Archiv der Kategorie: Fantasy / Science-Fiction

Brooks, Terry – Hexenzauber

Nach den Ereignissen aus „Das Zauberlabyrinth“ ist die Lage im Königreich Landover, wo Magie wirkt, wieder ruhig. Ben Holiday erfreut sich der Liebe seiner elfischen Frau Willow und seiner rätselhaften Tochter Mistaya. Auch die Hexe Nightshade scheint dorthin verbannt, wohin sie verschwand: in den Tiefen Schlund. Doch sie heckt einen teuflischen Racheplan aus …

Ein schwarzer Ritter taucht eines Tages vor Bens Schloss auf und fordert ihn zu sieben Zweikämpfen heraus, oder Ben werde sein Land verlieren. Ben muss die Herausforderung annehmen. Er schickt seine Tochter Mistaya in Sicherheit, zu ihrem Großvater, dem Flusself. Auf dem Weg dorthin wird aber ihre Reisegesellschaft, darunter Bens Freunde Questor Thews und Abernathy, von Nightshade überfallen, getötet und Mistaya von ihr entführt. Mistaya hatte währenddessen geschlafen, so weiß sie nicht, was aus ihren Begleitern geworden ist. Die Hexe erzählt ihr Lügen und bringt sie dazu, bei ihr in die Lehre zu gehen. Wie sich herausstellt, verfügt Mistaya über große magische Kräfte, besonders wenn es darum geht, Ungeheuer zu erschaffen.

Wenig später hat sich Ben gegen zwei Widersacher zur Wehr zu setzen: einen Riesen, den beim Verlust des Kontakts mit der Erde alle Kraft verlässt, und einen Ritter, der sich wie ein Spiegelbild verhält. Mit knapper Not kann Ben siegen. Er und Willow machen sich überall in Landover auf die Suche nach Mistaya. Selbst bei seinem ärgsten Feind und bei einem Drachen fragt er an. Doch bei Lord Kallendbor erfolgt der Angriff eines Roboters, und der Drache rettet ihn vor dem Rachen eines riesigen Wurms. Wieder zurück in seiner Burg, wird Ben von einem Zombie beinahe in Stücke gerissen. Unter all diesen Attacken leidet seine Selbstsicherheit ganz gewaltig und seine Liebe zu seiner Frau vertieft sich unter der Belastung. Es gelingt ihm, à la Sherlock Holmes zu kombinieren, wo sich Mistaya aufhalten muss: bei Nightshade, im Tiefen Schlund. Seine Armee macht sich auf, das Nest auszuheben und seine Tochter zurückzuholen.

Unterdessen auf der Erde: Abernathy und Questor Thews sind durch das Eingreifen von Erdmagie nicht getötet, sondern in unsere Dimension versetzt worden – nicht ohne Grund, wie sich zeigt, denn in einer historischen Burg in der Nähe Seattles finden sie ein Zauberbuch und erfahren, wie sie zurückgelangen können. Als ein weiteres Opfer Nightshades, ein Gnom, bei ihnen landet, wissen sie, dass es höchste Zeit für die Rückkehr ist, und erfahren, dass sie Mistaya bei der Hexe suchen müssen.

Showdown im Tiefen Schlund: Ein letzter Trick Nightshades mißlingt – Mistaya sollte ihren Vater umarmen und dabei ein vergiftetes Medaillon der Hexe an sein Herz drücken. Doch durch Questors Eingreifen wird er zum Opfer des Anschlags. Die getäuschte Mistaya erkennt die wahren bösen Absichten ihrer ehemaligen Mentorin und schlägt zurück: Nightshade findet sich in einer anderen Dimension wieder. Dann kümmert sich das Mädchen um den todkranken Questor. In Seattle aber wundert man sich über den boshaften Blick einer nachtschwarzen Krähe, die im Zoo aufgetaucht ist.

„Hexenzauber“ ist eine sehr unterhaltsame Weiterführung der Geschichten um Bens Königreich Landover, in weit leichterem Ton als die |Shannara|-Romane erzählt. Auch die Gestaltung der Charaktere, ihre Entwicklung und die Bewältigung ihrer Schicksale sind weit anrührender ausgeführt. „Hexenzauber“ lehrt den Leser sogar, in das Herz einer so bösartigen Frau wie Nightshade zu blicken. Und die Ironie, dass Bens eigene Tochter die Ungeheuer, die ihn fast umbringen, erschafft, ist von tragischer Größe.

|Originaltitel: Witches‘ Brew, 1995
Aus dem US-Englischen von Rainer Gladys|

Tony Hillerman – The Shape-Shifter (Navajo Tribal Police 18)

Der Teppich der Tränen & der Gestaltwandler

Lt. Joe Leaphorn ist eigentlich schon (seit Band 13) in Rente, doch er will nur die Bitte einer möglichen Witwe erfüllen: Ihr Mann, Leaphorns Academy-Kollege, wollte einen berühmten Navajo-Teppich suchen, der überraschend wieder aufgetaucht ist, doch seitdem ist er verschwunden. Tappt Leaphorn in eine raffinierte Falle?

Tony Hillerman – The Shape-Shifter (Navajo Tribal Police 18) weiterlesen

Peter F. Hamilton – Die Spinne im Netz (Mindstar 1)

Die Post geht ab im Cyberspace

Mit seiner Mindstar-Trilogie verhalf der Engländer Hamilton der Space-Opera in der Science-Fiction wieder zu neuen Ideen und neuem Glanz. In stilistischer Hinsicht ist „Die Spinne im Netz“ ein spannender Actionkrimi vor dem Hintergrund einer phantasievoll weitergeführten Wirklichkeit.

Der Autor

Peter F. Hamilton – Die Spinne im Netz (Mindstar 1) weiterlesen

Alison Croggon – Das Rätsel (Die Pellinor-Saga 2)

Die Pellinor-Saga:

Band 1: „Die Gabe
Band 2: „Das Rätsel
Band 3: „Die Krähe
Band 4: „Das Baumlied

Die Bedrohung durch den Namenlosen zwingt die Gruppe um Maerad zur Teilung. Während Cadvan und Maerad weiter nach dem Ursprung des Baumlieds suchen, soll Saliman ihren Bruder Hem nach Turbansk in Sicherheit bringen und dort zum Barden ausbilden. Doch auch dort gibt es keine Sicherheit, denn Imank, der Feldherr des Namenlosen, rückt unaufhaltsam vor.

Alison Croggon – Das Rätsel (Die Pellinor-Saga 2) weiterlesen

Peter F. Hamilton – Die Boten des Unheils (Commonwealth-Saga 2)

„Die Boten des Unheils“ ist der zweite Band des Commonwealth-Zyklus von Peter F. Hamilton, der mit „Der Stern der Pandora“ begann.

Nachdem die Second Chance die Barriere im All rings um das Dyson Paar zum Einsturz gebracht hatte, wurde nur allzu deutlich, was sich dahinter verbarg – eine außerirdische Spezies, der das Konzept der menschlichen Individualität völlig fremd ist … und die nur eines will: zerstören. Sie bricht über die Menschheit herein, die auf vieles vorbereitet ist, nur nicht auf einen Krieg.

Und inmitten der Gewalt und Zerstörung stellen sich der Menschheit zwei existenzielle Fragen: Existiert das mysteriöse Wesen namens Starflyer wirklich, wie es Bradley Johannson schon so lange behauptet? Und versucht es tatsächlich schon seit Urzeiten, die Menschheit zu vernichten? (Verlagsinfo)

Die Expedition des Raumschiffs Second Chance zu dem fernen Dyson-Sternpaar endet in einer Katastrophe: Kaum eingetroffen, bricht die unerklärliche Barriere um das Sternensystem zusammen und die Crew wird von aggressiven Aliens attackiert. Bei der überstürzten Flucht bleiben zwei Besatzungsmitglieder zurück. (Birke)

Der Autor

Peter F. Hamilton – Die Boten des Unheils (Commonwealth-Saga 2) weiterlesen

Bradbury, Ray – Mars-Chroniken, Die

_Der Mittelwesten in der Marswüste_

Dieses Buch gilt als das Hauptwerk des Erzählers Ray Bradbury, neben dem Band „Der illustrierte Mann“ ein Klassiker der Science-Fiction und vor allem des Mars-Subgenres. Die romanhaft zusammengefügten 26 Erzählungen berichten von der Begegnung zweier Rassen auf diesem Planeten, die einander völlig fremd – und im Grunde doch so ähnlich – sind.

