Archiv der Kategorie: Fantasy / Science-Fiction

Sturgeon, Theodore – Milliarden-Gehirn, Das

_Das geschieht:_

„Medusa“ ist eine Kollektivintelligenz aus den Tiefen des Weltalls. Sie schickt Sporen aus, die durch den Raum treiben, bis sie einen Planeten erreichen, auf dem Leben möglich ist. Die Sporen nisten sich in den Hirnen ihrer Wirte ein und kontaktieren Medusa, die anschließend die geistige Herrschaft über diese Spezies übernimmt.

So funktionierte es jedenfalls, bis einer dieser Sporen die Erde erreicht. Nie hat die außerirdische Intelligenz eine Lebensform kennengelernt, die aus separat denkenden und handelnden Individuen besteht. Dieses Konzept ist Medusa völlig fremd, und sie hält es für einen biologischen Defekt, den sie zu beheben gedenkt.

Das ist leichter gesagt als getan, denn der Zufall will es, dass Medusas Spore sich ausgerechnet im Hirn des Säufers und Wirrkopfs Dan Gurlick festsetzt. Sie kann es nicht verlassen und muss sich mit den Verhältnissen arrangieren. Mit Zuckerbrot und Peitsche bringt Medusa den widerstrebenden Gurlick dazu, ihr erstens Informationen über die Funktionsweise des menschlichen Gehirns und zweitens Rohstoffe und Gerätschaften zu beschaffen, mit denen sie eine Apparatur konstruiert, die es ihr ermöglicht, alle Menschenhirne der Erde ‚zusammenzuschalten‘. Endlich ist es soweit. Gurlick schaltet ein. Die Menschheit verschmilzt zum „Milliardenhirn“ und wird Teil des Medusa-Kollektivs …

_Mancher Plan scheint vollkommen …_

Es beginnt als übliche Geschichte von der Invasion aus dem All, die man schon oft gelesen hat und immer wieder gern liest. Theodore Sturgeon gab ihr den Titel „The Cosmic Rape“, was ja durchaus unheilvoll klingt. Allerdings stellen sich beim Leser rasch Momente der Irritation ein, denn die Story nimmt nur scheinbar den bekannten Verlauf.

Mit „Medusa“ ist Theodore Sturgeon eine besondere ‚Figur‘ gelungen. Invasoren aus dem Weltall haben die Menschheit schon in unzähligen Romanen und Filmen überfallen. Vor allem in den 1950er Jahren stand meist böse Absicht dahinter – in Vertretung der Sowjetunion oder Chinas wollten die Eindringlinge die freien Menschen der Erde (= die Bürger der USA und ihre Verbündeten) unterjochen. Das will Medusa zwar ebenfalls, doch treibt sie eine seltsame Mischung aus Unverständnis und gutem Willen.

Sturgeon konstruiert eine Galaxis, in der das Leben als Kollektiv agiert. Man muss sich das etwa wie in einem Bienenstock oder Ameisenhaufen vorstellen: Das einzelne Insekt ist nichts; erst der Schwarm bringt Gewaltiges zu Stande. Die menschliche Individualität ist in diesem Fall das Fremde. Medusa kann nicht begreifen, dass der einzelne Mensch seine eigenen Entscheidungen trifft und gleichzeitig in der Gemeinschaft lebt, ohne seinen eigenen Willen aufzugeben. Also schafft sie Abhilfe – ihre Invasion ist eher Rettungsaktion. („Star-Trek“-Kenntnisse im Borg-Bereich sind zum Verständnis des Konzepts sehr hilfreich. Übrigens hat Sturgeon 1978 eine eigenen Roman zum Franchise beigetragen.)

Ohnehin kann von einer ‚Invasion‘ nicht geredet werden. Sturgeon macht sehr deutlich, dass Medusas ‚Opfer‘ nicht absorbiert i. S. von aufgelöst, sondern eingegliedert wurden: Ein Kollektiv ging in einem noch größeren Kollektiv auf – ein völlig normaler Vorgang, der nur im Falle der Menschheit zum „cosmic rape“, zur Vergewaltigung aus dem Weltall – so der Originaltitel – wurde.

Schon der Akt der Invasion ist untypisch. Medusas Sporen treiben im ‚Blindflug‘ durch das All; von einer gezielten ‚Eroberung‘ kann also keine Rede sein. Kein Außerirdischer wird die Erde betreten, Medusas gigantischer Kollektivkörper bleibt, wo er ist – nämlich überall und nirgends. Medusa muss nicht körperlich anwesend sein, da sie ihre ‚Glieder‘ per Gedankenkraft lenkt, die sie ungeachtet der Entfernung unmittelbar erreicht.

_… um schließlich vollkommen zu scheitern_

Medusa erleidet Schiffbruch, weil sie nie wirklich versteht, wie die Mensch funktioniert. Deshalb begreift sie auch nicht die Ungunst ihrer Ausgangslage, als sie ausgerechnet Dan Gurlick als Relais verwendet, der nicht nur ein Außenseiter, sondern geradezu der Inbegriff des Einzelgängers ist. Medusa benutzt ihn, aber er reagiert kontraproduktiv. Sturgeon verdeutlicht die Vielfalt der menschlichen Individualität, indem er die Schicksale weiterer Personen schildert: Guido ist eine Kriegswaise in Italien, Mbala ein afrikanischer Ureinwohner, Sharon Brevix ein vierjähriges Mädchen, das in der Wüste verlorengeht. Sie und andere Menschen verlieren als „Milliardengehirn“ keineswegs ihre gedankliche Selbstständigkeit. Stattdessen formen sie das Kollektiv zu einem Instrument um, das die negativen Seiten des Menschseins – Einsamkeit, Missverständnisse, Eigennutz – ausfiltert und ein weltweites Über-Ich bildet, zu dem alle Menschen Zugang haben, ohne dabei ihre Individualität zu verlieren.

Das ist so, wie Sturgeon es schildert, ein erstaunlicher, fast poetischer Vorgang. Nicht einmal Medusa selbst kann sich dem entziehen; sie entwickelt sich gemeinsam mit der Menschheit weiter. Zum Schluss haben alle etwas von dieser seltsamen Invasion. Nationalitäten oder gar Grenzen sind obsolet und der Mensch nicht nur Mensch geblieben, sondern wesentlich menschlicher geworden. Das klingt besonders für den zynischen Leser der Gegenwart möglicherweise naiv oder sogar lächerlich, ist es aber nicht, denn Sturgeon ist ein wortgewandter Autor, der Schmalz und Gefühlsduselei durch starke Bilder und plastische Charaktere ersetzt. Die perfekte Mischung aus Ernst und Leichtigkeit hat sogar die Übersetzung überstanden.

_“Fiction“ ohne „Science“_

Theodore Sturgeon hat sich nie besonders um den Aspekt der technischen Möglichkeit von SF gekümmert; er zog „inner fiction“ vor, die den Menschen der Zukunft in den Mittelpunkt stellte. Folgerichtig drückt er sich um eine ‚logische‘ Erklärung der Mechanismen, mit denen Medusa ihr Invasionswerk vorantreibt. Allerdings zieht sich Sturgeon überaus elegant aus der Affäre: Er beschreibt, wie sich Alien-Technik quasi selbst kreiert, um dies ansonsten unkommentiert zu lassen. Was dort entsteht, ist sichtlich unwichtiger als die Folgen für die Menschheit. So verwundert es nicht, dass Sturgeon auf den „Hard-SF“-Ballast verzichten kann, mit dem die eher naturwissenschaftlich ausgerichteten Autoren des Genres ihre Werke aufblähen. Sturgeon kommt mit dem „Milliarden-Gehirn“ nach 160 Seiten (im Original und in der deutschen Übersetzung) zu einem plausiblen Ende. Greg Bear, der die Menschheit 1985 in „Blood Music“ (dt. „Blutmusik“) ebenfalls ‚verschmelzen‘ ließ, benötigte mehr als das doppelte Volumen, um nur halb so intensiv zu überraschen …

_Anmerkung_

„The Cosmic Rape“ basiert auf der Novelle „To Marry Medusa“, die ebenfalls 1958 in der August-Ausgabe des Magazins |Galaxy Science Fiction“| erschien. Sturgeon baute sie quasi zeitgleich zum Roman aus, der – nichts ist einfach auf dieser Welt – später neu aufgelegt den Titel der Novelle ‚übernahm‘ und seither gern mit dieser verwechselt wird.

_Der Autor_

Theodore Sturgeon wurde als Edward Hamilton Waldo am 26. February 1918 auf Staten Island, New York, geboren. 1929 übernahm er den Nachnamen seines Stiefvaters William Sturgeon und änderte seinen Vornamen vom ungeliebten Edward zu (es fällt schwer dies nachzuvollziehen) Theodore.

Der junge Theodore Sturgeon plante eine Karriere als Trapezkünstler. Parallel dazu wollte er das College besuchen, wurde von seinem Vater jedoch der Disziplin wegen auf eine Militärakademie geschickt. Dieser glücklich entkommen, versuchte sich Sturgeon in einer ganzen Reihe von Jobs und schrieb nebenbei Geschichten. Erste Storys erschienen 1938, und 1939 gelang ihm mit „Ether Breather“ der Durchbruch als Profi in |Astounding Science Fiction|. Sturgeon wurde eine der Größen des Genres, wobei er die zeitgenössischen Space-Operas weitgehend mied und sich auf die ‚menschliche Seite‘ der Zukunft konzentrierte, womit er die SF der 1950er und 60er Jahre vorwegnahm.

Sturgeon gilt als großer Stilist, dessen mehr als 200 Kurzgeschichten den Romanen vorgezogen werden. Allerdings gehört „More Than Human“ (1953; dt. „Baby ist drei“/“Die Ersten ihrer Art“) zu den Klassikern des Genres und wurde 1954 mit einem |International Fantasy Award| ausgezeichnet. Zu seinem Werk gehört auch der innovative Vampir-Roman „Some of Your Blood“ (1961; dt. „Blutige Küsse“).

Theodore Sturgeon erlag am 8. Mai 1985 einer Lungenentzündung. Posthum wurde er mit einem |World Fantasy Award| ausgezeichnet. Mehr über sein Leben und Werk lässt sich folgender Website entnehmen:

http://www.physics.emory.edu/~weeks/misc/sturgeon.html („The Theodore Sturgeon Page“)

_Theodore Sturgeon auf |Buchwurm.info|:_
[„Die Ersten ihrer Art“ 1402
[„Die goldene Helix“ 1721

Barclay, James – Heldensturz (Die Legenden des Raben 6)

|Die Chroniken des Raben|:
[„Zauberbann“ 892
[„Drachenschwur“ 909
[„Schattenpfad“ 1386
[„Himmelsriss“ 1815
[„Nachtkind“ 1982
[„Elfenmagier“ 2262

|Die Legenden des Raben|:
[„Schicksalswege“ 2598
[„Elfenjagd“ 3233
[„Schattenherz“ 3520
[„Zauberkrieg“ 3952
[„Drachenlord“ 3953

_Story_

Die Übermacht der Dämonen hat sich in den vergangenen zwei Jahren über ganz Balaia ausgebreitet und die vier Kollegien nahezu in die Knie gezwungen. Dordover ist gefallen, Lystern steht vorm Untergang, und auch in Julatsa beschließt man, das Herz der Magie hinter sich zu lassen und Zuflucht in den Mauern des letzten halbwegs standhaften Kollegs in Xetesk zu finden.

Unter den Flüchtigen befinden sich auch die Elfen um Rebraal und Auum, die den Flüchtlingstreck leiten und später im Verbund mit dem Raben durch das von Dämonen besetzte Balaia ziehen, um mit den wenigen Überlebenden das Unvermeidbare hinauszuzögern. Doch noch bevor der Rabe und die übrigen Vertreter der Kollegien Xetesk erreichen, bricht ein heilloses Chaos aus.

Die Dämonen werden immer stärker, die magischen Kalträume bieten kaum mehr Schutz, und auch die Zahl der Verteidiger schrumpft zunehmend. Selbst ein Zweckbündnis mit den einst feindlich gesonnenen Wesmen bringt kaum Zeit, um den bevorstehenden Untergang zu umgehen. Nur eine letzte Verzweiflungstat scheint Balaia vor der vollständigen Herrschaft der Dämonen zu retten und bringt den Raben deutlicher denn je auf die Schwelle zwischen Leben und Tod. Selbst elementare Verluste in den eigenen Reihen scheinen in der vielleicht letzten Stunde der Söldnertruppe unumgänglich.

_Persönlicher Eindruck_

Die letzte Reise des Raben, sie warf große Schatten voraus, Befürchtungen majestätischer Natur, Ängste ob des drohenden Schicksals, vorwiegend jedoch auch Fragen und Panik über das Danach, die Folgen des bereits im Titel propagierten Heldensturzes. In kürzester Zeit ist James Barclays gigantisches Epos auch hierzulande zu einem der meistgefragten Fantasy-Zyklen aufgestiegen, begeisterte Fachpresse, Fans und renommierte Schriftsteller-Kollegen zugleich und entwickelte ein Eigenleben, welches in der Tat nur den ganz großen Schreibers dieses Genres vorbehalten war. Und nun, mit dem zweiten Teil des sechsten und vorläufig letzten Doppelbandes soll endgültig alles vorbei sein? Tja, es ist merklich schwer, dies zu akzeptieren und hinzunehmen.

Aber tatsächlich brandete kurz zuvor noch Hoffnung auf. Noch vor dem offiziellen Deutschland-Release von „Heldensturz“ verkündete der Autor auf seiner Homepage, dass noch ein weiteres Kapitel in der Geschichte des Raben folgen soll. „Ravensoul“ soll all diejenigen glücklich stimmen, denen der Abschluss in der gegebenen Form ein wenig missfiel. Ein verspätetes Eingeständnis des Autors? Resignation ob der Dinge, die da in Balaia geschehen sind? Oder doch einfach Versöhnung mit dem erhabenen Gebilde, welches sich hier entwickelt hat? Was steckt dahinter – und vor allem: Was geschieht in „Heldensturz“?

Die Antwort auf diese Frage ist zunächst einmal ernüchternd, da die Handlung an sich kaum große Fortschritte macht. Barclay konzentriert den Plot vorzugsweise auf die zahlreichen Kampfhandlungen und beschreibt diese auch in aller Ausführlichkeit. Kaum ein Kapitel, in dem nicht bis ins Uferlose von der Front berichtet wird, kaum eine Seite, in der nicht intensiv beschrieben wird, wie die Seelenfresser durch die Klingen der verbliebenen Opposition endgültig ins Jenseits treten.

Allerdings gelingt es dem Autor andererseits sehr schön, die wichtigsten Charaktere, und damit diejenigen, die im Laufe der elf vorherigen deutschen Ausgaben noch nicht das Zeitliche segnen mussten, im letzten Aufbäumen noch einmal in die Story zurückzubringen – und dies zum ersten Mal als Einheit. Ähnlich wie einst der Kampf gegen die Wesmen in den „Chroniken des Raben“, stehen auch im ungleichen Gefecht gegen die unschätzbar große Dämonengewalt alle Parteien Seite an Seite, um Balaia vor dem Untergang zu bewahren. Der einzige elementare Unterschied: Dieses Mal herrscht tatsächlich eine Art Endzeitszenario vor, welches sich damals vor allem deswegen nicht manifestieren konnte, weil irgendwie klar war, dass die Serie in weiteren Abschnitten fortgeführt würde. Nun, da das Ende der Rabengeschichte bevorsteht, ändern sich die Vorzeichen gewaltig, was nicht zuletzt an der großen Opferbereitschaft des Autors abzulesen ist. Ohne das Offensichtliche an dieser Stelle zu nahe zu beleuchten, scheint klar, dass jedes Heldenepos einmal ein Ende finden wird – und dies ist genau hier der Fall.

Dementsprechend ist der Verlauf der Story in „Heldensturz“ überaus bitter und wird manchen begeisterten Leser erheblich vor den Kopf stoßen. Allerdings musste Barclay einige radikale Schnitte machen, um die Story glaubwürdig zu erhalten. Dies war zwar in einem gewissen Maße zu erwarten, wenngleich die Hoffnung bestand, der Autor könnte sich in irgendeiner Form um die nötigen Schritte herumwinden, um dem Raben auch künftig eine Chance zu geben. Inwieweit der Brite schlussendlich zur Tat geschritten ist, muss natürlich jeder selber erfahren. Verraten sei nur, dass er überraschend schonungslos vorgeht – und damit dürfte eigentlich alles gesagt sein!

Somit ergibt sich am Ende die Frage, ob Barclay die Balance zwischen Konsequenz, Glaubwürdigkeit und harmonischem Abschluss gekonnt gemeistert hat – und genau hier bildet sich ein kleines Defizit heraus, welches sich in der teils sehr abrupten Beschreibung mancher elementarer Ereignisse niederschlägt. Stellenweise wünscht man sich, der Mann hätte das Schlachtengetümmel ein wenig hinten angestellt, um seinen Charakteren noch etwas mehr Lebensraum zu lassen. Partiell werden diese nämlich von den steten Abhandlungen des kriegerischen Treibens überlagert und kommen nicht mehr ganz so zum Zuge, wie man sich dies für ein Grande Finale gewünscht hätte. Doch auch hier liegt das Ganze wohl im Auge des Betrachters und wird wahrscheinlich individuell anders bewertet – mir persönlich fehlt phasenweise aber gerade in diesen Szenen die Tiefe.

