Archiv der Kategorie: Comics / Graphic Novels

Istin, Jean-Luc / Jigourel, Thierry / Lamontagne, Jacques – Druiden, Die – Band 2: Die weiße Stadt

Band 1: [„Das Geheimnis der Oghams“ 5607

_Story:_

Als ein Junge einen kopflosen Körper auf einem Fuhrwerk entdeckt und seiner Dorfgemeinde von seinen Beobachtungen berichtet, entwickelt sich in Windeseile ein Lynchmob, der die praktizierenden Druiden ins Visier nimmt und sie des Mordes bezichtigt. Als Heiden und Gottesächtende verschrien, macht sich die Gemeinde daran, Rache zu üben und den vermeintlichen Götzenanbetern den Garaus zu machen. Gwenc’hlan erfährt von diesem blutigen Gemetzel zu spät. Noch beschäftigt mit dem jüngsten Fund, einem Anhänger des christlichen Ordens Imperium Die, begibt er sich an den Ort des Geschehens und muss von den anwesenden Soldaten beschwichtigt werden, den dörflichen Mob nicht noch weiter anzustacheln.

Dadurch angespornt, reist der Druide gemeinsam mit dem verbündeten Mönchen Budog und seinem Freund Taran in die weiße Stadt Ys, wo der streng gläubige Gwendole bereits seit längerem die Ankunft des Verderbens predigt. Taran und Gwenc’hlan machen bereits bei ihrer Ankunft Bekanntschaft mit der zwiespältigen Moral, die vor allem von der intriganten Prinzessin Duhad ausgelebt wird. Bei einem Techtelmechtel mit Taran versucht sie sogar, ihren Liebhaber zu meucheln – doch Gwenc’hlan kann Schlimmeres verhindern. Letzterer bemüht sich gleichzeitig um mehr Informationen zum Imperium Die. Doch Gwendole leugnet hartnäckig die Existenz des Ordens. Aber der eigensinnige Mönch von Ys hat offenkundig einiges zu verbergen …

_Persönlicher Eindruck:_

Nachdem die erste Ausgabe der neuen |Splitter|-Serie „Die Druiden“ noch mit einigen inhaltlichen Startschwierigkeiten zu kämpfen hatte, geht es im zweiten, storytechnisch weitaus kompakteren Band durchdachter, vor allem aber auch spannender zu. Die Diskrepanzen zwischen historischer Faktenlage und fiktiver Unterhaltung spielen bei weitem nicht mehr eine solch große Rolle wie bei der Auftaktepisode, derweil gewinnt die Story auch ein nachvollziehbares Format, und da der Spannungsaufbau hier direkt von der ersten Seite beginnend durchgezogen wird, ist die Handlung nicht so sehr damit beschäftigt, Fässer aufzumachen, deren Inhalt noch nicht entsprechend gereift ist.

Insofern sind die Startbedingungen von „Die weiße Stadt“ wesentlich besser als im stellenweise undurchsichtigen Vorgänger, was mitunter natürlich auch damit zusammenhängt, dass man bereits mit den führenden Charakteren vertraut ist. Hinzu kommt der meist unterschätzte Aspekt, dass die Atmosphäre längst aufgebaut ist und diesbezüglich keine weitere Überzeugungsarbeit mehr geleistet werden muss. „Die Druiden“ bleibt von einer mystischen Stimmung umgeben, die sich auch durch die gesamte Entwicklung der Erzählung zieht und vor allem in den raschen Breaks immer wieder ihre Wirkung entfaltet. Dieser Schleier des Unbewussten, Geheimnisvollen fügt sich nahtlos in das von Mythen eingefasste Konzept ein und übt zuletzt sogar einen ziemlich starken Reiz aus.

Auch der Plot selber macht erhebliche Fortschritte. Die Actionlastigkeit der ersten Seiten wird zwar nicht über die komplette Distanz aufrecht erhalten, jedoch macht „Die weiße Stadt“ einen sehr lebendigen Eindruck, unter anderem auch deshalb, weil Hauptakteur Gwenc’hlan mit mehr Leidenschaft ins Fundament eingefügt wird, denn mit seiner Person steht und fällt der Fortschritt der Story. Folgerichtig kann auch eine deutliche Temposteigerung erzielt werden. Es kommt zu einigen entscheidenden Wendungen und Schauplatzwechseln, und im Wechsel mit den vielen Geheimnissen, die unter der Oberfläche schlummern, entwickelt sich eine Dynamik, die in „Das Geheimnis der Oghams“ noch schmerzlich vermisst wurde. Seinerzeit konnte klar konstatiert werden, dass die guten Ansätze auf jeden Fall noch ausgebaut werden müssen, um „Die Druiden“ im stark besetzten |Splitter|-Programm als Highlight zu etablieren. Mit Band zwei ist in dieser Hinsicht schon ein sehr großer Schritt gemacht worden, dessen Resultat nun bereits eine gleichmäßige Begeisterung für Inhalt, Zeichnungen und Konzept ist.

Kurzum: Mit einer überzeugenden Leistung haben sich Jean-Luc Istin und Thierry Jigourel von der noch mit leichten Schwächen durchsetzten Debüt-Veröffentlichung rehabilitiert und ihrer Serie bereits in der ersten Fortsetzung jene Klasse verliehen, die atmosphärisch schon längst vorhanden war. In dieser Form dürfte „Die Druiden“ relativ bald zum mythischen Höhepunkt im |Splitter|-Programm avancieren.

|Originaltitel: Les druides – Is la Blanche
47 Farbseiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-940864-41-3|
http://www.splitter-verlag.de

Stalner, Eric – Legende von Malemort, Die – Band 2: Das Tor des Vergessens

Band 1: [„Unter dem Mondlicht“ 5823

_Inhalt_

Die Inquisition nimmt für Anthea und ihren neuen Gefährten immer groteskere Züge an. Der fanatische Prediger Aymon de Montgarac schwört das Volk auf seine Lehren ein und lässt im Hinblick auf Ketzerei und Unfolgsamkeit brutale Taten sprechen. Doch Aymon und sein führender Scherge Galart werden aus ihren herrschaftlichen Träumen grob herausgerissen, als Graf Colbus de Malemort sich wieder zeigt, jener Untote, der sich seinerzeit mit Arnulf und Malperthuis gegen die Inquisition auflehnte und auf dem Scheiterhaufen landete.

Colbus‘ Rückkehr hat für seine Verfechter jedoch schwere Folgen: Arnulf und Anthea folgen Frau Agnes und Malperthuis in die Gefangenschaft, wo ihnen ein grausamer Tod in den unterirdischen Verliesen des Inquisitors widerfahren soll. Und tatsächlich ergibt sich in den unbelebten, höllischen Kerkern ein Bild des Schreckens. Ausgezehrte Gestalten und die fehlende Hoffnung auf einen Ausweg treiben Anthea schließlich in den Wahnsinn. Doch während sich die schöne Kämpfernatur schon geschlagen gibt, zieht Colbus bereits im Hintergrund die Fäden, um seine alten Gefährten und deren neue Verbündete zu befreien …

_Persönlicher Eindruck_

Es geht voran, erfreulicherweise und zudem mit einer ordentlichen Tempoforcierung. Nachdem der erste Band von Stalners neuer Comic-Reihe „Die Legende von Malemort“ noch einen relativ verhaltenen Einstieg lieferte, werden die vielen kleinen Tücken der Handlung in „Das Tor des Vergessens“ nun schon ein ganzes Stück transparenter dargestellt, so dass die anfänglichen Verwirrungen hier bereits peu à peu aufgehoben werden. Außerdem werden die Verhältnisse unter den einzelnen Protagonisten nun deutlicher; einmal, weil Colbus als Hauptakteur entschiedener in den Plot einschreitet, andererseits aber auch wegen der weitaus durchschaubareren Darstellung der inquisitorischen Gegenseite. Mit Aymon de Montgarac hat Stalner einen klassischen Bösewicht entworfen, ihm mit Galart einen waschechten Fiesling zur Seite gestellt und somit das Gegengewicht zur betont kämpferischen Fraktion der Inquisitionsgegner sehr schön in die Story eingegliedert.

Letztere entwickelt sich derweil immer mehr zur Abenteuergeschichte, die im zweiten Band entschieden mehr Tiefgang aufbaut, im gleichen Maße aber auch im Action-Bereich zulegt. Statt sich auf die philosophische Seite der Kreuzzug-Ableger zu beziehen, lässt der Autor lieber Handgemachtes sprechen. „Das Tor des Vergessens“ zahlt es mit einer angenehmen Lebendigkeit, vielen raschen Wendungen, erstaunlicherweise aber auch mit einer Reduzierung der zuletzt noch von mir angeprangerten Hektik zurück. Die zweite Episode wirkt gefestigter, insgesamt auch souveräner als das leidlich durchwachsene Debüt, was schließlich auch in einer viel homogeneren Einheit von (diesmal nicht mehr ganz so beklemmender) Atmosphäre und Inhalt resultiert. Und dabei ist gerade bei den Stimmungen und Emotionen in „Das Tor des Vergessene“ eine ganze Menge geboten.

Zu guter Letzt hat sich Stalner auch bei den Zeichnungen noch einmal steigern können. Dies hat sicher damit zu tun, dass die Action-Sequenzen schlichtweg mehr Details erfordern, ist aber auch generell darauf zurückzuführen, dass die Gesamtdarstellung einfach stimmiger ist. Damit hat der Autor und Zeichner schließlich die Erwartungen erfüllt und die ersten Befürchtungen größtenteils in den Wind geschossen. Zwar ist „Die Legende von Malemort“ in vielerlei Hinsicht immer noch ausbaufähig – manches Geheimnis wird im zweiten Teil beispielsweise etwas zu schnell aufgelöst -, aber im Hinblick auf den Unterschied, der sich im direkten Vergleich mit dem Vorgängerband ausmachen lässt, bedarf es hier keiner verschärften Kritik mehr. Und das darf man sicher nicht als selbstverständlich empfinden!

Zum Schluss noch eine erfreuliche Info: Der |Splitter|-Verlag hat sich bei diesem Zyklus für eine monatliche Veröffentlichung entschieden. Das bedeutet, dass dank der verkürzten Wartezeiten „Die Legende von Malemort“ bereits im Dezember komplett erhältlich sein wird.

|Originaltitel: Le Roman de Malemort – La port de l’oubli
48 Farbseiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-86869-022-4|
http://www.splitter-verlag.de

Fructus, Nicolas – Thorinth 1: Der Narr ohne Namen

Debütarbeiten auf dem Comicmarkt sind jederzeit eine spannende Sache. Anders als nämlich im bevölkerten Belletristik-Segment lässt sich hier schon viel deutlicher die eigentliche Marschrichtung eines Autors ableiten und somit auch die ihm eigene Kreativität bzw. ein möglicher Hang zur Risikobereitschaft. Im Falle von Nicolas Fructus sind all diese positiven Attribute definitiv vorhanden. Seine erste Serie „Thorinth“ ist ein sehr eigenartiges Phantastik-Gebilde, das strukturell sehr unkonventionell aufgebaut ist und auch inhaltlich eine sehr eigenwillige Mischung aus Philosophie, Science-Fiction, Fantasy und actionreichem Drama abgibt. Oder etwas konkreter: Fructus begibt sich direkt mit seinem ersten Werk auf einen sehr innovativen Weg und gehört – so viel vorab – für seinen Wagemut auch belohnt!

_Inhalt_

Amodef, seines Zeichens Mitglied der Pellegren, die das menschliche Gehirn erforschen, plant den Bau eines gigantisches Turmes, in dessen Labyrinthen er fortan ungestört seiner Arbeit nachgehen kann. Doch die neidische Architektin Esiath missbraucht das Projekt für ihre eigenen Zwecke und treibt das Volk der Pellegren in den Abgrund, als sie einen Golem formt, der mit einem Schlag die Seelen aller Wissenschaftler in der näheren Umgebung aufsaugt – bis auf diejenige Asmodefs, der infolge dessen spurlos verschwindet.

