigsten Stimmen eindeutig, so dass man die Figuren auseinanderhalten kann. Das gilt aber nicht für die zwei „Engel“ Barry und Johnny Boy. Zum Glück haben diese beiden kaum eine gemeinsame Szene. Und durch Zusätze wie „sagte X“ und „sagte Y“ wird auch dem letzten Zuhörer klar, wer gerade was sagt. Allerdings ist das nicht gerade der beste Erzählstil, den man sich vorstellen kann.
_Unterm Strich_
Wie schon angedeutet, muss man wohl ein bestimmtes Maximalalter mitbringen, um dieser Sammlung parodistischer Einfälle auch wirklich Vergnügen abgewinnen zu können. Sonst wirkt das ganze Verfahren nämlich schnell schwer nervend. Ein klugschwätzerischer Detektiv, eine zerstrittene Götterfamilie – naja, Hauptsache, man hat gute Nerven. Am besten gefiel mir noch Icarus Smith, dem all unsere Sympathien gelten müssen, denn er hat eine unkonventionelle Art, mit dem Besitz anderer Leute umzugehen: Er klaut aus philosophischer Überzeugung. Er hat den „großen Durchblick“. Und bei Gelegenheit spielt er Robin Hood. Auch gegen Dämonen, die aussehen wie Reptilien mit Federn auf dem Kopf. Jeder andere – vielleicht mit Ausnahme von 007 und dem blinden Neo – würde da doch die Flucht ergreifen!
Sprecher Oliver Rohrbeck gelingt ein lebendiger, flotter Vortrag. Doch wie bei allen Hörbüchern, die viele Geistesblitze transportieren, sollte man nach zwei CDs, also 140 Minuten, mal eine Verschnaufpause einlegen und sich überlegen, welche Geschichte man gerade erfahren hat.
„Warten auf Oho“ ist eine Frage des Alters und Geschmacks. Wer beides mitbringt, wird eine Menge Spaß haben. Alle anderen haben wahrscheinlich gerade Wichtigeres zu tun.
„Geisterjäger“ John Sinclair ist Oberinspektor in einer Sonderabteilung von Scotland Yard, die sich mit übersinnlichen Fällen befasst. Sinclair wird von einem Kreuz beschützt und gewarnt, das vom Propheten Hesekiel selbst stammt. Zur doppelten Sicherheit trägt er auch eine Beretta-Pistole mit sich, die mit Silberkugeln geladen ist. Werwölfe und ähnliches Gelichter mögen so etwas gar nicht. Heißt es.
John Sinclair und seine Gefährten stehen der Mordliga gegenüber. Doch auch Morasso, ihr Anführer, hat Feinde, nämlich Asmodina, die Tochter des Teufels. Sinclair & Co. befinden sich zwischen diesen beiden Fronten. Er kann nur hoffen, dass in der folgenden Schlacht die eine oder andere Seite geschwächt oder gar vernichtet wird – und dass er nicht zwischen die Fronten gerät.
Folge Nr. 61 entspricht dem Band 201 der Bastei-Romanserie und ist der Mittelteil eines Dreiteilers.
Was bisher bloße Verschwörungstheorie war, wird Realität: Die geheimnisvollsten Tragödien, die skrupellosesten Verbrechen werden entschlüsselt. Die Welt wird nicht mehr die gleiche sein, denn auch das letzte Rätselt wird gelöst.
Ein kleiner Bronzekelch aus Trons Besitz führt den Hacker Georg Brand auf die Spur eines alten Druidenkults. Uraltes Wissen hütet dieser Zirkel, der Georg nach Südengland und zum Hügel von Salisbury führt, zu den Ruinen von Stonehenge. Hat Tron wirklich wirklich das Geheimnis des Zaubertranks der alten Kelten gelöst, der Unsterblichkeit verspricht?
Dies ist die bislang lustigste Episode des Serie – Georg Brand schaut einfach zu tief ins Whiskyglas …
_Der Autor_
Über Jan Gaspard ist nichts bekannt, und es scheint sich um ein Pseudonym zu handeln (siehe Webseite von |LPL records|). Jedenfalls zeichnet er nach Angaben des Booklets für „Idee, Konzeption, Recherche & Buch“ verantwortlich.
Für die praktische Umsetzung dieser Steilvorlage sorgte hinsichtlich Regie, Produktion & Dramaturgie Lars Peter Lueg, seines Zeichens Verlagsleiter von |LPL records|. Für den „heiligen Geist“ in Form von „Inspiration“ sorgte Koproduzent Marc Sieper. (Es dürfte auch eine Menge „Transpiration“ gegeben haben, wenn man Thomas A. Edison glauben darf.) Schnitt, Musik und Tontechnik lagen in den kompetenten Händen von Andy Matern.
Andy Matern wird von zwei Spezialisten unterstützt. Markus Wienstroer bearbeitete die Gitarren – das Ergebnis kann sich wirklich hören lassen.
|4. Staffel:|
13) [Das Wissen der Menschheit 3885
14) Das Bernsteinzimmer
15) Durst!
16) Krauts und Rüben
Mehr Infos: http://www.offenbarung23.de und http://www.vertraue-niemandem.net
_Die Sprecher/Die Inszenierung_
In der Riege der Sprecher finden sich etliche einschlägig vorbelastete Herrschaften, die man schon aus dem Hause |LPL records| kennt. Als da wären:
David Nathan spricht die Hauptfigur Georg Brand alias T-Rex und klingt wie Johnny Depp.
Marie Bierstedt spricht Tatjana Junk alias Nolo, die Freundin von „Tron“.
Detlef Bierstedt spricht den Reporter Kai Sickmann und klingt wie George Clooney am Telefon.
Dagmar Berghoff spricht eine Nachrichtensprecherin und klingt wie Dagmar Berghoff (logo!).
Dietmar Wunder spricht T-Rex’ besten Kumpel Kim Schmittke und klingt wie Cuba Gooding jr. bzw. Adam Sandler.
Arianne Borbach spricht Margo und klingt wie Catherine Zeta-Jones.
Till Hagen spricht Ian G. und klingt wie Jonathan Pryce in „Fluch der Karibik“.
Benjamin Völz spricht Boris F. alias „Tron“.
Tilo Schmitz spricht Herrn Brand senior und klingt wie Ving Rhames oder Michael Clarke Duncan.
Marianne Groß spricht die Kuratorin und klingt wie Angelica Huston oder Meryl Streep.
Lutz Mackensy spricht den Druidengroßmeister Saint-Clair und klingt wie Rowan Atkinson oder Christopher Lloyd.
Friedrich Schoenfelder spricht die „Stimme der Wahrheit“ und klingt wie David Niven, Peter Cushing oder Vincent Price.
Helmut Krauss ist der Erzähler und klingt verdächtig nach Marlon Brando oder Samuel L. Jackson.
_Vorgeschichte_
Der Berliner Informatikstudent Georg Brand, in Hackerkreisen als „T-Rex“ bekannt, ist auf eine Verbindung zwischen dem besten deutschen Hacker Boris F. alias „Tron“, und dem Rapper Tupac Shakur gestoßen. Alle möglichen Leute, die Geheimnisse aufdecken oder vertuschen wollen, interessieren sich auf einmal für T-Rex. Während Georg mit Trons ehemaliger Freundin Tatjana Junk alias Nolo anbandelt, meldet sich Tron quasi aus dem Jenseits: Er ist seit 1998 offiziell tot. Ist er das wirklich? Jedenfalls gibt Nolo Georg eine „Chiffre“ nach der anderen in die Hand. Chiffren sind eine Umschreibung für Hinweise auf die Geheimnisse, die Tron vor seinem Tod aufgedeckt hat – brisanter Stoff sozusagen. Diesmal geht es um Whisky – oder sowas Ähnliches.
_Handlung_
Bald ist Wintersonnenwende, und im Keller der Berliner Urania-Loge findet ein konspiratives Treffen statt. Der Großmeister des Zirkels kündigt einen Wissenden an, der herausfinden werde, wie man den Zaubertrank der Unsterblichkeit zubereitet. Von wem redet der Typ bloß?
Die Nachrichtensprecherin (Dagmar Berghoff) steht am Tag der Sommersonnenwende auf der Ebene von Salisbury. Im Zirkel der Steine von Stonehenge vollzieht die so genannte Druid Society ihr alljährliches Ritual. Sie erinnert an den Krieg im Bohnenfeld, der sich 1985 am Verbot des jährlich hier stattfindenden Stonehenge-Festivals entzündete und die Demonstranten – New-Age-Jünger und viele Aussteiger – gegen die Polizei kämpfen ließ. Aber was machen die Druiden da eigentlich, fragt die Reporterin.
November in Berlin. Georg Brand sitzt immer noch gefesselt im Keller der Urania-Loge von Berlin, vor ihm stehen im Fackelschein der Reporter Kai Sickmann und der Druidengroßmeister Saint-Clair. Man nimmt ihm die Handschellen ab. Er soll sich den Druiden anschließen. Saint-Clair hat eine Aufgabe für den Hacker, der in seinen Kreisen als T-Rex bekannt ist. Er zeigt ihm einen Bronzebecher mit Glockenform, der uralt sein muss.
Dieses Gefäß komme aus Avebury und wurde unweit von Stonehenge gefunden. Ein Bildmotiv zeigt, wie ein Riese einen Zwerg in einen Kessel tunkt. Steckt die keltische Legende dahinter, wonach der Gott Lugh seinen Wundarzt gebeten habe, die verwundeten Krieger zu heilen und dieser sie in einem Zauberkessel wiederherstellte? Aber was befand sich in dem Kessel – der Trank der Unsterblichkeit?
Mit diesem Rätsel der „durchgeknallten Komiker“ im Kopf besucht Georg seine Freundin Tatjana Junk, die als Nolo bis 1998 die Freundin Trons war. Er erhofft sich nicht viel, ist daher umso erstaunter, als sie ihm erzählt, dass Tron an einem eben solchen Becher besonders interessiert war und sich danach eine Whiskyflasche – wohl die erste in seinem Abstinenzlerleben – gekauft habe. Auf dem Boden des Tonbechers im Museum habe der Name einer Whiskydestille in Schottland gestanden: Talisker.
Georg muss sofort die Probe aufs Exempel machen und testet in der Bar Hudson, die 300 Whisky-Sorten vorrätig hat, den besagten Whisky. Völlig benebelt antwortet er auf die Fragen von Ian G, der ihn hier aufstöbert. Ja, dieser durchgeknallte Typ namens Saint-Clair habe ihm ein Rätsel aufgegeben. Na, und? Als Ian seinen Kumpel vor diesen Typen warnt, ist Georg schon eingepennt.
Er erwacht mit einem Kater, der sich gewaschen hat. Mitbewohner Schmittke bemuttert den Patienten, bis Georg kurz vor Mittag wieder ansprechbar ist. Unglaublich, dass er zu einem fiesen Trick gegenüber Ian fähig ist: Er hört dessen Handy ab (siehe Episode 5!). Ian telefoniert mit seinem „Bruder Tom“, der Georg bislang als „Mista Beat“ bekannt war, der Manager von Tupac. Als sich die Stimme von Tron einschaltet, wird das Gespräch abgewürgt. Echt blöd! Aber T-Rex fragt sich nun: Warum wollen diese Komiker nicht, dass ich nach Stonehenge fahre?
_Mein Eindruck_
Eigentlich ist die Lösung für den Zaubertrank der ollen Kelten wirklich „pillepalle“, wie Georg in Todesangst schreit. Und dass sein Auftraggeber, der Oberdruide Saint-Clair, nicht von selbst draufgekommen sein soll, nehme ich dem Typen keine Sekunde ab. Aber trotzdem hält er größte Stücke auf seinen „jungen Wissenden“, der die Nachfolge von Tron antreten soll. Dass der minderbemittelte Saint-Clair von einer Frau – dreimal darf man raten, wer – mächtig eins auf die Mütze bekommt, ist daher schon ziemlich verwunderlich.
Als ginge es mit dem Teufel zu, taucht auch in England wieder Ian G aus der Versenkung auf und tut unserem Helden T-Rex gar Übles an. Sogar auf einen Altarstein wird der Ärmste gebunden und selbstredend soll er irgendwelchen längst toten Göttern geopfert werden. Diese Szene greift derart tief in die Mottenkiste des Gruselfilms, dass es die Sau graust. Ich hoffe, der Autor hat sie selbst nicht ernst genommen, oder er bekommt zehn Jahre Ekelhaft in den Verliesen des Vatikan.
Immerhin nehme ich eine nette Erkenntnis mit nach Hause: Die Jungsteinzeitler waren auch bloß Menschen. Stonehenge war ja nicht bloß Observatorium, sondern auch Kalender. Den brauchten nicht bloß die Bauern, sondern auch die Heiratswilligen. Wer am Sonnwendtag ein Kind zeugte, konnte sicher sein, dass es im März – zehn Mondmonate später – zu einer Zeit geboren wurde, wenn es wieder genügend Nahrung gab und es wärmer wurde. Die Überlebenschancen waren also ungleich höher als für ein im Winter gezeugtes Kind.
Nicht nur wurde an Sonnwend gezeugt, sondern auch kräftig gebechert. Daher die Sache mit dem Whisky, den offenbar schon die Altvorderen zu schätzen wussten. Slainte!
_Die Sprecher/Die Inszenierung_
Es ist schon lustig, wenn man in einem Serienhörspiel all jene Schauspieler sprechen hört, die man sonst mit bildschirmfüllenden Actionkrachern oder großartigen Romanzen in Verbindung bringt: Wesley Snipes, Ving Rhames, Johnny Depp und George Clooney. Das hebt die Handlung, die ansonsten leicht etwas trivial hätte wirken können, doch gleich eine Stufe höher, verleiht ihr den Glanz von Hollywood.
Besonders David Nathan als T-Rex hat mir gefallen, denn man hört immer einen leichten ironischen Zungenschlag bei ihm heraus. Etwas Humor hatte die Hörspielserie bislang nämlich dringend nötig. Paranoia ist ja schön und gut, aber sie ist schwer die ganze Zeit zu ertragen. Besserte sich die Lage an der Humorfront schon in den Episoden 5 und 6, so explodiert nun geradezu eine Ironiebombe. T-Rex hat eine derart freches Mundwerk, dass ich mich vor Vergnügen kringelte. „Durchgeknallte Komiker“ ist ja noch harmlos gegen die anderen Dinger, die er loslässt. Diese Respektlosigkeit macht das ganze Mysteriengewäsch endlich erträglich.
