Alle Beiträge von Michael Matzer

Lebt in der Nähe von Stuttgart. Journalist und Buchautor.

Michael Kubiak (Hrsg.) – Kontakte. Neue erotische SF-Geschichten

Von liebenden Klonen und erotischen Robotern

Bisher hatten Sex und Science Fiction nur eines gemeinsam – den Anfangsbuchstaben. Nach Lektüre der vorliegenden Sammlung mit Stories von bekannten SF-Autoren wie Wolfgang Hohlbein, Harlan Ellison und J.G. Ballard sowie vielen anderen soll der Leser nach dem Willen des Herausgebers Michael Kubiak feststellen, dass auch in der Zukunft noch etwas geben wird, das schöner ist als Fliegen: „Was heute [1985] gerne als „Thema Eins“ bezeichnet wird, nämlich Sex und Erotik, wurde von der Science Fiction lange geradezu puritanisch stiefmütterlich behandelt.

Wie freizügig und gekonnt moderne SF-Autoren sich mittlerweile auch auf diesem Terrain bewegen, beweist die vorliegende Sammlung neuer erotischer Science-Fiction-Kurzgeschichten von Harlan Ellison, Ulrich Harbecke, Wolfgang Hohlbein, Edward Bryant und Michael Moorcock.“

Mit dem Unterschied, dass a) Michael Moorcocks Beitrag in diesem Band gar nicht enthalten ist und b) dass Autorinnen keinen Zugang zu dieser Anthologie erhalten haben. Das finde ich ziemlich diskriminierend. Schon 1985 hatten Autorinnen zahlreiche Beweise vorgelegt, dass sie etwas von Sex und Erotik verstehen, so etwa Joanna Russ, Tanith Lee und Ursula K. Le Guin.
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Marie de France – Bisclavret (Gruselkabinett Folge 166)

Der Werwolf des Königs

Bretagne, um 1170: Der ehrbare Ritter Eric de Bisclavret verschwindet sehr zum Ärger seiner Ehefrau Catherine jeden Monat für drei Tage, ohne jemanden von seinem Verbleib in Kenntnis zu setzen. Als die Gattin erfährt, dass er sich in dieser Zeit in einen Werwolf verwandelt, sorgt sie durch eine List dafür, dass er nicht zurückkehren kann, und beginnt ein neues Leben. Der Werwolf sucht Zuflucht bei seinem Lehnsherrn und sinnt auf Rache … (Verlagsinfo)

Die Autorin
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Horst Eckert – Nacht der Verräter. Thriller

Kampf gegen die Mocro-Mafia

Polizist Max Bauer fällt aus allen Wolken, als während einer Party am helllichten Tag seine Frau Julia spurlos verschwindet. Sie hatte seit ihrem Kennenlernen ein Geheimnis um ihre Vergangenheit gemacht. Er nahm das in Kauf, denn ihre Liebe half ihm aus einer Krise nach einem traumatischen Einsatz. Aber wo soll er bei seiner Suche nun ansetzen? Zugleich konfrontieren ihn Kollegen der Kripo mit einem bösen Verdacht: Seine Brüder, Polizeibeamte im Streifendienst, sollen in den aktuell boomenden Handel mit Kokain aus den nahen Häfen Antwerpen und Rotterdam verstrickt sein. Von Max wird verlangt, seine Familie zu bespitzeln, anderenfalls würde man ihn als Mittäter verfolgen. Ein lebensgefährlicher Seiltanz mit ungewissem Ausgang beginnt. (Verlagsinfo)

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Horst Eckert – Die Praktikantin. Politthriller

Journalisten im Hyper-War

„Geheimdienste, die über Leichen gehen. Eine Regierung, die schweigt. Eine junge Journalistin, die die Wahrheit sucht – aktueller, brisanter und kritischer kann ein Thriller gerade nicht sein.

Carla Bergmann, als junge Praktikantin neu in der Lokalredaktion der Morgenpost, geht einer Meldung im Polizeibericht nach und stößt auf Ungereimtheiten. Bei regimekritischen Exilrussen wurde eingebrochen. Es liegt nahe, dass der russische Geheimdienst dahintersteckt. Aber warum wollten deutsche Behörden den Fall vertuschen?

Nachdem ein Informant vor Carlas Augen ermordet wird, erhält sie Unterstützung von Jan Koller, Hauptstadtkorrespondent der Morgenpost und einstmals gefeierter Investigativjournalist. Alle Spuren führen nach Kiew. Welche Rolle spielt dort ein großer deutscher Rüstungskonzern?“ (Verlagsinfo)

Der Autor
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Wolfgang Jeschke – Heyne Jahresband Science Fiction 1987

Viel Überflüssiges: klassische SF-Erzählungen und -Romane

Der inzwischen verstorbene Herausgeber der Heyne Science Fiction Reihe, Wolfgang Jeschke, pflegte von 1980 bis 2000 eine schöne Tradition: Jedes Jahr präsentierte er seinen Lesern eine Anthologie von guten phantastischen Geschichten zu einem sehr erschwinglichen Preis. Lag dieser 1980 noch bei schlappen 4,80 DM, so war der Preis im Jahr 2000 bereits bei 18,00 DM angelangt – und wäre heute überhaupt nicht mehr bezahlbar. (Man könnte man die Preissteigerungsrate ausrechnen: Sie ist astronomisch hoch.)

Wie immer jedoch lieferten die SF-Jahresbände Erzählungen, die von der ersten Liga der Autoren und Autorinnen stammte. Stets war ein kleiner Ausreißer dabei, sei es ein Autor aus dem Ostblock – zu dem Jeschke von jeher gute Kontakte pflegte -, oder ein Kurzroman, so etwa von Altmeister Robert Bloch.

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Neal Stephenson – Snow Crash. SF-Roman


„Visionär und rasend schnell erzählt: Das zentrale Werk des Cyberpunks jetzt in neuer Übersetzung.

Hiro Protagonist war mal Programmierer, aber seit auch hier die Konzerne alles gleichgeschaltet haben, zieht er jeden Bullshit-Job vor: Pizza-Auslieferer für die Mafia. Oder Information Broker für die ehemalige CIA.

Wichtiger als die echte Welt ist für ihn ohnehin das Metaverse, ein virtueller Ort, an dem sich die Menschen mit ihren selbst gestalteten Avataren treffen. Dort begegnet er auch zum ersten Mal der Droge »Snow Crash«. Das Besondere: Snow Crash ist ein Computervirus, der auch Menschen befallen kann. Zusammen mit seiner Partnerin Y. T. ermittelt Hiro – und kommt einer Verschwörung auf die Spur, die bis in die menschliche Vorgeschichte zurückreicht.“ (Verlagsinfo)

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Gilles Servat – Myrddhins Reise (Der Mythos des Arktur #2)

Blütenwange und Berserker

Action, Mystik und Erotik geben sich in diesem Fantasyroman ein Stelldichein, so dass der Roman zu einer kurzweiligen Lektüre gerät. Dies ist der zweite Band in dem mehrbändigen Heroic-Fantasy-Zyklus „Der Mythos des Arktur“, der auf der Welt Bre (= Bretagne) spielt. Es kommen also auch durchaus Science Fiction-Elemente vor. Arkturs Vater, der Nuada (s.u.), kam von einer fernen Welt, Erth, nach Bre, und sein Freund Myrdhinn (= Merlin) folgt ihm nun.

Der Mythos des Arktur

Band 1: Das Geheimnis von Bre

Band 2: Myrdhinns Reise

Band 3: Das Vermächtnis des Nuada***

Band 4: Die Waffen der Götter
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Gilles Servat – Das Geheimnis von Bre (Der Mythos des Arktur 01)

Heldensaga auf Keltenart

Spannende, actionreiche Science Fantasy bietet dieser Startband einer Tetralogie vom französischen Starautor Gilles Servat. Der Dichter, Sänger und Musiker kann seine bretonische Vorliebe nicht verleugnen und taucht ohne Scheu in eine keltische Welt ein, wie sie hätte sein können. Hier denke man „Bre = Bretagne“. Jedes Kapitel ist mit schönen keltischen Schnörkeln versehen; eine Landkarte erleichtert die Orientierung.

Der Mythos des Arktur

Band 1: Das Geheimnis von Bre

Band 2: Myrdhinns Reise

Band 3: Das Vermächtnis des Nuada***

Band 4: Die Waffen der Götter

***: In der irischen Mythologie ist Nuada Airgetlám („der mit der Silberhand“) ein Kriegergott und Anführer der Túatha Dé Danann, dem „Volk der Göttin Danu“, quasi die Olympier von Irland. Die Tuath Dé Danann werden oft als Könige, Königinnen, Druiden, Barden, Krieger, Helden, Heiler und Handwerker dargestellt, die übernatürliche Kräfte haben. Sie leben in der Anderswelt, interagieren aber mit Menschen und der menschlichen Welt. Die Tuath Dé Danann werden oft als Könige, Königinnen, Druiden, Barden, Krieger, Helden, Heiler und Handwerker dargestellt, die übernatürliche Kräfte haben. Sie leben in der Anderswelt, interagieren aber mit Menschen und der menschlichen Welt. (Wikipedia)

Der Autor
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Michael Bishop – Arachne. Stories 01

Classic SF: Einfallsreiche Geschichten

„Das Erscheinen Michael Bishops hat in der internationalen Science Fiction-Szene beträchtliches Aufsehen erregt. Dies nicht zuletzt deswegen, weil sich seine atmosphärisch dichten und stilistisch ausgefeilten Erzählungen eher der modernen US-amerikanischen Literatur zurechnen lassen als dem, was man gemeinhin von der SF erwartet.

