Archiv der Kategorie: Fantasy / Science-Fiction

Dick, Philip Kindred – galaktische Topfheiler, Der

Joe Fernwright, kleiner Handwerker und Meister der aussterbenden Kunst des Topfheilens, steckt in einer Sackgasse. In einer keramiklosen Zeit, die offensichtlich für seine Fähigkeiten keine Verwendung mehr hat, wartet er seit Monaten tagtäglich untätig in seiner Werkstatt auf Arbeit. Endlich eröffnet ihm der Auftrag eines außerirdischen Überwesens von einem fernen Planeten die Chance, sich aus dieser hoffnungslosen Situation zu befreien. Joe Fernwright entschließt sich, den Auftrag anzunehmen und verlässt die Erde, um auf dem Planeten Plowman, gemeinsam mit einer bunt zusammengewürfelten Gruppe verschiedener Spezialisten unterschiedlichster Spezies, das gigantische Projekt anzugehen. Ein alle Grenzen sprengendes Abenteuer beginnt.

Das Vorhaben – und der Roman – entpuppt sich schon bald als Reise in metaphysische, philosophische Dimensionen, wie es typisch für Philip K. Dicks Romane ist. Diese Hintergründigkeit hebt den Roman deutlich aus der Masse einfacher gestrickter SF-Storys hervor. Dazu wimmelt die Geschichte von skurrilen Einfällen und seltsamen Wesen, die den Leser mit wunderbarer Leichtigkeit in die Tiefen von Dicks Gedankenwelt eintauchen lassen. Besonders köstlich etwa die Seelsorgerzelle, in der sich Verunsicherte gegen Münzeinwurf entsprechend den Regeln des Zen, der puritanischen Ethik, der römisch-katholischen Kirche, des Islam oder wahlweise des mosaischen Glaubens beraten lassen können.
Oder das Spiel, mit dem man in jener Gesellschaft (unter einem repressiven, pseudosozialistischen System, das völlig abgewirtschaftet wurde) die Langeweile des Alltags betäubt – ein Ratespiel, bei dem zuvor per Computerübersetzung verstümmelte Buchtitel wieder dechiffriert werden müssen. (… darauf kam Dick im Jahr 1969!)
Dann der Android, der Schriftsteller werden möchte und Klassiker zitiert (überhaupt, die werden im Roman öfters zitiert, vor allem Goethes Faust – und auch klassische Musik spielt immer wieder eine Rolle). P. K. Dicks Begeisterung für die deutsche Sprache und seine Leidenschaft für Musik blitzen in dem Roman immer wieder durch. Auch in der Szene, in der das Radioprogramm mit seinen absonderlichen Wechseln zwischen geistlicher/klassischer Musik und Werbung für Korsetts, Mittel gegen Menstruationsbeschwerden, Hämorrhoidensalbe und Katzenstreu beschrieben wird. Selbst solche Slapstickszenen führen kleine, hintergründige Extrabotschaften mit sich und regen zum Denken an, ohne belehrend zu wirken. Schon die Idee, das Heilen zerbrochener Keramik zu einem Handwerksberuf der Zukunft zu machen – und den Besten dieser Zunft zum Helden eines Romans – hat eine metaphorische Extradimension – verdeutlicht die Allegorie. Das Thema Vorherbestimmung/Vorhersage der Zukunft fügt Dick im „galaktischen Topfheiler“ einmal als Ergebnis einer computergenerierten Partnerschafts-Simulation ein, ein andermal als geheimnisvolles Buch der mysteriösen Kalenden, die einzig damit beschäftigt sind, darin die Zukunft vor(aus)zuschreiben.

Zum Ende hin wird der Roman stetig surrealer und zeigt immer deutlicher seine erweiterte Dimension. Metaphysische, theologische und philosophische Fragen – die Suche nach dem wahren Wesen des Menschen, dem Sinn der Existenz, der Frage nach Vorbestimmung, nach Täuschung und Realität, der Struktur der Zeit – sind in Dicks Roman so spritzig verpackt, dass man sich trotz der „Schwere“ der Themen bestens amüsiert. Im Backcovertext wird der Roman sehr treffend als „faszinierend absurde Parabel“ bezeichnet – dass die Handlung an manchen Stellen etwas holpert, an anderen die Logik wackelt, tritt angesichts der Aussagekraft auf anderer Ebene völlig in den Hintergrund – das Buch bleibt eine in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken anregende und gleichzeitig kurzweilige Lektüre, ein Stück Literatur weit jenseits der Trivialität.

Zum zwanzigsten Todestag Philip K. Dicks begann der |Heyne|-Verlag im Jahr 2002 damit, ausgewählte Werke des Autors sukzessive in einer neuen Taschenbuchreihe auf den Markt zu bringen. Mit „Der galaktische Topfheiler“ wurde jetzt, im Januar 2005, Band 11 der Edition herausgebracht – der nächste ist für April angekündigt – weitere werden folgen.
Die Reihe präsentiert sich einheitlich im seriös-distinguierten Nadelstreifenlook (in von Band zu Band unterschiedlicher Grundfarbe) – darauf prangen schlicht und edel, in silberglänzenden Prägelettern Titel und Verlagsname, in Blau der Autorenname. Diese Aufmachung hebt nun auch optisch Philip K. Dicks Werk aus der vorurteilsbeladenen Trivialecke heraus. „Der galaktische Topfheiler“ kommt in einem die winterlich fröstelnden Finger wärmenden sonnigen Orangecover daher.

Beklagenswerterweise verzichtete Heyne in diesem Band auf ein einführendes bzw. erläuterndes Vor- oder Nachwort. Es findet sich lediglich der dürre Hinweis, es handele sich um eine erstmals ungekürzte deutsche Ausgabe, und zwar die Übersetzung von Joachim Pente (*) in von Alexander Martin neu durchgesehener und vollständig überarbeiteter Version. Weder wurden eine bibliographische Einordnung des Romans, noch etwas ausführlichere Anmerkungen zur Überarbeitung, noch gar eine leicht vertiefte Betrachtung Dicks wechselvoller Biographie angefügt.

(*) 1976 bzw. 1984 erschien der Roman bereits in deutscher Übersetzung (von Joachim Pente) – unter dem Titel „Joe von der Milchstraße“. Allerdings in gekürzter Fassung: 168/192 Seiten hatte der Roman in jener Version (Fischer/Moewig). Die hier besprochene, ungekürzte Ausgabe ist 207 Seiten lang.

Ob die Neuausgabe denn nun – abgesehen vom geschmackvoll schlichten Design des Covers – auch von den inhaltlich Qualitäten her betrachtet einen Gewinn gegenüber den Vorgängern darstellt, lässt sich, ohne allzu sehr in Details zu gehen, vielleicht so beantworten: Wer bei Übersetzungen Wert auf eine gelungene Kombination aus inhaltlicher Werktreue, möglichst weitgehend erhaltener „Handschrift“ des Autors und dabei noch gutes Deutsch legt, ist mit der Neubearbeitung bestens bedient. Auch die Wahl des Titels zeugt vom Bestreben des Verlags, das Werk Dicks in dieser Edition möglichst originalgetreu wiederzugeben.

Vom einzigen kleinen Wermutstropfen – dem fehlenden Vor- oder Nachwort – abgesehen, kann ich Heynes ungekürzte Neuausgabe von P. K. Dicks „Der galaktische Topfheiler“ jedem Freund tiefgründiger und origineller Literatur wärmstens empfehlen! Dass dieser Roman unter Dicks Werken bisher eher wenig beachtet wurde, wird sich durch die Neuausgabe hoffentlich ändern: Das Buch hat es verdient.

|Originaltitel: „Galactic Pot-Healer“, 1969|

_Susanne Jaja_
|Diese Rezension wurde mit freundlicher Genehmigung unseres Partnermagazins [X-Zine]http://www.x-zine.de veröffentlicht.|

Philip K. Dick – Nach der Bombe

Warum wird Philip K. Dick außerhalb des Science-Fiction-Genres kaum wahrgenommen? Eigentlich unbegreiflich, denn seine Romane und Kurzgeschichten handeln von Menschen und ihren Beziehungen zueinander. Seine Beobachtungen sind dabei derart präzise, dass wohl jeder Leser sich selber in den Figuren seiner Geschichten wiedererkennt. Wie in einem Comic sind die Verstrickungen, in denen sich die Protagonisten bewegen, überspitzt dargestellt. Das mag der Grund sein, weshalb der Autor sich in dieses Genre „geflüchtet“ hat. Ein Roman über die Welt, in der wir leben, könnte schwerlich den tiefen Einblick in das Wesen des ganz normalen Menschen tragen, den Dick uns in seinem Werk schenkt.

Philip K. Dick – Nach der Bombe weiterlesen

Lloyd Biggle jr. – Spiralen aus dem Dunkel

Biggle Spiralen Cover 1983 kleinSeltsame Flugkörper landen in der US-Provinz; sie streuen zerstörerische Kraftfelder von spiralförmiger Gestalt aus, scheinen aber nicht direkt feindlich zu sein. Kommen die Fremden aus dem All – oder sind es Sendboten aus einer möglichen Zukunft der Erdmenschen? … Herrlich altmodischer, d. h. langsam oder besser gesagt: sorgfältig komponierter, spannender und überraschend witziger Science Fiction-Roman um eine Invasion der besonders merkwürdigen Art.
Lloyd Biggle jr. – Spiralen aus dem Dunkel weiterlesen

Lowder, James – Prinz der Lügen, Der (Vergessene Reiche: Die Avatar-Chronik Band 4)

Einst erschütterte die Zeit der Sorgen das Gefüge der Welt. Die Götter waren von Ao verdammt worden, in den Reichen zu wandeln, um die Tafeln des Schicksals zurückzuholen. Einige Götter ließen dabei ihr Leben und Menschen nahmen ihren Platz im Pantheon ein: Mitternacht und Cyric. Einst Freunde, nun verhasste Feinde.

Die Götter sind zurück an ihrem angestammten Platz und wachen wieder über die Geschicke der Welt. Noch immer sind sich Mitternacht – nun Mystra, die Göttin der Magie – und Cyric – Gott der Lügen, Intrigen, des Todes und des Chaos’ – spinnefeind. Cyric plant gar, sich zum einzig wahren Gott aufzuschwingen. Sein Schwert, Götterfluch, leistet ihm dabei gute Dienste, denn es vermag Götter zu töten.

Cyric ist ein erbarmungsloser Gott, der keine Gnade kennt und selbst in seinem Totenreich Unmut hervorruft. Die Götter bitten Ao, Cyric zu bestrafen, doch Cyrics Handeln entspricht seinen Aufgabengebieten als Gott – er kann nicht bestraft werden.

Nur Mitternacht vermag scheinbar zu erkennen, wie gefährlich Cyric ist. Doch auch andere, verborgene Machtgruppen ziehen die Fäden im Hintergrund. Aber ihre genauen Ziele sind unbekannt.

