Band 1: [„Das Geheimnis der Oghams“ 5607
_Story:_
Als ein Junge einen kopflosen Körper auf einem Fuhrwerk entdeckt und seiner Dorfgemeinde von seinen Beobachtungen berichtet, entwickelt sich in Windeseile ein Lynchmob, der die praktizierenden Druiden ins Visier nimmt und sie des Mordes bezichtigt. Als Heiden und Gottesächtende verschrien, macht sich die Gemeinde daran, Rache zu üben und den vermeintlichen Götzenanbetern den Garaus zu machen. Gwenc’hlan erfährt von diesem blutigen Gemetzel zu spät. Noch beschäftigt mit dem jüngsten Fund, einem Anhänger des christlichen Ordens Imperium Die, begibt er sich an den Ort des Geschehens und muss von den anwesenden Soldaten beschwichtigt werden, den dörflichen Mob nicht noch weiter anzustacheln.
Dadurch angespornt, reist der Druide gemeinsam mit dem verbündeten Mönchen Budog und seinem Freund Taran in die weiße Stadt Ys, wo der streng gläubige Gwendole bereits seit längerem die Ankunft des Verderbens predigt. Taran und Gwenc’hlan machen bereits bei ihrer Ankunft Bekanntschaft mit der zwiespältigen Moral, die vor allem von der intriganten Prinzessin Duhad ausgelebt wird. Bei einem Techtelmechtel mit Taran versucht sie sogar, ihren Liebhaber zu meucheln – doch Gwenc’hlan kann Schlimmeres verhindern. Letzterer bemüht sich gleichzeitig um mehr Informationen zum Imperium Die. Doch Gwendole leugnet hartnäckig die Existenz des Ordens. Aber der eigensinnige Mönch von Ys hat offenkundig einiges zu verbergen …
_Persönlicher Eindruck:_
Nachdem die erste Ausgabe der neuen |Splitter|-Serie „Die Druiden“ noch mit einigen inhaltlichen Startschwierigkeiten zu kämpfen hatte, geht es im zweiten, storytechnisch weitaus kompakteren Band durchdachter, vor allem aber auch spannender zu. Die Diskrepanzen zwischen historischer Faktenlage und fiktiver Unterhaltung spielen bei weitem nicht mehr eine solch große Rolle wie bei der Auftaktepisode, derweil gewinnt die Story auch ein nachvollziehbares Format, und da der Spannungsaufbau hier direkt von der ersten Seite beginnend durchgezogen wird, ist die Handlung nicht so sehr damit beschäftigt, Fässer aufzumachen, deren Inhalt noch nicht entsprechend gereift ist.
Insofern sind die Startbedingungen von „Die weiße Stadt“ wesentlich besser als im stellenweise undurchsichtigen Vorgänger, was mitunter natürlich auch damit zusammenhängt, dass man bereits mit den führenden Charakteren vertraut ist. Hinzu kommt der meist unterschätzte Aspekt, dass die Atmosphäre längst aufgebaut ist und diesbezüglich keine weitere Überzeugungsarbeit mehr geleistet werden muss. „Die Druiden“ bleibt von einer mystischen Stimmung umgeben, die sich auch durch die gesamte Entwicklung der Erzählung zieht und vor allem in den raschen Breaks immer wieder ihre Wirkung entfaltet. Dieser Schleier des Unbewussten, Geheimnisvollen fügt sich nahtlos in das von Mythen eingefasste Konzept ein und übt zuletzt sogar einen ziemlich starken Reiz aus.
Auch der Plot selber macht erhebliche Fortschritte. Die Actionlastigkeit der ersten Seiten wird zwar nicht über die komplette Distanz aufrecht erhalten, jedoch macht „Die weiße Stadt“ einen sehr lebendigen Eindruck, unter anderem auch deshalb, weil Hauptakteur Gwenc’hlan mit mehr Leidenschaft ins Fundament eingefügt wird, denn mit seiner Person steht und fällt der Fortschritt der Story. Folgerichtig kann auch eine deutliche Temposteigerung erzielt werden. Es kommt zu einigen entscheidenden Wendungen und Schauplatzwechseln, und im Wechsel mit den vielen Geheimnissen, die unter der Oberfläche schlummern, entwickelt sich eine Dynamik, die in „Das Geheimnis der Oghams“ noch schmerzlich vermisst wurde. Seinerzeit konnte klar konstatiert werden, dass die guten Ansätze auf jeden Fall noch ausgebaut werden müssen, um „Die Druiden“ im stark besetzten |Splitter|-Programm als Highlight zu etablieren. Mit Band zwei ist in dieser Hinsicht schon ein sehr großer Schritt gemacht worden, dessen Resultat nun bereits eine gleichmäßige Begeisterung für Inhalt, Zeichnungen und Konzept ist.
Kurzum: Mit einer überzeugenden Leistung haben sich Jean-Luc Istin und Thierry Jigourel von der noch mit leichten Schwächen durchsetzten Debüt-Veröffentlichung rehabilitiert und ihrer Serie bereits in der ersten Fortsetzung jene Klasse verliehen, die atmosphärisch schon längst vorhanden war. In dieser Form dürfte „Die Druiden“ relativ bald zum mythischen Höhepunkt im |Splitter|-Programm avancieren.
|Originaltitel: Les druides – Is la Blanche
47 Farbseiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-940864-41-3|
http://www.splitter-verlag.de


