Jahrzehnte später ist Thorinth das Zentrum des menschlichen Chaos‘: Verrückte und verwunschene Seelen werden hierhin verstoßen und gezwungen, sich der Herrschaft des aus dem Golem hervorgegangenen Narrenwächters unterzuordnen. Dieser wiederum wird von den Schnuffels kontrolliert, kleinen Wesen, die sich mit den Insassen verbündet haben, gegen die Ausbrüche des Wächters aber dennoch machtlos sind. Eines Tages dringt ein Mann in Thorinth ein und stellt das innere Gefüge komplett auf den Kopf. Auf der Suche nach seiner Frau Madalis Temroth gerät er mehrfach ins Abseits, erfährt aber immer wieder die Gnade des mutierten Golems. Dennoch soll er gerichtet werden, da die merkwürdigen Verhaltensweisen des Mannes von der Obrigkeit im Turm nicht länger geduldet werden …

_Persönlicher Eindruck_

Wow – hier reift etwas ganz Großes heran! Bereits die ersten Eindrücke dieses hierzulande mit arger Verspätung aufgelegten Fünfteilers („Thorinth“ wurde im Original schon 2002 veröffentlicht) sind gewaltig. Fructus hat hier in wenigen Zügen ein enorm weitreichendes Konzept erstellt, dessen philosophische Anteile hier hinter einem actionreichen Hauptstrang versteckt werden und sich dort mit einer unterschwelligen Gesellschaftskritik mischen, die hier in erster Linie den Missbrauch der Schöpfungsgeschichte betrifft. Doch nicht nur der Komplex im Allgemeinen, sondern auch die einzelnen Fragmenten der Handlung an sich sind sehr detailliert ausgearbeitet und bringen den Leser trotz der nicht abzusprechenden Vertracktheit der Erzählung ziemlich weich in die Geschichte um den Labyrinth-Turm hinein.

Dort wiederum mischen sich die verschiedenen Elemente aus Science-Fiction und Fantasy mit einem Dramen-Szenario à la „Running Man“, monströsen Szenarien im „Dune“-Style und Maskeraden, die auch einem George Lucas gut gefallen könnten. Fakt ist, die Szenerie ist kunterbunt, aber dennoch nicht überladen, weil Fructus das Ganze sehr zielorientiert vorantreibt, nur wenige Einschnitte zulässt und sich nach der ausführlichen Einleitung um das Schicksal Asmodefs nahezu ausschließlich auf die Geschichte des namenlosen Protagonisten konzentriert.

Dieser wiederum ist als Hauptfigur ähnlich ungewöhnlich wie die Handlung als solche, in seinem Vorgehen selten transparent, aber dabei von einer mythischen Aura umgeben, die einen nicht geringen Teil der Faszination einnimmt, die allgemein über „Thorinth“ schwebt. Diese sonderbare, kaum greifbare Atmosphäre, das andersartige, beklemmende Setting, die merkwürdigen inhaltlichen Umbrüche und überhaupt so viele einzelne Aspekte ergeben in ihrer kombinierten Form etwas Außergewöhnliches, dem man schon zum Debüt anmerkt, dass sein Potenzial selbst über das Überdurchschnittliche hinausgeht. Zwar erfüllt „Der Narr ohne Namen“ gewissermaßen auch erst mal nur den Part eines klassischen Auftaktbandes, dies jedoch mit einer Präzision und Detailfülle, die zu diesem Zeitpunkt einer neuen Serie schon ungewöhnlich hoch ist.

Kurzum: Einen besseren Einstand in die Comic-Szene hätte sich Fructus kaum ermöglichen können. Umso dümmer also, dass erst sieben Jahre nach Erstveröffentlichung ein deutscher Vertrieb gefunden wurde – oder Gott sei Dank, wie man nun will …

|Originaltitel: Thorinth: Les fou sans nom
56 Farbseiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-86869-032-3|
http://www.splitter-verlag.de

Stalner, Eric – Legende von Malemort, Die – Band 1: Unter dem Mondlicht

_Inhalt_

Südfrankreich im 13. Jahrhundert: Gerade erst sind die Kreuzzüge gegen die Albigenser in einem blutigen Gemetzel geendet, und dennoch ist die Inquisition in vollem Gange. Auch die junge Anthea führt einen verzweifelten Kampf gegen die Scharfrichter des christlichen Glaubens und lebt als Dirne ebenso gefährlich wie die vielen verschrieenen Ketzer. Während sie sich mit ihren alltäglichen Sorgen herumplagt, stößt sie auf den verletzten Ritter Malperthuis, der von den Inquisitoren verfolgt wird und gerichtet werden soll.

Im Freudenhaus ihrer Mutter kommt es zu einem blutigen Gefecht, dem Anthea so gerade noch entfliehen kann – ohne ihre Mutter, und ohne die kurzzeitige Hoffnung, von Malperthuis mehr über den Verbleib ihres Vaters erfahren zu können.
In den finsteren Wäldern stößt sie auf den vorlauten Zwerg Arnulf, der sich nach anfänglichen Schwierigkeiten ihrer annimmt. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach Antheas Mutter, dem verschollenen Malpethuis und den verblassten Spuren ihrer Vergangenheit. Doch Antheas Heimkehr verläuft alles andere als wünschenswert …

_Persönlicher Eindruck_

Eric Stalner gehört zu den am besten gehüteten Geheimnissen der französischen Comic-Szene. Mit mehr als 50 Ausgaben gehört der geschäftige Autor und Zeichner zu den fleißigsten Arbeitern der letzten beiden Dekaden, und dennoch hat man hierzulande nur wenige Lebenszeichen aus seiner Feder begutachten können. „Die Legende von Malemort“ ist erst sein viertes Werk für den deutschsprachigen Raum und gleichzeitig das Debüt für den viel beachteten |Splitter|-Verlag. Mit „Unter dem Mondlicht“ geht der Sechsteiler nun in die erste Runde – und tut sich zunächst noch relativ schwer.

In der ersten Episode gelingt es Stalner nämlich noch nicht so gut, den Handlungskomplex schlüssig zu eröffnen und Atmosphäre und Story homogen unter einen Hut zu bekommen. Einige Passagen der Geschichte sind zu stark von hektischen Wechseln gezeichnet, die unter anderem auch daher rühren, dass die Charakterzeichnungen bisweilen sehr schwammig sind. Um alle Figuren ranken sich Geheimnisse, so dass man bis dato schwer einschätzen kann, an welcher Stelle welcher Charakter in der Handlung individuell steht. Gerade im Falle von Malperthuis und Arnulf fehlt es an Transparenz, was einerseits sicherlich sinnvoll ist, da die Spannung zu diesem Zeitpunkt noch davon profitiert, andererseits aber auch wieder unbefriedigend wirkt, da die Story aufgrund dieser fehlenden Kenntnisse keine echten Forschritte macht – zumindest was die eigentlichen Hintergründe von „Die Legende von Malemort“ betrifft. Und davon abgesehen tritt der Titelheld auch erst auf der letzten Seite in Erscheinung.

Insofern muss man erst einmal hoffen, dass „Unter dem Mondlicht“ schlicht und einfach nur ein typischer Auftaktband ist, als solcher eine knappe Einleitung in den Plot mit vielen versteckten Hinweisen, die allerdings nur sehr kurz ausgearbeitet sind. Damit verbunden ist aber auch die dringende Erwartung, dass sich die inhaltlichen Entwicklungen dem anständigen Erzähltempo sehr bald anpassen werden und die finstere Grundstimmung sich auch in prickelndem Maße auf das Feeling beim Lesen überträgt. Bis hierhin ist „Die Legende von Malemort“ nämlich nur ganz nett, vielleicht auch lesenswert, aber sicher nicht ausreichend, um dem starken Verlagsprogramm in irgendeiner Form das Wasser zu reichen.

|Originaltitel: Le Roman de Malemort: Sous les cendres de la lune
48 Farbseiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-86869-021-7|
http://www.splitter-verlag.de

Meyer, Kai (Autor) / Krehl, Yann (Skript) / Schlüter, Ralf (Zeichnungen) – Wolkenvolk, Das – Seide und Schwert, Buch 1: Wisperwind

Als Autor historisch angehauchter phantastischer Romane ist Kai Meyer im vergangenen Jahrzehnt nahezu unsterblich geworden. Sein eigenwilliger Stil, seine ausgefallenen Ideen und sein ausgeprägter Hang zu kleinen Extremen zeichnen seine Arbeit in mehr als 40 Werken aus und machen ihn zu einem der wertvollsten modernen Phantastik-Autoren weltweit.

Eine seiner Sternstunden erlebte Meyer mit der Geschichte um „Das Wolkenvolk“. Der Bestseller spiegelte Meyers Vorliebe für das asiatische Wuxia-Kino wider und dabei in erster Linie sein Faible für Streifen wie „A Chinese Ghost Story“ und neuere Geschichten wie „Hero“. Kurz nach dem Release der Hörspiel-Fassungen der Trilogie ist das atemberaubende Werk nun auch für den Comic-Markt adaptiert worden. In drei Doppelepisoden führt Yann Krehl, der für das illustrierte Skript verantwortlich zeichnet, die Leser noch einmal zurück ins Reich der Mitte und somit ins Land der Drachen.

_Inhalt_

Der junge Niccolo lebt mit seiner Schweineherde über den Wolken und hat dort das Erbe seines kürzlich verstorbenen, in den Wolken geächteten Vaters angetreten. Doch das Leben im Himmel ist bedroht; die Ätherpumpen, die das Gerüst der Wolkenlandschaft stabil halten, werden nicht mehr versorgt, da die Drachen auf der Erde keinen Atem mehr zur Versorgung der Maschinen spenden. Der Herzog ist gezwungen, sehr schnell zu handeln, und entsendet daher eine Delegation zu seinem alten Freund Cesare Spini.

Doch in Spinis Heim angekommen, treffen die Ausgesandten nun dessen rebellischen Sohn Niccolo an, der sich nach reiflicher Überlegung dazu durchringt, dem Wolkenvolk zu helfen. Im Auftrag des Herzogs reist er auf die Erde und begibt sich nach China, wo dem Vernehmen nach die Drachen verehrt werden. Doch sein Trip gestaltet sich von Beginn an schwierig. Die wenigen vertrauenserweckenden Personen, denen Niccolo begegnet, wollen von Drachen nichts wissen. Und auch die wilde Nugua, die einst mit den Drachen lebte, ist nicht sofort bereit, ihr Wissen mit dem himmlischen Neuankömmling zu teilen …

_Persönlicher Eindruck_

Comic-Adaptionen populärer Bestseller sind gerade im phantastischen Bereich schon immer eine ziemlich schwierige Sache gewesen, man denke nur an die einzelnen „Drachenlanze“-Umsetzungen oder die ziemlich festgefahrenen „Midkemia“-Interpretationen. Die künstlerische Gabe, die Atmosphäre des Originals zu übernehmen, aber dennoch Freiräume für die individuelle Phantasie zu lassen, indem man die Bilder etwas reizarmer gestaltet, ist nur den wenigsten Comic-Zeichnern vergönnt, die sich im Fantasy-Sektor austoben dürfen. Aber auch die Epik, den Detailreichtum und die Vielschichtigkeit, die nun mal einen phantastischen Roman auszeichnen, in geschnittener Fassung aufzubereiten, ohne dabei wichtige Inhalte außen vor zu lassen, gehört zu den anspruchsvollen Aufgaben, denen beileibe nicht jeder (renommierte) Comic-Künstler gewachsen ist. Eine gesunde Skepsis war also auch beim Debüt zu „Das Wolkenvolk“ angebracht.

