1978. In einer eisigen Winternacht wird im schottischen St. Andrews eine junge Frau erstochen. Vier Studenten, alte Freunde, finden die Sterbende, können ihr Leben aber nicht mehr retten. Doch seitdem werden sie von Medien, Polizisten und Verwandten der Toten verdächtigt.
Und 25 Jahre später beginnt ein Unbekannter, späte Rache zu üben: zwei der vier Freunde sterben. Ein Albtraum beginnt. Wird es den beiden Überlebenden gelingen, sich und ihre Familien vor dem Rachefeldzug des Unbekannten in Sicherheit zu bringen? Sie machen sich daran, die fast verjährte Tat endlich aufzuklären, denn nur so kann der Wahnsinn gestoppt werden.
Das Horror-Kabinett DARK DUNGEON zieht alle Register: echte Schauspieler statt Wachsfiguren – und im Keller wird ein ganzer Straßenzug aus dem Jahr 1666 zum Leben erweckt, dem Jahr des Großen Brandes. Auch ich hatte von der Neueröffnung gehört und betrat neugierig die Katakomben. Ich konnte ja nicht ahnen, dass mich im Dungeon mein alter Feind Akim Samaran erwarten würde – und damit ein ganz realer Horror-Trip! (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer 383 gemacht, das erstmalig am 4. Novermber 1985 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.
Als die französische Tierforscherin Diane Thiberge einen kleinen Jungen aus Indonesien adoptiert, ahnt sie noch nicht, dass ihr Leben damit zu einem tödlichen Abenteuer wird. Denn der kleine Lü-sian ist nicht irgendein Straßenkind, sondern ein Schamane: ein „Wächter“.
Rom im Jahr 1623: Während die katholische Welt den neuen Papst feiert, trifft in der Ewigen Stadt die 18-jährige Engländerin Clarissa ein, hungrig auf Leben und Freiheit. Sie stößt auf eine Welt verwirrender Gegensätze: von Glanz und Elend, Chaos und Größe, Freizügigkeit und Maßregelung.
Sie lernt die Liebe in Gestalt von gleich zwei berühmten Männern kennen: Lorenzo Bernini und Francesco Borromini sind die zwei besten Bildhauer und Architekten des 17. Jahrhunderts, aber grundverschieden. Durch die Rivalität der beiden gerät Clarissa in einen Zwiespalt, der sich nur auf tragische Weise auflösen lässt.
Durch ihre Rolle im Hintergrund dieser Künstler erregt sie die Missgunst und schließlich den abgrundtiefen Hass einer mächtigen Frau, und sie kann von Glück sagen, wenn sie das überlebt. Die Romanhandlung erstreckt sich immerhin über 50 Jahre: Clarissa erlebt alle Höhen und Tiefen des Lebens in der Heiligen Stadt.
|Der Autor|
Peter Prange, geboren 1955, studierte Romanistik, Germanistik und Philosophie in Paris, Göttingen und Tübingen. Als Autor von Drehbüchern, Sachbüchern und Romanen hat er sich einen Namen gemacht. Prange lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in Tübingen. (Verlagsinfo)
|Der Sprecher|
Joachim Kerzel, 1941 in Hindenburg/Oberschlesien geboren, erhielt seine Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Als gefragter Synchronsprecher leiht er Jack Nicholson, Dustin Hoffman, Dennis Hopper und vielen anderen Stars seine sonore Stimme. Ganz besonders im Gedächtnis geblieben ist mir seine Beteiligung an der Hörbuchfassung von Stephens Kings „Das Mädchen“, die er zusammen mit Franziska Pigulla bestritt. Seine charismatische Stimme macht aus jedem Gegenstand etwas Grandioses. Daher ist er häufig auch in der Werbung zu hören, so etwa zu den Medienprodukten um Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Verfilmung.
Kerzel spricht die von Tomas Kröger gekürzte Textfassung, der auch Regie führte. Die akustischen Motive (Intro, Extro) trug Michael Marianetti bei.
_Handlung_
Alles beginnt mit einem Ende: Der Papst ist tot, und am 6. August 1623 wird ein Konklave einberufen, um den Nachfolger zu wählen. Schon wenig später heißt es „Habemus papam!“ Der Kardinal, der zuvor Maffeo Barberini hieß, lässt sich nun Papst Urban VIII. nennen. Rom ahnt es noch nicht, aber er soll das Gesicht der Ewigen Stadt grundlegend verändern. Er hat eine lange Liste von Bauvorhaben.
Doch wer soll die Pläne umsetzen? Er lässt Gianlorenzo Bernini rufen, einen 25-jährigen Marmorbildhauer mit den zeichnerischen Fähigkeiten eines Architekten. Die wichtigste Baustelle, um die sich Bernini kümmern soll, ist die Basilika St. Peter, die Kirche der Päpste. Aber damit hat Bernini schwere Probleme, wie sich im Laufe der nächsten Jahrzehnte zeigen soll. Der Petersplatz, den wir heute so bewundern, wird erst im Mai 1667 fertiggestellt. Und das erfordert andere Geister.
|Die Pamphili|
An der Piazza Navona, einem der zentral gelegenen und schönsten Plätze der Altstadt, steht der Palazzo Pamphili. Er ist zu dieser Zeit nicht besonders schön, denn die Pamphilis sind nicht sonderlich reich. Donna Olimpia, 30, empfängt die 18 Jahre junge Lady Clarissa Weltenham aus England. Clarissas Mutter war Olimpias beste Freundin, bevor sie ins neblige Britannien wegheiratete. Und Clarissa möchte gerne römische Luft schnuppern, bevor sie in England den schottischen Presbyterianer McKinney heiratet. Er ist schon 30 und somit geradezu steinalt. Ein Schriftsteller namens William passt auf ihre Tugend auf. Dass Clarissa im Palazzo nächtigt, ist ein wenig illegal, denn ihre Reiselizenz umfasst dies nicht. Aber Clarissa, eine selbstbewusste junge Dame, tut es trotzdem und lernt so den kleinen Sohn Olimpias kennen.
Als der Botschafter sie entdeckt, tadelt er sie erst und ersucht dann daheim um Anweisungen. Bis zur Antwort soll Clarissa bleiben. Sie wird in die Gesellschaft eingeführt, woraufhin es Heiratsanträge hagelt, doch leider ist sie ja bereits vergeben. Sie lässt sich mit dem Titel „Principessa“ anreden und ruft mit ihren klugen Ratschlägen Bewunderung hervor.
|Finstere Machenschaften|
Doch eines Morgens stößt sie auf geheime Machenschaften Olimpias. In einer Kapelle trifft sich die Pamphili mit einem Mönch, der ebenfalls zur Familie gehört. Verstört irrt Clarissa durch die quirlige Stadt. Francesco Castelli sitzt am Petersdom auf einem Baugerüst, als er einen Engel erblickt. Die junge Frau ist blond und schön und erobert sein junges Single-Herz im Nu. Das ist Vorbestimmung, Francesco weiß es. Doch sein Lombardenherz ist auch verschwiegen, und so sehr auch Clarissa – denn es handelt sich um keine andere – auch seine Cherubim bewundert, so übertritt er doch niemals die Grenzlinie des Anstands.
Sie werden lediglich Freunde, und als er sich später den Künstlernamen Borromini zulegt, gerät Clarissa in die Konkurrenzkämpfe zwischen ihm und Lorenzo Bernini. Dieser hat Francesco als Assistent eingestellt, um an dem Entwurf für den Hochaltar von St. Peter zu arbeiten. Die Statik ist knifflig, und Francesco macht einen hilfreichen Vorschlag. Im Lauf der Monate werden nicht nur die beiden Baumeister Freunde, sondern auch Clarissa und Francesco fühlen eine Seelenverwandtschaft. Als er ihr seine Pläne für St. Peters Fassade zeigt, ist sie hingerissen. Borromini hat im Gegensatz zum tüchtigen Bernini wirklich Visionen.
|Das Schicksal hat andere Pläne|
Schließlich steht Clarissa vor der Wahl, wie Borrominis genialer Entwurf für die Piazza Navona für den Petersplatz herangezogen werden kann, ohne dass Bernini ahnt, dass der Entwurf vom seinem Konkurrenten stammt. Und Borromini darf nicht wissen, was Clarissa damit gemacht hat. Denn die beiden größten Baumeister, die Rom seit Michelangelo gesehen hat, sind inzwischen, 40 Jahre und zwei Päpste später, regelrecht Todfeinde geworden. Und ohne Clarissas geschicktes Eingreifen sähe der Petersplatz heute bestimmt ganz anders aus.
_Mein Eindruck_
Dieser historische Roman erzählt die Geschichte einer aufregenden Architekturepoche auf eine menschliche und dramatische Weise, so dass sich der weibliche wie der männliche Leser sehr gut unterhalten fühlen dürfte. Es ist alles da: hochfliegende Ideale und reine Liebe ebenso wie Niedertracht und Boshaftigkeit. Das Ringen zwischen diesen beiden Seiten dauert durch den ganzen Roman hin an und die Frage, welche Seite obsiegen wird, verhilft der Geschichte zu einiger Spannung.
|Dan Brown lässt grüßen|
Für den heutigen Leser ohne die Vorbildung eines Architekten oder Kunsthistorikers bietet sich seit kurzem ein weiterer faszinierender Zugang. In seinem Roman „Angels and Demons“, zu deutsch [„Illuminati“, 110 beschreibt Bestsellerautor Dan Brown viele der in „Principessa“ erwähnten Schauplätze. Allen voran natürlich den Petersplatz in seiner heute noch zu bewundernden Form, aber auch viele der im Barock von Bernini und Borromini konzipierten und ausgeführten Bauten. Dazu gehören mehrere Kirchen, der Vier-Flüsse-Brunnen auf der Piazza Navona sowie das Grabmal des Kardinals Chigi mit seinen verschlüsselten Freimaurer- bzw. Illuminatensymbolen.
Wer diese Baudenkmäler nicht in natura besichtigen kann, der greife einfach zur illustrierten Ausgabe von „Illuminati“ oder „Angels and Demons“. Darin sind nicht nur exzellente Fotografien enthalten, sondern auch Grundrisspläne der wichtigsten Bauten.
|Schicksalsdrama|
Der Autor darf sich natürlich einige Freiheiten gegenüber der überlieferten historischen Wahrheit herausnehmen. Aber was heißt hier schon „Wahrheit“? Die Epoche, von der hier die Rede ist, liegt schon 350 bis fast 400 Jahre zurück. Und die damaligen Chronisten haben selbst ausgewählt, was ihnen erwähnenswert erschien und was nicht. Die Quellen, auf die der Autor zurückgreift, sind leider nicht aufgezählt – schon gleich gar nicht im Hörbuch.
