Alle Beiträge von Michael Matzer

Lebt in der Nähe von Stuttgart. Journalist und Buchautor.

Lewis Shiner – Schattenklänge. Phantastischer Musik-Roman

„Es geht um einen Typen Namens Ray Shackleford der Musik von Rock’n Roll Sessions hören kann die einst stattgefunden haben aber nie aufgezeichnet wurden; zudem entdeckt er, dass er das Gehörte wie durch Telepathie auf sein Cassettendeck überspielen kann. Bald wird die Öffentlichkeit sie hören können – verschollene Aufnahmen von den Beatles, Jimi Hendrix, den Beach Boys und den Doors. Doch Ray hat noch mehr vor: Er wird in die Vergangenheit eintauchen, um die Helden seiner Jugend treffen – und die Dämonen seiner Generation.“ (Amazon.de-Review)

„Schattenklänge“ wurde 1994 verdientermaßen mit dem World Fantasy Award ausgezeichnet.

Der Autor
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Elizabeth A. Lynn – Die Frau, die den Mond liebte. Erzählungen

Ausgezeichnete Fantasy-Erzählungen – für Frauen

Dieser Band von Fantasy- und Science-Fiction-Erzählungen vereint die zwischen 1976 und 1981 entstandenen Texte der preisgekrönten Autorin des Romans „Die Zwingfeste“, für den sie den World Fantasy Award erhielt. Den gleichen Preis errang sie mit der Titelgeschichte dieses Bandes. Lynn ist eine Meisterin der kurzen Erzählform.

Die Autorin

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Wolfgang Menge /Jürgen Roland – Stahlnetz 2: Das Haus an der Stör (Hörspiel)

Das Geheimnis des Toten im Seesack

Zwei Kinder finden 1946, ein Jahr nach Kriegsende, einen in einen Seesack eingenähten Toten. Handelt es sich bei ihm jenen Helmut Noack, der angeblich mit 15.000 Mark in der Tasche in die sowjetische Besatzungszone fahren wollte, um einen LKW für eine Spedition zu kaufen? Er kehrte nie wieder. Zehn Jahre später setzt sich Kommissar Roggenburg mit größer Zähigkeit wie ein Terrier auf die Spur des Verbrechens. Sie führt von Schleswig-Holstein nach Oberbayern …

Die TV-Serie „Stahlnetz“, die der NDR produzierte, ist vom Design her eine Übernahme der US-Krimiserie „Dragnet“, von der auch die markante Titelmelodie stammt. Doch die Inhalte sind quasi urdeutsch und entstammen deutschen Kriminalakten. Besonderes Kennzeichen von „Dragnet“: nur die Fakten zählen! – Die Tonspur wurde fürs Hörspiel bearbeitet und digitalisiert.
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Frauke Buchholz – Frostmond. Montreal-Krimi (Ted Garner 01)

Philosophischer Montreal-Thriller

In den Tiefen Kanadas werden Verbrechen an indigenen Frauen aufgedeckt. Seit Jahren verschwinden junge Frauen indigener Herkunft spurlos entlang des Transcanada-Highways. Für die Polizei scheinen diese Verbrechen keine Priorität zu haben. Doch als die 15-jährige Jeanette Maskisin mitten in Montreal tot aus dem Fluss gefischt wird und die Medien darüber groß berichten, werden die Ermittler Jean-Baptiste LeRoux und Ted Garner auf den Fall angesetzt.

Ihre erste Anlaufstelle ist ein Cree-Reservat im hohen Norden Quebecs, aus dem Jeanette stammt. Dort stoßen die Polizisten auf Ablehnung, denn aus Sicht der First-Nation-Familien hat sich die Polizei nie für die vermissten Frauen interessiert. Die Ermittler kommen immer mehr in Bedrängnis, denn es werden weitere Opfer befürchtet, und auch der Täter wird zur Zielscheibe – jemand hat blutige Rache geschworen.… (korrigierte Verlagsinfo)
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Stephen Baxter / Arthur C. Clarke – Wächter (Zeit-Odyssee 3)

Spannender Showdown mit den Erstgeborenen

Einst haben die Erstgeborenen – mysteriöse Außerirdische – über eine Reihe schwarzer Monolithen mit uns Kontakt aufgenommen. Nun sind sie zurück. Ihr Ziel ist es, die menschliche Zivilisation in ihrer Entwicklung zu stoppen, und sie scheuen sich nicht, dafür eine furchtbare Waffe zum Einsatz zu bringen: die Q-Bombe. Die Tage der Menschheit scheinen im Jahr 2069 gezählt zu sein – doch irgendwo weit draußen im Weltall oder in den Tiefen der Zeit gibt es noch Hoffnung. (abgewandelte Verlagsinfo)
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Lewis Shiner – Frontera. SF-Roman

