Archiv der Kategorie: Comics / Graphic Novels

Woo, John / Ennis, Garth / Kang, J. – John Woo\’s 7 Brothers

_Story_

Im Jahre 1421 brach die chinesische Flotte auf, um während einer großen Expeditionsreise die Welt zu erkunden und die Geheimnisse der verborgenen Kontinente zu entschlüsseln. Doch Kaiser Zhu Di steckte all seine finanziellen Mittel in die Reise und zwang den Staat damit in die Knie, so dass die Rückkehr der Flotte in einem Fiasko endete und der Handel seinen Tiefpunkt erlebte. Lediglich eine Person profitierte von den Reisen, ein besessener Hexer, der sein Wissen über die Drachenlinien und die energetischen Knotenpunkte der Erde auszubauen lernte und schließlich über die Kontrolle dieser Linien nach der Herrschaft über die Welt trachtete. Seinerzeit konnte ihn ausgerechnet sein Schüler Fong stoppen und die bevorstehende Machtübernahme verhindern.

Nun jedoch ist der Sohn der Hölle zurückgekehrt und aus seinem verborgenen Versteck befreit worden. Und nach Fongs Tod ist es nun an dessen zahlreichen Nachfahren, ihm ein für allemal das Handwerk zu legen. Sieben entfernte Nachfahren sowie eine Ur-Enkelin der x-ten Generation sammeln ihr Wissen und ihre besonderen Kräfte, die ihnen vererbt wurden, um dem Sohn der Hölle gegenüberzutreten, und bis auf einen ist ihnen auch allen ihre Rolle in diesem dramatischen Spiel klar. Erst als die sieben Brüder vorzeitig den Tod finden, wird ihnen bewusst, welche Rolle Ronald spielt – er ist der Schlüssel zur endgültigen Vernichtung des erbarmungslosen Hexers.

_Persönlicher Eindruck_

Es mag überraschen, dass ausgerechnet Action-Regisseur John Woo die Idee zu einer Story vorgelegt hat, die historische Inhalte mit der Handlung eines modernen apokalyptischen Thrillers verbindet und darüber hinaus auch noch im Rahmen eines Comics realisiert wurde. Verinnerlicht man dann jedoch, dass die asiatische Hollywood-Ikone mit niemand Geringerem als Garth Ennis zusammengearbeitet hat und somit letztendlich zwei absolute Visionäre an einen Tisch gebracht wurden, scheint der Erfolg dieses Unterfangens vorprogrammiert – und sollte es ob des fantastischen Inhalts auch sein!

„7 Brothers“, das Resultat dieser ungewöhnlichen Kollaboration, ist alles in allem nämlich ein souveränes, gerade atmosphärisch unheimlich dichtes Album geworden, welches einerseits auf einem sehr soliden, ausgeklügelten Background fußt, andererseits aber auch immer wieder Freiräume aufdeckt, in denen die vereinzelten Lücken der Story sich noch einmal zusätzlich entfalten können. Alles beginnt mit einem spektakulär aufgebauten Mysterium, das inhaltlich sehr weit ausholt, anschließend einige merkwürdige Kontraste aufwirft und gerade bei der Einführung der eigenartigen Hauptgestalten klarmacht, dass der Story absolut keine Grenzen gesetzt sind. Vulgärsprache trifft auf eine philosophische Rahmenhandlung, der Teufel kommt mit Gestalten aus dem Ghetto zusammen, chinesische Historie verbindet sich mit dem modernen Leben in Los Angeles, und mittendrin entwickelt sich ein derart homogener Plot, dass man vor der fließenden Zusammenfügung all dieser divergierenden Versatzstücke nur den Hut ziehen kann.

Natürlich darf und muss Woo innerhalb dessen auch seinen persönlichen Stempel ganz markant setzen, was angesichts der massiven Action, die hier zum Tragen kommt, aber auch kein großes Opfer für die Story darstellt. Es geht merklich zur Sache, und all diese Konflikte sind mitunter auch blutig und radikal, doch spiegelt gerade dies die Konsequenz wider, mit welcher das Team Ennis/Woo hier gearbeitet hat bzw. wie der Comic-Autor die recht freizügige Original-Vorlage letztendlich umgesetzt hat. Selbst in den Sorgenmomenten, in denen die Geschichte droht, aus dem Ruder zu laufen – beispielsweise bei der kurzzeitigen Verbannung in die Hölle -, findet der Co-Regisseur der Story die erforderliche Souveränität, um das Ganze glaubwürdig und erfinderisch fortzuführen und schließlich auf dieses begeisternde Finale zuzusteuern, welches sich am Ende manifestiert. Klarer Fall, das ist wirklich ganz große, innovative Klasse!

Doch ehrlich gesagt: Was hätte man auch anderes erwarten sollen? Woo lieferte seinem Scriptautor eine Riesengeschichte und auch ein Gros an frei interpretierbaren Freiräumen, die sowohl Ennis als Schreiber als auch Kang als Zeichner brillant ausnutzen. Selten habe ich ein solch stimmiges, spannendes und eben auch interessantes Gesamtpaket auf dieser Ebene erlebt, also quasi das Gefühl, einer weiteren Sternstunde der illustrierten Kunst beigewohnt zu haben. Im Umkehrschluss bedeutet dies daher auch ganz klar, dass „7 Brothers“ definitiv in jedem Schrank stehen sollte, in dem anspruchsvolle Comic-Kunst einen Ehrenplatz verdient. Dieses Meisterwerk sollte man wirklich keinesfalls verpassen!

http://www.paninicomics.de/virgin-s10537.html

diverse Autoren – Bart Simpson Comics 35

_Inhalt_

|“Die Rückkehr von Brummisaurus“|

Als Bart erfährt, dass Otto bei der Reparatur seines Schulbusses Hilfe benötigt, begleitet er den unbeholfenen Rocker zum Schrottplatz und wird dort sofort auf einen stählernen Saurier aufmerksam. Begeistert nimmt er die Offerte an, das Teil behalten zu dürfen, falls es ihm gelingen sollte, den Brummisaurus vom Gelände zu befördern, und entfesselt alsbald eine Godzilla-ähnliche Maschine, mit der er die Sicherheit von ganz Springfield bedroht …

|“Versager der Grundschule“|

Bei einer feierlichen Gala der Springfielder Grundschule stiehlt Bart seinem Rektor mit einem unverhofften Nacktauftritt die Show und wird daraufhin umgehend von der Schule suspendiert. Zunächst noch erfreut über diesen Freischein, schleicht sich bald Langeweile in Barts Leben ein. Sein Entschluss, wieder auf die Schulbank zurückzukehren, obliegt allerdings einigen Hindernissen – bis er Skinners Mutter kennenlernt und plötzlich Mitglied des Haushalts seines einstigen Rektors wird.

_Persönlicher Eindruck_

Zwei typische Bart-Plots – so lautet das Resümee zur 35. Ausgabe der „Bart Simpson Comics“, in der unser beliebter Titelheld mal wieder äußerst freizügig seinem Schabernack nachgeht und den Humorlevel nach einer längeren Durststrecke wieder langsam gen Maximum führt. Insbesondere die erste Geschichte ist dabei ganz nach dem Geschmack der Fans der ersten Stunde und orientiert sich serienhistorisch an den ersten Staffeln, als „Die Simpsons“ noch eine reine Jungenserie war und der derbe Humor noch nicht so stark Einzug in die Handlung hielt. Nichtsdestotrotz hat sich James Bates die Gelegenheit, einige feine Seitenhiebe einzubauen, nicht nehmen lassen und bietet gerade in den rasanten Schlusssequenzen einige humoristische Volltreffer.

Nach zwei weniger spektakulären Mini-Storys folgt mit „Versager der Grundschule“ schließlich ein weiteres Highlight aus der Feder von Earl Kress, der mal wieder das angespannte Verhältnis zwischen Bart und der Schule im Allgemeinen bzw. zwischen dem kleinen Simpson und Rektor Skinner im Speziellen aufrollt. In diesem Fall nimmt der Autor allerdings kein Blatt vor den Mund und treibt die Fehde bis zuletzt auf die Spitze. Wieder einmal ist es dabei Skinners offenherzige Mutter, die das Zünglein an der Waage darstellt und dem Plot die nötige Würze gibt. Ergo: Eine wirklich gute Erzählung, die auch im TV-Format perfekt funktionieren dürfte.

Damit darf man der Nr. 35 auch ganz klar attestieren, im qualitativen Wechselspiel der Comic-Serie einen Spitzenplatz einzunehmen. Die „Bart Simpson Comics“ mögen zwar unter den Serien um die gelbe Familie diejenige mit den gewaltigsten Qualitätseinbrüchen sein – doch solange sie mit solch anständigen Geschichten aufwarten wie in der vorliegenden Ausgabe, darf man weiterhin beherzt zugreifen.

http://www.paninicomics.de/simpsons-s10310.html

Autorenkollektiv – Heroes 1

Im Oktober 2007 begann ein deutscher TV-Sender die erste Staffel der preisgekrönten (Nominierung für den |Emmy| und den |Golden Globe|, |People’s Choice Award| etc.) amerikanischen Serie „Heroes“ auszustrahlen, welche sich in den USA zu diesem Zeitpunkt bereits eine große Fangemeinde gesichert hatte. In dieser Serie werden sich scheinbar ganz normale Personen ihrer Superkräfte bewusst, wie man sie aus Comics oder in jüngster Zeit aus Comicverfilmungen wie „X-Men“ kennt. Auch in „Heroes“ spricht man von Mutanten, welche beispielsweise über seherische Fähigkeiten verfügen, durch Wände gehen können, übermenschliche Selbstheilungskräfte besitzen sowie fliegen oder Zeitreisen können.

Als die Vernichtung New Yorks unmittelbar bevorsteht, schließen sich einige von ihnen zusammen, um dieses Ereignis zu verhindern. Noch spannender wird die Geschichte dadurch, dass die Mutanten neben diesem Problem und der Tatsache, dass sie ihre Fähigkeiten unauffällig in ihr tägliches Leben einbinden müssen, gleichzeitig gegen eine unheimliche Organisation zu kämpfen gezwungen sind. Welche Rolle dabei der mysteriöse Lindermann – der wie Noah Bennet in seiner Geheimnisumwittertheit zunächst an den Zigarettenraucher aus den guten alten X-Files-Tagen erinnert – spielt und ob die Mutanten sowohl private Probleme als auch die Verhinderung der drohenden Katastrophe geregelt bekommen (also zu Helden werden), sieht man sich am besten auf DVD an.

Während die einzelnen Folgen in Amerika ausgestrahlt wurden, erschienen im Internet parallel dazu wöchentliche Comics, welche die Handlung der TV-Serie weitersponnen, Vorgeschichten erzählten oder Ereignisse wiedergaben, welche im TV nur schwer realisierbar gewesen wären. Zunächst waren diese Comics ausschließlich online verfügbar und zum freien Download auf nbc.com eingestellt. Später hat der weltgrößte Comicbuchverlag |DC Comics| (u. a. „Superman“, „Batman“) die Rechte zur Vermarktung erhalten. Aufgrund der Erscheinungsweise als Buchform und nicht als Comicheft spricht man von diesem „Heroes“-Sammelband auch als Graphic Novel. Die deutsche Ausgabe der „Heroes“-Comics ist nun bei |Panini| erschienen.

Für die 34 Kurz-Comics von je vier bis sechs Seiten konnte NBC etablierte Zeichner wie Steven Seagle („It’s a Bird“, „Sandman Mystery Theatre“), Joe Kelly („Superman“, „Supergirl“) oder Duncan Rouleau („The Nightmarist“) gewinnen. Alle drei arbeiteten bereits für die in Amerika sehr erfolgreiche Animationsserie „Ben 10“ zusammen. Hinzu kommen weniger bekannter Zeichner, denen es eine Ehre war, gemeinsam mit diesen Profis an den „Heroes“ zu arbeiten. Dadurch erhalten die einzelnen sich an amerikanischen Superheldencomics orientierenden Geschichten einen unverwechselbaren Zeichenstil, was jedoch die Tatsache gut unterstreicht, dass jeweils andere Charaktere dargestellt werden. So gibt es eine Geschichte, die im Märchenstil erzählt wird, welcher durch die Typografie in einer altertümlich anmutenden Schrift unterstrichen wird. Die schnelle Action in der Episode von Clair Bennets Autocrash ist beispielsweise in weniger detailliert ausgearbeiteten Bildern oder Nahansichten mit wenigen Strichen umgesetzt worden.