Cyric scheint niemand aufhalten zu können. Er lässt ein magisches Buch schreiben, um alle Andersgläubigen auf seine Seite zu ziehen. Und er ist kurz davor, seine Rache an dem Mann zu vollenden, der ihm einst ebenbürtig war: Kelemvor. Doch dessen Seele wird von einer fremden Macht verborgen – selbst Mitternacht vermag ihren ehemaligen Geliebten nicht zu finden.

Der Prinz der Lügen – Cyric – ist kurz davor, alle seine Ziele zu erreichen …

Mit „Der Prinz der Lügen“ wächst die Avatar-Trilogie zur Avatar-Chronik heran und spinnt den Faden weiter, der in der Zeit der Sorgen seinen Anfang nahm. Denn gerade jetzt erleben die „Vergessenen Reiche“ eine spannende Zeit, die vor allem Fans der Reihe miterleben möchten. James Lowder weiß, zum Glück, die Vorlage der Trilogie gut zu nutzen.

Im Mittelpunkt steht der Konflikt zwischen Cyric und Mitternacht. Letztere nennt sich als Göttin der Magie Mystra und bildet einen Gegensatz zur Bösartigkeit Cyrics. Beide waren einst Menschen und vermögen über den Tellerrand der Göttlichkeit hinwegzuschauen. Und genau das macht sie gefährlich, den anderen Göttern gegenüber vielleicht sogar überlegen.

Cyric macht seinen Aufgabengebieten alle Ehre. Er metzelt alles nieder, kennt keine Skrupel und spinnt tödliche Intrigen. Dabei geht es oftmals brutal und blutig zu. Der Autor nimmt kein Blatt vor den Mund und stellt die entsprechenden Szenen sehr plastisch dar. Das ist dann allerdings Geschmackssache – wobei die Brutalität nicht Mittel zum Zweck ist, sondern Cyrics bösartigen Charakter aufzeigt.

Während sich Cyric in der Götterwelt schnell zurechtfindet, hat Mitternacht Anpassungsschwierigkeiten. Sie begreift nur langsam, was Göttlichkeit bedeutet und wie die anderen Götter die Welt wahrnehmen. Und das ist schlussendlich Mitternachts wahre Stärke im Kampf gegen Cyric. Das Charakterspiel der beiden Hauptfiguren und ihr greifbarer Konflikt sorgen für die nötige Spannung.

Überhaupt: Der Spannungsbogen steigt stetig an. Das wird hauptsächlich durch die vielen verschiedenen Handlungsebenen und Schauplätze erzielt – ohne den Leser zu verwirren. Man behält stets den Überblick und kann sich gut in die Figuren des Romans hineinversetzen. Sie sind sehr farbig und beleben das Bild, das James Lowder zeichnet.

Der Autor besitzt einen plastischen und detaillierten Stil, mit dem er die Geschichte packend transportiert. Gefesselt verfolgt man das Schicksal der Götter, der Menschen und der Halbmenschen. Obwohl diese den Göttern unterlegen sind, lassen sie sich nämlich nicht alles gefallen. Ganz im Gegenteil: Einige von ihnen wissen sich richtig zu wehren – selbst im Leben nach dem Tod.

Man merkt sehr schnell, dass Lowder gerne mit Überraschungen arbeitet. Intrigen und Verwirrspiele scheinen ihm zu liegen, aber auch große Wendepunkte werden vom Autoren gezielt eingesetzt. Sein Roman ist einfach fesselnd und sorgt für kurzweilige Unterhaltung. Fans der Reihe und Kenner der Reiche kommen an dem Buch jedenfalls nicht vorbei, behandelt es doch auch einen der wichtigsten Zeiträume der Buchreihe.

Die Schauplätze und Figuren überraschen übrigens durch ihre Kreativität und Vielfalt. So gibt es nicht nur Menschen und Götter, sondern unternimmt der Leser Ausflüge auf andere Ebenen, verfolgt die Erlebnisse einer getäuschten Seele und erlebt die Befreiung einer gefährlichen Bestie. Großartige Zaubereien, gefährliche Kämpfe und mechanische Kreaturen – Lowder kocht ein appetitliches Süppchen aus fantastischen Zutaten. Einfach wunderbar.

Auch die Aufmachung des Buchs ist gelungen. Das düstere Cover ist passend gestaltet, Titel und Detailangaben dynamisch angeordnet. Das Schriftbild ist klar und lässt sich gut lesen. Jedes Kapitel wird durch eine kurze Inhaltsangabe eingeleitet, über der sich das Symbol Cyrics befindet – immerhin wurde der Roman auch nach ihm benannt: Der Prinz der Lügen.

Das Buch schließt mit Verlagswerbung ab. Zum einen gibt es einen Ausblick auf den nächsten Teil der Avatar-Chronik (Band 5: Die Feuerprobe), zum anderen wird auch auf die weiteren Romane der „Vergessenen Reiche“ hingewiesen. Nicht fehlen darf die Information zum Rollenspiel „Dungeons & Dragons“, das von Feder & Schwert verlegt wird und die Grundlage der Romane bildet. Immerhin sind die „Vergessenen Reiche“ Bestandteil dieses Spiels.

Einzig wirkliche Schwachpunkte liegen im Lektorat, dem zwei große Fehler unterlaufen sind. So findet man an zwei auffälligen Stellen noch englische Begriffe. Da wäre das Wort Skyline, bei dem man aber getrost ein Auge zudrücken darf. Schlimmer ist jedoch, das Fürst Schach plötzlich Fürst Chess genannt wird. Das ist zwar nicht besonders schlimm, aber trotzdem auffällig und stört kurz ein wenig den flüssigen Lesefluss.

Unter dem Strich bleibt ein gelungenes Fantasy-Buch, das man gerne liest.

|Originaltitel: Prince of Lies
Übersetzung: David Raphael Flor
Lektorat: Oliver Hoffmann|

_Günther Lietz_ © 2005
|Diese Rezension wurde mit freundlicher Genehmigung unseres Partnermagazins [buchrezicenter.de]http://www.buchrezicenter.de veröffentlicht.|

Herbert, Brian / Anderson, Kevin J. – Kreuzzug, Der (Der Wüstenplanet: Die Legende 2)

„Der Kreuzzug“ ist die Fortsetzung von [„Butlers Jihad“, 827 zugleich der zweite Teil der Legenden des Wüstenplaneten und spielt ungefähr 25 Jahre nachdem Serena Butler den Denkmaschinen den heiligen Krieg, den Djihad im Namen ihres ermordeten Sohnes Manion erklärt hat.

Die Kämpfe sind seit einiger Zeit voll im Gange, doch immer wieder mussten die Menschen herbe Rückschläge gegen die Roboterarmeen von Omnius in Kauf nehmen. In der Zwischenzeit hat sich aber auch einiges geändert. Die Protagonistin, Serena Butler, hat sich mittlerweile fast ganz zurückgezogen und ihre Führungsrolle zugunsten ihrer Aufgabe als Priesterin aufgegeben. Iblis Ginjo, einst bei der Rebellion auf der Erde Anführer der menschlichen Streitkräfte, hat nun gewissermaßen ihren Posten eingenommen und sich selber den Titel Großer Patriarch verliehen. Und gerade dieser Iblis ist es auch, der im zweiten Buch der Legenden des Wüstenplaneten die Hauptrolle übernimmt. Mit seinen Entscheidungen und letztendlich auch mit seinen Intrigen steht und fällt die gesamte Geschichte. Derweil wird den beiden Kampfpiloten Xavier Harkonnen und Vorian Atreides im zweiten Teil weniger Platz eingeräumt. Xavier ist trotz etlicher Einsätze mehr und mehr zu einem Familienmenschen geworden, während Vorian auf dem fernen Planeten Caladan die große Liebe entdeckt hat.

Wenn man das erste Buch bereits gelesen hat, so kann man jetzt schon sehen, dass sich einschneidende Veränderungen abgespielt haben, die eigentlich von ihrer Wichtigkeit viel näher hätten beleuchtet werden müssen. Das ist nämlich einer der Kritikpunkte an „Der Kreuzzug“; zu viele wichtige Details aus der Vergangenheit werden dem Leser zunächst vorenthalten und auch anschließend nur bruchstückhaft erzählt. Die ganzen Schlachten, der Aufstieg von Iblis Ginjo, all das wird völlig ausgelassen und am Ende nur mit einer chronologischen Rückblende versehen.
An anderer Stelle ist hingegen fast gar nichts passiert; die Zeit scheint gerade im Sektor der Denkmaschinen stehen geblieben zu sein. Und auch die Situation der versklavten Zenschiiten hat sich über die Jahre keineswegs geändert. Umso verwunderlicher ist es, dass sich die Dinge im Buch dann plötzlich nach so langer Zeit auf kurze Dauer überschlagen. Ein tödlicher Sklavenaufstand hätte den Ereignissen des ersten Buches zufolge jedenfalls viel früher geschehen müssen. Desweiteren ist mir schleierhaft, warum der Wissenschaftlerin Norma Cenva plötzlich sämtliche Ideen aus dem Kopf schießen, die sich anscheinend in 25 Jahren nicht ergeben haben.

Ich könnte weitaus mehr Beispiele nennen, fest steht jedoch, dass wichtige Geschehnisse übergangen worden sind, und das ist für die Fortsetzung des Buches alles andere als förderlich. Doch es gibt noch mehr Kritik zu äußern: Der Schreibstil hat sich nämlich gravierend geändert, und manchmal scheint es tatsächlich so, als würden die beiden Autoren lediglich versuchen, die Seitenzahl zu strecken. Immer wieder werden Sachen wiederholt, die man als aufmerksamer Leser bereits einige Male zuvor ausführlich vorgestellt bekommen hat. Zudem werden wiederholend die Ereignisse aus dem ersten Band ins Gedächtnis gerufen, vielleicht ja auch, damit man das Buch auch unabhängig lesen kann, jedoch ist wohl davon auszugehen, dass man, sofern man sich für die Materie interessiert, beide Bücher durchliest.
Die Geschichte an sich verläuft hingegen weiterhin sehr spannend und nimmt besonders zum Ende hin einige sehr überraschende Wendungen, die das Ganze quasi noch einmal komplett auf den Kopf stellen. Ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen, aber mit einem derartigen Ende war keinesfalls zu rechnen.

In der Kritik zum ersten Band hatte ich betont, dass ich die Enttäuschung mancher Kritiker über diese Serie nicht ganz verstehen kann, muss diese Behauptung jedoch jetzt teilweise zurücknehmen, da mir manche inhaltliche aber auch einige stilistische Elemente in „Der Kreuzzug“ nicht mehr so gut gefallen. Hat man sich durch „Butlers Djihad“ gekämpft, dann ist dieses zweite Buch sicherlich Pflichtlektüre, aber so ganz das, was man sich von „Der Kreuzzug“ erhofft hatte, ist es eben nicht geworden.
Sehr schade, wie ich finde, denn die Geschichte an sich hat eine ganze Menge Potenzial.

Isaac Asimov – Lucky Starr

Mit dem Namen Isaac Asimov (1920-1992) verbindet man in der Science-Fiction vor allem eines: Seine drei Robotergesetze sind mittlerweile legendär und auch heute noch aktuell und heiß diskutiert, wie der auf frühen Kurzgeschichten Asimovs beruhende Film I, Robot zeigt.