Die Macht des Mythos: riskante Abenteuer auf dem Mars

Kane hat den Auftrag, die aufgegebene NASA-Siedlung Frontera auf dem Mars zu besuchen und mal zu sehen, was sich für seinen Auftraggeber Pulsystems dort holen lässt. Er findet Schätze – und findet heraus, dass er darauf programmiert worden ist, sie um jeden Preis zur Erde zu bringen, koste es, was es wolle… (aus der Verlagsinfo)

Der Autor

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Anne Rice – Die Mumie oder Ramses der Verdammte

Agile Mumien, dynamische Grufties

Die Mumifizierung des Abendlandes hat längst begonnen. Erst war da Stephen Sommers‘ Remake des Boris-Karloff-Klassikers „Die Mumie“ von anno Asbach, dann kam nach dem Riesenerfolg des Grabräuber-Spektakels die unvermeidliche Fortsetzung (und anschließend noch eine von 2004).

Doch vor Sommers sorgte bereits Vampirexpertin Anne Rice („Interview mit einem Vampir„) mit diesem Roman für erhöhtes Interesse an verstaubten Herrschaften der gruftigsten Dynastien. Ramses, der größten Pharaonen einer, spielt diesmal den Untoten und – wie könnte es anders sein? – ein hübsche Britin im heiratsfähigsten Alter ist sein willfähriges Opfer. Was soll da nur aus England werden, fragt man sich bang. Doch der Reihe nach.

Handlung
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Daphne du Maurier / Regina Ahrem – Wenn die Gondeln Trauer tragen (Filmhörspiel)

Unheimlicher Thriller: Vorausgesagter Tod in Venedig

Nach dem tragischen Unfalltod ihrer kleinen Tochter fahren John und Laura Morrison nach Venedig, um etwas Abstand zu gewinnen. Kaum angelangt, deuten jedoch mysteriöse Vorfälle und Zeichen darauf hin, dass der Albtraum noch nicht zu Ende ist. Ein psychopathischer Mörder versetzt die Stadt in Angst und Schrecken …

Die Autorin

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Arthur C. Clarke / Stephen Baxter – Sonnensturm (Zeit-Odyssee 2)

Der Todeskuss des Sonnengotts

Man schreibt den 9. Juni 2037. Die UN-Soldatin Bisesa Dutt ist gerade von ihrem Abenteuer in der parallelen Patchwork-Welt |Mir| (in „Die Zeit-Odyssee“) zurückgekehrt, da flackert der Himmel über dem tropisch warmen London unheilvoll auf. Ein überraschend heftiger Sonnenausbruch überschüttet die Erde mit elektromagnetischen Strahlungspartikeln: ein Sonnensturm. Das irdische Magnetfeld gerät schwer ins Schwanken. Der Funkverkehr bricht zusammen, Satelliten versagen ebenso wie Stromnetze. Weltweit.

Da registrieren Wissenschaftler auf dem Mond in der Tiefe der Sonne ein Pulsieren, das sich mit jeder Drehung des Erdsterns steigert und in einem verheerenden Strahlenausbruch gipfeln wird. Das Ende der Welt ist in der Tat nahe: am 20. April 2042. Noch erschreckender ist indes die Entdeckung, dass dieses Pulsieren keineswegs eine natürliche Ursache hat …

„Sonnensturm“ ist die direkte Fortsetzung zu „Die Zeit-Odyssee„. Der Abschlussband der Trilogie trägt den Titel „Wächter„.
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E. und H. Heron – Der Fall Medhans Lea (Gruselkabinett 179)

Ein finsteres Geheimnis, endlich aufgedeckt

Midland Counties, 1889: Während eines Billard-Spiels ereignen sich beunruhigende Vorfälle im Medhans Lea-House. Panische Schreie und eine unheimliche Gestalt erschrecken die Spieler, ohne dass die Ereignisse greif- oder erklärbar wären. Als der Hauseigentümer auf der Suche nach dem seltsamen Eindringling in einem Gebüsch verschwindet und nicht mehr zurückkehrt, kann nur noch der erfahrene Geisterjäger Flaxman Low helfen … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 14 Jahren.

