Archiv der Kategorie: Comics / Graphic Novels

Hartley, Welles / Williams, Rob / Harrison / Wheatley / Lacombe – Star Wars 66: Dark Times 5

_Inhalt_

|“Der Weg ins Nichts“|

Dass Jennir und Bomo Greenbark folgen mit aller Kraft den Gerüchten um den Verbleib von Bomos Tochter und bekommen endlich konkrete Informationen. Gemeinsam mit ihrem mutigen Team stellen sie einen korrupten Sklaventreiber und legen seine Behausung in Schutt und Asche. Als der finanzkräftige Herr jedoch gesteht, das Mädchen getötet und aufgefressen zu haben, sieht Jennir rot. Hat die dunkle Seite der Macht nun tatsächlich Besitz von ihm ergriffen?

|“Das Bauernopfer“|

Wyl Tarson und seine Gefährten stehen kurz davor, den Auftrag des verräterischen Raze zu erfüllen, als ihnen plötzlich die Streitkräfte des Imperiums in den Weg kommen. Baco wird bei diesem Unternehmen tödlich verletzt und spiegelt Wyl damit einmal mehr die Sinnlosigkeit ihrer Mission wider. Tarson fasst daher einen folgenreichen Entschluss: Er genehmigt Raze, die Bombe in Wyls Kopf endgültig platzen zu lassen und ihn von seinen Lasten zu befreien. Doch bevor der Zünder hochgeht, taucht Vader auf und vereitelt die Aktion.

_Persönlicher Eindruck_

Nachdem die beiden prägenden Reihen der letzten Ausgaben des „Star Wars“-Comics gerade im Falle von „Der Weg ins Nichts“ ein ganzes Stück gestreckt wurden, folgt nun in Episode 66 endgültig das Ende beider Erzählungen, dies aber leider dann doch ein wenig überhastet. Waren es in den letzten Kapiteln vor allem die unvorhergesehenen Wendungen, die das Geschehen lebendig hielten, wählen sowohl Welles Hartley als auch Rob Williams für den Abschluss ihrer jeweiligen Stränge ein weitestgehend unspektakuläres Finale, welches sich letztendlich nur auf Fakten, nicht aber auf einen groß angelegten Showdown stützt.

Enttäuschend ist in diesem Sinne ganz besonders das Ende der Story um Bomo Greenbark und Dass Jennir. Zwar wird für die nächste Ausgabe bereits eine unabhängige Fortsetzung mit den beiden Protagonisten angekündigt, jedoch steht außer Frage, dass man bereits an dieser Stelle ein wenig mehr hätte aus Jennirs Leidenschaft für die dunklen Elemente der Macht herausholen können. Die philosophischen Abschlussgedanken, die „Der Weg ins Nichts“ beschließen, sind jedenfalls ziemlich unbefriedigend.

Etwas vorteilhafter schließt unterdessen „Das Bauernopfer“, wenngleich sich auch hier die Frage stellt, warum man die endgültigen Entschlüsse der Hauptdarsteller so lange hinausgezögert hat. Im Grunde genommen war von vornherein klar, dass Wyl Tarson auf lange Sicht nicht der ständigen Bedrohung durch Raze standhalten würde, so dass man der endgültigen Selbstaufgabe zumindest auch eine schön ausgeschmückte Endsequenz hätte schenken können. Allerdings bleibt auch hier reichlich Potenzial für einen Folgeplot zurück, der nicht zuletzt durch Tarsons Informationen an Lord Vader ganz neue Wellen schlagen dürfte.

Insgesamt sind die einzelnen Finalen aber dennoch ernüchternd, weil es ihnen schlussendlich an Glanz und Eleganz mangelt. Nach den breit ausstaffierten vorherigen Kapiteln wirkt das rasche, fast schon überstürzte Ende weniger durchdacht. Man fühlt sich ein wenig überrumpelt, weil die wahre Tiefe der beiden Geschichten nicht genutzt wurde oder zumindest nicht sofort in die Handlung eingeflossen ist. Erneut ist es die Aussicht auf eine weitere Fortsetzung, die die Spannung aufrechterhält. Dabei wäre es gerade hier dringend nötig gewesen, die Angelegenheiten ähnlich präzise auf den Punkt zu bringen, wie es tatsächlich geschieht, dabei aber auch den Unterhaltungswert nicht zu vernachlässigen. Letzterer ist nämlich aufgrund dessen, dass einen die Enden völlig überrumpeln, bei weitem nicht so groß, wie es sicherlich möglich gewesen wäre.

Mal sehen, was die Autoren in den nächsten Ausgaben unter diesen Voraussetzungen stricken werden. Inhaltlich bleiben sie nämlich bis hierhin noch einiges schuldig!

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Boothby, Ian – Futurama Comics 31

_Inhalt_

|“Einen Kopf kürzer“|

Auf Geheiß des Professors reisen Bender, Fry und Leela auf direktem Wege nach Glasopolis, eine geschrumpfte Stadt, die einst von ihrer Bevölkerung verkleinert wurde, um der Überbevölkerung Herr zu werden. Mit Hilfe einer Schrumpf-Rutsche wird das Trio in Minimalgröße verwandelt und direkt in die ungewöhnliche Flaschenstadt teleportiert.

Vor Ort werden die Erdenbewohner allerdings nicht so freundlich empfangen: Der Präsident von Glasopolis kündigt an, mit einem Arsenal aus minimierten Nuklearwaffen die Erde in Schutt und Asche zu legen und sich so für die Geschehnisse der Vergangenheit zu rächen. Fry und seinen beiden Gefährten bleibt gerade mal eine Stunde, um aus der Flasche zu entkommen, den Professor zu verständigen und die Bevölkerung von Glasopolis umzustimmen. Doch in Miniaturform sind die Wege durch die Stadt und ins Labor ungleich länger …

_Persönlicher Eindruck_

In der neuesten Episode der „Futurama“-Comics nimmt Kult-Autor Ian Boothby vor allem das Superhelden-Metier auf die Schippe und bietet besonders Insidern ein wahres Freudenfest intelligenten, richtig guten Humors. So spielt der Background der Story auf ein früheres Duell zwischen Superman und Brainiac an, das nach einer heftigen Auseinandersetzung dafür sorgte, dass Krypton-Hauptstadt Kandor verkleinert wurde. Aber auch die X-Men, Flash Gordon, Star Wars und Sylvester Stallones SciFi-Klamotte „Judge Dredd“ bekommen mehr oder minder direkt ihr Fett weg, bevor Boothby dann mit einer kurzen Persiflage auf den Filmklassiker „Flucht ins 23. Jahrhundert“ endgültig zum Rundumschlag ausholt.

Die Story ist dementsprechend mal wieder recht extravagant und ideenreich, bietet aber dennoch ein recht hohes Tempo, ohne dabei Situationskomik und den ständig wiederkehrenden zweideutigen Wortwitz zu vernachlässigen. Dies gelingt in „Einen Kopf kürzer“ im Übrigen auch sehr gut ohne die tatkräftige Unterstützung Benders, der sich hier vornehm zurückhält und ausnahmsweise auch mal dem Professor und Fry die Bühne überlässt. Nichtsdestotrotz hat der freche Roboter hier und dort auch seine Szenen, in denen er die persönliche Vorliebe für Vulgäres und Perversitäten breittreten kann. Für Unterhaltung unter der Gürtellinie ist partiell also ebenfalls gesorgt.

Mehr als dies überzeugt aber schlussendlich der richtig gute Erzählstrang. Die Story ist den TV-Episoden absolut ebenbürtig und bietet trotz ihrer sehr linearen Struktur genügend Abwechslung, um die urtypische Atmosphäre aufzubauen. Wenn bei einem Comic aus dieser Reihe das Resümee angebracht ist, dass man es dringend gelesen haben sollte, dann definitiv bei der Geschichte aus Magazin Nr. 31.

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Brubaker, Ed (Autor) / Phillips, Sean (Zeichner) – Criminal 1: Feigling

_Story_

Leo hat eigentlich mit seinem Leben als Gangster abgeschlossen. Sein letzter Raubüberfall liegt schon einige Zeit zurück, und auch wenn die finanzielle Krise täglich größer wird, ist er genügsam und zufrieden damit, den heroinsüchtigen Ex-Kumpanen seines verstorbenen Vaters zu pflegen. Dann jedoch macht sein ehemaliger Auftraggeber Seymour Leo ein nahezu unwiderstehliches Angebot. Gemeinsam mit einigen korrupten Cops soll er einen Polizeitransport überfallen, der neben Beweismitteln für die örtlichen Gerichtsverhandlungen auch einen Diamantenkoffer mit sich führt.

Nach anfänglichen Zweifeln lenkt Leo schließlich ein und beteiligt sich am großen Coup, stellt jedoch schnell fest, dass er mit den Drahtziehern nicht auf einer Wellenlänge liegt. Noch vor dem eigentlichen Überfall kommt es zu ersten Rangeleien, die Leo bereits nachdenklich stimmen. Und seine Panik ist nicht unbegründet, denn das Attentat entpuppt sich für ihn und seine langjährige Begleiterin Greta als Fiasko. Allerdings hat Leo in solchen Fällen immer einen Plan B – der ihm dieses Mal aber auch nicht langfristig aus der Patsche hilft. Seymour und seine neuen Gefährten sind ihm nämlich weiterhin auf der Spur …

_Persönlicher Eindruck_

Mit „Feigling“ eröffnet Starautor Ed Brubaker wieder eine neue, äußerst schmutzige Serie, deren teils wirklich krimineller Charakter ganz klar an die ersten Werke eines Frank Miller erinnert. Brubaker begibt sich sehr tief in den schmierigen Untergrund, beschäftigt sich weitestgehend mit anrüchigen Subjekten und fährt in seiner Story einige personifizierte Anti-Helden auf, die jedoch innerhalb des außergewöhnlichen Settings schnell zu Sympathieträgern werden. Ein unkonventionelles Comic-Erlebnis? Auf jeden Fall!

Im Mittelpunkt der Handlung steht der eigenartige Leo, ein recht undurchschaubarer Bursche, der einerseits immer alles unter Kontrolle hat, sich aber gerne zu gewissen illegalen Aktivitäten verleiten lässt, wenn der finanzielle Anreiz hoch genug ist. Dieses Mal werden ihm als Erlös gleich fünf Millionen Dollar angeboten, die bei einem Deal mit einem korrupten Bullen und seinen Hintermännern in Form von Diamanten herausspringen sollen. Leos persönliche Schmerzgrenze ist damit überschritten, und obschon er sich mit besagtem Cop von Anfang an in der Wolle hat, willigt er ein, die Planung des Überfalls vorzunehmen und den Coup zu leiten. Nicht ahnend, dass im Hintergrund bereits weitere Kriminelle seinen Tod planen, stürzt sich Leo unbedacht ins Abenteuer und redet seine Zweifel mit der Aussicht auf die fette Beute schön. Im Moment der ersehnten Action läuft dann aber alles schief. Einige Komplizen werden von den eigenen Männern erschossen, von Diamanten ist weit und breit keine Spur, und bevor Leo klar wird, dass er hintergangen wurde, stürzt er sich schon in sein Fluchtauto und zieht sich gemeinsam mit Greta auf ein verstecktes Landanwesen zurück. Doch die wahre Tragödie beginnt erst jetzt …

Die Story wird von Brubaker mit hohem Tempo und auch sehr linear erzählt. Zwar lässt der Autor Raum für einige knappe Nebenstränge, doch insgesamt konzentriert sich die Handlung beinahe ausschließlich auf Leos Aktivitäten im kriminellen Sumpf bzw. seine emotionale Zerrissenheit, die auf seiner jüngeren Vergangenheit fußt. Der Protagonist lernte einst das Gangster-Handwerk von seinem Verstorbenen Vater und dessen Nebenbuhler Ivan, dem sich Leo in gewisser Weise verpflichtet fühlt, sodass er seit einiger Zeit für dessen Pflege sorgt – obwohl Ivan den Hausmädchen ständig an die Wäsche geht und sie sexuell belästigt. In ihm manifestiert sich schließlich auch der bizarre Beigeschmack der Erzählung, denn auch wenn die Geschichte knallhart und erbarmungslos brutal ist, so fügt der Autor ihr an den entsprechenden Stellen immer eine ironische Note hinzu. „Feigling“ bleibt zwar weiterhin eine ungeschminkte Kriminal-Story mit Auszügen aus dem Thriller-Segment, lässt sich aber überwiegend von eigenwilligen, skurrilen Gestalten vorwärts treiben, die den Plot erst so außergewöhnlich machen.