Bei der Kolonisierung des Mars durch irdische Siedler bringen diese ihre alten Erinnerungen an die Erde mit. In der Episode „Die dritte Expedition“ finden die Kolonisten ein vollkommen aussehendes Städtchen aus dem US-Mittelwesten vor, mitten in der Marswüste. Das ganze Buch hindurch kehrt dieses Thema wieder: Erscheinung und Realität verschwimmen miteinander und trügen. Die Wirkung ist die eines Traumes. Umgekehrt erlangen Wünsche und Phantasien „reale“ Gestalt.

Aus dem feindlichen, unberührten Mars mit seinen seltsamen Bewohnern, die ihre Gestalt verändern können, wird bald eine übervölkerte, jeglicher Romantik beraubte Welt sichtbar, in der kurzbehoste, ignorante Menschen den stillen Zauber des Planeten verdrängen.

Die Marsbewohner sterben aus, und die Menschen verlassen den Mars, auf dem nun wieder Ruhe einkehrt – eine ewige Ruhe, die sich über die verlassenen Geisterstädte der Menschen und die ausgestorbenen Siedlungen der Marsianer senkt.

In der letzten Episode, „The Million-Year Picnic“ (zuerst 1946), suchen die menschlichen Kinder die Marsianer in einem der Kanäle. Doch dieser ist mit Wasser gefüllt, und die einzigen Marsianer, die sie erblicken, sind ihre eigenen Spiegelbilder – eine Wiederkehr des Motivs von traumgleicher Schein-Realität.

Die Geschichten vereinigen sich zur melancholischen, fein gesponnenen, nostalgischen Chronik, zu einem unvergleichlich dichten Stimmungsbild. Bradbury erzählt vom Scheitern der ersten Expedition, von der Landnahme, der stürmischen Entwicklung der Kolonie und vom Wiederverlassen des roten Planeten; vor allem aber vom Unverständnis gegenüber einer fremden Kultur. Daher stellen die Episoden vor allem eine Chronik des Menschen mit seinen Stärken und Schwächen dar, verfremdet aufgeführt auf der Bühne einer anderen Welt.

Ungeachtet des für die Science-Fiction typischen Szenarios fehlen in „Die Mars-Chroniken“ gängige Science-Fiction-Elemente fast vollkommen. Über dem ganzen Buch liegt ein Hauch Fernweh, Nostalgie und Trauer über den Verfall eines Paradieses, das von den unverständigen Menschen zerstört wird. Diese Stimmung könnte Bradburys eigenem Befinden entsprechen: Er wuchs in den 20er und 30er in einer kleinen Stadt im amerikanischen Mittelwesten (Waukegan, Illinois) auf, musste aber aus wirtschaftlichen Gründen (die große Depression) mit seiner Familie nach Kalifornien übersiedeln. Der Rückblick ist nostalgisch gefärbt. Bradbury ist anti-technologisch eingestellt, er feiert in den „Mars-Chroniken“ die Einfachheit und Unschuld, die er in Kalifornien verlor. Er thematisiert das Gefühl des Verlustes in der Übergangsphase zum Erwachsenensein sowie die Anziehungskraft und die Gefahr im Umgang mit Masken, seien sie Masken zu Halloween, zum Karneval oder Alien-Mimikry.

Das Buch wurde 1980 nicht sonderlich überzeugend als Miniserie für das Fernsehen verfilmt, mit Rock Hudson in einer Hauptrolle. Die Effekte und Kulissen waren als reine Staffage auszumachen. Der Roman selbst erlebte allein in den USA über 70 Auflagen und verhalf Bradbury nicht nur zu unsterblichem Ruhm im Genre, sondern auch in der amerikanischen Literaturgeschichte. Daneben bildete dieser Erfolg die Eintrittskarte zu den großen landesweit vertriebenen Mainstream-Literaturmagazinen. Für diese schrieb Bradbury weit über 300 Storys, hingegen nur noch wenige Romane. Sein zweiter bekannter Roman ist [„Fahrenheit 451“, 400 der 1966 von Francois Truffaut verfilmt wurde.

|Originaltitel: The Martian Chronicles, 1946-58
Aus dem US-Englischen übertragen von Thomas Schlück und Wolfgang Jeschke|

Peter F. Hamilton – Der Dieb der Zeit – Das zweite Leben des Jeff Baker

Die europäische Regierung hat im Jahr 2042 den ersten Menschen dauerhaft verjüngt: Jeff Baker, der angesehene „Vater der Datasphäre“, die 2010 das Internet abgelöst hat. Doch was bedeutet es für Jeff und seine Familie, von einem hellwachen, aber müden Greis zu einem ungestümen Sexprotz verwandelt worden zu sein? So oder so – die Rechnung dürfte für die EU-Regierung nicht aufgehen. Jeff muss sich zwischen seiner Familie und der Loyalität zur Regierung entscheiden.

Der Autor

Peter F. Hamilton – Der Dieb der Zeit – Das zweite Leben des Jeff Baker weiterlesen

Bisson, Terry – Talking Man

_Viele wundersame Dinge_

Terry Bisson kennt sich mit Kentucky- und Tennessee-Whiskey (was ist nun Scotch und was Bourbon?), mit allerlei Schießprügeln und natürlich mit dem Tabakanbau aus. Dass er von von all diesen Dingen und noch ein wenig mehr ausgezeichnet zu erzählen versteht, beweist er in dem vorliegenden Roman. Dem Leser sei auch seine preisgekrönte Storysammlung „Die Bären entdecken das Feuer“ (Heyne 06/5994) empfohlen.

_Handlung_

Williams ist ein junger naiver Tunichtgut, aber er kennt sich mit Autogetrieben aus. Doch er hätte nicht die Abkürzung nehmen sollen. So landet er nämlich beim Schrotthändler Talking Man (TM), um ein Ersatzteil zu kaufen – oder vielmehr landet er bei dessen 16-jähriger Tochter Crystal, da sich TM gerade aus dem Staub machen musste, weil er von einer weißhaarigen Frau und zwei Killern verfolgt wird.

Aus reiner Sympathie zu der jungen hübschen Crystal folgt er ihrem Vater, zunächst nur bis zur nächsten Stadt, aber dann scheint sich die Welt immer mehr zu verändern: Die Brücken über den Mississippi sind eingestürzt, und in Oklahoma heißt die einzige Stadt Tulsa, gleich dahinter kommt Mexiko. Stets pleite, schlägt sich das unschuldige Pärchen nur mit der Kreditkarte von Williams Vater durch, verpasst meistens nur um Haaresbreite den gesuchten TM, doch Crystal wird zweimal niedergestochen von den Killern. Merkwürdig, dass sie nicht an einem Stich ins Herz stirbt, nicht wahr?

Weiter geht die Verfolgungsjagd an einem niedergebrannten Denver vorbei über die verminte kanadische Grenze bis zum Nordpol. Dort wartet in der grauen Stadt Edminidine der Brunnen zwischen den Welten, und es kommt zum Showdown zwischen TM, den das Pärchen aufgesammelt hat, und den Gegnern. Die weißhaarige Frau, Dgene, ist eine Zauberin wie Talking Man, doch sie will mit Hilfe des Ungewesenen die Welten zerstören, wohingegen sich TM in seine Welt verliebt hat.

_Fazit_

Auf knapp 200 Seiten erzählt Bisson eine romantische Liebesgeschichte, ein Road Movie, eine Alternativweltgeschichte und ein Fantasy-Epos vom Kampf zwischen Gut und Böse, Sein und Nichtsein. Aus Banalem macht er Unheimliches, und Unheimliches erscheint banal. Die für Städter komischen Dinge nimmt er völlig ernst, etwa den Tabakanbau in Kentucky – ein sehr beschwerliche und komplizierte Angelegenheit, wie es scheint. Das komplizierte Innenleben von Auto- und Flugzeugmotoren hingegen wird zu einer einfachen Sache, sobald Talking Man Hand anlegt.