Obwohl man ihn vornehmlich als Verfasser einer stark soziologisch orientierten Science Fiction apostrophiert, zeigen die in diesem (Doppel-) Band versammelten Erzählungen, zu welcher Ausdrucksstärke und Farbigkeit dieser Autor fähig ist.

Bishop ist ein Ideenmann und Stilist, sein Werk ist von einer grundlegenden Menschlichkeit, auch wenn seine Charaktere uns unmenschlich erscheinen mögen oder – wie in einem Fall – Maschinen sind.

„Arachne“ (und „Raumfahrer und Sternzigeuner“) enthält die besten Kurzgeschichten und Novellen des jungen Autors, der mit „Flammenaugen“ seinen ersten SF-Roman vorlegte (deutsch bei Heyne). Mehrere der hier vorgelegten texte wurden für den HUGO- und den NEBULA Award nominiert. (ergänzte Verlagsinfo)

Hinweis

Der ursprüngliche Gesamtband wurde von Ullstein in zwei Hälften aufgeteilt, der erste Band trägt den Titel „Arachne“, die zweite Häfte heißt „Raumfahrer und Sternzigeuner“. Ein Vorwort des Autors und zwei Gedichte ergänzen das komplette Werk, das 1983 auf Deutsch erschien. 1983 erhielt Bishop erstmals den NEBULA Award.

Der Autor

Michael Lawson Bishop (* 12. November 1945 in Lincoln, Nebraska) ist ein US-amerikanischer Autor, der in erster Linie Science-Fiction-Literatur schreibt. Er besitzt einen Master-Abschluss in Englisch der University of Georgia und unterrichtete an verschiedenen Schulen und Universitäten. (Quelle: Wikipedia)

Bishop veröffentlichte 1970 seine erste Kurzgeschichte „Piñon Fall“, sein erster Roman („A Funeral for the Eyes of Fire“) folgte 1975. Zahlreiche Erzählungen und Romane Bishops wurden für diverse Science-Fiction-Preise nominiert. Ausgezeichnet wurde er viermal mit dem Locus Award und zweimal mit dem Nebula Award, 1981 für die Erzählung „The Quickening“ und 1982 für den Roman „Nur die Zeit zum Feind (No Enemy But Time). In diesem Roman, der als sein bekanntestes Werk gilt, geht es um die Zeitreise zur Wiege der Menschheit ins pleistozäne Afrika. Der Roman besticht durch seine Charakterzeichnungen und komplexen Aufbau und verzichtet auf einen technischen Erklärungsversuch der Zeitreise. (Quelle: Wikipedia)

Der in den Südstaaten der USA lebende Autor hat sich als Gegner von rassischen Vorurteilen profiliert, nicht nur in diesem Roman, sondern auch in „Brüchige Siege“ (1994). In „Brüchige Siege“ setzt er Mary Shelleys „Frankenstein“-Roman (1818) in einer recht unwahrscheinlichen Umgebung fort: im Georgia des Jahres 1943. In dem Roman „Die Einhorn-Berge“ nahm er sich des Themas AIDS an.

Die Erzählungen

1) Arachne (Blooded on Arachne)

Der 16 Jahre junge Ethan Dedecos ist zum Planeten Arachne gekommen, um erstens sein Blut zu spenden und zweitens, um der Kriegsmarine beizutreten. Arachne ist ein felsiger Wüstenplanet, dessen dominante einheimische Lebensform Spinnen sind, so groß wie Elefanten. Diese produzieren in ihrem Speichel ein Virus, das auf Menschen tödlich wirkt. Das Gegenmittel wird von Kindern wie Ethan produziert.

Eine ganze Kultur hat sich um die Spinnen entwickelt. Die jungen Hirten, die die Spinnen treiben, weil sie gegen deren Virus immun gemacht worden sind. Die Wüstenbewohner, die sich diesseits des Raumhafens um den Kontakt zwischen den Zivilisten wie Ethan kümmern, und die Siedler und Marines in Port Eggerton auf Abstand halten. Führer wie Wej S’al bringen Ethan zu den Hirten und den „Hexen“ gegen die Furcht, bevor das Blutspenden beginnt.

Eine kleine Gruppe Spinnenbrut – Spinnerlinge – wird von einem Mädchen angeführt, damit die Brut einen Felsen erklimmt. Von dort beginnt ein Schauspiel: Die Jungen sprühen ihre Sinnweben in die Luft, bis sich der Himmel über dem ausgetrockneten Meeresboden weiß färbt. Anschließend wird Ethan betäubt und auf diesem Meeresboden, einer Salzwüste, mit minimalem Proviant ausgesetzt. Als er erwacht, muss er zusehen, wie er überlebt. Natürlich gelingt ihm dies nur mithilfe der Spinnen. Er schnappt sich eine, die er Bucephalus nennt (nach dem Pferd von Alexander dem Großen). Eine Odyssee durch den Luftozean beginnt…

Mein Eindruck

Die Odyssee bildet einen Initiationsritus. Wird ihn Ethan erfolgreich bestehen, fragt sich der Leser. Denn die im O-Titel angedeutete „Blutung“ deutet auf ein gutes Maß an Gewalt und Verletzung hin. Wie sich ganz am Ende herausstellt, besteht Ethan zwar die Mutprobe, von der sein Überleben abhängt, doch um den Preis eines Opfers…

Die Story vereint mit ihrer Landschaft und Kultur Elemente aus DUNE, kombiniert sie mit dem Initiationsmythos vom jungen Helden (vgl. Joseph Campbell) und bildet so den Auftakt zu einem Space-Opera-Jungsabenteuer. Davon hätte ich gerne noch mehr gelesen.

2) Odyssee auf Cathadonia (Cathadonian Odyssey, VÖ 1974, nominiert für den HUGO 1975)

Die ersten Siedler taufen den erdähnlichen Planeten auf den Namen Cathadonia, ein Kofferwort aus „Cathay“ (altes China) und „Caledonia“ (altes Schottland). Sie fanden einen Ozean, viele Tümpel und an jedem Tümpel einen Wächterbaum vor. Und die dreibeinigen Affen, die sie überall vorfanden, massakrierten sie als unerwünschte Konkurrenten – oder einfach aus Lust an der Jagd. Bald waren alle Dreibeiner verschwunden.

Das riesige Interstellarschiff „Nobel“ ist unterwegs zu den Magellanschen Wolken und setzt in der Nähe von Cathadonia eine Forschungsfähre ab. An Bord sind das Ehepaar Ian und Fischelson. Plötzlich packt eine Kraft die Fähre, so dass sie abstürzt. Nur Maria Jill Ian überlebt die Notlandung, und fortan trauert sie um ihren Mann Arthur. In einem der zahllosen Tümpel bestattet sie die beiden Männer. Dann begegnet sie dem letzten überlebenden Dreibeiner. Von intelligentem Leben haben die Siedler keine Meldung an die Erde gemacht, daher ist Maria überrascht.

Das Lebewesen mit den großen Augen ernährt sich von Früchten, die in den Wächterbäumen wachsen. Merkwürdig daran ist jedoch, dass die Früchte nach oben schweben, um in seinem Maul zu landen. Es muss über telekinetische Fähigkeiten verfügen. Maria begrüßt es zaghaft und ernährt sich fortan ebenfalls von den Früchten und dem Wasser in den Tümpeln. Da der Dreibeiner, den sie Bracero tauft, harmlos aussieht, nimmt sie ihn mit auf ihre Odyssee. Cathadonia duckt sich unter den brennenden Strahlen der Sonne, die die Siedler „Ogers Herz“ (bei Heyne: „Menschenfressers Herz“) genannt haben.

Dass Bracero auch über telepathische Fähigkeiten verfügen muss, erschließt sich Maria Jill Ian aus den verschiedenen Reaktionen auf ihre eigenen Gefühle, vor allem auf ihre Trauer. Nach einer tagelangen Phase der Regungslosigkeit tauchen die Leichen von Arthur und Fischelson in einem der Tümpel auf. Doch was wohl als Trost gedacht war, stürzt Maria noch mehr in Verzweiflung. Sie versenkt die Leichen wieder. Nun plant sie einen Kurswechsel Richtung Ozean, denn davon hat sie ein Stück während des Absturzes erhascht. Die Tümpel werden größer.