_Geräusche und Musik_
Alle Geräusche sind natürlich aus der Realität entnommen und verleihen der Handlung den Anstrich von Filmqualität. Aber sie kommen nie den Dialogen in die Quere, sondern sind in dieser Hinsicht zurückhaltend.
Die Musik fungiert meist ein Pausenfüller: Fetzige Gitarren, für die Markus Wienstroer verantwortlich zeichnet, und schließlich etwas wie Elektro-Rock. Mir gefielen mehr die Gitarren. Zum Glück fehlt nun die Rapmusik, weil ich mit Rap nur wenig anfangen kann.
_Unterm Strich_
Bei dieser Episode hat der Autor wirklich zu tief ins Whiskyglas geschaut, aber genau deshalb ist sie die bislang lustigste der Serie. Der Bierernst der ersten Staffel hat einer bissigen, fast schon zynischen Ironie Platz gemacht, dass es ein Vergnügen ist, Georgs Respektlosigkeiten gegen die versammelten „Komiker“ anzuhören. Die völlig verkalkten Verschwörungstheorien à la „Da Vinci Code“ haben wir allmählich dicke, daher muss sich das jeweils gelüftete Geheimnis eigentlich umso mehr der aktuellen Realität zuwenden. Das geschah im „Handy-Komplott“ und in „Der Fußball-Gott“. „Stonehenge“ stellt einen Rückfall in das alte Mysteriengeraune dar. Aber es ist wie gesagt sehr gut zu ertragen, wenn man ein stabiles Zwerchfell sein Eigen nennt.
Das mit 76 Minuten ungewöhnlich lange Hörspiel ist von Lübbe und LPL Records gewohnt sorgfältig produziert worden und es gibt absolut nichts daran auszusetzen – wie schade. Die Stimmen der Hollywoodschauspieler verleihen der ansonsten höchst trivialen und unglaubwürdigen Handlung den Glamour des Abenteuers.
In einem angesehenen Hotel in Reykjavík wird der Portier tot aufgefunden, als Weihnachtsmann verkleidet, die Hosen heruntergelassen. Erlendur stellt bald fest: Diskretion ist das oberste Gebot, der Tourismus ist heilig. Um den Tod des alten Mannes schert sich eigentlich niemand. Wer aber hat Interesse einen zurückgezogen lebenden Portier aus dem Weg zu räumen? Erlendur quartiert sich kurzerhand im Hotel ein und stößt auf ein Geheimnis aus der Vergangenheit des Toten, auf eine „Engelsstimme“… Kommissar Erlendur Sveinsson ermittelt in seinem fünften Fall. (Verlagsinfo)
Auf dem Planeten Eswerlund gibt es einen Schrottplatz für Raumschiffe, und genau dort werden in einem ausgedienten Gleiter Karten der verschollenen Galaxie Gheera wiederentdeckt. Diese bislang unveröffentlichte Erzählung spielt im gleichen Universum wie „Die Haarteppichknüpfer“, dem Romandebüt des Autors Eschbach.
Als Charles Boone sich nach Chapelwaite in Neu-England aufmacht, ahnt er noch nicht, dass auf dem ererbten Landsitz ein verhängnisvoller Fluch lastet. Doch schon bald, so verraten seine Briefe, wecken seltsame Geräusche und hartnäckige Gerüchte in der Nachbarschaft seinen Argwohn: ein verschollenes Dorf, wo das Böse regiert, ein mysteriöses Schattenwesen, das Blutzoll fordert – über kurz oder lang gerät Charles Boone an den Rand des Wahnsinns …
Vor langer Zeit hatte Dr. Tod mir mein Silberkreuz gestohlen und an einem unbekannten Ort versteckt. Nun erhielt ich endlich einen Hinweis auf meinen Talisman. Die Spur führte in die Katakomben von Paris – zu einem meiner größten Erzfeinde! (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
50 Auftritte hatte John Sinclair im Rahmen der GESPENSTER-KRIMIs, bevor er seine eigene Serie bekam. Auf 50 Folgen ausgelegt war entsprechend wohl auch die CLASSICS-Reihe von vornherein.
Ein kleines „Problem“ gibts aber nun: Heft 37 („Der Unheimliche von Dartmoor“) ist nicht bei den CLASSICS erschienen, sondern als Teil der „Sondereditionen“ verhörspielt worden. Also fehlt uns jetzt eine Folge, wenn nicht bei der unrunden 49 Schluss sein soll.
Nach dem blutigen und tragischen Ende einer Kindesentführung quittiert Detective Joe Lucchesi seinen Dienst bei der New Yorker Polizei und zieht mit Frau und Sohn an die Ostküste Irlands. Sie sind glücklich. Sie fühlen sich sicher. Und sie werden einen Albtraum erleben, der weit schlimmer ist als jener, den sie hinter sich gelassen haben. Denn Joe Lucchesi hat einen Feind, der alles daransetzt, die Familienidylle zu zerstören, und der von unbändigem Hass getrieben wird. Joe muss schon bald erkennen, dass ihn die schrecklichen Ereignisse in New York bis nach Irland verfolgen … (korrigierte Verlagsinfo)
_Die Autorin_
Alex Barclay wurde 1974 in Dublin geboren und arbeitete als Journalistin für britische Frauenmagazine. Ihren lang gehegten Wunsch, vor dem Erreichen des dreißigsten Lebensjahres einen Thriller zu schreiben, konnte sie mit dem Roman „Schattenturm“ (O-Titel: Darkhouse) verwirklichen. Alex Barclay ist verheiratet und lebt in der Nähe von Dublin.
_Der Sprecher_
Sascha Rotermund, geboren 1974 in Westfalen, studierte an der Hochschule für Musik und Theater Hannover Schauspiel und hatte sein erstes festes Engagement am Theater Magdeburg. Auch auf den Bühnen in Bremen, Lübeck und Hannover gastierte er. Sascha Rotermund hat sich als Synchronsprecher bereits einen Namen gemacht.
Die Romanfassung wurde von Frank Gustavus gekürzt. Regie führte Kerstin Kaiser, und Michael Marianetti lieferte die „akustischen Motive“.
_Handlung_
PROLOG
New York City. Donald Ricks legt dem kleinen Mädchen Haley Grey, das er entführt hat, einen Gürtel mit einem Kästchen um. Dann begibt er sich zum Treffpunkt für die Übergabe des Lösegeldes. Elise Grey ist in verzweifelter Angst, ihre kleine Tochter nie wieder lebend sehen zu können. Deshalb hat sie sich an die New Yorker Polizei gewandt. Die Detectives Joe Luchesi, Danny Markey und Victor Nicotero helfen ihr und haben sie verdrahtet. Sie überwachen sie, während sie zum Übergabepunkt fährt.
Die Übergabe klappt, überwacht von Polizei und FBI, doch Ricks lässt die Kleine erst 50 Meter weiter frei. Die Kleine läuft sofort zu ihrer überglücklichen Mutter. Das gibt Joe Luchesi zu denken. Warum sollte alles so glatt laufen? Während das FBI Ricks verfolgt, erinnert er sich, dass Ricks in seinem Vorstrafenregister auch als Sprengstoffexperte bezeichnet wird. Vielleicht hat er die Verfolger bemerkt, und was würde er dann tun?
Das Kästchen an Haleys Gürtel explodiert und reißt sie und ihre Mutter in den Tod. Joe ist fassungslos. Er schneidet dem fliehenden Ricks den Weg ab und schießt, so dass Ricks zu Boden geht. In der Hand des blutenden Mannes bemerkt Joe eine Anstecknadel: Sie stellt einen Wüstenbussard dar. Seltsam.
Wenige Tage später erfährt Duke Rawlins aus der Zeitung, dass sein Blutsbruder Donnie Ricks erschossen worden ist. Duke sitzt jedoch im Knast und muss noch auf seine Rache warten.
|Haupthandlung.|
Ein Jahr später. Südostirland, Grafschaft Waterford, Ortschaft Mountcannon. Joe Luchesi hat nach dem grauenhaften Ende der Kindesentführung eine Auszeit genommen. Mit seiner irischen Frau Anna, die von hier stammt, und seinem 16-jährigen Sohn Sean ist er in einen renovierten Bauernhof namens Shaw’s Rock gezogen. Das Haus liegt nahe der Küste und der alte Leuchtturm, der zum Grundstück gehört, wird gerade von seiner Frau renoviert. Sie schreibt für die Architektur-„Vogue“ einen Bericht darüber.
Sein Sohn Sean liebt Katie Lawson, die ebenfalls sechzehn ist. Sie singt wunderschön, und kaum ging er hier zur Schule, verliebte er sich in Katie. Seine anderen Freunde sind die Dichterin Ally Dannaher und Robert Harrington. Sie haben eine Menge Spaß, doch irgendwann will Sean auch mit Katie schlafen. Die Gelegenheit bietet sich, als in der Feriensiedlung Seascapes, wo er als Aushilfe arbeitet, ein Häuschen frei wird. In dieser Nacht soll es passieren. Doch es kommt alles ganz anders, als es sich Sean erhofft hat …
Duke Rawlins trifft in Irland ein. Er mietet sich einen Van und fährt zunächst nach Tipperary. Irgendwie wird er schon herausbekommen, in welchem Ort Luchesi sich verkrochen hat. Er weiß von der New Yorker Polizei, dass er nach Irland gezogen ist. In der Raststätte bei Tipperary lernt Duke die hübsche Siobhan Fallon kennen. Sie folgt nach Dienstschluss in sein Motelzimmer …
Es ist 4:30 Uhr am Morgen, als Katie Lawson von ihrer Mutter als vermisst gemeldet wird. Obwohl schließlich sogar die Zentrale in Waterford hingezogen wird, verläuft die erste Suche ergebnislos. Sean ist erheblich besorgt um Katie, genau wie deren Mutter Martha. Joe erinnert diese Situation irgendwie an Elise Grey und deren kleine Tochter Haley. Soll sich der Albtraum wiederholen? Nachdem die Dorfpolizisten Frank Deegan und Richie Bates seine Hilfe – schließlich er ja Polizist gewesen – barsch zurückgewiesen haben, macht er sich auf eigene Faust auf die Suche. Sein Sohn Sean wird ihm immer verdächtiger – genau wie der Polizei und den Dorfbewohnern.
Da findet der Vater von Robert Harrington die entkleidete Leiche von Katie Lawson in einem Dickicht nahe der Küste. Sein Hund hat sie gerochen und ihn alarmiert. Sogar die Gerichtsmedizin aus Dublin untersucht die Leiche. Das Mädchen wurde nicht vergewaltigt, trug aber schwere Kopfwunden davon. Der trauernde Sean schließt sich in seinem Zimmer ein. Joes Familie scheint zu zerfallen, als Anna ihm eine Untreue beichtet und er sie beleidigt. Um sich abzulenken, geht er in die Kneipe. Dort gibt es einen Zwischenfall auf dem Parkplatz. Joes Kumpel findet ein seltsames Objekt auf dem Asphalt: eine Anstecknadel. Sie stellt einen Wüstenbussard dar. Das Gegenstück zu der Anstecknadel, die Donnie Ricks bei sich hatte, als Joe ihn erschoss.
Für Joe ist sofort klar, was dies bedeutet. Aber wie kann es sein, dass Duke Rawlins aus dem Knast entlassen wurde und nach Irland ausreisen durfte? Ist er bereits hier? Joe ruft in New York an und erhält beunruhigende Nachrichten, die diesen Verdacht bestätigen. Er lässt sich die Akte Haley Grey faxen, um mehr über seinen Gegner herauszufinden. Es handelt sich um einen Serienmörder, der in Texas mindestens neun Frauen auf dem Gewissen hat.
Da verschwindet Anna …
_Mein Eindruck_
Auf den ersten Blick könnte die Handlung dieses Copthrillers nicht konventioneller sein. Doch das wusste die Autorin ebenfalls, als sie ihn schrieb, und daher baute sie ein paar Überraschungen ein. Ohne nun zu viel von diesen Elementen verraten zu wollen, kann ich doch sagen, dass eine davon in dem Parallelplot zu dem oben skizzierten Handlungsverlauf steckt. Und sie hat mit den Wüstenbussarden zu tun.
In Nordtexas, wo Duke Rawlins und Donnie Ricks aufwachsen, sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht, und es gibt herzlich wenig, was das Leben aufregend machen könnte. Doch solch eine Attraktion hat Dukes Onkel Bill für ihn parat: die Falknerei. Bill hat den Wüstenbussard Solomon abgerichtet und lernt gerade Shiva an, dessen Partner. Denn Wüstenbussarde, die bis nach Chile verbreitet sind, jagen nicht wie ihre Vettern einzeln, sondern im Teamwork. Der eine hetzt die Beute, der Partner schlägt sie, und zwar genau dann, wenn sie sich schon in Sicherheit wähnt.
Das Leben der beiden Jungs ist bislang ziemlich mies verlaufen. Dukes Mutter ist eine Nutte, und einer ihrer Freier vergreift sich auch an ihrem Sohn. Warum es also nicht wie die Bussarde machen und sich das nehmen, was den beiden Jungs zusteht? Nachdem ihnen Onkel Bill die Anstecknadeln als Zeichen seines Stolzes geschenkt hat, schwören sie sich Blutsbrüderschaft und gehen auf die Jagd: Ihre Beute ist zweibeinig und stets jung und weiblich. Ihre Waffen sind der Bogen und das Messer.
Doch nach fast einem Dutzend Jahre der gemeinsamen Jagd läuft etwas schief, nachdem Duke die neunzehnjährige Samantha geheiratet hat. Und an diesem Punkt kann Joe Luchesi ansetzen. Denn Duke weiß noch nicht, was Donnie mit Sammie vereinbart hatte, sobald er das Lösegeld aus der Grey-Entführung hätte …
Diese Entwicklung einer Entführung habe ich bisher noch selten gelesen. Und dass der Schurke im Stück derart genau und ungeschminkt charakterisiert wird, ist in letzter Zeit in der Thrillerliteratur auch immer unüblicher geworden. Diesmal gelingt es der Autorin jedoch, nicht nur Verständnis für den Gegner zu erzeugen, sondern im Leser bzw. Hörer beinahe so etwas wie Sympathie für ihn zu wecken. Das aber erweist sich am Schluss als eine Falle, in die der gutgläubige Rezipient tappen wird. Denn er sollte immer daran denken, wie Wüstenbussarde zu jagen pflegen: im Team.
