Dieses Hörbuch ist eine limitierte Sonderausgabe zum 60. Geburtstag des Autors John Irving. Dass Rufus Beck das gesamte Buch ungekürzt liest, ist der Hammer. Man erwartet einen Ohrenschmaus – und wird nicht enttäuscht. Damit kann man locker die „stille Jahreszeit“ gut unterhalten überstehen.
Der Kurzkrimi in Kürze: Der Anwalt Jack Carroll ist davon überzeugt, dass der auf frischer Tat ertappte William Koenig ein psychopathischer Serienmörder ist. Noch während Carrol nach Beweisen sucht, schmiedet Koenig Pläne, um sein blutiges Werk zu vollenden.
_Die Autorin_
Mary Higgins Clark wurde 1928 in New York City geboren. Nach der Highschool besuchte die Tochter irischer Einwanderer eine Sekretärinnenschule. Ab 1949 arbeitete sie als Stewardess bei der PanAmerican Airline. Ein Jahr später heiratete sie Warren Clark, den sie schon seit ihrem 16. Lebensjahr kannte. 1964 verstarb ihr Ehemann unerwartet an einem Herzinfarkt und hinterließ sie mit fünf Kindern. Zu diesem Zeitpunkt begann Clark, Radio-Scripts und Bücher zu schreiben. Schon ihr erster Thriller „Where are the children?“ (1975) wurde ein großer Erfolg und änderte ihr Leben. Seitdem sind ihre Bücher regelmäßig in den Bestsellercharts.
_Der Sprecher_
Andreas Sippel arbeitet seit seinem Studium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart als Rezitator und als Sprecher in Hörfunk und Dokumentarfilmen (u. a. „37°“). Er ist der Erzähler in der Reihe „Erlebnis Ballett“ der Bayerischen Staatsoper. An der Fachakademie für Schauspiel und Regie Otto-Falckenberg in München unterrichtet er das Fach Bühnensprache. Er ist Gastdozent an der Akademie für Gesprochenes Wort Stuttgart und an der Universität Ca’Foscari in Venedig. (Verlagsinfo)
_Handlung_
Jack Carroll, Stellvertretender Bezirksstaatsanwalt von Westchester County nahe New York, betritt das Gefängnishospital, in dem William Koenig einsitzt. Er will Koenig als Serienmörder überführen, doch dieser ist trickreich und, was Jack nicht weiß, bereitet seinen Ausbruch vor. Zuletzt versuchte William eine junge Frau namens Emily Winters zu erwürgen – er muss einen Job zu Ende bringen.
Immerhin scheinen die Sicherheitsvorkehrungen des Hospitals ausreichend zu sein, denkt Jack. Und die neue Psychiaterin Dr. Stein, Ende 50, scheint sich von dem charmanten Koenig nicht um den Finger wickeln zu lassen wie ihre naive Vorgängerin. Dr. Stein glaubt nicht, dass Koenig alle zehn Morde, derer Jack ihn überführen will, schuldig ist. Dennoch stimmt etwas mit Koenig eindeutig nicht.
Dass Koenig überhaupt in einem Hospital für geisteskranke Kriminelle untergebracht ist, hat nämlich einen guten Grund. Und der macht sich im Gespräch mit ihm, das Jack und Dr. Stein beginnen, schnell bemerkbar. „Also, Mr. Koenig: Warum haben Sie versucht, Emily Winters zu erwürgen?“ will Jack wissen. Nun ja, meint Koenig, ich war in einem meiner früheren Leben Simon Guinness und wurde im Jahre 1708 wegen der Falschaussage einer gewissen Kate Fellowe gehängt. Kate Fellowe ist die frühere Inkarnation von Emily Winters. Beide haben rotes Haar und sehr blaue Augen. Koenig verlangt nach Gerechtigkeit, daher muss Emily sterben.
Von den früheren Leben weiß Koenig angeblich durch Selbsthypnose. Das quittiert Dr. Stein mit dem skeptischen Heben einer Augenbraue. Er würgte Emily vor drei Jahren und wie er behauptet, würde er es wieder tun. Koenig hat einen muskulösen, durchtrainierten Körperbau, doch sein Gesicht ist unscheinbar, bis auf die fast farblosen Augen. Mit wenigen Utensilien könnte er sich wirkungsvoll verkleiden. Dr. Stein und Jack haben nicht die Absicht, ihn in nächster Zeit zu entlassen. Aber Jack hat auch keine Beweise und kehrt unverrichteter Dinge in sein Büro zurück. Er kann Koenig nicht verknacken, weil dieser offensichtlich unzurechnungsfähig ist.
Am nächsten Tag bringt Koenig einen Wärter und einen Pfleger um und entkommt in dessen Verkleidung aus dem Hospital. Schnurstracks fährt er zu Emilys Domizil in einer privat bewachten Siedlung und dringt, ohne gesehen zu werden, ins Haus ein. Niemand daheim. Simon Guinness macht es sich gemütlich und wartet, bis Kate Fellowe von ihrem Studentenjob als Kellnerin nach Hause kommt. Der Strick wartet bereits auf sie.
Doch die Begegnung verläuft etwas anders als erwartet, denn Emily Winters hat sich in drei Jahren verändert und ist in Sachen Parapsychologie nicht untätig gewesen. Sie hält eine Überraschung für Simon Guinness bereit …
_Mein Eindruck_
Dies ist gutes altes Krimihandwerk, wie man es von Clark seit über 30 Jahren gewohnt ist. Aber diesmal hat die Geschichte wenigstens einen netten Twist: Die Hauptfigur ist vielleicht, vielleicht aber auch nicht unzurechnungsfähig insofern, als sich Koenig für eine Reinkarnation hält. Und seine Opfer natürlich auch. Und alle müssen ihre Rechnung zahlen, o ja! Dafür wird er schon sorgen. Ein Psychopath und Serienmörder muss also nicht unbedingt Hannibal ‚The Cannibal‘ Lecter heißen, um einerseits gefährlich zu sein – und doch in gewisser Weise frei.
Der Showdown ist das beste an der Geschichte. Man sollte nicht meinen, dass die Studentin Emily einem Serienmörder vom Kaliber Koenigs Paroli bieten könnte, aber manchmal schlägt eben Geistesgegenwart tumbe Muskelkraft (soll ja auch Schwarzenegger passiert sein). Emily hat sich, wie gesagt, mit Parapsychologie auseinandergesetzt und eine eigene frühere Inkarnation gefunden. Diese ist Simon Guinness wohlbekannt und übt eine erstaunliche Wirkung auf ihn aus.
Der Schluss kommt für den von Dan Brown & Konsorten verwöhnten Schmökerkonsumenten doch recht abrupt und fast etwas unvermittelt. Deshalb heißt es also auf-passen, um nichts zu ver-passen. In der Kürze liegt eben manchmal die Würze.
_Der Sprecher_
Sippels Vortrag ist zwar sehr verständlich und zeichnet sich durch eine deutliche Aussprache aus, aber er bleibt farblos. Obwohl er er versucht, wenigstens William Koenig eine individuelle Sprechweise zu verleihen – tief und langsam – bleiben alle Figuren blass und kaum unterscheidbar. Es fiel mir nicht leicht, dem Fortgang der Handlung zu folgen.
_Unterm Strich_
Fans von Clark, Elizabeth George, Ann Granger und Agatha Christie und wie die Ladycrime-Exponenten alle heißen – sie finden ein gefundenes Fressen. Ich selbst fand manche Aspekte hübsch ironisch, aber da ich wesentlich härte Kost gewohnt bin – etwa Slaughter, Gerritsen und Connelly – entlockte mir die Geschichte selbst nur ein herzhaftes Gähnen. Auch der Sprecher ist nicht dazu angetan, den Hörer aus dem Sessel zu reißen und ihm zu applaudieren. Sippel ist ebenso ein zuverlässiges Schlafmittel wie Mary Higgins Clark.
|Originaltitel: Haven’t we met before?, 2000
Aus dem US-Englischen übersetzt von H. Roberts
55 Minuten auf 1 CD|
http://www.hoerverlag.de
„Die atmosphärische Dichte dieser Novelle steigert sich vom anfänglichen Grauen bis hin zu blankem Entsetzen und endet im Wahnsinn“, schreibt der Festa-Verlag (oder LPL records oder Lübbe Audio) auf dem hinteren Einleger.
Nach „Die Stadt der wilden Götter“ und „Im Reich des goldenen Drachen“ bildet „Im Bann der Masken“ das dritte und letzte Abenteuer von Alex und Nadia. Tief im Herzen Afrikas stehen die Menschen im Bann einer dunklen Macht: Das uralte Volk der Pygmäen wird von einem verbrecherischen König beherrscht. Wird es Nadia, Alex und ihren Helfern gelingen, die bösen Mächte zu besiegen? (Aus dem Klappentext)
|Die Autorin|
Isabel Allende wurde 1942 in Peru geboren und wuchs in Chile auf. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Kalifornien. Ihr erster Roman „Das Geisterhaus“ wurde von Bernd Eichingers Produktionsfirma verfilmt. „Die Stadt der wilden Götter“ war Allendes erster Roman für Jugendliche, der mit „Im Reich des goldenen Drachen“ eine Fortsetzung erfuhr (ebenfalls ein Hörbuch im |Hörverlag|) und nun mit „Im Bann der Masken“ vollendet wurde.
Isabel Allende sagt von sich selbst: |“Ich würde sagen, dass ich ein Mensch bin, der davon überzeugt ist, dass die Welt ein sehr mystischer Ort ist. Wir haben nicht halb so viele Antworten auf die Fragen gefunden, von denen wir überzeugt sind, dass wir sie beantworten können. Alles ist möglich, es gibt nicht nur eine materielle Welt.“| Und wie kam es zu diesen wundervollen Jugendbüchern? |“Ich habe schon Abenteuergeschichten geschrieben, als meine Kinder noch klein waren, und ich habe sie ihnen dann erzählt, Abend für Abend. So blieb ich wunderbar in Übung.“| (Alle Zitate sind den Booklets des Hörbuchs „Im Reich des goldenen Drachen“ entnommen.)
|Der Sprecher|
Andreas Fröhlich, 1965 geboren, hatte bereits mit sechs Jahren seine erste Hörspielrolle und ist heute wahrscheinlich eine der bekanntesten Stimmen im deutschsprachigen Raum, z. B. als Synchronstimme von John Cusack.
Seit Jahren steht er als Bob Andrews für die Hörspielserie „Die drei ???“ vor dem Mikrofon. Für den |Hörverlag| übernahm er Rollen in A. Dumas‘ „Die drei Musketiere“ und H. Mankells „Die Rückkehr des Tanzlehrers“. Fröhlich lebt in Berlin und arbeitet als Schauspieler, Synchron- und Hörspielsprecher, Synchronregisseur sowie Dialogbuchautor.
Das Hörbuch bietet die vollständige Lesung ohne jedwede Kürzung. Regie führte Sven Stricker.
_Handlung_
Zunächst erleben Alex Cold und seine Freundin Nadia Santos sowie ihr kluger Affe Borrobà Afrika als eine bunte Abfolge von kleinen aufregenden Abenteuern. Nadia spricht mit den Elefanten, denn sie spricht die Sprachen aller Tiere. Ihr Reitelefant ist eifersüchtig auf Alex, mit dem sich Nadia dennoch hin und wieder abzugeben scheint. Alex‘ Großmutter Kate, 67, macht wie schon am Amazonas und im Himalaya eine Reportage für „International Geopgraphic“ und hat zwei Fotografen dabei. Sie alle sind Gäste von Michael Mushaha, der offenbar den kenianischen Nationalpark leitet. Auch Michael ist verliebt …
|Die Prophezeiung|
Auf dem kenianischen Marktplatz von Arusha mit seinem Vielvölkergemisch treffen Alex und Nadia eine alte Schamanin, Ma Bangese. Sie weiß, dass Alex eine Medizin für seine krebskranke Mutter sucht. Sie prophezeit ihm: Wenn er sich mutig bewährt, werden seine Mutter und Nadia die kommenden Gefahren überleben. Alex und Nadia erleben in der Hütte eine Geistreise in den Dschungel, der auf sie wartet. Solche Geistreisen sind seit Südamerika nichts Besonderes mehr für die beiden. Sein Totem ist der schwarze Jaguar, Nadias Geisttier hingegen ist der Adler. Deswegen reden sich die beiden öfters auch als Jaguar und Aguila an. Jedenfalls haben sie eine gemeinsame Vision vom zerstörten Kongo und der Herrschaft eines dreiköpfigen Ungeheuers. Sie bekämpfen es vergebens. Ma Bangese warnt sie: „Bleibt immer zusammen, sonst sterbt ihr!“
|Safari|
Bei ihrer Safari in den Busch gibt es ein komisches Intermezzo mit betrunkenen Mandrill-Affen und neugierigen Löwen sowie eine bewegende Episode mit der Geistheilung eines kranken Kleinkindes. Als wichtigste Begegnung erweist sich die ebenso furchtlose wie füllige Pilotin Angie Ninderere, die auch Ma Bangese kennt. Sie ahnt nicht, dass Michael Mushaha in sie verliebt ist.
Der christliche Missionar Bruder Fernando aus dem verwüsteten Nachbarstaat Ruanda bekniet Angie und die restliche Safari, ihn in den Kongo zu fliegen, weil dort zwei seiner Ordensbrüder verschwunden sind. Der Haken dabei: In diesem Dorf Nungubé herrscht der Tyrann in dreifacher Gestalt – als König Kossongo, als Kommandant Maurice Mbembelé und als der Schamane Sombè.
|Bruchlandung|
Alex und Nadia überreden Kate zum Flug, die überredet (mit gewisser Mühe) die Pilotin Angie, und los geht’s. In einer dramatischen Aktion gelingt es Angie, ihre voll besetzte und beladene Cessna auf dem schmalen Uferstreifen eines Dschungelflusses zu landen. Leider wird dabei der Propeller verbogen, so dass sie alle erst einmal festsitzen. Im nahen Dschungel befreien Nadia und Alex eine Gorillamutter und ihr Junges aus einer Fallgrube, die Pygmäenjäger angelegt haben. Das wird sich später als Segen erweisen.
|Ins Herz der Finsternis|
In den Booten vorbeikommender Diamantenschmuggler gelangen sie an die Grenze des Königreichs von Kossongo. Ein furchterregender Totenkopf warnt sie vor dem Weitergehen. Doch sie müssen nach Nungubé, Kossongos Hauptort. Geführt von Pgymäen, dringen sie beklommen weiter vor – ins Herz der Finsternis, wo das dreiköpfige Ungeheuer auf sie lauert.
_Mein Eindruck_
Wie schon in Südamerika und im Himalaya zieht es die drei Hauptfiguren Alex, Nadia und Oma Kate wieder in eine Weltgegend, in der ein kleines Volk in seiner Existenz bedroht ist, das noch über Kenntnisse von mystischen Wahrheiten verfügt. Waren es in Südamerika verborgen lebende Indios und im Himalaya die Bevölkerung einer Art Shangri-La, so sind es diesmal die Pygmäen.
Ich habe seit meiner Kindheit ein Buch von Prof. Bernhard Grzimek, in dem er von seiner Erkundung des Kongo-Urwaldes berichtet. Er stieß im Ende der fünfziger, Anfang der sechziger Jahre unberührten Urwald nicht nur auf ungewöhnliche Tiere wie das Okapi (das bei Allende schon nicht mehr vorkommt), sondern auch auf ein kleinwüchsiges, verborgen lebendes Völkchen: die Pygmäen. Das Wort stammt aus dem Griechischen und bezeichnet zwergwüchsige Menschen. Grzimek verbrachte Wochen bei ihnen und lernte sie als fröhliches Naturvolk kennen, das mit der sie umgebenden und ernährenden Natur in Einklang lebt.
Bei Allende sind die Pygmäen aus diesem Stand der Unschuld herausgefallen. Ein anderes Volk hat sie unterjocht und versklavt, und zwar im Gefolge der abgezogenen weißen Kolonialherren (v. a. Belgier, denen der Kongo „gehörte“). Nun müssen die Jäger ständig eine Unmenge Elefanten erlegen und deren Elfenbein abliefern, damit die Herrscher ihren Profit daraus schlagen können. Andere Pygmäen müssen nach Diamanten schürfen, die ebenfalls außer Landes geschmuggelt werden. Die Frauen werden als Sklavinnen gehalten, und als Geiseln sorgen sie für den gehorsam ihrer Männer, der Jäger und Schürfer. Dies ist das finstere Reich des Königs Kossongo, seines Kommandanten und seines Schamanen. Die christlichen Missionare sind längst tot.
Nun tauchen die Herrschaften aus den Vereinigten Staaten auf, dem Hort der Freiheit, so scheint es. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Sie betrachten es als ihre Pflicht und Schuldigkeit, die unterdrückten Pygmäen zu befreien. Das ist leider nicht so einfach, denn das System der Unterdrückung hat ja jahrelang funktioniert. Aber mithilfe der besonderen Fähigkeiten von „Jaguar“ und „Aguila“ sowie von Oma Kate erreichen sie dieses Ziel doch, wenn auch ein wenig anders als gedacht.
Es gibt etliche Überraschungen hinsichtlich gewisser Identitäten und des Auftauchens gewisser Tierarten. Außerdem kommt das komische Talent von Angie Ninderere voll zur Geltung. Es ist also für Action, Spannung und Humor gesorgt. Da dies ein Jugendbuch ist, dürfen auch die mystischen Elemente auftauchen, ohne peinlich zu wirken. Und das waren sie bei den anderen Allende-Romanen der Trilogie auch nie.
Die Autorin verweist, clever, wie sie nun mal ist, hin und wieder auf die in den anderen Bücher geschilderten Abenteuer. Am Schluss folgt sozusagen ein Resümee der gesamten Trilogie. Schließlich wollen die jungen Hörer bzw. Leser wissen, wie es mit Nadia, Alex und Kate weiterging.
|Der Sprecher|
Andreas Fröhlich verfügt über eine Stimme, die ich schon immer sehr sympathisch fand. Sie ist angenehm anzuhören, manchmal sogar einschmeichelnd, aber dennoch maskulin und tief. Wie ein ausgebildeter Schauspieler beherrscht er zwei schwierige Fertigkeiten: die der richtigen Intonation eines Satzes mit entsprechender Betonung und zweitens die der Pause.