Doch dann wünscht sich Maria, diese Welt hätte einen Mond, zumindest eine Kugel, die Cathadonia zeitweilig von den sengenden Strahlen der Oger-Sonne schützen würde. Volle fünf Tage verfällt Bracero in Trance, und als erwacht, schwebt am Himmel tatsächlich eine neue Welt. Es ist die Erde…

Mein Eindruck

Jeder SF-Fan kennt die Story „Eine Mars-Odyssee“ von Stanley G. Weinbaum. Sie war die erste SF-Geschichte, in der Aliens freundlich auftraten und den Erdlingen halfen, in einer fremdartigen Umgebung zu überleben. Auch Bracero ist so ein fremdartiger Helfer. Doch der Autor hatte kurz zuvor ein Buch über die russischen Psi-Experimente gelesen und nahm nun Telekinese und Telepathie in diese Geschichte auf.

Das Ergebnis ist für die gestrandete Maria Jill Ian jedes Mal erschütternd und unerwartet: Ihr toter Mann kehrt zurück und die Erde wird nach Cathadonia versetzt. Manchmal bekommt man eben mehr, als man sich gewünscht hat. Alfred Lord Tennyson liefert auf S. 52 mit einer Strophe aus seinem epischen Gedicht „Ulysses“ den tröstenden Kommentar, nach dem Motto „Wir sind, wer wir sind, und wir wissen, was wir noch haben. Wir werden trotz aller Rückschläge nicht weichen.“

Ich hatte eigentlich die ganze Zeit erwartet, dass Maria die Siedler trifft und denen eine Standpauke hält. Dass da wohl ein Genozid an Braceros Leuten stattgefunden haben muss usw. Aber damit hätte sie sich nur in Lebensgefahr gebracht. Stattdessen erscheint die Erde über Cathadonia, und lange nach Marias Tod usw. wird der Doppelplanet zu einer Touristenattraktion. Ein ironischer Schluss, der den dramatisch erscheinenden Mittelteil wieder humorvoll ausgleicht.

3) Abbilder (Effigies)

Lange nach der globalen Katastrophe auf der Siedlerwelt Hond ist der Stamm, in dem die junge Thelet lebt, bis auf 24 Mitglieder geschrumpft. Sie leben auf Steinzeitniveau und praktizieren Inzest, um wenigstens auf diese Weise auf Nachwuchs hoffen zu dürfen. So muss Thelet ebenso wie ihre Schwester Amigna mit ihrem klumpfüßigen Bruder Hrul schlafen. Um das eigene Leben zu verlängern, häuten sich die Mitglieder hin und wieder.

Es gibt einen alten Einsiedler namens Verlis, der in der Lage ist, die Maschinen in seiner Festung Adiro zu benutzen. Während die anderen auf die Jagd gehen, nimmt Verlis Thelet mit in sein Labor. Hier zeigt er ihr, wie er gedenkt, die Zahl der Stammesangehörigen zu steigern: durch Pflanzung. Mit der Erlaubnis und Unterstützung der anderen darf Verlis 40 Samen in kleine Erdhaufen säen, obwohl manche, wie der zynische Hrul, dagegen sind: Verlis, so behauptet er, habe das Wild vertrieben.

Nach etwa zwei Wochen erheben sich die ersten zarten Pflänzchen aus den Erdhaufen. Sie weisen Gesichter auf, und während sie wachsen, zeigen sie alle das Gesicht von Verlis. Das ruft Empörung hervor. Für wen hält sich der Alte denn? Aus dieser ersten Ablehnung erwächst schließlich Hass. Es kommt, wie Verlis vorausgesagt hat: Als der Hunger zu groß wird, fallen die Stammesangehörigen über die neue Saat her: Es ist glatter Mord.

Doch die Schuldgefühle richten sich nicht gegen die Anführerin Evmaunda, sondern gegen Verlis. Eine verunstaltete Puppe hängt vor dem Eingang zum Labor. Als Thelet sie schließlich entfernt und Verlis‘ Festung betritt, ahnt sie Schlimmes…

Mein Eindruck

Die sehr anschaulich aus Thelets Blickwinkel erzählte Geschichte belegt, dass die künstliche Fortpflanzung auch keine Alternative ist. Offenbar ist die menschliche Psychologie nicht dafür eingerichtet, sich künstlich helfen zu lassen. Dafür aber ist Inzest erlaubt, selbst wenn diese Praxis mangelhaft lebensfähige Nachkommen hervorbringt.

Es ist der Gipfel der Ironie, dass ausgerechnet das Labor, das der alte Verlis gepflegt und genutzt hat, zerstört wird, um den Status quo der steinzeitlichen Lebensweise erhalten zu können. Dabei spielen nicht einmal absurde Vorstellungen wie etwa Dämonen eine Rolle. Thelet wird als hilf- und wehrloses Mädchen dargestellt, das nicht einzugreifen wagt. Aber auch Evamaunda als Stammesführerin weist einen positiven Weg.

Und so kommt es, dass der schärfste Kritiker, Thelets Bruder Hrul, seinen Willen bekommt. Sein ungenannter Hintergedanke könnte ja die ungestörte Benutzung von Thelet und ihrer Schwester sein. Egoismus obsiegt also über Altruismus, Kurzsichtigkeit über Strategie. Eine ziemlich pessimistische Aussage, die der Autor hier vermittelt.

4) Das Haus der mitfühlenden Teiler (The House of Compassionate Sharers)

Dorian Lorca ist der Prinzgemahl der Gouverneurin des Planeten Diroste (im Original: Miroste), deren Namen Rumer (im Original: Rumai) Miethai lautet. Doch Dorian ist nur noch zu einem geringen Teil menschlich zu nennen, denn bei einer Explosion in einer Mine, die er als Beamter inspizieren sollte, wurde sein Originalkörper schwer beschädigt. Der Galen (Arzt) Diderits hat die beschädigten Körperteile durch künstliche ersetzt: Stahl, Keramik und Elektronik. Inzwischen betrachtet Dorian diese Teile als seinen wahren Körper und empfindet Abscheu vor organischen Körpern wie dem seiner Frau Rumer. Inzwischen hat er gelernt, ein Sondenschiff durch das galaktische Imperium zu steuern, das die Menschen dem Atomkrieg auf der Erde errichtet haben.

Auch heute verursacht ihm die Begegnung mit Rumer Übelkeit. Wenige Wochen später trifft in Port Iranani, wo er lebt, eine beinahe kahlköpfige Frau in einem kostbaren Gewand ein. Sie ist eine Wärterin namens Kefa, doch im Laufe des Gesprächs, an dem Diderits und Rumer teilnehmen, wird Dorian klar, dass sie in Wahrheit die Puffmutter eines Bordells ist, das sie „Das Haus der mitfühlenden Teiler“ nennt. Es liegt auf der Erde. Diderits und Rumer machen Dorian deutlich, dass dies seine letzte Chance ist, die Ehe mit der Gouverneurin aufrechtzuerhalten. Also kriegt er eine Therapie der Extraklasse.

Manitou Port liegt etwa 200 Meilen südwestlich des im Atomkrieg zerstörten Denver in Colorado, am Boden einer Schlucht, in die ein Ferienort mit allen Schikanen gebaut wurde. Hier ist Skifahren das ganze Jahr hindurch möglich. Folglich kommen allerlei reiche und schöne Menschen hierher – und Wärterin Kefas Spezialhaus. Dorian bekommt eine Privatsuite. In der ersten Nacht darf er einen der Teiler besuchen. Das Wesen liegt auf einem beheizten Bett und rührt sich kaum. Halb blind muss sich Dorian das Aussehen dieses stummen Partners ertasten. Ein Totenkopf mit elektronischen Augen?

In der nächsten Nacht mit diesem Partner erhält Dorian zwei Instrumente, die es ihm erlauben, den Körper und Geist des Partners vollkommen zu beherrschen. Er wird zum Puppenspieler. Seine Marionette soll auf sein Geheiß hin die singende Schwarzdrossel, die immer in ihrem Käfig sitzt, töten. Die Sache geht schief, aber für Wärterin Kefa ist die Sache aufschlussreich. Die Alpträume lassen nach und verschwinden schließlich ganz.

Andere Besucher sind nicht so kooperativ wie Lorca. Ein Klonpaar namens Cleirach und Cleva Orha, zwei hochrangige Beamte auf Urlaub, hat sich spezielle Spiele mit einem Eingeborenen der Welt Trope ausgedacht. Sie berühren Lorcas kühle Haut und wundern sich über seine Unempfindlichkeit gegenüber der Kälte von Wolf Run Summit, hier in den Rockies. Dann wird Lorca klar, wofür sie ihn halten: für einen Sklaven.