Dennoch, dieser letzte Band ist etwas Erhabenes, Besonderes. Und hier spricht dann auch nicht mehr der neutrale Analytiker, sondern der treu ergebene Fan, der die Truppe auf all ihren Reisen begleitet hat, mit ihr durch Dick und Dünn gegangen ist und sich am Ende schamlos eingestehen muss, dass er den Tränen in manchen Szenen sehr nahe war. Aber genau das ist es eben, was man von einem modernen, zeitgemäßen Fantasy-Roman erwarten sollte: Eine völlige Identifikation mit den Charakteren, eine Faszination für die dargestellte Welt und eine Begeisterung für die lebendigen Ereignisse und Wendungen der Story. All dies hat James Barclay nicht nur hier, sondern generell im vollen Dutzend seiner Chroniken und Legenden um den Raben immer wieder eindrucksvoll inszeniert, ohne sich dabei den gängigsten Konventionen zu stark zu unterwerfen. Dafür gebührt dem britischen Autor nicht nur mein persönlicher Respekt, sondern zu guter Letzt das verdiente Lob für die Erschaffung des womöglich besten Charakterstamms, den die Fantasy-Literatur seit Tolkiens viel zitierten Meisterwerk erblicken durfte. Danke, Mr. Barclay, für all die tollen Stunden, die wir mit ihren Geschichten verbringen durften, und ein noch größerer Dank dem Raben dafür, dass man an seinem Schicksal so intensiv teilhaben durfte – und eventuell bald noch ein weiteres Mal darf! Aber ganz unabhängig davon: Dieses monumentale Epos muss man vom ersten bis zum hiesigen Roman definitiv gelesen haben, wenn man phantastische Literatur liebt!

http://www.heyne.de

Christopher, John – Fürst von morgen, Der

Wahrscheinlich verbindet man mit dem Namen John Christopher vor allem eine Kinderbuchtriologie, die den Titel [„The Tripods“, 4616 zu Deutsch „Die dreibeinigen Herrscher“, trägt. Aber der Autor, der mit bürgerlichem Namen Christopher Samuel Youd heißt, hat eine Vielzahl von weiteren Romanen und Büchern verfasst, unter denen auch die Kinderbuchtriologie „Der Fürst von Morgen“ zu finden ist. Diese umfasst die drei zwischen 1970 und 72 erschienen Romane „Der Fürst von Morgen“ (The Prince in waiting), „Hinter dem brennenden Land“ (Beyond the Burning Lands) und „Das Schwert der Geister“ (The Sword of the Spirits). Der |Fischerverlag| hat sich dieses Klassikers der Science-Fiction angenommen und alle drei Bücher in einem Sammelband veröffentlicht.

Allein das Buch ist schon ein echter Hingucker, umfasst doch ein blauer Leineneinband die knapp 500 Seiten. Schutzumschlag, Rundrückenbindung und Lesezeichenbändchen machen die Optik perfekt und lassen das Buch auch im Regal gut aussehen. Damit ist auch der Preis von 18 Euro gerechtfertigt.

Christopher entwirft ein England in der Zukunft, in der eine globale Katastrophe die Menschheit auf den Stand des frühen Mittelalters zurückgeworfen hat. Stadtstaaten und deren Fürsten führen Beutekriege gegeneinander, stehlen Vieh und die Ernte und verlangen Lösegeld für Gefangene. Technische Errungenschaften wie Elektrizität, Eisenbahnen oder Beton sind in Vergessenheit geraten und werden als gefährlich verdammt. Durch Krankheiten und Mutationen haben sich nach der Katastrophe veränderte Lebewesen etabliert. Diese so genannten Polymorf-Kreaturen werden erbittert gejagt oder – im Falle von Menschen – als billige Arbeitskräfte ohne Rechte missbraucht. Die spirituelle Macht liegt in den Händen einer geheimnisvollen Gruppe, die sich selber als Seher bezeichnen, mit den Geistern in Verbindung stehen und über sonderbare, magische Fähigkeiten zu verfügen scheinen.

So entwickelt Christopher eine mittelalterliche Fantasywelt in der Postapokalypse mit Phantasywesen, Druiden und Kriegern, in der er die Geschichte des jungen Luke erzählen kann. Dieser ist Hauptperson und Ich-Erzähler der Romansammlung. Geboren als Sohn eines unbedeutenden Hauptmannes, wird ihm eines Tages von den Geistern offenbart, dass er auserkoren wurde, der Fürst von Morgen zu sein und ganz England zu beherrschen. So beginnt sein steiniger Weg, der immer mehr Opfer und Entscheidungen von ihm verlangt.

Die drei Bücher widmen sich hierbei immer einer Episode in seinem Leben. „Der Fürst von Morgen“ erzählt vom jungen Luke, seinem Leben als Zwölf- bis Vierzehnjähriger und dem Aufstieg seiner Heimatstadt Winchester und seiner Familie. „Hinter brennendem Land“ wirft einen Blick über die Stadtmauern und das Umfeld von Winchester. Der inzwischen fast erwachsen wirkende Luke und seine Freunde reisen in die Welt hinaus, um dort Liebe, Verantwortung und eine ganz andere Welt kennenzulernen. „Das Schwert der Geister“ als Abschluss der Trilogie weiß von der unbequemsten, aber bewegendsten Episode aus dem Leben des Protagonisten zu berichten und schließt mit einem von seinen Erlebnissen gezeichneten und erwachsen gewordenen Luke ab.

Mit den drei Büchern findet sich auch eine Steigerung der Fantasyanteile statt. Beginnt die Trilogie noch in einem zwar phantastischen, in ihrer Wirkung aber eher klassisch-mittelalterlich zu nennenden Welt, so findet man sich im zweiten Buch in einer Welt voller Fantasie wieder, nur um im letzten Buch mit fast allen Registern des Genres konfrontiert zu werden. Diese Steigerung ist reizvoll, stört aber etwas das konsistente Bild der entworfenen Welt.

Christopher bezieht in die Abenteuer Lukes geschickt weitere Themen und ihre Problemfelder ein. Der Leser wird mit Freundschaft und ihrem Preis, den Errungenschaften einer modernen Welt, Macht und Traditionen sowie der Frage nach dem Wert von Menschen jenseits der Normen konfrontiert. Das wirkt ganz selten auf den erwachsenen Leser eine Spur zu moralisch, fügt sich aber meist gut in den Fluss der Ereignisse ein.

Neben den spannenden Entwicklungen im politischen Bereich, den Wegen, die die Hauptcharaktere gehen, den Entwicklungen, die sie durchmachen, und der Entdeckung der Welt von Morgen unterhält das Buch noch aus einem anderen Grund; denn wie so viele Science-Fiction-Autoren der letzten Jahrzehnte wurde auch John Christopher bei der Entwicklung seiner düsteren Zukunft von unserer technischen Entwicklung ein- und um Längen überholt. Oftmals wird man nicht umhinkommen zu schmunzeln und sich eine Apokalypse mit Schlaghosen, Discomusik und dem Design der 70er Jahre vorzustellen. Aber man merkt dem Buch an, dass der Autor sich viele Gedanken gemacht hat, die in ihrer Art in den Jahrzehnten nach ihm von anderen Schreibern und Geschichtenerzählern immer wieder aufgenommen und aktualisiert wurden. Christopher hat hier einen Keim für viele Bilder gelegt, die im Laufe der 70er und 80er Jahre in Buch und Film Verwendung fanden.

Die deutsche Übersetzung von Ilse Adolph liest sich solide, so dass es hier nichts zu kritisieren gibt. Ab und an sind jedoch Formulierungen gewählt worden, über die man etwas stolpern kann, die jedoch dem vorherrschenden 70er-Jahre-Flair des Buches nur zuträglich und daher eigentlich unterhaltsam sind. Ein Tuschekarte in den Inlaycovern mit einer Übersichtskarte der Handlungsorte und einem Nachwort des deutschen Autors Dietmar Dath machen aus dem Buch ein mehr als gelungenes und sehr empfehlenswertes Werk für Leser zwischen 12 und 99.

http://www.fischerschatzinsel.de

Mehnert, Achim – Atlan – Im Bann der Gatusain (Illochim-Trilogie 2)

Band 1: [„Das Relikt der Macht“ 4863

_Story_

Mit einem raffinierten Streich ist der letzten verbliebenen Meinleid-Kämpferin Greta Gale die Flucht aus Terrania City gelungen. An Bord der |Eshnapur| entflieht sie mit ihrem Sarkophag dem Raumhafen der Erde, muss sich jedoch alsbald mit dem Lordadmiral höchstpersönlich auseinandersetzen, der mit der Besatzung der |Avignon| die Verfolgung aufgenommen hat. Doch das Flugmanöver entwickelt sich für Atlan zum mittelschweren Fiasko.

Gale nutzt die Kräfte des Gatuain und verwächst geradezu mit dem Sarkophag, so dass es ihr schließlich gelingt, die Betriebssysteme auf Atlans Schiff in ihre Hände zu bekommen. Während die |Eshnapur| unversehrt auf einer Fremdwelt namens Orgoth landet, ist die |Avignon| Gales Willkür ausgesetzt – und Greta macht vor weiteren Leichen keinen Halt mehr!

Auf Orgoth sind Atlan und seine Begleiter ohne weitere Unterstützung hilflos. Erschwerend hinzu kommt der Zustand von Tristan Li, der sich völlig vom muschelförmigen Sarkophag abhängig gemacht hat und auf ständige ärztliche Betreuung angewiesen ist. Doch auch der Lordadmiral muss sich eingestehen, ohne den gegenständlichen Navigator nicht mehr existieren zu können, was seine Entscheidungsfähigkeit bei der Suche nach Greta Gale maßgeblich erschwert. Doch die Zeit drängt, denn die bissige Meinleid-Kämpferin droht auf Orgoth bereits die nächste Kolonie mit ihren suggestiven Kräften zu unterwerfen und auch diese Welt ins Chaos zu stürzen.

_Persönlicher Eindruck:_

Achim Mehnert, seines Zeichens schon erprobter „Atlan“-Autor stand bei der Erstellung des mittleren Parts der „Illochim“-Trilogie vor einer verdammt kniffligen Aufgabe. Der dürftige, stellenweise gar unglaubwürdige Plot steuerte bereits zum Auftakt in eine ermüdend anmutende Sackgasse und präsentierte sich inhaltlich als der bislang ganz klar schwächste Band der neuen Romanserie. Zu fragmentarisch waren kürzlich noch die einzelnen Handlungsstränge, zu langweilig die Charaktere, zu durchschaubar die Geschichte im Allgemeinen. Ergo lastete auf Mehnert ein ganz besonderer Druck, zumal er sich als „Atlan“-Schreiber jüngst noch beweisen konnte.

Leider gelingt es aber auch ihm nicht so recht, die etwas gezwungene Story in rechte Bahnen zu lenken. Zwar verändert Mehnert nach anfänglichen Schwierigkeiten zumindest die Wesenszüge der Handlung und macht das Ganze zu einem überraschend universellen Spektakel, jedoch steckt der Karren bisweilen einfach schon zu tief im Dreck, als dass man ihn nun wieder einfach so herausziehen könnte. Als problematisch erweisen sich in diesem Zusammenhang vor allem die Charakterzeichnungen, die bereits im ersten Band völlig versemmelt wurden. Man muss dem Autor jedoch zugestehen, zumindest noch das Beste aus seinen Möglichkeiten gemacht zu haben, gerade was den zunächst noch unscheinbaren Tristan Li und die manische Greta Gale betrifft. Letztere schwankt zwar zum Schluss hin ganz gewaltig in ihrem Auftreten, allerdings beschreibt dieser Zustand sehr schön ihren innerlich zerrissenen Gemütszustand, der im letzten Abschnitt gut zum Tragen kommt. Atlan wiederum nimmt nun endgültig die Zügel in die Hand, muss sich jedoch noch viel intensiver mit seinem bedrohlichen Suchtverhalten beschäftigen. Ständig fühlt er das Verlangen, den Gatusain von Neuem zu besteigen und sich seine Dosis abzuholen, jedoch ist die Darstellung dessen auch ein wenig schwammig. Die Sucht als tragendes Element der Story ist jedenfalls nur partiell interessant, wird jedoch im weiteren Verlauf immer nerviger, weil das damit einhergehende zwanghafte Verhalten stets die eigentliche Story überschattet. Und da man sich insgeheim sowieso schon ausmalen kann, dass Atlans Verhalten kein Dauerzustand sein wird, wirkt das Ganze langfristig eher unspektakulär als spannungstauglich.

Gelungen ist Mehnert indes die Verlagerung des Szenarios auf den Fremdplaneten Orgoth. Zwar bedarf es auch hier einer gewissen Einlaufzeit, bis sich das Setting zu entfalten lernt, aber zumindest blitzen teilweise wieder Stärken auf, die schon die [„Rudyn“-Trilogie 4470 auszeichneten. Und gerade diesen, wenn auch nur geringfügigen Aufwärtstrend behält man bei all den Schwächen, die auch „Im Bann der Gatusain“ prägen, in Erinnerung – auch wenn die „Illochim“-Trilogie nach wie vor nicht richtig in Fahrt kommt.

Wie geht’s nun weiter? Tja, diese Frage beantwortet Mehnert auf den letzten beiden Seiten mit einer einschneidenden Antwort, welche die gesamte Handlung noch einmal auf den Kopf stellen wird, so viel steht bereits fest. Allerdings, und das ist die Schwierigkeit, entsteht auch hier der Eindruck, als habe man unter Zwang versucht, eine Trilogie zu komplettieren, die eigentlich gar nicht als solche taugt. Beide bisherigen Bände hätten als Einzelromane gut funktionieren können, eignen sich im Gesamtzusammenhang aber weniger gut. Dennoch: Eine gewisse Spannung geht vom Schlussszenario schon aus. Und wenn es Rüdiger Schäfer nun schaffen sollte, aus den guten Voraussetzungen zumindest einen überzeugenden „Illochim“-Roman zu kreieren, wäre wenigstens für einen versöhnlichen Schluss gesorgt. Bis hierhin allerdings ist die Trilogie weiterhin sehr enttäuschend!

http://www.fanpro.com
http://www.perryrhodan.net

Wilson, Robert Charles – Axis

„Axis“ ist die Fortsetzung von Robert Charles Wilsons (* 1953, Kalifornien) mit dem |Hugo Award 2006| ausgezeichnetem Roman [„Spin“ 2703 und handelt einige Jahre nach dem Zusammenbruch des Energieschirms um die Erde. Ein riesiger Torbogen im indischen Ozean verbindet ihn mit den Meeren einer fremden Welt, die allmählich kolonisiert und von den meisten Bewohnern trotz einer riesigen Anzahl großartig klingender mythologischer Namensvorschläge nach ihrem größten Kontinent schlicht |Äquatoria| genannt wird.

Doch nach wie vor weiß man nicht, wer für den Spin verantwortlich war oder warum es ihn überhaupt gegeben hat. Der Glaube an die „Hypothetischen“ nimmt teilweise groteske Formen des Aberglaubens an, während verschiedene Gruppen gezielt versuchen, Kontakt mit den unbekannten Intelligenzen aufzunehmen, für einige Radikale gleichbedeutend mit einem Kontakt mit Gott. Jason Lawton hat dies bekannterweise bereits in „Spin“ versucht, überlebte die Kontaktaufnahme aber nicht.

Im Alter von zwölf Jahren scheint die Zeit des speziell zu diesem Zweck genetisch veränderten Isaac gekommen zu sein: Ein Meteoritenschauer erzeugt nicht nur hübsch anzusehende Sternschnuppen, sondern seltsame, absurde Lebensformen, die jedoch rasch sterben und die Städte mit lästig dicken Staubschichten bedecken. Auf der Suche nach ihrem Vater, der vor zwölf Jahren unter mysteriösen Umständen verschwunden ist, treffen Lise Adams und ihr Freund Turk Findley auf die aus „Vierten“ bestehende Gruppe um Isaac. Unterstützt werden sie von Diane Lawton, die enge Kontakte zu mehreren illegalen „Vierten“-Gemeinschaften unterhält, die von einer eigens dafür geschaffenen Regierungsbehörde – dem Ministerium für genomische Sicherheit – unnachgiebig verfolgt werden.

_Das Leben in einer Post-Spin-Koloniewelt_

Wilson schaltet trotz vieler offener Fragen einen Gang zurück. Er legt den Fokus jetzt auf das Leben der Menschen in einer neuen Welt, die kurz nach dem Ende des Spins kolonisiert wurde. Die Nachwirkungen des Spins beschäftigen noch immer die Gemüter, und so wird die Suche von Lise Adams nach ihrem gegen Ende der Spinzeit verschwundenen Vater auch zu einer Art Sinnsuche. Für Neueinsteiger ist das Buch nicht geeignet, denn Wilson setzt stillschweigend Kenntnis von „Spin“ voraus. Ohne diese Kenntnisse kann man mit Begriffen wie „Vierten“ für speziell lebensverlängerte Personen und der zumindest bei den Marskolonisten für sie existierenden Sozialhierarchie und den Problemen der Erdmenschen und Äquatorias mit den langlebigen „Vierten“ nichts anfangen; auch im Hinblick auf die „Hypothetischen“ werden Vorkenntnisse benötigt. „Axis“ ist der Mittelband einer geplanten Trilogie um den Spin, was mich überrascht. Denn auch wenn „Spin“ ein sehr offenes Ende hat, kann ich mir nicht vorstellen, was Wilson hier noch einbringen könnte. Gerade dass er auf nur 555 Seiten eine ungeheure Vielzahl von Ideen untergebracht hat, anstatt daraus einen mehrbändigen Zyklus zu produzieren, ehrte ihn in meinen Augen. Um eines vorwegzunehmen: Das Ende von „Axis“ ist faszinierend, aber auch unbefriedigend, da es eher zum Staunen anregt als neue Erkenntnisse zu liefern.

Isaac und seine Mutter Mrs. Rebka – benannt nach einem Charakter des verstorbenen Charles Sheffield aus seinem |Heritage|-Zyklus; er selbst wohl nach Isaac Asimov – stehen nicht im Zentrum der Handlung, obwohl die Geschichte mit Isaac und der mit Referenzen auf andere SF-Autoren ein wenig überfrachteten Vierten-Gruppe beginnt. Wilson hat keine dominante Hauptfigur, sofern man nicht unbedingt Lise Adams, Turk oder Isaac zu solchen erklären möchte; er erzählt vom Leben auf dieser neuen Welt aus verschiedenen Blickwinkeln und gibt dem Leser so einen Einblick in die Post-Spin-Gesellschaft und ihre zahlreichen Manien. Die Kolonisierung der neuen Welt hingegen wird recht stiefmütterlich behandelt: Neben Äquatoria gibt es noch eine Wüste, in der ein weiterer Torbogen steht, der auf einen Ödplaneten mit Giftatmosphäre führt, weshalb er noch nicht näher untersucht wurde. Nun, vielleicht geschieht dies ja im dritten Band; bei allem Fokus auf soziale Geflechte und Motivationen – was Wilson wirklich sehr gut gelungen ist; kein Vergleich zu seinem damit überfrachteten und mit dem Label Science-Fiction beinahe fehldeklarierten [„Quarantäne“ -, 4264 hat er beide Welten nur recht stiefmütterlich beschrieben. Diese Kolonie wirkt auf mich nicht fremdartiger als das heutige Hörensagen vom Leben in Australien; bis auf eine riesige Schiffabwracker-Industrie an den Stränden Äquatorias scheint der einzige nennenswerte Unterschied in der Haltung der Menschen zum mittlerweile vergangenen Phänomen des Spin und den Hypothetischen zu bestehen. Und diese Fragen bleiben leider auch am Ende offen – ebenso ergebnislos verläuft auch die etwas aufgesetzt wirkende Hetzjagd der genomischen Sicherheit, die Wilson nur etwas beiläufig nebenher eingebaut hat.