Aber auch Joe Luchesi ist nicht Superman. Nicht nur in seiner Familie unterlaufen ihm grobe psychologische Fehler. Auch in seiner Einschätzung der verfügbaren Polizeikräfte verhaut er sich gewaltig. Denn was er nicht ahnt, ist die Existenz eines Drogenrings, der mit der Polizei unter einer Decke steckt. Im Showdown soll ihm diese Fehleinschätzung zum Verhängnis werden. Die Information, die er von Victor Nicotero über den korrupten Sheriff in Nordtexas erhalten hat, hätte Joe eigentlich misstrauisch werden lassen sollen. Er hat es vor allem (aber nicht nur) der Tüchtigkeit des Chefinspektors von Waterford zu verdanken, wenn er und seine Familie lebend aus dieser Sache herauskommen.
Natürlich werden einige Klischees abgehakt. So ist der titelgebende Turm natürlich von Anfang an als die optimale Bühne für eine gewalttätige Konfrontation geeignet. Man kennt dies aus zahlreichen Kino- und Fernsehthrillern. Erhöhte Punkte waren auch für Hitchcock optimale Showdown-Settings, so etwa die Freiheitsstatue in „Sabotage“ und der Mount Rushmore in „Der unsichtbare Dritte“ (North by Northwest). Warum sollte ausgerechnet die Newcomerin Barclay eine Ausnahme machen?
Doch Klischees lassen sich auch gegen den Leser bzw. Hörer verwenden. So hoffen wir ständig, dass Sean wirklich unschuldig am Tod von Katie Lawson ist. Das muss aber keineswegs zutreffen. Vielleicht haben die Dorfbewohner, die die Luchesis zu schneiden anfangen, Recht? Was mag wohl wirklich in jenem Ferienbungalow Nr. 15 zwischen Sean und der süßen Sechzehnjährigen vorgefallen sein, fragen sie sich. Und sein Vater beginnt sich dies allmählich ebenfalls zu fragen, was natürlich für den Familiensegen nicht besonders zuträglich ist. Aber Hand aufs Herz – können wir Sean als Täter wirklich ausschließlich? Und was ist mit diesem zwielichtigen Polizisten Richie Bates? Joe Luchesis ist keineswegs so sicher, wie er glaubt.
Die Einzige, die schlecht wegkommt, ist die arme Anna. Sie ist die Gute im Stück, eine einmal untreu gewordene Maria Magdalena, die um ihre Ehe und ihren Sohn kämpft, dann aber überrumpelt wird. Nun muss sie um ihr eigenes Leben kämpfen. Ein äußerst undankbare, weil höchst passive Rolle, wie sich herausstellt. Aber vielleicht entwickelt auch sie ungeahnte Kräfte, mit deren Hilfe sie es gegen Duke Rawlins, den neunfachen Mörder, aufnehmen kann.
_Der Sprecher_
Sascha Rotermund ist kein Sprachkünstler wie Rufus Beck, aber er weiß seine Stimmbänder flexibel und einfühlsam einzusetzen. So gelingt es ihm glaubhaft, in einer stockenden, atemlose Ausdrucksweise das Entsetzen des alten Mick Harrington nach dem Fund von Katies Leiche auszudrücken. Natürlich gehören auch Betrunkene wie John Miller, Annas Ex-Lover, zu seinen leichtesten Übungen. Schwieriger ist da schon, Seans ständig verletzt werdende Seele (Tod der Freundin, Verachtung der Dörfler, Zerwürfnis der Eltern) zum Ausdruck zu bringen. Richtig in seinem Element scheint er jedoch zu sein, wenn er die beiden „Jäger“ Donnie und Duke porträtieren darf.
Aber Rotermund sollte seine Englischkenntnisse auffrischen. Er spricht die Wörter „Manor“ und „Mariner“ falsch aus, und Stinger’s Creek wird sicherlich nicht mit einem weichen dsch in der Mitte ausgesprochen, sondern wie im Deutschen mit ng. Immerhin: Der gälische Mädchenname Siobhan, mit dem auch Duke seine Probleme hat, ist völlig korrekt [schi’vå:n] ausgesprochen.
Die Musik, die aus Intro und Extro besteht, ist relativ belanglos.
_Unterm Strich_
Alles in allem wartet der zunächst konventionell beginnende Thriller aus irischen Landen doch mit einigen Überraschungen und einer ziemlich haarsträubenden Doppel-Täterbiografie auf. Das Finale ist wiederum wendungsreich, und es ist keineswegs ausgemacht, dass „die Guten“ die Oberhand behalten. Da aber der Schurke im Stück entkommt, können wir mit einer Fortsetzung rechnen. Ich freue mich schon darauf.
Das Hörbuch wird von Sascha Rotermund kompetent gestaltet, so dass die Figuren zum Leben erwachen. Die paar Aussprachefehler irischer und englischer Namen lassen sich verschmerzen, werden aber den Fachmann leicht nerven.
Allerdings ist festzustellen, dass der Handlungsverlauf deutlich auf Action und Dialog reduziert worden ist. Es gibt kaum jemals Stimmungsbeschreibungen. Daher ist das Hörbuch zwar durchweg spannend, es können aber auch unplausible Stellen auftreten. Das ist besonders dann möglich, wenn der Zuhörer nicht aufpasst oder Figuren verwechselt. Das Personal ist zwar auf ein Minimum reduziert, aber auch ich verwechselte schon mal die Polizisten. Man sollte entweder das Buch lesen oder das Hörbuch zweimal genießen.
|Originaltitel: Darkhouse, 2005
Aus dem Englischen übersetzt von Karin Meddekis
359 Minuten auf 5 CDs|
Der [erste Teil 1818 war nur der Anfang, doch es wird der Tag kommen, an dem das Böse wieder erwacht, weiß Inspektor John Sinclair von Scotland Yard.
Zwei Jahre sind vergangen, seit er zum ersten Mal gegen die Mächte der Finsternis gekämpft hat. Inzwischen wird der Oberinspektor von einem schlagkräftigen Team im Kampf gegen die Dämonen und Vampire unterstützt. Doch was ihn nun erwartet, stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten.
Kalurac, ein Nachfahre des berüchtigten Grafen Dracula, kehrt zurück, um die Menschheit unter sein Joch zu zwingen. In dem rumänischen Dorf Petrija legt er die Vampirsaat aus und fordert die Aktivität der alten Widersacher heraus: der „Pfähler“. Auch John Sinclair versucht, die tödliche Gefahr aufzuhalten – ohne zu ahnen, dass sein Kampf in Rumänien aussichtslos ist, denn der „König der Vampire“ holt bereits in London zum entscheidenden Schlag aus. (abgewandelte Verlagsinformation)
Der Autor
Der unter dem Pseudonym „Jason Dark“ arbeitende deutsche Autor Helmut Rellergerd ist der Schöpfer des Geisterjägers John Sinclair. Am 13. Juli 1973 – also vor 32 Jahren – eröffnete der Roman „Die Nacht des Hexers“ die neue Romanheft-Gruselserie „Gespenster-Krimi“ aus dem Hause |Bastei|. Inzwischen sind über 1700 John-Sinclair-Romane erschienen, die Gesamtauflage der Serie beträgt laut Verlag über 250 Millionen Exemplare.
1999 veröffentlichte Oliver Döring das erste John-Sinclair-Hörbuch, und der Autor war davon begeistert: „Sprecher, Special Effects – wirklich Kino im Ohr“. Bis heute sind von den drei Dutzend Hörspielen rund 1,5 Millionen Stück über den Ladentisch gegangen, so dass sich 2002 Oliver Döring ermutigt fühlte, eine Sonder-Edition zu produzieren. Sie trägt den Titel [„Der Anfang“. 1818 Nach Verlagsangaben war dies das erste Hörspiel, das es jemals in die Top 100 der deutschen Media-Control-Longplayer-Charts geschafft hat: „bis Platz 36“, sagt Döring.
Die vorliegende Sonder-Edition 2 mit dem Titel „Der Pfähler“ hat mit 40 Schauspielern und Synchronsprechern noch mehr hochkarätige Stimmen vorzuweisen als die SE 1: sozusagen 90 Minuten Kino-Feeling. Der Soundtrack wurde eigens dafür komponiert und vom Berliner Filmorchester eingespielt, tönt die Presseerklärung.
Die Handlung stammt aus mehreren Romanheften („Der Pfähler“, „Dracula gibt sich die Ehre“, „Die Vampirfalle“), die „zum Teil abgeändert, gekürzt und an anderen Stellen durch neue Szenen ergänzt“ wurden, verrät Rellergerd. Neue Elemente wie etwa Handys wurden eingefügt, und einmal musste der Autor ein Detail von Dörings Drehbuch korrigieren. In England fährt man links ran, nicht rechts, denn es herrscht ja Linksverkehr.
Übrigens nahm der Autor selbst aktiv an dem Hörspiel und spricht die kleine Rolle des 42-AKA: „dreieinhalb bis vier Sätze“: „Sie haben mich zwar keine Nerven gekostet, aber ich war doch ziemlich aus der Fassung, dass man so viel einsetzen muss, um diese paar Worte zu sprechen“, sagt der Mann, der sich Jason Dark nennt.
Die Sprecher / Die Inszenierung
Wie schon erwähnt, ist bei dieser Produktion die crème de la crème der deutschen Synchronsprecher versammelt. Ich kann hier nur die Hauptfiguren und bekanntesten Sprecher erwähnen, da 40 Einträge einfach den Rahmen dieses Beitrags sprengen würden.
Erzähler: Joachim Kerzel, dt. Stimme von Jack Nicholson u.v.a.
John Sinclair, Scotland Yard: Frank Glaubrecht, dt. Stimme von Pierce Brosnan
Jane Collins, Scotland Yard: Franziska Pigulla, dt. Stimme von Gillian „Scully“ Anderson
Bill Connolly, Journalist: Detlef Bierstedt, dt. Stimme von George Clooney und Jonathan Frakes (Star Trek TNG)
Sheila Hopkins, seine Verlobte und von Kalurac ausersehene Vampirbraut: Daniela Hoffmann , dt. Stimme von Julia Roberts und „Ally McBeal“
Graf Kalurac: Thomas Fritsch, dt. Stimme von William Hurt u.a.
Frantisek Marek, der Pfähler: Joachim Höppner, die dt. Stimme von Ian „Gandalf“ McKellen
Dominik de Louise: Mogens von Gadow, dt. Stimme von Joe Pesci und Ian Holm
Harold Farmer, sein Assistent: Charles Rettinghaus, dt. Stimme von Jamie Foxx und LeVar Burton (Star Trek TNG)
Philip Russel, Staatssekretär: Hans-Werner Bussinger, dt. Stimme von John de Lancie („Q“ aus Star Trek)
Flugcontroller Peter: Arne Elsholz, dt. Stimme von Tom Hanks und Bill Murray
Jack Rambaldi: Martin Semmelrogge, dt. Stimme von Bösewicht „Randall“ in „Monster AG“
Außerdem ist noch die deutsche Stimme von John Cleese zu hören, der in den neueren Bond-Filmen die Rolle des Erfinders Q spielt und auch in diesem Hörspiel die Rolle des Entwicklers von Spezialwaffen ausfüllt, diesmal allerdings gegen Vampire.
Und noch viele andere bekannte Hollywood-Stimmen.
Die Macher:
Buch und Regie: Oliver Döring
Regieassistenz: Patrick Simon
Hörspielmusik: Christian Hagitte, Simon Bertling, Florian Göbels
Tontechnik: Arne Denneler
Schnittassistenz: Jennifer Kessler
Produktion: Alex Stelkens (WortArt), Marc Sieper, Patrick Simon
Original Paintings (auch im Booklet): Vicente Ballestar (Cover), John Bolton, M. Harrison
Jack und Carl brechen in die Wohnung von Vera Menössy ein, um sie auszurauben. Die beiden Londoner Ganoven suchen Geld, und als sie nur lumpige 30 Pfund erbeuten, werden sie wütend. Jack, der Drahtzieher, droht, Vera zu töten, doch er hat den Schatten nicht gesehen, der ihnen durch Soho hierher gefolgt ist. John Sinclair greift im letzten Moment ein und setzt die beiden Verbrecher außer Gefecht. Leider hat Jack Vera verletzt, und mit ihrem letzten Atem bittet sie Sinclair, aus einer Schublade eine Schatulle zu holen. Darin liegt ein silbernes Kreuz. „Dies ist das Kreuz des Propheten Hesekiel. Du bist sein rechtmäßiger Hüter und Erbe, denn du bist der Sohn von …“, doch da verlassen sie die Kräfte.
Ein Vierteljahrhundert später wird das Kreuz, das dem Geisterjäger stets als Schutz gedient hat, in einer ganz anderen Weltgegend erkannt als das, was es ist: als eine mächtige Waffe gegen Dämonen und Vampire. Gerade rechtzeitig.
HAUPTHANDLUNG
Sonntag, Petrija, (Transsylvanien), Rumänien. Der alte Schmied Frantisek Marek ignoriert die Warnungen seiner Frau und geht trotz der Gefahr auf den Berg, wo das düstere Schloss steht. Er hat einen Pfahl dabei, denn er ist der letzte Angehörige einer Familie, die sich die „Pfähler“ nennt, weil sie es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Vampire und Untoten auszurotten.
Frantisek hat Glück. Petroc Jurc, ein junger Mann aus seinem Dorf, geht um Mitternacht zum Schloss des Grafen. Petroc ist agiler als der alte Frantisek und schlägt ihn nieder. Wenig später hört der Pfähler aus dem Schloss einen langen Schrei … Eine riesige Fledermaus erscheint auf den Zinnen und fliegt hinunter zum Dorf. Während Frantisek die Schlossgruft betritt, besucht der Vampir Graf Kalurac, der sich der Gestalt einer Fledermaus und anderer Formen bedient, das Haus der Varescus. Nachdem er Boris beseitigt hat, macht er sich mit seinen langen Fangzähnen über Jovanka her …
Unterdessen in London
Mitten auf dem zentralen Leicester Square ereilt eine schreckliche Vision den Geisterjäger: Menschen werden von Vampiren und anderen Untoten zerfleischt. Wie konnte es dazu kommen? Kann er es verhindern? Die Stimme eines Engels schickt ihn nach Petrija. Er erwacht aus seiner Trance mit einem brennenden Gefühl auf der Brust: Hesekiels Kreuz ist heiß.