Eine winzige Pause vor einem Wort hebt das nachfolgende Wort hervor und macht es für uns quasi erkennbar. Genauso wie ein Zögern in einem Dialog Aufschluss gibt über den unsicheren – oder überraschten – Gemütszustand seines Sprechers. Also sind Pausen sehr wichtig, aber nur Leute mit entsprechender Ausbildung wissen sie an den richtigen Stellen und mit dem passenden Gewicht (sprich: Länge) einzusetzen, so dass sie gar nicht als Pausen auffallen. Pausen, die auffallen, lassen einen Text schwerfällig und unbeholfen erscheinen.
|Fremde Sprack|
Fröhlich beherrscht, wie zu hören war, die Aussprache der fremdsprachigen Ausdrücke perfekt, gleichgültig, ob es sich um Bantuwörter oder sonstige Bezeichnungen handelt. Mag sein, dass es mir schien, als ob sich die Aussprache von Namen von Mal zu Mal geringfügig änderte. Das macht aber nichts, denn da die afrikanischen Namen so auffällig und selten gebraucht werden, besteht keine Gefahr der Verwechslung. Und Gewissheit verschafft wie stets ein zweites Anhören des Vortrags.
|Musik, Geräusche? Nix da!|
Musik gibt es nur als Jingle am Anfang und Ende des Hörbuchs, ansonsten aber nie, genauso wenig wie Geräusche. Wer so etwas braucht, wende sich an Hörspielproduktionen, die von den Rundfunksendern in großer Zahl als Audiobooks vermarktet werden – bis hin zu [„Otherland“, 603 dem Nonplusultra der Hörspiele.
_Unterm Strich_
Das spannende und actionreiche Hörbuch richtet sich an Jugendliche ab zwölf Jahren, die schon über Zentralfrika ein wenig Bescheid wissen. Diesmal ist es nicht so lang geraten wie die beiden Vorgängerbände „Die Stadt der wilden Götter“ und „Im Reich des goldenen Drachen“ (die Titel erinnern ein wenig an Karl Mays „Reiseerzählungen“, nicht wahr?) – statt acht sind es diesmal „nur“ sechs CDs, deren Spieldauer 411 Minuten beträgt, also beinahe sieben Stunden.
Mir hat die Geschichte ausgezeichnet gefallen. Diesmal hält sich die Autorin nicht so lange mit Landschaftsbeschreibungen und dem Aufbau einer finsteren Intrige auf. Sie geht gleich |in medias res|. Damit es aber nie allzu bedrohlich wird für die jungen Zuhörer/Leser, streut sie immer wieder humorvolle bis komische Episoden ein, so etwa jene mit den betrunkenen Mandrill-Affen oder mit der Pilotin Angie, die demnächst mit König Kossongo vermählt werden soll (na, ob das gut geht?). Die Abwechslung zwischen Action, Humor und Mystik sorgt für ein stimulierendes Erlebnis, ganz gleich, ob als Hörbuch oder als Leselektüre auf einem toten Baum.
Der Sprecher Andreas Fröhlich liest ausgezeichnet, und das ist im Vergleich zu seinem Vorgänger eine wahre Erlösung. Schulze liest zwar kompetent und fast fehlerfrei, aber auch sehr schnell, und das letzte i-Tüpfelchen fehlt eben noch (siehe auch die oben erwähnten Fertigkeiten Fröhlichs). Nun ist in Fröhlichs Lesung auch die Ironie bei einem komischen Ereignis zu hören, und auch die Dramatik kommt nicht zu kurz.
Ich finde daher „Im Bann der Masken“ rundum gelungen. Über den Preis für eine professionelle Hörbuchproduktion lässt sich immer streiten. Ich finde, der Preis für 6 CDs sollte nicht so hoch sein wie der für 8 CDs. Ist doch klar, oder? Die deutsche Buchausgabe erschien 2004 im |Suhrkamp|-Verlag, Frankfurt/M. Zeitgleich erschien im |Hanser|-Verlag eine Jugendausgabe, die im Text identisch ist, aber über ein anderes Titelbild verfügt und sechs Euro günstiger ist.
Die New Yorker Polizei findet die entstellte Leiche eines Mannes und glaubt zunächst an einen Einzelmord. Doch Detective Joe Lucchesi entdeckt in der Vergangenheit ähnliche Fälle. Der Mörder treibt schon lange sein Unwesen. Er tötet brutal und hinterlässt keine Spuren. Seinen Opfern ringt er eine Beichte ab, und per Telefon müssen sie ihren Liebsten die Lügen ihres Lebens gestehen. Dann richtet er sie regelrecht hin. Lucchesi hat keinen Anhaltspunkt auf die Identität des Killers, als er eines Tages einen Brief von diesem erhält …
_Die Autorin_
Alex Barclay wurde 1974 in Dublin geboren und arbeitete als Journalistin für britische Frauenmagazine. Ihren lang gehegten Wunsch, vor dem Erreichen des dreißigsten Lebensjahres einen Thriller zu schreiben, konnte sie mit dem Roman „Schattenturm“ (O-Titel: Darkhouse) verwirklichen. Alex Barclay ist verheiratet und lebt in der Nähe von Dublin.
Auf den Grundfesten eines Jahrtausende alten keltischen Heiligtums erbaut, erhebt sich am Rande der irischen Steilküste das trutzige Gemäuer von Ringwood Manor. Doch weder der neue Herr des düsteren Anwesens, der puritanische Lord Ethan Kilvert, noch seine Familie ahnen im Jahr 1782 etwas vom mörderischen Vermächtnis der heidnischen Druiden und der tödlichen Gefahr Annwyns, die im Höhlenlabyrinth unter der Burg lauert … und sich aus der Anderwelt unbeirrbar ihren Weg in die Welt der Lebenden bahnt. (abgewandelte Verlagsinfo)
_Die Sprecher & Macher_
Für dieses Originalhörspiel scheint es keine literarische Vorlage zu geben, sondern „lediglich“ ein Skript von einem gewissen Ascan von Bargen. Die filmische Musik steuerte Terry Devine-King bei, Regie führte offenbar das gesamte „Maritim-Studio“, das dem Medienvertrieb Carsten Hermann gehört. Die Titelillustration stammt von Timo Würz. Wer der Tonmeister war, wird ebensowenig angegeben wie der Urheber der Geräusche und Effekte.
Der Erzähler, der herzlich wenig zu tun hat, wird von einer der bekanntesten Synchronstimmen Deutschlands gesprochen: von Joachim Kerzel (Jack Nicholson, Dustin Hoffman). Die Sprecherrollen sind im Booklet angegeben. Darunter finden sich bekannte Sprecher wie Jens Wawrczeck, Norbert Langer und Christian Rode (die dt. Stimme von Sean Connery).
_Handlung_
|PROLOG.|
Es ist der 25. September 1782, also noch vor dem Ende des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges. Ein Segelschiff unter dem Kommando von Kapitän Ferrow gerät vor der Steilküste Irlands in einen schweren Sturm. Dennoch will der wichtigste Passagier, ein gewisser Jonathan Meadows, an Land gerudert werden, weil er unbedingt noch in dieser Nacht eine Truhe abliefern soll. Was kann so Wichtiges in dieser Truhe enthalten sein?
Die fünf Seeleute, die ihn an Land bringen, erzählen von dem Labyrinth aus Schmuggler- und Piratenhöhlen, die das Kliff durchziehen, auf dessen Höhe Ringwood Manor wie eine stolze Burg thront. Meadows hat unglaubliches Glück: Sie gelangen wohlbehalten in eine Grotte und mit der Landkarte im Kopf, die ihm Lord Kilvert, der Besitzer der Burg, gezeigt hat, kann Meadows die Männer führen. Da hören sie ein unheimliches Geräusch. Ein Grollen wie von einer großen Bestie …
|Haupthandlung.|
Am nächsten Morgen macht sich Lady Eleanor Kilverts Schwester Cynthia große Sorgen um den Verbleib ihres Verlobten. Dabei handelt es sich um Jonathan Meadows. Am Nachmittag folgt die neurierige Tochter Lady Eleanors, die zehnjährige Julie, ihrem Vater und dessen Haushofmeister auf die Klippen der Steilküste. Sie suchen Spuren von Meadows. Julie stolpert über ein Gerippe in den Felsen und schreit auf. Kilvert und O’Shearer, die herbeieilen, bringen sie weg und identifizieren das abgenagte Skelett anhand von Tätowierungen als dasjenige des armen Meadows.
Als Cynthia trotz aller Warnungen die sterblichen Überreste ihres Verlobten in Augenschein nimmt, schreit sie vor Entsetzen auf. Das entstellte Gesicht ist jedoch nicht das von Meadows, sondern das eines anderen Mannes, den sie kennt. Trotzdem verschweigt sie dessen Identität. Aber von da an geht sie ihrem Schwager, Lord Kilvert, aus dem Weg. Was hat sie zu verbergen?
Lord Kilvert wiederum ist überglücklich. Er hat es geschafft, Meadows Truhe, die für ihn bestimmt war, aus den Höhlen in Sicherheit zu bringen, bevor sein Erzrivale, der irische Lord Denborough, sie in die verbrecherischen Finger bekommt. In der Truhe befinden sich Schmuckstücke wie etwa Siegelringe und Halsketten, aber auch ein Lederhandschuh und vor allem ein Dokument. Kilvert hat Denboroughs Handschrift fälschen lassen und hofft nun, seinen Widersacher endgültig besiegen zu können. Doch eine Geisterstimme warnt ihn. Das wertvolle Dokument entzündet sich von selbst und verbrennt zu Asche.
Der 30. September bringt nichts Gutes. Denborough und Kilvert fahren sich vor der Kirche von Evanbaille fast an die Kehle: Engländer und Ire hassen sich bis aufs Blut. Nur die kleine Julie bemerkt den unbekannten Fremden, der dem Streit scheinbar unbeteiligt zuschaut.
In der Nacht dringen zwei von Denborough geschickte Einbrecher in Ringwood Manor ein, um Julie zu entführen. Sie ahnen nicht, dass in der Burg ein Dimensionstor existiert, dass die Welt der Lebenden mit der Anderwelt der Geister und Feen verbindet. Und es hat sich geöffnet. Eine Geisterstimme warnt Lord Kilvert: „Die Tore von Annwyn sind nicht länger verschlossen.“
Die zwei Einbrecher hören ein unheimliches Geräusch. Ein Grollen wie von einer großen Bestie …
_Mein Eindruck_
Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Die vorliegende Hörspiel-Produktion gehört leider nicht zum Gold. Dies ist pure Horror-Mystery-Exploitation, die sich in den allzu großen Fußstapfen von Hohlbeins Hexer-Romanen und H. P. Lovecraft abmüht, ein Mischmasch aus keltischer und walisischer Mythologie dazu zu verwenden, um eine Horrorstory zu kolportieren, die auch zu Ende des 19. Jahrhunderts in einer der fantasievolleren Gazetten des British Empire hätte stehen können. Das Einzige, was das Hörspiel jenen Erzählungen voraus hat, sind die Spezialeffekte.
|Duell as Duell can|
Bemüht sich der Autor zu Anfang noch um etwas Atmosphäre und Psychologie, so werden solche Nebensächlichkeiten spätestens nach der ersten Hälfte über Bord geworfen, um dem eigentlichen Zweck der Geschichte Platz zu machen: ein sinnlos erscheinendes Hin und Her zwischen den beiden Erzrivalen Kilvert und Denborough, das in ein wildes Duellieren ausartet. Da die große Bestie im Hintergrund lauert, kann sich der Zuhörer an drei Fingern ausrechnen, wen sie wohl zum Frühstück verspeisen wird – den Schurken natürlich.
Ist das nun Kilvert oder Denborough? Die Antwort auf diese Frage ist zu Anfang keineswegs eindeutig zu geben, was eine gewisse Spannung erzeugt, denn Kilvert erscheint im Zwielicht, hat er doch quasi Meadows auf dem Gewissen. Aber nach zwei weiteren Hintergrundgeschichten ist der Fall klar: Schuldig im Sinne der Anklage ist – aber nein, ich werde hier nichts voreilig ausplaudern.
|Mischmasch|
Alles, was in der Horrofantasy gut (oder zumindest effektvoll) und teuer (zumindest in digitaler Form) ist, wurde vom Autor hineingepackt. So beispielsweise Hexen, die unschuldig verbrannt werden und den Übeltäter verfluchen. Deren Tochter versucht dann den Fluch in die Tat umzusetzen – am Richtigen? Wird sie geschändet oder nicht – nun, so deutlich will der Autor nun doch nicht werden und überlässt den Rest der Vorstellungskraft des Hörers.
Leider ist es angesichts des geballten Ansturms von völlig verschiedenartigen Elementen aus Mythologie und Mystik, Horror und Historie völlig unmöglich, den Überblick zu behalten. Es empfiehlt sich dringend, das Hörspiel mehrmals zu hören, um die actionreichen Plotte auf die Reihe zu bekommen. Ob es sich lohnt, steht auf einem anderen Blatt.
|Fortsetzung folgt|
Denn selbstverständlich wird solch reichhaltiger Stoff fortgesetzt. „Tore zur Anderwelt“ ist nur der Auftakt zu einer ganzen Seifenoper von Horror-Mystik. Die arme Julie: Ihr Körper mag verschwunden sein, doch ihr Geist muss – den Launen des Drehbuchautors schutzlos preisgegeben – ruhelos zwischen der Anderwelt und jener der Lebenden wandeln.
|Die Sprecher & Macher|
Weder über die Macher verrät das magere Booklet Näheres, noch über die beachtliche Riege der Sprecher und Sprecherinnen. Als Regie firmiert das „Maritim-Studio“, und das ist lediglich eine Maske, hinter der sich sonstwer verbergen könnte. Diese Informationspolitik flößt mir keinerlei Vertrauen ein. Haben die Macher ein düsteres Geheimnis zu verbergen, das für einen Exorzismus in Frage käme?
Wie bereits gesagt, hat der Star der Produktion, Joachim Kerzel, ziemlich wenig zu tun. Im Verlaufe der Handlung ergibt sich eine Szene aus der vorhergehenden, und so ist immer weniger Hintergrund nachzuliefern. Das macht den Erzähler leider nur scheinbar überflüssig. Vielmehr hatte ich den bestimmten Eindruck, dass aus Platzgründen zunehmend die Erklärungen herausgeschnitten wurden. Als Folge davon geht zunehmend der Zusammenhang verloren und die Szenen ergeben sich beliebig auseinander. Ob Lady Eleanor oder ihre Tochter nun draufgehen – wen kümmert’s? Und vor allem: Wer kapiert’s? Mag ja sein, dass Julie in der Fortsetzung wieder auftaucht, doch wie kam sie überhaupt in das Zwischenreich?
Das ist aber noch nicht das Schlimmste. Wie in einer beliebigen Schmierenkomödie beginnen die beiden Hauptfiguren Kilvert und Denborough nämlich aufs Übelste zu chargieren. Besonders der Sprecher des Denborough – laut Booklet also ein gewisser Reent Reins – trägt reichlich dick auf, wenn es um den Ausdruck von Hass und Bosheit geht. Schon bald sehnt sich der Zuhörer danach, diesen Schurken (oder seinen Sprecher?) eliminiert zu sehen, auf welche Weise auch immer. Hieße ich Hannibal Lecter, Doktor der Psychologie, hätte ich da schon eine Idee …
|Musik & Geräusche|
Die Musik von Terry Devine-King genügt filmischen Ansprüchen, allerdings wiederholt sie ihre Standardmotive allzu häufig. Da lobe ich mir schon die Geräuschkulisse: Vom Sturm über Bestien bis zu Flammen und Explosionen – der Tonmeister bietet alles auf, was das Arsenal an Soundsamples hergibt, um seiner horrormäßigen Mystikshow das nötige Flair zu verleihen. Eigentlich fehlt nur noch eine saftige Romanze, um den Rest an gefühlvollen Szenen, Musikmotiven und Toneffekten aus dem Arsenal zu kitzeln. Aber das kommt bestimmt noch. Eine Seifenoper wie diese braucht das einfach.
_Unterm Strich_
Was man mit einem niedrigen Budget, einem halbgaren Drehbuch, einer Riege von Sprechern und einigen Gigabyte an Soundsamples heute doch alles erreichen kann! Der Zuhörer fühlt sich prächtig von der horrormäßigen Seifenoper mit dem Mystik-Touch unterhalten. Doch der Kenner wird bemerken, dass so manche Figur im Nirgendwo verschwindet, und sich die Action als Selbstzweck entpuppt. Und Totgeglaubte leben natürlich auch länger, als man gedacht hat.
Aufgrund der allenthalben inszenierten Gewalt empfiehlt der Verlag sein Produkt erst Jugendlichen ab 16 Jahren. Dem kann ich nur beipflichten. Aber echte Horrorfreunde wird dies keinesfalls abschrecken. Und wer mit der walisischen Mythologie vertraut ist, den zieht das Wort „Annwyn“, ursprünglich der Name für den Herrscher über das Totenreich bzw. die Geisterwelt, natürlich wie magisch an. Allerdings lautet der Name im Walisischen korrekt „Annwn“, wobei das W wie ein U ausgesprochen wird. Macht nix: Im Hörspiel ist trotzdem von „Ännwin“ die Rede. Hauptsache, die Figuren glauben wenigstens daran.
H. P. Lovecrafts bizarre und hintergründige Geschichten „Der Hund“ und „Das Fest“ führen an sehr unterschiedliche Orte im Kosmos des Grauens und tauchen dabei hinab in die Abgründe der Angst. (aus dem Klappentext)
Das Hörbuch bietet eine deutsch-englische Lesung mit Musik vom „Orchester der Schatten“, die eigens hierfür eingespielt wurde.
Der Autor
Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) wird allgemein als Vater der modernen Horrorliteratur angesehen. Obwohl er nur etwa 55 Erzählungen schrieb, hat sein zentraler Mythos um die Großen Alten, eine außerirdische Rasse bösartiger Götter, weltweit viele Nachahmer und Fans gefunden, und zwar nicht nur auf Lovecrafts testamentarisch verfügten Wunsch hin.
Aber wie in den Zusatztexten zu „Innsmouth“ zu erfahren war, reicht Lovecrafts Grauen weit über die landläufige Vorstellung von Hölle hinaus: Das Universum selbst ist eine Hölle, die den Menschen, dessen Gott schon lange tot ist, zu verschlingen droht. Auch keine Liebe rettet ihn, denn Frauen kommen in Lovecrafts Geschichten praktisch nur in ihrer biologischen Funktion vor, nicht aber als liebespendende Wesen oder gar als Akteure. Daher ist der (männliche) Mensch völlig schutzlos dem Hass der Großen Alten ausgeliefert, die ihre Welt, die sie einst besaßen, wiederhaben wollen. Das versteht Lovecraft unter „kosmischem Grauen“. Die Welt ist kein gemütlicher Ort – und Einsteins Relativitätstheorie hat sie mit in diesen Zustand versetzt: Newtons Gott ist tot, die Evolution eine blinde Macht, und Erde und Sonne nur Staubkörnchen in einem schwarzen Ozean aus Unendlichkeit.
