Band 1: [Das Geheimnis des Blauen Vorhangs]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7845
_Story:_
London ist erneut in Aufruhr, denn einstimmigen Berichte zufolge zieht zum wiederholten Male ein Frauenmörder durch die Gassen, der die Befürchtung aufkommen lässt, der legendäre Jack the Ripper sei zurückgekehrt. Die drei Junior-Detektive sind sich nicht einig, ob sie der Sache nachgehen sollen, bis sie schließlich selber Teil eines Komplotts werden, bei dem eine junge Russin fast mit ihrem Leben bezahlen soll. Katja Iwanowa gehört einer Gruppe Revolutionäre an, die im restlichen Europa ihr Exil gesucht haben und nun befürchten müssen, von der Elitepolizei des Herrschers beseitigt zu werden.
Ihr Bruder Viktor wurde inhaftiert, weil mehrere Indizien darauf hinweisen, dass er für die Morde verantwortlich ist. Doch Charlie, Tom und Billy sichern der Dame ihre Hilfe zu und bürgen mit ihren Diensten für Sherlock Holmes, der derzeit in Wien nach einer verschwundenen Geige sucht. Aber die Sache ist verzwickter und gefährlicher, als die jungen Helden befürchtet hatten. Der Zar und seine Helfershelfer agieren mit äußerster Brutalität, und als schließlich weitere Menschen ums Leben kommen, sehen sich die drei erstmals mit ihrem eigenen Tod konfrontiert. Ans Aufgeben denken sie aber dennoch nicht …
_Persönlicher Eindruck:_
War die erste Episode zu „Die Vier aus der Baker Street“ als Einführung noch eine leicht verdauliche Abenteuergeschichte, fährt das Autorenteam in „Die Akte Raboukin“ schon deutlich schwerere Geschütze auf. Die Geschichte hat deutlich mehr Tiefgang, das Setting ist wesentlich aggressiver ausgemalt als in der vorangegangenen Story, die Charaktere sind überdies ebenfalls entschlossener und brutaler in ihrem Vorgehen, und so wird der zweite Fall von Billy, Charlie, Tom und ihrem Kater Watson überraschenderweise zu einer sehr brisanten, teils auch ruppig inszenierten Comic-Erzählung, die vor allem in den Momenten punktet, wenn das Jugendroman-Niveau ausgehebelt wird und man sich dazu entschließt, die Härte des großen Vorbilds auszupacken. Denn diesbezüglich sind sich „Die Akte Raboukin“ und die etwas raueren Holmes-Geschichten am Ende näher, als man es nach dem ersten Band erwartet hätte.
Die Geschichte beginnt dabei noch recht simpel: Jack the Ripper aufzugreifen, erscheint als Wagnis, dem die Serie eigentlich nicht gewachsen scheint, da definitiv davon auszugehen ist, dass inhaltlich mit härteren Bandagen gekämpft wird. Doch den beiden Autoren gelingt der Schwenk in die eigentliche Geschichte sehr gut, da man bereits nach drei Seiten keinen Gedanken mehr an den legendären Killer aus dem Londoner East End verschwendet. Stattdessen befindet man sich sehr rasch in der eigentlichen Handlung, die sich aus einem folgenschweren Komplott, zahlreichen Intrigen, interessanten Charakteren und natürlich dem wagemutigen Vorgehen der drei ‚Superhelden‘ zusammensetzt. Des Weiteren stößt man auf ungeahnte Erzähltiefe, gerade wenn es um den Background der russischen Akteure geht oder aber auch im Bezug auf die ständig schwankende Hauptgeschichte, die am Ende immer wieder neue Überraschungen bereithält. Und auf solche Ereignisse war man nach dem eher strikten Vorgehen im Vorgänger sicherlich nicht vorbereitet.
Doch die zahlreichen Überraschungseffekte sind eine sehr angenehme Entwicklung, von der nicht nur die aktuelle Story als solche, sondern auch die ganze Atmosphäre ungemein profitiert. Die etwas ‚erwachsenere‘ Gestaltung wirkt sich auf das gesamte Setting sehr positiv aus, die kritischen Themen, die abgehandelt werden, weisen zudem einen ziemlich originellen Bezug zu den sozialen Ungereimtheiten des früheren Englands auf. Exilrussen, politische Verschwörungen, listige Gemeinheiten, intrigante Machenschaften im Bereich des höheren Adels – das ist zwar nicht wirklich neu, aber aufgrund der unerwarteten Einflechtungen sehr spannend und interessant in den Plot eingebettet. Lediglich das jüngere Publikum wird vielleicht ein wenig von der offensiven Gangart der zweiten Episode abgeschreckt sein, aber vermutlichen ebenso konstatieren, dass die hier begangene Entwicklung ein Schritt in die richtige Richtung ist. War „Das Geheimnis des Blauen Vorhangs“ mehr oder weniger die pflichtmäßige Einführung in den Stoff, so beginnt mit „Die Akte Raboukin“ nun eine eindrucksvolle Kür!
1852: Nach mehr als 20 Jahren kehrt Honoré Pencrec’h in seine Heimat Kerfilec zurück – eine Zeitreise, die ihn abrupt in seine Vergangenheit zurückbefördert. Einst lernte er an der Kapuzinerschule das junge Mädchen Emma kennen und schenkte ihr sein Herz. Doch eines Tages verschwand das Mädchen spurlos; die Vermutungen gehen dahin, dass es vor den Klippen der Insel Dourduff ertrunken ist, doch niemand weiß etwas Genaues.
Jahre später ist Honoré mit er zwielichtigen Carmille getraut, Emmas Nebenbuhlerin, die ihn bereits kurze Zeit später nach Paris verführt hat. Als sie nun gemeinsam an den Ort ihrer Kindheit zurückkehren, gerät das Dorf in Aufruhr. Niemand traut Carmille über den Weg, und es scheint so, als hätten gleich mehrere Bürger eine Sünde auf ihren Schultern zu tragen, die auch mit dem Verschwinden von Emma zusammenhängt. Als schließlich der jetzige Honoré seinem kindlichen Ebenbild begegnet und daran erinnert wird, dass sein Lebensweg nicht den Prinzipien gefolgt ist, die er als junger Mensch mit seinem Herzen festgelegt hatte, kommt der ältere Mann ins Grübeln. Schließlich ist es ein Attentat auf Carmille, das Bewegung in die Dinge bringt und so manchem Schuldigen den Angstschweiß auf die Stirn treibt …
_Persönlicher Eindruck:_
„Kapuzinerschule“ ist lediglich ein Zweiteiler, der in diesem vermeintlich knappen Umfang jedoch eine Erzähltiefe entwickelt, für die sich J.-B. Djian [(„Die Vier von der Baker Street“)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7845 einen kleinen Comic-Orden anheften darf. Alles beginnt unscheinbar und unspektakulär, als das vermählte Paar zurück in die Heimat reist und sich in vielen kleinen Episoden an die Erlebnisse aus der Kindheit erinnert. Doch schon bald offenbart sich, dass hier eine Menge faul ist, so dass „Das vergiftete Dorf“ sehr rasch in die Position eines richtig temporeichen Thrillers gerückt wird, dessen phantastische Inhalte schließlich den qualitativen Unterschied ausmachen.
Djian lässt seine Leser aber lediglich spekulieren, welches Geheimnis sich hinter der eigentlich verschlafenen Ortschaft Kelferic befindet. Auf wenigen Seiten entwickelt er ein Szenario, dessen Protagonisten auf sehr individuelle Weise Schuld auf sich geladen haben, dies jedoch aus den unterschiedlichsten Motiven. „Kapuzinerschule“ erzählt von einem entflohenen Sträfling, einem unglücklichen Ehemann, einer merkwürdigen Schulleiterin und vielen weiteren suspekten Persönlichkeiten, die alle ihren Teil zum sehr schwer durchschaubaren, inhaltlich aber jederzeit nachvollziehbaren Story-Gerüst beitragen. Jeder hat sein Laster zu tragen, das aus irgendwelchen Vorgängen aus der Vergangenheit rührt, deren wahren Sinngehalt der Autor jedoch konsequent verschweigt.
Binnen weniger Panels entsteht daher eine Art Mythos, etwas Undurchdringliches, irgendwie ein schon greifbares, aber eben noch nicht bestimmbares Arrangement, das viele Fragen aufwirft, aber zu keiner Zeit überfordernd ist. Man ahnt, welche Charaktere mehr zu verbergen haben, man bekommt ein Gespür dafür, was in Kelferic vor mehr als 20 Jahren geschehen ist, und durch die sehr emotionale Darbietung verschenkt man auch schnell Sympathiewerte für einige Beteiligte. Doch am Ende bleibt es bei diesen Vorahnungen, die bereits im ersten Band die Spannung zum Siedepunkt treiben und alle Hoffnung darin vereinen, dass in „Der Erbe“ eine kurze, aber absolut lesenswerte Geschichte ein Finale geschenkt bekommt, das dieses Auftakts würdig ist. Solch gute illustrierte Unterhaltung bekommt man trotz des Qualitätsbewusstseins beim |Splitter|-Verlag nämlich nicht alle Tage geboten!
Bewegend, tiefgängig, spannend, temporeich, sehr dynamisch – man kann viele Worte über „Das vergiftete Dorf“ verlieren, sich aber auch darauf beschränken, Djian den Start in ein Meisterwerk zu attestieren, das bei entsprechender Vollendung zum bedingungslosen Pflichtstoff erklärt werden muss.
_Band 1: „Das Blut von Lyonesse“_
Band 2: „Das Petenkind der Feen“
Band 3: – noch unbekannt –
Band 4: – noch unbekannt –
_Story:_
Britannien befindet sich im Krieg, und alle Mächte scheinen sich dazu vereint zu haben, Arthur Pendragon zu bezwingen und die Krone von König Mark an sich an sich zu reißen. Das malerische Cornwall scheint daher genau der richtige Ort, um eine Invasion zu starten und auf einem Nebenkriegsschauplatz Erfolge zu feiern. König Duncan von Hibernia plant in einem bestialischen Schachzug, das Küstengebiet zu überfallen und Rivalen von Lyoness zu bezwingen. Und sein Vorhaben scheint von Erfolg gekrönt, denn der Weg zur Festung von Tintagel wird durch die Hibernianer von einer feurigen Blutspur gezeichnet. Doch Rivalen und seine kluge Magie scheinen gewappnet für den Kampf gegen die schier übermächtige Armee des hinterlistigen Königs.
Doch der Überfall auf Tintagel wird von einem Machtkomplott bei den Feen überschattet. Die spitzzüngige Gloredell entledigt sich ihrer Partnerinnen und drängt auf einen Pakt mit Duncan, um selber einen Teil der Macht zu erlangen. Auch die Druiden scheinen gegen die Macht der Fee hilflos und beugen sich schließlich ihren gewaltsamen Androhungen. Damit fehlt den Verbliebenen in Tintagel der Schutz, und als die Schlacht vor den Toren beginnt, ist nicht bloß das Volk selber, sondern auch die Familie von Rivalen schutzlos ausgeliefert …
_Persönlicher Eindruck:_
Die Artus-Sagen und ihre große Last: Wieder ist jemand gewillt, diese Bürde auf sich zu nehmen und sich am Rande der großen Legende mit einer Standalone-Story ein eigenes Gerüst zu erbauen, welches keinesfalls im Schatten der großen britischen Sage steht. Zwar gibt es in „Die Herren von Cornwall“ deutliche Verbindungen zu Arthur Pendragon und seinen Triumphzügen, jedoch sind Schauplatz, Protagonisten und vor allem der Plot selber sehr unabhängig gewählt und erhalten diese Parallele lediglich vor dem legendären Hintergrund.
Die Story an sich wirft all die Erwartungen, die ein solch natürlich berechtigter Vergleich mit sich bringt, allerdings sehr schnell über den Haufen. Selbstredend ist der Plot vom Schlachtengetümmel und den üblichen intriganten Machenschaften gekennzeichnet, und auch im Hinblick auf das allgemeine Setting – schließlich spielt das Ganze immer noch im Britannien des frühen Mittelalters – bietet sich die direkte Gegenüberstellung ganz klar an. Doch Sylvain Corduré, der sich unter anderem bereits mit seinem Fantasy-Epos „Acriborea“ auszeichnen konnte, stört sich daran lediglich in der Einleitung, in der die geschichtlichen Zusammenhänger erklärt werden. Fortan entwickelt er dann jedoch eine eigene Geschichte, malt sie teilweise sehr brutal, dafür aber auch allzu authentisch aus und bedient sich der berüchtigten Sagenwelt nur am Rande. Es gibt Feen, Druiden, Drachen, Magie, aber trotz allem wird der Autor vom Gedanken der Eigenständigkeit angetrieben und bereits zum Ende des ersten Bandes von „Die Herren von Cornwall“ mit reichlich Beifall belohnt.
