Azoth ist unter seinem neuen Namen Kylar zum besten Blutjungen Cenarias aufgestiegen. Doch Elene zuliebe hat er seinen Beruf aufgegeben und versucht nun, mit ihr und Momma Ks Tochter Uly zusammen, sich im Nachbarland Waedryn ein neues Leben als Kräuterhändler aufzubauen. Es dauert allerdings nicht lange, da holt ihn sein altes Leben wieder ein, in Gestalt seines alten Freundes Jarl …
War im ersten Band Durzo Blint derjenige, der zerrissen und gequält gewirkt hat, so hat diesen Part jetzt Kylar übernommen. Er ist hin- und hergerissen zwischen seinem alten Leben und seiner Liebe zu Elene, die jegliche Gewalt ablehnt.
Elene ist auf Grund der religiösen Erziehung durch ihre Zieheltern in mancher Hinsicht ziemlich naiv. Sie ist so sehr davon überzeugt, dass Gewalt nur neue Gewalt hervorbringt, dass sie für Kylars Tun keinerlei Verständnis aufbringt.
Mit den größten Schwierigkeiten aber hat Logan zu kämpfen. Mit seinem Sprung ins Loch am Ende des ersten Bandes hat er sich selbst in eine gefährliche Sackgasse manövriert. Der Kampf ums Überleben an diesem Ort öffnet ihm in vielerlei Hinsicht die Augen …
Und dann ist da noch Vi, Hu Gibbets Lehrling. Die junge Frau ist ein seelisches Wrack, das niemandem vertraut und deren einziger Ehrgeiz darin besteht, ihr eigener Herr zu sein. Ein ziemlich ehrgeiziges Ziel, wenn der Gottkönig von Khalidor persönlich ein Auge auf jemanden geworfen hat.
Die übrigen Neuzugänge in der Charakterriege sind nicht ganz so detailliert ausgefallen wie Vi, ingesamt jedoch ist die Darstellung durchaus zufrieden stellend. Logans Entwicklung und auch Kylars Kampf mit sich selbst sind sehr gut gelungen, und Vi, die im ersten Band nur eine kleine Nebenrolle spielte, entwickelt sich zu einer interessanten Person und einem echten Gewinn für das Buch.
Auch in Bezug auf den Entwurf der Welt hat Brent Weeks einiges ausgebaut. Zum ersten Mal taucht so etwas wie eine Gottheit auf, eine äußerst ungemütliche obendrein, sodass der Leser sich unwillkürlich die Frage stellt, ob der Name Khali womöglich mehr als Zufall ist. Und die Vir werden zum ersten Mal und ganz beiläufig als die anderen bezeichnet, als wären sie eigenständige Wesen.
Am stärksten jedoch hat sich das Handlungsfeld ausgeweitet. Nicht nur, dass sich diesmal ein ganzer Handlungsstrang mit Vi beschäftigt. Der Strang um die drei fremden Magier Dorian, Solon und Feir wurde aufgedröselt, weil die drei sich trennen. Curoch, das am Ende des ersten Bandes in die Hände eines unwissenden Khalidori gefallen war, stellt einen eigenen Strang, die Magierinnen aus der Chantry stellen einen und weitere Magier aus dem Süden stellen einen. Viele davon sind nur sehr dünn und kurz, aber alles ist sehr geschickt miteinander verknüpft, bis am Ende des Buches eine völlig veränderte Situation vorliegt, mit einigen Parteien mehr, die sich nun am Kochen diverser Süppchen beteiligen.
Wie bereits im ersten Band ist auch hier die Handlung mit einigen Grausamkeiten gewürzt – eine der härtesten Szenen ist die Strafaktion des Gottkönigs gleich zu Anfang des Buches, aber auch die Darstellung der Erschaffung eines Ferali war starker Tobak – sowie mit einer Menge Action, wenn Kylar wieder einmal seine gesamten Fähigkeiten voll ausschöpft. Die exzessive Gewalt der khalidorischen Kultur gibt dem Buch stellenweise fast etwas philosophisches, zumindest in der kurzen Szene, in der der Gottkönig mit Jenine über das Böse diskutiert.
Zur Spannung hat dieser Aspekt allerdings nicht viel beigetragen. Auch ohne ihn wäre das Buch ein echter Pageturner Dank solcher Szenen wie zum Beispiel der dramatischen Rettungsaktion unter der Burg von Cenaria. Der fiese Cliffhanger am Ende des Buches und die ausgesprochen überraschende Entdeckung Kylars auf der letzten Seite tun ein Übriges.
Um es kurz zu machen, der zweite Band ist in jeder Hinsicht genauso gelungen wie der erste. Er ist spannend, temporeich und verwickelt, sodass es niemals langweilig wird, und trotzdem haben die Hauptprotagonisten noch genügend Raum für Tiefe und Entwicklung. Die diversen Andeutungen im Zusammenhang mit dem Aspekt der Magie lassen auf mehr hoffen und der Schluss des Buches macht unsagbar neugierig auf die Fortsetzung. Da komme nicht einmal ich umhin, wegen der grausameren Szenen ein Auge zuzudrücken.
Brent Weeks wollte schon als Junge Schriftsteller werden und hat sich deshalb nach dem College nicht mit dem Erlernen eines anderen Berufes aufgehalten, sondern gleich mit dem Schreiben begonnen. Bis jemand bereit war, ihm etwas dafür zu bezahlen, hielt er sich als Barkeeper über Wasser. „Der Weg in die Schatten“ ist seine erste Veröffentlichung und der Auftakt zur Schatten-Trilogie, deren dritter Band unter dem Titel „Jenseits der Schatten“ im November 2010 in die Buchläden kommt. Der Autor schreibt derweil an seiner nächsten Serie, deren erster Band unter dem Titel „The Black Prism“ im August diesen Jahres auf Englisch erschien.
_Justin Cronin hat sich_ der Literatur verschrieben, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Hochschullehrer unterrichtet an der Rice University in Housten (USA) Englisch, doch sein Talent und sein Interesse gilt dem aktiven Schreiben.
In seinem Debütroman „Der Übergang“ („The Passage“) schildert der Autor die Apokalypse, das Ende der Menschheit, auf so eindringliche Art, dass alle großen Filmstudios die Filmrechte des Buches kaufen wollten. |20th Century Fox| erhielt den Zuschlag, und nun wird der erste Teil dieser Trilogie höchstwahrscheinlich von Ridley Scott („Gladiator“, „Königreich der Himmel“, „Robin Hood“) verfilmt.
Hält man das Buch in den Händen, so schreckt man doch vor der Dicke des Romans zurück. Satte 1020 Seiten sind doch für so manchen Leser eine galante Herausforderung.
Ist nun „Der Übergang“ wirklich so gut, wie viele Kritiker behaupten, und hält er, was er verspricht, oder gehen die Handlung und die Dramatik im über 1000-seitigen Roman unter?
_Inhalt_
Army Harper Belafonte ist ein besonderes Mädchen. Ihre Mutter weiß es, ist aber mit der Herausforderung und der Verantwortung, eine Tochter zu haben, überfordert, und überlässt sie einem Nonnenkloster.
Zwei FBI-Agenten bekommen von einer hohen Regierungsstelle den Auftrag, zum Tode verurteilte Verbrecher in ihren Todeszellen aufzusuchen und sie für ein höchst geheimes Projekt zu gewinnen. Akzeptieren die zum Tode geweihten Männer und Frauen diesen Vorschlag, so gibt es sie offiziell nicht mehr und sie werden zu einer geheimen medizinischen Forschungseinrichtung in Colorado gebracht.
Auch Amy soll an dieser medizinischen Versuchsreihe teilnehmen und wird kurzerhand von den FBI-Agenten entführt. Doch Brad Wolgast, dessen Leben ein einziges Trümmerfeld nach dem Tod seiner Tochter und der Scheidung ist, überkommen schwere Gewissensbisse. Was gibt ihnen das Recht, dieses sechsjährige Mädchen zu entführen und sie in einer Forschungseinrichtung abzugeben, wo sie vielleicht nur der Tod willkommen heißt?
In der Forschungseinrichtung, in der die höchsten Sicherheitsbedingungen herrschen und die von Soldaten bewacht wird, soll ein Experiment die Menschen unsterblich machen, doch die Probanden, denen ein Virus infiziert wurde, verändern sich. Sie werden zu lichtscheuen, menschenähnlichen Kreaturen, mit nagellangen, spitz zulaufenden Zähnen. Die Gesichter hager und blass, die Gliedmaßen gleichen eher Raubtierkrallen, entwickeln diese eine hohe physische, unmenschliche Kraft. Als das Experiment aus dem Ruder läuft und die Einrichtung von den ehemaligen Häftlingen und nun Monstern überrannt und vernichtet wird, droht ihr Hunger nach Blut alles Leben auf dem amerikanischen Kontinent auszulöschen. Ein Alptraum für die Menschheit, denn sollte es den „Virals“, wie sie später genannt werden, gelingen den Kontinent zu verlassen, so wäre dies die Apokalypse für die Gattung Mensch.
Mit knapper Not gelingt es Wolgast, Amy zu befreien und zu fliehen. Ihr Weg führt sie quer durch die USA, aber mit rasanter Geschwindigkeit breitet sich das Virus aus, und ganze Städte und Regionen werden entvölkert. Abgeschieden verstecken sich die beiden eine Zeit lang, doch es kommt, wie es kommen muss: Das Virus holt sie ein und Wolgast findet den Tod.
Knappe hundert Jahre später: Die Menschheit ist nicht zur Gänze ausgestorben, aber deutlich dezimiert. Die USA gibt es nicht mehr, es gab Hungersnöte, bürgerkriegsähnliche Verhältnisse, und selbst Nuklearwaffen wurden eingesetzt. Die letzten Überlebenden verschanzen sich in Festungen, die durch hohe Mauern und schwere Scheinwerfer mit enormer Leistung gegen die unzähligen „Virals“ geschützt werden. Es herrschen strenge Gesetze hinter diesen Mauern, denn nur so haben es die Menschen schaffen können zu überleben. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Reserven der Generatoren, die die Scheinwerfer mit Strom versorgen, zur Neige gehen, und mit der Dunkelheit käme das Ende dieser „Kolonie“ von Überlebenden.
Als Amy vor den Toren dieser Kolonie steht, gleicht es einem Wunder, denn bisher gab es nur wenige „Walker“, die überlebt und den Weg hinter die Mauern in den geschützten Bereich gefunden haben. Als während dieser Rettungsaktion „Virals“ auftauchen und Amy dabei verletzt wird, tauchen schnell die ersten Fragen auf: Wer ist das junge Mädchen, das schätzungsweise gerade erst 16 oder 17 Jahre alt sein kann? Und warum verheilen ihre Wunden derartig schnell? Wie konnte sie ganz alleine in der Einöde, die von „Virals“ verseucht ist, überleben?
Es scheint so, dass Amy der Schlüssel zum Überleben und dem Fortbestand der Menschheit ist. Doch auch in der Kolonie gibt es andere Meinungen und ganz persönliche Interessen …
_Kritik_
„Der Übergang“ bedient sich im Grunde einer der vielen bekannten apokalyptischen Ideen. In „The Stand – Das letzte Gefecht“ von Stephen King ist es ebenfalls eine vom Militär entwickelte Waffe, die die Menschheit an den Rand der Vernichtung bringt, und in [„Die Straße“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3648 von Cormac McCarthy macht sich eine fast identische Dramatik breit, wenn der Autor die Regionen und ausgestorbenen Städte beschreibt.
Auch in dem Bestseller-Roman von Justin Cronin ist es das ungefähr gleiche Bild, das sich dem Leser präsentiert. Wie um die These zu beweisen, dass sich die Menschheit am Ende selbst umbringt, beschreibt Cronin eine eindringlich, traurige, depressive Welt.
Im ersten Drittel des Buches beschreibt der Autor quasi in der Einleitung die Experimente und den Ausbruch des Virus‘, aber leider beschreibt er zu wenig, wie Menschen dagegen angehen und es bekämpfen. Nach nur wenigen Seiten ist die Menschheit in geballter Form vernichtet; wie es auf den anderen Kontinenten aussieht, verschweigt Cronin leider. Gibt es dort Hoffnung? Gibt es ein Heilmittel? Offene Fragen, die dem Leser noch nicht befriedigend beantwortet werden.
Die „Virals“, wie sie im Buch genannt werden, sind eine Symbiose aus Vampiren und Zombies; ob sie nun intelligent sind oder einfach nur Bestien, bleibt auch unbeantwortet. Greifen sie aus Instinkt an, oder sind ihre Reaktionen aus Erfahrungen abgeleitet und erlernt? Sie sind jedenfalls auch „sterblich“, wenn auch ihre Achillesferse nicht am Fuß zu finden ist. Ansonsten verfügen sie über immense Körperkraft, können wahnsinnig weit und hoch springen, sind wahre Akrobaten und haben einen unbändigen Appetit auf Blut, der sie fast alles vergessen lässt.
„Der Übergang“ von Justin Cronin ist nur der Auftakt einer Trilogie um Amy, und der versteht sich, so habe ich es beim Lesen empfunden, als eine Einleitung. Der Stil des Autors in seinen Beschreibungen einzelner Szenen ist gewöhnungsbedürftig, manchmal kurz und knapp, manchmal allzu ausführlich, und es gibt so manchen Cliffhanger innerhalb der Geschichte. Doch die Handlung zieht sich gekonnt durch die Geschichte und hält den Spannungsbogen im positiven Bereich.
Der zeitliche Sprung von knapp 90 Jahren war zu schnell. Gerne hätte man doch gewusst, wie es nach dem Ausbruch weiterging. Das wird zwar auch angerissen, aber auch hier wieder nur spärlich. Cronin konzentriert sich auf seine Protagonistin Amy und verfehlt manchmal die Bedeutung von Nebenschauplätzen und Geschichten, die dem Roman noch mehr Tiefe hätten geben können. Zum Beispiel das Leben innerhalb der Kolonie, ohne den für uns täglichen angenehmen Luxus, ohne Nahrungsmittel, derer wir uns unendlich bedienen können, oder kulturelle Unterhaltung. All das passte wohl nicht ins Schema, aber im Grunde hätte es das Gesamtbild viel runder machen können.
Im Grunde – mal abgesehen von der Spannung, die ja vorhanden ist – gibt es zu viele Lücken, die einfach nicht mit interessanten Charakteren oder Nebengeschichten aufgefüllt werden. Das Gerüst der Geschichte steht zwar, meiner Meinung nach aber auf sehr instabilen Grundfesten. Hinzu kommt noch etwas mehr Verwirrung, wenn auf einmal die Rede von gefundenen Berichten ist und man hier auf die Jahreszahl achtet. Z. B. „1003 n. A.“ soll heißen „nach Ausbruch des Virus'“. Wieder eine große zeitliche Lücke, die weitere Fragen aufwirft.
_Fazit_
„Der Übergang“ von Justin Cronin ist mit Sicherheit ein Bestseller, und es ist mit Sicherheit auch dem hervorragenden Marketing zu verdanken, dass sich das Buch in vielen Diskussionen rund um die Literatur wiederfindet. Doch im Grunde ist es nichts Besonderes, es ist, wie gesagt, eine Einleitung, die auf bekannten apokalyptischen Themen fußt. Und da viele Fragen unbeantwortet bleiben, gibt es viel Volumen für den zweiten und dritten Teil.
Man darf gespannt sein auf eine Verfilmung, aber gemessen an dem vielseitigen Buch, darf man vermuten, dass die Umsetzung reines Actionkino sein wird, aber das Buch ist dies nicht, es ist eher vielschichtiger, als es uns lieb sein kann. Vielleicht findet der Autor im zweiten Teil einen gesunden Mittelweg und überzeugt den einen oder anderen Leser mehr.
„Der Übergang“ kann ich bedingt empfehlen. Es ist, wie der Titel schon sagt, eine Passage, und wir dürfen gespannt sein, was uns am Ziel erwartet!
|Hardcover: 1024 Seiten
Originaltitel: The Passage
Aus dem Englischen von Rainer Schmidt
ISBN-13: 978-3442311705|
[www.der-übergang.de]http://www.der-übergang.de
[www.randomhouse.de/goldmann]http://www.randomhouse.de/goldmann
_Justin Cronin bei |Buchwurm.info|:_
[„Der Übergang“ (Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6541
Obwohl in der deutschen Fassung aus dem originalen Sammlungs-Zusammenhang gerissen, fesseln diese vier Kurzgeschichten des SF-Altmeisters Simak durch ihre autorentypischen Qualitäten: Ohne Weltraumschlachten und Permanent-Action erzählt er unaufgeregt und spannend von seltsamen Begebenheiten und gewinnt dabei mancher klassischen SF-Idee neue Aspekte ab. Clifford D. Simak – Invasionen weiterlesen →
01 „Traummann an der Angel“
02 „Mehr Mann fürs Herz“
03 _“Unter Wasser liebt sich’s besser“_
_Inhalt:_
Nachdem der Meeresbiologe Dr. Thomas Pearson sie für eine reinblütige Meerjungfrau sitzen gelassen hat, gibt Fred dem Werben von Artur, dem Prinzen des Unterwasservolkes, nach. Da steht überraschend Freds leiblicher Vater vor der Tür, den sie nie kennengelernt hat. Doch der Meermann scheint nichts Gutes im Schilde zu führen … (Verlagsinfo)
_Handlungsabriss:_
Und weiter geht es mit Dr. Fred(erika) Bimm (Vater Wassermann, Mutter Mensch), die sowohl an Land als auch im Wasser existieren kann.
Dem Leser wird der Einstieg durch eine Kurzsusammenfassung „Was bisher geschah“ erleichtert. Entgegen Jahrhunderte alter Tradition hat sich das Unterseevolk den Menschen gezeigt – über den Fernsehkanal CNN, und Fred hat sich mit Artur, dem Prinzen des Unterseevolkes, davongemacht, weil ihr Kollege Dr. Thomas Pearson, der ihr nicht gleichgültig war, plötzlich heftig mit einer hübschen Meerjungfrau geflirtet hatte. Fred mietet eine riesige Villa in Florida an, kümmert sich um die Pressearbeit zwischen dem Unterseevolk und den Landbewohnern und tritt auch im Fernsehen auf. Doch sie hat bei den Meermenschen einen schweren Stand, weil ihr Vater als Verräter gilt, der in der Verbannung lebt.
Drei Stunden nachdem Fred in die Villa eingezogen ist, taucht Jonas, ihr Freund seit Schulzeiten, auf. Er will Vorbereitungen für seine Hochzeit mit Freds Chefin Dr. Barb treffen. Fred soll seine Trauzeugin sein, was diese natürlich gewohnt „bissig“ aufnimmt und kommentiert. Aber sie hat längst andere Sorgen, denn Artur hat sie gebeten, seine Frau und somit Königin des Unterseevolkes zu werden. Da Fred nicht weiß, ob sie den Antrag annehmen soll, spricht sie mit Jonas, der ihr auf den Kopf zusagt, dass sie eigentlich noch in Thomas verliebt sei, der auch noch zu allem Überfluss mitten in das Gespräch platzt und sich ebenfalls bei Fred in der Villa einnistet. Um das Durcheinander perfekt zu machen, taucht auch noch Freds Vater auf – Farrem, der Wassermann. Und somit steht Fred das erste Mal ihrem leiblichen Erzeuger gegenüber und stellt fest, wie ähnlich sie ihm sieht. Die Verwirrung um Fred herum steigert sich noch, als auch er sich bei ihr in der Villa einnistet.