Diese und noch viel mehr wunderbare Dinge machen „Talking Man“ zu einem vergnüglichen Leseerlebnis.

|Originaltitel: Talking Man, 1986
Aus dem US-Englischen übertragen von Irene Bonhorst|

Peter F. Hamilton – Der Stern der Pandora (Commonwealth-Saga 1)

Im Jahr 2380 hat sich das intersolare Commonwealth der Menschheit auf über 600 Welten in einem knapp 400 Lichtjahre durchmessenden Gebiet ausgebreitet. Man versteht es zwar, überlichtflugfähige Sternenschiffe zu bauen, aber es existieren nur wenige, denn man reist per Wurmloch.

Am äußeren Rand des Commonwealth beobachtet ein Astronom das Unmögliche: Ein Stern verschwindet einfach – vom einen Moment auf den anderen. Da er zu weit vom nächsten Wurmloch entfernt liegt, wird eigens ein überlichtschnelles Schiff gebaut. Seine Mission: herauszufinden, ob das Phänomen eine Bedrohung darstellt. Bald stellt sich heraus, dass es nie eine größere Bedrohung für die Menschheit gab … (Verlagsinfo)

Peter F. Hamilton – Der Stern der Pandora (Commonwealth-Saga 1) weiterlesen

Haydon, Elizabeth – Tochter der Erde (Rhapsody / Symphony of Ages)

„Tochter der Erde“ ist der zweite Band des |Symphony of Ages|-Zyklus von Elizabeth Haydon.

Rhapsody Saga

Band 1: Rhapsody: Child of Blood, Tor 1999, ISBN 0-312-86752-2
Tochter des Windes, Heyne 2003, Übersetzer Michael Windgassen, ISBN 3-453-86372-0
Band 2: Prophecy: Child of Earth, Tor 2000, ISBN 0-312-86751-4
Tochter der Erde, Heyne 2003, Übersetzerin Christine Struth, ISBN 3-453-87069-7
Band 3: Destiny: Child of Sky, Tor 2001, ISBN 0-312-86750-6
Tochter des Feuers, Heyne 2004, Übersetzer Michael Siefener, ISBN 3-453-87549-4
Band 4: Requiem for the Sun, Tor 2002, ISBN 0-312-87884-2
Tochter der Zeit, Heyne 2005, Übersetzer Michael Siefener, ISBN 3-453-87911-2
Band 5: Elegy for a Lost Star, Tor 2004, ISBN 0-312-87883-4
Tochter des Sturms, Heyne 2006, Übersetzer Michael Siefener, ISBN 3-453-52067-X
Band 6: The Assassin King, Tor 2007, ISBN 0-765-30565-8
Tochter der Sonne, Heyne 2008, Übersetzer Michael Siefener, ISBN 978-3-453-53256-4
Band 7: The Merchant Emperor, Tor 2014, ISBN 978-0-7653-0566-4
Band 8: The Hollow Queen, Tor 2015, ISBN 978-0-7653-0567-1
Band 9: The Weaver´s Lament, Tor 2016, ISBN 978-0-7653-2055-1

Lost Journals of Ven Polypheme

The Floating Island, Starscape 2006, ISBN 0-765-30867-3
The Thief Queen’s Daughter, Starscape 2007, ISBN 978-0-7653-0868-9
The Dragon’s Lair, Starscape 2008, ISBN 978-0-7653-0869-6
The Tree of Water, Starscape 2014, ISBN 978-0-7653-2059-9
(Quelle: Wikipedia.de)

Nachdem Rhapsody, Achmed und Grunthor im ersten Band an der Wurzel des Weltenbaumes entlang quer durch die Erde geflohen, am anderen Ende der Welt wieder herausgekommen sind und im ehemaligen Canrif ein neues Königreich der Bolg errichtet haben, geht es im zweiten Band hauptsächlich um die Bedrohung durch den F’dor.

Rhapsody macht sich zusammen mit dem geheimnisvollen Ashe auf den Weg, um der Drachin Elynsynos einen Teil ihres Hortes zurückzubringen. Die Begegnung verläuft über Erwarten gut, die Sängerin und die Drachin freunden sich an. Auf Anraten der Drachin reist Rhapsody danach nicht zurück nach Ylorc, wie Canrif unter den Bolg jetzt heißt, sondern nach Tyrian, wo die Lirin leben, von denen auch Rhapsody abstammt. Bei den Lirin lebt Oelendra, die berühmte Schwertkämpferin, die vor Rhapsody die Tagessternfanfare getragen hat, das Flammenschwert, das jetzt Rhapsody trägt. Auch Oelendra wird ihre Freundin, ebenso wie unterwegs Ashe ihr Freund wird.

Während Rhapsody auf Reisen ist und nebenbei bereits zum zweiten Mal die Pläne des F’dor durchkreuzt, machen Achmed und Grunthor tief unter den Felsen des Gebirges eine unerwartete Entdeckung.

Doch der F’dor, begierig, die neue Scharte auszuwetzen, bleibt nicht untätig. Schon bald braut sich mehr als ein Gewitter am Horizont zusammen…

Obwohl Rhapsody wieder viel unterwegs ist, machen die Reisen diesmal nur etwa die Hälfte des Buches aus. Ein ziemlich großer Teil davon beschäftigt sich mit dem Aufbau der Beziehung zwischen Rhapsody und Ashe. Zwangsläufig wird der Romantik in diesem Band ein weit größeres Feld eingeräumt als im ersten. Den zweiten, großen Teil nehmen Achmed und Grunthor und ihre Entdeckung in Anspruch, sodass der trockene Humor, der das Verhältnis der Drei untereinander auszeichnet, auch hier immer wieder zum Tragen kommen kann. Dieser Handlungsstrang ist zwangsläufig auch der, der den Hauptteil der Spannung trägt. Der Spannungsbogen hat seinen Verlauf mit dem ersten Band gemein. Er hängt nie durch, aber richtig straff gespannt wird er erst gegen Ende. Bei der Länge des Buches wäre alles andere auch unerträglich.

Neben den beiden Hauptsträngen werden diverse andere Handlungsfäden weiterentwickelt. So zeichnet sich ab, dass Tristan Steward, der Prinzregent von Roland, auf Dauer zum Problem werden wird. Bereits im ersten Band ist er in Rhapsodys Bann geraten, und trotz des Desasters, das er damit angerichtet hat, kann er nicht von ihr lassen. Das Desaster, das diese Tatsache heraufbeschwört, ist weit größer, als er sich vorstellen kann. Was Rhapsody gegen Ende des zweiten Bandes über Llauron erfährt, legt den Grundstein für weitere Verwicklungen. Und dazu kommt noch die Erkenntnis über die Kinder…
Auch der zweite Band endet folglich wieder nur mit einem Teilsieg der Drei. Entgegen der Aussage des Klappentextes ist es nämlich nicht der F’dor selbst, den sie unschädlich machen.

Die Autorin schreibt flüssig und gut lesbar, nur gelegentliche Tippfehler in der Nachbearbeitung wirken störend. Die Handlung entwickelt sich langsam und allmählich, spätere Geschehnisse werden zeitig angelegt und wirken sich erst allmählich aus, soweit das bei der epischen Länge, die Haydon vorlegt, möglich ist, was dem Verlauf Echtheit und Logik verleiht. Dabei versteht die Autorin es geschickt, ihre Informationen häppchenweise zu verteilen. Im ersten Band erfuhr man ein wenig von Llauron, ein wenig von Stephen Navarne, im zweiten sind die Informanten vor allem Elnysynos und Oelendra. Gleichzeitig sorgen weitere Prophezeiungen für neue Verwirrung. Die Lösung des Rätsels um Ashe hält den Frustrationspegel niedrig, gleichzeitig schafft es Haydon, trotz aller Andeutungen und Hinweise die Identität des F’dors bis zum Ende des zweiten Bandes immer noch geheim zu halten. So fühlt man sich beim Lesen des Buches wie jemand, der einem Mosaikleger bei der Arbeit zuschaut. Jedes Steinchen macht das Bild ein bisschen deutlicher, facettenreicher, vielfältiger, und doch ist es immer noch unfertig, weil das Wesentliche, die endgültige Lösung fehlt.

