„Eine Stadt wird erpresst, doch Jack Reacher ist nicht zu schlagen!
Der ehemalige Militärpolizist Jack Reacher reist ziellos durch die USA, und so landet er in einer Kleinstadt, in der ihn seine Mitfahrgelegenheit absetzt. Kurz darauf beobachtet er, wie ein junger Mann von einigen Schlägern verfolgt wird – und greift ein. Dann erfährt Reacher, dass alle Computersysteme der Stadt gehackt worden sind und dass die Bürger Reachers neuen Schützling dafür verantwortlich machen. Die Hacker verlangen mehrere Millionen Dollar als Lösegeld, doch selbst das ist nur die Spitze des Eisbergs. Es geht um viel mehr! Aber die Verbrecher haben nicht mit Jack Reacher gerechnet…“ (Verlagsinfo)
Die Autoren
Lee Child wurde als James Dover Grant in den englischen Midlands geboren, studierte Jura und arbeitete dann zwanzig Jahre lang beim Fernsehen. 1995 kehrte er der TV-Welt und England den Rücken, zog in die USA und landete bereits mit seinem ersten Jack-Reacher-Thriller einen internationalen Bestseller. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem Anthony Award, dem renommiertesten Preis für Spannungsliteratur.
Lee Childs Bruder Andrew wurde im Mai 1968 in Birmingham, England, geboren und studierte an der Universität von Sheffield englische Literatur und Theaterwissenschaften. Nach seinem Abschluss gründete und leitete er eine kleine unabhängige Theatertruppe, bevor er für fünfzehn Jahre in die Telekommunikationsbranche wechselte. Unter dem Namen Andrew Grant veröffentlichte er bereits mehrere erfolgreiche Romane. Heute lebt er mit seiner Frau, der Schriftstellerin Tasha Alexander, in Wyoming, USA.
Wer ist Jack Reacher?
Jack Reacher (* 29.10.1960) wurde in West-Berlin geboren und verbrachte als Sohn eines Marine-Corps-Offiziers seine Kindheit und Jugend auf über die Erde verteilten US-Militärbasen. 1983 trat er selbst in den Militärdienst ein und wurde 13 Jahre später, im April 1996, im Rang eines Majors der Militärpolizei ehrenhaft entlassen. Seitdem hat er keinen festen Wohnsitz, sondern bereist (hauptsächlich) die USA. Durch sein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden wird er immer wieder in Kriminalfälle verstrickt.
Er zeichnet sich durch hohe Intelligenz, große Körperkraft und Willensstärke aus. Besonders ausgeprägt ist sein unbedingter Wille, Schwächere zu schützen.
Die Jack Reacher Reihe
1) Größenwahn (Killing Floor, 1997)
2) Ausgeliefert (Die Trying, 1998)
3) Sein wahres Gesicht (Tripwire, 1999)
4) Zeit der Rache (Running Blind/The Visitor, 2000)
5) In letzter Sekunde (Echo Burning, 2001)
6) Tödliche Absicht (Without Fail, 2002)
7) Der Janusmann (Persuader, 2003)
8) Die Abschussliste (The Enemy, 2004)
9) Sniper (One Shot, 2005)
10) Way Out (The Hard Way, 2006)
11) Trouble (Bad Luck and Trouble, 2007)
12) Outlaw (Nothing to Lose, 2008)
13) Underground (Gone Tomorrow, 2009)
14) 61 Stunden (61 Hours, 2010)
15) Wespennest (Worth Dying for, 2010)
15.5. Second Son (2011)
16. The Affair (2010)
16.5. Deep Down (2012)
17. Der Anhalter (A Wanted Man, 2012)
17.5. High Heat (2013)
18. Never Go Back (2013)
18.5. Not a Drill (2014)
19. Personal (2014)
20. Make Me (2015)
21. Night School (2016)
22. Midnight Line (2017)
23. Past Tense (2018, dt. Titel: „Der Spezialist“)
24. Blue Moon (2019, „Die Hyänen“)
25. The Sentinel (2020, „Der Sündenbock“)
26. Better Off Dead (2021, „Der Kojote“)
27. No Plan B (2022)
28. The Secret (2023)
29. In Too Deep (2024)
30. Exit Strategy (2025)
31. Chain Reaction (2026)
Erzählungen
No Middle Name (2017)
Handlung
Als Reacher an diesem Tag aus dem 70 Meilen entfernten Nashville, Tennessee, per Anhalter eintrifft, fällt ihm erstes die defekte Ampel am Hauptplatz dieser Kleinstadt auf. Offenbar ist die Steuerung der Ampel ausgefallen, und die erfolgt ja heutzutage per Computer. Um die Informationstechnik scheint es hier zum Besten bestellt zu sein.