Simon Jäger, geboren 1972 in Berlin. Seit 1982 arbeitet er als Synchronsprecher bei Film und TV. Er lieh u. a. Josh Hartnett, James Duvall, Balthazar Getty und River Phoenix seine Stimme, aber auch „Grisu der kleinen Drache“, und war auch in TV-Serien wie „Waltons“ oder „Emergency Room“ zu hören. Seit 1998 arbeitet er zudem als Autor und Dialogregisseur. (Homepage-Info)
Simon Newby, geboren 1961 in Long Eaton, England, studierte an der Guildhall School of Music & Drama (Bachelor-Abschluss in Dramatic Arts). Seit 1990 erledigte er zahlreiche Regiearbeiten an verschiedenen Bühnen Berlins, war als Voice-over- und Synchronsprecher sowie als Dialog-Coach tätig, seine Hobbys sind Trompetespielen und Tauchen. Zu seinen Sprachkenntnissen zählt er: „Englisch (Britisch und Amerikanisch), Deutsch (perfekt)“.
Die Musik: Das „Orchester der Schatten“
„Das Orchester der Schatten präsentiert klassische Geschichten von Kultautoren wie H. P. Lovecraft und E. A. Poe, die mit ihren bizarren Welten des Grauens schon Generationen von Lesern begeistert haben. Ohne vordergründige Effekte wird von Mythen, fremden Mächten oder einfach von dem Horror erzählt, der sich in der menschlichen Seele verbirgt. Begleitet werden die Erzählungen vom Orchester der Schatten, dessen Live-„Filmmusik“ komponierte Scores, Klangeffekte und improvisierte Elemente vereint.“ (Homepage-Info)
Matthias Manzke:
* 4.10.1971; Jazzstudium an der HdK Berlin sowie an der New School New York; Unterricht u. a. bei David Friedman, Peter Weniger, Richie Beirach, und Jane-Ira Bloom; Rumänien-Tournee 1997; Teilnahme am Jazzfestival Hradec Kralove, Engagements bei Theater- und Filmproduktionen; CD-Aufnahmen mit der Berliner Big Band JayJayBeCe (BIT-Verlag 1997), mit dem Sänger Robert Metcalf (Dt. Grammophon 1998) sowie mit dem FRAW FRAW Saxophon4tett (2002); zzt. regelmäßige Konzerttäigkeit mit dem FRAW FRAW Saxophonquartett in ganz Deutschland und mit Projekten im Berliner Planetarium am Insulaner
Stephan Wolff:
1956 in Berlin geboren; Jurastudium; Dirigierstudium, Kompositions-Unterricht bei N. Badinski; tätig als Komponist, Dirigent, Keyboarder; seit 1994 Lehrtätigkeit an der Leo-Borchard-Musikschule; stilübergreifende Kompositionen zwischen Klassik, Jazz und Pop. Produktion und Mitgestaltung diverser Live-Elektronik-Projekte, u. a. „Dialogues“ (1998), „Losing One’s Head“ (1999), Filmmusiken, Bühnenmusiken, Traumspiel-Oper „Abaddon“ (1998/2001); Zahlreiche Songs und Lieder, auch für Kinder, z. B. „Erdenklang & Sternenbilder“ (1996), „Songs aus dem All“ (2000/2001), „Cool & Cosi“ (2000)
Sven Hinse:
* 1974, Absolvent der UdK Berlin und des „Kontaktstudiengangs Popmusik“ an der Hamburger Musikhochschule, CD-Produktionen u. a. mit dem Berliner LandesJugendJazzOrchester (1998) und mit der Band „tritorn“ (2002), Konzertreisen u. a. nach Südamerika, Rumänien, Spanien
Merle Ehlers:
geb. 1974 in Hamburg, lebt in Berlin. Schlagzeugstudium an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin. Langjährige Bühnenerfahrung mit dem zeitgenössischen Tanzensemble „Contact 17“. Spielt Kompositionen für Gitarre und Schlagzeug im Duo „rant“ mit dem Gitarristen Torsten Papenheim, improvisierte Musik im Trio „Tunar“ mit Sabine Vogel (Flöten und electronics) und Dave Bennett (Gitarre) sowie dem Trio „Nom“ mit Dave Bennett und Antoine Chessex (Saxophone). Seit Sommer 2004 existiert das Trio „Tranceducer“ mit Tony Buck (hier:Gitarre, Voc) und Derek Shirley (Bass) für Songs von Tony Buck. Zusammenarbeit mit dem Performer Sten Rudstrøm. Mitinhaberin des Plattenlabels „schraum“ für gegenwärtige Musik.
Der Berichterstatter hält während der Niederschrift der zurückliegenden Ereignisse bereits den Revolver bereit, um sich nach Abschluss dieser Aufgabe eine Kugel durch den verzweifelten Schädel jagen zu können. Denn die zurückliegenden Ereignisse lassen ihm keine andere Wahl …
Es muss sein Kumpel Saint John gewesen sein, der damit angefangen hat; ganz bestimmt. Zunächst waren sie nur vom Dasein gelangweilt, dann reichten ihnen auch der Nervenkitzel durch die verstiegenen Erzählungen und Gedichte der Dekadenten Baudelaire, Huysmans und wie sie alle heißen nicht mehr. Es war ganz bestimmt St. John, der auf die Idee mit der Grabräuberei verfiel, oder?
Sie richteten ein gut verstecktes Museum bei sich ein, in dem sie die Statuen von Dämonen, antike Mumien, Grabsteine und Schrumpfköpfe sammelten, natürlich auch Schmuckstücke aller Art. Es gab eine Mappe aus Menschenhaut, Musikinstrumente, die seltsame Disharmonien erzeugten. Die Raubzüge, die sich über die ganze Welt erstreckten, waren von der Umgebung, der Stimmung und der Jahreszeit bestimmt: Ein zugefrorenes Grab aufhacken zu müssen, ist sicherlich kein Vergnügen. Schließlich hörten sie von dem wertvollen Amulett im Grab eines 500 Jahre zuvor begrabenen holländischen Kapitäns. Das war der Anfang vom Ende.
Die holländischen Bauern erzählten ihnen, der Seemann sei seinerzeit von einer Bestie zerfleischt worden und seine Leiche verfluche jeden, der ihre letzte Ruhestätte berauben wolle. Sie hätten darauf hören sollen. Den Sarg zu öffnen, war erstaunlich leicht, doch dann grinste sie ein gut erhaltenes Gerippe an. Das Amulett auf seiner Brust ist aus grüner Jade und in Form eines Hundes oder einer Sphinx geformt, die Augen scheinen voll Bosheit zu funkeln. Die beigelegte Inschrift können sie leider nicht entziffern, doch offensichtlich sind sie auf einen Schatz gestoßen, der nur im verbotenen Buch „Necronomicon“ als Talisman eines Körperfresserkultes aus Zentralasien erwähnt wird.
Als sie sich gegenseitig auf die Schulter klopften, begann das Grauen. Fledermausschwärme stiegen auf, und ein großer Hund begann in der Ferne zu heulen …
Die drei Gedichte (ca. 7:40 Min.)
Lovecrafts Gedichte werden von Simon Newby vorgetragen. Die drei englischsprachigen Texte sind im Booklet abgedruckt (allerdings mit einem Druckfehler, auf den ich später zu sprechen komme.) Eine Übersetzung fehlt.
|The Cats|
In der erfundenen Albtraumstadt Arkham streunen nur die Katzen durch die nächtlichen Gassen. Alles ist öde und verlassen, von Verfall erfüllt, ein Inbild des Untergangs. Nichts geschieht außer dem unheilvollen „Heulen“ und „Schreien“ der geisterhaften Katzen.
|The Wood|
Der uralte majestätische Wald, der hier einst stand, hat dem Wald der hochragenden Wolkenkratzer weichen müssen; nur wenige Jahrhunderte waren dazu nötig. Doch der alte Wald war keineswegs unbewohnt. Die Bewohner der Marmortürme feierten bis zu jenem Tag, als ein unvorsichtiger Troubadour mit fluchwürdigen Worten einen alten Schrecken aus den Tiefen weckte. Nun steht hier, wo sich die Stadt einst befand, wieder ein urtümlicher Wald. Doch die Morgensonne weigert sich, dort zu scheinen.
|Festival|
Die Toten feiern das Julfest zur Wintersonnenwende an einem Altar, der inmitten von Druidengräbern in einem Eichenwald liegt. Und der Hörer mag ein Abt oder Priest sein, der sich dem Satan geweiht hat und dem Altar das „Zeichen des Tiers“ zeigt, von dem der Evangelist berichtet.
Handlung von „Das Fest“ (Länge: 44:44 Min.)
Unser Chronist ist ein junger Mann, der zur Stadt seiner Väter am Ostmeer (= Providence an der US-Ostküste) gereist ist, von der er nur aus seinen Träumen weiß, aber wohin man ihn gerufen hat. Es ist die Zeit des Julfestes, das unter Christenmenschen als „Weihnachten“ bekannt ist. Nur ist unser Berichterstatter alles andere als ein Christenmensch. Das Land wurde vor 300 Jahren besiedelt, doch sein Volk ist weit älter und kam aus dem Meer, weshalb es noch die alten Riten ehrt.
Er trifft in Kingsport ein, der uralten, verwinkelten Stadt unter dem kirchengekrönten Berggipfel, wo der Friedhof noch viele alte Grabsteine beherbergt, darunter auch die von vier Verwandten, die im Jahr 1692 wegen Hexerei hingerichtet wurden. Er findet das Haus an der Green Lane, das noch vor dem Jahr 1650 erbaut worden ist.
Auf sein Klopfen öffnet ein alter Mann, doch weil der stumm ist, schreibt er dem Besucher seinen Willkommensgruß auf ein Stück Papier. Sein Gesicht ist so wächsern bleich, dass es aussieht, als trage er eine Maske. Zwischen Möbeln aus dem 17. Jahrhundert sitzt eine Alte an einem Spinnrad, die ihm zunickt. Nach der Lektüre bekannter Bücher wie dem verbotenen „Necronomicon“ schließt sich der junge Mann seinen Gastgebern an. In Kapuzenmäntel gehüllt, machen sich die drei auf den Weg, um am Julfest teilzunehmen. Er wundert sich, dass er und seine Begleiter im Schnee keine Fußabdrücke hinterlassen …
((Weiterlesen auf eigene Gefahr!))
Auf dem Friedhof brennen Totenlichter, und sie betreten zusammen mit anderen Bewohnern der Stadt ein Kellergewölbe oder eine Krypta, in der eine Wendeltreppe weit hinab in die Tiefe des gewachsenen Felsens führt, durch die stinkenden Katakomben, bis zu einer ausgedehnten Höhle. Hier fließt träge ein Fluss, dessen ölig schwarzes Wasser im Schein einer grünlich leuchtenden Flammensäule glitzert. Neben Giftpilzen werden Pflanzenopfer dargebracht: Das Fest hat begonnen. Da kommen geflügelte Wesen an, die die Gläubigen besteigen, um in weitere Tiefen der Unterwelt zu fliegen, wer weiß, zu welchem Ziel.
Doch unser junger Mann ist mittlerweile derart von Grauen erfüllt, dass er sich weigert, den letzten geflügelten Vorboten des wahren Gottes zu besteigen. Zum Beweis dessen, dass er ein Teil dieser Bevölkerung ist und mitkommen muss, zeigt ihm der stumme Alte, offenbar ein Anführer, zuerst einen Siegelring und eine alte Taschenuhr – sie stammen aus dem Jahr 1698 – dann entfernt er seine Maske. Entsetzen packt den Erzähler, und er wirft sich in den Styx. Nur um im Krankenhaus von Kingsport zu erwachen, wo eine unangenehme Überraschung ihn erwartet …
Mein Eindruck
In diesen beiden frühen Geschichten befolgt Lovecraft konsequent die Forderung des von ihm glühend verehrten Edgar Allan Poes, wonach eine „short story“ in allen ihren Teilen auf die Erzielung eines einzigen Effektes ausgerichtet („unity of effect“) sein solle, egal ob es sich um die Beschreibung eines Schauplatzes, von Figuren oder um die Schilderung der Aktionen handele, die den Höhepunkt ausmachen (können).
Um die Glaubwürdigkeit des berichteten Geschehens und der Berichterstatter zu erhöhen, flicht Lovecraft zahlreiche – teilweise verbürgte, meist aber gut erfundene – Quellen ein, die beim weniger gebildeten Leser den Unglauben aufheben sollen. Erst dann ist die Erzielung kosmischen Grauens möglich, das sich Lovecraft wünschte. In den meisten Erzählungen gelingt ihm dies, und daher rührt auch seine anhaltende Wirkung auf die Schriftsteller weltweit. Erfolgreiche Serien wie Brian Lumleys „Necroscope“ oder Hohlbeins [„Hexer von Salem“ 249 wären ohne Poe und Lovecraft wohl nie entstanden.
Das heißt aber nicht, dass Lovecraft keine negativen Aspekte eingebracht hätte. Als gesellschaftlicher Außenseiter, der nur intensiv mit einer Clique Gleichgesinnter kommunizierte (er schrieb Briefe wie andere Leute E-Mails), ist ihm alles Fremde suspekt und verursacht ihm Angst: „Xenophobie“ nennt man dieses Phänomen. Darüber hinaus hegte er zunächst rassistische und antisemitische Vorurteile (wie leider viele seiner Zeitgenossen), so dass er von kultureller Dekadenz und genetischer Degeneration schrieb.
Degenerierte Antihelden
Degeneration ist das Hauptthema in „Die Ratten im Gemäuer“, eine Story, die 1924 im gleichen Jahr wie „Der Hund“ entstand und nur ein Jahr vor „Das Fest“. In „Der Hund“ sind die beiden frevlerischen Grabräuber moralisch so weit herabgesunken, dass ihre Sünden einen rächenden Fluch heraufbeschwören, der für ihre Bestrafung sorgt. In „Das Fest“ gehört der junge Chronist, ohne es zunächst zu ahnen, einem uralten Geschlecht von Humanoiden an, das seit alters her einem unheiligen Gott opfert, der vermutlich mit Cthulhu gleichzusetzen ist. Denn an einer Stelle heißt es, dass dieses Volk aus dem Meer kam, genau wie die sinistren Bewohner des unseligen Innsmouth. Und in Lovecrafts Meer herrscht immer nur „der träumende Cthulhu“ in der Unterwasserstadt R’lyeh.
Während die erste Story ebenso gut von Wolfgang Hohlbein (vgl. dazu seinen Roman [„Anubis“) 1356 stammen könnte und mit ihrer Grusel-Action jedem modernen Leser gefallen dürfte, ist „Das Fest“ doch ein ganz anderes Kaliber. Sie ist auf sehr spezifische Weise Teil des Lovecraft-Mythos, wonach in der Gegend von Providence und dem nahe gelegenen Salem im 17. Jahrhundert – historisch belegte – Hexenprozesse stattgefunden haben. Dabei habe es sich um echte Hexer und echte Hexen gehandelt, die und deren Verwandte jedoch überlebt haben. Und wenn nicht in Fleisch und Blut, so doch als Gespenst: als untote Erinnerung.
Unheilige Riten
Diese Geister, behaupten diese und andere Storys, versammeln sich zum Julfest, um unheilige Riten in den Tiefen der Hügel Neuenglands etc. zu feiern. Neuengland ist bei HPL der Hort von Dimensionstoren, aus denen die Großen Alten, die einst von Göttern vertrieben wurden, wieder in unsere Welt einbrechen, manchmal um unheiligen Nachwuchs zu zeugen („Das Grauen von Dunwich“), manchmal um Menschen zu ihren Jüngern zu machen („Der Fall Charles Dexter Ward“). Dass die alten Salem-Hexer („Das Ding auf der Schwelle“) ihnen helfen, dürfte klar sein. Und dass Cthulhus Nachkommen hier ihre Feste feiern, ebenfalls.
Das alles kann aber nicht verhindern, dass dieser Story irgendwie die Pointe abhanden kommt. Denn was ganz am Schluss folgt, ist viel zu schwach in der Wirkung, um aus der Story viel mehr als eine stimmungsvolle Studie in Horrorphantasien zu schmieden.
Die Gedichte
Auch den Gedichten mangelt es eklatant an Handlung. Dies sind allerdings keine Balladen von Goethe („Erlkönig“ lässt sich auch als Grusel interpretieren) oder Schiller (der hatte mit „Der Geisterseher“ richtig guten Grusel-Trash geschrieben), sondern eine Art pseudoviktorianische Dekadenzlyrik, wie man sie vielleicht von einem Epigonen Baudelaires erwarten könnte. Baudelaire schrieb richtig gute Vampirstorys in seinen Gedichten, die in „Die Blumen des Bösen“ veröffentlicht wurden (ab 1861 in mehreren, teils verbotenen und zensierten Ausgaben).
HPL zieht die gleichen Sujets heran, doch hat er es nicht so mit Vampiren (in keiner einzigen Story), sondern mit uralten Flüchen („The Wood“), mit pittoreskem Verfall („The Cats“) und den degenerierten Anhängern verbotener Riten („Festival“). Alle drei Themen gehören zu HPLs Standardrepertoire und bieten dem Kenner nichts Neues. Neu ist jedoch die Tatsache, dass sie erstmals in der Originalsprache auf einem deutschen Medium präsentiert werden, noch dazu von jemandem, der der englischen Sprache mächtig ist.
Leider weist der abgedruckte Text von „Festival“ einen bedauerlichen Druckfehler auf. In der ersten Zeile der vierten und letzten Strophe sollte es statt „myst“, welches kein englisches Wort ist (höchstens der Name eines Computer-Spiels), korrekt „mayst“ heißen. Diese archaische Form könnte direkt aus der King-James-Bibel von anno 1621 stammen und lautet übersetzt „mögest du“. Dazu passt auch das folgende „thou“, das alte englische Wort für „du“. „Mayst“ wird natürlich im Vortrag korrekt ausgesprochen.
Die Sprecher / Die Inszenierung
Simon Jäger, die deutsche Stimme von Heath Ledger und Josh Hartnett, ist ein sehr fähiger Sprecher für diese gruseligen Texte. In der actionbetonten Story „Der Hund“ hat mir sein Vortrag besser gefallen als in „Das Fest“, aber das liegt vor allem an der grundverschiedenen Machart der beiden Erzählungen. In „Das Fest“ muss die Musik einen ungleich größeren Beitrag zur gewünschten Wirkung leisten, was dazu führt, dass Jägers Vortrag ständig von Musik unterbrochen wird.
Auch Simon Newby, der in viel größerem Maße als Jäger als Schauspieler tätig gewesen ist, verfügt über eine ausdrucksstarke Stimme, die es ihm erlaubt, auch so schwierige Texte wie die auf alt getrimmten Gedichte HPLs vorzutragen. Über die korrekte Aussprache solcher exotischen Ausdrücke wie „fungi“ (= Pilze) und „foetor“ (eine Übersetzung dafür konnte ich in meinen Wörterbüchern nicht finden, aber es klingt nicht nach etwas Gesundem [Anm. d. Ed.: vermutlich „fetor“ = Gestank]) lässt sich wohl streiten.