Peter Prange verknüpft nicht nur geschickt die Epoche des römischen Barock mit seiner dramatisch aufbereiteten Handlung. Er zieht auch das Register, das schon Donna W. Cross’ Roman „Die Päpstin“ zu weltweitem Bestsellererfolg verhalf: eine Frau auf dem Papstthron. Dass noch niemand von einer Päpstin namens Olimpia Pamphili gehört hat, ist der einfachen Tatsache zuzuschreiben, dass die bewusste Dame lediglich im Hintergrund regiert hat und ihr Bruder oder Cousin die Tiara trug. Doch die zeitgenössischen Römer wissen Bescheid. Sie nennen sie „Olimpia Pontifex Maximus“. Nur Clarissa weiß, dass Olimpia eine Giftmörderin ist. So schlimm war die frühe Neuzeit – Zustände wie im alten Rom.
|Erotik|
Eine weitere sehr freie Interpretation der Kunstgeschichte ist das Zustandekommen von Berninis faszinierender Skulptur „Verzückung der Hl. Teresa“ (S. 308 in den illustrierten „Illuminati“). Die hl. Teresa von Avila ist mit einem geöffneten Mund dargestellt, der auch von sexueller Verzückung herrühren könnte – und das sieht Lady Olimpia genauso. Allerdings sieht das Gesicht der Skulptur dem von Clarissa Weltenham verblüffend ähnlich, und Olimpia braucht nur zwei und zwei zusammenzuzählen, um zu kapieren, dass Bernini sie mit Clarissa betrogen hat. Jetzt wird verständlich, wie sie zu Clarissas Todfeindin werden konnte („Hell hath no fury like a woman scorned“, wusste schon Shakespeare.)
Leider bleibt die Frage offen, ob es wohl Clarissa mit Bernini getrieben hat. Bei Borromini kommt dieser Verdacht eigentlich nie auf, dafür ist Francesco nicht draufgängerisch genug gezeichnet. Bei Bernini liegt der Fall anders. Das Dingsymbol seiner Bindung an Clarissa ist ein spezieller Ring mit einem großen Smaragd darin. Dieser wechselt mehrmals den Besitzer, und wer will, kann sich danach orientieren, um herauszufinden, wer nun wessen Herz besitzt.
Der Roman ist schon recht geschickt erzählt, aber manchmal beschlich mich durchaus der Verdacht, dass die – im Hörbuch verkürzte Geschichte – nicht weit vom Niveau eines Groschenheftromans entfernt ist.
|Der Sprecher|
Joachim Kerzels tiefe Stimme erweckt die Figuren zum Leben. Mit jeweils charakteristischer Intonierung und Ausdrucksweise stellt er Bernini und Borromini so dar, dass man sie ohne weiteres unterscheiden kann. Für Clarissa und ihre Gegenspielerin Olimpia wählt Kerzel höhere Tonlagen. Die energische Stimme Olimpias, die ja zwölf Jahre älter als Clarissa ist, klingt tiefer als die zaghafte, feinfühlige Ausdrucksweise der Jüngeren. Man sieht also, dass das Personal der Handlung sehr überschaubar ist.
Um bestimmte Extremsituationen darzustellen, kommt Kerzel nicht umhin, seine Stimme entsprechend anzupassen. Als Clarissa aussieht wie von der Pest gezeichnet, die Rom heimsucht, lässt er sie hauchen und keuchen. Auch als Borromini das Zeitliche zu segnen droht, sind spezielle Darstellungsmittel gefragt. Am Grab Borrominis begegnen sich Clarissa und ihr Verehrer Bernini ein letztes Mal. Da bleibt kein Auge trocken, denn es gelingt Kerzel, die tiefe Bewegtheit der beiden Figuren auf den Zuhörer zu übertragen.
_Unterm Strich_
„Principessa“ ist ein sehr kurzweiliger historischer Roman, der dem Leserherz alles bietet, wonach es lechzt: Liebe im Dreieck (oder sogar Viereck), Entführung, Pest und Todesangst, große Leistungen in der Kunst sowie einige Überraschungen, was den Ausgang der ganzen Geschichte betrifft. Vor allem in der Todesszene Borrominis bleibt kein Augen trocken, und auch als sich Clarissa und Bernini an seinem Grab treffen, sollte man eine Großpackung Kleenex hinzuziehen.
Das Hörbuch setzt die Höhepunkte der dramatischen Handlung angemessen, aber leider stark gekürzt um. Der Sprecher Joachim Kerzel macht das Beste daraus und erweckt nach bestem Können die Figuren zum Leben (siehe oben).
Die fünf CDs bieten sechs Fälle des Meisterdetektivs, die jeweils als Hörspiel in den sechziger Jahren vom Saarländischen bzw. vom Bayerischen Rundfunk mit Profi-Sprechern produziert wurden. Leute wie Horst Tappert („Derrick“), Martin Benrath, Peter Pasetti oder René Deltgen kennt man zwar heute kaum noch, aber damals waren sie vielbeschäftigte Schauspieler. Ihre Qualität kommt dem Hörspiel zugute.
_Romantisch: die Pferdeflüsterin und der Hunnenprinz_
Europa im fünften Jahrhundert: Die Völkerwanderung stellt die alten Verhältnisse auf den Kopf, denn das alte römische Reich gehört der Vergangenheit an. Die vordringenden Hunnen aus Zentralasien haben ein weiteres Heer geschlagen: Die Stadt Worms am Rhein wird geplündert. Auf dem Schlachtfeld hat die junge Goldrun ihren Vater verloren, und ein Hunne namens Keve nimmt sie als Sklavin mit nach Osten, ins Hauptquartier.
Goldrun entdeckt ein besonderes Talent, das sie bei den Hunnen, die mit ihren Pferden so verbunden sind, sehr geschätzt macht: Sie ist eine Pferdeflüsterin. Als ein junger Prinz, Attilas Sohn, auf sie aufmerksam wird, wird auch sie in die Staatshändel der Hunnen mit den Römern und Galliern hineingezogen.
_Der Autor_
Tilman Röhrig, geboren 1945 in Hennweiler/Hunsrück, besuchte die Staatliche Schauspielschule in Frankfurt/Main und hatte Engagements in Frankfurt, Bon und Hannover. Außerdem war er sieben Jahre bei den Städtischen Bühnen Köln. Seit 1973 arbeitet er als freischaffender Schriftsteller, Film-, Funk- und Fernsehautor. Für sein literarisches Schaffen wurden ihm zahlreiche Auszeichnungen verliehen, darunter der deutsche Jugendliteraturpreis und der Große Kulturpreis NRW. Röhrig lebt in der Nähe von Köln. (Verlagsinfo)
_Die Sprecher / Die Inszenierung_
Die Hörspiel-Inszenierung prunkt mit mehr als dreißig Sprechern und einer ausgefeilten Orchestermusik. Auf der Liste der Sprecher findet man Angelika Domröse, Friedrich Schoenfelder (dt. Stimme von David Niven), Cathlen Gawlich, Till Hagen (dt. Stimme von Jonathan Pryce), Jürgen Kluckert, Manfred Lehmann (dt. Stimme von Bruce Willis), Jürgen Thormann (dt. Stimme vieler Aristokraten) und viele andere.
Die Bearbeitung des langen Romans erfolgte durch Siegfried Antonio Effenberger. Regie, Hörspielmusik und Ton besorgte Christian Hagitte und Simon Bertling, wobei Hagitte auch das Berliner Filmorchester und den Kammerchor leitete. Tonnachbearbeitung und Schnitt erfolgten durch Sonja Harth, als Produktionsassistenz fungierte Katalin Hartke.
Die besonders schöne Frauenstimme gehört Lili Zahavi, und die prägnante Percussion spielte Tom Marberg. Die mittelalterlichen Instrumente Dulcimer, Cister, Lyra und Monochord bediente Norbert Dobisch. Sie tragen wesentlich zu einem zeitgenössischen Eindruck vom Geschehen im fünften Jahrhundert bei.
_Handlung_
Ein Entsetzensschrei ertönt: „Die Hunnen kommen!“ Und tatsächlich hat Worms am Rhein, die Hauptstadt des Burgunderreiches, allen Grund, entsetzt zu sein. Die Reiterhorden der Eroberer aus den Steppen Asiens haben bereits ganz Osteuropa nördlich des Römischen Reiches unter ihr Joch gezwungen und schicken sich nun als nächstes an, auch die römische Provinz Gallien anzugreifen. Worms ist lediglich eine Station auf dem Weg dorthin, doch es entbrennt eine Schlacht, bei der auch die Hunnen Federn lassen müssen. Das verschafft dem Westen eine Atempause von 15 Jahren. Man schreibt das Jahr 436, als das Reich Burgund untergeht. König Gunther ist in der Schlacht gefallen.
Die zehnjährige Goldrun verliert in der Schlacht ihren Vater, und nur ihre Mutter, ihre Schwester und ihr kleiner Bruder Giselher überleben von ihrer Familie. Sie findet eine verwundete Stute, die sie mit ihrer Stimme besänftigt. Ein Rabenkrächzen schreckt Goldrun auf dem Schlaf empor. Ein Hunne steht über ihr. Er hält sie für einen Blutgeist, denn sie ist über und über mit dem Blut der inzwischen gestorbenen Stute bedeckt. Keve nimmt Goldrun mit. Weinend muss sie von ihrer Mutter Abschied nehmen, die ihr ihr eigenes Kleid gibt.
Auf einem Planwagen treten die gefangenen Burgunderinnen, die für die Hurenzelte der Eroberer bestimmt sind, die lange Reise gen Osten an, zu Großkönig Bledas Hauptquartier. Dieser soll über ihr Schicksal entscheiden. Die Matrone Fulla ruft die Frauen zu Durchhalten und Solidarität auf, und Goldrun findet in dem Mädchen Hildegund eine liebe Freundin. Hildegund ist die Tochter eines königlichen Beraters und recht gebildet. Beide setzen sich für den Junker Walter ein und retten ihm das Leben. Später entsteht zwischen Hilegund und Walter eine feste Bindung.
Bledas (Manfred Lehmann) Bruder Attila konnte die Burgunder nur angreifen, weil es ihm 434 gelungen ist, mit dem Oströmischen Reich unter Kaiser Theodosius II Frieden zu schließen. Attila ist der über den Ostteil des Hunnenreiches herrschende Unterkönig und gönnt Bleda den ganzen Ruhm des Burgunderfeldzuges, doch insgeheim grollt er, dass er zwei Drittel seiner Kriegsbeute an Bleda abgeben muss. Obendrein hat Bleda eine Abmachung Attilas mit den Römern gebrochen und seinen Bruder somit bloßgestellt. Attilas Berater Onogesius (Jürgen Thormann) rät dazu, Bleda sukzessive zu entmachten. Attila giert bereits nach Bledas Blut.
Nach der gewaltsamen Trennung von allen Freunden wird Goldrun im Haushalt Keves untergebracht. Der verheiratete Keve tut dem jungen Mädchen nichts an, sondern lässt es auf dem Gestüt seiner Schwägerin Tarcal arbeiten. Dort erweist sich Goldruns spezielles Talent als Pferdeflüsterin als von großem Nutzen. Sie heilt eine kranke Stute, und deren Stutenfohlen Wildrose wird ihre treue Gefährtin.
Im Jahr 440 trägt ein Schamane Unterkönig Attila die Führerschaft über die Hunnen an. Das Symbol dieser Führerschaft ist ein dem Kriegsgott Mars geweihtes Silberschwert. Das ist ein subversiver Akt und Onogesius rät sofort zur Zurückhaltung – doch der Tag wird kommen, an dem das Schwert jenen Dienst verrichten wird, für den es geschmiedet oder entdeckt wurde …
Nur zwei Jahre später greift Bleda Ostrom an und macht es tributpflichtig. Unmengen von Beute fließen fortan in das königliche Hauptquartier. Die inzwischen 16 Jahre alte Goldrun erhält erstmals Besuch von Hildegund, die nicht nur schon einen Busen hat, sondern auch einen Schatz: Junker Walter. Goldrun hat inzwischen ihre Stellung gefestigt und keine Pläne mehr zu entfliehen (im Gegensatz zu Walter und Goldrun). Keve ist für sie ein Ersatzvater geworden und Tarcal eine Mentorin.