_Fazit:_

Leider fehlt es der Fortsetzung an der Ideendichte und dem atemberaubenden kosmischen Rahmen des Vorgängers „Spin“. Dafür sind alle Charaktere deutlich ausgefeilter und harmonisch in die Handlung eingebunden. Ebenso ist die Geschichte spannend erzählt und ein angenehmer Lesefluss die Regel. Wilson erweist sich als abwechslungsreicher Erzähler, doch bei aller Finesse und obwohl ich die Geschichte sehr gerne gelesen habe, frage ich mich, ob man dieses Bisschen zusätzlicher Information in einem eigenen Roman breitschlagen musste. Wer „Spin“ mochte, darf mit erwähnten Vorbehalten zuschlagen; wem das Ende von „Spin“ bereits zu unbefriedigend war, der sollte diesen Roman besser meiden. Erzählerisch hat Wilson „Spin“ übertroffen, insgesamt fehlt es diesem Roman jedoch an dem höheren Grad der Faszination und der geballten Ladung an Ideen, die „Spin“ einen |Hugo| einbrachten. Wilson selbst befürchtete solche Vergleiche, wie er auf seinen Blog erwähnt, denn „Axis“ sollte bewusst eine ganz andere Art von Buch sein. Vielleicht leidet „Axis“ einfach nur unter dem Mittelband-Syndrom; eventuell gelingt es Wilson, die Vorzüge von „Spin“ und „Axis“ in dem geplanten Abschlussband „Vortex“ zu vereinen.

http://www.heyne.de
http://www.robertcharleswilson.com

_Robert Charles Wilson auf |Buchwurm.info|:_

[„Spin“ 2703
[„Quarantäne“ 4264
[„Die Chronolithen“ 1816
[„Darwinia“ 92
[„Bios“ 89

Fallon, Jennifer – unsterbliche Prinz, Der (Gezeitenstern-Saga 1)

_Cayal_ hat einige Anstrengungen unternommen, um auch wirklich ganz sicher geköpft zu werden. Nur leider konnte er nicht wissen, dass der Henker zur Zeit in Urlaub ist, um seine kranke Mutter zu besuchen. Deshalb soll Cayal nun gehängt werden, und das ist in seinem Fall eine absolute Zeitverschwendung. Nur leider glaubt ihm das keiner.

Dass ein Mann so lange am Galgen hängen kann, ohne zu sterben, hat natürlich Konsequenzen. Declan Hawkes, der Erste Spion des Königs, sucht höchstpersönlich das Gefängnis auf, um sich den Mann anzusehen, der inzwischen behauptet, ein Gezeitenfürst zu sein, ein Unsterblicher. Hawkes beschließt, seine Freundin Arkady als Sachverständige hinzuzuziehen. Die junge Historikerin, die ganz nebenbei auch noch die Ehefrau des regierenden Fürsten ist, soll herausfinden, ob der Kerl lügt oder verrückt ist. Doch es kommt alles ganz anders …

_Die Charaktere_ in diesem Buch sind erfrischend unverbraucht. Da wäre zunächst einmal Cayal, genannt der unsterbliche Prinz, ein Attribut, auf das er nur zu gern verzichten würde. Schon seit geraumer Zeit sucht er einen Weg, sich umzubringen. Die Ewigkeit ödet ihn an, und außerdem trägt er eine ganze Menge böser Erinnerungen mit sich herum, auf die er getrost verzichten könnte. Dabei wäre er eigentlich kein allzu übler Kerl. Tatsächlich hat gerade die Tatsache, dass er zum falschen Zeitpunkt ein wenig zu anständig war, ihm letztlich die unerwünschte Unsterblichkeit eingebrockt. Trotzdem hat er in seinem langen Leben eine ganze Menge unschöner Dinge getan, die ihn jetzt in seinen Träumen verfolgen. Abgesehen davon hat ihn der Lauf der Welt bis zur Depression desillusioniert.

Arkady dagegen hat sich mit ihrem Leben arrangiert. Dass es auf einem ganzen Berg von Lügen aufgebaut ist, macht die Sache zwar nicht unbedingt einfach, andererseits erlaubt ihre Position, dass sie Dinge tut, die sie als Tochter eines verarmten Arztes niemals hätte tun können. Zum Beispiel als Historikerin arbeiten. Oder sich um die Crasii in den Slums von Lebec kümmern. Arkady besteht auf ihre Unabhängigkeit, sie ist selbständig, wissbegierig und eine ausgesprochene Rationalistin. Außerdem ist sie eine treue Verbündete ihres Mannes Stellan, mit dem sie zwar keine Liebe verbindet, aber dafür eine gute Freundschaft.

Denn Stellan ist schwul. Das ist eine ziemlich ernste Angelegenheit, sie könnte Stellan seine Provinz kosten, sollte der König davon erfahren. Dabei ist Stellan eine seiner größten Stützen, nicht nur, weil er ein hervorragender Verwalter und ein treuer Gefolgsmann ist, sondern auch, weil er über außergewöhnliches diplomatisches Geschick verfügt. Und nicht zuletzt, weil er der Einzige ist, der so etwas wie Einfluss auf den leichtsinnigen jungen Kronprinzen hat. Die größte Schwäche des freundlichen und sanftmütigen Fürsten ist allerdings sein Geliebter Jaxyn.

Jaxyn ist ein leichtlebiger, windiger Bursche, charmant, intelligent, gutaussehend und ein wenig arrogant. Er liebt den Luxus und lässt sich von Stellan genüsslich freihalten. Offiziell bekleidet er das Amt eines Zwingerverwalters, und tatsächlich kann er mit den Crasii erstaunlich gut umgehen. Arkady aber mag ihn nicht, was Jaxyn ein wenig hinderlich ist. Denn inoffiziell ist er nicht nur Stellans Geliebter, sondern noch etwas weit Gefährlicheres …

Dazu kommt eine größere Anzahl weiterer Personen, und diese alle sind sehr glaubwürdig und lebendig beschrieben, vor allem die Darstellung von Cayals lebensmüdem Abscheu gegen die Welt, diese Mischung aus naivem Held und Unmenschlichkeit, die nur durch seine massiven Gewissensbisse gemildert wird, aber auch der Kampf zwischen Arkadys rationalem Denken und dem Offensichtlichen, jedoch für sie Unglaublichen ist hervorragend gelungen.

_Ihrer Welt_ hat die Autorin dieselbe Sorgfalt angedeihen lassen. Amaryntha war eine Welt wie jede andere, bis die Ewige Flamme vom Himmel fiel und zwei Männern sowie einer Ratte Unsterblichkeit verlieh. Das wäre an sich noch nicht sooo schlimm gewesen, gäbe es da nicht eine ziemlich unangenehme Nebenwirkung: Diejenigen, die die Ewige Flamme überleben, verfügen fortan über eine Verbindung zum Gezeitenstern. Und wenn diese Verbindung stark genug ist, verleiht sie den Unsterblichen ungeheure magische Macht. Vorausgesetzt, es ist Flut!

Denn die Magie des Gezeitensterns unterliegt – logisch – den Gezeiten. Bei Flut sind die Gezeitenfürsten ungeheuer mächtig, bei Ebbe sind sie nahezu völlig machtlos. Überhaupt gibt es unter all den Unsterblichen nur wenige echte Gezeitenfürsten. Das hindert die anderen Unsterblichen aber nicht daran, sich wie Götter aufzuführen und verehren zu lassen. Und es hindert die ganze Horde nicht daran, einander ständig in kleinlichen Fehden zu bekriegen und dabei immer wieder ganze Kontinente zu entvölkern. Aus nachvollziehbaren Gründen sind die Gezeitenfürsten bei den Menschen nicht allzu beliebt, was dazu führt, dass sie sich bei Ebbe in der Regel irgendwo verkriechen, bis die Gezeiten wieder wechseln. Ein interessantes Szenario.

Zusätzliche Facetten erhält das Ganze durch die Crasii, eine Mischung aus Mensch und Tier, die die Gezeitenfürsten einst schufen, um jederzeit über bedingungslos gehorsame Sklaven verfügen zu können. Abgesehen von dem ihnen angezüchteten Gehorsam gegenüber den Gezeitenfürsten und dem damit verbundenen besonderen Wissen über die Unsterblichen, das den Menschen in der letzten, besonders lang andauernden Ebbe verlorengegangen ist, zeichnen sie sich durch eine ungewöhnliche Verbindung von tierischen und menschlichen Verhaltensweisen aus, die manchmal verblüfft, manchmal auch betroffen macht.

Jennifer Fallon hat die Entwicklung ihrer Welt geschickt mit der eigentlichen Handlung verwoben, indem sie Cayal aus seiner Vergangenheit erzählen lässt. Da er sich dabei nicht an die chronologische Reihenfolge hält, ist der Bericht lückenhaft, was geschickterweise dafür sorgt, dass der Leser nicht zu Beginn schon zu viel erfährt. Tatsächlich stellt der Leser nach gut siebenhundertfünfzig Seiten fest, dass im Grunde gar nicht viel passiert ist. Cayal landet nach seiner verpatzten Hinrichtung im Knast, kommt schließlich frei und flieht in die Berge, wo er gestellt wird.

Die eigentliche Geschichte spielt sich wieder mal nicht in einer rasanten Achterbahn ab, sondern zwischen den Personen der Geschichte. Das gilt auch für den historischen Teil von Cayals Erzählung, wo sich die entscheidenden Dinge zwischen den verschiedenen Unsterblichen ereignen. Durch die zwei verschiedenen Handlungsstränge und die doch relativ hohe Anzahl von Personen auf beiden Seiten gibt es eine ganze Menge zu erzählen, sodass es trotz des relativ ruhigen Handlungsverlaufs niemals langweilig wird, selbst wenn es nicht ständig atemberaubend spannend bleibt. Tatsächlich baut die Autorin ihre Spannung ganz allmählich auf, sodass ich den genauen Zeitpunkt gar nicht so richtig festmachen kann.

_Auf jeden Fall_ hat mir diese Einleitung zur |Geizeitenstern|-Saga sehr gut gefallen. Die Charaktere sind sehr lebendig und angenehm klischeefrei, der Hintergrund ist sowohl vom Entwurf her interessant als auch mit einer Menge noch ungelöster Geheimnisse gespickt, und die Handlung, obwohl bisher eher ruhig gehalten, bietet sowohl Möglichkeiten für größeres Tempo und mehr Bewegung als auch für jede Menge Verwicklungen und Intrigen. Wenn die Fortsetzungen halten, was die Einleitung verspricht, dann wird das ein erstklassiger Zyklus.

_Jennifer Fallon_ stammt aus einer großen Familie mit zwölf Geschwistern. Sie hat in den verschiedensten Jobs gearbeitet, unter anderem als Kaufhausdetektivin, Sporttrainerin und in der Jugendarbeit. Letzteres scheint ihr immer noch nachzuhängen, denn unter ihrem Dach leben außer drei eigenen Kindern einige obdachlose Jugendliche als Pflegekinder. Schreiben tut sie nebenher. Ihre erste Veröffentlichung war die |Dämonenkind|-Trilogie, außerdem stammt die Trilogie |Second Sons| aus ihrer Feder. Die |Gezeitenstern|-Saga ist inzwischen bis Band drei gediehen, Band vier soll Ende des Jahres in Australien erscheinen. Wann der zweite Band auf Deutsch veröffentlicht wird, steht noch nicht fest.

|Originaltitel: The Immortal Prince
Ins Deutsche übertragen von Katrin Kremmler und Rene Satzer
652 Seiten
ISBN 978-3-8025-8146-5|
http://www.jenniferfallon.com
http://www.egmont-lyx.com

[„Kind der Magie“ 1328 (Dämonenkind Band 1)
[„Kind der Götter“ 1332 (Dämonenkind Band 2)
[„Kind des Schicksals“ 1985 (Dämonenkind Band 3)
[„Erbin des Throns“ 2877 (Die Chroniken von Hythria 1)
[„Ritter des Throns“ 3327 (Die Chroniken von Hythria 2)
[„Herrscher des Throns“ 3878 (Die Chroniken von Hythria 3)

Stecher, Rainer – Konzil von Atragon, Das (Atragon III)

Band I: [„Die Flamme von Atragon“ 4817
Band II: [„Rückkehr nach Atragon“ 4818

_Weitere fünf Jahre sind vergangen._ Die Menschen haben seit ihrer Befreiung aus Trong einige Siedlungen wieder aufgebaut und neue Felder angelegt. Doch der Großteil des Landes ist noch immer vergiftet und ausgedörrt. Trinkwasser und Nahrungsmittel sind heiß umkämpft. Doch der Anführer der gefährlichsten Räuberbande, Rogan, will mehr! Er will die Krone von Targona.

Adinofis hat derweil schreckliche Visionen, in denen die Menschen sich gegenseitig selbst vernichten. Doch das Ende der Menschen würde auch das Ende der Feen auf der Welt bedeuten, denn ohne die Menschen wären sie als Hüter des Lebens überflüssig. Um beider Völker und ihrer Liebe zu Cenotes willen versucht Adinofis, den drohenden Krieg abzuwenden. Sie beruft ein Konzil ein …

_Der dritte Band_ des |Atragon|-Zyklus ist mit knapp einhundertzwanzig Seiten der kürzeste der drei. Und der einzige neue Charakter ist Rogan. Rogan ist in Cenotes Alter, und er ist von königlichem Geblüt. Allerdings besitzt er keinerlei Verantwortungsgefühl, die Menschen unter seiner Führung sind ihm egal. Alles, was ihn interessiert, ist Macht. Cenotes dagegen versucht, sein Land wieder aufzubauen, indem er sein Volk unterstützt. Er lässt Lebensmittel verteilen, will Schulen einrichten und so weiter und so fort … Mit anderen Worten, ein Streit zwischen zwei Kontrahenten, die aufgrund ihrer eindimensionalen Darstellung komplett ins Klischee abrutschen.

Entsprechend wenig gibt auch _die Handlung_ her. Sie bewegt sich etwas umständlich und braucht daher eine Weile, bis sie in die Gänge kommt. So geht Rainer Stecher zunächst ausgiebig auf Ensine und Hesaret ein. Wobei ausgiebig nicht das richtige Wort ist. Im Grunde erzählt er diesen Teil der Handlung genauso knapp wie alles Übrige. Es hat nur keinerlei Auswirkungen auf die eigentliche Thematik der Handlung. Die kommt erst, als die beiden mit Cenotes zusammentreffen, und von da an tauchen sie kein einziges Mal mehr auf.

Auch Adinofis reagiert träge. Es dauert, bis ihre Unterhaltung mit Salina endlich mal zum Kern der Sache kommt, nämlich ihrer Vision. Und außerdem stellt sich die Frage, warum sie überhaupt so lange gewartet hat. Eine Hüterin des Lebens sollte eigentlich keine fünf Jahre zusehen, wie Räuber mordend und plündernd durch die Welt reiten. Als Adinofis dann endlich anfängt, etwas Konkretes zu unternehmen, ist das Buch schon wieder mit großen Schritten auf dem Weg zum Showdown.

Spannung hat sich bis dahin allerdings keine entwickelt. Vielleicht sollte das lange Hinhalten in Bezug auf Adinofis‘ Vision dazu dienen, die Sache spannender zu gestalten, funktioniert hat es allerdings nicht. Nicht einmal der drohende Zweikampf zwischen Rogan und Canotis ließ ein Gefühl von Aufregung oder Nervosität aufkommen. Einziger Höhepunkt des Buches war der Schluss, der mit einer echten Überraschung aufwarten konnte.

Abgesehen davon, dass die Handlung zwar Bewegung, aber kaum Aufregung bietet, hatte sie ein paar gravierende Haken. Vor allen Dingen wunderte ich mich, wo Rogan auf einmal herkam. Nicht, dass der Autor auch nur versucht hätte, es zu erklären. Es wird lediglich die Feststellung getroffen, dass der ehemalige erste Leibwächter König Argonats von seiner Zeit am Hofe erzählt habe, und daraus habe Rogan entnommen, dass er der rechtmäßige Thronerbe sei. Im ersten Band wird allerdings noch vom Getratsche der Leute über die Kinderlosigkeit der Königin berichtet. Cenotes war also ihr erstes lebendes Kind. Und für ein zweites dürfte keine Zeit mehr gewesen sein, denn nur wenige Tage nach Cenotes‘ Geburt wurde Tauron dem Erdboden gleichgemacht, und da Cenotes von der alten Hebamme Sidonis aufgezogen wurde, ist anzunehmen, dass die Königin nicht überlebt hat.

Mindestens ebenso erstaunlich war, dass Anja, die im zweiten Band als bereits gebeugte und ergraute, alte Frau beschrieben wird, im dritten auf einmal wieder aufrecht und mit dunklem Haar dargestellt wird. Außerdem ist mir bis jetzt noch nicht klar, warum ausgerechnet nach Adinofis‘ Versuch, Rogan zu beeinflussen, der beste Zeitpunkt sein sollte, Tauron anzugreifen. Andere Fäden, die ohnehin lose gewesen wären und die man nur hätte verknüpfen müssen, wurden dafür nicht weiterverfolgt. Zum Beispiel hat sich bis zum Ende des dritten Bandes nichts ergeben, das den Auftritt von Adinofis‘ Vater im ersten Band zwingend notwendig gemacht hätte.

_So ist der letzte Band_ ein seltsames Gemisch aus Szenen, die für die eigentliche Geschichte wichtig gewesen wären, aber so knapp erzählt waren, dass die Nachvollziehbarkeit beeinträchtigt wurde – wie die, als Rogan beschließt, Tauron anzugreifen, – und solchen, die ausführlicher behandelt wurden, obwohl das gar nicht nötig gewesen wäre – wie das Wiedersehen zwischen Hesaret und Ensine. Letztere sollte wahrscheinlich der Handlung mehr Stimmung und Farbe verleihen. Und womöglich wäre das auch gelungen – wenn auch der Rest der Handlung etwas mehr Leben und Farbe erhalten hätte.

Bleibt zu sagen, dass mit Ausnahme des Schlusses, der sich durch sein Überraschungsmoment und die ihm innewohnende Dramatik positiv vom Rest des Buches abhebt, der dritte Band der schwächste der Trilogie geworden ist. Nicht dass die Thematik eines Krieges zwischen Menschen weniger Gewicht besäße als die eines Krieges gegen einen übermächtigen Feind von außen, im Gegenteil. Es ist nur so, dass es dem Autor nicht gelungen ist, sein Anliegen – nämlich dass die Menschen sich selbst zerstören werden, wenn sie nicht aufhören, nach Geld und Macht zu gieren, anstatt einander mit Respekt und Liebe zu begegnen – so zu verpacken, dass es den Leser auch berührt. Stattdessen werden die Schlüsselphrasen auf geradezu schulmeisterliche Art mehrmals wiederholt, nicht nur im Klappentext, sondern auch im Prolog und in der Geschichte selbst sowie in den diversen Gedichten nach dem Ende der Geschichte. Irgendwann löste diese Wiederholung eine gewisse Gereiztheit bei mir aus.