Ein wenig untergegangen in dem Rummel um die Robotergesetze und seine Foundation-Trilogie ist eines seiner frühesten Werke überhaupt:

Die Lucky-Starr-Serie

Isaac Asimov – Lucky Starr weiterlesen

Armin Rößler (Hrsg.); Dieter Schmitt (Hrsg.) – Walfred Goreng

Anthologien deutscher (oder überhaupt) Science-Fiction sind mittlerweile äußerst seltene Publikationen. Kurzgeschichten scheinen der heutigen Leserschaft immer weniger zu bedeuten. Im Wurdack-Verlag erschien Anfang 2004 die erste SF-Anthologie („Deus ex machina“) des Verlags, der damit schwieriges Terrain betritt. Es ist ein erfreuliches Ereignis, dass mit „Walfred Goreng“ bereits der zweite Band erschienen ist – Kurzgeschichtenanthologien dienen als wichtige Plattform für aufstrebende Autoren und bieten in unterhaltsamer Form einen Querschnitt durch die deutsche Science-Fiction-Landschaft. Vielleicht spielte auch die von Andreas Eschbach jüngst herausgegebene Sammlung von Geschichten bekannter europäischer Schriftsteller eine unterstützende Rolle, um das Interesse an derartigen Publikationen zu erhöhen.

Armin Rößler (Hrsg.); Dieter Schmitt (Hrsg.) – Walfred Goreng weiterlesen

Friedmann, Celia S. – Kathedrale der Dämonen (Kaltfeuer 3)

Als die Menschen vor mehr als eintausend Jahren aus ihrem künstlichen Schlaf erwachten, um den Planeten Arna zu kolonisieren, ahnten sie nicht, wie gefährlich der Planet ist. Einer der Kolonisten vollführte ein Ritual, um Arna gnädig zu stimmen, um die Dämonen und Geister zu bändigen, die dem Unterbewusstsein der Kolonisten entsprangen.

Heute befindet sich Arna auf dem Stand des irdischen Mittelalters. Der Planet ist von einer Kraft umgeben, die sich Fae nennt und manipuliert werden kann. Doch das Fae ist gefährlich. So versagen alle Dinge, die zu viel Technik benötigen. Unter anderem schon simple Dampfkraft oder Schwarzpulverwaffen.

In dieser Welt lebt Pater Damien Kilcannon Vryce, der dem einzig wahren Gott dient. Er ist unterwegs nach Osten, um dort – auf einem unbekannten Kontinent – einen verborgenen Feind zu bekämpfen, der vielleicht die ganze Welt bedroht. Damien steht Gerald Tarrant zur Seite, ehemaliger Neograf von Merentha. Einst war er Begründer von Damiens Glauben – nun ist er der Teufel persönlich. Die beiden Männer werden von der Rakh Hesseth begleitet, die durch Geralds dunkle Macht menschliches Aussehen erhält.

Tatsächlich stoßen sie auf Zivilisation. Die Überlebenden einer vor Jahrhunderten verschollenen Expedition haben ein neues Reich gegründet und leben dort nach den Lehren, die einst vom Neograf von Merentha niedergeschrieben wurden. In diesem Gottesstaat gibt es funktionierende Technik, niemand ängstigt sich vor Dämonen und Monster, alle verehren den einen wahren Gott. Damien glaubt sich im Garten Eden, denn in seiner Heimat versagten die Menschen im Bemühen darin, dem rechten Glauben zu folgen. Doch Gerald Tarrant öffnet Damien rasch die Augen und reißt dem Feind die Maske herunter, hinter der er sich versteckt. Gerald, Damien und Hesseth fliehen …

Die Abenteuer von Damien und Gerald sind einfach faszinierend. Beide Männer sind scheinbar unterschiedlich, doch ihre Seelen weisen tiefe Abgründe auf. So ist Gerald ein skrupelloser Mörder, ein Vampir, der sich an der Angst seiner Opfer weidet. Und obwohl Damien ihn vernichten müsste, vertraut er diesem Mann, nährt ihn und lässt ihn jagen. Ganz nach dem Motto: Der Zweck heiligt die Mittel. Doch Damien ist sich bewusst, dass er auf einem schmalen Grat wandelt und jederzeit abstürzen kann. Hier arbeiten Licht und Schatten zusammen, kämpfen stets gegeneinander an und ergießen sich in Gegensätzen. Die Spannung bleibt am kochen, denn es ist fraglich, ob Gut oder Böse obsiegt – falls eine Seite überhaupt triumphieren wird.

Die emotionale Spannung baut sich also zwischen diesen beiden Männern auf. Die Figur der Hesseth wirkt noch blass, besitzt aber eine exotische Anziehungskraft. Bleibt abzuwarten, ob ihr Part in den nächsten zwei Bänden des Zyklus‘ stärker wird. Immerhin wurde der Originalroman „When True Night Falls“ (DAW Books Inc., New York) in drei Teile gespalten („Kathedrale der Dämonen“, „Tal der Nebel“, „Burg der Illusionen“). Dies geschieht zwar mit dem Einverständnis der Autorin, ist trotzdem unglücklich gemacht, da der Kaltfeuer-Zyklus vor allem im Ganzen besticht und die deutschsprachigen Bände künstlich gebrochene Spannungsbögen besitzen. Vom Preis ganz zu schweigen. Dafür hat sich der Verlag um anständige, zusammenpassende Titelbilder bemüht, die im Manga-Stil daherkommen und zu gefallen wissen.

Nun, trotz der Teilung ist „Kathedrale der Dämonen“ ein guter Roman, der sich flüssig lesen lässt. Friedman besitzt einen packenden Stil, der vom Übersetzer entsprechend eingefangen wurde. Bereits die ersten Seiten fesseln die Aufmerksamkeit, da C. S. Friedman erst einmal in die Vergangenheit reist und eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte Arnas beleuchtet. Dann wechselt die Autorin in eine real wirkende Traumsequenz, um anschließend mit ihrer Geschichte zu beginnen. Ein kontroverses Stilmittel, das gefällt.

Neben den ausgeklügelten Helden buhlen auch die Antagonisten um die Gunst der Leser. Auch sie haben ihre dunklen Geheimnisse, die nicht gelüftet werden. Ausgefeilt, mit Ecken und Kanten, herausfordernd und gefährdet – auch die Gegenseite besitzt eine große Anziehungskraft.

Obwohl Celia S. Friedman viel Wert auf Charakterentwicklung und Emotionen legt, weiß sie auch blutige und harte Szenen zu beschreiben. So liest man plötzlich von verwesenden Kreaturen, ausgeweideten Menschen und Kindern, die als Dämonenköder dienen. Das ist nichts für zart besaitete Menschen.

„Kathedrale der Dämonen“ ist ein packendes Buch. Bleibt abzuwarten, wie dem Roman die Dreiteilung bekommt. Der Auftakt ist jedenfalls sehr gelungen.

|Originaltitel: When True Night Falls (1993)
Übersetzung: Ronald M. Hahn|

_Günther Lietz_ © 2004
|Diese Rezension wurde mit freundlicher Genehmigung unseres Partnermagazins [buchrezicenter.de]http://www.buchrezicenter.de/ veröffentlicht.|

Friedmann, Celia S. – Zitadelle der Stürme (Kaltfeuer 2)

Vor 1200 Jahren versuchten die Menschen, den Planeten Arna zu kolonisieren. Doch sie scheiterten, da es auf dem Planeten eine Energieform namens Fae gibt. Das Fae lässt Zauberei zu und manifestiert die Ängste und Albträume der Menschen. Die Kolonie war sich selbst überlassen und fiel in der Entwicklung zurück. Die Menschen leben nun in einer mittelalterlichen Welt voller Magie und Monster.

In dieser Welt lebt die Fae-Adeptin Ciani. Sie wurde von mysteriösen Wesen überfallen und ihrer Erinnerungen und ihrer Macht beraubt. Die Wesen konnten vertrieben werden, doch um Ciani zu heilen, muss der Angreifer vernichtet werden. Aber das Dämonenwesen lebt hinter einer magischen Barriere, dem Baldachin. Er schützt die Ureinwohner – die Rakh – vor den Menschen.

Doch Ciani steht nicht alleine dar. Der Krieger-Priester Damien Vryce liebt die Adeptin und ist bereit für sie zu sterben, um ihre Erinnerungen zurückzuholen. Ein weiterer Freund der beiden ist Senzei, ein Gelehrter, der gerne ein Adept wäre. Doch dieser Weg ist ihm verwehrt. Das Quartett wird von dem Dämonen Gerald Tarrant komplettiert. Er ist ein mächtiges Wesen und wird „der Jäger“ genannt. Doch einst war er der Neograf und Begründer des Glaubens, dem Damien folgt. Doch der Neograf gab sich einst dem Bösen hin und ist nun der Feind von Damiens Glauben.

Die vier durchschreiten den Baldachin. Doch schnell werden sie von Jägern zur Beute. Nur durch die Hilfe der Rakhs, die mehr als ungastlich sind, vermögen sie zu überleben. Die Rakhs schließen mit den Fremden ein Zweckbündnis. Immerhin werden sie ebenfalls von den erinnerungsfressenden Dämonen bedroht, die von einer fremden Macht gesteuert werden. Einer Macht, die sich im Haus der Stürme verschanzt. Zusammen mit einer Rakh macht sich die kleine Gemeinschaft auf, um sich dieser fremden Macht zu stellen. Doch sie unterschätzen den Gegner …

Der Klappentext stellt eine Verbindung zu Stephen King und Dean Koontz her. Allerdings hat „Zitadelle der Stürme“ kaum etwas mit den Büchern der beiden Horror-Autoren gemein. Auch der Buchtitel ist etwas irreführend, ist im Roman doch vom Haus der Stürme die Rede. Dass der Originalroman „Black Sun Rising“ von Knaur geteilt wurde ([„Festung der Nacht“, 800 Knaur TB 70281 und „Zitadelle der Stürme“, Knaur TB 70282), ist ein weiterer Minuspunkt. Trotz der Verlagstorpedos hält sich der Roman jedoch glänzend über Wasser.

Der Umschlag wurde im Stil japanischer Mangas gestaltet und wartet mit gelungenen Motiven auf. Ein kurzer Überblick am Anfang des Buchs vermittelt das nötige Vorwissen aus dem ersten Band des Kaltfeuer-Zyklus.

Obwohl die Magie und die Landschaften im Roman faszinierend sind, machen vor allem die Figuren den Reiz aus. Sie sind wunderbar ausgearbeitet, und ihre Beziehung zueinander sorgt für viel Konfliktpotenzial. An erster Stelle steht hier Gerald Tarrant, der Täter und Opfer zugleich ist. Er ist eine bösartige Kreatur, abstoßend und anziehend zugleich. Sein Wiederpart ist Damien Vryce, dessen Macht jedoch begrenzt ist und der des Öfteren unter Eifersucht leidet. Auch Senzei ist eine packende Figur, der ihre eigene Gier zum Verhängnis wird. Nur Ciani verblasst ein wenig, was aber an der Teilung des Originalromans liegt. Immerhin wurden die Charaktere in „Festung der Nacht“ eingebracht und skizziert. In „Zitadelle der Stürme“ fehlt entsprechend eine Charaktereinführung. Das wird jedoch durch die hervorragende Charakterentwicklung ausgeglichen.