Kurz aber bedeutsam sollen die Geschichten die „Heroes“-Welt vertiefen. Man muss sie nicht gelesen haben, um die Serie zu verstehen, aber sie füllen einige Wissenslücken. Lesen sollte man sie am besten parallel zur Serie, da manche Zusammenhänge aufgrund der äußerst knappen Erzählweise sonst weniger gut hergestellt werden können. So findet man die im TV nur gestreifte Figur der „Wireless“ vertieft und stark ausgebaut. Außerdem erfährt der Leser, wie sich Lindermann und Petrelli in Vietnam kennengelernt haben, wie Bennet an Claire gelangte oder die Vorgeschichte zu Isaacs Fähigkeit, die Zukunft malen zu können. Wer sich schon immer gefragt hat, warum Niki Sanders, die Frau mit der gespaltenen Persönlichkeit, bei ihrem ersten Auftritt in der Wüste Leichen ausgräbt, erfährt in den Comics, warum sie das tut. Sogar der Fiesling Sailor erhält seinen Raum.

Zusätzlich zu den Bildergeschichten wurden ein Vorwort von Masi Oka (Hiro Nakamura) und ein Interview mit den Zeichnern Aron Eli Coleite und Joe Pokaski über die Entstehung des Comics in den broschierten Sammelband aufgenommen. Das Ende Mai 2008 erschienene Buch ist hochwertig auf gutem und stabilem Papier sowie in satten Farben aufgelegt; für Fans der Serie eine gute Ergänzung zu den DVDs und anderen Merchandise-Produkten, welche das „Heroes“-Universum inzwischen hervorgebracht hat.

http://www.paninicomics.de/heroes-s10567.html
http://www.nbc.com/Heroes/
http://de.heroeswiki.com/

Ennis, Garth / Robertson, Darick / Snejbjerg, Peter – The Boys 2 – Der glorreiche Fünfjahresplan

Band 1: [„Spielverderber“ 4112

Garth Ennis liebt das Derbe. Über seine neue Serie „The Boys“ freut er sich wahrscheinlich wie ein kleines Kind. Die Superhelden bekommen darin richtig übel auf den Sack. Pardon wird nicht gewährt.

Der zweite Band von „The Boys“ enthält zwei separate Geschichten: „Eingelocht“ und „Der glorreiche Fünfjahresplan“. Die Grundidee bleibt – wie im ersten Band – die Konfrontation mit den Superhelden, am besten eine möglichst derbe und brutale. Wenn die Heroen in Strumpfhosen Mist bauen, sind The Boys zur Stelle, um ihnen auf die Finger zu klopfen. Das ganze Szenario könnte auch das |Marvel|- oder |DC|-Universum sein, nur halt einen Touch bösartiger. Anspielungen auf die populären Welten der Großverlage gibt es in „The Boys“ wie Sand am Meer. Gut leiden kann Autor Garth Ennis die ‚Supies‘ nicht. Denn die fliegenden Übermenschen in „The Boys“ sind pervers, hochmütig und asozial. Ihre Kräfte verdanken sie entweder teurer Hochtechnologie oder dem Wirkstoff V, einer Art Superhelden-Serum.

Die wichtigsten Figuren von „The Boys“ sind sicherlich Butcher und Hughie. Der eine ist ein undurchsichtiger Fiesling mit derbem Humor, der andere ein Grünschnabel, der Schüler sozusagen, der noch nicht viel von den Abgründen der äußerlich so strahlenden Superhelden-Welt weiß. Butcher zeigt ihm, was er wissen muss. In „Eingelocht“ gehen die beiden einem Todesfall auf den Grund. Ein schwuler Junge hat sich vom Hochhaus gestürzt. Die Polizei geht von Selbstmord aus und ist nicht sonderlich interessiert an dem Fall. Butcher und Hughie wissen jedoch, dass die beiden Superhelden Tek-Knight und Swingwing darin verwickelt sind. Grund genug, misstrauisch zu werden und Nachforschungen anzustellen. „Der glorreiche Fünfjahresplan“ führt die wilde Truppe gen Osten, nach Russland. Dort geht es um Staatsgeschäfte in der postkommunistischen Ära. Sowohl Washington als auch die russische Mafia wollen ein Stück von dem großen Kuchen abhaben. Eigentlich eine Agentengeschichte, kommen die Superhelden hier doch eher am Rande vor und sind lediglich Mittel zum Zweck.

Nachdem im ersten Band die Grundidee, das Setting und die Charaktere vorgestellt wurden, geht es nun um den Plot und die Richtung, in die „The Boys“ will. Es bleibt natürlich derb. Gastauftritte haben beispielsweise ein mit Sprengstoff gefütterter Vibrator, Sperma im Kaffee und ein abgerissenes Gesicht auf einer Pizza. Solche Art Humor ist sicher nicht für jeden etwas. Wer Ennis kennt, ahnt, dass die Abrechnung mit der schillernden Welt der Superhelden nicht besonders intelligent oder feinfühlig ausfällt. Ein großer Dekonstruktivist wie beispielsweise Alan Moore oder Frank Miller ist Garth Ennis nicht. Er ist eher ein kleines Kind, das Kacke an die frisch gestrichene Hauswand wirft. Man muss diesem derben, extrem sexistischen Humor etwas abgewinnen können, um an „The Boys“ Spaß zu haben. Die Grundidee ist seit Band 1 verheizt, die Handlung funktioniert, trägt alleine aber nicht weit genug.

Unterm Strich: „The Boys“ ist bestimmt die unterhaltsamste Klolektüre, die ich derzeit im Schrank stehen habe. Aber auf dem Küchentisch meiner Wohngemeinschaft würde ich diesen Comic nicht unbedingt liegen lassen.

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Oliver, Simon / Moore, Tony – Exterminators 1 – Käferkiller

Kakerlaken sind eklig. Aber auch interessant. Das Cover von „Exterminators“ ist jedenfalls ein Blickfang. Zu sehen ist eine Kakerlake in voller Pracht, wie sie Beine und Fühler ausstreckt. Sowas möchte niemand in seiner Küche haben. Zum Glück gibt es die tapfere Truppe von |Bug-Bee-Gone|. Die Kammerjäger ziehen jeden Tag aufs Neue aus, um die Zivilisation vor dem Untergang zu bewahren. Denn das Chaos ist auf dem Vormarsch. Und es ist hungrig.

Henry fährt mit einem gelben Pick-up durch die Gegend und vernichtet Ungeziefer. Nicht gerade ein Traumjob. Ungeziefer, das bedeutet: Ratten, Kakerlaken und Waschbären. Der gelbe Pick-up gehört seinem Stiefvater Nils, der Chef eines kleinen Ladens namens |Bug-Bee-Gone| ist („Excellence in Terminating“). |Bug-Bee-Gone| ist ein Sammelbecken für alle möglichen Sorten von Sonderlingen. AJ, der neben Henry im Pick-up sitzt, ist ein sexistisches Schwein und jagt sich gerne blaues Vertilgungsmittel in die Venen. Stretch trägt einen Cowboyhut und glaubt an Karma und die Wiedergeburt. Und Kevin, na ja – ist eben Kevin …

Henry passt da gut rein, obwohl er es noch nicht so richtig wahrhaben will. Er ist ein Ex-Knacki, auf Bewährung draußen, der versucht, mit dem Job sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Irgendwie glaubt der Leser von der ersten Seite an nicht, dass daraus tatsächlich etwas wird. Denn |Bug-Bee-Gone| ist nicht einfach nur ein Sammelbecken für soziale Außenseiter. Hinter den gelben Pick-ups, den Vertilgungsmitteln und den Atemmasken schlummert die geistige Haltung, mehr zu sein als ein Team von Kammerjägern. Die Jungs von |Bug-Bee-Gone| sind die Elite im Überlebenskampf der Menschheit. Ihr Gegner: Ratten, Kakerlaken und Waschbären. Mensch gegen Natur, Ordnung gegen Chaos. Nicht grundlos wird gleich zu Beginn der Untergang des Römischen Reiches beschworen. Alles, was von dem Weltreich blieb, waren Ratten, denen die Pest im Fell saß.

Der erste Band von „Exterminators“ fühlt sich an wie der Auftakt zu einer großen, wirklich guten Geschichte. Der Plot setzt sich aus verschiedenen kleinen Handlungen zusammen, liebevoll verbunden durch originelle Details wie einen Skarabäus oder eine Schatulle mit vier Schlüssellöchern. Immer wieder hat man das Gefühl, den ganz normalen Alltag von Kämmerjägern mitzuerleben, immer wieder das Gefühl, als würde es um etwas ganz anderes gehen. Bemerkenswert ist, dass das Ungeziefer immer dort auf dem Vormarsch ist, wo der sozialen Verantwortung die Puste ausgeht: In verfallenen Mietshäusern, in den Ghettos oder in einer halb vergessenen Nervenklinik. Es ist eine liebevolle Geschichte über Außenseiter, folgerichtig ist der einzige wirkliche Bösewicht – neben den Kakerlaken – ein gewissenloser Großkonzern. Und dazu stimmt die Optik. Zeichner Tony Moore ist bekannt dafür, sich viel Zeit für seine Panels zu nehmen. Für die Zombies in „The Walking Dead“ studierte er eigens den Verfallsprozess von menschlichen Leichen. Dieses Mal hat er bestimmt Käfer und Kakerlaken observiert.

„Exterminators“ beeindruckt durch eine witzige Idee, gut ausgearbeitete Charaktere und tolles Artwork. Die recht ungewöhnliche und unterhaltsame Geschichte über Kakerlaken und ihre Jäger geht hoffentlich bald weiter. Denn noch ist die Menschheit nicht aus dem Schneider. Der Kampf gegen das Chaos geht weiter.

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Busiek, Kurt / Alberti, Mario – Redhand 1 – Der Preis des Vergessens

Ein amerikanischer Autor und ein italienischer Zeichner machen zusammen einen Comic in französischem Format. |Cross Cult| macht ernst mit seinem Verlagsnamen. Das Verlagshaus aus Asperg veröffentlichte schon zuvor Arbeiten, in denen sich unterschiedliche Comicsphären miteinander kreuzten. Hochkarätig ist die Besetzung: Autor Kurt Busiek („Astro City“, „Conan“) und Zeichner Mario Alberti („Morgana“) erzählen die Geschichte von Redhand, einem einsamen Superkrieger.

Das archaische Cover lässt es nicht vermuten, aber die ersten Seiten von Redhand sind Sciencefiction. Text gibt es auf diesen ersten Seiten nicht, da fällt die Orientierung zunächst schwer. Der Leser blickt auf eine große Stadt und wohnt einem Bombenanschlag bei. Offensichtlich soll eine Kammer mit mehreren verkabelten Überwesen in die Luft gejagt werden. Die Bilder erzählen von einer Explosion, so gewaltig, dass sie sogar noch aus dem All zu erkennen ist. Ein Anschlag in einer hochentwickelten Metropole, mehr bekommen die Leser vorerst von dieser Zukunft, die bald Vergangenheit sein wird, nicht mit.

Man braucht einen Augenblick, um zu begreifen, wie die Geschichte danach weitergeht. Der Planet ist noch derselbe, allerdings viele Jahrhunderte später. Die hochentwickelte Zivilisation ist verschwunden, ausgelöscht. Zurück blieben nur ein paar Ruinen. Ein Stamm verfolgt einen anderen, gekämpft wird wieder mit Speeren, Schwertern und Pfeil und Bogen. Es gibt ein facettenreiches göttliches Pantheon, zudem Magie und Priester. Von hochentwickelter Technologie keine Spur mehr.

