
Gehen im Green House tatsächlich Geister um, wie es sich die Bewohner Wallingtons mit Schaudern erzählen? Alwyne und Colin wollen den Gerüchten auf den Grund gehen und beschließen, eine Nacht in dem Spukhaus zu verbringen. Als Alwyne sich in Trance begibt, wird sie Teil eines wahren Alptraums …
Das bereits achte Abenteuer von Alwyne und Colin Hargreaves, unserem Geisterjäger-Ermittler-Team im GRUSELKABINETT, führt uns zurück zu den Anfängen ihrer Ermittlungsarbeit im Bereich des Übernatürlichen! (Verlagsinfo)
Dieses Hörspiel umfasst nicht einen, sondern ZWEI Fälle.
Die Autoren
1) Allen Upward (1863-1926) war ein britischer Dichter, Richter, Politiker und Lehrer. Er gehörte einer strengggläubigen evangelischen Glaubensrichtung an, den „Brethren“. Während er in Dublin zum Juristen ausgebildet wurde, befürwortete er das Ende der britischen Kolonialherrschaft über Irland, danach arbeitete er als Richter in Kenia. In Großbritannien engagierte er sich für die Labour-Partei. Er schrieb zwei Gedichtbände und übersetzte Konfuzius ins Englische.
Als Autor veröffentlichte er zwischen 1895 und 1905 sechs inzwischen vergessene Romane, aber 1908 veröffentlichte er sein Buch „The New Word“, ein eher theologisch-philosophischer Text, in dem erstmals das Wort „scientology“ auftaucht, allerdings mit negativer Wertung. Da sich das British Museum 1917 weigerte, seine Manuskripte aufzunehmen, weil er ja noch lebe, verbrannte Upward seine Manuskripte. Er erschoss sich im November 1926, nachdem man nicht ihm, sondern George Bernard Shaw den Literaturnobelpreis verliehen hatte. (Quelle: Wikipedia)
2) Per McGraup: Pseudonym von Marc Gruppe.
Die Sprecher
Stephanie Kellner: Alwyne Sargent
Benedikt Weber: Colin Hargreaves
Hans Bayer: Mr. Mortimer
Bodo Primus: Mr. Giltstrap
Bert Stevens: Bauunternehmer
Herma Koen: Mrs. Sargent, Alwynes Mutter
Petra Nadolny: Mrs. Musgrave
Lutz Reichert: Hausverwalter
Valentin Stroh: Stadtrat
Leon Reichert: Lehrling
Glenn Goltz: Auktionator
Die Macher
Regie führten die Produzenten Marc Gruppe und Stephan Bosenius. Die Aufnahmen fanden bei Titania Medien Studio, bei Groundlift Studio, bei Advertunes und im scenario studio statt. Die Illustration trug Ertugrul Edirne bei.
Handlung des 1. Falls: Der Fall Wallington
Alwyne Hargreaves hat einen Vertrag über ein Buch abgeschlossen, in dem die frühen Fälle der Hargreaves geschildert werden sollen. Nachdem Colin seine Verblüffung überwunden hat, erinnern sich die beiden. Als sich der Fall Wallington ereignete, hieß Alwyne noch Miss Sargent und arbeitete als seine Sekretärin.
Mr Mortimer ist Immobilienmakler und soll im Auftrag von Mr Giltstrap das Green House in Wallington vermitteln. Der Haken: Dort soll es spuken, und dieses Gerücht drückt natürlich den Preis. Colin Hargreaves, sein Angestellter, soll das bitte überprüfen. Colin fährt mit seinem Auto dorthin und lässt sich vom Hausmeister das Haus öffnen.