_Die Trilogie insgesamt_ hätte durchaus ein vielschichtiges, interessantes und spannendes Werk werden können, wenn Rainer Stecher sich die Arbeit gemacht hätte, seine Ideen detailliert auszuarbeiten. Sprachlich war das Buch – abgesehen von der merkwürdigen Zeichensetzung, die ich allerdings eher dem Lektorat zur Last lege – durchaus gewandt und vielseitig. Es ist also nicht so, als wäre der Autor nicht in der Lage gewesen, mehr aus seiner Geschichte zu machen. Vielleicht wollte er einfach nicht. Sehr schade. Andererseits findet sich im hinteren Teil des Buches bei den Gedichten eines, das in die Zukunft weist. Vielleicht kommt ja noch ein vierter Band nach? Informationen waren dazu keine zu finden.

_Rainer Stecher_ ist gebürtiger Thüringer, lebt aber jetzt in Berlin. Mit dem Schreiben begann er auf Bitten seiner Kinder, zur Veröffentlichung des Manuskriptes überredete ihn sein Vater. Seither hat er nicht nur die |Atragon|-Trilogie geschrieben, sondern auch ein Kinderbuch mit dem Titel „Spindelfink – Wie ein Spatz fliegen lernte“ sowie Gedichte und eine Kurzgeschichte, die er zusammen mit anderen Autoren veröffentlicht hat.

http://www.atragon-online.de.vu
http://www.asaro-verlag.de

Stackpole, Michael A. – neue Welt, Die (Die Saga der neuen Welt 3)

|Die Saga der neuen Welt (Age of Discovery):|

Band 1: [„Das verlorene Land“ 1036 (A Secret Atlas)
Band 2: [„Der Kampf um die alte Welt“ 2238 (Cartomancy)
Band 3: _Die neue Welt_ (The New World)

Mit „Die neue Welt“ schließt Michael A. Stackpole nach zwei Jahren endlich die „Saga der neuen Welt“ – im Original etwas knackiger als „Age of Discovery“ betitelt – ab. Einen Seitenhieb auf den wirklich unpassenden Titel kann ich mir nicht verkneifen: denn nur der geringste Teil des Buchs spielt in der neuen Welt, die Monster des Kraft seines Geistes von Qiro Anturasi aus dem Nichts geschaffenen Kontinents Anturasixan sind bereits im letzten Band in kriegerischer Absicht in die alte Welt übergesetzt. Und hier setzt ironischerweise auch der abschließende Band ein, was mich ein wenig an Paul Kearneys „Königreiche Gottes“ erinnerte. Auch in dessen Zyklus war die Entdeckung eines neuen Kontinents geplant, die jedoch aufgrund des starken Handlungsschwerpunkts in der alten Welt und Terminnöten des Autors ebenfalls stark gekürzt wurde, die Monster der neuen Welt kamen stattdessen per Schiff zur Invasion der alten Welt herübergesegelt. Bei Stackpole ist es kaum anders; die neue Welt ist ein einziges Heerlager für die Truppen eines Bösewichtes aus vergangenen Zeiten:

Der aus seiner versiegelten Wüstengruft auferstandene Prinz Nelesquin zieht erneut in die Schlacht gegen die ebenfalls wieder unter den Lebenden weilende Kaiserin Cyrsa. Diese entpuppt sich als niemand anderer als die als „Unsere Dame von Jett und Jade“ bekannt gewordene Edel-Kurtisane. Dieser gelingt es im dritten Kapitel auf nur zehn Seiten, die unversöhnlichen Feinde Cyron und Pyrust zu versöhnen. Sie ernennt Pyrust zu ihrem Feldherren, während Cyron sich um Logistik und Verwaltung sowie die Verteidigung der Hauptstadt Moriande kümmert.

Entschieden wird der uralte Konflikt jedoch zwischen den beiden Meisterkartografen der Familie Anturasi. Der alte Qiro Anturasi formt die Welt, wo immer es geht, nach seinen Wünschen um. Er leitet Flüsse um, verkürzt Distanzen willkürlich, reißt klaffenden Wunden gleichende Gräben, in denen nichts existiert, durch das Land, um den Vorstoß von Nelesquins Armeen zu beschleunigen und die Verteidigung seiner Feinde zu erschweren. Nur die von ihm persönlich vor seinem Aufstieg zum Mystiker gezeichnete große Weltkarte in Moriande fehlt ihm, um seine Kontrolle über Welt und Schöpfung zu vervollständigen. Sie ist sein Fokus – er kann nicht alles völlig ungeschehen machen oder verändern, was er auf ihr zuvor gezeichnet hat. Sein Enkel Keles Anturasi ist entsetzt über den alten Tyrannen und stemmt sich gegen ihn, doch er ist sich des Ausmaßes seiner Kräfte nicht bewusst; er mag ebenso begabt sein wie sein Großvater Qiro, ist aber unerfahren und es fehlen ihm dessen Verschlagenheit und Gewissenlosigkeit.

Doch Keles ist nicht allein; der Schwertkämpfer Moraven Tolo erinnert sich an sein altes Leben als Virisken Soshir, Mitglied der Leibwache der Kaiserin, begierig nicht nur auf ihre Liebe, sondern auch auf den Platz als Kaiser an ihrer Seite. Trotz aller Bemühungen schlägt Prinz Nelesquin Cyrsas Feldherren Pyrust vernichtend; während Moriande vom Feind berannt wird, schlagen sich Moraven Tolo und Ciras Dejote hinter die feindlichen Linien, mit dem Ziel, Prinz Nelesquin den Todesstoß zu versetzen, den sie vor Jahrhunderten versäumt haben.

_Götterauflauf mit unausgegorenem Ideen-Eintopf_

Michael Stackpoles Fantasie ging mit ihm durch. Was sonst seine Stärke ist, uferte in dieser Trilogie endlos aus, zum Schaden von Handlung und Charakterisierung der Figuren. Zu viele Handlungsstränge hat er eröffnet, zu viele Beziehungsgeflechte. Am Ende wurden sie alle zu Stereotypen, wurden sang- und klanglos entsorgt oder enttäuschten. Eine fragwürdige Entscheidung war auch die Willkürlichkeit, mit der einfache Sterbliche zu langlebigen Mystikern ihrer Kunst aufsteigen, in ihren Fähigkeiten denen sterblicher Meister weit überlegen. Das an und für sich interessante Konzept, dass Meisterschaft in welcher Disziplin auch immer – vom Schwertkampf über Magie und Liebeskünste bis hin zur Kartografie – zu einer Art halbgöttlichen Zustandes führen kann, ist ein zweischneidiges Schwert. Qiro Anturasi zaubert an einem Tag völlig willkürlich ganze Kontinente oder Monster für Nelesquins Armeen mühelos herbei, am nächsten kann er dafür kaum eine Brücke über einen Fluss erschaffen, später lässt er dann den ganzen Fluss einfach verschwinden.

Keles Bruder Jorim ist derweil gar zum Gott aufgestiegen. Er kämpft sich durch die Neun Höllen wieder ins Leben zurück, um den bösen Vater der Götter, Nessagafel, der die ganze Schöpfung ungeschehen machen will, zu zerstören. Dabei wird er unterstützt von seiner toten Schwester Nirati und einem im Laufe der Handlung verstorbenen Charakter, den ich nicht verraten möchte. Diese Episode wirkte unnötig aufgesetzt und läuft nahezu parallel und zusammenhanglos zum Kampf gegen Prinz Nelesquin. Eine Art von Dantes Inferno, wie man es definitiv nicht verhunzen sollte!

Die Idee der Reinkarnation von Helden vergangener Zeitalter, die sich erneut bewähren, alte Fehler korrigieren können, scheint mir stark dem [„Rad der Zeit“ 2470 Robert Jordans entlehnt. Allerdings ist auch dies nicht wirklich gelungen. Kaiserin Cyrsa taucht überraschend in Gestalt einer legendären Kurtisane auf – was hätte man daraus für eine Geschichte machen können! Aber da einfach zu viele Handlungsstränge zur Eile gemahnen, übernimmt sie auf mir nach wie vor unbegreifliche Weise innerhalb von zehn Seiten unangefochten das Kommando über die verschlagenen Prinzdynasten, die sich ihr trotz ihrer in den Vorgängern massiv aufgebauten machiavellistischen Natur sofort und bedingungslos unterwerfen und dabei sehr glücklich sind.

Eine als Hauptfigur aufgebaute und später wie so viele vernachlässigte Figur ist die des Schwertmeisters Moraven Tolo, der sich als Virisken Soshir, früherer Leibgardist und Liebhaber der Kaiserin entpuppt:

|Auf Dunos‘ Stirn formte sich ein Keil von Falten.
„Was Kaerinus heilte, war nicht die Narbe, sondern die Erinnerung, die ich verloren hatte, als ich so schwer verwundet wurde. Ich bin nicht Moraven Tolo. Wirklich nicht. Ich bin Virisken Soshir.“
Der Knabe blinzelte verständnislos.| (S. 69)

So kommt es zu dem Paradoxon, dass Virisken Soshir von seinem ehemaligen Schüler zum Meister Moraven Tolo ausgebildet wurde. Auch das ist an und für sich eine reizvolle Idee, leider wird sie inflationär gebraucht und überstrapaziert; ähnliche Sachverhalte treffen auch auf Ciras Dejote und viele andere zu.

_Fazit:_

Stackpole kämpft literarisch an zu vielen Fronten, baut zu viele Ideen und Charaktere auf. So kommt es, dass keine davon ausreichend gewürdigt, keiner Figur wirklich Raum gegeben wird. Dass Stackpole auch umfangreiche Zyklen konzipieren und erfolgreich beenden kann, hat er bereits in seinem siebenbändigen Zyklus [Düsterer Ruhm 748 bewiesen. Dieses Mal hat er zu viel gewollt, die Fantasie ist mit ihm durchgegangen. Die Idee der „Kartomantie“ der Anturasis ist faszinierend, allerdings drückt sie sich im Roman zu oft durch blanke Willkürlichkeit aus, die den für Fantasy notwendigen Rahmen des grundsätzlich Vorstellbaren und noch glaubhaften Fantastischen sprengt. Ich komme nicht über den Eindruck hinweg, dass Michael Stackpoles vorzügliche Qualitäten in charaktergetriebener epischer Fantasy und Science-Fiction besser in dem einengenden, aber auch stützenden Korsett fremder Universen wie |BattleTech| oder |Star Wars| aufgehoben sind. Mit der Warrior-Trilogie und der Blut-der-Kerensky-Trilogie im |BattleTech|-Universum hat er bereits um 1988 Klassiker geschaffen, gegenüber denen sich sein neuestes Werk sehr kläglich ausnimmt. Schade, denn die „Saga der neuen Welt“ war sehr vielversprechend angelegt und erweckte große Hoffnungen. Leider konnte sie bis zum Ende diese Versprechen nicht einlösen.

Für die sehr gute Übersetzung sorgte wie bei fast allen Stackpole-Romanen seine deutsche Stimme Reinhold H. Mai.

http://www.stormwolf.com
http://www.heyne.de

Armintrout, Jennifer – Blutsbande 1: Die Verwandlung

Carries größte Angst ist es zu versagen. Und als sie endlich ihr Ziel erreicht hat und Ärztin ist, wird ihre größte Angst bittere Wahrheit: Als ein völlig verstümmelter Patient in das Krankenhaus eingeliefert wird, ist sie unfähig, diesen zu behandeln. Während sie untätig dasteht, stirbt der Patient.

Um sich ihrer Angst zu stellen, geht Carrie später in den Leichenkeller des Krankenhauses, um sich die Leiche des Patienten noch mal anzusehen. Da kommt es allerdings zu einem Vorfall, der Carries ganzes Leben auf den Kopf stellt: Sie wird von dem Toten angefallen und gebissen, bevor dieser das Weite sucht. Carrie kann trotz der schweren Wunde am Hals gerettet werden, aber seitdem ist ihr Leben nicht mehr so, wie es einmal war. Sie kann weder Hunger noch Durst stillen, tagsüber verbrennt die Sonne ihre Haut und ihre Körpertemperatur will nicht aufhören zu sinken.

Als sie auf den jungen Vampirjäger Nathan trifft, wird ihr Verdacht bestätigt: Sie ist ein Vampir! Außerdem erfährt sie, dass ihr Schöpfer der gefährliche Vampir Cyrus ist. Und schon bald stellt Nathan sie vor die Wahl: Entweder sie schließt sich der so genannten „Bewegung“ an und bekämpft alle Vampire, die sich nicht an gewisse Regeln halten, oder sie muss sterben. Da sie sich zu Nathan hingezogen fühlt, scheint die Entscheidung nicht allzu schwer zu sein, doch das Blutsband, welches sie mit ihrem Schöpfer verbindet, ist stärker als Carries freier Wille …

Es dauert ziemlich lange, bis „Blutsbande 1: Die Verwandlung“ in die Gänge kommt. Zwar sind die ersten paar Seiten nicht uninteressant und machen Lust auf mehr, aber bis die Geschichte richtig losgeht und der Leser auch wirklich gut unterhalten wird, dauert es eine ganze Weile. Auf den ersten 150 Seiten des Buches passiert nicht allzu viel, wenn man Carries Verwandlung nicht mitzählt, und die Geschichte ist bis dahin einfach nur langatmig. Ich musste mich wirklich immer wieder zum Weiterlesen zwingen, da die Geschichte mich überhaupt nicht fesselte, mir die Charaktere nicht besonders sympathisch waren, keine richtige Atmosphäre aufkam und mir anfangs auch nicht klar war, worauf die Geschichte eigentlich hinauswill. Die Story plätschert langatmig vor sich hin und der Wendepunkt, an dem „Blutsbande 1: Die Verwandlung“ interessanter wird, lässt lange Zeit auf sich warten.

Erst später, wenn man das erste Drittel des Buches schon hinter sich gelassen hat, wird die Lektüre interessant. Die Geschichte entwickelt sich in eine Richtung, wie man es von den üblichen, derzeit angesagten Vampirgeschichten nicht gewohnt ist. Die Atmosphäre wird mit fortschreitender Handlung immer bedrückender und düsterer. Carrie wird wegen eines Handels, den sie mit ihrem Schöpfer Cyrus geschlossen hat, bei ihm gefangen gehalten. Während ihres Aufenthaltes in Cyrus‘ Schloss wird nicht nur Carrie, sondern auch der Leser Zeuge von Cyrus‘ abstoßenden und bösartigen Methoden, wie er seine Opfer behandelt und quält. So kann es an der ein oder anderen Stelle der Geschichte schon einmal vorkommen, dass sich beim Leser ein ungutes, bedrückendes Gefühl breitmacht.

„Blutsbande 1: Die Verwandlung“ bietet mehr als das, was man auf den ersten Blick oder beim Lesen der ersten Seiten vermuten könnte. Nicht nur die düstere und beklemmende Atmosphäre, welche sich nach einiger Zeit einstellt, sondern auch einige wirklich gute Ideen, die Jennifer Armintrout in ihre Erzählung eingebaut hat, machen das Buch lesenswert. Sie vermischt die alten Eigenschaften der Vampire mit neuen, die wirklich gut zusammenpassen. So gibt es zwischen dem Schöpfer und dem Zögling ein so genanntes Blutsband, das beide stark zusammenschweißt. Diese Blutsbande spielen auch in „Blutsbande 1: Die Verwandlung“ eine große Rolle, da sie letztendlich alle Schwierigkeiten, die sich in dem Buch auftun, verursachen und für Carrie zu einem großen Verhängnis werden. Ganz zum Schluss hat Jennifer Armintrout noch eine weitere sehr gute Idee eingebaut, die ich aber an dieser Stelle nicht verraten werde.

Dennoch wirken manche Dinge, die Armintrout in ihren Roman integriert hat, doch ein wenig fehl am Platz. So wirkt zum Beispiel die Hexe Dahlia, ein Liebling von Cyrus, eher wie ein Mittel zum Zweck denn als wichtige Persönlichkeit der Geschichte. Die Tatsache, dass sie nur dazu da ist, um die Geschichte richtig in Gang zu bringen, ist einfach zu offensichtlich, und deshalb fällt es schwer, Dahlia irgendwo sinnvoll zuzuordnen.

Die Charaktere, mit denen ich mich anfangs nicht anfreunden konnte, formen sich im Verlauf der Handlung immer besser heraus. Vor allem Carrie wird während der Geschichte zusehends sympathischer. Durch die Ich-Perspektive, in der das Buch geschrieben ist, kommen ihre Gefühle und die Bedeutung der Blutsbande sehr gut zur Geltung, und es fällt dem Leser nach einiger Zeit nicht mehr schwer, mit Carrie mitzufühlen. Ganz besonders gelungen fand ich an den Charakteren, dass Jennifer Armintrout keine durch und durch guten und bösen Charaktere entwickelt hat. Ob nun Carrie, Nathan oder Cyrus – alle Handlungsträger weisen gute wie böse Seiten auf, und diese werden stets so gut begründet dargestellt, dass die Charaktere sehr real wirken. Selbst das Verhalten von Cyrus, der sich wie ein Monster verhält, ist für den Leser nachvollziehbar.

Was mir auch sehr gefallen hat, ist der im Großen und Ganzen nicht vorhersehbare Handlungsverlauf. Zwar kann man sich an manchen Stellen schon denken, wie die Ereignisse sich grob entwickeln werden, aber dennoch ist es recht schwer herauszufinden, wie genau es dazu kommen wird. Auch das Ende ist nicht so, wie man es sich vorstellen würde. Wer hier ein typisches Happy-End erwartet, der liegt eindeutig falsch.

_Fazit:_

Auch wenn „Blutsbande 1 – Die Verwandlung“ nicht gerade Meisterwerk ist, lohnt es sich dennoch, das Buch zu lesen. Wenn man erst einmal die ersten Kapitel überwunden hat, gewinnt die Geschichte an Spannung und weiß den Leser zu fesseln.

_Die Autorin:_

Jennifer Armintrout wurde im Jahr 1980 geboren und lebt in Michigan. Während ihrer Arbeit in der Pathologie eines Krankenhauses stellte sie sich eines Tages die Frage: Was würde passieren, wenn einer der verstorbenen Patienten ein Vampir wäre? Das war die Idee für ihren Debütroman „Blutsbande 1: Die Verwandlung“.