Letzterer nimmt in den letzten Kapiteln dann noch einmal ein paar krasse Wendungen vor, die das bis dahin enorm stringente Grundgerüst noch einmal gehörig aus den Fugen bringen. Hier wird’s dann plötzlich auch emotional, wobei diese Seite bedingt durch die brutale Gangster-Inhalte in den ersten Episoden dieses Sammelbands auch nicht ganz so stark ausgeprägt ist. Im Grunde genommen scheint sie sogar unnötig, weil sie den Fokus kurzzeitig vom Hauptgeschehen wegnimmt, ohne dass es an entsprechender Stelle angebracht wäre. Wirklich störend ist dies zwar nicht, aber wenn man bedenkt, wie krass manche Darstellungen im ersten Teil von „Criminal“ sind, zehrt das Ganze schon ein wenig an der Homogenität der Handlung.

Nichtsdestotrotz legt Brubaker mit dem Start seiner neuen Krimi/Thriller-Serie einen Auftakt nach Maß hin. Story, Zeichnungen, Spannungsbögen und Charaktere sind absolut prächtig und unterstreichen in ihrer großartigen Anordnung, warum dieser Mann völlig zu Recht zu den revolutionären Köpfen des US-Comics gehört!

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Willingham, Bill / Buckingham, Mark – Fables 5 – Aufmarsch der Holzsoldaten

Nachdem Bill Willingham seine Leserschaft mit einem fiesen Cliffhanger am Ende des vierten „Fables“-Bandes „Die letzte Festung“ auf die Folter gespannt hat, dürfen treue „Fables“-Freunde nun endlich den fünften Band der Reihe in Händen halten. Mit dem „Aufmarsch der Holzsoldaten“ erreicht die Reihe einen neuen Höhepunkt.

Nachdem Jack Horner im Vorgängerband einer äußerst schmerzhaften Begegnung mit drei „Men in Black“-artigen Gestalten ins Auge sehen musste, steht nun ganz Fabletown eine Bedrohung ganz neuer Größenordnung ins Haus. Waren die Märchengestalten in ihrem New Yorker Exil bislang immer sicher vor den Feinden aus der alten Heimat, so zeigt die Lage sich nun in einem etwas anderen Licht. Bigby Wolf findet am Tor in Nordkanada Anzeichen, die darauf hindeuten, dass den Fables eine Invasion unmittelbar bevorsteht.

Während der Feind zu den Waffen greift und im wortwörtlichen Sinn seine Holzsoldaten aufmarschieren lässt, bereiten die Bewohner von Fabletown sich auf den bevorstehenden Angriff vor. Eine Verteidigungsstrategie wird ausgeklügelt – mitsamt einer Verschleierungstaktik, welche die wahren Geschehnisse vor den ahnungslosen Bewohnern New Yorks geheimhalten soll.

Snow White muss den Kampf alleine organisieren und die Truppen aufstellen, bis Bigby Wolf von seiner Mission in Nordkanada zurück ist. Den Fables steht eine schwere, geradezu aussichtslose Schlacht bevor, denn schon allein zahlenmäßig ist der Feind ihnen haushoch überlegen …

Schon in „Fables 4: Die letzte Festung“ mischte sich eine zunehmend düstere Stimmung in den Plot. Das setzt sich auch mit dem vorliegenden fünften Band fort. Die bevorstehende unvermeidliche Invasion von Fabletown dominiert die Handlung und die eigentliche Schlacht ist der definitive Höhepunkt. Dabei geht es mitunter recht brutal zu. Einige Fables müssen ihr Leben lassen, während der übermächtige Gegner eiskalt zum Angriff bläst.

Die Falbes haben es mit einem Feind zu tun, der seine Truppen gut vorbereitet hat und loyale und skrupellose Kämpfer auf seiner Seite hat, die bedingungslos seinem Willen folgen. Die Holzsoldaten sind ein harter Gegner und die Fables müssen ihre Verteidigung mit List und Tücke planen, um von der Invasion nicht völlig überrollt zu werden.

Und so verläuft auch dieser Band der Reihe wieder sehr spannend. Vor allem die Ereignisse kurz vor der Invasion sorgen für erste Spannungshöhepunkte, und auch nach der Schlacht, wenn der Leser schon glauben möchte, alles wäre vorbei, dreht Willingham noch einmal an der Spannungsschraube.

Bei so viel Kampfgetümmel und Säbelrasseln bleibt diesmal wenig Raum sich tieferen Figurenentwicklungen zu widmen. Angesichts des hohen Tempos der Erzählung ist das aber zu verschmerzen. Inzwischen kennt man die meisten Fables und es wird im weiteren Verlauf der Reihe sicherlich noch Momente geben, wo Willingham sich wieder detaillierter mit den Charakteren auseinandersetzt.

Intrigen und Verrat bleiben ein spannendes Thema der „Fables“-Geschichte. Das macht auch der Epilog sehr deutlich, der sich gänzlich um die Erlebnisse von Cinderella bei einem Abenteuer in Paris dreht. Trotz des eindeutig auf Spannung ausgelegten Plots, trotz der Bedrohung der Fables durch einen schier übermächtigen Gegner, bleibt auch diesmal wieder Raum für eine Prise feinsinnigen Humors. Eine ironische Bemerkung hier, ein dezenter Gag da – so lockert Willingham den Plot etwas auf. Dennoch gibt es in „Aufmarsch der Holzsoldaten“ natürlich auch traurige Momente, die sich vor allem in den Szenen nach der Schlacht widerspiegeln.

Zeichnerisch liefert Mark Buckingham (diesmal unterstützt von Tony Akins) gewohnt gute Arbeit und sorgt so dafür, dass Geschichte und Bilder wunderbar harmonisch miteinander verschmelzen.

Und so bleibt die „Fables“-Reihe auch mit dem mittlerweile fünften Band immer noch interessant und fesselnd. Man darf gespannt sein, was noch alles passieren wird in Fabletown. Der „Aufmarsch der Holzsoldaten“ beweist in jedem Fall, dass es sich lohnt, bei den „Fables“ am Ball zu bleiben.

_Die „Fables“ bei |Buchwurm.info|:_

[„Fables 1 – Legenden im Exil“ 3175
[„Fables 2 – Farm der Tiere“ 3506
[„Fables 3 – Märchenhafte Liebschaften“ 4062
[„Fables 4 – Die letzte Festung“ 4504

Diverse – Simpsons Classics 12

_Inhalt_

|“Kleiner Markt ganz groß“|

Apu ist schockiert, als er erfährt, dass Mr. Burns beabsichtigt, die Kwik-E-Markt-Kette aufzukaufen. Dennoch lässt sich der betrübte indische Geschäftsmann auf ein Gespräch mit dem reichen Fiesling ein und schließt am Ende tatsächlich einen Vertrag mit dem Multimillionär ab. In Windeseile etabliert sich der neue Riesen-Supermarkt zur wichtigsten Anlaufstelle in Springfield, steht aber gleichzeitig bei der alten Stammkundschaft in der Kritik. Erst als Apu dies realisiert, beginnt er, seine Entscheidung zu überdenken. Doch Mr. Burns würde den Teufel tun, seinen neuen Geschäftspartner noch einmal aus dem Vertrag herauszulassen.

|“Bart de Triomphe“|

Bart wird Zeuge korrupter Machenschaften bei einem Gewinnspiel und lässt sich sein Schweigen mit zwei Flugtickets nach Frankreich an der Seite von Krusty dem Clown entschädigen. In Paris angekommen, wird das Trio aber direkt auf eine harte Probe gestellt: Krusty eilt aufgrund mehrerer Skandale mit seinen Burgern ein schlechter Ruf voraus, und Bart und sein Begleiter Milhouse treffen alsbald auf ein Verbrecherduo, welches Bart dereinst schon einmal dingfest gemacht hat. Die beiden Reisenden gehen schließlich in die Offensive, um nicht selber mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten – und treffen dabei auf einen weiteren alten Bekannten mit krimineller Ader …

_Persönlicher Einruck_

Die nunmehr zwölfte Ausgabe der „Simpsons Classics“ schmückt sich auf dem Cover mit dem Faktum, gleich vier neue Geschichten aus der gelben Metropole Springfield bereitzuhalten, was angesichts der Tatsachen jedoch nur bedingt der Wahrheit entspricht. Grob betrachtet haben die Entwickler des Sammelbandes nämlich lediglich zwei knappe Mini-Storys an die beiden Hauptstränge angehängt, um das Quartett vollzubekommen, so dass man hier vorab nicht mit falschen Erwartungshaltungen an die Sache herangehen sollte. Die beiden Storys jedoch, die hier im Mittelpunkt des Interesses stehen, die haben es auch wirklich in sich!

Den Auftakt macht eine Erzählung um das fiese Finanzimperium von Montgomery Burns. Der Betreiber des Atomkraftwerks hat via Spionage in Erfahrung gebracht, mit welcher Moral Kwik-E-Markt-Besitzer Apu bei der Sache ist. Burns glaubt, vom fleißigen Inder noch einiges in Sachen Engagement und Betriebsamkeit lernen zu können, und entschließt sich, im Rahmen einer großen Werbekampagne den indischen Supermarkt einfach zu annektieren. Allerdings ist auch Apu nach ersten Zweifeln nicht abgeneigt und nimmt schon nach den ersten Tagen der Zusammenarbeit Burns’sche Züge an – bis er schließlich merkt, worauf es ihm und auch seinen Kunden prinzipiell schon immer angekommen ist. Die Handlung bietet mal wieder so ziemlich alles, was ein Simpsons-Plot benötigt: reichlich flotte Sprüche, eine unkonventionelle Moral und genügend zwielichtige Machenschaften, um den Schmutzfaktor der Serie auch konsequent aufrechtzuerhalten.