Doch das vorsichtige Herantasten an den inhaltlichen Gewaltakt zahlt sich schon nach wenigen Panels aus: Yann Krehl ist es wirklich wunderbar gelungen, die prägnanten Punkte der Story in den Fokus zu rücken und auch entsprechend auszuschmücken. Zwar unternimmt er hier und dort ein paar größere Gedankensprünge und lässt manchen unangekündigten Szenenwechsel ziemlich rapide durchgehen, jedoch hat man zum Ende des immerhin knapp 70 Seiten starken Erstlings tatsächlich das Gefühl, schon mit vielen Infos zur Hauptgeschichte versorgt zu sein, aber trotzdem noch an deren Anfang zu stehen. Die Detailverliebtheit der Romangeschichte wurde eins-zu-eins übernommen, gelegentlich auch sehr stark auf die Zeichnungen umgelegt, aber auch für das Charakterdesign übertragen. Gerade von Niccolo bekommt man zum Auftakt schon ein sehr klares Bild, während sich Nugua und später auch Feiquing langsam ins Setting einfügen, allerdings noch einen leicht mystischen Touch bewahren – doch auch dies gehört zum Konzept der Handlung, die vor Geheimnissen nur so wimmelt und dementsprechend schon zu Beginn mit einem gewaltigen Spannungsbogen aufwartet.

Derweil hat Ralf Schlüter sich zeichnerisch völlig in die Story fallen lassen und ein wahrhaft brillantes Illustrationswerk abgeliefert. Das Ziel, der in Asien angesiedelten Erzählung einen europäischen Stempel aufzudrücken, ohne dabei deren außergewöhnliche Atmosphäre anzukratzen, wurde bedingungslos erreicht. Ferner sind die Zeichnungen nicht mit Inhalten überwuchert, sondern bleiben basisch und fokussiert, was sich im Rahmen der komplexer werdenden Story auch langfristig auszahlen sollte. Und schließlich sollte Fantasy ja auch dazu anregen, zwischen den Zeilen zu lesen und gedanklich selber Bilder zu erschaffen, die über das Gesehene hinausgehen. Die nötigen Freiräume hat Schlüter dem Publikum jedenfalls überlassen.

Bliebt also fürs Erste festzuhalten, dass „Wisperwind“, der erste von zwei Teilen des ersten Buches „Seide und Schwert“, eine fantastische Comic-Adaption ist, welche die Magie des Originals aufnimmt und neu interpretiert. Glückwunsch dem Viergespann Krehl, Schlüter, Gotta und Schulz, das es bereits jetzt geschafft hat, jegliche Skepsis, den Transfer der Story betreffend, wegzuwischen.

|66 Farbseiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-939823-99-5|
http://www.splitter-verlag.de
http://www.kai-meyer.com

Mehr von Kai Meyer auf |Buchwurm.info|:

[Interview mit Kai Meyer]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=11
[„Dschinnland“ 5340 (Die Sturmkönige 1, Buchfassung)
[„Dschinnland“ 5635 (Die Sturmkönige; inszenierte Lesung zu Band 1)
[„Wunschkrieg“ 5744 (Die Sturmkönige 2, Buchfassung)
[„Wunschkrieg“ 5641 (Die Stürmkönige; inszenierte Lesung zu Band 2)
[„Die Wellenläufer“ 3247 (Hörbuch)
[„Die Muschelmagier“ 3252 (Hörbuch)
[„Die Wasserweber“ 3273 (Hörbuch)
[„Der Brennende Schatten“ 4506 (Hörspiel)
[„Die Vatikan-Verschwörung“ 3908 (Hörspiel)
[„Frostfeuer“ 2111 (Hörbuch)
[„Die Alchimistin“ 73
[„Das Haus des Daedalus“ 373
[„Der Schattenesser“ 2187
[„Die Fließende Königin“ 409
[„Das Buch von Eden“ 890 (Hörbuch)
[„Das Buch von Eden“ 3145
[„Der Rattenzauber“ 894
[„Faustus“ 3405
[„Seide und Schwert“ 3558 (Das Wolkenvolk 1, Hörbuch)
[„Lanze und Licht“ 4549 (Das Wolkenvolk 2, Hörbuch)
[„Drache und Diamant“ 4574 (Das Wolkenvolk 3, Hörspiel)
|Die Alchimistin – Das Hörspiel:|
1) [„Der Stein der Weisen“ 5052
2) [„Das Erbe des Gilgamesch“ 5155
3) [„Die Katakomben von Wien“ 5220
4) [„Das Kloster im Kaukasus“ 5263
5) [„Die Unsterbliche“ 5379
6) [„Die Schwarze Isis“ 5406
7) [„Der Schatz der Templer“ 5427
8) [„Der Alte vom Berge“ 5448

Dufaux, Jean / Xavier, Philippe – Qa\’Dj, Der (Kreuzzug 2)

Band 1: [„Simon Dja“ 5720

_Story:_

Die Kreuzritter rüsten sich zu einem entscheidenden Gefecht gegen den Islam, um Hierus Halem und den Leib des Erhabenen X3 zurückzuerobern. Die jüngste Niederlage nagt immer noch stark am Herzog von Tarent, der den gefallenen Gregor von Arkos beerbt hat und nun auch um das Herz von dessen Tochter Eleonore ringt. Ihr Ehemann Gunther von Flandern stellt sich diesem irrsinnigen Vorhaben entgegen und ersucht um ein Bündnis mit den Juden von Samarand. Doch sein Vorhaben erweist sich als nervenaufreibender Geduldsakt, da der mächtige Aar in den Kerkern von Samarand lebt und nur darauf wartet, das Schicksal des Herren von Flandern so zu besiegeln, wie er es einst auch mit seinem Vater getan hatte.

Während das Heer der verbündeten Christen mit der Unterstützung des Herrn der Maschinen eine bestialische Invasion gegen die Machthaber in Hierus Halem vorbereitet, kämpft Günther in den finsteren Gewölben der Gebirge gegen einen bekannten Feind und gleichsam mit seiner Vergangenheit …

_Persönlicher Eindruck:_

Im zweiten Band seiner – so viel steht inzwischen fest – auf vier Episoden angelegten „Kreuzzug“-Serie geht Jean Dufaux ein ziemlich hohes Risiko ein. Statt die Wirren des ersten Bandes ein wenig aufzulösen und die Handlung ein ganzes Stück zielstrebiger zu arrangieren, geht der Autor den Weg des größten Widerstands und zerrt die Story um den Krieg zwischen Christen und Islam noch weiter auseinander. Die Protagonisten verlieren infolge dessen immer deutlicher ihren Halt innerhalb des Plots, und auch wenn Dufaux sich redlich bemüht, seine Charaktere stählern zu formen und ihnen einige eigenwillige Charakteristika zu verpassen, verlieren sich die fokussierteren Anläufe ganz schnell wieder im Wust der Fakten, von denen die Geschichte immer und immer wieder überwuchert wird.

Letztgenanntes Problem ist schließlich auch die dominante Schwierigkeit in „Der Qa’Dj“. Es passiert schlicht und einfach zu viel, als dass die Story die Masse an Informationen verarbeiten könnte, ohne auf Dauer zu komplex zu werden. Die Komplexität ist im Endeffekt auch nicht der Punkt, an dem der zweite Band zu scheitern droht. Es ist vielmehr die Tatsache, dass die Handlung mit einzelnen Strängen gefüllt wird, inhaltlich aber keine echten Fortschritte erzielt. Gunthers persönliches Schicksal wird dramatisch inszeniert, dabei aber nahezu ohne bleibende Eindrücke weitergeführt, während der Krieg zwischen den Verteidigern Hierus Halems und dem Heer der Kreuzritter zwar im Hintergrund präsent ist, doch viele kleine Einschübe auch immer wieder ins Gewissen gerufen wird, als zentraler Punkt der Erzählung aber überhaupt nicht funktioniert. Hinzu kommt schließlich noch der Aspekt, dass unzählige weitere Figuren neu hineindrängen und das Mysterium, das hinter all den undurchdringlichen Verbindungen steckt, nur noch verhärten – nur eben mit dem folgenschweren Effekt, dass die Übersicht über den Hergang der Dinge peu à peu verloren geht.

Zumindest in der illustrativen Sektion hat „Kreuzzug“ zugelegt. Philippe Xavier hat die Kulissen stimmiger und detailverliebter entworfen und damit den relativ simplen Strich des vorherigen Bandes wieder ein Stück weit ausradiert. Diese Verbesserung geht aber leider auf Kosten einer überforderten Story, die mit den besseren Vorgaben nur noch schwerlich zurecht kommt und die anständigen Eindrücke auf zeichnerischem Gebiet kaum bestätigen kann.

Dufaux rennt leider auch mit „Der Qa’Dj“ in eine Sackgasse und wird alle Hände voll zu tun haben, mit den verbleibenden zwei Kapiteln das längst in den Brunnen gefallene Kind wieder zu retten. Beim deutlichen Mangel an Souveränität, der bislang sehr präsent war, bleibt jedenfalls zu bezweifeln, dass der „Kreuzzug“ von Erfolg gekrönt sein wird.

|Originaltitel: Croisade – Le qa’dj
56 Farbseiten
ISBN-13: 978-3-940864-38-3|
http://www.splitter-verlag.de

Dufaux, Jean / Xavier, Philippe – Simoun Dja (Kreuzzug 1)

_Inhalt:_

Nach ihrer furchtbaren Niederlage bei Jaffa haben die Christen ein neues Heer zusammengezogen, um die Heilige Stadt endlich aus der Regentschaft des Sultans Ab’Dul Rasim zu befreien. Gregor Von Arkos führt ein üppiges Heer in die Schlacht und weiß den Herzog Von Tarent und den Primas von Venedig auf seiner Seite. Doch schon vor Beginn der kämpferischen Auseinandersetzungen kommt es zu internen Querelen: Arkos‘ Schwiegersohn Gunther von Flandern verweigert seine Teilnahme an der seiner Meinung nach bereits verlorenen Schlacht. Gegen die Überzeugung seiner Gattin Eleonore entzieht er sich der Gefolgschaft, wohl wissend, dass der Feldzug gegen den Sultan sich zum Debakel entwickeln wird.

Letzterer wiederum erhofft sich Unterstützung beim Mufti von Alkar, der ihm seine Hilfe zusagt, den Preis für den vernichtenden Schlag gegen das Heer der Christen aber nicht preisgibt. Erst als der teuflische Qa’dj sein finsteres Antlitz zeigt und dem Sultan offenbart, welchen Tribut er für den Eingriff in den ungleichen Kampf entrichten muss, wird Ab’Dul Rasim bewusst, auf welch diabolischen Pakt er sich eingelassen hat.

_Persönlicher Eindruck:_

Es ist eigentlich erstaunlich, dass eines der zuletzt wichtigsten literarischen Themen in der Comic-Branche noch nicht so viel Zuspruch bekommen hat. Die Verschwörungstheorien um die Kreuzzüge, ihre Folgen und ihre Bedeutung für die Entwicklung der westlichen Religion haben nicht erst seit Dan Browns Megaerfolg einen unheimlich hohen Stellenwert bekommen und in allen Zweigen der Mystery-Literatur feste Wurzeln geschlagen. Abgesehen von einigen mehr oder minder spektakulären Ausnahmen ist es in der illustrierten Szene aber merklich ruhig um dieses Thema geblieben – höchste Zeit also, diesen Umstand zu ändern!

Mit „Kreuzzug“ hat sich der französische Autor Jean Dufaux nun an ein Konzept herangewagt, welches die klassische Legende der Kreuzzüge mit einem ordentlichen Schuss Fantasy mixt und dem Ganzen auch noch eine kleine Prise Horror beimengt. Keine typischen Elemente, mag hier der erste Gedanke sein, und dennoch sind die Rahmenbedingungen, in denen Christen und ihre zahlreichen Gegner in dieser Geschichte gegeneinander antreten, wie geschaffen für einen spektakulären Comic-Event.

Der einzige Haken an der Sache: Die Story selbst ist über weite Strecken verkopft und unnötig komplex. Und die Folge: Die wirklich starken Charakterzeichnungen können sich nicht entsprechend entfalten und hinterlassen letzten Endes nicht den bleibenden Eindruck, für den sie durchaus das Potenzial hätten – aber alles in allem sind die Handlungs-Arrangements im ersten Band „Simoun Dja“ noch zu unschlüssig und können dem hohen Anspruch, den Dufaux seinem Tribut an die Kreuzzüge selber auferlegt, nur in den wenigsten Passagen gerecht werden. Immerhin, der Plot strotzt nur so vor überraschender, sehr schneller Wendungen und hält wenigstens eine Spannungskurve aufrecht, die bis zur letzten Seite recht steile Formen annimmt. Doch Dufaux geht währenddessen einfach zu oft der Blick fürs Wesentliche verloren, so dass außer viel Action nur wenige prägnante Inhalte haften bleiben.