Damit nicht genug, denn es tauchen auch noch Freds Mutter und ihr Ziehvater Sam auf – und um dem Ganzen das Sahnehäubchen aufzusetzen, erscheint Artus auf der Bildfläche. Das Chaos nimmt seinen Lauf – und es gibt einige Überraschungen sowie am Ende Freds Entscheidung, welchem der beiden Männer sie ihr Herz schenkt, Artur oder Thomas …
Wie bei den Bänden 1 und 2 gibt es auch im dritten und leider letzten Teil eine Bonusstory – hier „Majicka“, in der Ireland Shea (26) in Cannon Falls (Miinesota) auf einem Friedhof über ein Mädchen stolpert, das sie für einen Zombie hält und das sie mit sich nach Hause nimmt. Die Besonderheit der Story ist: In Cannon Falls wimmelt es vor Untoten und paranormalen Wesen. So lebt Ireland seit fünf Jahren mit dem Vampir Ezra Chase zusammen, aber auch andere Wesen bevölkern ihre spezielle WG auf der Shea Fram, die Ireland gehört. So zum Beispiel Owen, der Werwolf mit dem weißen Fell und den Saphiraugen, und Lent, der Feenmann – aber auch ein sprechendes Auto, das nicht das ist, was es zu sein vorgibt.
Ireland nennt das Mädchen vom Friedhof Zelda und ahnt nicht, dass sie und ihre Mitbewohner beobachtet werden. Von Micah, der sich ihnen zu erkennen gibt und behauptet, Ireland wäre die Auserwählte – die neue Majicka. Doch Ireland will erst mal herausfinden, was es mit dem vermeintlichen Zombiemädchen auf sich hat – und zu allem Überfluss verliebt sich Micah auch noch in sie …
_Meine Meinung:_
Der Stil der Autorin ist wie gewohnt locker, flockig, humorvoll, der Text des Fred-Romanteils in kurze Kapitel geteilt, sodass sie wie immer die Möglichkeit bietet, den Alltag schnell hinter sich zu lassen und für kurze Zeit in eine andere, heitere Welt abzutauchen.
Auch die Aufmachung des Bandes ist wieder gewohnt hübsch anzusehen – ein schönes Motiv in der Innenseite der Klappenbroschur, handliches Format und augenfreundlicher Satz und Schriftgröße. Die Kapitelzahlen zieren zwei Fische und es gibt wieder ein Lesezeichen. Bei dem günstigen Preis ein absolut stimmiges Preis-Leistungsverhältnis.
_Fazit:_
Forscher Abschlussband der Trilogie rund um Fred, die Meerjungfrau, von der man gerne mehr gelesen hätte.
|Taschenbuch: 336 Seiten
Originaltitel: Fish out of water (Mermaids 3), Jove Books, USA/New York, 2008
Bonusstory „Majicka“ in dem Band „No Rest for the Witches“, USA/New York, 2007
Aus dem Amerikanischen von Stefanie Zeller
ISBN-13: 978-3802582530|
[www.egmont-lyx.de]http://www.egmont-lyx.de
_Mary Janice Davidson bei |Buchwurm.info|:_
[„Weiblich, ledig, untot“ (Betsy Taylor 1)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4993
[„Die mit dem Werwolf tanzt“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6005
Band 1: „Das Erbe der Drachen“
Band 2: „Das Siegel des Todes“
Band 3: „Der Fluch der Assassinen“
Mit ihrer „Drachenkämpferin“-Trilogie war Licia Troisi vor geraumer Zeit ein exzellenter Einstieg in die internationale Fantasy-Szene gelungen. Hier und dort zwar noch mit kleinen Verbesserungswürdigkeiten bei der Tiefe der Erzählung bestückt, entwickelte sich der Dreiteiler spätestens im Abschlussband zum Selbstläufer und konnte sich trotz der sprachlichen Simplizität beim Publikum als Alternative zu den großen Namen durchsetzen. Troisi hat sich auf diesen Lorbeeren aber keinesfalls ausgeruht und parallel an zwei weiteren Projekten gearbeitet, von denen „Die Schattenkämpferin“ nun an der Front debütiert. Wieder kehrt die Autorin in die Aufgetauchte Welt zurück – und wieder sind es vor allem die Charakterdarstellungen, die ihre neue Trilogie schon zum Auftakt glänzen lassen!
_Story:_
Mit gerade einmal acht Jahren wird die verspielte Dubhe aus ihrem Heimatdorf Selva verstoßen, als sie einen anderen Jungen bei einer übermütigen Rauferei tötet. Das Antlitz des jungen Gornar wird sie ein Leben lang begleiten, denn von nun an ist ihr Weg von Tod und Meucheleien gezeichnet. Dubhe wird ausgesetzt und muss sich alleine durchschlagen; sie landet in einem Soldatenlager und schließlich in der Obhut ihres ‚Meisters‘, einem brutalen Mörder, der sich ihrer widerwillig annimmt, sie dann aber ebenfalls im jüngsten Alter an das Töten heranführt. Jahrelang kämpft und lernt sie an seiner Seite, verfällt ihm regelrecht und betrachtet sich als seinen Besitz – bis er eines Tages ebenfalls sein Leben lässt und Dubhe zum ersten Mal mit der Gilde der Assassinen und ihren widerwärtigen Methoden vertraut macht.
Noch Jahre später wird ihr diese Begegnung nachhängen; und als sie eines Abends bei einem ihrer üblichen Raubzüge von einem Giftpfeil getroffen wird, der ein eigenartiges Siegel auf ihrem Arm hinterlässt, weiß sie, dass die Gilde sie am Ende doch noch in ihre Fänge bekommen hat. Lediglich die Asassinen selber können den Fluch lösen, doch der Weg dorthin fordert Dubhes verbliebene Kräfte und noch vieles mehr. Sie muss sich selber der Gilde anschließen, soll in ihrem Auftrag morden, die brutale Schule durchmachen und ihrem Gott huldigen. Mit letzter Verzweiflung unterwirft sie sich und kämpft um ihr Überleben – bis sie eines Tages in den modrigen Winkeln des Tempels auf einen Postulanten trifft, der sich eingeschleust hat, um die teuflischen Pläne der Assassinen aufzudecken. Doch mit seiner Ankunft öffnet sich Dubhe erst das wahre Ausmaß der schwarzen Magie, die der Höchste Wächter der Gilde anscheinend schon in Perfektion zelebriert …
_Persönlicher Eindruck:_
Wenn man ein Buch ständig zurückschiebt und es anderen Titeln opfert, die – so weiß man später – bei Weitem nicht die priorisierte Aufmerksamkeit verdient haben, mutet das Ganze im Endeffekt relativ merkwürdig an. Gerade vor dem Hintergrund, dass Licia Troisis erste Trilogie einen wirklich guten Eindruck hinterlassen hat, zwar sicherlich noch nicht verbergen konnte, dass es sich hierbei um ein Erstwerk handelte, schließlich aber doch voll und ganz überzeugte, muss man sich hier über die eigene Vorgehensweise wundern.
Dass die italienische Autorin inzwischen einen weiteren Dreiteiler auf den Markt gebracht hatte, schürte aber wieder das Interesse für ihren sympathischen, sehr leicht verdaulichen Erzählstil und führte schließlich zurück in die Aufgetauchte Welt, jenem Schauplatz, an dem einst auch die beiden Publikumslieblinge Nihal und Sennar für Frieden kämpften. Sie sind es schließlich auch, die eine Verbindung zu den neuen Büchern herstellen, wenngleich auch nur in der Zeitleiste, die mittlerweile mehr als vier Dekaden weiter fortgeschritten ist. Und auf der sich die Ereignisse offenbar wiederholen …
Denn ähnlich den inhaltlichen Wendungen in „Die Drachenkämpferin“ ist die Ausgangsposition wieder sehr bedrohlich, der Frieden in den acht Landeinheiten jener Welt alles andere als sichtbar. Der kriegerische Streitherr Dohor hat große Teile der Aufgetauchten Welt erobert und bereitet sich bereits auf seine Alleinherrschaft vor, als die kleine Dubhe zum ersten Mal ins Spiel kommt. Als unscheinbares Mädchen in einer nahezu unbedeutenden Ortschaft geboren, zeigt sie bereits erste Parallelen zu ihrem wahrscheinlichen Vorbild Nihal, wenngleich die Heldin der aktuellen Bände ganz klar abgebrühter und kühler in ihrem Erscheinungsbild ist – bzw. mit der Entwicklung der Story wird. Hinzu kommt, dass sich Dubhes Charakterzüge in geradezu jedem einzelnen Akt weiter verfinstern. Ihr wird das Grauen vorgelebt, die Familiengeschichte findet unterdessen ein tragisches Ende, und auch wenn ihre Kollegin im Geiste seinerzeit ebenfalls auf sich alleine gestellt war, wächst die Nachfolgerin der Legende in einem ganz anderen Umfeld mit, bringt für ihre persönliche Charakterformung eine ganz andere Voraussetzung mit und wirft schließlich auch einen sehr düsteren Schatten auf die gesamte Story, die in ihrer Gesamtheit sowieso schon viel härter ist als all das, was man von Troisi bisher gelesen hat.
Die Grundbedingungen haben sich im bekannten Setting also verändert, aber auch der Stil der Autorin hat in den beiden Jahren, die zwischen der Entstehung der ersten und der zweiten Trilogie liegen, einen deutlichen Fortschritt gemacht. Troisi wirkt souveräner und einfach sicherer in dem, was sie in Worte kleidet. Dies mag zum Teil auch an der wesentlich besseren Übersetzung in „Die Schattenkämpferin“ liegen, definitiv aber auch an der brillanten Vorgabe, die einen völlig etablierten Eindruck macht. Dass die Geschichte hiervon profitiert, bekommt man bereits relativ früh zu spüren, als die Autorin zum ersten Mal die Vergangenheit und die Gegenwart mischt und die ständigen Rückblicke zu einem wichtigen Bestandteil von „Das Erbe der Drachen“ deklariert. Stetig erfährt man mehr über Dubhes Kindheit und Jugend, lernt ihren Meister und dessen Werdegang kennen, und begreift schließlich, wie aus der unscheinbaren Figur diese eiskalte Gaunerin werden konnte, die sich trotz aller Missetaten ihren vernünftigen Grundcharakter bewahrt hat. Weshalb sie auch zur absoluten Sympathieträgerin avanciert, einer Identifikationsfigur, die sich nicht bloß durch eine Aneinanderreihung von Heldentaten auszeichnet, sondern auch die dunkle Seite mit reichlich Energie und Leidenschaft bedient.
Auf dieser Basis kann sich der Auftaktband in aller Ruhe ausbreiten und mündet schließlich in einem sehr gesunden Fundament für die nächsten beiden Romane. Auf mehr als 500 Seiten wird ein anständiger Komplex aufgerissen, der zahlreiche Querverweise auf die Vergangenheit der Aufgetauchten Welt und ihrer Heroen hergibt, einige verschachtelte Verbindungen öffnet und vor allem Protagonisten zutage fördert, wie sie sich die literarische Fantasy nur wünschen kann. Man sollte zwar vorsichtig sein, einen Mehrteiler bereits zu einem verfrühten Zeitpunkt in den Himmel zu loben. Doch die rasche Entwicklung in der Arbeit der Autorin sowie die durch und durch überzeugende Story erheben bereits jetzt einen verpflichtenden Anspruch. Nicht zuletzt, weil es zuerst die Figuren sind, die hier den Ausschlag geben …
|Gebundene Ausgabe: 528 Seiten
Originaltitel: Le Guerre del Mondo Emerso – La Setta degli Assassini
ISBN-13: 978-3453265639|
[www.heyne.de]http://www.heyne.de
_Licia Troisi bei |Buchwurm.info|:_
[„Im Land des Windes“ (Drachenkämpferin 1)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2488
[„Der Auftrag des Magiers“ (Drachenkämpferin 2)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4130
[„Der Talisman der Macht“ (Drachenkämpferin 3)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4507
Band 1: „Seelenhüter“
Band 2: „Liebesseele“ (Februar 2011)
Band 3: „Blutsvermächtnis“ (März 2011)
_Um sich abzulenken_ und Leidenschaft zu erleben, bucht die todkranke Paula Landon einen Callboy, der sie auf ihrem Landsitz treffen soll. Von ihrer Ehe mit dem Staatsanwalt Owen ist sie bitter enttäuscht und will die Scheidung von ihm.
Nervös blickt sie nun dem Treffen mit dem Callboy entgegen und ist angenehm überrascht, als sie dem gepflegten und sehr attraktiven Luka Canvey die Tür öffnet. Nicht ahnend zu welcher Leidenschaft sie fähig ist, genießt sie die Stunden mit Luka, als plötzlich Owen in ihrem Schlafzimmer auftaucht und Luka kaltblütig erschießt. In seinem Wahn fesselt er Paula an die Leiche und versenkt beide in einem nahegelengen See.
Das Letzte, was Paula spürt, bevor ihr schwarz vor Augen wird, ist ein Biss in ihren Hals.
Paula erwacht als Vampir, strahlend schön und wieder gesund. Sie trifft wieder auf Luka, der es nicht beabsichtigt hatte, sie zu verwandeln, sein ursprünglicher Plan war Paula ebenfalls zu ermorden, da er eine offene Rechnung mit ihrem Mann Owen hat und ihm das Liebste nehmen wollte. Trotzdem schließen sich die beiden zusammen, und mit dem Club der Verdammten, Lukas Freunden, bewohnen sie nun den Landsitz von Paula. Paula verspürt einen für sie ungewöhnlichen Hass auf Owen und ist auf Rache aus. Auch verliebt sie sich in Luka, der leidenschaftliche Nächte mit ihr verbringt, sie aber andererseits kalt von sich stößt.
Währenddessen sucht Owen mit seiner Komplizin die Leiche Paulas und wird immer nervöser. Der Club der Verdammten bekommt dann noch ein neues Problem: Der tot geglaubte Cangoon taucht wieder auf, er ist hasserfüllt und will die prophezeite Vereinigung der Liebesseele verhindern, auch sein Ziel heißt Paula …
_Kritik_
Mit |Club der Verdammten – Seelenhüter| hat Kathy Felsing den ersten Teil ihrer auf drei Teile angelegten Trilogie um die „Schattenseelen“ geschrieben. Die Autorin vereint in ihrem Roman Spannung, prickelnde Erotik und eine neue menschliche Sicht auf Vampire. Mit einem leicht zu lesenden Schreibstil fesselt die Autorin von Anfang an und baut in ihre erotische Geschichte gekonnt einen Spannungsbogen ein. Der Plot um die Schattenseelen bietet einiges Neues in diesem Genre, leider geht der Roman aber nicht so sehr in die Tiefe, um diese dem Leser endgültig nahezubringen, da wäre noch genug Potenzial vorhanden.
Die erotischen Szenen beschränken sich auf die Protagonisten Paula und Luka und sind sehr prickelnd und bleiben geschmackvoll. Erzählt wird der Plot aus der Perspektive eines Beobachters, der sich hauptsächlich auf die Protagonistin Paula konzentriert, die übrigen Charaktere aber auch zu Wort kommen lässt.
Die Protagonisten sind liebenswert konzipiert, teilweise fehlt es allerdings an Tiefe. Trotzdem ist das Handeln der einzelnen Charaktere schlüssig aufgebaut und sie haben ihre eigenen Geschichten. Paula kommt etwas naiv und gutgläubig daher, entwickelt sich aber im Laufe des Romans positiv weiter. Die Schattenseelen, allen voran Luka, bieten einiges an Potenzial und sind sehr sympathisch. Die Beziehungen untereinander sind klar dargestellt und plausibel.
Das ungewöhnliche Format dieses Buches fällt auf, und die 180 Seiten entsprechen ca. 250 Seiten eines normalen Taschenbuchs. Alles in allem ein ansprechender erotischer Roman, der dabei aber mehr Tiefe vertragen könnte.
_Autorin_
Kathy Felsing wurde 1964 in Nordrhein-Westfalen geboren. Nach der Fachoberschulreife arbeitete sie zunächst für zwei Jahre als Redaktionsassistentin bei einer Wochenzeitung. Später machte sie eine Ausbildung als Datenverarbeitungskauffrau und arbeitete viele Jahre als Programmiererin, Werbekauffrau und Web-Designerin. Bevor sie mit dem Schreiben anfing, war sie zuletzt in leitender Stellung als Ausbilderin für Fachinformatiker tätig. Ende 2006 wanderte sie mit ihrer Familie in die Republik Zypern aus. Während ihr Berufsweg das Schreiben von Zeitungsartikeln aller Art, das Verfassen von Anleitungen und Dokumentationen bis hin zu Werbeprospekten und kompletten Reisekatalogen gefordert hatte, fand sie in ihrer neuen Heimat die Muße, sich mit dem Schreiben von Belletristik zu befassen.
Seit 2009 ersinnt Felsing paranormale Liebesgeschichten mit einer gehörigen Portion Erotik. Ihr Erstlingswerk „Club der Verdammten – Seelenhüter“ erschien im Juni 2010 im Sieben-Verlag. Felsings nächstes Werk wird eine Fortsetzung sein, die Reihe soll voraussichtlich drei Bände umfassen. Nach ihren Angaben sollen weitere Werke im Bereich Paranormal-Romance folgen. (Quelle: pluspedia)
_Fazit_
|Club der Verdammten – Seelenhüter| von Kathy Felsing ist ein erotischer Roman, der seine Zielgruppe zufriedenstellen wird. Ansprechende erotische Szenen werden hier geschickt in einen spannenden Plot eingebaut und die menschlich gebliebenen Vampire sind glaubhaft dargestellt.
Leserinnen der erotischen Fantasy dürften in diesem Roman viel Stoff für Träume finden.
01 „Evermore – Die Unsterblichen“
02 [„Evermore – Der blaue Mond“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6342
03 _“Evermore – Das Schattenland“_
04 „Evermore – Das dunkle Feuer“ (erscheint am 15.11.2010)
05 „Night Star“ (deutsches Erscheinungsdatum unbekannt)
06 „Riley – Das Mädchen im Licht“ (erscheint im Februar 2011)
Band 1: [„Vampyr“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5459]
Band 2: [„Die Jägerin“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5499]
Band 3: „Die Wiedergeburt“
_Edinburgh 1733: Fünf Jahre ist es her,_ dass Catherine Bayne ihren Geliebten Daeron ap Fealan in einen Vampyr verwandelt hat, und die Gewissensbisse, die sie aufgrund dessen hat, plagen sie sehr. Kurz nach der Verwandlung hat Catherine Daeron verlassen, weil sie der Meinung ist, Daeron müsse sie wegen der Verwandlung hassen. Von schweren Schulgefühlen geplagt, forscht sie nach einem Artefakt, von dem es heißt, es könne den Unendlichen vernichten und somit alle seine Kreaturen erlösen.
Die Forschungen bringen sie nach Edinburgh, wo sie ihre Tage in der Bibliothek verbringt, um das Versteck des Artefakts in Erfahrung zu bringen. In letzter Zeit wird sie von Albträumen geplagt, in denen sie Menschen umbringt und diese Jagd sogar in vollen Zügen genießt. Sie verzweifelt fast, da sie keinesfalls den Menschen schaden will. Daher nimmt sie auch sehr unregelmäßig nur kleine Mahlzeiten zu sich, was sie deutlich schwächt.
Seit Catherine ihn verlassen hat, ist Daeron auf der Suche nach ihr. Kurz bevor er sie findet, ist ihre Spur allerdings erkaltet. In Edinburgh endlich spürt er sie auf – gerade rechtzeitig, bevor Vampyrjäger sie töten können. Er bringt Catherine in das von ihm gemietete Haus. Aufgrund ihrer Schuldgefühle schafft Catherine es kaum, Daeron in die Augen zu schauen. Irgendwann gelingt es Daeron, sie davon zu überzeugen, dass er keinesfalls böse auf sie ist, und er erzählt ihr, wie er es schafft, sich lediglich von Tierblut zu ernähren. Glücklich darüber, dass er ihr nichts nachträgt, erzählt Catherine ihm von ihrem Plan, den Unendlichen zu vernichten, um den Fluch zu bannen.
Als Alexandra Boroi im zarten Alter von 13 Jahren ihre komplette Familie bei einem Vampyrüberfall verliert, schwört sie sich, Rache zu nehmen und alle Vampyre zu vernichten. Sie schließt sich den Vampyrjägern Vladimir, Gavril und Mihail an und zusammen jagen und töten sie im Laufe von zehn Jahren einige der bösartigen Kreaturen.