Nicht minder anrüchig, dafür aber in einem grundlegend anderen Setting, spielt sich die zweite Hauptgeschichte ab. Bart reist nach einigen zweifelhaften, illegalen Geschehnissen in die französische Metropole und erlebt an Krustys und Milhouses Seite nichts als Ärger. Während der Clown in der Vergangenheit mit seinen Fast-Food-Ketten Schindluder getrieben hat, welchen er nun ausbaden muss, sehen sich die beiden Jungs alsbald wieder im Konflikt mit Barts ehemaligen Zeitgenossen Ugolin und Cesar. Diese hatten ihn in einer einstigen TV-Serie schon mal unter rüdesten Bedingungen eingesperrt und dabei ein Austauschprogramm der Schule aufs Übelste sabotiert. Aber auch das erneute Aufeinandertreffen ist keinesfalls freudiger Natur. Bart erwischt die beiden beim Kunstraub und wird von ihnen hintergangen. Mit einem Mal muss er sich rechtfertigen, warum er ein Abbild der Mona Lia in seinen Händen hält. Kein Wunder, dass hier auch noch andere Kriminelle die Fäden ziehen – und wer dies im Falle Barts fast schon sein muss, steht außer Frage! Fazit: Super Geschichte, toll ausgeschmückt und mit vielen Anspielungen und zahlreichen doppeldeutigen Facetten versehen. So soll’s schließlich auch sein.

Die übrigen Strips und Inhalte sind daher auch nur schmückendes Beiwerk, als solches aber dennoch gewissermaßen tauglich, auch wenn sie den beiden langen Storys keinesfalls das Wasser reichen können. Die nämlich gehören zu den bislang besten Werken der „Simpsons Comics“ und verdienen daher auch die Berücksichtigung für die „Classics“-Serie, welche in ihrem zwölften Kapitel ihr womöglich bestes aufschlägt.

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Salvatore, R. A. / Dabb / Seeley – Dämon erwacht, Der (Dämonendämmerung 1)

_Story_

Der geflügelte Dämon hat es tatsächlich geschafft, die Mächte der Finsternis unter seinem Kommando zu bündeln und zur Etablierung seiner Schreckensherrschaft gegen alle friedlichen Völker Koronas auflaufen zu lassen. Dies müssen auch die Bewohner von Dundalis schmerzhaft erfahren, als eine Armee von Goblins und Zwergen über das Dorf herfällt, die Bevölkerung auslöscht und es schließlich dem Erdboden gleichmacht. Lediglich Elbryan Wyndon und Jilseponie Ault werden zunächst verschont, da sie sich außerhalb des dörfischen Treibens zum ersten Mal näherkommen. Doch just in dem Moment, in dem sie realisieren, was ihren Mitmenschen gerade widerfahren ist, werden auch sie Opfer des Attentats.

Dennoch überleben beiden den finsteren Anschlag und gehen unabhängig voneinander ihres Weges. Elbryan wächst bei den Elfen zu einem gefürchteten Kämpfer heran und scheint nach jahrelangem Training endlich geeignet, das Erbe seines legendären Onkels Mather anzutreten. ‚Pony‘ hingegen verliert ihr Gedächtnis und hat es ungleich schwerer als ihr tot geglaubter Freund. Sie fällt in die Hände eines Vergewaltigers und muss später Zwangsdienst in der Armee des Königs antreten. Mehr zufällig finden die beiden nunmehr erwachsenen Liebenden wieder zueinander, was sie dem Mönch Avelyn Desbris verdanken. Dieser hat kurz zuvor skandalöse Entwicklungen innerhalb seines Ordens aufgedeckt und befindet sich auf der Flucht vor seinen ehemaligen Glaubensbrüdern. Ehrfürchtig, Gott bis zu seinem Tod zu dienen, stellt er sich an die Seite von Elbryan und Jilseponie, um die Horden des Bösen zu bekämpfen und den Geflügelten auszulöschen. Doch das grausame Monster hat inzwischen allerorts Verbündete gefunden und scheint mittlerweile unbezwingbar.

_Persönlicher Eindruck_

Nachdem die Saga des Dunkelelfen kürzlich auch im illustrierten Bereich ihren vorläufigen Abschluss gefunden hat, hat man sich bei |Panini| sofort nach dem nächsten Meisterwerk der Fantasy-Ikone R. A. Salvatore umgesehen. Mit „Der Dämon erwacht“ startet nun ein neuer Zyklus des bekannten Autors, der als das inoffizielle Sequel zu Salvatores wohl bislang bekanntester Arbeit gehandelt wird. Mit vier Bänden und weiteren Nachfolgegeschichten gehört die „Dämonendämmerung“ gleichermaßen zu den umfangreichsten Werken des amerikanischen Fantasy-Schreibers und ist gerade wegen der noch sehr jungen Erweiterungen immer noch eine der aktuelleren Geschichten aus seiner Feder.

Andererseits wird der Plot häufig noch als Selbstzitat Salvatores gewertet, wobei einzelne Parallelen zu seiner wohl berühmtesten Saga nicht abzustreiten sind. Die Charakterentwicklungen sind ähnlich düster wie heroisch, die Strukturierung des Bösen ist ähnlich wie einst in der Unterwelt, und auch die Konzentration auf zwei hauptsächliche Streitparteien bzw. deren individuelle Ausprägung könnte in dieser Form auch schon Jahre zuvor Pate für die Story gestanden haben. Dennoch sind solche Urteile insgesamt weniger angebracht, weil die „Dämonendämmerung“ definitiv über einen reichen Schatz eigenständiger Elemente verfügt und gerade durch die Einbeziehung religiöser Elemente sowie eine eingeschränkte Transparenz, die verschiedenen Motive der Völker betreffend, ganz klar eigene Wege beschreitet.

Im nun veröffentlichten Comic, in dem der Inhalt weitaus konzentrierter und zielstrebiger aufgezeichnet ist, wird dieser Aspekt noch einmal ganz klar verdeutlicht. Die Handlung gewinnt im Vergleich zum Original noch schneller an Tempo, die Interaktion ist stimmiger und flüssiger, und durch die raschen Szenenwechsel sowie manch thematischen Umschwung kommt man erst gar nicht in die verzwickte Lage, sich über Parallelen und Ähnlichkeiten Gedanken machen zu müssen. Stattdessen öffnet sich schon mit den ersten Seiten und der Zerstörung von Dundalis ein packendes Fantasy-Abenteuer, welches von seinen elegant gezeichneten Heldenfiguren und vor allem der sehr lebendigen Inszenierung zehrt. Die vielen Wendungen wurden sehr fein in die Story integriert, das Tempo dadurch weiter forciert und letztendlich trotzdem genügend Freiräume offengelassen, um Nebenschauplätze wie die Liebe zwischen den beiden Hauptdarstellern glaubwürdig und angemessen reifen zu lassen. Selbst die vielen radikalen Einschnitte wirken zu keiner Zeit erzwungen und harmonieren bis zum ersten Showdown zu Ende des Doppelbandes wirklich prächtig.

Während die Story sehr fokussiert und zielorientiert aufgearbeitet wurde, haben sich die bereits Salvatore-erprobten Hintermänner Andrew Dabb und Tim Seeley einmal mehr als schlagkräftige Geheimwaffen offenbart. Dabb hat aus dem Originalwerk ein berauschendes Skript erstellt, welches Seeley ein weiteres Mal mit packenden Bildern und stimmigen Visualisierungen ausgeschmückt hat. Sieht man mal von der Darstellung des Geflügelten ab, dem es ein wenig an Individualität mangelt, ist auch die illustrative Seite von „Der Dämon erwacht“ dem Status des Urhebers in jeglicher Hinsicht würdig und das Sahnehäubchen auf einen mitreißenden Fantasy-Comic.

Dementsprechend steigt natürlich die Hoffnung auf eine Fortsetzung, die leider bislang nicht geplant ist. Da die Handlung aber noch lange nicht abgeschlossen ist und das Potenzial einmal mehr unerschöpflich scheint, wäre es schade, wenn dieser geniale Comic nicht sehr bald einen Nachfolger fände. Die Mischung Salvatore/Comic hat jedenfalls bis dato noch nie enttäuscht!

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_R. A. Salvatore auf |Buchwurm.info|:_

|Graphic Novels:|
[„Heimatland“ 2498 (Forgotten Realms – Die Saga vom Dunkelelf 1)
[„Exil“ 2843 (Forgotten Realms – Die Saga vom Dunkelelf 2)
[„Der gesprungene Kristall“ 4440 (Die Saga vom Dunkelelf 4)
[„Die silbernen Ströme“ 4497 (Die Saga vom Dunkelelf 5)

|Bücher:|
[„Die Invasion der Orks“ 476 (Die Rückkehr des Dunkelelf 1)
[„Kampf der Kreaturen“ 715 (Die Rückkehr des Dunkelelf 2)
[„Die zwei Schwerter“ 2530 (Die Rückkehr des Dunkelelf 3)

|Hörspiele:|
[„Drizzt – Der dritte Sohn“ 2978 (Die Saga vom Dunkelelf 1)
[„Drizzt – Im Reich der Spinne“ 3055 (Die Saga vom Dunkelelf 2)
[„Drizzt – Der Wächter im Dunkel“ 3082 (Die Saga vom Dunkelelf 3)
[„Drizzt – Im Zeichen des Panthers“ 4458 (Die Saga vom Dunkelelf 4)
[„Drizzt – In Acht und Bann“ 4422 (Die Saga vom Dunkelelf 5)
[„Drizzt – Der Hüter des Waldes“ 4488 (Die Saga vom Dunkelelf 6)

Runberg, Silvain (Autor) / Pellè, Serge (Zeichner) – Orbital 1: Risse

_Story_

Mai 2278: Die Menschheit steht vor dem größten Coup ihrer Geschichte, als sie ein Referendum ankündigt, welches die 781 Rassen der Erde zu einer einmaligen Konföderation zusammenwachsen lassen und endlich die lang ersehnte Einheit herbeiführen soll. Doch noch während der Antrittsrede zerstört ein Attentat auf die Befürworter alle Hoffnungen auf einen fest verankerten Frieden, ausgelöst von einem radikalen Anschlag der Isolationisten. Unfähig, eigene Schuldgeständnisse zuzulassen, zieht die Menschheit in einen dominanten Krieg gegen eine andere konföderierte Rasse und bringt das Volk der Sandjaren an den Rand der totalen Vernichtung.

Doch die Menschheit muss für ihre Vergehen büßen: Erst zwei Jahrzehnte später beginnt langsam aber sicher die Rehabilitation der humanen Rasse, als ein Mitglied namens Kaleb Swaney an Bord der Orbital in die Interweltliche Diplomatische Abteilung gewählt wird. Gemeinsam mit einer Agentin der Sandjaren bildet er ein Binom des Friedens, welches symbolisch auch bei weiteren Einsätzen des Völkerbundes eingesetzt werden soll.

Der erste Auftrag führt die beiden nach Senestam, einen Planeten, der für seine reichen Trellium-Vorräte bekannt ist, auf dem die Konflikte aber nach wie vor anhalten. Zunächst hat es den Anschein, als würden die Jäwloden, die in den Trellium-Minen beschäftigt sind, aufgrund ihrer zwielichtigen Geschäfte die aktuelle Krise auslösen. Als aber ausgerechnet nach der Ankunft der IDA-Abgesandten mehrere suspekte Attentate folgen, wird dem Agenten-Binom bewusst, dass hinter den Konflikten auf Senestam weitaus mehr steckt als bloß ein geschäftliches Ungleichgewicht.