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Arthur C. Clarke / Stephen Baxter – Die Zeit-Odyssee (Zeit-Odyssee 1)

‚LOST‘ reloaded: Gestrandet in der Patchwork-Zeit

Es ist das Jahr 2037, als das Raum-Zeit-Kontinuum auseinanderbricht und auf bizarre Weise wieder zusammengefügt wird. Man kann vom All aus sogar die Nahtstellen erkennen: grüne Zonen in der Sahara und Gletscher über Paris. Die Erde zerfällt dabei in unterschiedlichste Zeitzonen: Während es in einem Landstrich noch 2037 ist, ist es im benachbarten erst 1885. Diese Zonen reichen zwei Millionen Jahre zurück – so lange, wie es die ersten Menschen gab. Doch welche Macht ist imstande, eine derart gewaltige Veränderung zu bewirken? Und was haben die silbernen Schwebekugeln zu bedeuten, die überall Menschengruppen zu beobachten scheinen?

„Time’s Eye“, so der Originaltitel, ist der Auftakt zu einer Serie, die mit dem Roman „Sonnensturm“ fortgesetzt wird, der im März 2006 bei Heyne erschienen ist. Der Abschlussband der Trilogie trägt den Titel „Wächter„.
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Cory Doctorow – Pirate Cinema. Jugendroman

Cinema-Hacker in London

Trent McCauley ist sechzehn und ein Genie: Aus dem Internet lädt er sich Blockbuster herunter und bastelt aus dem Material neue Filme. Dass das illegal ist, kümmert ihn wenig. Bis er erwischt wird. In seiner Verzweiflung flüchtet er nach London, in der Hoffnung, dass ihn in der Großstadt erst mal niemand entdeckt. In der Künstler- und Aktivistenszene findet er Unterschlupf – und erfährt, dass die Regierung ein neues Gesetz plant: Selbst kleinste Urheberrechtsverletzungen im Internet sollen mit drakonischen Strafen geahndet werden.

Trent und seine neuen Freunde ahnen, dass dahinter einige mächtige Medienkonzerne stecken, die das Internet zu ihrem Herrschaftsgebiet erklären wollen. Doch da haben sie nicht mit Trent gerechnet, der genau das tut, was er am besten kann: einen Film produzieren, diesmal zum Zwecke der Aufklärung… (Verlagsinfo)
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Elizabeth A. Lynn – Die Zwingfeste (Die Chroniken von Tornor 1)

Glaubhafter Utopie-Entwurf in Action-Fantasy

Die Kriegsherren aus dem Süden haben den geschwächten Norden überfallen. In der Tornor-Burg ist der Lord Athor gefallen, doch seinen Sohn Errel lässt der Eroberer Col am Leben: als Hofnarren. Soll er nicht sterben, muss Ryke, der frühere Leutnant Athors, dem Eroberer Gefolgschaft leisten. Als Jahre später zwei geheimnisvolle Frauen in der Burg erscheinen, verhelfen sie Ryke und Prinz Errel zur Flucht in den Süden. Werden sie dort Verbündete finden, um Tornor zurückzuerobern?

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Robert J. Sawyer – Flash. Zukunftsroman

Fatales Experiment: Blick in die Zukunft der Menschheit

Am Genfer CERN wird anno 2009 der neue Teilchenbeschleuniger in Betrieb genommen. Der unerwartete Effekt: Alle Menschen auf der Erde verlieren für zwei Minuten das Bewusstsein. Und sehen in diesen zwei Minuten in die Zukunft – auf ihr Leben in 21 Jahren, am 23. Oktober 2030. Entsetzen und Panik machen sich breit. Wie konnte es zu diesem kollektiven Phänomen, diesem „Flashforward“, kommen? Und ist diese Zukunft in 21 Jahren unabänderlich? Es gibt nur einen Weg, das herauszufinden: durch eine Wiederholung …

„Ein Wissenschaftsthriller für alle Leser von Michael Crichton und Andreas Eschbach“ verspricht der Verlag. Mal sehen, ob der Roman das halten kann.

