Der Roman erzählt eine besondere, fast poetische Geschichte: Im Mittelpunkt steht keine einzelne Hauptfigur, sondern eine Mundharmonika, die über Jahrzehnte hinweg von Mensch zu Mensch wandert. Dabei verbindet sie unterschiedliche Schicksale in verschiedenen Ländern und Zeiten.
Die Handlung beginnt gegen Ende des Zweiten Weltkriegs und verfolgt die Reise des Instruments bis in die 1990er Jahre. Auf diesem Weg begegnet der Leser Menschen, die mit Verlust, Hoffnung, Liebe und Identität kämpfen. Die Mundharmonika wird dabei zum Symbol für Erinnerung, Trost und die verbindende Kraft der Musik.
Inhalt
Zu Beginn steht der junge Instrumentenbauer Paul, der im Krieg stirbt. Seine Mundharmonika überlebt jedoch und gelangt über seinen Freund Erich in neue Hände. Von da an entwickelt sich der Roman zu einer Art Episodenreise.
In Frankreich hilft das Instrument einem Jungen, seine Sprachlosigkeit zu überwinden. Später taucht es in den USA auf, wo es mit der Bluesmusik und gesellschaftlichen Konflikten wie Ausgrenzung und Identität verbunden wird. Immer wieder geraten Menschen in den Besitz der Mundharmonika, deren Leben durch sie auf unterschiedliche Weise beeinflusst wird.
Jede Station erzählt eine eigene Geschichte, doch alle sind durch das Instrument miteinander verknüpft. Die Figuren stehen oft an Wendepunkten ihres Lebens, und die Musik wird zu einem Mittel, um Schmerz zu verarbeiten oder neue Hoffnung zu schöpfen.
Am Ende kehrt die Mundharmonika nach Deutschland zurück, wo sich die verschiedenen Handlungsstränge auf subtile Weise verbinden und ein Kreis geschlossen wird.
Mein Eindruck
Der Roman überzeugt vor allem durch seine ungewöhnliche Erzählstruktur. Statt einer durchgehenden Handlung liest man mehrere miteinander verwobene Geschichten. Das kann anfangs etwas ungewohnt sein, macht aber gerade den Reiz des Buches aus.
Besonders gelungen ist die Atmosphäre: Die Autorin schafft es, unterschiedliche Zeiten und Orte lebendig wirken zu lassen. Die Übergänge zwischen den Geschichten sind fließend, und man erkennt nach und nach die Verbindungen zwischen den Figuren.
Ein großes Plus ist die emotionale Tiefe. Viele Figuren sind von Verlust oder Einsamkeit geprägt, und dennoch zieht sich ein leiser Hoffnungsschimmer durch das gesamte Buch. Die Mundharmonika wirkt dabei wie ein stiller Begleiter, der Menschen in schwierigen Momenten Halt gibt.
Allerdings kann die episodische Struktur auch dazu führen, dass man sich nicht mit allen Figuren gleich stark identifiziert. Manche Geschichten bleiben vergleichsweise kurz, wodurch man sich mehr Tiefe gewünscht hätte.
Über die Autorin
Lea Blum ist das Pseudonym der promovierten Historikerin Iris Mueller, die bereits zahlreiche Romane geschrieben hat. Sie studierte in Heidelberg und an der Yale University in den USA. Heute lebt sie mit ihrem Mann und zwei Hunden in Deutschland und Italien. (Verlagsinfo)
Fazit
„Das Echo des späten Lichts“ ist ein ruhiger, nachdenklicher und atmosphärischer Roman, der weniger durch Spannung als durch seine Stimmung und seine Themen überzeugt.
Er zeigt eindrucksvoll, wie Musik Menschen verbinden und heilen kann, selbst über große Entfernungen und lange Zeiträume hinweg. Wer Geschichten mag, die zum Nachdenken anregen und verschiedene Lebenswege miteinander verweben, wird dieses Buch sehr schätzen.
Insgesamt ein besonderer Roman, der vor allem durch seine Idee und seine emotionale Wirkung im Gedächtnis bleibt.
E-Book: 2,1 MB
ISBN: 978-3426561072
www.droemer-knaur.de
Der Autor vergibt: 