Bis dahin wird zwar unverhältnismäßig viel Blut vergossen, gleichzeitig aber dafür gesorgt, dass die einzelnen Figuren ein ehrbares Format bekommen. Es ist nicht nur der ehrenwerte Rivalen von Lyoness, der hier eine sehr feine Charakterzeichnung erfährt, sondern auch seine Kinder, unter denen sich auch Tristan befindet, der offenkundig noch eine größere Rolle in der Erzählung zugesprochen bekommen wird. Aber auch den vermeintlichen Bösewichten wird ein stolzer Platz eingeräumt, was maßgeblich dazu beiträgt, dass die Story in jeder Passage glaubwürdig bleibt.
Am Ende der ersten Episode sind schließlich schon mehr Informationen aufgetischt worden, als es für ein Debüt einer solchen Serie üblich ist. Man ist auf Anhieb in der Handlung ‚drin‘, versteht die Motive, erkennt die Intrigen, sieht sich aber dennoch mit einem komplexen Hauptstrang konfrontiert, der für die Zukunft noch einige spannende Wendungen verspricht.
Oder anders gesagt: „Das Blut von Lyonesse“ ist ein richtig starker Auftakt einer Serie, von der man bereits frühzeitig nicht mehr denken muss, dass sie unter dem großen Schatten der Artus-Sage verschwindet. Dieser Verdienst ist im Übrigen nicht nur dem Texter, sondern auch seinem bislang eher unbekannten Sidekick Alessio Lapo geschuldet, der mit seinen (im wahrsten Sinne des Wortes) fabehlhaften Illustrationen maßgeblich zu diesem ersten Erfolg beiträgt!
[Band 1: Giuliano Della Rovere]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7843
_Inhalt:_
Verzaubert von einem Liebestrank seines Liebhabers und Kumpanen Aldos, lässt sich Papst Julius II. auf eine intime Zweckgemeinschaft ein und kürt ihn zur Päpstin. Doch seine Wahl trifft in familiären Kreisen auf wenig Gegenliebe, so dass Aldos einer Intrige zum Opfer fällt und kurz darauf gemeuchelt wird. Der innerlich zerstörte Papst lässt daraufhin endgültig seinen Hass walten und nimmt auch auf Angehörige und einstige Verbündete keine Rücksicht mehr. In aller Eile bildet er seine Schweizer Garde zu einer widerstandsfähigen Armee aus und überfällt in seinem Wahn alle verbliebenen Herrscher und Adligen, die sich noch in irgendeiner Form der Kirche und seiner Macht zu widersetzen gedenken.
Gleichzeitig startet er eine Affäre mit dem bildenden Künstler Michelangelo, der jedoch ebenfalls nur die kalte Seite von Julius II. kennenlernt. Doch der Papst bleibt unberechenbar, und nicht nur Michelangelo soll eine zweite Chance bekommen, die Gunst des Kirchenoberhaupts zu erlangen …
_Persönlicher Eindruck:_
Im zweiten und vorerst letzten Band zu Jodorowskys Papst-Comics nimmt die Handlung ein paar unvorhergesehene Wendungen, die sich auf inhaltlicher Ebene durchaus auszahlen. Zwar ist sein Protagonist immer noch ein selbstsüchtiger, vom Hass getriebener Charakter, der vor nichts und niemandem Rücksicht nimmt, jedoch wird der Handlungskomplex fortan auf mehrere Stränge verteilt, was der Geschichte gerade zu Beginn noch einmal einen richtigen Schub verpasst.
Dabei sind es dieses Mal nicht einzig und alleine die skandalträchtigen Darstellungen des Autors und seines Zeichners Theo, die als Blickfang dienen. Es ist vor allem die neu gewonnene Vielschichtigkeit des Plots, der geradezu ruckartig den Hauptstrang verlässt und viele, sehr offensiv gestaltete frische Elemente einbringt, die überzeugen und auch nachhaltig begeistert. Julius II. tobt sich im wahrsten Sinne des Wortes auf allen erdenklichen Schlachtfeldern aus, macht seine Gefühlskälte zur Triebfeder, wirft die politische und religiöse Ordnung Italiens mehr als einmal über den Haufen, zeigt aber an den Stellen, an denen man es am wenigsten erwartet, auch menschliche Neigungen, welche die Charakterzeichnung des Hauptdarstellers gleich noch einmal viel interessanter machen.
Hinzu kommt, dass gleich mehrere neue Figuren Einzug in die Story halten und das Ganze nicht mehr einzig aus der Sicht des Papstes geschildert wird. Zwar stehen seine anrüchigen Machenschaften immer noch im Vordergrund, jedoch kommen diesmal auch einige Gegenspieler zu Wort und tragen ihren Teil dazu bei, dass „Der schreckliche Papst“ sich unverhofft doch noch zu einer etwas komplexeren Erzählung entwickelt.
Dementsprechend schade ist es, dass sich Jodorowsky nicht doch die Mühe gemacht hat, die ganze Sache auf drei oder vier Kapitel auszuweiten, da es zwischenzeitlich schon den Eindruck macht, als wären einzelnen Aspekte nur notdürftig ausgearbeitet worden, um der strengen Seitenvorgabe gerecht zu werden. Ging dies in „Giuliano Della Rovere“ noch in Ordnung, da hier auch die Story einen sehr raschen Verlauf nahm, so wird der Leser sich diesmal stellenweise wünschen, dass beispielsweise die kriegerischen Handlungen nicht von so vielen Zeitsprüngen durchsetzt wären. Und auch die Liebelei mit Michelangelo, das rasche Ableben von Aldos und die erneuten Wendungen zum Schluss der zweiten Episode könnten etwas mehr Detailliebe vertragen, um das Gesamtpaket treffend abzurunden.
Beschweren mag man sich aber dennoch nicht, zumal Jodorowsky auf der letzten Seite bereits eine Fortsetzung verspricht. Somit bleibt wenigstens nicht das ungute Gefühl, mitten in der Geschichte weggeschoben zu werden. Daher bleibt zu hoffen, dass „Der schreckliche Papst“ relativ bald einen weiteren Nachfolger erhält. Wenn nämlich die Klasse von „Julius II.“ aufrechterhalten bleibt, dann kann man diesbezüglich noch eine ganze Menge erwarten!
_Band 1: „Programm Sibirien“_
Band 2: „A.S.O.R.3 Psycho“
Band 3: „Inkarnation“
_Story:_
Eine Routinemission auf dem Planeten Sibiria verlangt einem Marinekommando alles ab: Binnen 24 Stunden soll eine Raumstation untersucht werden, doch der ‚Code Red‘, der hinter der Sache steht, bereitet den Beteiligten Unbehagen. Vor Ort finden die Soldaten schließlich ein seltsames, verlassenes Lager vor, welches bereits seit Jahren nicht mehr besetzt zu sein scheint. Dennoch tun sich Abgründe auf, als bei deutlichen Minusgraden plötzlich mehrere Leichen auftauchen und ein seltsames Wesen einen der Marines aus nächster Distanz mit einer Kugel schwer verletzt.
Als er schließlich bei der Rückkehr zur Basis untersucht wird, stellt das Team fest, dass sein Körper übermäßig widerstandsfähig sein muss und trotz der Schäden an seinem Schutzanzug bei den unmenschlichen Außentemperaturen überlebt hat. Bevor weitere Schritte unternommen werden können, näher festzustellen, was mit ihm passiert ist, wird er in Notwehr erschossen. Doch was genau ist geschehen, dass er nicht schon vorher unter normalen Umständen den Tod gefunden hat?
_Persönlicher Eindruck:_
Christophe Bec ist derzeit wohl der fleißigste Comic-Autor im |Splitter|-Verlag. Mit „Absolute Zero“ stellt der französische Künstler bereits seine siebte verlagsinterne Serie vor – eine Entwicklung, die er sicherlich seinem gefestigten Status und seinem kontinuierlich angewachsenen Renommee zu verdanken hat. Doch genau dies macht „Absolute Zero“ keinesfalls zum Selbstläufer. Im Gegenteil: Die aktuelle Konzeption, die er gemeinsam mit Richard Marazano und Zeichner Homer Reyes erstellt hat, ist – zumindest was die Debüt-Episode betrifft – der erste echte Schandfleck in der Biografie des geschätzten Comic-Schreibers.
Es sind gleich mehrere Facetten, die den Dreiteiler von Beginn an zu einem sehr bedenklichen Unterfangen machen. Angefangen bei der verbrauchten Vorstellung einer mehr oder minder apokalyptischen Zukunft, in der ein Marine-Corps einen fremden Planeten infiltrieren soll, über die machohaften Unstimmigkeiten der einzelnen Teilhaber der Story bis hin zu den Horror-artigen Entwicklungen in der Handlung hat Bec derart viele Inhalte eines eher zweitklassigen Hollywood-Streifens rezitiert, dass man sich ernsthaft fragen muss, wo genau denn der tatsächlich kreative Input des Franzosen verborgen ist.
Diesen muss man letzten Endes wohl darin sehen, dass sich Bec mit verschiedenen Schnipseln genrefremder Comics rühmt, die er als lose Fragmente in die Story einstreut, ohne dass hierbei jedoch ein genauer Sinn zu erkennen ist. Selbst Goofy und Entenhausen bekommen einen kleinen Panel, was man einerseits vielleicht als aufheiternde Zwischensequenz betrachten kann, andererseits aber vor dem makaberen Hintergrund der eigentlichen Geschichte völlig deplatziert erscheint.
Doch auch sonst ist „Absolute Zero“ respektive „Programm Sibirien“ in seiner Ausmalung einfach nur schwach. Die gesamte Handlung wird von fast schon peinlichen Dialogen beschrieben, in denen sich die Soldaten größtenteils lediglich angiften und auf ihr typisch-banales Vokabular zurückgreifen. Das mag für ein oder zwei Seiten noch witzig sein, doch da die gesamte Erzählung hiervon betroffen ist und der inhaltliche Fortschritt durch diese Randerscheinungen stetig ausgebremst wird, kann man schon nach kurzer Zeit auf derlei sprachliche Zeitverschwendung verzichten.
Der letzte Versuch, das Ganze wenigstens spannend zu gestalten, scheitert bisweilen an den eher minderwertig ausgeprägten Horror-Szenarien, die sowohl inhaltlich als auch grafisch nicht überzeugen. Das Szenario in der Raumstation und auch der Zustand des angegriffenen Marines liefern genügend Stoff für einen interessanten Twist an der entscheidenden Stelle, doch aufgrund der angesprochenen Banalitäten bleiben die vielen sich bietenden Optionen durchgängig ungenutzt. Stattdessen regieren Schmalspur-Gespräche und eigensinnige Motive, die zwar den Vorteil bringen, dass der genaue Kern des Plots noch nicht durchschaubar ist, andererseits aber auch so mäßig ausstaffiert sind, dass man Klarheit diesem Kuddelmuddel vorziehen würde.
Eigentlich hätte man nicht geglaubt, dass man im Zusammenhang mit diesem Autor mal solche Worte verlieren würde; doch insgesamt ist die Eröffnung von „Absolute Zero“ ein Reinfall und dem Ruf eines Christophe Bec völlig unwürdig!
Das Leben von Cole Valentine geht seit mehreren Jahren beständig den Bach hinunter. Einst als Teil einer Verbrecherbande geschätzt, hat er seinen ehemaligen Clan nach einem erfolgreichen Coup auflaufen lassen und sich dadurch bei seinen vorherigen Kumpanen gehörig in Misskredit gebracht. Doch das triste Leben, welches Cole am liebsten mit Alkohol ertränkt, erfährt ein jähes Ende, als eine gewisse Carmen auftaucht und ihn zu einem letzten Raub überreden möchte.
Die einzige Bedingung: Cole muss mit seinen ehemaligen Mitstreitern zusammenarbeiten, da die Aktion nur in dieser Konstellation durchgeführt werden kann. Valentine lässt sich schließlich überreden und unterstützt seine Auftraggeber dabei, die Kollegen von damals zu rekrutieren, was sich aus mangelnder Motivation als äußerst schwierig erweist. Doch letzten Endes findet die alte Gemeinschaft wieder zusammen, um eine wertvolle Mumie aus einem Museum zu stehlen. Doch auch diesmal scheint das Vertrauen der erprobten Gauner missbraucht zu werden …
_Persönlicher Eindruck:_
Ein enorm düsteres Szenario, viele zwielichtige Gestalten und ein Plot, der in erster Linie auf illegale kriminelle Machenschaften ausgelegt ist: Dass „Smoke City“ nicht nur aufgrund seines Titels Erinnerungen an Frank Millers Comic-Spektakel [„Sin City“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3272 weckt, ist offensichtlich. Und zumindest was die düstere Atmosphäre angeht, in der sich die Figuren von Benjamin Carré und Mathieu Mariolle bewegen, hat dieser Vergleich seine absolute Berechtigung. Hinsichtlich des Plots geht „Smoke City“ aber definitiv einen eigenen Weg, der inhaltlich auf den ersten Blick ausgetreten wirkt, bei genauerer Betrachtung aber zweifelsohne das Zeug hat, sich binnen kürzester Zeit zu einem weiteren Klassiker zu entwickeln. Und hierfür sind letzten Endes eigentlich nur winzige Details entscheidend …
Bereits der Auftakt ist sehr vielversprechend: Carré und Mariolle punkten mit eigenwilligen Gestalten und der faszinierenden Ausstrahlung des Handlungssettings und können sich dabei beruhigt auf dessen Wirkung verlassen. Dass die Geschichte mit der alten Gaunerbande, die sich erneut zusammenfinden soll, um einen letzten Coup zu landen, absolut nichts Neues mehr ist, muss das Autorenteam derweil gar nicht interessieren, weil der Weg zur Wiedervereinigung mit vielen erfrischenden Elementen gefüllt wird. Außerdem könnten die Figuren kaum gegensätzlicher sein, was den Überraschungseffekt manch späterer Wendung noch wachsen lässt. Denn bis zu einem gewissen Punkt kann man nur erahnen, wer sich hinter den einzelnen Namen verbirgt, nicht jedoch, aus welcher Motivation sie handeln und welchen Part sie in der Geschichte übernehmen werden – und daraus resultiert ein großer Teil der Spannung, die den ersten Teil von „Smoke City“ auszeichnet.