Durch einen Zufall stößt einer der Stämme auf eine versteckte Kammer, eine so genannte Stätte der Alten. Hier schlummern in grünen Sarkophagen die Überreste humanoider Wesen. Götter oder Dämonen aus längst vergangenen Tagen? Niemand kann sagen, ob dieser Ort Gutes oder Böses in sich birgt. Als die Entdecker schon denken, alles in der Kammer sei tot, erwacht in einem Sarkophag Leben. Ein nackter Mann, rothaarig und muskulös, kommt hervor. Er spricht eine fremde Sprache und rettet seine Entdecker mit brachialer Gewalt vor ihren Verfolgern. Bald wird der Fremde den Namen Redhand bekommen, eine neue Sprache lernen und versuchen, sich in die archaische Kultur der Stämme einzugliedern. Mit katastrophalen Folgen. Denn Redhand ist eine Kampfmaschine, Krieg liegt ihm im Blut.

Die Story von Redhand ist gut erzählt, wie von Kurt Busiek nicht anders zu erwarten, actionlastig, besitzt aber eine Fülle von Figuren, zu denen sich nicht so leicht eine persönliche Verbindung aufbauen lässt. Zu oft wird man mit Statements wie „Ich bin, was ich bin“ oder „Ich tue, was ich tue“ abgespeist. Redhand ist die traurig-melancholische, undurchschaubare Kampfmaschine, der Priester des Dorfes ist der Neidhammel, und Redhands barbusige Geliebte ist der Schuss Erotik in der Handlung. Alles in allem gut komponiert, aber kein atemberaubender Höhenflug, wie man nach so manchen Ausgaben von Busieks „Astro City“ vielleicht hätte erwarten können. Wer die „Conan“-Storys von Busiek mochte, wird in „Redhand“ eine merkwürdige Form zerbrechlichen Höhlenmenschentums wiederfinden.

Anders hingegen das Artwork: Mario Alberti hat mit „Redhand“ phantastische Arbeit geleistet und liefert detailverliebte, nicht überfrachtete und interessant komponierte Bilder, die dem Auge schmeicheln. Landschaften und Innenräume, Anatomie, Licht und Schatten – all das sitzt und macht auch beim x-ten Ansehen immer noch Riesenspaß.

Redhand ist vorerst angelegt auf drei Bände. Der nächste Band erscheint voraussichtlich im September 2008.

http://www.cross-cult.de

Simonson, Walter / Lullabi, Ludo / Hope, Sandra – World of Warcraft 1 – Fremder in einem fremden Land

_Story_

Wie in jedem Jahr reist Rehgar mit einer Delegation erfahrener Kämpfer nach Orgrimmar, um an der jährlichen Kampfausscheidung in der dortigen Arena teilzunehmen. Eher zufällig trifft er unterwegs einen menschlichen Krieger, der in einer Schlacht mit einem monströsen Krokodil sein Geschick beweist und von Rehgar sofort in seine Dienste genommen wird.

An der Seite des Orcs und der beiden Elfenkämpfer Broll und Valeera schlägt sich der von einer Amnesie betroffene Schwertmeister nach Orgrimmar durch, wo ihm die erste echte Feuertaufe bevorsteht. Erst jetzt kann er beweisen, ob er in den Gebieten der Horde auch wirklich bestehen kann.

_Persönlicher Eindruck_

Eigentlich längst überfällig, nun endlich umgesetzt: Die Comic-Serie zum derzeit noch immer wichtigsten und populärsten Rollenspiel-Event „World of Warcraft“ hat endlich auch den hiesigen Kontinent erreicht und verspricht Entschädigung für die vielen, inhaltlich reichlich verkorksten Romanabenteuer aus dem Reich der Horde. Dies mag zwar ein ungleich schwierigeres Unterfangen sein, wenn man die erneut hohen Erwartungen der zahlreichen begeisterten „Warcraft“-Anhänger in Betracht zieht, doch da die literarischen Ergüsse bislang wirklich bescheiden und die Fans zuletzt ordentlich gebeutelt waren, konnte es eigentlich nur besser werden.

Und in der Tat, die erste Ausgabe „Fremder in einem fremden Land“ gelobt Besserung auf allen Ebenen, vor allem aber in der vielversprechenden Handlung, die hier erst mit einer etwas längeren Einleitung losgetreten wird. Dies bedeutet konkret, dass man zunächst einiges über die Motive der Hauptdarsteller erfährt, gleichsam aber auch erahnen kann, dass die gesamte Story auf einem massiven Background fußt, der hier nur kurz angeschnitten wird, beim vorliegenden Erzähltempo aber auch noch nicht näher beleuchtet werden kann. Autor Walter Simonson arbeitet unterdessen sehr fokussiert und lässt sich bei der Ausstaffierung der Charaktere und Szenarien sehr viele Freiräume, drängt aber andererseits auch sehr stark vorwärts, um die kompromisslosen Gemüter authentisch darzustellen. So ist die erste Ausgabe gezeichnet von zahllosen Schlachten und partiell auch ungezügelter Gewalt, in der die generell sehr raue Atmosphäre der Geschichte adäquat aufgefangen wird. Wenn die Schwerter kreisen, dann rollen garantiert auch Köpfe, was den Auftakt definitiv nicht mehr ganz jugendfrei macht, dementsprechend aber auch eine sehr starke Anlehnung an die bekannten Online-Abenteuer garantiert.

Dennoch verdient „Fremder in einem fremden Land“ auch ein wenig Kritik, was die eigentliche Tiefe des Plots anbetrifft. Bislang erahnt man nur, dass hinter den bisherigen Ereignissen eine Menge mehr verborgen ist, hat aber nicht die Gewähr, dass Simonson künftig noch auf die Vergangenheit der Charaktere eingehen wird, die gerade im Falle des Hauptdarstellers eine übergeordnete Rolle spielt. Es fehlen noch das Greifbare und einige markante Eckpunkte, an die man sich klammern kann, damit die Story von Anfang an die nötige Bodenhaftung bekommt. Bis dato hängt das Ganze noch ein klein wenig in der Luft, was angesichts der Tatsache, dass wir es hier mit einer relativ kurzen Debütausgabe zu tun haben, aber leicht verschmerzt werden kann. Nicht zuletzt die erstklassigen Zeichnungen von Ludo Lullabi sowie überhaupt das zeichnerische Gesamtbild können diese kleinen Kritikpunkte leicht wieder beiseite räumen und ermöglichen dem Autor im weitesten Sinne einen Einstand nach Maß. Comics und „World of Warcraft“ – diese Einheit birgt für die Zukunft sicherlich noch einiges an Potenzial!

http://www.paninicomics.de/warcraft-s10317.html

_|World of Warcraft| auf |Buchwurm.info|:_

[„Teufelskreis“ 3021 (World of WarCraft, Band 1)
[„Aufstieg der Horde“ 4292 (World of WarCraft, Band 2)
[„World of WarCraft – Das Brettspiel“ 4553
[„World of Warcraft – The Roleplaying Game“ 2003 (Grundregelwerk)

Ritchie, Guy / Diggle, Andy / Singh, M. – Gamekeeper: Auf der Spur des Jägers

Mit „Gamekeeper“ startet dieser Tage der neue Verlag |Virgin Comics|, der hierzulande von |Panini| vertrieben wird, sein viel versprechendes Debüt. Das Verlagsprogramm ist dabei vor allem darauf ausgerichtet, ältere Jahrgänge unter den Lesern der illustrierten Geschichten anzusprechen und ihnen mit experimentellen, teils auch (sozial-)kritischen Inhalten noch mehr innovatives Comic-Futter zu liefern.

Grundsätzlich könnte der Auftakt zur Verbreitung der hauseigenen Ideale daher auch nicht besser gewählt sein: „Gamekeeper“ ist bereits in Hollywood in Auftrag gegeben, und dies von Autor Guy Ritchie („Bube, Dame, König, grAs“, „Snatch – Schweine und Diamanten“, „Revolver“; Ehemann von |Madonna|) höchstpersönlich, der vom Potenzial seines Plots sofort überzeugt war und das Projekt in die Hände des ausführenden Produzenten Joel Silver übergab. Doch hat „Gamekeeper“ auch tatsächlich dieses suggerierte hohe Potenzial?

_Story_

Der tschetschenische Wildhüter, den heute alle nur noch Brock nennen, hat seine bittere Vergangenheit bereits vor zehn Jahren hinter sich gelassen, als er einem schottischen Farmer in der Nähe seiner Landesgrenzen das Leben vor dem Angriff russischer Söldner rettete. Seither lebt er in den Highlands in natürlicher Umgebung, schützt die Gegend vor Wilderern und ist mit der Zeit eins mit der unbefleckten Natur seiner neuen Wahlheimat geworden.

Als eines Tages ein einsamer Junge seinen Weg kreuzt, wird Brock sofort wieder an jenen schrecklichen Tag erinnert, als die Söldner ihm vor seinen Augen den einzigen Sohn nahmen. Doch der Wildhüter fasst Vertrauen und bringt den fremden Jüngling zu seinem besten Freund Jonah, der ihm sofort Arbeit auf der Ranch verschafft. Aber der Neuankömmling erweist sich als Verräter und Mitglied derselben Gruppe, die bereits eine Dekade zuvor ein wichtiges Schriftstück aus Jonahs Hand rauben wollte. Nun jedoch sind die Methoden radikaler und die Auswirkungen verheerender: Bis auf Brock und wenige Gefolgsleute Jonahs wird das ganze schottische Dorf bei einem inszenierten Brand ausgelöscht. Für Brock ist dies ein eindeutiges Zeichen; ein zweites Mal hat er diejenigen Menschen, die ihm wichtig sind, an dieselbe Organisation verloren. Und nun ist es endgültig an der Zeit, den Drahtzieher zu jagen und Selbstjustiz zu üben.

_Persönlicher Eindruck_

Guy Ritchie wagt sich mit der Geschichte um den unscheinbaren Tschetschenien-Flüchtling an ein nach wie vor heißes und brisantes Thema heran, insbesondere weil der Krisenherd immer noch ein explosiver Schauplatz ist und man sich gerade als Amerikaner fragen muss, inwiefern man überhaupt öffentlich Kritik an der Russland-Politik üben darf, ohne dabei ein Pulverfass zu entzünden. Ritchie allerdings nimmt dieses Setting nur als Rahmen für die persönlichen Tragödien seiner Charaktere, deren Vergangenheit unmittelbar mit dem Krieg in der Heimat verknüpft ist, und deren Leben über Jahre hinweg nur auf Ungerechtigkeit und unmenschlichen Zumutungen aufbaute.

So weit, so gut. Doch der Autor vergisst bei diesem waghalsigen Unternehmen vor allem eines, nämlich die Weiterentwicklung der wichtigen Figuren und überhaupt die Liebe zum Detail bei den Charakterzeichnungen. Hauptdarsteller Brock ist an sich nur ein Stereotyp eines verbitterten Mannes, der trotz der ihn umgebenden Ruhe eine tickende Zeitbombe ist und darauf wartet, dass er endgültig mit seiner Vergangenheit abschließen kann. Grundsätzlich ist dieser schmale Inhalt schon die Quintessenz der Story. Die Frage ist nun, was der Autor aus dieser Vorlage macht bzw. wie es ihm gelingt, das Ganze halbwegs mit Leben zu füllen – und gerade hier scheitert Ritchie über weite Strecken ganz gewaltig.

Der Schreiber und Regisseur begrenzt den tiefgängigen Teil der Handlung auf einzelne Flashbacks, die das Seelenleben der elementaren Charaktere aufschlüsseln sollen, aber keine wirklich spürbaren Impulse für die Geschichte bereithalten. Darüber hinaus setzt Ritchie an den entscheidenden Stellen auf einen Wechsel aus aufgesetzter Philosophie und eher unspektakulärer, brutaler Action, nimmt sich im Zuge dessen jedoch das gesamte Potenzial, die Story mit heiteren Wendungen und prägnanten Überraschungen füllen zu können – und gerade diese werden insbesondere in der Endsequenz von „Gamekeeper“ schmerzlich vermisst.