Auch die Vampyrjäger verschlägt es auf der Suche nach dem Unendlichen in das schottische Edinburgh, und bald lernt Alexandra Catherine und Daeron kennen. Die Art der beiden zu leben verwirrt Alexandra und macht sie misstrauisch. Daeron versucht Alexandra davon zu überzeugen, ihm und Catherine bei der Jagd nach dem Artefakt und der Vernichtung des Unendlichen zu helfen.
Werden die drei trotz des mangelnden Vertrauens gegen einen so mächtigen Gegenspieler bestehen, und was genau führt der Zwilling des Unendlichen Lucian im Schilde?
_Kritik_
„Vampyr – Die Jägerin“ ist der zweite Teil der Trilogie um die Vampyre von Brigitte Melzer. Mit einem flüssigen und der Zeit angepassten Schreibstil fesselt die Autorin den Leser an das Geschehen. In einer komplexen Handlung werden gekonnt die einzelnen Schicksale der Protagonisten miteinander verwoben und zum Ende hin entsteht ein logisches Gesamtbild. Aufgeteilt in anfangs drei Erzählstränge verbinden sich diese im Laufe des Geschehens, und auch dadurch wird ein immer neue Höhen findender Spannungsbogen aufgebaut, der in einem schlüssigen Finale endet.
Auch versteht es die Autorin, zarte Romantik in die düstere Geschichte einfließen zu lassen. Diese passt hervorragend zum Plot des Romans und wirkt nicht kitschig. Damit hebt sich dieser Vampyr-Roman von der breiten Masse ab und ist „klassisch“ zu nennen. Detailliert werden die einzelnen Handlungsorte beschrieben und erhalten eine düstere Gesamtstimmung, die in das Edinburgh des 18. Jahrhunderts passt. Brigitte Melzer versteht es, die Umgebung für den Leser greifbar zu machen.
Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive eines Beobachters, wodurch man hier zu jedem Charakter Zugang bekommt. Die Protagonisten sind lebendig und vielschichtig konzipiert und wirken zumeist sympathisch. Eine klare Aufteilung zwischen Gut und Böse lässt zwar wenig Spiel für Rätselhaftes bei den Protagonisten, dies tut der Spannung aber keinen Abbruch. Alexandra, Catherine und Daeron sind klar konzipiert, wirken dabei sehr greifbar, realistisch im Denken und Handeln, und durch einige Schwächen und besondere Stärken zudem facettenreich. Auch die übrigen Charaktere erhalten genug Raum, um sich zu entfalten und eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. In „Vampyr – Die Jägerin“ werden neue Verbindungen geknüpft und die Beziehungen entwickeln sich authentisch weiter.
_Fazit_
„Vampyr – Die Jägerin“ von Brigitte Melzer ist eine würdige Fortsetzung des ersten Bandes „Vampyr“. Die Geschichte um die Vampyre entwickelt sich glaubhaft weiter und der Lesespaß ist für Liebhaber klassischer Vampirromane garantiert. Ein Übriges schafft die düstere Stimmung eines mystischen Landes und die Zeit, in der „Vampyr – Die Jägerin“ spielt.
Für mich ein reizvolles Buch, das sich zu lesen lohnt. Für diesen Band ist es kein Muss, den ersten Teil „Vampyr“ zu kennen, allerdings sollte man auch diesen lesen, da dort die Geschichte von Catherine und Daeron ihren Anfang findet.
_Autorin_
Brigitte Melzer (* 8. August 1971) ist eine deutsche Autorin. Sie schreibt vorrangig Jugendbücher, die dem Fantasy-Genre zuzuordnen sind. Melzer ist Bank-Fachwirtin. Sie lebt und arbeitet zurzeit in München. Sie verwendet die Pseudonyme Morgan Grey für historische Fantasy-Geschichten, die in Schottland spielen, und Kate Logan für Grusel-/Horror-Romane, die in der Jetztzeit in Amerika spielen. (Quelle: Wikipedia)
Im Jahr 2381 steht die Föderation vor einem neuen Krieg mit den Borg, die nicht mehr bestrebt sind, ihre Gegner in das Kollektiv aufzunehmen, sondern sie erbarmungslos vernichten wollen. Die ohnehin überlegene Borg-Technik hat weitere Fortschritte gemacht, sodass die Verteidigung gegen ihre Kampfschiffe einen gewaltigen Blutzoll fordert. An einen Gegenangriff ist überhaupt nicht zu denken.
In dieser Situation erinnert sich Trill-Symbiont Ezri Dax an eine Expedition, die ihn – damals noch im Leib der später im Dominion-Krieg gefallenen Jadzia – auf einen öden, namenlosen Planeten des Gamma-Quadranten geführt hatte. Dort lag das Wrack des Föderations-Raumschiffes Columbia, das vor mehr als zwei Jahrhunderten verschwunden war. Technisch war das alte Schiff außer Stande, diesen Planeten zu erreichen. Ließe sich feststellen, wie die Columbia dorthin kam, hat man womöglich eine Waffe gefunden, mit denen den Borg Paroli geboten werden kann. An Bord des Forschungsschiffes Aventine stößt Ezri erneut zum Wrack vor, um das Logbuch zu bergen. Doch die Besucher wecken dabei eine unsichtbare Macht, die sich an Bord der Aventine schleicht und die Besatzung zu massakrieren beginnt …
Im Alpha-Quadranten kann mit vereinten Föderations-Kräften ein Vorstoß der Borg aufgehalten werden. Die Verluste sind erneut schrecklich, aber die Klingonen und andere Verbündete haben den Ernst der Lage endgültig erfasst. Sie ziehen mit in einen Krieg, in dem Captain Jean-Luc Picard und die Enterprise an vorderster Front stehen werden …
Viele Lichtjahre entfernt stößt das Forschungsschiff Titan unter Captain Will Riker auf eine seltsame, fremddimensionale und offensichtlich künstliche Struktur, die exakt auf die zentralen Welten der Föderations-Völker zielt. Die Raumfahrer fürchten eine Geheimwaffe der Borg und machen sich daran, dem Phänomen auf den Grund zu gehen …
_“Star Trek“ von der Leine_
Neue Besen kehren gut. Dies gilt auch für das „Star-Trek“-Franchise. In den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts sah es noch so aus, als sei die „ST“-Chronik unter dem Gewicht der in vier Jahrzehnten allzu oft erzählten Geschichten zusammengebrochen, aber dann gelang J. J. Abrams mit „Star Trek“, dem elften Kinofilm, ein erfolgreicher Neubeginn, der mit einem Befreiungsschlag einherging: Nach einer Reise in die Vergangenheit entsteht ein neuer Zeitstrang, und ein juveniler Captain Kirk und seine ebenso verjüngte Mannschaft dürfen neue Abenteuer erleben, ohne sich um die besagte Chronik kümmern zu müssen. Picard, Sisko, Janeway & Co. wurden abgekoppelt und auf ein temporales Nebengleis abgeschoben. Zumindest das für die „Star-Trek“-Filme zuständige Segment des Franchises hat kein Interesse mehr an ihnen.
Ist dieser Neubeginn gut? Ist er schlecht? Darüber mögen sich die Hardcore-Trekkies die Köpfe zerbrechen. Es ist jedenfalls geschehen. Zumindest in Buch und Comic gibt es aber reichlich Nachschub an Abenteuern sämtlicher bekannter und beliebter „ST“-Haudegen. Dabei lässt sich feststellen, dass die Grenzen zwischen den Serien aufgehoben sind. Früher mussten sie nach dem Willen des Franchises recht strikt gewahrt bleiben, um den aus Film und Fernsehen bekannten Kanon nicht zu verwirren. Dies ist nun gleichgültig geworden, weshalb die Autoren der neuen Romane die Figuren des alten „Star-Trek“-Universums munter mischen. In „Götter der Nacht“ treten deshalb gemeinsam auf: Jean-Luc Picard (Enterprise-E), Tom Paris (Voyager) und Ezri Dax (Deep Space Nine) – und dies ist nur eine kleine Auswahl!
Auch sonst ist erlaubt, was Leser anlockt und die Verkaufszahlen in die Höhe treibt. Papier ist billig, sodass gewaltige Raumschlachten und der Sprung von Quadrant zu Quadrant und Schauplatz zu Schauplatz bereits Stilmittel der neuen „ST“-Romane geworden sind. Heilige Kühe dürfen geschlachtet werden (auch wenn dieser Vergleich hier etwas doppeldeutig wirkt …), weshalb Cathryn Janeway inzwischen einen Heldentod gestorben ist.
|Das Pferd von Kopf und Schwanz her aufzäumen|
Zumindest für den Leser ist das „Star-Trek“-Universum keineswegs übersichtlicher geworden. Die neuen Abenteuer kommen als Trilogien und Mini-Serien daher, doch die Ereignisse bleiben deutlich enger verzahnt als früher. Doppelungen werden dabei in Kauf genommen. So dürfen wir Picards Seelenqualen in Erinnerung an seine Zeit als Borg-Drohne Locutus sowohl in der neuen „Next-Generation“-Serie als auch im „Destiny“-Dreiteiler mitfühlen. Wie Serien, Mehrteiler und Einzelbände zusammengehören, belegt eine Timeline, die im vorliegenden Roman auf den Seiten 420/21 zu finden ist. Demnach füllen die Ereignisse nur dreier Jahren bereits 16 volumenstarke Bände, und ein Ende ist keinesfalls abzusehen.
Durch stetige Perspektivenwechsel versuchen die Autoren, Dynamik in die Handlung/en zu bringen. David Mack springt in „Götter der Nacht“ zusätzlich in die Zeit zurück. Die Borg sind plötzlich wutschnaubende Mordmaschinen, die Föderation und ihre Verbündeten reiben sich in politischen Querelen auf, Planeten bersten und Dr. Crusher bekommt ein Kind von Picard, während eine Galaxis weiter den Imzadis Riker und Troi genau dies nicht gelingen will.
Große und private Dramen: So war und ist „Star Trek“. Neben das Abenteuer der Zukunft soll gleichberechtigt der Mensch mit seinen Alltagsproblemen treten. Dies ist einer der alten Roddenberry-Zöpfe, die noch nicht abgeschnitten wurden – leider, muss man sagen, denn während Mack sehr spannend erzählt, wenn wirklich etwas geschieht, tritt er seifenschaumig auf der Stelle, wenn sich unsere Helden die Herzen ausschütten oder über Vergangenes reflektieren, was sie gern und seitenlang tun.
|Die Macht der Gewohnheit|
Überhaupt hat sich eines nicht geändert: „Star Trek“ will mehr denn je kontextstark die Probleme der realen Gegenwart vor dem Hintergrund einer spannend gezeichneten Zukunft durchspielen. Die dabei beanspruchte Relevanz bleibt jedoch Behauptung; „Star Trek“ ist Trivial-Science-Fiction, die ungeachtet des Neubeginns ausgetretenen Mustern verhaftet ist. Trennt man die (eher hektisch als kunstvoll) verflochtenen Handlungsstränge voneinander, bieten sie konventionelle „ST“-Kost.
Was dort in Ordnung geht, wo diese Strukturen zuverlässig wirken. So ist ein Monster im isolierten Raumschiff immer unterhaltsam. Auch das kunstvoll hergerichtete Weltraum-Rätsel sorgt für Spannung. Dagegen beginnt sich die Borg-Krise bereits in die Länge zu ziehen. Die Menschmaschinen müssen bereits zum dritten Mal als Nemesis herhalten. Dass sie sich nunmehr als Killer gebärden, macht sie nicht interessanter: Aus den Borg wurde herausgequetscht, was an ihnen ursprünglich faszinierte. Sie sind wie rauflustige Klingonen oder hinterlistige Romulaner zum „ST“-Klischee herabgesunken.
Für die etwas langatmig gestartete „Destiny“-Story ist außerdem die Trilogie-Vorgabe verantwortlich. Mack muss mit seinem Pulver haushalten, denn es hat für zwei weitere 400-Seiter auszureichen. Die vielen Fäden werden sich erst in Band 2 und vor allem 3 allmählich schürzen – und sogleich wieder verwirren, um weitere Fortsetzungen und Parallel-Geschehnisse einzuleiten. Dieses In-die-Breite- statt In-die-Tiefe-gehen ist ein riskantes Spiel mit dem Publikum, das sich mit immer neuen Andeutungen und Rätseln anfüttern lässt – bis ihm womöglich eines Tages der Geduldsfaden reißt, weil der an sich wohlschmeckende Quark allzu breitgetreten wird.
_Autor_
David Alan Mack, geboren in New York City, besuchte ab 1987 die Tisch School of the Arts (auch bekannt als NYU Film School) der University of New York. Nach seinem Abschluss übernahm er die Herausgeberschaft diverser Magazine und schrieb selbst Artikel. Mitte der 1990er Jahre kam er in Kontakt mit John J. Ordover, der für das „Star-Trek“-Fanchise arbeitete. Das Duo schrieb ein Drehbuch („Starship Down“, dt. „Das Wagnis“, Staffel 4, Ep. 79) und lieferte eine Drehbuchvorlage („It’s Only a Papermoom“, dt. „Leben in der Holosuite“, Staffel 7, Ep. 160) zur TV-Serie „Deep Space Nine“. Mack hatte seinen Fuß in der Tür und dehnte seine Aktivitäten für das Franchise aus. Er stellte Datenblätter für die „Star Trek“-Autoren zusammen, kreierte mit Ordover das Comic-Crossover DS9/Next Generation „Divided We Fall“ und arbeitete an „Star Trek“-Computerspielen wie „Starship Creator“, „The Fallen“ und „Dominion Wars“ mit.
Auch für das Marvel-Franchise ist Mack tätig; er schrieb einen Roman zur „Wolverine“-Serie (skriptete aber weder für die „Kabuki“- noch die „Daredevil“-Comic-Reihe – für diese zeichnet der Zeichner David W. Mack verantwortlich, mit dem David A. ständig verwechselt wird). In den 1990er Jahren drehte Mack diverse Kurzfilme. Ab 2000 schrieb er selbst „Star Trek“-Romane und ist inzwischen Vollzeit-Autor. David Mack ist verheiratet; er lebt und arbeitet in New York City. Über seine Arbeit informiert er auf [dieser Website]http://www.infinitydog.com .
Die Trilogie „Star Trek – Destiny“ von David Mack erscheint im Cross Cult Verlag:
(2008) Götter der Nacht |(„Gods of Night“)|
(2008) Gewöhnliche Sterbliche |(„Mere Mortals“)|
(2008) Verlorene Seelen |(„Lost Souls“)|
|Taschenbuch: 421 Seiten
Originaltitel: Star Trek – Destiny: Gods of Night (New York : Pocket Books 2008)
Übersetzung: Stephanie Pannen
ISBN-13: 978-3-941248-83-0|
[www.cross-cult.de]http://www.cross-cult.de
[www.startrekromane.de]http://www.startrekromane.de
_“Star Trek“ bei |Buchwurm.info|:_
[„Sternendämmerung“ (Star Trek) 673
[„Sternennacht“ (Star Trek) 688
[„Star Trek Voyager – Das offizielle Logbuch“ 826
[„Star Trek V – Am Rande des Universums“ 1169
[„Jenseits von Star Trek“ 1643
[„40 Jahre STAR TREK – Dies sind die Abenteuer …“ 3025
[„Star Trek Deep Space Nine: Neuer Ärger mit den Tribbles“ 4171
[„Star Trek Voyager: Endspiel 4441
[„Star Trek – Vanguard 1: Der Vorbote“ 4867
[„Star Trek – Titan 1: Eine neue Ära“ 5483
[„Star Trek – Next Generation: Tod im Winter“ 6051
[„Star Trek – Next Generation: Widerstand“ 6141
[„Star Trek – Next Generation: Quintessenz“ 6199
[„Star Trek: Deep Space Nine – Sektion 31 – Der Abgrund“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6378
Meister Hippolit und der Troll Jorge sind alles andere als begeistert: Nachdem sie eben erst ihren wohlverdienten Urlaub angetreten haben, werden sie schon wieder zum nächsten Fall abkommandiert. Diesmal geht es in ein Grenzgebiet des Reiches Sdoom, in dem ein Heerlager auf Verstärkung wartet. Die hier versammelten Teile der Gesamtarmee sind bunt gemischt; dass das nicht ohne Reibereien abgeht, versteht sich von selbst. Aber die systematische Dezimierung, die das orkische Berufsheer gerade erfährt, lässt sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht auf rassische Differenzen zurückführen: Beinahe Nacht für Nacht verschwindet einer der Soldaten, um später mit geöffnetem Brustkorb und fehlendem Herzen aufgefunden zu werden.
Die Angst schleicht durch die Reihen des Heeres, Gerüchte werden laut: Nur ein magisches Wesen kann derart kampfgestählte Krieger reihenweise hinwegraffen. Ob der mysteriöse Orksammler sich erhoben hat? War das nicht eigentlich nur eine Sagengestalt, mit der Orkmütter ihrem ungezogenen Nachwuchs Angst einjagten? Aber was könnte es sonst sein?
Ehe totale Panik im Heerlager ausbrechen und den anstehenden Krieg gefährden kann, reagiert die Regierung in Nophelet und schickt das beste Ermittlerteam des |Instituts für angewandte investigative Thaumaturgie| an den Tatort. Und so landen Hippolit und Jorge in der Steinwüste vor Torrlem, der düsteren Totenstadt des sdoomschen Reiches. Und hier, zwischen zahllosen Leichen und panischen Noch-Lebenden, zwischen Drohung, Lockung und neuen Freunden, entfaltet sich langsam ein Fall von Archaik, Verblendung und totaler Gewissenlosigkeit, der die beiden Ermittler auf eine harte Probe stellt und sie in eine Gefahr bringt, mit der sie beim besten Willen nicht haben rechnen können und auf die sie so nicht vorbereitet waren …
_Kritik_
Das |duo congeniale| der neuen deutschen Fantasy ist zurück. Das ist schon mal schön. Schöner aber ist noch, dass „Der Orksammler“ den „Elbenschlächter“ noch einmal toppt: Während man sich im ersten Band erstmal ein wenig tastend in der neuen Welt voranbewegte, findet man sich in Band Zwei bedeutend schneller zurecht, auch, wenn der Schauplatz ein anderer ist; statt mit der wimmelnden Metropole Nophelet muss man sich hier mit der Friedhofsstadt Torrlem vertraut machen. Das fällt aber leicht: Die Beschreibungen der Wüste von Torr und vor allem der düsteren Totenstadt sind eingängig und beeindruckend bedrückend gelungen, und wie gehabt lassen die beiden Autoren sich keine Chance entgehen, um alltägliche Ekelhaftigkeiten zu schildern. In Verbindung mit der sorgfältig ausgearbeiteten alternativen Realität Sdooms (historisch, geographisch, biologisch, politisch) entsteht dadurch ein facettenreiches Hintergrundbild aus düster-bunten Farben, vor dem die beiden Protagonisten agieren. Das Zusammenspiel des feingeistig-nervösen Hippolit, der immerzu mit den Beeinträchtigungen durch seinen schmächtigen Albinokörper zu kämpfen hat, und des meist gutgelaunten, versoffenen Haudraufs mit dem goldenen Herzen Jorge ist ganz besonders gelungen und bereitet zuverlässig Vergnügen. Dass die beiden als Kollegen quasi eine Symbiose eingehen müssen und sich trotz aller himmelweiter Unterschiede doch zugetan sind, lässt für die nächsten Bände das Beste hoffen.
Mit der noch jungen Reihe der Kriminalfantasy um Hippolit und Jorge vom IAIT haben Lossau und Schumacher sich kein geringeres Ziel gesetzt, als die Möglichkeiten, die ein so regelloses Gebiet wie die Fantasy bietet, tiefer auszuschöpfen, als das bisher geschehen ist. Hinter diesen Punkt auf der To-do-Liste können sie schon mal einen Haken setzen: Die ersten beiden Fälle des Ermittlerduos pusten schon kräftig den Staub aus den Fantasyregalen, brechen starre Traditionen auf und zwingen den Leser, altbekannte „Wirklichkeiten“ (was ja im Bereich der Fantasy eigentlich Quatsch ist, bei Licht betrachtet), aus neuen Blickwinkeln in Augenschein zu nehmen. Und das ist nicht nur eine philosophische Herangehensweise, sondern auch ganz schön interessant und gut gemacht.