Der Autor
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Douglas Preston & Lincoln Child – Burn Case – Geruch des Teufels

Ermittlungen unter dem Zeichen des Teufels

Hinter den Mauern eines prunkvollen Anwesens auf Long Island stößt Special Agent Pendergast auf ein grausames Verbrechen. Ein bekannter Kunstkritiker ist ermordet worden. Genauer gesagt: Er wurde verbrannt. Von innen nach außen. Aber wie soll so etwas möglich sein? Pendergast beginnt zu ermitteln. Dabei stößt er auf eine Spur, die weit in die Vergangenheit des Toten führt – und zu einem erschreckenden Geheimnis … (Verlagsinfo)

Die Autoren

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William Gibson / Simon Jaspersen – Cyberspace. Drei Lesungen

Cool & bizarr: Einbruch ins Cyber-Universum

Mit seinen Erzählungen läutete der in Kanada lebende Amerikaner William Gibson Anfang der achtziger Jahre die Bewegung des Cyberpunk ein, die mit fast allen Konventionen der damals darniederliegenden Sciencefiction aufräumte und dem Genre neue Kraft einflößte. Er arbeitete dabei keineswegs allein, sondern zusammen mit maßgeblichen Autoren wie Bruce Sterling und John Shirley, die heute noch Romane und Erzählungen schreiben und regelmäßig mit Preisen und Nominierungen bedacht werden.

Ist es daher ein Wunder, dass sich Hollywood-Drehbuchautoren auf Gibsons Erfolge besinnen und Studiobosse bzw. Regisseure eine Story nach der anderen verfilmen (lassen)? „Johnny Mnemonic“ und „New Rose Hotel“ wurden bereits verfilmt, bei „Chrom brennt“ ist es nur noch eine Frage der Zeit. Diese drei Erzählungen werden von David Nathan vorgelesen.
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Charles de Lint – The Wild Wood (Urban Fantasy)

Die Künstlerin und die Faerie Queen

Als die Malerin Eithne Gerrows in ihre Hütte in den Wäldern Kanadas zurückkehrt, um sich auf weitere Naturzeichnungen zu konzentrieren, erblickt sie eine maskierte Frau in einem wertvollen Kleid, die ein magisches Buch hält. Sie fordert von Eithne: „Du musst dich erinnern.“ Weitere Waldwesen erscheinen in ihren Zeichnungen und allmählich begreift Eithne, dass die Welt von Faerie sie um Hilfe bittet…

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Edgar Allan Poe – Der Fall des Hauses Usher. Meistererzählungen

Dieser Auswahlband mit Erzählungen von Edgar Allan Poe versammelt die bekanntesten Geschichten wie etwa „Der Untergang des Hauses Usher“ oder „Das verräterische Herz“, bringt aber auch weniger bekannte wie „Eine Geschichte aus den Ragged Mountains“ und „Metzengerstein“. Raritäten sind die Beiträge „Schweigen. Eine Fabel“ und Schatten. Eine Parabel“. Alle Geschichten entstammen der dreibändigen INSEL-Ausgabe von 1989.

Der Autor
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William Gibson – Mustererkennung. Zukunftsroman


Die Jagd des Coolhunters

Seit einiger Zeit tauchen im Internet geheimnisvolle Filmclips auf, die weltweit einen Kult ausgelöst haben. Tausende von Usern sind süchtig nach ihnen. Auch Cayce Pollard fiebert jedem neuen Clip entgegen. Sie arbeitet als Coolhunterin: Sie verfügt über die besondere Fähigkeit, bereits im Vorfeld zu erspüren, ob ein Firmenlogo dem Geschmack einer Käuferzielgruppe entspricht und dazu taugt, einen Markennamen durchzusetzen. Sie fragt sich, was hinter diesen Clips steckt. Wie gehören die einzelnen Szenen zusammen? Was bedeuten und woher stammen sie? Ihre Recherche führt sie ins Machtzentrum unserer globalisierten Gesellschaft.

Der Autor
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Franzen, Jonathan – Schweres Beben (Lesung)

Kaum ist Louis Holland nach Boston gezogen, passiert Merkwürdiges: Erdbeben erschüttern die Stadt, und gleich das erste tötet seine Stiefgroßmutter Rita. Sofort strömt die Familie zusammen und streitet sich um das Vermögen, das sie noch gar nicht hat. Währenddessen verliebt sich Louis in die junge Renée, eine engagierte Seismologin, die die Ursachen der rätselhaften Erdstöße ergründen will. Je näher sie diesem Ziel kommt, desto heftiger gerät das moralische Fundament der Familie Holland ins Wanken – und desto mehr entgleitet ihr Louis, der eigene Wege gehen muss.

|Der Autor|

Jonathan Franzen, geboren 1959 in Western Springs, Illinois, wuchs in einem Vorort von St. Louis auf. Nach seinem Germanistikstudium, unter anderem an der FU Berlin, arbeitete er vorübergehend in einem seismologischen Institut der Harvard University.

