Europa am Vorabend des Ersten Weltkriegs auf einer alternativen Erde. Prinz Aleksandar, der Sohn des gerade in Sarajevo ermordeten Erzherzogs Franz Ferdinand, wird von seinen eigenen Leuten gejagt. Er flieht in einem „Stormwalker“. Das ist eine Art Jules-Verne-Ausgabe eines Kampfläufers aus „Star Wars“.
In den Schweizer Alpen trifft Alek auf das lebende britische Luftschiff „Leviathan“, das eigens für die britische Armee erbaut und gezüchtet wurde. Die „Leviathan“ befindet sich auf geheimer Mission ins Osmanische Reich. Mit an Bord ist Deryn, die sich als Junge verkleidet in die Armee der britischen Darwinisten eingeschmuggelt hat. Alek rettet sich an Bord der „Leviathan“ und muss mit Deryn gemeinsame Sache machen … (stark abgeänderte Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Ich mag Steampunk. Ich mag Jules Verne. Und ich mag Jugendbücher, weil sie meist nicht so düster und gewaltverherrlichend sind wie Romane für abgestumpfte Erwachsene, denen „Saw“ nicht blutig und menschenverachtend genug ist.
Band 1: Kalix – Werwölfin von London
Band 2: _Kalix – Fluch der Werwölfe_
Nachdem die junge Werwölfin Kalix MacRinnalch es in „Kalix – Werwölfin von London“, dem ersten Band der Reihe, geschafft hat, fast ihre gesamte Familie gegen sich aufzubringen und vom schottischen Familiengut vertrieben zu werden, lebt sie ein beschaulich anmutendes Leben in London. Sie wohnt mit Freunden in einer WG, geht aufs College, doch so wirklich kann sie ihrer wilden Vergangenheit und auch ihrem wilden Wesen trotzdem nicht entfliehen.
Obwohl sie eigentlich glücklich sein müsste, fühlt sie sich einsam und ist depressiv. Sie wird immer noch für ihren Mord am Werwolfanführer Sarapen verfolgt und ist nur durch die Zauber ihrer Schwester Thrix vor anderen Wölfen und den Werwolfjägern geschützt. Ihre Sucht nach Laudanum, Whiskey und Selbstverletzung sowie ihre Appetitlosigkeit nagen an ihr. Als sie einen Brief von ihrem ehemaligen Geliebten Gawain erhält, der sie zuvor mit ihrer Schwester betrogen hat, ist sie hin und her gerissen, ob sie ihm vergeben soll oder nicht.
Als sie sich zu einer Aussprache mit ihm treffen will, macht sie eine grausige Entdeckung. Gawain wurde mit einem Stich ins Herz ermordet. Für die impulsive, unberechenbare Kalix ein rotes Tuch – sie will Rache an seinem Mörder nehmen. Dafür muss sie diesen aber erstmal finden, doch dies gestaltet sich schwierig, denn Werwolfjäger und verfeindete Werwölfe sind ihr auf der Spur. Einzig der undurchsichtige Decembrius scheint ihr helfen zu wollen …
_Mit über 744 Seiten_ ist „Kalix – Fluch der Werwölfe“ nicht gerade dünn, doch dem Autor Martin Millar gelingt es nach Startschwierigkeiten, diese überzeugend mit Leben zu füllen. Da die Geschichte aus der Perspektive mehrerer Personen erzählt wird, die jeweils abwechselnd in kurzen Kapiteln auftreten, ist der Anfang etwas unübersichtlich. Millar führt die einzelnen Charaktere so ein, dass sie trotz ihrer Vielzahl gut voneinander zu unterscheiden sind. Mit dem Fortschreiten der Geschichte werden die einzelnen Handlungsstränge immer enger miteinander verwoben. Dadurch baut sich mehr Spannung auf, auch wenn der Spannungsbogen insgesamt eher flach bleibt.
Allerdings sind es in diesem Buch auch weniger die Ereignisse, die überzeugen und das Buch so wunderbar machen, als vielmehr die Charaktere. Allen voran Kalix, die für ein Jugendbuch sehr gut ausgearbeit, kreativ und vor allem überraschend ist. Sie wird als zerrissenes Mädchen dargestellt, das nicht immer fair und mutig ist. Viele ihrer Handlungen sind durch Angst oder Hass motiviert. Sie handelt unüberlegt, ist drogenabhängig, psychisch labil. Sie ist sicherlich nicht die pädagogisch wertvollste Protagonistin, aber eine, mit der man mitfiebert. Jedes Mal, wenn sie wieder ihrer Laudanumsucht nachgibt, wünscht man sich, sie würde damit aufhören. Wenn sie wieder etwas tut, was dem gesunden Menschenverstand widerspricht, wünscht man sich, sie würde nur einen Moment weniger auf Instinkte hören. Viel Spannung bezieht die Geschichte daher auch aus ihrer unberechenbaren Hauptperson.
Die übrigen Charaktere sind nicht weniger interessant und lebendig. Millar stattet jeden von ihnen mit ganz besonderen Eigenheiten aus, die nicht immer ganz ernst gemeint sind. Die weiblichen Feuergeister beispielsweise fechten ihre internen Machtkämpfe mithilfe von Designerkleidung und Schuhen aus. Wer den angesagtesten Auftritt hinlegt, gewinnt. Obwohl die Geister in einer anderen Sphäre leben, werden sie überspitzt menschlich dargestellt, was überaus amüsant ist. Auch andere Figuren werden zumeist auf ihre prägnantesten Charakterzüge reduziert, was sie einfach verständlich und auch ziemlich witzig macht. Vex‘ Naivität beispielsweise sorgt immer wieder für humorvolle Momente, vor allem, wenn sie auf die gar nicht naive Kalix trifft.
Millar pflegt einen ganz eigenen Schreibstil. Auf der einen Seite schreibt er leicht verständlich, locker, wie es sich für einen Jugendroman gehört, auf der anderen benutzt er einen ihm ganz eigenen Humor. Dieser ist manchmal sehr eindeutig, manchmal eher versteckt, doch da ist er immer. Er zaubert dem Leser ein Lächeln ins Gesicht und hilft charmant über die handlungstechnisch weniger spannenden Stellen hinweg.
_Es ist vor allem_ dieser einmalige Schreibstil mit dem Humor, der „Kalix – Fluch der Werwölfe“ aus der Masse herausstechen lässt. Hinzu kommt ein herrlich funkensprühendes Personenensemble voller unterschiedlicher, lustiger, aber auch trauriger Charaktere, die den Leser mitreißen. Die Handlung hat zwar die eine oder andere Länge, was jedoch durch die genannten Pluspunkte kompensiert wird.
|Broschiert: 744 Seiten
Originaltitel: |Curse of the Wolf Girl|
Deutsch von Eva Kemper
ISBN-13: 978-3841421029|
http://www.fischerverlage.de
Band 1: [„Die Gemeinschaft der Drei“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5929
Band 2: _“Im Reich der Königin“_
Band 3: „Le Coeur de la Terre“ (noch ohne dt. Titel)
Nun liegt sie also endlich vor, die Fortsetzung von Maxime Chattams Roman „Alterra“. Es war schon recht überraschend, wie sich „Alterra“ im Laufe der Lektüre als unvermuteter Mehrteiler entpuppte und so abrupt man vor einem Jahr aus der Handlung herausgerissen wurde, so leicht und schnell ist man am Beginn des Nachfolgebandes „Alterra: Im Reich der Königin“ wieder in die Handlung eingestiegen. Chattams düstere Endzeitvision geht damit in die nächste Runde und entwickelt sich dabei sogar noch ein Stück düsterer und ganz bestimmt nicht weniger fantasievoll als im ersten Teil der Reihe.
_Doch zunächst ein paar Worte zum Inhalt._ Matt, Amber und Tobias – die Gemeinschaft der Drei – haben die Carmichael-Insel und damit die Gemeinschaft der Pans schon vor einer Weile hinter sich gelassen. Sie sind auf dem Weg nach Süden, einerseits, um Gefahr für die anderer Pans auf der Insel abzuwenden, zum anderen um herauszufinden, warum der Torvaderon Jagd auf Matt macht. Warum suchen die Zyniks überall nach ihm? Matt will es selbst herausfinden und begibt sich dafür auf eine lange und beschwerliche Reise gen Süden, in das Reich der Königin.
Seine beiden Freunde Tobias und Amber stehen ihm dabei zur Seite. Auf dem Weg durch die Wildnis lauern viele Gefahren. Der Torvaderon ist immer noch hinter Matt her und Matt und seine Freunde geraten dadurch mehr als einmal in brenzlige Situationen. Doch das ist nicht das einzige Mal, dass der Mut der Drei auf eine harte Probe gestellt wird. Auf ihrer Reise stehen sie plötzlich vor dem undurchdringlichen Blinden Wald. Bevölkert von riesigen, unheimlichen Tieren und bewachsen mit schier endlos in die Höhe ragenden Bäumen, die den Grund des Waldes in Dunkelheit tauchen, muss die Gemeinschaft der Drei hier all ihren Mut zusammen nehmen, um nicht umzukehren.
Kaum dass sie den Wald betreten haben, scheint die Reise auch schon ein jähes Ende zu nehmen: Wie aus dem Nichts werden Matt, Amber und Tobias vom Waldboden in die Höhe gerissen und auf ein seltsames Luftschiff entführt, das von ameisenartigen Wesen gesteuert wird und auf dem sie wie Gefangene gehalten werden. Ist dies das Ende ihrer Reise?
_Chattam knüpft mit dem zweiten Teil_ seiner Reihe mehr oder weniger nahtlos an den ersten Teil an. Auch wenn seit der Lektüre des ersten Teils schon einige Zeit ins Land gezogen ist, fällt der Wiedereinstieg in die Geschichte leicht. Man taucht sofort wieder in die Welt von „Alterra“ ein und hat die drei Freunde Matt, Amber und Tobias lebhaft vor Augen.
Die Spannungskurve strebt von Anfang an stetig aufwärts. Immer wieder geraten die drei Freunde in brenzlige Situationen. An jeder Ecke lauern Gefahren, und obwohl sich diese Dauerspannung natürlich im Laufe der Zeit auch ein wenig abnutzt – zumal man sich mit der Zeit immer sicherer ist, dass die Drei die Herausforderungen, denen sie sich stellen müssen, schon irgendwie meistern, bleibt die Geschichte auf einem spannenden Niveau.
Die drei Freunde schaffen es, so ziemlich jede brenzlige Situation zu meistern, was mit der Zeit einen kleinen Kratzer an der Glaubwürdigkeit der Figurenskizzierung hinterlässt – Stärke und Mut lassen sich eben dann doch nicht immer befriedigend durch die Alteration, die speziellen Fähigkeiten, die die Pans in der neuen Welt entwickelt haben, erklären. Man glaubt irgendwann nicht mehr so hundertprozentig, dass sie jemals in wirkliche Gefahr geraten können. Irgendwie kommen sie schon aus jeder Situation heraus.
Und so muss Chattam stets neue unlösbare Probleme aus dem Hut zaubern, damit die Spannungskurve nicht abfällt. Das gelingt ihm im Großen und Ganzen wirklich gut, und obwohl er kurz davor zu stehen scheint, schafft er es, den Bogen nicht zu überspannen. Mit „Alterra“ hat der Autor eine ungemein vielfältige Welt geschaffen, in der er seine Fantasie austoben kann. Und so gibt es für den Leser reichlich Stoff zum Staunen: die Welt des Blinden Waldes mit den ameisenartigen Kreaturen in ihren Luftschiffen, z. B. oder die Stadt in der Höhle mit dem riesigen Wasserfall. Chattam skizziert eine fantastische Welt, teilweise bis ins Detail und beweist dabei einen wunderbaren Einfallsreichtum.