Da kommt der schwärzeste Tag in Goldruns Leben. Auf dem Fest Bledas zu Ehren eines römischen Senators ist ein Narr namens Zerkon aufgetreten, dessen Aufgabe es war, die Römer tödlich zu beleidigen. Das ist ihm vollauf gelungen. Als Belohnung darf sich Zerkon mit Bledas Erlaubnis eine wertvolle Stute aussuchen. Seine Wahl fällt unglücklicherweise auf Wildrose, Goldruns beste Freundin unter den Pferden. Doch von der Mutter getrennt zu werden, würde den Tod von Wildroses Fohlen bedeuten, und so protestiert Goldrun dagegen. Zerkon will es töten lassen, doch Goldrun schreit auf. Als er merkt, wen er zuerst zähmen muss, zerrt er Goldrun in einen Stall, um ihr Gewalt anzutun …
Fünf Jahre später führt Attila den langen geplanten Putsch gegen seinen Bruder aus. Im Jahr 451 greift eine halbe Million seiner Reiter Gallien an, und in Worms und Umgebung hallt wieder einmal der Schrei „Die Hunnen kommen!“ wider. Es kommt zur Entscheidungsschlacht auf den Katalaunischen Feldern bei Paris.
_Mein Eindruck_
Der historische Roman schildert eine für die nachrömische Zeit entscheidende Epoche: den Einfall der Hunnen in Westeuropa sowie ihr ebenso plötzliches Verschwinden. Natürlich ist Attila, die „Geißel Gottes“, nicht nur durch das Nibelungenlied, wo er als König Etzel auftritt, zu einer Legende geworden. Auch in Italien und anderswo erinnert man sich der Grausamkeit seiner Herrschaft nur allzu gut. Es gibt daher auch italienische Monumentalschinken, in denen Attila zur Bedrohung Roms schlechthin hochstilisiert wird.
Der vorliegende Roman ist uns leicht zugänglich, sobald wir einmal eine Verfilmung von „Die Nibelungen“ gesehen oder eine Nacherzählung gelesen haben. Burgunder, Hunnen – alles da. Dass die Hunnen aber eine eigene, durchaus verständliche Kultur und Lebensweise hatten, haben bislang nur die wenigsten Schriftsteller anzudeuten und zu beschreiben gewagt. Zu verpönt ist dieses Volk. (Die Engländer setzten im 1. Weltkrieg sogar die Hunnen mit den Deutschen gleich: „Beware of the Hun out of the sun!“ mahnten die Fliegerinstruktoren. Die deutschen Luftwaffenpiloten nutzten die Sonne in ihrem Rücken, um ihre Gegner, die dadurch geblendet waren, zu überraschen.)
Und nun scheint der Autor dieses berüchtigte Volk sogar zu romantisieren. Die Burgunderin Goldrun verliebt sich gar in einen dieser Barbaren. Herrje, was kommt als Nächstes? Attila auf dem Kaiserthron? Beinahe hätte er es sogar geschafft, sich auf den Thron Westroms zu setzen, sobald er Bleda aus dem Weg geräumt hatte. Doch eine listige Frau machte ihm einen dicken Strich durch die Rechnung. Das ist recht kompliziert erzählt und leider nicht sonderlich anschaulich. Die Folgen sind es umso mehr: Attila greift nun auch die weströmische Provinz Gallien an. Hat er sie erobert, wird ihn sein Weg unweigerlich nach Spanien, Oberitalien und Rom führen. Wie die Geschichtsschreibung lehrt, kam es nicht dazu.
Die zwei völlig verschiedenen Handlungsstränge, die sich nur an ein oder zwei Stellen treffen, dienen dazu, einerseits Frauen – durch Goldruns Schicksal und Romanze – anzusprechen, zum anderen auch Männer, die sich wohl eher für die Rivalitäten unter den Herrschern und Reichen interessieren. Auf dieser Ebene spielt eine ausländische Pferdeflüsterin eine denkbar untergeordnete Rolle. Doch für den Leser wird Goldrun wichtig als Beobachterin.
Die Hunnen erscheinen uns als ein Nomadenvolk, das seine Pferde liebt. Schon von klein auf lernen die Knirpse, ein Pferd zu reiten und zu pflegen, so dass sie schließlich eine Einheit bilden. Je edler die Pferdezucht, desto größer daher auch das Ansehen desjenigen, der diese Pferde reiten und zur Verfügung stellen kann: der König in der Regel. Zerkon braucht Attilas und Bledas ausdrückliche Erlaubnis, sich so ein edles Tier unter den Nagel zu reißen.
Nun erscheinen uns durch Goldruns Augen die Hunnen als ein tierliebes und naturverbundenes Volk, doch das bedeutet überhaupt nichts, wenn es um Menschen und insbesondere um unterworfene Ausländer geht. Für Letztere gelten keine Blutsbande und die üblichen familiären Rücksichten. Frauen werden in der Regel versklavt und daher von jedermann benutzt. Goldrun ist also eine seltene Ausnahme. Dass ein hunnischer Fürstensohn um sie freit, grenzt an ein epochales Wunder. Wenn das mal gut geht.
|Die Sprecher / Die Inszenierung|
Die Sprecher spielen und sprechen ihre Rollen recht gut. Ganz besonders gut gelingt dies Jürgen Thormann, der die Rolle des einflussreichen und listigen Ratgebers Attilas spricht: Onogesius. Auch Manfred Lehmann, der Synchronsprecher von Bruce Willis, hat eine eindrucksvolle Rolle auszufüllen, doch die demütigende Arroganz, die er seinem Bleda verleiht, macht diese Figur weiß Gott nicht sympathischer.
Mit Angelika Domröse und Friedrich Schoenfelder (Erzähler) sind zwei Altstars vertreten, die nicht allzu sehr ins Gewicht fallen, weil sie Nebenrollen zu sprechen haben. Auch die Sprecher von Keve, Zerkon und dem Fürstensohn stehen nicht im Vordergrund, aber sie müssen ebenso glaubwürdig erscheinen wie der Rest des Teams. Fällt einer aus, so fällt ein Schatten des Zweifels auf den Rest der Riege. Glücklicherweise gibt es hier wenig zu krisitieren. Zerkon als Schurke ist natürlich wieder mal der Unsympath in Person, aber sein Sprecher scheint seine fiese Rolle zu genießen.
|Musik und Geräusche|
Geräusche und Hintergrundstimmen gibt es relativ wenige, so zum Beispiel in der Schlacht um Worms, die am Anfang steht, oder während der Gelage, die an König Bledas Hof stattfinden. Diese Szenen sind natürlich besonders lustig. Dafür gibt es aber umso mehr Musik, die wirklich mitreißend ist. Ich könnte mir solche fetzigen Klänge durchaus in einer der Verfilmungen über Attilas Leben – da war doch was in 2004 – vorstellen. Die volkstümlichen Instrumente und Melodien tragen viel zum Zeitkolorit bei, das der Glaubwürdigkeit des Hörspiels gut tut. Allerdings gibt es hin und wieder auch Mönchschoräle und klagende Frauenstimmen, die ich fehl am Platz fand, obwohl sie natürlich auch in die Zeit passen (durften Frauen damals schon solo singen?).
_Unterm Strich_
Die dramaturgische Umsetzung der literarischen Vorlage erscheint mir in der gebotenen Kürze durchaus gelungen. Das Hörspiel durfte nicht zu lang sein – erstens wegen der möglichen Ermüdung des Hörers und zweitens wegen der Produktionskosten. Denn so ein Hörspiel mit Musik, Geräuschen und einer riesigen Schar Sprecher ist wie eine Theaterproduktion und verursacht entsprechende Kosten. Daher hat Lübbe die Produktion an das Studio STIL ausgelagert und fungiert lediglich als Vertriebspartner. Die Leute von STIL verstehen etwas von diesem Geschäft.
An Spannung lässt das Hörspiel aber erheblich zu wünschen übrig. Denn einerseits weiß man schon frühzeitig, dass Attila seinen Bruder irgendwann kaltmachen wird, denn Bleda taucht in der Überlieferung überhaupt nicht auf. Die halbwegs spannende Frage ist, wann Attila zuschlagen wird. All die Händel mit Ost- und Westrom interessieren im Grunde nicht und werden auch dementsprechend in Erzählerprosa abgehandelt. Die Zusammenhänge sind für das Verständnis der folgenden Szenen allerdings notwendig.
Ist aber wenigstens Goldruns Handlungsstrang spannend? Freunde von „Hanni und Nanni auf dem Pferdehof“ kommen hier voll auf ihre Kosten, und auch Anhänger von heißen Liebesnächten mit wilden Männern gehen nicht leer aus. Doch es kommt der Tag, an dem auch die junge Goldrun vor der Wahl steht abzuhauen oder zu bleiben. Sie schließt einen Kompromiss, doch ihr Hunnenlover kommt ihr auf die Schliche. Was für ein weiches Herz er nun an den Tag legt! Die List der Frauen erweist sich mal wieder als erfolgreich. Ganz besonders dann, wenn sie zusammenstehen.
Das Hörspiel ist unterhaltsam und lebhaft gestaltet. Freunde historischer Romane können sich auf eine gelungene Umsetzung freuen, aber vielleicht wünschen sie sich auch eine vollständige Lesung der literarischen Vorlage. Sicherlich hat der Dramaturg etliches weggelassen, was Leser des Buches vermissen dürften. Aber das war ja auch schon bei Hörspiel von Ken Folletts [„Die Säulen der Erde“ 1227 so.
_Liebe, Trug und Tod: unterhaltsamer Episodenroman_
Eine geheimnisvolle Kugel rollt durch die Zeiten. Sie wurde im antiken Indien von einem Zauberer geschmiedet und endet im heutigen New York City. Nur ganz bestimmte Menschen haben die Fähigkeit, ihren besonderen Klang zu hören, einen Klang, der ihrem Leben eine neue Richtung gibt, der sie bezaubert, animiert (auch erotisch) und inspiriert.
Als der verhinderte Schriftsteller Izaak in New York die Kugel von einer schönen Unbekannten erhält, verändert sich auch sein Leben auf mysteriöse, aber positive Weise: Endlich findet er den Stoff und die Kraft für seinen großen Roman, nach dem er so lange gesucht hat. Doch das ist erst der Anfang seiner New Yorker Abenteuer.
_Der Autor_
Frederik Hetmann alias Hans-Christian Kirsch, geboren 1934 in Breslau, Oberschlesien, lebt heute als freier Schriftsteller in Limburg an der Lahn. Er wurde bekannt durch seine zahlreichen Editionen über die Märchen des keltischen Kulturkreises (bes. Irland) und durch Biografien über Rosa Luxemburg, Georg Büchner, Francisco de Goya, Martin Buber, Martin Luther King und Che Guevara – Letztere habe ich seinerzeit mit Begeisterung gelesen. Sein historischer Roman „Yoshiwara oder die schwankende Welt“ (1997) erschien unter seinem Namen Hans-Christian Kirsch. (Verlagsinfo)
Mehr Info: http://www.hans-christian-kirsch.de.