_Persönlicher Eindruck_

„Orbital“ ist ziemlich harter Tobak, dies schon mal vorab. Nicht nur, dass der erste Band der Serie gleichzeitig auch das umfangreichste Projekt aus dem |Splitter|-Verlag geworden ist, auch in Sachen Komplexität und wechselseitiger Action setzt dieser Titel im erlesenen Katalog des renommierten Verlags komplett neue Maßstäbe.

Autor Sylvain Runberg nutzt die quantitative Opulenz allerdings auch sehr umfassend, um seinen Plot vielschichtig und überdies kreativ zu gestalten. Die Szenarien werden von Beginn an enorm breit ausgetreten, es werden Rahmen größerer Ausmaße geschaffen, aber auch hinsichtlich der Charakterzeichnungen lässt sich der Franzose die nötige Ruhe und Zeit, um seine Protagonisten adäquat reifen zu lassen. Dieser Umstand nagt jedoch keinesfalls an der ziemlich hohen Geschwindigkeit, welche die Erzählung auf den insgesamt hundert Seiten vorgibt. Von der ersten Seite an lebt ein gewisses Maß an Action auf, das wiederum von vielen Story-Breaks belebt wird, sich aber immer wieder höchst intensiv durch die Handlung schlängelt. Gerade im zweiten Abschnitt geht es stellenweise richtig zur Sache, wobei Runberg auch vor einer teils deftigen Härte bei seinen Darstellungen nicht zurückschreckt. Zur Sicherung der Glaubwürdigkeit dieses interstellaren Konflikts war dies aber auch zwingend erforderlich, wenngleich es auf den letzten Seiten wirklich sehr häufig scheppert.

Derlei Effekte sind aber insgesamt dennoch nur schmückendes Beiwerk, da der Fokus selten, ja eigentlich gar nicht vom Hauptstrang abrückt. Die politischen Ränkespiele bilden die Basis der Erzählung, werden aber mit sehr vielen Nebenepisoden und plötzlichen Einschnitten ausgeschmückt. Es passiert einfach unheimlich viel, und dennoch ist man stets an den elementaren Erzählstrang gefesselt, der alleine schon ausreichen würde, um ganze Bücher zu füllen. Im Hinblick auf das hintergründige Potenzial scheint „Orbital“ aber trotzdem noch sehr kompakt zu sein, was bei einer derartigen Ausstaffierung, wie sie dieser Doppelband nun aufweist, schon fast widersprüchlich erscheint. Andererseits darf man dies gerne auch als Qualitätsmerkmal einer wahrhaftig faszinierenden, neuen Serie betrachten!

Zumindest ist es Runberg und seinem illustrierenden Sidekick Serge Pellé schon einmal gelungen, Begeisterung für eine sehr vielseitige Idee zu schaffen, die potenziell Stoff für die Etablierung eines gänzlich neuen Science-Fiction-Universums bieten könnte. Die Darstellung der komplexen Verstrickungen ist mitreißend, die Integration der Action nahezu perfekt. Und da auch die Story inhaltlich einen souveränen, starken Background zur Seite gestellt bekommt, darf man bei Kapitel eins, „Risse“, auch gerne mal euphorisch werden. Des Eindrucks, hier die bislang wertvollste und mitunter beste Verlagsarbeit analysiert zu haben, kann man sich nämlich im Nachhinein trotz genialer Momente wie „Universal War One“ und „Die Schiffbrüchigen von Ythaq“ kaum entziehen – und mehr muss eigentlich auch nicht mehr gesagt werden!

http://www.splitter-verlag.de

Greg Rucka, Steve Lieber – Whiteout: Melt

Mit „Whiteout“ haben Autor Greg Rucka und Zeichner Steve Lieber einen ebenso spannenden wie ungewöhnlichen Comic abgeliefert. US-Marshal Carrie Stetko muss unter den lebensfeindlichen Bedingungen der Antarktis einen Mord aufklären. Dabei hat sie als einzige Frau unter 400 Männern schon genug andere Sorgen und einen durch das gespaltene Verhältnis zu ihren Vorgesetzten alles andere als leichten Job.

Mit „Whiteout: Melt“ legen Rucka und Lieber nun den zweiten Teil der Mini-Serie vor, und von der bedrückenden Enge der antarktischen Forschungsstationen geht es diesmal hinaus in die stillen Weiten des ewigen Eises.

Greg Rucka, Steve Lieber – Whiteout: Melt weiterlesen

Bodenski (Autor) / Vieweg, Oliver (Herausgeber) – Subway To Sally Storybook

Abgesehen von der Akustik sind es vor allem die Texte, die einen besonderen von einem weniger besonderen Song unterscheiden und über die sich eine Band im Musikmarkt positioniert. Wer nicht auf die zwar eingängigen, aber in der Regel oberflächlichen One-Hit-Wonders oder den Einheitsbrei von Castingbands steht, findet speziell im Sektor der etwas härteren Musik zahlreiche Künstler, die viel Wert auf ihre vermittelten Botschaften legen – und, nicht zu unterschätzen, ihre Stücke selbst schreiben. Wenn es sich nicht gerade klischeebeladene Trink- oder Machoinhalte sind, die Rock, Metal und Punk natürlich auch prägen, liegt der Fokus auf stimmungsvollen Lyrics: von metaphorischen Strophen, die viel Spielraum für eigene Interpretationen gewähren, bis hin zu ganzen Konzeptalben, die durchdacht aufgebaut eine ganze Geschichte erzählen.

Zu jenen Bands mit vielseitigen, anspruchsvollen Texten zählt die siebenköpfige Formation |Subway To Sally|, die seit 1992 mittelalterliche, historische Klänge mit harten Gitarren mischt. Die letzten Albumveröffentlichungen „Engelskrieger“, „Nord Nord Ost“ und „Bastard“ belegten vordere Chartplatzierungen, ausschweifenden Tourneen und Festivalauftritten folgte eine |Echo|-Nominierung. Den bisherigen Höhepunkt stellte die Teilnahme an Stefan Raabs |Bundesvision Song Contest| dar, den |Subway To Sally| im Februar 2008 für sich entscheiden konnte.

Obwohl Sänger Eric Fish durch seine markante Stimme und seine selbstbewusste Erscheinung im Mittelpunkt des Interessen steht, ist für das Songschreiben und damit für das wichtige Liedgut ein anderer verantwortlich: Michael Boden alias Bodenski, der seit der Bandgründung den Großteil der Texte beisteuert. Viel Material hat sich da im Laufe der Jahre angesammelt, so dass Bodenski nun in Zusammenarbeit mit dem |Egmont|- und |Schwarzer Turm|-Verlag ein Storybook konzipiert hat, das seine Arbeit als Songschreiber mit dem visuellen Medium verknüpft: Das „Subway To Sally Storybook“ enthält nämlich 19 Comics diverser Nachwuchskünstler, die sich einige der bei den Fans beliebtesten und schönsten Stücke der Folk-Rocker als Vorlage genommen und visuell umgesetzt haben.

_19 Songs, 19 Werke_

Einleitend gibt Bodenski zu jedem Comic ein paar Informationen darüber preis, wie es zu dem jeweiligen Songtext gekommen und wovon er beim Schreiben inspiriert worden ist. Obwohl nur wenige Zeilen umfassend, sind die Hinweise durchweg interessant und halten auch für langjährige Fans der Band einige neue Informationen zur Entstehungsgeschichte der einzelnen Titeln bereit. Mit den Comics haben diese einleitenden Worte aber nichts weiter zu tun, denn diese sind allein Interpretation des Zeichners – mal nah an der ursprünglichen Aussage des Textes, mal aber auch von ihr losgelöst und nur im übertragenen Sinne gezeichnet.

Sehr nah am Text hält sich Tara Starnegg mit „Unterm Galgen“, die das rund 230 Seiten dicke Buch eröffnet. Ebenso wie der Song vom „Bannkreis“-Album schildert die bebilderte Geschichte die letzten Minuten eines durch den Strick zum Tode verurteilten Menschen. Die Zeichnerin lässt den von Schaulustigen überfüllten Platz einer mittelalterlichen Stadt entstehen, konzentriert sich dabei aber vor allem auf den Ausdruck des Verurteilten. Der Wahn steht ihm ins Gesicht geschrieben, als er zum Galgen geführt wird. Immer wieder reißt er die Augen weit auf, wenn es wie im Refrain heißt: „Sterben, sterben kann ich nicht.“ Der leicht überzeichnete Mangastil wirkt passend und verleiht dem Comic eine moderne Note. Die Bilder sind in Schwarzweiß gehalten, nur sporadisch hebt Starnegg einige Motive durch leichte rote Farbtöne hervor.

So wie „Unterm Galgen“ sind auch alle anderen Comics in Schwarz, Weiß und Rot gehalten. Dadurch fällt der gesamte Band düster und, den Songtexten entsprechend, sehr poetisch aus. Nicht immer jedoch wird die rote Farbe als zusätzliche Nuance nur spärlich eingesetzt. „Feuerkind“ von Julia Schlax geizt nicht mit roten Tönen, als am Ende des Songs und damit auch dem Ende des Comics das knisternde Feuer hervorbricht. Auch Caroline Sander, die die Bilder zu „Minne“ beisteuert, offenbart ihr Faible für diese Farbe und lässt anschaulich die umworbenen Schönheiten mit blutig-roten Lippen erstrahlen.

So ähnlich wie die Farbgestaltung bei den Comics auch ausfällt und diese miteinander verbindet, so unterschiedlich sind die Zeichenstile, die das „Subway To Sally Storybook“ in diesem Band vereint. Beeindruckend plastisch kommt etwa Iona Haiducs Version der „Henkersbraut“ daher: realistische Konturen gemischt mit einem leicht japanischen Zeichenstil. Grotesk dagegen fällt die „Arche“ von Annelie Kretzschmar aus. Statt Bilderabfolgen reizt sie mit großformatigen Motiven die zur Verfügung stehenden Doppelseiten aus und füllt das Schiff, der nicht gerade bibeltreuen |Subway To Sally|-Arche angemessen, mit menschlichem Wahnsinn und Verderben. „Kleid aus Rosen“ von Katharina Niko geht wiederum minimalistisch vor, stellt vor allem die Hauptfigur des Songtextes in den Vordergrund und lässt den Hintergrund bewusst schwammig. Damit gelingt es ihr, die abschließende Pointe als zentrales Motiv ihres Comics hervorzuheben.