Vor diesem Hintergrund wird man ihm auch wohl verzeihen müssen, dass die Figurenskizzierung der drei Helden nicht sonderlich vertieft wird. Die Figuren bleiben bei all dem Einfallsreichtum und all den fantastischen Spielereien ein wenig blass. In Anbetracht der Tatsache, dass „Alterra“ auf eine jugendliche Leserschaft zugeschnitten ist, sicherlich ein verzeihliches Manko.
Der Aufbau der Geschichte ist wie schon im ersten Teil so angelegt, dass man das Buch kaum aus der Hand legen mag. Auch wenn sich der Spannungsbogen aus den oben genannten Gründen mit der Zeit ein wenig abnutzt, bringt Chattam immer wieder neue Entwicklungen ins Spiel und splittet die Handlung in einzelne Stränge auf, zwischen denen er hin und her springt, so dass er die Spannung im Großen und Ganzen bis zum Ende gut halten kann.
_Bleibt unterm Strich_ also ein positiver Gesamteindruck. Zwar offenbart Chattam einzelne Schwächen in der Figurenskizzierung und er steht hier und da mal kurz davor, den Bogen ein wenig zu überspannen, kratzt aber dann doch noch die Kurve und bringt den Roman gut zu Ende. Zwar warte zumindest ich nach dem zweiten Teil nicht so sehnsüchtig auf den dritten Band, wie ich seinerzeit auf den zweiten gewartet habe, aber gespannt darauf, wie es weitergeht, bin ich dennoch. „Alterra“ ist und bleibt eine düstere, außerordentlich fantasievoll erzählte und spannende Geschichte, die nach allem was sich andeutet, in einem nicht minder düsteren und spannenden dritten Teil gipfeln dürfte.
_Kein Märchen: das Entstehen des Buches beim Lesen_
Der zehnjährige César ist schlecht gelaunt – schon wieder hat er mit seiner Familie umziehen müssen. Bloß weil sein Vater Kinderbuchautor ist und nicht zwei Bücher in einer Stadt schreiben kann. In der neuen Schule setzt sich ausgerechnet Lucía neben ihn, die selbst Schriftstellerin werden will. Schlimmer hätte es ja wohl nicht kommen können, oder? Doch Lucía entpuppt sich als mutige Helferin, als César vom Schulrowdy Lorenzo getriezt und verprügelt wird.
Zum Dank gibt er Seiten von Papas neuestem Manuskript, das den Titel „Das unsichtbare Buch“ trägt und noch gar nicht gezeigt werden darf – niemandem! Lucía ist davon überaus begeistert. Und im Verlauf dieser verwickelten Diebstahl-und-Lese-Aktion beginnt sich Césars ablehnende Haltung gegen Bücher allmählich zu ändern – mit ungeahnten Folgen …
_Der Autor_
Vom spanischen Autor Santiago García-Clairac erschienen im Baumhaus-Verlag:
1) Die Schwarze Armee: „Das Reich der Träume“
2) Die Schwarze Armee: „Das Reich der Dunkelheit“
3) Die Schwarze Armee: „Das Reich des Lichts“
_Handlung_
Von der neuen Schule erwartet César Durango auch nichts Gutes. Er ist gerade mal eine Woche mit seiner Familie in der Stadt und kennt niemanden – und niemand kennt ihn. Es stinkt ihm inzwischen gewaltig, dass sein Vater, der Kinderbuchautor, sofort in eine andere Stadt umzieht, sobald er ein Buch fertiggestellt und veröffentlicht hat. Das brauche er für seine Inspiration, behauptet Papa. Und keiner in der vierköpfigen Familie wagt dagegen aufzumucken. Nur dass César dabei jedes Mal seine Freunde verliert. Er fühlt sich entwurzelt, wie ein Stück Treibholz. Inzwischen hasst César Bücher und alles, was damit zu tun hat. Aber das soll sich radikal ändern.
Da setzt sich eine neue Mitschülerin neben ihn, und mein Gott, ist die hässlich! Die riesige Brille auf ihrer Nase wirkt wie eine Maske, hinter der sie sich versteckt. Aber sie kriegt den Mund nicht zu, fragt ihm Löcher in den Bauch und stellt sich sogar selbst vor. Sie nennt sich Lucía und will Schriftstellerin werden. Ausgerechnet! Nach einer Weile seines mürrischen Schweigens merkt selbst diese Quasselstrippe, dass sie gefälligst verduften soll.
In der Pause geht César raus auf den Schulhof, um seine Ruhe zu haben. Doch die bleibt ihm verwehrt, denn der Schulrowdy Lorenzo hat es mit seinen Kumpanen auf den Neuen abgesehen. Wird der Neue aufmucken oder sich unterbuttern lassen und ihnen sein Taschengeld überlassen? Aber zu einem Kampf kommt es gar nicht, denn auf einmal stellt sich Lucía vor den friedfertigen César und keift die Rowdies an, bis diese Leine ziehen. Auf ein andermal, drohen sie. Der ältere Javier bringt César nach Hause; auch er hat sich geprügelt.
Um sich erkenntlich zu zeigen, bringt César die ersten Seiten von Papas neuem Manuskript mit und gibt sie Lucía zu lesen. Er hat ihr verraten, dass sein Vater Bücher schreibt. Und als er in einem unbeobachteten Moment den Drucker das Manuskript ausspucken sah, hat er einfach zugegriffen. Lucía ist hingerissen, denn die Geschichte handelt von einer Prinzessin Hanna, die ein unsichtbares Buch findet. Sie will unbedingt herausfinden, was in dem Buch steht und setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um den Ort zu finden, wo das geht: Dieser Ort, so stellt sich heraus, hat sehr viel Ähnlichkeit mit der Hölle …
Lucía will unbedingt erfahren, wie die Geschichte weitergeht. Doch Lorenzo macht ihnen immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Sie mögen sich selbst in den Heizungskeller der Schule zurückziehen – was streng verboten ist – er findet sie dennoch und verpetzt sie. Eine ernste Verwarnung vom Direx ist die Folge, der von der Geschichte kein Wort versteht. Was soll sie denn bedeuten, um Himmels willen? Hat man so etwas schon gehört? Ein Buch, das unsichtbar ist – welchen Sinn hat es denn?
Auch César war bisher der Meinung, dass nur Dinge, die man sehen kann, existieren. Aber Javier und Lucía belehren ihn eines Besseren. Denn Luciás Mut und ihre Neugier sind unübersehbar. Und deshalb will auch er jetzt den Rest der Geschichte erfahren. Bis sein Vater sie beide vor seinem Computer ertappt, wie sie sein Manuskript lesen …
_Mein Eindruck_
Der junge Leser mag sich fragen, ob Senor Durango wirklich Märchen erzählt. Unsichtbare Bücher – wie kann es die denn geben? Doch der Leser wird unerwartet mit einer tiefen Einsicht überrascht: Unsichtbare Bücher gibt es wirklich – überall! Und warum? Ganz einfach, weil ihr Inhalt erst dann sichtbar wird, wenn sie gelesen werden. Erst dann erwacht ein Buch quasi zum Leben: im Geist des Lesers.
Das sieht sogar ein Materialist wie César ein. Bis er zu dieser Erkenntnis gelangt, muss er allerdings einen weiten Weg der inneren Reifung zurücklegen. Denn am Anfang seines Weges sind Bücher ja seine Feinde, und er tut alles, um ihnen fernzubleiben. Als Lucía sagt, sie wolle Bücher schreiben, ist sie deshalb sofort bei ihm unten durch.
Doch Lucías Begeisterung wendet das Blatt ebenso wie ihr Mut im Kampf gegen Lorenzo. Nach einigem hin und her nimmt sie ihn mit auf das Abenteuer, das jedes Buch bereithält: die Entdeckungsreise. Und da Vaters Buch erst im Entstehen ist, gestaltet sich die Entdeckung mindestens so abenteuerlich und spannend wie jene Reise, auf die sich Prinzessin Hanna mit ihrem getreuen Sigfrido begibt. Wie Hanna wollen auch César und Lucía ein Geheimnis entdecken. Und dass das Spicken in ein Buch, das erst geschrieben wird, streng VERBOTEN ist, macht die ganze Sache des Entdeckens umso reizvoller.
Lucías Auftauchen in Césars Familie ändert vieles. Nicht nur César erscheint nicht mehr als Störenfried, sondern sie hat auch einen Draht zu seinem Vater – Schriftsteller quasi unter sich. Deshalb ist sie diejenige, die die Haltung von Senor Durango ändert, als er ihre „Untat“ entdeckt. Wie kann er ihnen böse sein, wenn sie neugierig auf den Schluss seines Buches sein? Na, bitte. Und (ganz) vielleicht wird Senor Durango fortan nicht mehr wegziehen, wenn er ein neues Buch schreiben will. Hoffen darf man ja. Aber dann ist da ja noch Lorenzo …
|Die Illustrationen|
Die Schrift ist so groß gedruckt (etwa 12 Punkt), dass sie sich selbst für Omas bestens zum Vorlesen eignet. Auch die Illustrationen, die Katherina Lindenblatt beigesteuert hat, sind kindgerecht: sehr einfache Motive, stets mit einem Kind oder zweien darauf. So ist die Zeichnung auf das Wesentliche reduziert, und es kann zu keinen Missverständnissen kommen. Das Niveau ist insgesamt selbst für Acht- oder Neunjährige kein Problem.
_Unterm Strich_
Das schmale Büchlein mit der großen Schrift nimmt den jungen Leser ab neun oder zehn Jahren mit auf das, was man beim Lesen am liebsten unternimmt: auf eine Entdeckungsreise. Die Reise setzt sowohl für die Figuren der Binnengeschichte als auch für die beiden Leser und Entdecker César und Lucía eine Entwicklung in Gang, die zur Reifung führt – und zu einer wichtigen Einsicht über die wahre Natur eines Buches: Es ist solange unsichtbar, wie es sich nicht im Geist eines Lesers befindet.
Das leuchtet mir völlig ein. Denn man kann nicht aufrichtig über ein Buch sprechen, solange man es nicht gelesen und erlebt hat. Erst dann erwacht es zum Leben. Ganz nebenbei erzählt der Autor eine Geschichte über das Verhältnis des Unsichtbaren zum Sichtbaren in der Welt und unserem Leben – und was für uns eigentlich wichtiger ist.
Solch ein lehrreiches Büchlein sollte man auch mehr Menschen in die Hand drücken. Oder es einfach zu Weihnachten an die Lieben verschenken. Oder solche, die es noch werden sollen.
|Taschenbuch: 143 Seiten
Originaltitel: El libro invisibile (1999)
Aus dem Spanischen von Hans-Joachim Hartstein
Iillustriert von Katherina Lindenblatt
ISBN-13: 978-3833935985|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de
01 _“Nach dem Sommer“_
02 „Ruht das Licht“ (2011)
03 „In deinen Augen“ (nur angekündigt)
_Die 17-jährige Grace_ wurde als 11-Jährige im Winter von Wölfen von ihrer Schaukel gezerrt, in den Wald verschleppt und blutig gebissen. Ein Wolf mit goldenen Augen hat sie damals gerettet. Seit diesem Winter wartet Grace jedes Jahr ab dem Herbst auf ihren Wolf und freut sich, wenn dieser wieder am Waldrand auftaucht und sie ihn beobachten kann.