_Die Sprecher_
Joachim Fuchsberger erlangte in den 60er Jahren als Kommissar in Edgar-Wallace-Verfilmungen seine erste Popularität. In den 70er und 80er Jahren unterhielt „Blacky“ die deutsche Fernsehnation mit mehreren erfolgreichen Shows. Er spielte in rund 90 Filmen, war Moderator in über 500 Fernsehsendungen und brachte seit den 1990er Jahren seine Wahlheimat Australien in Form seiner Filmreihe „Terra Australis“ dem deutschen Fernsehpublikum nahe. (Verlagsinfo)
Nina Ruge, geboren 1956, studierte Biologie und Germanistik. Bereits während ihrer Zeit als Lehrerin nahm sie Schauspielunterricht. Seit 1989 arbeitet sie beim ZDF, und seit 1997 moderiert sie werktäglich die Sendung „Leute heute“, die sie bei einem Millionenpublikum bekannt gemacht hat. (Verlagsinfo)
Die Musik trug Andy Matern bei. Der Text wurde von Dr. Gabriele Kreis bearbeitet und gekürzt. Folgende Kapitel fehlen im Hörbuch:
Kap. 8: Die Kugel rollt von West nach Ost
Kap. 9: Im Besitz eines Dichters (Francois Villon)
Kap. 11: Die Neue Welt kommt in Sicht
Kap. 12: Tam Lin oder Die Kugel in Schottland
Kap. 22: Epilog
_Handlung_
In der Gegenwart ist in New York City die Rahmenhandlung angelegt, die immer wieder von Blöcken aus Erzählungen um die magische Kugel unterbrochen wird. Es erscheint mir sinnvoll, zunächst einen Großteil der Rahmenhandlung wiederzugeben, denn alle Erzählungen aufzuführen, wäre wenig sinnvoll und würde auch keinen Zusammenhang ergeben.
|Die Rahmenhandlung|
New York City ca. 2000-2001. Der Kultur- und Literatur-Journalist Izaak hat den Traum, einen großen Roman zu schreiben, hat auch eine Idee, aber weder Zeit noch Kraft, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Seine Tochter Rosalie lebt bei ihrer Mutter, von der er sich scheiden ließ. Zur Ablenkung geht er ins Planetarium in eine Show über den Halley’schen Kometen, der alle 76 Jahre wiederkehrt.
Eliza Marlowe fragt ihn, ob es Leben auf anderen Welten gebe. Sie gehen zum Gespräch in den Vorraum. Wow, staunt er: sie ist rothaarig! Ende 20, Anfang 30, große Brüste. Eliza ist Kunsthistorikerin und Blumenhändlerin. Nach Kaffee, Essen und Wein muss er sie heimbringen, in ein Haus am Central Park Ost. Dort zeigt sie ihm eine Metallkugel, deren feinen Klang nicht jeder Mensch hören kann. Kaum hört er den fernen Klang, fühlt sich Izaak inspiriert. Eliza leiht sie ihm und küsst ihn stürmisch zum Abschied. Er fühlt sich endlich in der Lage zu schreiben.
Als Eliza Tage später wieder anruft, beschwert sie sich über sein Fernbleiben und erbittet die Kugel zurück. Besorgt um seine Kreativität, trifft er sie sonntags im Metropolitan Museum. Nach einem Schäferstündchen bei ihr sagt ihm Eliza, dass sie den Klang der Kugel nicht hören könne. Aber sie habe einen „Sugardaddy“, der sie höre und haben wolle. Ein „Sugardaddy“? Einen Gönner, den sie ein wenig „verwöhne“. Er sei ein reicher alter Banker, dieser Shmul.
Izaak ist nicht dumm und bittet seinen alten Vater Mendel, einen Metallhandwerker, ihm eine Fälschung anzufertigen. Der Silberschmied hat seine Eltern im KZ verloren und als einziger der Familie, die aus Krakau stammt, überlebt. Eliza übergibt die Kopie für 500 Dollar an Shmul, dieser lässt sie begutachten und erfährt, dass man ihn verarschen will. Die echte Kugel verhilft indessen Izaak zu einem Höhenflug der Inspiration. Er ahnt nicht, was sich zusammenbraut.
Denn Shmul ist nicht irgendjemand, sondern ein ehemaliges hochrangiges Mitglied der New Yorker Mafia. Mit wahrem Namen heißt er Samuel Salamander alias Shmul das Kinn. Nach einem Bandenkrieg musste er sich von diesem Milieu distanzieren und ging in Kunstmuseen. Dort lernte er die Kunsthistorikerin Eliza Marlowe kennen. In der Society weiß man über ihre Kugel Bescheid, und er möchte das Wunderding seiner Tochter Marcia zur Hochzeit schenken.
Als er Eliza besucht, gibt er endlich seine wahre Identität preis. Sie legt ihm ihre Gründe dar, warum Izaak unbedingt die echte Kugel behalten muss: damit erschreiben kann. Er lernt Izaak kennen und erfährt von dessen Traum, eine Filmdokumentation über Herman Melvilles Romanschauplätze in der Südsee zu drehen. Und Shmul kennt auch schon einen Produzenten, den er auf der Hochzeitsparty treffen will. Doch als es um die Kugel geht, bietet Izaak an, dass Mendel ihm stattdessen seinen Kabbalabaum schenkt. Genau von dieser Metallskulptur hat Shmul geträumt. Doch auf der Hochzeit kommt es zu einem blutigen Zwischenfall, der alles verändert …
|Der Anfang der Kugel|
Natürlich ergibt sich aus der Existenz der Kugel in den Händen von Eliza Marlowe und Izaak zunächst die Frage, wie sie nach New York City gelangte. Aber die wichtigste Frage von allen ist die nach ihrem Ursprung.
Es war einmal ein Prinz Amatu, der im fernen Indien alles hatte, was sein Herz begehrte, außer einer Frau. Sein bester Freund Freund war der Flötenspieler Pandith. Wenn sie zusammen musizierten, spielte Prinz Amatu die Sitar. Sein Vater lässt ihm ausrichten, dass er für ihn eine Frau im fernen Samarkand jenseits der Berge gefunden habe: Prinzessin Miribil. Die Hochzeit, die in drei Monaten stattfinden soll, beschert Prinz Amatu erotische Träume, aber auch Zweifel, ob er der Prinzessin würdig sei. Denn im Gegensatz zu Pandit ist er selbst relativ hässlich. Heimlich schickt er ihr daher Pandits Konterfei statt seines eigenen.
Nun braucht er noch etwas Besonderes als Hochzeitsgeschenk. Er beauftragt seinen Hofmagier, etwas Schönes zu schaffen. In einer Vollmondnacht und wenn die Venus richtig steht, wird die Kugel gegossen und geschmiedet. Um den Zauber zu bewirken, beschwört der Magier eine Mondfrau, die nicht nur ihren besonderen Segen gibt. Sie nimmt die fertige Kugel, lässt sie zwischen ihre Brüste rollen und gibt sie zurück. Der Zauber ist perfekt: Derjenige, der den leisen Klang der Kugel vernehmen kann, wird seine Lebenswege überdenken, sich zur Verwirklichung angespornt fühlen, doch die Kugel an sich erfüllt keine Wünsche. Und was der Busenzauber der Fee bewirkt, zeigt sich ebenfalls schon bald …
|Wie es der Kugel im ersten Abenteuer erging|
Mit seinem treuen Pandit reiste Prinz Amatu über die Berge nach Samarkand, um Prinzessin Miribil zu heiraten. Doch ein Sandsturm begrub die Karawane in der Wüste vor der Stadt. Nur Pandit überlebt und findet im Sand die Kugel und seine Flöte. Er ist schon fast verdurstet, als ihn ein Suchtrupp findet. Im Palast des Sultans erkennt die Prinzessin auf Anhieb ihren Verlobten. Sie hört den Klang der Kugel und verliebt sich auf der Stelle in den Jüngling. Pandit hat nichts dagegen einzuwenden, denn auch er ist verzückt von Miribils Schönheit.
Sie vollziehen die Ehe, sobald sie geheiratet haben, und bekommen einen Sohn. Bei Zweifeln konsultiert Pandit stets die Kugel und sie bestärkt seine Wünsche. Doch so viel Liebe und Glück auf einem Haufen erregt den Neid des stets missgünstigen und intriganten Hofstaats. Da muss ein Zauber im Spiel sein, heißt es. Was hat es nur mit der Wunderkugel auf sich? Der Wesir des Sultans schickt nach Rawalpindi zu Prinz Amatus Vater und erfährt die Wahrheit: Pandit ist ein Hochstapler! Die Folgen sind schrecklich …
Ein Dieb gräbt die Kugel wieder aus dem Wüstensand aus und verkauft sie in Palästina. Und so beginnen die vielfältigen Abenteuer der Kugel mit Liebe, Täuschung und Tod.
_Mein Eindruck_
Die Wechselfälle des Lebens und der Liebe bilden die Substanz und den Motor, der die sowohl die Episoden- als auch die Rahmenhandlung vorantreibt und ausmacht. Wenn sich Izaak und Eliza Marlowe kennen und lieben lernen, so ist dies ja schön und gut. Wünsche gehen in Erfüllung, ein Roman wird geschrieben, ein Kind kommt zur Welt. Liebende folgen ihrem Herzen statt ihrem Verstand (sofern noch vorhanden), ganz besonders auch dann, wenn ihre Beziehung Schranken überschreitet und Grenzen überwindet. Häufig wird die Ehe gebrochen, überdurchschnittlich oft von Frauen initiiert. Romantischer geht’s nicht mehr.
|Notwendige Gefahr|
Interessant wird die jeweilige Geschichte also erst durch die Gefahren, die dieser Liebe jeweils drohen. Der Ex-Mafioso Shmul Salamander könnte zu so einer Gefahr werden, aber auch er wird auf den rechten Weg geführt. Wie dies geschieht, hat des Öfteren schon etwas märchenhafte Züge und gewisse Aspekte, die die empirische Wirklichkeit überschreiten und dem Text Poesie verleihen. Wie weit der Leser bzw. Hörer bereit ist, auf diesem Weg mitzugehen, ist individuell sicher verschieden.
|Irene und Joachim 1900|
Das Kapitel, das mir am besten im Gedächtnis geblieben ist, spielt im China des Jahres 1900, als dort der Aufstand der Boxer tobt, der die ausländischen Repräsentanten (Botschafter, Kaufleute, vor allem aber Missionare) vertreiben soll. Der Deutsche Joachim Kortmann lernt auf dem Schiff nach Shanghai ein britisches Ehepaar kennen, das ebenfalls nach Peking unterwegs ist. Während der Mann ein fähiger Soldat, aber grober Gatte ist, muss die Ehefrau ständig klein beigeben.
