Archiv der Kategorie: Comics / Graphic Novels

Hegen, Hannes (Hrsg.) / Dräger, Lothar (Text); Hegenbarth / Edith (Zeichnungen) – Digedags in New Orleans, Die (Amerikaserie, Band 7)

Unter der Schirmherrschaft von Hannes Hegen erschienen im „Mosaik“ Monat für Monat die Abenteuer des zwergenhaften Trios bestehend aus den mutmaßlichen Brüdern Dig, Dag und Digedag – kurz: „Die Digedags“. Allerdings nur im Osten der Republik, denn im Westen waren (und sind) die drei umtriebigen Wichte – und Vorväter der etwas bekannteren „Abrafaxe“ – weitgehend unbekannt. Nach der Wiedervereinigung wurde es still um die Digedags, bis 2005 alle bisher erschienenen Geschichten vom wiederauferstandenen Verlag Junge Welt noch einmal als Sammelbände zu je vier Heften komplett neu aufgelegt wurden.

_Die Digedags_

Die drei tauchen in verschiedenen Menschheitsepochen auf und erleben dort ihre Abenteuer bzw. begleiten Persönlichkeiten dieser Ära mit Fleiß, Wissen und Witz. Die stets jugendlich wirkenden Digedags altern nicht und ihr markantes Äußeres bleibt weitgehend unverändert – sämtliche leichten Variationen in ihrem Aussehen sind wohl eher der Weiterentwicklung Edith Hegenbarths als Zeichnerin zuzuschreiben. Die Texte legte ihnen Lothar Dräger in den Mund, das heißt: nein, nicht direkt. Bei den Digedags herrscht nämlich weitgehend Sprechblasenfreiheit. An die Untertitelung der Panels hat man sich aber schnell gewöhnt und sie schätzen gelernt.

_Die Amerikaserie_

Die Amerikaserie, welche 1979 erstveröffentlicht wurde, ist eine der größten und umfasst 60 Einzelhefte (von 152 bis 211). Diese schafften es, ursprünglich zusammengefasst in insgesamt zehn Sammelbände, bis zur stolzen achten Auflage. Diese erschien noch 1989, kurz vor dem Mauerfall. Die Geschichte der Amerikaserie beginnt in New Orleans 1860 bevor der amerikanische Bürgerkrieg ausbrach und sie endet in New York vier Jahre später. Bis dahin haben sich die Digedags quer durch den nordamerikanischen Kontinent gewuselt und im Kampf gegen die Sklaverei allerhand erlebt.

_Band 7: Die Digedags in New Orleans (Mosaik 176 bis 179)_

Die Digedags sind gewissermaßen gezwungen, die entdeckte Goldmine (vgl. „Die Digedags in den Rocky Mountains“) auszubeuten, dafür brechen sie aus dem langsam winterlich werdenden Gebirgstal auf, um ihr weiteres Vorgehen mit Jeremias Joker in New Orleans abzusprechen. Der ursprüngliche Plan, den Fund geheimzuhalten, um das malerische Tal von marodierenden Goldsuchern freizuhalten, scheiterte an Mrs. Jeffersons Hartnäckigkeit. Zu guter Letzt hatte die Lady doch den richtigen Riecher und fand die Mine aufgrund eines peinlichen Fehlers des Trios. Obwohl Dig, Dag und Digedag sie vorsichtshalber als ihren Claim abgesteckt und markiert hatten, sieht sich die alte Dame als rechtmäßige Besitzerin. Ihr treuer Freund Colonel Springfield verspricht den Digedags, die Insel bis zu ihrer Rückkehr in eine uneinnehmbare Festung zu verwandeln.

Derzeit haben die Digedags aber andere Probleme, während ihre Widersacher den Winter über in den Rockies festsitzen und mit dem Gold der Mine nichts anfangen können. Bei einem Überfall auf den Prärie-Express werden ihnen ihre Tagebücher geklaut, in welchen sie akribisch alles eingetragen haben – natürlich auch den Fundort des Indianer-Goldes. Ihres fahrbaren Untersatzes ebenso beraubt, müssen sich die drei erst einmal eine andere Art der Fortbewegung organisieren. Die Banditen verkaufen derweil die Tagebücher, ohne genau hineingesehen zu haben, an Mr. Potter, den Zeitungsverleger des „New Orleans Magazine“, in dessen Diensten die Digedags bekanntlich stehen (vgl. „Die Digedags in Amerika“). Der stolpert über die Schilderung des Goldfundes und wittert eine Sensation: „Gold in den Rocky Mountains“ titelt er eine Sonderausgabe. Er bedenkt in seinem Streben nach journalistischem Ruhm allerdings nicht, dass er grade damit gefährliche Leute anlockt.

_Eindrücke_

Der jetzige Band 7 war früher Band 5, was Titelgebung und Anfang angeht – auch markieren beide in etwa die Hälfte der Serie. Die Neuaufteilung beschert hier eine seltene Überschneidung von Neu und Alt. Bis zu einem gewissen Punkt jedenfalls. Da die Sammelbände seit ihrem Re-Release 2005 kürzer ausfallen, fehlen gegenüber der alten DDR-Ausgabe zwei Kapitel bzw. sind in den nächsten Band ausgelagert worden – logischerweise die letzten. Dennoch ist der Schnitt in diesem Fall nicht so drastisch und unpassend, wie es leider in der Neuauflage sonst fast ausnahmslos der Fall ist. Die Episode endet erstaunlich rund mit dem erneuten Aufeinanderprallen der beiden alten Rivalinnen „Lousiana“ und „Mississippi Queen“ (vgl. Band 1 und 2), so viel sei bereits verraten. Doch zunächst heißt es für die Digedags mal wieder, Rückschläge einstecken und quasi zurück zu den Wurzeln: nach New Orleans.

Es verläuft jedoch weitaus komplizierter und unangenehmer als geplant. Das liegt zum Teil daran, dass Oberfiesling Coffins mitmischt und in (Ex-)General Knocker neue Unterstützung findet. Auch Kapitän und Jefferson-Neffe Baxter ist wieder mit dabei, ebenso natürlich Mr. Potter und die sympathische Joker-Familie, welche die Geheimorganisation „Sklaven Express“ betreibt, die entlaufenen Farbigen die Flucht in den freien Norden ermöglicht. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass in der Neuauflage die häufige Verwendung des Wortes „Neger“, welches heutzutage doch ziemlich abwertend klingt, nicht – political correct – in „Farbige“ oder wenigsten „Schwarze“ abgeändert wurde. Zumindest wenn die Good Guys über die Sklaven reden, passt die Verwendung des altertümlichen und recht abfälligen Terminus nicht. Das aber nur am Rande bemerkt. Zeichnerisch gehört Band 7 zu den gehobeneren, insbesondere der Showdown der beiden Raddampfer ist überaus gelungen dargestellt.

_Fazit_

Die Mitte der Serie erweist sich als vergleichsweise actionreiche Episode der kultigen Digedags-Abenteuer. Gewürzt ist der Beginn des Schlussspurts wieder einmal mit viel Witz und moralisch einwandfreien Lehren – ohne dabei den dozierenden Zeigefinger zu erheben. Leider krankt auch dieser Sammelband an der (mit 13 Euro pro Ausgabe ziemlich überteuerten) Neuauflage und der Kürze von nur vier Kapiteln gegenüber deren sechs in der DDR-Originalausgabe bis 1989. Natürlich ergibt die Amerikaserie nur komplett wirklich Sinn, was die Sache entsprechend verteuert. Falls es sich also einrichten lässt, und vor allem der Preis stimmt, sind die alten Fassungen (insgesamt zehn Bände) stets vorzuziehen, zumal sie in der Neuauflage (15 Bände) inhaltlich nicht – oder wenn nur unmerklich – überarbeitet wurden.

_Die Buchdaten auf einen Blick:_

„Die Digedags in New Orleans“ – Amerikaserie, Band 7
Enthält die Mosaik-Hefte 176 bis 179
© 1980 und (Neuauflage) 2005 – Buchverlag Junge Welt, Berlin
Herausgeber: Hannes Hegen
Text: Lothar Dräger
Figurinen: Edith Hegenbarth
ISBN: 3-7302-1879-4 (neu)

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Kelly, Joe / Sable, Marc – Supergirl – Enthüllungen (100% DC Bd.10)

_Story_

Supergirl sucht vehement ihren Platz im Superhelden-Kosmos der Erde, findet jedoch aufgrund ihrer Vergangenheit keinen echten Anschluss. Bei den Outsiders wird sie lediglich geduldet, vollführt an ihrer Seite jedoch einen schwierigen Einsatz, der auch das Interesse Powerboys weckt, der sich sofort in die junge Superheldin verliebt und ihr auf Schritt und Tritt folgt. Tatsächlich gewinnt der verwegene Schönling ihr Herz und schenkt Supergirl die lange Zeit vermisste Geborgenheit. Als ihr alter Gefährte Boomer jedoch in Schwierigkeiten gerät und ihrer Hilfe bedarf, zeigt Powerboy sein wahres Gesicht und seine kranke Identität.

Derweil wird Kara Zor-El ständig von Visionen ihrer Vergangenheit auf Krypton geplagt. Ihr Vater fordert nach wie vor von ihr, Superman zu töten, weil dieser für die damaligen Eingriffe aus der Phantomzone des Planeten verantwortlich scheint. Supergirl ist hin- und hergerissen zwischen Pflichtgefühl und Emotionen, steht jedoch unter dem Druck, alsbald eine endgültige Entscheidung zu treffen – bevor diese ihr von anderer Seite abgenommen wird …

_Persönlicher Eindruck_

Bereits zum dritten Mal beschäftigt sich die Sonderreihe \“100% DC\“ mit der jungen Superheldin aus dem direkten Umfeld Supermans und erzählt dabei kontinuierlich die Geschichte der gleichnamigen US-Serie chronologisch fort. Der zehnte Band dieser Paperback-Reihe enthält dabei jedoch keine lückenlose Zusammenstellung, sondern die Hefte 11 und 13 bis 17, was ein wenig seltsam anmutet, da dieser Sprung zwischen den Kapiteln zu Beginn der Story auch tatsächlich einige Verständnis- und Orientierungsprobleme hervorruft.

Davon abgesehen ist \“Enthüllungen\“ auch inhaltlich keine durchweg überzeugende Geschichte, wobei gerade die etwas naiv beschriebenen Liebschaften zwischen Supergirl und Powerboy bisweilen säuerlich aufstoßen. Speziell in den diesbezüglichen Episoden innerhalb dieses Sammelbandes bewegt sich Autor Joe Kelly auf echtem Teenie-Niveau, was zwar der adäquaten Altersklasse der Titelheldin entspricht, sprachlich und auch auf die Handlung bezogen indes aber eher peinlich wirkt. Kein Wunder also, dass die Freude groß ist, sobald Supergirl ihren zwischenzeitlichen Herzbuben wieder abschießt und Platz für die eher spannende Geschichte um ihre persönliche Vergangenheitsbewältigung schafft.

Andererseits sind die Aufarbeitung der Kindheitstragödie sowie ihr momentanes Schicksal unnötig komplex geraten; eine Ausnahmeerscheinung im Vergleich zu der simpel gestrickten Handlung in den ersten Kapiteln des Bandes, die nur schwer in Harmonie zu bringen ist. Jedoch wird erst hier der Nährboden für eine actionreiche, grundlegend tiefe Story ausgelegt, deren wahres Potenzial sich aber wohl erst in der Fortsetzung zeigen wird. Nach einigen durchschnittlichen Momenten zu Beginn und dem beachtlichen Finale auf den letzten Seiten hat der Autor in Verbund mit seinem Sidekick Marc Sable nämlich einen verblüffenden Cliffhanger inszeniert, der zu guter Letzt überraschenderweise doch noch Lust auf mehr macht. Rein inhaltlich war an dergleichen nämlich kurzzeitig gar nicht mehr zu denken.

Unterdessen sind die Charakterzeichnungen konträr zur ermüdenden Anfangshandlung ein echtes Prunkstück, wenngleich sich Kelly ebenfalls recht schwertut, Supergirl eine Art Bad-Girl-Image zu verpassen und sie somit in die Reihe derjenigen DC-Figuren einzuordnen, die ebenfalls keiner klaren Seite zugehören. Ob Kara Zor-El jedoch überhaupt dorthin hineingepresst werden kann, muss die Zukunft zeigen; bislang herrscht in dieser Beziehung noch eine gewisse, undurchdringliche Ambivalenz. Zeichnerisch ist \“Enthüllungen\“ überdies ebenfalls makellos, gerade hinsichtlich des Wechsels zwischen Aktualität und der schweren Vergangenheit auf Krypton, der hier sehr stimmungsvoll eingefangen wurde. Schade, dass die Story hier nicht ganzzeitig mithalten kann.

Die zehnte Edition von \“100% DC\“ ist dementsprechend ein ziemlich zwiespältiges Unterfangen, welches sowohl handlungsbezogen in zwei völlig konträre Ebenen gespalten werden muss als auch im Vergleich zwischen illustrativer und geschriebener Kunst eine klare Zweiteilung erfährt. So ist inhaltlich eine Entwicklung zu spüren, die sich erst mit dem rasanten Schlussspurt in befriedigende Gefilde flüchtet, wohingegen der Kontrast zwischen einfacher, gewöhnlicher Sprache und erstklassigen Zeichnungen diesen qualitativen Sprung noch einmal nachhaltig festhält. In den letzten Szenen eröffnet sich aber dennoch das kaum noch vermutete Potenzial der Erzählung und mündet in eine überzeugende Endsequenz, die unverhofft doch noch die Lust auf eine Fortsetzung weckt. In \“Enthüllungen\“ ist ergo zwar bestimmt nicht alles Gold, was glänzt, aber alles in allem erhält der geneigte Leser und Fan wider erster Erwartungen eine ganz ordentliche Geschichte mit interessanten Wendungen und gut ausgeprägten Charakterzeichnungen – mehr, als man nach den einleitenden Kapiteln erwarten durfte!