Celia S. Friedman weiß zu schreiben und besitzt einen bildhaften Stil. Ihre Geschichte ist spannend und wartet mit überraschenden Wendungen auf, die Friedmans Leser in Atem halten. Dazu gibt es eine ordentliche Portion Blut, Gewalt und Action. Hier verbindet sich feinsinnige Unterhaltung mit rasanter Dramaturgie. Eine gelungene Sache, die auf der ganzen Linie überzeugt.

„Zitadelle der Stürme“ ist ein gelungener Roman, der flüssig geschrieben und zügig zu lesen ist. Helden mit Ecken und Kanten, faszinierende Kreaturen, lebensfeindliche Landschaften und eine spannende Geschichte – Fantasy vom Feinsten und eine gute Empfehlung.

|Originaltitel: Black Sun Rising (1991)
Übersetzung: Ronald M. Hahn|

_Günther Lietz_ © 2004
|Diese Rezension wurde mit freundlicher Genehmigung unseres Partnermagazins [buchrezicenter.de]http://www.buchrezicenter.de/ veröffentlicht.|

Friedmann, Celia S. – Festung der Nacht (Kaltfeuer 1)

Als die Menschen im Weltraum eine neue Heimat fanden, ahnten sie nichts von den Schrecken, die dort lauerten. Allein durch Gedanken konnte man seine Umwelt verändern. Durch die im Unterbewusstsein verankerten Ängste schufen die Menschen jedoch Dämonen und Monster, führten ihren eigenen Untergang herbei. Seitdem ist viel Zeit vergangen. Die einstige Kolonie wurde sich selbst überlassen und fiel auf einen pseudomittelalterlichen Stand zurück. Die Menschen haben gelernt, mit der Macht umzugehen, die sie umgibt. Dämonen und Adepten sind real. Der magieverdammende Klerus einer Erweckerkirche, ein uralter Dämon, Inquisitoren und Gelehrte, sie alle bevölkern diese magische Welt, die so gefährlich ist.

Der hochrangige Priester Damien reist durchs Land, um seiner Kirche neue Wege zu eröffnen. Er selbst vermag das |Fae|, die alles umgebende magische Kraft, zu manipulieren. Obwohl er darin einiges Talent besitzt, übertrifft ihn die hübsche Ciani bei weitem. Ciani mag wohl jung aussehen, doch tatsächlich ist sie viel älter als Damien, der sich in die Adeptin verliebt. Ciani besitzt viel Wissen und arbeitet mit Senzei zusammen, einem alten Gelehrten. Als Cianis Magie von schrecklichen Kreaturen ausgelöscht wird, schließt sich das Trio zusammen, um Cianis Leben zu retten. Denn als man ihr das Fae nahm, nahm der Feind auch ihren Lebenswillen.

Gemeinsam wollen Damien, Ciani und Senzei den Schleier durchdringen. Dabei handelt es sich um eine magische Barriere, die ein Urvolk vor den Menschen schützt. Die Reise ist gefährlich und der Vampir Gerald schließt sich den Freunden an. Der Dämon ist von einem schrecklichen Geheimnis umgeben, das Damien, Ciani und Senzei langsam lüften …

Obwohl das Buch mit 406 Seiten ein wenig schmal wirkt, steckt es voller fantastischer Inhalte, die dem Leser den Atem rauben. Wo andere Autoren leicht das doppelte Volumen mit nichts sagenden Trivialitäten füllen, benötigt Celia S. Friedman weniger Platz für mehr sinnvolle Handlung. Jede Seite überzeugt durch einen angenehmen und flüssigen Stil, der ohne Lückenfüller oder Belanglosigkeiten auskommt. Die Autorin schreibt pointiert und steuert gezielt auf den Höhepunkt des Romans zu.

Eine der Stärken des Romans, der den Fantasy-Zyklus |Kaltfeuer| einläutet, ist die fantastische Welt, in der die Handlung spielt. Detailliert und dennoch verspielt erweckt Friedman Flora und Fauna zum Leben. Zugegeben, die ersten Seiten sind etwas verwirrend. Doch mit jedem Satz enthüllen sich die Feinheiten der Umwelt, begreift der Leser mehr von den Zusammenhängen. Celia S. Friedman setzt auf Subtilität, vermeidet Beschreibungen, die mit dem Holzhammer rausgeprügelt werden. Hier macht das Lesen und Entdecken großen Spaß.

Gleiches gilt für die tiefgründigen Figuren, die sehr authentisch wirken und griffig rüberkommen. Damien ist ein Wegbereiter, der das Fae zu manipulieren vermag und dadurch eigentlich gegen die Anordnungen seiner Kirche verstößt. Doch die Kirche muss neue Wege gehen, will sie den Kampf gegen die Dämonen gewinnen. Große Säuberungen und Kreuzzüge in der Vergangenheit haben dem Klerus mehr geschadet als genutzt. Dadurch wirkt Damien wie die letzte Hoffnung der Menschheit.

Ciani ist ein wenig anders gestrickt. Sie besitzt eine große Lebenserfahrung, kennt die Höhen und Tiefen ihrer Vergangenheit. Sie ist frei und unbeschwert, vermag das Fae mit Leichtigkeit zu manipulieren. Das alles ändert sich erst, als sie überfallen wird. Nur Senzeis Eingreifen retten Cianis Leben. Hier wird deutlich, dass die Figuren untereinander feste Freundschaften pflegen, die selbst über den Tod hinausreichen. Sie alle riskieren ihr Leben, um dem anderen zu helfen. Dieser Zusammenhalt des Trios ist ergreifend und berührt den Leser. Die Sehnsucht nach fester Freundschaft wird hier gestillt und bindet Emotionen.

Doch wo Licht, da auch Schatten. Die Düsternis des Romans beruht zum Teil auf der Welt selbst, doch auch auf dem Vampir Gerald, den ein düsteres Geheimnis umgibt. Damien traut dem Dämonen nicht, doch sie alle sind auf den Mann angewiesen. Im Verlauf der Handlung wird seine wahre Identität immer weiter aufgedeckt. Hier fordert Friedman auch die grauen Zellen ihrer Leserschaft, bedingt durch die gelungene Einleitung des Romans. Der Prolog zeigt bereits die Klarheit, mit der die Autorin vorgeht. Da richten sich schon die Nackenhärchen auf und rieselt uns ein kalter Schauer über den Rücken. Hier werden Erwartungen geschürt, die tatsächlich erfüllt werden.

Der Roman beginnt stark, steigert sich bis zum Höhepunkt und macht dann Lust auf mehr. „Festung der Nacht“ ist ein gelungener Einstieg in den Kaltfeuer-Zyklus und – auch für sich allein gelesen – ein tolles Stück Fantasy.

|Originaltitel: Black Sun Rising (1991)
Übersetzung: Ronald M. Hahn|

_Günther Lietz_ © 2004
|Diese Rezension wurde mit freundlicher Genehmigung unseres Partnermagazins [buchrezicenter.de]http://www.buchrezicenter.de/ veröffentlicht.|

Hohlbein, Wolfgang / Hohlbein, Heike – Anders 1: Die tote Stadt

Es sind Schulferien. Für den Internatsschüler Anders Beron ist das die schönste Zeit des Jahres. Denn nun kann er endlich seinen Vater sehen, den ebenso reichen wie mächtigen Ottmar Beron, Besitzer eines riesigen Vermögens an Firmen, Land und Geld. Er wird von seinem Freund und Leibwächter Jannek abgeholt, der zwar freundlich lächelt, aber sehr nervös zu sein scheint. Dafür hat er auch alle Gründe, denn am Privatflugzeug kommt es zur Katastrophe. Jannek und Anders geraten in die Fänge zweier skrupelloser Entführer. Diese zwingen Jannek, das Flugzeug zu starten und die Berge anzusteuern. Schnell nimmt die Polizei in Hubschraubern die Verfolgung auf und die Entführer zwingen Jannek, in ein militärisches Schutzgebiet zu fliegen. Dort werden sie von futuristischen Kampfhubschraubern abgeschossen und müssen notlanden. Die Entführer überleben den Absturz nicht, doch wie durch ein Wunder bleiben Anders und Jannek am Leben. Doch dann tauchen Männer in Schutzanzügen auf und nehmen sie unter Beschuss, ebenso wie die Kampfhubschrauber. Eine abenteuerliche Flucht beginnt, bei der Jannek tödlich verletzt von einem Dach stürzt und Anders von einem unbekannten Mädchen gerettet wird.

Dieses Mädchen führt ihn durch eine zerstörte Stadt, in der eine schreckliche Katastrophe gewütet haben muss. Noch immer wird er von den Männern in den schwarzen Schutzanzügen verfolgt. Und noch andere Schrecken lauern in den Ruinen. Ein Schwarm von spinnenähnlichen Tieren frisst alles, was den Insekten begegnet. Nur knapp können die beiden den geheimnisvollen Männern mit ihren todbringenden Waffen und den Insektenmonstern entkommen. Das Mädchen bringt ihn zu ihrer Zuflucht, wo auch andere Überlebende der Katastrophe eine Notgemeinschaft bilden. Diese nach strengen Regeln lebende Sippe besteht aus merkwürdigen Geschöpfen. Teilweise sind sie menschlich, teilweise sehen sie aus wie Tiere. In welch einer Welt ist Anders gelandet und wie kann er ihr wieder entkommen?

Das vorliegende Buch ist der Beginn der vierteiligen Romanfolge von Heike und Wolfgang Hohlbein, die damit wieder mal ihrem Lieblingsthema folgen, das sie beispielsweise in „Druidentor“ und vielen anderen Romanen pflegen und hegen. Sie bringen ein Stück Fantasie (Legenden und Fantasy bunt gemischt) in unsere Welt. Dazu bemühen sie moderne Technik und Wissenschaft, die durch Legenden und Märchen angereichert werden. In diesem Fall haben Wissenschaftler in ihrem Labor etwas freigesetzt, das zusammen oder allein mit der nuklearen Vernichtung der Stadt in den Bergen (so ganz deutlich wird das nicht) Mutationen unter den Lebenden hervorruft. Jeder, der das Gebiet betritt und/oder mit den dort Lebenden konfrontiert wird, leidet unter einer schrecklichen Krankheit, die fast immer zum Tod führt. Die Mutationen sind nun eine praktische Angelegenheit für die Autoren, beliebige Fabel- und Fantasywesen auf die Bühne zu holen. So treffen wir hier Tiermenschen, Insektenvölker, Trolle, Zwerge, Gnome, Orks, Elfen und was die einschlägige Literatur noch so hergibt (wenn auch eventuell unter einem anderen Namen).

Die Geschichte beginnt schnell und furios und bleibt bis zum Ende des Buches sehr spannend. Fasziniert folgen wir Anders in sein persönliches Endzeitszenario, aus dem er von Anfang an verzweifelt zu entkommen versucht. Die Schrecken und Gefahren, die ihm dabei begegnen, sind bedrohlich und glaubhaft vermittelt.