Nach gut 1500 Seiten hat Haydon immer noch unausgeschöpftes Potenzial. So ist Anwyn, die Seherin der Vergangenheit, bisher nur ein einziges Mal ganz kurz aufgetaucht, die Kathedrale zu Ehren des Elementes Erde wurde nur einmal namentlich erwähnt, und auch das Rätsel um Meridion, den Manipulator am Zeit-Editor ist nach wie vor ungelöst, ganz abgesehen davon, dass der F’dor noch nicht bezwungen ist. Bereits im ersten Band spielte neben Achmeds Fähigkeiten Rhapsodies Musik eine tragende Rolle als magisches Hilfsmittel. Diesmal rückt ihr Schwert etwas mehr in den Vordergrund, zusammen mit Grunthors Fähigkeiten im Zusammenhang mit Erde und Gestein. Außerdem gewinnt in der Person Ashes das Element Wasser zum ersten Mal an Bedeutung. Der dritte Band „Tochter des Feuers“, der im März erschienen ist, dürfte also durchaus noch einiges bieten.

Warum das englische Wort |child| in den Originaltiteln ausgerechnet mit „Tochter“ übersetzt wurde, wissen allein die Lektoren! Gerade in den ersten beiden Bänden ist damit eindeutig nicht Rhapsody gemeint! Auch frage ich mich, warum „Child of Blood“ mit „Tochter des Windes“ übersetzt wurde. Zwar besteht im Buch ein gewisser Zusammenhang zwischen Wind und Blut, trotzdem ist der Titel irreführend. Natürlich sind die Elemente für die Geschichte von großer Bedeutung, der Titel „Child of Blood“ bezieht sich jedoch auf die Prophezeiung im ersten Band. So trägt der dritte Band im Original den Titel „Child of Sky“, was zeigt, dass die Übersetzung hier genauso verwirrend falsch ist.
Immerhin scheint diese Freiheit in der Übersetzung sich nicht auch auf den eigentlichen Buchtext auszuweiten, denn da kamen im Zusammenhang mit diesen Namen keine Undeutlichkeiten vor. Trotzdem frage ich mich wieder mal, warum man sich nicht einfach an den Originaltitel gehalten hat. Die Autorin hat sich durchaus etwas dabei gedacht!

Ich fand das ganze Buch durchdacht und gelungen, und bin bereits gespannt auf den dritten Band. Der vierte Band ist bisher nur auf Englisch unter dem Titel „Requiem for the Sun“ erschienen. Der Titel weicht vom bisherigen Muster der Vorgängerbände ab, deshalb ist die Zugehörigkeit zum Zyklus nicht so offensichtlich, ob auch ein inhaltlicher Absatz vorhanden ist, wird sich zeigen. Der fünfte Band des Zyklus mit dem Titel „Elegy for a lost Star“ ist derzeit noch in Arbeit, soll aber im August dieses Jahres auf Englisch erscheinen.

Elizabeth Haydon lebt an der Ostküste der USA mit ihrem Mann und drei Kindern. Sie interessiert sich für Kräuterkunde und Geschichte, singt und spielt selbst Harfe. Bevor sie zu schreiben begann, arbeitete sie im Verlagswesen. Außer „Symphony of Ages“ schrieb sie auch „The Journals of Ven Polypheme“ für Kinder.

Homepage der Autorin: http://www.elizabethhaydon.com/

Michael Bishop – Graph Geigers Blues. Superhelden-Satire

Des Kulturkritikers schlimmster Albtraum

„Xavier Thaxton, ein konservativer Feuilletonredakteur und Nietzsche-Verehrer, ist von den Produkten moderner Popkultur und vom schlechten Geschmack seiner Zeitgenossen mehr als angewidert. Doch nach einem unfreiwilligen Bad in einem radioaktiv verseuchten See verändert sich sein Leben dramatisch: Um den körperlichen Verfall aufzuhalten muß sich Thaxton das Kostüm und das Verhalten eines Comic-Superhelden zulegen – und so zu einer jener Ikonen der Popkultur werden, die er sein Leben so lang verabscheut hat.“ (Verlagsinfo)

Der Autor

Michael Lawson Bishop (* 12. November 1945 in Lincoln, Nebraska) ist ein US-amerikanischer Autor, der in erster Linie Science-Fiction-Literatur schreibt. Er besitzt einen Master-Abschluss in Englisch der University of Georgia und unterrichtete an verschiedenen Schulen und Universitäten. (Quelle: Wikipedia)

Bishop veröffentlichte 1970 seine erste Kurzgeschichte „Piñon Fall“, sein erster Roman („A Funeral for the Eyes of Fire“) folgte 1975. Zahlreiche Erzählungen und Romane Bishops wurden für diverse Science-Fiction-Preise nominiert. Ausgezeichnet wurde er viermal mit dem Locus Award und zweimal mit dem Nebula Award, 1981 für die Erzählung „The Quickening“ und 1982 für den Roman „Nur die Zeit zum Feind (No Enemy But Time). In diesem Roman, der als sein bekanntestes Werk gilt, geht es um die Zeitreise zur Wiege der Menschheit ins pleistozäne Afrika. Der Roman besticht durch seine Charakterzeichnungen und komplexen Aufbau und verzichtet auf einen technischen Erklärungsversuch der Zeitreise. (Quelle: Wikipedia)

Der in den Südstaaten der USA lebende Autor hat sich als Gegner von rassischen Vorurteilen profiliert, nicht nur in diesem Roman, sondern auch in „Brüchige Siege“ (1994). In „Brüchige Siege“ setzt er Mary Shelleys „Frankenstein“-Roman (1818) in einer recht unwahrscheinlichen Umgebung fort: im Georgia des Jahres 1943. In dem Roman „Die Einhorn-Berge“ nahm er sich des Themas AIDS an.

Handlung

Xavier Thaxton ist ein vermögender Kulturkritiker bei einer Zeitung in der aufstrebenden Südstaaten-Stadt Salonika, der Metropole von Oconee, einem vom Autor erfundenen US-Staat. Xavier steht auf deutsche Klassikmusik und zitiert Nietzsche aus dem Effeff. Im Gegensatz zu seinen Redaktionskollegen verabscheut er Baseball, Comics und Popkultur, also die amerikanischen Vergnügungen. Kein Wunder, dass Xavier machmal schief angesehen wird. Als er seinen pubertierenden Neffen Mkhail, genannt El Mick, bei sich aufnimmt, wird sein Geschmacksempfinden auf eine harte Probe gestellt: El Mick steht auf Punk, Comics und zerfetzte Jeans.

Doch dann begeht er einen Fehler. Um Nietzsches Natur nah zu sein, badet er in einem einsamen, klar erscheinenden Bergsee. Wie sich später herausstellt, lagerten auf dessen Grund radioaktive Abfälle. Schon nach wenigen Monaten verändert sich Xaviers Gesundheitszustand auf dramatische Weise, und seine ebenso vermögende, doch weniger geschmackvolle Geliebte Bari, eine Designerin, beginnt sich ernsthaft Sorgen um Xavier zu machen, denn Xavier leidet unter dem, was er das „Philistersyndrom“ zu nennen beginnt: Bei guter Kultur wird ihm speiübel. Nur noch in den Niederungen der Kultur fühlt er sich behaglich, seinen Neffen an der Seite.

Schon bald begleitet er seinen Neffen zur Premiere neuer Comic-Figuren. Hier begegnet er seiner künftigen Verkörperung: Graph Geiger, der Kämpfer gegen Verbrecher und Umweltsünder, angetan mit schimmerndem Cape und Kapuze. Xavier besorgt sich die Glitzerkluft, und schon geht’s ihm besser. Es geht ihm so gut, dass er einen Mordanschlag überlebt. Sein Aufstieg als heldenhafte Geiger-Inkarnation ist nicht aufzuhalten.

