Im actionreichen, weit gespannten Spinnen-Zyklus des amerikanischen Anthropologen W. Michael Gear findet im dritten Band „Spinnennetze“ endlich die Entscheidungsschlacht über die Zukunft der Menschheit statt. Und ein Epilog lässt ein Schlupfloch für Fortsetzungen dieser Geschichte.
Band 1: Spinnenkrieger
Band 2: Spinnenfäden
Band 3: Spinnennetze
Der geniale Ingenieur Dan Davis hat eigentlich alles, was man sich nur wünschen kann: Er ist erfolgreich, mit einer schönen Frau verlobt und hat in seinem Geschäftspartner Miles einen echten Freund gefunden – das glaubt er zumindest. Doch dann wird er von seiner Verlobten Belle und von Miles betrogen und in einen Kälteschlaf versetzt. Als Dan dreißig Jahre später wieder erwacht, ist nichts mehr, wie es war: Er befindet sich in der Zukunft. Einer Zukunft, in der inzwischen die Zeitreise erfunden wurde. Dan beschließt, in die Vergangenheit zurückzukehren und sich an Belle und Miles zu rächen. (Verlagsinfo)
Dies ist der zweite Roman des SPINNEN-Zyklus, in dem eine bislang unentdeckte Indianerkultur den Rest des Universums von ihren Qualitäten überzeugt und erobert.
_Der Autor_
W. Michael Gear studierte Anthropologie und Archäologie und hat mehrere Jahre im Mittleren Westen der USA in Ausgrabungs- und Forschungs-Camps verbracht, so dass man ihn als Kenner der nordamerikanischen Urzeit bezeichnen kann. Von ihm und seiner Frau Kathleen erscheint seit mehreren Jahren ein Zyklus, der die frühen Völker des nordamerikanischen Kontinents vorstellt. Der Titel des ersten Bandes: „Im Zeichen des Wolfes“. Gear hat noch einen weiteren, bislang unübersetzten Science-Fiction-Zyklus namens „Forbidden Borders“ und den Science-Fiction-Roman „The Artifact“ geschrieben.
_Handlung_
Im [ersten Band 1517 wurden die zwei Stämme der Romananer entdeckt: die Spinnenkrieger und die Santos. (Bitte lest dazu zuerst die entsprechende Rezension.) Eine erste Raumschlacht beendeten die Spinnenkrieger siegreich, und das Universum erfuhr von der ungerechten Behandlung, die ihnen das Direktorat zugedacht hatte.
Mit einer der daraufhin einsetzenden Rebellionen, nämlich der im Siriussystem, beschäftigt sich dieser zweite Band der Trilogie. Notgedrungen muss das Direktorat die martialischen Truppen der Romananer zu Hilfe rufen, um den Aufstand, der von einem gewissen Ngen Van Chow angeführt wird, niederzuschlagen. (Diese Politik erinnert an das römische Kaiserreich, das germanische Truppen zu Hilfe rufen musste.) Natürlich sollen sie nach getaner Arbeit alle getötet werden.
Eine Indianerin namens Susan Smith Andojar stellt sich im Bodenkampf gegen Chow und die Sirianer als größte Heldin heraus. Sie erleidet das schlimmste vorstellbare Schicksal: Gefangen von Chow, wird sie von ihm vergewaltigt, gefoltert und einer Gehirnwäsche unterzogen.
Als die Spinnenkrieger sie endlich befreien können, hat sie an Geist und Seele schweren Schaden genommen. Im Durcheinander der Niederlage kann jedoch der Verbrecher Chow fliehen. In der Folge muss das Direktorat das Siriussystem und mehrere Raumschiffe an die Romananer abtreten – ein enormer Erfolg für diese Emporkömmlinge.
_Mein Eindruck_
Wie bereits angedeutet, erinnert das Direktorat in seiner Stagnation und Dekadenz an die Spätphase des Weströmischen Reiches, als dieses ausländische Hilfstruppen anheuern musste, um sich gegen gegen andere Invasoren und Aufstände zur Wehr zu setzen. Diesmal sind die Romananer die Begünstigten.
Susan Smith Andojar spielt die Rolle einer Märtyrerin, die bis ins Herz des feindlichen Lagers von Chow vordringt, dort jedoch alles verliert. Ihr Opfer spornt ihre Anhänger, die Romananer, erst recht an und führt ihnen die Gefahren ihres Vordringens vor Augen. Diese Phase ist sowohl spannend als auch sehr anrührend geschildert. Zarte Gemüter seien jedoch vor der Gewalttätigkeit mancher Passagen gewarnt. Dies gilt für den gesamten Zyklus.
Der Kampf gegen die Rebellen hat zwei Aspekte: Einerseits bereitet er die Romananer auf den Endkampf gegen die Kräfte des Direktorats vor. Zum anderen fallen ihnen die Früchte des Sieges zu: mehrere interstellare Raumschiffe, mit denen sie die Zentralwelten des Direktorats erreichen können. Da sie eine wichtige Führungsgestalt verloren haben, wird ihnen das Beispiel dieser Märtyrerin zum Ansporn, für Gerechtigkeit und die Achtung individualmenschlicher Werte im dekadenten System des Direktorats zu sorgen. Der Showdown erfolgt in Band 3: „Spinnennetze“ (man beachte die Symbolik von Spinne, Fäden und Netzen).