Er ruft seinen Freund, den Journalisten Bill Connolly, an, der gerade mit seiner Verlobten Sheila Hopkins im Bett liegt. Bill sagt Sheila, er gehe mal kurz Zigaretten holen und verschwindet. In der Redaktion findet er heraus, dass es in Petrija einen Grafen Kalurac gebe, der ein Verwandter Draculas sei. Aber dort lebe auch die Familie Marek, die Dracula besiegte – und zwar mit dem Kreuz Hesekiels. Wie gelangte das Kreuz von dort in Vera Menössys und Sinclairs Hände? Die Mareks sind telefonisch nicht zu erreichen. Sinclair will hinfliegen und ringt seinem Chef, Sir James, die Erlaubnis dafür ab.
Wien
Graf Kalurac macht sich in Gestalt einer Fledermaus, die als UFO auf dem Radar erscheint, auf den Weg nach Wien, wo er die im Untergrund lebenden Untoten der Familie Cerpac aktiviert. Er schildert ihnen ihre Zukunft in den schillerndsten Farben. Er werde die Militärs aufeinander hetzen, sich Zugang zu ihren Nuklearwaffen verschaffen, den Atomkrieg entfesseln und während des folgenden nuklearen Winters die Herrschaft der Vampire über die Menschen errichten. Ein exzellenter Plan, loben die Cerpac-Kreaturen, besonders Rebecca, die Kalurac als seine Sklavin ausersehen hat. Doch wird der Plan auch gelingen? Keine Angst, beruhigt Kalurac. Nächste Station ist London, denn Großbritannien ist bekanntlich eine Nuklearmacht. Noch zwei Tage, dann kann er losschlagen.
Rumänien
Unterdessen ist Frantisek Marek in der Gruft auf den verwandelten Petroc Jurc gestoßen. Ihm bleibt bei dem folgenden wütenden Kampf nichts anderes übrig, als Petroc den Pfahl in die untote Brust zu stoßen. Doch daheim in seinem Dorf erwartet ihn eine Überraschung. Kalurac war hier und hat die Familie Varescu bis auf einen Überlebenden ausgelöscht. Corucz sagt ihm, die Leichen seien oben im Schlafraum, doch als Frantisek hinaufsteigt, um die Todesursache herauszufinden, tappt er in eine fiese Falle. Nun fällt Jovanka über ihn her. Sie hat großen Durst. Nach seinem Blut.
Ob John Sinclair wohl noch rechtzeitig eintrifft?
Mein Eindruck
Ich dachte, das Vampir-Genre sei mittlerweile durch die Romane von Laurell K. Hamilton, Kim Newman und Poppy Z. Brite weiterentwickelt worden. Doch dieses Hörspiel hält sich an die alten Wurzeln um Dracula und seine Verwandten. Wer also auch nur einmal im Leben „Tanz der Vampire“ und „Bram Stoker’s Dracula“ oder die alten Christopher-Lee-Filme gesehen hat, wird sich sofort zurechtfinden.
Untot sein macht Spaß
Wieder einmal machen sich die alteingesessenen Vampire unter Einsatz ihrer patentierten Bio-Engineering-Methode daran, die Weltherrschaft zu ergreifen. Natürlich pflastern Leichen ihren Weg aus dem trüben Transsylvanien in die noch trübere Themse-Metropole, doch die Leichen werden alsbald wieder lebendig. Die Untoten haben einfach mehr Spaß am Leben, wie Dom De Louise, seines Zeichens britischer „Wirtschaftssekretär“ (vielleicht ist damit ein Minister gemeint), mit hohem Lustgewinn erkennt.
Gerade hat ihn eine schöne Vampirin ausgesaugt und schwupps! – steht er wieder auf. Mit mächtigem Appetit auf den roten Lebenssaft. Da die Vampirin dank ihres Bio-Engineerings herzlich wenig davon in sich hat, muss er sich ein neues Opfer suchen: Harold Farmer. Denn wozu ist ein Assistent sonst gut, wenn man ihn nicht ausbeuten bzw. aussaugen darf? Und die Kette des Bio-Engineerings ließe sich endlos fortsetzen, wenn, ja, wenn es nicht diese dumme Gegner gäbe, die offenbar schwere, politisch völlig unkorrekte Vorurteile gegen Vampire und Untote hegen. Man sollte eine Vampirpartei gründen. Allerdings ist die Bio-Engineering-Methode der Vampire alles andere als demokratisch, sondern überaus hierarchisch organisiert. Und der Obermotz ist immer ein Macker. Seltsam, dass die Lady-Vampire das völlig in Ordnung finden. Jedenfalls tun sie, was man ihnen sagt.
„Der Pfähler“ ist also in weiten Teilen konservativer und traditionsverhafteter als die erste Sonderedition mit dem Titel „Der Anfang“. Wahrscheinlicher dürfte ihr daher ein noch größerer Erfolg beschieden sein, denn erfahrungsgemäß mögen es Genre-Konsumenten – Leser, Videogucker, Spieler – nicht besonders, wenn man die bewährten Klischees und Regeln auf den Kopf stellt oder gar unterminiert.
Die Gegenseite versteht keinen Spaß
Dem Angriff der Vampire Kaluracs steht eine erhebliche Aufrüstung des Gegners gegenüber. Der Pfahl Mareks – vermutlich ein geweihter Pflock – entspricht waffentechnisch gesehen dem Faustkeil des Neanderthalers. Wie schön deshalb, dass Scotland Yard über eine supergeheime Abteilung für die Entwicklung von Spezialwaffen gegen Vampire und andere unheilige Geschöpfe verfügt! In den James-Bond-Laboren herrscht Agent Q (gespielt von Ex-Monty-Python John Cleese) über die neuesten Gadgets und händigt James regelmäßig eine unheimlich komplizierte aussehende Fernsteuerung aus. In „Der Pfähler“ hören wir die deutsche Stimme von John Cleese – da werden sich die Bond-Fans aber freuen!
Qs Gegenstück Dr. Dan präsentiert Waffen, die einem Kreuzzügler alle Ehre machen würden, zöge er ins Heilige Land, um die Monster und Ungläubigen zu vertreiben. Weihwasser ist ein unverzichtbarer Bestandteil der geheimen Superwaffen und natürlich Silber. Viel Silber: in Kugeln und Pfeilen (vermutlich nicht in Faustkeilen). Und Eichenpflöcke im „Pfähler-MG“. Oder so.
Als die wichtigste Superwaffe erweist sich jedoch ironischerweise nicht eines der neuen Gadgets, sondern das uralte Kreuz Hesekiels. Frei nach dem Motto „Alles Gute kommt von oben“, lassen sich damit, so erzählt Marek, die vier Erzengel herbeirufen und aktivieren. Na, und wo der Feldherr Gottes, Michael, zuschlägt, da wächst kein Gras mehr. Was doch zu einem sehr actionreichen und befriedigenden Finale führt.
Humor
Die Macher haben ihr Werk zum Glück nicht hundertprozentig ernst genommen, sonst wäre es unerträglich geworden. Abgesehen von den „Outtakes“ (siehe unten: „Soundtrack“), die sehr lustig sind, gibt es einige Stellen im Text, an denen die Vertreter des Guten schon ein wenig ins Schwimmen geraten. Da gibt es beispielsweise die Stelle, als John Sinclairs Kollege, der Chinese Suko, das zeitweilige Hauptquartier des „Königs der Vampire“ betritt. Er erwartet, nur etwa ein halbes Dutzend Widersacher vorzufinden. Allerdings ist die Halle mit mehreren hundert Vampiren angefüllt: „Oh, Scheiße“, fällt ihm dazu nur ein. Die Agenten haben es nicht leicht.
Ein „Ministerium für kooperative Zusammenarbeit“ hätten wir in Deutschland sicher auch gerne, denn dann würde die Kollaboration zwischen den Bürgern und der Regierung sicher wie geschmiert laufen.
Die Sprecher
Die Macher dieser Hörspiele suchen ihren Vorteil im zunehmend schärfer werdenden Wettbewerb der Hörbuchproduktionen offensichtlich darin, dass sie dem Zuhörer nicht nur spannende Gruselunterhaltung bieten, sondern ihm dabei auch noch das Gefühl geben, in einem Film voller Hollywoodstars zu sitzen. Allerdings darf sich niemand auf vergangenen Lorbeeren ausruhen: bloßes Namedropping zieht nicht, und So-tun-als-ob ebenfalls nicht.
Die Sprecher, die vom Starruhm der synchronisierten Vorbilder zehren, müssen selbst ebenfalls ihre erworbenen Sprechfähigkeiten in die Waagschale werfen. Zum Glück machen sie dies in hervorragender und glaubwürdiger Weise. Statt gewisse Anfänger zu engagieren, die mangels Erfahrung bei den zahlreichen emotionalen Szenen unter- oder übertreiben könnten, beruht der Erfolg dieser Hörspielreihe ganz wesentlich darauf, dass hier zumeist langjährige Profis mit schlafwandlerischer Sicherheit ihre Sätze vorzutragen wissen.
Durch die beigefügten Outtakes wissen wir allerdings ganz genau, welche Pannen ihnen dabei unterlaufen sind. Feststeht aber, dass in der Endfassung keine Pannen oder Fehler zu hören sind. Ich kann keinen der Sprecher herausstreichen, denn im Grunde machen alle hervorragende Arbeit. Nur Franziska Pigulla tut ein klein wenig mehr: Sie sagt nicht nur ihre Sätze auf, sondern fügt noch Ächzen und Keuchen hinzu, denn ihre Rolle, Jane Collins, muss einen Sprint zum Londoner Hilton Hotel hinlegen, um Dom De Louise – noch so ein Insiderwitz – rechtzeitig das Handwerk zu legen.
Musik und Geräusche
Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde. Die Musik gibt ziemlich genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder und leitet in den kurzen Pausen bzw. Übergängen gleich zur nächsten Szene über. Die Musik ist von einem Orchester eingespielt, und so entsteht der Eindruck, die Begleitmusik zu einem alten Hollywood- oder British Horror Film zu hören.
Der Soundtrack als Bonus
Insgesamt handelt es sich um 20 Tracks unterschiedlicher Länge. Von den alten Dracula-Filmen kennt man die klassische Instrumentierung: unheimlich klingende Streich- und Holzblasinstrumente. Solche Stücke gibt es hier mehrere zu hören, und sie gehören zu den schönsten in dieser Sammlung.
Aber sie treffen nicht den modernen Geschmack der MTV-Generation. Das tun schon eher die rockigen Kompositionen von Florian Göbels und anderen Komponisten. (Alle Urheber sind angegeben.) Das rockigste Stück erklingt in Heavy-Metal-Instrumentierung und mit entsprechendem Gesang.
Als Bonus gibt es den Trailer zu „Der Pfähler“: Joachim Kerzel liest die dramatischsten Stellen der Handlung vor, die entsprechenden Actionszenen werden eingeblendet.
Die „Outtakes“ …
… stammen aus den John-Sinclair-Hörspielen, den Gespenster-Krimis und der SE2 „Der Pfähler“. Die meisten Beispiele für klassische Fehlleistungen der Sprecher sind einfach zum Totlachen, ganz besonders die Stelle, an der Frank Glaubrecht etwa fünfmal vergeblich versucht, einen verschachtelten Satz richtig hinzukriegen. Am Schluss der Outtakes-Sammlung geht alles in Geblubber und Gegurgel unter – auch eine Art Humor. Man muss den Job offenbar mit Selbstironie angehen und keineswegs verbissen. Wenn eine Stelle nicht klappt, denn wird sie eben umgeschrieben.
Unterm Strich
Hier schlagen Sammlerherzen höher. Endlich gibt es wieder ein herausragendes Hörspiel mit ihrem Lieblings-Helden, und das obendrein in Hollywoodfilmqualität. Die Dramaturgie ist straff und konsequent auf ein Finale hin ausgerichtet. Dabei werden die Etappen dorthin mit dramatischen Genreszenen gespickt, so dass an keiner Stelle Langeweile aufkommt.
Natürlich sind solche Genretexte nicht frei von Fehlern. Wer hätte schon einmal in Rumänien tschechische Namen wie Frantisek Marek gehört? Oder von einem britischen „Ministerium für kooperative Zusammenarbeit“ (als ob es eine andere Form der Zusammenarbeit gäbe)?
Zu einer richtig runden Sache wird das Hörspiel aber nicht durch den Text, sondern durch die stets passende Musik und die ausgezeichneten Sprecher. Sie konnten sich wahrscheinlich an mancher Stelle das Lachen kaum verbeißen, so hammerhart klingen manche Sätze („Nimm das, du Monster!“), würde man sie aus dem Kontext reißen. Aber die Lacher sind für die Outtakes reserviert.
90 Minuten + 30 Min. Soundtrack auf 2 CDs
Empfohlen ab 16 Jahren
ISBN-13: 978-3785730195
Der Autor vergibt: (4.0/5) Ihr vergebt: (No Ratings Yet)
_|Geisterjäger John Sinclair| auf |Buchwurm.info|:_
[„Der Anfang“ 1818 (Die Nacht des Hexers: SE01)
[„Der Pfähler“ 2019 (SE02)
[„John Sinclair – Die Comedy“ 3564
[„Im Nachtclub der Vampire“ 2078 (Folge 1)
[„Die Totenkopf-Insel“ 2048 (Folge 2)
[„Achterbahn ins Jenseits“ 2155 (Folge 3)
[„Damona, Dienerin des Satans“ 2460 (Folge 4)
[„Der Mörder mit dem Januskopf“ 2471 (Folge 5)
[„Schach mit dem Dämon“ 2534 (Folge 6)
[„Die Eisvampire“ 2108 (Folge 33)
[„Mr. Mondos Monster“ 2154 (Folge 34, Teil 1)
[„Königin der Wölfe“ 2953 (Folge 35, Teil 2)
[„Der Todesnebel“ 2858 (Folge 36)
[„Dr. Tods Horror-Insel“ 4000 (Folge 37)
[„Im Land des Vampirs“ 4021 (Folge 38)
[„Schreie in der Horror-Gruft“ 4435 (Folge 39)
[„Mein Todesurteil“ 4455 (Folge 40)
[„Die Schöne aus dem Totenreich“ 4516 (Folge 41)
[„Blutiger Halloween“ 4478 (Folge 42)
[„Ich flog in die Todeswolke“ 5008 (Folge 43)
[„Das Elixier des Teufels“ 5092 (Folge 44)
[„Die Teufelsuhr“ 5187 (Folge 45)
[„Myxins Entführung“ 5234 (Folge 46)
[„Die Rückkehr des schwarzen Tods“ 3473 (Buch)
|Lübbe Audio| vertont die Abenteuer des Kadetten Kantiran und des Sternenadminstrators Perry Rhodan, die in der Unterserie „Sternenozean“ im Perry-Rhodan-Universum spielen. Bislang sind zwölf Hörspiele veröffentlicht, doch will |Lübbe| offenbar vierzig Hörspiele produzieren. Dies ist die zweite Staffel.