Sein Sidekick Philippe Xavier präsentiert sich parallel hierzu auch nicht gerade von seiner Zuckerseite. Die meisten Illustrationen sind schlicht und einfach zu gewöhnlich und lassen die Detailschärfe vermissen, die beispielsweise noch seine Arbeit in [„Das verlorene Paradies“ 4045 präsentieren konnte. Merkwürdigerweise liegen auch seine Stärken ausschließlich bei der Darstellung der Figuren, wohingegen die Kulissen und Hintergründe nicht viel Aufregendes zu bieten haben.

Zumindest in dieser Hinsicht ist das Gesamtbild harmonisch: Der Rahmen ist anständig, der Tiefgang allerdings nur gering ausgeprägt. Die zweite, ebenfalls schon veröffentlichte Episode wird hier noch eine Menge Rehabilitationsarbeit leisten müssen, um diese Mängel wieder aufzuarbeiten. Bis hierhin ist „Kreuzzug“ aber nur in Teilen überzeugend und erfüllt die Erwartungen an dieses Thema nur ansatzweise.

|Originaltitel: Croisade – Simoun Dja
56 Farbseiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-940864-37-6|
http://www.splitter-verlag.de

Gaudin, Jean-Charles / Danard, Jean-Paul – Marlysa (Band 8): Der Waltras – Episode 2

Band 6: [„Die Lebensfrau“ 3373
Band 7: [„Der Waltras“ 3860

_Inhalt:_

An der Seite ihres eigentlichen Widersachers Lord Dormunt reist Marlysa durch die Welt der Amazonen und sucht nach dem letzten verblieben Dolch und Dormunts Gattin Mylia, die seit geraumer Zeit verschwunden ist. Das Gespann um die maskierte Turnierkämpferin gerät hierbei in den Hinterhalt der schwarzen Amazonen, die längst alle drei Dolche in ihren Besitz gebracht haben und durch die Naivität ihrer Anführerin Selsya den Waltras erwecken.

Doch das Biest zeigt sich wenig dankbar und schlägt eine Schneise der Verwüstung durch den Dschungel. Marlysa kann nicht viel ausrichten und ist zudem noch an Dormunt gebunden, der ihr ein tödliches Gift injiziert hat. Lediglich Selsya, die den Waltras erst wieder ins Leben zurückgeholt hat, wäre in der Lage, die Bestie aufzuhalten und wieder ins Jenseits zu befördern – doch Selsya liegt schwer verletzt in einem komatösen Schlummer und ringt mit dem Leben …

_Persönlicher Eindruck:_

Der achte Band der zuletzt für längere Zeit ruhenden Serie um die rebellische „Marlysa“ beschließt gleichzeitig den zweiteiligen Waltras-Zyklus und zeigt sich dabei als richtungsweisend für die Zukunft der gesamten Reihe. Wie sich nämlich hier eindrucksvoll herausstellt, profitiert die Handlung merklich davon, auf zwei Ausgaben aufgeteilt zu werden, was sich einerseits im viel entspannteren, kaum getriebenen Erzähltempo niederschlägt, andererseits aber auch in der deutlich gesteigerten Detailfülle offenbart, die wiederum in vielen kurzen Story-Breaks kontinuierlich aufgefrischt wird. Die Geschichte bleibt zwar im Großen und Ganzen strikt linear und zielstrebig, verfällt jedoch keiner Hektik und eröffnet Freiräume für willkommene Ausschmückungen, vor allem auf der Ebene der Emotionen bei den Charakteren.

Unterdessen ist der Inhalt eigentlich relativ typisch, gleichzeitig aber auch mit einem stillen Hinweis auf Marlysas Vergangenheit verknüpft, wodurch die komplette Story natürlich noch einen weiteren Reiz erhält. Zwar hält sich Autor Jean-Charles Gaudin mit allzu deutlichen Anspielungen spürbar zurück, doch alleine schon die Tatsache, dass die Protagonistin (für alle Leser unsichtbar) ihre Maske fallen lässt, ist ein Indiz dafür, das man mit größten Ambitionen und Zielen an die Konzeption dieser illustrierten Erzählung herangegangen ist – und das merkt man der zweiten Episode von „Der Waltras“ auch beständig an.

Erwähnenswert ist ferner noch der anständige Humor, in den die grundsätzlich recht ernste und nicht selten auch brutale Story eingebettet ist. Dies zeigt sich in der Mimik der Hauptdarsteller ebenso wie in einigen Dialogen, die den eigentlich doch sehr relaxten Charakter der Serie perfekt wiedergeben. Man könnte fast sagen, Gaudin ist sich voll und ganz treu geblieben, hat sich aber vor diesem Hintergrund an ein kleines Experiment herangewagt – nämlich einen Zweiteiler – welches ihm schließlich auch sehr gut geglückt ist. Und auch wenn „Marlysa“ in ihrer bisherigen Comic-Historie noch nie wirklich bedenkliche Episoden hervorgebracht hat, scheint die aktuelle Vorgehensweise doch ein lohnenswertes Zukunftsmodell zu sein, das man bis dato als Highlight dieser Reihe bezeichnen darf. Lange Rede, kurzer Sinn also: Egal ob als Einführung oder Erweiterung – wer „Marlysa“ von ihrer besten Seite erleben möchte, sollte die Doppelfolge „Der Waltras“ auf jeden Fall kennen lernen!

|Originaltitel: Marlysa – Le Waltras
47 Farbseiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-939823-31-5|
http://www.splitter-verlag.de

Istin, Jean-Luc / Jigourel, Thierry / Lamontagne, Jacques – Druiden, Die – Band 1: Das Geheimnis der Oghams

_Story_

Zum Ende des fünften Jahrhunderts in der heutigen Bretagne: Die Stämme der Druiden sind vom Aussterben bedroht und scheinen den ständigen Auseinandersetzungen religiöser Gruppierungen und fanatisch Machtbesessener endgültig zum Opfer zu fallen. Der Glaube an die Magie wird schon längst nicht mehr von Mund zu Mund überliefert, als einer der Letzten seines Volkes, der legendäre Druide Gwenc’hlan, von einem befreundeten Glaubensbruder eingeladen wird, einige seltsame Ereignisse zu analysieren. Drei rätselhafte Morde erschüttern zwei eng miteinander verbundene Klöster. Allesamt wurden die Mönche enthauptet und gepfählt und schließlich mit einigen rätselhaften Symbolen versehen, deren Handschrift die der Druiden ist.

Gwenc’hlan und sein junger Schüler Taran sind erschüttert über die Verdächtigungen des Abts Gwenole, machen sich aber sofort daran, der mysteriösen Spur nachzugehen, um den angekündigten Untergang der Druiden durch die Hand der Glaubensbrüder zu verhindern. Doch nur Bruder Budog ist von der Unschuld der Druiden überzeugt und führt die beiden Freunde zum abstinent lebenden Bruder Ronan – doch der liefert den beiden einige noch schlimmere Erkenntnisse …

_Persönlicher Eindruck_

Ein schwieriges Thema, das sich die beiden Autoren Jean-Luc Istin und Thierry Jigourel da ausgesucht haben: ein historischer Comic, der jedoch gar nicht so historisch sein, die Stimmung eines elementaren Zeitalters aber dennoch authentisch wiedergeben soll – genau das steckt hinter „Die Druiden“, einem Dreiteiler, in dem einige verschollene Mythen wieder zum Leben erweckt werden sollen, um die Grenzen zwischen Realität und Fiktion auch in der illustrierten Kunst noch besser verweben zu können. Und was das betrifft, leistet der Auftaktband „Das Geheimnis der Orghams“ schon einmal richtige Schwerstarbeit …

Schwerstarbeit bedeutet in diesem Sinne jedoch, dass sich die Story im Aufbau und der Entwicklung der Handlung stellenweise wirklich schwertut, da die aneinandergereihten Fakten in dieser Form nicht immer einen ausgedehnten Spannungsbogen ergeben. Nachdem die ersten Szenen sich bereits mit der geheimnisvollen Mordserie beschäftigt haben und die kurzen Schwenks zu den Druidenstämmen schon eine ganze Menge verheißen, geht die Geschichte in der zweiten Hälfte dieser ersten Episode nur sehr schleppend voran. Die beiden Autoren nehmen sich recht viel Zeit, die Charaktere etwas näher vorzustellen, was an sich betrachtet auch völlig in Ordnung ist, den Erzählfluss aber dennoch ein wenig hindert. Gerade die Anfeindungen der einzelnen Glaubensbrüder gehen ein wenig unter, sind dabei aber maßgeblicher Teil des Plots und der Nährboden für die sich schleunigst anbahnenden Konflikte. Aber auch die Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Protagonisten sind nur relativ sporadisch aufgearbeitet und können der Geschichte nicht die nötige Brisanz unterjubeln. Erst wenige Sequenzen vor der Schlussszene bahnt sich etwas mehr Spannung an, die schließlich über einen gekonnten Cliffhanger die Hoffnungen für das nächste Kapitel von „Die Druiden“ wieder vergrößern.

Die wahre ‚historische‘ Inspiration, von der Istin und Jigourel in ihrem leicht verwirrenden Vorwort sprechen, scheint aber eher dem Eco-Roman „Der Name der Rose“ entliehen zu sein. Die Schauplätze, der Hintergrund und selbst manche Figuren gleichen den Inhalten aus dem viel gerühmten und kongenial verfilmten Bestseller und stellen den Leser phasenweise auf eine harte Probe. Viele Rezitationen und manchmal auch erwartete Wendungen ziehen sich durch den 48 Seiten starken Debütakt und hinterlassen einen zwiespältigen ersten Eindruck. Einerseits gelingt es dem Team nämlich, eine prächtige Atmosphäre zu kreieren und diese mit brillanten Zeichnungen zu unterlegen. Anderseits schleppt sich die Handlung an manchen Stellen etwas unbeholfen vorwärts und stützt sich zudem noch auf einige allzu vertraute Arrangements. Nun denn, lesenswert ist „Das Geheimnis der Oghams“ allemal; ausbaufähig ist das Ganze aber definitiv ebenfalls!

|Originaltitel: Les druides – Le mystère des Oghams
48 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-940864-40-6|
http://www.splitter-verlag.de

Matena, Dick (Autor) / Lawrence, Don (Zeichner) – Storm 4: Die grüne Hölle

Band 1: [„Die tiefe Welt“ 5563
Band 2: [„Der letzte Kämpfer“ 5562
Band 3: [„Das Wüstenvolk“ 5564

_Story_

Mit ihrem neuen Gefährt, einem fortschrittlichen Aero-Gleiter, navigieren Storm und Rothaar durch eine Dschungellandschaft, in der sie von einigen Raubvögeln angegriffen und auf unsanfte Art und Weise getrennt werden. Während Rothaar von einer Horde mutierter Gestalten angegriffen wird, landet Storm im Baumhaus des respektierten Oldie, der in den Ebenen einer Dschungelstadt noch einen gewissen Respekt genießt. Als eine Horde wilder Affen die Hütte jedoch angreift, kann Storm nur noch mit Hilfe eines rebellischen Menschenaffen fliehen, bleibt allerdings bewusstlos zurück.

Derweil gerät Rothaar in die Hände des fiesen Toriander, der offensichtlich auf ein paar Überbleibsel der Erde im 21. Jahrhundert gestoßen ist und sich mit einer Schusswaffe eine Machtposition im Dschungel gesichert hat. Als Storm jedoch aufkreuzt, um seine Gefährtin wieder aufzulesen, ist der Strahler ihr kleinstes Problem. Auf ihrer erneuten Flucht stoßen die beiden nämlich auf eine viel weiter entwickelte Zivilisation, die zweifelsohne direkt mit dem Untergang der Erde vor Storms Expedition zum Jupiter in Verbindung steht.