_Unterm Strich_
Ein weiterer spannender Band in der SPINNEN-Trilogie, diesmal noch umfangreicher. Dieser Roman dient zugleich als Übergang zur finalen Konfrontation zwischen den individualistischen Romananern und den kollektivistischen Vertretern des Direktorats.
Die Übersetzung von Star-Übersetzer Horst Pukallus ist ausgezeichnet gelungen, aber wie stets etwas gewöhnungsbedürftig. Wer sonst als er würde sich trauen, „Herrjesses“ zu schreiben?
|Originaltitel: The Way of Spider, 1992
Aus dem US-Englischen von Horst Pukallus|
In einer dunklen Nacht liest Tom Ryan einen als römischen Zenturio gekleideten Mann auf einer einsamen Landstraße auf. Zuerst glaubt Tom an eine Verkleidung, doch der Mann, Marcus Appius Silvanus, spricht nur Latein, glaubt im Jahr 60 AD zu leben und daß England von Königin Boudicea regiert wird. Tom nimmt den Mann mit nach Hause, wo er die Aufmerksamkeit verschiedenster Gruppen erregt: der Journalisten, der IRA, des britischen Sicherheitsdienstes und nicht zuletzt der Wissenschaftler des Projekts Orakel, die in einem geheimen Labor Zeitexperimente durchführen. Tom, seine Schwester Mary und Marcus sind zu Sicherheitsrisiken geworden. Und so beginnt die Jagd… (Verlagsinfo)
Justus, Peter und Bob sind beste Freunde und Detektive! Zusammen haben die drei ??? schon viele knifflige Fälle gelöst.
Ein Hundedieb treibt in der Stadt sein Unwesen. Als Erstes verschwindet Paul, das niedliche Hündchen von Justus‘ Nachbarin. Doch auch der Polizeihund von Kommissar Reynolds wird entführt. Der Kommissar ist erschüttert und bittet seine „Geheime Spezialeinheit“ um Hilfe: Justus, Peter und Bob.
Lesen lernen ist schwer? Nicht mit dieser spannenden Geschichte, die auch Leseanfänger ab Klassenstufe 2 leicht bewältigen können. Illustrationen und ein Leserätsel am Ende jedes Kapitels machen den Band abwechslungsreich, sorgen für Erfolgserlebnisse und erhöhen die Lese-Motivation. So macht der Einstieg ins selbstständige Bücherlesen einfach Spaß. (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Bevor wir Abenteuer erleben dürfen, müssen wir erst mal den Schrottplatz von Onkel Titus aufräumen. Ein immer wieder gern genommener Einstieg in einen ???-Fall, auch bei den „normalen“ Romanen.
Durchwachsende Auswahl an Erzählungen vom Großmeister
Ein Mann heuert einen Privatdetektiv an, weil er sich nicht daran erinnern kann, wie er seine Tage verbringt. Ein Witwer, der um die Welt reist und dabei von imaginären Tieren begleitet wird. Ein junger Mann, der sich in der Vergangenheit selbst begegnet – mit fatalen Konsequenzen. Dies sind nur drei der insgesamt sechs Geschichten, mit denen uns Robert A. Heinlein in seinem Storyband Entführung in die Zukunft in seine einzigartige Gedankenwelt mitnimmt. Eine Gedankenwelt, die wahrhaftig den Weg in die Zukunft bereitet hat …(Verlagsinfo)
Diese kleine Storysammlung enthält einen Kurzroman und fünf Kurzgeschichten. Davon ist die Titelgeschichte eine der am häufigsten anthologisierten Erzählungen in der Geschichte der Science Fiction. Leider liegen in der Ausgabe von 1980 Textfassungen vor, die noch aus den fünfziger Jahren stammen. Entsprechend viele Druckfehler und altertümliche Ausdrücke gibt es. Dies hat sich hoffentlich in der Ausgabe von 2019 gebessert. Robert A. Heinlein – Entführung in die Zukunft. SF-Erzählungen weiterlesen →
Ganz Rocky Beach stöhnt unter der Sommerhitze, als ein paar unheimliche Touristen in der Stadt auftauchen. Sie benehmen äußerst seltsam, lassen ihre Drohnen steigen, stromern durch den Wald und über die Felder und scheinen irgendetwas zu suchen. Zu allem Überfluss werden auch noch aus dem Bürgermeisterbüro alte Stadtpläne gestohlen. Die drei ??? Kids fragen sich: Was geht hier vor? (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Na ja, dass Touristen hinter den Diebstählen im Bürgermeisterbüro stecken, halte ich pauschal für eher unwahrscheinlich. Woher sollten die wissen, wo da die Stadtpläne aufbewahrt werden, geschweige denn, wie man überhaupt am Einfachsten ins Büro einbricht. Aber, mein Interesse ist geweckt. Trifft hier Botanik auf Parapsychologie?
Dies ist der erste Band einer einer ungewöhnlichen Space-Opera-Trilogie: Die hat nämlich ein Historiker und Anthropologe geschrieben.
Im von Menschen besiedelten Weltraum sind alle Aktivitäten streng reglementiert und vom zentralen Direktorat gesteuert. So etwas wie Individualismus existiert nicht – für Amerikaner ein Gräuel. Da entdeckt man auf einer fernen Welt zwei Volksgemeinschaften, die sich gegenseitig bekriegen und allen Anstrengungen des Direktorats, sie unter Kontrolle zu bringen, Paroli bieten. Ja, diese „Spinnenkrieger“ lassen sich nicht einmal auf ihre eigene Welt begrenzen!