Der Einstieg in das vierbändige Werk ist dem Autorenpaar am besten gelungen. Während die späteren Romanteile ein paar Längen, Wiederholungen, Brüche und Schleifen aufweisen, ist der erste Band eine spannende und interessante Angelegenheit.

Autorenhomepage des Verlages: http://www.hohlbein.at/

_Jens Peter Kleinau_
|Diese Rezension wurde mit freundlicher Genehmigung unseres Partnermagazins [X-Zine]http://www.x-zine.de/ veröffentlicht.|

Herbert, Brian / Anderson, Kevin J. – Butlers Djihad (Der Wüstenplanet: Die Legende 1)

Mit „Butlers Djihad“ beginnt eine zweiteilige Reihe, in der die Ursprünge des legendären Wüstenplanet-Zyklus beschrieben werden, die Anfänge von „Dune“, der erfolgreichsten Science-Fiction-Serie aller Zeiten. Brian Herbert, Sohn des 1986 verstorbenen „Dune“-Schriftstellers Frank Herbert, und Kevin J. Anderson haben sich bereits vor einiger Zeit mit der Vergangenheit des Hauses Atreides beschäftigt und die Chroniken in Form einer Trilogie abgearbeitet, die von Kritikern als das legetime Erbe des Original-Autors gelobt wurde, doch nun gehen sie noch weiter zurück und berichten von einer Zeit, die circa 10.000 Jahre vor der Herrschaft über den Planeten Arrakis spielt.

Die Welt wird in dieser Zeit vom mächtigen Allgeist Omnius beherrscht, der mit Hilfe seiner Denkmaschinen einzelne Planeten eroberte, die dort lebenden Menschen entweder brutal abschlachten ließ oder sie in die Sklaverei der Maschinen führte und schließlich die Vorherrschaft über das gesamte Universum übernahm. Dabei ist Omnius indirekt nur eine Erfindung einer unzufriedenen Schar Menschen gewesen, die seinerzeit das alte Imperium als Titanen stürzen konnte und sich schließlich selbst in Maschinen verwandeln ließ, so genannte Cymeks, die jedoch weiterhin über ein organisches Gehirn verfügten. Ein Fehler in ihrer Programmierung ließ schließlich den allmächtigen Omnius entstehen, der ihnen selber überlegen war und nun von überall her das Geschehen kontrollierte.

Nur ein geringer Teil der menschlichen Rasse wagt es noch, dem Allgeist Widerstand zu leisten. Gemeinsam bilden sie die Liga der Edlen, die sich zum Ziel macht, die bevorstehende Ausrottung ihrer Rasse durch die Roboter zu verhindern. Unter der Führung ihres Präsidenten Manion Butler, seiner wagemutigen Tochter Serena und ihres Verlobten Xavier Harkonnen stellen sie ein neues Heer auf, um sich gegen die Roboter zur Wehr zu setzen, jedoch bleiben sie stets in einer Verteidigerrolle. Erst in dem Moment, als sich Serena Butler dazu entschließt, den an die Denkmaschinen verlorenen Planeten Giedi Primus zurückzuerobern, erkennen die Menschen ihre Chancen, jedoch fällt Serena diesem Angriff selbst zum Opfer und landet als Gefangene auf der Erde, wo sie als Haussklavin des intelligenten Roboters Erasmus gehalten wird.

In ihrer Heimatwelt ist man indes von Serenas Tod überzeugt und bemerkt somit gar nicht, dass sie auch auf der Erde weiterhin für die Rechte der versklavten Menschen kämpft, dabei teilweise auch Erfolge erzielt und schlussendlich den Mord an ihrem unter Erasmus‘ Aufsicht geborenen Sohn zum Anlass nimmt, um mit einem Arbeiterfüher eine Revolte gegen die Maschinen anzuzetteln. Ihr erneuter Erfolg und das Wissen, das sie vom übergelaufenen Titanensohn Vorian Atreides übermittelt bekommen hat, lässt sie schließlich bei ihrer Rückkehr in die Liga der Edlen den Djihad gegen die von Omnius gesteuerten Maschinen ausrufen, der von ihrem ehemaligen Verlobten Xavier Harkonnen angeführt werden soll.

An vielen anderen Stellen wird dieser erneute Vorgänger harsch kritisiert, was mir persönlich überhaupt nicht verständlich ist, denn schließlich ist es dem eingespielten Team Herbert/Anderson eindrucksvoll gelungen, eine weitere atemberaubende Science-Fcition-Geschichte zu erzählen, die sich vor allem durch ihre ironische Brutalität von anderen Vertretern ihres Genres abhebt. Hiermit meine ich in erster Linie die Gleichgültigkeit, mit der die Roboter ganze Stämme ausrotten und die fast schon beiläufige Ironie, mit der das Autorenteam Stellung dazu bezieht. Diese zieht sich auch durch das ganze Buch und löst immer wieder Entsetzen aus, da sich hinter der Frage, wie viel ein Menschenleben eigentlich wert ist, ein unterschwelliges Stück Gesellschaftskritik verbirgt.

Davon einmal abgesehen, ist der Handlungsstrang ausgesprochen spannend arrangiert worden. Sehr viele Nebenschauplätze werden in kurzen Kapiteln eingeblendet, zahlreiche Charaktere vorgestellt, das Leben auf den verschiedensten voneinander unabhängigen Planeten wird beschrieben und trotzdem lässt sich der Wust an Informationen Stück füt Stück zusammenfügen und ergibt schließlich auch die erhofften Zusammenhänge. Dabei lesen sich die ersten 150 Seiten gar nicht mal so einfach, weil der eben beschriebene Prozess, sprich das Sammeln von Informationen, schon eine gewisse Zeit verschlingt, die sich jedoch im Endeffekt als wertvoll investiert erweist, denn je tiefer man in die Welt von Omnius, Xavier Harkonnen, Vorian Atreides, den Titanen und natürlich Serena Butler eingedrungen ist, desto wissbegieriger wird der Leser schließlich.

Schlussendlich lässt sich daher auch sagen, dass die beiden Autoren den sehr guten Ruf der Wüstenplanet-Saga nicht nur weiter aufrechterhalten, sondern ihn mit „Butlers Djihad“ sogar auf ein neues Level angehoben haben. Für diejenigen, die mit der „Dune“-Geschichte bisher noch nicht in Kontakt getreten sind, ergbit sich hier sogar die einmalige Möglichkeit, von ganz vorne zu beginnen, was die Sache neutral betrachtet sogar noch weitaus interessanter macht als die stetigen Rückblenden, die sich für den eingeschworenen Leser bieten.

Mehr Informationen zur Wüstenplanet-Saga gibt es u. a. bei [wikipedia.]http://de.wikipedia.org/wiki/Dune

Stephen King – Der Turm (Der Dunkle Turm 7)

„Der dunkle Turm“ wird von Stephen King selbst als sein Lebenswerk bezeichnet. Der erfolgreiche Autor erklärte den Ende 2004 erschienenen siebten Band „Der Turm“ zu seinem letzten großen Roman und Abschluss seines vor 22 Jahren begonnenen Turmzyklus, der als Metafiktion viele Bezüge zu anderen Werken Kings, zum Leben des Autors sowie der realen Welt herstellt.

Bereits vor dem Erscheinen des ersten Bandes, „Schwarz“ (1982), spukten die Gedanken zu der Gestalt des Roland von Gilead und die Grundlage zu seinem späteren Turmzyklus in Kings Kopf. Das 1855 von Roland Browning geschriebene Gedicht „Childe Roland to the Dark Tower came“ – man findet es auf Kings Dark-Tower-Homepage ]http://www.stephenking.com/DarkTower/ – setzte dabei einen kreativen Prozess in Gang, der sich nach und nach verselbstständigte, King wob immer mehr Bezüge zu seinen Romanen und der realen Welt in die Geschichte um den dunklen Turm ein.

Stephen King – Der Turm (Der Dunkle Turm 7) weiterlesen

Neal Asher – Der Erbe Dschainas

Das geschieht:

Die „Polis“ nennt man jenen Teil der Galaxis, der von den Menschen und ihren Abkömmlingen, Verbündeten und Feinden besiedelt wird. Das Sagen haben die KIs, künstliche Intelligenzen, deren Einheiten über die gesamte Polis verteilt sind und mit der Zentrale in Verbindung stehen. In dieser gewaltigen Sphäre begehren immer wieder feindliche Mächte auf. Vor gar nicht langer Zeit machte sich über dem Planeten Samarkand der „Drache“ bemerkbar – ein außerirdisches Biokonstrukt der legendären, längst ausgestorbenen „Erschaffer“, das unter hohen Verlusten nur scheinbar besiegt werden und fliehen konnte. Deshalb fragt sich Earth Central Security, die Sicherheitseinheit der Polis, ob der Drache hinter den mysteriösen Ereignissen steckt, die zur Zerstörung der Raumstation „Miranda“ geführt haben.

Das Schlachtschiff „Occam Razor“ wird in Gang gesetzt. An Bord befinden sich die Agenten Cormac und Gant sowie „Narbengesicht“, eine Kreatur Draches, deren Loyalität höchst ungewiss ist. Zunächst an anderer Stelle der Galaxis jagt Cormacs alter Kampfgefährte Thorn den kriminellen Naturwissenschaftler Skellar. Dieser ist durch einen Zufall in den Besitz von Hightech der der ausgestorbenen Dschaina gelangt. Sie lassen den skrupellosen Skellar zu einem Gegner werden, dem kaum beizukommen ist. Da sich der Forscher an Cormac rächen und außerdem ein Kampfschiff an sich bringen will, überfällt er die „Occam Razor“. Ein Segment Draches rettet die wieder vereinten Kampfgefährten. Neal Asher – Der Erbe Dschainas weiterlesen

Ursula K. Le Guin – Die linke Hand der Dunkelheit

„Die linke Hand der Dunkelheit“ ist ein Klassiker von 1969, neu aufgelegt in |Heynes| wunderbarer Jubiläums-Edition. Hauptfigur ist der Gesandte Genly Ai, einziger Vertreter der Ökumene auf dem fernen Planeten Gethen. Die Ökumene ist ein Verbund aus 83 Welten für den wirtschaftlichen und vor allem kulturellen Austausch. Politische Macht wird jedoch nicht ausgeübt, jede Welt regiert sich selbst.

Genly Ai soll die Bewohner für einen Beitritt zur Ökumene gewinnen, doch seine Mission ist nicht leicht, denn Gethen unterscheidet sich sehr von Terra, der Heimat Genlys.

Ursula K. Le Guin – Die linke Hand der Dunkelheit weiterlesen

Robert Jordan – Der neue Frühling (Das Rad der Zeit 29)

„Das Rad der Zeit dreht sich,
Zeitalter kommen und gehen
und hinterlassen Erinnerungen,
die zu Legenden werden.