Die Sommer über vermisst sie ihn, und erst wenn es kühler wird, kann sie ihn weiter beobachten. Was sie nicht weiß, dieser Wolf ist ihr auch im Sommer nah, in dieser Zeit allerdings in Gestalt eines Jungen, Sam. Erst wenn es kälter wird, verwandelt er sich wieder in einen Wolf.
Als in Mercy Falls im September ein Schulkamerad von Grace, Jack, von den Wölfen getötet wird, beginnt eine Jagd auf die Wölfe. Grace, die davon erfährt, versucht die Jäger zu stoppen und sucht ihren Wolf im Wald, um ihn zu retten. Nachdem sie viele Schüsse gehört hat und ihren Wolf nicht finden kann, geht sie völlig verzweifelt nach Hause und findet auf der Veranda einen Jungen, der aus einer Wunde am Hals blutet. Panisch bringt sie ihn ins Haus, um ihn zu versorgen. Als der Junge sie dann aus goldenen Augen anschaut, kann sie es kaum fassen, sollte dies ihr Wolf sein?
Sie bringt Sam in ein Krankenhaus, wo seine Wunde versorgt wird und weicht ihm nicht von der Seite. Als er aus seiner Narkose erwacht, ist von seiner Wunde schon nicht mehr viel zu sehen. Da er ein Werwolf ist, heilen Wunden sehr viel schneller als normal und um nicht aufzufallen, fliehen Sam und Grace aus dem Krankenhaus.
Grace nimmt Sam mit zu sich nach Hause und beide spüren eine tiefe Zuneigung füreinander. Sam erzählt Grace von seinem Leben, und da er instinktiv spürt, dass die letzten Tage seines Menschseins angebrochen sind, erzählt er ihr auch davon, dass er sich nach diesem Winter vermutlich nie wider in einen Menschen verwandeln wird. Grace verzweifelt daran fast und will versuchen ein Heilmittel zu finden. Die Beziehung zwischen Sam und Grace festigt sich schnell und beide kämpfen gegen die Kälte, die Sam seine Menschlichkeit rauben wird an.
_Kritik_
Mit |Nach dem Sommer| hat Maggie Stiefvater den Auftakt zu einer wunderbar romantischen, bewegenden und geheimnisvollen Trilogie rund um Sam, Grace und die Wölfe von Mercy Falls geschrieben.
Mit einem detailreichen und sehr lebendigen und ausdrucksstarken Schreibstil, fesselt die Autorin den Leser direkt an das Geschehen. Der Spannungsbogen ist ab der ersten Seite vorhanden und zieht sich dabei, zu der Geschichte passend, gleichmäßig durch den Roman. Die Umgebung und besonders der Wald, wurde bildreich und ausdrucksvoll beschrieben, sodass der Leser in der Lage ist, die Umgebung sehr bildlich wahrzunehmen.
Einzigartig ist die Idee, die Wandlung der Wölfe Jahreszeiten abhängig zu gestalten und ihr letztendlich auch etwas endgültiges zu geben, da jedem infizierten Menschen nur begrenzte Zeit bleibt, bevor die Wandlung vollständig wird. Glaubwürdig wurde auch der Wandel selber beschieben, der sich als äußerst schmerzhaft und keineswegs romantisch verklärt dargestellt wird.
Kleinere Unstimmigkeiten, die allerdings kaum zu benennen sind und sich in den weiteren Romanen aufklären können, fallen kaum ins Gewicht und beeinträchtigen den Plot im Ganzen kaum. Maggie Stiefvater hat die Geschichte in den verschiedenen Kapiteln mal aus der Perspektive von Grace und mal aus der Sicht von Sam erzählt, was dem Leser beide Charaktere sehr nahe bringt. Viel Gefühl ist in beiden Perspektiven untergebracht, sodass man sie einzeln fast zu spüren vermag und auf jeden Fall berührt wird.
Der Erzählstil ist überzeugend jugendlich, aber mit einer besonderen Tiefe, die besonders in Sams Kapiteln zum Tragen kommt. Die Protagonisten sind jeder für sich glaubwürdig und sehr reell konzipiert. Die eher nüchterne und sachliche Grace, bekommt mit Sam einen gefühlvollen und poetischen Charakter an die Seite gestellt und so entsteht ein sich perfekt ergänzendes Paar. Beide sind lebendig und authentisch dargestellt, wobei Sams Charakter der eindruckvollste ist. Mit seiner Leidenschaft zur Musik, die besonders durch in seinen Gedanken entstehenden Songtexten dargestellt wird, sowie der Liebe zur Literatur, zeigt dieser Charakter, dass es nicht nur düstere Geheimnisse und stattliche Muskeln braucht, um im Leben bestehen zu können. Gerade seine feinfühlige Art macht ihn zu etwas Besonderem und Liebenswertem. Beide, Sam und Grace, wirken einerseits sehr verletzlich, aber dabei auch stark genug, um es mit ihrem Schicksal aufzunehmen.
Auch die übrigen Charaktere sind keinesfalls eindimensional, sondern haben ebenfalls eine Fülle an Charaktereigenschaften vorzuweisen. Jeder hat eine eigene Kraft, die ihn vorwärts treibt.
Die Gestaltung des Covers wirkt nachhaltig und sanft schimmernd. In hellen Farben wird dort mit herbstlichen Tönen gearbeitet und dies passt sich dem Titel „Nach dem Sommer“ somit perfekt an. Die Titel der Trilogie ergeben nacheinander gelesen |’Nach dem Sommer ruht das Licht in deinen Augen’| was direkt zum Träumen einlädt.
_Fazit_
Mit |Nach dem Sommer| hat Maggie Stiefvater den Beginn einer einzigartigen Trilogie geschafften, die durch viel Gefühl besticht. Mit ihren einzigartigen Charakteren und dem außergewöhnlichen und intensiven Plot, hat die Autorin eine Geschichte geschaffen, die zum Träumen einlädt und Lust auf mehr macht.
Ich freue mich schon auf |Ruht das Licht| den zweiten Teil der Trilogie der Trilogie rund um Sam und Grace.
_Autorin_
Maggie Stiefvater, geboren im November 1981 in Virginia, verlebte eine nach eigenen Worten sehr chaotische, aber sehr kreative und musisch geprägte Kindheit und Jugend. Nach dem College versuchte sie u. a. als Kellnerin, Zeichenlehrerin beruflich Fuß zu fassen. Doch sehr bald schon meldeten sich ihre kreativen Talente und verlangten, ausgelebt zu werden – zunächst als Musikerin und Songwriterin, dann zunehmend als bildende Künstlerin.
Für ihre künstlerischen Arbeiten wurde sie inzwischen mit einigen wichtigen Preisen ausgezeichnet. Seit 2007 hat sich Stiefvater aufs Schreiben konzentriert und zählt inzwischen zu den erfolgreichsten Autorinnen der Dark-Fantasy.
Ihr aktueller Roman, „Nach dem Sommer“, steht seit seinem Erscheinen ununterbrochen unter den besten Zehn der New-York-Times-Bestseller (Jugendbuch). Wenige Wochen nach Veröffentlichung wurden die Filmrechte an die Produzenten von „Der Herr der Ringe“ und „Der goldene Kompass“ verkauft. „Nach dem Sommer“ wird als „the next big thing“ nach Stephenie Meyer gehandelt.
_Das vierte Jahr der Akadermie_ der Vampire hat für Alisa vom Clan der Vamila, Leo vom Clan der Dracas, Ivy vom Clan der Lycaner und Luciano vom Clan der Nosferas begonnen. Diesmal geht es für die jungen Vampire nach Wien, zum Clan der Dracas. Hier sollen sie die Kunst des Gedankenlesens lernen, die die Dracas perfektioniert haben.
Vorerst stehen aber mehr Tanzen und Fechten auf dem Lehrplan, was die Jungvampire nicht besonders aufregend finden. Der Clan der Dracas setzt alles daran, die Jungvampire in das öffentliche Leben in Wien einzuführen. Neben dem Tanzen und Fechten stehen auch Theater und Opernbesuche sowie Bälle und andere Abendveranstaltungen auf dem Programm. Während eines Besuchs im Burgtheater lernt Luciano die menschliche Clarissa von Todesco kennen und verliebt sich. Dies ist nicht unproblematisch, da Luciano sich kaum mehr im Griff hat und nicht selten den Unterricht schwänzt, um sich heimlich mit Clarissa zu treffen. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis diese verbotene Beziehung auffliegt.
Als sich auch nach einiger Zeit am Unterrichtsplan der Dracas nichts verändert, macht sich Ungeduld breit. Alisa kann Leo überreden, zumindest ihr und Luciano diese Kunst näherzubringen. Einzig Ivy braucht diese Unterrichtsstunden nicht, da sie das Gedankenlesen mindestens genauso gut beherrscht wie die Dracas. Ivy macht sich immer mehr Sorgen darum, dass ihr Geheimnis bald auffliegen könnte, da sie als Einzige nicht zu altern scheint und immer noch blutjung aussieht. Zusätzlich macht sie sich Sorgen, da ihr immer öfter Raben auffallen, die die Erben zu verfolgen scheinen. Mit diesem Verdacht steht sie allerdings alleine da, weil ihre Freunde dies als Spinnerei ab tun.
Ein dunkler Schatten kommt immer näher, und als Ivy dann entführt wird, machen ihre Freunde sich auf nach Siebenbürgen, um sie zu retten.
Sind sie den dort lauernden Gefahren schon gewachsen?
_Kritik_
Mit „Dracas“ hat Ulrike Schweikert den vierten Teil der |Erben der Nacht|-Serie geschrieben. Wie schon in den drei vorangegangenen Bänden „Nosferas“, „Lycana“ und „Pyras“ versteht es die Autorin, ihre Geschichte in die historischen Ereignisse des 19. Jahrhunderts einzubauen und so Abenteuer und Fantasy mit der Geschichte und Kultur der jeweiligen Schauplätze zu verbinden. Der Schreibstil von Ulrike Schweikert ist einem Jugendbuch angemessen und daher leicht zu lesen. Sie schafft es dabei, auch die Sprache der Zeit des endenden 19. Jahrhunderts anzupassen.
Ein sich aufbauender und in einem dramatischen Finale endender Spannungsbogen macht es dem Leser schwer, das Buch zur Seite zu legen. Durch das stetige Tempo gelingt es der Autorin, den Leser zu fesseln und in die Geschichte eintauchen zu lassen.
Dem originellen Plot, den Ulrike Schweikert seit dem ersten Band gesponnen hat, bleibt sie treu, und dieser zieht sich wie ein roter Faden auch durch diesen Roman. Langsam scheint sich zu klären, wer der dunkle Schatten ist, der seit dem ersten Akademiejahr Jagd auf die Jungvampire macht, und auch die Gründe dafür sind stimmig und nachvollziehbar. Das Ende ist für diesen Roman abschließend, hält dabei aber die Spannung auf den nächsten Teil der Reihe aufrecht.
Die Umgebung beschreibt die Autorin detailliert und schafft eine passende, in Wien prunkvolle und in Transsylvanien düstere Grundstimmung. Erzählt wird die Geschichte um die Jungvampire aus der Perspektive eines Beobachters, der sich zwar hauptsächlich auf die vier Freunde Alisa, Leo, Ivy und Luciano konzentriert, dabei weitere Charaktere aber keinesfalls aus den Augen verliert und auch die tragenden Charaktereigenschaften betont.