_Der Autor_
W. Michael Gear studierte Anthropologie und Archäologie und hat mehrere Jahre im Mittleren Westen der USA in Ausgrabungs- und Forschungs-Camps verbracht, so dass man ihn als Kenner der nordamerikanischen Urzeit bezeichnen kann.
Von ihm und seiner Frau Kathleen erscheint seit mehreren Jahren ein Zyklus, der die frühen Völker des nordamerikanischen Kontinents vorstellt. Der Titel des ersten Bandes: „Im Zeichen des Wolfes“. Gear hat noch einen weiteren, bislang unübersetzten Science-Fiction-Zyklus namens „Forbidden Borders“ und den Science-Fiction-Roman „The Artifact“ geschrieben.
_Handlung_
Es sind nicht die Indianer der Prärien selbst, sondern ihre Nachkommen im Jahr 2783 n. Chr., die der Autor mit kenntnisreicher Feder in seiner Spinnen-Trilogie zu beschreiben versteht. In einem von Menschen besiedelten Universum, das vom Direktorat, vernetzten Supergehirnen, bis ins letzte Detail verwaltet wird, stößt man auf ein verstümmeltes Funksignal – allerdings aus einer Gegend, wo nichts sein dürfte.
Die alsbald ausgeschickte Expedition von Anthropologen landet auf dem Planeten der so genannten „Atlanter“, während der Kreuzer der Raumpatrouille in der Umlaufbahn wacht. Leeta Dobra, die etwas naive Anthropologin , und Rita Sarsa, militärische Leiterin des Landungstrupps, treffen zwei äußerst kriegerische Indianerstämme an. Diese strandeten vor 600 Jahren hier mit ihrem Raumschiff und entwickelten zwei gegensätzliche Religionen: Die Spinnenkrieger glauben an den Gott Spinne, eine Art Manitu für die Tapferen; und die Santos glauben an „Herrjesses“, der am Kreuz für sie starb.
Dobra und Sarsa fallen ahnungslos den Santos in die Hände. Nicht, dass diese durch Jesus zu sanften Schäfchen geworden wären! Durch zwei Spinnenkrieger werden die Frauen vor Vergewaltigung und Versklavung gerettet. Allmählich führt die Bekanntschaft zur Liebe: zwischen Sarsa und Philip, einem Empathen, und zwischen Leeta Dobra und John Smith Eisenauge. Der ist zufällig – oder auch nicht zufällig – der größte Krieger des Spinnenvolks.
Nachdem Leeta ihm das Leben gerettet hat und sie Lebensweise und Weltanschauung seines Volkes schätzen gelernt hat, hecken alle zusammen den Plan aus, die dem Direktorat durch ihre Wildheit gefährlichen Romananer – so heißen die Bewohner dieses Planeten nun – vor der Ausrottung zu bewahren und den Patrouillenkreuzer des Direktorats zu kapern. Einer der hellsichtigen Romananer fliegt zur Zentralwelt, um dort das Direktorat eines Besseren zu belehren.
Während Leeta den Kreuzerkapitän eine Zeitlang in Sicherheit wiegt, gelingt es Sarsa, die Romananer für den Überfall fit zu machen. Schließlich kann nicht jeder Wilde eine Schleusentür bedienen, geschweige denn eine Laserpistole. Nachdem der Piratenakt gelungen ist, sollen zwei weitere Direktoratskreuzer das gekaperte Schiff vernichten. Es kommt zu unvermeidlichen Schlacht. Weil der Kapitän zu ihnen überläuft, gewinnen die Spinnenkrieger das Gefecht. Allerdings verlieren sie Leeta, die vor ihrem Tod den Rest der Menschheit vom drohenden Untergang der Romananer in Kenntnis setzen konnte.
_Mein Eindruck_
Der Autor entwirft deutlich einen sozialen, mentalen und psychologischen Gegensatz, der die gesamte Trilogie trägt. Einerseits die völlig verplante Direktoratsgesellschaft, in der Eigeninitiative verpönt ist und alles quasi wie unterm Kommunismus geregelt wird. Das Individuum hat sich dem Wohl und dem Willen des Ganzen unterzuordnen. Das Ergebnis sind Stagnation und Zerfall.
Auf der anderen Seite steht ein ebenso wenig sympathisches Gesellschaftssystem. Denn ein Teil jener wilden Indianer, die Santos, bedient sich durchaus Vergewaltigung und Versklavung, um mit Andersartigen fertigzuwerden. Das erinnert an den Film „Der Mann, den sie Pferd nannten“. Allerdings werden hier Individualismus und Eigeninitiative belohnt: Um ein großer Krieger zu werden (und daher viele Nachkommen ernähren zu können), muss man sich gegenüber dem Feind auszeichnen.
John Smith Eisenauge ist so ein Bursche mit Führungsqualitäten. Zusammen mit dem Propheten Philip schickt er sich an, die Welt des Direktorats zum Wanken zu bringen. Sie erinnern an das indianische Brüderpaar Tecumseh, den großen Kriegshäuptling der Shawnee, und seinen prophetischen Bruder Ten-squata-wá, die im 18. und 19. Jahrhundert den amerikanischen Truppen von den Großen Seen bis zum Tennessee das Leben schwer machten.