_Fazit_
Dem gibt es nur mehr wenig hinzuzufügen. „Der Orksammler“ bekommt einen Doppeldaumen und ihr von mir den Tipp: Lesen, lachen, weiterverfolgen. Es lohnt sich, ehrlich!
_Jens Schumacher & Jens Lossau bei |Buchwurm.info|:_
[„Das Mahnkopff-Prinzip (Magic Edition, Band 4)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1957
[„Der Elbenschlächter“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6361
Diese außerirdische Invasion ist besonders tückisch, weil sie sich einer US-amerikanischen Ur-Tugend – der Gier nach dem schnellen Geld – bedient: Die Aliens kaufen den Planeten Erde und seine Bewohner buchstäblich auf. Als ihnen ein Journalist auf die Spur kommt, reagieren sie ungemütlich … – SF-Großmeister Simak variiert die bekannte Geschichte von der Invasion aus dem All ebenso einfallsreich wie witzig; sympathische Figuren und eine nostalgisch verklärte Handlungs-‚Gegenwart‘ runden diese gewaltarme und trotzdem spannende Geschichte unterhaltsam ab. Clifford D. Simak – Planet zu verkaufen weiterlesen →
Sean Chambers ahnt nicht, welches düstere Geheimnis das Tagebuch seines Großvaters birgt, welches er im Auftrag des World-War-II-Kriegsveteranen Jack Chambers an den hoch dekorierten General Briggs zu übergeben gedenkt. Als er hierbei auf den alternden Rabbi Goldstein trifft, wird ihm erst bewusst, welchen Fehler er begehen hiermit würde – und welche Gräuel sein Großvater seinerzeit miterleben musste.
Jack Chambers führte zum Ende des Zweiten Weltkrieges den Zug der ‚Glücklichen Sieben‘ durch den Hürtgenwald, um dort die Ortschaft Richelskaul als strategisch wichtigen Punkt von den Nazis zu befreien. Als jedoch Captain Murdock im Scharmützel umkommt und seinem Lieutenant einen Davidsstern in die Hand drückt, der offenbar von größerer Bedeutung ist, wendet sich das Blatt für die amerikanischen Besatzer. Chambers ahnt jedoch noch nicht, mit welcher Nazi-Wunderwaffe er und seine sechs Mitstreiter es in den nächsten Stunden zu tun bekommen. Und auch als eine Nachhut das Camp erreicht, die von Chambers‘ verhasstem Ex-Kollege Fallon befehligt wird, kann Jack die anstehende Gefahr noch nicht einschätzen – bis er schließlich leibhaftig von der Mission Eisensarg erfährt, in deren Zuge einige unmenschliche Gestalten die Amerikaner angreifen. Und sich selbst von unendlichen Maschinengewehrsalven nicht auslöschen lassen …
_Persönlicher Eindruck:_
Geschichten um das Thema „World War II“ sind im Fantasy-Bereich in letzter Zeit relativ populär, zumal hier auch immer wieder eine Verbindung zwischen der eigentlichen Brisanz von Holocaust, allgemeinen Kriegsgefechten und der gesellschaftlichen Brutalität sowie den okkultistischen Forschungen des SS-Oberregimes hergestellt wird. Ähnlich verhält es sich auch in Brian Morelands aktuellem Roman „Schattenkrieger“, der das Okkulte zum Leitmotiv einer relativ gewaltsamen, durch und durch fiktiven Story erklärt, dabei aber offenkundig vergisst, dass es nicht nur die bloßen Effekte bestimmter Schlagwörter und Ereignisse sind, die einem Roman zu seiner endgültigen Spannung und Faszination verhelfen.
Im Falle von „Schattenkrieger“ ist der Spannungsaufbau sowie die eigentliche Struktur nämlich von der Pike auf problematisch. Nach den etwas verwirrenden ersten Kapiteln, die sich mit der Übergabe des Tagebuchs beschäftigen, erlaubt der Autor einen 400-seitigen Rückblick in die Endphase des Zweiten Weltkriegs, die mit vielen Gefechten und kleinen emotionalen Beiträgen, aber eben auch mit allerhand Klischees gefüllt und schließlich in eine ungewollte Selbstpersiflage verwandelt werden. Vor allem die Tatsache, dass Moreland versucht, die Fehde zwischen Chambers und seinem plötzlich auftauchenden Erzfeind Fallon immer wieder aufzuwärmen, ist irgendwann so ermüdend, dass man gar nicht mehr weiß, warum man dem Autor hier überhaupt noch folgt. Aber auch die klischeehaften Charakteristika seiner Protagonisten sind irgendwann ausgereizt. Der König von Vegas und seine Pokerkarten, der junge Krieger mit seinem Baseball, der nächste Soldat mit seinem Comic-Tick; es ist sicher nett, die amerikanische Kultur hier irgendwie einzubauen. Aber bei einem Titel wie „Schattenkrieger“ erwartet man mit Berechtigung etwas mehr als literarisches Bubblegum-Kino mit effektschürender Nazi-Thematik.
Insofern wird das Ganze unfreiwillig komisch, wenn plötzlich die ersten Golems durchs Bild rennen, die okkulten Hintergründe rückwirkend aufgedeckt werden und Geschichten von Verrat und Hinterlist die Story füllen. Kaum eine Passage wirkt dabei nicht am Reißbrett konstruiert, kaum eine Wendung erscheint natürlich. Vielleicht ist das Lese-Erlebnis daher auch eher mit einem zweitklassigen Horror-Streifen zu vergleichen, zu dem „Schattenkrieger“ womöglich ein prima Drehbuch abgeben würde. Doch das sollte nicht der Anspruch eines solchen Romans sein. Moreland holt weit genug aus, um die zahlreichen Elemente unter einen Hut bekommen zu können und einen schlüssigen Plot zu erstellen. Stattdessen bevorzugt er aber holpriges Stückwerk, dessen einziger Spannungsfaktor darin besteht, die oftmals unglaublich lahmen Ideen in den Vordergrund zu stellen. Doch selbst das ist auf Dauer (selbstredend) ermüdend und macht „Schattenkrieger“ zu einem der schwächsten Beiträge des ansonsten so qualitätsbewussten Otherworld-Verlags.
|Hardcover: 461 Seiten
Originaltitel: Shadows in the Mist
ISBN-13: 978-3800095179|
[http://www.otherworld-verlag.com]http://www.otherworld-verlag.com
Band 1: _“Der Erbe der Krone“_
Band 2: [„Das Heer der Toten“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6591
_Einfallsreich: Action-Fantasy aus England_
Elfling ist von unmenschlicher Schönheit und zieht alle in seinen Bann, denn seine Mutter war eine Elfenfrau. Doch er ist auch der Sohn eines englischen Königs, und jetzt hat Elflings sterbender Vater ihn zu seinem Erben bestimmt. Doch Elfling hat Brüder, die als legitime Kinder des Königs bei Hofe aufgewachsen sind. Kein dreckiges Elfenbalg wird sie ihres Geburtsrechtes berauben! Sie glauben, mit ihm leichtes Spiel zu haben, doch er hat eine Verbündete, eine Kriegsmaid aus der Schar von Wodens Walküren. Und mit ihr ist er bereit, sein Recht einzufordern. (abgewandelte Verlagsinfo)
_Die Autorin_
Susan Price hat in Großbritannien 50 Bücher, meist für jüngere Leser, veröffentlicht. Sie wurde v. a. bekannt durch ihren Roman „Die Starckarm-Saga“, der den renommierten Guardian Children’s Fiction Award erhielt und für die Carnegie Medal nominiert wurde.
_Handlung_
Der im Sterben liegende König Eadmund bestimmt auf mit seinem letzten Atemzug seinen unehelichen Sohn Elfling zum Nachfolger. Nicht nur sein Bruder Athelric ist erstaunt, sondern noch viel mehr seine drei ehelichen Söhne Unwin, Hunting und Wulfweard. Der christliche Mönch Vater Fillan fürchtet, dass der christliche Glaube, zu dem er die tote Königin und ihre drei Söhne bekehrt hat, unter einem Elfenherrscher dem Untergang geweiht ist. Und noch unheilvoller scheint ihm, dass sich die Könige dieses Reiches als Söhne Wodens, des obersten nordischen Gottes, betrachten – Heiden!
Während Athelric, nunmehr der Vornehmste unter den 1200 Adligen des Angelsachsen-Reiches, dem Ältestenrat die Verfügung des gestorbenen Königs mitteilt, schmieden Eadmunds Söhne ein Komplott gegen diesen unliebsamen Konkurrenten. Gezeugt mit einer dahergelaufenen Elfenfrau, pah, so ein DING! Niemals darf es den Thron besteigen. Als Ersten bestimmt Unwin, der hünenhafte Älteste, Hunting dazu, Elfling den Garaus zu machen. Man sagt, der Bastard lebe als Heiler in Hornsdale.
|Hornsdale|
Elfling wird nicht ohne Grund als Heiler betrachtet und von vielen Menschen aus nah und fern auf seinem bescheidenen Bauernhof besucht. So auch heute. Die leibeigene Magd Ebba, die in Elfling verknallt ist und mit ihm ab und zu das Lager teilt, beobachtet, wie ein vornehmer Kaufmann aus dem dänischen Danelaw anreist, um seine angeblich unfruchtbarer Frau heilen zu lassen. Die Hausverwalterin Hild stößt ihm schnell Bescheid, dass ihr Herr auf den Feldern arbeite.
Das Warten im Dreck und unter den Flöhen des Hofes zerrt schwer an Kaufmann Morac Sweynssens Nerven, und deshalb ist er ungehalten, als der Herr des Hauses endlich eintrifft. Als Reaktion wirft Elfling sämtliche Kissen und Decken Moracs um ein Haar ins Feuer. Nur Hild gelingt es, die Wogen zu glätten, sodass Morac klein beigibt. Am nächsten Morgen umarmt der Hausherr Moracs Gattin und verkündet, sie sei ihrem Gatten stets treu gewesen. Will heißen: nicht sie ist schuld, dass der Kindersegen ausblieb, sondern ihr Gatte! Der wutentbrannte Kaufmann wird jedoch von Elflings magischem Blick in die Schranken gewiesen. Der Elfling beschließt, auf die Jagd zu gehen. Morac ist er ein Rätsel.
Ebbas hört weitere Reiter ankommen: Bewaffnete eines hohen Fürsten, den wertvollen Rüstungen nach zu urteilen. Doch als ihr Anführer, kein anderer als Hunting, den Hausherrn nicht vorfindet, lässt er vorsichtshalber alle Augenzeugen niedermetzeln. Nur Ebba entgeht dem Massaker durch eine List. Dann legt sich Hunting auf die Lauer.
|Die Walküre|
Elfling hat die Nacht im Freien verbracht. Ein unnennbarer Schmerz am vorigen Tag hat ihm gesagt, dass etwas sehr Schlimmes passiert sein muss. Geht es ihn etwas an, fragt er sich. Möglicherweise, aber andererseits sind die Menschen nicht so wie er. Als er die Gestalt in Rüstung und Umhang neben sich erblickt, als er erwacht, glaubt er zunächst, einen Soldaten vor sich zu haben. Doch sie ist eine Frau. Ein sechster Sinn sagt ihm, dass sie ein höheres Wesen ist und behandelt sie mit größter Ehrerbietung.
Daran tut er gut, denn es handelt sich um eine Walküre, ein Schildmaid Wodens, die in der Schlacht die Gefallenen zur Halle ihres Herrn bringt. Aber wie Elfling herausfindet, ist die Walküre noch wesentlich mehr: Sie entfacht die Schlacht selbst! Und deshalb führt sie ihren Schützling zu seinem Bauernhof zurück und zeigt ihm, was vorgefallen ist. Will er sich nicht an seinem Bruder rächen? Und ob!
Schon bald stößt die Walküre auf dem Dach seines Haupthauses einen markerschütternden Schrei aus, der selbst Tote geweckt hätte. Die aufgescheuchten Krieger Huntings rennen in ihr Verderben, als Elfling sie mit Pfeilen niederstreckt. Doch wie soll er gegen den schwerbewaffneten Königssohn wehren, ohne Rüstung und ohne Schwert und Schild? Auch dafür hat die Walküre bereits einen Plan parat …
_Mein Eindruck_
Ich habe das Buch in nur wenigen Stunden gelesen, denn die Autorin (die mir bis dato unbekannt war) wartet mit einigen kuriosen Einfällen auf. Dass der Erbe der Krone im Abseits, also quasi im Exil, lebt, kennen wir ja schon von Aragorn hr. Aber dass er so mir nichts, dir nichts Hilfe von einer echten Walküre bekommt, wäre mir neu. Walküren tauchen nämlich üblicherweise erst während der Schlacht auf, nicht davor.
|Die Walküre|
Daher hat Jarnseaxa, die Walküre Eisenschwert, eher die Funktion, die in der griechischen Antike einer Göttin zukamen. Als da wären: Den Helden zu beschützen, zu erziehen, auszubilden und, sofern er alle gestellten Aufgaben besteht (und überlebt), zu lieben. Außerdem verhilft sie ihm zu einer Geheimwaffe, dem ehernen Schwert „Wodens Versprechen“, das leider, wie der Gott selbst, verräterische Eigenschaften aufweist: Einmal gezogen, muss es Blut trinken, und wenn es das seines Trägers wäre. Diese Waffe erinnert stark an Elrics schwarzes Schwert Sturmbringer, das Seelen trinkt.
All dies geschieht im Mittelteil des Buches und macht diesen recht kurzweilig, denn die Walküre ist wahrhaftig unberechenbar – eine starke Frauenfigur, wie man sie in amerikanischer Fantasy, die bei uns überwiegt, leider nur selten findet. Zum Glück ist die Autorin Engländerin und kennt sich mit ihren nordischen und altenglischen Quellen offenbar bestens aus.
|Seelenwanderung|
Ein weiteres interessantes Element ist die Seelenwanderung in die Anderswelt. Bekanntlich betrachteten die nordischen Völker – und somit offenbar auch die Sachsen und Dänen im Buch – die Welt der Menschen als die Mittelerde. Daneben gab es noch acht weitere Welten, so etwa die der Götter (Asen), Risen und natürlich die Unterwelt von Hel. Sie werden im Anhang zu Joanne Harris‘ Roman „Feuervolk / Der leuchtende Stein“ genau beschrieben.
Wie auch immer: Es gibt Mittel und Wege, dass ein sterblicher Mensch dorthin gelangen kann. Zumindest mit seiner Seele. Dieses Wagnis unternimmt Wilfweard, der jüngste der drei Königsöhne, denn aus Ebbas Bericht über das Massaker auf Elflings Bauernhof weiß inzwischen das gesamte Königreich von den mysteriösen und blutigen Vorgängen dort. Und dass sie den Prinzen die Rache Elflings androht, macht Ebbas Schicksal nicht unbedingt leichter.
Bevor es also dazu kommt, macht sich Wulfweard auf den Weg. Die Priesterinnen Eostras singen die Runenlieder, die seine Seele entbinden und auf den Weg schicken. In der Anderswelt tritt er dann tatsächlich Elfling gegenüber, doch gegen dessen verzaubertes Schwert hat er eigentlich keine Chance. Oder doch? Der Kampfverlauf ist voller überraschender Wendungen, denn Elfling will seinen Bruder gar nicht töten. Er will einen Bruder, keinen Feind.
|Der Schreiende Stein|
Ein weiteres originelles Element ist der Schreiende Stein. Dieser Fels mit der Mulde in Form eines Fußes dient dazu, den wahren König auf mystische Weise zu prüfen. Die Götter müssen ihren Segen dazugeben, den erwählten König auf den Thron zu heben. Einen solchen Stein gibt es in Schottland, den Stone of Scone. Er zählt zu den schottischen Nationalheiligtümern und in den alten Sagen und Legenden zu den Artefakten der Götter (neben Schwertern, Speeren, Kesseln usw.).
Natürlich ist genau der Moment, wenn der gewählte König Athelric seinen Fuß auf den Stein setzt, von entscheidender Bedeutung. Und deshalb erscheint genau in diesem Moment auch der Widersacher, der ihm den Thron streitig macht: Aber ist Elfling wirklich der wahre König, fragen sich Adlige und versammeltes Volk? Oder ist er nicht vielmehr der Teufel in Person, wie Unwin und seine Christen glauben? Der folgende Handlungsverlauf soll es erweisen. Mehr darf nicht verraten werden.
_Übersetzung _
Auf Seite 141 heißt es: „eine Schar kräftiger Mann“. Es müsste entweder „Mannen“ oder Männer“ heißen. Ich würde Letzteres vorziehen, denn „Mannen“ sagt man nur noch ironisch. Ansonsten finden sich hier und da vereinzelte Druckfehler, aber nur sehr wenige.
_Unterm Strich_
Ich habe das Buch in nur wenigen Stunden gelesen. Es enthält originelle Elemente, unterhält den männlichen Leser durch Spannung und Action, die Leserin aber durch faszinierende Frauenfiguren, so etwa die Walküre und die junge Prophetin Ebba. Das Alltagsleben der Menschen ist detailliert eingefangen, sodass wir uns in die Szenen direkt hineinversetzen können.
Die hier geschilderten politischen Verhältnisse unter den Sachsen Mittelenglands stimmen mit den überlieferten Chroniken überein, die ein England nach dem fünften Jahrhundert und vor dem neunten Jahrhundert beschreiben, das von Sachsen und Dänen besiedelt worden ist. Deshalb ist es ein wenig kurios, wenn der Verlag ausgerechnet Ornamente der von den Sachsen verdrängten Kelten verwendet.
|Schwächen und Anforderungen|
Zwar werden die meisten Frauenfiguren gut charakterisiert, nicht jedoch alle Männer. Zwar kann man sich den Helden Elfling und seinen Widersacher Unwin gut vorstellen, aber Hunting und Wulfweard sind praktisch unbeschriebene Blätter, ebenso ihr Onkel Athelric. Dieses Defizit wird hoffentlich im Folgeband ausgeglichen, wenn Unwin und Elfling aufeinandertreffen.
Der Leser bekommt die nordische Mythologie kommentarlos vorgesetzt, das heißt, sie wird bereits als bekannt vorausgesetzt. Ständig werden die sächsischen Hauptgötter Woden (Obergott), Eostra (Fruchtbarkeitsgöttin, daher Oster-Fest), Thunor (Thor, Donar) sowie Ing (= Baldur) angerufen und erwähnt. Dass es kein Glossar dafür gibt, macht aber nichts. Denn es kommt nur darauf an, welche Eigenschaften die Menschen diesen Gottheiten zuweisen. Und daraus ergibt sich deren Charakteristik und Funktion.
Woden beispielsweise ist nicht zu trauen: Er ist ein einäugiger Verräter, der Krieger begünstigt und sie mit seinen Geschenken, wie etwa Zauberschwertern, verrät, um sie zu sich zu holen. (Woden ist bis heute im Wort „Wednes-day“ verewigt. Und „Thurs-day“ ist Thors Tag. Tues-day ist Tius Tag. Fri-Day ist der Tag von Freyr oder Freya.)
Aufgrund dieser Anforderungen und des hohen Gewaltgehalts würde ich das Buch ab 14 Jahren empfehlen.
|Taschenbuch: 224 Seiten
Originaltitel: Elfgift (1995)
Aus dem Englischen von Edda Petri
ISBN-13: 978-3404206247|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de
Band 1: [„Der Erbe der Krone“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6590
Band 2: _“Das Heer der Toten“_
_Wg. „Blutadler“: Craig Russell, mach Platz!_
Elfling ist von unmenschlicher Schönheit und zieht alle in seinen Bann, denn seine Mutter war eine Elfenfrau. Doch er ist auch der Sohn eines englischen Königs, und jetzt hat Elflings sterbender Vater ihn zu seinem Erben bestimmt. Doch Elfling hat Brüder, die als legitime Kinder des Königs bei Hofe aufgewachsen sind. Kein dreckiges Elfenbalg wird sie ihres Geburtsrechtes berauben! Sie glauben, mit ihm leichtes Spiel zu haben, doch er hat eine Verbündete, eine Kriegsmaid aus der Schar von Wodens Walküren.