Die Protagonisten entwickeln sich realistisch weiter. Mit ihren typischen Charaktereigenschaften werden die Jungvampire langsam erwachsen, und neben der Freundschaft kommt bei manchen auch die erste Verliebtheit zum Tragen. Die vier Freunde Alisa, Ivy, Leo und Luciano tragen in dieser Reihe die Hauptrollen, dennoch haucht die Autorin auch den Nebenfiguren Leben ein und beschreibt sie detailliert, sodass der Leser jede Einzelne vermissen würde, sollte diese die Bühne verlassen. Jeder Protagonist ist für sich einzigartig und lebensnah konzipiert und hält sich über Jahre der Erzählzeit selbst die Treue, ohne dabei in der Entwicklung stehen zu bleiben. Historische Personen wie Bram Stoker oder Oscar Wilde sowie literarische wie van Helsing oder Dracula höchstpersönlich, aber auch solche Besonderheiten wie die Fledermäuse der Peterskirche sind Teil dieser Geschichte und tragen zur Einzigartigkeit bei.
Die Aufmachung des Buches passt sich in der Gestaltung der Reihe perfekt an, ohne gleich zu wirken. Im Innenteil ist eine Karte von Wien abgedruckt und am Ende des Buches eine Übersicht von Transsilvanien. Ein Glossar erklärt historische Begriffe, und auch die neuen Gaststars werden vorgestellt und deren Leben kurz beschrieben.
_Die Autorin_
Ulrike Schweikert wurde am 28. November 1966 in Schwäbisch Hall geboren. Sie hat eine jüngere und eine ältere Schwester. Bereits als Kind liebte sie es zu tanzen und betreibt immer noch aktiv Ballett- und Tangounterricht. Nach ihrer Schulzeit, die sie auch in Schwäbisch Hall verbrachte, machte sie einen Banklehre in Stuttgart. Nachdem sie sechs Jahre lang als Wertpapierhändlerin gearbeitet hatte, studierte sie Geologie und Journalismus. Zu dieser Zeit entstanden erste Manuskripte.
Während ihres Studiums recherchierte sie viel über ihre Stadt, was die Grundlage für ihren ersten Roman war: 2000 veröffentlichte sie „Die Tochter des Salzsiedlers“. Allerdings gelang ihr der Durchbruch erst mit ihrem zweiten Roman „Die Hexe und die Heilige“, der es ihr ermöglichte, das Schreiben zu ihrem Beruf zu machen. Für „Das Jahr der Verschwörer“ erhielt sie 2004 von der „Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur – Das Syndikat“ den Hansjörg-Martin-Preis.
Heute lebt sie in Pforzheim. Sie liebt Vulkane, vor allem Island und Hawaii haben es ihr angetan, und sie ist eine begeisterte Taucherin. Unter dem Namen Rike Speemann schrieb sie zwei Fantasyromane. Sie schrieb unter einem Pseudonym, um nicht in eine Schublade für historische Romane gesteckt zu werden. (Verlagsinfo)
_Fazit_
Mit „Die Erben der Nacht – Dracas“ hat Ulrike Schweikert wieder einmal bewiesen, dass sie es schafft, Fantasy großartig und glaubwürdig mit der Historie zu verbinden und ein spannendes und einfach zu verstehendes Werk zu schaffen, das durch absoluten Lesespaß überzeugt. Die jugendliche Zielgruppe wird dabei ebenso erreicht wie auch der erwachsene Leser fantastischer Literatur.
_Ulrike Schweikert bei |Buchwurm.info|:_
Interview: [»Die Abwechslung ist das Reizvolle«]http://buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=93
[„Der Duft des Blutes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4858
[„Das Herz der Nacht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6020
[„Die Dirne und der Bischof“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5548
[„Die Seele der Nacht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1232
Jutta Langreuter bringt ans Tageslicht, was ihren Kindern als Gute-Nacht-Geschichten gefällt: Käpt’n Sharky, „der Schrecken der Meere“, zieht mittlerweile in sein fünftes Abenteuer bei |Coppenrath|. Dass nebenher eine überbordende Vermarktung Sharkys als Produkt in allen Bereichen des kindlichen Lebens stattfindet, muss da nicht erstaunen. Neben Fahrrädern, Essgeschirr und Badetüchern werden die Figuren auch vertont und auf CD gepresst, und mit Dirk Bach hat Sharky selbst einen prominenten (Für-)Sprecher gefunden.
_Durch ein Gewitter_ kämpft sich Sharkys kleines Piratenschiff. Ein Blitz erhellt nicht allzu weit entfernt die bleichen Konturen eines Geisterschiffes, das halb gesunken auf einem Riff zu liegen scheint. Während die Ratte vor Angst fast erstickt, erkennt Sharky das Schiff als uraltes, sagenumwobenes Schiff, das schon viele Piraten zu bergen und plündern versuchten – ohne Erfolg.
Im Morgengrauen hat sich das Gewitter gelegt und die kleinen Piraten erblicken das Wrack bei Tageslicht – eine Chance, die sich Sharky nicht entgehen lassen will: Mit Taucherbrillen bewaffnet, dringen er und sein Freund Michi in das Schiff vor. Dort stoßen sie wirklich auf einen unglaublichen Schatz – und auf eine übermenschliche Gefahr …
_Schon der Anfang_ ist düsterer als bisher üblich, denn wo sonst ein strahlend blauer Himmel und Urlaubsstimmung dominierten, dräut jetzt ein Unwetter. Mit dem Auftauchen des Geisterschiffes geht es allerdings wieder ruhiger zu. Die Gefahren, denen Michi und Sharky ausgesetzt sind, machen bei der Lektüre einen eher harmlosen Eindruck, obwohl Kinder natürlich vor dem drohenden gigantischen Kraken mit seinen Fangarmen bibbern. Doch mit Sharkys Dreistigkeit wird auch hier eine friedliche Lösung gefunden, diesmal sogar ohne Konfrontation mit dem Erzrivalen, dem Alten Bill, oder seinem ewig unterlegenen Verfolger, dem königlichen Admiral. Was dem Buch etwas an Humor nimmt, zumindest aus erwachsener Sicht.
Beim Vorlesen ist jetzt der Erwachsene gefragt, der Geschichte Charakter zu verleihen. Wer bisher nur die Hörspiele kannte, wird hier Schwierigkeiten haben, die verwöhnten Kinder zu fesseln und zufriedenzustellen. Auch machen das Buch und der Text den Eindruck, dass für die Vertonung zusätzliche Textelemente eingefügt werden, denn insgesamt macht das Buch doche einen sehr einfachen Eindruck.
Möglicherweise gewinnt die Geschichte jedoch durch die hervorragenden Leistungen der Sprecher im Hörspiel an Qualität. Diese Doppelvermarktung bietet dem Vorleser zum einen einen Anhaltspunkt, wie die Geschichte vorgetragen werden will, andererseits macht sie es sowohl den Eltern als auch den Kindern nicht leicht, mit dem Buch und der Vorlesequalität zufrieden zu sein.
_Das Besondere an Käpt’n Sharky_ kommt in diesem Buch nicht heraus. Man sollte dafür eher zur Hörspielfassung greifen.
_|Käpt’n Sharky| bei |Buchwurm.info|:_
[„Abenteuer in der Felsenhöhle (Käpt’n Sharky 4) (Hörspiel)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6280
01 – [„Das Rätsel der schwarzen Herren“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6214
02 – „Der Verrat“
03 – _“Das Geheimnis von Nr. 7″_
04 – „Das unheimliche Schiff“
_Astronomische Rätsel an Bord geheimnisvoller Schiffe_
Als JoJo und seine Freunde Murat und Mai Lyn einen merkwürdigen Jungen namens Jimmi kennenlernen, steht ihr Leben plötzlich Kopf. Der grauhaarige Junge weiß weder, wer er ist, noch woher er kommt. Woher stammt er bloß? Eine Spur führt die Freunde nach Hamburg, wo sie auf alte Bekannte treffen: die Kakamura-Brüder (aus Band 1)! Nur mit einem Trick gelingt es ihnen, ihre geheimnisvollen Verfolger abzuhängen, um weiter nach dem roten Schiff zu suchen, das auf Jimmis Karte verzeichnet ist. Doch kaum haben sie es entdeckt und sind an Bord gegangen, schnappt die Falle zu … (Verlagsinfo)
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 8 – 9 Jahre.
_Der Autor_
Jürgen Banscherus, geb. 1949, arbeitete nach geistes- und sozialwissenschaftlichem Studium als Journalist, Lektor und Dozent in der Erwachsenenbildung. Er ist Mitglied im PEN und Vorsitzender der Jury beim Bundesentscheid des Vorlesewettbewerbs. Seit mehr als 20 Jahren schreibt er erfolgreich für Kinder und Jugendliche. Seine Bücher wurden vielfach ausgezeichnet und sind in 19 Sprachen übersetzt. Er lebt mit seiner Frau und seiner Familie im Ruhrgebiet.
_Handlung_
JoJo, Murat und Mai Lyn vom Geheimen Buchklub haben in Jimmi einen neuen Freund gefunden. Er ist grauhaarig und hat das Gedächtnis verloren, und das findet auch JoJos 90-jährige Uroma etwas merkwürdig. Noch seltsamer, weiß JoJo, sind jedoch die Brüder Kakamura, die ganz in Schwarz gekleidet sind und sie verfolgen. Was wollen sie bloß von Jimmi, fragt sich JoJo. Schon einmal haben er und seine Freunde den Finsterlingen ein Schnippchen geschlagen. Danach mussten sie Jimmi gegen die Hammer-Boys verteidigen.
Diesmal hat Jimmi eine Zeichnung angefertigt, auf der ein rotes Schiff zu sehen ist. Aber wo ist es zu finden? Als sie genauer hinsehen, entdecken sie das Autokennzeichen HH darauf: Hamburg. Dort sollen sie hin? OK, aber erst nachdem sie Uromas köstliche Brathühnchen gefuttert haben. Köstlich!
Es ist vor allem Murats türkischem Onkel und seinen Taschengeldspenden zu verdanken, dass sie sich die Fahrkarten nach Hamburg leisten können. Doch auch im ICE sind die Kakamuras sehr sonderbar. Im Hafen von Hamburg-Harburg finden sie kein rotes Schiff, sondern bloß Containerschiffe. Ein alter Seebär mit Zöpfen fragt sie, was sie suchen. Er nennt sich Winnetou und ist schon 82 Jahre alt. Sie zeigen ihm die Zeichnung mit dem roten Schiff darauf. Das müsse im Alten Hafen sein, meint er – und ist so freundlich, sie hinzuführen.
Da springt Jimmi auf einmal ins dreckige Hafenwasser! Er hat das Schiff erspäht! Mit einem geliehenen Motorbott fischen sie ihn wieder aus dem schmutzigen Nass und fahren ihn hin. Das rote Schiff heißt WEGA und scheint völlig verlassen zu. Niemand antwortet auf ihre Rufe. Sie gehen einfach an Bord, was den alten Seebären maßlos empört. „Das ist ja wie Hausfriedensbruch!“ schimpft er.
Aber das ist noch gar nichts gegen den Fund, den sie an Bord machen. Das Schiff hat keinen Motor, aber dafür in jeder Kajüte einen schwarzen Klotz. Was hat es damit wohl auf sich, fragt sich JoJo und fasst den Klotz in Kabine Nr. 7 an. Ein Gefühl unendlicher Traurigkeit überkommt ihn, genauso Murat, der den Klotz ebenfalls berührt. In jeder Kajüte ist ein Bild vom Sternbild Leier aufgehängt, dessen Hauptstern bekanntlich die WEGA ist. Aber wie heißt der Nachbarstern, der der durch eine Linie mit der WEGA verbunden ist?