Was bleibt, ist leider nur der herausgezögerte Racheakt eines unberechenbaren Mannes, der hier vor einigen vorgespielten, politischen Hintergründen erzählt wird, aber alle Themenbereiche, die sich innerhalb des Plots zwangsläufig aufdrängen, nur unbedarft streift. Letztendlich bietet die Story nichts Halbes und nichts Ganzes und außer einer Reihe vielversprechender, theoretisch auch sehr interessanter Ansätze kaum etwas, was den anspruchsvollen Comic-Leser – sprich die bevorzugte |Virgin|-Zielgruppe – aus der Reserve locken könnte. In der Verfilmung mag sich Ritchie noch auf einen Wust an Effekten verlassen können; im Comic bleibt seine Erzählung aber unverhofft eine ziemliche Enttäuschung mit Hang zur Durchschnittlichkeit. Was im Übrigen nicht für die Zeichnungen gilt, die abseits der Story für die fehlenden Highlights sorgen.

http://www.paninicomics.de/?s=virgin2008

Peter A. David, A. Rio, L. Weeks, S. Phillips – World War Hulk: Prolog

Story

Die Nachwehen des [Civil War]http://www.paninicomics.de/?s=CivilWar sind auch an Bruce Banner nicht spurlos vorübergezogen. Der |Hulk|, der seit jeher als ziviler Risikofaktor betrachtet wird, wurde nach einem Gefecht mit Iron Man Tony Stark ins Weltall verbannt, wo er ohne Hoffnung auf Wiederkehr Zuflucht auf dem Planeten Sakaar findet. Obschon er dort respektiert wird, seine Frau findet und als Freiheitskämpfer großen Ruhm genießt, wird das grüne Monster jedoch nicht wirklich glücklich. Und als er schließlich seinen Nachwuchs opfern muss, wird ihm wieder bewusst, wem er seine missliche Lage zu verdanken und wem sein Racheplan zu gelten hat.

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Bajram, Denis – Universal War One 6: Der Patriarch

Band 1: [„Genesis“ 3694
Band 2: [„Die Frucht der Erkenntnis“ 3695
Band 3: [„Kain und Abel“ 3861
Band 4: [„Die Sintflut“ 4119

_Story_

Mit großen Hoffnungen begeben sich Kate von Richtburg und die Besatzung ihres Schiffes per Zeitreise zurück in die eigene Jetztzeit, um die Vernichtung der Erde ungeschehen zu machen und vor allem Hilfe für den suizidalen Ed Kalish aufzutreiben. Doch die vermeintliche Rückkehr entwickelt sich alsbald zum Debakel.

Das Team der Rebellen landet unverhofft auf einem neu kolonisierten Planeten, der vor 30 Jahren noch unter dem Namen Mars bekannt war. Dort realisieren sie zudem, dass die Zivilisation nach dem Attentat auf die Erde in Angst und Schrecken lebt. Die |Industrial Companies of Colonisation| haben einen Kontrollstaat aufgebaut und somit die verbliebene Bevölkerung einer unbarmherzigen Diktatur unterworfen. Doch mit Kalishs Geheimwaffe, der Möglichkeit der Teleportation, scheint die Widerstandsbewegung nun endlich ihren lange erhofften Gegenschlag ins Rollen bringen zu können.

Unter der Führung des wieder genesenen Kalish und Kates lange verschollenem Vater startet die Schwadron Purgatory einen verzweifelten Überraschungsangriff auf die Raumstation der ICC. Allerdings werden die Widerstandskämpfer dort bereits erwartet …

_Persönlicher Eindruck_

Oh mein Gott, welches Genie verbirgt sich nur hinter diesem Denis Bajram! Mit dem Abschlussband seines innovativen Sechsteilers „Universal War One“ setzt der französische Comic-Autor noch mal gehörig einen drauf und inszeniert ein Finale, wie es brillanter und einfallsreicher kaum sein könnte.

Dabei hat Bajram die Überraschungen einmal mehr auf seiner Seite, indem er noch lückenhafte Puzzlestücke innerhalb der bemerkenswerten Entwicklungen in den Plot integriert und noch einmal einige Personen aus der Zeitschleife hervorholt, die man dort bereits auf ewig verschollen wähnte. Ohne dabei zu viel verraten: Was der Autor auf den letzten Seiten aufdeckt und wie er die gesamte Story rückblickend noch einmal in der Handlung analysiert, setzt der Komplexität, die „Universal War One“ bis dato sowieso schon auszeichnete, endgültig die Krone auf.

Dementsprechend ist es auch dieses Mal wieder eine echte Herausforderung, das Ganze näher zu beschreiben und zu erörtern, da das Phänomen der Zeitreisen auch in „Der Patriarch“ keinen festen Klammerpunkt aufzubieten vermag. Bajram beginnt einmal mehr stringent und zielgerichtet mit einem merkwürdigen, zunächst noch wenig aussagekräftigen Flashback, dreht den Kreisel der Zeit dann weiter in die Zukunft auf dem Mars und wendet den gesamten Verlauf ausgerechnet dann noch einmal um die eigene Achse, wenn der Leser sich schon auf ein durch und durch actionreiches Finale einstellt. Doch stattdessen wählt Bajram – der Philosophie seines bisherigen Vorgehens entsprechend – einen ruhigen Abschluss, in dem der Dialog das maßgebliche Element ist, die sich plötzlich offenbarende Brisanz dann aber auch wieder schnell entschärft, um dem Leser Zeit zum Verarbeiten des Unglaublichen zu gewähren. Somit gelingt es auch im entscheidenden Moment, den Fokus ausschließlich auf den Hauptakt zu legen, die Story nicht mit überflüssigem Bombast und vergleichsweise übertriebener Action zu überfrachten und insbesondere das wahre Herz der Science-Fiction in einer modernen, komplexen Inszenierung doch wieder zurück zu seinen Wurzeln des Genres zu führen – und dies, man vergegenwärtige sich dies noch einmal, in einer Comic-Serie!

Faszinierend ist letztendlich auch, dass Bajram die Geschichte zu Ende bringt, ohne dabei das gesamte Potenzial bis zum Exzess ausloten zu müssen. Auch nachdem die Reihe abgeschlossen ist, wäre es noch möglich, die Handlung zu erweitern und mit den Zeitreisen zu spielen, ohne dass dadurch zwangsläufig der Charakter der Erzählung verändert werden müsste. Allerdings hält Bajram ebensolche Ausschmückungen Gott sei Dank für unnötig und bleibt seiner zielstrebigen Arbeitsweise bis zuletzt treu. Gerade dieser Qualität ist es auch zu verdanken, dass „Universal War One“ zu einer der souveränsten Science-Fiction-Sagas der letzten Jahre, inhaltlich sogar zu einem der anspruchsvollsten Werke aller Zeiten geworden ist. Mit nur einer abgeschlossenen Serie ist der Autor auf dem besten Wege, sich innerhalb der anspruchsvoll illustrierten Kunst zu einer Legende zu entwickeln – und dies völlig verdient. Denis Bajram: Diesen Namen sollte man sich spätestens jetzt in seinen persönlichen Empfehlungslisten ganz dick anstreichen!

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Feist, Raymond E. / Williams, Tad – Holzjunge, Der / Der brennende Mann

Fantasy-Liebhaber werden dieser Tage auch im Comic-Sektor mit einigen echten Schätzchen verwöhnt. Nachdem bereits die Lizenzen für Salvatores „Saga vom Dunkelelf“ sowie die Adaptionen einiger „Drachenlanze“-Geschichten in jüngster Zeit Aufsehen erregen konnten, wagte man sich zuletzt sogar an Großmeister wie Raymond E. Feist und Michael Moorcock heran und machte das Thema Fantasy in Windeseile zur gleichberechtigten Konkurrenz zur Superhelden-Maschinerie. Bestätigt durch den Erfolg der Serien, stehen auch für 2008 wieder einige Highlight-Transfers auf dem Verlagsprogramm. Den Auftakt macht dabei ein Doppelband, der sich den Welten Midkemia (Feist) und Osten Ard (Tad Williams) widmet. Und schon scheint der nächste phantastische Comic-Kracher vorprogrammiert.

_Inhalt_

|“Der Holzjunge“|

Dirk wächst als friedlicher Diener von Lord Paul von Weissbergen auf und muss entsetzt mit ansehen, wie sein friedliches Dorf von der unbarmherzigen Horde der Tsurani-Soldaten erobert wird. Monatelang verbringt er in der Sklaverei und erhält wegen seiner Botengänge mit dem wertvollen Brennholz alsbald den Beinamen ‚der Holzjunge‘.

Während er seinem alten Lord loyal dient und sich den Tsurani unterwürfig zeigt, um nicht das gleiche tödliche Schicksal wie seine ehemaligen Gefährten zu erleiden, wirft Dirk ein Auge auf Pauls Tochter Anika, deren Anmut ihn sofort in ihren Bann zieht. Doch noch während er davon träumt, eines Tages um ihre Hand anzuhalten, wird Weissbergen von einer grausamen Mordserie erschüttert. Nahezu die gesamte Bevölkerung wird gemeuchelt; nur von Anika und der Leibgarde des Lords fehlt jegliche Spur. Was genau steckt hinter dem Attentat? Dirk ist entschlossen, den Urheber zur Strecke zu bringen und Anika zu befreien, merkt aber nicht, dass er lediglich das Bauernopfer einer schrecklichen Intrige ist …

|“Der brennende Mann“|

Breda ist bereits eine alte Frau, deren letzte Jahre nur noch darauf ausgerichtet waren, den Tod zu empfangen – so wie einst ihre vielen Wegbegleiter, von denen sie zu berichten hat. Bereits als kleines Kind verlor sie ihren Vater, musste an der Seite ihres lieblosen Stiefvaters später miterleben, wie ihre Mutter im Todesschlaf einige seltsame Äußerungen von sich gibt, und verbrachte schließlich ihre gesamte Jugend an der Seite von Sulis, der einst ihre Mutter den Händen ihres Großvaters entzog.

Unterdessen reift ihre Liebe zu Tellarin, einem furchtlosen Soldaten, in den sie sich auf den ersten Blick verliebt und mit dem sie einige leidenschaftliche Nächte verbringt. Erst als Sulis eine alte Hexe einkerkern lässt und von ihr ein Geheimnis herauspressen möchte, verändert sich Bredas Welt schlagartig wieder in ihr altes Unheil. Das nunmehr erwachsene Mädchen freundet sich mit der alten Dame an und versucht, hinter ihr Geheimnis zu blicken, zumal sie endlich eine Verbindung zu den Worten ihrer Mutter am Sterbebett sieht. Doch je tiefer sie in die verborgene Welt ihres Stiefvaters und dessen Bücher eindringt, desto beängstigender eröffnet sich für Breda schließlich die erschreckende Realität …

_Persönlicher Eindruck_

Schien der Erfolg nach den beeindruckenden vorangegangenen Projekten auch in diesem Doppelband vorprogrammiert – vor allem, weil sich hier mit Heist und Williams das Who-is-who der traditionellen Fantasy trifft -, so ist die Enttäuschung über die versäumte Chance letztendlich groß. Entgegen den hochgesteckten Erwartungen ist der Doppelband nämlich mitnichten das angekündigte Highlight, sondern vielmehr ein laues Lüftchen im Vergleich zur Konkurrenz im eigenen Hause.

Das Unheil beginnt bereits bei der quantitativen Gestaltung der beiden Geschichten, die individuell doch sehr knapp gehalten ist und gerade der ersten Story jeglichen Entfaltungsspielraum nimmt. Der Protagonist bekommt zwar die Gelegenheit, seine jüngste Lebensgeschichte recht ausführlich darzustellen, doch insgesamt ist seine Erzählung mehr eine Aneinanderreihung interessanter Anekdoten als ein wirklich spannender Fantasy-Plot. Darüber hinaus kommt auch die eigentliche Tragödie hinter Dirks Schicksal nur bedingt zum Vorschein bzw. wird auf der Schlussseite beinahe nebensächlich in den Hintergrund verdrängt. Ungeachtet dessen ist das Potenzial der Geschichte beträchtlich hoch und gerade auf der emotionalen Ebene inhaltlich sehr ansprechend. Leider aber ist der Abriss der Story derart kurz, dass auch für die noch erforderlichen Ausschmückungen kein Platz geblieben ist und die mögliche Dramaturgie geradezu im Keim erstickt wird. Zwar ist „Der Holzjunge“ nun kein wirklich schlechter Comic, aber gerade im Hinblick auf die Möglichkeiten, die in dieser Adaption lauerten, darf man doch ein wenig enttäuscht sein – sowohl von der Adaption der Geschichte als auch vom zeichnerischen Gesamtbild.