_Persönlicher Eindruck_

Nach nunmehr bereits vier Ausgaben des neu aufgelegten Comic-Klassikers „Storm“ feiert die Serie eine neue Premiere. Entgegen aller vorschnellen Befürchtungen wird der Plot aber nicht schon wieder von einem neuen Autor übernommen; stattdessen beziehen sich die Änderungen auf das erweiterte Storykonzept, welches jetzt erstmals einzelne Rückschlüsse darauf zulässt, was tatsächlich geschehen ist, während Storm auf seiner Expedition zum Jupiter ein Jahr der Erde fernblieb.

Bevor es jedoch so weit ist, erlebt der Leser eine weitere actionreiche Episode, die sich einerseits zwar an den bereits bekannten, ja fast schon üblichen Strickmustern der Serie orientiert, andererseits aber wieder für eine Menge richtig guter Unterhaltung sorgt. Wieder einmal müssen sich Rothaar und Storm gegen eine Horde arroganter primitiver Wesen durchsetzen und gehen wie auch schon im letzten Teil weitestgehend getrennter Wege.

Interessant ist hierbei vor allem die untergeordnete Episode um Storm, der einem sprechenden Affen gegenübersteht und erstmals Zweifel darüber entwickelt, ob die Welt, in die er zurückgekehrt ist, tatsächlich nur über das geringfügige Know-how verfügt, das ihm vorgespielt wird. Kurze Zeit später erhält er schließlich eine ziemlich harte, in dieser Form sicher auch überraschende Antwort auf seine bislang gehegten Vermutungen. Er ist mitnichten in einer Zeitschleife gelandet, die ihn in die Vergangenheit des irdischen Zeitalters zurückkatapultiert hat. Stattdessen ist die Antwort viel plausibler und drängt die Serie erstmals richtig in die Science-Fiction-Ecke – wo sie aufgrund der längst offensichtlichen „Star Trek“-Affinität aber eigentlich schon von Anfang an hingehört.

Abgesehen vom klaren Wandel der Hauptstory ist „Die grüne Hölle“ aber auch für sich betrachtet eine richtig spannende Geschichte und als solche diejenige im bisherigen Releaseplan, deren Wendungen und Inhalte bis zuletzt am wenigsten vorhersehbar gewesen sind. Dies liegt vorrangig daran, dass die Bösewichte diesmal häufiger wechseln und die Quelle allen Übels im aktuellen Fall nicht sofort auszumachen ist. Dennoch ist der Schritt in den letzten Szenen sehr gewagt, denn es ist ein endgültiger, der den Fortgang der Story maßgeblich beeinflussen wird. Andererseits war er letzten Endes auch nötig, um die Handlung frisch zu halten und sie dauerhaft auch vorwärts zu bringen. Irgendwann musste zwangsläufig mehr kommen als einfach nur neue Landschaftsabschnitte mit ihren individuellen Tücken. Matena hat erstmals auch am Background gearbeitet und somit die Weichen für eine noch interessantere, aber eben auch handlungstechnisch andersartige Zukunft gerichtet. Ergo ist „Die grüne Hölle“ eine Schlüsselepisode innerhalb der Serie – aber eben auch eine, die diese Aufgabe überzeugend und mit einer richtig starken, noch nicht abgeschlossenen Story bewältigt!

So außergewöhnlich die Handlung, so speziell ist am Ende auch das Bonusmaterial, in dessen Info-Teil man noch einmal intensiver auf die Rolle Matenas im „Storm“-Universum eingeht. Und wie gehabt folgt auf der letzten Seite auch ein weiterer exklusiver Druck. Summa summarum: Hier dürfte jeder „Storm“-Fan wieder restlos glücklich werden!

|Originaltitel: Storm – De Groene Hel
64 Seiten Farbdruck, gebunden
ISBN-13: 978-3-940864-51-2|
http://www.splitter-verlag.de/

Niles, Steve / Ruth, Greg – Freaks of the Heartland

So weit das Auge reicht, sieht man Farmland. Ab und zu mischen sich ein paar einsame Bäume, Holzzäune und windschiefe Häuser ins Bild. Ein Schuss fällt, vielleicht auch nur die Fehlzündung eines Traktors, und ein Schwarm Krähen fliegt auf und davon in den schmierig-grauen Himmel. Ödnis pur. Wir schreiben die „gute, alte Zeit“, wann auch immer die gewesen sein mag. Vielleicht regiert gerade Präsident Truman, vielleicht auch schon Eisenhower, so genau interessiert das hier niemanden, es ist auch nicht wichtig an einem Ort, an dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Ein Stück Ende der Welt, ohne Handys, Faxgeräte oder Farbfernseher. „Freaks of the Heartland“ porträtiert den mittleren Westen der USA in den düstersten Farben.

Die Geschichte ist nicht nur das düstere Porträt eines Landstrichs, sondern auch einer Familie. Autor Steve Niles [(„30 Days of Night“) 4307 bewegt sich bei der Skizzierung der Figuren hart an der Grenze zu Klischees und Stereotypen: Daddy ist ein Trinker, Mommy wird geschlagen, und Sohnemann Trevor zieht den Kopf ein, so gut es geht. Und in der Scheune, versteckt vor dem Licht der Welt, lebt Will. Er ist von Geburt an anders, unnatürlich groß und kräftig, mit einem Wasserkopf – ein Freak. Die Farmer der Gegend, insbesondere sein eigener Vater, halten ihn für ein Monster, eine Ausgeburt der Hölle, und wollen ihn töten. Brüderchen Trevor hat jedoch was dagegen.

„Freaks of the Heartland“ handelt von der Doppelmoral einfacher Leute. Wer am lautesten „Monster!“ schreit, ist häufig selber eines. Die Geschichte wurde schon oft erzählt und ist spätestens seit „Frankenstein“ ein klassisches Horrorthema. Handlung gibt es bei „Freaks of the Heartland“ so wenig, dass man den Plot fast als statisch bezeichnen könnte. Das macht aber nichts, weil dieses Weniger an Handlung einem Mehr an Atmosphäre zugute kommt. Die wird in erster Linie durch die fabelhaften Bilder von Greg Ruth erzeugt: Dunkle Farben, viel Schatten, ein außerordentlich realistischer, leicht verwischter Strich. Die Qualität der Handlung ist nicht überragend, die der Bilder hingegen schon. Weil es wenig Text gibt, liest sich „Freaks of the Heartland“ recht schnell. Seine Wirkung entfaltet der Band dennoch. Es ist wahrhaftig eine Bilder-Geschichte, unterhaltsam und unheimlich, mit nicht mehr Text als unbedingt nötig. Atmosphärischer und gradliniger Horror, von dem man sich mehr wünscht.

|167 Farbseiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-936480-89-4|
http://www.cross-cult.de

Bichebois, Manuel (Autor) / Poli, Didier (Zeichner) – Kind des Blitzes 2: Wo sich die Winde kreuzen

Band 1: [„Blutsteine“ 5557

_Story_

Algärd und seine Armee stürmen Laiths Heimatdorf und machen den versteckten Ort der wäldlichen Idylle mit einem Schlag dem Erdboden gleich. Nur knapp gelingt es dem kaum akzeptierten Jungen mit den besonderen Fähigkeiten, vor der brutalen Hand seiner Jäger zu fliehen, allerdings kann er die Schuldgefühle seiner neuen, ermordeten Familie gegenüber in der Folgezeit nicht mehr abschalten. Laith macht sich für das Attentat verantwortlich und wird zunehmend verbitterter, bekommt jedoch die Chance, einen Teilschaden wieder gutzumachen, als es ihm gelingt, die ebenfalls geflohenen Kinder, seine alten Freunde, mit einem Luftschiff zu retten. Und auch Algärd bekommt seine gerechte Strafe, als die Hoheit von Medillum über sein menschenverachtendes Treiben informiert wird und ihn infolge dessen vor ein Kriegsgericht stellen möchte.

Doch das Chaos will nicht enden: Eine weiterer Anfalls Laiths bringt das Luftschiff zum Absturz und versetzt ihn für Wochen in Bewusstlosigkeit. Und während die Kinder an einem fremden Ort langsam wieder zu sich kommen und die Vergangenheit verarbeiten, schmiedet der angeklagte Heeresführer bereits wieder Pläne, wie er seiner Verurteilung aus dem Weg gehen kann …

_Persönlicher Eindruck_

In der zweiten Episode von Manuel Bichebois‘ erfolgreichem Comic-Debüt „Kind des Blitzes“ geht es gleich noch eine ganze Spur turbulenter zu als noch im vielversprechenden Auftaktband. Die Geschichte wird zunehmend düsterer und gewinnt vor allem an Tragik, im Zuge dessen aber auch an kleinen Grausamkeiten. Mit dem Angriff auf das Dorf im Wald ändert sich nicht nur die Ausgangslage für die Story, sondern auch der gesamte Background der Charaktere und letzten Endes natürlich auch derjenige des Protagonisten Laith. Der heranwachsende Jugendliche spürt langsam eine Art Hass in sich aufkeimen, der von ständigen Selbstzweifeln genährt wird und ihn als Person auffällig verändert.

Allerdings lässt der Plot vorerst kaum Freiräume für drastische Charakterentwicklungen, da das Tempo nach wie vor übermäßig hoch ist und der Autor geradezu von Schauplatz zu Schauplatz rast, um nur die wichtigsten Inhalte unterzubringen. Zwischenzeitlich stellt sich daher dann doch mal die Frage, ob Bichebois die Handlung nicht besser auf vier Episoden angesetzt hätte. Immerhin durchlebt Laith hier nicht nur kleine Abenteuer, sondern permanent brisante, lebensgefährliche Gefechte.

Mit etwas Distanz wird man jedoch feststellen, dass der neue Stern am französischen Comic-Autoren-Himmel wieder alles richtig gemacht hat, da sich die durch die kurze Hektik bedingten Ungereimtheiten schnell in Luft auflösen und die Story schlicht und einfach diesen rasenden Fortschritt braucht, um den hohen Level zu halten. Dies zeigt sich eben gerade in jenen Szenen, in denen potenziell mal ein paar Atempausen möglich wären bzw. die mit etwas mehr Dialog und weniger Action gefüllt sind. Auch wenn hier der Tiefgang definitiv nicht vermisst wird, wartet man regelrecht darauf, dass sich die Ereignisse weiter in Bewegung setzen und Laith und seine unzähligen Gegenspieler wieder hervortreten, um ihre Pläne zu forcieren.

Unterstützt wird das Ganze von der zunehmend finsteren Atmosphäre, die sich erneut sehr stark in den Illustrationen widerspiegelt, aber auch in den schicksalhaften Momenten der Story reflektiert ist. Entscheidende Todesfälle, Vergeltungsakte und eine allgemeine Verbitterung markieren ihren Pfad durch die Geschichte und manifestieren sich in dieser zweiten Ausgabe sehr deutlich als prägendes Element. Die Geschichte profitiert hiervon insofern, als wirklich jeder Schritt absolut authentisch wirkt und man zu keiner Zeit an der Glaubwürdigkeit von Personen und Plot zweifeln muss – und auch das ist für eine Fantasy-Darbietung durchaus beachtlich.