Schwächen
Die Freude über die Premiere der Gedichtvorträge wird dadurch getrübt, dass der Englischkenner statt des erwarteten britischen Akzents, der der britischen Schreibweise der Texte („colour“ und „splendour“ statt des amerikanischen „color“ und „splendor“) angemessen wäre, einen Akzent zu hören bekommt, der mit dem amerikanischen R viel mehr gemeinsam hat als das Britische. Stellt man sich vor, ein BBC-Schauspieler wie, sagen wir mal, Ian Holm würde die Gedichte vorgetragen, so erhielten sie eine ganz andere Versmelodie, die einem kalte Schauer den Rücken hinunterjagen würde. Statt der vorhandenen, gewollt düsteren Wirkung bekäme ich einen nobel erhabenen Vortrag. So jedoch ließen mich die Gedichte unberührt.
Die Forderung nach einem britischen Akzent ist nicht abwegig, denn HPL war erstens ein äußerst gebildeter Bewohner Neuenglands (wo man eher die britische Aussprache pflegte), kein Hinterwäldler aus Texas, und zweitens ein Verehrer von anderen Horrorschriftstellern wie etwa Poe, der ebenfalls sehr klang-abhängige Gedichte („quoth the raven ›Nevermore‹“) verfasste, die für den Vortrag in einer Teegesellschaft bestimmt waren, nicht fürs Lesen. (Horror, richtig vorgetragen, packt das Gemüt des Zuhörers an Stellen, von denen dieser nicht einmal deren Existenz ahnte, und zerrt ihn dann unbarmherzig über die Kante des Abgrunds.)
Dass diese These hinsichtlich der Akustik zutrifft, belegt schon ein kurzer Blick auf das Klangschema der Verse von „The Cats“: Da wimmelt es nicht nur von streng ausgeführten Kreuzreimen, sondern auch von Alliterationen wie „Babels of blocks“ und „High heavens“. Verse wie „Colour and splendour, disease and decaying“ erwachen erst im angemessenen Vortrag zu Leben, um ihre gruselige Wirkung zu entfalten. Der Knackpunkt ist lediglich der „angemessene Vortrag“. An diesem hapert es. Eine Sache der Einstellung zum Text.
Die Musik
Da es keinerlei Geräuschkulisse außer ein paar Spezialeffekten (Hundegeheul etc.) gibt, beruht die emotionale Wirkung der Akustik einzig und allein auf dem Vortrag des Sprechers und auf der Musik. Die Musik stellt so etwas wie ein experimentelles Novum dar (wie so einiges auf dem Hörbuch). Sie wurde nicht von einem einzelnen Komponisten zwecks Aufführung durch ein Orchester geliefert, sondern wird von einem Musikerkollektiv erstellt und zugleich aufgeführt: dem „Orchester der Schatten“.
Wie uns ein Blick auf die Biografien von Stephan Wolff und Matthias Manzke informiert, so sind beide Komponisten, Wolff noch viel mehr als Manzke. Der Musikdozent Wolff bewegt sich als Komponist in Jazz und Pop ebenso gewandt wie in Klassik oder Filmmusik. Ja, selbst für Kinder hat er Songs und Lieder komponiert. Er spielt Keyboards. Manzke trat in Jazzensembles und Bigbands auf, dirigiert und komponiert; auf dem Foto hält er ein Saxophon, das auf der CD ebenso erklingt wie seine Flöte. Neben diesen beiden Herrschaften gehören zum „Orchester der Schatten“ noch Lady Merle Ehlers (drums, perc), Sven Hinse (bass) und Bernhard Suhm (cello).
Über den Einsatz von jazzbasierten Instrumenten und Musikmotiven in einer Gruselproduktion ließe sich trefflich streiten. Das Booklet behauptet, es handle sich um ein „Stummfilmorchester“. Ich für meinen Teil konnte mich nach einer Weile daran gewöhnen, besonders an die einfühlsam eingesetzte Percussion und an das in unheimlichen Kadenzen schwelgende Piano.
Soundqualität (DDD)
Da alle Produktionsstufen auf digitaler Technik basieren, ist der Qualitätsverlust beim Aufnehmen und Übertragen sowie bei der Wiedergabe absolut minimal. Der Zuhörer bekommt folglich optimale Qualität zu hören, sofern er über das angemessene Equipment verfügt. Einem Computerlautsprecher aus China würde ich die CD nicht unbedingt überantworten, eher schon meiner HiFi-Anlage oder auch meinem DVD-Spieler.
Unterm Strich
„Der Ruf des Dämon“ bietet dem Liebhaber gepflegten Grusels aus dem Hause Lovecraft eine interessante Mischung aus total Traditionellem – die Storys und Gedichte – und innovativ Neuem: die akustische Untermalung durch das „Orchester der Schatten“. Nicht jedem wird dieser zweite Aspekt schmecken, muss man doch erst einmal eingefahrene Hörgewohnheiten ablegen oder umstellen, um sich für das Neue zu öffnen.
Abgesehen von einigen kritischen Punkten hinsichtlich der Gedichte halte ich das Hörbuch für eine herausragende Produktion. Das Textmaterial ist ebenso anregend wie die kreativ gestaltete Musik, und das achtseitige Booklet wartet mit umfangreichen, ausreichenden Informationen zu Autor, Orchester, den Machern und mit den Gedichttexten (inkl. Druckfehler) auf. Mehr kann man zu diesem Preis kaum verlangen. Für Lovecraft-Puristen dürfte das ganze Ding der Horror sein.
89 Minuten auf 2 CDs
ins Deutsche übertragen von Susanne Althoetmar-Smarczyk
ISBN-13: 978-3821853918
Der Autor vergibt: (4.0/5) Ihr vergebt: (No Ratings Yet)
Dag Lundmark war Leiter einer rasch und effektiv durchgeführten Razzia. Der illegale Einwanderer Winston Modisane musste dabei sterben – aber war der Tod des Südafrikaners wirklich unvermeidlich? Paul Hjelm und Kerstin Holm ermitteln in einem Fall, der mehr mit ihnen selbst zu tun hat, als sie wahrhaben wollen.
_Der Autor_
Arne Dahl ist das Pseudonym des schwedischen Krimiautors Jan Arnald, der für jene schwedische Akademie arbeitet, die alljährlich die Nobelpreise vergibt. Seine Romane um Inspektor Paul Hjelm werden laut Verlag von Publikum und Kritik begeistert aufgenommen.
Till Hagen ist die deutsche Stimmbandvertretung für Filmstars wie Kevin Spacey und Billy Bob Thornton.
Der Text wurde von Hannelene Limpach gekürzt. Die Aufnahmeleitung hatte Markus Hoffmann, die Technik von Lambda Audiovision in Berlin dirigierte Andreas Fuhrmann.
_Handlung_
|Der Fall A|
Dies ist die Ausgangsszene. Eines Morgens dringen schwer bewaffnete schwedische Polizisten in die Wohngemeinschaft von fünf schwarzen Asylbewerbern, die abgeschoben werden sollen, ein. Sie können vier der fünf sofort am Boden festnageln, doch der fünfte Asylbewerber, Winston Modisane aus Südafrika, wird von Polizist Dag Lundmark – seine Kollegen nennen ihn Dagge – ins Schlafzimmer gedrängt, wo das Fenster immer offensteht. Kaum dreht sich Dagge um, ergreift Modisane die günstige Gelegenheit und steigt aus dem Fenster zur Brandleiter. Er erklimmt sie und steigt aufs Dach, um von dort den üblichen Fluchtweg ins Dachgeschoss zu nehmen. Doch heute ist die Tür seltsamerweise versperrt. Er gibt keinen Ausweg. Modisane dreht sich um und hält eine Computerdiskette hoch. Dann wird der unbewaffnete Mann mit einem einzigen Schuss hingerichtet.
Diese Aktion hat nicht nur ein Nachspiel, sondern eine ganze Menge. Paul Hjelm und Kerstin Holm sind Kriminalpolizisten in Stockholm. Als Angehörige der A-Gruppe zur Ermittlung in Verbrechen mit internationalem Charakter schalten sie sich ein. Und im Fall des erschossenen Asylbewerbers haben sie sich natürlich einzuschalten. Ihr Chef ist Jan-Olof Hultin, der sich wie ein Oberlehrer aufführt. Als er sie zu sich zitiert, steht bei ihm der Chef der Inneren Abteilung, Niklas Grundström. Die Dienstaufsicht? Haben sie etwas ausgefressen, fragen sich Hjelm und Holm, die früher mal ein intimes Verhältnis hatten.
Grundström sucht Nachwuchskommissare. Er will, dass sich Hjelm und Holm bewerben. Sie können sich bewähren, am besten sofort, indem sie den Fall Modisane übernehmen. Als Holm jedoch den Namen des Schützen hört, erstarrt sie: Dag Lundmark war bis vor sieben Jahren – von 1992 bis 1994 – ihr fester Freund. Doch sie trennte sich von ihm, woraufhin er dem Alkohol verfiel. Er musste eine Entziehungskur machen, aus der erst vor zwei Monaten entlassen wurde. Die Polizei in einem Stadtteil nahm ihn wieder auf – mit den bekannten Folgen. Holm erklärt sich für befangen und lehnt den Auftrag ab.
Doch sie lässt sich breitschlagen, dass Befangenheit nicht gegeben sein, und geht mit Hjelm ins Vernehmungszimmer. Dort sitzt bereits Dag und begrüßt seine Ex mit zynisch-schmeichelnden Worten. Doch seine weiteren Worte sind seltsam. In der späteren Auswertung des Überwachungsvideos wird deutlich, dass er eigentlich gar nicht mit Holm und Hjelm redet, sondern mit den zwei Männern hinter dem Einwegspiegel: mit Hultin und Grundström. Wieso?
Seine Angaben müssen selbstverständlich überprüft und mit den Aussagen der vier anderen Polizisten verglichen werden. Also: Modisane flüchtete plötzlich und Lundmark folgte ihm bis aufs Dach des Hauses. Dort zog der Flüchtige eine Pistole Marke Weylander und zielte auf Lundmark. Dieser schoss sofort in Notwehr und traf Modisane tödlich. Saubere Sache.
Holm wendet ein: Aber gehörte die Weylander nicht möglicherweise Lundmark? Woher sollte der Südafrikaner eine so teure Pistole haben? Sie glaubt, Lundmark habe eine illegale Waffe in die Hand seines Opfers gelegt. Und überhaupt: Warum blieb Modisane denn stehen statt zu flüchten? Doch Lundmark erinnert Kerstin lediglich an die Inschrift in ihrem Verlobungsring, den sie immer noch trägt: Viele Wasser können die Liebe nicht löschen – ein Zitat aus dem Hohelied Salomos. Sie wird unsicher. Als Lundmark fragt, ob man ihn festhält oder ihn dem Staatsanwalt übergibt, verneint sie. Er kann gehen. Doch Lundmark taucht unter. Er hat noch viel vor …
Im Nachhinein entdecken die Ermittler des A-Teams, dass rein gar nichts an den Angaben zum Tathergang stimmt. Die Notwehr war kaltblütiger Mord, Lundmark handelte im Auftrag eines wichtigen Pharmaunternehmens, und die Asylbewerber sind natürlich auch keine. Zu Modisane erhalten Holm und Hjelm nicht einmal Lebensdaten. Ja, der Tipp für den Einsatz kam nicht einmal von der Migrationsbehörde, sondern von einem Tonband! Der Fall wird immer rätselhafter. Unterdessen wächst Kerstin Nervosität, und sie dreht manisch an ihrem Verlobungsring: Sie fühlt etwas wie ein schwarzes Loch auf sich zukommen, gesteht sie Paul, und bittet ihn, sie in der Not keinesfalls im Stich zu lassen. Besorgt schwört er.
|Der Fall B|
Ein zweiter Fall scheint nichts mit Modisane und Lundmark zu tun zu haben. Im gleichen Stadtteil wird ein stinkender Einbrecher aufgegriffen. Björn Hagmann stinkt unverkennbar nach Leiche. Nach Zusicherung eines Schlupflochs führt er Arto und Viggo vom A-Team in die Wohnung von Ola Ragnarsson. Dort finden sie einen Abschiedsbrief vor, doch wie sich herausstellt, wurde der Mann vor zwei Wochen mit Rattengift ermordet. Sie flüchten vor dem Gestank und den wimmelnden Maden ins Freie. Der Einbrecher nutzt die einmalige Chance und verschwindet.
|Der Fall C|
In seinem Abschiedsbrief gibt sich Ragnarsson als Serienmörder aus. Er habe auf einem Acker in Schonen, Südschweden, seine Opfer vergraben. Die Beamten werden nach einigem Suchen fündig. In schwarzen Plastiksäcken finden sie die sterblichen Überreste eines lokalen Bauernpaars, das seit Wochen im Urlaub geglaubt wird. Doch wo ist ihr Adoptivsohn, der siebenjährige Anders Sjöberg?
|Die drei Fälle|
… hängen alle auf eine Weise miteinander zusammen, die sich die Ermittler der A-Gruppe nicht hätten träumen lassen. Kerstin Holm hat immer stärker das Gefühl, dass das schwarze Loch kurz davor ist, sie zu verschlingen. Sie ahnt nicht, dass es nicht nur um sie geht, sondern um ihre gesamte Abteilung.
_Mein Eindruck_
Selten bin ich auf einen derart verzwickt ausgetüftelten Krimi gestoßen – allenfalls bei Meistern wie Michael Connelly. Drei scheinbar völlig verschiedene Fälle werden aufs Engste miteinander verknüpft und zu einem immer dichteren Geflecht von bösen Vorahnungen und unheilvollen Vorausverweisen verwoben – Kerstins „schwarzes Loch“. Schon lange vor dem Finale ist mir daher angst und bange geworden, was da wohl auf Kerstin Holm zukommen könnte. Doch dann setzt der Autor noch einen drauf, indem er die Bedrohung auf die gesamte Belegschaft der A-Gruppe ausdehnt, inklusive der schwangeren Sara Svenhagen.
Anders als der Anfang vermuten lässt, geht es nicht um Asylbewerber und wie sie von skrupellosen Geschäftemachern ausgebeutet werden. Dieses Thema hat schon Ian Rankin in seinem Krimi [„So soll er sterben“ 2489 (Fleshmarket Close) zur Genüge beackert, um nur ein Beispiel zu nennen. Ich hoffe, ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass zwei der Asylbewerber als Industriespione nach Schweden gekommen sind. Doch ihre Spionage dient einem guten und hehren Zweck: Sie wollen ein eigenes Anti-AIDS-Medikament produzieren, einen HIV-Blocker. Damit soll die extrem hohe Infektionsrate in Südafrika gesenkt werden. Ob es ihnen wohl gelingt? Es wäre ihnen zu wünschen.
Dieses Vorhaben hat nur sehr am Rande mit dem zu tun, was Dag Lundmark mit seiner Ex Kerstin Holm und ihrem Team vorhat. Es ist ein Mittel zum Zweck, um sie in seine Falle zu locken. Doch halt! Wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass Kerstin zu seinem Fall hinzugezogen wurde? Schuld daran ist nämlich Grundström. Und auf diesen hat es Lundmark möglicherweise abgesehen. Ich hätte erwartet, dass mindestens Grundström, wenn nicht sogar Hultin mordsmäßig Dreck am Stecken haben, wie man es zuweilen bei Rankin vorfindet. Doch leider läuft dieser Verdacht ins Leere. Diesen führungskritischen Ansatz fand ich ziemlich unbefriedigend umgesetzt. Nur einer in der polizeilichen Führungsetage findet den Tod, aber nicht in Stockholm.
|Ekel und Blut|
Bei ihren Ermittlungen stoßen Arto, Viggo, Jorge und Gunnar nicht nur auf halbflüssige Leichen, die vor Maden wimmeln. Auch Leichen in Plastiksäcke schrecken sie nicht so sehr, wie es ein abgeschlagener Kopf tut, der von der Türkante auf den werten Polizistenschädel kullert. Jorge hätte sich fast eingemacht, doch Gunnar kann ihn gerade noch beruhigen. Dieser Schädel blutet zwar, doch er beißt nicht.
|Botschaften|
Ganz im Gegenteil: Der Schädel trägt eine Botschaft – eine Zigarrenhülle steckt in der Kehle. Und wieder einmal hat der Killer, der sie an der Nase herumführt, ein Bibelzitat als Botschaft an seine Verfolger hinterlassen. Zum Glück gibt es ein paar Leute in der A-Gruppe, die genügend bibelfest sind, um die Hinweise zu entschlüsseln und auf die Psyche des Killers ein Licht zu werfen. Der Autor kann es sich nicht verkneifen, von einem netten, kleinen Bibelseminar zu sprechen.
|Humor|
Überhaupt macht er sich ein Späßchen daraus, wo immer nur möglich Aspekte des Humors und der Ironie aus seinen Szenen und Figurenbeschreibungen herauszukitzeln. Für diese Humor-Elemente hat Till Hagen (s. u.) genau die richtige Stimme. Solche Humorblitze lockern die ansonsten recht düstere und beklommene Gefühlslandschaft der A-Truppe etwas auf. Im Finale legt der Autor einige makabere Aspekte an den Tag, und spätestens hier schlägt der Humor in Bitterkeit um. Das tut der Spannung aber keinen Abbruch, sondern hilft, den Hörer bzw. Leser abzulenken. Dann trifft ihn ihn die Wucht der Bedrohung umso härter – genauso wie es den Helden der A-Gruppe ergeht.
Reichlich fragwürdig finde ich den Kniff des Autors, den Showdown mit dem Morgen des 11. September 2001 zeitlich zusammenfallen zu lassen. Die Bilder aus dem Fernseher sind so albtraumhaft, dass der Killer fragt: „Ist das echt?“ Die gleiche Frage könnte man ihm stellen. Ob diese Verbindung im moralischen Sinne legitim ist, bezweifle ich. Aber die Parallele dürfte den Leser bzw. Hörer wie ein Tiefschlag treffen.
_Der Sprecher_
Hagen schafft es, die komischen und ironischen Elemente im vorliegenden Roman auf seine unnachahmliche Weise herauszuarbeiten. Doch Hagen besitzt eine zweite Seite. Mit seiner tiefen Stimme ist er durchaus in der Lage, bedrohliche Stimmlagen und autoritative Stimmen darzustellen, so dass die einem Krimi angemessene Spannung entsteht. Dass Hagen kein Leisetreter ist, belegt seine lautstark erhobene Stimme, als einer der Kriminaler einen der Ausbeuter von Asylbewerbern fertigmacht, um ihn einzuschüchtern.
Hagen kann noch mehr: An einer Stelle spricht er den über den Haufen gefahrenen Einbrecherprofi Björn Hagmann. Weil Hagmanns Kiefer schwer lädiert ist, kommen seine Worte nur stockend und schwer verstümmelt heraus. Hagen setzt noch einen drauf und zischelt und murmelt auf Deibel komm raus. Es ist kein Wunder, dass der vernehmende A-Gruppenbeamte seine liebe Not damit hat, etwas von diesem Gestammel, das noch recht wichtig wird, zu verstehen. (Auch hier gibt es Situationskomik, s. o.)