Joachim verliebt sich in Irene und fragt sich, wann sich seine Wünsche jemals erfüllen werden. Dass auch Irene so fühlt, zeigt sich, als das Viertel der Gesandtschaften in Peking von den Aufständischen angegriffen wird. Während der Brite Entsatz holt, um die Angreifer in ihrem Rücken zu attackieren, kommt es mit Hilfe der Kugel zu einer heißen Affäre zwischen den Liebenden. Ob diese Liebe eine Zukunft hat, steht auf einem anderen Blatt. Man bedenke: Mit der Kugel sind nicht nur Liebe und Täuschung verbunden, sondern auch der Tod.
|Kein Missbrauch|
Ich habe mich stets gewundert, dass sich die Macht der Kugel nicht missbrauchen lässt, beispielsweise von einem Serienmörder. Wenn man von Missbrauch überhaupt einmal sprechen kann, so findet er im Glücksspiel statt – mit meist fatalen Folgen für den Besitzer der Kugel. Warum fördert die Kugel also nicht auch Hass und Zwang, sondern vielmehr Hingabe und Liebe? Offenbar ist mit der Kugel-Magie nicht nur Altruismus verbunden, sondern auch die Notwendigkeit, ihr Wirken zu verbergen.
Das muss auch der Großmeister des Templerordens auf Mallorca erfahren. Er wird wegen Hexerei und Ketzerei verfolgt, zumindest nominell, denn im Grunde geht es dem Papst und seinem Helfershelfer, dem französischen König, darum, den allzu mächtig gewordenen Templerorden zu beseitigen, um jeweils die eigene Macht zu festigen. Der Großmeister muss seine Familie in die Fremde schicken, um sie in Sicherheit zu bringen. Ihre Wege führen nach Krakau. (Womit sich ein Anknüpfungspunkt zu Izaaks und Mendels Familie ergibt.)
Die Kugel der Wunschförderung kann also nur im Verborgenen wirken und zwar stets im Zeichen der Venus. Dafür hat der Zauber der indischen Mondfrau gesorgt. Es wäre eine schöne Welt, wenn man sich diese Macht als tatsächlich existent vorstellen könnte. Die Fakten sprechen leider täglich dagegen. Aber vielleicht ist das Buch „Traumklänge“ deshalb „Das längste Märchen, das es je gab“, wie der Titel vollständig lautet.
|Literarische Vorbilder|
Worauf es ankommt: Ergibt das Kaleidoskop der Episoden ein zusammenhängendes Panorama nach dem Vorbild des „Decamerone“ von Boccaccio oder des „Heptamerons“ der Margarete von Navarra? Doch hieße dies vielleicht, zu viel erwarten. Diese Vorbilder sollten ihre Zuhörer – alle Literatur wurde damals mündlich erzählt – und späteren Leser auf erotische Weise unterhalten, um die Schrecken der Welt vergessen zu lassen. Dies gelingt Hetmanns Roman durchaus. Und das ist sicherlich kein geringes Verdienst.
|Die Sprecher|
Nina Ruges Vortragsstil hat mir sehr gefallen. Sie spricht deutlich, nicht zu schnell und hat auch mit fremden Namen keine Probleme. Mit ihrer sanften, relativ tiefen Stimme trägt sie die Mehrzahl jener Kapitel vor, in denen weiblichen Hauptfiguren vorkommen. Das liegt ja auch nahe.
Joachim Fuchsbergers Vortrag merkt man hingegen an, dass das Vortragen an sich und vor allem über eine längere Zeitspanne eine recht anstrengende Angelegenheit sein kann. (Das fand schon Helmut Rellergerd alias Jason Dark heraus, der ja auch nicht mehr der Jüngste ist.) Man hört „Blacky“ deutlich einatmen, und allein schon dieses Geräusch vermag den Hörer abzulenken. Aber es handelt sich keineswegs um Schnaufen oder gar Keuchen. Zum Glück tritt dies nur in ein oder zwei Kapiteln verstärkt auf. Fuchsberger liest vor allem die Kapitel der Rahmenhandlung und jene Kapitel, in denen männliche Hauptfiguren auftreten.
Die Musik von Andy Matern leitet das Hörbuch ein und bildet auch den Ausklang. Geräusche gibt es keine. (Dabei wäre es ja zu schön gewesen, wenn auch ich unter der Auserwählten gewesen wäre, die den fernen Klang der Kugel hören können.)
_Unterm Strich_
Mir hat Hetmanns Roman angenehme Unterhaltung beschert, und weder Sinnlichkeit noch Humor sind dabei zu kurz gekommen. Es ist in vielen Szenen ein Märchen, in dem ja Wünsche in Erfüllung gehen. Dass dabei auch die Anderswelt betreten wird (im Kapitel „Tam Lin“, das im Hörbuch fehlt), verwundert daher nicht, verrät aber auch Hetmanns Vorliebe für keltische Feen- und Andersweltmärchen.
Aber wenn es in diesem Buch schon um Herzenswünsche und ihre bedingte Erfüllung gehen soll, so sind sicherlich auch die Wünsche des Leser bzw. Hörers von Bedeutung. Und ich hätte mir wesentlich mehr Action, mehr Tempo und mehr Sex gewünscht. Hetmanns Buch hätte durch solche Merkmale vielleicht weniger Leser gewonnen und so manchen Lektor vor den Kopf gestoßen. Aber herrje, nicht jeder Wunsch kann auf allgemeine Zustimmung stoßen, nicht wahr? Insofern hält sich dieser Roman an die Altersfreigabe ab 12 Jahren. Für sittlich gereiftere Menschen findet sich bestimmt auch aufregendere Literatur.
|Das Hörbuch|
Die Vortragsweise von Ruge und Fuchsberger macht den Genuss des Hörbuchs zu einem angenehmen Erlebnis. Großartige Sprachakrobatik wie von Rufus Beck sucht man hier allerdings vergeblich. Auch die Abwesenheit von Musik und Geräusch im Hauptteil – Musik gibt es nur als Intro und Extro – hebt diese Produktion nicht aus der Masse der Hörbücher heraus. Das besorgt schon eher der Preis, der mit rund 25 Euro für 4 CDs ungewöhnlich hoch ist.
|313 Minuten auf 4 CDs|
Venedig, 1830. Magie ist alltäglich, Stadtgardisten reiten auf steinernen Löwen durch die Gassen. Arcimboldo, der 15-jährige Lehrling eines Spiegelmachers, findet am Ufer der Lagune die schwer verletzte Meerjungfrau Unke. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg in die Tiefen der See – durch die Ruinen versunkener Reiche, in die Welt der grausamen Meerhexe … (Verlagsinfo)
Der Brennende Schatten“ ist das Vorspiel zu „Die Fließende Königin“, dem ersten Band der Trilogie „Merle und die Fließende Königin“ (s. u.).
_Der Autor_
Kai Meyer, Jahrgang 1969, studierte Film, Philosophie und Germanistik und arbeitete als Redakteur. Er schrieb schon in jungen Jahren und lieferte u. a. ein paar Jerry-Cotton-Abenteuer. Sein erster großer Erfolg war „Die Geisterseher“, eine historische „Akte X“. Seit 1996 ist er freier Schriftsteller und Drehbuchautor. Bisher sind rund 40 Romane von ihm erschienen. Selbst Kritiker waren von seinem historischen Mystery-Thriller „Die Alchimistin“ begeistert, später folgten „Die Fließende Königin“ und „Göttin der Wüste“. Bei |Loewe| erschien mit den „Wellenläufern“ ein Jugend-Fantasyzyklus. „Frostfeuer“ aus dem Jahr 2005 ist eigenständiger Jugendroman. Das Buch wurde mit dem internationalen Buchpreis CORINE ausgezeichnet.
Die Trilogie „Merle und die Fließende Königin“:
1) Die Fließende Königin
2) Das Steinerne Licht
3) Das Gläserne Wort
_Kai Meyer bei |Buchwurm.info|:_
[Interview mit Kai Meyer]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=11
[„Die Vatikan-Verschwörung“ 3908 (Hörspiel)
[„Die Wellenläufer“ 3247 (Hörbuch)
[„Die Muschelmagier“ 3252 (Hörbuch)
[„Die Wasserweber“ 3273 (Hörbuch)
[„Frostfeuer“ 2111 (Hörbuch)
[„Die Alchimistin“ 73
[„Das Haus des Daedalus“ 373
[„Der Schattenesser“ 2187
[„Die Fließende Königin“ 409
[„Das Buch von Eden“ 890 (Hörbuch)
[„Das Buch von Eden“ 3145
[„Der Rattenzauber“ 894
[„Faustus“ 3405
[„Seide und Schwert“ 3558 (Das Wolkenvolk 1)
_Die Inszenierung_
Die Sprecher und ihre Rollen:
Peter Fitz: Erzähler
Laura Maire: Unke
Florian Seigerschmidt: Arcimboldo
Martin Bross: Umberto
Mechthild Großmann: Meerhexe
Maximilian Hilbrand: Kapitän Christo
Ernst August Schepmann: Prof. Burbridge
u. v. a.
Der WDR produzierte dieses Hörspiel im Jahr 2005. Für die Musik und Komposition zeichnet Rainer Quade verantwortlich, als Toningenieure arbeiteten Markus Haßler und Benno Müller vom Hofe, Regie führte Jörg Schlüter. Dramaturgie und Redaktion gehen auf das Konto von Ulla Illerhaus.
Mehr Infos: http://www.wellenreiter.la
_Handlung_
|Prolog.|
Im Reich der Meerhexe gibt es einen Eindringling: eine unbekannte Meerjungfrau. Diese nennt sich Unke und hat ein Geschenk für die mächtige alte Herrscherin. Sie äußert einen ungewöhnlichen Wunsch: Sie will die Beine einer Menschenfrau haben. Sehr seltsam, findet die Meerhexe, und ihre Nixen wundern sich. Unke gibt als Grund an, dass sie sich in einen Menschenjungen verliebt habe. Mit dem wolle sie zusammen sein, aber das gehe nicht, wenn sie noch einen Fischschwanz besitze, ihren Kalimar. Denn die Menschen verfolgen bekanntlich alle Meerjungfrauen, warum auch immer.
Die Meerhexe wendet ein, dass der Junge Unke trotz ihrer Menschenbeine nicht küssen würde, denn sie besitze immer noch ihr Haifischmaul. Das solle sie mal ihre Sorge sein lassen, meint Unke. Na schön, willigt die Meerhexe ein, aber unter einer Bedingung (lies: der Haken beim Deal): Nachdem ihr Unke ihren Schuppenschwanz überlassen habe, werde sie diesen nach einer gewissen Zeit und nach Gutdünken auffressen. Dann werde Unke ihr Leben verlieren. Unke ist damit einverstanden. Die Nixen bedauern diese arme Irre unendlich. Muss Liebe schrecklich sein.
|Haupthandlung.|
Arcimboldo ist im Jahr 1830 der 16-jährige Lehrling eines venezianischen Spiegelmachers, sein bester Freund Umberto ist Lehrling eines Webers. Da hört Arcimboldo das Klagen einer Meerjungfrau, und sein Herz befielt ihm, ihr zu helfen. Doch Umberto warnt ihn davor, sich mit einem solchen verbotenen Geschöpf einzulassen. Doch diese Meerjungfrau hat Beine, sie ist eine Frau! Arcimboldo verliebt sich gleich in ihre großen blauen Augen, die von schwarzem Haar umrahmt werden. Trotz ihrer Beine scheint sie sehr wackelig zu gehen.