Ein letztes entscheidendes Merkmal, welches schließlich auch „Wo sich die Winde kreuzen“ zu seiner Besonderheit verhilft, ist die Unberechenbarkeit in allen Perspektiven. Natürlich ist hiermit in erster Linie die Handlung gemeint, doch auch im Bereich der Zeichnungen geht Didier Poli den ideenreichen Weg seines Texters mit und wandelt das illustrierte Gesamtbild chamäleonid immer wieder der Stimmung der Story entsprechend. Ähnlich wie auch schon im Debüt-Band kann man daher nur staunen, wie viel Input in und zwischen den Bildern untergebracht wird und wie die vielen Inhalte miteinander verschmelzen. Hier und dort mag es vielleicht etwas zu schnell vorangehen, doch was die generelle Entwicklung von „Kind des Blitzes“ anbelangt, bleibt auch beim mittleren Part nur ein Fazit: Dieser Comic ist ein kleines Meisterwerk!

|Originaltitel: L’enfant de l’oracle – La croisée des vents
47 Farbseiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-940864-26-0|
http://www.splitter-verlag.de

Moore, Alan – WildC.A.T.S 2: Bandenkrieg

WildC.A.T.S 1: [„Heimkehr nach Khera“ 4689

Wer Comics liest, kennt Alan Moore. Der Großmeister mit dem Vollbart und dem lilafarbenen Zylinder verfasste Meilensteine der Comic-Literatur wie zum Beispiel „From Hell“, „Watchmen“, „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ oder „V wie Vendetta“. Zwischendurch hat er auch im |WildStorm|-Universum mitgemischt.

Bei |Panini| erschienen im letzten Jahr zwei Bände, die schon etwas älter sind und auf das Konto der britischen Comic-Legende gehen. Kern des Interesses sind dabei die WildC.A.T.S, ein Superhelden-Team, ganz ähnlich wie die JLA oder vergleichbare Vereine: eine Gruppe von Übermenschen, ausgezogen, um das Böse zu bekämpfen. So weit, so lächerlich. Aber schauen wir uns die Story vorerst etwas genauer an.

Zunächst gibt es nicht ein WildC.A.T.S-Team, sondern gleich zwei, nämlich das neue und das alte. Die alten WildC.A.T.S befinden sich auf der Reise zu ihrem Heimatplaneten Khera, bloß um dort enttäuscht festzustellen, dass der ewige Krieg mit den Erzfeinden, den Daemoniten, längst beendet ist. Die neuen WildC.A.T.S halten die alten WildC.A.T.S für tot oder abgereist, jedenfalls weg, und wollen sich neu formieren, was gar nicht so einfach ist, da integere Superhelden schwer zu finden sind. So rangieren die meisten Mitglieder des neuen Teams meistens irgendwo zwischen Ganove und Gelegenheitsheld, immer mit der Frage im Hinterkopf: »… und was springt für mich dabei raus?« Zwischen den Zeilen klingt an, dass eigentlich niemand die WildC.A.T.S braucht und die Menschheit auch gut auf sie verzichten könnte.

Zu Beginn des zweiten Bandes sind die alten WildC.A.T.S wieder auf die Erde zurückgekehrt und müssen sich mit den neuen WildC.A.T.S arrangieren. Eigentlich roch alles nach einer Auflösung des Teams, doch anstatt aus dem Erlebten zu lernen und sich zurückzuziehen, wird einfach weitergemacht wie bisher. Die WildC.A.T.S sind Stressmacher im Heldenkostüm, die sonst nichts mit sich anzufangen wissen. Hin und wieder kommt einem der Heroen ein sehnsüchtiger Nebensatz über die Lippen, im Gedenken an die gute, alte Zeit, irgendwann in den sechziger Jahren, als Helden noch Helden und die Grenzen zwischen guten und bösen Jungs noch klar waren.

Der Rest ist ein ziemliches Gewusel mit unglaublich vielen Hochglanz-Charakteren, die den Großteil der Zeit damit beschäftigt sind, Raketen abzuwehren, Sturmfluten einzudämmen oder Kernschmelzen zu verhindern. Insgesamt viel, viel Action, die damit endet, dass ein Missverständnis geklärt wird, das sich zum Auslöser für den Krieg entwickelt hatte. Was lernen wir daraus? Wenn man miteinander spricht, könnte man sich viele Prügeleien von Anfang an sparen.

Zum Schluss stellt sich heraus, dass der eigentliche Oberschurke in den eigenen Reihen sitzt und ein Meister der Intrige ist. In diesem Zusammenhang funktionieren die beiden WildC.A.T.S-Bände von |Panini| gut als Prequel zu Ed Brubakers „Point Blank“ und „Sleeper“, die seit einiger Zeit bei |Cross Cult| zu haben sind. Denn der intrigante Verräter entkommt und baut ein weltweites Verbrechernetzwerk auf, das wiederum in den späteren Geschichten von Brubaker eine Rolle spielt. Außerdem ist Grifter überall dabei, es gibt also einen Charakter, den man durch alle Bände verfolgen kann.

Ganz so gut wie der erste WildC.A.T.S-Band ist Nummer zwei leider nicht. Alan Moores Seitenhiebe auf das Superhelden-Genre treten ein wenig in den Hintergrund. Es liest sich fast so, als hätte er beim Schreiben Zugeständnisse an die |WildStorm|-Redaktion machen und sein Interesse an der Dekonstruktion im Zaum halten müssen. Er hackt weniger als im ersten Band auf den Charakteren herum (obwohl er wahrscheinlich keinen besonders gut leiden kann), und auch schnippische Bemerkungen sind seltener. Stattdessen werden die Charaktere und der Meta-Plot des |Wild Storm|-Universums vorangetrieben. Das wirkt manchmal wie eine Pflichtaufgabe, die irgendwie sein muss, aber nicht besonders unterhaltsam ist. Mitunter zeigt sich da Sympathie für die Charaktere, die sie eigentlich gar nicht verdienen.

„WildC.A.T.S 2: Bandenkrieg“ ist also ein bisschen inkonsequent, actionlastig, gelegentlich bissig, manchmal unübersichtlich und – das nebenbei bemerkt – sehr gut gezeichnet und koloriert. Wer Superhelden im Allgemeinen und die WildC.A.T.S im Besonderen mag, bekommt hier seine Action-Dröhnung weg. Wer Alan Moore mag, den großen Dekonstruktivisten, bekommt eher magere Kost geboten.

http://www.paninicomics.de/

Mignola, Mike / Arcudi, John / Davis, Guy – Garten der Seelen (B.U.A.P. 6)

B.U.A.P. 1: [„Hohle Erde“ 2571
B.U.A.P. 2: [„Die Froschplage“ 5271

Die Behörde mit dem komischen Namen ist wieder zurück. Wer es noch nicht weiß: B.U.A.P. steht für: Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen. Der Hauptsitz der Organisation wider die bösen Mächte liegt in Colorado, das prominenteste Mitglied ist Hellboy.

Der ist jedoch inzwischen ausgestiegen und untergetaucht. Er geht seine eigenen Wege. Zuletzt wurde er mit der Hexe Babajaga in der Zwischenwelt gesehen. Ohne ihn bleiben zum Böse-Monster-Verkloppen: der Fischmensch Abe Sapien, die Feuerteufelin Liz Sherman, der Untote Captain Daimo, Dr. Kate Corrigan und die Ektoplasma-Projektion Johann Kraus. Früher gab es noch den Homunkulus Roger, aber der ist mittlerweile passé, ausgeschieden ins Totenreich, wenn es denn solch einen Ort für künstliche Lebensformen überhaupt gibt.

Wer jetzt das Gefühl bekommen hat, dass es vorab einen ganzen Haufen Figuren, Ereignisse, Orte und anderes Zeug zu erklären gibt, liegt gar nicht so falsch. Denn B.U.A.P. ist ein Spin-off der |Hellboy|-Serie und tut genau das, was man eben von einem Spin-off erwarten kann: Es füllt Lücken und konsolidiert die bestehende Welt, spinnt sie dabei ein bisschen weiter und gibt den Fans der Serie Lesefutter, das so ähnlich schmeckt und aussieht wie das Original. B.U.A.P. ist eine großartige Spin-off-Serie, vielleicht eine der besten fortlaufenden US-Horror-Serien dieser Tage.

Das neue Abenteuer »Garten der Seelen« dreht sich um die Vergangenheit von Abe Sapien. Er reist nach Indonesien, wo er einige sehr alte Bekannte aus dem 19. Jahrhundert wiedertrifft. Sie können ihm Auskunft über seine nicht sonderlich rühmliche Vergangenheit geben. Andeutungen auf Abes menschliche Existenz hatte es in früheren B.U.A.P.-Bänden schon gegeben. Die Versprechen, die dem Leser dort gemacht wurden, werden jetzt eingelöst. Wer jedoch finsteren Horror sucht, für den Hellboy und seine Kumpels so bekannt sind, wird sich mit »Garten der Seelen« keinen Gefallen tun. Die Handlung ist nicht sonderlich komplex, Hintergründe und Figuren sind gut und mit genügend Platz dargestellt, doch geht die ganze Sache dieses Mal eher in Richtung Abenteuergeschichte: Inseln, Urwälder, exotische Tiere – da winken Indiana Jones oder Corto Maltese aus der Ferne. Die gesamte Geschichte ist rund, gut erzählt, voller origineller Details und grafisch toll von Guy Davis umgesetzt. Wer sich also nicht an dem Weniger an Horror und dem Mehr an Abenteuer stört, der wird an diesem Band seine Freude haben.

Den einzigen Kritikpunkt gibt’s zum Schluss: Obwohl »Garten der Seelen« ein rundum gut gemachter Comic ist, fällt die Selbstreferenzialität ins Auge, die schon viele fortlaufende Serien ereilt hat. Neben den Abenteuern geht es dann oft auf vielen Seiten um die Vergangenheit der einzelnen Figuren oder um das sie verbindende Beziehungsgeflecht, frei nach dem Motto: »Ein bisschen Soap muss sein.« Im Gegensatz dazu entstand beim Lesen der ersten |Hellboy|-Geschichten immer wieder das Gefühl, einem unendlich mysteriösen Kosmos gegenüberzustehen, in dem sich die Figuren fast verlieren und der nie völlig ergründet und erklärt werden kann. In den B.U.A.P.-Geschichten hingegen sind die Figuren größer, sie bekommen mehr Raum. Als Folge wird die Welt, in der sie agieren, kleiner und übersichtlicher. Einige Leser werden diesen Unterschied wahrscheinlich als Geschmackssache empfinden, was er mit Sicherheit ist. Sicher ist aber auch: Eine selbstreferenzielle Geschichte, die kaum über sich hinauszeigt und hauptsächlich um die eigenen Figuren kreist, ist viel häufiger zu finden als ein komplexer, unendlich mysteriöser Kosmos. Was Mignola in den ersten |Hellboy|-Tagen schuf, wird unvergessen bleiben. Ob das bei »Garten der Seelen« auch der Fall sein wird, bleibt abzuwarten.

http://www.cross-cult.de

Ange / Varanda / Démarez – Legende der Drachenritter, Die – Band 7: Die Sonne wiedersehen

Band 1: [„Jaina“ 3349
Band 2: [„Akanah“ 3585
Band 3: [„Das leblose Land“ 3826
Band 4: [„Brisken“ 4153
Band 5: [„Schlossgärten“ 4749
Band 6: [„Jenseits der Berge“ 5143

_Story_

Das Übel breitet sich fortwährend aus und scheint auch vor einer großen Stadt in der Nähe des Vulkans nicht haltzumachen. Die vier Abgesandten der Drachenreiter unter der Führung der waghalsigen Vaune versuchen dennoch, die Chance zu nutzen und bei der Führung einen Evakuierungsbefehl für die ahnungslosen Bewohner zu erwirken.

Doch die Bereitschaft, den Drachenrittern eine Audienz zu gewähren, hält sich in Grenzen, da man ihren Behauptungen keinen Glauben schenkt. Stattdessen widmet man sich lieber den Sklavengeschäften und dem Missbrauch sämtlicher Menschenrechte, die selbst die wenig sensible N’Aria kaum mehr tolerieren mag. Als sie mit einigem Nachdruck dann endlich in die Gemächer des Adels gebeten werden, wird das Gespann gleich doppelt überrascht – einmal von der eigenen Naivität, und zum anderen von der Heimtücke des Adelsgeschlechts, das längst von der Seuche befallen ist, sich aber noch stärker als überlegene Rasse betrachtet. Die nächste Schlacht beginnt …

_Persönlicher Eindruck_

Nachdem die letzten Kapitel um den Orden der Drachenritter teilweise recht blutig und actionreich gezeichnet waren, scheint es in der aktuellen Episode wieder eine Spur gemäßigter und kontrollierter zuzugehen. Die neuen Charaktere wirken abgebrühter, und die Rahmenhandlung erweist sich auf den ersten Seiten als durchschaubares Politikum mit absehbaren Folgen. Allerdings hätte das Autorenteam Ange nicht schon so guten Zuspruch zu dieser Serie erlangt, wenn es ihnen in der Vergangenheit nicht so oft gelungen wäre, die gesamte Story immer wieder auf den Kopf zu stellen und mit unkonventionellen Konzepten eine Serie von bislang sechs unabhängigen Bänden mit geradezu gleich hoher Überzeugungskraft zu kreieren. Und diesbezüglich bildet auch „Die Sonne wiedersehen“ keine Ausnahme!