Legenden verblassen zu Mythen
und selbst die sind längst vergessen,
wenn das Zeitalter wiederkehrt,
das an ihrem Ursprung stand.“

Mit diesen Worten begann Robert Jordans „Das Rad der Zeit“-Zyklus – einer der umfangreichsten und erfolgreichsten Fantasy-Zyklen der letzten Jahre.

Mittlerweile sind 10 Bände der amerikanischen Originalausgabe erschienen, die satte 7569 (!) Seiten Umfang aufweisen. Bei den 29 (die Bände wurden gesplittet) bisher erschienenen Übersetzungen liegt die Seitenzahl gemäß der Regel, dass deutsche Übersetzungen umfangreicher werden, entsprechend mittlerweile bei über 10.000. Da seit dem Erscheinen des ersten US-Bandes „The Eye of the World“ im Jahre 1990 bereits einige Zeit verstrichen ist, verwundert es nicht, dass in der deutschen Übersetzung mit Andreas Decker bereits der dritte Übersetzer tätig und die Reihe von |Heyne| an den |Piper|-Verlag verkauft worden ist.

Piper veröffentlicht mit „Der neue Frühling“ den 29. Band der deutschen Rad-der-Zeit-Serie, der allerdings aus der Reihe fällt: In den USA wird „The New Spring“ getrennt vom Rad der Zeit als Prequel-Serie im selben Universum angeboten.

Zum besseren Verständnis der ausufernden Fantasy-Welt des Rads der Zeit möchte ich einen sehr groben Handlungsabriss des Rad-Zyklus voranstellen:

Das Grundkonzept des Rads der Zeit ist das des ewigen Konflikts zwischen Schöpfung und Chaos, verkörpert von dem jeweiligen „Drachen“ (im übertragenen Sinn: Der Drache ist ein Mensch) und seinem Widerstreiter vom Anbeginn der Schöpfung an, dem Dunklen König. Seit der Schöpfung der Welt treten sich Drache und Dunkler König am Ende eines jeden Zeitalters zum finalen Gefecht gegenüber, sollte der Dunkle König siegen, geht die Welt unter. Was bisher offensichtlich nicht geschehen ist …

Das Muster der Zeitalter ist dabei stets sehr ähnlich: Nicht nur der finale Konflikt, auch die Helfer des Drachen werden stets in einem neuen Zeitalter wiedergeboren. Aus dem Zeitalter der Legenden und dem Dritten und Vierten Zeitalter haben noch fragmentarische Schriften, unter anderem die „Prophezeiungen des Drachen“ im Karaethon-Zyklus, überdauert.

Diese versprechen nicht nur die Wiederkehr des Drachen, sie beunruhigen auch die wenigen Eingeweihten: Der Drache soll bei seiner Wiederkehr die Welt zerstören. Wie das zu interpretieren ist, darüber streitet man sich. Wird der Drache die Welt vor dem Dunklen König retten, sie aber dabei zerstören? Vieles spricht für einen Sieg des Schattens. Die magiebegabten Menschen der Welt des Rades, „Aes Sedai“ (Diener Aller) genannt, sind schwächer denn je: Beim Kampf gegen Lews Therin Telamon, den letzten Drachen, gelang es dem Dunklen König, die männliche Hälfte der „Wahren Quelle“ oder auch der „Einen Macht“, Saidin, zu verunreinigen: Jeder Mann, der sich ihrer bedient, wird unweigerlich früher oder später wahnsinnig. Das hat zur Folge, dass alle Aes Sedai des aktuellen Zeitalters weiblich sind und alle der Magie fähigen Männer gezielt suchen und ihrer Fähigkeit berauben, bevor sie sich selbst und anderen im Wahn Schaden zufügen können. Erschwerend sind im Zeitalter der Legenden bereits einige der mächtigsten Aes Sedai aller Zeiten zum Dunklen König übergelaufen; die so genannten „Verlorenen“ zählen neben anderen, heimlich dem Schatten dienenden Aes Sedai, der sogenannten „Schwarzen Ajah“, zu seinen mächtigsten Schergen.

Einer der potenziell wahnsinnigen männlichen Machtanwender ist der wiedergeborene Drache selbst, Rand al’Thor. Dank der Hilfe der Aes Sedai Moiraine Damodred und vieler anderer gelang es ihm, dem Wahnsinn, den Dienern des Dunklen Königs und zahllosen anderen Gefahren zu trotzen. Doch noch nie zuvor waren die Siegeschancen des Dunklen Königs besser, die magischen Siegel seines Gefängnisses im Berg Shayol Ghul bröckeln, die Verlorenen wandeln wieder auf der Welt und seine Trolloc-Heerscharen überziehen das Land mit Krieg, während eine Invasion der Seanchaner, die von einem Kontinent am anderen Ende des Aryth-Meers stammen, die Reiche der Menschen zum Fall zu bringen droht.

Das Ende scheint nahe, doch Robert Jordan lässt sich nicht hetzen: Bereits seit einigen Bänden tritt die Handlung auf der Stelle, bis zur entscheidenden Schlacht wird es wohl noch eine Weile dauern, es ist noch nicht einmal klar, wann der nächste Band erscheint. Aberhunderte von Charakteren, unzählige Völker, Monster, fremdartige Konzepte und Dinge bevölkern seine gigantische Fantasywelt.

„Der neue Frühling“ dient der Überbrückung der Zeitspanne bis zum nächsten Rad-der-Zeit-Band und erzählt die |Vorgeschichte| des Zyklus:

Moiraine Damodred und die spätere Amyrlin (Anführerin) der Aes Sedai, Siuan Sanche, sind zu dieser Zeit gerade erst Aufgenommene, noch nicht einmal richtige Aes Sedai. Doch während die wilden Aiel-Wüstenkrieger die Ländereien um den Drachenberg verwüsten, ereilt die Aes Sedai Gitara Moroso eine schicksalhafte Vision: Der Drache ist wiedergeboren worden! Sofort entsendet die regierende Amyrlin vertrauenswürdige Sucherinnen, die nur eine Aufgabe haben: Den Drachen zu finden. Moiraine und Siuan befinden sich ebenfalls darunter, denn sie waren während der Vision Gitaras zufällig zugegen.

Bald darauf stirbt die Amyrlin – und viele andere Aes Sedai mit ihr. Moiraine und Siuan kommt das nicht geheuer vor, und bald sehen sie sich in ihren schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Die „Schwarze Ajah“ – Schwestern, die nicht an die drei Eide der Aes Sedai (nicht lügen, keine Waffe mithilfe der Macht herstellen, die Macht nicht als Waffe gegen andere Menschen einsetzen außer zur Selbstverteidigung) gebunden sind und dem Dunklen König dienen – hat die Macht an sich gerissen! Doch sie können nichts beweisen, woraufhin Moiraine sich ganz der Suche nach dem und dem Schutz des Drachen verschreibt …

Auf diesem einsamen Weg trifft Moiraine auf ihren späteren „Behüter“ Lan Mandragoran, den letzten Königsohn des von den Heeren des Dunklen Königs überrannten Landes Malkier. Dieser hat anfangs noch keine wortlose Übereinstimmung mit ihr, hat ganz im Gegenteil seinen eigenen Kopf und empfindet die Aes-Sedai-Hexe als überaus lästig. Hat er doch ganz andere Sorgen, wie eine ehemalige Geliebte, die treue Malkieri zu einem vermutlich blutigen Desaster, einer unrealistischen Rückeroberung Malkiers, angeblich zu dessen Wohl, anstiften will.

Damit wäre die Handlung dieses Romans auch schon zusammengefasst – denn Neues erfährt der Rad-der-Zeit-Kenner wirklich nicht. Außer den Namen von Lans ehemaliger Geliebter, und der Tatsache, dass, wie man bereits vermuten konnte, schon damals die Schwarze Ajah ihr Unwesen trieb. Rand selbst kommt in diesem Buch gar nicht vor, dies bleibt wohl folgenden Prequels, von denen Jordan noch 2-3 weitere für möglich hält, vorbehalten.

Erschwerend kommt hinzu, dass Teile des „neuen Frühlings“ bereits in der Anthologie „Legends“ von Robert Silberberg erschienen und zuvor einige Zeit im Internet zum kostenlosen Download bereitstanden. Hier drängt sich der Verdacht der Geldmacherei auf, denn der nächste „Rad der Zeit“-Band lässt schon lange auf sich warten, die letzten drei US-Bände wurden kontinuierlich schlechter und die Handlung tappt schon seit langem auf der Stelle. Dies mit einer genauso langamtigen und ereignislosen Prequel-Reihe zu toppen, kann man nur noch als dreist bezeichnen.

Einen Großteil seiner Faszination schöpft dieser Band aus der Verbindung zum Rad-Zyklus sowie dem Wiederauftauchen der in diesem Zyklus bereits toten oder verschollenen Sympathieträgerin Moiraine. Leider wird die durchaus interessante Vorgeschichte im selben Schneckentempo abgehandelt, das leider die letzten Bände des Rad-Zyklus geprägt hat. So fallen vermehrt Unstimmigkeiten auf: Moiraine und Siuan hatten bereits als junge Mädchen dieselben Charakterzüge wie zur Zeit der Haupthandlung, auch Lans Charakter hat anscheinend keinerlei Entwicklung erfahren. Negativ fällt auch ins Gewicht, dass Siuan Sanche es wirklich in Rekordzeit zur Amyrlin gebracht haben muss, währt das Leben von Aes Sedai doch in Jahrhunderten. Rand wurde während ihrer Jugend geboren, insofern muss Siuan innerhalb von maximal zwanzig Jahren das höchste Amt in der extrem traditionellen Gesellschaft der Weißen Burg errungen haben.

Begeistern können Jordans Figuren nach wie vor. Die süßen Magierinnen im Abendkleid, auch Aes Sedai genannt, starke Frauencharaktere in einer faszinierenden matriarchalischen Gesellschaft, sind nur eine der vielen beeindrucken Facetten der überbordend komplexen Welt Jordans. Sein Erzählstil ist ebenfalls erstklassig, aber die Tendenz zur Langatmigkeit bei zahllosen unüberschaubar werdenden Handlungsfäden kann selbst den größten Fan enttäuschen.

Für Einsteiger ist dieses Buch nicht geeignet, diese sollten besser bei Band 1, „Drohende Schatten“, beginnen, der auch als Originalausgabe unter dem Namen [„Die Suche nach dem Auge der Welt“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=700 als einbändige Neuauflage der in der Taschenbuch-Reihe gesplitteten US-Ausgabe verfügbar ist.

Treuen Fans wird die Tatsache, dass die |Piper|-Ausgabe im Vergleich zur |Heyne|-Fassung optisch leicht verändert wurde, sowie die bekannte Leier Jordans, auf der Stelle zu treten, den Spaß an „Der neue Frühling“ ein wenig verderben. Mag der Zyklus auch überdurchschnittlich gut sein und mit epischer Breite glänzen, auf solch belanglose Leerlauf-Geschichten kann man gerne verzichten.