Giltstrap führt ihn zum sogenannten „Spukzimmer“: Es handle sich um das Hauptschlafzimmer. Nicht ganz unauffällig blickt er zur Decke. Doch im zweiten Obergeschoss, wo sich das Dienstpersonal aufhalten würde, ist ebenfalls nichts zu sehen. Giltstrap will 1000 Pfund für das Haus, Colin bietet ihm 500 und will dafür probewohnen. Er zahlt die 500 und informiert Mr. Mortimer. Der ist indigniert, weil Colin ihn „übergangen“ habe.
Zum Probewohnen braucht Colin ein Medium, um den Spuk zu testen. Seine Sekretärin, eine gewisse Alwyne Sargent, bietet ihre Hilfe an – sie sei eine Sensitive. Okay, tut Colin erstaunt. Aber nur mit ihrer Mutter als Anstandswächterin, insistiert Alwyne. Und ein bis zwei Nächte sollten reichen. Sie plant eine Spukaustreibung und Colin ein stattliches Honorar für sie.
Die erste Nacht
Sie ziehen abends zu dritt in Green House ein, eine Haushälterin öffnet ihnen. Miss und Mrs. Sargent beziehen das Hauptschlafzimmer, Colin im Stockwerk darüber das Zimmer der Dienstboten. Nach dem Abendessen gehen die Damen auf ihr Zimmer, Colin bleibt bis Mitternacht wach und denkt ans Heiraten. Doch als er zu Bett gehen will, hält ihn die durchdringende Kälte davon ab.
Da hört er einen durchdringenden Schrei aus der Etage darunter. Als er wie elektrisiert nachschaut, findet er Mrs. Sargent händeringend vor und Alwyne liegt am Fußende ihres Bettes auf dem Boden. Sie ist in tiefer Trance und unansprechbar. Immer wieder stammelt sie: „Das Blut! Aus der Decke tropft es auf mich!“ Doch die Decke ist frisch getüncht – da ist kein Blut…
Mein Eindruck (SPOILER!)
Offenbar ist in der Kammer über dem Spukzimmer ein Mord geschehen. Mrs. Sargent verlangt, dass sie sofort ausziehen, denn sie ist auf ihren guten Ruf bedacht. Zu ihrem Verdruss ist ihre Tochter auf die Lösung des Rätsels, muss aber ebenfalls fort. Colin kann die Sache nicht auf sich beruhen lassen und bestellt eine Baufirma: Die soll die Zwischendecke herausreißen. (Das Haus gehört ja inzwischen ihm.)
Der Bauunternehmer stößt in der Zwischendecke auf eine Kalkmasse und nachdem diese entfernt worden ist, auf eine Waffe: ein Stilett. An der Klinge klebt noch dunkles Blut. … So begann die Zusammenarbeit von Alwyne und Colin.
Handlung des 2. Falls: Das Vermächtnis von Sir Christopher
Ein Jahr später soll Colin Hargreaves in Mr. Mortimers Auftrag ein Anwesen in Sussex überprüfen, das die Angehörigen des verstorbenen Mr. Henry Weekman verkaufen wollen. Der Haken auch hier: Es geht ein Poltergeist um. Zusammen mit seiner „Geheimwaffe“ Alwyne nimmt Colin Haylesbury Manor in Augenschein. Es gibt nur noch eine, sehr leidensfähige Bewohnerin: Mrs. Musgrave, die ehemalige Haushälterin. Die meisten Möbel sind bereits versteigert worden. Ihr Wert beruht vor allem auf der Tatsache, dass das Haus aus dem 17. Jahrhundert stammt.
Alwyne und Colin messen die Zimmer aus, denn manchmal weisen alte Häuser Geheimkammern auf. So stoßen sie auf das riesige Himmelbett im Hauptschlafzimmer. Es ist am Boden festgeschraubt. Hier sei Baronet Christopher verstorben, erzählt Mrs. Musgrave, und hier soll auch einmal König Jakob der Erste genächtigt haben, also vor einigen Jahren. Seit Mr. Weekman auch das Porträt von Sir Christophers Mündel Alice entfernt habe, gehe der Geist Sir Christophers allnächtlich um. Weekman verbannte die junge Frau vom Anwesen, weil es kein Testament gab. Nun müsse die Enterbte als Kellnerin ihr Leben fristen. Wie traurig! Alwyne und Colin wollen den Spuk überprüfen und wieder mal probeschlafen. Natürlich getrennt.