Nicht jeder Comic ist auf gleich hohem Niveau angesiedelt. Durch die unterschiedlichen Stile bietet der Band aber genügend Auswahl für seine eigenen Favoriten, die je nach persönlichem Geschmack unterschiedlich ausfallen dürften. Die einzelnen Interpretationen entsprechen auch nur selten den eigenen. Das ist jedoch weniger schlimm, da die eigenen Bilder beim Hörer der Stücke durch die Comics nicht zerstört werden – ganz im Gegenteil zu Filmumsetzungen, die nach der Filmbetrachtung die Lektüre guter Buchvorlagen erschweren. So ist das Storybook also vielmehr als nette Ergänzung zu verstehen, um beim Hören der Songs entspannt mitzulesen. Wer sich schon immer für die Songtexte interessiert hat und auf die visuellen Umsetzungen neugierig ist, bekommt ein schönes Buch geliefert, das jeden |Subway To Sally|-Fan und solche, die es noch werden wollen, zufriedenstellt. Obligatorisch ist es aber nicht, denn |Subway To Sallys| Musik liefert auch ohne Comic als Stütze Bilder im Kopf.

http://www.ehapa-comic-collection.de
http://www.manganet.de
http://www.subwaytosally.de

Diverse – Simpsons Winter-Wirbel 1

_Inhalt_

|“Briefe aus Springfield an den Weihnachtsmann“|

Santa Claus ist der hirnrissigen Briefe aus Springfield langsam überdrüssig. Als er erneut von den völlig realitätsfremden Wünschen der dortigen Bürger erfährt, beschließt er, den Ort von seiner alljährlichen Tour zu streichen. Dann jedoch entdeckt er noch einen letzten Brief …

|“Ihr Kinderlein kommet“|

Bart Milhouse und Lisa ziehen von Haus zu Haus, um die Leute zur Weihnachtszeit mit Liedern zu erfreuen. Doch bereits nach ihrer ersten Station geraten sie ins Visier einer jugendlichen Gang, die gerne selber die Kekse für ihren Singsang abstauben möchte.

|“Happy Chanukka“|

Krusty erzählt anlässlich des Chanukka-Fests von seiner ersten großen Liebe, die er ebenfalls einst zu dieser Feierlichkeit kennengelernt hat. Doch je tiefer er in seine Vergangenheit eintaucht, desto trauriger wird der allzeit heitere Clown …

|“Schnee, der auf Verräter fällt“|

Officer Wiggum ermittelt in einer Diebstahlserie, die sich mit kunstvollen Schneeskulpturen beschäftigt. Jeder noch so offensichtliche Verdächtige scheidet mit einem plötzlichen Alibi aus. Dann jedoch erfährt Wiggum von einem Wettbewerb, bei dem die schönste Figur gekrönt werden soll – und erwischt den Täter auf frischer Tat.

_Persönlicher Eindruck_

Simpsons-Fans sollten langsam aber sicher den Überblick über die zahlreichen Comic-Releases ihrer Helden verlieren, besonders nach dem Erfolg des Kinostreifens aus der Evergreen Terrace in Springfield. Inmitten der kältesten Jahreszeit schob der |Bongo|-Verlag nun erneut eine komplett neue Serie ins Rennen, dieses Mal unter dem Titel „Winter-Wirbel“. Und wie der Titel sehr verheißungsvoll suggeriert, beschäftigen sich die teils ziemlich kompakten Strips auch mit allerhand skurrilen Geschehnissen um die Springfielder Weihnachtszeit und ihre Ausläufer, dies aber leider nicht immer auf dem gewohnt hohen Niveau. Grob betrachtet, ist nämlich nur der erste Plot, in dem die Rolle des Weihnachtsmanns sowie die Maßlosigkeit aller bekannten gelben Gesichter auf die Schippe genommen werden, lohnenswert. Hier punktet das Heft mit coolen Seitenhieben, bewährt starkem Wortwitz und feiner Situationskomik, sprich, mit den Elementen, die den klassischen Simpsons-Comic auszeichnen.

Leider flacht der Level in den folgenden Episoden ein wenig ab. Die ewige Fehde zwischen Bart und der Straßengang wirkt im Zusammenhang mit dem Weihnachtsfest ein wenig künstlich aufgebauscht und verfehlt ihre Wirkung ebenso wie die bizarren Räuberpistolen aus der Biografie des schmierigen TV-Clowns Krusty. Ein wenig Besserung verspricht lediglich die letzte Hauptgeschichte, was aber einzig und allein an der herrlich dümmlichen Darstellung von Inspector Wiggum festzumachen ist. Sein naiver Ermittlungsstil sorgt auch bei der Suche nach dem Eisskulpturen-Räuber für Aufsehen und Chaos, führt letztendlich aber natürlich auch wieder zur Ergreifung des Täters. Schade ist nur, dass die zugehörige Erzählung potenziell eher schwächer einzustufen ist.

Damit bestätigt sich leider auch ein Trend, der schon bei den letzten themenspezifischen Ausgaben der „Simpsons Comics“ recht bitter aufstieß. Die Geschichten wirken erzwungen und eher zweckmäßig in das übergeordnete Profil der jeweiligen Überschrift eingefügt. Und meist sind es nur einzelne Kapitel, die wirklich den Anspruch an den Comic als auch die berechtigte Einordnung in das Thema sicherstellen. Insofern folgt der erste Teil des Winterwirbels der Neigung zur Massenware, die gerade bei den Simpsons in letzter Zeit bedenkliche Züge annimmt. Vielleicht sollte man sich künftig besser doch auf die regulären Serien und gelegentliche Sonderausgaben beschränken. Je mehr Releases auf den Markt schwemmen, desto größer wird nämlich auch die Zahl der qualitativen Einbrüche. Und zu dieser Kategorie gehört der erste Teil dieser Winterserie trotz einzelner Momente zweifellos!

http://www.paninicomics.de/simpsons-s10310.html
http://www.paninicomics.de/comic-sonderband-s10220.html

Oeming, Michael Avon / Carey, Mike / Rubi, Mel – Red Sonja 1: Die Schwertkämpferin

_Story_

In einem unzivilisierten Zeitalter, in dem Männer und der Glauben an den allmächtigen Himmlischen die Welt prägen, kämpft eine Frau, die wegen ihrer feuerroten Haare, ihrer teuflischen Ausstrahlung und vor allem wegen ihrer Talente am Schwert gefürchtet wird. Dennoch wird sie von den mächtigen Herrschern gejagt und wegen ihres bloßen Daseins verachtet, obwohl ihre Motive sie stets zu gerechten Taten leiten.

Aus diesem Grund lässt sich Sonja bei ihrer bislang schwersten Mission auch wieder auf ein unmoralisches Zweckbündnis ein. Ihr einstiger Peiniger beauftragt sie, dem allgegenwärtigen Himmlischen gegenüberzutreten und ihn endgültig auszulöschen. Wohl wissend, dass das Schicksal einer ganzen Welt von ihrem Auftrag abhängt, willigt sie in das Bündnis ein – und muss zum ersten Mal in ihrem Leben dem Tod ins Auge sehen.

_Persönlicher Eindruck_

Red Sonja? Da werden unwiderruflich Erinnerungen an das peinliche 85er B-Movie mit Brigitte Nielsen und Arnold Schwarzenegger wach, die seinerzeit den vorläufigen Tiefpunkt ihrer Schauspiel-Karriere manifestierten, um den sich trotz der absolut mangelhaften cineastischen Qualität heute ein regelrechter Kult rankt. Zumindest unter Fans des zweiten Schwarzenegger-Filmhelden gilt der darstellerische Zwischenfall als ein Pflichteintrag in der eigenen Biografie, und sei es nur, um sich ob der mangelhaften Kulissen oder der schwachen Handlung eine ganz besondere Variante des Amüsements zu bereiten.

Dennoch griffen diverse Schriftsteller und selbst Autoren der |Marvel Comics| das Thema in der Folgezeit mehrfach auf, bevor die rothaarige Hauptdarstellerin dann schleichend von der ganz großen Bühne verschwand. Dementsprechend überraschend ist daher auch das plötzliche Comeback, welches in den Staaten kürzlich eine neue Serie etablierte, deren ansprechender Erfolg Grund genug war, die illustrierte „Red Sonja“ auch jenseits des großen Teichs wieder aufzulegen. Band 1, „Die Schwertkämpferin“, allerdings schürt vorerst die Zweifel, ob dieser Entschluss auch tatsächlich wohlbedacht war. Wirklich überzeugen kann die Story des hierzulande als Sammelband veröffentlichten Softcovers jedenfalls noch nicht.

Das Problem ist schnell auf den Punkt gebracht: Der Story fehlt es an Spannung, einem schlüssigen Hintergrund und vor allem an echten Szene-Highlights. Statt sich auf einen Hauptplot zu konzentrieren, zersplittert sich die Erzählung in viele belanglose Momentaufnahmen, die erst mit dem Schlussszenario einigermaßen ansprechend zusammenlaufen. Bis dorthin allerdings schlägt sich die Heldin durch zahlreiche Grabenkämpfe, sorgt für ein hohes Blutaufkommen, erwehrt sich schier übermächtiger Feindeshorden und fährt ganz nebenbei noch eine ganz eigensinnige Schiene der Emanzipation. Parallelen zur abenteuerlichen Filmproduktion sind dabei natürlich nicht ausgeschlossen, grundsätzlich aber nicht erwünscht! Gerade nämlich was die permanent flachen Dialoge betrifft, wird dem Potenzial der Story von Beginn an das Wasser abgegraben.

Andererseits muss man natürlich sehen, was man mit der Figur „Red Sonja“ assoziiert – und gerade hier wird dann so manch einer doch noch auf seine Kosten kommen. Denn sowohl der B-Movie-Charakter der Erzählung als auch die schludrige Ausstrahlung der Figuren sollten allemal ausreichen, um den anspruchslosen Action-Comic-Liebhaber aus der Reserve zu locken. Hinzu kommt ein äußerst prachtvolles zeichnerisches Gesamtbild, welches zumindest die Optik des Comics zu einem rundum gelungenen Unterfangen macht. Dennoch können die wunderschönen Bilder von Mel Rubi nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Story – bei allem Respekt – ein kompletter Totalausfall ist. Denn auch wenn „Red Sonja“ bei ihrem einstigen Filmdebüt insgeheim den Begriff Trash maßgeblich prägte, so sollte man mit etwas Weitsicht nicht den gleichen Fehler begehen und diesen Umstand weiterhin zu betonen. In „Die Schwertkämpferin“, dem Comic-Debüt, ist dies leider nichtsdestotrotz geschehen.

http://www.paninicomics.de/red-sonja-s10539.html

Ange / Varanda / Paty – Legende der Drachenritter, Die – Band 5: Schlossgärten

[„Band 1: Jaina“ 3349
[„Band 2: Akanah“ 3585
[„Band 3: Das leblose Land“ 3826
[„Band 4: Brisken“ 4153

_Story_

Die Lage in Faiza ist ziemlich brisant. In der Zeit des Drachens verlor die Stadt ihren Ruhm und ihren Glanz und avancierte über die Jahre zur Ruine. Selbst die einst so ehrwürdige Schule ist nur noch ein Schatten ihrer selbst und beherbergt heuer die Letzte der noch nicht entflohenen Drachenritter, die stolze Ralena. Sie war es, die damals bei der Belagerung des Drachen als Einzige überlebte und das Monstrum zur Strecke brachte. Doch niemand konnte die Tat bezeugen, so dass ihr bislang nie der Ruhm zuteil wurde, der ihr rechtmäßig zustand.

Eine Offerte aus der letzten prunkvollen Stadt Alexira, dem Exil von Faiza, soll Ralena jedoch die Gelegenheit geben, sich erneut zu profilieren. Der künftige Monarch soll gekrönt werden, besteht dabei allerdings darauf, bei der Zeremonie mit dem königlichen Medaillon geschmückt zu werden. Dieses befindet sich aber in den Trümmern des prunkvollen Schlosses vergangener Tage und erfordert somit den Einsatz der Drachenritter, um es dort zu bergen.