Taschenbuch: 432 Seiten

Sehr gute deutsche Fanseite:
http://www.radderzeit.de/

Offizielle Homepage von Robert Jordan:
www.tor.com/jordan

Robert A. Heinlein – Reiseziel: Mond

heinlein-reiseziel-mond-cover-2000-kleinDrei US-Teenager basteln sich eine Rakete und fliegen damit zum Mond, wo sie auf Rest-Nazis treffen, die dort das IV. Reich vorbereiten … – Was einst spannend und lehrreich sein sollte, wirkt heute lächerlich und plump didaktisch; die jugendlichen ‚Helden‘ sind eifrige Mitläufer eines reaktionären Establishments, das nicht nur gegen (Geisterbahn-) Nazis, sondern auch gegen Abweichler in den eigenen Reihen zu Felde zieht: heute nur noch als unfreiwillig selbstentlarvendes Zeitdokument lesbar.
Robert A. Heinlein – Reiseziel: Mond weiterlesen

Frank Borsch- Die Sternenarche (Perry Rhodan. Lemuria 1)

Die Chronik um den unsterblichen Menschen Perry Rhodan umfasst mittlerweile eine über vierzigjährige Geschichte. Unmöglich, einen kurzen Überblick zu geben. Über zweitausendzweihundert Heftromane, 415 Taschenbücher, ungefähr 800 Heftromane um Perrys Freund Atlan, diverse Einzelgeschichten und Spin-off-Serien sowie ein Kinofilm – die Dimensionen sind erdrückend. Aber obwohl die Geschichte der Erstauflage im Heftroman eine fortlaufende Handlung ist, finden sich genügend Lücken für Abenteuer, die leicht zugänglich für so genannte Neuleser und interessant für die Stammleser sind.

Eine Lanze für Perry Rhodan

Seit 2002 veröffentlicht der Heyne-Verlag in Zusammenarbeit mit dem Perry-Rhodan-Team jährlich eine sechsbändige Miniserie im Taschenbuch. Angekündigt als „atemberaubendes Science-Fiction-Abenteuer“ bilden die Bücher spannende Unterhaltung in abgeschlossenen Geschichten, so dass Neulinge sich nicht vor dem gigantischen Hintergrund fürchten müssen. An diesem Punkt hakt die Kritik ein: Wenn der Serienheld Perry Rhodan auch in diesen Sechsern mitspielt, wie soll man den Hintergrund vergessen können? Eine berechtigte Frage, wenn sie die beiden Zyklen „Andromeda“ (Heyne 19001 – 19006) und „Odyssee“ (Heyne 19007 – 19012) betrifft. Zwar verlässt Perry Rhodan in beiden Zyklen den roten Faden der Hauptserie, doch spielen jeweils kosmische Seriendetails wie Superintelligenzen, Kosmokraten oder Hyperimpedanz eine Rolle.

So weit ich das nach der Lektüre des ersten Romans aus dem diesjährigen Zyklus „Lemuria“ beurteilen kann, haben sich die Macher diesmal richtig Mühe gegeben. Perry Rhodan spielt mit, aber anderen Charakteren wird zum Teil mehr Platz eingeräumt als ihm. Der Serienhintergrund spielt eine Rolle, man versucht aber nicht, zwanghaft die letzten Jahrtausende zu erklären, sondern bringt behutsam handlungsrelevante Details ein, die auch Leser ohne „Rhodan-Erfahrung“ erfassen können, wenn sie etwas Interesse mitbringen. Welches komplexe Universum erschließt sich dem Leser auf Anhieb, auf den ersten Seiten? Man denke zum Beispiel an das Kultur-Universum von Iain Banks, Hyperion von Dan Simmons oder auch das so genannte Uplift-Universum von David Brin. Hier wie dort spielen Jahrhunderte, Jahrtausende oder manchmal Jahrmillionen in der Entwicklung eines Universums tragende Rollen, aktuelles Beispiel aus Deutschland: Das Kantaki-Universum von Andreas Brandhorst, der in den Romanen und auf seiner Homepage eine ausgefeilte, liebevoll erstellte Chronik der letzten Zeitalter darbietet. Was ist der Unterschied zu Perry Rhodan, außer dass es zu Rhodans Geschichte massenweise Romane gibt?

Auf den Spuren der Vorfahren

Im vorliegenden Band von Frank Borsch stößt ein Prospektor-Raumschiff der Terraner auf ein gigantisches, fünfzigtausend Jahre altes Schiff, das seine Fahrt auf der Erde begonnen hat: Die Lemurer, Vorfahren der heutigen Menschen und aller humanoiden Völker der Milchstraße, starteten zu Beginn ihrer Raumfahrt ein gewaltiges Projekt. Ein Generationenschiff, in dem eine abgeschlossene Welt existiert, in der die Wesen leben und sich fortpflanzen, bis eines fernen Tages das Ziel erreicht sein sollte. Mit Beginn des überlichtschnellen Raumfluges geriet dieses Schiff in Vergessenheit. So ist es als unwahrscheinlicher Zufall anzusehen, dass es die terranische PALENQUE in den Weiten des Weltalls findet. An Bord des Prospektors befindet sich Perry Rhodan, zu der Zeit Regierungsoberhaupt der terranischen Welten.

Annähernd zeitgleich wird die LAS-TÓOR, ein Explorer der Akonen, auf das uralte Schiff aufmerksam. Die Akonen sind ein altes Volk der Milchstraße, das ursprünglich aus Siedlern der Lemurer hervorgegangen ist. Trotz ihrer Verwandtschaft herrscht eine Art „Kalter Krieg“ zwischen Terranern und Akonen. Da sich beide Parteien Nutzen oder Gewinne von dem Generationsschiff versprechen, ist in dieser Situation Fingerspitzengefühl gefragt: Wer hat das Recht zur Erforschung? Der Umsicht des akonischen Kommandanten und Perry Rhodans ist es zu verdanken, dass ein gemischtes Team zur Ersterkundung überwechselt. Wie groß ist das Erstaunen, als sich der Kommandant des fremden Raumschiffs als Unsterblicher gleich Rhodan erweist? In dieser Lage kann das Auftauchen eines akonischen Gefechtsverbandes zur Eskalation führen …

Entgegen den Vorgängerzyklen beginnt diese neue Serie nicht mit einem Zwangseinstieg durch Action-Überladung. Anscheinend hat man bei den Machern eingesehen, dass auch oder gerade gute Charakterisierungen und ein spannender Plot zu einem guten, unterhaltsamen und interessanten Roman führen können. Frank Borsch stellt unter Beweis, dass er sich auf ausgezeichnete Charaktere versteht, ihnen Tiefe und Seele verleihen kann und dass dabei die Geschichte in einem angenehmen Tempo voranschreiten kann.

Was in letzter Zeit in der Heftserie etwas fehlte, nämlich eine glaubhafte Darstellung der Unsterblichen, gelingt hier quasi nebenbei. Perry Rhodan ist ruhig und ausgeglichen und strahlt seine immense Erfahrung geradezu aus, ist dabei nicht zu distanziert und unterkühlt, sondern sucht die Nähe seiner Begleiter, sucht Verständnis und Vertrauen. Immer wieder liest man, dass es nicht leicht sein kann, einem Charakter, der von vielen unterschiedlichen Autoren beschrieben wurde, neue Facetten abzugewinnen. Muss man ja auch nicht immer zwingend! Es ist schon eine Leistung, eben dieser vielbeschriebenen Person Leben einzuhauchen und sie überzeugend zu schildern.

Das lässt sich auf alle anderen Personen des Romans übertragen. Manche kommen etwas kürzer, andere werden eingehender behandelt. Dadurch werden zum Beispiel Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Terranern und Akonen beleuchtet, so dass dem Leser recht schnell eine interessante Idee kommt: So unterschiedlich sind die Völker gar nicht! Da wirken die Schnittstellen, die Borsch zwischen ihnen einbaut, regelrecht befreiend.

Mit einer leichten Prise Humor gewürzt, lässt sich die Geschichte sehr gut lesen. So betreibt der terranische Funker einen Versand von Luftgitarren, und eine Akonin versucht sich in einem bei ihrem Volk beliebten Zeitvertreib: dem Plejbek. Die Beziehung zwischen den beiden entwickelt sich entsprechend und wird anschaulich geschildert.

Die kosmische Sintflut

Einen weiteren Schwerpunkt bildet das Leben im Generationsschiff. Die Menschen leben in Wohn- und Arbeitsgemeinschaften zusammen, der genetische Austausch wird vom Schiff streng kontrolliert. Natürlich gibt es stille Rebellen, die sich selbst „Sternensucher“ nennen. Denn das Schiff verbietet den Lemurern den Blick ins All, es ist eine wirklich geschlossene Welt ohne Augen und Ohren. Borsch motiviert die träumerischen Sitzungen der Sternensucher durch alte Aufzeichnungen, über die ihre Faszination und ihr Wissensdurst ausgelöst werden. Doch für das ferne Ziel (dies bleibt den Lesern bis zum Schluss unbekannt) muss die Ordnung im Schiff bestehen bleiben, weshalb der Kommandant gegen seine Überzeugung „[…] Es sind die Besten, und wir werden sie brauchen, wenn wir ankommen […]“ die Hinrichtung dieser vom Schiff als Verräter titulierten Menschen befielt. Ihm bleibt nur die Hoffnung, nicht alle großen Geister auszulöschen.

So erhält der Leser Einblicke in das Leben im Schiff aus allerlei Perspektiven, für uns erscheint es unvorstellbar. Doch wer weiß, ob die Menschen nicht in ferner Zukunft ein ähnliches Experiment wagen? Vielleicht, wenn eine moderne Sintflut, ein Armageddon oder degleichen die letzten Kräfte der Erde mobilisiert. Das bleibt in diesem Roman auch die Frage: Warum unternahmen die alten Lemurer diese unglaublichen Anstrengungen, um ein Generationenschiff zu bauen? Der Titel „Sternenarche“ legt nahe, dass es sich um eine Katastrophe gehandelt haben muss. Noch tappen alle Beteiligten im Dunkeln.

Der Auftaktband des neuen Zyklus ist ein hervorragend geschriebenes Science-Fiction-Abenteuer, bei dem man sich nicht durch das Etikett „Perry Rhodan“ abschrecken lassen darf. Frank Borsch gelingt der bisher beste Roman der neueren Rhodan-Geschichte, nach dieser Lektüre hat man Lust auf mehr. Dabei wird es für die Nachfolger schwierig, dieses Niveau zu toppen – allerdings machen Namen wie Andreas Brandhorst oder Leo Lukas durchaus Hoffnung.

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (10 Stimmen, Durchschnitt: 1,60 von 5)

Jones, J. V. – ewige Krone, Die (Der Dornenring 1)

Tessa McCamfrey wird seit ihrer Kindheit von Tinnitus geplagt. Als sie einen besonders schweren Anfall erleidet, wird sie von den klingelnden Qualgeräuschen in die kalifornischen Berge getrieben. Hier findet sie aufgebrochene Boxen, die aus einem Banküberfall stammen. Als Tessa die Boxen untersucht, findet sie einen goldenen Ring, der mit Dornen verziert ist. Sie streift sich den Ring über und verschwindet in eine andere Welt. Sie taucht in der Stadt Bay’Zell wieder auf.