Was ihm als zweites auffällt, sind die drei auffällig unauffällig agierenden Leute, die gerade einen Mann einkreisen, der mit seinem Kaffeebecher die Straße entlanggeht. Zwei Männer, eine rothaarige Frau. Und da kommt auch schon ein Lieferwagen, in den dieser Bürger hineingeschubst werden soll, um ihn zu entführen. Er muss folglich etwas haben, dass die anderen haben oder wissen wollen. Reacher schreitet ein und vereitelt die Entführung. Die ganze Zeit schaut der Kaffeetrinker wie erstarrt zu.
Natürlich werden beide sofort von den Gesetzeshütern festgenommen und verhört. Hinterher hat Reacher Gelegenheit, seinen Schützling näher kennen zu lernen. Der kapiert jetzt erst, was man mit ihm vorhatte. Er stellt sich als Rusty Rutherford vor, den ehemaligen IT-Manager der Stadtverwaltung. Da hat er ja einiges zu erklären: Warum ist beispielsweise die Ampel ausgefallen?
Es habe eine Ransomware-Attacke auf die IT der Stadt gegeben. Die Angreifer haben sämtliche Daten verschlüsselt und verlangen für den Schlüssel ein hohes Lösegeld. Dieses will die Stadt aber nicht zahlen, sondern hat sich an ihre VERS gewandt. Deren Verhandler sei heute eingetroffen. Reacher versteht nun, warum der Fahrer seiner Mitfahrgelegenheit so nervös gewesen war.
Die Stadtverwaltung hat Rutherford gefeuert, obwohl – oder weil – er sie gewarnt hatte, dass so etwas passieren könnte. Besonders dann, wenn man keine Sicherheitskopien anlegt, also Backups. Stattdessen soll er nun als Sündenbock für die Fehler der Stadtoberen dienen. Eine Woche war er untergetaucht, hat Hinweise einer befreundeten Journalistin ausgewertet und sich heute erst wieder an die Öffentlichkeit gewagt. Seinen Kaffee hatte er sich im nächstgelegenen Diner geholt.
Doch das Rendezvous von Reacher und Rutherford bleibt nicht unbeobachtet. Kaum ist Reacher vor der Tür, wird er von drei Typen angemacht, die sich wohl für stark halten. Er schlägt sie kampfunfähig, was ihm einen zweiten kostenlosen Aufenthalt im Stadtgefängnis einbringt. Diesmal taucht ein Agent des Heimatschutzministeriums DHS auf. Aber auch der will nicht mit der Wahrheit darüber herausrücken, was hier in Wahrheit abgeht. Wer steckt hinter den Erpresser und ihren Hackern? Denn die Schläger hatten Reacher angegriffen, weil er mit dem Versicherungsagenten gekommen war, nicht wegen Rutherford.
Als Reacher bei einer abgelegenen Tankstelle einem weiteren Angriff entgeht, kann er Rutherford dazu motivieren, zum Gegenangriff überzugehen. Etwas muss der IT-Manager ja besitzen, das für die Gegenseite wichtig ist. Das muss der Köder sein. Beispielsweise der Laptop der inzwischen verschwundenen Journalistin.
Doch die Gegenseite schläft auch nicht…
Mein Eindruck
Eine ganze Weile bleibt unklar, wer in der Stadt das Sagen hat, wer der Verräter ist und welche Akteure hinter der Ransomware-Attacke stecken. Sind es die Russen, die Neonazis oder gar eine abtrünnige US-Behörde? Nur eines ist klar: Rusty Rutherford und seine Bekannte Sharon Sands, eine ehemalige FBI-Agentin, stehen auf der richtigen Seite, wie Reacher mehrfach prüft. Zusammen mit diesen beiden sowie einer Undercover-FBI-Agentin namens Fisher stellt er seine eigene Ermittlung auf die Beine. Aber was heißt hier „Ermittlung“? Wo der 192-cm-Riese Reacher zuschlägt, wächst kein Gras mehr.
Um den Leser spannend zu unterhalten, muss die Lösung des Rätsels möglichst lange hinausgezögert werden. Das gelingt dem Autor ganz ausgezeichnet, aber man kann es auch übertreiben. So etwa führt die Suche nach dem außer Dienst gestellten Server des Stadtarchivs über mehrere Stationen, bis das Trio endlich fündig wird.
Sentinel
Der Server mit den Archivdateien erweist sich als wichtig, weil sich darauf Dokumente befinden, die eine feindliche Agentin enttarnen könnten. Diese Agentin ist am Oak Ridge National Laboratory (ORNL) tätig, wo eigentlich auf riesigen Supercomputern Atomtests simuliert werden. Wie alle Supercomputer ist er aber Teil eines Regierungsnetzwerks, das unter anderem die Software für demokratische Wahlen verwaltet und schützt. Dieser Schutz wird von einem Programm namens „Sentinel“ gewährleistet, und darauf hat es die feindliche Agentin abgesehen.