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Ellis, Warren / Deodato, M. – Thunderbolts 1: Vertrauen in Monster

_Story_

Nach dem offiziellen Ende des |Civil War| versuchen Tony Stark und seine Gefolgsleute händeringend, den Gesetzesentwurf mit Nachdruck durchzusetzen und all diejenigen, die eine Registrierung ablehnen, kompromisslos zu jagen. Mit den Thunderbolts unter der Führung des skrupellosen Norman Osborn rückt dabei auch eine zweifelhafte Truppe auf die Seite des Gesetzes, um alte Schuld auszumerzen und die neuen \’Verbrecher\‘ zu inhaftieren. Einstige Schurken wie Venom, Bullseye, Radioactive Man, Moonstone und Songbird haben den Krieg zwischen den beiden Helden-Fronten für ihre Zwecke genutzt und stehen nun als Hüter des Gesetzes in der Gunst der ahnungslosen Bevölkerung, die gar nicht erst mitbekommt, mit welch grausamen Methoden die neue Einsatztruppe unregistrierte Superhelden in die Knie zwingt. Doch während sich die Thunderbolts selbst vor laufenden Kameras niederträchtige Showdowns liefern, taucht eine kleine Schar standhafter maskierter Helden auf, um der radikalen Vereinigung den Kampf anzusagen und den Leuten die Augen zu öffnen. Doch der schizophrene Osborn findet auch hierfür eine bedenkliche Lösung …

_Persönlicher Eindruck_

Die \“Thunderbolts\“ galten bereits zu Debützeiten 1997 als eine der revolutionärsten Truppen des |Marvel|-Universums und feierten vor allem unter der Initiative von Kurt Busieck zu jener Zeit beachtliche Erfolge. Innerhalb der letzten Dekade tauchte das Team immer wieder in brisanten Crossover-Storys auf, behielt aber auch eine eigene Serie bei, die in den Staaten längst in den dreistelligen Veröffentlichungsbereich aufgestiegen ist. Im Zuge des jüngst abgeschlossenen Epos \“Civil War\“ sind Moonstone, Songbird und Co. nun wieder ins Rampenlicht getreten. Als ehemalige Vereinigung miesester Bösewichte hat man die Gunst der Stunde genutzt und sich mit zweifelhaften, eher unlauteren Mitteln an die Spitze des Stark\’schen Machtgefüges gesetzt. Kein Wunder also, dass dieser neue Aufschwung in den Staaten große Beachtung fand und endlich auch hierzulande die Basis für eine autonome Serie lieferte. Band 1 dokumentiert nun die direkten Ereignisse nach dem \“Civil War\“ sowie eine der besten und vielversprechendsten Storys der letzten Monate.

Im ersten unabhängigen Sonderband \“Vertrauen in Monster\“ schildert niemand Geringerer als Star-Autor Warren Ellis, inwiefern die Thunderbolts die Geschicke bereits dominieren. Der rücksichtslose Norman Osborn hat einen Deal mit Iron Man Tony Stark abgeschlossen, der ihm das Direktorat über die Spezialtruppe überlässt, die wiederum als Sonderdelegation des neuen Gesetzes für Recht und Ordnung unter den maskierten Einheiten sorgen soll. Die einzige Bedingung: Es darf niemand bewusst getötet werden, was angesichts der brutalen Gestalten unter den Thunderbolts schon eine ganz besondere Herausforderung, in diesem Sinne jedoch auch Starks Absicherung für sein Geschäft mit Osborn ist.

Dennoch genießt Osborn geradezu Narrenfreiheit und zwingt seine Untergebenen zu vollem Gehorsam, indem er ihnen individuell mit ganz unterschiedlich verheerenden Konsequenzen droht. Infolge dessen gelingt es der Mannschaft auch nicht, zur Einheit zusammenzuwachsen, weshalb ihr erster Einsatz direkt zum Desaster wird. Vor laufenden Kameras werden die Thunderbolts blamiert und als Aggressoren bloßgestellt. Allerdings fällt der geblendeten Bevölkerung die Manipulation nicht auf; lediglich eine kleine Abordnung idealistischer Freiheitskämpfer, darunter B-Helden wie Steel Spider, stellen sich dem Kampf gegen das unmoralische Team, müssen jedoch auch tatenlos mit ansehen, wie sich die Thunderbolts mit äußerster Gewalt zur Wehr setzen und selbst mörderische Absichten alsbald in die Tat umsetzen. All dies verändert sich jedoch, als der erste von ihnen, Bullseye, sich Osborns Kontrolle entzieht und den Zwiespalt im Team öffentlich macht. Denn so unberechenbar wie dieser Comic, so unberechenbar sind vor allem seine Charaktere.

Ellis liefert folgerichtig einen brillanten Einstieg in die neue Reihe und etabliert seine zweifelhaften Helden sofort als unkonventionelle Streitmacht eines brüchigen Staates. Die Konsequenzen des Civil War scheinen knallhart, werden auch vehement durchgesetzt, bieten aber vor allem ihren Verfechtern zahlreiche Möglichkeiten, die neuen Gesetze zum eigenen Vorteil auszunutzen. Und diese Tatsache liefert letztendlich den Nährboden für eine knallharte, besonders in der zweiten Hälfte enorm actionreiche Story mit einer ganzen Riege eigenartiger, innovativ hervorgehobener Charaktere, die den revolutionären Akt des vorangegangenen Crossovers als lebendige Sinnbilder dokumentieren und deren fulminantes Auftreten lediglich ein sehr deutliches Fazit zulässt: \“Thunderbolts\“ ist eine durch und durch außergewöhnliche, illustrativ und inhaltlich betrachtet bemerkenswert starke Serie, deren Auftakt mit \“Vertrauen in Monster\“ kaum besser hätte sein können. Hoffentlich gelingt es dem Dream-Team |Marvel/Panini|, diese andersartigen Figuren bzw. dieses eigenartige Team hierzulande möglichst rasch zu etablieren!

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Hartley, Welles / Harrison, Mick / Wheatley, Doug – Star Wars 64: Dark Times 3 (von 5) – Der Weg ins Nichts

[Band 1 3853
[Band 2 4031

_Inhalt_

|“Der Weg ins Nichts“|

Dass Jenir und Bomo Greenmark erfahren in den Verliesen des Sklavenplaneten Orvax, dass Frau und Tochter Bomos in einer Auseinandersetzung mit ihren Häschern verwickelt waren, infolge derer Mesa ihr Leben ließ und Resa verschleppt wurde. Völlig außer sich vor Wut und Trauer schöpft Bomo zumindest noch die geringfügige Hoffnung, seine Tochter wieder retten zu können, jedoch lässt Dass ihm keine Wahl und bittet ihn, sich selber schnellstmöglich in Sicherheit zu bringen. Jenir jedoch folgt den Spuren der Sklavenhändler und entdeckt Seiten an sich, die er bislang immer unterdrücken musste. Der Hass auf die Schreckenstaten an den Nosauriern hat Besitz von ihm ergriffen und scheint ihn nachhaltig zu verändern …

|“Rebellion“|

Wyl Tarson steht nach wie vor unter dem Einfluss des verbrecherischen Raze, der ihm jüngst eine Bombe ins Gehirn pflanzte und ihn nun zur Erfüllung grausamster Aufträge erpresst. Auf Geheiß des hinterhältigen Fürsten soll er nach Ahakista reisen, um dort in den Krieg der Rebellen gegen seine ehemaligen Gefährten einzugreifen. Als wäre dies nicht schon bitter genug, verlangt Raze von seinem mentalen Sklaven, dass er seine unwissenden Freunde an Bord blindlings in den Tod stürzen soll …

_Persönlicher Eindruck_

Irgendwie ist die Masche, Geschichten künstlich auszudehnen und vorab festgelegte Kapitelunterteilungen nachträglich zu verändern nicht nur ziemlich unverschämt, sondern nach unzähligen Wiederholungen auch mächtig abgegriffen. Ähnliches widerfährt dem treuen „Star Wars“-Fan aber dennoch im neuesten Comic-Magazin, in dem eigentlich der letzte Part der Serie „Dark Times“ stehen sollte, welches jedoch nun doch erst der Vorbote zum Grande Finale sein darf. Statt drei geplanten Episoden – man kennt’s zur Genüge – gibt’s jetzt also wieder vier.

Andererseits mag man ob der beiden fantastischen Geschichten, die hier fortgesetzt werden, auch nicht meckern, schließlich sind sowohl Dass Jenirs ehrenhafte Mission als auch die etwas komplexere Geschichte um den versklavten Wyl Tarson ein echter Genuss fernab der üblichen Sternenkrieg-Heldenriege. Besonders der erste Plot, gleichzeitig auch die Titelgeschichte, kommt nun in die brisante Phase und wirft ihren Helden in einen verheerenden Zwiespalt. Dass Jenir muss sich entscheiden, ob er seinen Tugenden als Jedi treu bleiben mag, oder ob er es zulässt, dass sein Hass auf die niederträchtigen Methoden des Imperiums überhand nimmt und seine Sinne künftig kontrollieren wird. Die Story folgt einigen effizienten Wendungen hin zu einem starken Cliffhanger, der in die entscheidende Phase überleitet, welche wiederum in der nächsten Ausgabe endgültig in Kraft tritt. Hier darf man wirklich auf den Weg des Jedi – den Weg ins Nichts? – gespannt sein.

Die zweite Erzählung will sich indes nicht sogleich erschließen und benötigt aufgrund der zunächst etwas verwirrenden Sprünge etwas mehr Anlaufzeit, zumal auch einige neue Figuren mit einem Mal in die Handlung integriert werden. Überdies ist die Motivation einiger davon nicht sofort schlüssig, was den Komplexitätsgrad kurzzeitig aufs Maximum hebt und auch bis zum überraschenden Schluss aufrechterhält. Doch ohne jetzt zu viele Details preiszugeben: Auch hier bahnt sich ein fulminantes Ende einer richtig starken Mini-Serie an!

Insofern darf man mit der 64. Ausgabe der „Star Wars“-Comics absolut zufrieden sein. Die beiden zuletzt eröffneten Stränge werden konsequent weiterentwickelt und gleichsam auf ein spektakuläres Schlussszenario vorbereitet, welches dann wohl die Nr. 65 bieten wird. Selbst die eingangs erwähnte Kritik zur unplanmäßigen Ausdehnung wird da gerne vergessen, wenn der Inhalt so stimmig und überzeugend ist. „Dark Times“ ist definitiv ein Highlight in der Comic-Geschichte um die beiden Seiten der Macht!

http://www.paninicomics.de/?s=gruppen&gs__gruppe=10314

Hegen, Hannes (Hrsg.) / Dräger, Lothar (Text) / Hegenbarth, Edith (Zeichnungen) – Digedags und Häuptling Rote Wolke, Die (Amerikaserie, Band 6)

Unter der Schirmherrschaft von Hannes Hegen erschienen im „Mosaik“ Monat für Monat die Abenteuer des zwergenhaften Trios bestehend aus den mutmaßlichen Brüdern Dig, Dag und Digedag – kurz: „Die Digedags“. Allerdings nur im Osten der Republik, denn im Westen waren (und sind) die drei umtriebigen Wichte – und Vorväter der etwas bekannteren „Abrafaxe“ – weitgehend unbekannt. Nach der Wiedervereinigung wurde es still um die Digedags, bis 2005 alle bisher erschienenen Geschichten vom wiederauferstandenen Verlag |Junge Welt| noch einmal als Sammelbände zu je vier Heften komplett neu aufgelegt wurden.

_Die Digedags_

Die drei tauchen in verschiedenen Menschheitsepochen auf und erleben dort ihre Abenteuer bzw. begleiten Persönlichkeiten dieser Ära mit Fleiß, Wissen und Witz. Die stets jugendlich wirkenden Digedags altern nicht und ihr markantes Äußeres bleibt weitgehend unverändert – sämtliche leichten Variationen in ihrem Aussehen sind wohl eher der Weiterentwicklung Edith Hegenbarths als Zeichnerin zuzuschreiben. Die Texte legte ihnen Lothar Dräger in den Mund, das heißt: nein, nicht direkt. Bei den Digedags herrscht nämlich weitgehend Sprechblasenfreiheit. An die Untertitelung der Panels hat man sich aber schnell gewöhnt und sie schätzen gelernt.

_Die Amerikaserie_

Die Amerikaserie, welche 1979 erstveröffentlicht wurde, ist eine der größten und umfasst 60 Einzelhefte (von 152 bis 211). Diese schafften es, ursprünglich zusammengefasst in insgesamt zehn Sammelbände, bis zur stolzen achten Auflage. Diese erschien noch 1989, kurz vor dem Mauerfall. Die Geschichte der Amerikaserie beginnt in New Orleans 1860 bevor der amerikanische Bürgerkrieg ausbrach und sie endet in New York vier Jahre später. Bis dahin haben sich die Digedags quer durch den nordamerikanischen Kontinent gewuselt und im Kampf gegen die Sklaverei allerhand erlebt.

_Band 6 – Die Digedags und Häuptling Rote Wolke (Mosaik 172 bis 175)_

Der Fund der alten Indianer-Goldmine unter der verlassenen Pueblo-Stadt auf der Insel im Bergsee muss ein Geheimnis bleiben. Darauf einigen sich die Digedags und versiegeln den Zugang zum Stollen – nicht ohne vorher ihren Besitzanspruch sicherheitshalber an die Wand zu pinseln. Somit ist es ihr Claim, so will es das ungeschriebene Goldgräbergesetz. Aber wird der Ethos wirklich ausreichen? Sie bezweifeln es und schwören feierlich, Stillschweigen zu wahren und die Mine unausgebeutet zu lassen, damit keine Horden gieriger, zwielichtiger, pöbelnder Gestalten das bis dato friedliche Bergtal auf Links krempeln. Zurück an Old Abe’s Hütte stellen sie fest, dass ihre nächtliche Verfolgungsjagd von Coffins, Tombstone und Jack auf die Insel glücklicherweise unbemerkt blieb.

Von jenen drei Mississippi-Piraten fehlt jede Spur. Sie haben sich mit Sack und Pack aus dem Staub gemacht. Egal: drei Sorgen weniger. Bleiben noch Abe Gunstick, Mrs. Jefferson und der Colonel zu überzeugen, dass hier das angebliche Gold doch nicht zu finden ist und sie endlich aufgeben. Old Abe glaubt eh nicht an die Mine, doch die resolute Jefferson ist bekanntlich nicht kleinzukriegen und immer für eine Überraschung gut. Sie hat vom Goldfund geträumt und versucht es nun mit Astrologie. Als sie wie in Trance durch das Lager von Häuptling Rote Wolke stampft und von den erstaunten Indianern aufgehalten wird, scheint die Gefahr der Entdeckung zunächst gebannt. Doch des Häuptlings zum Besten gegebene Geschichte über das alte Inselvolk lässt bei der goldfiebrigen Dame den Groschen fallen. Die Digedags sind entsetzt: Ihr Geheimnis steht kurz davor, gelüftet zu werden.