_Unterm Strich_
„Rosenrot“ ist ein sehr unterhaltsamer Krimi, der zwar realitätsnah erzählt wird, aber doch mit einer umso ausgetüftelteren Storyline bis zum Finale für Spannung sorgt. Splattereffekte haben ebenso ihren Platz wie der Psychohorror, der sich in Kerstin Holm entwickelt. Humoristisch-ironische Szenen sorgen für ein entspannendes Element. Unbefriedigend sind lediglich die abgedroschenen Bibelzitate und die fehlende Darstellung der Schuld der Verantwortlichen. Auch die Parallele zum 11. September ist nicht ohne weiteres hinzunehmen. Für mich steht jedoch fest, dass ich auch Dahls andere Krimis gerne lesen bzw. hören werde.
Der Sprecher Till Hagen bringt die beiden Aspekte der Handlung gut zur Geltung: die Bedrohungen im Job der Ermittler ebenso wie die allzu menschliche Komik und Ironie, die bei den Einsätzen und Ermittlungen durchblitzen. Der Autor bringt seinen Figuren spürbar Sympathie entgegen, und dieses Verständnis gilt auch für den oder die Schurken im Stück. Denn was ist es, das einen Menschen „böse“ macht? Es ist bei Dahl manchmal reine Ansichtssache. Und so kommen zwar Einbrecher recht ungeschoren davon, aber der Killer nicht. Es ist keine Schwarzweißwelt, die Dahl zeichnet, sondern eine mit vielen Grauzonen und fließenden Übergängen. Genau deshalb ist sie so interessant.
|Originaltitel: De största vatten, 2002
Aus dem Schwedischen übersetzt von Wolfgang Butt
475 Minuten auf 6 CDs|
http://www.sprechendebuecher.de
Siehe ergänzend auch die [Rezension 2443 von Dr. Maike Keuntje zur Buchausgabe bei |Piper|.
1810 auf Burg Globoda: Der Duca di Marino wirbt um Libussa, die schöne Tochter der Contessa Globoda. Er behauptet, sich in Paris in sie verliebt zu haben. Überrascht erfährt er, dass Libussa ihr Heim seit einem Jahr nicht mehr verlassen hat. Die Erwähnung eines Muttermals, das er auf dem Nacken der Fremden in Paris sah, verweist zudem auf die Zwillingsschwester der Braut. Diese ruht jedoch seit sechs Monaten in der Familiengruft … (Verlagsinfo) Gemäß dem Motto der Geschichte „überwinden Liebe und Hass die Schranken des Todes“. Das lässt nichts Gutes ahnen. Friedrich Laun / Marc Gruppe – Die Totenbraut (Gruselkabinett Folge 7) weiterlesen →
Endlich beginnt die Adventszeit! Als Klößchen das erste Stück Schokolade seines Sauerlich-Adventskalenders essen will, muss er feststellen, dass es ekelhaft bitter und komplett ungenießbar ist. Im ersten Moment denkt er an einen Internatsstreich, doch als Tim, Karl, Gaby und Klößchen kurz darauf eine verschlüsselte Nachricht erreicht, wird klar, dass ein widerlicher Weihnachtswichtel nichts Gutes im Schilde führt. TKKG stürzen sich in den neuen Fall und werden Zeugen eines mutwilligen Zerstörungsakts. Und das ist erst der Anfang! Was hat der widerliche Weihnachtswichtel vor? Und warum hat er es auf TKKG abgesehen? Werden die vier Junior-Detektive den Fall noch vor dem Weihnachtsabend lösen können? (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Im November 2022 gabs die Download-only-Version dieses Adventskalender-Abenteuers, jetzt gibts sie auch fürs Sammlerregal auf CD.
Bittere Schokolade mag auf der Welt ja den einen oder anderen Fan haben, für mich wär das aber nix. Ist da wohl nur eine Tafel als Scherz „vergiftet“ worden oder hat das Ganze eine größere Tragweite und betrifft vielleicht sogar die Fabrik von Klößchens Vater?
Ein Teilchenphysiker wird in seinem Schweizer Labor ermordet aufgefunden. In seine Brust eingebrannt entdeckt man merkwürdige Symbole. Symbole, die nur der Harvardprofessor Robert Langdon zu entziffern vermag.
Was er dabei entdeckt, erschreckt ihn zutiefst, denn es scheint, als sei die Geheimgesellschaft der Illuminati, alte Feinde der römisch-katholischen Kirche, zurückgekehrt. Und sie haben im Labor etwas mitgehen lassen: einen Behälter mit Antimaterie, der, wenn er nicht an eine Stromquelle angeschlossen wird, binnen 24 Stunden mit der Wirkung einer großen Wasserstoffbombe explodieren wird. Welcher teuflische Plan steckt dahinter?
|Der Autor|
Dan Brown war genau wie Stephen King zuerst Englischlehrer, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. „Als Sohn eines mehrfach ausgezeichneten Mathematikprofessors und einer bekannten Kirchenmusikerin wuchs er in einem Umfeld auf, in dem Wissenschaft und Religion keine Gegensätze darstellen“, meint die Verlagsinformation. „Diese Kombination ist es auch, die den weltweiten Erfolg des Autors begründet. ‚Illuminati‘, der erste in Deutschland veröffentlichte Roman von Brown, gelangte innerhalb kürzester Zeit auf Platz 2 der Bestsellerliste.“ Auf welche, wird nicht verraten. Vielleicht weiß Ford Prefect mehr *g*. „Brown ist verheiratet und lebt mit seiner Frau, einer Kunsthistorikerin, in Neuengland.“ Na, das klingt doch direkt nach einer Ko-|Autorin|!
|Der Sprecher|
Wolfgang Pampel ist die deutsche Synchronstimme von Harrison Ford. Das ist sehr passend, denn Robert Langdon erwähnt einen Zeitungsartikel, in dem er selbst als „Harrison Ford in Harris-Tweed“ bezeichnet wird. Ironisch wird’s, weil Langdon diese sensationsheischende Titulierung völlig ablehnt.
Pampel hat an der Theaterhochschule in Leipzig studiert und machte sich anschließend an den verschiedensten Bühnen von Leipzig, Düsseldorf, Berlin und Wien einen guten Namen.
_Handlung_
Zunächst hat es Harvardprofessor Robert Langdon, 45, Experte für religiöse Symbolologie mit einer sportlichen Figur, überhaupt nicht eilig, dem Ruf eines Schweizer Physikers zu folgen. Da schickt dieser ihm ein Fax mit einem Foto darauf: ein toter Mann, auf dessen Brust das Wort „Illuminati“ eingebrannt wurde. Die Illuminaten, die „Erleuchteten“, weiß Langdon, waren zunächst ein Zirkel von aufgeklärten Denkern im Italien um 1500.
Doch schon bald standen sie in Widerspruch zu den Lehren der Heiligen Mutter Kirche und waren ihr ein Dorn im Auge. Sie wurden in den Untergrund verbannt. Die Forscher Leonardo da Vinci und Galileo Galilei sollen ihnen angehört haben. Im Jahr 1686 wurden vier ihrer Mitglieder ebenso gebrandmarkt wie der Tote auf dem Faxfoto. Wollen sich die Illuminati jetzt, nach so vielen Jahren, zurückmelden?
Er lässt sich mit einem Überschalljet nach Genf fliegen, wo er das CERN besucht, die europäische Kernforschungsanlage, die Generaldirektor Maximilian Kohler leitet. Kohler hat das Fax geschickt. Langdon ist skeptisch: Echte Illuminaten hätten einen Forscher, einen Bruder im Geiste, nicht getötet. Doch wie ihm Kohler erklärt, war Leonardo Vetra sowohl Forscher als auch katholischer Priester. Er suchte den Gottesbeweis in den kleinsten Teilchen. Er hatte viele Feinde. Grausig starrt Vetras leere Augenhöhle auf die beiden Amateurdetektive. Kohler wünscht keine Polizei.
Vittoria Vetra, eine Meeresbiologin, ist die bildschöne Tochter des Ermordeten (und ganz nebenbei Yoga-Expertin). Sie berichtet, dass ihr Vater beweisen wollte, dass die Bibel Recht hat: Das Universum sei aus der Leere erschaffen worden – Materie aus Energie. Was Vetra erzeugt hatte, war jedoch Antimaterie. Sie schwebt in winzigen Mengen in Behältern, die durch Magnetfelder den zerstörerischen Kontakt der Antimaterie (AM) mit unserer alltäglichen Materie verhindern. An jedem Behälter verhindert eine Batterie 24 Stunden lang, dass die Reaktion eintritt, die so vernichtend wie eine große Wasserstoffbombe wirken würde.
In Vetras Labor wurde, obwohl es stark gesichert war, eingebrochen und ein Behälter gestohlen. Vetras Auge war für einen Netzhautabtaster missbraucht worden. Vetra hatte die Energiequelle der Zukunft gefunden – oder die schlimmste Waffe der Neuzeit. Wenn sie den Illuminaten in die Hände fiel, so wollen diese sie bestimmt gegen die katholische Kirche einsetzen. Kohler schickt Langdon und Vittoria nach Rom, in den Vatikan. Dort kontaktieren sie die Sicherheitstruppe des Vatikans, die Schweizer Garde. Man lacht sie aus. Oberst Olivetti glaubt an keine Bombenleger.
Der Papst ist tot und das Konklave der 165 Kardinäle ist zusammengetreten, um in der Sixtinischen Kapelle einen neuen zu wählen. Doch der Zeremonienmeister stellt beunruhigt fest, dass vier der Herrschaften fehlen, ausgerechnet die vier Preferiti, die Auserwählten mit den meisten Chancen, gewählt zu werden.
Auf Vittorias Bemühen hin sprechen sie und Langdon mit dem Interimspapst, dem Camerlengo. Carlo Ventresca, 30, hört ihnen zu und befielt Olivetti, die Bombe zu suchen, die irgendwo im Vatikan versteckt sein muss. Tatsächlich zeigt einer der Monitore eine LED-Anzeige, auf der ein Countdown abläuft. Nur noch sechs Stunden bis Mitternacht. Geht dann die Bombe hoch?
Da ruft der Bombenleger und Vetras Mörder beim Camerlengo an. Er sei von den Illuminati und wisse, wo sich die vier verschwundenen Kardinäle befänden. Sie sollen von ihm wie jene vier zuvor im Jahr 1686 geopfert werden. Jede Stunde werde einer davon getötet: in Kirchen und Tempeln. Diese Mordserie wäre das Ende des Papsttums – und die Bombe bedeutet die Vernichtung des Vatikanstaats.
Nur einer weiß, wo die Kardinäle gefunden werden können: Robert Langdon. Doch wird ihm die verbleibende Zeit reichen, um sie zu retten?
_Mein Eindruck_
So beginnt ein rasanter Mystery-Thriller, in dem sakral-okkulte Kunst des Illuminatenordens quasi ein Paralleluniversum an Bedeutungen öffnet, das jeden Esoteriker in Ekstase versetzen würde. Pyramiden, die Zahlenkombination 5+2 sowie jede Menge Engel weisen Langdon den Weg durch den Immobiliendschungel der Tiberstadt. Nicht nur muss er kreuz und quer (was ein Kreuz zeichnet), sondern auch ganz tief hinunter und schließlich sogar ganz hoch hinaus. Auf seiner dreidimensionalen Odyssee bekommt er es mit allen möglichen Schurken zu tun, die er sich nicht hätte träumen lassen. Aber er hat ja die treue und tapfere Vittoria an seiner Seite, die ihn anspornt, sich wie weiland Indiana Jones aufzuführen und James Bond alt aussehen zu lassen. Eine Schnitzeljagd, wie sie im Buche steht. Wer ihr zu folgen versucht, kommt aus dem Staunen kaum noch heraus.
|Charakterisierung|
Die Charakterisierung der drei oder vier Hauptfiguren ist recht schlicht gestrickt. Langdon ist unser ganz normal naiver Harvardprofessor mit einer Phobie vor engen Räumen – Fahrstühlen beispielsweise. Doch zu jeder passenden Gelegenheit enthüllt er verborgene Fähigkeiten: Er war Wasserballspieler und sogar Turmspringer. Dafür hat er leider vom Schießen keine Ahnung, was sich mitunter als verhängnisvoll erweist. Wenigstens trifft er einen Zeh, wenn schon nicht den Leib des Mörders. Manchmal mischt sich so etwas wie Komik in das abenteuerliche Geschehen.
|Die Medien – Komplizen des Terrorismus?|
Wie bei jedem terroristischen Anschlag von astroglobaler Bedeutung mischen auch hier die Medien kräftig mit. Ein BBC-Reporter mit dem schönen Namen Gunter Glick hält in vorderster Front die Linse der Kamera auf das erste Mordopfer in Rom. Ein Kardinal – und nur der erste von vier! Die Sensation des Tages. Schon bald fallen sämtliche Ü-Wagen der Tiberstadt über den Vatikan her und verlangen eine Stellungnahme des gelähmten Mini-Staatswesens. Ein Menschenauflauf ist die Folge, Scheinwerfer und Kameralinsen richten sich auf den Petersdom, hinter dessen Mauern der Countdown der Vernichtung läuft: Es ist der Jüngste Tag, das „Armageddon“, wie es der Autor beschreibt. Ob er wohl den „Zeugen Jehovas“ angehört, die jeden braven Bürger mit diesem Schreckenswort zu ihrer Lehre bekehren wollen?
Doch erst die Medienaufmerksamkeit potenziert die Bedrohung durch die Illuminati bis ins Unendliche: Der ganze Globus nimmt teil am Geschehen. Dass es sich dabei im Grunde um eine Schnitzelhagd handelt, lässt die Sache ein wenig übertrieben erscheinen, also erst richtig witzig aussehen.
|Lausige Logik|
Leider muss der Hörer beide Hühneraugen zudrücken, wenn es um die Qualität der Logik dieses Plots geht. Wie konnte die Bombe so schnell nach Rom gelangen? Wieso ist der „erleuchtete“ Killer scharf auf so weltliche Dinge wie Sex mit Vittoria? Wieviele Pyramiden und Obelisken gibt es eigentlich noch in Rom? Warum muss ausgerechnet Yoga Prof. Langdon das Leben retten?
Nicht Plausibilität ist das Ziel der Unterhaltung, sondern möglichst viele Überraschungen auf möglichst engem Raum. Und so schlägt die Handlung schließlich einen Zickzackkurs ein, der eines Hasen auf der Flucht würdig wäre. Schließlich wundert man sich kaum noch, dass Indy, pardon: Langdon Stunts abliefert, die einen James Bond erblassen ließen, und die Bösewichte im Vatikan sich wie russische Puppen hintereinander verstecken, falsche Fährten inklusive.
|Abrakadabra!|
Kurzum: Wer eine gute Show erwartet hat, kommt voll auf seine Kosten. Fehlen eigentlich nur noch die Karnickel, die aus dem Hut gezogen werden. Und am Schluss ist es keine Frage, ob der Junge das Mädchen bekommt. Es kann – angesichts der Gleichberechtigung – auch umgekehrt sein, das ist uns eh schon gleichgültig.
_Das Hörbuch_
Wolfgang Pampel ist die deutsche Stimme von Harrison Ford, und als solcher liefert er sozusagen den unverfälschten „Indiana Jones“ als Stimmlage von Robert Langdon (und des Erzählers). Jeder Hörer weiß: Hier ist Abenteuer pur garantiert. Pampels Tonlage von Generaldirektor Maximilian Kohler ist nicht nur ein gutes Stück tiefer, sondern auch noch kurzatmig aufgrund seines Asthmas. Und die Tonlage von Vittoria Vetra ist ein wenig höher als die der Figur Langdon.
Den Angehörigen der Schweizergarde haftet hingegen ein allerliebster Schweizer Akzent an, der aber keineswegs mit echtem Schwyzerdütsch zu vergleichen ist. Es handelt sich um korrektes Hochdeutsch, doch mit dem rauen „ch“ der Eidgenossen, und hin und wieder ist eine höhere Intonation von Sätzen zu bemerken, als es im Deutschen meist der Fall ist. Infolge dieser Unterschiede ist es ohne große Mühe möglich, die Figuren auseinander zu halten.
Mit einem gewissen Verdruss bemerkte der sprachlich gebildete Hörer, dass Pampel noch im Hörbuch von „Sakrileg“ etliche fremdsprachliche (meist französische) Namen und Ausdrücke falsch aussprach. Dies ist bei „Illuminati“ nicht mehr der Fall. Tatsächlich hatte ich nur mit einem einzigen Namen etwas Mühe, weil ich die Aussprache nicht richtig hörte: Der Zeremonienmeister der Kardinäle, der das Konklave leitet, heißt entweder Montati oder Mortati oder Mottati.
|Dramaturgie|
Der Text des Buches wurde von Arno Hoven bearbeitet und stark gekürzt. Das tut der Spannung aber nur gut, denn so fallen etliche Beschreibungen der Szenerie und unwichtiger Figuren weg. Dadurch schält sich der berühmte rote Faden heraus, dem der Hörer mit einiger Leichtigkeit zu folgen vermag. Es erweist sich jedoch als hilfreich, sich ein klein wenig in der heiligen Stadt auszukennen. Wichtige Landmarken wie der Petersdom, der Tiber, die Hügel, die Engelsburg und vielleicht noch die sehr schöne Piazza Navona zu kennen, ist gewiss kein Nachteil. Zumal dem Hörbuch natürlich keine Stadtkarte beiliegt.
|Die Musik|
Die dem Text unterlegte Musik von Michael Marianetti und Andy Matern finde ich recht passend, vor allem weil sie sparsam eingesetzt wird, meist als Punktuation zwischen Kapiteln. Mal kommt sie dynamisch drängend daher wie in einem Actionthriller, doch meistens getragen und feierlich wie bei einer Messe. Es geht eben sehr viel um religiöse Inhalte (was hier nicht weiter ausgeführt werden darf, ohne den Clou zu verraten!). Hier passen dann stimmungsvolle Orgeln und ein paar feierliche Chöre.
_Unterm Strich_
Im Grunde geht es dem Autor um die Erörterung des alten (scheinbaren?) Gegensatzes zwischen Vernunft / Wissenschaft und Glauben / Religion / Kirche. Die vier Kardinale werden der Reihe nach auf „Altären der Wissenschaft“ geopfert. Doch dabei handelt es sich um Orte, für die man ebenso Kunst- wie auch mystischen Verstand braucht. Am Schluss spitzt sich der Konflikt zu, doch wie auch immer der Ausgang sein mag, so lässt er sich doch ebenfalls politisch verwenden – ob für oder gegen die Kirche, soll hier nicht verraten werden.
|Engel & Dämonen|
Schrieb Dan Brown in „Sakrileg“ kurz mal die Geschichte des Christentums um, so leuchtet er in „Angels & Demons“ in die Leichenkeller des Vatikans. Er fördert Engel & Dämonen zutage, doch allmählich wird klar, dass die Unterscheidung zwischen dem, was ein Engel sein soll und dem, was ein Dämon sein könnte, gar nicht so einfach ist. Letzten Endes ist es beim Glauben wie mit der Wissenschaft: Es kommt drauf an, was man damit anstellt. Antimaterie kann – wie Atomkraft – Fluch oder Segen sein, je nach ihrer Verwendungsweise.