Dem entgegen ist „Der brennende Mann“ von Fantasy-Ikone Tad Williams schon ein brutal schwacher Absturz. Im Gesamtverlauf der Comic-Geschichte gelingt es hier an wirklich keiner Stelle, die eigentliche Krux des Plots mal näher zu fokussieren, so dass die Handlung ein wenig in der Luft hängt, ohne dabei gewichtige Inhalte zu vermitteln. Auch hier kann man sich nicht so recht entscheiden, welchen Teil der Tragik man nun priorisiert betonen soll, was sich letztendlich in einer ziellosen, kaum spannenden, schlussendlich aber auch besonders verwirrenden Ausarbeitung darstellt, deren Grundaussage bis zur letzten Seite nicht greifbar ist. Ähnlich wie zuletzt noch bei [„Elric“, 3845 bleibt die Story zwischen der Vielzahl von Dia- und Monologen ziemlich blass und unattraktiv und avanciert schon nach wenigen Seiten zu einer ziemlich herben Enttäuschung.

Dieses Resümee darf man dann leider Gottes auch für den gesamten Sammelband ziehen. Zwar wäre es überzogen, den Comic-Inszenierungen gänzlich Lieblosigkeit vorzuwerfen, dafür ist das Unterfangen letztendlich doch zu gewaltig, doch wenn sich vor Augen führt, welche Welten hier adaptiert wurden und wie schwach die Geschichten im direkten Vergleich zu den [Originalromanen 2734 abschneiden, bleiben „Der Holzjunge“ und „Der brennende Mann“ auf allen Ebenen weit hinter den großen Hoffnungen zurück. Leider ist dann doch nicht alles Gold, was in |Paninis| Fantasy-Serie glänzt.

http://www.paninicomics.de/der-lehrling-des-magiers-s10521.html

Hannes Hegen (Hrsg.) / Lothar Dräger (Text) / Edith Hegenbarth (Zeichnungen) – Digedags in New York, Die (Amerikaserie Band 15)

Unter der Schirmherrschaft von Hannes Hegen erschienen im „Mosaik“ Monat für Monat die Abenteuer des zwergenhaften Trios bestehend aus den mutmaßlichen Brüdern Dig, Dag und Digedag – kurz: „Die Digedags“. Allerdings nur im Osten der Republik, denn im Westen waren (und sind) die drei umtriebigen Wichte – und Vorväter der etwas bekannteren „Abrafaxe“ – weitgehend unbekannt. Nach der Wiedervereinigung wurde es still um die Digedags, bis 2005 alle bisher erschienenen Geschichten vom wiederauferstandenen Verlag |Junge Welt| noch einmal als Sammelbände zu je vier Heften komplett neu aufgelegt wurden.

_Die Digedags_

Die drei tauchen in verschiedenen Menschheitsepochen auf und erleben dort ihre Abenteuer bzw. begleiten Persönlichkeiten dieser Ära mit Fleiß, Wissen und Witz. Die stets jugendlich wirkenden Digedags altern nicht und ihr markantes Äußeres bleibt weitgehend unverändert – sämtliche leichten Variationen in ihrem Aussehen sind wohl eher der Weiterentwicklung Edith Hegenbarths als Zeichnerin zuzuschreiben. Die Texte legte ihnen Lothar Dräger in den Mund, das heißt: Nein, nicht direkt. Bei den Digedags herrscht nämlich weitgehend Sprechblasenfreiheit. An die Untertitelung der Panels hat man sich aber schnell gewöhnt und sie schätzen gelernt.

_Die Amerikaserie_

Die Amerikaserie, welche 1979 erstveröffentlicht wurde, ist eine der größten und umfasst 60 Einzelhefte (von 152 bis 211). Diese schafften es, ursprünglich zusammengefasst in insgesamt zehn Sammelbände, bis zur stolzen achten Auflage. Diese erschien noch 1989, kurz vor dem Mauerfall. Die Geschichte der Amerikaserie beginnt in New Orleans 1860, bevor der amerikanische Bürgerkrieg ausbrach, und sie endet in New York vier Jahre später. Bis dahin haben sich die Digedags quer durch den nordamerikanischen Kontinent gewuselt und im Kampf gegen die Sklaverei allerhand erlebt.

_Band 15 – Die Digedags in New York (Mosaik 208 bis 211)_

Bevor die letzte Etappe in Angriff genommen werden kann – die Passage über den Atlantik, entlang der Ostküste der USA bis zum Ziel New York -, muss zunächst noch der „Flibustier-Zyklus“ auf San Felipe zu einem Ende gebracht werden – zu einem glücklichen, wie nicht anders zu erwarten war. Pedro verlobt sich mit Senorita Isabella und der Don gelobt (nicht ganz freiwillig und ebenso scheinheilig), mit seinen fruchtlosen Piraten-Kapriolen aufzuhören. Die Digedags sind selbstverständlich wieder frei und können ihre Reise zur Unterstützung des „Sklaven-Express“ mittels des von ihnen geborgenen Goldes (vgl. „Die Digedags und der Goldschatz“) endlich fortsetzen. Der amerikanische Bürgerkrieg ist mittlerweile voll entbrannt, und das wirft dem Trio erneut Steine in den Weg.

Kurz nachdem sie ein nach New York schipperndes Nordstaaten-Patrouillenschiff aufgabelt hat, wird dieses in ein Gefecht mit einem Blockadebrecher verwickelt. In dessen Verlauf werden die Digedags von Bord gerissen und stranden an der Küste Floridas – bekanntlich Mitglied der Union der Südstaaten. Durch einen Zufall treffen sie Bob Morris (Jenny Jokers Beinahe-Verlobter, vgl. „Die Digedags am Mississippi“) wieder, welcher inzwischen als Yankee-Offizier im Untergrund tätig ist. Er und seine Truppe sind nach einem groß angelegten Sabotageakt sowieso auf dem Weg in den Norden. Er bietet den Digedags natürlich die Mitfahrt an, doch ihr Schiff, das sie heimlich abholen und nach New York bringen soll, wird an der Küste von Südstaaten-Einheiten aufgebracht und vertrieben. So bleibt nur der beschwerliche und gefährliche Marsch durch Feindesland, bis man sichere Nordstaaten-Territorien erreicht.

_Eindrücke_

Endspurt. Im letzten Band der Serie wird der wichtigste Handlungsstrang – die Verwertung des Goldschatzes für die Sache des Nordens – halbwegs zufriedenstellend abgeschlossen, wobei das Ende des großen Abenteuers mit drei Hopplahopp-Kapiteln doch ein wenig dürftig ausfällt. Man hätte zumindest das Schicksal der restlichen Hauptfiguren (speziell Mrs. Jefferson, Colonel Springfield, Abe Gunstick aber auch von Doc Tombstone und Jack – Coffins hatte sich ja eh selbst gerichtet) vielleicht noch beleuchten sollen, desgleichen die Agenten Clever und Sniffler. Diese allesamt sehr wichtigen Gestalten, die uns über Bände hinweg immer wieder begleitet haben, entschwinden recht abrupt aus der Geschichte. Erstaunlich, wenn man bedenkt, welch Aufwand betrieben wurde, um manche Figuren und Begebenheiten zu implementieren.

Wenigstens weiß man Major Pinkerton, Smokey, Käpt’n Blubber und Pedro in sicherer Obhut. Dass Jenny und Bob heiraten würden, war zwar auch klar, ist aber den Machern lediglich eine Fußnote auf der letzten Seite wert. Auch der Werdegang der restlichen Joker-Familie – also Jonathan, Jeremias, Jesse und Emily – bleibt im Dunklen. Schade, denn die Leserschaft hätte sich bestimmt ein „runderes“ Finish der Serie gewünscht. Über Sinn und Unsinn der Neuauflage ist auch an dieser Stelle schon viel referiert worden. Die alte Aufteilung der Serie auf zehn Bände war schlüssiger und die Übergänge eleganter. Seit die Serie 2005 auf 15 Bände gebracht wurde, was man mit Reduzierung der Seitenzahl pro Band erreichte, sind die Schnitte krasser und die Bücher enden häufiger als früher in nachweislich unnötigen Cliffhangern.

_Fazit_

Es ist geschafft! Nach respektablen 1500 Seiten ohne eine einzige Sprechblase ist die Amerikaserie im Zielhafen eingelaufen; zum Schluss etwas hektisch und irgendwie unrund, doch wie immer mit Witz und Charme. Leider werden nicht alle Handlungsstränge in letzter Instanz befriedigend abgeschlossen, und das hinterlässt hinsichtlich der Gesamtstory einen leicht unfertigen Eindruck. Die komplette Neuauflage (und nur so hat die Serie wirklich Sinn) ist mit knapp 195 Euro (12,95 € pro Band) teuer zu bezahlen; alternativ dazu ist es möglich zu versuchen, günstig an die zehn alten DDR-Bände zu kommen. Es lohnt sich. Die Digedags haben es nämlich verdient, mehr gelesen zu werden – nicht nur von alten und gealterten Fans.

_Die Buchdaten auf einen Blick:_

„Die Digedags in New York“ – Amerikaserie, Band 15
Enthält die Mosaik-Hefte 208 bis 211
© 1980 und (Neuauflage) 2005 – Buchverlag Junge Welt, Berlin
Herausgeber: Hannes Hegen
Text: Lothar Dräger
Figurinen: Edith Hegenbarth
ISBN: 3-7302-1887-5 (neu)

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Hannes Hegen (Hrsg.) / Lothar Dräger (Text) / Edith Hegenbarth (Zeichnungen) – Digedags und der Seedrachen, Die (Amerikaserie Band 14)

Unter der Schirmherrschaft von Hannes Hegen erschienen im „Mosaik“ Monat für Monat die Abenteuer des zwergenhaften Trios bestehend aus den mutmaßlichen Brüdern Dig, Dag und Digedag – kurz: „Die Digedags“. Allerdings nur im Osten der Republik, denn im Westen waren (und sind) die drei umtriebigen Wichte – und Vorväter der etwas bekannteren „Abrafaxe“ – weitgehend unbekannt. Nach der Wiedervereinigung wurde es still um die Digedags, bis 2005 alle bisher erschienenen Geschichten vom wiederauferstandenen Verlag |Junge Welt| noch einmal als Sammelbände zu je vier Heften komplett neu aufgelegt wurden.

_Die Digedags_

Die drei tauchen in verschiedenen Menschheitsepochen auf und erleben dort ihre Abenteuer bzw. begleiten Persönlichkeiten dieser Ära mit Fleiß, Wissen und Witz. Die stets jugendlich wirkenden Digedags altern nicht und ihr markantes Äußeres bleibt weitgehend unverändert – sämtliche leichten Variationen in ihrem Aussehen sind wohl eher der Weiterentwicklung Edith Hegenbarths als Zeichnerin zuzuschreiben. Die Texte legte ihnen Lothar Dräger in den Mund, das heißt: Nein, nicht direkt. Bei den Digedags herrscht nämlich weitgehend Sprechblasenfreiheit. An die Untertitelung der Panels hat man sich aber schnell gewöhnt und sie schätzen gelernt.

_Die Amerikaserie_

Die Amerikaserie, welche 1979 erstveröffentlicht wurde, ist eine der größten und umfasst 60 Einzelhefte (von 152 bis 211). Diese schafften es, ursprünglich zusammengefasst in insgesamt zehn Sammelbände, bis zur stolzen achten Auflage. Diese erschien noch 1989, kurz vor dem Mauerfall. Die Geschichte der Amerikaserie beginnt in New Orleans 1860, bevor der amerikanische Bürgerkrieg ausbrach, und sie endet in New York vier Jahre später. Bis dahin haben sich die Digedags quer durch den nordamerikanischen Kontinent gewuselt und im Kampf gegen die Sklaverei allerhand erlebt.