Blutsbande 1: Die Verwandlung
Blutsbande 2: Besessen (Oktober 2008)

|Originaltitel: The Tuning
Aus dem Amerikanischen von Martha Windgassen
460 Seiten
ISBN 978-3-89941-448-6|
MIRA Taschenbuch

Kneifel, Hans – Atlan – Das Relikt der Macht (Illochim-Trilogie 1)

_Story_

Ein Aufstand in Terrania City hält Finanzier Homer Adams in Atem: Die geplanten Umsiedlungen im Zuge der Sanierung der Thora Road ruft eine Gruppe von Widerstandskämpfern auf den Plan, die mitsamt den Aktivisten der ‚Meinleid‘-Organisation mit Anschlägen und radikalen Aktionen droht. Das Stadtviertel Kunshun soll nämlich gegen den Willen der konservativen Hardliner abgerissen werden, um das Gebiet wohnlicher und attraktiver zu gestalten. Als die Aktivisten schließlich eine Revolte anzetteln und einen ersten Terrorakt durchführen, bittet Adams seinen alten Kumpanen Atlan um Unterstützung.

Der wiederum macht bei seiner Ankunft in Terrania City zunächst Bekanntschaft mit dem ausgestiegenen ‚Meinleid‘-Aufrührer Tristan Li, der in den Höhlen und Gewölben unterhalb der Stadt eine seltsame, überdimensional große Muschel entdeckt hat. Dieses Relikt ist allem Anschein nach mit besonderen Kräften ausgestattet, die all diejenigen nutzen können, die sich innerhalb der Muschel zur Ruhe gelegt haben. Allerdings konnte Li das mächtige Instrument nicht vor seinen einstigen Kollegen geheimhalten, die sich nun auch der neuen Fähigkeiten bedienen und mit ihrer neuen mentalen Kraft die Bewohner Kunshuns manipulieren. Für Atlan gilt es nun, in kürzester Zeit die Anführer auszuschalten und die Revolte zu zerschlagen, bevor sie eskaliert. Aber auch der Lordadmiral verfällt der Kraft der Muschel und läuft Gefahr, sich von ihr abhängig zu machen …

_Persönlicher Eindruck_

Mit „Das Relikt der Macht“ beginnt bereits die dritte Trilogie der neuen |Atlan|-Serie, die sich wider ersten Befürchtungen richtig gut entwickelt hat und gerade mit der abgeschlossenen [„Rudyn-Trilogie“ 4470 eine der besten Science-Fiction-Reihen hervorgebracht hat, die das Perry-Rhodan-Universum seit langen Jahren miterleben durfte. Dementsprechend gespannt durfte man auf den neuen Dreiteiler sein, der jedoch nun mit der ersten Episode noch sehr verhalten, um nicht zu sagen enttäuschend beginnt.

Autor Hans Kneifel verbringt einen sehr großen Teil seiner Ausführungen mit der Darstellung der Rahmenkulisse und bringt die Story erst kurz vor Schluss einigermaßen, wenn auch noch lange nicht befriedigend in Fahrt. So berichtet er von den Aufrührern, ihrem seltsamen Bund und den unschlüssigen Verästelungen im ‚Meinleid‘-Lager, die aber letztendlich eher irrelevant erscheinen. Die Konzentration auf deren Hauptfigur Tristan Li, die im Laufe der Geschichte sehr schnell die Fronten wechselt, scheint in diesem Sinne ebenfalls inkonsequent, da die Figur zum einen sehr schwach gezeichnet ist und zum anderen keine elementare Funktion in der bisherigen Geschichte übernimmt. Zwar ist er es, der durch den Fund der ersten Muschel die Handlung bzw. die Tragödie ins Rollen bringt, jedoch ist sein zwiegespaltenes Selbstbewusstsein nicht fesselnd genug beschrieben, um dem eigentlichen Inhalt dadurch neue Impulse zu verleihen.

Diese Aufgabe kommt also einmal mehr dem Titelhelden zu, der jedoch erst nach einiger Zeit aktiv ins Geschehen eintritt und von Kneifel indirekt als unantastbar abgefeiert wird. Es ist Atlans Ankunft in Terrania City, die eine schnelle Wende der Ereignisse herbeiführt und den Lordadmiral viel mächtiger erscheinen lässt, als dies der Geschichte gut tut. Auf diesem Wege verstrickt sich Kneifel nämlich zunehmend in Widersprüche, da Atlan auf der einen Seite als schier unangreifbar vorgestellt wird, andererseits aber leichtfertig der Versuchung der Muschel folgt.

Unterdessen ist das gesamte Story-Gebilde ziemlich brüchig. Nach beinahe uferlosen Umschreibungen der Ausgangsszenerie folgt ein rascher Wechsel zu flotter, allerdings auch anständiger Action, bevor dann auch schon ein ziemlich deutlicher Schlussstrich unter dieses erste Kapitel gesetzt wird. Aber auch hier mangelt es spürbar an Potenzial, da die einzelnen Stränge weitestgehend geklärt scheinen und man auch gut und gerne über den Verlauf von zwei Dutzend weiteren Seiten die gesamte Handlung hätte zu Ende bringen können. Achim Mehnert, der sich auch schon um die letzte Trilogie verdient machen konnte, wird jedenfalls einiges zu tun haben, um den schon verlorenen geglaubten Karren im Nachfolgeband „Im Bann der Gatusain“ wieder aus dem Dreck zu ziehen.

Bis dahin sind die Geschehnisse der „Illochim-Trilogie“ jedenfalls erschreckend unspektakulär und reizarm und hinterlassen lediglich den schwachen Trost, dass auch die [„Lepso-Trilogie“ 3779 mittelmäßig gestartet war. Skepsis ist aber infolge des schwachen Starts definitiv angebracht!

http://www.fanpro.com
http://www.perryrhodan.net

Harris, Charlaine – Ball der Vampire

Wenn man einmal in die Welt von Sookie Stackhouse, der gedankenlesenden Kellnerin aus dem südamerikanischen Bon Temps, eingetaucht ist, dann will man nicht so schnell in die reale Welt zurückkehren. Denn auch wenn Sookie mit ganz alltäglichen Problemen zu kämpfen hat (sie braucht eine neue Einbauküche, außerdem ist sie wie immer knapp bei Kasse und überhaupt hat sie Männerprobleme zuhauf), so ist ihre Welt doch einfach viel spannender und bunter als die, in der wir uns tagtäglich bewegen. In Sookies Umkreis tummeln sich nämlich Vampire, Gestaltwandler, Elfen und Hexen und das macht das Leben in einer provinziellen Kleinstadt doch gleich viel interessanter – wenn auch gefährlicher.

Sookie kann ein Lied davon singen. Seit der Vampir Bill in ihr Leben getreten ist, kommt sie kaum noch zur Ruhe. Erst schlüpft sie mit Bill unter die Laken, dann mit dessen Vampirvorgesetztem Eric. Als nächstes nimmt sie sich den Werwolf Alcide vor und zwischendurch muss sie ständig zusehen, dass sie nicht zusammengeschlagen, erschossen, ausgeblutet oder ihr das Dach über dem Kopf angezündet wird. Entspannend ist das sicherlich nicht!

Und so hat Sookie zu Beginn von „Ball der Vampire“, des sechsten Bands der Serie von Charlaine Harris, die Nase mal wieder gestrichen voll. Ihre große Liebe Bill hat eine neue Flamme, die er zu allem Überfluss ständig ins |Merlotte’s| schleppt und damit Sookie unter die Nase hält, was diese natürlich wenig erbaulich findet. Eric, der mittlerweile weiß, was während seines Gedächtnisverlusts zwischen ihm und Sookie passiert ist, scheint peinlich berührt ob der ganzen Geschichte und geht Sookie aus dem Weg. Und die Familie von Alcides Ex-Verlobter drängt Sookie ständig, ihnen doch zu erzählen, was mit Debbie Pelt passiert ist. Doch das wird Sookie sicherlich nicht ausplaudern wollen, schließlich ist Debbie tot und Sookie daran nicht ganz unschuldig.

Und so plätschert Sookies Leben zunächst relativ unspektakulär dahin. Um den Alltagstrott mal hinter ihr zu lassen, verabredet sie sich mit dem Wertiger Quinn, der sich als echt netter Kerl herausstellt. Durch ihre „Begabung“ schafft sie es, einen vermissten Jungen aufzufinden, bevor dieser an seiner Kopfverletzung sterben muss. Sie wartet sehnsüchtig darauf, dass ihre neue Küche eingebaut wird und sonnt sich im Garten. Und sie schafft es, Eric eine Abfuhr zu erteilen, als dieser sie in seinem Gefolge auf eine Vampirkonferenz schleppen will.

Doch dann muss Sookie nach New Orleans, um die Wohnung ihrer Cousine Hadley aufzulösen, die ihrerseits die Geliebte der frisch verheirateten Vampirkönigin von Louisiana war. Damit gehen Sookies Probleme dann los. Im Schlafzimmerschrank findet sich eine Leiche, Hadleys Vermieterin ist eine Hexe mit sonnigem Gemüt und die Königin Sophie-Anne lädt Sookie auf einen Vampirball ein. Klar, dass das nur in einer Katastrophe enden kann!

„Ball der Vampire“ geht sich gemächlicher an als die vorigen Bände der Reihe. Während der ersten einhundert Seiten ist der Roman praktisch handlungsfrei und Sookies Leben mäandert ziemlich richtungslos umher. Gerade als man anfängt, sich zu fragen, wann der Roman nun endlich an Fahrt gewinnt, passieren etliche Dinge auf einmal und die Handlung zersplittert in unzählige verschiedene Richtungen wie eine Streubombe. Man fragt sich zwangsläufig, wo Charlaine Harris nun eigentlich hin will. Da ist die Episode mit dem verschwundenen Kind, das Sookie wieder auffindet, und später die Fehlgeburt von Jasons Freundin Crystal. Beide Handlungsstränge, denen durchaus viel Raum eingeräumt wird, führen innerhalb des Romans nirgendwo hin, und man fragt sich verwirrt, welchen Sinn sie erfüllen sollen. Die Haupthandlung jedenfalls, Sookies Reise nach New Orleans, beginnt erst, als schon ein Drittel des Romans vorüber ist.

Da wird es dann aber auch endlich wieder gewohnt spannend. New Orleans durch Sookies (bzw. Harris‘) Augen zu sehen, ist ein sehr plastisches Erlebnis, und schon die reine Tatsache, dass die Handlung den gewohnten Boden von Bon Temps verlässt, gibt dem Plot ein gewisses Flair von Abenteuer. Die Charaktere, auf die Sookie dann in New Orleans trifft, sind echte Unikate. Da wäre zum Beispiel Amelia, die Hexe, die Hadley ihr Apartment vermietet hat. Sie ist ein bisschen naiv und leichtgläubig, aber trotzdem unglaublich liebenswert, charmant und hilfsbereit. Und auch die Vampirkönigin selbst ist eine geheimnisvolle und beeindruckende Persönlichkeit, die weniger furchteinflößend als ehrfurchtgebietend wirkt.

Hier erlaubt sich Harris dann auch einen kleinen Scherz, denn sie bedient sich großzügig des Plots von Dumas‘ „Die drei Musketiere“, wenn es um den Vampirball geht. Ähnlich wie bei Dumas muss die Königin hier nämlich unbedingt ein Armband tragen, das ihr Gemahl ihr zum Geschenk gemacht hat. Doch das Armband hatte Hadley, und da diese nun tot ist, weiß niemand, wo es sich befindet. Eine verzweifelte Suche beginnt, denn wenn Sophie-Anne ohne das Armband auf dem Ball erscheinen sollte, würde ihr Mann dies zum Anlass für einen Krieg unter der Vampiren nehmen. Und natürlich wird gerade die arme Sookie eingespannt, um die Situation zu retten.

Auch in „Ball der Vampire“ hat Sookie natürlich wieder einen Verehrer. Diesmal handelt es sich um den Wertiger Quinn, den sie beim Kampf um die Werwolfnachfolge kennengelernt hatte. Quinn scheint wirklich an Sookie interessiert, und auch diese ist alles andere als abgeneigt, denn Quinn ist nicht nur gutaussehend, sondern auch noch ein echter Charmeur. Quinn soll sie über ihre eher tragischen Liebesbeziehungen hinwegtrösten, denn Sookie hat offensichtlich ihre bisherigen Männergeschichten noch nicht ganz verwunden, denn besonders die Trennung von Bill – ihrer ersten großen Liebe – schmerzt sie noch immer. Und in New Orleans wird sie einiges über Bill erfahren, das die Wunde, die er ihr geschlagen hat, nur noch vergrößern wird.

Es lässt sich nicht leugnen, dass „Ball der Vampire“ anfangs etwas schwächelt und die Handlung nur schleppend in Gang kommt. Doch wenn sie dann endlich Fahrt aufnimmt, findet Harris schnell ihre alte Form wieder und lässt Sookie gefährliche Abenteuer und romantische Dates mit nicht ganz menschlichen Männern erleben. Wie immer besticht hier vor allem die perfekte Mischung aus Action, Mystery, Romantik und einem guten Schuss Humor. Harris nimmt ihre Welt nie allzu ernst, und so wird es dem Leser leichtgemacht, sich in ein leichtfüßiges Leseabenteuer zu stürzen, das – wie immer – viel zu schnell vorbei ist.

http://www.dtv.de

Home

_Charlaine Harris auf |Buchwurm.info|:_

|Sookie Stackhouse|

1. „Dead Until Dark“ ([„Vorübergehend tot“, 788 2006, ISBN 3937255141
2. „Living Dead in Dallas“ ([„Untot in Dallas“, 939 2006, ISBN 393725515X)
3. „Club Dead“ ([„Club Dead“, 1238 2005, ISBN 3937255168)
4. Dead to the World ([„Der Vampir, der mich liebte“, 2033 2005, ISBN 3423244747)
5. „Dead as a Doornail“ ([„Vampire bevorzugt“, 3157 2006 ISBN 342324545X)
6. „Definitely Dead“ („Ball der Vampire“, 2007 ISBN 3423209879)
7. „All Together Dead“ („Vampire schlafen fest“, 2008)
8. „From Dead to Worse“

|Harper Connelly|
1. „Grave Sight“ ([„Grabesstimmen“, 4704 2008 ISBN 978-3-423-21051-5)
2. „Grave Surprise“
3. „An Ice Cold Grave“

Roberson, Jennifer – Wolfssohn (Cheysuli 2)

Band 1: [„Dämonenkind“ 4409

Der zweite Teil der Neuveröffentlichung von Jennifer Robersons |Cheysuli|-Zyklus umfasst die Bände „Das Vermächtnis des Schwertes“ und „Die Spur des weißen Wolfs“.

Die erste Hälfte des Doppelbandes erzählt von Donal, dem Sohn von Alix und Duncan. Carillon hat ihn geschickt, um Aislinn von der Kristallinsel abzuholen. Zu seinem Schrecken muss Donal feststellen, dass Aislinn nicht unbeeinflusst geblieben ist. Und das ist es nicht allein. Schon kurze Zeit später erreicht die Nachricht von Electras Flucht den Palast in Muhjara. Das bedeutet erneut Krieg mit Solinde. Und als wäre das noch nicht genug, hält Osric von Atvia die Zeit für gekommen, den Tod seines Vaters zu sühnen …

Die zweite Hälfte ist wieder in der Ich-Form geschrieben, aus der Sicht von Donals Sohn Niall. Zusammen mit seinem Halbbruder Ian bricht er nach Atvia auf, um seine Cousine Gisella zu heiraten. Die Reise verläuft nicht ohne Hindernisse. Doch als Niall Atvia schließlich erreicht, muss er feststellen, dass seine bisherigen Schwierigkeiten nichts waren im Vergleich zu dem, was ihn nun erwartet!

_Die Fortsetzung ist damit in die nächste Generation weitergegangen. _Donal ist seinem Gefühl nach eigentlich Cheysuli, das eine Viertel homanischen Blutes zählt für ihn kaum. Umso schwerer ist es für ihn, sich in die homanische Welt einzufügen. Das fängt schon damit an, dass er um der Prophezeiung willen Carillons Tochter Aislinn heiraten muss, die für ihn eher wie eine Schwester ist, und das, obwohl sein Herz der jungen Sorcha gehört, die ihm bereits zwei Kinder geboren hat. Abgesehen davon, dass Donal mit einigen von Carillons Entscheidungen hadert, kommen auch massive Selbstzweifel dazu. Carillon ist bereits zu seinen Lebzeiten eine Legende, und Donal fürchtet, Carillons Fußstapfen könnten ihm viel zu groß sein. Es dauert eine ganze Weile, bis Donal bereit ist, tatsächlich Carillons Nachfolge anzutreten.

Aislinn ihrerseits hat schon als Kind gewusst, dass es in ihrem Leben niemals einen anderen Mann geben wird als Donal. Umso härter trifft sie die Erkenntnis, dass sie Donal mit Sorcha teilen soll. Doch Aislinn ist, obwohl nicht direkt mit Alix verwandt, mindestens genauso stur. Abgesehen davon ist sie eine starke und stolze junge Frau, und sie hat nicht die Absicht, eine Nebenbuhlerin zu dulden. Dies – zusammen mit der Tatsache, dass sie ihrer Mutter sehr ähnlich sieht und Electra sie massiv beeinflusst hat – wird zur schwerwiegenden Belastungsprobe für ihre Beziehung zu Donal, der sich davor fürchtet, ihr zu vertrauen.

Hatte Donal schon seine Probleme damit, Carillons Thron erben zu müssen, so hat Niall dieses Problem erst recht, denn im Gegensatz zu seinem Vater sieht er dem verstorbenen König auch noch ausgesprochen ähnlich! Und seine Mutter Aislinn lässt keine Gelegenheit aus, ihn an sein homanisches Erbe zu erinnern. Dabei wäre Niall viel lieber Cheysuli als Homaner, beneidet seinen Halbbruder Ian um dessen Aussehen und die unbewusste, wilde Anmut seiner Bewegungen. Vor allem aber leidet er darunter, dass er keinen Lir besitzt, obwohl er schon längst erwachsen ist, und dass ihm viele Cheysuli-Krieger deshalb die Anerkennung verweigern.

Doch das alles scheinen Kleinigkeiten im Hinblick auf die Ihlini. Denn auch hier hat es einen Generationenwechsel gegeben: Strahan ist Tynstars Sohn. Und obwohl er noch verhältnismäßig jung ist – für einen Ihlini! -, steht er seinem Vater in Grausamkeit und Intriganz in nichts nach. Lillith ist Tynstars Tochter und Strahans Halbschwester. Und sie kann ihrem Bruder locker das Wasser reichen.

Insgesamt ist die Charakterzeichnung genauso intensiv geraten wie die des Vorgängerbandes. Interessant fand ich außerdem einige Äußerungen von Tynstar und vor allem von Lillith in Bezug auf den Überlebenskampf der Ihlini. Zum ersten Mal wird hier eine Andeutung von Licht wahrnehmbar, das die andere Seite des Konflikts beleuchtet. Das macht Lillith nicht weniger gefährlich und weniger bösartig. Aber es leitet eine Entwicklung ein, die letztlich zwingend notwendig ist.