_Eindrücke_

Band sechs ist wieder einer von denen, die es vor der Neuauflage nicht gab und welche in die Serie eingefügt wurden. Bekanntlich wurden die Sammelbände 2005 ja komplett überarbeitet und neu aufgeteilt, was solche „Zwischenbände“ wie den vorliegenden nun notwendig macht. Bis dato fanden sich die betreffenden Mosaik-Hefte zu sechst in einem Band, nun sind es deren nur noch vier. Das zerreißt die Geschichten bzw. die Kapitelisierung gegenüber der alten DDR-Ausgabe bis 1989 unnötig. Die hier enthaltenen Episoden wirken besonders zusammenhangslos und aus dem Kontext gerissen. Sie sind aber nichtsdestoweniger sehr wichtig für den späteren Verlauf. Es ist übrigens schlechterdings unmöglich, hier noch quer in die Serie einsteigen zu wollen, das gelingt (wenigstens halbwegs) allenfalls noch zwei Bände zuvor mit „Die Digedags bei den Indianern“.

Zu den bekannten Figuren gesellt sich nun noch der titelgebende Häuptling Rote Wolke, ein sprichwörtlicher Bilderbuch-Indianer und Freund des alten Abe Gunstick. Weise, edel und hilfsbereit ist Rote Wolke – wiewohl ein wenig abergläubisch. Eine sehr sympathische Figur, welche dem Leser zu einem späteren Zeitpunkt wieder begegnet, doch bis dahin ist es noch etwas hin und erst müssen die Digedags ihren Dauer-Widersachern zähneknirschend das Feld überlassen. Mrs. Jefferson und der Colonel haben mit Abe Gunstick einen neuen Verbündeten gefunden. Dieser hat sich vom Paulus also doch zum Saulus gewandelt und quasi die Seiten gewechselt, was für den Leser ebenso betrüblich wie unerwartet ist. Doch wie immer lassen sich die drei Knirpse von Rückschlägen nicht entmutigen und versuchen, das Beste aus der Situation herauszuholen.

_Fazit_

Die Amerikaserie hat hier fast die Halbzeit erreicht. Gute Gelegenheit für eine Zwischenbilanz: Der erste Teil der auf so abenteuerliche Art begonnenen Schatzsuche ist nun endlich abgeschlossen. Dieser in der Wiederveröffentlichung neu eingefügte Band ist das Bindeglied zum Endspurt der Serie. Bei der Altauflage geschah das bereits zwei Bände früher und insgesamt betrachtet runder. Die neue, künstlich auf 15 Bände aufgeblähte Fassung krankt aber nicht nur an zerfledderten Kapiteln, sondern hauptsächlich an der Preisgestaltung. Knapp 13 Euro pro Band sind mehr als happig – selbst für einen ausgesprochen lehrreichen, kultigen Comic aus (ost-)deutschen Landen.

_Die Buchdaten auf einen Blick:_

„Die Digedags und Häuptling Rote Wolke“ – Amerikaserie, Band 6
Enthält die Mosaik-Hefte 172 bis 175
© 1980 und (Neuauflage) 2005 – Buchverlag Junge Welt, Berlin
Herausgeber: Hannes Hegen
Text: Lothar Dräger
Figurinen: Edith Hegenbarth
ISBN: 3-7302-1878-6 (neu)

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Vincent – Albatros 1: Shanghait

_Story_

Im Jahre 1890 wird eine kleine Hafenregion an der Westküste von einer Horde schreckenverbreitender Seevögel heimgesucht. Tod und Entsetzen überschatten die einst so friedliche Ortschaft, so dass dem lokalen Gouverneur jegliche Mittel recht sind, um das Federvieh aus seiner Heimat zu verbannen. Unterdessen verdient sich seine Nichte ihre ersten Sporen im zwielichtigen Kabarett von Madame Couradille. Als sie für den hinterhältigen Kommandanten Grayson tanzen soll und er seine widerwärtigen Fingen an sie legt, dreht Ombeline allerdings durch. Sie schlägt den gemeinen Beamten blutig und flieht mit ihrer Freundin Ayette in die hintersten Winkel der Stadt.

Doch ihre Hoffnung, am Grab ihrer Mutter vorläufig Zuflucht zu finden, wird alsbald zerschlagen. Das fliegende Piratenschiff Albatros ankert über dem Friedhof, eröffnet den beiden Flüchtigen jedoch die Chance, sich an Bord des Luftmobils einzuschleusen. Gesagt, getan. Tatsächlich gelingt Ombeline der Einstieg in die ‚Albatros‘, doch macht sie das Schiff dadurch zur Zielscheibe der zahlreichen Häscher. Der Gouverneur möchte nämlich nichts lieber, als seine Nichte möglichst bald wieder in Madame Couradilles Lokalität begrüßen zu können.

_Persönlicher Eindruck_

„Albatros“ ist der Titel eines neuen Comic-Dreiteilers aus dem Hause |Splitter|, geschrieben und gezeichnet vom Szene-Frischling Vincent, der hiermit sein deutschlandweites Debüt begeht. Allerdings dürfte es dem Neuling schwerfallen, sich mit dieser Reihe zügig zu etablieren, weil die Geschichte einerseits eher minder spektakulär ist und das Gros der Inhalte anderen, weitaus bekannteren Vorlagen entnommen wurde. Komischerweise ist der offensichtlichste Querverweis zu Alfred Hitchcocks Meisterwerk „Die Vögel“ dabei nicht das zentrale Thema des ersten Hardcover-Albums, sondern bislang nur ein kleines Puzzleteil innerhalb dieser weniger komplexen Handlung. Der Leser wird zwar mit der massiven Vogelplage konfrontiert und erfährt auch auf manchen Seiten die blutigen Konsequenzen ihres unkontrollierten Treibens, erkennt aber schnell, dass es sich hierbei lediglich um schmückendes Beiwerk eines interessanten, aber noch nicht durchweg überzeugenden Plots handelt.

Unterdessen inszeniert Vincent die Story äußerst linear und beschreibt ohne weitere Ausschweife die Geschichte eines 14-jährigen Mädchens, welches vergebens versucht, dem Sumpf der Prostitution zu entfliehen, obschon ihre Herkunft sie grundsätzlich in ihrem Bemühen unterstützen sollte, schließlich ist sie die Nichte des Gouverneurs – und alleine diese Tatsache mutet schon ziemlich seltsam an. Mit letzter Kraft rettet sie sich durch die Hinterhöfe und die finsteren Gassen der Stadt bis auf den Friedhof, der jedoch auch nur vorübergehend sicher ist. Schon bald machen sie und ihre unschlüssige Begleiterin Ayette bereits Bekanntschaft mit einer Horde Luftpiraten, die das junge Mädchen unter ihre Fittiche nehmen, daraufhin aber unter schweren Beschuss geraten. Ist die Liebe des Gouverneurs zu seiner Nichte also doch stärker, als die äußeren Umstände vermuten lassen?

So manche inhaltliche Wendung scheint im Auftaktband „Shanghait“ ein wenig ambivalent geraten, besonders was die Entwicklung der Charaktere anbetrifft. Zwar nutzt der Autor die Gelegenheit, die tragenden Figuren im Debüt ausführlich vorzustellen, macht dies jedoch auf Kosten der Handlung, die sich trotz der steten Rasanz inhaltlich nur bedingt fortbewegt. Bei der recht unterschiedlichen Präsentation so manch dominanten Kopfes ist dies mitunter aber auch eine schwierige Angelegenheit! Darunter leidet auch die Erzählatmosphäre ein wenig, will sich sogar bis zum Schluss nie so richtig einstellen. Man weiß weder kognitiv noch emotional, woran man bei dieser einleitenden Geschichte ist und findet folgerichtig auch keinen echten Zugang zu den vermeintlichen Sympathieträgern.

Lediglich die verblüffend stimmigen Zeichnungen lösen letzten Endes Begeisterung aus und machen den Auftakt von „Albatros“ zumindest auf dieser Ebene zu einer lohnenswerten Angelegenheit. Nimmt man indes die eigentliche Story als Maßstab, ist „Shanghait“ eher Mittelmaß.

http://www.splitter-verlag.de

Volckman, Christian / Renoult , J. / Delaporte, M. / DelaPatteliere, A. / Newman, G. – Renaissance

_Story_

Paris im Jahre 2054: Der multinationale Megakonzern Avalon beschäftigt verdeckt eine Reihe ambitionierter Wissenschaftler, deren Forschungsarbeiten eines der größten Geheimnisse der Menschheit fokussieren. Abseits der Außenwelt verfolgen die Drahtzieher des Unternehmens mit kompromisslosen Methoden Ziele, die sich über sämtliche moralischen Grundlagen hinausbewegen und den biogenetischen Code der Menschheit analysieren.

Der impulsive Gestzeshüter Karas bekommt von diesen Machenschaften Wind, als er den Fall einer verschwundenen Wissenschaftlerin namens Ilona Tasuiev aufnimmt und sich innerhalb des riesigen Konzerns über die junge Dame informiert. Nach und nach entdeckt er wertvolle Indizien, die dafür sprechen, dass Tasuiev kurz vor einem großen Coup stand und ihr Verschwinden Teil einer enormen Verschwörung ist. Ihr Forschungszweig arbeitete an einem Gegenmittel zur Bekämpfung von Progerie, und inmitten der diesbezüglichen Fortschritte stieß Tasuiev scheinbar auf Erkenntnisse, die die gesamte Menschheit revolutionieren könnten. Karas nimmt die Verfolgung auf – und gerät immer tiefer in einen Sumpf aus Intrigen, Skrupellosigkeiten und Zukunftsvisionen erschütternden Ausmaßes.

_Persönlicher Eindruck_

Dass die Film-Noir-Branche mittlerweile auch ein sattes Mainstream-Comeback feiern durfte, ist nicht erst seit dem durchschlagenden Erfolg des revolutionären „Sin City“ unbestrittener Fakt. Die ästhetische Schwarz-Weiß-Grafik, die mysteriösen Figuren und die fiesen Geschichten des Genres sind längst mehr als bloß Insider-Kult und Liebhaber-Geschäft und entwickelten sich im neuen Jahrtausend schlagartigen zum boomenden Nebenzweig der Filmindustrie, dessen wahres Potenzial indes nur erstaunlich wenige Regisseure erkannt zu haben scheinen. Unter ihnen ist zweifelsohne auch Christian Volckmann, der Schöpfer von „Renaissance“, dem neuesten Werk des eigenwilligen Kulturzweigs.

In seiner weitestgehend unterkühlten Geschichte erzählt der aufstrebende Erschaffer dieses stringenten Science-Fiction-Werks die Story eines anrüchigen Unternehmens, welches sich in einigen zweifelhaften Machenschaften der Genforschung verzettelt hat. An der Spitze des Eisbergs steht eine junge Forscherin, die bei der Behandlung von Progerie scheinbar ein Mittel zur relativen Unsterblichkeit entdeckt hat und somit die Zukunft der ganzen Menschheit in der Hand hält – so scheint es zumindest. Der ungebrochen coole Bulle Karas erfährt hiervon jedoch erst, als das Schicksal dieser Wissenschaftlerin auf dem Spiel steht. Mit dem Verschwinden ihrer Person deckt er erst die intriganten Ränke des Multikonzerns auf und begibt sich alsbald in den Teufelskreis konkurrierender Mafiosi, die unter dem Tarnmantel der Wissenschaft eine ganze Reihe moralisch nicht mehr vertretbarer Experimente durchgeführt hat. Junge Menschen ließen bei diesen Versuchen ihr Leben, andere tauchten nie wieder auf, und bevor sich Karas versieht, rückt auch er in der Reihe ihrer möglichen Nachfolger auf einen der vordersten Ränge. Fragt er sich zunächst noch, warum mit dem Verschwinden Ilonas die Existenz des gesamten Unternehmens auf dem Spiel stand, erhält er schließlich die grausame Gewissheit über die fürchterlichen Manipulationen und die daraus resultierenden Befürchtungen für die Zukunft der kompletten Rasse. Für Karas die passende Gelegenheit, seine schwarze Weste wieder ein wenig aufzuhellen …

Während die Geschichte prinzipiell eindeutig und stringent scheint, ist die Strukturierung von „Renaissance“ zumindest im Comic nicht immer glücklich gewählt. Volckmann hat das Pendant zum animierten Film lediglich mit Standbildern seines Streifens gefüllt, dabei aber das Tempo partiell derart verschärft, dass der Story zwischenzeitlich der rote Faden abhanden kommt. Die Gedanken- und Zeitsprünge versprechen eine ständig wachsende Komplexität, gleichsam aber auch einen immer schlechteren Überblick über Charaktere und Handlung. So nimmt die Erzählung zwar anfangs recht schnell Fahrt auf und beschleunigt daraufhin auch ständig, bietet dem Leser aber zu wenige griffige Orientierungspunkte, an die er sich klammern könnte. Zwei Drittel der Geschichte sind schließlich verronnen, bis man das Setting und seine Protagonisten miteinander in Einklang gebracht hat, so dass die Freiräume zum Spannungsaufbau trotz des brisanten Inhalts ziemlich beschränkt sind. Volckmann versucht, diese Defizite mit der Atmosphäre der Grafik und der allgemein düsteren Gesamtstimmung wieder auszugleichen, was ihm aber nur mit verhaltenem Erfolg gelingt. Irgendwie will sich nämlich zu keiner Zeit eine vergleichbare Euphorie wie beim Genre-Vorreiter „Sin City“ einstellen, nicht einmal eine relative Begeisterung ob des zumindest visuell recht ansprechenden Unterfangens. Diesbezüglich ist das gesamte Projekt einfach zu eisig strukturiert bzw. zu emotionslos konstituiert.