In Band 1 hat Elfling die Krone errungen, doch der wichtigste Widersacher ist entkommen; Unwin, der älteste der legitimen Söhne von König Eamund. Nun hebt dieser im Schutz der christlichen Kirche unter Waliser, Sachsen und Dänen ein Heer aus, um sein Erbe zurückzuerobern. Er hat der Teufelsbrut Elfling einen grausamen Tod geschworen. Und er ist sogar bereit, den heiligen Frieden des Julfestes zu brechen, um seinen Schwur zu erfüllen … (abgewandelte Verlagsinfo)
_Die Autorin_
Susan Price, hat in Großbritannien 50 Bücher, meist für jüngere Leser, veröffentlicht. Sie wurde v.a. bekannt durch ihren Roman „Die Starckarm-Saga“ (The Sterckarm Handshake, 1998), der den renommierten Guardian Children’s Fiction Award erhielt und für die Carnegie Medal nominiert wurde. Mit „The Ghost Drum“ errang sie dann die begehrte Carnegie Medal. Sie lebt in den westlichen Midlands.
Elfling, der uneheliche Sohn von König Eamund, hat nach dessen Tod trotz allen Widerstands die Krone gewonnen – die Krone eines Elfengeborenen. Eine Walküre hat ihm erheblich dabei geholfen, den Widerstand der drei legitimen Königssöhne Unwin, Hunting und Wulfweard zu überwinden. Dabei tötete er Hunting, bekehrte Wulfweard und vertrieb Unwin ins dänische Exil.
Doch um das Leben des schwer verwundeten Wulfweard jat Elfling ein folgenreiches Opfer gebracht: Er hat seinem Liebes- und Kampfbund mit der Walküre entsagt und sich in die Hände Wodens, des Obergottes gegeben. Denn Woden hat bereits die Seele Wulfweards für sich beansprucht. Als Elfling auf Unwins Anwesen eintrifft und es für sich beansprucht, kann Wulfweard hier genesen. Die Hausherrin und Unwins Ehefrau, die Königstochter Kendidra, pflegt den Prinzen zusammen mit Elfling gesund. Sie ist erstaunt, dass der neue König sie und ihre Kinder am Leben lässt. Und er scheint wirklich nicht der Unmensch oder Teufel zu sein, als den ihn ihr Mann hingestellt hat. Nur ihr Sohn Godwin lehnt die „Elfenbrut“ von vornherein ab. Er wünscht sich seinen Vater zurück.
|Unwin Eamundssohn|
Und Woden, der nichts anbrennen lässt, kümmert sich bereits um Unwins Rückkehr. Schließlich hat Woden Aussicht auf viele Seelen von Kriegern, die er nach Walhalla rufen kann. In der Gestalt eines einäugigen Harfners begibt er sich an König Loverns nordsächsischen und vor allem christlichen Thron. Hier wartet Unwin auf seine Gelegenheit.
Sie scheint endlich gekommen zu sein, als der dänische Jarl Ingvald, der Bruder der dänischen Geisel Ingvi, überlegt, ob sich in diesem Land Beute machen ließe. Ingvald ist jedoch extrem vorsichtig, auch in seinen Tributzahlungen an Lovern. Doch kaum hat Woden seine Harfe erklingen lassen und sein Lied gesungen, als alle Herzen wie betäubt zur Schlacht streben. Und König Lovern, so scheint es, gibt frohgemut seinen Segen zum Kriegszug Unwins. Hinterher wundert sich der König allerdings, ob er all dies selbst gesagt hat …
|Die Insel|
Unwin brandschatzt und verwüstet Elflings Land, bis er nach Kingsborough gelangt, eine Stadt, die dem König selbst Pacht zahlt – daher ihr Name. Auch hier massakriert er sämtliche Männer und plündert die Vorräte. Es ist hier, wo Elflings Angebot eines Waffenstillstands ihn erreicht. Auf einer Flussinsel handeln Unwin, die Dänen und Elflings Sachsen die Bedingungen des Waffenstillstands aus, den Elflings unbedingt braucht, damit seine Männer die Ernte einbringen können. Tun sie dies nicht, droht eine Hungersnot. Er lässt sich neben der Geldforderung auf eine ungewöhnliche Bedingung Unwins ein: Dass er am Julfest in Julburg am Grab seiner Mutter Ealdfrith, einer Heiligen, beten darf. Elfling willigt ein. Der Harfner sieht es zusammen mit seiner Begleiterin, der wahnsinnigen Ebba, mit Genugtuung.
|Das Julfest|
Invi und Ingvald erkennen mit Entsetzen, dass Unwin ein für sie bislang unvorstellbares Verbrechen begehen will: den heiligen Frieden des Julfestes durch Waffengewalt zu brechen und den König zu ermorden. Er fühlt sich nicht an die Schwüre, die er einem Heiden gegenüber geleistet hat, nicht gebunden. Doch die beiden Dänen haben Unwin den Treueid geleistet und müssen nun mitmachen, ob sie wollen oder nicht.
Der Harfner Woden und Ebba, die wahnsinnige Prophetin, haben mitgeholfen, dass sich die Tore der Halle, in der Kendridas Leute das Julfest feiern wollen, unter dem Ansturm von Unwins Kriegerns öffnen. Woden hat Elflings Wachen in den Schlaf gesungen. Nun hofft er auf reiche Beute unter den Kriegern der nichtsahnenden Sachsen. Die Bluternte ist mehr als reichlich. Doch wo ist der König?
|Das Gräberfeld|
Es ist eine klirrend kalte Dezembernacht, als sich Elfling und Wulfweard, sein Bruder, der wie sein Zwilling aussieht, auf dem Gräberfeld hinter Unwins Brug einfinden. Sie entkleiden sich, um die ehrenvollen Toten zu ehren, wie es zu Jul bei den Sachsen Brauch ist. Nackt tanzen sie den Schwerterkampf, damit ihr Blut die Toten nähre.
Doch diesmal ist alles anders. Das gaffende Volk wird unversehens von hinten angegriffen und niedergemacht. Selbst vor dem Onkel des Königs macht Unwins Hass keinen Halt. Am Schluss stehen Elfling und Wulfweard, zwei nackte Männer, gegen einen ganzen Trupp Krieger. Was können sie schon ausrichten? Und doch wagt es Unwin nicht, sie selbst anzugreifen, wie die beiden Dänen verächtlich bemerken. Unwin hat geschworen, Elfling durch den Blutadler sterben zu lassen, doch selbst Hand anzulegen, dafür ist er sich zu fein. Auch hier muss Woden mit seiner Zauberharfe auftreten und Elfling mit den Runen der Macht bezwingen.
So kommt es, dass die beiden letzten Überlebenden des Gräberfeldes lebend gefangengenommen werden. Doch dies ist noch längst nicht das Ende vom Lied …
_Mein Eindruck_
Dieser Roman ist völlig anders aufgebaut als sein Vorgänger. Wo dort eine episodische Darstellung vorherrscht, bei der der Blickwinkel hin und her springt sowie zwischen den Episoden erhebliche Zeitunterschiede sichtbar werden, gibt es hier eine homogene Entwicklung. Das führt zu zwei Wirkungen: Die Katastrophe entfaltet eine viel stärkere Wucht, aber wir müssen lange darauf warten und geduldig sein.
|Frauenperspektive|
Wie zuvor sehen wir das Geschehen häufig aus der Perspektive von Frauen. Die „verrückte“ Prophetin Ebba, die Elfling liebend verehrt und daran verzweifelt, tritt auch hier wieder auf und begleitet den Gott Woden, der als Harfner auftritt, bei dessen magischem Treiben. Die Gegenfigur ist Unwins Frau Kendrida, die sich nach dem Verlust ihres geflohenen Mannes um Leib und Leben nicht nur ihrer selbst, sondern vor allem ihrer Kinder sorgt. Wir folgen ihrem Schicksal durch die ganze Geschichte hindurch, und es ist wahrlich kein leichtes Schicksal, das Woden und Unwin für sie vorgesehen haben. Unwin will alles Heidnische mit Stumpf und Stiel ausrotten. Weil Kendrida am Glauben ihrer Ahnen festhält, schwebt sie in Gefahr.
|Hauptfiguren|
Neben diesen langsamen Entwicklungen ist es unerlässlich, die Wandlungen der Hauptfiguren zu verstehen. Elfling hat seiner Walküre entsagt und sich in die Hand Wodens gegeben, um auf diese Weise Wulfweards Seele vor Walhalla retten zu können. Wulfweards Körper, durch Elflings Heilkunst am Leben gehalten, genest mit Hilfe der wiedergewonnenen Seele. Wir müssen verstehen, warum Elfling so viel für einen Bruder riskiert, den er nie zuvor gesehen hat: Er will einen Seelengefährten, der ihm in der Not beisteht. Dieser Wunsch setzt aber auch das sagenhafte Bild der Zwillingsbrüder Wodens um, die einander schützen. In der Stunde der Not zeigt sich, dass Elfling völlig im Recht ist.
Dieser Roman hält am heiligen Julfest Szenen größten Frevels ebenso wie größter Brutalität bereit. Das Massaker an den Bewohnern Julburgs ist schon schlimm genug, aber dann muss Elfling auch noch den Tod durch den Blutadler erleiden. Beim Blutadler werden die Rippen gebrochen und die Lungen auf den Rücken gezerrt, als wären sie Flügel. Das Opfer stirbt qualvoll. Elfling widerfährt dieses Schicksal, und er sieht dabei aus wie Woden selbst, der neun Tage an der Weltenesche hing.
Doch dann folgt wie bei Woden auch Elflings Wiederauferstehung. Wodens göttliche Magie beherrscht nämlich nicht nur das Leben, sondern auch den Tod. Als Elfling an der Spitze eines Heeres der Toten aus dem Gräberfeld und an Wulfweards Seite vor Unwin erscheint, scheint die Welt den Atem anzuhalten …
|Jesus vs. Woden|
Die Parallelen zur christlichen Mythologie vom Opfertods des Gottessohns und seiner Wiederauferstehung sind unübersehbar. Auch Elfling weiß wie Jehoschua von Nazareth, dass die Stunde und Weise seines Todes vorbestimmt ist und es ihm nichts nützt, sich dagegen zu wehren. Der Leser fragt sich unwillkürlich, ob sich Wodens oder Christie „Magie“ als stärker erweisen wird, wenn es darum geht, den Glauben der Sachsen festzulegen. Die Autorin hat sich dafür entschieden, dass Christi Verfechter Unwin nicht nur ein Frevler, sondern ein blutiger Verbrecher ist, der ganz besonders gegen Frauen und Kinder keine Gnade walten lässt – ganz im Gegensatz zu Elfling etwa.
|Todesmagie|
Dem Anhang ist zu entnehmen, dass Wodens Runenmagie, die Elfling wiedererweckt, in der Lieder-Edda zu finden ist. Aber die Erweckugn der Toten, die Wodenssohn Elfling vornimmt, ist Folkmusic-Freunden recht bekannt: Es ist das alte englische Volkslied von John Barleycorn (wie es z. B. die Gruppe TRAFFIC so schön interpretierte). John Barleycorn ist der Gerstenmann, und er wird natürlich zur Gerstensaft, also Alkohol verarbeitet. Als in John Barleycorn ist eine ältere Gottheit verewigt, nämlich Ing, der sächsische Gott der Fruchtbarkeit und der Jahreszeiten. Und an Jul, seinem Feiertag, kehren die Toten zurück – diesmal buchstäblich …
_Die Übersetzung _
Der Übersetzer hat nun gewechselt. War es zuvor Edda Petri, heißt er nun Marco Bülles. Das macht die Sache nicht besser. Bülles hat Probleme mit den alten Vergangenheitsformen von Verben wie „erschallen“. Auf Seite 96 schreibt er deshalb „erschall“ statt „erscholl“ und auf Seite 208 „verborg“ statt „verbarg“.
Auf Seite 130 lässt er ein Wort weg, vermutlich erschien es ihm überflüssig. „Er (…) nur hier, um seinen Vater zu sehen.“ Es ist anzunehmen, dass das fehlende Wort „war“ lautet.
Offensichtlich unbekannte, weil längst in Vergessenheit geratene Ortsbezeichnungen werden nicht erklärt. „Miklagard“ auf Seite 133 etwa war der Wikingername für Konstantinopel. Solche Dinge hätten in die Anmerkungen aufgenommen werden sollen.
_Unterm Strich_
Der Folgeband schließt die Duologie um den Elfling ab. Der Aufbau ist völlig anders als der des ersten Bandes, organischer und harmonischer. Deshalb mag so mancher Actionfreund das langsame Tempo des ersten Drittels bedauern, und so erging es auch mir. Doch die Wende im zweiten Drittel wird sorgfältig vorbereitet und wirkt deshalb sowohl wuchtiger als auch nachhaltiger. Gewalt, Blut und Empörung mischen sich in der Eroberung von Julsburg. Das Finale bildet dann den Ausgleich zu diesem negativen Tiefpunkt im Schicksal der Titelfigur: Der Gerechtigkeit wird mit Hilfe der Götter zum Recht verholfen.
Viele kleine Glanzpunkte machen diesen Roman sogar noch besser als seinen Vorgänger. Allerdings verlangen die metaphysischen Szenen, die uns die Autorin hier präsentiert, eine Offenheit des Geistes, zumal gegenüber der nordischen Mythologie und Religion. Hier ist der Obergott Woden kein Herrscher jenseits der Wolken, sondern ein aktiv Mitwirkender und Lenkender, der nicht nur seinen Schützling erst umbringt, sondern ihn dann auch noch wiederbelebt und zurück in die Welt schickt. Die Parallelen zum Christentum sind unübersehbar, die Botschaft ebenfalls: Wenn ihr schon einen Erlöser finden wollt, dann braucht ihr nicht nach Palästina fahren, um ihn zu suchen – es gab ihn schon lange in Skandinavien und Germanien (denn dort kamen die Sachsen her).
Im finalen Duell zwischen Unwin und Elfling stehen sich auch zwei Religionen gegenüber. Leider schneidet der christliche Vertreter nicht nur nach Punkten viel schlechter ab als sein „heidnischer“ Kontrahent: Unwin verliert wortwörtlich den Kopf. Solche Details wie abgeschlagene Köpfe und der gefürchtete Blutadler – denn wir aus Craig Russells gelichnamigem Thriller kennen – machen die Lektüre erst ab 14 Jahren geeignet.
|Taschenbuch: 304 Seiten
Originaltitel: Elfking (1995)
Aus dem Englischen von Marcel Bülles
ISBN-13: 978-3404206254|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de
SONDERBAND: Jenseits des Jahrtausends: Die Sieben-Siegel-Saga (Gebundene Ausgabe)
Alle zehn Bände sind ursprünglich im |Loewe|-Verlag erschienen, doch die ersten fünf Bände gibt es in einer preiswerten Taschenbuch-Ausgabe im CBT-Verlag von Bertelsmann sowie als Hörbücher.
Mehr von Kai Meyer auf Buchwurm.info:
Interview mit Kai Meyer
„Dschinnland“ (Die Sturmkönige 1, Buchfassung)
„Dschinnland“ (Die Sturmkönige; inszenierte Lesung zu Band 1)
„Wunschkrieg“ (Die Sturmkönige 2, Buchfassung)
„Wunschkrieg“ (Die Stürmkönige; inszenierte Lesung zu Band 2)
„Die Wellenläufer“ (Hörbuch)
„Die Muschelmagier“ (Hörbuch)
„Die Wasserweber“ (Hörbuch)
„Der Brennende Schatten“ (Hörspiel)
„Die Vatikan-Verschwörung“ (Hörspiel)
„Frostfeuer“ (Hörbuch)
„Die Alchimistin“
„Das Haus des Daedalus“
„Der Schattenesser“
„Die Fließende Königin“
„Das Buch von Eden“ (Hörbuch)
„Das Buch von Eden“
„Der Rattenzauber“
„Faustus“
„Seide und Schwert“ (Das Wolkenvolk 1, Hörbuch)
„Lanze und Licht“ (Das Wolkenvolk 2, Hörbuch)
„Drache und Diamant“ (Das Wolkenvolk 3, Hörspiel)
Das Wolkenvolk – Seide und Schwert, Buch 1: „Wisperwind“ (Graphic Novel)
Die Alchimistin – Das Hörspiel:
1) „Der Stein der Weisen“
2) „Das Erbe des Gilgamesch“
3) „Die Katakomben von Wien“
4) „Das Kloster im Kaukasus“
5) „Die Unsterbliche“
6) „Die Schwarze Isis“
7) „Der Schatz der Templer“
8) „Der Alte vom Berge“
_Die vier Level: Showdown mit dem Schulmeister _
Es ist der 31. Oktober. Ganz Giebelstein feiert Halloween. Bis das Licht ausgeht in der alten Schule – und ein unheimlicher Besucher durch die schwarzen Gänge des Gebäudes streift. Er ist auf der Suche nach Schülern. Denn er ist ihr Direktor – auch wenn er seit vielen Jahren tot ist …
Kyra, Lisa, Nils und Chris ahnen nichts Böses, als sie Nils‘ Monstermasken aus der Schule holen wollen. Doch plötzlich verschwindet Lisa vor den Augen der anderen. Und ein schrecklicher Albtraum nimmt seinen Lauf … (abgewandelte Verlagsinfo)
Dieser achte Band der elfbändigen Reihe wird vom Verlag ab zehn bis elf Jahren empfohlen. Die Protagonisten sind aber schon zwölf Jahre alt …
_Der Autor_
Kai Meyer, Jahrgang 1969, studierte Film, Philosophie und Germanistik und arbeitete als Redakteur. Er schrieb schon in jungen Jahren und lieferte u.a. ein paar Jerry-Cotton-Abenteuer. Sein erster großer Erfolg war „Die Geisterseher“, eine historische „Akte X“. Seit 1996 ist er freier Schriftsteller und Drehbuchautor. Bisher sind rund 40 Romane von ihm erschienen.
Selbst Kritiker waren von seinem historischen Mystery-Thriller „Die Alchimistin“ begeistert, später folgten „Die fließende Königin“ und „Göttin der Wüste“. Bei Loewe erschien mit den „Wellenläufern“ ein Jugend-Fantasyzyklus. „Frostfeuer“ aus dem Jahr 2005 ist eigenständiger Jugendroman. Das Buch wurde mit dem internationalen Buchpreis CORINE ausgezeichnet. Er lebt am Rande der Eifel.
|Die vier Freunde:|
1) Kyra Rabenson ist 12 Jahre alt, hat rotes Haar wie ihre Tante Kassandra, bei der sie seit dem Tod ihrer Mutter wohnt, und ist die Tochter des bekannten Wissenschaftlers und Bestsellerautoren Professor Rabenson. Sie ist mutig und sehr neugierig.
2) Lisa Morgenthal ist elf Jahre alt, blond und furchtbar verliebt in Chris. Sie wohnt mit ihren Eltern und ihrem Bruder Nils im größten und unheimlichsten Gebäude Giebelsteins, dem alten Hotel Erkerhof, auch genannt Kerkerhof. Sie ist manchmal zurückhaltend und sensibel.
3) Nils Morgenthal, ein Jahr älter, ist ihr Bruder und wohnt ebenfalls im Kerkerhof. Er besitzt einen makaberen Sinn für Humor, sammelt Monstermasken und erzählt mit Vorliebe blutige Schauergeschichten. Zunächst ist er draufgängerisch, aber das ändert sich im Laufe der Ereignisse.
4) Chris (= Chrysostomus Guldenmund) ist 12 Jahre alt und der Sohn eines Diplomaten, hat in sechs verschiedenen Ländern gelebt und spricht fünf Sprachen: Englisch, Französisch, Spanisch, ein bisschen Italienisch und schlecht Griechisch. Er ist sportlich, immer schwarz gekleidet, isst gerne alles, was ihm in die Finger kommt, wird aber – zum Ärger der Mädchen – nicht dick davon. Er ist sehr selbstbewusst und risikobereit; in Kyra verknallt, mag aber auch Lisa gern.