Folge 12, Fortsetzung von Folge 10 und 11: Zephyda ist bereit, für ihr Volk den Kampf gegen die Unterdrücker aufzunehmen: Sie wird in das Geheimnis der verfemten Gesänge eingeweiht. Währenddessen dringen Perry Rhodan und Atlan ins Crythumo ein, die Festung der Krybb-Cranar. Doch sie geraten in einen Hinterhalt … (Verlagsinfo)
Die Reihe
„Perry Rhodan“ ist die größte SF-Heftchen- und Roman-Reihe der Welt. Eine Vielzahl von Autoren schreibt seit Jahrzehnten für die Reihe, und koordiniert wird dieser Aufwand vom |Pabel|-Verlag in Rastatt. Auch Andreas Eschbach fühlte sich geehrt, einen oder zwei Bände beitragen zu dürfen.
Es gab vor der aktuellen |Lübbe Audio|-Reihe schon Vertonungen der PR-Silberbände, doch nicht in der stilvollen Inszenierung des |STIL|-Tonstudios. Die Romanvorlage für das vorliegende Abenteuerhörspiel stammt von Arndt Ellmer („Die Femesängerin“).
Die ersten Staffel:
1) [Der Sternenbastard
2) [Die Mascantin
3) [Der Hyperschock
4) [Planet der Mythen
5) [Havarie auf Hayok
6) Das Blut der Veronis
Die 2. Staffel:
7. [Der Gesang der Motana
8. [Sonderkommando Kantiran
9. [Tau Carama
10. [Überfahrt nach Curhafe
11. [Entscheidung in Vhalaum
12. [Die Femesängerin
Die 3. Staffel:
13. [Der Flug der Epha-Motana
14. [Terraner als Faustpfand
15. [Die Sekte erwacht
16. [Der Todbringer
17. [Kampf um den Speicher
18. [Die mediale Schildwache
Die 4. Staffel:
19. [Operation Kristallsturm
20. [Das Land unter dem Teich
21. [Attentat auf Hayok
22. [Kybb-Jäger
23. Auf dem Weg nach Magellan
24. Jenseits der Hoffnung
Die Sprecher/Die Inszenierung
Erzähler: Joachim Höppner (Stimme von Sir Ian „Gandalf“ McKellen)
Perry Rhodan: Volker Lechtenbrink (Schauspieler, Sänger, Synchronsprecher)
Atlan: Volker Brandt (Stimme von Michael Douglas)
Zephyda: Claudia Urbschat-Mingues (Stimme von Angelina Jolie, Maria Bello)
Rorkhete: Charles Rettinghaus (Stimme von Jean-Claude van Damme und Robert Downey jr.)
Garombe: Carmen-Maja Antoni (Schauspielerin)
Anthloza: Luise Lunow (Liz „Helen Seinfeld“ Sheridan)
Kybb-Cranar: Markus Krane und Thomas Schmuckert (J. LaRose/Troy in „Saw 3“)
Und weitere.
Volker Lechtenbrink wurde 1944 in Cranz/Ostpreußen geboren. Bereits als Achtjähriger sprach er im Kinderfunk und stand zwei Jahre später auch schon auf der Bühne. 1959 wurde er durch den Antikriegsfilm „Die Brücke“ (Regie: Bernhard Wicki) bundesweit bekannt. Er besuchte die Schauspielschule in Hamburg und ist heute in zahlreichen TV-Serien zu sehen. Darüber hinaus ist er am Theater tätig, geht auf Tourneen oder wirkt als Intendant. (Verlagsinfo)
Die Hörspieladaption stammt von S. A. Effenberger. Regie, Musik, Ton und Programmierung lagen in den Händen von Christian Hagitte und Simon Bertling vom Ton-Studio |STIL|. „Die Musik wurde exklusiv für die Perry-Rhodan-Hörspiele komponiert und vom Berliner Filmorchester unter der Leitung von Christian Hagitte live eingespielt. Die elektronischen Klänge und Effekte wurden speziell für die Hörspiele vom |STIL|-Team durch den Einsatz von Computertechnik generiert“, heißt es im Booklet. Executive Producer der Reihe ist Marc Sieper.
Am Schluss erklingt der Song „How do you feel? Perry Rhodan Mix“ von der Band |Camouflage|. Der Originaltitel stammt von der LP „Relocated“ (SPV 2006).
Vorgeschichte
Perry Rhodan und sein arkonidischer Freund Atlan sind auf einem Minenplaneten der bösartigen Kybb Cranar in deren Gefangenschaft geraten. Die igelförmigen Aliens verpassten ihnen metallene Halsringe, die mit einem Giftstachel bewehrt sind: die Krynn Varid. Bei Widerstand kann das Gift per Fernsteuerung injiziert werden. Nur aufgrund ihrer persönlichen Zellaktivatoren können die beiden Gefährten das Gift neutralisieren, doch jedes Mal kostet es sie mehr Kraft.
Sie schaffen es zu den einheimischen Motana, wo sich Atlan in die adlige Wegweiserin Zephyda verliebt. Sie führt sie zur Planetaren Majestät, die sie willkommen heißt. Doch als die Kybb Cranar auch die Residenz der Majestät angreifen, gelingt Rhodan, Atlan und Zephyda nur mit knapper Not die Flucht, als ein Nomade namens Rorkhete sie in seinem Schweber mitnimmt.
Das Quartett flieht, bis sie schließlich vor acht Wesen stoppen müssen, die vor ihnen über dem Boden schweben. Rorkhet bezeichnet sie als „Orakel“, und sie wollen helfen. Die Wesen teleportieren die vier auf eine andere Welt, wo sie erst einmal mitten im Ozean landen. Es dauert eine ganze Weile, die riesigen Wellen zu verlassen und zum Strand der Vulkaninsel Ore zu finden. Perry und Rorkhete sind zwar verletzt und erschöpft, können aber das unbekannte Land erkunden.
Unterdessen gelangen Atlan und seine Freundin Zephyda woanders an den Strand. Eine Gruppe Motanakrieger, angeführt von der Amazone Halkorate, nimmt sie in ihre Mitte und teilt Atlan mit, sie seien auf der Welt Ash-ir-tumo gelandet, auf der Insel Ore, und sie werde sie nun nach Oreshme bringen, wo ihre Lokale Majestät über sie richten werde. Atlan bittet um schnelle Behandlung der Wunden, die Zephyda erlitten hat. Die Heilerin Phylatoke nimmt sich Zephydas an und bringt sie in ihre Hütte, die auf einem 20 Meter hoch über die Ebene emporragenden Plateau liegt.
Nachdem Atlan auch Perry und Rorkhete gefunden hat, beschließen die Gefährten, mit einem Schiff über den Ozean zu dem Kontinent Curhafe segeln zu wollen. Vom dort gelegenen Raumhafen aus wollen sie zurück in den Weltraum, um die anstehenden Angelegenheiten zu regeln. Er überredet die Motana, mit ihm zusammen ein zehn Meter langes Boot zu bauen, das in einer geschützten Montagehalle entstehen soll.
Zehn Tage später ist Zephyda wieder auf den Beinen, wenn auch noch etwas wackelig. Da spürt sie in ihrem Geist, dass eine Riesenwelle auf die Insel zurollt, noch bevor sie sie sehen kann. Sie warnt die Motana, die sich sehr über diese Frau wundern. Denn um die anrollende Tau Carama spüren zu können, muss man eine Irtumo-Lauscherin sein, eine wie Intake, die Lokale Majestät. Der Alarm, den Zephyda ausgelöst hat, rettet eine Menge Leben. Dennoch donnert der Tsunami über das Land und droht sogar die Inselstadt Oreshme unter sich zu begraben …
Zephyda lehnt die Einladung, die Position von Intake auf Ore einzunehmen, freundlich ab, doch sie möchte lieber ihre Rache an den Kybb-Cranar für den Mord an ihrem Bruder verfolgen, und dies kann sie nur auf dem Kontinent Curhafe mit etwas Aussicht auf Erfolg. Die uralte Seherin Intake hatte einen Traum und weiß schon Bescheid: Zephyda, die mächtiger ist als sie, muss den Raum befahren, um das ganze Volk der Motana zu befreien. Einst bewegten die Motana ihre Raumschiffe nur mit der Kraft ihres Geistes. Die Navigatorinnen wurden Eva-Motana genannt, erklärt Rorkhete. Könnte Zephyda so eine Navigatorin sein? Er glaubt es zumindest. Doch diese Kräfte sind mittlerweile alle verboten worden.
Sie setzen die Segel des Bootes „Terra Incognita“ (= Unbekanntes Land). Curhafe liegt rund 800 km entfernt. Nach vielen Gefahren wie einem Sturm und einem Riesenraubfisch, den Rorkhete tötet, gelangen sie an die Küste Curhafes. Von hier können sie bereits ein großes Gebilde am Horizont erkennen. Es handelt sich um das Krytomo, die große Festung der Kybb-Cranar. Seltsamerweise sind keinerlei Raumschiffe der Unterdrücker zu sehen. Perry erklärt dies damit, dass sich die physikalischen Bedingungen für den Raumschschiffflug geändert haben.
Nach einer Nacht im Wald bemerkt Zephyda, dass Motana nahe sind, und drängt zum Aufbruch. Sie gelangen in die Flussebene um das Krytomo und bemerken zu ihrer Verwunderung, dass eine Bahnstrecke zur Festung führt. Aber wo ist der Zug? Da hetzt eine junge Motanafrau vorüber, doch sie hält nicht an, sondern wird verfolgt und läuft weiter. Ihre Verfolger sind ebenfalls Motana. Sie packen Zephyda, müssen aber schnell erkennen, dass sie die Falsche ist und laufen weiter. Schließlich fangen sie die Fliehende ein und fesseln sie. Auf Anfrage erklären sie nur, die Frau wolle die Quote nicht erfüllen. Rorkhete mahnt zu Zurückhaltung. An der Bahnlinie wartet die Gruppe mit der Gefangenen auf den Zug. Als dieser hält, steigen alle ein, und auch die vier Gefährten beeilen sich, an Bord zu gelangen.
Als der Zug eine Station vor dem Krytomo wieder hält, steigen sie aus, werden aber sofort als mögliche Spionklone der Kybb-Cranar verhaftet. Von der Planetaren Majestät Garombe, die hier in Billient residiert, erfahren sie, was unter der rätselhaften „Quote“ zu verstehen ist. Alle schwangeren Frauen müssen, wenn ihr Fötus drei Monate alt ist, ins Krytomo, damit ihnen dort der Fötus abgesaugt wird.
Zephyda ist empört und schwört den Kybb-Cranar abermals Rache und Vernichtung. Garombe warnt sie, dass der Preis für ihre Rache sehr wohl in der Vernichtung aller Motana im Sternenozean von Yamondi bestehen könnte. Perry bietet Zephyda seine Unterstützung beim Angriff auf das Krytomo an, die sie gerne annimmt.
Während ein weiterer Zug mit weiblichen Opfern zum Krytomo rollt, verstecken sich Perry, Atlan und Rorkhete in den Radkästen, um so in die Festung eindringen zu können. Unterdessen zeigt Garombe der jungen Motana das „größte Geheimnis auf Ash-ir-tumo“ …
_Handlung von Episode 12_
Perry, Atlan und Rorkhete, der Nomade mit den roten Augen, dringen unbemerkt in die Festung der Kybb-Cranar ein. Es sind überraschend wenige Soldaten anwesend. Die Wachen führen die im Zug angelieferten Frauen ins Innere der Festung, wahrscheinlich in Verliese, von wo die Opfer für die „Quote“ ausgewählt werden. Die Gefährten folgen ihnen, obwohl nur Rokhete über eine Waffe verfügt, und errichten eine Operationsbasis in einem Versteck auf der vierten Ebene …
Unterdessen bringt die Planetare Majestät Garombe ihren Gast Zephyda in die Wüste zu einer verborgenen Siedlung der Motana und stellt sie der lokalen Anführerin Anthloza vor. Verborgen ist die Siedlung deshalb, weil hier Riten ausgeführt werden, welche die Hybb-Cranar streng verboten haben: magische Choräle. Anthloza ist sauer auf Garombe, weil sie eine Fremde gebracht und ihr Versteck verraten hat. Doch sie beugt sich Garombes Autorität und tut wie gebeten. Sie zeigt Zephyda, worum es sich bei den verbotenen Riten handelt.
Im Krytomo finden die Gefährten heraus, was es mit dem Vorgang auf sich hat, welcher der Erfüllung der „Quote“ dient. Eine junge, betäubte Motana wird ihres Fötus beraubt, der sofort eingefroren wird. Perry wird stinkesauer und will möglichst bald kämpfen. Aber womit?
Anthloza hat Zephyda in den Zirkel von 20 Sängerinnen gesetzt, der sich auf einer Felsplattform eingefunden hat. Bei dieser Prüfung wird sich zeigen, was Zephyda zu bieten hat – oder ob sie eine Spionin der Besatzer ist. Der verbotene „Choral an den Flügelschlag“ wird angestimmt, und die Wirkung der Psikräfte der Sängerinnen ist schon bald zu bemerken. Zephyda schreit vor psychischen Schmerzen auf. Anthloza sieht verwundert, wie sich die Felsen des Sängerplatzes langsam in die Höhe heben. Immer höher und höher. Bis sie in den Weltraum verschwinden. Zephyda bricht zusammen.