Man könnte daher auch sagen, dass „Renaissance“ im Grunde genommen genau an der überstrapazierten Bemühung klassischer Noir-Elemente zerbricht und der Geschichte dadurch eine zielgerichtete Entwicklung verbaut. Dies ändert zwar grundsätzlich nichts daran, dass die Story inhaltlich durchaus interessant ist, ist aber ausschlaggebend dafür, dass „Renaissance“ letztendlich nicht in die elitäre Auswahl der animierten Noir-Klassiker eingruppiert wird – obschon bei der meisterhaften äußeren Aufmachung des schicken Hardcovers dergleichen zu erwarten war!

http://www.cross-cult.de

Abnett, Dan / Edginton, Ian / Antonio, Lui – Warhammer 40.000: Kreuzzug der Verdammten (Band 1)

_Story_

Raclaw wächst als treugläubiger Krieger im Corps der Black Templars auf und erarbeitet sich im Orden der Space Marines alsbald eine Position als Novize. Unablässig streitet er für die Normen und Werte des Imperators und widersetzt sich in zahlreichen entscheidenden Schlachten dem universellen Ungeziefer. Orks, Eldar und schier unzerstörbare Necrons stellen sich ihm in den Weg, doch nicht zuletzt mit der Unterstützung der unsterblichen Kampfmaschine Tankred gelingt es ihm und seinen Mitstreitern stets, die feindlichen Legionen vernichtend zurückzuschlagen. Sein ganzes Leben ist lediglich auf das höchste aller Ziele ausgerichtet; eines Tages will auch Raclaw in die Bruderschaft der Black Templars aufgenommen werden. Und für diese Ehre setzt er in jeder noch so aussichtslosen Schlacht ohne jegliche Furcht sein Leben aufs Spiel …

_Persönlicher Eindruck_

Es ist ja allgemein bekannt, dass die literarischen Adaptionen aus der Welt von „Warhammer“ respektive „Warhammer 40.000“ bislang zumeist hinter den hohen Erwartungen zurückblieben, weil sie einfach nicht die tolle Atmosphäre der gleichnamigen Tabletop-Simulation wiederzugeben vermochten. Zu sehr setzten bewährte Schreiber wie Dan Abnett oder Graham McNeill auf wenig ausgeprägte militante Endzeitszenarien und inhaltlich unbefriedigend durchdachte Durchschnittskost, von der sich letzten Endes immer mehr begeisterte Strategiespieler enttäuscht abwendeten. Aus diesem Grund durfte man umso mehr auf die erste illustrierte Fassung aus dem Universum des |Games Workshop|-Ablegers gespannt sein, zumal auch hier die Erwartungen hoch sind. Wieder einmal hat sich Dan Abnett die Gelegenheit nicht nehmen lassen, die Story zum Comic-Debüt „Kreuzzug der Verdammten“ zu konzipieren – und wieder einmal hat der erfahrene „Warhammer“-Schreiber bei der Gestaltung eines zugleich spannenden und sphärisch dichten Plots versagt.

Bereits die Inhaltsangabe lässt Schlimmes vermuten; die Handlung wird zwar stringent bis zum Ende durchgezogen, ist aber im Grunde genommen ein echter, uninspirierter Langweiler, der lediglich vom Schlachtengetümmel und der kompromisslosen Ehrerbietung dem Imperator gegenüber berichtet. Im steten Rhythmus wird der Leser mit neuen Kostproben der militanten Maschinen konfrontiert, ohne dass Abnett bei der Beschreibung der Szenarien zu weit in die Tiefe gehen würde. Meist folgen einigen brutalen Zeichnungen auch schon wieder völlig irritierende Gedankensprünge, die den Begriff ‚Handlung‘ bisweilen gar nicht mehr nachvollziehen lassen, da eine solche zumindest einzelne Zusammenhänge erfordert. Jene bestehen aber selbst bei genauerer Betrachtung nur teilweise und lassen sich einzig und allein am Werdegang Raclaws festmachen. Der junge Novize macht eine beispielhafte Karriere an vorderster Front, wird mit der Zeit zum gefeierten Helden und stirbt zum Schluss eines ehrenvollen Todes. Mehr geschieht eigentlich nicht. Ab und an bemüht man sich zwar, mit einigen Nebensträngen etwas Leben in den statischen Ablauf der Story hineinzubringen, doch scheitert dies durch den latenten Mangel an fließenden Übergängen. Ab einem gewissen Zeitpunkt ist aber auch irrelevant, wo sich welcher Protagonist zu der gegebenen Zeit befindet, weil die erforderliche Linearität längst nicht mehr gegeben ist. Man erlebt zwar, wie sich Raclaw und auch der kompromisslose Tankred von Erfolg zu Erfolg winden und sich siegessicher durch die düsteren Zeiten im „Kreuzzug der Verdammten“ kämpfen, jedoch fehlt es von Beginn an einem relevanten Beziehungsgebilde, welches der Geschichte eine gewisse Struktur gibt – und ohne dergleichen funktioniert derlei nun mal einfach nicht.

Im Kontrast hierzu sind die Zeichnungen der ersten Graphic Novel eine Augenweide und trotz ihrer rauen Grundrisse sehr stimmig und präzise den Vorlagen des Tabletop-Games nachempfunden. Gerade die detailgetreue Darstellung der Maschinen und Kämpfer ist eine wahre Pracht und verleiht „Kreuzzug der Verdammten“ jene majestätische Ausstrahlung, die von der blassen Story leider wieder völlig verwischt wird – womit wir wieder bei der Problematik wären, die auch das Gros der „Warhammer“-Roman-Literatur beherrscht. Die guten Voraussetzungen werden nämlich nur sehr bedingt genutzt und zu Lasten unnützer Plattitüden geopfert. Damit wurde letztendlich eine echte große Chance leichtfertig vertan; gerade im Comic-Bereich schien der militante Kosmos der futuristischen Tabletop-Landschaft nämlich bestens aufgehoben. Die inhaltlich mangelhafte Umsetzung im Debütband zeigt aber seltsamerweise, dass dies nicht zwangsläufig so sein muss – leider!

http://www.paninicomics.de/warhammer-40000-s10517.html

Arleston, Christophe / Labrosse, Thierry – Morea 1: Das Blut der Engel

_Story_

Kuba im Jahre 2082: Die Doloniac World Company dominiert die Geschicke der Weltwirtschaft und ist mittlerweile zum mächtigsten Konzern auf Erden angewachsen. Im riesigen Familienunternehmen ist auch Nathan Doloniacs Urgroßnichte Morea beschäftigt, wenngleich sie aufgrund ihrer Schludrigkeit bei ihren Vorgesetzten nicht immer gerne gesehen ist. Als die Zentrale der DWC eines Tages von einer organisierten Terror-Organisation angegriffen und die gesamte Familie ausgelöscht wird, scheint das Unternehmen am Ende. Die Erbfolge wurde komplett durchbrochen, die verbliebenen Überlebenden der Doloniac-Familie rücksichtslos umgebracht.

Nur für Morea scheint es ein Leben nach dem Tod zu geben. Trotz tödlicher Verletzungen konnte sie dem Gewaltakt trotzen, hat allerdings im Jenseits erfahren, wo die Ursache für ihr scheinbares Glück liegt. Ihr wird mit einem Mal bewusst, dass sie ein entscheidendes Element im Zwist zwischen Engeln und Drachen geworden und dank ihres speziellen genetischen Codes unsterblich ist. Als Führungskraft der DWC kehrt sie alsbald zurück, um ihre Familie zu rächen, ihr eigenes Leben zu beschützen und den Erwartungen der Drachen in diesem infernalischen Krieg gerecht zu werden. Denn trotz allem scheint ihre Unsterblichkeit lediglich relativ zu sein …

_Persönlicher Eindruck_

Als einer der angesagtesten Fantasy-Autoren im französischen Comic-Sektor hat Christophe Arleston in den vergangenen Jahren einige markante Spuren in der internationalen Szene hinterlassen können. Hierzulande schaffte er es vor allem mit seinen Geschichten aus Troy sowie der bei |Carlsen| veröffentlichten Serie „Die Feuer von Askell“ in die Hitlisten, lediglich getoppt vom |Splitter|-Debüt „Die Schiffbrüchigen von Ythaq“, welches unlängst auch schon in die vierte Runde gegangen ist.

Mit seiner neuen futuristischen Fantasy/Science-Fiction-Saga „Morea“ möchte er nun an seine jüngsten Erfolge anknüpfen, was unter den gegebenen Voraussetzungen – Setting und Story des ersten Bandes sind durchaus interessant – auch ein problemloses Unterfangen zu sein scheint. Allerdings fehlt es „Das Blut der Engel“ noch an gewissen eigenständigen Elementen, um sich auf Anhieb als Senkrechtstarter zu manifestieren. Vor allem die Figuren lassen eine besondere Identität missen, sozusagen das gewisse Etwas, das ihren Charakter in der weiten Welt der Comic-Heroen prägnant herausstellt – und genau diese Entwicklung hat einen recht großen Einfluss auf den Verlauf der einleitenden Geschichte.

Andererseits ist „Das Blut der Engel“ ein sicheres Unterfangen. Die Handlung beginnt und bleibt temporeich, die verarbeiteten Ideen bürgen für kontinuierlich hohe Spannung und auch das zeichnerische Fundament setzt sich als eines der besten Kooperationswerke Arlestons umgehend fest. In diesem Sinne muss auch die tolle Hintergrundstory erwähnt werden, die dem Ganzen erst die entsprechende Würze verpasst und die zunächst noch nicht vermutete Komplexität äußerst würdevoll darstellt. „Morea“ mag zwar strikt und stringent aufgebaut sein, schlicht ist der Plot jedoch bis dato sicher nicht.

Dass es vorerst aber noch nicht zum sofortigen Durchbruch reicht, ist ergo auch fast ausschließlich an den weniger präzise entwickelten Figuren festzumachen. Individuell fehlen entscheidende persönliche Merkmale, was sich teils auch für die Basis der Storyline sagen lässt. Arleston kann diese vergleichbar geringen Defizite zwar im Prinzip wieder spielerisch mit einem wahrhaftigen Geschwindigkeitsrausch beheben, könnte durch die effizientere Nutzung sich bietender Freiräume aber sicher noch ein ganzes Stück mehr aus der Grundidee herausholen.

Nichtsdestotrotz sind „Morea“ respektive „Das Blut der Engel“ Qualitäten definitiv nicht abzusprechen. Die Story ist spannend und kurzweilig, das grundlegende Szenario sehr vielversprechend. Berücksichtigt man unter diesem Aspekt, dass dieser neue Zyklus gerade erst den Auftakt eines fünfteiligen Spektakels durchlebt, kann man die geringfügigen Schwächen auch leicht wieder vergessen. Im Vergleich zu manch anderem selbsternannten Spartenhighlight hätte dieser erste Band diesen Status nämlich trotz allem noch verdient.

http://www.splitter-verlag.de

Johns, Geoff (Autor) / Eaglesham, Dale (Zeichner) – Justice Society Of America 1

_Story_

Ein Jahr nach der Infinite Crisis werden die führenden Köpfe der einstigen Justice Society von Batman, Superman und Wonder Woman beauftragt, die Truppe zu neuem Leben zu erwecken und zwecks dessen neue Rekruten für das bis dato so glorreiche Team zu gewinnen. Alsbald machen sich Flash, Wildcat, Power Girl und Green Lantern daran, Amerika nach neuen Superhelden zu durchforsten und die Mannschaft gezielt zu verstärken. Doch just in dem Moment, als die Justice Society von neuer Euphorie gepackt wird, erleben ihre Mitglieder einen herben Rückschlag. Die Leiche von Mr. America wird ihnen auf dem Präsentierteller serviert und leitet schließlich eine Reihe prekärer Mordfälle ein, deren Opfer die Familien und Angehörigen alter Society-Mitglieder sind. Die Auflösung der Serienattentate lässt nicht lange auf sich warten – eine rassistische Vereinigung militanter Neonazis steckt hinter den Vorfällen und geht beim Vorhaben, das Vierte Reich zu etablieren, selbst über die prominentesten Leichen …

_Persönlicher Eindruck_

Es scheint, als verlören sich die Stammschreiber des |DC|-Universums nach der sagenhaften „Infinite Crisis“ ein wenig im ideenlosen Niemandsland. Kurz nachdem nämlich die weitaus prominenter besetzte Justice League wieder ins Rennen geschickt wurde, darf auch die wesentlich ältere Society wieder in den Krisenregionen dieser Welt mitmischen, dies jedoch ohne einen winzigen Funken an Innovation in die Background-Story zu investieren. Im Grunde genommen orientiert sich der Handlungsstrang, der dem Eröffnungsband von „Justice Society Of America“ zugrunde liegt, recht deutlich an den Geschehnissen im Auftakt der jüngst gestarteten JLA-Reihe, nur eben, dass die B- und C-Prominenz der |DC|-Comichelden das Pendant zur erfolgreicheren „Justice League Of America“ beherrscht.

Diese unumstößliche Tatsache ist zweifelsohne auch einer der größten Kritikpunkte am Debütband der neuen Society-Heftserie. Zwar wird einschlägigen Lesern das Gros der Protagonisten schon aus anderen Reihen bekannt sein, doch fehlt insgesamt ein echter Hammer-Charakter, der die ganze Story im Wesentlichen voranbringen könnte. Die alten Helden der Society vermögen diesen Platz nämlich nicht einzunehmen. Green Lantern ist nur eine kurzzeitige Begleiterscheinung, Flash hat auch nur einen minimalen Auftritt und Power Girl respektive die zuvor erwähnten Helden der JLA haben ebenfalls nur einen sehr kurzen Auftritt und können der Geschichte kaum brauchbare Impulse verpassen.

Zu diesem defizitären Manko gesellen sich außerdem diverse, recht auffällige Parallelen zur kürzlich neu ins Leben gerufenen Serie um Batman, Superman und Co., die zwar inhaltlich nicht wirklich besser, letztendlich jedoch die Inspiration für den ersten Teil des JLA-Äquivalents ist. Es geht ebenfalls um den Aufbau einer neuen Heldentruppe, und das in einem größtenteils vergleichbaren Setting mit fast schon identischem Procedere. Da mag man kaum glauben, dass ein erfahrener Autor wie Geoff Johns hinter dem Ganzen steht, verspricht er doch in der Regel erstklassig ausgearbeitete Storys und dynamische Action.

Dass der ‚Beginn einer neuen, goldenen Ära‘ indes langweilig ist, entspricht entgegen den Befürchtungen nicht der Realität. Betrachtet man den Comic losgelöst von allen Rahmenbedingungen, muss man ihm zumindest bescheinigen, spannend und temporeich gestaltet zu sein. Des Weiteren verfolgt Johns einen recht stringenten Verlauf und scheut sich vor allzu komplexen Themen, obwohl ihm bedingt durch die Masse an beteiligten Figuren die Grundlagen eines verschachtelten Plots definitiv zur Verfügung gestanden hätten. Stattdessen setzt der |DC|-Stammschreiber auf bewährte, erfolgreich erprobte Mittel und lässt seine Erzählung mithilfe des hohen Tempos in kürzester Zeit erstaunlich tiefgreifend reifen. Lediglich die Betonung einzelner, zweifelhafter Klischees ist ein fragwürdiges Nebenelement, das einem auch schnell bitter aufstößt. Ausgerechnet ein Haufen desillusionierter Nazi-Schurken stellt die Seite des Bösen und schmückt sich dann auch noch mit peinlichen Namen wie Swastika und Reichsmark. Wer da unfreiwillig schmunzelt und den Kopf schüttelt, erhält jedenfalls mein vollstes Verständnis.