Als Relena jedoch zwei weitere Vertreterinnen des Ordens zur Seite gestellt bekommt, steigen in ihr erneut Zweifel auf, zumal der Trupp verschiedener nicht sein könnte. Die junge Novizin Jo scheint nämlich im Grunde genommen nur in ihre Rolle hineingedrängt worden zu sein und verbirgt dabei ein finsteres Geheimnis: Sie ist keine Jungfrau mehr. Ritterin Snejana indes eilt der Ruf der erfahrenen Heldin voraus. Und da sie es ist, die in der Mission das Zepter übernimmt, realisiert Ralena von Stunde zu Stunde mehr, dass man ihr erneut den rechtmäßigen Ruhm stehlen will. Dennoch stellt sie sich ihrer Herausforderung voller Verbitterung und Argwohn – und erlebt in ihrem Abenteuer mehr als nur eine Überraschung …

_Persönlicher Eindruck_

Ging es im vergangenen Kapitel der „Legende der Drachenritter“ noch äußerst actionreich und turbulent zu, konzentriert sich das Autorengespann Ange im fünften Band der Serie wieder etwas intensiver auf Charakterentwicklungen und ein zumindest vorerst ruhigeres Setting. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen unterdessen drei völlig verschiedene Figuren, die in einem merkwürdigen Abenteuer Seite an Seite kämpfen müssen, sich im Grunde genommen aber überhaupt nicht grün sind. Den Anfang macht hierbei die naive Jo, die auf Geheiß ihrer Eltern in den Orden eingetreten ist, sich in dieser Position aber absolut nicht wohlfühlt. Dennoch stellt sie sich ihrer Aufgabe, wird aber von den erfahrenen Kolleginnen alsbald ausgenutzt und kaum mehr ernst genommen. In den entscheidenden Situationen ist sie jedoch zur Stelle und beweist Qualitäten, die durchaus eines Ritters würdig sind.

Snejana mimt indes den kompletten Gegenpart; sie ist dominant, hochnäsig und ziemlich strikt in ihrer Vorgehensweise, duldet daher auch keine Nebenbuhlerinnen. Dies kann die dritte im Bunde, Ralena, kaum ertragen. Sie wähnt in der Suche nach dem Medaillon endlich das ersuchte Erfolgserlebnis und die entsprechende Würde vor dem Thron, die ihr eigentlich schon seit Jahren zusteht. Und ausgerechnet die hochnäsige Snejana soll ihr nun einen Strich durch die Rechnung machen, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass sie die Ankunft Jos eher als hinderlich denn als wahre Unterstützung empfindet …

Die Geschichte hat in diesem Fall besonders auf emotionaler Basis ihre Qualitäten und distanziert sich ein wenig von der ewig während Bedrohung durch den/die Drachen. Zwar suchen die beiden Autoren immer wieder lose Verknüpfungen zu den Ereignissen der anderen Bände, diese jedoch sollen sich im Gesamtkontext nicht als elementare Inhalte herausstellen. Vielmehr dient der Drachenritter-Kontext in diesem Zusammenhang als Aufhänger für die Tragödie um die einzelnen Charaktere, die sich erst auf den letzten Seiten so richtig manifestiert und dort auch mit einer hochkarätigen Steigerung im Vergleich zum drögen Story-Beginn punktet. Letzterer ist aber eben gerade deshalb beschwerlich, weil die Einführung der Persönlichkeiten ein wenig schleppend vonstatten geht. Man findet zum richtigen Hintergrund der Erzählung erst Zugang, wenn schon ein Drittel der Geschichte erzählt ist, und so entwickeln sich manche Dinge in den letzten Passagen bisweilen hektisch und sprunghaft. Der zeichnerische und inhaltliche Detailreichtum, der hier an den Begrüßungszeremonien der drei Heldinnen abgeladen wird, kommt aber ein klein wenig zu kurz, auch wenn man mit dem Schlussszenario letzten Endes absolut zufrieden sein kann. Und dennoch wird man den Eindruck nicht los, dass manche Phase des Plots noch eine Spur weiter ausgereift hätte sein können.

Nichtsdestotrotz ist auch das fünfte Kapitel aus „Die Legende der Drachenritter“ ein ziemlich lohnenswertes. Die Story bringt strukturell einige Neuerungen, klammert sich aber an den entscheidenden Stellen an die bisherigen Vorgaben und wird schließlich nur im Bereich der Action ein wenig ausgebremst. Dies kompensiert man aber gleich wieder mit tollen Charakterentwicklungen, klugen Dialogen und erneut fantastischen Zeichnungen. Insofern ist „Schlossgärten“ als eine der besten bisherigen Episoden für Liebhaber der Serie erneut verpflichtend!

http://www.splitter-verlag.de/

Loeb, Jeph / Bianchi, Simone – Wolverine 50

_Inhalt_

|“Evolution – Kapitel 5: Weckt die Toten & Kapitel 6: Quod Sum Eris“|

Sowohl Sabretooth als auch Wolverine drohen langsam aber sicher, sich ihren tierischen Instinkten hinzugeben. Bei der Analyse der Waffe X kommt es schließlich zum Debakel: Sabretooth läuft Amok, verletzt einige seiner einstigen Gefährten und tötet dabei die zarte Feral. Für Wolverine ist dies der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt: In Absprache mit Scott Summers nimmt er die Murasma-Klinge an sich, um sich Sabretooth ein weiteres Mal zu stellen und ihn mit schweren Anklagen zu konfrontieren.

Nach dem öffentlichen Eklat reift in Wolverine jedoch die Erkenntnis, dass das jüngste Grauen eine ganz andere Ursache haben muss. Seine Spur führt zu einem weiteren glatzköpfigen Professor, der noch mehr Geheimnisse vor Wolverine verbirgt: Romulus.

_Persönlicher Eindruck_

Mit der Jubiläumsausgabe zum 50. Release der neuen „Wolverine“-Serie schließt Stammschreiber Jeph Loeb seine „Evolution“-Saga vorerst ab, hinterlässt dabei jedoch zahlreiche Ungereimtheiten auf logischer Ebene, die den vorläufigen Abschluss zu einem eher fragwürdigen Ereignis machen.

Dabei nimmt der Autor das Tempo der vorherigen Abschnitte sofort wieder auf, bewegt sich teils sogar schon mit übertrieben hoher Geschwindigkeit vorwärts und vergisst dabei gelegentlich den diskreten Blick fürs Detail. Bis Wolverine und Sabretooth dann mal in Wakanda angekommen sind, hat es schon so manchen Schlagabtausch gegeben, der für den Fortschritt der Serie nur bedingt wichtig ist. Dann jedoch stellt der Autor das Gleichgewicht wieder her und verpasst der Handlung zudem einige inhaltlich schier unglaubliche Abschnitte, die zumindest für einen kürzeren Zeitraum einen Einfluss für die Weiterentwicklung des |Marvel|-Universums haben werden. Wenigstens das Ende der Fehde zwischen Sabretooth und Wolverine dürfte an dieser Stelle für manchen überraschend kommen.

Allerdings ist dieser gravierende Einschnitt in seiner hiesigen Darstellung nicht sonderlich überzeugend umgesetzt. Der Plot konzentriert sich in erster Linie darauf, den übermächtigen Bösewicht Romulus als neuen, ernsthaften Feind für die X-Men zu etablieren, was angesichts des Todes einer der mitunter wichtigsten |Marvel|-Gestalten aber auch kaum funktionieren kann. So hangelt sich die Story bis zu ihrem vorläufigen Ende von Priorität zu Priorität, ohne dabei den Fokus spezifisch einzugrenzen. Und diese Unentschlossenheit ist letztendlich auch das Dilemma des Plots.

Komischerweise hat auch das bewährte Nachwort des Comics keine positiven Statements für Loebs Mini-Serie übrig. Hier wird noch einmal ganz klar aufgedeckt, dass die Story zahlreiche Diskrepanzen mit anderen Superstar-Reihen aus dem Hause |Marvel| aufweist, die wiederum in einigen Logikfehlern resultieren, die sich ein vermeintlicher Hochkaräter wie Jeph Loeb in dieser Vehemenz nicht gerade leisten kann. Dementsprechend ist die 50. Ausgabe der „Wolverine“-Comics eines Jubiläumsbandes auch nicht wirklich würdig. Die Ideen, die Loeb integriert, mögen interessant sein, die Aufarbeitung ist jedoch ein wenig unmotiviert. Da ist das brillante „Wolverine vs. Sabretooth“-Poster in der Mitte des Heftes fast schon spektakulärer.

http://www.paninicomics.de/wolverine-s10107.html

Dixon, Chuck – Simpsons Comics 136

[Simpsons Comics 135 4739

_Inhalt_

|“Ein brandneuer Burns – Teil 2″|

Getrieben vom Gedanken, seinen versklavten Arbeitgeber aus den Klauen einer geheimen Verbrecherorganisation zu befreien, reist Homer nach Mexiko. Doch schon an der Grenze muss er einige Qualen erleiden. Unermüdlich kämpft er sich dennoch durch den Sombrero-Staat und macht dort die Bekanntschaft eines FBI-Beamten. Dieser aber ist nicht sonderlich von Homers Schwätzereien angetan und steckt ihn in eine Gummizelle. Ausgerechnet in diese dringt ein Mitinsasse des Sklaven-Camps durch einen unterirdischen Gang ein und führt Homer und Mitglieder der Regierung zum Versteck der Verbrecher.

Derweil löst der falsche Mr. Burns das Vermögen seines Doppelgängers schleichend auf und bringt selbst den naiven Smithers langsam zum Zweifeln.

_Persönlicher Eindruck_

Auch der finale zweite Part des Comic-Mehrteilers „Ein brandneuer Burns“ ist eine echte Wucht. Zar hat man das Tempo zum Schluss merklich angehoben und somit die Storyline schon ein bisschen gestrafft, aber dies hinderte Autor Chuck Dixon keinesfalls daran, eine weitere Armada scharfsinniger Gags in den Plot einzubauen. Dieses Mal fokussiert er die Geschichte aber wieder deutlicher auf die Simpsons-Familie bzw. Homer, der hier zu einer eher weniger glorreichen Rettungsmission aufbricht und aufgrund seiner Leichtgläubigkeit ständig in die Bredouille gerät.

Auch in Springfield geht es heiß her: Smithers traut seinen Augen nicht, als der falsche Mr. Burns die ganzen Besitztümer des Originals zu verscherbeln beginnt, eingeschlossen die legendäre Kunstsammlung und das Baseball-Team, die Isotopes. Selbst die Einladung, mit ihm ein Bad im Geldspeicher zu nehmen – die Anspielung sitzt ebenfalls -, schlägt er aus und bevorzugt stattdessen sein Tagebuch nach einer Lösung zu befragen.