Für seinen weltweit gefeierten Bestseller „Die Korrekturen“ erhielt Franzen den National Book Award. Sein erster Roman „Die 27ste Stadt“ erschien in den USA 1988, sein zweiter Roman „Schweres Beben“ vier Jahre darauf. Franzen lebt seit langem in New York City. (abgewandelte Verlagsinfo)

|Der Sprecher|

Gerd Wameling, geboren 1948 in Paderborn, ging 1974 an die Schaubühne in Berlin, deren Ensemble er fast 20 Jahre lang angehörte. Seit 1992 ist er freier Schauspieler und Sprecher und spielte in diversen TV-Filmen und -Serien mit sowie u. a. in Wim Wenders’ Kinofilm „In weiter Ferne so nah“. Wameling ist nach Verlagsangaben einer der bekanntesten deutschen Rundfunk- und Hörbuch-Sprecher.

_Handlung_

Wir begleiten die Familie Holland über etwa eineinhalb Jahre hinweg. Die Eltern leben in Evanston, Illinois, wo Vater Bob ein Uni-Dozent für marxistische Geschichte und Mutter Melanie, die aus Bostons besten Kreisen stammt, eine Hausfrau mit höheren Ambitionen ist. Eileen ist inzwischen an die Harvard Business School gegangen, um BWL zu studieren, während Louis, 23, als Sendetechniker bei einem Radiosender arbeitet, der kurz vor dem Aus steht.

Louis ist beruflich etwas perspektivlos, aber er ist einer der zwei Helden dieses Romans. Eileen hat in Peter einen ehrgeizigen künftigen Bankangestellten mit kritischem Bewusstsein kennen gelernt, mit dem sie zusammenziehen und eine Familie gründen wird. Bis zu diesem Stadium ist Louis noch längst nicht vorgedrungen.

Da ruft Stiefgroßmutter Rita Damiano Kernaghan an. Sie ist in der Familie als etwas ausgeflippte Schriftstellerin und Esoterikerin bekannt, außerdem trinkt sie. In Ipswich, wo sie Großvaters Villa extravagant umgemodelt hat, wird sie ebenso gehasst wie von Melanie Holland. Peter, Eileens Freund, war ihr PR-Manager. Leider kann Rita nicht an Großvater Jacks Vermögen heran, weil er es in einem Treuhandfonds gelagert hat, den die drei Vorstände seiner alten Firma, des Chemiekonzerns Sweeting Aldren, verwalten.

Wenig später erfährt Louis, dass Rita gestorben ist. Bei einem der in jüngster Zeit häufiger auftretenden Erdbeben in Massachusetts kippte sie von ihrem Barhocker und brach sich den Schädel. Sofort wittert Melanie ein Erbe und fährt hin. Sie lädt ihre Kinder ein, doch es sieht nicht so aus, als bekäme Louis ein Stück von diesem Kuchen. Der Kuchen: 22 Millionen Dollar aus dem Treuhandfonds! Der Fonds wird erst im Juni zur Auszahlung fällig, und alle Aktien sind Anteile an Sweeting Aldren. Eileen schafft es aber wieder einmal, einen Kredit zu ergattern. Es ist der 6. April, ca. 1992.

Louis wird von seiner Mutter als „mürrischer, komischer Kauz“ betrachtet. Um dem Streit aus dem Weg zu gehen, setzt er sich mit einem Hund an den Strand des Atlantik. Er denkt an seine Exfreundin Lauren Bowles zurück, die jetzt sicher mit ihrem Verlobten Emmett in Texas eine Familie gründet. Da kommen am Strand drei junge Leute – eine Frau und zwei Männer – heran, die Louis fragen , ob er das Beben gerade eben gespürt habe. Er verneint. Die Frau heißt Renee Saitchek, ist 30 Jahre alt und hat eine hübsche Stupsnase. Er ist von ihr eingenommen. Die anderen sind ebenso Seismologen: Howard Chun und Terry Small. Louis lädt sie ins Haus ein.

Die Begegnung Renees mit Melanie Holland wird später noch wichtig werden. Sie beeindruckt Melanie nämlich als Erdbebenspezialistin und erteilt ihr später einen wichtigen Rat. Wie wichtig Renee für die Hollands ist, stellt sich heraus, als sie Louis’ Freundin wird und ihm ihre Theorie anvertraut.