Letztendlich ist die Häufung der inhaltlichen und äußeren Mängel auch ausschlaggebend für den eher mäßigen Gesamteindruck des neuen JSA-Debüts. Die Geschichte ist prinzipiell zwar in Ordnung, die zahlreichen unerwünschten Begleiterscheinungen aber sicherlich ein Grund für verschärfte Kritik. Das Resümee könnte dementsprechend anders aussehen, hätte man nicht elementare Inhalte der neuen JLA-Serie entliehen und auf den Nazi-Blödsinn verzichtet. Da dem aber nicht so ist, bleibt eine Empfehlung für den ersten Band von „Justice Society Of America“ meinerseits aus.

http://www.paninicomics.de/jsa-s10376.html

Gaiman, Neil / Vess, Charles – Stardust – Der Sternwanderer

|“Es war einmal ein junger Mann, der sehnte sich danach, dass sich sein Wunschtraum erfüllte.“| Mit diesen Worten beginnt Neil Gaimans „Sternwanderer“ um den jungen Tristran, der sich für seine Angebetete auf eine Reise in ein Land jenseits des Steinwalls begibt, um ihr einen gefallenen Stern zu bringen und damit seine Liebe zu ihr zu bezeugen. Doch das Land, das der junge Erwachsene betritt, ist kein gewöhnliches, sondern von tiefer Magie durchzogen und von Wesen bevölkert, die Tristran nur aus Sagen kennt. Und so findet er sich, schneller als ihm recht ist, selbst in einer Geschichte wieder, in der er selbst, umgeben von Hexen, Einhörnern und fliegenden Piraten, die Hauptrolle spielt.

Neben der normalen [Romanausgabe, 3495 die bereits 2000 im |Heyne|-Verlag veröffentlicht und bereits zum dritten Mal neu aufgelegt wurde, erschien pünktlich zur Verfilmung eine weitere, hochformatige Ausgabe zu „Stardust – Der Sternwanderer“. Doch sie ist noch weitaus mehr und stellt eine Symbiose aus Buch und Comic dar. Das Märchen für Erwachsene aus der Feder von Neil Gaiman ist nämlich mit 175 Illustrationen von Charles Vess versehen, der die Magie der Worte mit der Magie der Bilder zu verbinden versucht. Ein Konzept, bei dem es sich zudem um die ursprüngliche Version handelt, die Gaiman in den Jahren 1997 und 1998 auf den amerikanischen Markt herausbrachte. Erst später entschied er sich dazu, eine abgespeckte Version ohne Bebilderung auf dem Buchmarkt zu etablieren (eben jene, die dann bei |Heyne| erschien).

Dass die deutschen Leser und sicher auch Sammler noch in Genuss der weitaus schmuckvolleren Edition kommen, ist neben der Tatsache, dass die Kinoadaption die Bekanntheit des Stoffes erhöht hat, auch |Panini| zu verdanken, die sich mit der illustrierten Fassung eng an das amerikanische Original halten. Denn obwohl Gaiman, so könnte man argumentieren, allein durch die Ausdruckskraft seiner Worte Bilder im Kopf entstehen lassen kann (zu nennen sind hier nur exemplarisch [„American Gods“ 1396 oder „Ein gutes Omen“ als Co-Autor von Terry Pratchett), ergänzen doch Charles Vess Bilder Sternwanderer um eine nicht zu unterschätzende visuelle Ebene.

_Inhalt_

Tristran Thorn wächst in einer behüteten Familie in dem Dörfchen Wall auf. Das liegt irgendwo im viktorianischen England und gibt sich, trotz der allerorten stattfinden industriellen Veränderungen, eher verschlafen und hinterwäldlerisch. Da geziemt es sich für einen jungen Burschen wie Tristran auch, um das Herz seiner Angebeteten Victoria zu kämpfen. Doch gegen Nebenbuhler hat er als schüchterner Junge, der außer Wall noch kaum etwas von der Welt gesehen hat und als Kaufmannsgehilfe im Dorfladen arbeitet, kaum eine Chance. Jedoch Tristrans Hoffnung auf eine Erwiderung der Gefühle ist stärker als die mögliche Schmach, und so wagt er einen letzten Versuch, Victoria von sich zu überzeugen. Er führt sie zu einem Spaziergang in der Nacht aus und will ihr einen Stern, der in eben diesem Moment als Sternschnuppe vom Himmel fällt, zu Füßen legen. Victoria willigt ein und ist bereit, ihn zu heiraten, sollte er diese Aufgabe erfüllen, doch in Gedanken ist sie bereits bei einem anderen, als Geschäftsmann erfolgreichen Verehrer und glaubt nicht daran, dass Tristran jemals diesen Stern finden, geschweige denn zu ihr bringen wird.

Ihre Zweifel sind nicht unberechtigt, denn der Stern ist im verborgenen Feenreich gefallen, jenem Gebiet, das niemand aus dem Dorf betreten darf. Wall liegt nämlich im Grenzbereich und trennt, wie der Name der Stadt schon vermuten lässt, durch einen Steinwall die Welt des viktorianischen Englands von der des Feenlandes. Niemand darf die Grenze überschreiten, so lautet das Gesetz, um das Gefüge nicht zu verletzen. Doch Tristran sieht nur noch das erhoffte Ziel vor Augen, packt seine Sache und macht sich auf ins Feenreich.

Tatsächlich gelingt es ihm, den Stern zu finden. Doch er besitzt eine Form, die sich der Junge nie hätte erträumen lassen: Der Stern ist als junge Frau namens Yvaine auf die Erde gefallen. Das erschwert die Angelegenheit an sich schon deutlich, doch die Tatsache, dass das Mädchen nichts anderes will als wieder in ihren geliebten Himmel zurückzukehren, sorgt für unerwartete Probleme. Doch Tristran will nicht so weit gekommen sein, um nun resigniert aufzugeben. Mit einer List überwindet er Ynaine und verbindet ihre Hände an einer magischen Kette, um sie daran nach Hause zu ziehen.

Tristran hätte es möglicherweise geschafft, die Grenze in seine Welt mitsamt dem Stern wieder zu überschreiten, aber er ist nicht der Einzige, der den Stern vom Himmel fallen sah. Auch die Hexenkönigin Lamia hat das Schauspiel verfolgt und schmiedet nun finstere Pläne. Ihre Jugend ist längst verwelkt und kann nur durch das Herz eines gefallenen Sterns zurückgewonnen werden. Da dies selbst in der Feenwelt ein seltenes Ereignis ist, muss die Hexe um jeden Preis Yvaine finden, ansonsten sind auch ihre Tage gezählt. Und weitere Verfolger haben die Fährte aufgenommen. Des Königs Söhne sind hinter dem Stern her, und nur, wer als erster Ynaine findet, kann der rechtmäßige Nachfolger des Herrschers werden. Ein Wettstreit, der nicht nur Zwist zwischen die Brüder, sondern auch jeden in Gefahr bringt, der ihnen in Quere kommt.

Tristran merkt von alledem zunächst nichts, doch während er den Stern Richtung Heimat bringt, erfährt er Yvaines wahre Geschichte. Sie ist zwar ein Stern, aber kein tumber Gegenstand ohne jedwede Gefühle. Als schließlich die Hexe Lamia und die Prinzen ihren Weg kreuzen, stellt sich der Jüngling aus Wall nicht mehr als kleingeistiger Kaufmannsgehilfe dar, der die Liebe einer Victoria zu erkaufen versucht, bei Widerstand jedoch das Weite sucht, sondern als ein tapferer junger Mann, der Yvaine nicht tatenlos aufgibt und um seine wahre Liebe kämpft – auch wenn er diese zu dem Zeitpunkt noch nicht erkennt.

_Bewertung_

„Sternwanderer“ ist genau das, was die Handlung schon vermuten lässt: ein stringentes und einfach aufgebautes Abenteuer für Erwachsene, das mit märchenhaften und fantastischen Anleihen zu einem spannenden, lustigen und zugleich rührenden Roman verschmilzt. Hier darf man keine tiefgründigen Charaktere oder sorgsam ausgearbeiteten Handlungsstränge erwarten. Stattdessen liegt der Reiz der Geschichte in ihrer Einfachheit, die mit sympathischen Hauptfiguren und einer magischen, einfallsreichen Welt überzeugen kann. Hier wird kein Aufguss einer tolkienesken Abwandlung aufgefahren, sondern eine romantische, traumhafte Atmosphäre aufgebaut, die sich zwar Elementen bekannter Volks- und Kunstmärchen bedient (und dadurch ebenfalls nicht ganz ohne Vorlage auskommt), doch diese harmonisch zu einer Einheit verbindet, die in ihrer Form durchaus als originell bezeichnet werden kann.

So verwundert es auch nicht, dass „Sternwanderer“ einen in sich stimmigen Eindruck hinterlässt. Irgendwo zwischen den Märchenklassikern von Perrault, den Brüder Grimm und Andersen sowie Kindergeschichten der Güte von „Alice im Wunderland“ oder „Narnia“ siedelt sich Neil Gaiman mit „Sternwanderer“ als modernem Märchen an, das sich hier und da bedient, aber dennoch einen eigenen Stil findet.

Umso wichtiger erscheint es da, dass Gaiman die visuelle Seite nicht übergeht und als Comic-Autor – zu nennen ist an erster Stelle seine düstere „Sandman“-Reihe – die Bedeutung von Bildern erkennt. Mit Charles Vess, unter anderem bereits zuständig für |Spiderman|-Comics, hat er einen versierten Comiczeichner gefunden, der es versteht, die Magie der Worte in Farben und Linien einzufangen. Mal dezent im Hintergrund und in den Text eingearbeitet, dann wieder großflächig auf eine ganze Seite gestellt, unterstützt Vess mit seinen Illustrationen die Magie der Geschichte, bietet jedoch genug Spielraum und engt den Leser für eigene Interpretationen nicht zu sehr ein. Die Szenen sind klar umrissen, aber auf das Nötigste beschränkt und ergießen sich nicht in überflüssigen Details. Vess findet, ganz im Stil von Gaiman, eine klare (Bild-)Sprache, die verzaubert, aber auch nicht vor blutigeren Szenen zurückschreckt. So mögen die Abbildungen für einen reinen Bildband zu marginal sein, für die Symbiose aus Buch und Bild erscheinen sie aber mehr als passend.

http://www.paninicomics.de
http://www.der-sternwanderer.de/
http://www.stardustmovie.com

|Siehe ergänzend dazu unsere Rezension zur [Romanfassung.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=3495 |

Jenkins, Paul – Civil War: Der Tod eines Traums (Marvel Exklusiv 70)

_Story_

In einem spektakulären Kampf haben Iron Man und Captain America das Ende des Civil Wars herbeigeführt und ihn zugunsten derjenigen entschieden, die von Anfang an das Gesetz zur Registrierung der Superhelden begrüßt hatten. Tony Stark kann sich dennoch nicht so recht über diesen Erfolg freuen, schließlich wurde das ganze Universum in eine heftige Krise gestürzt, und ein Großteil seiner einstigen Freunde verbringt nun seine Zeit in Sicherheitsverwahrung, um jedwede Rebellion bereits im Keim zu ersticken.

Im Anschluss an die letzten Schlachten des Krieges begeben sich Ben Urich und Sally Floyd an die Spitze beider Fronten, hinterfragen Captain Americas plötzliche Kapitulation und halten eine sensationelle Behauptung für die direkte Konfrontation mit dem siegreichen Stark zurück. Dieser scheint nämlich im gerade abgeschlossenen Krieg von Beginn an nicht mit fairen Mittel gespielt und somit die Misere zu seinen Gunsten geplant und entschieden zu haben. Der Captain alias Steve Rogers erhält jedoch keine Gelegenheit mehr, die Hintergründe des Iron Man zu erforschen. Noch auf dem Weg zu seiner Vernehmung wird er Opfer eines Attentats und erliegt den schweren Verletzungen kurze Zeit später.

_Persönlicher Eindruck_

Nach dem Ende des Bürgerkriegs startet erst der eigentlich brisanteste Teil des „Civil War“. Die Schlacht ist geschlagen, die Welt frustriert, und niemand weiß so recht, wie es weitergehen soll. Unter dem Regiment der Vertreter des Gesetzes scheint sich eine wachsende Depression einzuschleichen, die sich besonders bei den Hauptverantwortlichen, Captain America und Iron Mark, deutlich bemerkbar macht. Dennoch scheinen beide im Bezug auf die Zukunft guter Dinge und kompromissbereit, stehen möglicherweise sogar eines Tages wieder auf dem Standpunkt, gemeinsam für die Bürger Amerikas eintreten zu können.

Allerdings wird dieser anfängliche Hoffnungsschimmer im abschließenden Band zum „Civil War“ recht schnell aus dem Bild gedrängt, denn mit einem Mal bekommt der Leser erst wirklich zu spüren, dass der Gesetzesbeschluss viel weniger den eigentlichen revolutionären Akt darstellte, sondern vielmehr die Folge der Auseinandersetzungen mehrerer einstiger Freunde, die im Laufe der Zeit unverhofft zu erbitterten Feinden wurden. Dies erscheint unter Berücksichtigung der jüngsten Vorwürfe, die das Reporterteam aus Ben Urich und Sally Floyd gegen die beiden Protagonisten erhebt, allerdings noch einmal eine Spur dramatischer, indes aber auch überraschend politisch. Man durfte vorab schon vermuten, dass sich |Marvel| dieses Mal auch ein ganzes Stück gegen die Entwicklungen im eigenen Land auflehnt, zumindest waren einige Einsprengsel bereits in der vorangegangenen Heftserie zu sehen. Nun aber wird das Ganze in der Tat zum offensichtlichen Politikum und als solches betont kritisch und bissig, wobei der verschwörerische Eid Starks ebenso an den Pranger gestellt wird wie die konservativen Strategien Steve Rogers, welche in ihrer Wechselwirkung das Geschehen tragen und es in diesem Band auch (zumindest halbwegs) konsequent zu Ende führen.