Die Geheimniskrämerei, die derweil betrieben wird, heizt das Ganze weiter an und macht die Handlung gewissermaßen undurchdringlich. Alles scheint möglich, nichts muss tatsächlich so sein, wie man es auf den ersten Blick wahrnimmt. Die beiden Franzosen entpuppen sich sehr schnell als Künstler mit der besonderen Gabe, wesentliche Dinge zu verschleiern, ohne dabei die weitere Entwicklung der Story zu gefährden. Gerade diese Eigenschaft treibt „Smoke City: Teil 1“ bis zur letzten Seite an und kennzeichnet den besonderen Reiz dieses Comics.
Schade ist lediglich, dass die erwähnte Verschleierungsstrategie so weit geht, dass man sich nicht wirklich mit dem Antlitz der Handelnden vertraut machen kann. Es regieren die Namen, doch ihre Gesichter kann man nur selten treffend zuordnen. Speziell bei der großen Zahl der Mitwirkenden ist dies ein entscheidender Faktor, der den Genuss der Sache ein wenig, wenn auch nicht entscheidend beeinträchtigt. Jedoch wird sich noch herausstellen, ob auch das nur ein Teil des Masterplans ist, den die Autoren verfolgen.
Der Eindruck der ersten Episode ist jedenfalls sehr gut, partiell sogar gewaltig. Wenn „Smoke City“ auf diesem Niveau fortgesetzt wird – und das deutet sich zum Schluss eigentlich schon an – wird der Klang dieses Titels jedenfalls schon sehr bald für Gänsehaut sorgen. Starkes Debüt-Kapitel, fraglos!
Bei der bloßen Nennung der Baker Street sollte es nicht nur bei Krimiliebhabern auf Anhieb klingeln: Die Hausnummer 221b, in welcher der Legende nach einst Sherlock Holmes residierte, ist nicht nur in der Literatur ein bedeutsamer Ort. Auch das Kino hat jüngst erst wieder mit einer sehr gelungenen, modernen Interpretation des berüchtigten Detektivs auf sich aufmerksam gemacht und es tatsächlich geschafft, den Klassiker unbeschadet in die Neuzeit zu retten. Versuche hingegen, das Setting um Holmes und Watson mit ein paar Randgeschichten zu füllen, wurden offenbar nicht gestartet. Zu groß schien der Schatten von Sir Arthur Conan Doyle, zu immens der Respekt davor, sich an der großen Messlatte zu verkalkulieren. Insofern muss man den Machern von „Die Vier von der Baker Street“ sicherlich Anerkennung für ihren Mut schenken, es dennoch nicht unversucht zu lassen. Mit einer abenteuerlichen Comic-Geschichte beginnt ihre neue Serie – und überraschenderweise ist der angesprochene Schatten während der gesamten Geschichte kaum zu spüren.
_Inhalt:_
Billy, Charlie und Black Tom sind im Londoner East End längst keine Unbekannten mehr. Die drei Freunde leben auf der Straße und ernähren sich von Gelegenheitsjobs, haben dadurch aber auch schon reichlich Kontakte zur Unterwelt gepflegt. Seit geraumer Zeit nehmen sie jedoch auch Aufträge von Sherlock Holmes an und beschaffen dem Meisterdetektiv Informationen während seiner Ermittlungen. Doch derzeit beschäftigt das Team ein anderes Verbrechen: Black Toms heimliche Liebe Betty wurde entführt, und das vor den Augen des irischen Knaben. Die Drei nehmen die Verfolgung auf und stoßen auf einen Mann, der offenbar als Zuhälter arbeitet und auch im Menschenhandel aktiv ist. Allerdings hätten Billy, Charlie und Tom nicht erwartet, dass der Kerl mit harten Bandagen kämpft und auch nicht zögern würde, die Jünglinge auf mörderische Art und Weise aus dem Weg zu schaffen …
_Persönlicher Eindruck:_
Wie eingangs bereits erwähnt: Die Baker Street weckt Erwartungen und eröffnet Suggestionen in Richtung Kriminalliteratur, weshalb Djian und Legrand mit diesem Namen im Rücken schon vor der ersten Seite einen schweren Stand haben, ihre Geschichte bzw. die neue Serie auch durchzusetzen, ohne dass dabei unzählige kritische Augen auf die traditionelle Kriminalliteratur gerichtet sind. Wie also löst man sich aus dieser Erwartungshaltung und nimmt den Druck aus der Thematik? Eine schwierige Frage, wenn man genauer darüber nachdenkt. Doch die beiden Franzosen haben dies im Verbund mit ihrem Zeichner Etien bestens hinbekommen, direkt die Anspannung herausgenommen und letzten Endes einen sehr frechen, überdies ziemlich jugendlichen Comic entworfen, der sich eigentlich gar nicht auf seinem Titel stützen müsste. Selbst wenn Sherlock Holmes einen kurzen Gastauftritt hat, wäre das unnötig gewesen, weil „Die Vier von der Baker Street“ absolut für sich alleine stehen kann und die lose Verbindung zum Mythos eher hinderlich als hilfreich scheint. Aber diesbezüglich kann man natürlich geteilter Meinung sein.
Zum Inhalt: „Das Geheimnis des Blauen Vorhangs“ ist eine wirklich gute Abenteuerstory, deren Charaktere sehr viel Charme und Witz einbringen, die vielleicht manchmal nicht den Erfordernissen eines ‚Erwachsenen‘-Comics gerecht wird, aber vielleicht gerade deshalb so unverbraucht und anziehend wirkt. Die drei Protagonisten bekommen auf Anhieb Sympathiewerte entgegengebracht, einmal wegen ihres vorlauten Naturells, dann aber auch wieder im Blick auf ihre Vorgeschichte und ihre hitzigen Gemüter. Zwischenzeitlich fühlt man sich sogar an Huckleberry Finn erinnert, wenngleich die Geschichte um die Baker Street Boys – ja, so nennen sie sich tatsächlich – einen völlig anderen Background hat. Aber vor allem was den Charme betrifft, sind hier durchaus Parallelen zu ziehen.
Die Geschichte selbst ist derweil ziemlich flott inszeniert und wirkt über weite Strecken wie ein temporeicher illustrierter Jugendroman, der alles mitbringt, was die Story erfordert: drei tollkühne Helden, ein paar glaubwürdige Bösewichte und natürlich eine jugendliche Liebschaft, für die es einzustehen gilt. Darüber hinaus ist aber auch das Setting sehr gelungen gestaltet: Das London des 19. Jahrhunderts ist mit viel Liebe zum Detail gezeichnet worden, die Dialoge sind eine gesunde Mischung aus moderner und zeitgemäßer Sprache, die Randfiguren fügen sich zudem prima in das Ganze ein, und die Begegnung mit Holmes, auch wenn sie eben als nicht zwingend notwendig beschrieben wurde, ist schließlich das zunächst unverhoffte Salz in der Suppe.
Von daher ist die Investition in diese drei jungen Helden durchaus lohnenswert, sofern man keine komplexe Handlung oder eine durchweg spannend umgesetzte Kriminalgeschichte erwartet. Warum schließlich der Name „Die Vier von der Baker Street“ gewählt wurde? Das soll hier noch nicht verraten werden. Es jedoch herauszufinden, empfiehlt sich vor allem für die jüngere Leserschaft!
|55 Seiten 32 cm x 23 cm, gebunden
ISBN-13: 978-3868691733|
http://www.splitter-verlag.eu
Das päpstliche Heiligtum scheint in letzter Zeit in keinem guten Licht mehr zu stehen. Zumindest in der Medienwelt ist die Lage für den Vatikan äußerst prekär, wenn man überdenkt, wie viele Serien sich in letzter Zeit mit den Machenschaften der päpstlichen Historie beschäftigen bzw. mit wie vielen blauen Augen die Kirche und ihr Oberhaupt bei den einschlägigen Produktionen weggekommen sind. Auch im Comic-Bereich scheint das Thema nicht minder interessant zu sein; der chilenische Autor Alejandro Jodorowsky hat sich der Sache in seiner Serie „Der schreckliche Papst“ gewidmet und geht dabei nicht weniger schonungslos mit dem Vatikan um als seine Vorreiter im TV.
_Inhalt:_
Nach dem Tod des jüngsten Papstes Alexander VI. ist der Vatikan dringlich darin bemüht, schnellstmöglich einen Nachfolger für den Verstorbenen zu finden. Aus aller Herren Länder reisen Anwärter nach Rom, um ihren Anspruch geltend zu machen, müssen aber mit anschauen, wie der zwielichtige Giuliano Della Rovere mit hinterlistigen Machenschaften und betrügerischen Maßnahmen selbst nach dem Thron greift.
Mit Arglist und seiner spitzen Zunge gelingt es ihm alsbald, das kirchliche Regime an sich zu reißen und seine neue Macht auszukosten. Doch der grausame Papst und seine Betrügereien bleiben nicht ungeahndet; der Widerstand gegen das päpstliche Mafia-Komplott wächst, allerdings versucht jede Instanz letzten Endes nur, ein Stück des großen Machtkuchens zu ergattern. Doch Giuliano Della Rovere kennt keine Gnade mit seinen Nebenbuhlern und beseitigt auf abschreckende Weise jeden einzelnen, der sich gegen ihn aufzulehnen wagt …
_Persönlicher Eindruck:_
„Der schreckliche Papst“ ist nicht die erste Abhandlung zum angesprochenen Thema, mit der sich Alejandro Jodorowsky in seiner Bibliografie beschäftigt. Bereits in „Borgia“ gönnte er sich einen Ausflug ins verruchte mittelalterliche Rom, und auch wenn es keine offizielle Überleitung gibt, so knüpft der renommierte Comic-Autor in seiner neuen Reihe konsequent dort an, wo er seinerzeit endete.
Allerdings wirkt in „Giulano Delle Rovere“ alles noch skrupelloser und straighter als das, was Jodorowsky im inoffiziellen Vorläufer schilderte: Inzestuöse Triebtaten wechseln sich mit brutalen Morden, tückischen Attentaten und erschreckend gefühlskalten Machtspielchen ab, und dies alles unter dem Vorwand, Gott und der Kirche zu dienen und alles zu tun, um Italien zu einen und die durchtriebenen Gegner des Regimes zu zerstören. Und der neue Past geht tatsächlich mit eiskalter Hand vor, verbündet ahnungslose Familienmitglieder im Bestreben, seinen Machtbereich auszuweiten, bringt einstige Würdenträger kurzerhand selber um die Ecke und findet selbst für jedes noch so schlimme Vergehen eine Rechtfertigung, die sich für die teils Nichtsahnenden verbündeten schlüssig anhört – Widerspruch ausgeschlossen.
Insofern ist die Handlung nicht nur bösartig und ruppig in ihrer Präsentation, sondern auch im widerwärtigen Tonfall des Hauptdarstellers und zumindest offiziell Auserwählten. Jodorwsky wählt ein sehr provokantes Setting, stattet es mit ebenso anrüchigen Gestalten aus und stellt die Kirche in ein Licht, wie es stellenweise makaberer kaum sein könnte. Dabei sucht er eine überspitzte Performance aus, die zwar manches Mal ein wenig an Glaubwürdigkeit verliert, dafür aber umso eindringlicher das beschreibt, was „Der schreckliche Papst“ am Ende ausmacht – nämlich die ekelhaftesten Charaktereigenschaften aufzuzeichnen, die der Machtwille in einer einzelnen Person auslösen kann. Und bei diesem Versuch landet der Chilene auf Anhieb Erfolg, selbst wenn einige Wendungen innerhalb der Story schon sehr abstoßend sind.
Folgerichtig ist „Giuliano Della Rovere“ auch kein sonderlich komplexer Comic, auch wenn sich auf den 56 Seiten mehrere Verstrickungen miteinander verweben und der Widerstand gegen das Oberhaupt aus verschiedenen Richtungen kommt. Die Geschichte ist sehr direkt, die Nebenstränge dulden keinen langen Aufschub, die Atmosphäre bzw. die Wirkung der einzelnen Akte erfährt dadurch aber einen deutlichen Zuwachs in Sachen Intensität.