Cerberus
Rusty Rutherford gerät ins Visier der Russen, weil er unter anderem eine eigene Sicherheitssoftware namens „Cerberus“ entwickelt hat. Doch keine Sorge: Es kommt nicht zum Duell zwischen „Sentinel“ und „Cerberus“, denn Rusty ist ein braver Bürger, der um keinen Preis seine Heimatstadt verlassen. Nicht mal dann, wenn es brenzlig wird.
Countdown
Ein Countdown findet statt, wie Agentin Fisher verrät: Weil die bisherige russische Streitmacht – dank Reacher – versagt hat, schickt Moskau einen höherrangigen Agenten. Das ist ein Typ der härtesten Sorte, und wie in so vielen Reacher-Fällen muss es Reacher mit einem ernstzunehmenden Gegner aufnehmen. Das ist der klassische Showdown. Wie der ausgeht, darf nicht verraten werden.
Die Nazis (natürlich)
Ist Henry Klostermann, der auch den Server will, wirklich der, als den er sich ausgibt? Reacher hat da so seine Zweifel. Der reiche, alte Mann, Sohn eines deutschen Emigration von 1946, wird erst von den Russen besucht, dann von einem Biker, der jedoch abblitzt. Indem er dem Biker folgt, stößt Reacher auf einen Klub, der sich fanatisch der Nazi-Sache verschrieben. Sie planen ein nationales Treffen, bei dem ein „Lichtdom“ à la Albert Speer den Höhepunkt bilden soll. In typischer Reacher-Manier wird auch dieser Klub aufgemischt. Aber auf welcher Seite steht Klostermann wirklich? Reacher muss tiefer noch graben.
Kryptonit
Endlich erfahren Reacher-Fans auch, was sein „Kryptonit“ ist. Dieses Teufelszeug hält ja bekanntlich sogar Superman alias Clark Kent in Schach, denn es lähmt seine Superkräfte. Reachers Kryptonit sind enge Tunnel, Röhren und dergleichen. Es beginnt zu wirken, als er sich in einen alten Bunker aus dem Kalten Krieg vorwagen muss, um Agentin Fisher zu befreien.
Die Übersetzung
Die Übersetzung durch Wulf Bergner ist wieder sehr gelungen und nahezu fehlerfrei.
S. 397: „Oak Ride“ statt „Oak Ridge”. Dort befindet sich die nationale Forschungseinrichtung des US-Energieministeriums, das hier Atomtests simulieren lässt.
Unterm Strich
Mit diesem Band übernimmt Lee Childs jüngerer Bruder Andrew das Ruder, was das Schreiben der Reacher-Abenteuer angeht. Lee Child wurde immer stärker in die Verfilmung der Reacher-TV-Serie involviert, deren vierte Staffel 2026 unmittelbar bevorsteht und von allen Fans geradezu fiebernd erwartet wird. Lee Child tritt in der ersten Staffel (in der letzten Folge) sogar selbst auf.
Der ultimative Gegner
„Der Sündenbock“ ist kein schlechter Start für Andrew Lee und zeigt einen Reacher, wie ihn die Fans gewohnt sind. Als ehemaliger Militärpolizist kennt er alle Tricks der Spione und Verräter und vertraut keiner Ermittlungsbehörde. Der Gegner agiert im Zwielicht: Sind es wirklich die Russen oder doch die rassistischen Neonazis? Das klärt sich erst am Schluss. Wieder mal lässt Reacher die Fäuste fliegen, wird aber auf die ultimative Probe gestellt: Seinem Gegner scheinen seine Faustschläge nichts anhaben zu können…
Treue Frauen
Aber Reacher hat einen Vorteil bei seiner Ermittlung: Die amerikanischen Frauen vertrauen und helfen ihm. Allen voran FBI-Agentin Fisher, die Polizistin Rule (kein Scherz!) und die Ex-FBI-Agentin Sands. So viel geballtes Wissen verschafft dem Außenseiter Reacher einen strategischen Vorteil. Denn die Gegenseite, wer auch immer sie sein mag, schläft nicht. Und natürlich gibt es immer einen Verräter, der dazwischenfunkt.
Ich haben diesen spannenden, flott zu lesenden Thriller in nur zwei Tagen – mit Pausen – bewältigt. Mich hat er stellenweise an die Thriller von David Baldacci erinnert, was wirklich eine Empfehlung ist. Der 400-Seiten-Schmöker eignet sich aufgrund der kurzen Sätze und Kapitel auch bestens für die Lektüre als E-Book.
Taschenbuch: 413 Seiten
Originaltitel : The Sentinel, 2020
Aus dem US-Englischen von Wulf Bergner.
ISBN-13 : 9783734112584
Blanvalet-Verlag
Der Autor vergibt: 