In diesem Sinne mag aber dennoch ein Großteil des jahrelangen Publikums erstaunt und verbittert zugleich sein. Captain America geht als Opfer aus der Konfrontation hervor und erliegt den Folgen seines unerbittlichen Kampfes für seine Version der Gerechtigkeit. Natürlich mag man nun einwerfen, dass Todesfälle im |Marvel|-Universum lediglich von relativer Dauer sind, doch nach dem Abschluss der Reihe hat man in der Tat den Eindruck, als sei es den Autoren und Denkern hinter „Civil War“ mit dieser Entwicklung ernst – so ernst zumindest, dass man bereit ist, an den Schluss der Story einen echten Scherbenhaufen zu platzieren, den es nun in den nächsten Monaten wieder langsam zu rekonstruieren gilt. Dabei stellt sich aber unweigerlich die Frage: Ist dieses enorm große Opfer wirklich notwendig, um die Fortschrittlichkeit im eigenen Comic-Kosmos auch künftig zu gewährleisten? Die Zukunft wird darüber Aufschluss geben, und daher darf man auch auf die folgenden Ausgaben gespannt sein, aber es mutet schon sehr krass an, derartige Schritte zu gehen – wollen wir also hoffen, dass der Mut belohnt wird.

Abseits derartiger Philosophien sei für „Civil War: Der Tod eines Traums“ gesagt, dass die Geschichte fulminant beginnt, wagemutig Neuland betritt, dann aber in einem allzu konfusen, hektischen Treiben die eigentliche Dramaturgie aufgibt und somit einen der wohl rührseligsten Momente der Verlagsgeschichte ad absurdum führt. Der eigentliche Plot wird mehrfach fallen gelassen, um einige Retrospektiven zu gewähren, die mit der Handlung nur sehr vage in Zusammenhang stehen und sie dementsprechend auch kaum vorwärts bringen. Überlegt man also, welch revolutionäres Ereignis der Sonderausgabe zugrunde liegt und wie sträflich nachlässig man mit der Aufarbeitung dessen vorgeht, ist also ein deutliches Kopfschütteln angebracht – nicht etwa ob des unglaublichen Inhalts, sondern ganz klar wegen der verwirrenden Umsetzung. Dass die 70. Episode von „Marvel Exklusiv“ aber dennoch unverzichtbar ist, liegt ob der tragischen Hintergründe auf der Hand. Schade nur, dass man im Kapitel nach dem Grand Finale nicht mehr mit den gleichen Ambitionen zu Werke gegangen ist wie noch in den unzähligen Teilartikeln zum |Marvel|-Mega-Crossover. Im Grunde genommen ist „Der Tod eines Traums“ nämlich in Sachen Aufarbeitung eine echte Enttäuschung!

http://www.paninicomics.de/?s=CivilWar

Hegen, Hannes (Hrsg.) / Dräger, Lothar (Text) / Hegenbarth, Edith (Zeichnungen) – Digedags in den Rocky Mountains (Amerikaserie, Band 5)

Unter der Schirmherrschaft von Hannes Hegen erschienen im „Mosaik“ Monat für Monat die Abenteuer des zwergenhaften Trios bestehend aus den mutmaßlichen Brüdern Dig, Dag und Digedag – kurz: „Die Digedags“. Allerdings nur im Osten der Republik, denn im Westen waren (und sind) die drei umtriebigen Wichte – und Vorväter der etwas bekannteren „Abrafaxe“ – weitgehend unbekannt. Nach der Wiedervereinigung wurde es still um die Digedags, bis 2005 alle bisher erschienenen Geschichten vom wiederauferstandenen Verlag |Junge Welt| noch einmal als Sammelbände zu je vier Heften komplett neu aufgelegt wurden.

_Die Digedags_

Die drei tauchen in verschiedenen Menschheitsepochen auf und erleben dort ihre Abenteuer bzw. begleiten Persönlichkeiten dieser Ära mit Fleiß, Wissen und Witz. Die stets jugendlich wirkenden Digedags altern nicht und ihr markantes Äußeres bleibt weitgehend unverändert – sämtliche leichten Variationen in ihrem Aussehen sind wohl eher der Weiterentwicklung Edith Hegenbarths als Zeichnerin zuzuschreiben. Die Texte legte ihnen Lothar Dräger in den Mund, das heißt: Nein, nicht direkt. Bei den Digedags herrscht nämlich weitgehend Sprechblasenfreiheit. An die Untertitelung der Panels hat man sich aber schnell gewöhnt und sie schätzen gelernt.

_Die Amerikaserie_

Die Amerikaserie, welche 1969 (Hefte) und 1979 (Hardcover) erstveröffentlicht wurde, ist eine der größten und umfasst 60 Einzelhefte (von 152 bis 211). Diese schafften es, ursprünglich zusammengefasst in insgesamt zehn Sammelbände, bis zur stolzen achten Auflage. Diese erschien noch 1989, kurz vor dem Mauerfall. Die Geschichte der Amerikaserie beginnt in New Orleans 1860 bevor der amerikanische Bürgerkrieg ausbrach und sie endet in New York vier Jahre später. Bis dahin haben sich die Digedags quer durch den nordamerikanischen Kontinent gewuselt und im Kampf gegen die Sklaverei allerhand erlebt.

_Band 5 – Die Digedags in den Rocky Mountains (Mosaik 168 bis 171)_

Mit List und Tücke schaffen es die Digedags, aus dem Fort Major Pinkertons auszurücken, wo sie von ihm auf Verlangen von Mrs. Jefferson und Colonel Springfield festgehalten wurden, um ihnen das Geheimnis bzw. den Lageplan der vermeintlichen Goldmine zu entreißen. Sie suchen Zuflucht bei den Indianern, laufen aber dabei ihren Erzrivalen – den ehemaligen Flusspiraten – unvorsichtigerweise direkt in die Fänge. Fiesling Coffins nimmt ihnen den Plan sowie ihre Pferde ab, es scheint, als sei die Mine verloren, denn die drei verschlagenen Ganoven machen sich sofort im Schweinsgalopp auf den Weg Richtung Reichtum. Nebenher wird auch noch das Problem der geklauten Indianer-Mustangs (vgl. „Die Digedags bei den Indianern“) zufriedenstellend gelöst.

Doc Tombstone und Jack realisieren erst viel zu spät, dass ihr Anführer gar nicht daran denkt, die Minenausbeute zu teilen, und ihnen nach dem Leben trachtet. Der Anschlag auf die beiden misslingt, doch Coffins erarbeitet sich einen komfortablen Vorsprung. Er scheint das Rennen ums Gold zu gewinnen. Die Digedags lesen derweil die Madam und den Colonel aus prekärer Lage auf und schließen einen Teilfrieden mit den ehemaligen Rivalen – jetzt, wo der Plan eh futsch ist, versucht man sich in Schadensbegrenzung und hofft, die drei Widersacher doch noch mit gemeinsamen Kräften irgendwie austricksen zu können. Auf deren Spur, retten sie Jack und den „Doktor“ aus ihrer Notlage, in welche sie ihr (nun Ex-)Boss versetzt hat. Und noch jemand Unerwartetes kreuzt ihren Weg: Der angebliche tote Goldgräber Abe Gunstick ist offensichtlich quicklebendig.

_Eindrücke_

Mit dem gleichnamigen Band vier aus der letzten DDR-Sammelausgabe hat Band fünf der Neuauflage fast nur den Titel gemein – und ein Kapitel. Wir erinnern uns: Die Neuauflage von 2005 ist anders aufgeteilt als die Originale von damals. Ein Sammelband enthält nun nur noch vier Mosaik-Einzelausgaben (repräsentiert durch Kapitel) statt wie früher deren sechs. Somit wuchs die Gesamtausgabe der Amerikaserie von zehn auf fünfzehn Bände und die Seitenzahlen verringerten sich entsprechend von 150 auf 100 pro Ausgabe. Natürlich wirbelt das die ursprünglich angewandte und recht akkurat gewählte Kapitelisierung vollkommen durcheinander. Es macht Zwischenbände nötig bzw. verschiebt die Episoden in den bereits vorhandenen Büchern (un-)verständlicherweise nachhaltig.

Der im letzten Band („Die Digedags bei den Indianern“) bereits vorgestellte Major Pinkerton ist wieder mit von der Partie, wenn auch diesmal nur recht kurz. Doch er wird zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal den Weg der Digedags kreuzen. Hinzu kommt jedoch erst einmal eine weitere Hauptfigur: der alte Abe Gunstick. Zur Erinnerung: Das ist eben jener, der das seltsame Testament und den Minen-Lageplan verfasste, welche den Stein zur Goldsuche in den Rockies überhaupt erst in Rollen brachte (vgl. „Die Digedags am Mississippi“ und „Die Digedags bei den Piraten“). Warum das geschah und was von ihm zu erwarten ist, wird in den folgenden Bänden noch zu sehen sein. Alle anderen Figuren bewegen sich weiter in dem für sie typischen Rahmen, seien es die Digedags, die Jefferson, der Colonel oder die Piraten.

_Fazit_

Natürlich stecken auch dieser Band wieder liebevolle Details und ein feiner Humor, gewürzt mit pädagogisch geschickt verstecktem Allgemeinwissen zur USA und dem Wilden Westen im Besonderen. Das bedeutet – wie für den Rest der Serie – eine absolute Leseempfehlung. Dieser Band vollendet die im Band zuvor begonnene Verfolgungsjagd und löst primär das Rätsel um das Testament und die geheimnisvolle Goldmine. Das wurde bis 1989 bereits einen Band früher aufgeklärt und dort zu einer wesentlich saubereren Zwischenbilanz geführt. Der Schnitt zum Ende erscheint in der Neuauflage etwas unglücklich und abrupt. Wann immer es geht, sollte man also versuchen, an die alten Versionen der Sammelbände zu kommen. Damit kommt man vermutlich auch billiger weg, denn neuerdings 12,95 € pro Band (und das Mal 15!) sind schon arg happig.

_Die Buchdaten auf einen Blick:_

„Die Digedags in den Rocky Mountains“ – Amerikaserie, Band 5
Enthält die Mosaik-Hefte 168 bis 171
© 1979 und (Neuauflage) 2005 – Buchverlag Junge Welt, Berlin
Herausgeber: Hannes Hegen
Text: Lothar Dräger
Figurinen: Edith Hegenbarth
ISBN: 3-7302-1877-8 (neu)

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Pfeifer, Will / Camuncoli, Guiseppe / Hope, Sandra – Captain Atom: Armageddon

_Story_

Captain Atoms Schicksal scheint besiegelt, als er sich in einen mit Kryptonit bestückten Asteroiden wirft und damit seine Welt und sein Idol Superman kurzerhand vor dem Ende rettet. Allerdings wird seine unglaubliche Heldentat nicht mit dem Tod gerächt. Captain Atom wacht in einem völlig anderen Universum fernab seiner Heimat auf und muss sich dort den fiesesten Schurken im Superheldenkostüm stellen. Der Cap sucht nach Fluchtmöglichkeiten, um wieder auf die Erde zurückzugelangen, auf der er einst respektiert und geachtet wurde, erlebt diesbezüglich jedoch fortlaufend Rückschläge. Niemand will ihm helfen, und seine gesamte Existenz wird ihm immer mehr zum Rätsel.

Eines Tages stößt er dabei auf ein finsteres Geheimnis um seine Person; irgendjemand hat ihn verändert und zur Universalwaffe zur Vernichtung des gesamten Multiversums gemacht. Atom ist eine tickende Zeitbombe, ohne zu wissen, was in ihm vorgeht und wann der Zünder ausgelöst wird. Der Captain bemüht sich in einer Verzweiflungstat, Ursachenforschung zu betreiben und die Gründe für sein Schicksal in Erfahrung zu bringen. Doch alles, was ihm entgegengebracht wird, sind Unverständnis und der dringende Wunsch, ihn ins Totenreich zu verabschieden. Schließlich steht sein Leben gegen das mehrerer Milliarden Menschen …

_Persönlicher Eindruck_

Willkommen daheim: Captain Atom, einst eines der Trademarks des |Wildstorm|-Universums, meldet sich nach zeitweiliger Abstinenz im Schoße der |DC Comics| nun in einem fulminanten Crossover zurück, der nicht nur die jüngsten Ereignisse der DC-Historie mit intelligent eingestreuten Querverweisen streift, sondern inhaltlich ein allzu typisches Prachtstück von Seiten des renommierten amerikanischen Verlags geworden ist, das sich durchaus mit den alten Atom-Comics messen darf. Dabei kommt die Reinkarnation des eigentlichen B-Helden ziemlich überraschend, wenngleich der Zeitpunkt kaum besser sein könnte. Die „Infinite Crisis“ mit den Konflikten der zahlreichen Universen ist gerade beendet, da wird auf Grundlage der dortigen Ereignisse gleich ein neuer Mini-Crossover angehängt, der die Dramaturgie besagter Krise in einer eigenwilligen, aber durchaus lesenswerten Geschichte wieder aufkocht.

Der tragische Titelheld wird in „Armageddon“ durch die Galaxie gejagt und landet nach seiner aufopferungsvollen Rettungsaktion auf einer Parallel-Erde, die sich in menschlicher Hinsicht völlig von seiner ursprünglichen Heimat unterscheidet. Die Menschen dort sind skeptisch und ohne jegliches Vertrauen, haben geradezu Böses im Sinn, wohingegen der Captain lediglich nach Verbündeten sucht, die ihm aus seiner Misere helfen und einen Weg zurück zur Erde weisen können. Aber sein ganzes Hoffen und Bitten stößt auf Abweisung und Unverständnis, obwohl der Authority dieser Parallelwelt nichts lieber wäre als die Auslöschung des neuen Bewohners, der in sich Kräfte trägt, die den gesamten Planeten, ja die gesamte Galaxie auszulöschen vermögen. Atom kämpft gegen Windmühlen, während sein Zorn gemeinsam mit seiner Verzweiflung ständig anwächst. Verrat und hinterhältige Intrigen weben sich um seine Person, bis er endlich spürt, dass in ihm immer noch die Kraft steckt, seinem Schicksal zu entrinnen. Anders jedoch als im typischen Superhelden-Kosmos scheint der Weg dorthin aber nicht mit guten Vorzeichen gepflastert!