Beim Aufenthalt der Orhas kommt es zu einem Zwischenfall. Beide haben zuviel Drogen und Alkohol konsumiert, nun droht Cleva, der weibliche Klon, nicht nur den Eingeborenen von Trope zu töten – sie hat sein Kristallauge herausgeschnitten -, sondern Wärterin Kefa zu erwürgen. Nun ist es an Dorian Lorca, sich zu entscheiden, für wen er eintritt: für Besucher wie ihn selbst oder für die Wärterin, die offenbar auch eine barmherzige Partnerin ist…

Mein Eindruck

Die Geschichte dreht sich um die Überwindung von Entfremdung. Das ist der seelische Zustand von Dorian, der nicht nur zufällig an Oscar Wildes Figur des Dorian Gray erinnert, der ewige Jugend erkaufte. Dorian Lorcas seelischer Zustand klammert sich an die „Aufwertung“ durch langlebige Komponenten, doch erkauft wird diese Balance mit den Medikamenten, die ihm Dr. Diderits verabreicht. Folglich will sich Dorian nur widerwillig auf eine Behandlung dieses prekären Zustands einlassen.

In den siebziger Jahren waren Therapien aller Art in Mode, denn wenn sich schon die Gesellschaft – wie 1968 gescheitert – nicht verändern ließ, so vielleicht doch das eigene Seelenleben. Bei John Lennon klappte es, denn er wollte von seiner Heroinsucht geheilt werden. Seine Qualen kann man gemäß der Urschrei-Therapie heute noch anhören, beispielsweise „Cold Turkey“ oder „Mother“. Es ist kaum auszuhalten. Ein weiterer Entwurf ist Robert Silverbergs Roman „The Book of Skulls“, auf Deutsch als „Bruderschaft des Schmerzes“ bei Moewig übersetzt.

Mit Sicherheit geht es in Bishops Story um Schmerz, aber vielleicht nicht um eine Bruderschaft. Dorian ahnt nicht, dass seine Rolle nicht die des Puppenspielers sein wird, als er mit der Gesprächstherapie beginnt, aber wohl auch nicht die eines Kunden, wie es die Olha-Klone sind. Wie sich nach einigen Beichten und Erkenntnissen herausstellt, ist Dorian am besten als Teiler bzw. Partner geeignet. Und auf die sogenannte „Puffmutter“ oder Wärterin oder Wartin – je nach Übersetzung – lässt Dorian nichts kommen. Sie lässt ihm die Freiheit, seinen Weg selbst zu finden. Dafür bekommt sie seine Hilfe, wenn es ihr an den Kragen geht. Denn offenbar ist auch sie eine Teilerin.

Die vielfach abgedruckte Novelle mutet dem Leser zu Anfang viele neue Begriffe zu, wird aber dann immer leichter lesbar. Sie bleibt im titelgebenden Haus stets leicht verständlich, ohne an Niveau einzubüßen. Dieses ist nach dem Vorbild der Grafiken von M.C. Escher konstruiert, ein verwirrendes Labyrinth, das die Seelen seiner Klienten widerspiegelt.

HINWEIS: Eine alternative Übersetzung findet sich im „Heyne SF Reader 21“ aus dem Jahr 1984.

5) Die Bewohner von Chinistrex Fortronza sind Maschinen (In Chinistrex Fortronza the People are Machines)

Der Planet heißt Blaispagal GmbH und ist, wie etliche andere Welten, inkorporiert, also ein Unternehmen. Die Bewohner der Hauptstadt Chinistrex Fortronza sind allesamt Maschinen, die von einem Kaiser mit dem Titel Parmalee beherrscht werden. Der Kaiser ist lediglich dem göttlichen Uhrmacher verantwortlich, der alle Maschinen gebaut und in Betrieb gesetzt hat.

Der aktuelle Kaiser trägt den Namen Pajetric Stat. Als ihm von ausländischen Botschaftern ein unglaubliches Gerücht zugetragen wird, beauftragt er seinen „Wesir“ RundLauf mit dem Auftrag, dieses unglaubliche Wesen zu finden und in die Steuerzentrale zu bringen. Rund Lauf entgeht der Vernichtung, indem es ihm gelingt, jenes Fabelwesen aufzuspüren und zum Mitkommen zu bewegen: den Homunculus.

Der Homunculus, so besagt das Gerücht, sei in der Lage, zu lachen, klagen und Tränen zu vergießen, die sofort zu Diamanten werden, wenn sie zu Boden fallen. Dieser Homunculus jedoch klagt statt zu lachen, vergießt aber dennoch Tränen aus Diamant. Dies findet den Beifall des Parmalee, der seine Mitmaschinen zu begeistern weiß. Das Bruttobetriebsprodukt steigt in ungeahnte Höhen. Nach angemessener Zeit kehrt der Homunculus in seinen Wald zurück.

Die hinterlistigen Rivalen einer anderen GmbH schenken dem Parmalee etwas, das sie ein Gegenstück zum Homunculus nennen, allerdings aus „organischer Materie“. Dieser sei „biologisch“. Das da im Topf blubbert höchst unansehnlich. Sie haben es „Hoom“ genannt. Allerdings ist das Gebräu aus Aminosäuren, Fett und anderen garstigen Dingen durchaus zu Denken und „Emotionen“ fähig, wie sich herausstellt. Prompt verlangt der Parmalee ein Duett. Dieses misslingt. Und auch sonst gibt der Hoom Anlass zu Unmut: Er bricht zusammen. Ist dies der Anfang vom Ende?

Mein Eindruck

Die Story liest sich wie eines der netten Robotermärchen, die Stanislaw Lem einst zur Erbauung und Unterhaltung seiner Leserschaft schrieb. Allerdings fehlen hier die beiden verrückten Wissenschaftler Trurl und Klapaucius, so dass die Entwicklung des Geschehens mehr einer dialektischen Evolution gleicht. Sie folgt den Vorgaben des Kapitalismus, denn jede GmbH muss ein Bruttobetriebsprodukt erwirtschaften. Als das von Blaisephagal in den Keller geht, gerät die Welt in Gefahr, von einem popligen Konkurrenten wie Bzz übernommen zu werden. Doch wie in einem ordentlichen Märchen kommt Hilfe aus einer unerwarteten Richtung: der wahre Homunculus meldet sich zurück.

Wie in „Alice im Wunderland“ spielt der Autor mit Erwartungen. Er steigert die Abweichungen von der Maschine über den Homunculus bis zum „Hoom“, der eine biologische Lebensform darstellt, wie der Leser selbst. Nun kommt der Clou: Dieser Hoom (kurz für „human“) ist etwas, das die Maschinen überhaupt nicht kennen, also nicht nur biologisch, sondern auch sterblich. Der Tod ist etwas Neues im Maschinenland und könnte verheerende psychische Folgen für die Maschinen haben. Der Leser muss sich als Mensch fragen, ob es wirklich so eine gute Idee ist, biologisch und sterblich zu sein. Was hier wirklich fehlt, ist ein „Schöpfer“. Auf die Idee, dass die „Hooms“ sich durch gegenseitige Befruchtung fortpflanzen könnten, kommt natürlich keine der Maschinen.

6) Glaubenssprünge (Leaps of Faith)

Heinz Jürgens arbeitet als Insektenbekämpfer für Wanz-Ex in Columbus, Georgia. Heute hat er den Auftrag, Flähe im Haus der Familie Mayer zu beseitigen. Als er mit unerklärlichen Kopfschmerzen ankommt, sieht er, wie Mr. Mayer bereits mit Kalk usw. sein Haus zu schützen versucht, obwohl doch der Befall innerhalb des Hauses gewesen sein soll. Hier experimentiert Mrs. Mayer als freie Forscherin mit Flöhen. Sie untersucht deren Fähigkeit, aus dem Stand sehr hoch bzw. weit zu springen. Dabei hat sie das Resilin entdeckt und einen Muskel am Bauch.

Jürgens‘ Kopfschmerzen werden schlimmer. Er erinnert sich an seine Trennung von seiner Ex-Frau und wie sie ihm einmal Würstchen servierte, die sich noch in der Plastikverpackung verbanden. Das konnte ja nicht gut gehen – obwohl er noch darüber lachte. Aber sie nahm es ihm übel, nun ist sie Geschichte.

Eigentlich wollen die Mayers gar keinen Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln. Und ein Monats-Abo schon gleich gar nicht. Heinz‘ Kopfschmerzen werden stärker. Als er unverrichteter Dinge wieder zur Firmenzentrale fährt, stoppt er unterwegs am Straßenrand. Was sein Kollege, der ihn abholen will, im Auto vorfindet, ist jedoch nur ein junger Mann, dem aber der Geist von Heinz Jürgens fehlt…

Mein Eindruck

Auf seine augenzwinkernde Weise deutet der Autor an, dass auch Aliens wie Flöhe andere Wesen befallen könnten. In diesem Fall sind es Geistwesen, die sich der Seele eines Menschen bemächtigen, wie im Fall Heinz Jürgens. Aber auch seine Ex Trudi könnte ein solcher „Wirt“ gewesen sein, wegen ihres seltsamen Verhaltens beim Kochen.