In der Festung beginnen die Gefährten auf getrennten Wegen mit der Befreiung der Gefangenen. Dabei setzen Atlan und Perry nur ihre Kampfsportfähigkeiten ein, und Rorkhete feuert mit seinem Strahler. Leider bleibt es nicht aus, dass Perry und Atlan einer Übermacht der Angreifer unterliegen und gefangen genommen werden. Woher kommen sie, was wollen sie hier, wer hat sie geschickt? Die Elektrofolter wird ihre Zungen schon lockern …
Die ehrfürchtige Anthloza bittet Zephyda, ihre enormen Kräfte zu kontrollieren. Ihre Mitsängerinnen sind von dem letzten Ereignis noch völlig orientierungslos, geradezu psychisch ausgebrannt. Sobald sich Zephyda erholt hat, darf sie sich in die Mitte des Zirkels setzen und Anthlozas Platz einnehmen. Nun ist sie Fokus und Katalysator für die freiwerdenden Psikräfte. Sie stimmt den Choral an den Flügelschlag an. Die Felsen beginnen bald zu schweben …
_Mein Eindruck_
Wenn die Szene in der Festung Krytomo an Matrix (Hauptquartier der Agenten), Mordor (Sauron), Isengard (Saruman) und andere Burgen der unterdrückenden Perversion erinnert, so kommt dies nicht von ungefähr. An solchen Gegenbildern können die Gefährten ihre Menschlichkeit, ihren Einsatz und ihre Fähigkeiten im Kampf unter Beweis stellen. Da aber Rhodan und Atlan nicht bewaffnet sind, muss ein anderer sie wieder aus der Patsche holen: Rorkhete hat einen Ballermann und darf ihn im Falle einer Nothilfe einsetzen, um Wesen zu erschießen. Wie man sieht, ist „Perry Rhodan“ eine Actionserie für Pazifisten.
Dieser eher sattsam bekannten Szenerie steht das exotische Ambiente gegenüber, das wir bereits aus Frank Herberts „Wüstenplanet“ kennen, und zwar aus den verborgenen Sietches der Fremen. Hier werden okkulte und selbstverständlich verbotene Fähigkeiten gezüchtet und ausgebildet. Ebenso geschieht es in dem kleinen Dorf, in dem Anthloza die Anführerin ist.
Wieder einmal kommt es zu einer Offenbarung. Die Heldin, gemeint ist Zephyda, hat bislang nicht an sich selbst geglaubt, wird aber nun unter Anleitung eines Besseren belehrt. Sie muss anerkennen, dass sie über eine mächtige psychische Kraft verfügt, die Felsen – ach was! Berge zu versetzen vermag. Sonderbarerweise scheint dies die junge Motanafrau überhaupt nicht aufzuregen. Sie will bloß ihre Rache an den Unterdrückern. Selbstzweifel fechten sie nicht an, wie es Frank Herbert bei Paul Atreides so seitenlang geschildert hat. Dass sie eines Tages ein Sternenschiff mit ihrem Geist lenken wird, steht für sie außer Frage – als sei es ihre prophezeite Bestimmung. Auch dies wird nicht erklärt. Es ist halt so.
Im Rahmen einer guten Radiostunde erlebt der Hörer hier ein mal mehr, mal weniger actiongeladenes Drama, das es in puncto Produktionsqualität mit einer Star-Wars-Episode aufnehmen kann. Die SF-Handlung, kombiniert mit Fantasyelementen – immer wieder sind Psikräfte am Werk -, weiß für flotte Unterhaltung zu sorgen. Die Guten kämpfen gegen die eindeutig als böse und fremdartig gekennzeichneten Bösen, die igelförmigen Kybb Cranar. Ob sie den Sieg erringen, bleibt abzuwarten. Vorerst wirken Perry und Atlan wie Aragorn und Legolas und müssen die kostbare Zephyda in Sicherheit bringen. Sie spielt inzwischen eine wichtige Rolle. Leider kommt ihre Liebe zu Atlan überhaupt nicht zum Ausdruck.
Natürlich bieten die beiden Gutmenschen Atlan und Rhodan ihre Hilfe an – das ist bereits ein Standardspruch in diesen Hörspielen und so vorhersehbar wie Feuerwerk an Silvester. Aber es gibt noch einen zweiten Standardspruch Rhodans, und der besteht darin, Rorkhete, der sich zu einem verlässlichen Gefährten entwickelt, in allen seinen Vorschlägen kritiklos und ohne zu zögern zuzustimmen. Dadurch erscheint der Sternenadministrator eher wie ein rückgratloses Weichei statt als Herrscher mit eigenem Willen. Ich würde mir von ihm mehr Eigenständigkeit wünschen.
Nur ein Pedant würde daran herummäkeln, dass Perry und Atlan auf allen Welten, auf die sie geraten, keine Probleme mit dem Sauerstoffgehalt der Luft, den Mikroben oder gar der Schwerkraft der Welt haben. Daran ist zu merken, dass alle Planeten im Grunde nur alternative Versionen der Erde sind. Und wenn die Motana mitten im Wald in Baumhäusern leben, so erinnert uns dies entweder an Robin Hood oder an die gute alte Mittelerde. So gesehen, wirken die fremden Welten der Motana, sei es Baikalkejn oder Ashirtumo, fast schon wieder heimelig.
|Die Inszenierung|
So fangen Sternenopern an: mit einer schmissigen Titelmelodie und raunenden Stimmen, die Schicksalhaftes verkünden. Ein Erzähler wie Achim Höppner hat eine recht hohe Autorität und wir glauben ihm seine Geschichte nur allzu gern, wenn er von der Flucht Perrys und Atlans erzählt. Atlan klingt wie Michael Douglas. Ihm und Volker Lechtenbrink als Perry Rhodan nehme ich die Actionhelden ab.
Ihnen stehen zwei gleichwertige Frauengestalten gegenüber: Zephyda, die kämpferische Amazone, und die weise Alte, die Stimme der Vergangenheit. Zwischen diesen steht der zwielichtige Nomade Rorkhete, von dem ich mir einige Überraschungen erwarte. Charles Rettinghaus, die deutsche Stimmbandvertretung von Jean-Claude van Damme, spielt ihn energisch und zupackend.
Insgesamt ist die Musik und die Geräuschkulisse (s. u.) eine ganze Menge Aufwand für eine simple Sternenoper, aber es lohnt sich: Das Hörspiel klingt höchst professionell produziert. Ich könnte Gegenbeispiele nennen, in denen die Musikbegleitung in die Hose ging, aber sie stammen alle nicht von |STIL|.
Die Geräusche können in Sachen Professionalität absolut mit Kinoproduktionen mithalten. Eine große Bandbreite an Sounds charakterisiert die verschiedenen fremdartigen Wesen und Maschinen, die die Helden auf seinen Streifzügen antreffen. Da sausen die Gleiter, da zischen die Strahler. Vielerlei Viehzeugs zwitschert, knurrt und fiept in Wald und Steppe rings um Perry und Atlan. Wenn sie sich auf ihren Folterliegen unter Stromschlägen krümmen, so knistert und prasselt es aus den Boxen.
Die größte akustische Leinwand bemalen jedoch die tausend elektronisch erzeugten Sounds, die der ganzen Handlung erst das kosmische Science-Fiction-Feeling verleihen. Ohne sie könnte es sich ebenso gut um Fantasy auf einem fernen Planeten handeln, wie sie z. B. Jack Vance fabriziert hätte.
Der Abschlusssong von |Camouflage| klingt nach solider deutscher Wertarbeit: mit einem fetzigen Bassriff und einem Sänger, der sich die Feinheiten der englischen Aussprache noch antrainieren muss („head“ klingt wie „hat“). Der Song dauert vier Minuten und ist wenig bemerkenswert. PR-Fans werden ihn sicherlich begrüßen. Mehrere Zitate aus der aktuellen Episode wurden eingeflochten.
_Unterm Strich_
Insgesamt bildet „Die Femesängerin“ einen befriedigenden Abschluss zur zweiten Staffel der Hörspielserie „Perry Rhodan: Sternenozean“. Sie wird offenkundig von Profis produziert, von mancher bekannten Hollywoodstimme gesprochen und liefert einen soliden Gegenwert für den Preis von rund zehn Euronen.
Jugendliche beiderlei Geschlechts zwischen 14 und 17 Jahren dürften sich rasch mit den Helden identifizieren und das ist eine der besten Voraussetzungen, ein treues Publikum aufzubauen. Auch Zephyda ist eine solche Identifikationsfigur, und ich hoffe, dass sie möglichst lange Teil des Serienpersonals bleibt.
Was die Qualität des Inhalts angeht, so darf man wohl kaum tiefschürfende und daher langweilige Monologe erwarten. Vielmehr ist kämpferische Action und romantische Exotik angesagt – das ist genau die Mischung, die auch „Star Wars“ so erfolgreich gemacht hat.
|67 Minuten auf 1 CD|
http://www.perryrhodan.org
http://www.luebbe-audio.de
http://www.stil.name/
[Ausführlicher Überblick über diesen Zyklus der Heftromanserie]http://www.perrypedia.proc.org/Der__Sternenozean__%28Zyklus%29
Ein Toter wird im Kleifarsee bei der isländischen Hauptstadt Reykjavik entdeckt. Nach einem Erdbeben hatte sich der Wasserspiegel gesenkt und ein menschliches Skelett sichtbar werden lassen. Es ist an ein russisches Sendegerät aus dem Jahr 1961 angekettet. Dass es Mord war, belegt ein Loch in der Schläfe des Schädels. Wer ist der Mann, wer war sein Mörder?
Kommissar Erlendur Sveinssons Ermittlungen führen ihn in die fünfziger Jahre, als der Kalte Krieg herrschte. Isländer, die von einer gerechteren und besseren, sprich: sozialistischen Welt träumten, gingen in den fünfziger Jahren oft zum Studium in die DDR. Einer von ihnen gerät unter Verdacht.
Der Autor
Arnaldur Indriðason, Jahrgang 1961, war Journalist und Filmkritiker bei Islands größter Tageszeitung. Heute lebt er als freier Autor bei Reykjavik und veröffentlicht mit großem Erfolg seine Romane. Sein Kriminalroman „Nordermoor“ hat den „Nordic Crime Novel’s Award 2002“ erhalten, wurde also zum besten nordeuropäischen Kriminalroman gewählt, und das bei Konkurrenz durch Håkan Nesser und Henning Mankell!
Die Regie bei dieser Hörspielfassung, die Claudia Kattanek erstellte, führte Martin Zylka, der für den Westdeutschen Rundfunk WDR arbeitet.
Die wichtigsten Sprecher und ihre Rollen:
Bernhardt Schütz: Erlendur Sveinsson, Kommissar
Sandra Borgmann: Elínborg, Polizistin
Michele Cucuiffo: Sigurdur Oli, Polizist
Michael Ewers spricht den Erzähler Thomas
Rita Lengyel spricht Ilona, die ungarische Studentin, die Thomas liebte
Claus-Dieter Clausnitzer spricht den alten Hannes
Daniel Berger spricht den jungen Hannes
Thomas Arnold spricht Lothar
Martin Bross spricht Emil
Und viele andere.
(Alle Angaben sind dem Booklet entnommen.)
Handlung
Es ist Mai, als nach einem Erdbeben der Kleifarvatn-See trockenfällt und eine Spaziergängerin darin ein Skelett findet. Die Knochen sind an ein altes russisches Sendegerät aus dem Kalten Krieg gekettet. Ein klarer Hinweis auf Mord. Kommissar Erlendur Sveinsson und sein Assistent Sigurdur Oli werden eingeschaltet. Erlendur lässt Vermisste aus dem Zeitraum zwischen 1965 und 1975 suchen.
Oli findet heraus, dass in jenem See mehrmals Abhörsender aus Russland gefunden worden waren. Sie hatten eine Reichweite, mit der Spione den Funkverkehr des amerikanischen Luftwaffenstützpunktes in Keflavik nahe der Hauptstadt Reykjavik belauschen konnten. Da meldet eine siebzigjährige Frau, dass ihr Verlobter vor 30 Jahren verschwand. Er nannte sich Leopold, war Vertreter für Baumaschinen und kam daher ganz schön was rum. Die Maschinen stammten allesamt aus der DDR und der Sowjetunion. Eines Tages erschien er nicht mehr bei einem Kunden und verschwand spurlos.
Dieser Hinweis führt zu den Russen. Der Sekretär der Botschaft jedoch gibt sich freundlich, aber völlig ahnungslos. Dabei war Island ein lohnendes Ziel für sowjetische Agenten: Überall auf der Insel hielten sich Amerikaner auf. Endlich meldet sich auch die amerikanische Botschaft: Etwa 1967 kam ein DDR-Vertreter nach Island, verließ es aber nicht wieder, sondern verschwand im Herbst 1968 spurlos. Der Mann nannte sich Lothar Weiser, geboren in Bonn, lange Zeit wohnhaft in Leipzig, DDR.
Bei der deutschen Botschaft erfahren Erlendur und Oli, dass Weiser ein Stasi-Mann war, der 1953 bis 1958 in Leipzig zwecks Observierung der Ausländer arbeitete. Dazu gehörten auch Isländer. Und „Leopolds“ ehemaliger Chef erklärt, die Baumaschinenhersteller aus der DDR hätten ihn praktisch erpresst, den Mann schwarz einzustellen. Dieser „Leopold“ rekrutierte Leute für die Stasi auf Island, damit sie die Amis abhörten. War Lothar Weiser also „Leopold“? Das ist nicht sicher.
Jetzt sieht Erlendur einigermaßen klar. Aber wer ist der Mörder Lothar Weisers – falls dieser das Skelett im See ist? War es ein Mann aus seiner Vergangenheit oder jemand aus Island?
Die Geschichte von Thomas
Die andere Hälfte des Hörspiels besteht aus einem Handlungsstrang, der 45 Jahre vorher einsetzt, im Jahr 1953. Damals geht der isländische Jungsozialist Thomas nach Leipzig, um dort Ingenieurswissenschaften in einem aufstrebenden sozialistischen Staat zu studieren. Aber als er 1956 zurückkehrt, ist er total verändert und verkriecht sich als gebrochener Mann ohne Hoffnung in seinem Haus. Erst 1998, als der Tote im See gefunden worden ist, beginnt er mit der Niederschrift seiner Erlebnisse in Leipzig.