Die Geschichte entwickelt sich unter steigendem Tempos recht schnell zu einer ziemlich dramatischen Tragödie, die an vorderster Stelle natürlich von den jungfräulichen Rittern berichtet, gleichzeitig aber auch das Schicksal von versklavten, gerade mal pubertären Kindern aufrollt, welches unmittelbar mit dem gespenstischen Treiben in der Stadt zusammenhängt. Erst einmal unabhängig voneinander werden so die Geschichte der hoffnungslosen Drachenritter und ihrem hehren Plan sowie das Drama um ein junges Mädchen erzählt, welches in der Rolle als Dienerin von der bevorstehenden Bedrohung erfährt und gemeinsam mit einigen anderen Kindern die Flucht plant – doch dann kommt ihr eine teuflische Machtdemonstration des anrüchigen Adels in die Quere.

An sich gleicht die Handlung rein strukturell sehr stark der letzten Trilogie dieser Serie, gerade was das Erzähltempo betrifft. Nach einem kurzen Intro ist man erneut von einer äußerst brisanten Ausgangssituation umgeben, die von den Autoren konsequent genutzt wird, um ein sehr actionreiches, in diesem Sinne aber nicht plumpes Storyboard zu erstellen. Die Drachen greifen lebendiger als zuvor in den Plot ein, auf allen Handlungsebenen wird die Dramaturgie verschärft, und selbst wenn Vaune als Hauptcharakter nicht immer überzeugend ist, so sind auch die Figuren in „Die Sonne wiedersehen“ zum wiederholten Male sehr individuell und außergewöhnlich – und davon profitiert die Story in diesem Fall definitiv am meisten.

Grafisch ist ferner alles bestens. Die Jungfrauen erfreuen sich einiger freizügiger Darstellungen, die Action wird darüber hinaus ziemlich effektvoll untermalt, und auch die verwandelten Unterdrücker – konzeptionell ein Markenzeichen dieser Reihe – machen optisch eine Menge her. Die Kombination ist demzufolge stimmig, die Story selber überzeugend. Damit setzt sich der positive Trend serienintern weiter fort und macht „Die Legende der Drachenritter“ mittlerweile auch zu einem der wichtigsten und besten Formate im Fantasy-Programm des |Splitter|-Verlags – eine Feststellung, die zu Debützeiten sicher noch nicht absehbar war, dafür heute aber umso erfreulicher ist!

|Originaltitel: La geste des chevaliers dragons – Revoir le soleil
48 Farbseiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-939823-41-4|
http://www.splitter-verlag.de/

Rogers, Eric – Simpsons Comics 147

_Inhalt_

|“Konkurrenz verdirbt das Geschäft“|

Als Bart und Homer sich in ihren Stormtrooper-Uniformen in ihre Phantasie als Star-Wars-Krieger stürzen, wirkt Marge schrecklich genervt. Sie bittet die beiden, ihre alten Spielzeuge endlich zu entsorgen, was Vater und Sohn so aber nicht hinnehmen wollen. Bei der Suche nach Alternativ-Müll entdecken sie auf dem Speicher Grandpas Comic-Sammlung. Bart erkennt sofort das Potenzial, und kurze Zeit später machen die beiden ihren eigenen Laden direkt gegenüber vom Shop des berüchtigten Comic-Typen auf. Stress ist vorprogrammiert – zumal Abraham Simpson die Comics gar nicht zum Verkauf freigegeben hat und das Geld zur Sanierung des Altenheims selber dringend benötigt …

_Persönlicher Eindruck_

De facto sind die Geschichten um den völlig besessenen Comic-Verkäufer zumeist in den Top-Listen der Simpsons-Fangemeinde vorzufinden, was unter anderem natürlich auch damit zusammenhängt, dass die serieneigene Klischeebesessenheit hier stellenweise am deutlichsten zum Tragen kommt. Diesbezüglich macht die 147. Ausgabe der deutschsprachigen „Simpsons Comics“ absolut keine Ausnahme, zumal Homer und Bart hier in ihrem Wahn ähnliche Züge annehmen wie der berühmt-berüchtigte Freak und schließlich immer deutlicher zu völlig weltfremden Nerds mutieren.

Die Story an sich ist wirklich klasse und wird gewohntermaßen von unzähligen netten Nebenspielsplätzen ausgeschmückt. Da ist unter anderem der seltsame Lagerbestand von Grandpa Simpson, in dem sich unter anderem Requisiten von uralten Hollywood-Produktionen befinden, natürlich der etwas eigenwillig geführte Comic-Laden der beiden frischgebackenen Geschäftsleute, Nelsons plötzliches Interesse für die Entwicklungen der amerikanischen Wirtschaft und nicht zuletzt der teils bösartige Affront gegen die Entwicklungen in der Branche der Seniorenbetreuung. Eric Rogers und Bill Morrison nehmen kein Blatt vor den Mund und sparen weder Peinlichkeiten noch Klischees aus – und davon lebt diese neue Episode mehr denn je.

Selbst die angefügte Mini-Story im Anschluss kann von diesen pikanten Zutaten zehren und mischt sich prächtig mit dem teils sogar recht böswillig inszenierten Hauptplot, der erneut zu den echten Highlights in der illustrierten Karriere Springfields gehört. Da braucht es dementsprechend auch nicht vieler Worte, um das Fazit auf den Punkt zu bringen: Dieser Comic ist ein adäquates Äquivalent zur starken TV-Reihe!

[Die Simpsons bei Panini]http://www.paninicomics.de/?s=serie&gs__gruppe=22

Lodewijk, Martin (Autor) / Lawrence, Don (Zeichner) – Storm 2: Der letzte Kämpfer

Band 1: [„Die tiefe Welt“ 5563

_Story_

Gerade erst hat der einstige Astronaut Storm sein erstes Abenteuer auf dem barbarischen Planeten bestanden, der einst seine Heimat, die Erde, war, da rennt er mit seiner neuen Gefährtin Rothaar auch schon ins nächste Unglück: Ein Abgesandter der Wüstenstadt Soamandrakisal nimmt die beiden gefangen und verkauft sie an den Wanderzirkus des hinterlistigen Meisters Cush.

Ohne Aussicht auf eine erfolgreiche Flucht, ordnen sich die beiden ihrem neuen Meister unter, erkennen aber bald auf dessen intrigante Methoden, als Storms Ausbilder im Kampf zu einer Opferung in der nächsten Stadt gezwungen wird. Der gestrandete Erdenbürger widersetzt sich daraufhin der Obrigkeit und wird verdammt, als Champion der Stadt im Palais des Todes das Artefakt der Macht zu befreien.

Seit Jahrhunderten scheitern die Helden der angrenzenden Städte an dieser Prüfung und büßen mit ihrem Leben. Doch Storm lüftet das grausame Geheimnis dieses finsteren Verlieses; das Palais ist ein altes Kriegsschiff aus der Zeit vor dem Sturz der Bevölkerung und seiner eigenen Rückkehr zur Erde. Doch als er die Prüfung besteht und das Abkommen mit dem Rat der Stadt einlösen möchte, wird der frustrierte Astronaut ein weiteres Mal hintergangen …

_Persönlicher Eindruck_

Kult – dieser Begriff wird immer mal wieder gerne strapaziert, wenn es um die Neuauflage alter Comic-Ausgaben geht, insbesondere im Superhelden-Metier. Don Lawrences erfolgreicher Einzelkämpfer Storm fällt zwar nicht direkt unter dieses Genre, gehört aber definitiv zu den wenigen Figuren des frühen Action-Comics, die mit einem vorzüglichen Kultfaktor aufwarten können.

In der zweiten Ausgabe gibt es ein Wiedersehen mit dem gestrandeten Astronauten und seiner neuen Verbündeten Rothaar, die sich im Doppelpack gegen die Tücken einer durch und durch primitiven Welt kämpfen. Wie auch schon in der ersten Episode des Remakes gibt es zahlreiche Anspielungen auf die menschliche Historie, die jedoch in ihrer neuartigen Kombination und Interpretation recht schnell ein Eigenleben entwickeln und daher auch gar nicht den Eindruck einer Persiflage, geschweige denn einer gezielten Ableitung entwickeln. Korrupte Spiele, manipulierte Gladiatorenkämpfe und Sklaverei betonen zwar die Nähe des Settings zum alten Rom, da dies jedoch mit fast noch barbarischeren Charakteren und einer modernen Kriegsmaschine verbunden wird, entsteht auch hier in kürzester Zeit ein einigermaßen skurriler Background, der nahtlos an die sympathische Kulisse auf „Die tiefe Welt“ erinnert.

Abgesehen davon wird die Geschichte auch konsequent fortgesetzt, entpuppt sich jedoch als selbständiger Ableger mit eigenem Storyboard und nur losen Verbindungen zum ersten Teil. Die beiden tragenden Figuren sind nunmehr bekannt, jedoch gewährt ihnen der neue Autor Martin Lodewijk, der im Übrigen unmittelbar an der Schöpfung der Comic-Figur Storm beteiligt war, eine Menge Raum zu einer steten Fortentwicklung, wodurch sich besonders der Titelheld alsbald zu einer echten Kämpfernatur mausert. Dies steht zwar im Zusammenhang mit einer Reihe denkwürdiger Klischees, die jedoch vor dem Hintergrund des Entstehungsjahres dieses Kapitels gerne hingenommen werden. Und ganz nebenbei: Es ist zu bestreiten, ob „Storm“ ohne derart geregelte Strukturen und eine gewisse Berechenbarkeit, die hinter den Story-Arrangements steht, überhaupt so gut funktionieren könnte.

Wie auch immer: „Der letzte Kämpfer“ ist eine richtig gute Geschichte, gelegentlich zwar mit Entwicklungen, die sich vorab erahnen lassen, letzten Endes aber mit einem ansehnlichen Spannungsbogen, definitiv legendären Action-Sequenzen und einem unwiderstehlichen Protagonisten. Hinzu kommt schließlich noch eine wirklich ideenreiche Präsentation von Altmeister Lawrence, der das außergewöhnliche Setting raffiniert zu einigen Kunststücken nutzt, die gerade in den Schlusssequenzen für die noch verbleibenden Akzente sorgen.

Die Collector’s Edition aus dem Hause |Splitter| garantiert zu guter Letzt eine üppige Aufmachung und, wie schon im ersten Band, eine Menge Extras. Wieder gibt es zahlreiche Hintergrundinformationen zur Entstehung, exklusive Zeichnungen und als Gimmick einen weiteren gravierten Druck auf der letzten Seite. Kurzum: Darauf sollte man als Comic-Liebhaber auf keinen Fall verzichten!

|Originaltitel: De laatste Vechter
64 Farbseiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-940864-48-2|
http://www.splitter-verlag.de

Mignola, Mike / Fegredo, Duncan – Hellboy 9: Ruf der Finsternis

Eigentlich ist „Hellboy“ ein Comic für Intellektuelle. Für Schöpfer Mike Mignola jedenfalls waren die Geschichten um seinen Ermittler aus der Hölle schon immer mehr als nur ein Monster-Comic. Mit „Hellboy“ steckte er sich selbst einen Rahmen ab, in dem er all die Geschichten erzählen konnte, auf die er Lust hatte. Das Ergebnis ist ein herrliches Amalgam: Internationale Folklore trifft auf Gothic und Groschenromane.