Murat begibt sich in den Laderaum, und da liegt auch so ein schwarzer Klotz. Seltsamerweise ist nur der geheimnisvolle Jimmi in der Lage, den Klotz emporzuheben. Und dabei war doch Winnetou mal Meister im Schwergewichtheben! Plötzlich wird die Leiter aus dem Laderaum emporgezogen und die Luke geschlossen. Warum funktionieren ihre Handys auf einmal nicht?! Kurze Zeit später legt das Schiff ab – mit unbekanntem Ziel!
_Mein Eindruck_
Ich habe das Buch in nur einer Stunde gelesen. Nicht nur, weil es flott erzählt und spannend geschrieben ist, sondern auch, weil die Schrifttype wirklich groß ist und so nur wenig Text auf die Seite passt. Außerdem gibt es eine ganze Reihe von Zeichnungen Thilo Krapps, die unsere Helden zeigen. Die Seiten können also nur so vorüberrauschen. Bevor es zum Finale kommt, kann man praktisch keine Pause einlegen.
Die Geschichte ist für acht- bis neunjährige Jungs und Mädchen geschrieben, und zwar so, dass diese alles verstehen. Ein wenig erinnert der Plot auch an „Momo“, und zwar ähneln die Herren in Schwarz ein wenig den grauen Männern von der Zeitkontrolle. Vor solchen Finsterlingen ist die alsbaldige Verdünnisierung angesagt, das versteht sich von selbst.
Das größte Rätsel ist allerdings Jimmi selbst. Er scheint unter Gedächtnisverlust zu leiden, denn er weiß nicht, wie er auf die Erde kam. Von wo? Das ist die Preisfrage. Und er kam obendrein nackt! Kein Wunder, dass er nicht dran denken will … So viele Rätsel, die es zu lösen gilt, sorgen, das ist klar, für jede Menge Folgebände in dieser neuen Serie. Die Nähe zu den „Drei ???“ und der „Ferienbande“ liegt nahe.
Gut finde ich allerdings, dass diese brandneue Reihe ganz im 21. Jahrhundert spielt und nicht auf Ursprüngen aus den sechziger und siebziger Jahren basiert. Ein durchschnittlicher Jugendlicher wie JoJo ist also standardmäßig mit Mobiltelefon, MP3-Player und Kaugummis ausgerüstet. Jimmi weist nichts davon auf, was ihn schon mal bemitleidenswert macht. Genau deshalb muss man ihm helfen.
Zur Aktualität gehört auch der Multikulti-Hintergrund, vor dem der Geheime Buchclub existiert: Murats Vater ist offenbar Türke, wenn auch ziemlich wohlhabend, und Mai Lyns Eltern sind Boat People: Vietnamesen, die mit einem Boot aus ihrer Heimat flüchteten. Inzwischen sind sie in Deutschland erfolgreiche Leiter einer Großwäscherei. Hartz IV ist demnach also kein Thema. Daraus ergeben sich einige Unterschiede auch zu Amelie Frieds Kinderbuchserie „Taco & Kaninchen“ (siehe meinen Bericht dazu), die in einer Stadt in einem Problem-Viertel spielt.
JoJos Umgebung ist etwas idyllischer, denn er wohnt in einem schönen Haus mit Garten. Und seine Uroma bemuttert ihn, was die Frage aufwirft, wo eigentlich Oma und seine Eltern abgeblieben sind. Diese Frage wurde vielleicht im zweiten Band beantwortet, den ich nicht gelesen habe.
_Unterm Strich_
Auch wenn sich der Plot dieser neuen Serie wohlbekannter Kniffe wie Amnesie, astronomischer Rätsel und anonymer Finsterlinge bedient, so halten die Geheimnisse doch das Interesse an der Geschichte wach. Diesmal tritt ein Rätsel auf, das eher an Sciencefiction denken lässt: die schwarzen Klötze an Bord des roten Schiffes WEGA. Sie haben sonderbare Eigenschaften. Kommen sie nicht von unserer Welt, sondern wie der Meteorit, der in Band 2 gefunden wurde, von einer anderen? Wer weiß schon, wohin die WEGA fährt – oder fliegt?
Keine Frage gibt diese Geschichte Stoff für viele weitere Bände her, wie man hoffen darf. Jedes Buch lässt sich von erfahrenen Lesern wie mir in etwa einer Stunde lesen, eignet sich aber auch gut zum Lesenlernen – dank der großen Schrift. Druckfehler fand ich keine.
Genug der Vampire, jetzt gehen die Engel an den Start! Die junge Autorin Lauren Kate beginnt mit „Engelsnacht“ eine Fantasyreihe, die vor allem Fans der „Bis(s)“-Reihe ansprechen wird.
_Die siebzehnjährige Luce_ muss nach einem merkwürdigen Vorfall, bei dem ihr Freund Trevor ums Leben gekommen ist, auf das Internat Sword & Cross, das sich als Besserungsanstalt für psychisch Kranke und Vorbestrafte entpuppt. Die meisten ihrer Mitschüler sind ziemlich schräg, aber Luce ist auch nicht gerade ohne. Seit ihrer Kindheit sieht sie ständig Schatten um sich herum, die andere nicht wahrnehmen.
Sie lebt sich recht schnell ein und findet in der verrückten Arriane und der strebsamen Penn gute Freundinnen, in dem Punkmädchen Molly aber auch eine Feindin. Außerdem sind da noch zwei Jungen, Cam und Daniel. Beide sind attraktiv und machen Eindruck auf Luce, doch während Cam sich ihr gerade aufdrängt, weicht Daniel ihr aus und weist sie ab. Er ist unglaublich unfreundlich zu ihr, was ihn in ihren Augen aber noch attraktiver macht. Sie beginnt damit, über ihn zu recherchieren, weil sie mehr über ihn herausfinden möchte, doch keine der Informationen bringt sie wirklich weiter. Gleichzeitig wird Cam immer aufdringlicher. Fast schon zu aufdringlich, doch Daniel rettet sie aus einigen brenzligen Situationen – und offenbart dabei, dass sie mehr verbindet als Luce jemals gedacht hat …
_Der Schwerpunkt in_ Kates Roman liegt eindeutig auf der Romantik. Es gibt zwar einige Spannungselemente – das Geheimnis um Daniel und Cam, ein actionreiches Finale -, doch diese sind nur schwach ausgeprägt und werden auch nicht richtig ausgebaut. Ansonsten dreht sich das Buch, das aus Luces Perspektive erzählt wird, aber hauptsächlich um ihre Gefühle und Gedanken. Von diesen gibt es viele. Luce muss den Unfall mit ihrem Freund verarbeiten, sich an die neue Schule gewöhnen, neue Freunde finden und das erste Zusammentreffen mit Daniel stürzt sie in ein schreckliches Gefühlschaos. Ausgewalzt auf über 400 Seiten kann es da schon zu der einen oder anderen Länge kommen. Insgesamt fehlt es dem Aufbau noch etwas an klarer Linie und vielleicht auch etwas mehr Ausgewogenheit zwischen Romantik und Spannung.
Kate greift in ihrem Roman ein hinreichend bekanntes Thema auf: gefallene Engel. Dabei verzichtet sie weitgehend auf religiösen Ballast. Das bedeutet auf der einen Seite ein paar Längen weniger, auf der anderen wirkt das Buch an einigen Stellen allerdings etwas oberflächlich. Hinsichtlich des jungen Publikums ist dieses Vorgehen allerdings sicherlich das bessere.
Luce ist eine Figur, die, ähnlich wie Bella aus der „Bis(s)“-Reihe, viele junge Mädchen ansprechen wird. Sie ist auf der Suche nach sich selbst, muss Ereignisse aus ihrer Vergangenheit verarbeiten und muss sich mit der Liebe auseinandersetzen. Die inneren Konflikte, die dabei entstehen, beschreibt die Autorin sehr anschaulich in einer mitreißenden, leicht verständlichen Sprache. Bereits nach den ersten Kapiteln hat man sich ein gutes Bild von der Protagonistin gemacht, das auch bis zum Ende konsistent bleibt. Sie ist damit sicherlich nicht der originellste Charakter, aber sie ist interessant und lebendig und besitzt Potenzial.
_Ob sich dieses_ Potenzial auch in der von Lauren Kate geplanten Reihe fortsetzen wird, wird sich zeigen. „Engelsnacht“ hat hinsichtlich der Protagonistin und des verständlichen Schreibstils jedenfalls die richtigen Tendenzen. Die Handlung überzeugt allerdings noch nicht ganz. Etwas mehr Spannung und weniger Längen wären wünschenswert.
In Deutschland ist Todd Strasser vor allem unter dem Pseudonym Morton Rhue und für sein Buch „Die Welle“ bekannt. 2008 drehte Dennis Gansel sogar eine deutsche Filmadaption der Geschichte. Neben diesem Roman hat Strasser zahlreiche weitere Bücher geschrieben. Eines davon ist „Wish u were dead“, das sich, wie vom Autor gewohnt, mit für Jugendliche relevanten Themen beschäftigt.
Madison wohnt im beschaulichen Soundview, einem Örtchen, in dem vor allem reiche Leute leben. Doch obwohl sie in diesen Lebensstil hinein geboren wurde, ist sie kein typisches blondes Highschoolpüppchen. Ihr gehen die Cliquen in ihrer Schule auf die Nerven, auch wenn sie und ihre beste Freundin Courtney ein Teil davon sind. Ihr gefallen eher Menschen, die aus der Reihe tanzen, zum Beispiel Tyler, der Neue an ihrer Schule. Er ist verschlossen und wirkt wesentlich erwachsener als die anderen Typen in Soundview.
Band 1: [„Gezeichnet“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6374]
Band 2: [„Betrogen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6277]
Band 3: _“Erwählt“_
Band 4: „Ungezähmt“ (erscheint am 11.11.2010)
Band 5: „Gejagt“ (erscheint am 01.02.2011)
Band 6: „Versucht“ (erscheint am 01.05.2011)
Band 7: „Verbrannt“ (erscheint am 01.08.2011)
_Weihnachten und somit_ auch Zoeys Geburtstag stehen vor der Tür. Für Zoey kein Grund, sich zu freuen: Sie befürchtet wie jedes Jahr, Geburtstagsgeschenke zu bekommen, die mehr mit Weihnachten zu tun haben als mit ihrem Ehrentag. Als hätte sie es geahnt, sind dann auch alle Geschenke überaus weihnachtlich, bis auf ein Armband, das ihr menschlicher Freund Heath ihr schickt – zusammen mit einem Brief, den leider auch ihre Vampyr-Freunde lesen, in dem er ihr mitteilt, wie sehr er sie vermisst, und hofft, dass das Geschenk ihr gefällt, schließlich hätte es nichts mit Weihnachten gemein. Besonders ihr Vampyr-Freund Erik ist verletzt, da er nicht wusste, dass Zoey weihnachtliche Geschenke hasst … sein Geschenk ziert ein Schneemann. Auch die „Zwillinge“ Erin und Shaunee, Damian und Jack sind enttäuscht.
Zoey allerdings macht sich mehr Sorgen um ihre untote Freundin Stevie Rae, denn diese verliert immer mehr ihre Menschlichkeit. Zoey ist fest entschlossen, Stevie Rae zu retten, und nimmt sogar die Hilfe Aphrodites an. Sie verstecken Stevie Rae in einer Angestelltenwohnung in Aprodites Elternhaus und versorgen sie mit Blutbeuteln. Zoey appelliert an Stevies Erdverbundenheit, da Zoey glaubt, diese würde Stevie Rae helfen.