Thomas, der Ausländer, verliebt sich in eine andere Ausländerin, Ilona aus Ungarn. Obwohl sich das Misstrauen gegen die aufmüpfigen Ungarn, deren Aufstand ja 1956 blutig niedergewalzt wurde, auch in Leipzig bemerkbar macht, verschließt der verliebte Thomas die Augen vor der Realität. Er vertraut den falschen Leuten. Und selbst dann noch, als die Stasi zuschlägt und Ilona spurlos verschwinden lässt, kann er nicht glauben, dass ein „sozialistisches Bruderland“ zu so etwas fähig sein könnte.
Man sollte meinen, dass 1990 nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Öffnung der Stasi-Archive Ilonas Spur verfolgbar sein müsste. Dem ist nicht so, wie Thomas bitter feststellen muss. Die Geheimdienste haben 1956 zu gründliche Arbeit geleistet. Wahrscheinlich wurde sie, gebrochen von Folter und Misshandlung, irgendwo in einem Internierungslager zwischen der DDR und der Sowjetunion verscharrt.
Aber wer waren die Verräter? Thomas muss es unbedingt wissen, bevor seine Seele Ruhe finden kann. Und er folgt dem Weg bis zum bitteren Ende. Dort erkennt er, dass er nie einen Freund in Leipzig hatte. Als die Kripo 1998 in sein Haus eindringt, ist er froh, denn das Manuskript seiner Geschichte fertig. Er spannt den Hahn des Revolvers …
Die Inszenierung
Ein trauriges Kapitel in der Geschichte von Isländern, die ihr Glück im Ostblock suchten. In der Schilderung der Erlebnisse, die Thomas in Leipzig hat, legt der Autor eine große Detailkenntnis an den Tag. In der Porträtierung der einzelnen Vertreter der verschiedenen Interessensgruppen an der Universität Leipzig lassen sich die sorgfältige Recherche und der Realitätssinn des Autors ablesen. Man sieht also, dass der reinen Krimihandlung eine ergreifende Geschichte zugrunde liegt, ja, dass der Krimi im Grunde nur eine Fußnote darstellt, in der die losen Fäden zusammengeführt werden.
Die Inszenierung des Hörspiels trägt diesen Voraussetzungen in mehrfacher Hinsicht Rechnung. Zunächst einmal sind die Kripo-Ermittlungen Erlendurs auf Island den Erlebnissen Thomas‘ in Leipzig direkt gegenübergestellt. Während sich die Ermittlung schrittweise der Lösung des Rätsels nähert, verläuft Thomas‘ Geschichte in einer dramatischen Abwärtskurve: Liebe und Verlust Ilonas, der Anwerbungsversuch durch die Stasi, der allgemeine Verrat, die Ausweisung. Das Ende vom Traum eines „sozialistischen Bruderstaates“.
ACHTUNG, SPOILER
Dann das Nachspiel auf Island. Thomas lässt nicht locker in seinem Bemühen, Ilonas Schicksal aufzuklären. Und hier wird das Hörspiel etwas verwirrend. Thomas stößt auf zwei Männer, die er aus Leipzig kennt. Erstens wird nicht klar, wann das war – vermutlich 1961, dann stimmt der Ablauf der Ereignisse. Ich dachte, er würde Hannes wiedersehen, doch es ist stattdessen Emil, der Mann, der sich „Leopold“ nennt.
Das Drama spitzt sich zu, bis es zu einer fatalen Kurzschlusshandlung kommt. Das Ergebnis ist bekannt. Ein weiterer Mann kommt hinzu – wie heißt er? Ist es Lothar Weiser? Nein, anscheinend handelt es sich um Hannes, und der ist bereit, Thomas aus der Patsche zu helfen. Eine gewisse Wiedergutmachung dafür, dass er Thomas in Leipzig fünf Jahre zuvor im Stich ließ (Hannes wurde ebenfalls ausgewiesen). Auf einmal heißt es, Lothar Weiser sei in Gefahr. Wat denn nu? Um im vernünftigen Rahmen der Logik zu bleiben, ist anzunehmen, dass der Tote im See dennoch nicht Lothar, sondern Emil ist.
SPOILER ENDE
Musik und Geräusche
Der Zweiteilung der Handlung in Vergangenheit und Gegenwart entspricht die Musik. Im Hintergrund der Ermittlung Erlendurs erklingt eigentlich nur Konservenmusik, z. B. aus dem Radio oder aus einer Musikbox. Das ist keine Hintergrundmusik im eigentlichen Sinne, sondern nur Teil der Geräuschkulisse, wie sie in jedem Fernsehkrimi zu hören ist.
Das Klappern der Tastatur der Schreibmaschine (er hat keinen PC), auf welcher der alte Thomas tippt, bildet eine Zäsur und die Brücke in die Vergangenheit. Die Szenen in Leipzig sind mit richtig schöner Hintergrundmusik unterlegt: Hier spielt sich das menschliche Drama ab, zumal eine Romanze. Piano, Violine, Flöte, Cello und Oboe bzw. Klarinette sind die vorherrschenden Instrumente, die eine bittersüße Stimmung schaffen, die immer wieder heraufbeschworen wird. Das fand ich sehr gelungen.
Natürlich gibt es auch hier wieder Hintergrundgeräusche, so fährt beispielsweise eine Straßenbahn vorbei. Am Schluss kreischen die Möwen über dem Kleifarvatn wie eh und je, als Erlendur die Hydrologin wiedersieht, die den Toten am Anfang gemeldet hat – der Kreis schließt sich. Bevor die Absage beginnt, erklingt wieder das traurige Piano.
Die Sprecher
Die Sprecher haben die Aufgabe, sowohl Realismus zu vermitteln als auch Emotionalität, um glaubwürdig zu wirken. Zum Realismus gehört, dass der Mitarbeiter der russischen Botschaft einen russischen und der Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft einen amerikanischen Akzent aufweist, der Stasimann verrät einen sächsischen Akzent.
Zur Emotionalität gehört, dass Thomas, die Hauptfigur des zweiten Handlungsstrangs, zunehmend Gefühle zeigt, wenn es um Ilona geht, und aufgeregter wird, je mehr er einsehen muss, dass er sie nicht nur verloren hat, sondern er und sie von denen verraten wurden, die er bisher für seine Freunde gehalten hat. Seine Verzweiflung schlägt in Wut und umgekehrt um, was dann schließlich 1961 in einer Kurzschlusshandlung gipfelt.
Es lohnt sich bestimmt, dieses Hörspiel, das auf nur 54 Minuten eingedampft wurde und somit alles sehr verdichtet darstellt, mehrmals zu hören. Man wird feststellen, dass es nichts von seiner Wirkung verliert, sondern immer weitere Fassetten an Bedeutung preisgibt.
Unterm Strich
Dass Island ein Brennpunkt des Kalten Krieges war, hätte ich nicht erwartet, obwohl es doch die Logik nahelegt: Hier ein Luftwaffenstützpunkt der Amis, dort, nur wenige Kilometer entfernt, die Russen in Murmansk in der Arktis. Es war eine Atmosphäre der gegenseitigen Bespitzelung und des Misstrauens. Dies ist die negative Seite des Sozialismus, den die Isländer kennenlernten.
Dabei gab es offenbar 1953 allen Anlass, den Sozialismus von seiner positiven Seite kennenzulernen: offene Universitäten, preisgünstige Agrarmaschinen, Knowhow-Transfer. Diese Seite wollte Thomas, die Hauptfigur des zweiten Erzählstrangs, kennenlernen und nutzen. Doch der Traum wurde zum Albtraum, der nie zu enden schien. Dann aber bekam er Hinweise auf DDR-Spione auf Island – eine neue Chance, mit den alten Geschichten reinen Tisch zu machen.
Hier findet die Handlung zu einem abschließenden Finale voller Spannung und unerwarteter Enthüllungen. Kommissar Sveinsson wird quasi zum Nachlassverwalter dieses Dramas, das aus dem Kalten Krieg erwuchs und etliche Opfer forderte. Der Traum vom sozialistischen Weltbruderstaat wurde zum Albtraum, und zwar nicht unter Feinden, sondern unter sozialistischen „Brüdern“. Die sowjetischen Invasionen in den sozialistischen Satellitenstaaten DDR (1953), Ungarn (1956) und Tschechoslowakei (1968) werden ausdrücklich in diesem Zusammenhang erwähnt. Dass sich die Amis in Island keinen Deut besser verhielten, ist die Aussage von Indriðasons Thriller „Gletschergrab“.
Das Hörspiel
… verdichtet die doppelte Handlung, die in Vergangenheit und Gegenwart spielt, auf angemessene, aber möglicherweise auch verwirrende Weise. Daher ist es nicht nur angemessen, sondern auch notwendig, das Stück mehrmals anzuhören. Über die Musik, die Geräusche und vor allem die Sprecher kann ich mich nicht beklagen. Beeindruckt hat mich vor allem die Figur des Ich-Erzählers Thomas.
Das Hörspiel kann als Einstieg in die ausführlichere Lesung dienen, doch ich würde sogar noch eher dazu raten, gleich das Buch zu lesen, das schließlich sämtliche Informationen enthält, die der Autor hineingepackt hat, die er für notwendig erachtete, um die Figuren und ihr Handeln zu verstehen. Wer aber mit der Form des Hörspiels als dramatischer Darstellung vertraut ist, dürfte mit der nun vorliegenden Hörspielfassung wenig Schwierigkeiten haben. Dass ich sie dennoch hatte, ist ein Kritikpunkt. Ein weiterer ist der unverhältnismäßig hohe Preis von knapp 15 Euro.
54 Minuten auf 1 CD
Originaltitel: Kleifarvatn, 2004
Aus dem Isländischen übersetzt von Coletta Bürling
ISBN-13: 9783785733998 http://www.luebbe.de/luebbe-audio
Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: (No Ratings Yet)
|Lübbe Audio| vertont die Abenteuer des Kadetten Kantiran und des Sternenadminstrators Perry Rhodan, die in der Unterserie „Sternenozean“ im Perry-Rhodan-Universum spielen. Bislang sind zwölf Hörspiele veröffentlicht, doch will |Lübbe| offenbar vierzig Hörspiele produzieren. Dies ist die zweite Staffel.
Folge 11, Fortsetzung von Folge 8: Der Hypersturm ist vollends ausgebrochen. Der Gefangenentransport mit Kantiran und Mal Deltair ist über der Stadt Vhalaum abgestürzt. Können sich die beiden aus den Fängen Shallowains befreien? (Verlagsinfo)
_Die Reihe_
„Perry Rhodan“ ist die größte SF-Heftchen- und Roman-Reihe der Welt. Eine Vielzahl von Autoren schreibt seit Jahrzehnten für die Reihe, und koordiniert wird dieser Aufwand vom |Pabel|-Verlag in Rastatt. Auch Andreas Eschbach fühlte sich geehrt, einen oder zwei Bände beitragen zu dürfen.
Es gab vor der aktuellen |Lübbe Audio|-Reihe schon Vertonungen der PR-Silberbände, doch nicht in der stilvollen Inszenierung des |STIL|-Tonstudios. Die Romanvorlage für das vorliegende Abenteuerhörspiel stammt von Leo Lukas („Der Ilt und der Maulwurf“).
Die ersten Staffel:
1) [Der Sternenbastard
2) [Die Mascantin
3) [Der Hyperschock
4) [Planet der Mythen
5) [Havarie auf Hayok
6) Das Blut der Veronis
Die 2. Staffel:
7. [Der Gesang der Motana
8. [Sonderkommando Kantiran
9. [Tau Carama
10. [Überfahrt nach Curhafe
11. [Entscheidung in Vhalaum
12. [Die Femesängerin
Die 3. Staffel:
13. [Der Flug der Epha-Motana
14. [Terraner als Faustpfand
15. [Die Sekte erwacht
16. [Der Todbringer
17. [Kampf um den Speicher
18. [Die mediale Schildwache
Die 4. Staffel:
19. [Operation Kristallsturm
20. [Das Land unter dem Teich
21. [Attentat auf Hayok
22. [Kybb-Jäger
23. Auf dem Weg nach Magellan
24. Jenseits der Hoffnung
Die Sprecher / Die Inszenierung
Erzähler: Joachim Höppner (Stimme von „Gandalf“)
Kantiran: Christian Stark
Maykie Molinas: Oliver Rohrbeck (Stimme von Ben Stiller und Michael Rappaport)
Dario da Eshmale: Kaspar Eichel (Stimme von Richard Dreyfuss)
Shallowain: Manfred Lehmann (Stimme von Bruce Willis, Gérard Depardieu, Kurt Russell …)
Icho Tolot: Tilo Schmitz (Ving Rhames, Michael Clarke Duncan)
Gucky: Stefan Krause (Billy „Pippin“ Boyd)
Mal Deltair: Jürgen Kluckert (Morgan Freeman, Chuck Norris)
Eiklpalin: Stefan Fredrich (Jim Carrey, John Turturro)
Und weitere.
Volker Lechtenbrink wurde 1944 in Cranz/Ostpreußen geboren. Bereits als Achtjähriger sprach er im Kinderfunk und stand zwei Jahre später auch schon auf der Bühne. 1959 wurde er durch den Antikriegsfilm „Die Brücke“ (Regie: Bernhard Wicki) bundesweit bekannt. Er besuchte die Schauspielschule in Hamburg und ist heute in zahlreichen TV-Serien zu sehen. Darüber hinaus ist er am Theater tätig, geht auf Tourneen oder wirkt als Intendant. (Verlagsinfo)
Die Hörspieladaption stammt von S. A. Effenberger. Regie, Musik, Ton und Programmierung lagen in den Händen von Christian Hagitte und Simon Bertling vom Ton-Studio |STIL|. „Die Musik wurde exklusiv für die Perry-Rhodan-Hörspiele komponiert und vom Berliner Filmorchester unter der Leitung von Christian Hagitte live eingespielt. Die elektronischen Klänge und Effekte wurden speziell für die Hörspiele vom |STIL|-Team durch den Einsatz von Computertechnik generiert“, heißt es im Booklet. Executive Producer der Reihe ist Marc Sieper.
Am Schluss erklingt der Song „How do you feel? Perry Rhodan Mix“ von der Band |Camouflage|. Der Originaltitel stammt von der LP „Relocated“ (SPV 2006).
Vorgeschichte
Der 14-jährige Junge Kantiran lebt als Sohn eines Terraners und einer Arkonidin als Untertan des Kristallimperiums auf einem friedlichen Agrarplaneten. Nach dem Verlust seiner Eltern, die auf einer Schürfexpedition verschollen, wächst er bei seinen Pflegeeltern Weigel und Arachya auf. Er lernt, dass er die Gabe besitzt, Tiere telepathisch zu lenken und mit ihnen zu kommunizieren.