Das Gleiche, so suggeriert Brown, trifft auch für den Glauben zu: Er kann die Menschen erleuchten und zu erhöhter Spiritualität emporheben, er kann aber auch zur Unterdrückung von Wahrheit und Andersdenkenden benutzt werden. Und wer die Geschichte – der Kirche wie auch der Wissenschaft – nicht kennt, ist gezwungen, sie zu wiederholen. Engel oder Dämon, der Mensch ist beides. Er muss sich lediglich in Kenntnis der Realität entscheiden.
|Der Sprecher|
Dass der Sprecher des Hörbuchs mit seiner tiefen Stimme wie Harrison Ford alias Indiana Jones klingt, kommt der Spannung und Faszination der eh schon aufregenden Geschichte zugute. In der gekürzten Fassung ist das Geschehen noch mehr auf Action um den roten Faden der Story ausgerichtet. Aber das tut dem Vergnügen keinen Abbruch, wenn man die Logiklöcher, die übertriebenen James-Bond-Stunts und die Indiana-Jones-Schnitzeljagd hinnimmt. (Tut man dies nicht, kann man den Rest gleich vergessen.)
|Der Preis|
Der stark herabgesetzte Preis von schlappen 10,95 Euronen (bei |amazon.de| derzeit für 7,70 €) dürfte eine Menge Käufer reizen, zu einem Hörbuch zu greifen, das über sieben Stunden spannende Unterhaltung im Stil des bekannten Bestsellers bietet. Und angesichts der Komplexität der Schnitzeljagd könnte man die sechs CDs glatt noch einmal von vorn anhören. Schade, dass man dann schon weiß, wie’s ausgeht. Autofahrer, die sich das Hörbuch auf Nachtfahrten reinziehen, werden jedenfalls bestimmt nicht in Gefahr geraten, am Steuer einzuschlafen.
Fragt sich nur: Wann kommt das Hörbuch zu „Meteor“?
_Verhängnisvoll & spannend: die Ironie und das Schweigen_
30 Jahre lang hat Antsi Ketola im finnischen Turku für die Mordkommission ermittelt, jetzt geht er in Pension. Er nimmt einen ungelösten Fall mit. Vor 30 Jahren war ein Mädchen verschwunden, nur das Fahrrad und Blutspuren wurden gefunden. Da bekommt Ketola von seinem Ex-Kollegen Joentaa eine elektrisierende Nachricht: derselbe Tatort, ein Fahrrad, Blutspuren – und ein verschwundenes Mädchen. Gibt es einen Zusammenhang zwischen beiden Verbrechen? Hat der Täter nach 30 Jahren wieder zugeschlagen? Und wieso erst jetzt?
_Der Autor_
Jan Costin Wagner wurde 1972 in Langen/Hessen, bei Frankfurt geboren. Er studierte Germanistik und Geschichte in Frankfurt und arbeitet als freier Autor im Rhein-Main-Gebiet. Finnland, der Schauplatz von „Eismond“ und „Das Schweigen“ ist nicht nur das Land, in dem seine Ehefrau geboren wurde, sondern auch seine zweite Heimat. Er verbringt jedes Jahr mehrere Wochen an den Schauplätzens seiner Kimmo-Joentaa-Krimis.
Bei Eichborn Berlin erschien 2002 sein Debütroman „Nachtfahrt“, eine Verfilmung des Buches ist in Arbeit. Sein zweiter Roman „Eismond“ (2003) brachte den internationalen Durchbruch. Im Herbst 2005 erschien sein dritter Roman [„Schattentag“ 1903 und im Juli 2007 sein vierter Roman „Das Schweigen“.
Wagner erhielt 2001 den Marlowe-Preis für den besten Kriminalroman für sein Debüt „Nachtfahrt“. 2003 erhielt er ein Aufenthaltsstipendium des Berliner Senats im Literarischen Colloquium Berlin für „Eismond“ und 2004 den Förderpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft. Mehr Infos findet man auf seiner Homepage http://www.jan-costin-wagner.de.
_Der Sprecher_
Matthias Brandt (* 7. Oktober 1961 in Berlin) ist ein deutscher Theater- und Fernsehschauspieler. Er ist der Sohn von Willy und Rut Brandt. Brandt studierte an der Hochschule für Musik und Theater Hannover Schauspiel. Nach einem ersten Engagement am Oldenburgischen Staatstheater im Jahr 1985 gehörte er unter anderem den Ensembles folgender Theater an: Staatstheater Wiesbaden, Nationaltheater Mannheim, Schauspiel Bonn, Bayerisches Staatsschauspiel, Renaissancetheater Berlin, Schauspielhaus Zürich, Schauspielhaus Bochum und Schauspiel Frankfurt.
Seit 2000 ist Brandt regelmäßig in Fernsehrollen zu sehen. 2003 spielte er in dem Fernsehfilm „Im Schatten der Macht“, der die letzten Tage vor dem Rücktritt seines Vaters vom Amt des Bundeskanzlers schildert, die Rolle des Günter Guillaume. Er wiederum wurde hier als Kind von Cornelius Lehmann verkörpert. Sehr beeindruckend spielt er auch einen minderbegabten Vater im Fernsehfilm „In Sachen Kaminski“ (Erstausstrahlung am 15. Juli 2005 auf ARTE) neben Juliane Köhler, welche die Mutter spielt.
2006 wurde er mit dem Bayerischen Fernsehpreis als Bester Schauspieler im Bereich Fernsehspiel für „In Sachen Kaminski“ ausgezeichnet. 2007 erhielt er den Adolf-Grimme-Preis.
_Handlung_
|PROLOG|
Turku, Finnland. Es ist im Sommer 1974, als sie nach dem Anschauen eines pädophilen Erotikfilms mit Perssinens rotem Wagen losfahren und ein Mädchen suchen, irgendein Mädchen, und sie brauchen auch gar nicht weit zu fahren. Perssinen steigt aus, schnappt es sich, reißt es vom Fahrrad und zerrt es auf einen Feldweg … Sein Beifahrer ist wie gelähmt und schaut nur zu, was Perssinen tut, dieser Mann, den er heute erst kennengelernt hat. Nachdem es vorbei ist, schafft Perssinen das tote Mädchen in den Kofferraum seines Wagens. Wieder schaut sein Beifahrer nur zu, steigt aber ein, als sie wegfahren. Nachdem sie die Leiche im See entsorgt haben, packt der Beifahrer alle seine Sachen und zieht weg. Er nimmt den Bus. Beim Abschied von Perssinen reinigt dieser gerade sein Auto. Er sieht Perssinen nie wieder. Denkt er.
|Haupthandlung. 33 Jahre später.|
Im kalten Januar wird Antsi Kommissar Ketola pensioniert. An seinem letzten Arbeitstag schieß ihm ein Gedanke, eine Erinnerung von irgendwoher in den Sinn, und er besucht mit seinem langjährigen Kollegen Kimmo Joentaa den jungen Archivar der Polizeizentrale von Turku. Ob das Modell noch da sei, will er wissen. Welches „Modell“? Sie gehen in die Rumpelkammer, denn das ist der einzige Ort, wo sich der Archivar, der gerade erst seinen Dienst angetreten hat, so etwas wie ein „Modell“ vorstellen kann. Eine Modelleisenbahn ohne Eisenbahn, was soll das denn sein?
Aber da ist es, das Modell: der Tatort, wo das Fahrrad gefunden wurde, vor 33 Jahre, als Ketola gerade erst bei der Polizei angefangen hat. Es war sein erster Fall, und der steckt ihm in den Knochen. Sie fanden das Mädchen erst Monate später im See, halb verwest. Sie hieß Pia Lehtinen und war erst 13 Jahre alt. Ja, und das rote Auto da, will Joentaa wissen. Ja, das hat der einzige Zeuge gesehen, ein kleiner Junge, aber es wurde nie gefunden. Ketola lässt das Modell, das auf Rollen und einem Tisch montiert ist, in sein Auto verfrachten. Dann macht er sich ans Feiern. Abends fährt er einen Umweg. Auf dem Holzkreuz mitten im verschneiten Feld stehen Pias Name und das Datum ihres Todes. Erst daheim wagt er es zu weinen.
Am 8. Juni, ein halbes Jahr später, bringen die Spätnachrichten die Nachricht. Ein junges Mädchen, ein Teenager, sei verschwunden, nur sein Fahrrad und seine Taschen habe man gefunden. Was merkwürdig sei: Das Fahrrad liegt nahe bei dem Holzkreuz, das an Pia Lehtinen erinnert. Sofort werden an den Fall vor 33 Jahren erinnert und die alten Fotos gebracht, sogar an ein rotes Auto erinnert sich ein Zeuge.
Joentaa erinnert sich an Ketolas letzten Tag, an den Fall Pia Lehtinen und das Modell. Gibt es einen Zusammenhang? Es muss einen Zusammenhang geben, meint auch der Vater des verschwundenen Mädchens; ihr Name ist Sinikka, der ihres Vaters Kallevi Vehkasalo. Als Joentaa ihn noch am gleichen Abend besucht, identifiziert die Mutter alle Fundstücke als die ihrer Tochter. Der Vater verlangt zu wissen, ob es einen Zusammenhang gibt. Joentaa ist nicht bereit, sich festzulegen, aber er rätselt natürlich ebenfalls darüber. Und er weiß genau, wie es sich anfühlt, wenn einem ein geliebter Mensch von der Seite gerissen wird. So verlor er seine Frau Sanna, eine Architektin. Joentaa ruft Ketola an.
Die Spätnachrichten sieht auch der Beifahrer von damals. Timo Korvensuo hat nun den respektablen Beruf eines Immobilienmaklers, eine Frau (Mariatta), zwei Kinder (Aku und Laura) und Freunde, Pekka und Arvi. Aber als die Erinnerungen sich nicht mehr wie bisher verdrängen lassen, wird ihm schlecht. Er beginnt zu zittern, verspürt Brechreiz und Schwindel. Schon wieder diese Loslösung von der Welt, so wie damals, als Perssinen und er… Er zerschmettert eine Saftflasche vor Wut. Damals sah er sich mit Perssinen diesen Kinder-Porno an und dann … Als Aku ihn fragt, ob ihm auch so schlecht vom Eisessen sei, vermag er nicht aufzustehen.
Kimmo Joentaa rätselt immer noch, ob es einen Zusammenhang zwischen den beiden Mädchen gibt. Es gab im Jahr 1983 noch eine Vermisstenmeldung in der Nähe von Turku, ein Mädchen namens Marika verschwand spurlos. Und wieder sah ein Zeuge einen roten Kleinwagen. Möglicherweise gibt es einen Serienmörder, vielleicht aber auch nur eine Serie von Ausreißerinnen, bis auf die erste, Pia Lehtinen. Während er noch rätselt, sieht er Ketola im Fernsehen.
Ketola sitzt in einer erfolgreichen Talkshow und neben ihm – Joentaa traut seinen Augen kaum – sitzt die Mutter von Pia, Elena Lehtinen. Beide appellieren an den Täter, sich zu stellen. Offenbar gehen sie davon aus, dass es sich 1974 und jetzt um den gleichen Täter handelt. Davon ist Joentaa keineswegs überzeugt, auch wenn der Tatort und das Fahrrad das nahelegen. Als er dem Leiter der Ermittlungskommission von Ketolas Fernsehauftritt erzählt, flippt Sundström fast aus. Schließlich mischt sich der alte Knacker in ein laufendes Verfahren ein.
Timo Korvensuo hat es nicht mehr in Helsinki ausgehalten und ist nach Turku gefahren. Erst hat er die Stadt umrundet, die alten Schauplätze, wo er 1974 Mathematik studiert hatte. Seiner Frau hat er erzählt, er besuche einen potentiellen Kunden. Er rafft sich schließlich auf, Perssinen zu besuchen. Der Hausmeister ist beim Rasenmähen und seine Wohnung sieht immer noch so aufgeräumt aus wie damals, als… Und er trinkt immer noch Pflaumenschnaps und schaut sich Kinderpornos an. Timo Korvensuo kann nicht verhindern, dass ihm Perssinen so eine Porno-DVD schenkt: seinen Lieblingsfilm, Perssinen weiß es noch genau. Im Hotel schaut er sich den Film an. Ein Schmerz erfasst ihn, und Bilder von seinen eigenen Kindern, Aku, 9, und Laura, 13, überfallen ihn unvermittelt. Er beschließt, zur Mutter von Pia zu fahren. Von ihr hat Mariatta am Telefon gesprochen. Er hat sich – er weiß das nur diffus – zu entschuldigen.
Für etwas, das er gar nicht getan hat. Aber das wird niemand jemals erfahren …
_Mein Eindruck_
Wie der Titel schon sagt, geht es um das Schweigen, seine Bedeutung, seine Rolle, seinen Zweck. Schweigen ist in dieser Geschichte nicht zufällig, sondern ein Komplize, ein Mitspieler und – wenn es um die Ermittlung geht – auch ein Gegenspieler. Letzten Endes geht es also um Kommunikation und das mögliche Wissen, das sie mit sich bringt. Ein sehr modernes Thema, wie ich finde. Schweigen als Leerstelle, die sich vieldeutig nutzen lässt, die sich aber letzten Endes auch als trügerisch erweist.
Es gibt zwei Figuren, deren Vergangenheit und Seelenleben wir ziemlich genau kennenlernen. Das sind Kimmo Joentaa, der Polizist, der seine Frau Sanna an den Krebs verloren hat, und der ein Grübler und Zweifler geworden ist. Dadurch steht er im Gegensatz zu den Kollegen, die sich liebend gern an die Tatsachen halten, ganz besonders dann, wenn sie ihre Annahmen bestätigen. Joentaa aber weiß, dass die Dinge nicht so einfach liegen. Und deshalb fällt ihm ein winziges Detail auf, das alle anderen übersehen, und er kommt der Wahrheit im Fall Sinikka auf die Spur. Das sorgt für eine echte Überraschung.
Und da ist der Immbilienmakler Timo Korvensuo, der eigentlich immer nur zugesehen hat. Und geschwiegen, immer nur geschwiegen. Auch gegenüber seiner Familie, versteht sich. Als Ketola frech wie Oskar mal den PC von Korvensuo durchsucht, stößt er auf Unmengen von Kinderpornobildern. Von diesen Bildern hatte die Ehefrau keine Ahnung. Das Schweigen verhinderte dies.
Aber Ketola ist jetzt hundertprozentig sicher, dass er dem richtigen Mann auf der Spur ist. Die tragische Ironie ist offensichtlich. Aber klar wird auch, dass das Schweigen ebenso schuldig macht wie die Tat. Täter oder nicht, es ist ganz gleich: Korvensuo hat die Schuld mitzutragen und sucht nun Sühne dafür, indem er Pias Mutter besucht. Er macht sich Vorwürfe, weil er vermutet, dass Perssinen wieder zugeschlagen hat. Weil er das gleiche Laster wie Perssinen hat, kann er ihn nicht verurteilen. Dem Teufelskreis der Schuld, in den er nun gerät, kann er nicht entkommen.
Immer wieder stößt Joentaa auf das Schweigen, das zwischen den Eltern und ihren Kindern herrscht. Den Eltern von Sinikka geht auf, dass sie fast nichts über ihre Tochter wissen. Der Vater geht seiner Frau damit so sehr auf den Wecker, dass sie vorgibt zu schlafen, um den Schmerz ertragen zu können. Im Finale weiß sie nicht mehr, ob sie schreien oder sterben soll, so groß ist ihr Leiden.
Die von ihrem Mann verlassene Elena Lehtinen, Pias Mutter, hat ein Verhältnis mit ihrem Nachbarn. Eines Tages stürmt dessen Frau Maria zur Tür herein und ohrfeigt Elena, bevor sie einen Nervenzusammenbruch erleidet, der sie ins Krankenhaus bringt. Maria hat das schützende Schweigen durchbrochen und den Preis bezahlt. Das Schweigen ist für Elena kein Komplize mehr. Als Timo Korvensuo sie besuchen kommt und sich als Wohnungssuchender ausgibt, weiß sie gleich, wen sie vor sich hat: ihn, der das Schweigen durchbrochen und sich gestellt hat, um Verzeihung zu erbitten. Nichts davon sagt er, doch sie weiß Bescheid und sagt dies auch Ketola und Joentaa. Dass er ihr seine Visitenkarten dagelassen hat, fasst sie als Einladung auf, ihn zu kontaktieren.
|VORSICHT, SPOILER|
Das tiefste Schweigen umgibt Ketola. Und früher oder später wundert man sich darüber. Nicht aber die Ermittler, die froh sind, wenn sich der pensionierte Kommissar nicht mehr einmischt. Leider tut er ihnen diesen Gefallen nicht, sondern beginnt im Stillen eine geheime Aktion, die nur ein Ziel hat: den Mörder Pias aufzustöbern und zu überführen. Doch das Schweigen, das Ketola zu seinem Komplizen und zu seiner Waffe macht, führt wieder zu einem Missverständnis. Die Vergeltung trifft einen Schuldigen, schon gut, aber nicht den Täter.
Der Täter verbirgt sich hinter Schweigen, Anpassung und Wohlanständigkeit. Perssinen mäht jeden Tag den Rasen vor fünf Häusern, die er betreut, und führt penibel darüber Buch. Als der Polizist Hejnonen bei ihm auftaucht, weil Perssinen als ehemaliger Besitzer eines roten Kleinwagens auf zwei Listen (der von Pia und der von Marika) steht, bemerkt er, dass sich Perssinen seltsam entrückt verhält. Vielleicht die Folge eines Schlaganfalls, schließlich ist das schon ein alter Mann. Aber er nimmt Perssinens Tagebuch nicht mit, sonst wäre er im Jahr 1974 auf den Namen Timo Korvensuo gestoßen. Und so hilft das Schweigen dem Falschen. Der Schluss hält eine Menge bittere Ironie bereit. Wieder einmal scheint das Schweigen gewonnen zu haben.
|Der Sprecher|
Matthias Brandt muss gegen das Schweigen ankämpfen, aber er tut es mit einer ruhigen, beständigen Stimme, die unaufgeregt ist. Man kann sich auf die Geschichte, die er erzählt, verlassen, hört jedes Wort, jeden Satz als Einheit und Faktum. Und doch gibt es da eine beunruhigende Doppelbödigkeit, die schon in der Vorlage steckt.