Diese Theorie besagt, dass die immer häufigeren Erdbeben in der Region von Menschen verursacht werden. Louis, der das bisher nicht für möglich gehalten hat, wird eines Besseren belehrt. Sie zeigt ihm Artikel von 1969 und 1970, nach denen Anna Krasner, eine Angestellte des Chemiekonzerns Sweeting Aldren, in 6 Kilometern Tiefe Erdöl und Methan vermutete und eine Tiefenbohrung befürwortete. Was, so Renee, wenn Sweeting Aldren, diese Tiefenbohrung missbraucht hätte, um seine giftigen Abwässer in die Tiefe zu pumpen? Dort brauchten die Abwässer Jahre, bis es zu Verschiebungen kam. Die ersten Beben gab es vor fünf Jahren, dann hörten sie wieder auf. Aber in letzter Zeit geht es richtig los. Warum wohl?

Eines liegt auf der Hand: Sobald Renee ihre Theorie beweisen kann und sie publik macht, werden Melanie Hollands Aktien – die sie zum Greifen nahe hat – in den Keller rauschen. Das kümmert Louis nicht die Bohne, ist er doch der Ansicht, dass man seinen Lebensunterhalt mit ehrlicher Arbeit verdienen sollte. Was er aber nicht ahnt: Renee wird beim Bundesamt für Umweltschutz vorstellig, blitzt bei diesen Industriefreunden ab und macht sich auf eigene Faust auf die Socken, um Beweise für ihre Theorie zusammeln. Dass sie sich damit keine Freunde beim beobachteten Konzern macht, muss sie schon bald feststellen. Die Warnungen werden im freundlichen Ton vorgebracht. Noch.

Doch als Louis die plötzlich wieder aufgetauchte Lauren nicht sofort wegschickt, wendet sich Renee zutiefst verletzt von ihm ab. Auch mit Lauren wird es nichts, der Job beim Radio ist weg, und so zieht Louis wieder nach Evanston. Doch für Renee spitzt sich die Lage zu. Sie hat nämlich festgestellt, dass sie von Louis schwanger geworden ist. Was soll sie tun? Sie kann den Fetus abtreiben lassen, doch da gibt es ein Problem: Alle Abtreibungskliniken in Boston und Umgebung werden von den „Lebensfreunden“ des selbsternannten Reverend Philip Stiles belagert. Ein Gang in die Klinik kommt einem Spießrutenlaufen gleich.

Sie besucht Stiles und bietet sich ihm an. Als er sie abweist, entschließt sie sich zu einer verzweifelten Tat, die sie zu einer Heldin werden lässt. Doch sie muss teuer dafür bezahlen …

_Mein Eindruck_

Tragödie und absurde Komik liegen in diesem Roman nahe beieinander. Die Einschätzung, was denn nun komisch sein soll, liegt aber sehr in der individuellen Einschätzung des Lesers bzw. Hörers. Die Vorbereitungen auf die Erdbebenfolgen, die Peters Mutter trifft, bevor sie sich aus dem Haus wagt, sind vermutlich komisch: Ist eine Gasmaske wirklich nötig, wenn man in einem Villenviertel das Haus verlässt? Das Grinsen vergeht einem aber, als wenig später aus den TV-Nachrichten verlautet, es habe auf dem Firmengelände des Chemiekonzerns eine massive Dioxinverseuchung gegeben, die in einem Radius von mehreren Meilen um das Werk alles tierische Leben abgetötet habe.

Ebenso könnte es komisch sein, wenn Lauren Bowles, die Exfreundin von Louis, vor seiner Tür steht und nicht weiß, was sie nun eigentlich will: mit ihm schlafen oder ihn „nur“ zum Freund haben. Sie verschiebt den Sex und bereut es für den Rest ihres Lebens. Doch weil sich Lauren zwischen Louis und Renee drängt, wird sie fortan von der tief verletzten Renee gehasst. Das soll ihre Wiederversöhnung mit Louis schwer belasten.

|Comédie humaine|

Was hier komisch anmutet, ist lediglich die allseits bekannte menschliche Komödie. Sie hat ihre lustigen Seiten, aber auch ihre hässlichen. Der Autor macht hier keinen Unterschied, sondern schildert unparteiisch, wie hilflos sich manchmal die Menschen benehmen. Das trifft nicht nur für die widersprüchlichsten aller Wesen, nämlich Frauen, zu, sondern auch für Männer, nämlich Louis. Wie zwiespältig Frauen wie Renee und Eileen und Melanie sind, wird keineswegs verurteilt, sondern ernst genommen. Dadurch werden sie zu authentischen, glaubhaften Figuren, deren Schicksal uns wirklich kümmert. Und das, was Renee durchmachen muss, ist wirklich ganz schön hart.