Da die Serie lediglich auf zwei Bände ausgelegt ist, mag die inhaltliche Kompromisslosigkeit auch nicht großartig verwundern. Doch Jodorowsky beweist eben, dass es manchmal empfehlenswerter ist, direkt auf den Punkt zu kommen – ganz besonders, wenn es um ein solch immer noch brisantes Thema geht. Und dafür bzw. generell für den ersten Band von „Der schreckliche Papst“ gebührt dem Mann großer Respekt!
Band 1: [„Die gelbe Zone“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7659
Band 2: „Angusalem“
Band 3: „Sektor Glypha“
Band 4: „Blindgänger“
_Die Story:_
Der Split der Karawane hat Chronover vor einen erheblichen Konflikt gestellt. Einerseits möchte er mehr über das Schaffen der mysteriösen Siebengestirn-Organisation in Erfahrung bringen, andererseits sind ihm seine Begleiter so sehr ans Herz gewachsen, dass eine Rettungsaktion für die verbliebenen Mitglieder der Wandernomaden unausweichlich scheint. Der hartnäckige Widerstandskämpfer reist nach Angusalem, um Araal und Jade aus der Gefangenschaft zu befreien, und ist bestens vorbereitet; denn bereits zuvor erfährt er, dass die Mitarbeiter des Krankenhaus-Komplexes einen Tausch anbieten und eigentlich ihr Hauptaugenmerk auf Chronover gelegt haben.
In der der Station kommt es jedoch zu einem Zwischenfall; Chronover rennt ins offene Messer, als er feststellt, dass es sich bei den Rädelsführern des Hospitals um skrupellose Organhändler handelt, die eng mit Siebengestirn zusammenarbeiten. Unter größter Anstrengung gelingt ihm die Flucht, doch die Schergen aus Angusalem bleiben ihm dicht auf den Fersen …
_Persönlicher Eindruck:_
Die zweite Episode des von André Houdt geschaffenen Vierteilers verlagert sich die Szenerie an einen weiteren neuen Schauplatz und unterstützt die Komplexität der Handlung dadurch zumindest oberflächlich maßgeblich. Neue entscheidende Figuren und Gegner schalten sich ein, und zwischenzeitlich bewahrt sich der Autor auch immer wieder seine wilde Phantasie bei der Gestaltung der einzelnen Kreaturen und der ziemlich abgedrehten Charaktere, die „Siebengestirn“ in der Comic-Wildnis schließlich auch einen eigenständigen Platz sichern. Allerdings bleibt es in „Angusalem“ bei diesen kreativen Außergewöhnlichkeiten; denn im Hinblick auf die Story kommt das traditionell gezeichnete, jedoch futuristisch angelegte Konzept nicht mehr so recht in die Gänge.
Natürlich darf man bei der Betrachtung des zweiten Bandes nicht vergessen, dass Houdt im Debütalbum bereits viele Weichen gestellt und das Niveau auf ein beträchtlich hohes Level gehievt hat. Die Geschichte hatte eine strikte Linie, erwies sich aber dennoch als vielschichtiger Plott mit einer Menge Potenzial für die drei verbleibenden Fortsetzungen. Davon ist „Angusalem“ leider nicht mehr ganz so viel zu spüren. Die Charaktere bleiben weitestgehend blass, die Handlung wirkt ein wenig steif, da sie sich zu sehr auf die Geschehnisse in Angusalem beschränkt, welche aber wiederum nur andeutungsweise Hinweise auf die Organisation Siebengestirn liefern. Und auch wenn Band zwei mit einem angenehmen, hoffnungsvollen Cliffhanger endet, ist all das, was bis hierhin passiert, eigentlich weniger spektakulär und lediglich in illustrativer Hinsicht wirklich interessant.
Hinzu kommt, dass der Autor sich gar nicht erst dazu hinreißen lässt, den Plot mit etwas Spannung zu versehen. Die grundlegenden Aspekte der Story scheinen vorgegeben und sind auch schnell durchschaut, und da es den Hauptfiguren auch nicht gelingt, durch glanzvolle Ereignisse Akzente zu setzen, hangelt man sich letzten Endes mit dem Gedanken durch, dass „Angusalem“ eigentlich nur ein Zwischenschritt ist, der für das große Ganze notwendig war. Doch ob dies wirklich der Fall ist, kann sich erst mit der Veröffentlichung der letzten beiden Comics bestätigen.
Für „Angusalem“ hätte man sich ein bisschen mehr von jener Komplexität und Vertracktheit gewünscht, die das Debüt fast schon überfrachtete. Was dort zu weit ausgeprägt war, wird hier dringend benötigt. Von daher darf man gespannt sein, ob der Autor beim nächsten Mal endlich ein angemessenes Gleichgewicht findet. In dieser zweiten Episode ist ihm dies nicht besonders gut gelungen!
Band 1: „In der Hölle“
Band 2: „Das Versprechen, das ich dir gab“
Band 3: „Heilige Mörder“
Band 4: „Bete, dass es stirbt“
Band 5: „Der Fall des Evangelischen Imperiums“
Band 6: „Das Buch des Lichts“
Band 7: „Das letzte Testament“
Story:
Während Ji-A nach der schwierigen Operation genesen scheint und die komplizierte Ganzkörpertransplantation überlebt hat, steht Yiu kurz vor ihrem Ziel, endlich wieder mit ihrem Bruder vereint zu sein und ihrer Vergangenheit als Killermaschine abzuschwören. Doch bei ihrer Ankunft im Hospital von Jerusalem werden ihr weitere Steine in den Weg gelegt.
Band 1: „In der Hölle“
Band 2: „Das Versprechen, das ich dir gab“
Band 3: „Heilige Mörder“
Band 4: „Bete, dass es stirbt“
Band 5: „Der Fall des Evangelischen Imperiums“
Band 6: „Das Buch des Lichts“
Band 7: „Das letzte Testament“
01 „Feuer und Stein“
02 „Die geliehene Zeit“
03 „Ferne Ufer“
04 „Der Ruf der Trommel“
05 „Das flammende Kreuz“
06 „Ein Hauch von Schnee und Asche“
07 „Echo der Hoffnung“
08 „Der magische Kreis“
_Zurück auf Anfang_
Anfang der 1990er Jahre beginnt Diana Gabaldon mit der Veröffentlichung ihrer Highlander-Saga um die Krankenschwester Claire Randall, welche durch einen mysteriösen Steinkreis in den schottischen Highlands aus der Nachkriegsgegenwart des zwanzigsten Jahrhunderts in das 17. Jahrhundert verschlagen wird und dort auf alles trifft, was man aus den Geschichtsbüchern kennt: den Einfall der Engländer in Schottland und den daraus resultierenden Krieg, inklusive des Zubehörs wie Gemetzel, Folter oder politische Ränke. Ist Claire zunächst noch ausschließlich daran interessiert, in ihre Zeit und zu ihrem Mann Frank zurückzukehren, ändert sich das angesichts seines ihm äußerlich bis aufs i-Tüpfelchen gleichenden, allerdings absolut hassenswerten Vorfahrens Jack Randall und ihrer aufkeimenden Liebe zu dem jungen Highlander Jamie Fraser, welcher sie durch eine Heirat davor schützt, als Spionin hingerichtet zu werden. Schließlich entwickelt sich zwischen Claire und Jamie eine leidenschaftliche Liebe, die sie durch alle Unbill dieser Zeit gehen und jeden sein Scherflein zum erfolgreichen Überleben beitragen lässt.
Mit der Einführung einer mit umfassendem modernem Wissen über Medizin und Geschichte ausgestatteten Person in eine historischen Romanze setzte Gabaldon einen Trend, der viele ähnlich gelagerte Zeitreise-Liebesromane nach sich zog. Sie erarbeitete sich eine internationale Fangemeinde, die ihr über vier immer länger und uninspirierter werdende Fortsetzungen von „Feuer und Stein“ und die in mehreren Bänden ausgelebte Leidenschaft für eine ursprüngliche Nebenfigur „Lord John Grey“ die Treue hält. Als ihr angeboten wird, ihren größten Erfolg als Graphic Novel herauszubringen, erfüllt sich ein Traum für Gabaldon, die ihre Karriere als Autorin für |Disney Comics| begonnen hat. 2010 erscheint „The Exile. An Outlander Graphic Novel“ in den USA. |Blanvalet| legt 2011 die deutsche Ausgabe mit dem Untertitel „Eine Liebe in den Highlands“ auf und zieht sich den Unmut zahlreicher enttäuschter Fans zu, indem damit geworben wird, die Geschichte aus der Sicht Jamies zu zeigen, obwohl die Autorin bereits im Vorwort schreibt, dass sie die Sicht von Jamies Patenonkel Murthag gewählt hat.
Bedenkt man, dass der Roman „Feuer und Stein“ gut 800 Seiten umfasst und besonders durch seine liebevolle und ausführliche Schilderung der Highlands und der Figuren sowie durch ausgefeilte Dialoge und detailreiche erotische Szenen besticht, dann wird bereits das Grundproblem deutlich, dass es einer 200-seitigen Comicadaption schwermacht, an diesen Erfolg anzuknüpfen: mangelnde Ausführlichkeit. Der ursprüngliche Plot musste extrem komprimiert werden und beschränkt sich im Wesentlichen auf die erste Hälfte des Romans. Selbst Lesern, die den Roman kennen, fällt es jedoch schwer, in den sprunghaft erzählten Episoden, in denen vieles nur angerissen werden kann, die Romanhandlung nachzuvollziehen. Die wichtigen Schlüsselszenen sind allerdings beisammen: Claire, die ahnungslos durch den Steinkreis ins 17. Jahrhundert gelangt und dort sofort auf Jack Randall trifft, der sie für eine Dirne hält; Jamies Problem mit dem Eid der MacKenzies; Claires und Jamies Hochzeit und mehr. Natürlich darf auch Claires Lieblingsfluch „Jesus H. Roosevelt Christ!“ nicht fehlen.
Die Schilderung von bekannten Ereignissen aus der Sicht Murthags wäre nicht nötig gewesen. Die neu eingefügten Handlungsfäden um Geillis und ihren Begleiter Kenneth wirken überflüssig. Die Idee dahinter mag löblich sein: Der Leser soll neue Sichtweisen auf die Geschichte kennenlernen und die Motivation der Nebenfiguren besser verstehen. Allerdings dürfen die Szenen die bekannte Handlung nicht mehr verändern und, wenn sie relevant oder gar besser gewesen wären, hätten sie sich schon im Roman durchgesetzt. Aber sie waren für den Roman offensichtlich unerheblich und in der Graphic Novel verwirren sie nur. Die komplizierten politischen Verflechtungen des MacKenzie-Clans hingegen, dem Jamie verpflichtet ist, können mit dem wenigen Raum, den die Szene in den Bildern einnimmt, nicht einmal ansatzweise verstanden werden. Die Neueinsteiger, die mit der stylischen Form Graphic Novel eventuell für den Roman interessiert werden sollten, würden sich daher nicht im Plot zurechtfinden und dürften nur schwer zu überzeugen sein. Für das Verständnis wären einige „oark“s und „uff“s in den Sprechblasen weniger und dafür ein paar erklärende Sätze mehr ratsamer gewesen.
Mit der Figur des „Kenneth“ wird sogar ein komplett neuer Charakter eingeführt. Als Zeitreisender mit Verbindungen zur ebenfalls zeitreisenden der Hexerei angeklagten Geillis Duncan trägt er jedoch lediglich dazu bei, das Phänomen Zeitreisen beliebiger zu machen und Claires besonderes Schicksal noch mehr zu entzaubern, als es der Figur der Geillis in den Fortsetzungen von „Feuer und Stein“ schon gelungen ist.
Der amerikanische Illustrator Hoang Nguyen mit vietnamesischen Wurzeln, der auch schon für |Marvel Comics| arbeitete, hat sich der grafischen Umsetzung der Geschichte angenommen. Diana Gabaldon beschreibt im Nachwort ausführlich die Diskussionen, die sie und ihre Fans bestritten haben, um den Charakteren das richtige Aussehen zu geben. Vor allem im ersten Teil der Graphic Novel zeichnen sich die Hauptpersonen auch durch Detailtreue aus. Jamies Gesicht ist anfangs markant und voll lebendigen Ausdrucks während es in den letzten Szenen nur noch flächig und mimiklos gezeichnet ist. Dadurch wirkt er sehr jung und glatt. Er sieht nicht aus wie der geborene Anführer oder wie jemand, der Spuren gelebten Lebens mit sich herumträgt. Das Gleiche gilt auch für die Nebenfiguren, die sich allesamt stark ähneln und weiche Gesichtszüge sowie rote Haare zeigen. Selbst Claire mutete auf manchen Bildern ein wenig asiatisch an. Möglich, dass Nguyen hier seine Erfahrungen mit Mangas zum Hindernis geworden sind.
Besser geglückt ist dem Zeichner die Darstellung von Stimmungen, insbesondere das Spiel mit Licht und Schatten. Gut gewählte Farben unterstreichen die Atmosphäre der Orte. Die Freiheit der hellgrünen Berge kontrastiert mit den dunklen Kampfszenen, die wie die überwiegende Zahl von Bildern als Close-ups gehalten sind. Dennoch ist die Darstellung der Landschaft überwiegend plakativ und die Ausarbeitung von Hintergründen überwiegend spärlich. Für eine Graphic Novel hätte man die Bilder viel sorgfältiger zeichnen müssen.