Alle Jugendlichen verändern sich durch ihre Abenteuer, aber in welcher Hinsicht, soll hier noch nicht verraten werden.
_Handlung_
|PROLOG|
Es ist der 31. Oktober, und nicht nur in Giebelstein selbst, sondern auch an der alten Schlossschule feiert man Halloween auf möglichst gruselige Weise. Es ist schon spät, doch der Schüler Toby hat noch Wachdienst in den Gängen des Altbaus, der schon lange von einem Neubau abgelöst worden ist. Die Mumien und PSYCHO-Duschkabinen sind alle verlassen, draußen im Hof spielt eine Heavy-Metal-Band.
Auf einmal fegt ein Windstoß durch die dunklen Gänge. Toby folgt ihm in das Zimmer, in dem Mrs. Bates, die Mutter des PSYCHO-Schlitzers Norman Bates, in einem Lehnstuhl sitzen soll – eigentlich nur tagsüber, dargestellt von einer grässlich fauchenden Schülerin. Doch jetzt sollte der Stuhl leer sein. Doch darin sitzt ein Mann! Er steht auf und stellt sich als Tobys Direktor vor. Die Tür fällt zu, und er ist eingesperrt. Der Mann behauptet, Toby müsse bestraft werden, weil er einem Mädchen nachgehechelt habe. Der Stock des „Direktors“ saust auf Toby hernieder – und der Junge sieht sich in eine Albtraumwelt versetzt: endlose Reihe von Schulbänken und eine endlose Tafel. „Schreib: Ich bin ein böser Junge“, fordert der Direktor …
|Haupthandlung|
Lisa, Kyra, Nils schauen zu, wie Chris eine beeindruckende Show als Zauberer gibt, und die versammelten Schüler der Schloss-Schule applaudieren ebenfalls begeistert. Lisa holt ihren Schwarm Chris hinter der Bühne ab, dann gehen sie los, um sich um Nils‘ Monstermasken zu kümmern, die noch in der Ausstellung sein müssen. Bei ihrem Gang stoßen sie auf den alten Schulmeister, der schon vor hundert Jahren gestorben sein soll. Er wirkt viel zu lebendig. Und zu allem Überfluss melden sich auch noch ihre magischen Siegel: Er ist definitiv böse!
Auf ihrer Flucht durch den Altbau stoßen sie auf eine Feuertreppe, auf der ein Feuer ihnen entgegenlodert – sehr witzig, finden sie. Es ist nur scheinbar vorhanden. Sie eilen weiter auf der Suche nach einem Ausgang und gelangen in das Hexenhaus, das sehr aufwendig gestaltet ist. Unversehens plumpst Lisa in die Öffnung einer Falltür, und diese schließt sich. Lisa ist gefangen. Sie kann die Rufe der anderen hören, sich aber nicht befreien. Auf einmal sieht sie die gelben Augen des alten Schulmeisters nahen und hört ihn rufen: „Böses Mädchen! Du verdienst Strafe!“ Schon bald endet sie am gleichen Ort wie der bedauernswerte Toby …
Kyra, Nils und Chris suchen weiter im Hexenhaus nach dem Ausgang, als sie auf eine Schülerin stoßen, die sie schon im Hof wegen ihres merkwürdigen Benehmens bemerkt haben. Doch Mara ist die Hüterin aller Zimmerschlüssel und hat somit eine gute Ausrede, sich hier aufzuhalten. Keiner glaubt ihr, denn sie scheint nervös zu sein – und etwas hinter ihrem Rücken zu verbergen. Chris schnappt danach und fördert einen Blumentopf zutage: eine Pflanze.
Aber keine Gewöhnliche, erkennt Kyra, die Tochter einer Hexe. „Es ist eine Alraune!“ Allmählich geht ihr ein Licht auf: Mara hält sich selbst für eine Hexe. Sie erklärt Nils, was es mit der Alraune auf sich hat: Im Mittelalter glaubten die Leute, die Wurzeln von Alraunen könnten lebendig werden und einen Geist aufnehmen, beispielsweise von Gehängten unter dem Galgen. Alles Blödsinn, schon klar. Aber warum trägt dann die Wurzel dieser Alraune ausgerechnet das Gesicht von Kyra?!
_Mein Eindruck_
Das Thema dieses achten Abenteuers ist offensichtlich Halloween, aber auch zwei andere Themen: echte und falsche Hexen sowie natürlich superstrenge Schulleiter.
In der Halloween-Dekoration der Schule bietet es sich geradezu an, dass sie lebendig wird und sich verselbständigt. Das Titelbild deutet es bereits an: Eine Schar von Kürbisköpfen macht sich daran, die beiden Mädchen zu „vernaschen“. Und auch das Ungeheuer aus der schwarzen Lagune setzt unseren Freunden heftig zu, ein Werwolf bricht durch die Mauern – alles recht ungemütlich. Doch welche Kräfte stecken dahinter? Der Schulleiter ist offenbar auch nur eines der Ungeheuer, wenn auch dasjenige, das die meiste Furcht verbreitet.
|Vorsicht, Spoiler!|
Das bringt uns zum Thema der echten und der falschen Hexen. Kyra ist die Tochter einer Hexenjägerin und kennt sich mit Hexenmagie bestens aus. Sie weiß, dass man mit solchen Mächten nicht spaßen darf und dass es leicht mit den bösen Hexen des Arkanums zu tun bekommen kann. Mara hingegen hat von alldem keinen blassen Schimmer, aber mit ihrem Übereifer, eine Hexe werden zu wollen, immensen Schaden angerichtet.
Sie ist auf den Rat einer alten Chronik hereingefallen – geschrieben von der Schwester des gelynchten Schulmeisters – und hat vier Alraunen in verschiedenen Ecken des Schulhauses versteckt. Diese magischen Kraftquellen hat nicht Mara geweckt, sondern Kyra. Daher tragen die Alraunen ja auch ihr Gesicht. Nun geht es darum, diese vier Alraunen zu zerstören. Leichter gesagt als getan, wenn einem die Monster zusetzen!
Wie in einem Jump-and-run-Spiel müssen die dreieinhalb Freunde (inkl. Mara) die vier Alraunen und Kraftquellen beseitigen. Doch das letzte Level ist natürlich das schwierigste. Und wo ist überhaupt Lisa abgeblieben?
|Die Illustrationen|
Wahed Khakdan wurde 1950 in Teheran geboren, verrät die Verlagsinformation am Schluss des Buches. Schon mit zwei Jahren sollen er von Farben und Stiften fasziniert gewesen sein. Nachdem 1984 nach Deutschland gekommen war, betätigte er sich als freiberuflicher Künstler und Illustrator, auch im Kinder- und Jugendbuchbereich.
Seine Professionalität und Erfahrung zeigen sich immer wieder in der Handhabung von Perspektive und „Beleuchtung“, die den schwarzweißen Stiftzeichnungen eine Dynamik und Plastizität verleiht, wie man sonst nur in teueren Comic-Books zu Gesicht bekommt. Pro Kapitel gibt es mindestens eine Zeichnung, sodass das Buch erheblich aufgewertet wird. Die obligatorische doppelte Seite im Innenumschlag wird auch diesmal von einer Ansicht Giebelsteins bestritten.
_Unterm Strich_
Einerseits funktioniert dieses Abenteuer wie schon Folge 6 „Die Nacht der lebenden Scheuchen“, indem nämlich ein Verbrechen, das in der Vergangenheit begangen wurde, in der Gegenwart seine bösen Früchte trägt. Die Träger der Sieben Siegel müssen das wieder zum Leben erwachte Böse erneut in die Finsternis zurückschicken, woher es gerufen wurde. Und zwar durch eine ahnungslose Möchtegernhexe namens Mara.
Damit dies gelingt, sind die Kinder gezwungen, wie in einem alten Spiel vier Level an Gefahren zu bewältigen. Das letzte Level erweist sich natürlich als das schwierigste. Das macht die ganze Sache ja so spannend. Und schließlich müssen sie auch noch die verschwundene Lisa finden. Diese hat sich inzwischen dem ebenfalls entführten Toby angefreundet: In der Not ist man eben zusammen weniger allein.
Insgesamt ist diese Episode unerwartet abwechslungsreich und spannend, mit vielen gruseligen Szenen und einem actionreichen Showdown mit dem Schuldirektor. Und der junge Leser lernt auch gleich, dass es nicht gut ist, sich als Dilettant mit magischen Dingen einzulassen.
SONDERBAND: Jenseits des Jahrtausends: Die Sieben-Siegel-Saga (Gebundene Ausgabe)
Alle zehn Bände sind ursprünglich im |Loewe|-Verlag erschienen, doch die ersten fünf Bände gibt es in einer preiswerten Taschenbuch-Ausgabe im CBT-Verlag von Bertelsmann sowie als Hörbücher.
Mehr von Kai Meyer auf Buchwurm.info:
Interview mit Kai Meyer
„Dschinnland“ (Die Sturmkönige 1, Buchfassung)
„Dschinnland“ (Die Sturmkönige; inszenierte Lesung zu Band 1)
„Wunschkrieg“ (Die Sturmkönige 2, Buchfassung)
„Wunschkrieg“ (Die Stürmkönige; inszenierte Lesung zu Band 2)
„Die Wellenläufer“ (Hörbuch)
„Die Muschelmagier“ (Hörbuch)
„Die Wasserweber“ (Hörbuch)
„Der Brennende Schatten“ (Hörspiel)
„Die Vatikan-Verschwörung“ (Hörspiel)
„Frostfeuer“ (Hörbuch)
„Die Alchimistin“
„Das Haus des Daedalus“
„Der Schattenesser“
„Die Fließende Königin“
„Das Buch von Eden“ (Hörbuch)
„Das Buch von Eden“
„Der Rattenzauber“
„Faustus“
„Seide und Schwert“ (Das Wolkenvolk 1, Hörbuch)
„Lanze und Licht“ (Das Wolkenvolk 2, Hörbuch)
„Drache und Diamant“ (Das Wolkenvolk 3, Hörspiel)
Das Wolkenvolk – Seide und Schwert, Buch 1: „Wisperwind“ (Graphic Novel)
Die Alchimistin – Das Hörspiel:
1) „Der Stein der Weisen“
2) „Das Erbe des Gilgamesch“
3) „Die Katakomben von Wien“
4) „Das Kloster im Kaukasus“
5) „Die Unsterbliche“
6) „Die Schwarze Isis“
7) „Der Schatz der Templer“
8) „Der Alte vom Berge“
_Mit der Hexe in die Anderswelt: Showdown im Feenreich_
Sie sind betörend schön. Und sie sind Geschöpfe des Bösen. Die Nymphen, die im Schatten der uralten Grabsteine Gestalt annehmen, kennen kein Erbarmen: Sie werden Kyra in die Anderswelt entführen, zu Morgana, der schwarzen Königin des Feenreiches. Doch an Kyras Seite kämpft eine Frau, die der Siegelträgerin wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Ihr Name ist Dea, und sie ist eine Hexe … (Verlagsinfo)
Dieser neunte Band der elfbändigen Reihe wird vom Verlag ab zehn bis elf Jahren empfohlen. Die Protagonisten sind aber schon zwölf Jahre alt …
_Der Autor_
Kai Meyer, Jahrgang 1969, studierte Film, Philosophie und Germanistik und arbeitete als Redakteur. Er schrieb schon in jungen Jahren und lieferte u.a. ein paar Jerry-Cotton-Abenteuer. Sein erster großer Erfolg war „Die Geisterseher“, eine historische „Akte X“. Seit 1996 ist er freier Schriftsteller und Drehbuchautor. Bisher sind rund 40 Romane von ihm erschienen.
Selbst Kritiker waren von seinem historischen Mystery-Thriller „Die Alchimistin“ begeistert, später folgten „Die fließende Königin“ und „Göttin der Wüste“. Bei Loewe erschien mit den „Wellenläufern“ ein Jugend-Fantasyzyklus. „Frostfeuer“ aus dem Jahr 2005 ist eigenständiger Jugendroman. Das Buch wurde mit dem internationalen Buchpreis CORINE ausgezeichnet. Er lebt am Rande der Eifel.
|Die vier Freunde:|
1) Kyra Rabenson ist 12 Jahre alt, hat rotes Haar wie ihre Tante Kassandra, bei der sie seit dem Tod ihrer Mutter wohnt, und ist die Tochter des bekannten Wissenschaftlers und Bestsellerautoren Professor Rabenson. Sie ist mutig und sehr neugierig.
2) Lisa Morgenthal ist elf Jahre alt, blond und furchtbar verliebt in Chris. Sie wohnt mit ihren Eltern und ihrem Bruder Nils im größten und unheimlichsten Gebäude Giebelsteins, dem alten Hotel Erkerhof, auch genannt Kerkerhof. Sie ist manchmal zurückhaltend und sensibel.
3) Nils Morgenthal, ein Jahr älter, ist ihr Bruder und wohnt ebenfalls im Kerkerhof. Er besitzt einen makaberen Sinn für Humor, sammelt Monstermasken und erzählt mit Vorliebe blutige Schauergeschichten. Zunächst ist er draufgängerisch, aber das ändert sich im Laufe der Ereignisse.
4) Chris (= Chrysostomus Guldenmund) ist 12 Jahre alt und der Sohn eines Diplomaten, hat in sechs verschiedenen Ländern gelebt und spricht fünf Sprachen: Englisch, Französisch, Spanisch, ein bisschen Italienisch und schlecht Griechisch. Er ist sportlich, immer schwarz gekleidet, isst gerne alles, was ihm in die Finger kommt, wird aber – zum Ärger der Mädchen – nicht dick davon. Er ist sehr selbstbewusst und risikobereit; in Kyra verknallt, mag aber auch Lisa gern.
Alle Jugendlichen verändern sich durch ihre Abenteuer, aber in welcher Hinsicht, soll hier noch nicht verraten werden.
_Handlung_
Kyra will eigentlich bloß ihren Vater, Prof. Rabenson, besuchen, aber dann erlebt sie doch wesentlich mehr. Er ist an einer Ausgrabung im englischen Tintagel beteiligt, in Cornwall an der Küste Südwestenglands. Hier sollen der Sage nach König Artus und seine böse Schwester Morgana geboren worden sein. Zusammen zeugten sie Mordred, der seinen Vater tötete. Kyra merkt gleich, dass hier Artusland ist: Der ganze Ort ist für Touristen eingerichtet.
Leider hat Daddy gerade keine Zeit, und so folgt Kyra einem Tip seines Assistenten Derek, mal das Hexenmuseum in Boscastle zu besuchen. Dort hat sie eine bemerkenswerte Begegnung. Eine rothaarige Frau erzählt ihr, sie sei etwas Besonderes und erklärt, dass die keltische Anderswelt, von der sie hier ein bemerkenswertes Beispiel gefunden hat, überall um sie herum sei – keineswegs das Jenseits der Christen, sondern eine Parallelwelt, in die man, wie weiland Artus von den neun Feen Morganas, leicht entführt werden könne. Kyra solle auf sich achtgeben.
Die Kassiererin hat die rothaarige Besucherin nicht bemerkt. Merkwürdig. Obwohl es bereits spät, will es Kyra erneut bei Daddy versuchen: Sie will unbedingt herausfinden, was mit ihrer Mutter, der Hexenjägerin, passiert ist. Denn allmählich machen sich in Kyra die gleichen Kräfte bemerkbar. Doch auch diesmal wird Kyra abgewiesen. Auf dem Rückweg ist es dunkel und sie verirrt sich. Auf dem Friedhof sieht sie sich plötzlich umringt von nebelhaften Geistern: Nymphen, wie es scheint. Doch Kyras Siegel brennen: Gefahr!
Kyras Flucht scheitert an einem Bach, und die Nymphen tragen sie durch die Luft zu einem kleinen See im Bodmin-Moor. Dort soll sie offenbar Morgana geopfert werden. Allerdings kommt Kyra eine mächtige Kämpferin zu Hilfe: die rothaarige Hexe aus dem Hexenmuseum. Doch kann dies die schwarze Königin der Feen wirklich aufhalten?
Unterdessen versuchen Kyras drei Freunde zu ihr zu gelangen. Doch der Zug wird auf offener Strecke gestoppt: von Dämonenhunden, die aus keltischen Sagen stammen, wie Nils weiß. Und sie sind viel zu bissig, als dass man sie aus dem Weg scheuchen könnte …
_Mein Eindruck_
Diese Episode in der Reihe präsentiert einen vorläufigen Höhepunkt in Kyras Leben. Endlich begegnet sie jener legendären Frau, die sie bislang nur als Jägerin von abtrünnigen Hexen und von Dämonen kennengelernt hat – ihre Mutter. Sie nennt sich Dea und lebt eigentlich in der Anderswelt. Dadurch verletzt sie nicht das Prinzip des Gleichgewichts, das die Megie kontrolliert: sie selbst in der Anderswelt, aber ihre Tochter in der Realwelt. Folglich sind auch ihre Besuche bei Kyra in Tintagel stets recht kurz. Dennoch ist Kyra sehr glücklich, sie gefunden zu haben.
Doch Dea hat in Morgana eine Gegnerin, die angsteinflößend ist. Die Gebieterin über Nymphen, Trolle und anderes Gesocks wird von Dea bereits seit einem Jahrtausend bekämpft, doch nun soll es zu einer Entscheidungsschlacht kommen. Nach einem Flug auf einem fliegenden Teppich gelangt Kyra mit ihrer Mutter, die einen Mistelzweig als Fluggerät benutzt, zum Dozmary Pool der Anderswelt. Hier erhebt sich die Turmfestung der Zauberin Nimue, die einst Merlin unterrichtete. Diesen Turm belagert Morganas Heer seit Jahrhunderten. Nun bringt die vereinte Hexenkraft von Dea und Kyra die Entscheidung …
Der Leser braucht sich über mangelnde Abwechslung oder Spannung nicht zu beklagen. Das Finale mit der bösen Morgana nimmt eine überraschende Wendung – aber natürlich ein gutes Ende. Und so rettet es auch Kyras drei Freunde, die im Zug festsitzen, von einem Drachen zum Frühstück verspeist zu werden.
|Die Illustrationen|
Wahed Khakdan wurde 1950 in Teheran geboren, verrät, die Verlagsinformation am Schluss des Buches. Schon mit zwei Jahren sollen er von Farben und Stiften fasziniert gewesen sein. Nachdem 1984 nach Deutschland gekommen war, betätigte er sich als freiberuflicher Künstler und Illustrator, auch im Kinder- und Jugendbuchbereich.
Seine Professionalität und Erfahrung zeigen sich immer wieder in der Handhabung von Perspektive und „Beleuchtung“, die den schwarzweißen Stiftzeichnungen eine Dynamik und Plastizität verleiht, wie man sonst nur in teueren Comic-Books zu Gesicht bekommt. Pro Kapitel gibt es mindestens eine Zeichnung, sodass das Buch erheblich aufgewertet wird. Die obligatorische doppelte Seite im Innenumschlag wird diesmal nicht von einer Ansicht Giebelsteins bestritten, sondern von Nimues Turm in der Anderswelt.
_Unterm Strich_
Das Geheimnis, das bislang die ganze Reihe durchzogen hat, ist nun endlich gelüftet: das Schicksal von Kyras Mutter. Kyra hat immer wieder von ihr gelesen und gehört, doch alle Quellen haben hartnäckig die Auskunft verweigert, sei es ihr Vater oder Tante Kassandra oder gar der Stadtarchivar Herr Fleck. Dass ihre Mutter seit einem Jahrtausend in ders Anderswelt lebt und kämpft, hätte sich Kyra nie träumen lassen. Doch nun weiß sie auch, woher ihre eigenen magischen Kräfte stammen. Und bei einem Besuch in der Anderswelt erhält sie Gelegenheit, diese auch nutzbringend einzusetzen.