_Band 14 – Die Digedags und der Seedrachen (Mosaik 204 bis 207)_

Immer noch sitzen die Digedags auf der kleinen Karibik-Insel San Felipe in der Hand des adligen Despoten Don Manuel di Tornados fest. Der gedenkt auch weiterhin, den Ruhm der spanischen Flibustier-Piraten wieder aufleben zu lassen. Zu diesem Zweck hatte er die Digedags und Pedro dazu verdonnert, die Kanonen einer in einer Bucht gesunkenen spanischen Galeone zu bergen, was diese widerwillig ausführen mussten (vgl. „Die Digedags und die Piraten-Insel“). Auf Pedro können sie bei ihren Fluchtgedanken und -versuchen immer weniger zählen – der hat nur noch Augen für Senorita Isabella, des Dons bildhübsche Tochter. Diese Schwäche nutzen Vater wie Tochter schamlos dazu aus, „den stärksten Mann der Welt“ gefügig zu machen und bei der Stange zu halten – sehr zum Leidwesen der Digedags natürlich.

Das kindische Piratenspiel des verschrobenen Don geht also erst einmal beinahe ungehindert weiter. Aber eben nur beinahe, denn die Digedags spielen ihm immer wieder Streiche, die ihm sein „glorreiches“ Flibustier-Leben vergällen. Als das Maß voll ist, sperrt er das Trio in den höchsten Turm seines Kastells. Doch auch das kann die findigen drei Wichte nicht davon abhalten, sich etwas für ihre Flucht auszudenken. Wie man sie kennt, tüfteln so lange herum, bis sie – unter anderem mit Hilfe eines gelehrigen Affen – auf dem Luftweg aus ihrer Gefangenschaft entkommen können. Ihr Trip endet auf einem englischen Handelsschiff, der „Seedrachen“, wo sie zunächst willkommen geheißen werden. Allerdings entpuppt sich ihre Flucht als Phyrrus-Sieg, denn Lord Flapdoodle ist im Begriff, San Felipe anzulaufen. Die Digedags können den Engländer nicht davon abbringen.

_Eindrücke_

Der weichherzige Pedro, der stärkste Mann der Welt, begleitet die drei nun schon seit einer geraumen Zeit (vgl. „Die Digedags in Panama“), wandelt sich aber langsam zur Marionette der beiden spanischen Adligen – sehr zum Leidwesen der Digedags und natürlich auch der Leserschaft. Zudem ist der „San-Felipe-Zyklus“ mittlerweile unnötig lang geraten; irgendwann gehen einem die Eskapaden und verdrehten Redensarten des Don – so witzig sie zum Teil auch sein mögen – auf die Dauer ein wenig auf den Senkel. Die eigentliche Geschichte um den aus dem Bergsee in den Rocky Mountains geborgenen Goldschatz, den es in New York zu Geld zu machen gilt, um damit den „Sklaven Express“ und somit die Sache der Nordstaaten zu unterstützen, stagniert nun schon seit einigen Kapiteln in der Karibik.

Die schlechte Nachricht zuerst: Auch am Ende dieses Bandes (übrigens wieder ein „eingeschobener“ der Neuauflage, den es früher nicht gab) lungern die Digedags immer noch auf San Felipe herum. Die gute: Dank des Auftauchens von Lionel Flapdoodle kommt etwas Schwung in die Sache, und das hat sogar (indirekt) wieder etwas mit der Hauptgeschichte bzw. dem Bürgerkrieg in den USA zu tun. Das heißt, dass ein Ende dieses Trips auf einem Nebenarm der Story endlich absehbar ist. Allerdings muss sich der geneigte Leser für den endgültigen Schlusspunkt bis zum nächsten Band gedulden. Bis dahin dürfen die drei blitzgescheiten Wichte wieder alle Register ihres Geistes und Könnens ziehen, um dem spanischen Möchtegern-Piraten und dem gar nicht so feinen englischen Gentleman mit dem ihnen eigenen Humor tatkräftig in die Suppe zu spucken.

_Fazit_

Es ist bald geschafft, die Serie befindet sich im Endspurt und auch der etwas in die Länge gezogene Part über den Despoten von San Felipe ist de facto abgeschlossen. Dieser gesamte Teil, der auf der kleinen Karibik-Insel spielt, hinkt dem Rest der Amerikaserie ein wenig hinterher, da er sich zu sehr immer wieder in das gleiche Muster verstrickt. Ein Band wäre okay gewesen, bei der Neuauflage zeiht sich’s jedoch auf deren fast drei, bei der alten DDR-Version waren es „nur“ zwei, was subjektiv schon zäh genug war. Objektiv sind die Kapitel natürlich in Zahl und Inhalt gleich, nur anders auf die Sammelbände aufgeteilt. Eine Leseempfehlung gibt es trotzdem, schon der Komplettserie zuliebe.

_Die Buchdaten auf einen Blick:_

„Die Digedags und der Seedrachen“ – Amerikaserie, Band 14
Enthält die Mosaik-Hefte 204 bis 207
© 1980 und (Neuauflage) 2005 – Buchverlag Junge Welt, Berlin
Herausgeber: Hannes Hegen
Text: Lothar Dräger
Figurinen: Edith Hegenbarth
ISBN: 3-7302-1886-7 (neu)

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Diverse – Bart Simpson Comics 36

_Inhalt_

|“Einer flog über das Altersheim“|

Bart bekommt die folgenschwere Aufgabe, für einen Schulaufsatz Ahnenforschung zu betreiben und seinen Großvater über sein momentanes Leben auszuquetschen. Sein Besuch im Altenheim wird jedoch zum Skandal. Bart erkennt, dass die alten Männer eigentlich ganz cool sind, von ihrer Pflegerin aber menschenunwürdig behandelt werden. Grund genug, sich gegen die strenge Dame zur Wehr zu setzen.

|“Einer für alle und Alpha einen“|

Auf einer Baustelle einer künftigen Luxus-Wohnsiedlung tollen Bart und seine Kumpel ein wenig herum und entdecken dabei eine scheinbar uralte Stammesbibel, die der Legende nach für einen Auserwählten bestimmt sein soll. Bart und Milhouse streiten sich fortan darum, wem nun die Ehre gebührt, das Alphamännchen zu sein, und entscheiden sich schließlich, eine dritte Person ins Boot zu holen. Allerdings bereuen die beiden diesen Zug schon bald wieder …

_Persönlicher Eindruck_

In der 36. Ausgabe der „Bart Simpson“-Comics werden dem Leser gleich vier kurze Geschichten erzählt, von denen zwei allerdings nur den Charakter eines kurzen Strips innehaben. Den Auftakt macht dabei eine offenkundige Parodie auf den Jack-Nicholson-Klassiker „Einer flog übers Kuckucksnest“, welcher hier ein wenig zweckentfremdet dargestellt wird, indes aber nicht über den inhaltlichen Biss des Originals verfügt. Die Geschichte ist zwar recht sympathisch und die Rollen der alten Männer wurden prächtig ins Gesamtgefüge eingeflochten, doch da letztendlich eher die Moral und viel weniger der Unterhaltungswert im Vordergrund steht, bleibt am Ende nur ein eher durchschnittliches Vergnügen.

Nach einer dreiseitigen Fehde mit Bart und seinem inneren Teufel treiben Milhouse und Bart Streiche an einem öffentlichen Briefkasten und sorgen prompt für den bislang vermissten Humor-Nachschub. Die Art der Situationskomik ist genau in dem Maße aufbereitet, wie man es von den Simpsons am Liebsten mag – ein wenig schmutzig, und doch alltagstauglich. Schade, dass genau derlei Aspekte auch in der zweiten, längeren Story abhanden kommen. Die Handlung ist ein wenig plump, die Gags sind erschreckend schwach und auch die Rollenaufteilung geriet nicht wirklich günstig. Oder anders gesagt: Das hat man innerhalb dieser Comic-Reihe alles schon mal viel besser gesehen!

Schlussendlich ist Heft Nr. 36 somit eine weitere Enttäuschung, die einmal mehr gewaltig hinter der offiziellen Serie, den „Simpsons Comics“, zurücksteht. Zum wiederholten Male schleicht sich der Eindruck ein, als seien die Bart-Storys, die in diesem Ableger veröffentlicht werden, lediglich Ausschussware, die anderweitig durchs Qualitätsraster fallen würde. Überzeugend sind die vier hier gebotenen illustrierten Erzählungen jedenfalls nicht!

Gebundene Ausgabe : 136 Seiten
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Téhy / Vax / Vee, J. M. – Yiu 3 – Die Kaiserin der Tränen

Band 1: [„Die Armee des Neo-Mülls“ 4289
Band 2: [„Die Auferstehung des Unreinen“ 4290

_Story_

Ihr neuester Auftrag führt Berufskillerin Yiu in die Feste von Jesus Frans Verbruggen, einem Prälaten des Klerus, der wegen seiner Beteiligung an mehreren Snuff-Produktionen nun durch die Hand der Agentin das Zeitliche segnen soll. Nach monatelangen Vorbereitungen scheint der Tag X gekommen, doch ausgerechnet jetzt wird Yiu durch einen Überfall auf ein Jerusalemer Krankenhaus aus dem Konzept gebracht.

Dort ist auch ihr Bruder Ji-A nebst einigen anderen tragischen Fällen untergebracht, sodass die Killerin keine weitere Zeit verstreichen lassen kann. Blitzschnell und entgegen allen Abmachungen macht Yiu kurzen Prozess und hinterlässt eine Welle der Verwüstung, beendet ihre Mission jedoch erfolgreich. Auf eigene Faust eilt sie daraufhin zum Szenario des Terrorakts, stellt den Anführer und erfährt von ihm, dass er die immens große Samenbank, das Wunder der menschlichen Schöpfung, zerstören will. Einige Morde später schließt Yiu aus ihren Ermittlungen jedoch, dass die Wahrheit hinter dem Anschlag von weitaus größerer Tragweite ist.

_Persönlicher Eindruck_

Nach dem ziemlich schwachen Auftakt der Action-Reihe nehmen die neueren Kapitel aus Téhys Comic-Serie „Yiu“ langsam aber sicher akzeptable Formen an. Den Höhepunkt dessen markiert vorläufig die dritte Episode „Die Kaiserin der Tränen“, gleichzeitig Beginn eines Zweiteilers, der nicht zuletzt aufgrund seiner quantitativen Freiräume weitaus mehr Tiefgang auffährt als die bisherigen Veröffentlichungen. Zwar bleiben das sehr hohe Erzähltempo sowie die uneingeschränkte Action nach wie vor Mittelpunkt des Plots, jedoch gewinnt dieser durch die wachsende Komplexität seiner Stränge ein Potenzial, welches man bislang noch nicht erahnen konnte – und das darf man getrost als sehr positive Überraschung werten.

Nichtsdestotrotz verzichtet Téhy auch in den aktuellen Sequenzen nicht auf maßlose Gewalt, teils vulgäre Sprache und schonungslose Auseinandersetzungen. In „Die Kaiserin der Tränen“ ist der Blutzoll erneut sehr hoch, wobei dieser nicht mehr der Handlung übergeordnet ist. Diese nimmt nämlich langsam aber sicher konkrete Strukturen an, lässt sich auch von der x-ten Schießerei nicht unterbuttern und steht auch nicht im Schatten der futuristischen Zeichnungen, die dieses Mal ebenfalls einen Qualitätssprung verzeichnen konnten. Somit ist zumindest ein Mindestmaß an Handlung gewährleistet, welches später Hand in Hand mit der kompromissfreien Action geht, einige feine Wendungen beinhaltet und mitsamt des anständigen Cliffhangers auch eine mehr als passable Überleitung in den Folgeband gewährleistet. Dies ist an der Stelle definitiv mehr, als man erwarten konnte.

Das dritte Kapitel der „Yiu“-Reihe nun allerdings in den Himmel zu loben, wäre völlig unangebracht, da auch weiterhin die bekannten Schwächen, wenn auch nicht so ausgeprägt, vorherrschen. Der Aufbau der Story könnte beispielsweise insgesamt noch etwas zielstrebiger sein, die Charakterzeichnungen hingegen missen weiterhin wichtige Details, sodass eine Identifikation mit Figuren und Szenerie nur sehr behäbige Entwicklungen unternimmt. Außerdem ist in „Die Kaiserin der Tränen“ auch die Rollenverteilung ein wenig unstet und sorgt im mittleren Part der Story für ein wenig überflüssige Verwirrung.