Umberto haut ab, als er die Löwen der Stadtwache grollen hört, und auch Arcimboldo beeilt sich, mit der jungen Frau wegzukommen. Ein alter Dieb bringt die beiden in ein Versteck am Wasser, dann holt er Kerzen sowie eine Maske aus Glas für Unke. Damit könne sie ihr Haifischmaul verdecken und sich in der Öffentlichkeit zeigen. Wenn man sie aufspürt, werde man sie foltern, denn die Venezianer fürchten, dass das Meervolk ihre Stadt erobern will. So ein Unsinn! Schließlich gebe es ja unter dem Ozean ausgedehnte Kulturen.
Arcimboldo begeht einen Fehler, als er Umberto von Unke erzählt, aber zu spät merkt er, was er angerichtet hat. Erneut muss er Unke verstecken. Sie erzählt ihm von der Meerhexe und ihrem gefährlichen Wächter, dem Leviathan. Sie will zurück, um ihren Kalimar wiederzuholen, bevor die Herrscherin ihn verspeist. Arcimboldo will Unkes Freund sein und will mitkommen.
Die Zeit läuft für Unke und Arcimboldo ab, als die Nixe seinem Freund Umberto in die Arme läuft. Umberto will sie sofort melden. Mit Hilfe des alten Diebes kann Unke entkommen. Die beiden Menschen besorgen einen antiken Tauchhelm, der über magische Eigenschaften verfügt, denn er stammt aus den subozeanischen Kulturen. Als Arcimboldo mit Unke in die Lagune taucht, spendet ihm der Helm nicht nur Atemluft, sondern auch Wärme.
|In die Tiefe|
Nixen bringen die beiden Abenteurer in die Ruinen auf einer versunkenen Insel. Hier erhalten sie Rat von der alten, weisen Iolande. Es führe kein Weg daran vorbei, die Meerhexe durch einen Lärm abzulenken, so dass Unke in die Höhle der Herrscherin eindringen und ihren Kalimar zurückholen könne. Doch was ist mit dem Wächter, dem Leviathan? Dieser kämpft, so berichtet Iolande, seit neuestem mit einem unbekannten Eindringling, dem Brennenden Schatten. Dieser schwarze Koloss erstrahle von innen heraus, so dass er wohl von Feuer erfüllt sei. Vielleicht würde dieser Eindringling Leviathan ablenken. Aber dann müssten sie schon sehr viel Glück haben.
Um den großen Lärm zu erzeugen, können Arcimboldo und Unke eine der Turmglocken der versunkenen Kirche abnehmen und in den Abgrund stoßen. Trifft sie auf dessen Boden auf, so sollte das Dröhnen ausreichen, die Meerhexe schier um den Verstand zu bringen. Zusammen machen sich alle ans Werk. Doch als die Glocke bereits unterwegs in die Tiefe ist, taucht der Brennende Schatten und hält genau auf Arcimboldo und Unke zu …
_Mein Eindruck_
Der Autor wurde gefragt, ob er nicht eine Vorgeschichte zu „Die Fließende Königin“ schreiben könne, und als darüber nachdachte, erschien es ihm einleuchtend, etwas darüber zu erzählen, wie es zu der Feindschaft zwischen Arcimboldo und Umberto kam. Der Grund war ihre gegensätzliche Reaktion auf das Erscheinen der Meerjungfrau Unke in Venedig.
An diese Ausgangsposition knüpft der Autor mehrere recht bekannt vorkommende Geschichtenmotive an, die in ihrer neuartigen Kombination für eine recht unterhaltsames Hörspiel sorgen. (Im Druck ist diese Erzählung angeblich noch nicht zu haben.) Da der Autor von vornherein Fantasy-Elemente wie etwa gehende und brüllende Steinlöwen sowie Meerjungfrauen zusammenbringt, dürfte wohl klar sein, dass auch mit weiteren phantastischen Motiven zu rechnen ist. Ich werde ein paar davon aufzählen, doch wer sich die Spannung erhalten möchte, sollte diesen Abschnitt überspringen.
|Quellen|
Der Verweis auf die verschwundenen „subozeanischen Kulturen“ ist ein klarer Hinweis auf Atlantis und alle ähnlichen versunkenen Reiche wie etwa das pazifische Inselreich Mu (auf das mitunter japanische SF-Filme referieren). Auch bei H. P. Lovecraft findet sich eine derartige Erzählung („Der Tempel“, 1925). Daher dürfte es wohl kaum verwundern, dass in den Tiefen des Meeres ein Unterseeboot auftaucht.
Es ist die „Calliope“ unter Kapitän Christo, gechartert von einem Franzosen und bevölkert von unternehmungslustigen Archäologen, die in der Tiefe einen – wer hätte das gedacht? – alten Tempel der Subozeaner suchen. An Bord ist ein lebendiger Sphinx namens Kalphater, dessen Herr und Meister ein ägyptischer Priester namens Matuul ist. Welche Geheimnisse diese beiden verbergen, lässt natürlich einem Naseweis wie Arcimboldo keine Ruhe. Das führt zu einigen Verwicklungen.
Jedem SF-Kenner dürfte klar sein, wo das Vorbild für die „Calliope“ zu finden ist: in der „Nautilus“ Kapitän Nemos, die sich der Franzose Jules Verne ausdachte, allerdings wesentlich später als 1830. Immerhin aber hat die „Calliope“ höchst moderne Verteidigungsanlagen an Bord, nämlich Treibminen. Diese setzt sie gegen den Wächter der Meerhexe ein, den Leviathan, auch dies ein mythisches Wesen.
Der Besuch bei der Meerhexe ist die nächste Station unseres Heldenpaares, und wie diese Begegnung geschildert wird, erinnert sie stark an eines meiner Lieblingsmärchen: „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“. Wie oben angedeutet, will Unke ihren Schuppenschwanz zurückerlangen, damit die Meerhexe sie nicht mehr töten kann. Dummerweise hat die Herrscherin eben diesen Kalimar nah an ihren Körper gedrückt, und so ist es eine sehr kitzlige Sache, ihn zu stibitzen – genau wie im genannten Märchen die drei goldenen Haare.
Schließlich erfüllen die beiden Helden jedoch zusammen mit der „Calliope“ ihre ewige Rolle, indem sie das Wasserreich von der grausamen Herrscherin befreien, der Meerhexe. Diese wird nämlich von den unterdrückten Untertanen, den Nixen, zerrissen. So grausam können Märchen sein. Auf Unke und Arcimboldo warten jedoch sowohl sonnige als auch aufregende Tage.
_Die Inszenierung_
Hier waren echte Profis am Werk, und das sollte man natürlich von einer Produktion des Westdeutschen Rundfunks auch erwarten können. Dort werden bekanntlich hervorragende Hörspiele produziert.
Die Performance wird nicht so sehr von den Sprechern geprägt, die zwar alle kompetent sind, aber nicht irgendwie auffallen, sondern vielmehr durch die Geräusche. Man stelle sich bitte einen normalen Kinofantasyfilm vor, inklusive aller Geräusche und Soundeffekte, und bekommt dann ungefähr eine Vorstellung davon, wie aufregend es in diesem Hörspiel zugeht. Dies ist wahrhaftig Kino für die Ohren.
Vom kleinsten Klirren einer Tasse im Vordergrund bis hin zu den dröhnenden Explosionen im Hintergrund ist die ganze dreidimensionale Klangpalette abgedeckt. Im Finale ist dies recht dramatisch mit anzuhören, denn der Zuhörer sitzt ja mittendrin. Natürlich lösen diese „lauten Momente“ auch wieder leise Szenen ab, die dann vor allem durch Blubbern gekennzeichnet sind, wie man das eben unter Wasser erwarten darf.
Einen Sonderfall bilden die mythischen Wesen, seien es die Löwen von San Marco oder der Leviathan. Hierfür mussten sich die Sounddesigner etwas Neues einfallen lassen. Die Löwen erscheinen nun zugleich majestätisch, aber auch furchteinflößend (besonders für eine Nixe auf der Flucht). Der Leviathan muss ein Gebrüll ausstoßen, das nicht nach Löwe im Freiluftgehege klingt, sondern nach Gebrüll unter Wasser. Und die Meerhexe verrät durch ihre sehr tiefe, raue Stimme, dass sie keineswegs menschlich ist, sondern fast schon ein Ungeheuer.
|Musik|
Von Musik ist erstaunlich wenig zu hören, was wohl an den dominierenden Geräuschen liegen mag. Außer am Anfang und am Schluss hält sich Musik sehr zurück. Der Ausklang wird von Harfe, Violine, Flöte und einem Streichorchester bestritten, alles in allem eine sehr romantische Kombination, die zur Harmonie des Happyends passt.
_Unterm Strich_
Das Hörspiel, das der WDR produzierte, bietet für Kai-Meyer-Fans eine akustisch sehr gelungene Zugabe zum bekannten Zyklus „Merle und Die Fließende Königin“. Das Hörspiel konnte mich mit Romantik, Dramatik und ungewöhnlichen Einfällen gut unterhalten, so dass ich mich zuweilen wie in einem Kinofilm fühlte.
Allerdings frage ich mich, ob der hohe Preis von rund 17 Euro wirklich gerechtfertigt ist. Nun, man erhält dafür immerhin auch ein Booklet mit einem persönlichen Text von Kai Meyer geliefert sowie mit einem schönen Grafikdesign (das sich auch dem Steckkarton wiederfindet).
Was nun der Brennende Schatten ist? Das müsst ihr schon selbst herausfinden. Aber die Antwort steckt in meinem Text.
Was bisher bloße Verschwörungstheorie war, wird Realität: Die geheimnisvollsten Tragödien, die skrupellosesten Verbrechen werden entschlüsselt. Die Welt wird nicht mehr die gleiche sein, denn auch das letzte Rätsel wird gelöst.
Mit seiner Flötenmusik soll einst der Rattenfänger von Hameln die Kinder der alten Stadt so betört haben, dass sie ihm blindlings auf Nimmerwiedersehen folgten. Doch welches dunkle Geheimnis steckt wirklich hinter dieser Legende? Student und Hacker Georg Brand entdeckt die unvorstellbar grausame Wahrheit. Und die Frage steht im Raum: Ist auch der tote Hacker Tron einst einem „Rattenfänger“ ins Verderben gefolgt? (Verlagsinfo) Gaspard, Jan / Lueg, Lars Peter / Sieper, Marc – Der Jungbrunnen (Offenbarung 23, Folge 23) weiterlesen →
Im Jahr 1971 erklimmt der Bergsteiger Harold Quade das Massiv der Nanda Devi im Himalaya – auf der Suche nach dem Eingang zum legendären Pandämonium, dem Hort der Dämonen. Fünfzig Jahre später erreicht uns eine Botschaft von Mandra Korab, dass Quades Leiche geborgen wurde. Doch konserviert im ewigen Eis, hat sich der Körper auf grausige Weise verändert … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Taschenbuchs mit der Nummer 60 gemacht, das erstmalig am 11. März 1986 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.
Welch ein Glück, als die junge Studentin Lydia Rankin vor ihrem Umzug nach London die Vermieterin Betty Longford kennenlernt! Mrs Longford ist großzügig und fürsorglich und kümmert sich sehr um ihre neue Mieterin – so sehr, dass Lydia Rankin die ersten Tage im Haus des Schreckens nicht überlebt … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des GESPENSTER-KRIMI-Heftromans mit der Nummer 208 gemacht, der erstmalig am 6. September 1977 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war. Das Roman-Cover wurde hier nicht verwendet. Das Titelbild des Hörspielcovers ist wie gewohnt eine Neuinterpretation der Thematik.