Dies ist die erste Episode, die sich nur um ein einziges Mitglied der Viererbande dreht. Die drei anderen sitzen im Zug fest und werden belagert. Sehr schön finde ich aber, dass sie ein klein wenig für Abwechslung durch Humor sorgen. Nils und Lisa kabbeln sich ja sowieso ständig, und dass jetzt Lisa mit Toby (aus Band 8) einen neuen Freund hat, hält sie ein wenig auf Abstand zu Chris. Auch dies ist eine neue Entwicklung der Figuren, wie ich sie bereits oben angedeutet habe.
Das Setting dieses Abenteuers ist diesmal die Artus-Legende. Dabei handelt sich keineswegs um eine einzelne Geschichte, sondern um ein ausuferndes Geflecht von Geschichten, die noch heute Stoff für Bearbeitungen bieten. Diesmal treten Morgana, die Feenkönigin, und Nimue auf, aber keiner der Recken der Tafelrunde, was ich persönlich ein wenig schade finde. Nur Artus spielt eine kleine Statistenrolle in der Szene, die im Hexenmuseum spielt. Ich muss sagen, dass die Bearbeitung, die der 2009 verstorbene Robert Holdstock in „Avilion“ (siehe meinen Bericht) geboten hat, mir wesentlich interessanter erscheint.
SONDERBAND: Jenseits des Jahrtausends: Die Sieben-Siegel-Saga (Gebundene Ausgabe)
Alle zehn Bände sind ursprünglich im |Loewe|-Verlag erschienen, doch die ersten fünf Bände gibt es in einer preiswerten Taschenbuch-Ausgabe im CBT-Verlag von Bertelsmann sowie als Hörbücher.
Mehr von Kai Meyer auf Buchwurm.info:
Interview mit Kai Meyer
„Dschinnland“ (Die Sturmkönige 1, Buchfassung)
„Dschinnland“ (Die Sturmkönige; inszenierte Lesung zu Band 1)
„Wunschkrieg“ (Die Sturmkönige 2, Buchfassung)
„Wunschkrieg“ (Die Stürmkönige; inszenierte Lesung zu Band 2)
„Die Wellenläufer“ (Hörbuch)
„Die Muschelmagier“ (Hörbuch)
„Die Wasserweber“ (Hörbuch)
„Der Brennende Schatten“ (Hörspiel)
„Die Vatikan-Verschwörung“ (Hörspiel)
„Frostfeuer“ (Hörbuch)
„Die Alchimistin“
„Das Haus des Daedalus“
„Der Schattenesser“
„Die Fließende Königin“
„Das Buch von Eden“ (Hörbuch)
„Das Buch von Eden“
„Der Rattenzauber“
„Faustus“
„Seide und Schwert“ (Das Wolkenvolk 1, Hörbuch)
„Lanze und Licht“ (Das Wolkenvolk 2, Hörbuch)
„Drache und Diamant“ (Das Wolkenvolk 3, Hörspiel)
Das Wolkenvolk – Seide und Schwert, Buch 1: „Wisperwind“ (Graphic Novel)
Die Alchimistin – Das Hörspiel:
1) „Der Stein der Weisen“
2) „Das Erbe des Gilgamesch“
3) „Die Katakomben von Wien“
4) „Das Kloster im Kaukasus“
5) „Die Unsterbliche“
6) „Die Schwarze Isis“
7) „Der Schatz der Templer“
8) „Der Alte vom Berge“
_Die Rache der Vergangenheit: Giebelstein ist umzingelt!_
Nur eine Vogelscheuche, denken Kyra, Chris, Lisa und Nils. Nichts als ein Holzstock und ein altes Hemd. Dann aber entdecken sie den Totenschädel auf dem hölzernen Hals der Scheuche. Und plötzlich überschlagen sich die Ereignisse. Mehr und mehr Scheuchen tauchen rund um Giebelstein auf. Reglos, leblos. Und doch scheinen sie näherzukommen. Die Stadt zu belagern. Die Stadt zu bedrohen. Die Freunde müssen ihnen Einhalt gebieten, ehe Schreckliches passiert … (Verlagsinfo)
Dieser sechste Band der elfbändigen Reihe wird vom Verlag ab zehn bis elf Jahren empfohlen. Die Protagonisten sind aber schon zwölf Jahre alt …
_Der Autor_
Kai Meyer, Jahrgang 1969, studierte Film, Philosophie und Germanistik und arbeitete als Redakteur. Er schrieb schon in jungen Jahren und lieferte u.a. ein paar Jerry-Cotton-Abenteuer. Sein erster großer Erfolg war „Die Geisterseher“, eine historische „Akte X“. Seit 1996 ist er freier Schriftsteller und Drehbuchautor. Bisher sind rund 40 Romane von ihm erschienen.
Selbst Kritiker waren von seinem historischen Mystery-Thriller „Die Alchimistin“ begeistert, später folgten „Die fließende Königin“ und „Göttin der Wüste“. Bei Loewe erschien mit den „Wellenläufern“ ein Jugend-Fantasyzyklus. „Frostfeuer“ aus dem Jahr 2005 ist eigenständiger Jugendroman. Das Buch wurde mit dem internationalen Buchpreis CORINE ausgezeichnet. Er lebt am Rande der Eifel.
|Die vier Freunde:|
1) Kyra Rabenson ist 12 Jahre alt, hat rotes Haar wie ihre Tante Kassandra, bei der sie seit dem Tod ihrer Mutter wohnt, und ist die Tochter des bekannten Wissenschaftlers und Bestsellerautoren Professor Rabenson. Sie ist mutig und sehr neugierig.
2) Lisa Morgenthal ist elf Jahre alt, blond und furchtbar verliebt in Chris. Sie wohnt mit ihren Eltern und ihrem Bruder Nils im größten und unheimlichsten Gebäude Giebelsteins, dem alten Hotel Erkerhof, auch genannt Kerkerhof. Sie ist manchmal zurückhaltend und sensibel.
3) Nils Morgenthal, ein Jahr älter, ist ihr Bruder und wohnt ebenfalls im Kerkerhof. Er besitzt einen makaberen Sinn für Humor, sammelt Monstermasken und erzählt mit Vorliebe blutige Schauergeschichten. Zunächst ist er draufgängerisch, aber das ändert sich im Laufe der Ereignisse.
4) Chris (= Chrysostomus Guldenmund) ist 12 Jahre alt und der Sohn eines Diplomaten, hat in sechs verschiedenen Ländern gelebt und spricht fünf Sprachen: Englisch, Französisch, Spanisch, ein bisschen Italienisch und schlecht Griechisch. Er ist sportlich, immer schwarz gekleidet, isst gerne alles, was ihm in die Finger kommt, wird aber – zum Ärger der Mädchen – nicht dick davon. Er ist sehr selbstbewusst und risikobereit; in Kyra verknallt, mag aber auch Lisa gern.
Alle Jugendlichen verändern sich durch ihre Abenteuer, aber in welcher Hinsicht, soll hier noch nicht verraten werden.
_Handlung_
Die vier Kinder streifen durch die Umgebung Giebelsteins, als sie auf den alten Schäfer Kropf stoßen. Er berichtet jammernd, dass sein Lieblingsschaf Henrietta tot sei. Aber was das Merkwürdigste daran ist: Gleich daneben steht eine Vogelscheuche. Als die vier Freunde neugierig nachschauen, ob das mit dem Schaf stimmt, stoßen sie auf eine grausige Entdeckung: Das Schaf wurde geradezu durchbohrt – von einer Vogelscheuche? Klingt nicht sehr wahrscheinlich, denn Vogelscheuchen bewegen sich normalerweise nicht. Aber was könnte es sonst gewesen sein?
Als sie sich einmal eine dieser Scheuchen näher anschauen, benutzt Chris, der Mutigste unter ihnen, lieber eine Stange. Der Hut lässt sich leicht genug entfernen, aber die Sackhülle des Kopfes ist schon schwieriger zu heben. Darunter kommt zu ihrem Entsetzen ein Totenschädel zum Vorschein. Das ist nun sicherlich nicht Standardausstattung einer Scheuche, sondern wohl eher eine Spezialanfertigung. Aber wer würde so etwas herstellen? Ihre magischen Siegel beginnen zu prickeln: Diese Scheuche ist dämonischen Ursprungs. Hat sie sich nicht gerade bewegt?
Kyra hat scharfe Augen und erspäht ein weiteres Extra dieses sonderbaren Gebildes: Im Schädel steckt ein Nagel, dessen Kopf ein Muster aufweist. Trickreich fertigt sie mit einem auf Chris’ Stange gesteckten Lehmklumpen eine Kopie dieses Zeichens an – perfekt. Damit eilen sie zu dem einzigen Mann in Giebelstein, der sich intensiv und ausgiebig seit Jahrzehnten mit der Vergangenheit beschäftigt: zu Meister Fleck, dem Archivar des Rathauses.
Umgeben von hohen Bücherstapeln, Regalen voller Papier und in Düsternis getauchten Zugängen zu den Katakomben des Stadtarchivs, erkennt der alte Mann seine jungen Besucher wieder. Sie haben vor einiger Zeit sein Archiv gefunden, als sie sich von einer Lehrveranstaltung ihrer Schule „abseilten“. Freundlich betrachtet er den Lehmklumpen, den sie ihm entgegenhalten. Das eingeprägte Zeichen besteht aus einem Kreis mit einer Sonne in der Mitte. Herr Fleck brummt erst und verkündet dann: „Das Zeichen des Schwarzen Todes.“
Die vier Freunde schnappen erschrocken nach Luft. Meint Fleck etwa die Pest? Ganz genau. Sie wütete im 14. Jahrhundert in ganz Europa, forderte Millionen Opfer und verschonte offenbar auch Giebelstein nicht. Nachdem er eines seiner vielen Bücher konsultiert hat, erzählt Herr Fleck, dass die Nägel den bösen Geist der Krankheit, für die man keine Erklärung hatte, bannen sollte. Ein gewisser Medicus namens Boralus half den Giebelsteiner bei der Bekämpfung der Seuche, offenbar erfolgreich. Allerdings ließ man die Opfer nicht wie üblich verbrennen, sondern in einem Massengrab im Wald verscharren. Chris hält es für möglich, dass dieser Boralus, der zugleich mit der Seuche auftauchte, gar kein Medicus war, sondern ein Dämon. Was, wenn er irgendwo überdauert hat?
Auf einer uralten Karte aus dem 15. Jahrhundert zeigt ihnen der Archivar genau die Stelle, wo das mittelalterliche Massengrab liegt. Und ja, ganz in der Nähe liegt der Hof des Einödbauern Samuel Wolf. Den sollten sie sich vielleicht mal näher anschauen, rät Fleck. Er werde unterdessen mehr über die Vogelscheuchen und ihre Bekämpfung nachlesen. Denn sie haben ihm berichtet, dass sie inzwischen Dutzende davon rings um die Stadt gesehen hätten.
Das alte Massengrab ist mitten im Wald gar nicht so leicht zu finden. Doch dann stoßen sie auf die drei Meter tiefen Gräben, gefüllt mit Gebeinen. Sie schauen mit prickelnden Siegeln nach, was das Geheimnis dieses Ortes ist – und geraten in einen Hinterhalt der Scheuchen. Unterdessen erhält auch Herr Fleck in seinen Katakomben unerwünschten Besuch …
_Mein Eindruck_
Dieser tiefgründige Gruselthriller beginnt wie alle solche Geschichte relativ harmlos: mit einem jammernden Schäfer und einem getöteten Schaf. Dass der Verdacht auf die in der Nähe lauernde Vogelscheuche fallen soll, liegt nun aber nicht gerade nahe, schließlich sind solche Holzgestelle nicht gerade für ihre affenartige Beweglichkeit bekannt. Dennoch weist die Scheuche drei gruselige Details auf, die zu tieferen Nachforschungen einladen: Sie bewegt sich doch; ihr Kopf besteht aus einem Totenschädel; und drittens steckt in diesem Schädel ein höchst seltsamer Nagel.
|Detektive unterwegs|
Wie auf dem Krümelpfad von Hänsel und Gretel bewegen sich die vier Freunde mit prickelnden Siegeln in jene Vergangenheit zurück, aus der dieser Nagel stammt. Dabei folgt die Geschichte dem Muster des Detektivromans. Auch der erste Verdächtige kristallisiert sich heraus: Boralus. Leider lässt er sich nach all den Jahrhunderten nicht mehr ins Kreuzverhör nehmen. Oder doch?
|Die Sünden der Vergangenheit|
Wie es scheint, hat der zwielichtige Medicus aus der Pestzeit in irgendeiner Form überlebt, und dabei hat Kyras ruhmreiche Hexenmutter ihre Finger im Spiel gehabt. Es ist bemerkenswert, wie stark sich die Fähigkeiten und Kenntnisse dieser Mutter in ihrer Tochter manifestieren. So etwas kennt man vor allem aus den „Wüstenplanet“-Romanen Frank Herbert, in denen die Hauptfiguren immer wieder von genetisch weitergegebenen Erinnerungen heimgesucht werden. Aber auch in dem einen oder anderen Horror-Roman soll so etwas schon vorgekommen sein, denn dieses Genre dient dazu, sich mit der Vergangenheit auszusöhnen. Durch Sühne oder Vergeltung wird Gerechtigkeit herbeigeführt. Falls es dies gibt.
Das Unrecht, das es zu sühnen gilt, besteht nun in dem Verbrechen des Boralus an der Bevölkerung von Giebelstein: Er führte offenbar die Pest ein, ums ich dann als Heiler und retter aufspielen zu können. Eines der Mittel, um mit dem „Übel“ fertigzuwerden, bestand, nach Angaben des Archivars Flecks, darin, den Toten einen Nagel in den Schädel zu hauen, damit „das Böse“, also die Krankheit, darin gebannt bleiben möge. Purer Aberglaube, gewiss, aber magischer Aberglaube, der nun wiedekehrt und sich gegen die Stadt zu kehren scheint. Giebelstein ist von Vogelscheuchen umzingelt …
|Showdown|
„Das ist nicht tot, was ewig liegt“, heißt es bei H.P. Lovecraft immer wieder in den Romanen seines Cthulhu-Mythos. Und so verhält es sich auch in den „Sieben Siegel“-Romanen Kai Meyers, ganz besonders in dem vorliegenden Band. Doch gegen jedes Übel ist ein Kraut gewachsen, und sobald Herr Fleck es schafft, den Kindern dieses Geheimnis zu übermitteln, ist die Katastrophe ausgestanden. Doch bis ihm dies mit Tante Kassandras Hilfe gelingt – er braucht ja einen fahrbaren Untersatz – müssen sich die vier Freunde wacker gegen eine ganze Armee von Feinden zur Wehr setzen. Und nicht alle sind aus Holz und Fetzen …
|Die Illustrationen|
Wahed Khakdan wurde 1950 in Teheran geboren, verrät, die Verlagsinformation am Schluss des Buches. Schon mit zwei Jahren sollen er von Farben und Stiften fasziniert gewesen sein. Nachdem 1984 nach Deutschland gekommen war, betätigte er sich als freiberuflicher Künstler und Illustrator, auch im Kinder- und Jugendbuchbereich.
Seine Professionalität und Erfahrung zeigen sich immer wieder in der Handhabung von Perspektive und „Beleuchtung“, die den schwarzweißen Stiftzeichnungen eine Dynamik und Plastizität verleiht, wie man sonst nur in teueren Comic-Books zu Gesicht bekommt. Pro Kapitel gibt es mindestens eine Zeichnung, sodass das Buch erheblich aufgewertet wird.
_Unterm Strich_
Auch diese Episode der magischen Abenteuer um die vier Freunde von Giebelstein hat mir wieder ausnehmend gut gefallen. Natürlich gehorcht die Geschichte der Regel des Gruselromans, ist aber wesentlich unheimlicher als etwa ein Harry-Schotter-Roman. Dort kommen ja auch immer hilfreiche Freunde vor, aber auch Gegner, die einen vorzeitigen Sieg des Helden oftmals verhindern. So auch bei Kai Mayer, wo sich die Geschwister Lisa und Nils ständig in den Haaren liegen. Nur Chris und Kyra scheinen konstruktive Vorschläge vorzubringen, die dann von den Geschwistern beifällig begrüßt oder angeekelt abgelehnt werden. Das macht die Geschichte aber auch in menschlicher und emotionaler Hinsicht befriedigender, als bei einer reinen Detektivgeschichte.
Vorkenntnisse braucht der Leser nur wenige mitzubringen. Der Erzähler verweist natürlich auf die Herkunft der sieben Siegel und welche Taten die vier Kinder bislang vollbracht haben. Aber das wars dann auch schon. Hexen werden nur am Rande erwähnt. Das soll sich aber im nächsten Band gründlich ändern, der den Titel „Dämonen der Tiefe“ trägt.
SONDERBAND: Jenseits des Jahrtausends: Die Sieben-Siegel-Saga (Gebundene Ausgabe)
Alle zehn Bände sind ursprünglich im |Loewe|-Verlag erschienen, doch die ersten fünf Bände gibt es in einer preiswerten Taschenbuch-Ausgabe im CBT-Verlag von Bertelsmann sowie als Hörbücher.
Mehr von Kai Meyer auf Buchwurm.info:
Interview mit Kai Meyer
„Dschinnland“ (Die Sturmkönige 1, Buchfassung)
„Dschinnland“ (Die Sturmkönige; inszenierte Lesung zu Band 1)
„Wunschkrieg“ (Die Sturmkönige 2, Buchfassung)
„Wunschkrieg“ (Die Stürmkönige; inszenierte Lesung zu Band 2)
„Die Wellenläufer“ (Hörbuch)
„Die Muschelmagier“ (Hörbuch)
„Die Wasserweber“ (Hörbuch)
„Der Brennende Schatten“ (Hörspiel)
„Die Vatikan-Verschwörung“ (Hörspiel)
„Frostfeuer“ (Hörbuch)
„Die Alchimistin“
„Das Haus des Daedalus“
„Der Schattenesser“
„Die Fließende Königin“
„Das Buch von Eden“ (Hörbuch)
„Das Buch von Eden“
„Der Rattenzauber“
„Faustus“
„Seide und Schwert“ (Das Wolkenvolk 1, Hörbuch)
„Lanze und Licht“ (Das Wolkenvolk 2, Hörbuch)
„Drache und Diamant“ (Das Wolkenvolk 3, Hörspiel)
Das Wolkenvolk – Seide und Schwert, Buch 1: „Wisperwind“ (Graphic Novel)
Die Alchimistin – Das Hörspiel:
1) „Der Stein der Weisen“
2) „Das Erbe des Gilgamesch“
3) „Die Katakomben von Wien“
4) „Das Kloster im Kaukasus“
5) „Die Unsterbliche“
6) „Die Schwarze Isis“
7) „Der Schatz der Templer“
8) „Der Alte vom Berge“
_Spannende Zukunftsvision: Warnung vor dem Upgrade!_
Christopher Kidd ist auf der Flucht. Nicht vor dem FBI, sondern vor den Upgradern. Sie wollen ihn zu einem der Ihren machen: per Chip aufgerüstet, um übers Internet von Gehirn zu Gehirn zu kommunizieren. Aber sie dürfen sein Geheimnis nicht finden. Er schlägt sich zu der Untergrundgruppe von Jeremiah Jones durch, dem von den Upgradern zum Terroristen erklärten Kulturkritiker. Nur im Untergrund hat Chris die Chance, gegen die sich ausbreitende Upgrader-Organisation etwas zu unternehmen. Sollte er scheitern, wird keiner mehr allein sein – aber auch niemand mehr lachen …
_Handlung_
(Hinweis: Die Geschichte wird keineswegs chronologisch erzählt, sondern mit vielen Rückblenden. Mein Handlungsabriss ist lediglich eine Annäherung.)
Der weltbeste Computerhacker Christopher Kidd ist ein 17-jähriger Junge aus Deutschland, der weltweit als „Computer Kid“ berüchtigt ist. Gerade befindet er sich in den USA auf der Flucht. Seine Begleiter sind die Kinder des Mannes, dem er sich anschließen möchte. Der Vater von Kyle und Serenity Jones, Jeremiah Jones, war bis vor Kurzem ein unbescholtener Architekturprofessor und Kulturkritiker, bis ihn das FBI zum Terroristen erklärte und zu jagen anfing. Er soll an der Ostküste ein Rechenzentrum in die Luft gejagt haben.