Ein Sternenkreuzer landet. Der riesigen Kugel entsteigen ein Riese und eine Frau. Es sind die Flottenführerin Ascari da Vivo und ihr Leibwächter Shallowain. Die Admiralin nimmt Kant auf einen kurzen Flug mit, um ihm etwas zu geben: ein Erbstück von seinem Vater. Es sieht zwar aus wie eine terranische Uhr, ist aber ein intelligenter persönlicher Assistent. Er tauft ihn Tonto. Außerdem lädt sie ihn zur imperialen Kadettenschule ein, der Parageta.
Nach drei Jahren ist seine Ausbildung zum Flottenoffizier fast beendet. In vielen Kämpfen hat er sich zum besten Dagorista der Parageta emporgearbeitet. Seit einem Jahr liebt er eine schöne Schneiderin mit dem klangvollen Namen Thereme. Sie arbeitet im Haushalt des Geheimdienstchefs Kilor. Eine Woche vor der Prüfung beehrt ihn sogar der feindliche terranische Resident Perry Rhodan höchstpersönlich mit einem Besuch der Kadettenschule, denn Kantiran bewundert ihn sehr. Er ahnt nicht, dass Rhodan sein Vater ist!
Eines Tages findet Kantiran die Geliebte tot auf. Ein heimtückischer Anschlag mit dem Gift der Trivipern, vermutet Kantirans Freund, der Tierheiler Mal Detair. Da der Geheimdienst, in dessen Haus Thereme wohnte, die Ermittlungen übernimmt, macht Mal Detair seinem neuen Freund Kant keine Hoffnung, dass der Täter je gefunden wird. Also müssen sie ihn auf eigene Faust aufspüren. In der Tierarztpraxis Mals entdeckt er seine telepathische Gabe wieder, die er schon gegenüber den Tieren seiner Heimatwelt angewandt hat.
Die Mascantin Ascari da Vivo, die ihn von seiner abgeschiedenen Heimaltwelt im Hayok-Sektor geholt hat, ist ein wenig besorgt um die geistige Gesundheit ihres Schützlings, als er sich der Abschlussprüfung auf der Welt Iprasa unterzieht. Und tatsächlich muss dort etwas Furchtbares mit ihm geschehen sein, denn er erwacht erst drei Monate nach der Prüfung wieder aus dem Koma.
Bei Mal Detair findet er ein neues Schoßtier, mit dem er telepathisch kommunizieren kann. Kemi ist ein aggressiver Tarox-Marder und hört nur auf seinen Befehl. Er trägt das Tier, das Mal ihm schenkt, wie einen Pelz um den Hals. Und ein Besuch bei der Mascantin eröffnet ihm auch den Weg, wie er an Ascaris vertrauliche Daten über sich selbst herankommt. Und wer weiß, was er dabei auch über den Mord an Thereme entdecken könnte. Der Verdacht, den er schon vor seinem Koma gegen die Admiralin, die direkt dem Imperator unterstellt ist, hegte, muss überprüft werden.
Doch Kantiran findet mehr über seine Identität heraus, als ihm lieb ist: Er ist der Sohn der Mascantin und Perry Rhodans! Sofort bereitet er sich darauf vor, sich an der Mascantin für den Mord an Thereme zu rächen. Leider geht alles schief, und Kantiran und Mal Detair werden gefangen genommen …
In Episode 8 versucht das Sonderkommando der „Liga der terranischen Welten“, Kantiran aus Shallowains Gefangenschaft zu befreien. Doch in der Luftschlacht, die während eines Hypersturms stattfindet, verschlägt es den Gleiter, in dem sich Kantiran und Mal Detair befinden, in eine versteckte Dimension des Raum-Zeit-Kontinuums. Sind sie gerettet? Leider ist auch Shallowain der Weg hierher geglückt, und er versucht, die beiden Entflohenen wieder einzufangen. Doch das Terrain bietet Kantiran unerwartete Möglichkeiten …
_Handlung_
Crash! Aus vier Kilometern Höhe stürzt Icho Tolots Geliter auf die Erde – wo immer das sein mag. Doch da der riesige Haluter über die Fähigkeit verfügt, seine Haut zu einem Panzer zu verdicken, macht ihm der Sturz nichts aus. In seinen Armen überlebt auch der Mausbiber Gucky und erwacht. Zu seinem Verdruss muss er feststellen, dass seine Parasinne gedämpft sind. Und erstaunt stellt er fest, dass jenseits eines Umkreises von acht Kilometern das Nichts beginnt … Wo sind Valhaum, Kantiran, Maykie Molinas?
Mole hängt in einem Baum 15 Meter über dem Boden und wird von hungrigen Geiern angegriffen. Plötzlich zerrt ihn ein Traktorstrahl in eine kleine verborgene Kammer hinter einer Felswand. Dort redet eine Blechkiste, die wie eine hypermoderne Waschmaschine aussieht, mit ihm. Er soll wegen Belästigung der Tierwelt bestraft werden. Mole macht der Blechkiste, die eine Art Zoowärter zu sein scheint, klar, wer hier das Sagen hat: er nämlich! Der Zoowärter willigt ein, Mole zum Energiezaun zu führen, der das ganze Zooareal schützend umgibt. Die Energiequelle des Zauns befindet sich in einem kleinen Häuschen. Dort findet Mole elektronische Anlagen vor! Juppidu, er ist wieder in seinem Element – und beginnt sofort, die Kontrolle zu übernehmen …
Kantiran hat mit seinem Psitalent ein Rudel Hyänen gefunden und die Kontrolle von dessen Leittier übernommen. Er führt sie gegen die nun angreifenden Soldaten Shallowains ins Feld. Doch im entscheidenden Moment stellt sich heraus, dass es für den Erfolg dieses Angriff ein kleines Hindernis gibt: den Energiezaun. Zum Glück schaltet Mole zufällig genau im richtigen Moment den Zaun aus, so dass die Hyänen ihre Attacke fortsetzen können. Shallowains Leute bekommen alle Hände voll zu tun …
Unterdessen befinden sich Icho Tolot und Guicky auf der Flucht über die Steppe. Sie werden von einem Rudel Dinosaurier verfolgt. Genauer gesagt, handelt es sich um Tyrannosaurus Rex! Diese Viecher sind sauschnell und holen die beiden Gefährten rasch ein. Da greift der riesige Haluter zu einer Notmaßnahme. Er wirft Gucky ins Uferschilf eines nahen Sees und stellt sich den hungrigen Angreifern …
_Mein Eindruck_
Das Ambiente des Kristallimperiums hat mich mehr als einmal an das böse Imperium in „Krieg der Sterne“ erinnert: Alles ist auf Unterdrückung, Hass und Zerstörung ausgerichtet. Die Zerstörung ihres Gesichts, die die Mascantin erlitten hat – wunderbar gehässig: Daniela Hoffmann – will sie à la Darth Vader ihrem Sohn heimzahlen. Ihr fehlt nur noch das berühmte Röcheln des imperialen Kommandanten. Diese Rolle hat aber momentan „Shallowain der Hund“ inne, und er zeigt sich als bissiger, aber treuer Kettenhund seines Frauchens.
Auf Seiten der Guten scheint Mole – er hat die deutsche Stimme von Ben Stiller – der Inbegriff der Inkompetenz zu sein, aber dieser erste Eindruck täuscht, denn er führt die Wende herbei, als schon alles verloren zu sein scheint – natürlich mit einem wahnwitzigen Plan. Gucky hat die erstaunliche Fähigkeit der Teleportation und versetzt sich per Willenskraft an jeden beliebigen Ort. Icho Tolot, der riesige Halut, verbirgt in seinem Riesenkörper ein zweites Gehirn, das Plangehirn. Damit verwandelt er sich in einen Mentaten wie in „Dune“ und gelangt zu Berechnungen wie ein Computer.
Gucky, der Kleine, Icho Tolot, der Riese, und Mole, der verkopfte Hacker, bilden ein vielseitig einsetzbares Heroic Trio, wie man es in Eastern-Action-Filmen häufig sieht. Sie würden sehr gut in eine Star-Wars-Episode passen, denn wenn Icho Tolot à la Chewbacca zuschlägt, so agiert Gucky meistens wie sein kleiner, aber agilerer Freund. Mole ersetzt dabei das Duo R2-D2 (als Computerspezialist) und C3-PO (redet mit Maschinen und steuert sie).
Der Zoo in der Valhaum-Minidimension erinnert stark an „Jurassic Park“ und gerät ebenso schnell außer Kontrolle. Dann sind mal wieder die Tyrannosaurier los, was dem heroischen Trio Gelegenheit gibt, seine Kräfte unter Beweis zu stellen. Zu retten gibt es zwar keine Frauen und Kinder, aber Kantiran und Mal Detair sind kein schlechter Ersatz. Jedenfalls ist für Action mit Humoreinlage genügend gesorgt.
|Die Inszenierung|
So fangen Sternenopern an: mit einer schmissigen Titelmelodie und raunenden Stimmen, die Schicksalhaftes verkünden. Ein Erzähler wie Achim Höppner hat eine recht hohe Autorität und wir glauben ihm seine Geschichte nur allzu gern, wenn er von der Flucht Perrys und Atlans erzählt. Atlan klingt wie Michael Douglas. Ihm und Volker Lechtenbrink als Perry Rhodan nehme ich die Actionhelden ab.
Ihnen stehen zwei gleichwertige Frauengestalten gegenüber: Zephyda, die kämpferische Amazone, und die weise Alte, die Stimme der Vergangenheit. Zwischen diesen steht der zwielichtige Nomade Rorkhete, der für einige Überraschungen sorgt, und sei es nur deshalb, weil er der einzige Bewaffnete ist. Charles Rettinghaus, die deutsche Stimmbandvertretung von Jean-Claude van Damme, spielt ihn energisch und zupackend.
Der Mausbiber Gucky, den Stefan Krause, die deutsche Stimme von Billy „Pippin“ Boyd spricht, klingt wirklich nicht größer als eine Maus. Besonders gefiel mir die tiefe Stimme von Tilo Schmitz als Icho Tolot. Man kennt ihn als deutsche Stimme von Ving Rhames und anderen Afroamerikanern. Auch in der Hörspielserie „Offenbarung 23“ ist er als solcher aufgetreten. Sein rauer Bass ist unverkennbar. Und verleiht dem Riesen Icho Tolot auch akustisch eine beeindruckende Statur.
|Musik und Geräusche|
Insgesamt ist die Musik und die Geräuschkulisse (s. u.) eine ganze Menge Aufwand für eine simple Sternenoper, aber es lohnt sich: Das Hörspiel klingt höchst professionell produziert. Ich könnte Gegenbeispiele nennen, in denen die Musikbegleitung in die Hose ging, aber sie stammen alle nicht von |STIL|.
Die Geräusche können in Sachen Professionalität absolut mit Kinoproduktionen mithalten. Eine große Bandbreite an Sounds charakterisiert die verschiedenen fremdartigen Wesen und Maschinen, die die Helden auf ihren Streifzügen antreffen. Da sausen die Gleiter, da zischen die Strahler. Vielerlei Viehzeugs zwitschert, knurrt und fiept in Wald und Steppe rings um Perry und Atlan. Insbesondere die angreifenden Hyänen und Tyrannosaurus-Rexe tragen mit ihren urzeitlichen Lauten viel zum Gefühl der Bedrohung bei.
Sie werden konterkariert von zwei anderen Effekten: die brechenden Zähne eben dieser T-Rexe, für die Icho Tolot verantwortlich zeichnet, und die Stimme der sprechenden Waschmaschine, die ähnlich verfremdet wurde wie die Stimme von C3-PO in „Star Wars“. Wenigstens fiept sie nicht wie R2-D2.
Die größte akustische Leinwand bemalen jedoch die tausend elektronisch erzeugten Sounds, die der ganzen Handlung erst das kosmische Science-Fiction-Feeling verleihen. Ohne sie könnte es sich ebenso gut um Fantasy auf einem fernen Planeten handeln, wie sie z. B. Jack Vance fabriziert hätte.
Der Abschlusssong von |Camouflage| klingt nach solider deutscher Wertarbeit: mit einem fetzigen Bassriff und einem Sänger, der sich die Feinheiten der englischen Aussprache noch antrainieren muss („head“ klingt wie „hat“). Der Song dauert vier Minuten und ist wenig bemerkenswert. PR-Fans werden ihn sicherlich begrüßen. Mehrere Zitate aus der aktuellen Episode wurden eingeflochten.
_Unterm Strich_
Insgesamt bildet „Entscheidung in Valhaum“ eine vielversprechende Fortsetzung zum Auftakt der zweiten Staffel der Hörspielserie „Perry Rhodan: Sternenozean“. Sie wird offenkundig von Profis produziert, von mancher bekannten Hollywoodstimme gesprochen und liefert einen soliden Gegenwert für den Preis von rund zehn Euronen.
Jugendliche beiderlei Geschlechts zwischen 14 und 17 Jahren dürften sich rasch mit den Helden identifizieren und das ist eine der besten Voraussetzungen, ein treues Publikum aufzubauen. Auch Zephyda ist eine solche Identifikationsfigur, und ich hoffe, dass sie möglichst lange Teil des Serienpersonals bleibt. Gucky, Mole und Icho Tolot bilden ein heroisches Trio, das sowohl für Action als auch für Humoreinlagen sorgt und so diese Episode über die anderen heraushebt.
Was die Qualität des Inhalts angeht, so darf man wohl kaum tiefschürfende und daher langweilige Monologe erwarten. Vielmehr ist kämpferische Action und romantische Exotik angesagt – das ist genau die Mischung, die auch „Star Wars“ so erfolgreich gemacht hat. In der Abwechslung liegt das Geheimnis des Erfolgs für solche Unterhaltung, und in der folgenden Episode „Die Femesängerin“ wechselt die Szene wieder mal, denn nun sind wieder Perry und Atlan am Zuge.
|65 Minuten auf 1 CD|
http://www.perryrhodan.org
http://www.luebbe-audio.de
http://www.stil.name/
[Ausführlicher Überblick über diesen Zyklus der Heftromanserie]http://www.perrypedia.proc.org/Der__Sternenozean__%28Zyklus%29
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