Schade ist eigentlich nur, dass diese fantastische Geschichte hier schon wieder ein rasches Ende findet. Homers verzweifelte Mexiko-Odyssee hätte man gerne noch länger bestaunt, aber auch Mr. Burns auf der Seite des Proletariats ist eine wohlbekömmliche Abwechslung zum üblichen Simpsons-Trott, der sich hier in keiner einzigen Skizze einstellen will. Dementsprechend sollte man die Macher der „Simpsons Comics“ durchaus dazu ermutigen, derartige Projekte für die Zukunft häufiger in Betracht zu ziehen. Zwar muss man hierbei die Wartezeit von einem ganzen Monat für eine vergleichsweise sehr knappe Erzählung hinnehmen, doch da dies im Superhelden-Metier ebenfalls nicht problematisch ist, wäre es auch bei der gelben Familie denkbar und meiner Meinung nach klar zu befürworten. Die beiden Ausgaben 135 und 136 jedenfalls haben diesbezüglich gute Pionierarbeit geleistet.

http://www.paninicomics.de/simpsons-s10310.html

Brian Azzarello (Autor) / Eduardo Risso (Zeichner) – 100 Bullets Bd. 2 – Die zweite Chance

Band 1: „Der erste Schuss“
Band 6: „Sechs im roten Kreis“
Band 7: „Samurai“
Band 8: „Der unsichtbare Detektiv“

Auch der zweite Band zu „100 Bullets“ zeigt noch einmal ganz deutlich, dass Fans der Serie sich glücklich schätzen können, dass die |Vertigo|-Comics mittlerweile von |Panini| vertrieben werden. Dort nämlich wird nicht nur die laufende Serie fortgesetzt, auch die bisherige Geschichte erfährt infolge dieser Zusammenarbeit einen optisch noch mehr ansprechenden Re-Release, in dem die umfassende, vor allem aber unberechenbare Vorgeschichte noch einmal aufgerollt wird.

Brian Azzarello (Autor) / Eduardo Risso (Zeichner) – 100 Bullets Bd. 2 – Die zweite Chance weiterlesen

Chuck Dixon – Simpsons Comics 135

_Inhalt_

|“Ein brandneuer Burns, Teil 1″|

Während einer Barbecue-Party wird Montgomery Burns aufgrund eines kurzen Schwächeanfalls ohnmächtig und sieht sich zum ersten Mal mit dem Teufel konfrontiert. Geschockt von dieser bitteren Vision, beschließt er, eine Kur in einer Luxusherberge zu starten und seine Vitalkräfte ein weiteres Mal aufzufrischen.

Doch der Relax-Aufenthalt wird für Mr. Burns zur Katastrophe. Alsbald findet er sich in Gefangenschaft mit zahlreichen verschwundenen Persönlichkeiten aus Springfield und Umgebung, die allesamt festgehalten werden, damit ihre Doppelgänger im realen Leben ihre Geschicke neu lenken. Auch Burns‘ Doppelgänger taucht schon bald in Springfield auf. Wird Smithers ihn durchschauen?

_Persönlicher Eindruck_

Revolutionäres im Lager der „Simpsons Comics“: Zum ersten Mal wagt man sich an einen Mehrteiler heran, hat dazu aber auch ein äußerst potenzreiches Thema gewählt. In „Ein brandneuer Burns“ werden nämlich nicht nur allerhand Klischees zur Schau gestellt, auch eine ganze Riege lange entschwundener Persönlichkeiten – so zum Beispiel Marges heimlicher Liebhaber Atrie Ziff – taucht plötzlich wieder aus dem Nichts auf und wird Teil einer überdimensionalen Verstrickung.

Darüber hinaus ist auch die Rollenverteilung mehr als ungewöhnlich. Ausgerechnet der hinterhältige Atomkraft-Befürworter Burns schlüpft in die Hauptrolle und wächst in seiner unterdrückten Situation langsam aber sicher zum Sympathieträger heran. Dem sonst so überheblichen Griesgram wird in einem Erholungscamp in Mexiko ziemlich übel mitgespielt; trotz der großen Summe, die Burns für seinen Aufenthalt zahlt, gleicht seine neue Behausung eher einem Militär-Camp, und bevor er sich versieht, ist er auch schon an einem merkwürdigen Fleck verschollen, von dem bislang keiner der Insassen fliehen konnte. Stattdessen wird man gezwungen, eine merkwürdige Maschine zu konstruieren, die auf den Namen Billy Bierbauch hört und Wasser in Bier umwandeln kann. Als die Teile schließlich in Massenproduktion gehen, laufen die Leitungen auf der Evergreen Terrace natürlich heiß. Homer bestellt gleich ein knappes Dutzend – und findet in einem davon einen Brief mit dem verzweifelten Hilferuf seines Chefs.

Als wäre die Story alleine nicht schon stark genug, sitzen auch die Gags mal wieder richtig gut. Kriegstreiber Slobodan Milošević als linke Hand des Teufels ist gewagt, trifft aber ebenso ins Schwarze wie das kindliche Gerangel zwischen den Computer-Giganten Bill Gates (|Microsoft|) und Steve Jobs (|Apple|). Des Weiteren findet man einige Insider-Anspielungen auf frühere Simpsons-Episoden, die einen rundum gelungenen, inhaltlich meist bärenstarken Comic prima abrunden. Man darf gespannt sein, ob Chuck Dixon die Story ähnlich souverän zu Ende bringen wird, wie er sie hier gestartet hat. Ausgabe 136 wird Aufschluss geben – aber eigentlich hat man ja gerade bei diesem Simpsons-Autor kaum etwas zu befürchten!

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Vaughan, Brian K. / Guerra, Pierra / Marzán jr., José / Sudzuka, Goran – Y: The Last Man 6 – Girl on Girl

Band 1: [„Entmannt“ 3282
Band 2: [„Tage wie diese“ 3586
Band 3: [„Ein kleiner Schritt“ 3774
Band 4: [„Offenbarungen“ 3775
Band 5: [„Ring der Wahrheit“ 4179

_Story_

Dr. Mann und Agentin 355 haben endlich die Ursache dafür gefunden, dass Yorick die Katastrophe, die zur Auslöschung allen männlichen Lebens führte, überlebt hat. Jedoch benötigt man zur weiteren Erforschung Yoricks Äffchen Ampersand, welches von einer geheimnisvollen Japanerin entführt wurde. Um die Reise nach Asien schnellstmöglich hinter sich zu bringen, schließen sich die beiden Damen und ihr wohlbehütetes Geheimnis der Besatzung eines Kreuzfahrtschiffes an, welches unter strikter Order kistenweise Medikamente befördert. Während Yorick sofort ein Auge auf die hübsche Schiffseignerin Killina wirft, entgeht seinen Begleiterinnen dabei nicht, dass irgendetwas am rücksichtslosen Treiben auf der |Whale| nicht mit rechten Dingen zugeht.

Als schließlich eine australische Agentin an Bord eindringt, ein Todesopfer unter den weiblichen Matrosen fordert und die Schiffsladung sich als ein enorm gefährliches Gemisch entpuppt, realisiert selbst der leicht verwirrte letzte Mann auf Erden, dass sein kleiner Rettungstrupp einmal mehr ins offene Messer gelaufen ist.

_Persönlicher Eindruck_

„Y: The Last Man“ ist ein echtes Phänomen. Dies war zwar schon nach den Eindrücken des ersten Bandes klar, in welchem ja erst die Rahmenbedingungen für die außergewöhnliche Story festgesetzt wurden, spiegelt sich seither aber in jeder noch so erstaunlichen Wendung und dementsprechend in jedem weiteren Sonderband wider, der sich mit der Geschichte des schicksalhaften Erdenretters(?) beschäftigt.

Auch in der nunmehr sechsten Episode erlebt der Protagonist mal wieder ein mehr als ungewöhnliches Abenteuer, in dem Star-Autor Brian K. Vaughan erneut sein Talent für unkonventionell-überzeugende Storylines unter Beweis stellt. Die Reise auf der |Whale| ist gezeichnet von absurden Begegnungen, noch absurderen Charakteren und erneut heftigen Plot-Breaks, die das eh schon verworrene Treiben noch einmal mächtig auf den Kopf stellen. Nichts Neues also auf der unendlichen Mission des ungleichen Trios?

Nun, auch diese Frage kann ganz klar negiert werden, da Vaughan seinen Charakteren erneut eine ziemlich krasse Entwicklung zugesteht. So bricht selbst Agentin 355 all ihre Tabus, als sie realisiert, dass der weibliche Kapitän Killina die Nacht mit Yorick verbringen möchte, und entlädt ihre geheimen Gelüste an der offenkundig bisexuellen Dr. Mann. Als die beiden von einem völlig verdutzten Yorick auf frischer Tat ertappt werden, birgt allein dies wieder Potenzial für ganz neue Wirrungen innerhalb des komplexen Erzählstrangs, der hier plötzlich wieder völlig neue Richtungen einschlägt. Es ist jedenfalls erstaunlich, wo bzw. in welcher Form der Autor immer wieder diese fabelhaften Ideen hervorholt und wie er sie anschließend reibungslos in die Handlung einfügt.

Vor diesem Hintergrund sei jedoch auch noch einmal darauf hingewiesen, dass sich das Themenfeld mittlerweile mit jeder weiteren Ausgabe noch stärker ausweitet. Vaughan gewährt kurze Einblicke in das Schicksal der militanten Soldatinnen, kramt kurz in der persönlichen Erinnerung des Hauptdarstellers herum und reflektiert bisherige Erlebnisse sehr subtil in Andeutungen und zweideutigen Dialogen, verbindet all dies jedoch ständig mit neuen Aspekten, an denen die eigentliche Geschichte noch weiter wächst. Mit Spannung wird daher auch die Antwort auf die Frage erwartet, wie all diese recht unterschiedlichen Stränge anschließend kombiniert und schlüssig verbunden werden, die jedoch vorerst noch nicht in Sicht scheint. Solange in „Y: The Last Man“ noch genügend Frauen auftauchen, die sich der Rückkehr der Männlichkeit bewusst in den Weg stellen, und solange Vaughan den wichtigsten Charakteren immer noch Enthüllungen entnehmen kann, bleibt auch diese fantastische Serie weiterhin spannend.

Apropos Enthüllungen: In Band sechs erfährt man nun endlich auch ein wenig über den Verbleib von Yoricks ausgewanderter Freundin Beth, die sich ausgerechnet in Australien befindet – dort, wo auch die Geheimorganisation beheimatet ist, die inkognito den Schmuggel auf der |Whale| aufdeckt und den Protagonisten erneut eine missliche Lage aufs Auge drückt. Aber dies ist wieder eine andere Geschichte, die es in „Girl on Girl“ bis ins Detail zu begutachten gilt, und die neben recht temporeicher Action auch wieder den einen oder anderen Spruch parat hält. Keine Frage also: Auch in der neuesten Episode hat sich Brian K. Vaughan in allen Belangen wieder selbst übertroffen – auch wenn man sich diesbezüglich ständig wiederholen muss!