„Vom alten England bis in die Neue Welt spannt sich der große Bogen des abenteuerlichen Lebens zweier Menschen auf der Suche nach der Freiheit. In den schottischen Kohlengruben herrscht das Gesetz der Sklaverei. Doch Mack McAsh, ein junger Bergmann, träumt davon, frei zu sein. Er flieht nach London – und gerät in eine andere Form von Knechtschaft: Als Aufrührer verurteilt, wird er in Ketten nach Virginia verschifft. Dort trifft er auf Lizzie Jamisson, die Frau, die ihm einst in Schottland zur Flucht verholfen hat und dabei ihr eigenes Glück als Preis bezahlt.“ (Verlagsinfo) Ken Follett – Brücken der Freiheit (Lesung) weiterlesen →
Ich hatte die schwebenden Leichen über Prag gesichtet und verfolgt – bis in die Wohnung eines gewissen Petar Kopanek, der es sich offenbar zum Ziel gesetzt hatte, ein „künstliches Menschlein“ zu erschaffen. Doch Kopaneks Wohnung erwies sich als tödliche Falle. Auf mich wartete eine Reise in die Vergangenheit, die auf dem Höllen-Friedhof enden sollte… (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer
382 gemacht, das erstmalig am 28. Oktober 1985 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.
Inspectora Petra Delicado löst ihren dritten Fall. – Sie gibt unvorsichtigerweise ein Fernsehinterview und wird dadurch bekannt. Bald darauf treffen mehrere Päckchen bei ihr ein – mit äußerst beunruhigenden Inhalten. Ein Irrer, der auf die gutaussehende Inspectora fixiert ist, vermutet Subinspector Fermín Garzon. Oder doch etwas Größeres? Delicado und Garzon haben sich mit einer üblen Sekte angelegt, hinter der noch ganz andere Kräfte stecken. Giménez-Bartlett, Alicia / Leonhard Koppelmann – Boten der Finsternis (Lesung) weiterlesen →
Vor langer, langer Zeit landete ein Raumschiff auf der Erde. An Bord: die Nomen. Knapp zehn Zentimeter groß und ebenso neugierig wie eigensinnig, leben sie Jahrtausende später in einzelnen Gruppen, die nichts voneinander wissen. Eines Tages muss eine Gruppe, die am Rand einer Autobahn lebt, auswandern. In einem Kaufhaus treffen sie auf völlig andere Mitglieder ihres Volkes. Das Kaufhaus ist deren Universum. Doch dann geschieht etwas wahrhaft Schreckliches. Die Welt geht unter. Und der Untergang hat einen Namen: „Räumungsverkauf“!
In harter Arbeit und unter Überwindung unglaublicher Hindernisse gelingt den Nomen der rechtzeitige Exodus in einen Steinbruch. Zu allem Überfluss kehren auch noch Menschen in den Steinbruch zurück. Die Lage eskaliert …
„Die Sphinx “ ist der neunzehnte Teil der Edgar-Allan-Poe-Reihe von |Lübbe Audio|, die unter Mitwirkung von Ulrich Pleitgen und Iris Berben, eingebettet in eine Rahmenhandlung, Erzählungen des amerikanischen Gruselspezialisten zu Gehör bringt.
Poe weiß nun, wo er den finsteren Dr. Baker finden kann. Doch dazu braucht er noch einen Schlüssel. Der einzige Weg führt durch die Katakomben der alten Kirche von Father O’Neill. Dieser ist rätselhaft wie eine Sphinx, und er hat die Antwort auf eine von Poes drängendsten Fragen.
Zur Vorlage: Die Cholera wütet in New York. Täglich sterben Hunderte. Viele Menschen sind auf das Land geflüchtet; nur dort gibt es noch Hoffnung auf Überleben. Da wird in den dichten Wäldern ein schreckliches Ungeheuer gesichtet. Woher kommt es? Worum handelt es sich? Ist das Monster eine noch größere Bedrohung für die Menschen als die Cholera?
Ulrich Pleitgen und Iris Berben haben auch an den ersten achtzehn Hörbüchern der Serie mitgewirkt:
#1: Die Grube und das Pendel
#2: Die schwarze Katze
#3: Der Untergang des Hauses Usher
#4: Die Maske des roten Todes
#5: Sturz in den Mahlstrom
#6: Der Goldkäfer
#7: Die Morde in der Rue Morgue
#8: Lebendig begraben
#9: Hopp-Frosch
#10: Das ovale Portrait
#11: Der entwendete Brief
#12: Eleonora
#13: Schweigen
#14: Die längliche Kiste
#15: Du hast’s getan
#16: Das Fass Amontillado
#17: Das verräterische Herz
Die vier neuen Folgen sind:
#18: Gespräch mit einer Mumie
#19: Die Sphinx
#20: Die 1002. Erzählung
#21: Schatten
Die (am 30.3.2007) kommenden Folgen sind:
#22: Berenice
#23: König Pest
#24: Der Fall Valdemar
#25: Metzengerstein
Der Autor
Edgar Allan Poe (1809-49) wurde mit zwei Jahren zur Vollwaise und wuchs bei einem reichen Kaufmann namens John Allan in Richmond, der Hauptstadt von Virginia, auf. Von 1815 bis 1820 erhielt Edgar eine Schulausbildung in England. Er trennte sich von seinem Ziehvater, um Dichter zu werden, veröffentlichte von 1827 bis 1831 insgesamt drei Gedichtbände, die finanzielle Misserfolge waren. Von der Offiziersakademie in West Point wurde er ca. 1828 verwiesen. Danach konnte er sich als Herausgeber mehrerer Herren- und Gesellschaftsmagazine, in denen er eine Plattform für seine Erzählungen und Essays fand, seinen Lebensunterhalt sichern.
1845/46 war das Doppeljahr seines größten literarischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgs, dem leider bald ein ungewöhnlich starker Absturz folgte, nachdem seine Frau Virginia (1822-1847) an der Schwindsucht gestorben war. Er verfiel dem Alkohol, eventuell sogar Drogen, und wurde – nach einem allzu kurzen Liebeszwischenspiel – am 2. Oktober 1849 bewusstlos in Baltimore aufgefunden und starb am 7. Oktober im Washington College Hospital.
Poe gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, psychologische Horrorstory, Science-Fiction, Shortstory. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas. Er beeinflusste zahlreiche Autoren, mit seinen Gedichten und seiner Literaturtheorie insbesondere die französischen Symbolisten.
Die Sprecher/Die Inszenierung
Ulrich Pleitgen, geboren 1946 in Hannover, erhielt seine Schauspielerausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in seiner Heimatstadt. Pleitgen wurde nach seinen Bühnenjahren auch mit Film- und Fernsehrollen bekannt. Er hat schon mehrere Hörbücher vorgelesen und versteht es, mit seinem Sprechstil Hochspannung zu erzeugen und wichtige Informationen genau herauszuarbeiten, ohne jedoch übertrieben zu wirken. In der POE-Reihe interpretiert er den Edgar Allan Poe und andere Figuren.
Iris Berben gehört zu den bekanntesten und profiliertesten Schauspielerinnen hierzulande. Ihr Repertoire umfasst Krimis („Rosa Roth“) ebenso wie Komödien und klassische Werke. Für ihre Leistungen wurde sie u. a. mit dem Bambi und mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet. In der POE-Serie interpretiert sie die weibliche Hauptrolle Leonie Goron und andere Figuren.
Der deutsche Prolog wird von Heinz Rudolf Kunze vorgetragen, der englische von Laurie Randolph, die Ansage erledigt André Sander. Die deutsche Hörspielfassung stammt von Melchior Hala nach einer Idee von Marc Sieper, Dickky Hank und Thomas Weigelt. Für Regie, Musik und Ton waren Christian Hagitte und Simon Bertling vom |STIL|-Studio verantwortlich.
Das Booklet
Jede CD enthält ein achtseitiges, schwarz gehaltenes Booklet. Eingangs gibt es einen mittlerweile recht umfangreichen Abriss der Vorgeschichte der Episode. Kleine Biografien stellen die beiden Hauptsprecher Ulrich Pleitgen und Iris Berben vor. Die mittlere Doppelseite zeigt alle bislang veröffentlichten CDs und die [DVD 1487 von „Die Grube und das Pendel“. Danach folgt eine Seite, die sämtliche Credits auflistet.
Die vorletzte Seite wirbt für das Hörbuch [„Edgar Allan Poe: Visionen“, 2554 das ich empfehlen kann. Die letzte Seite gibt das Zitat aus E.A. Poes Werk wieder , das am Anfang einer jeden Episode – jeweils abgewandelt – zu hören ist.
Vorgeschichte
Ein Mensch ohne Namen. Und ohne jeden Hinweis auf seine Identität. Das ist der Fremde, der nach einem schweren Unfall bewusstlos in die Nervenheilanstalt des Dr. Templeton eingeliefert und mittlerweile entlassen wurde. Diagnose: unheilbarer Gedächtnisverlust. Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst. Es wird eine Reise in sein Unterbewusstsein, aus dem schaurige Dinge aus der Vergangenheit aufsteigen. Woher kommen sie? Was ist passiert? Was hat er getan?
Schon achtzehn Stationen hat der Fremde durchwandert, stets begleitet von Alpträumen. Nach einem Aufenthalt in einem Gasthaus begibt sich der Fremde ohne Gedächtnis auf eine Seereise, die ihn zunächst nach New Orleans führt. Aus einem Schiffswrack rettet er eine schöne Landsmännin, Leonie Goron. Sie weist ihn darauf hin, dass man ihm möglicherweise nach dem Leben trachtet. Nur zu wahr, denn auf der letzten Station vor dem Ziel New Orleans muss sie ihm das Leben retten. Selbst in der großen Stadt bleibt Poe nicht von Alpträumen nicht verschont. Doch er findet etwas über seine und Leonies Vergangenheit heraus und welche finstere Rolle Dr. Templeton als Francis Baker darin spielt.
Am Anfang rekapituliert Poe sehr knapp die unmittelbare Vorgeschichte bis hin zum Inhalt von „Gespräch mit einer Mumie“, der 18. Folge der Serie. Das erleichtert den Einstieg in die Serie ein wenig, aber nur minimal.
Handlung
Das Notizbuch, das Poe in Dr. Gumps Büro gefunden hat, enthält einen Hinweis auf den Polizisten Moloney. Der hat nun den bedauerlichen Nachteil, dass er in den Katakomben New Yorks lebend eingemauert wurde. Zudem beginnen die Cops, ernsthaft nach dem Verschwundenen zu suchen und die Gäste des Hotels, in dem Poe logiert, auszuquartieren. Er muss seinen Zimmerschlüssel aushändigen. Da er Zeuge war, wie Moloney umkam, hält er sich in dieser Angelegenheit sehr bedeckt.
Aber dass Moloney in den Katakomben umkam und Poe nun seine Taschenuhr benötigt, macht es notwendig, dass er einen alternativen Zugang sucht. Er findet ihn wenige Straßen weiter in einer verfallenen Kirche. Ein Gewitter bricht draußen los, und Poe geht rasch hinein. Jemand spielt noch die Orgel – es ist der evangelische Father O’Neill. Er begrüßt Poe, der sich als Journalist im Auftrag eines der Stadtväter ausgibt. Er wolle sich die Katakomben ansehen und winkt mit einer anständigen Belohnung für das Bemühen.