Die häufig anzutreffende Erotik kommt nicht von ungefähr, denn sie hat bereits im Roman einen hohen Stellenwert. Claires sehr kurvige Darstellung ähnelt in vielen Bildern jedoch einem Pin-up. Man hätte dem Zeichner sagen müssen, dass ihre vollen Brüste unnatürlich gepusht aussehen und der Schwerkraft nicht mehr zu unterliegen scheinen. Sie trägt auch Kleidung, die für eine resolute und praktische Frau, als die sie charakterisiert wird, nicht passend ist. Trotz aller Kritik zeigen die Bilder generell nicht zu viel, sondern lassen die entscheidenden Körperpartien aller Personen ausreichend bedeckt.
Eine gute formelle Idee war, die Szenen, die in der Vergangenheit spielen, nicht in streng rechteckigen Bildern darzustellen, sondern sie wie ausgerissene Seiten aussehen zu lassen. Durch unterschiedliche Sprechblasenformen wird auch Gesprochenes optisch von Gedachtem getrennt. Störend wirken die Comicstrip-typischen, teilweise unverständlichen Soundblasen mit „Worten“ wie „>sknxk<". Das mag in Comics legitim sein, aber in ihrer gehobenen Form der Graphic Novel für ein erwachsenes Publikum wirken sie deplatziert. Auch die Übersetzungen in Sprechblasen verwendeter gälischer Ausdrücke noch im selben Bild stören optisch und lenken vom Bild ab. Sie wären im Anhang besser aufgehoben. Generell hat man die Möglichkeiten des Mediums nicht ausgeschöpft, sondern eher einen langen traditionellen Compicstrip gezeichnet.
Die Aufmachung ist mit rotem Hartcovereinband, Schutzumschlag und hochwertigem Papier, das die Bilder gut zur Geltung bring, sehr gelungen. Man hätte vielleicht ein anderes Rot als die Farbe von "Das flammende Kreuz" für den Schutzumschlag wählen und statt der kitschigen Abbildung auf dem Cover wieder ein keltisches Symbol verwenden können, aber optisch fügt sich der Band durchaus ins Gesamtbild der Saga.
_Insgesamt ist diese Graphic Novel_ also nur etwas für hartgesottene Fans. Doch selbst diese werden anschließend sofort zum Roman greifen - zum einen, weil sie noch einmal genau wissen wollen, wie alles begann, und zum anderen, weil für einen Stoff wie "Feuer und Stein" diese Form die angemessenere ist. Ein Bild mag zwar mehr als tausend Worte sagen, aber es erreicht nicht annähernd ihren wortgewaltigen Schmachtwert: "Ich habe aus Freude geweint, meine Sassenach [...] Und ich habe Gott gedankt, dass ich noch zwei Hände habe. Zwei Hände, mit denen ich dich halten kann, mit denen ich dir dienen, mit denen ich dich lieben kann." Ach, Jamie! Seufz ...
|Gebunden: 224 Seiten
Originaltitel: The Exile - An Outlander Graphic Novel
Übersetzung: Barbara Schnell
ISBN-13: 978-3764504229|
http://www.dianagabaldon.de
http://www.blanvalet.de
Band 1: _“Die gelbe Zone“_
Band 2: „Angusalem“
Band 3: „Sektor Glypha“
Band 4: „Blindgänger“
_Story:_
Die Menschen an Bord des Observatorium Nord nutzen ihre Besuchsrechte an der Oberfläche des Planeten zu verschiedenen Zwecken. Einem älteren Herrn, der seit geraumer Zeit gegen die Kontrollmechanismen propagiert, wird sein handeln jedoch zum Verhängnis: Die Wachen verschleppen ihn, und auch sein Sohn, der Widerstand leistet und um das Leben seines Vaters fürchtet, wird in die Zellen des Observatoriums verbannt, wo ihn qualvolle Momente erwarten. Ein weiterer Mensch mit weißem Bart beobachtet das Szenario und wehrt sich gegen seine Festnahme, die darauf begründet, sich von seiner Gruppe gelöst zu haben. Doch noch vor seiner Verurteilung gelingt ihm die gewaltsame Flucht, auf der er den Alten von seinen Qualen befreit, seinen Sohn Araal mitführt und schließlich mit letzter Kraft die verseuchte Wüste Antades erreicht. Hier treffen die beiden auf eine Schlepperkarawane, denen sie sich anschließen und alsbald als nützliches Werkzeug im Kampf gegen die gewaltsamen Nomaden aktiv werden. Ihre Reise führt sie schließlich zum Heiligtum von Katatonien, einer neutralen Zone, in der die Flüchtigen sich in Sicherheit wähnen. Doch die Taten des Mannes, den die Schlepper Chronover getauft haben, haben sich bereits herumgesprochen und machen ihn ruckartig zum Feindbild von Herrscher Devergon. Mit aller Macht versucht man, sich Chronover zu entledigen und auch seine Mitwisser verschwinden zu lassen. Aber der erfahrene Kämpfer mit dem weißen Bart ist nicht so schnell abzuschütteln …
_Persönlicher Eindruck:_
Puh, diesen ziemlich vertrackten Komplex, den André Houot im ersten Band seiner neuen Serie „Siebengestirn“ kreiert hat, will man erst einmal verdaut haben. Die Story basiert zwar auf den Mitteln der klassischen Science-Fiction und macht sich deren unterkühlte Atmosphäre geschickt zunutze, ist aber in ihrem Anfangsstadium stellenweise fast schon zu kompliziert aufgebaut, als dass man den wirren Sprüngen der Handlung und der Vielzahl der Geheimnisse, die sich hinter den Charakteren verbergen, überhaupt noch folgen könnte. Und dies macht „Die gelbe Zone“ bis auf Weiteres zu keinem angenehmen Ereignis.
Zunächst verfolgt der Autor allerdings noch einen sehr linearen Strang und schildert recht ausführlich die grausame Vorgehensweise in den Observationssektoren. Die Menschen werden genötigt, sich unmissverständlich resoluten Regeln unterzuordnen und die Weisungen des Regimes bedingungslos zu akzeptieren; andernfalls drohen Qualen, Schmerzen und ein schleichender Tod. Die Darstellung ist konsequenterweise auch sehr brutal, untermauert aber die beklemmende Grundstimmung des ersten Akts sowie der gesamten Szenerie, die daher auch inhaltlich vorerst keine Zweifel erlaubt. Mit fortschreitender Seitenzahl fällt es aber zunehmend schwerer, nachzuvollziehen, was die Protagonisten beabsichtigen und aus welchen Motiven sie handeln. Houot gibt kaum Informationen über seine Schachfiguren preis, gibt keinen Raum, ihre Strategie zu analysieren, geschweige denn, dass Informationen über die Herkunft und Vergangenheit von Chronover oder Araal herausgefiltert werden können. Alles unterliegt einem übergeordneten Mysterium, welches starr aufrechterhalten wird, und das auch infolge der actionreichen Wendungen nicht zu entschlüsseln ist. Man erfährt lediglich, dass Chronover ein erfahrener Widerstandskämpfer ist, der in allen Wissenschaften Erfahrungen und Routine mitbringt und demzufolge auch in den aussichtslosen Situationen, von denen sich in „Die gelbe Zone“ einige bieten, die Ruhe bewahrt und sich clever aus ihnen herausmanövriert. Aber was weiter hinter dieser Figur steckt, wie sich das beschriebene Regime tatsächlich konstituiert, und warum die Sache überhaupt so weit ausarten konnte, dass eine derart gewaltsame Diktatur ihre Berechtigung bekommen hat, all das kann man sich nach den Erlebnissen des ersten Albums von „Siebengestirn“ noch nicht zusammenreimen.
Daher ist es auch relativ schwer, Zugang zur Story zu bekommen und nüchtern ihre Qualität zu beurteilen, weil man einfach mehr lesen und wissen muss, um das Konstrukt besser zu verstehen und sich auf die Geschehnisse auf dem verseuchten Planeten einzulassen. Der erste Eindruck ist sicherlich sehr interessant, die Erzählung baut einen anständigen Spannungsbogen auf, und die Charaktere üben eine ähnlich große Faszination aus wie die Präsentation des frostigen Settings. Aber um wirklich mehr zu „Siebengestirn“ sagen zu können, bedarf es weiterer Informationen, die der nächste Band sicher liefern wird. Bis dahin sei lediglich darauf verwiesen, dass „Die gelbe Zone“ nichts für schwache Nerven ist und „Siebengestirn“ als Serie definitiv sehr schwere Kost ist!
Band 1: [„Armance“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7650
Band 2: [„Rache“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7649
Band 3: „Armaury“
_Story:_
Mit dem siegreichen Kampf gegen das Ungeheuer ist es Marie und ihrem Gefährten William gelungen, die lange verschollene Schwester Armance zu befreien und mit ihr gemeinsam den Rachefeldzug gegen diejenigen zu starten, die vor 15 Jahren ihr Dorf und einen Teil ihrer Familie vernichtet haben. Ihre Spur führt nach Mailand, wo sie Georg von Aichelin, einen der Rädelsführer des Attentats vermuten, der jedoch wie vom Erdboden verschluckt scheint. Auf dem Ball des unrechtschaffenen Grafen Orsini wollen Marie und William die Schwester Georgs antreffen und den verschwundenen Mörder aufspüren – doch sie werden lediglich Zeuge eines versteckten Ritualmordes, für den die Mailänder Obrigkeit die französische Eskorte alsbald verantwortlich macht. Gemeinsam mit Jean von Clermont, der sie einst noch der Hexerei anklagen sollte, flieht Marie und nimmt dabei den Auftrag an, eine gewichtige Schatulle des Papstes in das französische Kaiserreich zu tragen. Doch die politischen Wirren sind ihr im Wege, und da Clermont öffentlich den Grafen köpft und somit den ganzen Hass der Mailänder gegen Frankreich richtet, ist ihre Flucht zur französischen Grenze von vielen kleinen Scharmützeln gezeichnet. Kurz vor der Ankunft erfährt Marie schließlich die schreckliche Wahrheit um den Verbleib des Georg von Aichelin – und wird gleichzeitig Zeugin des Verrats ihres jüngeren, ebenfalls gesuchten Bruders Lou, dessen Verbleib nach dem damaligen Attentat immerzu fraglich blieb …
_Persönlicher Eindruck:_
Auch wenn die zweite Episode aus Anges neuer Reihe „Maries Drachen“ ein wenig versöhnlich stimmt und die vielen Ungereimtheiten, die noch im Debütalbum „Armance“ auftraten, ein wenig zu kaschieren weiß, fällt es dem renommierten Autorenpaar relativ schwer, die Geschichte in einen überzeugenden Komplex zu integrieren. Immer wieder wird die Handlung von allzu konstruierten Wendungen unterwandert, und nicht selten bekommt man den Eindruck, dass Anne und Gerard noch gar kein klares Ziel vor Augen haben, was den Fortgang der Erzählung betrifft.
Hierzu passt, dass der rasante Szenenwechsel ins mittelalterliche Mailand erst einmal keinem logischen Gedankengang unterliegt. Die Suche nach Georg von Aichelin ist zwar das Motiv, weiter in den Süden zu reisen, doch die Art und Weise, wie und in welchem Maße Marie und ihre Gefährten Einfluss nehmen können, mutet doch sehr merkwürdig an. Es bleibt zum Beispiel ungeklärt, wie die einst der Hexerei bezichtigte Protagonisten plötzlich eine wichtige Mission im Auftrag des Papstes begleiten darf. Ebenfalls zweifelhaft ist ihre Teilnahme am Ball des Grafen Orsini, der mit verschiedenen Gaunern paktiert, um sich gegen Frankreich zu verbünden. Insbesondere in diesen Szenen kann man kaum nachvollziehen, warum der Hauptakteurin ihr ‚Glück‘ so leicht in die Hände fällt bzw. warum sie geradezu spielerisch an den Anlässen der Obrigkeiten teilnehmen darf, ohne dass ihr sozialer Rang oder ihr allgemeines Image dies rechtfertigen könnten – und unter dem Aspekt der Logik verlaufen sich dementsprechend auch wieder alle Spuren.
Andererseits ist die Geschichte diesmal sehr ansprechend umgesetzt, bekommt ein angenehm flottes Tempo und erfreut sich auch einer ordentlichen Dynamik im Hinblick auf die zahlreichen Wendungen. Dennoch ist „Rache“ von vielen zu raschen Zeit- und Ortswechseln gekennzeichnet, die den rein erzählerischen Anteil herunterfahren und die Sache auf ungünstige Weise beschleunigen. Ange haben sich relativ wenig Zeit genommen, etwas mehr ins Detail zu gehen und die wichtigen Handlungspunkte auch adäquat miteinander zu verknüpfen. Doch was drängt die beiden Franzosen?