Im Grunde genommen ist diese hier zusammengefasste Mini-Serie sicher keine ungewöhnliche Heldensaga, selbst wenn mancher Inhalt ein wenig bedrückend, nahezu finster ist. Allerdings ist das Happy-End in „Armageddon“ zu keinem Zeitpunkt greifbar, was an der wechselseitigen Entwicklung des Plots sowie der generellen Depression, die den Hauptcharakter umgibt, festzumachen ist. Geradezu naiv wendet sich Atom gegen eine wachsende Zahl von potenziellen Kontrahenten, bewahrt dabei zwar seine Political Correctness, verhält sich jedoch selten wie ein standardisierter Superheld. Seine Motivation ist klar, sein Handeln indes unstet und somit Garant für eine unberechenbare, spannende Story, die so manche erstaunliche Wendung nimmt.

Und dementsprechend ist dieser Crossover der beiden Lager |DC| und |Wildstorm| auch wirklich prächtig gelungen; bekannte Charaktere werden trefflich in Nebenrollen integriert, das aktuelle Zeitgeschehen der beiden Universen geschickt miteinander verflochten und die Geschichte stringent aber dynamisch fortgeführt. „Captain Atom: Armageddon“ ist ergo ein prächtiges Beispiel dafür, wie man eine prinzipiell weniger originelle Storyline dennoch mit innovativen Elementen spickt. Definitiv ein Highlight des gerade gestarteten Comic-Herbstes!

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Groening, Matt – Simpsons, Die – Galerie der Meisterwerke: Das zweite Posterbuch

Die Eindrücke der [ersten Edition 4058 der „Galerie der Meisterwerke“ aus dem Hause der Simpsons sind gerade erst verarbeitet, da legt der |Panini|-Verlag bereits mit einem zweiten Posterbuch recht üppig nach. Wiederum hat man insgesamt 25 Motive aus dem kunterbunten Treiben der gelben Familie herausgefiltert, in diesem Fall aber auch vermehrt Illustrationen verwendet, die in jüngster Vergangenheit bereits in den einzelnen Veröffentlichungen der Simpsons-Comics verarbeitet wurden.

Den allesfressenden Homer vor seiner anstehenden Diät hat man bereits gesehen, ebenso die verschiedenen Auftritte von Bartman und Radioactive Man. Auch den unfreiwillig gehissten Milhouse werden Stammleser noch gut in Erinnerung haben, ganz zu schweigen von den Impressionen des Strandlebens, die zuletzt noch in einer Sonderausgabe Einzug hielten. Die wirklich neuen Eindrücke sind dementsprechend begrenzt, wirken teils aber auch etwas einfallslos. Bart als Wellenreiter erscheint im Gesamtkontext unspektakulär, sein Auftritt auf Siebenmeilenstiefeln ebenfalls. Und auch der Einblick in die Funktionalität eines Simpson-Gehirns – dieses Mal muss Homer dran glauben – macht nicht mehr allzu viel her, weil der Witz schon ein wenig abgenutzt ist.

Andererseits machen die wenigen wirklich starken Zeichnungen verlorenen Boden mit Leichtigkeit wieder gut. Homer als Teil der „Zurück in die Zukunft“-Saga ist genial, die ironische Betrachtung der Handy-Generation dito. Den überdimensionalen Kracher hat man allerdings erst mit dem Filmplakat zu „Night Of The Living Ned“, einer Persiflage auf den sympathischen Diddeli-Dudel-Flanders und seine Erlebnisse mit Kind und Kegel, gelandet. Aber auch der „Star Wars“-Ausschnitt, der den Vergleich zwischen Homer und Marge respektive Jabba the Hut und Prinzessin Leia aufgreift, hat durchaus seinen Reiz und eignet sich als Postermotiv perfekt.

Insofern ist auch die zweite Zusammenstellung der Simpsons-eigenen Meisterwerke eine lohnenswerte Geschichte, selbst wenn ein nicht unwesentlicher Teil der hier zusammengestellten Impressionen schon aus neueren Publikationen bekannt ist. Mindestens zwei Drittel der beinhalteten Poster sollten sich in jeder Fangalerie schnellstens heimisch fühlen, was für einen derartigen Release ja immer noch eine erstaunliche Quote ist. Wer also nach dem vorangegangenen Posterbuch Blut geleckt hat und die wohl bekannteste und mittlerweile auch beliebteste Fernsehfamilie am liebsten im Großformat sieht, findet sein Geld in der zweiten Edition der „Galerie der Meisterwerke“ gut investiert.

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Téhy / Vax / Vee, J. M. – Yiu 2 – Die Auferstehung des Unreinen

Band 1: [„Die Armee des Neo-Mülls“ 4289

_Story_

Yiu dringt im Auftrag des Klerus in die Zitadelle von Djallikih ein, um dort eine geheimnisvolle Urne zu entwenden. Doch schon zu Beginn ihrer neuen Mission wird die Profi-Killerin von Zweifeln geplagt. Drei unschuldige Frauen wurden geopfert, um der Kampfmaschine weitere Leben zu verleihen, die Yiu in der Zitadelle aber auch dringend benötigt. Sie kämpft gegen einen Samurai-Meister, verliert ihr Leben erneut gegen den Wächter mit dem Bogen und setzt sich gegen die Geister durch, die den Schatz verteidigen. Als sie dem Asketen Mamorii Oshii nach mehrfacher Auferstehung schließlich das Objekt der Begierde ausliefert, erscheint die gesamte Mission bei den fanatischen Tao-Zen-Kämpfern als ein einziger Akt der Ironie. Inmitten einer Welt voller schonungsloser Opfer soll sie zumindest die Ehre der Verlorenen wiedererobern – doch kann sie das nach dem Tod der drei jungfräulichen Märtyrerinnen überhaupt?

_Persönlicher Eindruck_

Wie auch schon im vorangegangenen Auftaktband, so setzt das Autoren-Dreigespann Téhy / Vax / Vee auch in der Fortsetzung der insgesamt vierteiligen Serie auf ein Höchstmaß an effektreich inszenierter, futuristischer Action im Rahmen einer leider etwas spannungsarmen Geschichte und öffnet dabei gleich mehrere Portale zur offenen Kritik. Während die besagten Kampsequenzen auch in „Die Auferstehung des Unreinen“ zu keiner Zeit zu kurz kommen, lahmt die Handlung an den gleichen Eckpunkten wie jüngst im Debüt-Album. Die gesamte Story ist im weitesten Sinne vorhersehbar, und die Wahl der Erzählweise raubt unterdessen dem potenziell hochwertigen Inhalt einen großen Teil der Atemluft, indem sie der Entwicklung des Plots jegliche Spontaneität nimmt. Seltsam, dass man dennoch an dieser Arbeitsweise festhält!

In „Die Auferstehung des Unreinen“ wird die Story wiederum aus der Perspektive der titelgebenden Protagonistin erzählt. In kurzen, teils abgehackten Sätzen beschreibt sie ihren Einsatz, die Zweifel, ihre berechtigte Skepsis und schließlich auch ihre wiederholte Auferstehung aus dem Reich der Toten, dies jedoch alles nüchtern und kühl, was jegliche Identifikation mit Yiu vorab ausschließt. Letzteres mag zwar der Atmosphäre des illustrativen Endzeit-Szenarios sehr authentisch angepasst sein, trägt aber auf lange Sicht kaum zum Lesevergnügen bei, weil man sich mit wachsender Dauer lediglich der kompromisslosen Action ausgesetzt fühlt und die wahre Brisanz – angedeutet durch einige versteckte ironische Kommentare sowie unterschwellig formulierte Kritik am korrupten Klerus – infolge dessen komplett ausgeblendet wird. Dies ist gerade deshalb seltsam, da sich die Autoren diesbezüglich um eine klare Aussage bemühen, letztendlich aber wegen der mageren Umsetzung daran scheitern.

Insofern schießt der zweite Band dieser Science-Fiction-Abenteuer-Reihe ein ganzes Stück am Ziel vorbei und hinterlässt hinsichtlich der wenigen positiven Eindrücke einzig und allein die tollen Zeichnungen. Inhaltlich hingegen ist auch „Die Auferstehung des Unreinen“ in Sachen Spannung, Aufbau und Quintessenz mehr oder weniger eine Enttäuschung und als solche keine echte Konkurrenz für das übrige Programm des qualitätsbewussten |Splitter|-Verlags.

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diverse Autoren – Bart Simpson Comics 33

_Inhalt_

|“Höhlenmenschen“|

Bart und Milhouse bauen sich an den verschiedensten Orten eine Höhle, werden aber immer wieder von ihrem Standort vertrieben. Nachdem Marge und Jimbo die Planungen der Jungs beeinträchtigt haben, ist es für das Duo Zeit zurückzuschlagen …

|“Der Uter-Bomber“|

Bart ist bemüht, ein neues Katapult für seine Wasserbomben zu bauen, scheitert aber schon im Ansatz. Als er dann jedoch mit Hilfe Uters eine Lösung findet, haben Lisa und Co. keine Ruhe mehr. Dann erfährt Bart aber, dass sein Katapult auf einer physikalischen Formel aufbaut und findet sein Projekt alsbald langweilig.

|“Eine Ladung Probleme“|

Frustriert von ihrer männlichen Verwandtschaft, bereitet sich Lisa auf ihr anstehendes Jazz-Konzert vor. Im letzten Moment kommen ihr einige Schmutzflecken auf ihre Abendrobe, woraufhin Lisa zum ersten Mal überhaupt die Waschmaschine bedienen muss. Doch das geht gründlich in die Hose …

|“Zeichen intelligenten Lebens“|

Auf einer offenen Wiese in der Nähe Springfields landet ein UFO, dessen junger Passagier zufällig auf Bart trifft. Der wiederum ist genervt von Milhouses Abstinenz und sucht jemanden, mit dem er sich die Zeit vertreiben kann. Als er erfährt, dass der merkwürdige Zeitgenosse aus dem All noch keine Verwendung für den Begriff Spaß hat, sind die Ferien für El Barto gerettet …

_Persönlicher Eindruck_

Nach einigen wirklich sehr guten Kapiteln reißt die Serie der lohnenswerten „Bart Simpson Comics“ mit Ausgabe Nr. 33 leider wieder ein. Statt sich – wie schon öfter kritisiert – auf einen oder maximal zwei tragende Erzählungen zu konzentrieren, hat man in diesem Fall nämlich wieder allerhand Mini-Geschichten zusammengeworfen, unter denen sich nicht einmal eine über den Comic hinaus nennenswerte Story befindet.

Bereits der Auftakt, oft der entscheidende Part des Magazins, ist merkwürdig langweilig und unspektakulär, was sich abgesehen von der dürftigen Handlung auch auf die groben Zeichnungen niederschlägt. Zwar beendet Autor Tony Digerolamo die Misere wieder recht abrupt, aber der erste Eindruck ist schon einmal ziemlich schwach – was sich wiederum im Folgende noch mehrfach bestätigen soll. Noch weniger aussagekräftig ist der Plot um den Uter-Bomber, in dem die versteckte historische Anspielung noch das Beste ist. Klar, hier soll um den Hauptakteur herum einiges an Action geboten werden, doch dann bitte auch auf einem grundlegenden Mindestniveau. Schließlich verwundert es auch nicht mehr, dass auch die dritte Episode im Bunde ein echter Langweiler ist, dessen fulminanter und witziger Auftakt sich nach drei Zeichnungen bereits wieder zerschlagen hat. Junge, was für ein Reinfall!

Gottlob ist zumindest der Schlusspart eine relativ runde Sache, zumal hier die einzigen anständigen Gags eingebaut sind. Kent Brockman erhält einen coolen Gastauftritt und auch Bürgermeister Quimby wird mal wieder als absoluter Taugenichts entlarvt. Auch wenn Bart als Protagonist eher zweitrangig bleibt, stimmt den Leser „Zeichen intelligenten Lebens“ wenigstens zeitweilig etwas versöhnlicher.

Schlussendlich ist der 33. Teil der Comic-Serie aber dennoch eine überwiegend herbe Enttäuschung, vornehmlich bedingt durch die erneute Verwendung von schwächlichen Mini-Plots. Aber wie auch schon vor einem guten Jahr bleibt die Hoffnung bestehen, es handle sich nur um einen kleinen Zwischenfall, der alsbald – sprich mit der nächsten Ausgabe – wieder behoben wird. So war es jedenfalls bis dato noch immer. Bis dahin sollte man jedoch lieber nur das vorangegangene Heft eintüten lassen; Nr. 33 darf man indes gerne im Regal stehen lassen.

http://www.paninicomics.de/simpsons-s10310.html

Hegen, Hannes (Hrsg.) / Dräger, Lothar (Text) / Hegenbarth, Edith (Zeichnungen) – Digedags bei den Indianern, Die (Amerikaserie, Band 4)

Band 1: „Die Digedags in Amerika“
Band 2: „Die Digedags am Mississipi“
Band 3: „Die Digedags bei den Piraten“

Unter der Schirmherrschaft von Hannes Hegen erschienen im Magazin „Mosaik“ Monat für Monat die Abenteuer des zwergenhaften Trios, bestehend aus den mutmaßlichen Brüdern Dig, Dag und Digedag – kurz: „Die Digedags“. Allerdings nur im Osten der Republik, denn im Westen waren (und sind) die drei umtriebigen Wichte – und Vorväter der etwas bekannteren „Abrafaxe“ – weitgehend unbekannt. Nach der Wiedervereinigung wurde es still um die Digedags, bis 2005 alle bisher erschienenen Geschichten vom wiederauferstandenen Verlag |Junge Welt| noch einmal als Sammelbände zu je vier Heften komplett neu aufgelegt wurden.

_Die Digedags_

Die drei tauchen in verschiedenen Menschheitsepochen auf und erleben dort ihre Abenteuer bzw. begleiten Persönlichkeiten dieser Ära mit Fleiß, Wissen und Witz. Die stets jugendlich wirkenden Digedags altern nicht und ihr markantes Äußeres bleibt weitgehend unverändert – sämtliche leichten Variationen in ihrem Aussehen sind wohl eher der Weiterentwicklung Edith Hegenbarths als Zeichnerin zuzuschreiben. Die Texte legte ihnen Lothar Dräger in den Mund, das heißt: nein, nicht direkt. Bei den Digedags herrscht nämlich weitgehend Sprechblasenfreiheit. An die Untertitelung der Panels hat man sich aber schnell gewöhnt und sie schätzen gelernt.

_Die Amerikaserie_

Die Amerikaserie, welche 1969 (Hefte) und 1979 (Hardcover) erstveröffentlicht wurde, ist eine der größten und umfasst 60 Einzelhefte (von 152 bis 211). Diese schafften es, ursprünglich zusammengefasst in insgesamt zehn Sammelbände, bis zur stolzen achten Auflage. Diese erschien noch 1989, kurz vor dem Mauerfall. Die Geschichte der Amerikaserie beginnt in New Orleans 1860, bevor der amerikanische Bürgerkrieg ausbrach, und sie endet in New York vier Jahre später. Bis dahin haben sich die Digedags quer durch den nordamerikanischen Kontinent gewuselt und im Kampf gegen die Sklaverei allerhand erlebt.