Fragt sich allerdings, welchen Vorteil diese Geistwesen von solcher Wanderung haben könnten. Eine ähnliche Story hat einmal Lucius Shepard geschrieben, und dort wollte der Alien einfach nur verweilen, überleben und lernen, wie jeder Mensch. Jürgens spricht immer wieder vom Glauben (wie schon der Storytitel andeutet), und er betet zusammen mit den Mayers, obwohl diese Atheisten sind. Das ist herzwärmend, aber auch ein wenig schräg.

7) Besucher (Pinon Fall, 1970)

Die drei Aguilera-Jungs Jamie, Pokie und Tonio sind ins Gebirge gezogen, um Pinonzapfen zu sammeln. Der zarte Kerne würden ihre magere Winterkost aufbessern. Ringsum liegt Schnee in Colorado, bis sie zu einem Fleck kommen, wo eine Gestalt im Schnee liegt. Sie ist blau vor Kälte. Sobald sie ihre Furcht überwunden haben, öffnet Jamie die Augen der humanoiden Kreatur. Die Augen sind völlig schwarz und facettiert.

Aber das Wesen kann sprechen und bittet darum, es zu bedecken. Jamie gibt ihm seine Decke und den Inhalt von Einmachglässern voller gesammelter Pinonzapfen. Da erst sieht er, was sich hinter der Gestalt verbirgt. Es sind vier papierdünne Flügel. Sobald es gestärkt ist, beginnt das Wesen, das sich „Papilio“ nennt, mit den dünnen Flügeln zu schlagen. Dann folgt es ihnen zu ihrem Zuhause.

Ihre Mutter hat nicht nur einen prophetischen Alptraum erlebt, sondern auch noch Besuch von der alten Nachbarin Mrs. Zowodny, die aus Polen stammt. Das hindert die gehbehinderte Witwe nicht daran, die Chicanos als „Schwarzköpfe“ zu beschimpfen. Die Jungs pflegen ihr Häuschen mit Schnee- und Schmutzbällen zu bewerfen und rufen sie „Polack“. Die Polin will sich Mrs. Aguileras Axt ausleihen. Aber wozu, hat sie doch einen Ofen, der nur Kohle verbrennt. Sie bekommt die Axt dennoch.

Als Jamie zu Hause eintrifft, empfängt ihn seine deprimierte Mutter. Er bringt keinerlei Zapfenkerne mit, die ihre magere Kost aufgebessert hätten. Jamie soll die verliehene Axt zurückholen. Als er bei der Polin eintrifft, schlägt ihm organischer Drüsengeruch entgegen. Die Haustür ist offen und er sieht Mrs. Zowodny über einen schlafsackähnlichen Gestalt knien, auf die sie mit der Axt einschlägt. Als er dies sieht, fällt Papilio, der Jamie unauffällig gefolgt ist, über Mrs. Zowodny her, um der Artgenossin, die am Boden liegt, zu Hilfe zu eilen. Doch Jamie hält zu den Menschenwesen, nimmt die Axt und schlägt Papilio den Schädel ein.

Das hilft ihm nicht. Vom Himmel fallen wie Schneeflocken viele weitere Schmetterlingswesen zu Boden…

Mein Eindruck

Auf eine sehr ironische Art geht es in der ehemaligen Minenstadt Huerfano („Waise“), Colorado, um Invasion und Immigration. Polen sind hergezogen, bevor auch die Mexikaner in das fruchtbare San Luis Tal einwanderten, die Chicanos. Die schneebedeckten Gipfel der Sangre de Cristo Berge (bis knapp 4400 m hoch) erheben sich im Westen. Ja, die Spanier tauften einst diese Berge, ebenfalls Einwanderer, die gekommen waren, um ein Kaiserreich zu errichten- bis die Amerikaner sie 1848 vertrieben.

Und jetzt kommen die Aliens aus dem Himmel. Erst ein männlicher „Schmetterling“, dann taucht vor Mrs. Zowodnys Haus ein weiblicher Alien auf. Beide überleben ihre Begegnung mit den Bewohnern dieses Planeten nicht, aber sie sind ja nur die ersten ihrer Art.

In einer stimmungsvollen, aber abwechslungsreichen Erzählweise gelingt es dem Autor, Interesse für die sich anbahnende Auseinandersetzung zu wecken. Keine Spur von Romantik kommt auf, wenn der Schmetterling seine marmorierten Flügel ausbreitet. Nur gebührendes Staunen füllt die Augen der drei Jungs. Aber schon müssen sie ihre eigene Nahrung mit dem Fremdwesen teilen. Mit wenigen Pinselstrichen zeichnet der Auror die Grundelemente der Konflikte, die zwischen Alteingesessenen und Neulingen immer wieder den Verlauf der Begegnung bestimmen: das Eigene vs. das Fremde, Kampf ums Lebensraum und Nahrungsmittel. Wie Jamie herausfindet, zählt die Solidarität unter Menschen mehr als der latente Rassismus.

Die Übersetzung

S. 12: Der ganz[e] Canyon…“: Das E fehlt.

S. 15: „karmesinbraun“. Karmin ist meist rot. Google weiß: „Karmesin bezeichnet ein tiefes, sattes Rot, oft synonym verwendet mit Karmin, Karminrot oder Scharlachrot.“

S. 58: „spielerische Strategeme“: Das könnte man auch als „Spielstrategien“ übersetzen.

S. 66: „Nahrung aus Krautzweigen“: Ansonsten ist immer von Krautweizen die Rede.

S. 75: „zwei gleichartige Beinsti[e]le“: Das E fehlt.

S. 86: „Sie setzte sich über ihre eigene[n] Angst…“: Das N ist überflüssig.

S. 114: „Sie versuchen mich auf den Lein zu führen“: Gemeint ist wohl der Leim, mit dem man früher Vögel fing.

S. 134: „der Homunculus in seiner Unberechenheit“: Gemeint ist wohl vielmehr „Unberechenbarkeit“.

S. 145: „wie das nachts klopften“: Heinz meint aber wohl „DES nachts“.

S. 167: „Jamie zock seine Jacke aus…“: Er zog sie wohl aus.

Warum die Übersetzung von „Das Haus der mitfühlenden Teiler“ in den Namen so vom englischen Original abweicht, könnte daran liegen, dass der Autor inzwischen den Text überarbeitet hat. Mal ehrlich, „Rumai“ (Dorians Frau) klingt ziemlich ähnlich wie „Humay“ (Dorians Geliebte), nicht wahr?

Unterm Strich

In dieser ersten Hälfte der Story-Sammlung bildet „Das Haus der mitfühlenden Teiler“ sicherlich den Höhepunkt, nicht nur was die Konzeption und Ausführung, sondern auch, was die Aussage anbelangt. Mit Ausnahme von „Die Bewohner…“ sind alle anderen Stories leichter lesbar, aber etwa anschaulich genug, dass sie kein zweites Lesen erfordern. „Das Haus der mitfühlenden Teiler“ lohnt hingegen ein zweites Lesen. So ist es durchaus vorstellbar, dass die Explosion, der der Beamte Dorian Lorca seinerzeit zum Opfer fiel, nicht von Gruben-, also Methangas, sondern von Sprengstoff herbeigeführt wurde.

„Die Bewohner von Chinistrex Fortronza“ ist ein Robotermärchen, das seine Moral von der Geschicht‘ hinter kuriosen Details versteckt. „Glaubenssprünge“ erfordert ein wenig Nachdenken, um die Pointe zu erfassen. Am besten gefielen mir die Geschichten „Besucher“ und „Odyssee“, nicht nur wegen der Vorbilder, sondern auch wegen des jeweils überraschenden Ausgangs der Handlung.

Für die vielen Druckfehler gibt es Punktabzug.

Taschenbuch: 176 Seiten,
O-Titel: Blooded on Arachne, 1. Teil, 1982
Ullstein 1983, Berlin;
Aus dem US-Englischen von Johannes Blasius
ISBN 9783548310541

www.ullstein.de

Der Autor vergibt: (4.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Christopher Stasheff – Der Zauberer Ihrer Majestät. Fantasy-Roman

Die Magie der Poesie

Matthew Mantrell, glückloser Literaturstudent, gelangt durch Runenlektüre in eine Parallelwelt und bekommt es nicht nur mit dem fiesen Zauberer Malingo, sondern auch mit einer wunderschönen Prinzessin zu tun. Pech, dass sie wie er im Kerker des Thronräubers gelandet ist. Doch Poesie ist in dieser Dimension Magie, und bald nimmt er es mit Malingo und seinen Monstern auf, begleitet von der unwahrscheinlichsten Truppe, die man sich vorstellen kann.