Ob solch ein Mann wohl die passende Gesellschaft für einen Hacker darstellt? Doch Christopher bleibt keine Wahl mehr, denn er wird nicht vom FBI gejagt, sondern von etwas viel Schlimmerem: von den Upgradern. Diese weltweite Organisation hat auch Christopher einen Chip eingepflanzt, mit dessen Hilfe er von Gehirn zu Gehirn kommunizieren könnte. Sein Bewusstsein wäre so Teil einer weltumspannenden Superwesenheit, in der keiner mehr allein ist und jeder alles weiß, weil er auf alle öffentlichen und geknackten Datenbestände der weltweiten Datensysteme Zugriff hat. Niemand verirrt sich mehr, jeder weiß, wo die anderen sind. Alle außer Christopher. Denn er hat seinen Chip deaktiviert. Als einziger Upgrader der Welt. Abtrünnig! Klar, dass die Upgrader ihn wieder in ihre Reihen aufnehmen wollen, koste es, was es wolle.
„Doch wie konnte es dazu kommen?“, fragen ihn Kyle und Serenity auf einer Landstraße in Nevada. Bislang lebten sie friedlich in der Bay Area von San Francisco, sie als Oberschülerin kurz vorm Abitur und Kyle als Student der Umweltbiologie. „Das ist eine lange Geschichte“, warnt sie Christopher. Aber das macht nichts, denn sie haben Zeit. Glauben sie.
|Die Vergangenheit|
Christopher ist als Sohnes eines englischen Softwareentwicklers und einer deutschen Investmentbankerin in Frankfurt/Main aufgewachsen. Sein Großvater stellte Prothesen von menschlichen Gliedern her und seine Oma war bis zu ihrer Erblindung Kunstmalerin. Chris konnte schon mit fünf Jahren lesen und mit acht sein erstes Programm schreiben. Kein Wunder, dass ihm die Schule stets langweilig vorkam. Schon bald knackte er Passwörter und Systemzugänge – nur nicht in der Bank seiner Mutter.
Richtig illegal wurde seine Tätigkeit jedoch erst, als seine Mutter mit dem Banksystem einen Bedienungsfehler machte, der die gesamte Familie aufgrund ihrer persönlichen Haftung ruinieren würde – um Punkt Mitternacht. Der Ausweg bestand in Christophers Hilfe. Leider konnte er die Ausführung dieser Investment-Order nicht mehr rückgängig machen, denn sonst hätten alle anderen beteiligten Systeme die Manipulation bemerkt.
Doch mit 13 denkt Christopher schon seit Langem in größeren Zusammenhängen, in Systemen. Das einzige System, das seine Familie noch vor dem Ruin bewahren kann, ist die Welt. Das Programm, das auf jedes Konto der Welt den Betrag von 1 Milliarde (hier Währung einsetzen) überweist, ist kurz und knackig – die Folgen seiner Ausführung jedoch gigantisch. Was Chris vorausgesehen hat, tritt ein: Um die Weltwirtschaft vor dem Zusammenbruch zu bewahren, müssen die Regierungen alle Systeme vor den Tag X zurückdrehen. Voilà! Natürlich kam die Sache raus, und Mama verlor ihren Job.
Die Familie zog nach England, wo sein Vater begann, Prothesen und Programme zu verbinden. Im Projekt von Dr. Stephen Connery sollte eine Schnittstelle zwischen dem menschlichen Gehirn und einer Maschine (Prothese mit Software) entwickelt werden. Allerdings machte sich der Mitarbeiter Linus Meaney mit den Forschungsergebnissen selbständig und entwickelte den Upgrader-Chip. Bei einem denkwürdigen Besuch, zu dem Linus die Familie von Christopher nach Singapur einlud, demonstrierte er die Gehirn-Gehirn-Kommunikation mit seiner Frau Ayumi: Die beiden sprachen im Chor! Christopher und seinem Vater lief es kalt den Rücken runter. Klammheimlich setzten sich die Kids noch in der gleichen Nacht ab.
Doch den Upgradern entkommt man nicht so leicht. Sie erwischten seinen Vater, dann seine Mutter. Und als sie auch noch Christopher den Chip verpassten, durfte er sich erst nicht anmerken lassen, dass er die Fähigkeit hat, den Chip abzuschalten. Aber er bereitete seine Flucht vor – und landete erst in Mexiko, dann in Kalifornien, bis er auf Kyle und die süße Serenity traf.
|Verfolgt|
Als das Trio in Nevada mal eine Rast an einer Tankstelle einlegt, verrät sich Christopher aus Versehen, indem er mit seiner Fingerspitze einen Sensor berührt. Sofort wird die Information über die Datennetze an den nächsten Upgrader weitergeleitet, der Alarm auslöst. Chris ahnt, was los ist und will schnellstmöglich verduften. Zu spät! Hinter ihnen tauchen vier Hubschrauber auf, die sie auf der Straße verfolgen. Und sie stellen sich keineswegs als harmlose Übungsflieger heraus. Sie beginnen, mit Bordkanonen auf Kyles Geländewagen zu feuern.
Doch als die Ausweichmanöver nichts mehr nützen und Kyle stoppen muss, weiß Christopher noch ein letztes Mittel, um sein Leben und das seiner Freunde zu retten. Er muss sich der „Kohärenz“ stellen, dem weltweiten Verbund aus Gehirnen und Datensystemen. Doch die Gefahr, dass die Kohärenz sein Bewusstsein überwältigt und wieder in sich aufsaugt, ist immens …
_Mein Eindruck_
Ich habe das Buch an nur einem Nachmittag und Abend gelesen. Es ist spannend bis zum Schluss, abwechslungsreich, raffiniert erzählt und enthält sogar Romantik, etwas, das man bislang bei Eschbach etwas vermisst hat. Außerdem entwirft er eine Welt, die wirklich furchteinflößend ist: Wenn alle vernetzt sind und keiner mehr allein, dann sind alle gleichgeschaltet und so etwas wie Gefühle gar nicht mehr nötig. Denn alle müssen bloß noch funktionieren wie Rädchen in einem Getriebe.
Welche Folgen dies haben könnte, erkennt Christopher, der Hacker, der nie mit anderen Menschen als seinen Eltern und Großeltern zusammenlebte, bei der entscheidenden Besprechung mit Jeremiah Jones. (Die Namensähnlichkeit zu „Jeremiah Johnson“, dem Trapper aus dem Film, ist sicher gewollt.) Denn Christopher muss erst noch erkennen, welchen Wert zwischenmenschliche Gefühle haben. Erst als ihm Serenity Jones sagt, dass sie auf gar keinen Fall gleichgeschaltet werden möchte, um ein Upgrader zu werden, wird ihm klar, dass sie ihm bereits zuviel bedeutet, um sie an die Upgrader zu verlieren. Er hat sich verliebt. Und Serenity hat auch eine Menge für ihn übrig – wenn er sie nur etwas mehr beachten würde!
|Cyberspace|
Selbst Leser, die sich nur wenig mit Computern und dem Internet auskennen, dürften durch Eschbachs Erklärungen wenig Mühe haben, den Darlegungen Christophers zu folgen. Die Ideen aus den achtziger Jahren, als SF-Autoren und Designer von der Zusammenschaltung des Gehirns mit der Maschine träumten (und diese Forschung wird bis heute im Medizinbereich vorangetrieben, um bei Prothesen und Locked-in-Syndrom zu helfen), kommen in „Black*Out“ wieder zum Tragen – der sogenannte „Cyberspace“ ist Realität: Der menschliche Geist taucht ein ins Datenmeer.
Und mehr als einmal musste ich bei Christophers Hackereskapaden an William Gibsons bedeutende Hackererzählung „Chrom brennt“ (in der Sammlung „Cyberspace“ und anderswo) denken. Scheinbar mühelos durchbricht der Hacker die Schutzvorrichtungen selbst der gehärtetsten FBI – und NSA-Rechner. Doch eine Glossar-Erläuterung oder Fußnote, was unter einer solchen „brute force“-Attacke zu verstehen ist, sucht man vergeblich. Dabei ist dieser Punkt für den Showdown mit den Upgradern von entscheidender Bedeutung.
|Vorsicht, Spoiler!|
Überhaupt der Showdown. War schon die anfängliche Erzählstruktur der ersten Hälfte ziemlich raffiniert, so ist es das Finale erst recht. Hin und her hüpft die Perspektive, bis der Leser reichlich irregeführt ist und nicht erkennt, was in Wahrheit passiert. Nicht der bis ins letzte Detail eingeübte Plan Christophers wird hier in die Tat umgesetzt, sondern etwas völlig anderes: Christopher hat seinen Vater, einen Upgrader, hierher nach San Francisco gelockt, um ihn mit der Hilfe von Jones’ Männern vom Chip zu befreien. Deshalb war ihm auch der Punkt, dass ein Medomobil, ein fahrbarer Operationsraum, mit von der Partie ist, so wichtig. Bevor die Upgrader es verhindern können, ist Daddys Chip bereits entfernt. Aber wird sich sein Geist von dieser Tortur erholen? Das ist die bange Frage.
(Ende Spoiler)
|Widerstandskampf|
In einer gewissen Weise ist dieses Buch für Eschbachs Sohn geschrieben (ich werde seinen Namen nicht verraten). Schon mit acht oder neun Jahren programmierte dieser kluge Bursche an heimischen PC mit BASIC und anderen Sprachen, wie ich bei Besuchen mitbekam. So verwunderte es mich nicht, dass er später Informatik studierte und heute Computerwissenschaftler ist – schließlich war auch sein Vater Softwareprogrammierer und hatte seine eigene Firma.
Das legt die Vermutung nahe, dass der Roman eine Zukunft für Eschbachs Sohn ebenso entwirft wie eine erschreckende Fehlentwicklung, gegen die der Sohn ankämpfen muss. Wer jetzt an Paul Muad’dib Atreides denkt, liegt nicht völlig verkehrt, andererseits gibt es unzählige Geschichten über junge Männer, die in den Widerstand gehen, um den Tyrannen zu stürzen.
Worauf es jedoch bei der Guerilla ankommt, ist das Ziel und sind die Mittel. Das Ziel besteht löblicherweise darin, zu verhindern, dass ein geliebter Mensch wie Serenity gleichgeschaltet und in die „Kohärenz“ absorbiert wird. Wer dabei an Stephen Baxters „Kinder der Zukunft“ denkt, liegt nicht ganz daneben. Und welchen besseren Grund als die treue Liebe könnte ein junger Mann brauchen?
Die Mittel des Kampfes sollten natürlich über jeden Zweifel erhaben sein. Dass sich die Jones-Leute, bislang unschuldig, aber als Terroristen verleumdet, einfach so mit Sprengstoff anfreunden und diesen auch einsetzen, finde ich dubios. Aber die Praxis sieht dann doch besser aus: Der Sprengstoff soll nur Tür und Tor öffnen, damit Christopher befreit werden kann. Denn natürlich haben die Upgrader ihm eine Falle gestellt. Sie sind mit ihren Millionen Recheneinheiten, vulgo: Humanressourcen, viel zu schnell im Denken, um seinen Plan nicht vorausgesehen zu haben.
Wie die Sache für Christopher ausgeht, soll hier nicht verraten werden. Aber der Text verrät uns, dass es eine Fortsetzung geben wird.
|Schwächen des Textes|
Ein Satz auf Seite 75 bereitete mir Kopfzerbrechen: „Man konnte förmlich hören, wie er sich wandte.“ Das er gibt erst dann einen Sinn, wenn es „wand“ statt „wandte“ heißt. Der Sprecher windet sich nämlich statt sich abzuwenden.
Seite 355: „Serenity, Senior-Schülerin kurz vor dem Anschluss“. Es sollte natürlich „Abschluss“ heißen.
Seite 445: Christophers Dad soll seinen Sohn in San Francisco treffen, doch an dieser Stelle fliegt er zuerst nach Los Angeles. Sinnvoll oder Fehler, ist die Frage. Sinnvoll ist der Umweg nur dann, wenn Daddy keinen Direktflug nach Frisco bekommen hat und den Umweg über L.A. nehmen musste. Kann man also gelten lassen.
_Der Autor_
Andreas Eschbach, Jahrgang 1959, studierte in Stuttgart Luft- und Raumfahrttechnik, bevor er als Software-Entwickler und Berater arbeitete. Schon als Junge schrieb er seine eigenen Perry-Rhodan-Stories, bevor er mit „Die Haarteppichknüpfer“ 1984 seine erste Zeitschriftenveröffentlichung landen konnte.
Danach dauerte es noch elf Jahre bis zur Romanfassung von „Die Haarteppichknüpfer“, danach folgten der Actionthriller „Solarstation“ und der Megaseller „Das Jesus Video“, der mit dem renommierten Kurd-Laßwitz-Preis für den besten deutschsprachigen Sciencefiction-Roman des Jahres 1998 ausgezeichnet und fürs Fernsehen verfilmt wurde.
Seitdem sind die Romane „Eine Billion Dollar“, „Perfect Copy“, „Exponentialdrift“, „Die seltene Gabe“, „Das Marsprojekt 1-5“ sowie „Der Letzte seiner Art“ erschienen, einige davon zudem als Hörbuch. Auch das Sachbuch „Das Buch der Zukunft“ gehört zu seinen Publikationen. Eschbach hat mehrere Anthologien herausgegeben und eine Reihe von literarischen Auszeichnungen erhalten. Heute lebt mit seiner Familie als freier Schriftsteller in der Bretagne.
_Unterm Strich_
Dieser Roman ist spannend bis zur letzten Seite, zeichnet ein Schreckensszenario und spendet doch Hoffnung – eben ein typischer Eschbach für die junge Generation. Wie schon beim fünfteiligen „Mars-Projekt“ finden sich hier Jugendliche angesprochen, nicht mit Pappkameraden, sondern mit Jugendlichen, die die gleichen Sorgen haben wie der Leser selbst.
Allerdings sind die Hauptfiguren keineswegs Durchschnitt. Serenity ist eine Amerikanerin, die ohne Handy und MP3-Player aufgewachsen ist, weil ihr Vater ein Kulturkritiker und Naturfreund ist. Christopher selbst ist durchweg zweisprachig aufgewachsen und ein richtiger Computerfreak – wie „normal“ kann er also sein? Doch genau darin liegt seine Überlegenheit, wenn es darum geht, es mit der sich ausbreitenden „Kohärenz“-Bewegung aufzunehmen. Er ist zwar weder Hellseher noch Telepath wie Paul Muad’dib, aber viel fehlt nicht mehr: Chris kann einen doppelbödigen Plan bis ins letzte Detail allein im Kopf austüfteln.
Ich habe nur einen Nachmittag und Abend benötigt, um die 460 Seiten zu lesen. Die Schrift ist groß, viel Text also nicht auf der Seite, und die Story verlangt dank vieler Rätsel und Geheimnisse danach, in einem Stück gelesen zu werden. Ich bin schon auf die versprochene Fortsetzung gespannt.
Band 1: Barbara Büchner – „Der schwarze See“
Band 2: Marc-Alastor E.-E. – „Geisterdrache – Die Chroniken – Widerparte und Gefolge I – 1984 bis 1996“
Band 3: Marc-Alastor E.-E. – „Geisterdrache – Die Chroniken – Widerparte und Gefolge II – 1997 bis 2009“
Band 4: Alisha Bionda (Hrsg.) – „Sad Roses“
Band 5: _Linda Budinger – „Unter dem Vollmond“_
Band 6: Alisha Bionda (Hrsg.) – „Die Begegnung – und andere düstere Winterlegenden“ (Oktober 2010)
Band 7: Laura Flöter – „Der Engelseher“ (Arbeitstitel) (Oktober 2011)
_Inhalt:_
Verena ist eine fleißige Medizinstudentin, die sich als Krankenschwester in der Nachtschicht ihr Studium finanziert. Seit einem tragischen Unfall in ihrer Kindheit, als sie beide Elternteile und ihre kleine Schwester verlor, hat sie die Gabe, den Gesundheitszustand ihrer Mitmenschen in deren Aura zu sehen. Eine Fähigkeit, die ihr in ihrem Job enorme Vorteile verschafft.
Eines Nachts findet Verena im Park eine schrecklich zugerichtete Leiche. Ein weiteres Opfer des berüchtigten Serienmörders, der von den Medien den Namen „Lumpensammler“ erhalten hat? Zu allem Überfluss verliert die junge Studentin ihren Job, als sich der zuständige Oberarzt von ihrem Urteil bevormundet fühlt. Da kommt das Angebot eines gewissen Wolf von Hagendorf gerade recht, der dringend eine Pflegerin für seine kranke Mutter sucht.
Begeistert nimmt tritt Verena die Stelle auf dem verwunschen wirkenden Herrensitz an. In ihrer Freizeit hofft sie zudem, ausreichend für ihr Studium lernen zu können. Doch irgendetwas stimmt nicht im Haus der Hagendorfs. Welches Geheimnis hütet Sidonie von Hagendorf und woran arbeitet ihr Sohn Wolf in dem verborgenen Labor? Verena kommt einem schrecklichen Familiengeheimnis auf die Spur, das seine Wurzeln in der Vergangenheit hat …
_Meinung:_
Linda Budinger ist als deutsche Fantasy-Autorin kein unbeschriebenes Blatt, und die Herausgeberin der Reihe ARS LITTERAE, Alisha Bionda, hat bereits mehrere Kurzgeschichten der Schriftstellerin in diversen Anthologien veröffentlicht. Mit dem vorliegenden Buch hält der Leser ein komplexeres Werk der Autorin in seinen Händen, das jedoch nicht minder fesselnd und flott geschrieben ist als ihre Kurzgeschichten. Budinger unterhält den Leser durch einen humorvollen und atmosphärischen Schreibstil. Die Charakterisierung der Protagonistin ist ihr zudem hervorragend gelungen und weckt sogleich Sympathien für die junge Medizinstudentin, die in bester Romantic-Thriller-Tradition in einem düsteren Herrenhaus dem tödlichen Familienspuk auf die Schliche kommt.
Doch so klischeebeladen und schlicht, wie es jetzt klingen mag, ist die Geschichte nicht! Die Autorin versteht es geschickt, der Handlung überraschende Wendungen zu verleihen und sie mit selbstironischen Bemerkungen zu würzen. Der Plot ist originell und wurde erstklassig recherchiert, das Finale selbst packt den Leser durch eine temporeiche und dramatische Schilderung der Ereignisse.
Leider bleibt das Ende recht offen und die obligatorische Liebesbeziehung wirkt (zumindest auf den männlichen Leser) reichlich gezwungen und kitschig. Zumal sich der Held wirklich selten dämlich und tollpatschig anstellt. Letztendlich kann man diesen Aspekt aber in Anbetracht des guten Gesamteindrucks verschmerzen. Ein kleines Glossar am Ende des Bandes und ein ausführliches Autorenportrait runden diesen Mystery-Thriller perfekt ab.
Papierqualität und Satzspiegel sind äußerst leserfreundlich, ebenso wie das Paperbackformat, das einerseits nicht zu klobig ist, andererseits aber die Innenillustrationen perfekt zur Geltung bringt. Die Motive der Cover- und Innengrafiken sind kunstvoll und verträumt, wenn auch leider nicht sonderlich aussagekräftig. Das Serienlayout hingegen wirkt sehr edel.
_Fazit:_
„Unter dem Vollmond“ ist ein flott erzählter Mystery-Thriller mit einem originellen und überraschenden Plot. Die ideale Urlaubslektüre: kurzweilig und leicht verdaulich.
|Taschenbuch: 200 Seiten
Titelgestaltung von Agentur Bonzai
Innenillustrationen von Andrä Martyna
ISBN-13: 9783940235916|
[www.sieben-verlag.de]http://www.sieben-verlag.de
_Florian Hilleberg_
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