Als die beiden ein wenig Messwein trinken, entschuldigt sich O’Neill und kehrt nicht wieder. Auf der Suche nach ihm muss Poe sehr weit hinuntersteigen und landet in den Katakomben. Ein seltsames Geräusch lässt ihn innehalten. Es klingt, als ob eine Steinplatte verschoben würde. Tatsächlich ist es O’Neill, der offene Gräber wieder schließt. Betreten gesteht er, dass er zu der ebenso uralten wie unwürdigen Zunft der Grabräuber zählt. Tja, man muss eben über die Runden kommen.
Mit den nächsten Worten gesteht O’Neill, dass er von Poes Gesicht erschreckt worden sei. Er habe nämlich einmal vor einem halben Jahr das Bloomington Asyl auf Blackwell Island besucht und sollte dort bei einer Notoperation geistlichen Beistand leisten. Der Operierte, an dem ein gewisser Dr. Baker arbeitete, hatte die gleichen Augen wie Poe!
Keine Zeit, sich zu wundern und weitere Fragen zu stellen! Das Regenwasser strömt die Treppen und Gänge herab und droht die beiden Männer in den Katakomben zu ersäufen. Sie müssen um ihr Leben laufen, doch für Father O’Neill endet diese Kletterpartie beinahe tödlich. Was schade wäre, denn er hat noch eine weitere Überraschung auf Lager.
Mein Eindruck
Es ist nicht besonders offensichtlich, wieso diese Episode den Titel „Die Sphinx“ trägt. Aber um den Grund dafür zu erklären, müsste ich weitere Teile der Handlung nacherzählen, und diese Zerstörung der Spannung würde mit Sicherheit jeden Interessierten davon abhalten, das Hörspiel überhaupt anhören zu wollen.
In diesem Rest macht Poe einen Ausflug zu einer Adresse im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Dieser liegt jenseits des East Rivers, so dass Poe die Fähre nehmen muss. Nicht nur akustisch ist damit ein anderes Ambiente verbunden. Brooklyn ist um 1845 noch recht klein und heruntergekommen, die späteren Flüchtlingsströme aus Irland und Mitteleuropa, wo die Revolution von 1848 scheitert, stehen noch aus. Aber Prostituierte und Kneipen gibt es natürlich schon, wie überall.
Poe findet sogar mehr, als er erhofft hat: Dr. Bakers Forschungsunterlagen fallen ihm in die Hände. Zusammen mit O’Neill und einem weiteren alten Bekannten, Kapitän Hardy von der gesunkenen „Independence“, liest er Bakers Tagebuch. Es ist das Dokument eines Menschen, der sich selbst bekämpft und heilen will. Dazu seziert er nicht nur Leichen, er operiert auch am Kopf von Lebenden. Eines dieser Opfer ist offenbar Poe selbst, wie ihm O’Neill verraten hat.
Das klärt aber immer noch nicht das Geheimnis um seine Identität auf. Doch wenn er Baker diese Unterlagen anbietet, dann könnte er im Austausch dafür vielleicht die alles entscheidende Frage beantwortet bekommen: Wer bin ich?
Wie man sieht, ist diese Episode voller Action, Szenenwechsel, Ausflüge und Informationen. Da bleibt es nicht aus, dass Poe ein- oder zweimal der Zufall auf recht günstige Weise in die Hände spielt. Da fragte ich mich dann doch, ob das nicht zu sehr konstruiert wirkt. Ein Tiefpunkt an Unplausibilität ist Poes Auftritt in der Savings Bank von Brooklyn. Der Bankangestellte prüft nicht einmal seine Berechtigung oder – und das würde gerade Poe schwerfallen – seine Identität.
Musik und Geräusche
Mindestens ebenso wichtig wie die Sprecher sind bei den POE-Produktionen auch die Geräusche und die Musik. Hut ab vor so viel Professionalität! Die Arbeit des Tonmeisters beim Mischen aller Geräusche ist so effektvoll, dass man sich – wie in einem teuren Spielfilm – mitten im Geschehen wähnt. Die Geräuschkulissen sind entsprechend lebensecht und detailliert gestaltet. Es gibt Donnergrollen, Glockenschläge von Turmuhren (man kann die Stunde daran ablesen), jede Menge Hall in den Katakomben und auch sonst jede Menge zu hören.
Auf die Dreidimensionalität wurde stärker geachtet: Stimmen von links und rechts, in der Ferne (leiser) und im Vordergrund (lauter), ja sogar innerer Monolog (spezielle Musikuntermalung mit ausgeblendeten Geräuschen) vermitteln den Eindruck einer Welt, in der sich ein Betrachter wie im Zentrum des Geschehens fühlen könnte.
Die Musik erhält eine wichtige Bedeutung: Sie hat die Aufgabe, die emotionale Lage der Hauptfiguren und ihres jeweiligen Ambientes darzustellen. Diese untermalende Aufgabe dient diesmal mehr der Gestaltung ganzer Szenen. Auf vielfältige Weise wird das zentrale Poe-Motiv, das aus der Titelmelodie der Serie bekannt ist, variiert. Am Schluss erklingt ein neues musikalisches Motiv, das für diese Staffel charakteristisch ist: schnell, dynamisch und vorwärts drängend, begleitet es das Geschehen, das meist in dramatischer Action besteht. Es kann aber auch die drängendste von Poes Fragen symbolisieren: Wer bin ich?
Auch in den Pausen ist Musik zu hören, aber hier hat sich die Regie eine Menge einfallen lassen: Mal spielt das Cembalo eine Fuge, mal ein Honkytonk-Piano, ein andermal summt ein Chor das Poe-Motiv. Wieder werden die Übergänge zwischen Poes Erleben und seiner Traumwelt mit gelungenen Soundeffekten angedeutet.
Ein Streichquartett, Musiker des Filmorchesters Berlin sowie die Potsdamer Kantorei an der Erlöserkirche wirken zusammen, um eine wirklich gelungene Filmmusik zu den Szenen zu schaffen. Das Booklet führt die einzelnen Teilnehmer detailliert auf, so dass sich niemand übergangen zu fühlen braucht.
Der Song
Mara Kim: A Dream within a Dream
Die Sängerin Mara Kim wurde unter anderem mit dem Hessischen Songpreis sowie bei den Berliner Festspielen ausgezeichnet. Die erste Veröffentlichung »Infinite Possibilities« erschien 2003 auf der |Frankfurt Lounge|-CD mit dem Produzententeam »Superflausch«. Die 21-jährige Künstlerin, die sich auch selbst am Klavier begleitet, schreibt ihre Texte in verschiedenen Sprachen und arbeitet an ihrem ersten Soloalbum. Ihre Stimme ist einfach ein Ereignis und muss man gehört haben.
Die elegische Ballade „A Dream within a Dream“ wird im englischen Original vorgetragen, und zwar mit so viel Intensität, dass sie bei mir einen starken Eindruck hinterließ. Natürlich wird der klassische Gesang von einem Piano und den obligaten Streichern (gutes Cello) begleitet, insofern alles wie gehabt. Im direkten Vergleich mit der Vorlage fand ich heraus, dass der Teil der Strophen besser verteilt und am Schluss etwas gekürzt wurde. Dadurch erklingt der Refrain mit der Titelzeile häufiger und eindringlicher, der Song wirkt weniger wie ein Gedicht, sondern mehr wie ein Lied. Das Ergebnis der Bearbeitung spricht für sich.
Unterm Strich
Die geänderte Strategie des Dramaturgen wirkt sich in dieser Episode voll aus: Im Vordergrund steht die äußere Entwicklung der Geschichte. Das ist einerseits befriedigend, denn so kommt es zu viel mehr Action und menschlichen Verwicklungen, doch andererseits hat dies nur noch am Rande mit den literarischen Vorlagen zu tun, auf die sich eine jede Episode beruft.
Positiv ist, dass Poe zunehmend mehr mit dem echten Edgar Allan Poe zu tun hat, über den immer mehr Leser und Hörer Bescheid wissen. So wundert es beispielsweise nicht mehr besonders, wenn Poe in eine Kneipe geht und sich volllaufen lässt oder wenn er sich mal eine Prise Opium reinzieht. Beides nahm der echte Poe bestimmt zur Genüge zu sich, denn sein Leben war überreich an Schicksalsschlägen.
Obwohl man sich als regelmäßiger Konsument dieser Serie also etwas umgewöhnen muss, bekommt man doch die gewohnte Qualität hinsichtlich filmreifer Geräusche und Musikmotive geboten, von den guten Sprechern ganz zu schweigen. Allerdings sollte der Dramaturg wieder etwas an der Verbesserung der Plausibilität der Handlung feilen, denn mir schien ein- oder zweimal, dass Fortuna persönlich zugunsten unseres Helden eingegriffen hat.
„Schwebende Leichen über Prag!“ – Was es mit dieser sonderbaren Nachricht auf sich hatte, erfuhr ich am eigenen Leib, als ich in einem Ballonkorb den Nachthimmel über der Stadt observierte. Die Spur der schwebenden Leichen führte mich zum Homunkulus – einem künstlich erschaffenen Menschlein! (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer
381 gemacht, das erstmalig am 21. Oktober 1985 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.
Jeder Stunde ihr Opfer: Der Killer mit den Armbanduhren
Eine Frau wird tot aufgefunden, mit einer ungewöhnlichen Uhr am Handgelenk. Was zunächst wie ein einfacher Mordfall aussieht, wird zum Alptraum. Ist der mysteriöse „Zodiac-Killer“ wieder da? Jede Tat erinnert an die Morde berühmter Serienkiller. In diese Orgie der Gewalt werden Sean King und Michelle Maxwell hineingezogen, ehemalige Agenten des Secret Service. Während sie versuchen, das Puzzle zusammenzufügen, merken sie, wie ihnen mehr und mehr die Zeit davonläuft. (Verlagsinfo)
Riesenkatzenärger: Die Prinzessin wird gekidnapped!
Dies ist das dritte Hörspiel eines fünfbändigen Fantasy-Zyklus, der es vielleicht nicht mit Tolkiens „Herr der Ringe“ aufnehmen kann, der aber ebenso stark auf Mythen und Fantasythemen zurückgreift. Und die Hauptfigur Taran, die im Laufe des Zyklus eindrucksvoll heranreift, lieferte wie Tolkiens „Herr der Ringe“ die Vorlage zu einem Zeichentrickfilm.
War in „Die Leopardin“ Frankreich der Schauplatz der Ereignisse, so ist es diesmal das von Nazis besetzte Dänemark des Jahres 1941, in dem sich das Schicksal so mancher Agentin und manches Agenten erfüllt. Und ein unscheinbarer Oberschüler beginnt eine kriegswichtige Rolle zu spielen.
Der Autor
Ken Follett, geboren im walisischen Cardiff, wurde durch die Verfilmung seines Spionagethrillers „Die Nadel“ mit Donald Sutherland bekannt. Den internationalen Durchbruch erzielte er laut Verlag mit dem historischen Roman „Die Säulen der Erde“ (1990). Auch sein Roman „Der dritte Zwilling“ wurde verfilmt. Sein Roman „Mitternachtsfalken“ spielt mal wieder im 2. Weltkrieg. Ken Follett – Mitternachtsfalken (Lesung) weiterlesen →
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