[Verlagsseite zur Serie]http://www.paninicomics.de/?s=gruppen&gs__gruppe=10452

Feist, Raymond E. / Oeming, Michael / Glass, Bryan – Lehrling des Magiers, Der (Midkemia-Saga 1)

Mit Raymond E. Feists „Der Lehrling des Magiers“ veröffentlicht |Panini Comics| ein weiteres Bruchstück aus seinem wachsenden Fantasy-Segment. Darin geht es um Freundschaft, Lehrjahre und die erste große Liebe. Aber Drachen und Trolle kommen auch vor, keine Sorge.

|Panini| gilt gemeinhin als Verlag der Superhelden. Batman, Superman, Spider-Man und die Fantastischen Vier verlassen dort jeden Monat Hand in Hand die Druckerpresse, frisch verpackt und eingeschweißt, bereit und versandfertig für den Kiosk. Wer jedoch genauer hinsieht, stellt fest, dass |Panini| noch mehr als Superhelden zu bieten hat. Mittlerweile beackert der Verlag eine ganze Reihe unterschiedlicher Segmente. Neben den Helden in Strumpfhosen erscheinen dort auch Comics zu Filmen und Fernsehserien („Star Wars“, „Buffy“), zu Computer- und Rollenspielen („Silent Hill“, „Hellgate“, „Warhammer 40.000“) sowie jede Menge Literatur für adoleszentes Publikum („Criminal“, „Sandman“, „DMZ“). Von der riesigen Auswahl an Mangas einmal ganz zu schweigen.

Ein weiteres, kontinuierlich von |Panini| erschlossenes Segment sind Fantasy-Comics. Als Vorlage solcher Comics dienen Romane, die sich in der Vergangenheit bereits erfolgreich ein Publikum erobert haben. „Dragonlance“, „Elric“ und „Conan“ zum Beispiel sind seit langer Zeit Fixsterne am Himmel der Fantasy-Literatur, und es ist zu erwarten, dass eingefleischte Fans der Romanvorlagen auch bei den Comics zugreifen werden.

Mit Raymond E. Feists „Der Lehrling des Magiers“ befinden wir uns mittendrin. |Panini|s Fantasy-Comics wenden sich weniger an ein erwachsenes, sondern eher an ein jugendliches Publikum. So auch die Geschichte um die beiden Freunde Pug und Tomas. Sie wachsen zusammen auf Schloss Crydee in dem fantastischen Reich Midkemia auf. Als es Zeit wird, einen Lehrmeister zu suchen und eine Ausbildung anzufangen, kommt der athletische Tomas bei dem Schwertmeister Fannon unter. Er wird zu einem Krieger herangezogen und im Umgang mit der Klinge trainiert. Pug hingegen geht bei dem Meistermagier Kulgan in die Lehre und zeigt dort einiges Geschick und Talent. Die Freundschaft und die Lehrzeit der beiden Jungen bilden einen wichtigen Teil der Geschichte. Später kommen noch andere Momente hinzu, beispielsweise Pugs Gefühle für die schöne Prinzessin Carline oder eine Bedrohung aus einer anderen Dimension.

An die Grenzen des durch Comics Erfahrbaren führt dieser Comic sicherlich nicht. Ihm haftet eben jene merkwürdige Sperrigkeit an, die häufig entsteht, wenn ein Roman zu einem Comic umgeschrieben wird. Die Figuren sind ein wenig zu glatt und konturlos, zwar unterscheidbar, aber eben doch noch zu nah am Klischee, um frisch und lebendig zu wirken. Sieht man von dieser grundlegenden Schwäche der Charakterisierung und der Atmosphäre einmal ab, funktioniert „Der Lehrling des Magiers“ bemerkenswert gut. Die verschiedenen Handlungsebenen greifen gut ineinander, und trotz der Fülle von Nebenfiguren behält der Leser die Übersicht. Optisch macht außerdem die erste Hälfte von Brett Booth einiges her. (Die zweite Hälfte des Bandes von Ryan Stegman fällt hingegen etwas schwächer aus.)

Thematisch ist „Der Lehrling des Magiers“ ein Comic für Jugendliche. Es geht um Aufbruch und Lehrzeit, um die Fragen, wer man ist und wohin man im Leben gehört. Durchmischt wird das Ganze mit Miniaturdrachen, Trollen, Feuerbällen und Elfen. Ein innovativer Comic ist das nicht. Aber es ist solide Fantasy, die ja schon immer gerne etwas konservativ daherkam.

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_Raymond E. Feist auf |Buchwurm.info|:_

[„Der Lehrling des Magiers“ 864 (Die Midkemia-Saga 1)
[„Der verwaiste Thron“ 866 (Die Midkemia-Saga 2)
[„Der Dieb von Krondor“ 566 (Die Legenden von Midkemia 3)
[„Die Kelewan-Saga I“ 861
[„Der Sklave von Midkemia“ 881 (Kelewan-Saga 3)
[„Zeit des Aufbruchs“ 888 (Kelewan-Saga 4)
[„Die schwarzen Roben“ 896 (Kelewan-Saga 5)
[„Tag der Entscheidung“ 899 (Kelewan-Saga 6)
[„Elfenhügel“ 903

Miller, John Jackson / Weaver, Dustin – Star Wars Sonderband 41: Knights Of The Old Republic III – Tage der Furcht

[Knights Of The Old Republic II – Stunde der Wahrheit 3723

_Story_

Noch immer befindet sich der junge Jedi-Padawan Zayne Carrick auf der Flucht vor seinen einstigen Lehrmeistern und gezielt arbeitenden Kopfgeldjägern, die ihn des Mordes an seinen Mitschülern bezichtigen. Doch statt sich der Übermacht der Häscher zu stellen, schwört Carrick, den wahren Mörder aufzuspüren und zur Strecke zu bringen, um seine Unschuld endgültig unter Beweis zu stellen. Auf Ralltir beschließt er, sich von seiner Mitstreiterin Elbeh und dem alten Erfinder Camper zu trennen, um beiden eine bessere Überlebenschance auf der Flucht zu verschaffen. Gemeinsam mit dem geschäftstüchtigen Gryph reist Zayne auf einen abgeschlagenen Planeten, landet dort aber ausgerechnet in den Händen eines Admirals der Republik.

Unterdessen hat auch Elbeh nur wenig Erfolg. Auf ihrer Schiffspassage wird Camper von einem Droiden angegriffen und schwer verwundet. Die beiden schaffen es mit letzter Kraft auf ihren Heimatplaneten Arkana, wo Camper jedoch immer stärker einer seltsamen Senilität verfällt. Lord Adasca schiebt den bedenklichen Zustand des Wissenschaftlers auf ein tückisches Virus, doch Elbeh schenkt dem keinen Glauben. Allzu deutlich soll sie bald spüren, dass ihre finsteren Ahnungen vollends berechtigt waren. Vergleichbare Visionen plagen auch Zayne; er sieht den Verfall einer ganzen Welt, und erstmals in seiner Karriere als Jedi ist er sich sicher, dass seine düsteren Vorahnungen ihn nicht täuschen …

_Persönlicher Eindruck_

Der dritte Band der illustrierten „Knights Of The Old Republic“-Serie ist mitunter der schwierigste und komplexeste in dieser Reihe, da er zum einen gewissermaßen voraussetzt, dass man die Vorgeschichte kennt, zum anderen aber auch dann nur schwer durchschaubar ist, da die einzelnen Sprünge zwischen reflektierter Hintergrundgeschichte und aktueller Realität stellenweise kaum zu erkennen sind. Allerdings ist dies gegenteilig auch ein Aspekt, der diese Publikation zu einer äußerst interessanten macht.

Die Story um den vermeintlich unschuldigen Jedi-Schüler wird von John Jackson Miller zunächst stringent vorangetrieben. Nach der schmerzlicheren Trennung von Elbeh und Camper vertraut der junge Jedi auf die Geschicke seines verbliebenen Gefährten Gryph, muss sich jedoch ständig dessen unbremsbarer Gier unterordnen. Während Zayne in seinen Visionen erlebt, wie die Mandalorianer ihren momentanen Aufenthaltsort am nächsten Tag in Schutt und Asche legen werden, forciert Gryph gemeinsam mit einem befreundeten Schuldner sein Restaurant-Projekt, welches von Seiten der Republikaner mit Freuden angenommen wird. Zu diesem Zeitpunkt ahnt aber auch noch niemand, wer tatsächlich hinter dem kulinarischen Zwischenstopp steht.

Auf der anderen Seite beschreibt Miller nicht ganz so detailliert den Werdegang von Elbeh, die sich in einem inneren Zwiespalt aus verschenkter Hoffnung, verlorenem Vertrauen und verzweifeltem Kampf gegen die Wirren, die der absehbare Krieg mit sich bringt, befindet. Zur Rettung ihres stärksten Verbündeten lässt sie sich auf einige bedenkliche Deals ein und gerät ebenso wie ihr ehemaliger Sidekick Carrick in einen Hinterhalt, aus dem es scheinbar kein Entrinnen mehr gibt. Beide kämpfen nach wie vor für ihre Ideale und ihr bis hierhin gebrochenes Recht, doch scheinen sie auch jetzt nicht die erhoffte Genugtuung zu erfahren. Die „Tage der Furcht“ erweisen sich nämlich letztendlich nur als Zwischenstation auf ihrer Mission zum Beweis ihrer Unschuld.

Nach dem recht fulminanten Auftakt ruht die Story in Sachen Fortschrittlichkeit, lässt dafür aber deutlich mehr Freiräume für die Ausschmückung einiger bislang verborgener Details. Miller verfolgt nicht zielstrebig eine Lösung im Konflikt der Protagonisten, sondern schafft gleich mehrere neue Stränge, um deren Bredouille noch weiter zu verschärfen. Dies ist ihm unter Berücksichtigung des nachvollziehbaren Aufbaus auch weitestgehend gelungen, wenngleich es partiell recht schwierig ist, den rasanten Entwicklungen und permanenten Wendungen zu folgen. Dieser Grad an Komplexität hebt allerdings das Niveau der Comic-Geschichte um die „Knights Of The Old Republic“ in gewisser Weise auch wieder an und schafft weiteres Potenzial für ein anständiges, spannendes Finale, welches zwar noch ein wenig auf sich warten lässt, aufgrund der hier geschilderten Ereignisse dennoch heiß ersehnt wird. Selbst ein paar zwischenzeitliche Längen, die beim Umfang der Serie aber kaum zu umgehen waren, können an diesem Umstand nichts mehr ändern.

Alles in allem also hinterlässt auch der dritte Sonderband der Serie einen weitestgehend makellosen Eindruck, obschon man von nun an den Abschluss nicht mehr weiter aufschieben sollte. Aber selbiges ist nicht zu erwarten, würde die Story aber bei noch weiter forcierter Verzweigung auch nicht mehr ganz glaubwürdig machen. Dies zu diskutieren, ist jedoch müßig. Feststeht jedenfalls, dass die „Knight Of The Old Republic“-Ausgaben bis dato würdige Vertreter der „Star Wars“-Comics sind und sich eben dieser Eindruck auch in der aktuellen Sammelausgabe noch weiter herausschält.

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Welles Hartley / Mick Harrison / Doug Wheatley – Star Wars 65: Dark Times 4 (von 5) – Das Bauernopfer

Inhalt

„Das Bauernopfer, Rebellion Teil 3“

Wyl Tarson und seine Gefährten landen auf Ahakista, einem unscheinbaren Planeten, auf dem der Mann mit der implantierten Bombe zu einem Knoten vordringen soll, um seine von Raze auferlegte Mission baldig zu beenden. Doch die Situation auf Ahakista ist bedenklich; das Imperium hat die Pyramiden des Planeten in Besitz genommen und droht, das Volk zu versklaven. Lediglich eine kleine Einheit unter der Führung Sardoths plant ein Komplott und versucht, mit Hilfe einer imperialen Verräterin die Kommandozentrale der Streitkräfte des Imperiums per Frontalangriff auszuschalten.

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