Doch alles hat einmal ein Ende. Und so entwickelt sich die Geschichte sowohl zu einem Krimi – wer ist für das Verklappen von Atommüll in Bergseen verantwortlich – und zur Rührstory: Xavier schenkt sein schützendes Cape einem Rauschgiftopfer, das danach gesundet. Doch Xavier als Jesusverschnitt hat keine Chance: Binnen weniger Tage verfällt er und siecht dahin.

Mein Eindruck

Xaviers Geschichte ist eine schwarze Komödie, eine Satire reinsten Wassers. Daran lässt Michael Bishop, der Autor des preisgekrönten Baseball-&-Frankenstein-Romans „Brüchige Siege“, keinen Zweifel aufkommen. Folglich sollte man die seltsamen Begebenheiten darin nicht allzu ernst nehmen, doch leider bleibt dem Leser stellenweise durchaus das Lachen im Halse stecken.

Sehr ironisch ist die gegenläufige Entwicklung von Xavier und El Mick. Xavier steigt in die Niederungen hinab und wird dafür mit Heldenstatus belohnt. Mikhail gibt seinen Nihilismus und Anarchismus auf und legt dafür einen guten Schulabschluss hin, findet am Ende sogar seinen gestorbenen Onkel einen „guten Kerl“. Das Dreieck komplettiert die undurchsichtige Bari, die Xavier zunächst verlässt, weil er sich auf seinen Heldentum etwas einbildet, dann aber zurückkehrt und ihn gar am Ende heiratet, als er seinem Beinahe-Mörder verzeiht und abzukratzen beginnt. Bari bietet also eine moralische Zensur der besonderen Sorte.

Diese Geschichte ist eines John Irving durchaus würdig. Bishop erzählt gebildet von den menschlich-allzumenschlichen Seiten seiner Figuren und Settings. Es ist geradezu eine Lust, seinen witzigen Formulierungen zu folgen: Sie tilgen durch ihre Ironie jeden Ansatz zu Klischeehaftigkeit und Rührseligkeit einer Seifenoper. Der deutsche Übersetzer bringt diesen Ton kongenial ins Deutsche herüber.

Taschenbuch: 476 Seiten
Originaltitel: Count Geigers Blues, 1992
Aus dem US-Englischen übertragen von Michael Windgassen.
ISBN-13: ‎978-3453149151

www.heyne.de

Bishop, Michael – Brüchige Siege

Michael Bishop ist der Autor von „Die Einhorn-Berge“ (1988) und dem preisgekrönten Roman „Nur die Zeit zum Feind“ (1982). In „Brüchige Siege“ setzt er Mary Shelleys „Frankenstein“-Roman (1818) in einer recht unwahrscheinlichen Umgebung fort: im Georgia des Jahres 1943.

_Handlung_

Daniel Boles ist ein Baseball-Talent-Scout. Dies ist seine Geschichte, wie er unter anderem Frankensteins Monster traf und eine Art Baseball-Krieg überlebte.

Der talentierte 17-jährige Baseballspieler Danny Boles verlässt seine Heimatstadt Tenkiller in Oklahoma, um einem Ruf zu folgen, dem Team der Highbridge Hellbenders beizutreten, einem drittklassigen Club irgendwo in Georgias Chattahoochee Valley. Doch auf der Zugfahrt wird er brutal von einem Soldaten – die USA befinden sich im Krieg mit Japanern und Deutschen – vergewaltigt und ausgeraubt. Er verliert seine Fähigkeit zu sprechen.

Der Manager der Hellbenders, von allen respektvoll „Mister JayMac“ genannt, bringt Danny in einem Zimmer mit dem hochgewachsenen Schlagmann Henry „Jumbo“ Clerval unter. Jumbo stellt sich trotz seiner furchteinflößenden Erscheinung als freundlicher, sehr gebildeter Kamerad heraus. Er bemüht sich, ein besserer Mensch zu werden und liest dazu zahlreiche Bücher. Dennoch schlägt er Bälle bis zum Mond und bringt seinem Team so manchen Homerun-Punkt. Die anderen Teammitglieder sind nichts Besonderes, außer Buck Hoey, der Danny auf dem Kieker hat und ihn mit seinem losen Maul schikaniert.

Auf Seite 300 findet Danny endlich die Wahrheit über seinen mysteriösen Zimmergenossen heraus: In einem Eskimo-Kajak entdeckt er seine Notizbücher. Es sind zum Teil die Originale derjenigen Kopien, auf die sich Mary Shelley stützte, zum Teil beschreibt Henry sein zweites Leben nach dem Tod seines Erzeugers im Polareis. Nach langen Wanderungen in der Arktis auf der Suche nach Erlösung – er hatte die Braut des Doktors getötet – kommt der unsterbliche und heimlich lebende Clerval in den Süden der USA, als hervorragender Baseballspieler. Aufgrund seiner Sprechbehinderung ist Danny genauso ein Außenseiter wie Henry; bald hängen sie zusammen wie Pech und Schwefel. Danny verliebt sich in die Krämerstochter Phoebe Pharram, deren Vater in Europa kämpft und deren Mutter mit einigen Hellbenders herumpoussiert.

Während ihrer Bemühungen, den Siegerwimpel der Chattahochee Valley League zu erringen, verlieren die Hellbenders ihren Hauptspielmacher durch einen recht bizarren Unfall auf dem Feld. Da Charlie Snow Bluter ist, helfen ihm auch keine Spritzen – er stirbt im Lazarett der nahen Airbase. Dort, am selben Tag, trifft Danny Boles seinen Peiniger aus dem Zug wieder. Er brüllt ihn an, er habe ihm seine Sprache gestohlen und solle sie ihm zurückgegeben – Danny gebärdet sich ziemlich wie ein Verrückter. Aber seine Sprechfähigkeit hat er wieder. Das Team verliert seinen Busfahrer, Darius, der, wie Danny herausfindet, der uneheliche Sohn von Mister Jaymac ist. Danny findet auch zufällig heraus, dass es Henry Clerval mit der Frau von Mr. JayMac, Giselle, treibt. Da geht’s drunter und drüber – aber es ist ja auch ein heißer Sommer!

Henrys und Dannys Ruf verbreitet sich derart, dass sie in der nächsten Saison in Philadelphia in der Oberliga spielen sollen. Schandmaul und Erzfeind Buck Hoey wird an den Konkurrenzverein Gendarmes verkauft. Das rächt sich bitter, als Hoey im Saisonfinale Danny aus Rache übel verletzt – Danny wird nie wieder Baseball spielen können! Henry rastet aus: Aus Liebe zu Danny, der im Hospital liegt, verstümmelt er Buck Hoey. Er versucht vergeblich, Miss Giselle zu retten: Nach der Nachricht, dass er nach Philadelphia gehen würde, verbrannte sie sich in seinem Kajak auf einem Teich, mitsamt seinen Notizbüchern – Rache noch im Freitod.

Wenig später, er ist untergetaucht, erfährt er, dass er wegen Mordes gesucht wird. Auf den – von den Japanern zurückeroberten – Aleuten, am Grab von Dannys gefallenem Vater, treffen sich beide Helden noch ein letztes Mal. Henry verschwindet, Doktor Frankenstein findet seine letzte Ruhe, Danny heiratet Phoebe Pharram und wird Scout für die Philadelphia-Baseball-Teams.

_Fazit_

Wer „Frankenstein“ mag, sollte mit der Fortsetzung auf ca. Seite 300 beginnen. Wer sich mit Baseball anfreunden kann, sollte am Anfang beginnen. Und wer weder das eine noch das andere ausstehen kann, sollte vielleicht den ganzen Roman als Südstaaten-Chronik lesen, die zufällig im Baseball-Milieu angesiedelt ist.

Amerikanern sind der Nationalsport Baseball und alle seine Fachausdrücke – siehe das Glossar – natürlich in Fleisch und Blut übergegangen. Doch der normale Deutsche tut sich sicherlich sehr schwer damit. Hinzu kommen noch die Militärausdrücke, Hinweise aus Literatur, Politik und Kunst usw. – insgesamt 16 Seiten Anhang (ohne Fußnoten). Dies ist ziemlich lästig und erst ab Seite 300 (siehe oben) einigermaßen erträglich. Ich habe daher für die Lektüre mit entsprechenden Unterbrechungen etwa ein halbes Jahr gebraucht.