„Als Malingo, ein Vertreter Schwarzer Magie, dem dahergelaufenen Rivalen den Garaus machen will, bedarf es allerdings realerer Waffen als klassischer Zitate und lallender Drachen. Und so bietet Matt eine Phalanx grimmig bewaffneter Griechen, eine geläuterte Lusthexe, einen moralisch entgleisten Priester sowie eine Schar kampflustiger Nonnen aus seiner Welt auf, um in einer gnadenlosen Schlacht das Schicksal seines Gastplaneten zu entscheiden.“ (Verlagsinfo)

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Kathy Reichs – Die Spur der Angst (Tempe Brennan 24)

Ein Experiment des Bösen

Kleine Tierkadaver – eine Ratte, ein Kaninchen, ein Eichhörnchen – tauchen in Charlotte, North Carolina, auf, verstümmelt und auf bizarre Weise inszeniert. Der forensischen Anthropologin Tempe Brennan ist Tierquälerei zutiefst verhasst. Ihre Beunruhigung wächst, als die Entdeckungen immer makabrer werden. Mit Hochdruck versucht sie dem Täter auf die Spur zu kommen. Denn es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis ein Mensch zum Opfer wird … (Verlagsinfo)

Hinweis: Der deutsche Verlag bezeichnet dieses Buch als Band 24 der Tempe-Brennan-Reihe. Tatsächlich ist dies aber schon Band 25, siehe unten.

Die Autorin
Kathy Reichs – Die Spur der Angst (Tempe Brennan 24) weiterlesen

Joshua Hood – The Treadstone Rendition (Adam Hayes 04)

Letzte Ausfahrt Kabul

Die letzten Tage der amerikanischen Präsenz in Afghanistan bringen Adam Hayes eine Vorladung, die er nicht ignorieren kann. Hayes hat sich zum letzten Mal vom Feld entfernt. Er hat seiner Frau versprochen, dass er sein Leben nicht mehr aufs Spiel setzen wird, und nichts wird ihn dazu bringen, dieses Versprechen zu brechen. Nun… fast nichts.

Mit dem Rückzug Amerikas aus Afghanistan und dem Näherrücken der Taliban wendet sich der Armeesoldat Abdul Nassir an seinen früheren Partner Hayes. Vor zehn Jahren rettete Nassir dem Amerikaner das Leben, und es ist Zeit für die Rückzahlung. Nassir will seine Familie unbedingt aus dem Land holen. Er hat Angst vor den Taliban… aber er kann den Amerikanern auch nicht trauen: Seine Tochter wurde Zeuge eines Massakers von Schurken-CIA-Auftragnehmern. Das lässt nur einen Mann übrig, der sie aus dem Land holen kann: Adam Hayes.

Zum Titel

“Rendition” ist ein in den USA üblicher Ausdruck für die absichtliche Entführung eines Menschen in eine andere Weltgegend, wo weniger strenge Gesetze zur menschlichen Behandlung herrschen als in USA und Europa. Bei diesen Orten kann es sich beispielsweise um geheime CIA-Lager handeln. Der Zweck: meist Folter.

Die Autoren

1) Robert Ludlum wurde 1927 in New York City geboren. Nach dem II. Weltkrieg begann er eine Karriere als Schauspieler, die er verfolgte, bis er vierzig wurde, also bis 1967. Er studierte Kunstgeschichte und fing mit dem Schreiben an. 1971 schießt sein erster Thriller „Das Scarlatti-Erbe“, an dem er 18 Monate schrieb, an die Spitze der Bestsellerlisten. Als ähnlich erfolgreich erwiesen sich auch alle weiteren Romane, so etwa „Das Osterman-Wochenende“ (verfilmt), „Die Scorpio-Illusion“ oder „Der Ikarus-Plan“.

Seine Erfahrung als Schauspieler kam ihm zugute: „Man lernt, wie man die Aufmerksamkeit des Publikums behält.“ Seine Bücher wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt und erreichten eine Auflage von mehr als 280 Millionen Exemplaren (Verlagsangabe Heyne). Zuletzt wurden die drei legendären Bourne-Thriller mit Matt Damon höchst erfolgreich verfilmt. Ludlum lebte bis zu seinem Tod am 12. März 2001 mit seiner Frau Mary und seinen Kinder in Florida und Connecticut.

Mehrere Autoren schreiben an den Serien, die Ludlum schuf, weiter. Derzeit befinden sich die Verfilmungen zu „The Matarese Circle“/“Der Matarese-Bund“ (mit Denzel Washington) und „The Chancellor Manuscript“/“Das Kastler-Manuskript“ (mit Leonardo DiCaprio) in der Produktion. Außerdem gibt es seit 2008 das Videospiel „Robert Ludlum’s: Das Bourne-Komplott“ für PlayStation 3 und Xbox360.

2) Joshua Hood

Joshua Hood studierte an der Uni Memphis, TN, bevor er dem Militär beitrat. E diente erst fünf Jahre in der 82. Luftlandedivision und war von 2005 bis 2006 ein Teamführer der Fallschirmspringer im Irak. Von 2007 bis 2008 diente Hood als Schwadronführer bei den Fallschirmspringern in Afghanistan, wo er eine Auszeichnung für Tapferkeit während der Operation „Furios Pursuit“ errang.
Nach seiner Rückkehr ins heimatliche Memphis wurde er der Leiter eines Scharfschützenteams innerhalb einer SWAT-Gruppe. Hier erwarb er eine Lebensrettermedaille. Zur Zeit arbeitet er als Direktor von „Veteran Outreach“ in der „American Warrior Initiative“. Sein Motto lautet: „All killer, no filler“.
Auf seiner Webseite joshuahoodbooks.com sind Fotos seiner Einsätze in Afghanistan (Helmand ist Talibanland) und im Irak zu finden.

Die Treadstone-Reihe

a) The Treadstone Resurrection (Rezension)
b) The Treadstone Exile
c) The Treadstone Transgression
d) The Treadstone Rendition

Weitere Romane

1) Warning Order
2) Clear by Fire

Handlung

Anno 2011

Lieutenant Adam Hayes befindet sich im August 2011 im Tangi-Tal in Zentral-Afghanistan unterwegs, um Vergeltung für den Abschuss eines vollbesetzten Helikopters zu üben. Sein Zwölf-Mann-Team besteht aus Soldaten der Afghanischen Nationalarmee (ANA) und den US-amerikanischen Green Berets. Die Amis trauen den Afghanen nicht so ganz, wenn es um die Jagd auf die Taliban geht. Doch Hayes drückt dem ANA-Captain Abdul Nassim sein Vertrauen aus, eine Geste, die ihm Nassim nie vergessen wird. Denn gleich danach fliegen ihnen die Granaten und AK47-Kugeln um die Ohren. Als Hayes verwundet wird, ist es kein anderer als Nassim, der ihn in Sicherheit bringt. Sie werden Freunde.

Zehn Jahre später: August 2021

Die Amerikaner bereiten den Abzug aus Afghanistan vor. In der gleichen Gegend wie damals ist auch wieder Abdul Nassim unterwegs, allerdings zu völlig anderen Zwecken. Er klaut einem „Money Man“ der Taliban, der verwundet in einem mobilen Lazarett liegt, einen USB-Stick mit hoffentlich wertvollen Daten darauf. Nassim hat nämlich den begründeten Verdacht, dass ein US-Paramilitär namens Dominic Porter, ein ehemaliger Navy SEAL, US-Material unterschlägt und an die Taliban verkauft, die es wiederum gegen die ANA-Soldaten, wie ihn, einsetzen.

Gleich nach dem erfolgreichen Stick-Diebstahl landet der Helikopter der Amis, die sofort den ganzen Ort erobern. Jeder, der sich wehrt, wird erschossen. Porter stürmt als erstes das Lazarett, findet den Money Man tot und beraubt vor. Er bekommt eine Warnung, dass eine Kolonne Taliban im Anmarsch sei. Jetzt muss alles schnell gehen.

Auf dem Weg zur Landezone des Helis entdeckt er einen Mann, dessen Smartphone gerade einen Blitz auslöst: Porter wurde soeben fotografiert! Gut, dass er selbst eine GoPro-Kamera auf dem Helm montiert hat. Damit kann er selbst ein Bild von dem Knipser anfertigen. Eine erste Auswertung in USA ergibt, dass es sich um Abdul Nassim handeln könnte, einen Hauptmann der ANA. Shit!

Nassim ist sich sicher, dass Porter ihn schnell identifizieren wird. Dann wird seine Familie leiden müssen, wahrscheinlich durch Porters Taliban-Kontakte. Nassim kennt nur einen Mann, der ihm aus der Patsche helfen kann: Adam Hayes. Der befindet sich gerade im indischen Mumbai.

Hayes

Hayes arbeitet als Security-Berater in Mumbai, um einen Verräter ausfindig zu machen, der geheime US-Informationen an den Feind – die Taliban, die Russen usw. – sendet. Nachdem er einen Erfolg zu verzeichnen hat, will Hayes eigentlich feiern, doch stattdessen bekommt er einen Hilferuf von Abdul Nassim. Die Zeit drängt, denn die Amerikaner wollen in nur wenigen Tagen Afghanistan verlassen. Hayes ist klar, dass ein ANA-Offizier zwar Asyl beantragen darf, doch das Verfahren dauert Monate. Nassim schickt ihm das kurze Video, das Dominic Porter in der Maidan-Wardak-Provinz vor der Taliban-Klinik zeigt: den Beweis, dass Amerikaner ihr Land verrieten. Hayes verspricht Hilfe.