Immerhin bekennen sie ein bisschen mehr Farbe bei der Darstellung der Charaktere; die gegensätzlichen Ziele der beiden Schwestern kommen sehr gut zum Vorschein, die Eifersüchteleien eines William machen seine Stellung im gesamten Komplex transparenter, aber auch Jean von Clermont, der bis dato noch schwer einzuschätzen war, indes seine Position, wenngleich sie hinsichtlich der moralischen Vorwände, unter denen er arbeitet, auch nicht immer glaubwürdig weiterentwickelt wird. Aber zumindest hier macht man endlich mal einen durchsichtigen Anfang und nimmt der Story einen Teil ihrer leider immer noch omnipräsenten Hektik. Und Letztgenannte ist es schließlich auch, die jeden Anflug von Euphorie schnellstens wieder ausbremst, weil man zu keinem Zeitpunkt des Geschehens genau einschätzen kann, welche verworrenen Breaks Ange wieder einfügen werden.
Letzten Endes ist auch „Rache“ nicht vom Format der Ange-Großtaten, was vorrangig daran festzumachen ist, dass die beiden Autoren keine klare Linie fahren und die Atmosphäre des Comics nach wie vor von einigen logischen Patzern beeinträchtigt wird. Darüber hinaus ist die teils sehr brutale Präsentation ein weiterer Kritikpunkt, der bei der Gesamtbewertung nicht außer Acht gelassen wird. Die Szene, in der William einen Jugendlichen erdrosselt, ist jedenfalls hart an der Grenze. Von daher kann man kaum einschätzen, ob „Maries Drachen“ noch in die richtige Bahn gelenkt werden kann. Die ersten beiden Kapitel, auch wenn eine qualitative Steigerung zu verzeichnen ist, sind jedenfalls noch nicht das Gelbe vom Ei!
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Band 3: „Armaury“
_Story:_
Im zarten Alter von zwölf Jahren wird die junge Marie auf ihre bis dato wichtigste Prüfung vorbereitet; einem traditionellen Ritual zufolge soll sie auf die Jagd gehen und das Herz eines Tieres ins Dorf bringen, so wie es bereits ihre beiden älteren Schwestern vor ihr getan haben. Auf dem Weg in den Wald erhält sie von ihrem Onkel Pate ein übergroßes Schwert, mit dessen Hilfe sie tatsächlich ein Tier erlegt. Doch bei ihrer Rückkehr in ihr Dorf wird sie von einem grauenvollen Bild erschüttert: Die Häuser stehen in Flammen, allerorts liegen Leichen, und selbst eine ihrer Schwestern sowie ihre Eltern wurden grausam getötet.
15 Jahre später arbeitet Marie mit ihrem Kumpan William als Söldnerin und verdient sich mit allerhand schmierigen Kämpfen ihr Tagegeld. Gleichzeitig wird sie von Visionen genährt, von eigenartigen Wesen, die sie als Drachen wahrnimmt, und gegen deren Aura sie ebenfalls ankämpft. Als sie eines Tages die Spur des Mannes aufnimmt, der für das Massaker in ihrer Heimat verantwortlich ist, sieht sie endgültig die Chance, Rache zu üben und das Schicksal ihrer Familie zu vergelten. Doch Marie handelt übereilig und wird der Hexerei angeklagt. Lediglich die Anhörung eines Ordensbruders steht ihrer Verurteilung noch im Wege. Als sie schließlich aus unerklärlichen Gründen befreit wird, nährt sie ihre Hoffnung, endgültig ihre Lebensaufgabe erfüllen zu können. Aber erneut ist Marie in eine Falle getappt und scheint nun genau demjenigen Mann ausgeliefert zu sein, der bereits ihre Angehörigen auf dem Gewissen hat …
_Persönlicher Eindruck:_
Das Autorenpaar Anne und Gerard, kurz Ange, hat in den vergangenen Jahren bereits reichlich interessante Beiträge zum phantastischen Segment des französischen Comics beigetragen, man denke nur einmal an „Das verlorene Paradies“ oder „Die Legende der Drachenritter“. Bemerkenswert bei diesen Serien war stets, dass die Story keinem konventionellen Strickmuster folgte und man eigentlich nie wissen konnte, was den Leser in einer Fortsetzung eines jeden Albums erwarten würde. In diesem Sinne scheint „Maries Drachen“ deutlich von der Norm abzuweichen, weil der Plot sehr stringent aufgebaut ist, gerade zu Beginn arg durchschaubar ist, aber auch im Hinblick auf den inhaltlichen Background weit weniger kreativ scheint, als die teils recht philosophisch bestückten, eingangs erwähnten Werke.
Hinzu kommt im Eingangskapitel „Armance“, dass die Charaktere bis auf Weiteres sehr farblos und beliebig gewählt sind, und man irgendwie noch gar keinen richtigen Zugang zu den Protagonisten bekommt. Hauptdarstellerin Marie beispielsweise fällt als typische Identifikationsfigur sehr stark aus den bewährten Rastern heraus, da sie weder edelmütig und tapfer präsentiert wird wie die meisten ihrer Genre-Kolleginnen, noch nach einem bedachten Strickmuster agiert, welches für den Leser auch nachvollziehbar bleibt. Zwar ist ihr jahrelanger Hass auf die Rädelsführer des Attentats verständlich und dementsprechend auch spielerisch transparent gemacht, doch ihr überstürztes Vorgehen sowie die einzelnen Schritte ihres Handelns, erscheinen auf den ersten Blick ein wenig merkwürdig und undurchdacht. Warum zum Beispiel gibt sie sich nach ihren Kämpfen beliebigen Gespielen hin, wo sie doch eigentlich klüger und begehrter ist? Oder warum wütet sie in einer Nacht- und Nebelaktion durch die Stadt des Herzogs und instrumentalisiert ihre Verzweiflung bei der Suche nach ihrer Schwester, von der sie weder weiß, ob sie noch lebt, noch wo sie sich befinden könnte? Marie hat als tragende Akteurin der Geschichte eine große Last auf ihren Schultern, der sie in ihrer Rolle in „Armance“ aber noch nicht wirklich gewachsen ist. Und das lässt sich in weiten Teilen der Handlung leider auch nicht überspielen.
Davon abgesehen gestalten sich diverse Einzelheiten und Fakten der Story noch sehr verworren. Maries Visionen werden nicht näher beleuchtet oder erklärt, jedoch soll man schon den Zusammenhang verstehen, in dem sie auftreten bzw. welchen Stellenwert sie haben. Die Diskrepanz zwischen eigentlich elementaren Dingen und ihrer reellen Umsetzung ist gerade in diesem Punkt sehr groß und macht die Geschichte sehr unbeständig und wackelig. Einerseits wird um verschiedene Dinge viel Lärm gemacht, andererseits verkommen sie dann aber auch wieder zur Nebensache.
Und derlei Dinge erlebt man im Auftakt von „Maries Drachen“ leider relativ häufig, schlussendlich wirklich zu häufig. Die Verstrickungen der einzelnen Charaktere sind überdies noch sehr unglaubwürdig aufgearbeitet, die Rolle einiger Mitwirkender scheint beliebig, und da all dies auch noch in einem leider recht austauschbaren, spätmittelalterlichen Setting stattfindet, dem in Sachen Innovatiion auch der Lack abblättert, hält sich die Begeisterung trotz einzelner gelungener Akzente innerhalb der Erzählung noch spürbar in Grenzen.
Zweifellos steckt einiges an Potenzial in diesem neuen Ange-Titel, jedoch muss viel mehr Ruhe und Beständigkeit in die Sache kommen und außerdem daran gearbeitet werden, die inhaltlichen Andeutungen auch insofern verständlich zu machen, dass die Story einen Sinn ergibt. Erst dann scheint der Weg für einen weiteren interessanten Fantasy-Comic geebnet, und erst dann stehen die Pforten für mehr konzeptionelle Tiefe so weit offen, dass man sich gerne in die neue Welt, die Anne und Gerard hier geschaffen haben, fallen lässt. Bis dato muss man allerdings festhalten, dass „Maries Drachen“ noch nicht so recht überzeugt und die beiden Autoren, im Gegensatz zu ihrem zeichnenden Partner Thierry Démarez, noch weit hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben!
Band 1: [„Null Toleranz“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7637
Band 2: [„Die Station im Orbit“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7646
Band 3: – nur angekündigt –
_Story:_
Nach dem Verschwinden ihres kurzzeitigen Verbündeten Florreal Linman widmet sich Lynn Forrester wieder weitestgehend ihrem Alltag. Lynn ist Teil einer Theatergruppe, die ein sozialkritisches Stück einprobt, möchte sich jedoch nicht zu weit in den Zirkel ihrer Mitwirkenden integrieren, da sie derzeit bereits genügend Schwierigkeiten hat. Nach der jüngsten Probe wird sie von ihrem Schwager Ralph abgefangen, der die Proben beobachtet hat und ihr gewaltsam mitteilt, dass sie in seiner Familie nie mehr willkommen ist.
Derweil erlebt Linman während seiner Inhaftierung eine überraschende Wende; da in der Zwischenzeit 200 weitere Exemplare des „Metronom“ an alle erdenklichen Regierungsmitglieder verteilt wurden, wird er mangels weiterer Beweise freigelassen. Alsbald sucht er wieder den Kontakt zu Lynn und verspricht diesmal, sie nicht mehr im Stich zu lassen. Ein einflussreicher Freund beauftragt Linman, mehr über das Virus in Erfahrung zu bringen, von dem auch Doug Forrester befallen scheint. Diese Gelegenheit nutzt der ehemalige Reporter, um sich in die Orbitalstation einzuschleusen, auf der Doug in Quarantäne gelagert wird – und mit an seiner Seite: die wagemutige Lynn, die endgültig bereit ist, sich einem Widerstand anzuschließen und die Wahrheit über ihren Mann in Erfahrung zu bringen. Doch ihre Mission verläuft nicht tadellos. Und schon bald sind die beiden gezwungen, zum Äußersten zu greifen …
_Persönlicher Eindruck:_
Im zweiten Band des Èric Corbeyran geschaffenen Dreiteilers „Metronom“ nimmt die Geschichte ordentlich Tempo auf, kommt vor allem im Action-Bereich langsam aber sicher in Fahrt, wahrt jedoch auch ihren bewusst sterilen Charakter, um die klirrend kühle Atmosphäre aufrechtzuerhalten. Insofern gelingt es quasi spielerisch, den Faden wiederzufinden und auf inhaltlicher Basis zu folgen, was natürlich auch dadurch begünstigt wird, dass sich der Autor in keinen allzu verworrenen Komplex verstrickt hat, sondern schön stringent, manchmal leider auch zu linear und einspurig das fortführt, was er in „Null Toleranz“ geschaffen hat.
Allerdings bekommt „Metronom“ im mittleren Kapitel etwas mehr Tiefe, da sich die einzelnen Geheimnisse zu lichten beginnen und man die Kontrollaspekte des totalitären Regimes noch besser einschätzen kann. Es wird kräftig manipuliert, beobachtet, kontrolliert und schließlich in einem Maße überwacht, welches jedem Freidenker schon fast das entsprechende Urteil aufdiktiert – und dieses endet mit einem Aufenthalt samt Gehirnwäsche in einer der Gefängnisstationen des Staates.
In einer solchen landet auch Florreal Linman, wird aber nach dem ausbleibenden Schuldbekenntnis überraschenderweise wieder auf freien Fuß gelassen. Seltsamerweise wird er sofort erwartet und beauftragt, mehr über das eigenartige Virus in Erfahrung zu bringen, welches auf der Station im Orbit in Quarantäne gelagert wird. Komisch ist das Ganze gerade deswegen, weil Linman kurz davor noch des Hochverrats bezichtigt wurde, nun aber nicht einmal weiter unter Beobachtung bleibt und schließlich einen gänzlich neuen Coup gegen den Staat starten kann, ohne sich Sorgen um seine Bewährungsauflagen machen zu müssen. In dieser Hinsicht agiert Corbeyran – unglücklicherweise unter vielen anderen Beispielen – ziemlich inkonsequent und streift der Story auch irgendwo einen Teil ihrer Glaubwürdigkeit ab. Doch auch sonst scheint die von ihm entworfene Maschinerie zu lückenhaft, als dass „Metronom“ authentisch erscheinen könnte. Die unvorsichtige Entlassung ist eine Passage, die eigenartig anmutet; die Tatsache, dass sich Lynn problemlos in die Mission einschleusen kann, gibt weitere Zweifel auf. Und da der Autor auch nicht wirklich versucht, die Bedeutung des titelgebenden Metronoms etwas weiter zu vertiefen und der Aussendung der Bücher, die hier noch intensiviert wird, logisch erscheinen zu lassen, kann die Geschichte ihren erhöhten künstlichen Anteil nie so recht entfernen.
Löblich bleibt lediglich, dass die Action vehementer in den Strang einzieht und „Metronom“ viel mehr Fahrt aufnimmt als im diesbezüglich eher ernüchternden ersten Band. Und auch die bessere Identifikation mit den Hauptfiguren, die in „Die Station im Orbit“ ohne weitere stilistische Hilfsmittel gelingt, bringt den Leser näher an die Erzählung heran und bricht diese distanzierte Hülle, die zuletzt noch über dem Ganzen schwebte. Und dennoch ist „Metronom“ in letzter Instanz nicht überzeugend, weil die wenigen eigenständigen Passagen zu gekünstelt eingeflochten werden, weil die meisten Ideen jeglicher Kreativität entbehren, und weil Corbeyran es nach wie vor nicht geschafft hat, den schmalen Grat zwischen klassischer Science-Fiction und unabhängiger Story souverän zu meistern.