Denn die Prophezeiung verlangt ja nicht nur, dass vier Krieg führende Nationen sich vereinen müssen, sondern auch zwei verfeindete Völker. Und damit können nur Cheysuli und Ihlini gemeint sein. Vorerst scheint allerdings keines der beiden Völker an einer solchen Vereinigung auch nur annähernd interessiert. Kein Wunder bei den Vertretern, die die Ihlini bisher vorgeschickt haben. Aber das wird sich ändern. Und die Behutsamkeit, mit der die Autorin diese Veränderung einleitet, dürfte die Entwicklung realistisch halten.

_Was die Handlung betrifft_, so konzentriert sich die Autorin auch hier wieder hauptsächlich auf die inneren und zwischenmenschlichen Konflikte ihrer Figuren. Die Kriege mit Solinde und Atvia werden auch diesmal lediglich gestreift, Höhepunkte bilden da eher Donals Flucht von der Kristallinsel und Nialls Reisen nach Atvia und Valgaard. Die glaubwürdige Charakterzeichnung verhindert aber, dass es außerhalb der Actionszenen langweilig wird, zumal die Herausforderung, der Niall sich mit seiner Heirat stellt, einen ziemlich extravaganten Beigeschmack hat. Das Netz, in das er da hineingestolpert ist, ist schon ausgesprochen bösartig geknüpft!

Obwohl dieser zweite Band mit seinem Vorgänger problemlos mithalten kann, war ich zugegebenermaßen gelegentlich doch ziemlich ungehalten. Schon im ersten Band und noch weitaus mehr im zweiten empfand ich es als ziemlich unfair, dass die Cheysuli in Gegenwart eines Ihlini nicht auf ihre Magie zugreifen können, die Ihlini dagegen schon. Vor allem aber zwingt diese Prophezeiung Menschen derart rücksichtslos ihren Willen auf, dass es schon diktatorisch zu nennen ist, vor allem, da die Waffen so offensichtlich ungleich verteilt sind. Natürlich dient das dazu, die Leistung der Protagonisten nur umso heldenhafter erscheinen zu lassen. Ich find’s trotzdem unfair!

Dafür habe ich festgestellt, dass der von mir monierte Fehler in der Geographie gar keiner war. Denn Solinde liegt nicht südlich von Homana, sondern westlich davon, Solinde und Homana haben folglich beide Anteil am Gebirge im Norden. Tja, auch ein Rezensent ist nicht unfehlbar, und wer Karten lesen kann, ist klar im Vorteil!

_Bleibt zu sagen_, dass ich die Neuauflage dieses Zyklus durchaus begrüße. Er mag zwar nicht viel Neues bieten, wie kürzlich jemand dazu meinte, aber das muss ein Buch, das bereits zwanzig Jahre alt ist, auch nicht wirklich. Auf jeden Fall ist es einfallsreich und spannend erzählt und kann meiner Ansicht nach noch immer locker mit dem Gros an Neuerscheinungen mithalten. Angenehm ist auch, dass |Heyne| den nächsten Band bereits im Juni unter dem Titel „Die Tochter des Löwen“ in die Buchläden schickt, sodass der Leser bis zur Fortsetzung nicht schon wieder die Hälfte vergessen hat.

_Jennifer Roberson_ studierte englische Geschichte und war zunächst als Journalistin tätig, ehe sie Bücher zu schreiben begann. Der |Cheysuli|-Zyklus war ihr erstes Werk, seither hat sie eine ganze Reihe von Zyklen, Einzelromanen und Kurzgeschichten geschrieben, darunter die |Schwerttänzer|-Saga sowie die Historienromane „Lady of the Forest“ („Herrin der Wälder“, dt. 1996) und „Lady of Sherwood“ („Die Herrin von Sherwood“, dt. 2002). Die Autorin lebt mit einem Rudel Hunde und Katzen in Flagstaff/Arizona.

|Originaltitel: Chronicles of the Cheysuli: Legacy of the Sword; Track of the White Wolf, 1986/87
943 Seiten
Aus dem US-Englischen von Karin König|
http://www.cheysuli.com
http://www.heyne.de

Siehe ergänzend dazu auch die ausführliche [Rezension 4798 von Michael Matzer.

Shayne, Maggie – Fantasien der Nacht (Twilight, Band 1)

_Wer ist gefährlicher? Mensch oder Vampir?_

|Im Jahr 1739 in Frankreich:|

Dank seines Freundes Roland schafft es Eric Marquand gerade noch so, den Fängen des Gesetzes und damit denen des Todes zu entkommen. Allerdings muss er dafür einen hohen Preis zahlen: Er ist zu einem unendlichen Leben in Einsamkeit und Dunkelheit verdammt – sein Freund Roland macht ihn zu einem Vampir.

|250 Jahre später:|

Die junge Frau Tamara wird jede Nacht von schlimmen Alpträumen gequält und leidet unter permanenter Müdigkeit und Schlafmangel. Jede Nacht träumt sie, wie sie vor etwas davonrennt und irgendjemandes Namen ruft, an den sie sich aber am Morgen danach nie erinnern kann. Um auf andere Gedanken zu kommen, besucht sie eines Nachts eine Eislaufbahn, um ein bisschen Schlittschuh zu laufen. Dort trifft sie einen Mann, von dem sie sich angezogen fühlt und von dem sie überzeugt ist, ihn irgendwoher zu kennen. Bei diesem Mann handelt es sich um Eric Marquand, der ihr, als sie noch ein kleines Kind war, das Leben rettete, an den sie sich aber nicht erinnert. Sie und Eric besitzen seitdem eine enge mentale Bindung.

Doch ihr Zusammentreffen währt nicht lange: Der Arbeitskollege von Tamaras Adoptivvater, Curtis, greift ein. Denn bei dem „Fremden“ handelt es sich um keinen anderen als den angeblichen Vampir Eric Marquand, dem er und Tamaras Adoptivvater Daniel seit Jahren auf der Spur sind. Beide arbeiten beim DPI, das sich mit übersinnlichen Dingen befasst. Tamara wird daraufhin wütend, da sie glaubt, Eric hätte sie nur umgarnt, um an Daniel heranzukommen. Sie ist enttäuscht, da ihr Eric sofort sympathisch war und sie sich zu ihm hingezogen fühlte.

Trotz der Gefahr, Curtis und Daniel in die Arme zu laufen, will er Tamara nicht in Ruhe lassen. Er erzählt ihr, dass sie ihn in ihren Träumen gerufen hat, was sich als wahr herausstellt. Tamaras Alpträume hören auf, und schon bald verlieben sich die beiden ineinander – doch Daniel und Curtis versuchen weiterhin, Eric in die Finger zu bekommen, was fatale Folgen hat …

Bei „Fantasien der Nacht“ von Maggie Shayne handelt es sich um einen Vampirroman mit leichtem Erotikanteil. Das Buch ähnelt in seiner Konzeption anderen Vampir-Erotik-Romanen, erzählt aber dennoch eine eigenständige Geschichte, die prinzipiell jedem Vampir-Fan zusagen dürfte, jedoch den ein oder anderen Makel aufweist.

Einer dieser Schwachpunkte ist der Buchanfang. Tamara trifft Eric auf einer Eislaufbahn, und sofort sind beide hin und weg voneinander. Tamara stolpert, sodass Eric sie festhalten muss, und schon liegt Tamara in Erics Armen. Diese Passage ist ziemlich übertrieben beschrieben. Auch wenn man anschließend erfährt, dass beide eine starke Bindung zueinander haben und sich von früher kennen, wirkt die Szene, vor allem im ersten Moment, unglaubwürdig und übertrieben. Tamara erinnert sich nicht einmal an Eric, sie weiß nur, dass er ihr irgendwie bekannt vorkommt. Da finde ich die Tatsache, dass sie sich ihm sofort an den Hals schmeißt, ziemlich unwahrscheinlich, unglaubwürdig und schon ein wenig blöd. Man merkt, dass die Autorin offenbar irgendeine Idee gebraucht hat, damit die beiden sich kennenlernen und sich auch schon gleich näherkommen, damit der Leser nicht so viele Seiten damit vergeuden muss zu erfahren, wie sie sich einander allmählich annähern – was aber in diesem Fall vielleicht doch besser gewesen wäre …

Ein wenig schade ist auch die Oberflächlichkeit der Charaktere. Außer Eric und seinem Freund Roland waren alle Charaktere entweder ein wenig seltsam (wie der von Daniel, der nicht nur überbesorgt ist, sondern irgendwie ein wenig zu verweichlicht zu sein scheint) oder wirken einfach etwas zu blass, wie Tamara. Ich konnte Tamara nie richtig ins Herz schließen, was nicht daran lag, dass sie mir unsympathisch war, sondern eher einfach „austauschbar“. Es wäre letztlich völlig egal, ob die junge Frau in der Rolle der Protagonistin nun Tamara ist oder doch irgendjemand anderes. Sie ist zwar einer der zwei Hauptcharaktere, aber trotzdem füllt sie diese Rolle einfach nicht ganz aus. Eric Marquand ist dagegen genau so, wie man sich einen charmanten Vampir in einem Liebesroman dieser Art vorstellt. Auch sein Freund Roland, der gerade bei ihm zu Besuch ist, als die Geschichte spielt, macht etwas her, obwohl er nur einen Nebencharakter darstellt.

Der Schreibstil weist in der Formulierung einige Wiederholungen auf. So beginnt die Autorin, bzw. der Übersetzer, viele Sätze mit „Indes, …“. Ich empfand dies eigentlich nicht als besonders störend, aber es fällt eben einfach auf. Dennoch passt der Schreibstil insgesamt gut zur Geschichte und wechselt immer wieder die Sichtweise zwischen Tamara und Eric.

Der Erotikgehalt in diesem Roman ist gerade richtig gewichtet. Es gibt nicht mehr als halbes Dutzend Passagen, in denen die Autorin erotische Momente beschreibt. Diese sind dann meist ausführlich, aber ästhetisch dargestellt. Die meiste Zeit konzentriert sich Maggie Shayne aber eher auf die Romanze, die sich zwischen Eric und Tamara anbahnt. Beide kennen sich zwar kaum, kommen sich jedoch bald näher und verlieben sich erwartungsgemäß ineinander.

Doch nicht nur Liebe und Erotik sind in „Fantasien der Nacht“ zu finden. Gegen Ende des Buches spitzt sich die Situation zwischen dem DPI und Eric zu, sodass noch einmal richtig Spannung aufkommt. Teile des Finales sind zwar vorhersehbar, aber das macht nichts, da trotzdem nicht alles so kommt, wie man es erwartet.

_Fazit:_ Zwar offenbart der Roman auch einige negative Aspekte, beispielsweise einige Charaktere, die einfach zu blass sind, und der Anfang erscheint mir auch ein wenig holprig und unglaubwürdig. Dennoch weiß er insgesamt zu gefallen und vermag seinen Leser zu fesseln.

_Die Autorin:_

Maggie Shayne ist eine amerikanische Autorin von mehr als 40 romantischen und paranormalen Romanen. Shayne wuchs in einer ländlichen Gegend in der Nähe von Syracuse, New York, auf und verließ die Highschool mit sechzehn, um zu heiraten, nachdem sie schwanger wurde. Sie ist sehr an altsumerischer Religion und Kultur interessiert und ist mittlerweile |High Priestess| und |Elder| eines Wicca-Covens. Shayne und ihr Ehemann sind mittlerweile seit über 25 Jahren zusammen und haben gemeinsam fünf erwachsene Töchter. Sie leben auf einer Farm in der Nähe von New York.

Maggie Shayne gewann den |Romance Writers of America RITA Award| und war zwölfmal dafür nominiert, außerdem gewann sie zehnmal einen |Romantic Times Award|, den |New Jersey Romance Writers Golden Leaf Award for Best Long Contmeporary|, wurde als |Affaire de Coeur Magazine Favorite Paranormal Author of the Year| ausgezeichnet. Ihre |Twilight|-Serie umfasst im Original bereits vierzehn Bände, Band fünfzehn ist für Oktober 2008 angekündigt.

Die |Twilight|-Serie bei |Mira|:

1. Fantasien der Nacht
2. [Erinnerungen der Nacht 4883

|Originaltitel: Twilight Phantasies
Aus dem Amerikanischen von Daniela Brüggemann
316 Seiten|
ISBN 978-3-89941-449-3
MIRA Taschenbuch
http://www.maggieshayne.com

Adrian, Lara – Geschöpf der Finsternis (Midnight Breed 3)

Die hübsche Stammesgefährtin Elise, die im Krieg gegen die Rogues ihren Mann sowie ihren einzigen Sohn verloren hat, beschließt, sich von den Dunklen Häfen abzuwenden und wieder unter Menschen zu leben, um dort ihre Rache zu planen und zu vollstrecken. Durch ihre Gabe, alle schlechten Gedanken der Menschen hören zu können, fällt ihr das zunehmend schwer, da es sie große Anstrengungen kostet, sich in Menschenmengen aufzuhalten. Als sie nach einem ihrer Aufträge wieder nach Hause zurückkehren will, wird sie von einem Rogue angegriffen und kann nur ganz knapp entkommen, weil Tegan, der wohl tödlichste Stammesvampir des Ordens, zur Stelle ist und ihr zu Hilfe kommt.

Dadurch wird Tegan auf Elises Treiben und ihre Rachepläne aufmerksam. Obwohl er sich nicht erklären kann, wieso, versucht Tegan, ihr zu helfen und sie zu überreden, wieder in die Dunklen Häfen zurückzukehren, was Elise allerdings ganz und gar nicht passt. Doch als sie in den Besitz eines geheimnisvollen Tagebuchs kommt, welches für den Feind des Ordens von großem Wert zu sein scheint, bleibt Elise nichts anderes übrig, als sich in den Schutz des Ordens zu begeben.

Um das Rätsel des Tagebuches zu lösen, müssen Tegan und Elise nach Deutschland fliegen und einen Rogue namens Odolf treffen, der schon seit mehreren Jahren in einer Anstalt für Vampire untergebracht ist. Auf dem Weg dorthin kommen sich Elise und Tegan ungewollt näher, was zu ständigen Missverständnissen und Komplikationen zwischen ihnen führt. Aber das ist noch lange nicht ihr schlimmstes Problem: Viel schlimmer ist das Geheimnis, welches sie lüften und das den Untergang der gesamten Menschheit und des Ordens bedeuten könnte …

_Eindrücke:_

Mit „Geschöpf der Finsternis“ wird der Krieg zwischen dem Orden der Stammeskrieger und Lucans Bruder Marek, der eine beständig zunehmende Anzahl Rogues um sich schart, fortgeführt und gleichzeitig eine neue Liebesgeschichte zwischen einem Stammeskrieger und einer Stammesgefährtin begonnen. Der Krieg zwischen den Rogues und den Stammeskriegern spitzt sich immer mehr zu, und nun kommt endlich der Wendepunkt, an dem die Stammeskrieger einen wichtigen Hinweis erhalten, der sie zu Mareks wahrem Plan führen soll. Währenddessen kommen sich Elise und Tegan immer näher und durchleben schöne wie auch schreckliche Momente zusammen, bis sie endlich beide zugeben, dass sie sich ineinander verliebt haben.

Wer die ersten beiden Teile von Lara Adrians Midnight-Breed-Reihe kennt, der wird wohl wissen, dass sich die Story in beiden Büchern sehr ähnelt und viele Details auch ganz übernommen wurden. Dass das dann auch in „Geschöpf der Finsternis“ der Fall sein würde, stand dabei beinahe außer Frage. Die Grundstory läuft auch diesmal immer noch gleich ab: Ein Vampir und eine Stammesgefährtin lernen sich kennen und beginnen, sich gegenseitig zu begehren, kommen sich dann auch näher, aber zunächst weigern sich beide noch, sich einzugestehen, den jeweils anderen zu lieben. Zum Schluss kommt es dann dazu, dass einer der beiden in Gefahr gerät, und ist diese dann überstanden, gestehen sie sich gegenseitig ihre Liebe. Genau so lief es schon in den ersten beiden Büchern ab und so geht es auch in „Geschöpf der Finsternis“ weiter. Trotzdem ist die Ähnlichkeit bei „Geschöpf der Finsternis“ zu den anderen Büchern nicht mehr ganz so frappierend wie bei den ersten beiden Teilen, da Lara Adrian diesmal einige neue Einflüsse einbaut, die von der altbekannten Story ein wenig abweichen und der Geschichte eine ganz andere Würze verleihen.

Nachdem Lucan und Dante ihre Stammesgefährtinnen gefunden haben, ist nun auch Tegan an der Reihe, den wir in den ersten zwei Büchern als einen zurückgezogenen, eiskalten Killer kennen gelernt haben, dessen ganzer Lebenssinn darin besteht, Rogues zu bekämpfen. Im Gegensatz zu Lucan und Dante, die sich charakterlich beide doch ziemlich glichen, haben wir hier mal einen Stammeskrieger als Hauptperson, der andere Seiten von sich zeigt als die ersten beiden Kandidaten. Tegan ist einzelgängerisch, brutal und eiskalt. Schon in „Geliebte der Nacht“ und „Gefangene des Blutes“ wird er bedrohlich und mit leicht boshaften Zügen dargestellt, und das ist auch noch in „Geschöpf der Finsternis“ der Fall. Er scheut nicht davor zurück, Elise in aller Öffentlichkeit zu beleidigen und zu demütigen, und benimmt sich wie ein richtiges Ekel. Doch im Verlauf des Buches lernt der Leser Tegan besser kennen, und schon bald werden die Gründe von Tegans Gefühllosigkeit klarer. Und desto näher sich Elise und Tegan letztendlich doch noch kommen, desto weicher und sympathischer wird er.

Auch Elise unterscheidet sich von den Stammesgefährtinnen, welche in den ersten beiden Teilen der Reihe eine Rolle spielten. Trotz ihrer Gabe, welche sie sehr schwächt, ist sie dickköpfig und eine sehr starke Frau. Der Schmerz und die Rachepläne, die sie verwirklichen will, treiben sie in ihrem Tun an und machen sie stark. Dass Elise und Tegan sich sehr von den anderen Charakteren der ersten beiden Büchern abheben und einen ganz eigenen Charakter entwickeln, ist sicherlich auch einer der Gründe dafür, weshalb ich der Meinung bin, dass „Geschöpf der Finsternis“ das bisher beste Buch der Midnight-Breed-Reihe ist.