Neu-Delhi

Hayes hat sich sofort an Levi Shaw, den Leiter des CIA-Programms „Treadstone“, gewandt, doch Shaw weigert sich nach etlichen Reibereien mit Hayes, ihm zu helfen. Also bekommt Hayes keinen Gratisflug nach Kabul. Er fliegt nach Delhi, um einen Mitarbeiter des US-Außenministeriums zu sprechen. Seth Brooks kümmert sich um die Security des US-Botschafters. Nun präsentiert ihm Hayes die Gelegenheit, der CIA eins auszuwischen. Denn zwischen CIA und Außenministerium herrscht seit jeher ein Kalter Krieg.

Porter

Dominic Porter geht für die Daten, die ihn zu Nassim führen, über Leichen. Diesmal muss ein Beamter im zentralen Archiv Afghanistans ins Gras beißen. Auf den letzten Seiten der Nassim-Akte findet Porter die Adressen von Nassim und seinem Vater: in Jalalabad. Porter ist allerdings klar, dass er nicht persönlich dorthin reisen kann, denn in schon drei Tagen müssen alle Amerikaner das Land verlassen. Für diesen blutigen Job denkt er eher an Nassims Erzfeind, den Anführer einer Elitetruppe der Taliban, einen Mann namens Muhammed Ghul. Er muss ihn allerdings erst überzeugen, dass Ghul dabei profitiert…

Peshawar, Pakistan

Hayes fliegt mit Seth Brooks an seiner Seite nach Peshawar, Pakistan. Sein Plan besteht darin, über den Kyber-Pass nach Afghanistan zu reisen, denn ein Flug kommt nicht infrage. Die neuen Papiere, die ihm Brooks ausgestellt hat, sollten der Prüfung durch den pakistanischen Geheimdienst ISI standhalten. Das tun sie zwar nicht, aber der Grenzpolizist lässt durchblicken, dass der CIA bereits für freie Durchfahrt gesorgt habe. Hayes ist verwundert, aber auch erleichtert. Offenbar hat der Leiter von Treadstone mit dem Chef des CIA gesprochen.

Jalalabad, Afghanistan

Muhammed Ghul nimmt den Auftrag, den Porter ihm erteilt hat, sehr ernst. Mit seinen Leuten gelingt es ihm nun, da die Amis abziehen, ungehindert nach Jalalabad vorzudringen, wo, wie er von Porter erfahren hat, Nassims Großvater lebt. Doch bellende Hunde haben sein Kommen angekündigt. Die Siedlung scheint sehr ruhig zu sein. Als niemand auf sein Klopfen öffnet, lässt er die Tür aufbrechen, die AK-47 im Anschlag…

Hinter dem Khyber-Pass

Brooks, der Mann von der indischen US-Botschaft, ruft Hayes hinter dem Kyber-Pass an. Er habe mit seiner Ex-Frau Jolene gesprochen, die als Armee-Psychologin auch Dominic Porter beurteilen kann. Es handle sich bei Porter um einen gefährlichen Psychopathen, der von Drogen abhängig sei. Nach Rücksprache mit diversen Stellen bittet Brooks nun Hayes, Porter auszuschalten, bevor dieser Afghanistan verlasse und in den USA untertauche. Nichts lieber als das, meint Hayes – und hofft, dass sein Freund Nassim Porters Schergen entkommen konnte. Nun kommt es zunächst darauf an, Porter und Nassim aufzuspüren…

Mein Eindruck

Geschickt nutzt der Autor den bereits bekannten Termin im August 2021 als Dedline, die nicht überschritten werden darf. So kommt gehörige Spannung auf. Allerdings in mehrfacher Hinsicht. Für freie Amerikaner wie Porter und Hayes öffnet sich ein letztes Schlupfloch, doch für Afghanen, die für die ANA arbeiteten, bildet ein amerikanisches Flugzeug die letzte Möglichkeit, den Racheaktionen der Taliban zu entgehen. Der Autor zeigt beide Seiten der sich anbahnenden Tragödie auf, und das ist nicht selbstverständlich. Er zeigt sich ganz klar als Gegner der Taliban.

Nassim muss seine eigene Familie in Sicherheit bringen, was ihm nicht immer gelingt. Die Odyssee dieses verdienstvollen Freundes der Amerikaner führt durch zerstörte Dörfer und Landschaften immer Richtung Kabul. Dort wartet vielleicht die letzte Fluchtmöglichkeit, aber auch medizinische Versorgung. Hier treffen Moderne und Mittelalter aufeinander. Mitten in der Flucht per Brooks-Helikopter wird die Maschine von eine Rakete getroffen. Dramatische Minuten folgen.

Showdown

Kurz vor Kabul kommt es zu einem ersten Showdown, in den einige Akteure verwickelt sind. Es wird knapp für Hayes, Brooks und Nassim, mehr darf nicht verraten werden. Doch Porter hat immer noch einen Freund in den USA, der ihm aktuellste Infos übermittelt. So gelingt es ihm, Hayes und Nassim selbst noch in Kabul selbst, ja, noch knapp vor der Luftwaffenbasis der Amerikaner, Hayes und Nassim zu bedrängen. So ist dafür gesorgt, dass ein Herzschlagfinale den Leser in Atem hält.

Textschwächen

Hier und da fehlen Wörter oder Buchstaben, ja sogar ganze Sätze: ein Indiz, dass der Text gekürzt wurde.

Kabul liegt nicht auf einer Höhe von „1790 Fuß“ (etwa 600 m), wie der Autor behauptet, sondern auf 1790 Metern, wie Google verrät.

Unterm Strich

Ich habe diesen actionreichen Politthriller auf meinem E-Reader in wenigen tagen verschlungen. Man sollte auch ziemlich schnell lesen, denn die Geschichte lebt ja vom Auftreten zahlreicher Akteure, die über eine Menge Orte verteilt sind. Afghanistan ist ein großes, gebirgiges Land, das mit unvertrauten Namen aufwartet, doch einen Ort kennen alle, die Nachrichten sehen: Kabul.

Glücklicherweise findet die Action nur am Schluss in diesem Labyrinth statt, so dass ein gewisses Maß an Überblick gewährleistet ist. Aber eines ist von Anfang an klar: Kabul mag zwar das Tor zu Afghanistan sein, aber mitten im Abzug der Amerikaner bildet es auch das einzige Schlupfloch, das Hoffnung auf ein Entkommen rechtfertigen kann. Der Autor hat offensichtlich seine Hausaufgaben gemacht. Ich entsteht der Eindruck, dass er mal selbst vor Ort war. Laut Vita stimmt das: „Von 2007 bis 2008 diente Hood als Schwadronführer bei den Fallschirmspringern in Afghanistan, wo er eine Auszeichnung für Tapferkeit während der Operation „Furios Pursuit“ errang“.

Etwas ungewöhnlich ist die Figur des Verräters Porter, der an amerikanischen Waffenverkäufen verdient. Dieser schlimme Finger ist dann auch – wen wundert’s? – drogenabhängig und somit unzurechnungsfähig. Er hat kein Gewissen, sondern geht, wie sein Taliban-Verbündeter Muhammed Ghul, über Leichen. Nur dass im Gegensatz zu Ghul die besseren Infos und Waffen besitzt. So kommt es, dass Porter länger lebt als Ghul. Aber nur um ein paar Stunden.

Die Achsen, um die die Action rotiert, ist die enge Freundschaft zwischen Hayes und Nassim. Auch sie ist nicht selbstverständlich, aber sie wird gewürdigt und bis zum Schluss durchgehalten. Ob es Hayes gelingt, seinen Freund und dessen Familie zu retten, darf hier nicht verraten werden.

Seth Brooks hört auf seine Frau Jolene, die Psychologin. Auch das ist ungewöhnlich, findet man doch in solche Landser-Romanen häufig nur Macho-Typen vor, denen Frauen zu gehorchen haben. Auf Jolenes Ersuchen hin wagt sich Brooks, der Bürohengst, mitten ins Getümmel und riskiert dabei Kopf und Kragen. Wie die Sache für ihn ausgeht, darf nicht verraten werden. Aber seine Lage ähnelt einem ausländischen Agenten, der in einer Endphase mitten zwischen alle Fronten gerät, ähnlich wie im Untergang von Berlin 1945 oder Saigons 1973. Saigon wird mehrmals erwähnt: höchste Zeit, den letzten Helikopter zu erwischen, der die Überlebenden aus der Stadt bringen kann! Klar ist zu erkennen, dass sich der Autor der Parallelen zu anderen solchen Situationen bewusst war.