_Unterm Strich_
Wildromantisch, diese edlen Wilden, nicht wahr? Leider werden solche Erwartungen à la „Lederstrumpf“ bitter enttäuscht und doch übertroffen, denn die Rebellion der Spinnenkrieger ist ungleich blutiger und brutaler, als es Pubertätsträume zulassen, und doch so hochfliegend wie die „Amerikanische Revolution“, mit der die gesamte Trilogie eine auffällige Ähnlichkeit aufweist.
|Zur Übersetzung|
Die Übersetzung von Star-Übersetzer Horst Pukallus ist ausgezeichnet gelungen, aber wie stets etwas gewöhnungsbedürftig. Wer sonst als er würde sich trauen, „Herrjesses“ zu schreiben?
|Originaltitel: The Warriors of Spider, 1992
Aus dem US-Englischen von Horst Pukallus|
Eigentlich wollte John nur das Alien-Schoßtierchen Lummie aufziehen, doch als es so groß wird wie ein Dinosaurier und das Metall von Nachbars Garten frisst, läuft die Sache aus dem Ruder. Ihm soll der Prozess gemacht werden, was für Lummie nichts Gutes verheißt. Da landen die Aliens und wollen „Ihre Kaiserliche Hoheit“ zurückhaben. Wen können sie bloß meinen?
„Die Sternenbestie“ gehört mit zu den besten Büchern aus der zweiten Schaffensperiode des Meisters zwischen 1947 und 1959, als er eine Reihe von Jugendromanen verfasste, die zum Besten gehören, was die Science Fiction dem Einsteiger in das Genre zu bieten hat. Robert A. Heinlein – Die Sternenbestie weiterlesen →
Napoleon hat ganz Europa unterworfen – einschließlich Großbritannien. Der Familienklüngel der Bonapartes drängelt sich auf den Thronen zwischen Oslo und Neapel, St. Petersburg und London. Die gedemütigten englischen Nationalisten sinnen auf Rache.
Und als endlich eine Zeitmaschine zur Verfügung steht, gibt es nur noch ein Ziel: die Weichen rechtzeitig anders zu stellen, den verhassten Korsen aus dem Verkehr zu ziehen und ihn durch einen harmlosen Doppelgänger zu ersetzen.
Doch man zupft nicht ungestraft am Raum-Zeit-Gefüge herum. Und dieser Doppelgänger wird unsterblich berühmt als Initiator der Champagnerherstellung, dessen Erfindung man in dieser Parallelwelt schlichtweg verschwitzt hatte. … (Verlagsinfo) Hayford Peirce – Der zeitgereiste Bonaparte weiterlesen →
Die Zwillinge Tom und Pat sind telepathisch verbundene Zwillinge. Auf der Suche nach einer zweiten Erde stößt die Expedition, an der Tom teilnimmt, im System Beta Ceti auf einen Planeten, der optimale Bedingungen zu bieten scheint. Doch dann tauchen aus dem Ozean unheimliche Wesen auf…
Dieser Abenteueroman gehört in die Reihe ausgezeichnet erzählter Jugendromane, die Heinlein für Scribner’s verfaßte. Sie gehören ohne Zweifel zum Besten, was sowohl Heinlein als auch das Genre hervorgebracht haben und eignen sich ideal zum Einstieg in die Science Fiction. Diese 1947 begonnene Reihe beendete Heinlein erst 1959 mit dem unsäglichen „Starship Troopers“ (ebenfalls bei Bastei-Lübbe, 1998). Robert A. Heinlein – Von Stern zu Stern weiterlesen →
„Ein faszinierender Zyklus in der Tradition von Robert Jordans „Das Rad der Zeit“… Die Geschichte vom ewigen Krieg zwischen Schwarzer und weißer Magie auf der geheimnisvollen Insel Recluce… (Verlagsinfo)
Prinz Creslins Wetterzauber vernichtet alle feindlichen Flotten, die seine Insel Recluce bedrohen. Als er Chaos und Ordnung endlich im Gleichgewicht wähnt, schlägt ihn ein grausames Schicksal mit Blindheit… (Verlagsinfo) An Creslins Seite bemüht sich Prinzessin Megaera, ihm beim Aufbau und der Verteidigung von Recluce Kraft zu verleihen, solange bis sie selbst zu seinem Augenlicht wird.
Wer Band 1 gelesen hat, findet hier die Vorgeschichte zur Festung der schwarzen Magier auf Recluce. Fairhaven gibt es (leider) noch, und dort steht der Widerpart zu Recluce, die Festung der weißen Magier. Weil Fairhaven in Band 1 nur noch von bösen geistern bevölkert ist, darf sich der Leser von Band 2 fragen, ob nun die Vernichtung dieser Magierhochburg erzählt wird.
Die Menschen sind dabei, den Mars zu besiedeln. Geschildert werden die Abenteuer von Frank und Jim, die auf dem Mars aufgewachsen sind. Sie kommen einem abgefeimten Plan der Siedlungsgesellschaft auf die Spur, die aus Kostengründen die Kolonialisierung verhindern will. Zusammen mit ihremn eingeborenen Freund, dem kugelförmigen Genie Willis, besuchen Frank und Jim die alten, rätselhaften Städte der Marianer und gewinnen das Vertrauen ihrer seltsamen Bewohner. Diese verfügen über paranormale Fähigkeiten und stehen den bedrängten Kolonialisten auf ganz eigene Art gegen deren Gegner bei. (Verlagsinfo)
Dies ist der dritte Roman in Heinleins Jugendroman-Reihe, die er für den Scribner’s-Verlag schrieb. Das Buch gehört mit zum Besten, mit dem ein Einsteiger Zugang zur Science Fiction-Literatur finden kann. Der Verlag hängt sich an die gegenwärtige Mode an, in deren Mittelpunkt die Erforschung des Mars steht. Robert A. Heinlein – Der rote Planet (Ungekürzte Ausgabe) weiterlesen →
Podkayne, ganze 15 Erdjahre jung, ist auf dem republikanischen Mars aufgewachsen, doch ihr sehnlichster Wunsch ist es, der Kapitän eines Erkundungsschiffes zu werden. Zusammen mit ihrem Onkel, Senator Tom, und ihrem unausstehlichen jüngeren Bruder Clark unternimmt sie eine Reise zur Erde, um sich dort für die entsprechende Laufbahn zu bewerben. Doch schon diese Reise verläuft völlig anders als erwartet.