|Hassobjekte|

Wenn der Autor einmal etwas verurteilt, so tut er dies indirekt. Sein liebstes Hassobjekt sind die Medien. Sie sind so geil auf Sensationen und schicke Bilder, dass am Tage des größten Erdbebens mehrere TV-Teams schon mit vorbereiteten Nachrufen auf Reverend Stiles zu seiner Bruchbude von Wohnblock eilen und filmen, wie er sie um Hilfe anfleht. Natürlich rühren sie keinen Finger, sondern warten zwanzig Minuten, bis die Hilfsdienste anrücken. Die Bilder von brennenden und beinahe zusammenkrachenden Häusern sind auch wirklich Gold wert, nicht wahr?

Eine andere Form der Kritik, die weniger direkt ist, besteht in der Beschreibung von Natur und Wetter. Die Eigenschaftswörter, die dem Autor dafür einfallen, sind von ausgesuchtem Sarkasmus. Aber dieser Stil passt durchaus, denn Mutter Natur hat sich schließlich in Gestalt von Erdbeben gegen die Menschlein verschworen, die sich im Krieg mit ihr befinden. Schließlich waren es Konzernbosse, die giftige Abwässer in ein tiefes Bohrloch pumpen ließen, und nicht etwa die Heinzelmännchen. Ja, Renee liegt mit ihrer Theorie völlig richtig. Und der Fluch der bösen Tat lässt nicht auf sich warten, früher oder später (eher später).

Ein weiteres Objekt sind die Bundesbehörden. Als Renee das Bundesumweltamt auf Sweeting Aldren ansetzen will, erweist sich die zuständige Beamtin Calder – sie kommt am Schluss noch einmal scheinheilig zu Wort – als Freundin der Industrie. Als Renee ihren Verdacht äußert, Calder sei wohl von der Chemie geschmiert worden, wird sie sanft, aber bestimmt hinauskomplimentiert. Calder hätte mit einem Kontrollverfahren das Verbrechen des Konzerns aufdecken und die Dioxinkatastrophe verhindern können. Zynisch mutet es obendrein an, wenn sich Washington weigert, die flüchtigen Vorstandsmitglieder verfolgen zu lassen. Zwei davon haben die Republikaner allzu gut „unterstützt“, um sie nun vor den Kadi zu zerren.

|Kleines Glück und großes Glück|

Umweltkatastrophe und Abtreibungsgegner – und irgendwo dazwischen zwei junge Paare: Renee und Louis, Eileen und Peter. Sie versuchen, der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen und altes Unrecht ans Licht zu zerren, um die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen. Aber Louis hat selbst einiges gegenüber Renee wiedergutzumachen und Eileen wohl gegenüber ihrem Bruder. Zwischen all diesen Konflikten suchen sie den Weg zu ihrem privaten Glück.

Doch wie sie im Laufe der Handlung erkennen, ist dieses kleine Glück eng verknüpft mit dem, was auf der öffentlichen Bühne abläuft. Die Firmenzentrale von Sweeting Aldren wurde von einem Brandstifter abgefackelt, um Beweise zu vernichten, und dreimal darf man raten, welche Verbrechen damit vertuscht werden sollten. Melanie Holland ist natürlich ihre 22 Millionen los – die Aktien sind nichts mehr wert. Schon bald hat sie eine Alternative gefunden.

|Der Sprecher|

Gerd Wameling ist ein ähnliches Stimmwunder wie Rufus Beck und Philipp Schepmann, aber seine Interpretation von Frauenstimmen ist doch etwas gewöhnungsbedürftig. Sie klingen meist so affektiert, wie Charleys Tante sie sprechen würde, also ein wenig unecht. Besonders Melanie Holland scheint stets kurz vor einem hysterischen Anfall zu stehen. Und die esoterische Rita hat mit ihren 68 Jahren eine hohe, krächzende Stimme entwickelt, die an den Nerven zerrt.

Dafür hat er aber eine breite Palette von Männerstimmen im Repertoire. Louis’ Nachbar, der alte John Mullins, klingt kernig wie ein alter Farmer aus dem Mittelwesten. Peters Vater klingt erst alt und heiser, dann steigert er sich aber durchaus zu einer wütenden Tirade, die seine Kinder und Enkel Mores lehren soll. Louis’ Großvater Jack Kernaghan erweist sich als Chef von Anna Krasner nicht nur als gewiefter Geschäftemacher, sondern auch als Schürzenjäger mit Durchschlagskraft.