Band 1: _“Null Toleranz“_
Band 2: „Die Station im Orbit“
Band 3: – nur angekündigt –
Die Idee eines totalitären Systems ist in der klassischen Science-Fiction kein wirklich neuer Ansatz mehr. Die Inspiration, die Orwells Meisterwerk „1984“ der Sparte geliefert hat, scheint dennoch unerschöpflich, auch im Comic-Sektor. ‚Eric Corbeyran und sein zeichnender Kollege Grun haben sich kürzlich ebenfalls an die Materie herangewagt und mit „Metronom“ einen Dreiteiler aus der Taufe gehoben, der sich mit den Konsequenzen einer erbarmungslosen Regierungsform auseinandersetzt, dabei aber auch nicht den Blick für die Realität verliert. Doch kann dies alles noch innovativ sein? Diese Frage steht wohl im Mittelpunkt der folgenden Rezension.
_Story:_
In einer Welt, in der die heuchlerische Demokratie gerade das Dekret ‚Nill Toleranz‘ durchgesetzt hat und die Bevölkerung sich bedingungslos anzupassen hat, um nicht selber Opfer des Systems zu werden, scheint jegliche Form von geistiger Meinungsfreiheit ausgeschlossen. Nichtsdestotrotz will sich der anarchische Journalist Florreal Linman diesem Regime nicht kapitulierend unterwerfen und ist seinem Chefredakteur ein brutaler Dorn im Auge, da Linman nicht beabsichtigt, die Entwicklungen in seinem Land unkommentiert zu lassen. Die große Chance wittert der junge Mann, als er die verzweifelte Lynn kennen lernt, die bereits seit acht Wochen auf ihren Mann Doug wartet, der von einer Mission bei der Weltraum-Müllentsorgung nicht zurückgekehrt ist. Von ihrer Schwester, die im Innenministerium beschädigt ist, erfährt sie, dass Dougs Eskorte mit einem Virus versucht wurde und nun unter Quarantäne steht, weshalb eine baldige Rückkehr vorerst ausgeschlossen scheint. Als Lynn außerhalb der Sperrstunde auf der Straße aufgegriffen wird und aufs lokale Revier geführt wird, lernt sie schließlich den eigenbrödlerischen Linman kennen und beschließt, sich ihm nach einigem Zögern anzuvertrauen – schließlich hat sie nichts mehr zu verlieren. Der Journalist wittert nicht nur eine neue lukrative Story, sondern ist wirklich gewillt, der Frau zu helfen und die Umstände zu klären. Linman nutzt seine weit reichenden Einflüsse und schafft es tatsächlich, Kontakt mit Doug aufzunehmen.
Zur gleichen Zeit erreicht ein Brief mit einem eigenartigen das Präsidialamt, ohne Absender und ohne jegliche Spur auf die Absicht hinter diesem Schreiben. Das Päckchen enthält das „Metronom“, eine kindlich anmutende Märchengeschichte, deren Bedeutung dem Empfänger vorerst unklar bleibt. Der schonungslose Kommissar wird gebeten, den Urheber aufzuspüren und erfragt Hilfe beim Chef der Vox Populi, der darin eine Chance sieht, sich von seinem respektlosen Mitarbeiter Linman zu entledigen. Und während Lynn hofft, nähere Fakten zu Dougs Aufenthaltsort mitgeteilt zu bekommen, muss sich Linman aus unersichtlichen Gründen wegen Hochverrats verantworten …
_Persönlicher Eindruck:_
Zugegeben, die Themen die Corbeyran in seiner aktuellen Comic-Reihe aufgreift, mögen nicht sonderlich originell sein, scheinen im Hinblick auf die Darstellung der Staatsführung und ihrer strikten Vorgehensweise sogar fast schon überholt. Doch es ist nicht das Setting, welches den Charme dieser neuen Serie ausmacht, sondern die Charaktere und die Atmosphäre, in der sich die Story bewegt. Letztgenannte ist durchweg frostig und bewusst steril gewählt und untermalt dadurch ganz klar die schier ausweglose Situation der normalen Bürger, dem Regime zu trotzen und die Menschenwürde wiederzuerlangen. Kleine Verbrechen werden mit hohen Strafen geahndet, und fortwährend werden neue Dekrete erlassen, um das Volk noch weiter einzuschränken. Selbst die Hinterbliebenen eines Suizidopfers sollen nun genötigt werden, hohe Bußgelder an den Staat zu zahlen, um das Verbrechen zu sühnen.
In genau jener Welt lebt auch die junge Lynn, die sich nicht länger von ihrer Hoffnung trösten lassen möchte, ihren Mann eines tages doch noch wiederzusehen. Doug ist zwar erst seit einigen Wochen verschollen, doch die Systematik der Politik und ihre ständigen Vertuschungen dezimieren den Glauben, dass ihre Familiengeschichte ein positives Ende nehmen wird. Trotz ihrer Ängste, den Kontakt mit Visionären und Andersdenkenden zu suchen, lässt sie sich schließlich darauf ein, dem Reporter Florreal Linman ihren Kummer anzuvertrauen, da das Wissen, dass ihre Schwester ihr vermittelt hat, sie weiter beunruhigt. Die Gewissheit, dass Doug bereits wieder auf der Erde gelandet ist, ist kein wirkliches Trostpflaster und die Tatsache, dass sie von allen Informationen seine Person betreffend ferngehalten wird, begründet ihre Zweifel noch stärker.
Dennoch wird Lynn von Ängsten getrieben: vor der Wahrheit, vor dem System, vor allem aber vor den unangenehmen Konsequenzen ihres stillen Widerstands. Daher setzt sie alle Hoffnung und ihr gesamtes Vertrauen in die neue Begegnung, selbst wenn sie sich einredet, lediglich einer Illusion zu folgen. Doch in Linman hat sie den vielleicht einzigen Menschen getroffen, und das auch noch eher zufällig, der den Freigeist mitbringt, sich dem Komplott namens Demokratie zu stellen und die Schanden aufzudecken, die sich dahinter verbergen. Doch erwartungsgemäß wird sie enttäuscht – doch nicht aus Vorsatz. Und dieser Umstand diktiert „Metronom“ schließlich auch seine gesamte Spannung auf, auch wenn die Story fürs Erste noch relativ fade erscheint.
Kritisch betrachten muss man nämlich den sehr linearen Verlauf der Geschichte, die an und für sich keine Spielräume zulässt, und deren Entwicklungspotenzial zu Beginn noch sehr beschränkt anmutet. Lediglich die Charaktere machen dem Leser Mut, dass sich „Null Toleranz“ alsbald das Blatt wendet und aus einem flach wirkenden Science-Fiction-Komplex etwas Größeres herausbildet, das am Anfang eben noch gar nicht absehbar ist. Und das Vertrauen in diesen Umstand wird belohnt, wenn auch erst zu einem sehr späten Zeitpunkt des ersten Kapitels, in dem sich das zähe Tempo plötzlich beschleunigt, die Handlung einen eignen Charakter bekommt und die eh schon sehr beklemmend wirkende Atmosphäre ihr wahres Ich entfalten kann. Bis hierhin muss man sich allerdings in Geduld üben und die nicht immer fulminanten Ereignisse über sich ergehen lassen, lediglich vom Wissen bestärkt, dass die Story noch die Kurve bekommt – wenigstens was diesen ersten Band betrifft.
Da „Metronom“ jedoch nur als Dreiteiler angekündigt ist und der Cliffhanger noch reichlich Stoff suggeriert, stellt sich die übliche Frage, inwiefern es dem Autoren gelingen wird, die Erwartungen zu erfüllen und vor allem die stellenweise nicht so berauschenden Eindrücke künftig zu kaschieren. Hierzu werden einige kreative Schachzüge nötig sein, die schließlich auch die eingangs erwähnte These, inwieweit ein solcher Comic noch innovativ sein kann, hoffentlich mit einem positiven Statement beschließen. „Metronom“ respektive „Null Toleranz“ ist interessant und zum Ende hin auch sehr spannend. Doch für die verbleibenden beiden Ausgaben ist noch eine Menge Luft nach oben!
|Graphic Novel: 56 Seiten
Originaltitel: Tolerance Zero
ISBN-13: 3-86869-238-X|
[www.splitter-verlag.eu]http://www.splitter-verlag.eu
Band 1: [„Der Ritter mit der Axt“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7634
Band 2: [„Die Brücke von Montreau]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7635
Band 3: [„Heinrich, König von Frankreich und England“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7636
Band 4: „Der Tod der Könige“
_Story:_
Die Ermordung des Herzogs von Burgund löst in Adelskreisen Hoffnungen und Befürchtungen aus: Während der englische König Henry den Anlass gekommen sieht, sich mit dem Sohn des Verstorbenen zu verbünden und dessen Rachsucht für seine Zwecke zu nutzen, befürchten die Armagnacs und allen voran der eigentliche Thronfolger Charles, dass der Anschlag im Rahmen der Friedensverhandlungen als geplantes Attentat verkauft wird.
Tatsächlich dringen die Stimmen, die von vorsätzlichem Verbrechen sprechen zum Sohn des Herzogs durch, der sich in den Kopf gesetzt hat, alles daran zu setzen, den Dauphin umzubringen und die Tat nicht ungesühnt zu lassen. Dabei hat er keine weiteren politischen Ansprüche und ist auch nicht an der Krone interessiert, was ihn für Henry zu einem weiteren interessanten Spielball macht. Dieser lässt sich bereits zum neuen König von Frankreich feiern und besiegelt seine Legimitation mit der Ehelichung der Königstochter.
Derweil driften die Meinungen von Charles und Tanneguy du Chatel immer weiter auseinander; der Dauphin hat einen Berater an seine Seite geholt, dessen spitze Zunge dem einstigen Grafen von Paris nicht vertrauenserweckend scheint. Dennoch duldet er dessen Anwesenheit in der Nähe des Prinzen, um die Armee an der Front anzuführen und den letzten Widerstand gegen die Briten aufrechtzuerhalten. Doch mit der Ehe am Hofe und den daraus resultierenden Folgen scheint das Schicksal Frankreichs endgültig zugunsten der Engländer besiegelt …
_Persönlicher Eindruck:_
Im dritten Kapitel zu „Der tönerne Thron“ stehen die politischen Ereignisse ganz klar im Vordergrund und hinterlassen den zuvor noch relativ großen Action-Anteil der Serie zugunsten entscheidender Dialoge und wichtiger Bündnisse erst einmal im Schatten stehen. Im Kern dreht sich „Heinrich, König von Frankreich und England“ um die Folgen des Attentats auf den Herzog von Burgund, die von der erwartet großen Tragweite sind, wie es die gesellschaftliche Position des Gemeuchelten erfordert. Sein Sohn sinnt nach Rache, die Intriganten nutzen die Gunst der Stunde, um wilde Gerüchte zu streuen, und die Initiatoren sind vorrangig damit beschäftigt, ihre moralische Unschuld zu beweisen. In diesem Gerangel verlaufen die Dinge dennoch noch einem logischen, historisch vorgegebenen Muster: Henry spinnt sein Geflecht über das Königshaus und nimmt die Tochter des verwirrten Königs zur Frau, während die ihn liebende Jeanne ihm weiterhin blind ergeben ist und ihren Einfluss beim Dauphin geltend macht. Lediglich Tanneguy du Chantel scheint noch auf dem Pfad der Tugenden zu wandeln und alles in seiner Macht stehende zu unternehmen, um die Gerechtigkeit und damit auch die ehrbare Thronfolge zu retten. Doch als Einzelkämpfer, dem gerade wegen des Todes des Herzogs immer mehr Widerstand entgegengebarcht wird, steht er fast alleine auf weiter Flur.
Kapitel drei des Vierteilers ist mal wieder sehr dialoglastig und schwer damit beschäftigt, die politischen Verbindungen und Hintertürchen zu beschatten. Die Story zeigt kein ganz so hohes Tempo mehr wie im vorangegangenen Band und bleibt kompakter, was jedoch im Sinne einer echten Erzählung auch angenehmer erscheint, nicht zuletzt weil somit mehr Platz für die einzelnen Charaktere bleibt. Der Schwerpunkt wird diesmal jedoch auf der Seite der offenkundig ‚Bösen‘ gesetzt, die zwar bislang immer wieder ins Geschehen eingegriffen haben, die nun jedoch noch mehr Raum eingeräumt bekommen, um die Vervollständigung ihrer finsteren Pläne auch für den Leser anschaulich zu machen. So entwickelt sich ein steter Wechsel zwischen den Fronten, der die bisherigen Hauptdarsteller ein wenig in den Hintergrund drängt, was im Hinblick auf das bevorstehende Finale aber auch sinnvoll erscheint. Die Saat ist nun an allen Ecken und Enden ausgelegt, und auch wenn die Lage für die Würdenträger und Identifikationsfiguren der Serie aussichtslos erscheint – das Ende des Comics ist hier sehr deutlich – bleibt noch ein Fünkchen Hoffnung, an das sich die Story geschickt zu klammern weiß.