Trotzdem können diese erneuten Makel nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Serie langsam ein respektables Format annimmt und sich aus den anfänglichen Schatten hinauskämpft. Zumindest die Spannung ist über dieses Kapitel hinaus auf einem richtig guten Level angesiedelt, weshalb der dritte Band sogar am Rande einer Empfehlung steht. Und dies ist, ich mag mich wiederholen, durchaus mehr, als nach den enttäuschenden Vorgänger-Episoden zu erwarten war!

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Harrison, Mick / Ross, Dave – Star Wars 67: Dark Times II – Parallelen

_Inhalt_

|“Parallelen – Teil 1″|

19 Jahre vor der Schlacht von Yevin: Der Stand des Jedi-Ordens ist aufs Äußerste bedroht. Das Imperium hat einen Feldzug gegen die Macht gestartet, dem viele tapfere Ritter zum Opfer gefallen sind. Auch die alten Meister K’Kruhk und Jeisel müssen schmerzlich erfahren, wie deutlich sich das Blatt gewendet hat. Ihr Auftrag, einige Padawane zu schützen, droht zu scheitern, als die begleitenden Klonkrieger sie an Ort und Stelle verraten. Für Jeisel kommt dabei jede Hilfe zu spät.

Unterdessen hat Bomo Greenbark an Bord der Uhumele Zuflucht gefunden, ist aber immer noch von starker Trauer um seine verlorene Familie gezeichnet. Aber auch die Tatsache, dass der Schiffseigner Heren noch kein Vertrauen zu ihm fasst, setzt ihm schwer zu. Lediglich die junge Begleiterin Crys scheint imstande, ihm vorübergehend Trost zu spenden – bis die Sprache auf Dass Jennir kommt …

_Persönlicher Eindruck_

Nach den folgenschweren Ereignissen und dem leider etwas abruptem Ende des vorangegangenen Mehrteilers „Der Weg ins Nichts“ scheint es nur allzu konsequent, die Geschichte um den verzweifelten Bomo Greenbark und seinen einstigen Gefährten Dass Jennir weiter fortzuführen. Allerdings wird die neuerliche Fehde im ersten Kapitel nicht direkt in den Fokus genommen. Stattdessen widmet sich Autor Mick Harrison vorwiegend dem drohenden Untergang des Jedi-Ordens, der nicht nur das Schicksal des neuen Hauptdarstellers K’Krukh auf eine harte Probe stellt, sondern grundsätzlich der Aufhänger für allerlei neue Konflikte zu sein scheint. Das Imperium ist infolge der Order 66 auf dem Vormarsch, die Hatz auf die Jedi-Ritter hat begonnen, und somit ist ihr Fortbestehen und Wachstum besonders für die Meister oberste Prämisse.

Angesichts dieser Tatsache stürzen die drei Protagonisten K’Krukh, Crys und auch Bomo in eine tiefe Krise. Erstgenannter macht sich selbst dafür verantwortlich, den Verrat der Klonkrieger nicht rechtzeitig gespürt und den Tod seiner langjährigen Freundin Jeisel verschuldet zu haben, während Crys verbittert über den Verlust ihres Sohnes ist, der ihr einst von den Jedi im Glauben, er sei ein geeigneter Padawan, genommen wurde. Bomo gerät indirekt in die Szenerie hinein, verlangt allerdings zunächst nichts anderes als Schutz und Ruhe, um seine verheerenden Opfer zu verarbeiten. Allerdings steht er trotz allem noch gewissenhaft hinter seinem ehemaligen Jedi-Kumpan und forciert somit eine weite Auseinandersetzung mit seiner nunmehr einzigen engeren Vertrauten, die den Jedi überhaupt nicht gut gesonnen ist. Doch nicht nur dieser Umstand bringt Greenbark beinahe um den Verstand – bis er schließlich doch noch zeigen kann, was wirklich in ihm steckt.

Die Geschichte nimmt also einen ganz neuen Verlauf, stützt sich aber in bestimmten Aspekten ganz klar auf die Vorgänger-Story, die allerdings nicht als bekannt vorausgesetzt wird. Darüber hinaus scheinen die Inhalte dieses Mal ein ganzes Stück komplexer, da sich der Plot einer größeren Anzahl unabhängiger Handlungsstränge bedient. Positiv sticht diesbezüglich die sehr schöne Ausarbeitung der einzelnen Ebenen heraus, weil Harrison stellenweise sehr ausführlich auf die Charaktere eingeht, dennoch aber stetig aufs Tempo drückt. Die Voraussetzungen für eine actionreiche, bisweilen auch recht tiefgängige Story sind somit geschaffen und die Weichen für einen versönlicheren Abschluss als der in „Der Weg ins Nichts“ gestellt. Zwar sei fairerweise erwähnt, dass die letzte Erzählung um Jennir und Greenbark ähnlich stark begann, nur eben scheint das gesamte Gerüst dieses Mal noch besser ausgearbeitet. Mehr soll die Zukunft zeigen; bis dato jedoch ist „Parallelen“ absolut vielversprechend!

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Slott, Dan / Caselli, S. – Rächer, Die – Die Initiative 1: Grundausbildung

_Story_

Nach dem Ende des |Civil War| werden die Fronten in den Reihen der Superhelden enorm verhärtet. Die Befürworter des Registrierungsgesetzes unterstehen nicht bloß der Führung durch Iron Man Tony Stark, sondern müssen sich auch dem Militär unterordnen, an dessen Seite sie nun neue Rekruten zu echten Superhelden ausbilden. Eine ganze Armada potenzieller Rächer soll durch die Initiative unter Gauntlets Leitung die Tücken des Superheldendaseins kennenlernen und die neuen Fähigkeiten in ersten Missionen erproben.

Doch das Training wird von einigen bitteren Zwischenfällen überschattet, die das strenge Gefüge gehörig zum Wanken bringen. Nicht nur die Methoden stehen im Kreuzfeuer der Kritik, auch die Hintermänner machen durch zweifelhafte Anspielungen nicht gut von sich reden. Auch wenn es gelingt, einen Anschlag auf den Präsidenten zu verhindern, steigen im Laufe der Zeit die Zweifel an der Rechtschaffenheit mancher Vorgesetzter.

_Persönlicher Eindruck_

Das Potenzial des „Civil War“ scheint schier unerschöpflich, wenn man nur mal einen kurzen Blick auf die regelrechte Veröffentlichungsflut wirft, die im Zuge des |Marvel|-Mega-Crossovers losgetreten wurde. Zwar scheinen die Fronten ganz klar abgesteckt und der Umschwung im |Marvel|-Universum längst beschlossene Sache, doch auch auf unterster Ebene ist die Geschichte samt ihren Folgen noch lange nicht zu Ende erzählt, sodass monatlich neue Serien aus dem Boden gestampft werden, die sich in kurzen Episoden mit Teilsträngen des Hauptszenarios beschäftigen.

Im Zuge dessen wurde nun auch eine neue Rächer-Serie etabliert, die inhaltlich mehr oder weniger als Überleitung zu den Ereignissen nach dem Civil War fungieren soll. Um seine Position und die des Staates zu stärken, ruft Tony Stark potenzielle Superhelden-Anwärter zusammen, um sie in einem speziellen Training schulen und ihre Fähigkeiten reifen zu lassen. Es sind zumeist gänzlich unbekannte Figuren, die sich hier unter der Fuchtel der B-Prominenz des |Marvel|-Katalogs ihr Handwerk erklären lassen, um möglichst bald im großen Action-Sumpf mitzumischen. Der erste Plot konzentriert sich dabei auf einige wenige Figuren, die sich durch ihre überraschende Individualität wohlwollend vom klassischen Helden-Schema abheben. Zunächst wäre da die etwas tollpatschige, auf Anhieb sympathische Cloud 9, die meist zur falschen Zeit am falschen Ort weilt, irgendwie aber immer im brisanten Hauptgeschehen präsent ist. Ihr Gegenpart ist der unberechenbare Trauma, ein beängstigender Gestaltwandler, von dem man sicher in Zukunft noch einiges hören wird, der aber an dieser Stelle schon ein paar beeindruckende Auftritte hat.

Unabhängig von den neuen Hauptcharakteren gewährt die Geschichte auch einen Blick hinter die Kulissen des Regierungsgefüges, welches nach wie vor nicht stabil scheint. Es scheint immer noch keine Einigkeit darüber zu herrschen, wer nach dem Ende des Bürgerkriegs nun welche Rolle einnimmt und wer künftig weiterhin oder neuerdings als Sympathieträger auftreten darf. Alte Recken wie Spider-Man, der im Übrigen einen kleinen Gastauftritt hat und sich währenddessen ganz klar gegen Stark ausspricht, mögen ihren Status behalten, doch wie’s insgesamt ausschaut, vermag auch der erste Band von „Die Rächer – Die Initiative“ nicht auszusagen.

Und genau deswegen hängt die gesamte Auftaktstory ein wenig in der Luft, ohne dabei an irgendeiner Stelle die erforderliche Transparenz zu gewähren. Es ist zwar interessant, die Entwicklung möglicher künftiger Helden von der ersten Stunden an mitzuverfolgen, jedoch fehlt im Erzählstrang ein gewisses Maß an Linearität, welches dementsprechend auch für ein Mindestmaß an greifbarer Spannung garantiert. Hier und dort wagt Autor Dan Slott zwar einige interessante Experimente, doch die einzelnen Fäden hängen noch zu lose zusammen, als dass sich hier eine begeisternde Geschichte entwickeln könnte.

Vielleicht ist ein vorläufiges Urteil über die neueste Initiative daher auch noch nicht angebracht, da der hier praktizierte Umschwung spürbar noch in der Entwurfsphase steckt. Allerdings ist noch einiges an Feinarbeit nötig, um das etwas verworrene Handlungsschema aufzulockern und die Geschichte in geordnete Bahnen zu lenken. Denn auch wenn die Abläufe in „Grundausbildung“ größtenteils sehr interessant sind, so ist der Comic in seiner Gesamtheit definitiv nicht in dem Maße ausgereift, wie er es zweifelsfrei hätte sein können. Harren wir also der Dinge, die nachfolgen werden – aber dass sich bei den neuen Rächern noch einiges wird tun müssen, kann man an dieser Stelle schon mal deutlich festhalten!

http://www.paninicomics.de/?s=initiative2

James W. Bates – Simpsons Comics 138

Inhalt

„Der kahle Mann und das Meer“

Bart, Milhouse und ihre beiden Daddys sind zu einem Angelausflug aufgebrochen, um das etwas angeknackste Vater-Sohn-Verhältnis auf beiden Seiten wieder ins Reine zu bringen. Während die beiden van Houtens jedoch recht schnell seekrank werden, steht bei den Simpsons vermehrt der Frust über den schwachen Fang auf dem Tagesprogramm. Nach mehreren Versuchen bekommt Homer dann plötzlich doch einen großen Brocken an die Angel, bringt es aber im letzten Moment nicht übers Herz, das arme Tier aus dem Wasser zu ziehen. Als dann auch noch eine Schar wilder Haie das Boot angreift und auch den gerade gefangenen Fisch bedroht, wird in Homer das Helfersyndrom neu geweckt – ganz zum Unverständnis der Mitreisenden.

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Hannes Hegen (Hrsg.) / Lothar Dräger (Text) / Edith Hegenbarth (Zeichnungen) – Digedags und die Pirateninsel, Die (Amerikaserie, Band 13)

Unter der Schirmherrschaft von Hannes Hegen erschienen im „Mosaik“ Monat für Monat die Abenteuer des zwergenhaften Trios bestehend aus den mutmaßlichen Brüdern Dig, Dag und Digedag – kurz: „Die Digedags“. Allerdings nur im Osten der Republik, denn im Westen waren (und sind) die drei umtriebigen Wichte – und Vorväter der etwas bekannteren „Abrafaxe“ – weitgehend unbekannt. Nach der Wiedervereinigung wurde es still um die Digedags, bis 2005 alle bisher erschienenen Geschichten vom wiederauferstandenen Verlag Junge Welt noch einmal als Sammelbände zu je vier Heften komplett neu aufgelegt wurden.