Sehr lustig ist Louis’ Chef beim Radiosender, ein eingewanderter Russe. Folglich verleiht ihm Wameling einen russischen Zungenschlag, der allerdings schon einen gehörigen amerikanischen Einschlag beim gerollten R anklingen lässt.

|Das Booklet, die CDs|

Das Booklet bietet Informationen zu Autor, Sprecher und Produktion. Hilfreich sind die Längenangaben der Tracks. Diese sind pro CD meist nicht länger als 64 bis 74 Minuten. Die Kapazität einer Hörbuch-CD liegt bei 79 Minuten. Die Vermutung liegt nahe, dass der Verlag beinahe eine ganze CD hätte einsparen können.

Technische Probleme wie bei [„Das verlorene Labyrinth“ 1976 gab es diesmal nicht, nur am Ende einer einzigen CD gab es Aussetzer, die die Wiedergabe beeinträchtigten.

_Unterm Strich_

Dass Franzen inzwischen ein Bestsellerautor ist, merkt man diesem frühen Roman von anno 1992 nicht an. Der Autor erzählt mutig und entschieden, wo er seine Sache vertreten sehen will, aber objektiv, wo andere vielleicht einen Standpunkt einnehmen zu müssen glauben. Die Ziele seiner Kritik habe ich oben dargestellt. Sein Bemühen um Objektivität gilt den Abtreibungsgegnern, deren Anführer, Reverend Philip Stiles, durchaus auch als Mann erkennbar wird. Das hindert den Autor allerdings nicht daran, diesen Handlungsstrang dramatisch zuzuspitzen.

Auf diese Weise erschließt sich dem Leser bzw. Hörer nicht nur die Geschichte stets von beiden Seiten und erlaubt ihm so unparteiische Kritik, sondern er fühlt sich auch gut und zunehmend spannungsreich unterhalten. Die dramatischen Vorgänge – nicht umsonst lautet der O-Titel „Strong Motion“ – spitzen sich zu und unser Mitgefühl gilt sowohl den beiden Hauptfiguren als auch den weniger sympathischen Figuren wie Eileen und Melanie. Es interessiert uns, wie es ihnen ergehen wird – bis zum bitteren Ende.

Denn natürlich fechten alle Charaktere einen – damals aktuellen – Kampf aus: die Abdankung der Linken, der Sieg der opportunistischen Aufsteiger, die Altlasten der kalten Krieger und die Abtreibungsgegner bzw. -verfechter. Zwischen allen Stühlen: Louis, der seinen Standpunkt sucht. Die Liebe zu Renee weist ihm den Weg.

Auch auch Erotik und Humor kommen nicht zu kurz. Der Beischlaf Louis’ mit Renée gehört zu den zärtlichsten Sexszenen, die ich kenne. Hinsichtlich Sex nimmt Franzen kein Blatt vor den Mund – wozu auch? Humor existiert in der erfrischenden, intellektuellen Form der Ironie. Dazu gehört ein starker subjektiver Standpunkt. Diesen nehmen nur Louis, Renee und Melanie ein. Aber auch der Autor kann richtig sarkastisch – siehe oben – werden, und das ist für einen modernen Gesellschaftsroman recht ungewöhnlich.

Wer also einen Liebes-, Familien-, Gesellschafts- und Katastrophenroman in einem vollgepackten Paket ertragen kann, der ist bei „Schweres Beben“ an der richtigen Adresse.

|Das Hörbuch|

Die wandlungsfähige Stimme des Schauspielers Gerd Wameling macht die Lesung – ohne Musik und Geräusche – recht abwechslungsreich. Auch das Tempo versteht er einfühlsam zu regulieren, so dass auch der Hörer mitbekommt, wann eine Rückblende beginnt. Und in zärtlichen Szenen wie zwischen Renee und Louis ist er unschlagbar in seiner feinfühligen Darstellung. Ein echter Pluspunkt also. Da kann man schon mal über seine Charleys-Tante-Stimme für bestimmte Frauenfiguren hinweghören.

|Originaltitel: Strong Motion, 1992
Aus dem US-Englischen übersetzt von Thomas Piltz
703 Minuten auf 10 CDs|

_Rezensionen zu Jonathan Franzens Werk bei |Buchwurm.info|:_

[„Die 27ste Stadt“ 1207
[„Schweres Beben“ 1752
[„Die Korrekturen“ 1233