Wie immer können wir in Korvensuos und Joentaas Seele nur kurz Einblick gewinnen, doch diese Momente sind mit Erinnerungen angefüllt. In Joentaas Kopf werden die Erinnerungen wie gewöhnlich unwillkürlich ausgelöst, aber dann ergeben sie komplette Bilder, ganze Szenen. Ganz anders hingegen in Korvensuo. Sein geistiger Bildschirm ist geradezu ein Schneegestöber, in dem die Schnipsel von Aku, Laura, Marietta, Pia, Elena, Perssinen durcheinanderwirbeln und ihn zu verschlingen drohen, weil er zunehmend die Kontrolle darüber verliert. Überblendeffekte assoziieren die drei Kinder miteinander.
Nur ein Strang lässt sich herauslesen: Die zunehmend deutlicher werdende Szene mit Pia. Sie am Boden, Perssinen über ihr, danach das Verstauen der Leiche, das Versenken im See. Dann die Assoziation der Hexe in dem Märchenfilm, den Aku und dann auch Timo im Kino ansehen. Sie krächzt – so auch der Sprecher -, dass ihr Opfer nicht davonkommen werde. Der helllichte Tag verwandelt sich für Timo in einen Albtraum, aus dem es kein Erwachen zu geben scheint. Das klingt chaotischer als es gelesen wird. Und natürlich handelt es sich um meine eigene Interpretation.
Nicht immer ist der Sprecher ruhig und selbstsicher, denn schließlich sind nicht all seine Figuren so, sondern lediglich der Erzähler. Sinikas Vater Kallevi beispielsweise spricht häufig stockend, atemlos in seiner Hilflosigkeit angesichts der Lücke, die seine verschwundene Tochter in seinem Leben aufgerissen hat. Auch Joentaa ist die Verlegenheit anzuhören, wenn er Mariatta Korvensuo versichert, es sei alles in Ordnung. (Natürlich ist rein gar nichts mehr in Ordnung.)
Matthias Brandt gelingt es, die Konzentration des Hörers zu erlangen und sie auf Dauer zu fesseln, einfach indem er langsam liest und deutlich und vor wichtigen Wörtern eine kleine Pause macht. Wenn Leidenschaft oder Wut angebracht ist, so kann er dies mit Tempo und Lautstärke ohne Weiteres ebenfalls ausdrücken, doch diese Ausbrüche sind selten. Sollten sie auch sein, um ihre Wirkung nicht einzubüßen.
Dieser Vortrag benötigt weder Musik (wie im Hörbuch zu „Eismond“) noch Geräusche irgendeiner Art, denn es ist ein Kammerspiel um ein zentrales Thema: Schweigen. Und diesem Schweigen gilt es durch Worte entgegenzuwirken.
Das Booklet informiert über den Autor und den Sprecher sowie über das Hörbuch „Eismond“. Das Titelbild zeigt ein Mädchen mit kurzem Haar, vermutlich Sinika.
Die CDs sind annähernd 90 Minuten lang. Mein alter CD-Spieler weigerte sich, solche CDs abzuspielen, aber mein neuerer DVD-Spieler bequemte sich doch dazu. Insgesamt bieten die vier CDs fast sechs Stunden Text, das ist eine ganze Menge.
_Unterm Strich_
Es ist ungewöhnlich, dass wir gleich zu Anfang von einem Verbrechen und den Tätern erfahren. Doch es geht nicht primär um dessen Aufklärung, sondern darum, wie die Täter und ihre kriminalistischen Gegenstücke mit diesem Fall 33 Jahre später umgehen. Hat die Zeit Wunden geheilt, die nun wieder aufgerissen werden? Ist die Schuld vergessen, oder muss noch Sühne geleistet werden?
Ist über alles Gras gewachsen, oder gibt es einen Zaubertrick, um beide Fälle, die 33 Jahre auseinanderliegen, aufzuklären? Wie sich zeigt, gibt es diesen „Zaubertrick“ tatsächlich. Das Ende ist wirklich überraschend und ebenfalls ein Teil der umfassenden Ironie. Diese Ironie ist mal bitter, mal tragisch, mal lustig. Es fällt schwer, sich nicht von diesem Plot und der Sprache, in der er erzählt wird, beindrucken zu lassen.
Matthias Brandt scheint mir der passende Sprecher für diese Art von Stoff zu sein. Ruhig, ohne einzuschläfern, aber leidenschaftlich und betroffen, wenn es nötig ist, weiß er die Aufmerksamkeit des Hörers nicht auf sich zu lenken, sondern auf die komplexe Geschichte, die er erzählt.
Wer Action und vordergründige Spannung sucht, wird sicherlich woanders fündig. Wer intensive emotionale Spannung sucht und von einer sicheren sprachlichen Stimme zu einem überraschenden und bewegenden Schluss geführt werden will, der ist bei „Das Schweigen“ an der richtigen Adresse. Den Namen Jan Costin Wagner sollte man sich merken.
|349 Minuten auf 4 CDs|
http://www.eichborn-lido.de/
Die sechzehnjährige Drew Martin gilt als Shooting-Star am Tennishimmel. Nachdem man in Rom ihre furchtbar entstellte Leiche gefunden hat, schlägt der Fall international hohe Wellen. Deshalb bitten die italienischen Carabinieri Dr. Kay Scarpetta um Unterstützung. Bald wird klar: Der Mörder muss sich in den USA aufhalten. Und der Tennisstar war nicht sein letztes Opfer.
Das Hörbuch kombiniert zwei bekannte und sehr wirkungsvolle Horror-Erzählungen: „Das Ding auf der Schwelle“ (1937) und „Die Ratten im Gemäuer“ (1924). Wie schon bei „Der Schatten über Innsmouth“ spricht Lars Riedel die Rolle des Erzählers. Seine Intonation wird dem Hörer unweigerlich kalte Schauder über den Rücken jagen.
|Der Autor|
Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) wird allgemein als Vater der modernen Horrorliteratur angesehen. Obwohl er nur etwa 55 Erzählungen schrieb, hat sein zentraler Mythos um die |Großen Alten|, eine außerirdische Rasse bösartiger Götter, weltweit viele Nachahmer und Fans gefunden, und zwar nicht nur auf Lovecrafts testamentarisch verfügten Wunsch hin.
Aber wie in den Zusatztexten zu „Innsmouth“ zu erfahren war, reicht Lovecrafts Grauen weit über die landläufige Vorstellung von Hölle hinaus: Das Universum selbst ist eine Hölle, die den Menschen, dessen Gott schon lange tot ist, zu verschlingen droht. Auch keine Liebe rettet ihn, denn Frauen kommen in Lovecrafts Geschichten praktisch nur in ihrer biologischen Funktion vor, nicht aber als Liebe spendende Wesen oder gar als Akteure. Daher ist der (männliche) Mensch völlig schutzlos dem Hass der Großen Alten ausgeliefert, die ihre Welt, die sie einst besaßen, wiederhaben wollen. Das versteht Lovecraft unter „kosmischem Grauen“. Die Welt ist kein gemütlicher Ort – und Einsteins Relativitätstheorie hat sie mit in diesen Zustand versetzt: Newtons Gott ist tot, die Evolution eine blinde Macht, und Erde und Sonne nur Staubkörnchen in einem schwarzen Ozean aus Unendlichkeit.
|Der Sprecher|
Lutz Riedel ist die deutsche Stimme von Timothy Dalton („James Bond“ u. a.). Er zeigt auf diesem Hörbuch seine „herausragenden Sprecherqualitäten, die den Hörer mit schauriger Gänsehaut verzaubern“. Er war auch „Jan Tenner“ in der gleichnamigen Hörspielserie.
_Die Erzählungen_
a) |Das Ding auf der Schwelle|
„Es ist wahr, dass ich meinem besten Freund sechs Kugeln durch den Kopf gejagt habe, und dennoch hoffe ich mit dieser Aussage zu beweisen, dass nicht ich sein Mörder bin. Zunächst wird man mich einen Wahnsinnigen nennen – wahnsinniger noch als der Mann, den ich in seiner Zelle in der Heilanstalt von Arkham niedergeschossen habe.“
Also spricht Daniel Upton, der Berichterstatter des grausigen Unglücks, das seinem Jugendfreund Edward Pickman Derby zugestoßen ist. Dieser Dichter des Absonderlichen und Student des Okkulten weist, wie etwa auch Charles Dexter Ward, autobiografische Züge auf. Auch er wurde verhätschelt und in eine seltsame Familie geboren. Er trieb sich lieber mit den Bohemiens und Säufern von der verrufenen |Miskatonic Uni| in Arkham herum, statt einem ordentlichen Beruf nachzugehen.
Jedenfalls solange, bis er mit 38 die Frau seines Lebens (oder seines Todes?) traf und heiratete: Asenath White ist die Tochter des alten Hexenmeisters Ephraim White aus dem verrufenen Innsmouth, wo man um 1850 einen Pakt mit seltsamen Wesen aus dem Meer geschlossen hatte (vgl. dazu unbedingt [„Der Schatten über Innsmouth“ 424 ). Daniel Upton erinnert sich an White als „wölfisch“ und „gestorben im Wahnsinn“. Asenath, gerade mal 23 Jahre alt, scheint dessen Kräfte geerbt zu haben. Insbesondere als Hypnotiseurin leistet sie Ungewöhnliches, nämlich den Austausch der Persönlichkeit des Hypnotisierten, so dass dieser sich selbst durch Asenaths Augen sehen kann.
In Ed Derby hat sie ihr ideales Opfer gefunden. Sie hypnotisiert ihn und bemächtigt sich zeitweilig seines Körpers. Das geht über Jahre hinweg, und beide verändern sich so stark, dass sich Upton wundert: Während sich Derby von einem schlaffen Lethargiker zu einem dynamischen, lebensfrohen Macher entwickelt, sieht Asenath von Jahr zu Jahr älter aus. Doch die Wirklichkeit ist weitaus grauenerregender. Denn es ist nicht Asenath, die ihren Körper bewohnt, sondern ihr Vater, der sie schon im Kindesalter übernommen hat. Und dieser bemächtigt sich wiederum des Körpers ihres Mannes, Ed Derby. Sein Ziel besteht darin, wieder zum Mann und unsterblich zu werden, damit er in Kooperation mit den Großen Alten, die im Untergrund des hintersten Berglandes hausen, weiterhin seine okkulte Herrschaft ausüben kann.
Doch diesen Persönlichkeitsverlust verkraftet das zeitweilig übernommene Opfer nicht lange. Nach einem schrecklichen Zusammenbruch vertraut sich Derby seinem Freund an. Aus Verzweiflung erschlägt er schließlich seine Frau. Doch dies ist nicht ihr Ende. Aus dem Keller heraus, in dem er sie verstaut hat, zwingt sie ihn, den Körper mit ihr zu tauschen. Nun gelingt es Derby gerade noch, als „das Ding auf der Türschwelle“ bei seinem Freund zu erscheinen und ihm einen warnenden Brief zu geben, mit einer dringenden Bitte: „Töte das Wesen, das in der Heilanstalt von Arkham als Edward Derby gilt.“
b) |Die Ratten im Gemäuer|
Ein Amerikaner aus Massachusetts hat in England das seit alters her verfluchte Gemäuer der Exham-Priorei wieder bezogen. Es ist der 16. Juli 1926. De La Poer, vormals Delapore, ist der Letzte seines Geschlechts, das in der Priorei seit dem 13. Jahrhundert gelebt hatte, bis Walter de la Poer im 17. Jahrhundert (genauer: 1610) nach Virginia auswandern musste. Dort nahm die Familie die Namensform Delapore an, denn Adlige waren in der neuen Demokratie nicht gern gesehen …
Doch die Grundmauern der Priorei sind weitaus älter als das 13. Jahrhundert. Sie stammen, wie der letzte Spross herausfindet, sogar noch von den Römern des 2. Jahrhunderts. Wie an Inschriften abzulesen, wurden hier abscheuliche Riten für die „magna mater“, die Fruchtbarkeitsgöttin Kybele, und für den dunklen Gott Atys abgehalten. Wie De la Poer herausfindet, stammen die ältesten Mauern noch aus jungsteinzeitlicher, „druidischer“ Zeit, und wer weiß, was damals im Tempel alles geopfert wurde …
Nach einer Woche hört De la Poer bzw. sein treuer Kater „Nigger“ das erste Trapsen und Trippeln in den Mauern seines Schlafgemachs. Auch alle neuen Katzen sind aufgeregt. Zusammen mit seinem Nachbarn Captain Norrys untersucht er den Keller und stößt auf den Altarstein der Kybele. Doch Norrys entdeckt, dass darunter noch eine Etage sein muss. Mit mehreren Gelehrten, darunter „Archeologen“, erforscht man den Tunnel unter dem Altarstein. Massenhaft Skelette, die Knochen von Ratten zernagt, bedecken die Treppe.
Doch das Schlimmste kommt erst noch: eine unterirdische Stadt aus uralter Zeit, in der nicht Menschen, sondern die Ratten das Kommando hatten. Angeführt werden sie von Nyarlathotep, einem der Großen Alten, der im bodenlosen Abgrund haust und nun auch auf de la Poer seinen Einfluss ausübt …
Wie „Schatten über Innsmouth“ ist „Ratten“ eine Geschichte über Degeneration in einer Familie (genau wie in HPLs eigener) und was daraus wurde. Nur verstößt die Form der Degeneration gegen so große und viele Tabus, dass man es hier nicht wiedergeben kann. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes unaussprechlich.
_Mein Eindruck_
In diesen, seinen besten Geschichten befolgt Lovecraft konsequent die Forderung Edgar Allan Poes, wonach eine „short story“ in allen ihren Teilen auf die Erzielung eines einzigen Effektes ausgerichtet („unity of effect“) sein solle, egal ob es sich um die Beschreibung eines Schauplatzes, von Figuren oder um die Schilderung der Aktionen handele, die den Höhepunkt ausmachen (können).
Um die Glaubwürdigkeit des berichteten Geschehens und der Berichterstatter zu erhöhen, flicht Lovecraft zahlreiche – verbürgte oder meist gut erfundene – Quellen ein, die beim weniger gebildeten Leser den Unglauben aufheben sollen. Erst dann ist die Erzielung kosmischen Grauens möglich, das sich Lovecraft wünschte. In den meisten Erzählungen gelingt ihm dies, und daher rührt auch seine anhaltende Wirkung auf die Schriftsteller weltweit. Erfolgreiche Serien wie Brian Lumleys „Necroscope“ oder Hohlbeins [„Hexer von Salem“ 249 wären ohne Poe und Lovecraft wohl nie entstanden.
Das heißt aber nicht, dass Lovecraft keine negativen Aspekte eingebracht hätte. Als gesellschaftlicher Außenseiter, der nur intensiv mit einer Clique Gleichgesinnter kommunizierte (er schrieb Briefe wie andere Leute E-Mails), ist ihm alles Fremde suspekt und verursacht ihm Angst: Xenophobie nennt man dieses Phänomen. Darüber hinaus hegte er zunächst rassistische und antisemitische Vorurteile (wie leider viele seiner Zeitgenossen), so dass er von kultureller Dekadenz und genetischer Degeneration schrieb. Degeneration ist das Hauptthema in „Grauen von Dunwich“ und „Schatten über Innsmouth“, aber auch in den beiden hier gesammelten Erzählungen.
Edward Derby ist der dekadente Sprössling, der sich dem verderblichen Einfluss schwarzer Magie zuwendet und so an Asenath White bzw. ihren Vater Ephraim, den unsterblichen Hexenmeister, gerät. Der Letzte der de la Poer stößt, wie der Protagonist in „Innsmouth“, unversehens auf die schrecklichen Wurzeln seiner eigenen Familie, allerdings natürlich nicht in der Neuen, sondern in der Alten Welt, in England. Immer wieder wird bei Lovecraft das Grauen importiert: von anderen Weltgegenden, aber wichtiger noch – aus der alten Zeit. Denn in grauer Vorzeit, so HPLs Privatmythos, herrschten die Großen Alten auf der Erde, bevor sie vertrieben wurden. Daher bleiben von ihnen nur Spuren ihres Einflusses. Und wer lange genug nach seinen eigenen Wurzeln sucht, wird auf diese Wurzeln stoßen. Das „kosmische Grauen“ verschlingt den unseligen Sucher.
Ähnlich passiert dies auch Edward Derby, aber auf ganz andere Weise. Denn die verhängnisvollen Wurzeln verbergen sich in seiner Gattin Asenath, die wiederum von ihrem Vater besessen ist. Dieser wiederum ist ein Diener der Großen Alten, denen er die Unsterblichkeit per Seelenübertragung durch Körpertausch verdankt. Für den armen Ed kommt jede Hilfe, die ihm sein entsetzter Freund, unser Reporter vor Ort, gewähren könnte, häufig zu spät. Mit zwei Ausnahmen: Als Ed aus den Bergen und Wäldern Maines taumelt, fährt Dan ihn nach Hause, wobei Ed ihm die (vermutete) Wahrheit erzählt – bis zu einem gewissen Punkt, an dem Asenaths Geist ihn wieder übernimmt, sozusagen per Fernsteuerung. Die andere Ausnahme ist natürlich der Gnadenschuss für Edward Derby, das heißt: für seinen Körper.
|Der Sprecher|
Lutz Riedel liefert eine tolle, überragende Leistung ab. Sein modulationsreicher, dramatischer Vortrag hat mich sehr beeindruckt. Beide Erzählungen steigern sich in ihrer Wirkung allmählich zu einem Höhepunkt, „Die Ratten im Gemäuer“ sogar noch eindeutiger, unkomplizierter als „Das Ding auf der Schwelle“. Am Höhepunkt steigert sich Riedels Stimme in solche Höhen, dass ich sie einem Mann nicht zugetraut hätte. Doch dieses Stilmittel ist – nur in diesem Augenblick – völlig angemessen. Wer mit dem Geist zu sehen vermag, kann sich das Entsetzen der entsprechenden Szene lebhaft und geradezu wie einen Film vorstellen. Einfach fabelhaft. (Ich stelle mir dazu gerne einen schwarzweißen Stummfilm aus der Ära von Bela Lugosi und Boris Karloff vor.)
Die Musik von Andy Matern und die Ansage durch Helmut Krauss entsprechen dem Motto des Verlegers, Regisseurs, Produzenten und Dramaturgen Lars Peter Lueg ebenfalls in vollkommener Weise: „Gänsehaut für die Ohren“ hat man selten wirkungsvoller erlebt – mit Ausnahme der anderen LPL-Produktionen wie etwa „Necroscope“.
_Unterm Strich_
Ist „Das Ding auf der Schwelle“ auch vielschichtiger aufgebaut als die frühe Erzählung „Die Ratten im Gemäuer“, so bieten beide doch garantiert Grauen höchster Qualität und Wirkung, wie man es nur in den besten Erzählungen von Autoren wie Lovecraft finden kann. Ist „Das Ding …“ eine Art längerer Sinfonie, die sich in Phasen der An- und Entspannung dem Finale nähert, so besticht „Ratten“ durch die strenge Ausrichtung auf die sich stetig steigernde, absolut einheitliche Wirkung, ohne lange nach rechts oder links abzuschweifen. Die Wirkung auf mich war entsprechend größer: wie ein Schlag in die Magengrube (ich wollte gar nicht mehr hinhören!). Der Hörer sollte sie sich als krönenden Abschluss des Hörbuchs gönnen – denn Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude.