Leider kann Zoey ihre übrigen Freunde nicht einweihen, da die Hohepriesterin und Rektorin Neferet die Gedanken aller – mit Ausnahme von Zoey und Aphrodite – lesen kann und keinesfalls erfahren darf, dass Zoey versucht, Stevie Rae zu retten. Immerhin sind die untoten Schüler ihr Werk.
So sucht sie, fast auf sich allein gestellt, eine Möglichkeit, Stevie Rae zu helfen. Aber nicht nur das belastet Zoey, denn dazu kommt noch die Problematik mit ihrem Elternhaus; nur ihre Grandma steht zu ihr. Noch schlimmer allerdings ist die verzwickte Dreiecksbeziehung, in der sie steckt. Da wäre der Schulschwarm Erik, ihr menschlicher Freund Heath, der zu allem Überfluss auf sie geprägt ist, und der Lehrer Loren Blake, der sich für sie interessiert.
Als dann noch Vampire des Internats regelrecht hingerichtet werden, droht Zoeys Welt zusammenzubrechen.
_Kritik_
Mit „Erwählt“ hat das Autorengespann P.C. und Kristin Cast seinen dritten Roman der „House of Night“-Serie geschrieben. Der Schreibstil der Autorinnen ist jugendlich gehalten und flüssig zu lesen, lässt allerdings Detailreichtum vermissen. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf dem Spannungsbogen und dem Versuch, möglichst viele Geschehnisse auf den 408 Seiten unterzubringen. Der Leser wird von Ereignis zu Ereignis gejagt und kommt kaum zum Luftholen.
Erzählt wird die Geschichte, wie auch schon in den vorangegangenen Teilen, aus der Sicht von Zoey. Mit viel Tempo rast der Leser so durch die Erzählung und die verschiedenen Ereignisse. Der Spannungsbogen wird dabei voll ausgeschöpft und zu keiner Sekunde kommt Langeweile auf. Wie ebenfalls schon in den ersten Teilen, legen die Autorinnen viel Wert auf eine jugendliche Ausdrucksweise, die zwar im Vergleich zum ersten Teil „Gezeichnet“ weniger vulgär geworden ist, allerdings noch immer etwas übertrieben wirkt. Dort wäre etwas weniger mehr.
Die Problematik von Zoey ist zwar realitätsnah beschrieben, der Umgang mit den Problemen, gerade in Liebsdingen, aber schlichtweg unmöglich. Dass eine 16-Jährige sich durchaus in mehrere Männer verlieben kann, ist nachvollziehbar, die Entwicklung, die ihre Beziehung zu ihrem Lehrer nimmt, ist allerdings mehr als bedenklich. Gerade bei so etwas sollte ein Buch schon eine Vorbildfunktion einnehmen und eine solche Beziehung realistisch und vernünftig angehen.
In diesem rasanten Roman bekommen die Protagonisten wenig Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln. Da es sich hierbei um eine Serie handelt, ist dies aber durchaus zu verzeihen, denn Zoey und ihre Freunde haben ja noch viel Zeit zu zeigen, was alles in ihnen steckt. Alles in allem ist dieser Roman durchaus lesenswert und in jedem Fall unterhaltsam. Der Leser bekommt einiges geboten und ist neugierig darauf, wie es mit Zoey und dem House of Night weitergeht.
_Fazit_
Der dritte Teil der „House of Night“-Serie ist ein lesenswerter und spannender Roman, den ich bedingt weiterempfehlen kann. Erwachsene erhalten einen guten Einblick in das Denken, Fühlen und Handeln von Jugendlichen. Dies ist interessant zu lesen, und die Spannung trägt ihr Übriges dazu bei. Bei Jugendlichen kommt die Empfehlung ganz auf die Charakterstärke an, gerade wegen des Umgangs mit Liebesdingen und der dort vermittelten Werte. Ich bin schon sehr gespannt darauf, wie es im „Ungezähmt“, dem vierten Teil der „House of Night“-Serie, weitergeht.
|Gebundene Ausgabe: 442 Seiten
Originaltitel: Chosen (House of Night 3)
Übersetzerin: Christine Blum
ISBN-13: 978-3841420039|
[www.house-of-night.de]http://www.house-of-night.de
[www.fischerverlage.de]http://www.fischerverlage.de
|Sixteen moons, sixteen years
Sixteen of your deepest fears
Sixteen times you dreamed my tears
Falling, falling through the years …|
_Der 16-jährige Ethan Wates_ lebt mit seinem Vater, einem Schriftsteller, in der Südstaaten-Kleinstadt Gatlin. Seine Mutter ist bei einem Unfall verstorben und sein Vater lebt seitdem völlig zurückgezogen. Nur die Haushälterin Amma kümmert sich um Ethan. Ethan kennt nur ein Ziel: dieser Kleinstadt und dem Leben dort möglichst schnell zu entkommen. Obwohl er als Star der Basketballmanschaft immerhin zu den beliebten Schülern gehört, kann er es nicht erwarten, Gatlin hinter sich zu lassen. Das vorbestimmte Leben dort und die Menschen nerven ihn total.
Seit Wochen hat Ethan einen sehr merkwürdigen Traum. Er versucht ein ihm unbekanntes Mädchen zu retten, dieses entgleitet ihm aber jedes Mal. Seltsam ist, dass er beim Aufwachen immer nass und voller Erde ist und ihn der Geruch von Rosmarin und Zitronen umschwebt. Obwohl er dieses Mädchen in seinen Träumen noch nie richtig gesehen hat, ist er in es verliebt.
Am ersten Schultag nach den Ferien sieht er das Mädchen dann in der Schule, Lena Duchannes. Sie ist die Neue an seiner Schule und lebt bei ihrem Onkel, dem alten Ravenwood, um den sich viele unheimliche Geschichten ranken und der sich seit Jahren nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt hat. Genau das befördert Lena auch direkt in das soziale Aus in der Schule.
Trotzdem fühlt Ethan sich sehr zu ihr hingezogen, und als ein Unfall in der Schule geschieht und Lena davonläuft, folgt Ethan ihr. Ethan findet sie auf dem Grundstück der Greenbriers. Er setzt sich zu ihr, um mit ihr zu reden, als ihm ein in der Erde steckendes Medaillon in die Hände fällt. Urplötzlich haben er und Lena eine Vision und sehen, riechen und spüren ein großes Feuer. Die beiden hören Schreie und befinden sich in der Schlacht des Bürgerkrieges. Nachdem diese Vision zu Ende ist, sind beide völlig verwirrt und sehen sich das Medaillon genauer an.
Eingraviert sind nicht nur Lenas Geburtsdatum, sondern auch Initialen von Ethan. Beide beschließen, der Sache auf den Grund zu gehen, und forschen in der Vergangenheit. Dies ist auch sehr wichtig für Lena, denn sie ist eine Caster mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, und ein Fluch der Familie, der auf ihr lastet, bedrückt sie sehr. Erst an ihrem 16. Geburtstag wird sich, ohne dass sie es beeinflussen kann, entscheiden, ob sie eine helle oder dunkle Caster wird. Hat die Liebe von Ethan und Lena dabei eine Chance und werden sie den Fluch brechen können?
_Kritik_
Mit „Sixteen Moons – Eine unsterbliche Liebe“ haben die Autorinnen Kami Garcia und Margaret Stohl einen mystischen Jugendroman geschrieben, der von der ersten Seite an fesselt.
Die Autorinnen verblüffen mit einem leicht fließenden, sehr detailreichen und mystischen Schreibstil, der den Leser an die Geschichte fesselt. Geschickt weben die Autorinnen die geheimnisvolle Geschichte um Lena und ihre Familie in die engstirnige Welt der amerikanischen Südstaatenstadt Gatlin ein.
Trotz der Mystik ist dieser Roman realistisch geschrieben und transportiert die Geschichte lebensnah und glaubwürdig. Kami Gracia und Margaret Stohl haben einen sanften Spannungsbogen in die Geschichte eingebaut, der zwar ab und an abfällt, sich aber dennoch immer wieder gekonnt steigert und den Leser nicht mehr loslässt. Vollkommen wirkt die Beschreibung der Schauplätze; diese sind so facettenreich und greifbar beschrieben, dass der Leser meint, sie sehen zu können. Neben dem gut entwickelten Spannungsbogen und der authentischen Beschreibung der Schauplätze kommen auch die Gefühle, die junge Liebe und die Beziehungen der übrigen Charaktere nicht zu kurz.
Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Ethan. Es ist schon etwas Besonderes, einen romantischen Roman aus der Sicht eines männlichen Charakters zu lesen. Dieses ist für die Geschichte ein absoluter Pluspunkt, da Ethan so nach und nach die Geheimnisse der Caster entdeckt und der Spannungsbogen neue Höhepunkte erhält. Trotz der Ich-Perspektive kommen in diesem Roman die weiteren Charaktere nicht zu kurz.
Die Protagonisten sind lebendig und lebensnah, manchmal auch sehr geheimnisvoll konzipiert. Jeder Darsteller wird detailreich und einzigartig beschrieben und die Autorinnen geben jedem etwas Besonderes, und Einzigartiges auf den Weg. Egal, ob nun ein guter Charakter oder ein böser, alle haben Schwächen und Stärken, die die einzelnen Protagonisten sehr plastisch wirken lassen.
Die Helden der Geschichte, der menschliche Ethan und seine geheimnisvolle Freundin Lena, wirken sehr liebenswert, und der Leser kann nicht anders als mit den beiden mitzufiebern und auf ein gutes Ende zu hoffen. Die besondere Verbindung der beiden und die Gefühle, die sich entwickeln, sind trotz der Magie und Eigentümlichkeit sehr nachvollziehbar aufgebaut. Besonders im Gedächtnis bleiben auch die Voodoo praktizierende Haushälterin Amma, Ethans bester Freund Link und Lenas Onkel Marcen Ravenwood.
Raum wurde auch der schon sprichwörtlichen Intoleranz der Südstaatler gegenüber der Andersartigkeit mancher Menschen gegeben. Obwohl die Caster/Hexen in diesem Roman abgeschieden leben, wird auf die geheimnisvolle Lena geradezu eine Hexenjagd veranstaltet.
„Sixteen Moons – Eine unsterbliche Liebe“ ist wirklich etwas Besonders. Der Roman ist außergewöhnlich atmosphärisch und lebendig geschrieben. Die Magie und auch die Probleme, mit denen sich die Caster in diesem Buch herumzuschlagen haben, sind realistisch gezeichnet. Zusätzlich haben die Autorinnen Kami Garcia und Margaret Stohl eine Liebesgeschichte entwickelt, der es gelingt, nie kitschig zu wirken.
Der Roman, der auf jugendliche Fantasy-Leser ausgerichtet ist, wird diese Zielgruppe überzeugen können, und nicht nur diese, denn auch Erwachsene werden dieses Buch nur schwer aus der Hand legen können.
_Fazit_
Der Debütroman „Sixteen Moons – Eine unsterbliche Liebe“ von Kami Garcia und Margaret Stohl schafft es, den Leser zu überzeugen. Die Autorinnen haben einen unglaublich gut ausgearbeiteten Roman vorgelegt, der jedem empfohlen werden kann, der gern mystische Romane ließt.
Ich freue mich schon auf den zweiten Teil, der unter dem Titel „Beautiful Darkness“ am 12.10.2010 im Englischen erscheinen wird.