Die erste Nacht
Pünktlich um Mitternacht beginnt der Spuk. Ein sehr lautes Pochen durchdringt das Haus. „Rasch hinterher!“ Denn das Pochen bewegt sich von Zimmer zu Zimmer bis zum Himmelbett. Dort ist es eisig kalt. Die Kerzen erlöschen im Geisterwind, als die beiden Geisterjäger vor einer Wand stehen, die sich gegenüber dem Himmelbett befindet. „Bloß raus hier!“ Mrs. Musgraves Petroleumlampe weist ihnen den Weg.
Nach der Übernachtung in einem Gasthaus am Ort will Alwyne nochmal im Manor nachschauen: Vielleicht gibt es ja ein verborgenes Testament in der Vertäfelung! Mrs. Musgrave ist einverstanden. Denn im Hauptschlafzimmer hing einst das Porträt von Miss, dem Mündel des Baronet, doch es wurde längst versteigert. In einer nächtlichen Mediumserfahrung erfährt Alwyne in Trance, dass es dem alten Baronet um dieses Bild ging: „Lasst es in Ruhe!“
Sie müssen das Gemälde beim jetzigen Besitzer finden, denn es birgt wahrscheinlich mehr als ein Geheimnis und auch den Schlüssel, den Frieden im Manor wiederherzustellen…
Mein Eindruck
Dies ist quasi eine Aschenputtelgeschichte: Die kleine Alice, die als Mündel ins Gutshaus aufgenommen wurde, wird enterbt und verstoßen. Erst als das Testament Sir Christophers wieder per Zufall auftaucht, wiederfährt ihr endlich Gerechtigkeit. Alwynes mediale Fähigkeiten haben daran einen entscheidenden Anteil. Ende gut, alles gut.
Die Inszenierung
Die Sprecher
Dieses Hörspiel ist ganz auf unheimliche Atmosphäre abgestimmt. Geräusche, Musik und Dialoge spielen ausgezeichnet zu diesem Zweck zusammen. Die meisten Figuren sind mit einer Ausnahme weiblich und ergreifen die Initiative, allen voran Alwyne Sargent – die spätere Mrs. Hargreaves.
Den männlichen Figuren mangelt es jedoch nicht an Sympathie und Einfühlungsvermögen, allen voran Colin Hargreaves, der stets politisch korrekt agiert. Die Nebenfiguren wie etwa Mr. Mortimer oder Mrs. Musgrave stellen ihre Figuren entsprechend glaubwürdig dar, ohne jedoch übertrieben zu wirken.
Geräusche
Eine große Vielfalt von Geräuschen verwöhnt das Ohr des Zuhörers. Der Eindruck einer real erlebten Szene entsteht in der Regel immer. Eine tickende Standuhr, gluckernder Tee, klappernde Teetassen, knisterndes Kaminfeuer – all diese Samples setzt die Tonregie zur Genüge ein, um einer Szene eine Fülle von realistisch klingenden Geräuschen zu vermitteln.
Das Highlight des zweiten Falls ist das laute Pochen oder Klopfen, das der Poltergeist verursacht. Dieser Klang wird maximal ausgereizt, so dass der Hörer ihn gebührend würdigen kann. Schade, dass Alice, das Mündel, überhaupt nicht zu Wort kommt.
Musik
Die untermalende Musik, die unterschwellig die Emotionen des Hörers steuert, wechselt zwischen idyllischen und unheimlichen Harmonien und Rhythmen. Meist hält sie sich im Hintergrund, indem sehr tiefe Bässe, die an der unteren Hörgrenze angesiedelt sind, den Hörer unterschwellig auf etwas Schlimmes vorbereiten oder ihm sonstwie Unbehagen bereiten sollen.