Lutz Riedel erweist sich als optimaler Sprecher der unterschiedlichen Stimmungen in den beiden Erzählungen. Seine stimmliche Modulationsfähigkeit ist wirklich beeindruckend und verhilft den Geschichten zu optimaler Wirkung. Die Aufnahmequalität ist ausgezeichnet, die Umrahmung angemessen düster. |LPL records| hat wieder einmal eine sehr gelungene Produktion vorgelegt, die sich jedem Lovecraft- und Horror-Freund bedenkenlos empfehlen lässt.
|Hinweis|
Ein umfangreiches zweites Booklet stellt die weiteren LPL-Produktionen vor, zu denen auch eine Reihe von Erzählungen gehört, die „Alien“-Schöpfer H.R. Giger unter dem Label [„Vampirric“ 581 zusammenstellte. Diese Erzählungen stammen von bekannten Autoren wie Guy de Maupassant („Der Horla“, ein echter Klassiker) und Thomas Ligotti, einem modernen Amerikaner, der stark von Poe und HPL beeinflusst ist („Die verloren gegangene Kunst des Zwielichts“). Das Design der Hörbücher ist, einem Giger angemessen, bizarr und düster.
Gut 3000 Jahre in der Zukunft: In Can Coronto leben zahlreiche Aliens unterschiedlichster Art, aber auch Menschen. Die faszinierende Metropole sprudelt vor Leben, Energie und bunten Farben – es ist die Hauptstadt von Atlantis. Der Kontinent existiert noch und hat längst eine andere Bedeutung erlangt.
Perry Rhodan und seine Freunde wissen aber, dass das nicht stimmen kann. Sie befinden sich offenbar auf einer fremden Erde, die sich stark von ihrer Heimat unterscheidet. Hat eine Zeitreise die Vergangenheit verändert und die Welten durcheinandergebracht? Und kann Perry Rhodan beide Wirklichkeiten retten – oder muss er eine für die andere opfern?
Welches Atlantis ist das wahre …? (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Da ist sie also, die alljährliche Mini-Serie in zwölf Teilen. Diesmal gehts wieder nach Atlantis (in die Zukunft und nicht wie letztes Mal in die Vergangenheit) und wir wundern uns anhand des Klappentexts schon mal im Voraus, wieso Perry und seine Freunde überhaupt wissen können, dass irgendwas nicht stimmt. Sollten sie nicht eigentlich die aktuelle Realität als solche anerkennen wie offenbar alle anderen auch?
Werwölfe auf den Shetland-Inseln! Anders ließ sich der Hilferuf der vor Ort stationierten Wissenschaftlerin Dr. Morgana Layton kaum interpretieren. Als auch noch das Militär eingriff und bei dem Versuch, die Insel einzunehmen, scheiterte … da wussten wir, dass uns ein ganz besonders höllischer Fall erwartete! (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer 328 gemacht, das erstmalig am 15. Oktober 1984 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.
Ein actionreicher Vampirroman, den uns der deutsche Bestsellerautor da auftischt: komplett mit Zweikämpfen zwischen Vampyr und Vampjäger, die meist in irgendwelchen Wohnungen oder Anlagen stattfinden. Und stets spielen ein Fotoapparat (auch digital) und ein Spiegel eine wichtige Rolle …
Der Autor
Wolfgang Hohlbein, geboren 1953, ist bekanntlich der erfolgreichste deutschsprachige Autor von Unterhaltungsliteratur für jugendliche und erwachsene Leser. Seine Heimatstadt Neuss zwischen Düsseldorf und Köln ist auch im Hörbuch Schauplatz des Geschehens.
Der einflussreichste Literaturkritiker Deutschlands spricht über einen seiner Lieblingsautoren und trägt dessen Lieder und Gedichte vor. Ein Booklet-Text von Hans Sarkowicz erhellt die Beziehung zwischen Kritiker und Autor auf anschauliche und informative Weise.
„Auf seine unverwechselbare Art und Weise liest Marcel Reich-Ranicki verschiedene Texte von und über den großen Dramatiker Bertolt Brecht. Der Hörer bekommt einen kleinen, aber lebendigen literaturhistorischen Überblick. Marcel Reich-Ranicki schenkt dem Lyriker Bertolt Brecht besondere Beachtung. Er rezitiert und interpretiert ausgewählte Gedichte.“ (Verlagsinfo)
_Der Autor_
Bertolt Brecht, am 2. Februar 1898 in Augsburg geboren, war Dramatiker, Lyriker, Erzähler und Essayist. Schon mit seinem Debüt „Trommeln in der Nacht“ sorgte er 1922 (dem „Ulysses“-Jahr) für Aufsehen. In dem von ihm so genannten „epischen Theater“ setzte er gegen das möglichst realistische Spiel die kritische Befragung des Bühnengeschehens mit Kommentar, szenischer Montage und Verfremdung (der berühmte „V-Effekt“). Die mit dem Komponisten Kurt Weill geschriebene „Dreigroschenoper“ wurde in Berlin zum Sensationserfolg, und noch heute gibt es Theaterrestaurants, die das Stück oder Ausschnitte daraus regelmäßig aufführen (z. B. im Münchner Stadtteil Au).
1933 blieb dem bekennenden Marxisten nur die Flucht ins Exil, u. a. nach Finnland, in die Sowjetunion und die USA. Erst 1949 kehrte er zurück, nach Ost-Berlin. Weil er sich im Osten niederließ und den Aufbau der DDR mit kritischer Sympathie verfolgte, blieb er nach Angaben des Booklet-Autoren Hans Sarkowicz im Westen geächtet, auch noch lange nach dem 14.8.1956, an dem BB starb. Regelrechte Anti-Brecht-Kampagnen sollen bis in die 60er Jahre hinein die Aufführung seiner Stücke ver- und behindert haben.
_Der Leser_
Marcel Reich-Ranicki, geboren 1920, ist schlicht und ergreifend der einflussreichste Literaturkritiker Deutschlands. Ob er auch der beste usw. ist, sei dahingestellt. Er ist Bertolt Brecht persönlich begegnet, wie uns das Booklet aufklärt: 1952 in Warschau. „MRR, der Sohn polnisch-deutschjüdischer Eltern, hatte die Verfolgung durch die Nationalsozialisten überlebt und arbeitete im kommunistischen Polen als Kritiker, Übersetzer und Journalist. BB war aus seinem Exil nach Ost-Berlin zurückgekehrt und besuchte als kultureller Repräsentant den sozialistischen Bruderstaat. MRR hatte Glück. Er wurde in das Hotelzimmer des Dichters geführt und durfte mit ihm ein Interview führen. (…) Nicht erst seit dieser Begegnung, schon lange vorher war MRR ein leidenschaftlicher Verehrer BBs.“ 1958 siedelte MRR nach Westdeutschland über, wurde allmächtiger Literaturchef der FAZ und Gastgeber des „Literarischen Quartetts“ im ZDF. (Alle Abkürzungen stammen von mir, der Text stammt teilweise von Hans Sarkowicz.)
Die Hörbuchaufnahme stamme von 1998, schreibt Sarkowicz. Hier spreche MRR als „bekennender Brecht-Verehrer“ v. a. über den Dramatiker und Lyriker, dessen schönste Gedichte er auch selbst vortrage. 2001 hat MRR im Aufbau-Verlag ein Buch über BB veröffentlicht.
Wer mehr über MRR erfahren möchte, dem sei sein Buch „Mein Leben“ wärmstens empfohlen. Ein Auszug daraus ist in „Das Buch der Deutschen“ abgedruckt, das 2005 von Johannes Thiele bei |Lübbe| herausgegeben wurde.
_Inhalte_
Schon mit 22 oder 23 Jahren, noch vor dem Erfolg von „Trommeln in der Nacht“ (s. o.), will BB sich als „Klassiker“ wahrgenommen haben. Koketterie? Oder zu Recht? Woran ist der „Klassiker“ zu messen – an seiner Wirkung auf die Nachwelt oder auf seine Zeitgenossen? Wie nehmen wir ihn heute wahr: als politischen Dichter oder doch mehr als Dramatiker, als Lehrer oder als Mensch? MRR meint, zuvorderst sei BB doch auch Verführer gewesen. Ganz einfach auch deshalb, weil es die Aufgabe eines Dramatikers und des Theaters sei, den Zuschauer a) zu verführen und b) zu unterhalten, bevor es c) anfangen könne, eine Botschaft zu verbreiten. Pädagogik wirke abschreckend (und langweilig obendrein).
Den Löwenanteil an MRRs Vortrag nimmt sympathischerweise das Thema Liebe und Erotik in BBs Lyrik ein. Dieser Aspekt kommt in vielen kritischen Würdigungen BBs zu kurz, wenn er überhaupt beachtet wird. Aber BB befasste sich schon mit 18 schreibenderweise mit der ersten Liebe, erst himmelhoch jauchzend, dann zu Tode betrübt, dann zynisch. Das hat ihm die Rosa Marie angetan. In seinen Liebesgedichten verbindet BB den Wahnsinn der Liebe und das Mysterium der Sexualität mit dem, was dieser Wahn am stärksten bedroht: mit dem Intellekt. Das ist eine höchst interessante Verbindung. In seinem Gedicht „Erinnerung an die Marie A.“, das auf Rosa Marie anspielt, durchläuft das lyrische Ich im dialektischen Dreisprung These, Antithese und Synthese, um schließlich festzustellen, dass jene weiße Wolke, die so „ungeheuer oben“ erblickt wurde, immer noch in der Erinnerung herumspukt und ihn an die Marie A. gemahnt.
MRR zeigt, wie die Liebe von BB in verschiedenen Aspekten reflektiert wurde, und zieht eine interessante Parallele zu Franz Kafka. Kafka liebte „Milena“, die er um ein Haar geheiratet hätte. Er gesteht, dass sich der Liebende in dem durch die Geliebte geschenkten Leben wiederfinde, ja, selbst liebe. Liebe kann durchaus egozentrisch sein. Und BB nutzte seine Frauen (Ruth Bärlau, Helene Weigel, etc.) durchaus aus, wobei sie sich das offenbar gefallen ließen.
|Lieder|
In der „Dreigroschenoper“ tragen Mackie Messer und seine Geliebte ein klassisches Sonett vor, das aber solches kaum erkennbar ist: Die ironisierende Parodie verdeckt die altehrwürdige Form und verbirgt so auch Pathos und Poesie der Liebe, um sie zu schützen. In der Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ findet sich ebenfalls ein Liebeslied, das darin allerdings wie ein Fremdkörper wirkt: Es bedient sich ebenfalls eine uralten Form, nämlich der Terzine. Literaturkenner wissen natürlich, dass das berühmteste Gedicht, das jemals in Terzinen verfasst wurde, die „Göttliche Komödie“ von Dante Alighieri ist. Was hat das eine mit dem anderen zu tun?
In „Mahagonny“ singen die Hure „Seeräuber-Jenny“ (die später vom Schwarzen Frachter singen wird) und der Holzfäller Ackermann das Lied „Die Liebenden“. Sie tun dies ohne jede Ironie, sind jedoch von einer von Gewalt geprägten Welt umgeben. Daher erscheint das Lied so unpassend und anachronistisch. Seltsamerweise bildet es ein poetisches Gegengewicht zu dem schwermütigen Rest der Oper. Nicht zuletzt deshalb, weil Seeräuber-Jenny und Ackermann auf Dantes Vorlage verweisen. In der „Göttlichen Komödie“ schmort ein Liebespaar im Inferno (= Hölle), weil seine Liebe nicht sein darf. (Wer die genauen Details wissen will, der höre MRR genau zu oder schlage bei Dante nach.)
|Klassisch|
Mit größter Begeisterung, ja, geradezu hingerissen trägt MRR eines von BBs bekanntesten Gedichten vor, das dieser in dem Stück „Schweijk im Zweiten Weltkrieg“ veröffentlichte: „Das Lied von der Moldau“. „Es rollen die Steine am Grunde der Moldau, es liegen drei Kaiser begraben in Prag …“ Obwohl es um die Vergänglichkeit alles Irdischen gehe (die Kaiser, die Steine), so lasse uns Brecht doch Hoffnung: „denn der Tag kommt schon noch.“ Eine Bitte um Nachsicht in „An die Nachgeborenen“ und ein – natürlich lobendes – Fazit beschließen den Vortrag.
_Mein Eindruck_
Nun bin ja als Germanist einschlägig vorbelastet, was Lyrik im Allgemeinen und Brecht im Besonderen anbelangt, doch Reich-Ranicki gelang es in seinem Vortrag, meine Aufmerksamkeit über weite Strecken zu fesseln. Denn MRR hat keineswegs die Brechtianischen Schlager wie „Mackie Messer“ ausgewählt, sondern a) weitgehend weniger beachtete Texte ausgewählt („Erinnerung an Marie A.“ ist relativ bekannt, wird aber selten zitiert) und b) vor allem Liebeslyrik.
Das ist bei einem derart politisch und auch das Tagesgeschehen (17. Juni 1953!) kommentierenden Autor recht verwunderlich. Andererseits eignet sich das Thema Liebeslyrik für eine kompakte Darstellung weitaus besser als etwa eine weitgehend theoretische Erörterung dessen, was man sich unter „epischem Theater“ vorstellen kann bzw. soll. Zudem spricht es auch weibliche Hörer in gleichem Maße an wie männliche. Drittens ist es ein Thema, das politisch unverfänglich ist und an dem sich der Kritiker weder als rechtskonservativ noch als linksliberal zu erkennen geben muss.
Als Literaturfreund, der seit über 50 Jahren nichts anderes tut, als sich mit Literatur zu beschäftigen, ist MRR in der Lage, eine Argumentationskette ebenso geschickt aufzubauen wie seine Thesen mit entsprechenden Werkbeispielen zu belegen. Da Brecht zu seinen Lieblingsautoren gehört, weiß er ganz genau, welche Werke in welchen Ausgaben zu finden sind. Er teilt uns ohne Umschweife mit, welche aktuelle Werkausgabe die maßgebliche ist und dass man darin auch Gedichte aus dem Nachlass finden kann. Eines davon trägt er vor …
|Der Sprecher MRR|
MRR ist ja in manchen Kreisen berüchtigt für seine Dampfwalzenrhetorik, die das Gegenüber, das vielleicht ein paar Einwände anbringen möchte, einfach durch eine vehement vorgetragene Meinung einfach niederbügelt. Als ich die CD einlegte, befürchtete ich einen ebensolchen Vortrag, der auf apodiktische Weise keine andere Interpretation gelten lässt.
Ich wurde angenehm überrascht. Liegt es an der Vorliebe für den Dichter, liegt es am Sujet der Liebeslyrik? Jedenfalls lässt es MRR sachte angehen, und es ist einfach, seinem Vortrag zu lauschen sowie seiner Argumentation zu folgen. Wenn er Liebesgedichte vorträgt – es ist jeweils eine Pause vorgeschaltet -, so tut er dies mit sehr deutlicher Aussprache, langsam vortragend und klar betonend. Diese Vortragsweise eignet sich meines Erachtens für jede Schulklasse, die sich mit dem Thema befasst. Dabei lässt MRR keineswegs den Oberlehrer heraushängen, der ihm früher so viel Ablehnung eingetragen hat.
Die meisten Textzitate sind vollständig, es handelt sich also in der Regel nicht um Auszüge, sondern um das vollständige Gedicht. Das ist bei Lyrik natürlich besonders wichtig, weil ja die letzte Zeile oft eine Pointe bereithält. Wenn also „Erinnerung an die Marie A.“ in allen drei Strophen zitiert wird, so ist dies nicht ein ätzender Versuch des Kritikers, uns zu nerven, sondern pure Notwendigkeit, um den Text zu begreifen. Sicherlich erfordert dies von der MTV-Generation etwas Geduld, aber tut dies nicht alle Literatur, die diese Bezeichnung verdient?
_Unterm Strich_
Das Hörbuch erlaubt es dem Hörer, den berühmten Dichter Brecht von seiner allgemein zugänglichsten und doch unbekanntesten Seite kennen zu lernen: durch seine Liebeslyrik und die entsprechenden Lieder aus Opern und Stücken. Dadurch besteht keine Notwendigkeit, sich mit dem Marxisten Brecht oder dem Theatertheoretiker Brecht auseinander zu setzen. Das Thema ist allgemein verständlich und jedem erwachsenen Menschen zugänglich.
Dass dabei Brechts ganz besonderer und persönlicher Ansatz zum Tragen kommt, ist dem Kritiker Reich-Ranicki zu verdanken. Dass wir diese Gedichte zu mögen lernen, ist dem Sprecher Reich-Ranicki zu danken. Dass die Gedichte einen Platz finden in Brechts Werk und ein Beleg sind für die These „Brecht ist ein Klassiker“, können wir ebenfalls MRR danken, müssen wir aber nicht.
|Die Reihe|
Die |LübbeAudio|-Reihe „X liest Texte von und über Y“ ist eine Gelegenheit, auf schnelle und doch kompetente Weise wichtige Autoren der deutschen Literatur kennen zu lernen. In Zeiten der PISA-Misere eine willkommene Unterstützung im Bemühen vieler Pädagogen und Vermittler, den nachfolgenden Generationen etwas vom mühsam Errungenen – wie vieles wurde verbannt, zensiert, sogar verbrannt! – weiterzugeben, und zwar auf eine Weise, dass es ohne Weiteres zu begreifen ist.
An der schwedischen Küste stürzt ein Sportflugzeug von Drogenkurieren ab. In dem ansonsten so idyllischen Städtchen Ystad, wo Kommissar Kurt Wallander tätig ist, explodiert wenig später das Haus zweier ehrbarer Schwestern. Und zu guter Letzt wird Wallanders Vater in Ägypten wegen Pyramidenbesteigung verhaftet. Unser Serienheld hatte es offenbar schon im Jahr 1989 nicht leicht in seinem Beruf.
Bei einer Freundin von Karls Mutter spukt es. Dinge verschwinden, im Haus gibt es seltsame Geräusche und nachts geht ein Gespenst um. Das klingt nach einem sehr außergewöhnlichen Fall für TKKG! Bei einem Wochenendbesuch wollen die Juniordetektive der Sache auf den Grund gehen. Aber nicht jeder der Hausbewohner ist von ihrem Besuch begeistert. Werden Tim, Karl, Klößchen, Gaby und Oskar es trotzdem schaffen, Licht in diese Gruselgeschichte zu bringen? (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Who you gonna call? TKKG junior! Eine Geistergeschichte hatten wir in der Kinder- und Jugendhörspielwelt (bis auf HUI BUH) von EUROPA schon länger nicht mehr, oder? Auch wenn mutmaßlich auch hier wieder ein echter Mensch mit einem echten Motiv dahinterstecken wird, ists mal wieder etwas anderes.