Auch in „Geschöpf der Finsternis“ dürfen natürlich einige Erotik-Szenen nicht fehlen. Das Verhältnis zwischen Erotik und der Hauptgeschichte hat mir hier durchaus auch besser gefallen als in den ersten zwei Büchern. Hier treten die erotischen Szenen nicht gleich am Anfang auf, wie es beispielsweise noch bei „Geliebte der Nacht“ der Fall war, sondern erst wesentlich später und dann auch nur Schritt für Schritt. Im Gegensatz zu anderen Vampir-Erotik-Büchern ist die Häufigkeit dieser Szenen gutes Mittelmaß, und sie wirken weder übertrieben noch kommen sie zu kurz. Diese Szenen werden von Lara Adrian auch sehr stimmungsvoll und passend beschrieben, so, wie die Leserin es sich von solch einem Buch wünscht.

Was mich aber auch hier wieder stört, sind die vielen Wortwiederholungen im Schreibstil. Wie auch schon in „Geliebte der Nacht“ und auch teilweise in „Gefangene des Blutes“ werden erneut sämtliche Ausrufe mit „Bei Gott …“, „Gott im Himmel …“ oder „Nur Gott weiß …“ angefangen, und das nicht zu knapp. Diese Satzanfänge sind beinahe auf jeder einzelnen Seite des Buches einmal zu finden, und nach einiger Zeit stört das ziemlich. Es gelingt dem Leser dadurch auch fast nicht mehr, diese Ausdrücke in irgendeiner Weise ernst zu nehmen, weil sie einfach zu oft vorkommen und manchmal nicht einmal wirklich in den Satz passen. Ansonsten ist der Schreibstil dem Genre angemessen und vollkommen in Ordnung.

Das Ende des Buches ist sehr spannend ausgefallen und macht neugierig auf den nächsten Teil. Die Stammeskrieger sind so weit, dass das Rätsel gelöst ist, und nun gilt es, sich vor einer ganz neuen, viel gewaltigeren Gefahr als Marek zu behaupten. Gleichzeitig kommt die Liebesgeschichte von Elise und Tegan zum Höhepunkt und damit zum Abschluss, der meiner Ansicht nach ein wenig kitschig, aber dennoch ganz befriedigend ausgefallen ist.

_Fazit:_

Im Großen und Ganzen hat mir „Geschöpf der Finsternis“ besser gefallen als seine Vorgänger, aber dennoch kann es noch nicht vollständig überzeugen. Die Wortwiederholungen im Schreibstil gehen sehr schnell auf die Nerven und die Grundstory ist selbst im dritten Band noch dieselbe. Dennoch gibt es einige positive Aspekte, wie beispielsweise die beiden Protagonisten, derentwegen sich das Lesen dieses Buches auf jeden Fall lohnt.

_Die Autorin:_

Zusammen mit ihrem Mann lebt Lara Adrian an der Küste Neuenglands, die von uralten Friedhöfen und dem Atlantik umgeben ist. Schon in ihrer Kindheit entwickelte sie ein Faible für Vampirromane und verschlang Bücher von Bram Stoker und Anne Rice. Der Auftaktband „Geliebte der Nacht“ war ihr erster eigener Vampirroman.

|Originaltitel: Midnight Awakening
Originalverlag: Bantam Dell
Ins Deutsche übertragen von Katrin Kremmler
Softcover, Klappbroschur, 413 Seiten
ISBN 978-3-8025-8132-8|
http://www.egmont-lyx.com

Die |Midnight Breed|-Reihe:

Band 1: [Geliebte der Nacht 4775
Band 2: [Gefangene des Blutes 4781
Band 3: Geschöpf der Finsternis

Frank Hebben – Prothesengötter

Dreizehn Erzählungen in einem Band, vom Autor zusammengestellt. Also die geballte schöpferische Kraft Frank Hebbens mit den Geschichten seiner persönlichen Wertschätzung. Für Hebben-Leser eine Goldgrube, aber in dieser Zusammenstellung für jeden interessierten Science Fiction-Leser ein Genuss. Hebben mischt unter die bewährten und teilweise preisnominierten Kurzgeschichten mehrere noch unveröffentlichte neue Stücke als Anreiz und erhöht dadurch den Verkaufswert des Buches.

Betrachten wir also zunächst diese frischen Geschichten etwas genauer:

»Gelée Royale« ist eine typisch ausweglose und bizarre Projektion in Hebbens Kosmos einer menschlichen Zukunft. Kontrolle durch Systeme und KI, weitaus dramatischer als Big Brother, wenn auch bei weitem nicht so brutal. Der Protagonist, ein einsam hausender und online arbeitender Mann, wird mit systemfremden künstlichen Organisationen in Form mechanischer Bienen konfrontiert. Allein ihre Existenz führt bei ihm zu rebellischen Gedanken, und ihre Fähigkeiten bringen ihn in direkten Kontakt mit den Rebellen. Ein heftiger Rückschlag durch die absolut scheinende Kontrolle des Systems macht seine Entwicklung rückgängig. Für ihn beginnt die »Bewusstwerdung« von Neuem.

Von den drei neuen Geschichten ist diese die typischste. In diesem Buch liest man ja nur Hebben. Man versinkt also in seinem Stil und seiner düsteren Vision; seine abgehackte Sprache, sonst unauffällig in Anthologien eingefügt, tritt deutlich zu Tage und erzeugt die typische Intensität seiner Geschichten, hier konzentriert in einem ganzen Buch. »Gelée Royale« erreicht nicht ganz die Klasse von »Der Wühler« oder »Marionettentheater«, beides hochtragische, entsetzlich eindringliche Storys. Dennoch vermittelt es wunderbar die trostlose Stimmung hebbenscher Weltentwicklung und würde in jeder gemischten Anthologie seinen Platz behaupten.

»Exodus 1906 AD« und »Imperium Germanicum« sind zwei unterschiedliche Geschichten mit mehreren Gemeinsamkeiten, die man eher als untypisch für Hebben bezeichnen könnte. Nichtsdestotrotz verdienen sie ihren Abdruck im vorliegenden Buch. »Exodus« wirft ein Schlaglicht auf das dramatische Ende des Konflikts »Men vs. Machine«, angesiedelt im alten deutschen Kaiserreich, in dem schon Zeppeline flogen. Hier hat die deutliche Kluft zwischen Anwendung und Verständnis die Entscheidung gefällt. »Imperium Germanicum« scheint eine Alternativgeschichte zum Ersten Weltkrieg zu sein und entpuppt sich dann doch als hochgradig punkige Zukunft. Das alternative Ende führt nicht zur Befriedigung.

Beide Geschichten, so unterschiedlich sie auch sind – die eine kurz, die andere lang, die eine Zukunft, die andere Vergangenheit, die eine Punk, die andere Alternativ, etc. … – kommen gut nebeneinander aus. Was Hebben in diesen Stücken an Stil, Wortgewalt, Intensität, Kreativität äußert, ist ein gutes Bildnis seines schriftstellerischen Wesens. Diese Erkenntnis lässt sich aufgrund der Sache problemlos auf das ganze Buch ausdehnen.

Alle anderen Geschichten des Buches sind jede für sich eindrucksvoll und höchst unterhaltsam. Fast alle versinken sie in Düsternis und endzeitlicher, teils offener, teils subtiler Brutalität. Einige (wie auch »Gelée Royale«) hinterlassen die Ahnung an eine bessere Zukunft oder an den späteren Erfolg durch die Handlungen der tragischen Figuren, die Hoffnung auf eine neue Epoche, die sich aus den Trümmern menschlichen Versagens entwickeln könnte. Am deutlichsten zeigt dies die letzte Geschichte »Ω« und führt dadurch aus dem Sumpf vergeudeter Anstrengung, öliger Konflikte, bizarrer Symbiosen/Prothesenmenschen, blutiger Cyberkriege in die doch noch nicht so abgründige reale Welt.

Sollte man ein Schlagwort prägen auf Frank Hebben und seine Visionen, es lautete »Intensität«. Seine Geschichten sind einfach intensiv!

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (2 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

Oliver Plaschka – Fairwater oder die Spiegel des Herrn Bartholomew

Handlung

„Fairwater oder Die Spiegel des Herrn Batholomew“ besitzt keine gewöhnliche Handlung, denn jedes Kapitel ist eine eigene Kurzgeschichte aus der Sicht einer jeweils anderen Person, die sich allerdings alle um Fairwater, das Venedig Marylands, drehen. Und dieses Fairwater ist keine normale Stadt, denn zum einen ist es auf keiner Landkarte verzeichnet und zum anderen geschehen dort sehr merkwürdige Dinge und nichts ist so wie es scheint …

_Der Autor_

Oliver Plaschka – Fairwater oder die Spiegel des Herrn Bartholomew weiterlesen

Trudi Canavan – Götter (Das Zeitalter der Fünf 3)

Das Zeitalter der Fünf

Band 1: Priester“
Band 2: Magier“
Band 3: „Götter“


Seit Auraya nach Si gegangen ist
, sind die Weißen nur noch zu viert. Um das Gleichgewicht wieder herzustellen, müssen die Götter einen Nachfolger bestimmen. Ihre Wahl fällt auf die junge Ellareen, eine Heilerin aus dem Hospital, in dem Zirkler mit Traumwebern zusammenarbeiten.

Auraya macht derweil die Bekanntschaft einer Frau namens Jade, die anbietet, ihr einige Dinge beizubringen, zum Beispiel, wie man seinen Geist abschirmt. Eine Fähigkeit, die Auraya zunächst gar nicht lernen will, denn sie wurde von den Göttern verboten. Doch dann belauscht sie ein Gespräch …

Mirar ist inzwischen im südlichsten Teil Südithanias angelangt, in Dekkar. Und abgesehen von der Schwüle gefällt es ihm dort gar nicht so schlecht. Denn im Gegensatz zu Nordithania werden die Traumweber hier nicht unterdrückt. Als jedoch die Vierte Stimme der Pentadrianischen Götter nach Dekkar kommt, um den Ritus zur Ernennung eines neuen Häuptlings zu leiten, und darauf besteht, dass Mirar sie nach dem Ritus in die Hauptstadt Glymma begleitet, beginnt ein gefährliches Spiel …

Unter den Charakteren ist nur ein einziger Neuzugang zu verzeichnen. Ellareen, die neue Weiße, wird bei weitem nicht so intensiv dargestellt wie Auraya. Tatsächlich ist das Einzige, von dem der Leser direkt erfährt, ihr fragloser Gehorsam den Göttern gegenüber. Alles andere zeigt sich ausschließlich in den Beobachtungen Danjin Speers, Aurayas früherem Berater, der jetzt Ellareen berät. Allerdings bezieht Ellareen Danjin weit weniger ein, als Auraya das tat. Sie ist nicht direkt unsympathisch oder arrogant, aber sie ist kühler, mitleidloser, unbeirrbarer als Auraya, jemand, der seine Befehle ausführt, ohne irgendwelche größeren Zusammenhänge zu kennen oder sich auch nur annähernd dafür zu interessieren. Der beste Soldat, den man haben kann – zumindest aus der Sicht des Befehlshabers.

Nekaun ist zwar kein echter Neuzugang, rückt aber in diesem Teil massiv in den Mittelpunkt des Geschehens und bedeutet zumindest in dieser Hinsicht einen Zuwachs. Von Anfang an ein gewandter, biegsamer Mensch, wurde er in diesem dritten Band noch glatter. Und er wird in seiner Eigenschaft als Erste Stimme auch zunehmend eigenmächtig. Er behält seine Gedanken und Pläne für sich, übergeht bei Entscheidungen die Meinung seiner Mitstimmen, und schließlich fragt er sie nicht einmal mehr. Seine Pläne zur Eroberung Nordithanias enthielten einige sehr heimtückische Details, und wem das noch nicht genug der Warnung war, den belehren spätestens Reivans Erfahrungen eines Besseren.

Am gelungensten fand ich aber die Entwicklung Aurayas. Noch immer ist sie nicht bereit, den Erzählungen anderer in Bezug auf die negativen Aspekte ihrer Götter zu glauben. Doch je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr findet Auraya selbst heraus, und desto schwerer fällt es ihr, diese Dinge vor sich selbst zu entschuldigen. Die Erste, der sie die Treue aufkündigt, ist Huan, die Göttin der Siyee …

Trudi Canavan hat ihrer Hauptprotagonistin viel Zeit für diese Entwicklung gelassen, was der Glaubwürdigkeit sehr zugute kam. Aber auch die allmähliche Offenlegung von Nekauns Charakter war ausgesprochen gut gemacht, vor allem auch deshalb, weil die Autorin bei Nekauns Entwurf nicht übertrieben hat, sodass der Mann menschlich geblieben und nicht zum Klischee des bösartigen Unmenschen verkommen ist. Sehr gelungen.

Die Handlung bietet genau betrachtet nicht mehr Aufregung als die beiden anderen Bände. Zwar sind eine Menge Leute wieder viel unterwegs, die Reisen sind aber nicht unbedingt wirklich bedeutend. Ellareens Reise nach Dunwegen dient mehr ihrer Charakterzeichnung, als dass die Ereignisse dort von tiefgreifender Bedeutung gewesen wären. Und auch auf dem Weg Ellareens nach Diamyane passiert nichts wirklich Weltbewegendes.

Trotzdem zieht die Spannung während der gesamten Lektüre kontinuierlich an. Das beginnt schon mit Nekauns Bemühungen, Reivan zu umgarnen, und dem Gespräch der Götter, das Auraya belauscht. Das folgende Katz-und-Maus-Spiel in Glymma und Emerahls Suche nach der Schriftrolle der Götter münden schließlich in einen Showdown, dessen Ergebnis zwar nicht alle Leser überraschen mag, dessen Verlauf aber dennoch unvorhersehbar genug war, um selbst Schnellmerker bei der Stange zu halten.

Ganz nebenbei wurden Emerahls Bemühungen auch noch mit einem netten Rätsel gewürzt. Und selbst wenn der Verlauf der Lösung fast ein wenig unspektakulär anmutet, die Erkenntnisse, die dabei herausspringen, sind im wahrsten Sinne des Wortes weltbewegend!

Um es kurz zu machen: Trudi Canavan hat mit „Götter“ einen wirklich fesselnden Endspurt hingelegt. Nicht alles an der Geschichte mag neu oder unvorhersehbar sein, aber es war zunehmend interessant und spannend erzählt. Wer den ersten Band gelesen und mit Skepsis betrachtet hat, ist gut beraten, trotzdem weiterzulesen, ansonsten würde er nicht nur den Schluss, sondern den krönenden Höhepunkt der Trilogie verpassen.

Dass Das Zeitalter der Fünf mit diesem Band abgeschlossen ist, muss allerdings nichts heißen. Der Epilog lässt durchaus Spielraum für eine Weiterführung innerhalb derselben Welt. Ob die Autorin noch einmal darauf zurückgreifen wird, bleibt abzuwarten.

Trudy Canavan stammt aus Australien, wo sie nach einem Studium am Melbourne College of Decoration als Designerin, Illustratorin und Kartenzeichnerin für verschiedene Verlage tätig war, ehe sie zu schreiben begann. 1999 gewann sie mit ihrer Kurzgeschichte „Whispers of the Mist Children“ den Aurealis Award for Best Fantasy Short Story. 2001 erschien dann ihr erster Roman, der erste Band der Trilogie Die Gilde der Schwarzen Magier. „The Magician’s Apprentice“, das Prequel zur Magiertrilogie, ist fertig, ein Veröffentlichungsdatum steht aber noch nicht fest.

Broschiert 800 Seiten
Originaltitel: Voice of the Gods
Deutsch von Michaela Link
ISBN-13: 978-3570304341

http://www.trudicanavan.com/
http://www.randomhouse.de/blanvalet/index.jsp

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (3 Stimmen, Durchschnitt: 2,33 von 5)

Stecher, Rainer – Rückkehr nach Atragon (Atragon II)

Atragon I: [„Die Flamme von Atragon“ 4817

_Seit den Ereignissen_ in „Die Flamme von Atragon“ sind fünfzehn Jahre vergangen. Die Welt ist nur noch eine ausgedörrte Wüste unter einer dicken Nebeldecke, die dort lebenden Menschen sind nicht mehr als Jagdbeute für Sartos‘ Schergen. Nur oberhalb der dichten Nebeldecke, in den Hochlagen des Gebirges, sind die Menschen noch sicher vor den geflügelten Sammlern. Aber nicht mehr lange, denn die Beute in den Gebieten unter dem Nebel wird immer weniger …

Ensine, Anjas Tochter, lebt im Gebirge über dem Nebel. Schon seit längerem rufen nebelähnliche Wesen in ihren Träumen nach ihr, und eines Tages taucht eines von ihnen in ihrer Hütte auf. Es warnt sie vor den bevorstehenden Angriffen der Sammler. Die Menschen sollen sich in die Höhlen an der Spitze des höchsten Berges zurückziehen. Also machen Ensine und ihre Mutter sich auf den Weg.

Nicht weit davon entfernt holt der junge Cenotes mit einem Pfeil ein seltsames Wesen vom Himmel. Es stellt sich als Sammler heraus, ein junges, schwächliches Exemplar, das über den Nebel hinausgeflogen ist, weil es nicht wagte, ohne Beute zu seinem Herrn zurückzukehren. Sein Name ist Piecock. Die beiden freunden sich an, und als auch Cenotes und sein Bruder zum Gipfel aufbrechen, nehmen sie Piecock mit.

Sartos hat derweil mit ernsten Problemen zu kämpfen. Nicht nur geht ihm der Nahrungsnachschub aus, der besondere Schutz, der seine Wächter vor fünfzehn Jahren unverwundbar machte, verliert seine Wirkung, und zu allem Übel lassen auch seine magischen Kräfte nach. Notgedrungen tut er etwas, das er eigentlich viel lieber vermieden hätte: Er holt seine einstige Verbündete Dalia aus Moron heraus …

_Die Riege der Charaktere_ geht in die zweite Generation: Ensine ist ein aufgewecktes, wissbegieriges Mädchen, das es leid ist, von seiner Mutter beschützt zu werden. Als Tochter Anjas und Enkelin der Seherin Meriste besitzt Ensine selbstverständlich selbst die Gabe des Sehens, außerdem aber noch eine weitere, besondere Fähigkeit. Von Cenotes und seinem Bruder Hesaret lässt sich leider nicht viel mehr sagen, als dass Ersterer dazu bestimmt ist, Sartos zu stürzen, und der zweite hauptsächlich der Schatten des ersten zu sein scheint. Piecock dagegen scheint für eine Schöpfung Sartos‘ erstaunlich intelligent. Dass er den Weg ins Unbekannte wagt, liegt vor allem daran, dass er vor Sartos noch größere Angst hat. Aber er ist auch in der Lage, sich dem Neuen, das ihm begegnet, zu öffnen. Von den Charakteren des ersten Bandes tauchen vorerst nur Sartos und Dalia auf.