_Band 4 – Die Digedags bei den Indianern (Mosaik 163 bis 167)_

Die Suche nach der geheimnisvollen Goldmine des alten Abe Gunstick beginnt für alle Beteiligten am Missouri. Die Digedags, welche den Plan zur Mine zufällig in die Hände bekamen, haben gegenüber dem Zweck-Quintett – bestehend aus Mrs. Jefferson, Colonel Springfield und den drei ehemaligen Flusspiraten Coffins, Doc Tombstone und Jack – einen guten Vorsprung. Auf der wiederhergestellten „Mississippi Queen“ (vgl. Band 1, 2 und 3) der Jokers mitgenommen, sind sie bereits in Kansas ausgestiegen, während die Geheimorganisation „Sklaven-Express“ weiter nach Norden dampfte. Die Digedags müssen jedoch nach Westen in die Rocky Mountains und somit die Prärie durchqueren. Glücklicherweise erwischen sie dort eine der letzten Postkutschen. Denn die sind rar gesät, seit der Goldrausch ausgebrochen ist.

Die fünf Verfolger sitzen derweil auf einem Postdampfer, inmitten von allerhand Volk, welches auch die Gier nach dem gelben Edelmetall treibt. Coffins und seine Kumpane versuchen durch Falschspiel ihre Finanzen aufzubessern, während Mrs. Jefferson und der Colonel darüber sinnieren, wie man die unliebsamen „Partner“ am besten loswird. Ein Plan wird gefasst, doch der schlägt fehl, sodass beide Seiten am Ende im Knast von Kansas City landen. Die Digedags können mit ihrem bequemen Vorsprung bald nichts mehr anfangen, denn ihre Postkutsche wird von aufgebrachten Indianern überfallen. Denen stinkt es, dass ihnen ständig von Goldsuchern die Mustangs geklaut werden und die Kavallerie des nahen Forts nichts dagegen unternimmt, außer leere Versprechungen zu geben. Solange die Pferde nicht wiederbeschafft sind, internieren die Indsmen alle Durchreisenden als Druckmittel. Hugh!

_Eindrücke_

Die Charaktere sind wie immer klar abgegrenzt, Überraschungen sind von den Figuren her also nicht zu erwarten. Schön, dass die Digedags auch diesmal nicht immer nur die strahlenden Helden sind, sondern sich mit kleinen Fehleinschätzungen der Lage gern mal selbst ein Beinchen stellen. Sie lernen aber stets daraus und mit ihnen die Leserschaft. Ganz anders Mrs. Jefferson, die ist immer noch so unbelehrbar, herrisch und gierig wie eh und je. Der Colonel ist weiterhin ein williger Mitläufer der resoluten Dame, und die Verschlagenheit der ehemaligen Flußpiraten um „Ehrwürden“ Coffins ist ja schon fast legendär. Eine neue Figur wird in diesem Band eingeführt: Major Pinkerton. Was von ihm zu halten ist, bleibt unklar. Er ist zwar ein alter Kamerad des Colonels, doch so richtig grün sind sich die beiden scheinbar auch nicht.

Ab diesem Band beginnt der Hauptteil der Geschichte, um den es sich bei der Amerikaserie dreht. Generell könnte man auch in Unkenntnis der drei vorausgegangenen Bände an dieser Stelle quereinsteigen. Zwar entgeht einem dann die gute und erklärende Vorgeschichte, prinzipiell wäre es aber möglich, der weiteren Geschichte noch halbwegs zu folgen. Leider ist auch dieser Band durch die Neuauflage recht zerfleddert worden; Kenner der alten DDR-Fassung wundern sich sicherlich über das jähe „Mittendrin“-Ende des Buches. Es trägt zwar den gleichen Titel, wie damals Band 3 (und setzt auch an der gleichen Stelle auf), doch die Begrenzung auf 100 Seiten (statt früher 150) fordert auch hier wieder ihren Tribut. Die alte Aufteilung – mit sechs statt vier Mosaik-Heften in einem Sammelband – war besser gewählt, die Schnitte daher nicht so krass und die Übergänge der Bücher irgendwie runder.

_Fazit_

Der Mississippi-Handlungsstrang ist seit dem letzten Band vorerst abgehakt. Mit Band 4 ergibt sich eine der wenigen Gelegenheiten zum Quereinstieg in die Amerikaserie. Der – nennen wir ihn: „Goldschatz-Zyklus“ in den Rocky Mountains beginnt mit einer klassischen Verfolgungsjagd und findet sein vorläufiges Ende mitten im vollen Lauf. Das ärgert nicht nur alte Fans der Digedags, sondern verwirrt auch eventuelle Neuleser. So schön die Geschichten auch immer wieder sind, die Neuauflage ist längst nicht so empfehlenswert, wie die alte, zehnbändige DDR-Version. Besonders das Preis-Leistungsverhältnis lässt zu wünschen übrig. Inhaltlich gibt’s wie üblich rein gar nichts zu maulen.

_Die Buchdaten auf einen Blick:_

„Die Digedags bei den Indianern“ – Amerikaserie, Band 4
Enthält die Mosaik-Hefte 164 bis 167
© 1979 und (Neuauflage) 2005 – Buchverlag Junge Welt, Berlin
Herausgeber: Hannes Hegen
Text: Lothar Dräger
Figurinen: Edith Hegenbarth
ISBN: 3-7302-1876-X (neu)

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Boothby, Ian – Simpsons Comics 131

_Inhalt_

|“25″|

Ein ganz normaler Tag im Leben der Simpsons nimmt seinen Lauf: Homer kommt erneut zu spät zur Arbeit, hat dort jedoch einen gelben Ballon hinter seinem Arbeitsstuhl als Tarnung hinterlassen. Mr. Burns ist hin und weg von der Pünktlichkeit seines Angestellten, zerstört jedoch den Tarnungsballon und glaubt, Homer getötet zu haben. Völlig überstürzt leitet er zur Vertuschung des scheinbaren Mordes eine Kernschmelze ein. Der ahnungslose Homer trifft derweil im Kernkraftwerk ein, um mit gehöriger Verspätung seinen Job anzutreten …

Unterdessen macht Bart Bekanntschaft mit Nelsons dümmlichen Cousins, Lisa kämpft für die Rechte der Jazzmusik in Springfield, und Marge und Moe fragen sich unentwegt, wo Homer denn bleibt. Schließlich warten Happy Hour und Abendessen. Doch das Familienoberhaupt genießt inzwischen schonungslos die Abstinenz seiner Kollegen und Vorgesetzten, um das Kraftwerk mal so richtig auf seine Funktionalität zu überprüfen – mit verheerenden Folgen …

_Persönlicher Eindruck_

Es war lediglich eine Frage der Zeit, bis die gelbe Familie respektive Matt Groening auch die amerikanische Erfolgsserie „24“ mit Kiefer Sutherland in der Hauptrolle parodieren würde. Nun hat sich Stammzeichner Ian Boothby diesbezüglich ein Herz gefasst und einen 25-seitigen Action-Thriller erschaffen, dessen Handlung sich ebenfalls über die reelle Dauer eines Tages abspielt, dabei statt rasanter Action jedoch vornehmlich den üblichen Wahnsinn aus dem Universum der Kult-Familie darbietet.

Boothby spielt gekonnt alle Klischees aus und kreiert besonders um den tollpatschigen Dauerschläfer Homer ein ziemlich fortschrittliches Szenario, in dem er nicht nur mit erheblicher Ironie den Effekt einer Kernschmelze unter den Tisch kehrt, sondern auch diverse Disco-Klassiker aus den 70ern und 80ern gehörig auf die Schippe nimmt. Erneut sind es hier gänzlich kontrastreiche Ingredienzen, die in einem ziemlich verrückten Teil des Plots kulminieren, jedoch in dieser Form auch sehr schön miteinander harmonieren.

Kaum minder witzig ist unterdessen die Geschichte um Bart, der zunächst die unangenehme Bekanntschaft mit Nelsons beiden Cousins macht, sie dann aber als Leibwächter auf seine Seite zieht und tatsächlich seinen ärgsten Konkurrenten mit einigen blamablen Enthüllungen aussticht. Als Schlägertrupp an Barts Seite sorgen die beiden Volltrottel für eine ganze Reihe von mehr oder minder unfreiwilligen, aber trotzdem genüsslichen Lachern, wie sie wohl nur die „Simpsons Comics“ kennen.

Zu guter Letzt ist auch der Plot um Lisa einmal wirklich gelungen. Sie entdeckt im Stadtpark eine Pumafalle und echauffiert sich hierüber so sehr, dass sie bei ihrem Jazz-Konzert unvorhergesehen die Teilnahme verweigern muss. Daraufhin bricht das Orchester zusammen und wird auf Wirken des Bürgermeisters aus der Stadt verbannt, die Musik indes verboten. Als Quimby dann jedoch selber Opfer eines Puma-Angriffs wird, sieht Lisa eine Chance, den Jazz in Springfield zu retten.

Bei all den bissigen Anspielungen auf die zeichnerisch adaptierte Originalserie darf natürlich ein Gastauftritt von Sutherland in der Rolle des Jack Bauer nicht fehlen. Doch wie es sich für ein solches Gastspiel gehört, wird die reale Figur hier ebenfalls durch den humorigen Fleischwolf gedreht und kommt als profitgeiler Lebensretter wieder heraus. Auch nicht schlecht …

In diesem Sinne darf man also getrost von einer sehr schönen, wenn auch wieder überaus eigenwilligen Interpretation Nachbildung eines TV-Konstrukts im Rahmen dieser Serie reden. 24 Stunden im Leben der Simpsons sind mitunter aufregender als Bauers Einsatz in der weltweit populären Echtzeit-Sendung. Witziger, und das zeigt die 131. Ausgabe der „Simpsons Comics“ in diesem Fall ohne Umschweife, sind sie allemal …

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Téhy / Vax / Vee, J. M. – Yiu 1 – Die Armee des Neo-Mülls

_Story_

Das weltliche Machtgefüge ist ihr zuwider, die Mächtigen der Welt ein Greuel, und dennoch ruht all ihre Hoffnung auf der politischen Führung. Die 16-jährige Yiu kämpft für ihre schwangere Mutter, die als einer der wenigen Menschen noch die Chance hat, ein lebensfähiges Kind zu gebären. Sie kämpft für das letzte, verbliebene Stück Hoffnung und geht dafür einen teuflischen Deal ein. Ihr Auftrag: die Befreiung eines kleinen Mädchens. Ihr Auftraggeber: der Botschafter, Vater der Geisel und einer der einflussreichsten Männer der Welt. Die Bedingung: Sie muss in zwei Stunden den Konvoi der Verbrecherorganisation erreicht, infiltriert und mit dem Mädchen verlassen haben.

Alsbald begibt sich Yiu auf ihre wahrscheinlich letzte Reise, bereit, ihr Leben für den ungeborenen Fötus zu opfern. Radikal, entschlossen und zu ihrer eigenen Überraschung erfolgreich dringt sie vor. Doch just in dem Moment, als die Mission erfüllt scheint, fehlen Yiu die entscheidenden Argumente …

_Persönlicher Eindruck_

„Yiu“ ist ein Novum im Programm des |Splitter|-Verlags. Die neue Serie aus der Feder Téhys bietet den ersten echten One-Shot im Verlagsprogramm. Zwar gab es innerhalb der Fantasy-Reihe „Die Legende der Drachenritter“ schon mehrere abgeschlossene Handlungen, jedoch waren diese einem zusammengehörigen Konzept untergeordnet – und dies ist dieses Mal nicht der Fall.

Dementsprechend rasant und explosiv schreitet die Geschichte von der ersten Seite an voran; der Autor verschwendet keine Zeit mit Einleitungen und detaillierten Darstellungen der Szenerie, sondern fügt das erforderliche Hintergrundwissen während der fortschreitenden Erzählung in einzelnen Andeutungen ein. Während Yiu sich mit äußerster Gewalt durch den Konvoi metzelt und derweil Informationen an die Sezier-Drohne ihrer Auftraggeber sendet, erfährt man in kurzen Artikeln mehr über ihre Motivation und das generelle Setting, wobei sich die Ereignisse gleich mehrfach überschlagen und kaum Zeit bleibt, die kombinierten Informationen ganzheitlich aufzunehmen.

Indes ist die Geschichte ziemlich stark auf die permanente Action ausgerichtet; Destruktionen und Explosionen am laufenden Band, dazu füllen Blut und massig Leichen die Szenerie. Die Handlung an sich kann, unter anderem auch bedingt durch die relative Kürze des Plots, gar nicht erst wirklich an Tiefe gewinnen. Hinzu kommt, dass der Weg der Protagonistin in ganz genauen Linien vorgezeichnet ist. Sie beschreitet zielgerichtet ihren Pfad, verfolgt unbeirrt und mit verheerender Aggression ihre Ziele, und von vornherein ist dem Leser klar, dass es kein bitteres Ende geben kann. Und dennoch gelingt Téhy auf den letzten Seiten noch so etwas wie eine deutliche Überraschung. Entgegen den verhältnismäßig spannungsarmen, dafür aber effektreich verpackten ersten Kapiteln der Handlung erreicht die Story zum Schluss dennoch den zwischenzeitlich vermissten Anspruch und steuert nicht auf das erwartete Ende zu.

Somit muss man dem Autor zweifelsohne zugestehen, die verbleibenden Freiräume seiner Geschichte effizient genutzt zu haben. Zwar verbleibt über das Ende hinaus der Eindruck, dass „Yiu 1 – Die Armee des Neo-Mülls“ noch mehr hätte überzeugen können, hätte man einen Teil der Action für ein Mehr an inhaltlicher Tiefe geopfert, doch bleibt das trotz allem permanent hohe Niveau von solchen Gedanken weitestgehend unangetastet. Allerdings sind dies die feinen Unterschiede, die den Auftakt dieser neuen Serie von der Kategorie ‚herausragend‘ zunächst fernhalten. Aber für Fans und Abonnenten des |Splitter|-Programms besteht dennoch keine begründete Sorge: Yiu besticht nämlich, vor allem im Bereich von Illustrationen und Dynamik, mit genügend Überzeugungskraft, um recht schnell das Fantasy- & Science-Fiction-Publikum zu begeistern!

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