Die Erzählung selbst ist ein wunderbares Beispiel für einen detailgetreu recherchierten und wiedergegebenen Hintergrund, fein gezeichnete, lebendige Charaktere und eine halbwegs spannende Handlung. Deren Fäden bilden ein dichtes Geflecht von Beziehungen und Interaktionen. Deutlich wird der Rassismus des Südens herausgearbeitet, der auch vor Beinahe-Monstern wie Henry nicht Halt macht. Stellenweise anrührend, tragisch, aber auch oft ironisch, wirft das Buch ein Schlaglicht auf eine in der SF-Literatur sehr selten beleuchtete Ära und Sportart – ein ebenso unwahrscheinlicher Hintergrund wie das Monster, das Frankenstein, ein Schweizer Chemiker, einst schuf, und seine Geschichte.

|Originaltitel: Brittle Innings, 1994
Aus dem US-Englischen übertragen von Hendrik P. und Marianne Linckens|

Fritz Leiber – Schwerter im Kampf. Geschichten um Fafhrd und den Grauen Mausling

Zwei Helden gegen Zauberer der besonderen Art

Fritz Leiber hat mit seinen „Schwerter“-Erzählungen in jahrzehntelanger Arbeit einen der interessantesten und spannendsten Zyklen der Fantasy geschaffen. Im Mittelpunkt das sehr ungleiche Anti-Heldenpaar Fafhrd und der Graue Mauser. Die beiden haben es auf ihrem Kontinent Newhon längst zu einem eigenen Zyklus im Reich der Graphic Novels geschafft.
Fritz Leiber – Schwerter im Kampf. Geschichten um Fafhrd und den Grauen Mausling weiterlesen

Carrie Ryan – The Forest – Wald der tausend Augen

Die Trilogie:

Band 1: „The Forest – Wald der tausend Augen“
Band 2: „The Dead-Tossed Waves“ (noch ohne dt. Titel)
Band 3: „The Dark and Hollow Places“ (noch ohne dt. Titel)

Der Wald der tausend Nervtöter

Mary lebt nach einem Holocaust in einer abgeschlossenen Gemeinschaft hinter einem hohen Metallzaun, der die infizierten „Uneingeweihten“ fernhalten soll. Sie verliert zuerst den Vater, dann die Mutter an die Uneingeweihten und muss dem Orden der Schwestern beitreten, um überleben zu können. Doch die Regeln erweisen sich als Lug und Trug. Als ihr Dorf überrannt wird, bleibt ihr nur die Flucht in den Wald der tausend Augen. Doch damit hat die Jagd auf sie erst begonnen, denn hier herrschen die Uneingeweihten. Wird sie ihre Mutter und ihren Vater hier – rechtzeitig – wiedersehen?

Die Autorin

Carrie Ryan – The Forest – Wald der tausend Augen weiterlesen

Bester, Alfred – Demolition

_Katz-und-Maus-Spiel mit dem Mörder_

Alfred Bester, geboren am 18.12.1913, studierte Natur- und Geisteswissenschaften. Als er 1939 mit seiner Erzählung „The Broken Axiom“ ein Preisausschreiben der Zeitschrift „Thrilling Wonder Stories“ gewann, wurde er freier Schriftsteller. Sein Werk ist schmal, aber sehr gewichtig und einflussreich. Für seinen ersten Roman, „Demolition“, erhielt er 1953 den ersten |HUGO Award| überhaupt. Mit „Tiger! Tiger!“ („The Stars my Destination“, 1956) gelang ihm ein zweiter großartiger Erfolg. Schilderte Bester in „Demolition“ eine halbtelepathische zukünftige Gesellschaft, so bringt hier die Fähigkeit zur Teleportation den Helden dazu, das bestehende Universum in eine Krise zu stürzen. Die beiden Romane gehören zu den besten in der SF überhaupt.

_Handlung_

In einer Gesellschaft des 24. Jahrhunderts, die zu einem beträchtlichen Teil aus Telepathen besteht, sind Verbrechen, besonders Morde, selten, zumal die Polizei über die besten ESP-Talente verfügt, die jede verbrecherische Absicht rechtzeitig erkennen und die Tat verhindern.

Doch Ben Reich, ein Mensch ohne außersinnliche Begabungen, willensstark, skrupellos und zielstrebig, schafft es trotzdem, einen Mord von langer Hand zu planen und eiskalt durchzuführen. Das Opfer, Craye D’Courtney, ist sein Konkurrent. Wie sich herausstellt, auch sein Vater.

Lincoln Powell, ein erstklassiger ESPer im Polizeidienst, setzt sich auf Reichs Fährte. Obwohl die Tat klar ist, so bleiben ihm doch das Wie und das Warum verborgen. Wie konnte der Vorsatz den Überwachern verborgen geblieben sein? Wie schützt Reich auch nach der Tat seine Gedanken? Und warum brachte Reich seinen eigenen Vater um? Powell muss Reich seiner Bestimmung zuführen, der Strafe, die auf Mord steht: der Demolition. Sie besteht in der allmählichen Auslöschung von Erinnerungen und antisozialen Aggressionen. Es entspinnt sich ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel quer durch das Sonnensystem.

_Fazit_

„Demolition“ ist einer der besten SF-Krimis, spannend bis zur letzten Seite, kühn in der Konzeption, rasant im Tempo. Zudem gehört die hier geschilderte Telepathengesellschaft zu den detailliertesten und durchdachtesten des Genres. Erstaunlich ist zudem, dass die Spannung nicht von künstlich erzeugter Action, sondern von der Frage herrührt, wie Reich die ungeuerliche Tat gelang und wie er sich der Demolition entzieht. Ohne Zweifel ein Meisterwerk.

|Originaltitel: The demolished man, 1951/53
Aus dem US-Englischen übertragen von Horst Pukallus|

Ursula K. Le Guin – Die Geißel des Himmels

Weltuntergang en gros: fast so gut wie Philip K. Dick

Es ist ein geringfügiges Vergehen, wegen dessen sich George Orr einer psychologischen Therapie unterziehen muss: Medikamentenmissbrauch. Der Patient tut alles, um seine Träume zu unterdrücken, worauf sein behandelnder Arzt, der Psychiater Dr. Haber, eine gewöhnliche psychische Störung diagnostiziert. Doch George Orrs Träume können die Realität verändern. Ohne zunächst zu ahnen, worauf er sich einlässt, zwingt Dr. Haber seinen anbefohlenen Schützling, eine Reihe künstlich induzierter Träume zu erleben, bis sich Orr ganz und gar in diesen Träumen verliert und von der Welt, wie wir sie kennen, keine Spur mehr übrig ist. (Verlagsinfo)

Ursula K. Le Guin – Die Geißel des Himmels weiterlesen

Morgan, Richard – Unsterblichkeitsprogramm, Das

Privatdetektiv Takeshi Kovacs kann sich über seinen neuen Auftrag nur freuen – hatte ihn der letzte ja eigentlich das Leben gekostet. Aber der Tod scheint inzwischen kein Problem mehr zu sein. Oder etwa doch? (Verlagsinfo)

_Der Autor_

Richard Morgan wurde 1965 in Norwich, England, geboren. Er studierte Englisch und Geschichte in Cambridge und arbeitete etliche Jahre als Englischlehrer im Ausland, bevor er sich entschloss, seinen Lebensunterhalt als freier Schriftsteller zu verdienen. „Das Unsterblichkeitsprogramm“ wurde auf Anhieb ein großer Erfolg und mit dem |Philip K. Dick Award| ausgezeichnet. Die Fortsetzung trägt den Titel „Gefallene Engel“ und wurde im Mai 2005 bei Heyne veröffentlicht. „Heiliger Zorn“ ist für Februar 2005 angekündigt. Morgan lebt heute in Glasgow, Schottland.