_Autorinnen_
Kami Garcia und Margaret Stohl kam die Idee zu „Sixteen Moons – Eine unsterbliche Liebe“ während eines gemeinsamen Essens. Margaret wollte einen Fantasyroman schreiben, Kami ein Buch, das im Süden der USA spielte. Auf eine Papierserviette kritzelten sie ihre Gedanken zu einem Roman, der ihnen beiden gefallen würde … und begannen zu schreiben. Kami und Margaret leben beide mit ihren Familien im kalifornischen Los Angeles. Mittlerweile schreiben sie nicht mehr auf Papierservietten, sondern auf Computern, und wer mehr über sie erfahren möchte, sollte ihre Website besuchen: [www.kamigarciamargaretstohl.com.]http://www.kamigarciamargaretstohl.com
(Verlagsinfo)
Vampire, wo man nur hinsieht! Doch die Blutsauger treiben sich nicht nur an amerikanischen High Schools herum. Marcus Sedgwick verlegt seine Geschichte „Der Todeskuss“ nach Italien, genauer gesagt in das historische Venedig.
_Marko reist nach_ Venedig, denn dort ist vor Kurzem sein Vater verschwunden. Ein Brief von einem Unbekannten hat die Familie des Arztes darüber in Kenntnis gesetzt und um ein Treffen gebeten. Zu Markos Überraschung ist dieser Unbekannte ein junges Mädchen. Sorrel ist ihr Name und ihr Vater Simono ist mit Markos befreundet. Sorrel zeigt sich enttäuscht darüber, dass auf ihre Bitte nur ein Junge und kein Erwachsener gekommen ist. Zähneknirschend nimmt sie ihn mit in ihr Haus, wo er Bekanntschaft mit ihrem Vater macht. Der ist auf Grund einer Krankheit halb von Sinnen. Er kann nicht schlafen, was ihn zur Verzweiflung treibt.
Als sich Sorrel und Marko auf die Suche nach seinem Vater machen, bringt ihnen dies nicht nur Freunde. Als sie in der Glasbläserei von Simono ankommen, wo er und Markos Vater zuletzt gesehen worden sind, werden sie dort nicht besonders nett begrüßt. Simonos Krankheit hat dazu geführt, dass er weder den Lohn an seine Arbeiter zahlen noch bestellte Waren an seine Kunden ausliefern kann. Ein Hinweis des Vorarbeiters führt sie zu einem Kloster – wo sie nur knapp einem Mordanschlag entgehen. Hilfe erhalten sie von einem mysteriösen Fremden, der die Situation, in die ihre Väter geraten sind, wesentlich besser zu durchschauen scheint als sie …
_“Der Todeskuss“ ist_ ein gut erzähltes Jugendbuch, das vor allem auf Spannung setzt, vom Aufbau her aber nicht immer überzeugt. Die Geschichte ist zwar gut konstruiert, doch es fehlt an wirklich zündenden Ideen. Die Suche nach Markos Vater wirkt etwas ziellos und einige Zufälle sind etwas zu zufällig. Das Einbringen der Vampirproblematik wirkt gekünstelt, auch wenn die zu Grunde liegende Idee durchaus originell ist. Sie hätte allerdings etwas ausführlicher dargestellt werden können. Insgesamt wirkt die Handlung nicht besonders einheitlich und ist wenig komplex. Dadurch, dass „Der Todeskuss“ vordergründig ein Abenteuerroman ist, geht der Autor historisch nicht ganz so sehr in die Tiefe.
Marko ist ein netter Protagonist, doch auch ihm fehlt es an Vielschichtigkeit. Er wirkt etwas farblos. Seine Charaktereigenschaften werden nicht so trennscharf dargestellt, dass man sie im Nachhinein ohne Probleme wiedergeben könnte. Ähnliches gilt für Sorrel. Sie wird als düsteres, geheimnisvolles Mädchen eingeführt, doch dieses Versprechen kann sie nur am Anfang einlösen. Es wäre sicherlich geschickter gewesen, sie und ihre Geschichte sowie ihren kranken Vater noch länger zu verschleiern, um mehr Spannung aufzubauen.
Geschrieben ist das Buch in einem angenehm einfachen Stil. Sedgwick vermeidet historische Gestelztheit, sondern benutzt einen simplen, aber effektiven Wortschatz, um die Ereignisse zu beschreiben oder einen Einblick in die Hauptfigur zu geben. Gerade für Jüngere ist das Buch dadurch sehr verständlich und lässt sich schnell lesen.
_Mit „Der Todeskuss“_ ist Marcus Sedgwick nicht unbedingt der große Wurf gelungen. Das Buch wirkt etwas unausgegoren, die Charaktere sind sehr einfach, einzig der Schreibstil weiß wirklich zu gefallen.
|Broschiert: 283 Seiten
Originaltitel:|Kiss of Death|
Deutsch von Renate Weitbrecht
ISBN-13: 978-3423248075|
http://www.dtv.de
_Marcus Sedgwick auf |Buchwurm.info|:_
[„Das Buch der toten Tage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1059
Mittlerweile hat die bekannte Jugendserie des |Franckh-Kosmos|-Verlags die 150er Schallmauer locker durchbrochen. „Stadt der Vampire“ als Band 140 liegt von der Veröffentlichung her hingegen schon etwas zurück. Genauer gesagt datiert dieser Fall ins Jahr 2008, gehört aber somit ohne Frage zur „Neuen Ära“ unter komplett deutscher Federführung. Mystery-Spezialist Marco Sonnleitner zeichnet sich für die Geschichte verantwortlich und er scheucht das Jugend-Detektivtrio zur zünftigen Vampirjagd in die Rocky Mountains.
_Zur Story_
Justus, Peter und Bob haben sich zu einem Kurztrip ins Hinterland von Santa Monica aufgemacht. Sie wollen abseits von Schule und Detektivarbeit mal wieder ein wenig ausspannen und neue Kraft tanken. Ein bisschen Wandern und Campen in freier Natur, die Seele baumeln lassen halt. Zufällig entdecken sie von einem Hochplateau aus ein abgeschiedenes Dorf. „Yonderwood“ verrät Bobs Karte und man beschließt dort hin einen Abstecher zu unternehmen, vielleicht um einen Happen zu Essen oder wenigstens die eigenen Vorräte aufzustocken – zudem braut sich in den Rocky Mountains gerade eine mächtige Gewitterfront auf. Rechtzeitig mit Beginn des Unwetters erreichen sie die ersten Häuser der kleinen Siedlung.
Den drei Fragezeichen stehen selbige im Gesicht, als sich heraus stellt, dass diese alle verlassen sind. Erst in der Dorfkneipe treffen sie eine Hand voll Bewohner. Wie es scheint, so ziemlich der komplette Rest der Verbliebenen. Der Empfang ist äußerst frostig, der Wirt offenbar nicht sonderlich an Gästen interessiert und auch die Schankraumdekoration verdient mindestens das Prädikat „recht seltsam“: Lauter Kreuze und Knoblauchkränze. Griesgrämig verweist man die drei offensichtlich unerwünschten Besucher an das Drugstore gegenüber, als sie fast schon aus reiner Verlegenheit fragen, wo man hier denn noch etwas einkaufen könne. Dort ist man bzw. frau erfreulicherweise ungleich freundlicher.
Josi, die den Laden mit ihrer Großmutter zusammen betreibt, wirkt sehr aufgeschlossen und ist auf Anhieb sympathisch. Als sie vorsichtig nach haken was das ganze Brimborium soll und warum so viele Gebäude leer stehen, mauert auch sie zunächst. Erst nach einigem Bohren erfahren sie, dass seit einigen Monaten ein Vampir umgehen soll. Schon mehrere Menschen wachten morgens in einer Blutlache auf, können sich an rein gar nichts erinnern, weisen aber an ihren Hälsen die charakteristischen Male auf. Eine mannshohe Fledermausgestalt wurde unlängst des Nächtens gesichtet. Will sich der Stadtgründer nach 100 Jahren rächen? Der stammt aus einer berühmt-berüchtigten Gegend und benannte das Örtchen gleich nach seiner alten Heimat: „Yonderwood“ lässt sich treffend mit „Transylvanien“ übersetzen.
_Eindrücke_
Der Beginn ähnelt zunächst dem Fall „Nebelberg“. Ausgebrannte Junior-Detektive, Ausflug in die Rocky Mountains, plötzliche Wetterverschlechterung – der fing beinahe genauso an. Alsbald schlägt aber nicht nur die Witterung, sondern gleichwohl auch der Plot in eine etwas andere Richtung um. Er bleibt aber, der Titel legt darüber bereits beredt Zeugnis ab, satt im Bereich der Mystery. Wenn es um die übersinnlich-gruselig angehauchten Fälle der „neuen Ära“ geht, hat oft Marco Sonnleitner seine Finger im Spiel. Die liegen ihm offenbar besonders. Hier darf er sich mal wieder so richtig austoben und einen wahren Klassiker unter den Nachtmahren von der Kette – pardon: aus der vermeintlichen Totenkiste – lassen.
Vampire sind für gewöhnlich überaus (licht-)scheue Gesellen und vielleicht auch deswegen in der Serie recht seltene Gäste. Daher ist diese Thematik dann noch nicht so ausgelutscht, wie etwa Drachen oder Piraten, deren Auftreten ja als geradezu inflationär zu bezeichnen ist. Die temporeiche Geschichte ist durchweg spannend aufgezogen und die schlapp 128 Seiten im Nu durchgezogen. Erst bei genauerem Hinsehen fallen ein paar Kleinigkeiten auf, die man pedantischerweise bemäkeln könnte. Dabei sind es nicht einmal die üblichen Serien-Klischees und sattsam bekannten Elemente, die es bei einem Fall der drei ??? pflichtgemäß immer zu bedienen gibt. Das geschieht mit einem selbstironischen Unterton und auch ansonsten findet sich erfrischend viel Humor.
Es ist eher das Setup als solches, welches nicht vollkommen überzeugen kann. Nüchtern betrachtet ist nicht nachvollziehbar, warum der Übeltäter überhaupt einen solchen Zinnober veranstaltet. Die ganze Vampir-Inszenierung schadet ihm im Endeffekt eigentlich nur, da es (zwangsläufig) viel zu viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Er hätte mit seinem (exklusiven) Informationsstand bequem und ohne Zeitdruck im Verborgenen operieren können. Er wäre dadurch vielleicht etwas langsamer zum Ziel gekommen, jedoch ohne Gefahr, jemals aufzufliegen. Niemand hatte auch nur die geringste Ahnung, worum es ging. Nun ja, so ist es für den Leser natürlich wesentlich unterhaltsamer.
_Fazit_
Nach einigen in letzter Zeit eher mittelmäßigen Fällen aus der Feder Marco Sonnleitners, stimmt „Stadt der Vampire“ mehr als versöhnlich. Er kann es immer noch. Gute, spannende Geschichten schreiben nämlich. Dass einige Dinge nicht so ganz schlüssig sind, verzeiht man dem temporeichen und flotten Buch gerne. Die positiven Aspekte überwiegen deutlich. Klare Leseempfehlung auch für Neueinsteiger in die Serie.
_Die Buchdaten auf einen Blick:_
„Die drei ???: Stadt der Vampire“, Band 140
Basierend auf den Figuren von Robert Arthur
Erzählt von Marco Sonnleitner
http://www.kosmos.de
Redaktion: Martina Zierold
128 Seiten Hardcover
ISBN 978-3-440-11707-1
Traum oder Albtraum? Danielle, die Protagonistin in Elizabeth Scotts Jugendroman „Stealing Heaven“, muss weder zur Schule gehen noch muss sie abends zu festen Zeiten zu Hause sein. Stattdessen reist sie mit ihrer Mutter, einer professionellen Einbrecherin, durch die Staaten. Doch im Gegensatz zu ihrer Mutter macht sie das Leben „on the road“ nicht besonders glücklich …
_Danielle und ihre_ Mutter sind ein eingespieltes Team, wenn es um den Diebstahl von Silber geht. Zuerst kundschaften sie gemeinsam die Ortschaft aus, in die sie ihre Diebestour führt, dann schlagen sie zu und verschwinden. Das geht schon eine ganze Weile so, seit Danielles Vater im Gefängnis sitzt. Sie hat noch nie eine Schule von innen gesehen und Freunde hat sie auch keine. Sie hat niemanden – außer ihre junge, flippige, abenteuerlustige Mutter.