Titania Medien hat offenbar in einen Klangcomputer investiert und zaubert damit nun die schönsten, wirkungsvollsten Klangensembles. Die Obertöne bestreitet ein abwechslungsreich eingesetztes Piano, das mal romantisch, mal tragisch erklingt. Zur Geltung kommen im zweiten Fall auch Chöre und eine Orgel. Sie machen das Ambiente und die spiritistische Seite des Falls noch unheimlicher.
Musik, Geräusche und Stimmen wurden so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.
Die tiefen Bässe kommen durch den Subwoofer in einer Soundbar noch besser zur Geltung. Meine Soundbar von einem japanischen Hersteller hat, wie ich froh entdeckte, drei Bassstufen, so dass ich das Maximum an tiefen Tönen herausholen kann. Das erweist sich als günstig, denn an mehreren Stellen reizt das Klangdesign diese Bässe auf subtile Weise aus.
Das Booklet
Das Titelmotiv zeigt eine Szene, die im zweiten Fall vorkommt: Alwyne Sargent erwacht, nachdem sie in Sir Christophers Himmelbett eine außersinnliche Erfahrung gemacht hat. Sie Christopher, der Poltergeist, ist wohl groß im rechten Vordergrund zu sehen.
Im Booklet sind die zahlreichen Titel des GRUSELKABINETTS und der SHERLOCK HOLMES Reihe bis Frühjahr 2026 (Folge 197) verzeichnet. Es bleibt die spannende Frage, was der Verlag als Folge 200 plant! Die Vorschau wird online auf der neugestalteten Homepage bestens dargeboten. Die letzte Seite des Booklets zählt sämtliche Mitwirkenden auf.
Programm von Herbst 2023 bis Frühjahr 2026
185: Lovecraft: Die Musik des Erich Zann (September 23)
186: ETA Hoffmann: Der Ghoul (Oktober 23)
187: Blackwood: Die Weiden (November 23)
188: Seidel: Der Hexenmeister
189: McGraup: Heimlich
190: Grimm: Schauermärchen 1
191: Grimm & Bechstein: Schauermärchen 2 (9/24)
192: Lovecraft: Gefangen bei den Pharaonen (Okt. 24)
193: Heron: Flaxman Low – Der Fall Yand Manor House (11/24)
194: E.F. Benson: Das Geständnis des Charles Linkworth (3/2025)195: Upward & McGraup: Heimtückisch (04/2025)
196: Heron: Flaxman Low – Saddler’s Croft (05/2025)
197: Lovecraft: Das Grauen von Dunwich (27.3.2026)
Unterm Strich
Dieses Gruselkabinett-Hörspiel bietet dem Hörer nicht nur einen geist-reichen Fall, sondern gleich zwei. Im ersten wird eine blutige Mordtat aufgedeckt und geahndet, im zweiten ein Unrecht wieder ausgeglichen. In der Rahmenhandlung bilden die beiden Fälle den Anfang der Kooperation zwischen Alwyne und Colin Hargreaves. In dem Buch, das Alwyne schreiben will, dürfen sie natürlich nicht fehlen.
Das Hörspiel
Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und bekannte Stimmen von Synchronsprechern und Theaterschauspielern einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen.
((Besonders die Akustik der Sequenz der Tempelszenen ist ausgefeilt und verfehlt ihre Wirkung nicht.))
Die Sprecherriege für diese neue Reihe ist höchst kompetent und renommiert zu nennen, handelt es sich doch um die deutschen Stimmen von Hollywoodstars. Auch jungen Menschen, die sich einfach nur für spannende Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert, und die Stimmen der Hollywoodstars vermitteln das richtige Kino-Feeling.
CD: über 75 Minuten
ISBN-13: 9783785787120
Titania Medien
Der Autor vergibt: 