_Die Digedags_

Die drei tauchen in verschiedenen Menschheitsepochen auf und erleben dort ihre Abenteuer bzw. begleiten Persönlichkeiten dieser Ära mit Fleiß, Wissen und Witz. Die stets jugendlich wirkenden Digedags altern nicht und ihr markantes Äußeres bleibt weitgehend unverändert – sämtliche leichten Variationen in ihrem Aussehen sind wohl eher der Weiterentwicklung Edith Hegenbarths als Zeichnerin zuzuschreiben. Die Texte legte ihnen Lothar Dräger in den Mund, das heißt: Nein, nicht direkt. Bei den Digedags herrscht nämlich weitgehend Sprechblasenfreiheit. An die Untertitelung der Panels hat man sich aber schnell gewöhnt und sie schätzen gelernt.

_Die Amerikaserie_

Die Amerikaserie, welche 1979 erstveröffentlicht wurde, ist eine der größten und umfasst 60 Einzelhefte (von 152 bis 211). Diese schafften es, ursprünglich zusammengefasst in insgesamt zehn Sammelbände, bis zur stolzen achten Auflage. Diese erschien noch 1989, kurz vor dem Mauerfall. Die Geschichte der Amerikaserie beginnt in New Orleans 1860, bevor der amerikanische Bürgerkrieg ausbrach, und sie endet in New York vier Jahre später. Bis dahin haben sich die Digedags quer durch den nordamerikanischen Kontinent gewuselt und im Kampf gegen die Sklaverei allerhand erlebt.

_Band 13: Die Digedags und die Pirateninsel (Mosaik 200 bis 203)_

Kaum hatten die ehemaligen Mississippi-Piraten Doc und Jack den Zug mit den Digedags in den Sümpfen Panamas entgleisen lassen, um an den Goldschatz zu kommen (vgl. „Die Digedags in Panama“), haben die drei findigen Gnome mit Hilfe von Pedro den Gepäckwagen abgeklemmt und sind damit auf dem Weg nach Aspinwall – der Endhaltestelle an der Atlantikküste. Von hier aus gedenken sich die Handlungsreisenden im Dienste der guten Sache – der Sklavenbefreiung – nach New York einzuschiffen. Doch zunächst hält man die Überfallenen für die Eisenbahnräuber, was (wieder einmal) die Mission verzögert. Bis Doc und Jack als die wahren Halunken entlarvt werden, haben sich die Digedags aber auch schon selbst befreit. Wieder ist es Pedro, der sich als guter Kumpel erweist, denn er hat den getarnten Goldschatz geborgen und behütet, damit er nicht in falsche Hände gelangt.

Endlich ergattern sie einen Dampfer, der |en route| nach New York schippert. Doch die Freude über die rasche Beförderungsart währt nicht lang: Dank schlechter Verpflegung an Bord packt es Dig, sich als Fischer zu versuchen – was tüchtig misslingt. Der riesige Thunfisch an der Leine reißt ihn über Bord, was Dag und Digedag dazu veranlasst, sich Pedro zu schnappen und per Rettungsboot hinterherzupaddeln. Die Aktion wird jäh unterbrochen, als ein weiteres Schiff auf den Plan tritt und das Feuer eröffnet. Piraten! Genauer gesagt so genannte Flibustier, eine einstmals ruhmreiche Piratengruppe in der Karibik, zumeist spanischer Abstammung. Diese Tradition möchte der adlige Aushilfs-Despot Don Manuel di Tornados von seiner kleinen, armen Insel San Felipe aus wieder aufleben lassen. Dass die dilettantischen Flibustier nicht mehr als eine Operettentruppe sind, weiß man auf dem Linien-Dampfer nicht und ergreift das Hasenpanier. Ohne die Digedags.

_Eindrücke_

Mit Band 13 beginnt das karibische Zwischenspiel des Trios, welches zwei Bände der Neuauflage beansprucht, nämlich diesen und den in der älteren zehnbändigen Reihe nicht existenten „Die Digedags und der Seedrachen“. Wir erinnern uns, dass die Amerikaserie in der neuen Fassung gegenüber der alten DDR-Ausgabe um fünf Bände zugelegt hat. Nicht etwa, dass irgendwelches, oft bemühtes „nie zuvor veröffentlichte Material“ daran schuld wäre. Nein, der Inhalt ist vollkommen identisch zur Prä-Wiedervereinigungsversion – lediglich die Aufteilung wurde geändert. Statt früher sechs finden sich nunmehr nur noch vier Kapitel pro Sammelband ein. Daher rührt die wundersame Buch- und Umsatzvermehrung, die plötzlich gar nicht mehr so wundersam ist.

Bemerkenswerteste Figur der folgenden zwei Bände ist sicherlich der verschrobene Don Manuel, der durch seine oft vollkommen verdrehten Sinnsprüche an eine Gestalt aus einer anderen Digedag-Serie erinnert: Ritter Runkel. Mit dem Unterschied, dass der selbstherrliche Don nicht gutmütig daherkommt, sondern den überkandidelten Despoten gibt. Waren die runkelschen Sinnsprüche ehedem noch originell und durchdacht, so sind die verdrehten Interpretationen des schrägen Don nach einer gewissen Zeit buchstäblich witzlos und sogar nervig. Das wäre alles gar nicht so schlimm, träte die Geschichte in der Karibik nicht so sehr auf der Stelle herum. Die Bemühungen des vor Liebe blinden Pedros, mit der schönen Isabella anzubandeln, interessieren den Leser vielleicht am Rande, doch eben dieser Teil nimmt ungebührlich viel Raum ein. Auch wenn er sich kurzzeitig gegen die Digedags wendet, so ist Pedro kein wirklicher Gegner für die drei Schlauberger.

_Fazit_

Ein eher schwacher Band, welcher auf der abenteuerlichen Reise der drei Wichte die Handlungsbrücke zwischen Süd- und Nordamerika schlagen soll. Dabei wird viel Potenzial durch unnötige Stagnation in der Story verschenkt. Natürlich ist auch dieser Sammelband wieder schön gezeichnet und ordentlich getextet, allerdings gehört der gesamte Karibik-Abschnitt (Band 13 und 14) zu den zäheren Vertretern, wiewohl die Ansätze wie immer gut und pädagogisch wertvoll sind. Einen versteckten Vorteil bietet die „Pirateninsel“ jedoch: Man könnte sie als Quereinsteiger halbwegs lesen und verstehen, ohne die vorangegangenen Bände zu kennen. Mit dem Haken, dass dieser Band qualitativ sicher nicht repräsentativ für den Rest der Serie ist.

_Die Buchdaten auf einen Blick:_

„Die Digedags und die Pirateninsel“ – Amerikaserie, Band 13
Enthält die Mosaik-Hefte 200 bis 203
© 1978 und (Neuauflage) 2005 – Buchverlag Junge Welt, Berlin
Herausgeber: Hannes Hegen
Text: Lothar Dräger
Figurinen: Edith Hegenbarth
ISBN: 3-7302-0736-9 (neu)

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Crisse / Didier – Luuna 2: Die Dämmerung des Luchses

[„Luuna 1: Die Nacht des Totems“ 4570

_Story_

Die junge Häuptlingstochter folgt ihrer Bestimmung und den Hinweisen des Hirsches Kauyumari, der ihr berichtete, dass sie im Süden des Landes Menschen treffen würde, die sie von ihrem unglückseligen Fluch befreien könnten. Nach wie vor verwandelt sie sich in Vollmondnächten in einen Dämon und wird zur reißenden Bestie, bis sie von ihren beiden Totems erlöst wird und den Fluch hinter sich lassen kann.

Gemeinsam mit den Pipintus und den beiden Wölfen macht sie sich auf den Weg, der sie auch an einer größeren Grabstätte vorbeiführt. Dort lernt die hübsche Paumanok einen alten, unglücklichen Mann kennen, der darauf hofft, endlich ins Reich der Toten übertreten zu können, vorher aber gerne mit sich selbst ins Reine kommen möchte. Unsichtbarer Luchs, so sein Name, war einst auch mit einem Totem verbunden, das sich ihm als Luchs offenbarte. Doch eine Tragödie, der seine Frau zum Opfer fiel und infolge derer sein Sohn entführt wurde, hat die Verbindung mit dem Luchs wieder gelöst, weil der gequälte Mann nicht imstande war, seine Familie zu beschützen. Unsichtbarer Luchs sieht aber noch nicht alles verloren und bittet Luuna darum, ihr Totem aufzustöbern und das Schicksal doch noch zu seinen Gunsten umzulenken. Allerdings hat das Mädchen ganz andere Sorgen: Bald ist wieder Vollmond, und nachdem sie die tragische Geschichte des alten Mannes gehört hat, fürchtet sie umso mehr die Verwandlung in ihr düsteres Ich.

_Persönlicher Eindruck_

Nachdem der Auftakt zu Didier Crisses neuer Comic-Reihe „Luuna“ noch mit einigermaßen gemischten Gefühlen aufgenommen wurde, schwimmt sich der renommierte französische Autor im zweiten Abschnitt seiner modernen Märchen-Reihe langsam aber sicher aus der Kritik frei. Die Story in „Die Dämmerung des Luchses“ ist wesentlich stringenter, die Figuren sind noch eigenständiger gezeichnet und integriert und auch die Handlung als solche nimmt weitaus konkretere Formen an, wenngleich Luunas Reise in den Süden hier nicht wirklich elementar forciert wird.

Dennoch hat Crisse in der zweiten von insgesamt fünf Episoden erst einmal für klare Verhältnisse gesorgt, indem er einen weitestgehend unabhängigen Erzählstrang konstruiert hat, der darüber hinaus auch über eine respektable Spannungskurve verfügt. Die Geschichte steigt bereits mit hohem Tempo ein (und setzt zu Beginn auch voraus, dass man mit Luunas Welt weitestgehend vertraut ist), schafft nahtlos den Übergang in die neue Hauptstory und spart auch nicht an Details. Die stetigen Rückblenden des Unsichtbaren Luchses erweisen sich in diesem Zusammenhang ebenfalls als Bereicherung, da sie etwas mehr über die Schatten offenbaren, denen auch Luuna unterliegt, andererseits aber auch den Bogen etwas weiter spannen, ohne dass sich gleich wieder das zuletzt noch kritisierte Verwirrspiel aufs Neue einstellt. Somit gewinnt die Handlung auf inhaltlicher Basis sehr schnell an Format, nutzt die sich bietenden Gelegenheiten zur bunten Ausschmückung zumeist passend und etabliert sich zu guter Letzt als ein richtig schönes, in sich abgeschlossenes Comic-Märchen, wie man es von Crisse in dieser Form schon oftmals bestaunen durfte.

Und trotzdem ist auch in „Die Dämmerung des Luchses“ nicht alles Gold, was glänzt: Vor allem die konsequente Verweigerung, die eigentliche Erzählung um einige Nuancen voranzubringen, ist nicht wirklich verständlich. Crisse rückt sehr weit von Luunas Schicksal ab und beschreibt ausgerechnet die Passagen, in denen sich ihr dämonisches Dasein ein weiteres Mal manifestiert, etwas schwammig. Die Motive ihrer Verwandlung sowie ihre Präsenz als Bestie bekommen den Wert zweitrangiger Inhalte, obschon sie gewissermaßen Basis der Handlung sind. Somit ist Part zwo zumindest auf das Gesamtfundament bezogen nicht ganz zufriedenstellend – wenngleich die Story unabhängig von der Gesamtkonzeption wirklich sehr gut ist.

Künftig wird es daher auch wichtig sein, den Fokus nicht ganz vom Hauptstrang abzuwenden, um die Zusammenhänge wieder transparenter zu beschreiben. Diese Aufgabe hat der Autor im zweiten Kapitel von „Luuna“ noch unzureichend erfüllt. Nichtsdestotrotz ist in „Die Dämmerung des Luchses“ eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorgänger zu verzeichnen, womit die Serie langsam aber sicher in die richtigen Bahnen gelenkt wird. Aber es wäre auch sehr verwunderlich gewesen, hätte der Urheber der Geschichte nicht spätestens jetzt wieder die Kurve bekommen …

http://www.splitter-verlag.de