Für „Diamond Age“ wurde Neal Stephenson von den amerikanischen SF-Lesern mit dem HUGO Award 1996 ausgezeichnet und kam auch bei den deutschen Lesern ganz gut an, landete allerdings nicht unter den ersten Plätzen des Kurd-Laßwitz-Preises, der von der deutschen SF-Kritik vergeben wird. Der Verlag stellt Stephenson in eine Reihe mit Quentin Tarantino – ein Versuch, dem Roman bereits jetzt Kultstatus anzudichten. Und ein Grund mehr, diesem Werk kritisch zu begegnen.
Sir Arthur C. Clarke ist einer der Großmeister der Science-Fiction. Seine literarische Vorlage verfilmte Stanley Kubrick 1968 mit großem Erfolg als „2001 – Odyssee im Weltraum“.
„Die letzte Generation“, obwohl bereits Anfang der Fünfziger veröffentlicht, avancierte Ende der sechziger Jahre zum Kultbuch von Studenten. Kein Wunder: Es geht unter anderem um die Beendigung von Kriegen, und die USA befanden sich mitten im Vietnam-Konflikt.
„Lobgesang auf Leibowitz“ gilt als Meisterwerk der modernen Science-Fiction. Das liegt einerseits an dem großartigen Stil, zum anderen aber auch am folgerichtigen, dreistufigen Aufbau und am Thema des Romans. Millers Helden sind nicht etwa die agierenden Personen, sondern die Menschheit und ihre Geschichte im Allgemeinen. Der Autor transponiert die Geschichte der letzten 2000 Jahre einfach in die Zukunft, von den Fünfzigern aus gesehen.
Walter M. Miller jr. wurde 1923 in New Smyrna Beach in Florida geboren, wurde Ingenieur und war Flieger bei der US Air Force im Zweiten Weltkrieg. Dabei zerbombte er u. a. das Kloster Monte Cassino in Italien. Die Besichtigung des zerstörten Gebäudekomplexes nach dem Krieg beeindruckte ihn tief. Nach seinem dreiteiligen „Leibowitz“-Roman (1955-57) schrieb er mehrere hervorragende Novellen.
Auf Wunsch vieler Leser und seines Verlegers schrieb er einen Parallelroman zu „Leibowitz“, dessen Manuskript man fast vollendet in seinem Schreibtisch fand, als er 1996 Selbstmord begangen hatte: „Saint Leibowitz and the Wild-Horse Woman“ („Ein Hohelied für Leibowitz“). Miller hatte großen Einfluss auf viele US-SF-AutorInnen.
Handlung
Der Roman ist in drei Abschnitte unterteilt, die zuvor als Novellen im „Magazine of Fantasy and Science Fiction “ erschienen waren. „Fiat Homo“ (1955) schildert die Welt 600 Jahre nach einem verheerenden Atomkrieg, der den größten Teil der Menschheit vernichtet hat. Bruder Francis Gerard ist Novize im „Albertinischen Orden von Leibowitz“ in einem Kloster im Südwesten der ehemaligen USA.
Eines Tages hat er in der Wüste eine merkwürdige Begegnung mit einem Pilger, durch den er einen alten Bunker entdeckt. In diesem findet er eine Blechschachtel mit alten Papieren, darunter eine offensichtlich wertvolle Blaupause mit mit dem Namen I. E. Leibowitz darauf. Isaac Leibowitz war ein Physiker, der nach dem Holocaust und der darauf folgenden Zeit der Simplifikation, einer antiintellektuellen Bewegung mit Bücherverbrennungen, sein Heil in der Religion suchte und einen Orden gründete, der sich die Konservierung des menschlichen Wissens zur Aufgabe machte. Zur Zeit Bruder Gerards hegen und pflegen die Mönchen Vorkriegsdokumente, wissen aber kaum noch, was sie da tun.
Die Blaupause von Leibowitz erregt im Kloster großes Aufsehen, und da man den Klostergründer gern als Heiligen sähe, wird auf die Duplikation des Fundes großer Wert gelegt. Francis verbringt mit dem haargenauen Abzeichnen fünfzehn Jahre. Schließlich bricht er nach New Rome an der Ostküste auf, um dort sein Fundstück zu präsentieren, was die Heiligsprechung von Leibowitz nach sich zieht.
Der zweite Teil, „Fiat Lux“ (1956) – Es werde Licht -, in dem man langsam zur Wissenschaft zurückkehrt, spielt wiederum etwa 600 Jahre nach dem ersten und markiert nach dem Mittelalter quasi eine neue Renaissance. Die nomadischen Stämme sind sesshaft geworden, mehrere Staaten haben sich entwickelt. Während man im Kloster mit elektrischem Licht (lat.: lux) experimentiert, schwelen die ersten Konflikte zwischen Kirche und Staat.