Das ändert sich, als die beiden sich in dem kleinen Örtchen Heaven einnisten. Ein paar Wochen wollen sie bleiben, um die Häuser auszuchecken, die sich für sie lohnen. Danielles Mutter treibt sich auf Partys herum, um etwas heraus zu finden, Danielle hingegen beginnt als Putzfrau zu arbeiten, um die teuren Villen von innen zu sehen. Außerdem freundet sie sich mit Allison, Tochter aus gutem Hause, an und lernt Greg kennen. Der attraktive, witzige junge Mann fasziniert sie sofort, doch obwohl ihre Mutter es gut findet, wenn sie etwas mit Männern anfängt, verbietet sich diese Liebschaft von selbst. Greg ist Polizist – und damit der natürliche Feind von Danielle und ihrer Mutter …
_“Stealing Heaven“ handelt_ prominente Jugendbuchthemen ab – Freundschaft und erste Liebe -, tut dies aber auf ungewöhnliche Art und Weise. Danielle ist nicht etwa deshalb eine Außenseiterin, weil es ihr schwer fällt, sich an ihrer Highschool einzufügen, sondern weil sie nie lange genug an einem Ort bleibt, um Menschen in ihrem Alter näher kennen zu lernen. Dieser besondere Hintergrund macht das Buch nicht nur interessant, sondern auch spannend. Man fragt sich ständig, für wen sich Danielle letztendlich entscheiden wird, was aus ihrer Mutter wird und weiteres – die Autorin legt eine Menge Spuren aus. Obwohl nicht explizit ein Krimi, entwickelt das Buch stellenweise eine entsprechende Atmosphäre. Trotzdem geht es vordergründig um Beziehungen, um Liebe, um Freundschaft. Mit sicherem Händchen und möglichst wenig Kitsch erzählt sie eine ansprechende Geschichte, die ans Herz geht.
Dass das Buch so gelungen ist, liegt mit an den Charakteren. Im Vordergrund stehen Danielle und ihre Mutter, die sehr gegensätzlich sind. Ihre Mutter ist attraktiv, gewinnt schnell die Herzen aller und legt auf Stabilität keinen Wert. Danielle hingegen ist ruhiger, fast schüchtern und sehnt sich nach einem festen Wohnsitz. Ihr fällt es schwer, sich gegen ihr Mutter durchzusetzen. Gleichzeitig wird ihre Sehnsucht nach Geborgenheit und Freundschaften immer stärker. Als sie sich schließlich in einen Polizisten verliebt, ist das Gefühlschaos komplett. Sie versucht sich mit allen Mitteln gegen dessen Avancen zu wehren. Scott erzählt aus Danielles Ich-Perspektive und legt sehr viel Wert auf ihre Gedanken und Gefühle. Diese stellt sie kitschfrei und sehr authentisch dar. Die Identifikation mit ihr fällt leicht, selbst wenn man älter ist, denn ihre Probleme sind jedem auf die eine oder andere Weise bekannt.
Geschrieben ist das Buch angenehm erwachsen. Scott verzichtet auf jugendlichen Slang und Kraftausdrücke, sondern schreibt ruhig und sicher. Anschauliche Sprachbilder unterstreichen ihren sauberen Stil und auch die ruhige Art ihrer Protagonistin.
_“Stealing Heaven“ ist_ ein tolles Jugendbuch, das völlig ohne Kitsch auskommt und eine interessante Geschichte erzählt. Dank des zeitlosen Schreibstils und der sympathischen Protagonistin ist der Roman auch für ältere Semester lesenswert.
Klassenfahrten sind für vieles bekannt, aber nicht dafür, dass sie besonders spannend sind. Falko Löffler ändert das. In „Im Funkloch“ beschreibt er eine Reise, die langweilig beginnt und beinahe tödlich endet …
Sammie, der in die zehnte Klasse einer Frankfurter Realschule geht, befürchtet das Schlimmste, als er zusammen mit seinen Mitschülern eine Woche im hessischen Örtchen Waldkappel verbringen muss. Einzig der Gedanke daran, dass Tina aus der Parallelklasse mitfährt, hält ihn am Leben. Er hofft, seinem Schwarm endlich näher zu kommen. Doch da gibt es noch ein kleines Problem: Lucas, der sich in der Klasse alles erlauben kann, ist ebenfalls mit von der Partie. Sammie, der erst vor Kurzem an die Schule gewechselt ist, hatte eine Weile mit ihm zu tun, bevor er sich von dem Klassenrowdy entfernt hat.
Amokläufe an Schulen haben die Welt in den letzten Jahren immer wieder erschüttert. Jennifer Brown behandelt in ihrem Buch „Die Hassliste“ einen solchen Vorfall. Allerdings wählt sie eine ungewöhnliche Perspektive. Die Freundin des Amokläufers berichtet vom Leben danach – und von ihren eigenen Verwicklungen in die schreckliche Tat …
Valerie ist kein Kind von Fröhlichkeit. An ihrer Highschool ist sie eine Außenseiterin und wird „Todesschwester“ genannt, weil sie meistens schwarze Klamotten trägt. Zum Glück hat sie eine Clique von Leuten gefunden, die eine ähnliche Einstellung wie sie haben. Darunter ist auch Nick, ihr Freund.
In der Reihe „dtv pocket crime“ veröffentlicht der |Deutsche Taschenbuchverlag| spannende Krimis und Thriller für jugendliche Leser von zumeist deutschen Autoren. Einer der neusten Bände ist „Tränenengel“ von Franziska Gehm.
Die sechzehnjährige Flora wird eines nachts verletzt auf der kleinen Insel im Badesee des Örtchens Telpen gefunden. Zahlreiche Schnittwunden übersäen ihren Körper. Doch wer hat ihr das angetan? Flora selbst hat keine Antwort darauf. Sie hat die Erinnerung an diese Nacht verloren.
Für die Anwohner ist der Fall schnell klar. Ein aus der nahen Justizanstalt entflohener Sexualverbrecher muss der Täter sein. Doch Polizeihauptmeister Leif Sälzer ist sich da nicht so sicher. Er kann sich nicht vorstellen, dass der Entflohene in der Gegend geblieben ist und auch sonst entdeckt er einige Ungereimtheiten. Doch dank Zeugenaussagen kommt er bald auf weitere Spuren. Ein verschmähter Verehrer Floras wurde am Abend der Tat in der Nähe des Sees gesehen …
„Tränenengel“ wird hauptsächlich aus drei Perspektiven erzählt. Flora, Leif Sälzer und Floras beste Freundin Trixie berichten nicht nur von den Ermittlungen, sondern auch davon, wie Flora mit dem Erlebnis zurecht kommt und wie ihr Umfeld sich damit arrangiert. Die einzelnen Perspektiven unterscheiden sich durch verschiedene Schriftarten und sind unterschiedlich geschrieben. Floras Worte wirken stets sehr introvertiert und stellen ihre Gedanken und Gefühle in den Vordergrund. Trixie und Leif Sälzer hingegen liefern einen breiten Blick auf das Geschehen. Ihr Innenleben wird zwar ebenfalls beleuchtet, doch sie beschreiben auch Situationen und Ereignisse. Zusätzlich werden immer wieder Zeugenbefragungen oder Zeitungsartikel eingestreut.
Der junge Leser muss also diverse Eindrücke verarbeiten. Gehm nimmt in dem Buch eine eher neutrale Position ein, indem sie sich nicht auf eine Perspektive oder eine bestimmte Spur zum Täter festlegt. Dadurch kann man als Leser mit raten – auch wenn die Geschichte am Ende anders ausgeht als erwartet. Der Ausgangspunkt der Handlung ist eher einfach gewählt. Die Autorin spinnt trotzdem eine Geschichte zusammen, die ihre Spannung weniger aus Action bezieht als vielmehr aus den unterschiedlichen Ermittlungsansätzen. Nach und nach deckt Sälzer immer mehr mögliche Verdächtige auf. Die meisten haben ein gutes Motiv – und zumeist auch etwas, das sie entlastet. Gehm schafft es, die Spannung bis zum Ende aufrecht zu halten und dort mit einer überraschenden Lösung auf zu warten.
Die Figuren in der Geschichte sind leicht zugänglich und wirken real. Obwohl „Tränenengel“ ein Jugendbuch ist, gibt es einen Protagonisten im Erwachsenenalter: Leif Sälzer. Er wird jedoch verständlich dargestellt und kommt ohne die komplizierten Gedankengänge von Erwachsenen aus. Trixie hingegen ist ein etwas rebellisches Mädchen, das um seine Freundin sehr besorgt ist. Sie ist gut ausgearbeitet und vielschichtig. Es macht Spaß, ihr zu folgen, da sie ein bisschen anders ist als gewöhnliche Jugendbuchcharaktere und auch als ihre Freundin Flora. Von Flora bekommt man eigentlich nicht besonders viel mit, da sich bei ihr alles um ihr Innenleben dreht und weniger um das, was um sie herum passiert. Das meiste, was man über sie erfährt, erfährt man von den anderen Figuren im Buch. Normalerweise ist es nicht unbedingt lobenswert, wenn die Person, um die sich die Geschichte eigentlich dreht, die am wenigsten durchleuchtete ist, doch in diesem Fall ist es ein wirklich geschickter Schachzug.
„Tränenengel“ macht der Reihe, in der es erscheint, alle Ehre. Franziska Gehm hat einen ansprechenden, unterhaltsamen Krimi geschrieben, der durch seine Originalität in Aufbau und Handlung besticht.
Die Zeiten ändern sich. Wurden früher die Geschichten der drei Fragezeichen vom Englischen ins Deutsche übersetzt, geschieht dies heute umgekehrt. Allerdings nicht etwa zum Zwecke der Veröffentlichung im angloamerikanischen Sprachraum: Auch diese Varianten einiger ausgewählter Stories sind für den deutschen Markt bestimmt. Es sind bereits eine ganze Reihe Fälle diesen Weg gegangen – seit April 2010 gesellt sich nunmehr auch „Fussballfalle“ (jetzt unter dem Titel „Soccer Trap“) hinzu. Der |KOSMOS|-Verlag leistet damit seinen Beitrag, der lernwilligen Zielgruppe lebendiges Alltagsenglisch in Form des beliebten Jugend-Detektiv-Trios näher zu bringen.
Markus Zusak ist ein oft ausgezeichneter australischer Jugendbuchautor. Zuletzt erhielt sein Roman [„Die Bücherdiebin“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4909 2009 den deutschen Jugendliteraturpreis. Cbj veröffentlicht nun den Sammelband „Wilde Hunde“, der die Bücher „Vorstadtfighter“und „Cameron Wolfe“ vereint.
Die fünfköpfige Familie Wolfe wohnt in einer ärmeren Gegend Sidneys. Während der Vater nach einem Unfall arbeitslos ist und zu stolz, um zum Arbeitsamt zu gehen, schuftet die Mutter für den Lebensunterhalt der Familie. Der älteste Sohn Steve versucht alles, um sich aus der Armut hoch zu arbeiten. Seine jüngere Schwester Sarah hingegen feiert vor allem und betrinkt sich.