So ist auch der neueste „Hellboy“-Band „Ruf der Finsternis“ wieder eine Achterbahnfahrt durch Märchen und Geistergeschichten. Ein Schwerpunkt liegt dieses Mal auf der russischen Sagenwelt. Hellboy trifft einige alte Bekannte wieder, darunter Baba Jaga, Hekate und Igor Bromhead. Er muss sich mit einer Versammlung Hexen, mit einer Skelettarmee und mit dem unsterblichen Kriegerfürsten Koshchei herumschlagen. Nur die Nazis, die fehlen dieses Mal.

Solch ein Lieblingsprojekt des Autors muss jedoch noch lange nicht die liebste Comic-Lektüre der Leser werden. Dass „Hellboy“ so viele Fans hat, liegt nicht in erster Linie an den Monstern, dem interessant geflochtenen Storytelling oder dem tollen Artwork. Es liegt an der Hauptfigur selbst. Denn auch der beste Horror-Comic, in dem sich immer nur Gut und Böse kräftig verdreschen, wird irgendwann langweilig.

Die Zeichnungen stammen dieses Mal nicht aus der Feder von Mike Mignola, sondern von Duncan Fegredo („Enigma“). Mignola hatte von der Anfertigung des Artworks für „Hellboy“ Abstand genommen, weil er mit anderen Projekten zu beschäftigt ist. Es ist erstaunlich, wie gut Fegredo die Atmosphäre der Serie trifft, wie sanft und unmerklich der Übergang ist. Normalerweise nehmen es Fans übel, wenn bei lang andauernden Serien ein Zeichnerwechsel stattfindet. Mit der Wahl von Fegredo als neuem Zeichner der laufenden Serie dürfte dieses Problem eingedämmt worden sein. Um es deutlicher zu sagen: „Hellboy“-Fans werden Mignolas Artwork zwar vermissen, aber auch schnell Fegredos Strich schätzen lernen.

Auch in dem neuesten Band wird deutlich, dass Hellboy eine vielfach gebrochene Figur ist. Er befindet sich auf der Suche nach sich selbst, nach seinem Schicksal und seinem Platz in der Welt. Er ist weder gut noch böse, weil das viel zu einfache Parameter sind, um dieser Welt gerecht zu werden. Zugegeben, Sorgen wie Hellboy haben die Leser nicht. Seine rechte Hand ist der Schlüssel zur Apokalypse. Böse Mächte drängen ihn, einen Weltenbrand zu entfachen und die Welt zu verheeren. Sein Ringen ist das Ringen mit dem Schicksal selbst. Nur wenn es einen freien Willen gibt, kann er die Apokalypse abwenden. Dieser innere Konflikt der Hauptfigur sorgt dafür, dass man „Hellboy“ immer weiter und weiter lesen möchte. Es ist noch nicht zu Ende.

|Originaltitel: Darkness Calls
196 Farbseiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-936480-83-2|
http://www.cross-cult.de
http://www.hellboymovie.com

_Die „Hellboy“-Hörspiele auf |Buchwurm.info|:_

Folge 1: [„Saat der Zerstörung 1“ 5393
Folge 2: [„Saat der Zerstörung 2“ 5413
Folge 3: [„Der Teufel erwacht 1“ 5531
Folge 4: [„Der Teufel erwacht 2“ 5571

Jung, Anna-Maria – Xoth! – Die unaussprechliche Stadt

Ein Debüt ist „Xoth!“ eigentlich nicht. Die Autorin und Zeichnerin Anna-Maria Jung ist in der deutschen Independent-Comic-Szene jedenfalls keine Unbekannte mehr. Mit kurzen Beiträgen machte sie bereits in den Anthologien „Panik Elektro“, „Jazam!“ und dem |Comicgate|-Magazin auf sich aufmerksam.

Der Zeichenstil der österreichischen Künstlerin ist rund und glatt, auf den ersten Blick möchte man sagen: kinderfreundlich. Ihre Themen sind es jedoch weniger. Ob ausufernde Sexualität oder die innige Liebe zu einem Hirnegel – normal ist das nicht. Manchmal geht es derb zur Sache, gewürzt mit einer Prise österreichischem Dialekt und mit Techniken, die Jung aus dem Animationsfilm mitgebracht hat.

Ihr neuer Comic „Xoth!“ ist all das und mehr. Sie spinnt darin eine fabelhafte Geschichte über Monster, die Liebe und das Anderssein, angelehnt an die Arbeiten des Horror-Altmeisters H. P. Lovecraft. Bei den Freunden dunkler Fantasy findet sein Cthulhu-Mythos zahllose Fans und Verehrer. Jungs Diplomarbeit an der FH Salzburg diente ihr als wertvolle konzeptionelle Vorarbeit, bevor der Zeichenstift überhaupt zum ersten Mal geschwungen wurde. Sie kennt sich also in Lovecrafts Kosmos gut aus, was man ihrem Comic anmerkt und ihm die notwendige Dichte verleiht.

In Zusammenarbeit mit Christopher „Piwi“ Tauber, Stefan Dinter und dem |Zwerchfell|-Verlag Stuttgart entstand dann „Xoth! – Die unaussprechliche Stadt“. Es ist bisher das umfangreichste und aufwändigste Comic-Projekt von Anna-Maria Jung – ihr erstes eigenes Comic-Buch, irgendwie also doch ein Debüt. Ihre Fan-Gemeinde hat lange darauf warten müssen.

Das Thema von „Xoth!“ ist einfach klasse. Freunde von Lovecraft und Cthulhu finden hier vollwertige Lesekost, die von Herzen und nicht von der Stange kommt. Die Handlung ist originell und nur bedingt vorhersehbar, allerdings weniger Horror, sondern vielmehr Comedy und Lovestory. Ein Buch wie ein Augenzwinkern: Leicht und nicht ganz ernst gemeint. Von der ersten bis zur letzten Seite ist „Xoth!“ gute Comic-Unterhaltung.

[Xoth!-Website]http://www.xoth-comic.net
[Zettgeist-Podcast: Anna-Maria Jung über Xoth!]http://zettgeist.blogspot.com/2008/11/zettgeist-058-ber-xoth-die.html
[Weblog von Anna-Maria Jung]http://pocket-universe.blogspot.com

Ennis, Garth / Robertson, Darick / Snejbjerg, Peter – The Boys 2 – Der glorreiche Fünfjahresplan

Inhalt

|“Eingelocht“|

Ein neuer Auftrag führt die Boys in die Schwulen-Szene, in der kürzlich ein junger Kerl auf grausame Weise ums Leben gekommen ist. Billy und der mittlerweile halbwegs integrierte Hughie besuchen diverse Szene-Bars und erfahren vom Comic-Helden Swingwing, der offensichtlich auch unter den Homosexuellen große Resonanz findet. Nachdem sein Verlag auf die gleichgeschlechtlich Liebenden zugetreten ist, wurde der maskierte Superstar immer populärer, wird aber gerade deswegen zum Hauptverdächtigen für den Mordanschlag. Allerdings ist Swingwing gar nicht so leicht aufzuspüren. Der Weg zu ihm führt über den durchgedrehten Tek-Knight, der seit geraumer Zeit nur einer Passion folgt: Sein bestes Stück in jedes Loch zu stecken, das in seine Nähe kommt …

|“Der glorreiche Fünfjahresplan“|

Das Team begibt sich nach Russland, um dort dem alten Verbündeten Wass zu Hilfe zu eilen. Der führt Billy, Hughie und Co. auf die Spuren einer russischen Mafia-Organisation, welche die Superhelden-Sparte zu infiltrieren droht und bereits zwei der maskierten Stars auf dem Gewissen hat. Doch den Boys gelingt es nicht lange, inkognito zu ermitteln. Die Angelegenheit scheint bis in die höchsten Kreise der eigenen Regierung verankert zu sein und bringt das Team mal wieder in größte Lebensgefahr. Ausgerechnet der misstrauische Hughie und der ihm weniger wohl gesonnene Wassily sollen die Jungs vor einer Katastrophe retten …

_Persönlicher Eindruck_

Dreckig, finster, stellenweise auch arg pietätlos: Die beiden neuen Abenteuer der von Garth Ennis erschaffenen skrupellosen Boys sind mal wieder direkt dem gewalttätigen Treiben der Unterwelt entnommen und nicht zuletzt wegen des rauen Umgangstons zwei illustrierte Reisen in ein Land, in dem zarte Gemüter schon mal gar nichts verloren haben. Da wird die vulgärste Sprache dahingerotzt, als sei es der neueste Standard, hier und dort gibt es ordentlich was auf die Zwölf, und was die Coolness der Mafia der guten Seite betrifft, hat der Autor sich in seiner Darstellung auch wieder selber übertroffen. Ganz kurz: Dieses Team hätte selbst in einem Frank-Miller-Setting charismatischer nicht sein können.

Im letzten Sonderband „Der glorreiche Fünfjahresplan“ präsentieren sich die Jungs aber auch wieder von ihrer besten Seite, wobei das Ganze zumindest sprachlich ein wenig bedenklich ist. Hier wird gegen Minderheiten gezetert, die Homosexuellen-Szene aufs Korn genommen, die verschiedenen Neigungen im besten Ghetto-Slang aufgriffen und über den Akt als solchen Sprüche und Dialoge präsentiert, die alles andere als jugendfrei sein dürften. Effekthascherei? Nun, sicher nicht, denn dafür haben die beiden Handlungsstränge definitiv zu viel Potenzial und können davon abgesehen auch von der Story alleine leben.

Allerdings startet die neue Ausgabe recht verworren, da lange Zeit gar nicht so wirklich klar ist, worauf der erste Plot genau zielt. Elemente eines Krimis werden mit Passagen eines düsteren Thrillers gemixt, derweil einige eigenwillige Charakterprofile gezeichnet, eine ganze Szene in der Luft zerrissen und obendrauf noch der weniger geschmackvolle Humor der fünfköpfigen Truppe gepackt. Mit Tek-Knight und Swinwing kommen zudem zwei recht biedere Karikaturen hinzu, die der Ernsthaftigkeit der Geschichte ein Stück weit den Wind aus den Segeln nehmen, aber eben genau das symbolisieren, wofür „The Boys“ als Comic eigentlich steht: Expect the unexpected – genau darum geht’s! Und dass dabei auch schon mal ein paar sinnentleerte Szenen in die Story integriert werden – mancher schmutzige Dialog sei hier als Beispiel erwähnt -, geht dementsprechend ebenfalls in Ordnung.

Dass bei „The Boys“ auch die Action eine wesentliche Rolle spielt, dokumentiert der zweite Abschnitt, nachdem dieser Sonderband auch benannt ist. Beim Sowjet-Abstecher geht es zwar gewissermaßen immer noch darum, wie Hughie ins Team aufgenommen wird und er seine Hemmschwellen überwinden kann, allerdings gilt er nun schon als fester Bestandteil und macht sich nicht mehr – und das im wörtlichen Sinne – in den prekärsten Situationen in die Hosen. Ferner kommt es aber hier zu deutlich mehr explosiven Szenen, einerseits, was das Tempo betrifft, andererseits aber auch im Hinblick auf die vielen kurzen Fights, die das Team auszutragen hat. Und fast noch viel wichtiger in diesem Zusammenhang: Ennis setzt sich, seinen Charakteren und seinen Storys absolut keine Grenzen, wie sich hier in der Schlusssequenz eindeutig zeigt. Alles ist möglich, alles erlaubt, selbst wenn’s zwischenzeitlich hart und brutal ist.

Doch so sind sie, „The Boys“, durch und durch männlich, fies, abschreckend und immer für eine mehr oder weniger angenehme Überraschung gut. In ihrer zweiten deutschen Ausgabe bieten sie obendrein ein weiteres Sahnestück des Ennis’schen Comic-Universums und eine der besten Ausgaben des Action-Comics im Jahr 2008. Zweifel? Ausgeschlossen!

Taschenbuch ‏ : ‎ 192 Seiten
http://www.paninicomics.de/?s=Wildstorm