Leider ist die Darstellung der Figuren auch diesmal nicht tiefschürfender geraten als beim ersten Mal. Bestenfalls wird ein wenig deutlicher, wie tumb und grausam Sartos ist und wie kalt und rachsüchtig Dalia. Die Neuzugänge dagegen sind erstaunlich naiv, wenn man bedenkt, in welch einer Welt sie leben. Sie wissen so gut wie nichts darüber, warum auch immer. Und es scheint sie auch nicht wirklich zu interessieren. Lediglich Ensine stellt zu Beginn ein paar Fragen, aber auch das hört auf, nachdem sie Sol, dem Elementel des Lichts, begegnet ist.

Die Elementel sind die Schöpfer der Welt. Und immerhin erfährt der Leser mit ihrem Auftauchen auch ein klein wenig mehr darüber, wie es dazu kommen konnte, dass Sartos sich die Welt unterwarf. Diese Ausführungen bleiben aber genauso knapp und trocken wie der Erzählstil insgesamt und tragen somit zwar zum besseren Verständnis bei, bringen aber keinerlei zusätzliche Farbe in die Geschichte. Auch die Elementel selbst verbleiben so sehr am Rande, dass man sie nicht einmal als Charaktere bezeichnen kann, und ihre Erscheinungsform ist so vage, dass sie nicht einmal Aspekte des jeweiligen Elementes zeigen, für das die einzelnen Wesenheiten stehen.

_Unverändert bleibt auch_ die karge Ausführung der Welt und ihrer Magie. So fragte ich mich zum Beispiel, woher Ensine diese ungewöhnliche, zusätzliche Gabe hat. Von ihrem Vater? Nun, der wird nicht mal erwähnt, geschweige denn, dass er auftaucht. Es fehlen auch jegliche Hinweise darauf, was genau ein Sammler ist. Piecock jedenfalls scheint nicht so abscheulich zu stinken wie die Wächter, denn Cenotes reitet auf ihm. Ist Piecock also kein Untoter? Was aber ist er dann?

Zusätzlich zu all den unbeantworteten Fragen gesellten sich diesmal auch ein paar logische Knicke. Zum Beispiel nickt Cenotes zu Anja hinüber und fragt Adinofis, ob Anja wisse, dass Ensine in Sartos‘ Gemächern sei. Dabei kennt er Ensines Mutter gar nicht. Er kann weder wissen, wie sie heißt, noch, dass sie Adinofis und ihre Feen nach Trong begleitet hat. Erstaunlich fand ich auch, dass Cenotes, dessen Bestimmung der Kampf gegen Sartos sein sollte, letztlich so gut wie nichts dazu beigetragen hat. Er hat die gefrorenen Opfer aufgetaut, aber ob es ihm auch gelungen wäre, die vielen Menschen aus den Tunneln herauszuführen? Zum Glück kamen die Feen rechtzeitig, um ihm aus dieser Misere herauszuhelfen und dann auch gleich noch den Endkampf ohne ihn zu bestreiten. Überhaupt, wozu haben die Wächter die Menschen überhaupt eingefroren? Im ersten Band hieß es noch, die Vorräte reichten nur für zwei Tage. So lange hält sich lebendes Fleisch auch ohne Tiefkühlung frisch. Und nur eine einzige, kleine Schlachtkammer? In der sich die Wächter auch noch jede Menge Zeit lassen zum Spielen mit ihren Opfern? Da müssen Sartos‘ zweihunderttausend Schergen aber alle lange anstehen, ehe jeder was zu fressen bekommen hat.

_Um das Maß vollzumachen_, leidet diesmal auch die Handlung unter der knappen Erzählweise. Irgendwie hatte ich das Gefühl, diesmal ging alles ein wenig zu glatt, sowohl bei Anjas Wanderung nach Atragon als auch dem Angriff der Engel auf die Sammler oder der Freundschaft zwischen Cenotes und Piecock. Die Spannung, die den ersten Band gleich zu Anfang und dann nochmal gegen Ende durchzog, wollte hier einfach nicht aufkommen. Zwar kam es schließlich in den Tunneln von Trong doch noch zu ein paar Turbulenzen, der Endkampf selbst aber fiel ebenso knapp aus wie der Rest des Buches, und es fehlte ihm der überraschende Schluss, den der erste Band noch vorweisen konnte.

_Zu den inhaltlichen Schwächen_ gesellen sich sprachliche. Am auffallendsten ist die ungewöhnliche Zeichensetzung. Viele Kommata sind überflüssig, stehen mitten im Satz, an anderer Stelle wieder fehlen sie. Auch Zeitfehler finden sich, vor allem in den Passagen, in welchen Kursivschrift anzeigt, dass hier Gedanken wiedergegeben werden, so dass ich mich frage, ob der Verlag überhaupt Lektoren beschäftigt. Das gilt auch für den ersten Band. Immerhin gibt es an Druck und Bindung nichts zu bemängeln.

_Schade eigentlich._ Aus dieser Geschichte hätte man so viel machen können. Dalia hatte alle Anlagen eines wirklich ernstzunehmenden, fiesen Gegenspielers. Die Annäherung zwischen Cenotes und Piecock hätte eine Menge Konfliktpotenzial geboten. Und der Ring, den Dalia aus Moron mitgebracht hat, war ebenfalls eine hervorragende Idee. Aber anstatt diese Ideen auszubauen, hat Rainer Stecher sie lediglich gestreift. Das hat nicht nur eine ziemlich lineare, einfache Handlung zur Folge; es macht die Entwicklung der Ereignisse wie auch die der Charaktere unglaubwürdig. Das gilt vor allem für die beiden Liebesgeschichten und ganz besonders für die zweite. Sowohl der Handlung als auch den Personen fehlt die Zeit, sich zu entwickeln, alles wirkt hastig und überstürzt. Es stellt sich die Frage, warum der Autor seinen Ideen nicht mehr Raum zur Entfaltung gelassen hat. Und wie so viele andere bleibt auch sie unbeantwortet.

_Rainer Stecher_ ist gebürtiger Thüringer, lebt aber jetzt in Berlin. Mit dem Schreiben begann er auf Bitten seiner Kinder, zur Veröffentlichung des Manuskriptes überredete ihn sein Vater. Seither hat er nicht nur die |Atragon|-Trilogie geschrieben, sondern auch ein Kinderbuch mit dem Titel „Spindelfink – Wie ein Spatz fliegen lernte“ sowie Gedichte und eine Kurzgeschichte, die er zusammen mit anderen Autoren veröffentlicht hat.

http://www.atragon-online.de.vu
http://www.asaro-verlag.de

David Mack – Star Trek Vanguard 1: Der Vorbote

Das geschieht:

Der gescheiterte Versuch, die energetische Barriere am Rand der Galaxis zu durchbrechen, hat das Föderationsraumschiff „Enterprise“ schwer beschädigt. Das Angebot der Raumstation „Vanguard“, sein Schiff reparieren und überholen zu lassen, ist für Captain James T. Kirk verlockend aber verdächtig: „Vanguard“ sollte in diesem Jahr 2265 eigentlich noch im Bau sein. Die Grenznähe zu den Reichen der nicht eben friedfertigen Tholianer und der jederzeit kriegerischen Klingonen stimmt Kirk nachdenklich. Was stellt die „Vanguard“ wirklich dar?

In der Tat dient die Raumstation der Föderation als Basis für die eine forcierte Erforschung des Taurus-Sektors, der sich wie ein Puffer zwischen das Territorium der Tholianischen Gemeinschaft und das klingonische Imperium legt. Zwar erhoben beide Mächte nie einen Anspruch auf diesen abgelegenen Winkel, doch die hektischen Aktivitäten der Föderation und die offensichtliche Geheimhaltung erregen Misstrauen. David Mack – Star Trek Vanguard 1: Der Vorbote weiterlesen

Shayne, Maggie – Erinnerungen der Nacht (Twilight, Band 2)

Schon eine ganze Ewigkeit begehrt die Vampirin Rhiannon – einst eine ägyptische Prinzessin – den Vampir Roland de Courtemanche, den sie gerettet und in einen Vampir verwandelt hat. Doch egal, was Rhiannon unternimmt, weist Roland sie immer wieder aufs Neue ab. Das ist der Grund, weshalb sich Rhiannon eines Tages von Roland entfernt. Doch als sie erfährt, dass Roland und sein Schützling Jamey von den gefährlichen DPI-Agenten, welche sich auf die Erforschung von Vampiren spezialisiert haben, verfolgt werden, beschließt sie, noch ein letztes Mal zu Roland zurückzukehren, ihm zu helfen und einen letzten Versuch zu starten, Roland für sich zu gewinnen.

Doch Roland scheint ganz und gar nicht über Rhiannons Auftauchen erfreut zu sein. Durch ihr auffälliges Äußeres und ihre wahnwitzigen Unternehmungen befürchtet er, dass das DPI nun erst recht auf ihn und Jamey aufmerksam wird. Außerdem macht ihn Rhiannons Anwesenheit immer wieder nervös, weil sie in Roland einen Dämon erweckt, den er schon sein ganzes unsterbliches Leben lang zu verdrängen versucht, und er erinnert sich durch sie an eine längst vergangene Schuld, die ihn noch heute schwer belastet.

Vorübergehend verschanzen sich Roland, Rhiannon, Jamey und zwei weitere Vampire, Eric und Tamara, in Rolands Schloss, bis die Gefahr wieder vorüber ist und Jamey wieder in Sicherheit. Doch Jamey, der glaubt, auf sich selbst aufpassen zu können, verschwindet aus dem Schloss und gerät geradewegs in die Arme eines Mannes, der noch viel schlimmere Absichten hat als das DPI. Die Einzige, die Jamey jetzt noch helfen kann, ist Rhiannon, weil der Mann sich bei Verhandlungen nur auf sie einlässt. Das passt Roland wiederum ganz und gar nicht, weil er merkt, dass Rhiannon ihm doch mehr bedeutet, als er vorerst dachte …

_Eindrücke:_

„Erinnerungen der Nacht“ ist der zweite Teil von Maggie Shaynes „Twilight“-Serie, die Fortsetzung von „Fantasien der Nacht“. Diesmal stehen nicht wieder der Vampir Eric Marquand und seine geliebte Tamara im Mittelpunkt, sondern Roland, der auch schon in „Fantasien der Nacht“ einen kurzen Auftritt hatte und der Schöpfer von Eric ist. Zwar gehen auch die Charaktere aus dem ersten Teil in „Erinnerungen der Nacht“ nicht verloren und spielen im Verlauf der Geschichte noch eine wichtige Rolle, doch das Hauptaugenmerk fixiert sich nun auf Roland und natürlich auf Rhiannon, welche nun neu zu der Geschichte dazukommt und neben Roland die Protagonistin in „Erinnerungen der Nacht“ ist. Auch Jamey, der in „Fantasien der Nacht“ schon mitten im Geschehen war, spielt auch noch in „Erinnerungen der Nacht“ eine große Rolle und bleibt dem Leser und Fan vom ersten Teil der „Twilight“-Serie erhalten.

Obwohl der erste und der zweite Teil der Serie durch die Charaktere wie auch teilweise durch die Geschichte ganz klar zusammenhängen, lässt sich „Erinnerungen der Nacht“ theoretisch auch ohne die Vorkenntnisse in „Fantasien der Nacht“ lesen. Letztendlich ist „Erinnerungen der Nacht“ eine in sich abgeschlossene Geschichte, und wenn Ereignisse erwähnt werden, welche im ersten Teil der Reihe geschahen, dann werden diese meist kurz erläutert oder sie sind für die eigentliche Handlung nicht weiter von Belang, sodass man den Zusammenhang der Geschichte auch ohne Vorkenntnisse ganz gut nachvollziehen kann.

Doch nun erst einmal mehr zu den Charakteren. Rhiannon ist eine stürmische, äußerlich selbstsichere und wahnwitzige Frau, die keine Herausforderung oder Gefahr scheut, ganz im Gegenteil zu Roland, der eher in sich gekehrt wirkt, jede Gefahr so gut es geht vermeiden will und sich in Rhiannons Gegenwart stets unwohl fühlt, da sie in ihm Erinnerungen und Gefühle weckt, welche er am liebsten verdrängen würde. Rhiannon und Roland bilden so zwei völlige Gegensätze, was wohl auch Absicht der Autorin war und ihr auch absolut gelungen ist.

Was mir an den Charakteren, insbesondere an Rhiannon, sehr gut gefällt, sind die Tiefe, die Einzigartigkeit und die verstrickte Gefühlswelt, welche Maggie Shayne für ihre Protagonisten erstellt hat. Schon im Prolog, in dem Maggie Shayne Rhiannon selbst einmal zu Wort kommen und etwas über sich erzählen lässt, erfahren wir einiges über die Protagonistin. Viele Gefühle und Gedanken, die für den späteren Verlauf der Geschichte wichtig sind und dort auch noch einmal mehr zur Geltung kommen, werden hier bereits aufgegriffen, und man erhält einen ersten Einblick in Rhiannons Charakter. Wie schon angemerkt, wirkt diese nämlich äußerlich sehr selbstsicher, versucht aber dennoch ihr ganzes unsterbliches Leben lang, Roland und vor allem sich selbst zu beweisen, dass sie seiner würdig und es wert ist, auch geliebt zu werden. Mir hat Rhiannon besonders gut gefallen, da sie einen völlig einzigartigen Charakter besitzt, man sich mit ihrer Art sofort anfreundet und man vor allem durch sie an der ganzen Geschichte in „Erinnerungen der Nacht“ besonderen Anteil nimmt.

Auch Roland hat Probleme mit sich selbst, wenn diese sich auch anders äußern als bei Rhiannon. Durch einen Vorfall in seiner Vergangenheit trägt er schon seit einer Ewigkeit eine schwere Schuld mit sich herum und will sich einfach nicht verzeihen. Er glaubt, wenn er sich nicht im Zaum hält, tritt das Böse in ihm ans Tageslicht, und da Rhiannon diejenige ist, wegen der er immer wieder fast die Kontrolle über sich verliert, möchte er sie von sich fernhalten und verletzt sie, obwohl er eigentlich weiß, dass er sie liebt.

Bereits bei „Fantasien der Nacht“ handelte es sich zum Teil auch um eine Vampir-Geschichte, die zudem und wie derzeit angesagt ein wenig Erotik beinhaltet, und dies ist auch noch in „Erinnerungen der Nacht“ der Fall. Dennoch spielt die Erotik hier keine allzu große Rolle und sorgt lediglich für die richtige Würze der Liebesgeschichte zwischen Rhiannon und Roland. Die Passagen, die ein wenig erotisch angehaucht sind, und auch die eigentlichen Sexszenen sind sehr sparsam platziert, werden dafür aber sehr fantasievoll, malerisch und angenehm beschrieben.

Wesentlich wichtiger für die Handlung ist dagegen die Liebesgeschichte, welche sich während des Verlaufes der Geschichte zwischen Rhiannon und Roland anbahnt. Maggie Shayne gestaltet diese Romanze so mitreißend und spannend, dass man das Buch, wenn es sich langsam aber sicher seinem Ende zuneigt, beinahe nicht mehr aus der Hand legen kann und völlig in die Geschichte eintaucht. Je nachdem, wie sehr man an den Protagonisten hängt und wie einem die Geschichte gefallen hat, ist es auch denkbar, dass an der ein oder anderen Stelle des Buches auch mal eine Träne die Wange hinunterkullert, weil man so sehr mit den leidenden Protagonisten mitfühlt. Das Einzige, was ich am Ende etwas schade fand, war, dass das Happy-End zwischen Rhiannon und Roland etwas abgewürgt und auf die letzten vier Seiten gequetscht wurde. Zwar werden alle offenen Fragen noch beantwortet und auch das Ende selbst ist für den Leser zufriedenstellend, aber dennoch bin ich der Meinung, dass man die Schlusssequenz ein bisschen weiter hätte ausdehnen können.

„Erinnerungen der Nacht“ wird in der üblichen Form aus der Sicht des Erzählers erzählt, und nur im Prolog wendet Maggie Shayne einmal die Ich-Perspektive an, als Rhiannon von sich erzählt. Zwar passen beide Erzählarten sehr gut zur Erzählung, aber dennoch glaube ich, dass es noch besser gepasst hätte, wenn Maggie Shayne die Ich-Form auch während der restlichen Geschichte beibehalten hätte. Rhiannons Gedanken und Gefühle sind einfach sehr interessant und unterhaltend, und ich kann mir gut vorstellen, dass die Wirkung noch etwas direkter gewesen wäre, wenn man die ganze Geschichte aus Rhiannons Sicht erfahren hätte.

_Fazit:_

Mir hat der zweite Teil „Erinnerungen der Nacht“ noch besser gefallen als sein Vorgänger, und das ist eindeutig der Protagonistin Rhiannon zuzuschreiben. Die Geschichte an sich ist spannend, die Liebesgeschichte kommt sehr gut zur Geltung, auch ein Hauch Erotik ist vorhanden und die restlichen Charaktere sind ebenfalls sehr sympathisch, aber am besten gefallen hat mir einfach Rhiannon. Wirklich negative Aspekte sind mir keine aufgefallen, und deshalb kann ich „Erinnerungen der Nacht“ von Maggie Shayne nur weiterempfehlen.

_Die Autorin:_

Maggie Shayne ist eine amerikanische Autorin von mehr als 40 romantischen und paranormalen Romanen. Shayne wuchs in einer ländlichen Gegend in der Nähe von Syracuse, New York, auf und verließ die Highschool mit sechzehn, um zu heiraten, nachdem sie schwanger wurde. Sie ist sehr an altsumerischer Religion und Kultur interessiert und ist mittlerweile |High Priestess| und |Elder| eines Wicca-Covens. Shayne und ihr Ehemann sind mittlerweile seit über 25 Jahren zusammen und haben gemeinsam fünf erwachsene Töchter. Sie leben auf einer Farm in der Nähe von New York.

Maggie Shayne gewann den |Romance Writers of America RITA Award| und war zwölfmal dafür nominiert, außerdem gewann sie zehnmal einen |Romantic Times Award|, den |New Jersey Romance Writers Golden Leaf Award for Best Long Contmeporary|, wurde als |Affaire de Coeur Magazine Favorite Paranormal Author of the Year| ausgezeichnet. Ihre |Twilight|-Serie umfasst im Original bereits vierzehn Bände, Band fünfzehn ist für Oktober 2008 angekündigt.

Die |Twilight|-Serie bei |Mira|:

Band 1: Fantasien der Nacht
Band 2: Erinnerungen der Nacht

|304 Seiten|
MIRA Taschenbuch
http://www.maggieshayne.com