In der fernen Stadt Bay’Zell ist Tessa verloren, doch der finstere Ravis rettet sie. Ravis ist auf der Flucht, trotzdem hilft er Tessa. Irgendwie scheinen ihre Schicksale miteinander verwoben zu sein. Während Ravis sich mit Camron verbündet (nach dem Tod seines Vaters neuer König), um König Izgard zu stoppen und zu vernichten, findet Tessa Unterschlupf bei dem alten Schreibergehilfen Emith. Zudem scheint ihr Tinnitus plötzlich verschwunden zu sein.

Izgard ist Träger der Dornenkrone und grausamer Imperator. Er ließ Camrons Vater töten und macht auch keinen Halt vor Frauen und Kindern. Ravis stellte ihm einst eine Armee zusammen, doch fiel er in Ungnade. Nun steht Ravis auf Seiten Camrons, dessen gesamtes Volk abgeschlachtet wurde. Beide Männer sammeln eine Armee, um Izgard zu vernichten. Doch die Vorzeichen stehen äußerst schlecht, paktiert Izgard doch mit dem Bösen und benutzt Zauberei, um seine Hetzer noch gefährlicher zu machen, als sie bereits sind.

Während Ravis sich in einen Krieg stürzt, erlernt Tessa von Emith die Kunst des Schreibers. Schnell erkennt sie, dass alles von einem Muster bestimmt wird. Sie besitzt die Gabe, diese Muster zu erkennen und selbst zu malen. Bei ihren Studien entdeckt Tessa, dass ihr Aufenthalt in einer anderen Welt kein Zufall ist. Tessa erkennt auch, dass Muster Macht bedeuten. Somit ist sie wohl die Einzige, die sich Izgards Schreiber Ederius entgegenstellen kann, und greift in einen Kampf auf Leben und Tod ein.

Das Buch wirkt durch den labbrigen Pappumschlag ein wenig billig und die grobkörnige Vignette am Anfang jedes Kapitels ist lieblos gestaltet. Die Aufmachung und der Originalpreis von fast 8,50 Euro wirken da leicht abschreckend. Und wer die ersten Seiten gelesen hat, glaubt einen Groschenroman vor sich zu haben. Aber die Verpackung täuscht.

Tatsächlich ist „Die ewige Krone“ ein äußerst spannender und detaillierter Roman mit einer dichten Atmosphäre und greifbaren Persönlichkeiten. Jones versteht es, den Leser zu fesseln und baut einen hervorragenden Spannungsbogen auf.

Während Ravis ein eher rauer und kampferprobter Mann ist, der sich stets zu helfen weiß, kommt Tessa ganz anders daher. Bedingt durch ihre Krankheit, ist sie es gewohnt vor Problemen zu fliehen. Als sie durch den Ring in eine fremde Welt gezogen wird, ist sie noch immer unentschlossen und scheinbar ohne Perspektive. Doch mit Hilfe von Emith und seiner alten Mutter findet sie langsam zu sich selbst. Es ist schön, Tessas Wandel zu erleben und an ihrer Seite von Jones in die Kunst des Schreibers eingeführt zu werden. Für den Leser wie für Tessa sind die Farben, das Malen und das Schreiben leicht verfügbar und einfach anzuwenden. In „Die ewige Krone“ besitzt der Schreiber und seine Arbeit allerdings einen anderen Stellenwert. Und dieser wird hervorragend vermittelt. Schnell erkennt man den Zauber des Schreibers und muss die Arbeit anerkennen, die Emith leistet. Der Leser erkennt, welche Mühe es zum Beispiel bereitet, ordentliches Pergament zu erhalten.

Jones versteht es auch, mit wenigen aber gut gewählten Worten die Figuren des Romans zu beschreiben. Dabei wird sich nicht nur auf die Hauptfiguren konzentriert, sondern auch die Nebenfiguren erwachen zum Leben. Sie sind mehr als nur Stichwortgeber oder Bauernopfer, obwohl sie eigentlich nur diesen Zweck erfüllen. Man hat das Gefühl, reale Personen vor sich zu sehen. Und so wie Tessa in eine andere Welt gezogen wird, zieht es auch den Leser in ein fantastisches Reich.

Dabei spart Jones nicht mit blutigen Kampfszenen, um die Gefährlichkeit dieser mittelalterlichen Welt zu unterstreichen. Das traditionelle Rittertum mit seinen schweren Rüstungen kommt dabei allerdings schlecht weg. Langbogenschützen in Lederrüstung brillieren dagegen. Warum das so ist, erklärt Ravis Camron und Jones somit dem Leser. Und das ist wunderbar an diesem Roman. Fragen werden beantwortet und die Taten der Figuren werden erklärt.

Dabei sind Protagonisten und Antagonisten vielschichtig und keine Schwarzweißpersonen, die man über einen Kamm scheren könnte. Selbst der Bösewicht hat seine schwachen Momente und gute Freunde verlieren schon einmal die Beherrschung. Dabei verwischen die Trennlinien zwischen Gut und Böse manchmal.

„Die ewige Krone“ ist spannend und faszinierend. Ein gelungener Auftakt und Appetitanreger, der Lust auf Band 2 macht („Krone aus Blut“, Bastei Lübbe 28 316).

_Günther Lietz_
|Diese Rezension wurde mit freundlicher Genehmigung unseres Partnermagazins [buchrezicenter.de]http://www.buchrezicenter.de/ veröffentlicht.|

Fetjaine, Jean-Louis – Weg des Magiers, Der

Wer kennt sie nicht: Die Legenden um König Artus, seine Ritter der Tafelrunde, allen voran Lanzelot, Guinevere, Mordred und seinen Magier und Ratgeber Merlin. Die Zahl der Variationen der Legende ist Legion, mehrfach verfilmt wurde der Sagenstoff ebenfalls.

Jean-Louis Fetjaine (* 1956), rückt in |“Der Weg des Magiers“| die Figur Merlin in den Mittelpunkt. Dabei orientiert sich Fetjaine an neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen hinsichtlich Historie und Mythos (der Autor studierte Philosophie und mittelalterliche Geschichte – dieser französische Studiengang entspricht in etwa der deutschen Mediävistik). Die Geschichte selbst ist pseudohistorisch, mit mehr Anleihen aus dem bekannten Sagenkreis um Artus denn nur lose inspirierter Fantasy. Merlin selbst ist ein junger Barde rätselhafter Herkunft, der es durch Zaubertricks bereits zu einiger Berühmtheit gebracht hat. Sein steiniger Weg zum Ruhm, zum mächtigen Magier und Berater legendärer Könige, ist Thema der als Trilogie geplanten Reihe. In Frankreich erschien bereits im Mai der zweite Band, „Brocéliande“.

Das Grundgerüst der Geschichte ist deshalb umfangreicher und detaillierter als sonst üblich: Im 6. Jahrhundert bedrohen Sachsen, Pikten und Iren Britannien. Der schottische König Ryderc von Strathclyde ruft alle Fürsten zu einem Waffenstillstand auf, um gemeinsam gegen die Eindringlinge vorgehen zu können. Doch wider Erwarten wählt man Gwendoleu von Cumberland zum obersten Heerführer, woraufhin Ryderc diesen mitsamt Gefolge in eine Falle lockt und tötet. Nur Merlin kann dank der Hilfe geheimnisvoller Wesen entkommen. Er erkennt seine wahre Herkunft und Bestimmung und macht sich auf den Weg in den sagenumwobenen Elfenwald Brocéliande – mit keiner geringeren Mission als Britannien zu vereinen.

Im Grunde kann man bei einem solch bewährten Stoff nicht viel versauen, besonders als Kenner der Materie. Dass es trotzdem geht, beweist Fetjaine. Seine Stärke liegt zweifellos in seinen überzeugenden und umfangreichen Kenntnissen des Mittelalters und der Artussage. Im Nachwort des Romans zeigt er deutlich, wo er die Historie zurechtgebogen, spekuliert oder frei erfunden hat. Ebenfalls sehr gut sind die Zeittafel der britannischen Geschichte und seine Ausführungen zu König Artus, der Unterscheidung zwischen Mythos und Wahrheit sowie den Ursprüngen einzelner Teile der Sage. So zog zum Beispiel Artus, als Kommandant einer römischen Reitertruppe, sein Schwert wohl eher aus einem Sachsen (ex saxone) denn einem Stein (ex saxo) – ein Übersetzungsfehler. Bezüge zum heiligen Schwert des Gottes Nudd und dem heiligen Stein von Fal, wichtige Gegenstände keltischer Religionen, machten aus diesem Fehler möglicherweise ein Zeichen und Wunder. Aus mehreren berühmten, historischen Figuren entstand dann im Laufe der Zeit der Artus der Sage.

Besonders im ersten Drittel des Buches geizt Fetjaine nicht mit Fußnoten, die fast einer wissenschaftlichen Arbeit würdig wären. Anstelle von Literaturverweisen findet der Leser interessante Zusatzinformationen und dringend benötigte Hinweise zum Verständnis der Handlung. Das ist als positiv zu werten, aber die Geschichte leidet unter der Informationsflut, die eigentliche Handlung dümpelt vor sich hin. Weder zu Merlin noch anderen Charakteren konnte ich eine Beziehung aufbauen, da Fetjaine sich unsinnigerweise in Nebensächlichkeiten verliert, das größte Manko des Romans. Erst gegen Ende bessert sich dies – bis dahin leidet man unter einem Stil, der jeglichen Lesespaß raubt: Muss man wirklich den Vorgang des Absteigens vom Pferd, Anbindens, Sich-umsehens, Wiederlosbindens und Weiterreitens im Detail schildern? Bis zum verhängnisvollen Hinterhalt gibt es kaum Dialoge, dafür kurze Beinahe-Monologe, unterbrochen von der langwierigen Beschreibung körperlicher Tätigkeiten, die sich in nervtötender Weise aneinanderreihen. Hier liegt die Schuld beim Stil des Autors, denn sowohl die Übersetzerin als auch das Lektorat haben sich wirklich keinen Fehler erlaubt.

Dieser Stil macht es mitunter schwer, der Handlung zu folgen. Schiere Langweile wollte mich zum Überblättern weiter Abschnitte des Buches verleiten, das erst im letzten Drittel interessante Ausblicke zeigte und Interesse erweckte.

Insgesamt ergibt sich ein widersprüchliches Bild: Detaillierte historische Kenntnisse heben den Roman aus der Masse heraus, die Handlung selbst erwacht erst gegen Ende aus ihrer Lethargie. Ebenso der Charakter Merlins. Dies ist vor allem dem Sprachstil Fetjaines zu verdanken. Wer mit seiner „Elfentrilogie“ zufrieden war, sollte einen Blick riskieren, alle anderen Leser dürfte Fetjaines Sprache zu Tode langweilen. Als Historiker ist Fetjaine top, als Schriftsteller leider ein Flop. Zumal es unzählige besser geschriebene Alternativen der Artussage gibt, wie die weltbekannten |“Nebel von Avalon“| Marion Zimmer Bradleys oder Stephen Lawheads ebenfalls von Merlin handelnde |“Pendragon“|-Saga.