Der dritte Teil, „Fiat Voluntas Tua“ (1957) – Dein Wille geschehe – beschreibt eine Welt etwa 1800 Jahre nach dem Atomkrieg. In einer zyklischen Geschichtsbewegung hat die Zivilisation wieder die Stufe erreicht wie 1800 Jahre zuvor. Der aufgeklärte Staat hat die Kirche in den Hintergrund gedrängt, und ein neuer Atomkrieg droht. Schließlich tritt das unvermeidlich Erscheinende erneut ein; während die Bomben fallen, brechen die Mönche des Klosters mit einem Raumschiff zum Stern Alpha Centauri auf. Aus dem Licht der von ihnen wiederentdeckten Elektrizität ist schließlich doch der Atomblitz geworden.
Mein Eindruck
Ironischerweise weist er der römisch-katholischen Kirche eine ähnliche Rolle zu, nur dass ihre Reliquien diesmal wissenschaftlichen Ursprungs sind. Entsprechend von zentraler Bedeutung ist daher das Verhältnis Kirche – Wissenschaft. Miller teilt sarkastische Seitenhiebe nach beiden Seiten aus.
Das zyklische Geschichtsbild ist als sehr pessimistisch, ja geradezu deterministisch aufgefasst worden. Doch man bedenke: „Leibowitz“ entstand zu einer Zeit – Mitte der Fünfziger – als der Widerstand gegen das atomare Wettrüsten immer stärker wurde. Hiroshima warf lange Schatten. Von daher ist das Buch auch als Warnung zu verstehen. Dieser Roman gewann 1960 den HUGO Award (ironischerweise ein Jahr nach dem Debakel mit Heinleins [„Starship Troopers“) 495 und wird von vielen Kritikern als einer der besten Science-Fiction-Romane überhaupt angesehen.
Die Ausgabe von 2000 enthält ein kluges Vorwort von Carl Amery, einem katholischen Religionkritiker und SF-Autor (gestorben 2005), der schreibt, das Lesen dieses Buches habe seine Arbeit verändert. Deswegen habe er die zwei Romane „Der Untergang der Stadt Passau“ (1975) und „An den Feuern der Leyermark“ geschrieben.
1997 veröffentlichte der US-Autor Terry Bisson, das 600-Seiten-Manuskript, das er in Millers Nachlass fand, unter dem Titel „Saint Leibowitz and the Wild Horse Woman“, der 2000 unter dem dt. Titel „Hohelied auf Leibowitz“ übersetzt wurde.
Taschenbuch: 286 Seiten
Originaltitel: A Canticle for Leibowitz, 1959
Aus dem Englischen von Jürgen Saupe und Walter Erev
ISBN-13: 9783453164192 www.heyne.de
Der Autor vergibt: (5.0/5) Ihr vergebt: (No Ratings Yet)
„Die Marionettenspieler“, veröffentlicht 1951 (ungekürzt erst 1990), ist einer der wichtigsten Invasionsromane in der Science Fiction. Er erschien in Deutschland zuerst 1957 unter dem Titel „Weltraummollusken erobern die Erde“ – das sagt schon alles. Es geht also um eine Story aus dem Kalten Krieg. Ähnlichkeiten mit Jack Finneys „Die Körperfresser kommen“ sind wohl nicht ganz zufällig. Der Roman wurde ebenso wie Finneys Roman verfilmt.
In der Michigan-Sternwarte bei New York City bricht Hektik aus, als ein gigantisches Objekt aus dem Weltraum sich in beängstigender Weise der Erde nähert. Ist das Weltende nahe? Als die Nachricht durchsickert, bricht in New York City Panik aus, die Börse wird manipuliert. Können Wissenschaftler die dunklen Machenschaften finsterer Hintermänner durchkreuzen? Wird der geniale Plan des Chemikers Werner Werndt die Welt retten können? Die Spannung steigt ins Unermessliche.
_Der Autor_
Reinhold Eichacker scheint ein technisch interessierter Schriftsteller gewesen zu sein, dem mit seiner Werner-Werndt-Trilogie ein bescheidener Erfolg beschieden war. Dieser begann mit dem für Science-Fiction-Leser uninteressanten (und zudem chauvinistischen) Roman „Kampf ums Gold“. „Panik“ folgte 1922 und wurde sogar ins Spanische übersetzt. Die Fortsetzung „Die Fahrt ins Nichts“ schloss die Trilogie 1923 (ebenfalls bei Celero neu aufgelegt) ab. Die Besonderheit der beiden Romane betrachte ich im Abschnitt „Mein Eindruck“.
_Handlung_
Im Jahre 1920: Professor Earthcliffe, ein genialischer Astronom von der Michigan-Sternwarte bei New York City, ist überrascht, als er selbst und eine Hand voll Astronomen einen kleinen schwarzen Punkt vor der Sonne vorbeihuschen sehen. Das war’s dann aber auch schon, trotz all seiner Nachforschungen. Hat man es mit einem Mond oder Planeten zu tun? Sein Assistent Dr. Wepp kann ihm nicht helfen und seine bildhübsche Tochter Mabel, die über überhaupt keine Ausbildung zu verfügen scheint, schon gleich gar nicht.
Da schneit einige Tage später ein gewisser Dr. Nagel mit seinem spanischen Assistenten Don Ebro ins Haus. Auch er hat den Punkt beobachtet, von Valparaiso/Chile aus. Er verspricht dem Professor, ihm sein Können zur Verfügung zu stellen. Was für ein lächerliches Angebot, denkt der Prof, nur um dann doch eines Besseren belehrt zu werden. Der fesche Deutsche hat bei Mabel natürlich gleich einen Stein im Brett und darf bleiben. Zum Glück! Denn zusammen beobachten die beiden den kleinen schwarzen Punkt, wie er mit einem Affenzahn vor der Riesenscheibe des Jupiters durchsaust.