_Handlung_

Man schreibt inzwischen das 26. Jahrhundert, und die Erde hat ihre jungen Menschen in Langstreckenschiffen zu fernen Welten ausgesät, um dort Kolonien zu errichten. Takeshi Kovacs gehörte einer gut ausgebildeten Söldner- oder Marinesoldatentruppe an, die gehirnchemisch aufgerüstet ist und über besondere Fähigkeiten verfügt: die Envoys (Abgesandte). Bei einem Spezialauftrag, den er mit seiner Kollegin Sarah auf Harlans Welt ausführt, läuft die ganze Sache jedoch schief. Nachdem er mit ansehen musste, wie Sarah draufging, wird auch er ausgeknipst.

Das macht aber nichts. Weil alle Menschen mit Ausnahme der Katholiken ihre Identität in einem Stück Hardware, dem implantierten Stack (= Stapel), gespeichert haben, lässt sich diese Identität auch wieder transferieren – in einen Körper, der als Sleeve bezeichnet wird (von engl. „Sleeve“: Ärmel). Diese Sleeves lassen sich künstlich züchten, wenn man es sich leisten kann, oder recyceln.

Der neue Körper von Takeshi scheint recycelt zu sein: Er trägt eine Narbe unter dem Auge. Dieser Bursche muss schon einiges mitgemacht haben, und die Muckis, über die er verfügt, belegen, dass er sich seiner Haut wehren kann. Die Polizei nimmt Takeshi in Empfang. Lieutenant Kristin Ortega von der Kommission für „Organische Defekte“ – was man früher einmal Mord nannte – reagiert sehr emotional auf den neuen Sleeve. Takeshi erfährt erst viel später, dass dieser Sleeve einem gewissen Elias Ryker gehört hat, der Ortegas Lover war. Also bitte, wer würde der armen Ortega so etwas antun?

Nun, ein Mann wie Laurens Bancroft beispielsweise. Der über 350 Jahre alte Multimilliardär hat Takeshi von Harlans Welt angefordert und in diesen Sleeve stecken lassen. Unter Bedingungen, die Takeshi nicht ablehnen kann, hat er einen Neutralen angefordert, um Bancrofts Ermordung aufzuklären. Der Haken daran: Die Polizei behauptet felsenfest, dass Bancrofts letzter Tod Selbstmord war. Alle Indizien sprechen dafür, behauptet Ortega.

Doch mal von dem Wie ganz abgesehen, wer könnte ein Interesse daran haben, Bancroft auszuschalten? Leider ist die Zahl seiner Feinde Legion. Eine Spur führt zu einer Prostituierten aus dem Rotlichtbezirk und zu dem Klub „Jerrys Gästezimmer“, wo Takeshi eine Sexarbeiterin namens Louise kontaktiert. Leider ist diese bei seinem zweiten Besuch mausetot. Jemand hat offenbar etwas dagegen, dass Takeshi Informationen in dieser Sache erhält.

Dass Rumschnüffeln gefährlich sein kann, war Takeshi sattsam bekannt. Neu ist ihm, der bislang nur einmal gestorben, hingegen, dass der Tod zwar der Vergangenheit angehören mag, dass man aber auf sehr viele Arten sterben kann …

_Mein Eindruck_

Ich kann gut verstehen, warum dieser Detektivroman plus Hard-boiled-Thriller einen Preis nach dem anderen eingeheimst hat – und zudem für den deutschen Kurd-Laßwitz-Preis nominiert wurde. Die Handlung glänzt durch trickreiche und gut eingebettete Einfälle sowie einem Thriller entsprechende Action. Der Held geht buchstäblich über Leichen. Aber was heißt das schon, wenn die „Seele“ aus der Speichereinheit geholt und in einen neuen Körper gesteckt werden kann (auch wenn’s nicht immer der ursprüngliche ist). Also heißt die Kardinalfrage: „Tod, wo ist dein Stachel?“, um mal die Bibel zu zitieren. (Fragt mich bitte nicht nach Vers und Kapitel.) Und die nächste Frage, die sich daraus ergibt: „Was definiert man als Verbrechen?“

|Comme Blade Runner|

Takeshis Suche beinhaltet selbstverständlich, dass er sich wie einst der gut alte Blade Runner modernster elektronischer Hilfsmittel bedient. Es gibt in Ridley Scotts Film mehrere Szenen, in denen Harrison Ford die kleinsten Details in den Untersuchungsobjekten prüfen muss, um zu einer Entdeckung zu gelangen. Takeshi ist wesentlich weniger subtil: Ihm reicht eine Sammlung Artillerie (euphemistisch „Hardware“ genannt), ein oder zwei Killerviren sowie natürlich jede Menge Unverschämtheit im Umgang mit seinen „Klienten“. Anders als der Blade Runner ist sein primäres Ziel nicht die Eliminierung „lebensunwerten Lebens“, also der Replikanten, sondern die Suche nach dem Grund, warum ein „Methusalem“ (kurz „Meth“ genannt) sich selbst den Schädel wegblasen sollte.

Zunächst sieht alles relativ vertraut aus: Das vollautomatisierte Hotel heißt „Hendrix“ und zeigt holografisch einen Gitarrespieler (guess who!). Die Pornoschuppen sehen aus wie eine Peepshow aus den Achtzigern des 20. Jahrhunderts, und die Ringkämpfe auf verbotenen Schiffen erinnern an „Rollerball“.

|Körper wie Kleenex|

Doch dann kommt endlich das eigentliche Thema zum Tragen: die vollständige und geradezu lapidare Austauschbarkeit des Körpers. Meth Laurens Bancroft, der stets ein Menge Klone als Reserve bereithält, hat kein Problem, unsterblich zu werden. Doch er pflegt ein anrüchiges Hobby: die Befriedigung durch Prostituierte in den „Häusern“, also Nobel-Bordellen. Das exklusivste dieser „Häuser“ schwebt Takeshi die ganze Zeit vor der Nase, ohne dass es ihm auffällt. Klar, dass hier ein entscheidender Showdown stattfindet.

Dass Körpertausch, Prostitution und Verbrechen in engstem Zusammenhang stehen, dürfte klar sein. Takeshi selbst ist nur zwecks Verbrechensaufklärung in einen Körper heruntergeladen worden. So eine Strafe, wie sie ihm aufgebrummt wurde, kann also unter verschiedensten Bedingungen aufgehoben werden: beispielsweise zum Zwecke der Versklavung eines Menschen in der Prostitution. Sie geschieht es mitunter den Frauen in den „Häusern“, es kann aber auchTiere treffen … Als Takeshi endlich darauf stößt, was dort geschieht, dreht es ihm den Magen um.

|Detektiv mit Gewissen|

Aber kann sich ein Detektiv ein Gewissen leisten? An diesem Punkt wird die Vergangenheit Takeshis interessant. Er stammt von Harlans Welt, wo eine junge Freiheitskämpferin namens Quell eine Denkschule gegründet hat, wie es einst Che Guevara oder Mao taten. Als Takeshi die Nase voll von den Irreführungen und Bestechungsversuchen (Miriam Bancroft verführt ihn) hat, nimmt er sich Quells Maxime als Leitspruch zu Herzen: „Nimm es persönlich!“

Fortan tritt er so vielen „maßgeblichen Leuten“ und seinem Auftraggeber auf die Füße, dass er schon bald nicht nur in größte persönliche Gefahr gerät, sondern auch seinen Auftrag viel besser ausführen kann. Er hat fortan mit den Hintermännern zu tun. Und er verändert durch dieses rücksichtlose Vorgehen die Art und Weise, wie eine UN-Resolution zur Behandlung von Sleeves zustande kommt. Was aber für ihn wichtiger ist: Er kann dadurch endlich ein vergangenes Unrecht, das Bancroft begangen hat, wiedergutmachen. Und das ist ihm mehr wert als ein vorübergehend bewohnter Körper, der eh nicht sein eigener ist.

|Der gute Rächer|

Wir haben es also mit dem Archetyp des „guten Killers“ und Rächers zu tun, wie er aus zahllosen Western und Großstadt-Thrillern vertraut ist. Und daher entspricht die Figur Takeshis sowie der Aufbau des Plots auch all den anderen Klischees, die damit einhergehen. Wie Batman und Superman hat auch Takeshi einen speziellen Erzfeind, der zu seiner Nemesis wird: Kadmin. Er trägt sogar einen Comic-Namen: der Patchwork-Mann.