So kann man konstatieren, dass sich „Der tönerne Thron“ im richtigen Moment die Ruhe vor dem Sturm zunutze gemacht hat, die Ereignisse noch einmal sortiert und schließlich auf ein furioses Finish zugeht, dessen pikanter Verlauf zwar schon zu erahnen ist, dem Jarry und Richemond jedoch noch genügend Spielraum gönnen, sich mit zunehmender Ausführlichkeit und Detailverliebtheit auszubreiten. Vielleicht ist „Heinrich, König von Frankreich und England“ auch gerade deswegen die bislang beste Episode der Serie, da man zu keiner Sekunde mehr den Eindruck vermittelt bekommt, die Autoren würden das Story-Konstrukt noch einmal aus der Hand geben und sich vom Tempo der Geschehnisse überholen lassen. Und das bedeutet gleichermaßen, dass man für die zwischenzeitliche Geduld, die auch hier und dort von Zweifeln ob des weiteren Aufbaus der Handlung gezeichnet waren, anständig belohnt wird und die Serie endgültig ihren Platz in der Riege der wirklich lohnenswerten historischen Comics gefunden hat!
Band 1: [„Der Ritter mit der Axt“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7634
Band 2: [„Die Brücke von Montreau]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7635
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Band 4: „Der Tod der Könige“
_Story:_
Der Dauphin hat sich bis Melun durchschlagen können, wo Tanneguy du Chatel und seine Mannen sich wieder mit ihm vereinen. Alsbald zieht es die letzten Vertreter der Armagnacs zu Herzogin Yolante, gleichzeitig Mutter der Verlobten von Thronfolger Charles, in der Hoffnung auf ihre Unterstützung. In ihr finden du Chatel und der Dauphin eine wertvolle Verbündete, deren politische Klugheit und deren Einfluss neue Hoffnung bringt. Yolante plant, den Sohn des verwirrten Königs sofort auf den Thron zu bringen und dem Herzog von Burgund den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Dieser marschiert derweil in Paris ein und rühmt sich damit, die Gattin der noch amtierenden Königs aus dem Verlies befreit zu haben. Der Herzog plant während seiner intriganten Ränke, den Einfluss seiner neuen Vertrauten zu nutzen und eine neue burgundische Regierung zu bilden, die ihn als Erben des Königs vorsieht. Gleichzeitig bewahrt er seine Kontakte zum englischen König Henry, der ebenfalls auf die französische Krone spekuliert und mit Freuden zusieht, wie das Land sich in einem Bürgerkrieg selbst zerstückelt.
Doch für den Herzog von Burgund laufen die Dinge schneller als verhofft aus dem Ruder: Eine Söldnertruppe lebt innerhalb der Stadtmauern ihren Blutrausch aus, der legitime Thronfolger wird in einer Zeremonie zum neuen König gekrönt, und auch das verräterische Spiel des britischen Monarchen treiben ihn in die Enge. Von Missfallen begleitet entschließen sich die französischen Parteien zu einem Bündnis, um die Ansprüche der Engländer abzuwenden. Doch zwischen den Burgundern und den Armagnacs, die nunmehr vom jungen Dauphin angeführt werden, ist noch längst nicht das letzte Wort gesprochen …
_Persönlicher Eindruck:_
Die zweite Ausgabe zu „Der tönerne Thron“ wirft einige Fragen auf, die der Comic leider nicht beantwortet – und die sich schließlich auch mit den Tücken in Verbindung bringen lassen, die eine historische Aufarbeitung wie diese Serie von France Richemond und Nicolas Jarry einfach mit sich bringen. So fragt man sich zum Beispiel, warum die Wiedervereinigung von Dauphin Charles und Tanneguy du Chatel nicht näher aufgegriffen wird, sondern lediglich als fakt erwähnt wird, dessen genauer Hergang ausgespart wird. „Die Brücke von Montreau“ springt ein Stück weit in der Zeit und nimmt der Story auch einen Teil ihres Inhalts, zumal die Flucht des Thronfolgers und die parallel stattfindenden Ereignisse um seinen Beschützer einen elementaren Part im ersten Kapitel der Reihe eingenommen haben. Warum also so bruchstückhaft voranschreiten, wenn doch genügend Raum zur Verfügung steht, hier etwas mehr Licht auf die Geschehnisse zu werfen?
Die Begründung liefert die Story lediglich insofern, dass das Tempo mächtig angezogen wird und die prägenden Begegnungen und Entscheidungen sich in „Die Brücke von Montreau“ regelrecht überschlagen. Verfehlte Bündnisse, weitere Intrigen, politisches Taktieren und die Frage um die tatsächliche Thronfolge dominieren die nächsten 48 Seiten der Geschichte, und das mit einer Geschwindigkeit, die einen wünschen lässt, man hätte sich etwas mehr Zeit genommen, womöglich sogar ein zusätzliches Album eingeworfen, um die sich bietenden Entfaltungsspielräume auch breit zu nutzen. Stattdessen lebt Folge zwei vom rasanten Erzähltempo, zahlreichen elementaren Dialogen und einem hohen Maß an Action – Inhalte, die allemal begrüßenswert sind, aber partiell schon nach etwas mehr Ausschmückung verlangen, zumal ja gerade vermieden werden sollte, dass die geschichtlich relevanten Ereignisse lediglich in einer Berichterstattung wiedergegeben werden.
Jarry und Richemond gelingt es zwar im Laufe der Story immer besser, die Atmosphäre wieder herzustellen und dem Plot den Charakter einer spannenden Erzählung zu verpassen, aber angesichts der vielen Zeitsprünge und der gleichzeitigen Integration vieler neuer Charaktere, droht man mehr als einmal, sich zu verhaspeln und relevante Dinge zu übergehen bzw. nur am Rande zu erwähnen. Dass „Die Brücke von Montreau“ dennoch eine gelungene Fortsetzung geworden ist, liegt wohl in erster Linie daran, dass besagte Atmosphäre sich immer intensiver ausbreitet und man nie das Gefühl bekommt, den Faden zu verlieren oder überrannt zu werden. Die Geschichte bleibt trotz allem transparent und überschaubar, die Intrigen sind mit all ihrer pikanten Würze anschaulich und überzeugend dargestellt, und an Spannung mangelt es der Story gerade deswegen nicht, weil sich die Situation um den Thron von Seite zu Seite verändert. Außerdem beleuchten die Autoren das Ganze aus allerhand Perspektiven und machen vor dem historischen Background auch alle Motive und Ideen verständlich, wie etwa das unliebsame Bündnis, dass Tanneyguy und der Herzog von Burgund zweckmäßig anstreben. im letzten Drittel des Albums ist man dann auch wieder bei der Euphorie angelangt, die bereits große Teile von „Der Ritter mit der Axt“ kennzeichneten und der Serie zu einem fabelhaften Einstieg verhalfen. Zwar bleibt ein bisschen Schatten ob der verpassten Gelegenheit, entscheidende Themen näher auszuführen, doch solange die Spannung auf einem konstanten Level bleibt und die Charaktere und Aktionen mit gleichbleibend großer Leidenschaft gezeichnet werden, nimmt man die kleinen Mangelerscheinungen auch gerne mal in Kauf.
Ergo: „Der tönerne Thron“ ist auf Kurs und bereitet Liebhabern historisch geprägter Comic-Kunst auch im zweiten band reichlich Freude. Wünschenswert für die Zukunft wäre nur, dass die beiden Autoren ab und an noch etwas tiefer in die Materie eindringen würden und selbst zunächst nebensächlich anmutende Situationen mit etwas mehr Liebe zum Detail schildern würden. Davon abgesehen ist zu scharfe Kritik auch hier fehl am Platze!
Band 1: [„Der Ritter mit der Axt“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7634
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Band 4: „Der Tod der Könige“
_Story:_
Frankreich im Jahr 1418: Inmitten der Wirren des Hundertjährigen Krieges scheint der Disput zwischen den Burgundern und den Anhängern der Armagnacs ein katastrophales Ende zu nehmen. Charles VI. ist infolge seiner geistigen Verwirrung nicht mehr imstande, das Land zu regieren und die Monarchie zu stützen, aber auch sein Thronfolger scheint nicht in der Lage, das Erbe zu übernehmen, da er altersbedingt noch nicht die entsprechende Reife besitzt. Tanneguy du Chatel, Vogt und vertrauter Beistand der Armagnacs sieht das Ende seiner Partei, kämpft jedoch weiterhin mit größter Entschlossenheit für Charles, für Frankreich und für die Gerechtigkeit. Als die Burgunder kurz darauf die Stadttore von Pariss stürmen und ein blutiges Gemetzel initiieren, scheint jedoch auch du Chatel am Ende.
Mit einer List gelingt es dem Vogt, den Thronfolger zu retten und ihm zur Flucht zu verhelfen, selber jedoch auch die Stadt zu verlassen. An der Bastille versammeln sich die verbliebenen Anhänger der Armagnacs, um unter Tanneguys Führung die endgültige Vernichtung abzuwenden. Doch der Herzog von Burgund scheint ihm überlegen, da er den König gefangen hält und der befürchtete Pakt mit den Engländern auch weiter ausgereift ist, als die Armagnacs es erahnen …
_Persönlicher Eindruck:_
Historische Comics mit bewusster Hinwendung zu den Fakten sind oftmals eine schwierige Sache. Zum einen sind die Autoren häufig befangen von den tatsächlichen Ereignissen und haben nicht viele kreative Gestaltungsmöglichkeiten, um ihre eigene Note zu hinterlassen. Zum anderen ist der Grat zwischen nüchternen Tatsachenbeschreibung und spannendem Plot relativ schmal, zumal häufig ein Ende vorgegeben ist und die Spannung alleine schon deswegen leidet, weil die Originalvorgabe den Verlauf vorschreibt.
Auch im Falle von „Der tönerne Thron“ war zu befürchten, dass die Erzählungen um den Hundertjährigen Krieg zu stark von den historischen Fakten geprägt sind und die Entfaltungsmöglichkeiten eher begrenzt sind. Der erste Blick in die neue Serie von Nicolas Jarry und France Richemond bestätigt diesen Eindruck, zumal man ein eher schlichtes illustratives Bild gewählt hat und die Story auf den ersten Seiten nicht so richtig in Fahrt kommt. Dies wird jedoch alsbald damit rechtfertigt, dass die Vielzahl der Charaktere ihre Position innerhalb der Handlung bekommen müssen und es vorerst notwendig ist, sich mit den zahlreichen Akteuren vertraut zu machen, bevor man schließlich tiefer in die Materie und damit auch in die Story eindringen kann – und dies gelingt von Panel zu Panel besser.
Die Wahl des historischen Schauplatzes scheint den beiden Autoren schließlich eine Menge Vergnügen zu bereiten, was sich an der Sprache, den teils recht detailverliebten Charakterzeichnungen und dem ganzen Stolz, der in den Figuren vereinigt ist, stark bemerkbar macht. Vor allem Tanneguy du Chatel ist eine absolute Vorzeige-Persönlichkeit, an der die beiden Schreiber zweifelsohne einen Narren gefressen haben, und dessen Heldenmut ihnen nachhaltig imponiert haben muss. Nicht anders lässt sich erklären, mit wie viel Hingabe sie den offenkundigen Protagonisten hier in das Szenario entlassen.
Die Story ist unterdessen sehr linear und in ihrem Fortschritt durch und durch stringent. Nach kurzer Einleitung, in der die Verwirrung des Königs und die daraus resultierenden Folgen für die Armagnacs und das gesamte Land dargestellt werden, folgen zahlreiche Action-Sequenzen, Scharmützel um die Vorherrschaft im chaotischen Frankreich, aber inhaltlich auch einige Intrigen und Vernestelungen, die das Konstrukt spannend halten. Zwar sind die Verstrickungen um die vermeintlich vakante Thronfolge für den Leser jederzeit transparent, aber dennoch macht es Spaß, die Entwicklungen zu verfolgen, die Entschlossenheit der Charaktere zu spüren und vor allem die herrliche Präsentation des historischen Settings zu begutachten – hier haben sowohl die beiden Autoren als auch die zeichnenden Kollegen Theo und Pieri ganze Arbeit geleistet!
Insofern ist illustrierte Geschichtsaufarbeitung nach wie vor nichts, was die Initiatoren mal eben so von der Stange reißen. Die Kluft zwischen qualitativ hochwertigen Comics und drögen Abhandlungen geht zwar weit auseinander, doch im Falle von „Der tönerne Thron“ bzw. dem ersten Kapitel der Serie, „Der Ritter mit der Axt“, muss man betonen, dass Jarry und Richemond hier ein fabelhaftes Epos gestartet haben, der in Sachen Atmosphäre, Stil und Rahmengestaltung keine Wünsche offen lässt. Deshalb sollte man sich nicht vom ersten Eindruck täuschen lassen, denn diese Serie, ausgehend vom Debüt-Album, ist ihr Geld wert!