Nun ist ziemlich klar, dass bei den Berechnungen Fehler unterlaufen sind und sich der unbekannte Himmelskörper bereits auf einer Umlaufbahn um die Erde befindet! Wenn ihn der Mond nicht als Sekundärmond einfängt, dann wird der Meteor, angezogen von der Erdschwerkraft, eines Tages auf die Erdoberfläche donnern. Bitte keine PANIK!, bittet der Professor, und natürlich völliges Stillschweigen. Nagel schwört, Wepp schweigt.
Denn Wepp hat eigene Pläne. Mit Panik, so wird er aller Welt demonstrieren, lassen sich ausgezeichnete Geschäfte machen. Klammheimlich kauft er Aktien von Versicherungsgesellschaften sowie von Zeitungsverlagen auf. Als die damit erzeugte Panik vor dem Weltuntergang so richtig am Kochen ist, verkauft Wepp für einen Milliardenbetrag. Aber das ist erst der Anfang: Er will die Welt beherrschen.
Inzwischen hat Nagel einen Chemiker namens Walter Werndt herbeigerufen, der sich den Meteor einmal ansehen soll. Werndt ist ein genialer Erfinder, und er findet das Ei des Kolumbus nach nur kurzem Nachdenken.
Doch der Tag des Meteorabsturzes rückt unausweichlich näher. Und wer ist laut Wepp schuld daran? Natürlich die Astronomen selbst – mit ihren teuflischen Fernrohren und Maschinen haben sie den Meteor erst zur Erde gelenkt. In einer Nacht des Grauens werden alle Observatorien von der aufgehetzten Menge blindwütig gestürmt, angegriffen und zerstört. Ob Professor Earthcliffe das wohl überleben wird?
_Mein Eindruck_
Die Weltsicht des Autors ist relativ einfach: Das Kapital beherrscht die Weltwirtschaft ebenso wie die volksverdummenden Massenmedien. Diese Masse ist deshalb so lenkbar, weil sie über keine Bildung verfügt und somit auch nicht beurteilen kann, wem sie was glauben soll. Dabei spielt noch nicht einmal wie im Dritten Reich der Rundfunk – Stichwort „Volksempfänger“ (schon das Wort ist der blanke Hohn) – die Hauptrolle, sondern noch die Zeitungen. Und wenn das nicht reicht, so stellen sich die Wortführer auf den Hauptplatz, wie in den schlechten alten Zeiten, als man die Republik noch vom Balkon ausrief.
Doch wo das Volk Verfügungsmasse ist, müssen die Wortführer ihre Botschaften auf den Punkt bringen. Jetzt erweist sich, was in Wepp und seinem Gegenspieler Nagel wirklich steckt: Wepp ist der Satan des Kapitals, der die Weltherrschaft an sich reißen will. Hieße dieses Buch „Metropolis“, so verbände er die Rollen des Wirtschaftsbosses Fredersen mit dem seines Wissenschaftsknechtes Rotwang (der dann den Roboter erschafft). Doch „Metropolis“ wurde erst 1926 veröffentlicht, vier Jahre nach „Panik“.
Doch Nagel, der noch zu Liebe fähig ist, steht für Wissenschaft und die Stimme der Vernunft. Dumm nur, dass er überhaupt nicht gehört wird: Seine Argumente sind zu kompliziert. Und so obsiegt Wepp – zunächst jedenfalls: Er befiehlt den Sturm auf die verteufelten Sternwarten. Das vom Demagogen verhetzte Dummvolk folgt dem Aufruf, offensichtlich auch in der Hoffnung auf zu plündernde Beute. Bilder von der Russischen Revolution werden wach.
Der Retter in der Not ist nun dringend gefragt. Es ist offenbar Werner Werndt. Der deutsche Chemiker stellt sich gleich einmal als Erfinder und zertifiziertes Genie vor. Er steht zwar ebenfalls auf der Seite der Wissenschaft, ist aber in der Lage, seine Erkenntnisse in handfeste Aktion umzusetzen: fortschrittliche Maschinen, wie etwa ein fast unsichtbares Flugzeug, das obendrein auf der Stelle verharren kann wie ein Helikopter. Am besten ist aber, dass es schneller als ein heutiger Passagierjet fliegt. Es saust dem einschlagenden Meteor einfach davon. In Sicherheit?
|Pulp Fiction|
„Panik“ ist ja nicht der erste Zukunftsroman, der eine einfach gestrickte Gesellschaftssicht kolportiert. Gerade in den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts, als die Nationalstaaten sich vor Verdun in den Untergang kloppten und die Revolutionen die morschen anciens régimes hinwegfegten, wurden Zukunftsvisionen zum Groschenpreis unters Volk gebracht. Und was Eichacker in Leipzig unters Volk brachte, ist zwar weit einfallsreicher und sprachlich fortgeschrittener als die übliche Pulp Fiction, aber doch nicht sonderlich erhellend, was eine Lösung angeht.