Die Spannung baut sich in fünf Teilen nach klassischem Muster auf. Jeder Buchteil führt zu einem Höhepunkt, im Guten wie im Schlechten. Doch stetig bringt jeder Zwischenhöhepunkt die Handlung voran. Denn natürlich ist das ursprüngliche Ziel noch nicht erreicht: Warum sollte sich Brancroft umbringen – oder hat jemand dabei nachgeholfen? Den entsprechenden Dunkelmann zu finden und zur Strecke zu bringen, erfordert allerdings einige Tricks – und ein handfestes, persönliches Zupacken Takeshis.

|Im Clinch mit Frauen|

Der Nahkampf ist sowieso sein Ding: Er ist nicht der Hackertyp, sondern verfügt über genug Muckis, um richtig hinzulangen, etwa in der Arena. Aber auch das Bett bleibt nicht ungenutzt. Rykers frühere Geliebte Kristin Ortega braucht zwar eine Weile, sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, dass Takeshis Körper vertraut ist, dessen derzeitiger Bewohner jedoch nicht. Als sich das einrenkt, geht die Chose richtig los – mit einem amourösen Stelldichein auf einer Jacht. Was natürlich wiederum Takeshi erpressbar macht …

_Unterm Strich_

Trotz seines imposanten Umfangs ist „Das Unsterblichkeitsprogramm“ ein keineswegs abschreckender Zukunftsthriller, der sich ziemlich kurzweilig lesen lässt. Die Action ist spannend, vielseitig und nicht nur einmal reichlich ironisch. Aber dieser Humor ist so schwarz und trocken, dass er direkt aus den |Films noirs| der vierziger und fünfziger Jahre stammt („Der Big Sleep“, „Der Malteser Falke“ und viele mehr). Dort ist auch die Vorlage für den aufrechten, knallharten Detektiv zu finden, den Takeshi Kovacs darstellt. Die Übersetzung unterstützt diesen Eindruck ausgezeichnet.

Der Roman erweist sich als eine clevere, gut durchdachte Konstruktion, die so viele Erwartungen wie möglich erfüllt, dass den Juroren der Literaturwettbewerbe nichts anderes übrig bleibt, als ihn für die vorderen Plätze zu nominieren. Und im Fall des |Philip K. Dick Award| hat das ja auch geklappt. Wer mehr vom Gleichen haben möchte, der lese die drei SciFi-Thriller, die Peter F. Hamilton am Anfang seiner Autorenlaufbahn schrieb: „Die Spinne im Netz“, „Das Mord-Paradigma“ und „Die Nano-Blume“.

Aufgrund der fehlenden Originalität und der weitreichenden Visionen, wie ich sie etwa bei Dan Simmons („Ilium“, „Hyperion“, „Endymion“) gefunden habe, schießt der Roman aber knapp an einer Spitzenwertung vorüber.

|Originaltitel: Altered Carbon, 2002
Aus dem Englischen übersetzt von Bernhard Kempen|

Beagle, Peter S. – Sonate des Einhorns, Die

_Unsentimentale Wunder_

Beagle ist als Autor von „Das letzte Einhorn“ (als Zeichentrick unsäglich kitschig verfilmt), „Das Volk der Lüfte“ und „The Innkeeper’s Song“ (dt. als „Es kamen drei Damen im Abendrot“) bekannt geworden. Er ist sicherlich einer der herausragenden Erzähler moderner Fantasy.

_Handlung_

Für die dreizehnjährige Josephine, genannt Joey, scheint es keinen schöneren Zufluchtsort zu geben als den Musikalienladen des alten John Papas, eines Griechen – bis sie eines Tages Indigo kennenlernt, einen Jungen, der auf einem wunderschönen Horn bezaubernde Melodien spielt. Das Horn gehört einem Einhorn. Heimlich folgt Joey ihm und seinen Melodien. Sie überschreitet dabei die unsichtbare Grenze zum magischen Land Sheil’rah.

Die geheimnisvolle Welt, die sich Joey dort unter der Führung des bocksbeinigen Satyrs Ko offenbart, steckt voller Wunder – und befindet sich in großer Gefahr: Eine Krankheit lässt die Einhörner, deren verzauberte Lieder die Seele des Landes sind, erblinden. Joey ist fest entschlossen, Sheil’rah zu retten. Doch dazu muss sie erst Indigos Geheimnis enträtseln. Und wie sich herausstellt, spielt Joeys mexikanische Großmutter eine bedeutende Rolle in der Rettung des sich bewegenden Einhornlandes.

_Fazit_

„Pure Magie!“, soll David Copperfield zu diesem Buch gesagt haben. Man möchte ihm nach der letzten Seite glatt beipflichten. Selten liest man eine solche bezaubernde Story, die doch von aller Sentimentalität frei ist. Vielmehr führt diese oberflächlich betrachtet als Abenteuergeschichte daherkommende Erzählung den Leser in dramatische Situationen, in denen die Gefühle und Einstellungen der Handelnden den Ausschlag geben. Und es ist insofern eine spannende Detektivgeschichte, als Joey herausfinden muss, wie sie den Einhörnern helfen kann. Viele von ihnen haben sich bereits in menschlicher Gestalt in Joeys Welt niedergelassen, um der Krankheit zu entgehen – Indigo hat es fest vor. Groß ist daher die Freude, wenn Joey ihr Vorhaben gelingt.

Beagle pflegt keinen überladenen Stil, wie so manche(r) seiner Kolleginnen und Kollegen. Nur mit dünnen Strichen zeichnet er die zwei Welten, zwischen denen Joey wandert. Nur mit wenigen Sätzen deutet er das Leid und die Not der Einhörner an, die Gefühle der Beteiligten. Umso größer ist das Vergnügen, wenn er ihre Freude im Spiel mit Joey schildert. Dies ist wirklich keine Symphonie, sondern – wieder Titel sagt – eine Sonate. Genau die Sonate, die Joey in ihrer eigenen Welt komponiert, um den Zauber der Einhörner wiederzugeben …

|Originaltitel: The Unicorn Sonata, 1996
Aus dem US-Englischen übertragen von Jörn Ingwersen|

Michael Bishop – Die Einhorn-Berge

Die Schrecken von Aids: Fantasy für die Gegenwart

Auf einer Farm in Colorado leben vier Außenseiter der Gesellschaft in Symbiose miteinander. Libby, geschieden und stets am Rand des Bankrotts, versucht dem HIV-kranken Bo die letzten Monate seines Lebens zu erleichtern. Sam Coldpony, ein Ute-Indianer, und seine psi-begabte Tochter Paisley bewegen sich in einem Niemandsland zwischen indianischer Tradition und dem American Way of Life. Da tritt aus einem Riss in der Realität eine Herde Einhörner in die ländliche Idylle, ebenfalls todkranke Tiere, die sich in dieser seltsamen Welt Heilung von ihrer Seuche erhoffen… (Verlagsinfo)

Der Roman errang den Mythopoeic Fantasy Award und war für den Locus Award 1989 nominiert.
Michael Bishop – Die Einhorn-Berge weiterlesen

David Baldacci – No Man’s Land (John Puller 4)

Frankenstein in Virginia

Spezialagent Puller ermittelt in seinem persönlichsten und schwersten Fall Dreißig Jahre ist es her, dass John Pullers Mutter spurlos verschwand. Nun kommt ein ungeheuerlicher Verdacht auf: Sein eigener Vater, John Puller senior, soll sie damals ermordet haben. Besonders furchtbar daran: Der Drei-Sterne-general ist dement und kann nichts zu seiner Verteidigung vorbringen. Also liegt es an Spezialagent John Puller junior, den Familiennamen reinzuwaschen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. (Verlagsinfo)

Der Autor
David Baldacci – No Man’s Land (John Puller 4) weiterlesen