So packend der Thriller auch ist, so lohnt er doch kein nochmaliges Lesen: Der Leser weiß ja schon, wie die brenzlige Situation ausgehen wird. Immerhin kann es der Roman schon fast mit einem der jüngeren Jason Bourne Thriller aufnehmen, zumal im E-Book-Format.

E-Book: 376 Seiten
Originaltitel: Robert Ludlum’s The Treadstone Rendition (Adam Hayes 4)
ISBN-13: 978-1-80328579-5

www.headofzeus.com

Der Autor vergibt: (3.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Interview mit Eva Mattes, der Sprecherin von »Ghost Stories« von Siri Hustvedt

Am 13.03.26 erscheint »Ghost Stories« von Siri Hustvedt, ein Buch, das die große US-amerikanische Autorin nach dem Tod ihres Mannes Paul Auster geschrieben hat. Der Hörbuchfassung hat Eva Mattes ihre Stimme geliehen und uns aus diesem Anlass ein paar Fragen beantwortet.

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Kim Stanley Robinson – Die vierzig Sprachen des Regens / Forty Signs of Rain (Capital Code 01)

Washington in der nahen Zukunft: Ein Streit tobt um die brennende Frage, wie dem Klimawandel zu begegnen ist. Auf der einen Seite stehen mächtige Politiker, die ihre Wähler nicht vergraulen wollen und sich bei Großkonzernen anbiedern. Auf der anderen Seite arbeiten Wissenschaftler verzweifelt daran, die Öffentlichkeit aufzuklären und gangbare Wege zu finden, eine globale Katastrophe zu verhindern.

Zu diesen Wissenschaftlern zählen Anna Quibler, die bei der National Science Foundation über die Vergabe von Forschungsgeldern entscheidet, und ihr Mann Charlie, der einen aufstrebenden Senator in Umweltschutzfragen berät. Doch die Zeit für theoretische Überlegungen läuft ab, denn die Hauptstadt der USA droht nach einem Unwetter im Hochwasser zu versinken …

Der Autor der Mars-Trilogie und des Bestsellers „Das Ministerium für die Zukunft“ erzählt, wie Anna, Charlie und ihre Freunde nicht nur um ihr Überleben kämpfen, sondern für die Zukunft von uns allen.“ (Verlagsionfo von Carcosa)

Diese Besprechung beruht auf der Originalausgabe. Das deutschsprachige E-Book erschien am 26.1.2026, die Printausgabe ist für 22.6.2026 geplant.

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Judith Hermann über ihren neuen Roman und das zugehörige Hörbuch „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“

„In >>Ich möchte zurückgehen in der Zeit<< folgt Judith Hermann den Spuren ihres Großvaters, der während des Zweiten Weltkriegs für die SS im polnischen Radom stationiert war. Sie verknüpft ihr Schreiben mit seiner lange verleugneten Geschichte, reist von Polen aus weiter zu ihrer Schwester nach Neapel und geht Erinnern und Vergessen der folgenden Generationen nach.

In Zwischen- und Untertönen spürt Judith Hermann das Verdrängte, die Leerstellen unserer Gesellschaft auf. Ebenso magisch wie magnetisch erzählt sie davon, wie fragil wir uns in unseren Leben einrichten – und zeigt auch, welche Schönheit sich darin verbergen kann.

So persönlich und präzise wie ihr neuer Roman, der am 11. März 2026 erscheint, ist auch das Interview, das sie uns im Zuge der Hörbuchaufnahmen gegeben hat.“

Judith Hermann

Was gab den Anlass für Sie, ein Buch wie „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“, zwischen Roman und Recherche, zu schreiben?

Anlass waren Gespräche mit meiner Mutter, in denen mir deutlich wurde, dass uns nicht mehr viel Zeit bleibt, offene Fragen zu Herkunft, Familie und Vergangenheit zu klären. Meine Mutter ist alt, sie hat ein langes Leben gelebt und der Abschied steht sehr bedrohlich über all unseren Begegnungen. Ich wollte meine Fragen an meine Mutter präzise und einfach formulieren, ein diffuses und eher hilfloses Gefühl konkretisieren – vielleicht fast auch aus einer Art von Notwehr heraus. Dass der Text dann zwischen Roman und Recherche changiert, liegt am Thema: aus der SS-Vergangenheit des Vaters meiner Mutter ließ sich kein Roman machen.

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David Baldacci – Der Auftrag (Camel Club 5)

Hetzjagd mit Nanobots

Das Staatsbankett für den britischen Premierminister hält ganz Washington auf Trab. Oliver Stone, einst der beste Attentäter, den sein Land je gehabt hat, steht im Lafayette Park vor dem Weißen Haus und beobachtet die Kolonne des britischen Premiers. Plötzlich detoniert eine Bombe – offensichtlich ein Terroranschlag gegen den Minister. Stone entkommt nur knapp. Nun wird er vom Präsident persönlich beauftragt, die Drahtzieher des Anschlags zu finden. Keine leichte Aufgabe, denn Stones Gegner erweisen sich als absolut tödlich …. (Verlagsinfo)

Der Autor
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Denis Marquet & Elisabeth Barrière – Tödliche Ewigkeit. Thriller

In Dr. Frankensteins Geheimlabor

Lucie Milton analysiert eine rätselhafte chemische Substanz und entdeckt ein entsetzliches Geheimnis. Eine Stunde später ist sie tot.

Inspector Jeff Mulligan, ein abgebrühter Cop, untersucht den Fall. Da erscheint ihm die Tote plötzlich in einer Halluzination und gibt ihm Hinweise zu ihren Mördern. Seine Kollegen erklären Mulligan für verrückt, doch er geht der Sache nach und stößt auf eine unglaubliche Entdeckung: Der älteste Traum der Menschheit, die Erlangung ewiger Jugend, könnte endlich wahr werden. Hatte Lucie etwa die chemische Formel dazu herausgefunden? Wo verschwimmt die Grenze zwischen Wirklichkeit und dem Unerklärlichen?

Auf der Suche nach Antworten gerät Mulligan bald selbst in Gefahr, denn er ahnt nicht, dass er zum Opfer eines schrecklichen Experiments werden könnte.… (Verlagsinfo)
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Allen Upward & Per McGraup – Heimtückisch (Gruselkabinett Folge 195)

Doppelfolge mit zwei Geisterjäger-Fällen

Gehen im Green House tatsächlich Geister um, wie es sich die Bewohner Wallingtons mit Schaudern erzählen? Alwyne und Colin wollen den Gerüchten auf den Grund gehen und beschließen, eine Nacht in dem Spukhaus zu verbringen. Als Alwyne sich in Trance begibt, wird sie Teil eines wahren Alptraums …

Das bereits achte Abenteuer von Alwyne und Colin Hargreaves, unserem Geisterjäger-Ermittler-Team im GRUSELKABINETT, führt uns zurück zu den Anfängen ihrer Ermittlungsarbeit im Bereich des Übernatürlichen! (Verlagsinfo)

Dieses Hörspiel umfasst nicht einen, sondern ZWEI Fälle.

Die Autoren

1) Allen Upward (1863-1926) war ein britischer Dichter, Richter, Politiker und Lehrer. Er gehörte einer strengggläubigen evangelischen Glaubensrichtung an, den „Brethren“. Während er in Dublin zum Juristen ausgebildet wurde, befürwortete er das Ende der britischen Kolonialherrschaft über Irland, danach arbeitete er als Richter in Kenia. In Großbritannien engagierte er sich für die Labour-Partei. Er schrieb zwei Gedichtbände und übersetzte Konfuzius ins Englische.

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Allen Upward – Heimgesucht (Gruselkabinett 83)

Untot in der Abtei

Abtei Abbotsbury 1925: Lady Maria Throgmorton wird von einer grässlichen allnächtlichen Erscheinung in ihrem Schlafzimmer heimgesucht und wendet sich postalisch und ohne Wissen ihres gestrengen Stiefsohnes an zwei junge Experten in Sachen Spuk-Phänomene, Colin Hargreaves und seine Verlobte Alwyne Sargent aus London… (Verlagsinfo)

Der Autor
Allen Upward – Heimgesucht (Gruselkabinett 83) weiterlesen

E. und H. Heron – Flaxman Low 6: Der Fall Saddler’s Croft (Gruselkabinett Folge 196)

Zauber des Mondlichts

Andy Corcoran bittet Flaxman Low um Hilfe, da es in einem griechischen Tempel hinter seinem Haus nicht mit rechten Dingen zuzugehen scheint. Angelockt von einem seltsamen Gesang unternimmt seine Gattin Sadie nachts rätselhafte Wanderungen im Schlaf. Flaxman Low beschließt, dem seltsamen Spuk auf den Grund zu gehen… (Verlagsinfo)

Die Autoren
E. und H. Heron – Flaxman Low 6: Der Fall Saddler’s Croft (Gruselkabinett Folge 196) weiterlesen