|Pappkameraden|
Eichacker hantiert auch mit Pappfiguren, die kein eigenes Leben besitzen und einfach die Erwartungen des Publikums erfüllen sollen. So ist etwa der alte Professor Earthcliffe vor allem ein wunderlicher Kauz, der zwar mit Mathe umgehen kann, aber doch alle naslang einen stereotypen Mathefluch auf den Lippen führt: „Potz Wurzel aus dreizehn“ ist noch das komplizierteste Exemplar dieser Verwünschungen. Der alte Zausel ist ein Fossil aus den Karl-May-Romanen, in denen Sam Hawkins, Tante Droll und Hobble-Frank ihr sächsisches Unwesen am Rio Pecos treiben.
|Der Satan|
Der für uns interessanteste Protagonist ist vielleicht der zwielichtige Wepp. Der Wissenschaftler hat die Prinzipien des Kapitalismus kapiert und versucht nun, mit seiner Meteor-Geheiminformation die Weltwirtschaft aus den Angeln zu heben. Es klappt zunächst auch ganz hervorragend, denn auf einen wie ihn hat die Wall Street gerade gewartet. Doch dann geschieht etwas Seltsames: Der plötzliche Machtzuwachs scheint dem frischgebackenen Milliardär zu Kopf gestiegen zu sein: Er behandelt seine Handlanger wie Untermenschen und die kopflos gemachte Volksmasse als Machtinstrument, um seine Widersacher, die Astronomen, auszuschalten. Vergleiche mit Mussolini, Hitler und Stalin fallen leicht. Und was die Knete angeht: Die raubten diese drei Herrschaften einfach dem „Klassenfeind“.
|Warum also Science-Fiction?|
Was hat dies alles mit Science-Fiction zu tun? Handelt es nicht einfach um den 1001sten Katastrophenroman? Leider ist der Übergang zwischen diesem Genre und dem „Zukunftsroman“ absolut fließend und eine Abgrenzung eher von akademischem Interesse. Neben Werndts Wunderflugzeug gibt es noch hie und da ein paar nette Apparate wie etwa eine Handkamera, die einen wunderbar altertümlichen Namen hat, und gewisse astronomische Phänomene. Zu diesen zählt selbstredend der Meteor.
Es gibt auch einen mysteriösen „Welteiskörper“, über den ich mir den Kopf zerbrochen habe. Mit diesem Teil kollidiert der Meteor und ändert seine Bahn derart, dass er „senkrecht“ (!) zur Erde plumpst (das allein erscheint bereits absurd, dreht sich doch die Erdkugel mit affenartiger Geschwindigkeit). Da wir inzwischen wissen, wo sich Eis in herumsausenden Himmelskörpern befindet, dürfte es sich wohl um bei dem „Welteiskörper“ um einen schlichten Kometen handeln. Wie der Film „Armageddon“ eindrucksvoll belegt, können diese Brummer auch eine Menge Flurschaden anrichten.
|Mein Leseerlebnis|
Nach der ersten Hälfte habe ich eine längere Pause eingelegt, denn der fehlende Tiefgang verlockt nicht gerade zur faszinierten Lektüre. Da aber die zweite Hälfte nur so vor Action strotzt, ließ sich der Rest in Nullkommanix erledigen. Der Schreibstil Eichackers ist dabei ein großer Pluspunkt: Er schreibt sehr kurze Sätze und beschreibt seine Szenen sehr anschaulich. Die Lektüre kommt dadurch fast dem Anschauen eines Films gleich – und das ist nicht mal ein Stummfilm. Außerdem verzichtet Eichacker auf lange Tiraden, die damals durchaus üblich waren, sondern lässt vielmehr seine Figuren die Argumente und Erkenntnisse vortragen. Eine gute Methode, die auch heute Schule machen sollte.
_Unterm Strich_
Im Zuge der Literaturarchäologie und Traditionspflege ist auch dieser interessante Zukunftsroman ans Tageslicht gefördert worden: Er fand sich in der (in jeder Hinsicht) „Phantastischen Bibliothek Wetzlar“ und wurde, nach der sprachlichen Überarbeitung, von einem rührigen Verlag in Weilersbach veröffentlicht. Dort ist auch die Fortsetzung „Die Reise ins Nichts“ (siehe oben unter „Autor“) zu bekommen.
Im Unterschied zu so manchem gemütlichen Weltenreiseabenteuer aus Kaisers Zeiten (z. B. F. W. Maders Roman „Wunderwelten“ von 1911) befasst sich „Panik“ mit seiner eigenen turbulenten Zeit und den massiven gesellschaftlichen Umbrüchen, die damit einhergingen. Deutschland eine kommunistische Räterepublik? Warum nicht: Der Versuch wurde unternommen. Deutschland eine Fascho-Diktatur? Warum nicht gar: Auch dieser Versuch schlug fehl (1923) – und wurde zehn Jahre später erfolgreich wiederholt (1933).
Neben diesen Aspekten bietet „Panik“ aber auch eine packende Handlung, die in der zweiten Hälfte zu fesseln weiß. Da können selbst Katastrophenschmöker wie Niven/Pournelles „Luzifers Hammer“ mit ihren durchschnittlich rund 800 Seiten einpacken.
Der Mond, Ende des 21. Jahrhunderts: Die Kolonie auf dem Erdtrabanten wird hauptsächlich von Strafgefangenen und ihren Nachkommen bewohnt, die sich an die dort herrschenden physikalischen Verhältnisse angepasst haben. Die auf dem Mond erzeugten Lebensmittel werden zur Erde geschickt – aber als Berechnungen ergeben, dass dem Mond eine Hungersnot droht, bricht eine Revolution aus… (Verlagsinfo)