Archiv der Kategorie: Belletristik

Laura Reese – Außer Atem. Erotischer Roman

Fantasy für S&M-Neugierige

Die 17-jährige Carly Tyler erwacht ohne Gedächtnis aus dem Koma. Sie hat zahlreiche Wunden erhalten, und die Ärzte müssen ihr Gesicht neu zusammensetzen. Wer ist sie in Wahrheit? In dem Winzer James McGuane meint sie nach 15 Jahren den Mann wiederzuerkennen, welcher der Schlüssel zu ihrer Vergangenheit ist. Sie lässt sich als Köchin anstellen und spioniert ihm nach. Doch er hat Gelüste, die ziemlich ausgefallen sind. Carly steht jedoch auf Lust durch Schmerz und findet in James einen unbarmherzigen Lehrmeister. Aber ist er auch ihr Beinahemörder?

Die Autorin
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Niccolò Ammaniti – Ich habe keine Angst

Ein kleiner italienischer Junge entdeckt, dass sein Vater ein Kindesentführer ist. Der Gewissenskonflikt verursacht Michele schreckliche Albträume, und als er erfährt, dass man den Entführten töten will, fasst er einen verhängnisvollen Entschluss.

Der erfolgreiche Roman von Niccolò Ammaniti wurde mit dem wichtigsten italienischen Literaturpreis ausgezeichnet, dem Premio Viareggio. Das Buch erschien bei uns zuerst 2003 im Verlag C. Bertelsmann unter dem Titel „Die Herren des Hügels“.

Der Autor

Niccolò Ammaniti, Jahrgang 1966, ein römischer Biologe, konnte mich schon mit seiner überschäumenden Farce „Die letzte Nacht auf den Inseln“ für sich begeistern. Schon dort zeigt er, wie sich der Einzelne gegen absurde Widrigkeiten und die – häufig beiläufig und gedankenlos ausgeübte – Grausamkeit der Mitmenschen zur Wehr setzen muss. Oft befinden sich seine psychologisch ausgereift dargestellten Figuren in einer ausweglosen Situation.

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Anne-Marie Villefranche – Die Zaubermuschel. Erotischer Roman

Amüsanter Liebesreigen

Was bietet dieses Buch? Wieder mal Lust und Sex am laufenden Band! Aber humorvoll und mit Geschmack dargeboten. In „Die Zaubermuschel“ kommt ein Bursche vor, der zu Muscheln und Perlen ein inniges Verhältnis pflegt – zu jenen speziellen, die Damen zwischen den Beinen tragen. Es ist ein wahres Vergnügen, dem nimmermüden Monsieur Marcel bei seinem Muschelspiel zu folgen – besonders wenn es für ihn schier unüberwindbare Hindernisse zu bewältigen gilt.

Die Autorin

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Victor Hugo (zugeschrieben) – Der Roman der kleinen Violette. Erotischer Roman

Lesbenakt im Doppelpack

Die kleine, noch unschuldige Violette, kaum fünfzehn Jahre alt, sucht spät in der Nacht vor den Nachstellungen des Mannes der Wäschehändlerin Beruchet, bei der sie arbeitet, Zuflucht bei dem wohlhabenden Junggesellen Christian. Zu ihm hat sie Vertrauen: die denkt an nichts Böses, wenn er sie küsst – auf eine besondere Art.

Christian bringt Violette in seine Junggesellenwohnung in der Rue Saint-Augustin, in der er schon viele herrliche Nächte verbracht hat. Doch Violettes Unschuld und ihr kindliches Vertrauen rühren ihn: Sehr behutsam lehrt er sie das „Alphabet der Liebe“.

Aber da ist die „Frau Gräfin“, die bei Madame Beruchet ihre Korsetts und Peignoirs kauft und Gefallen an der kleinen Violette gefunden hat. Sie kauft nur Wäschestücke, die durch Violettes Hände gegangen sind… Die Gräfin liebt die kleinen Mädchen, die noch von keinem Mann berührt wurden, und sie setzt alles daran, Violette für sich zu gewinnen.

Und so beginnt eine ungewöhnliche Dreiecksgeschichte, ein pikantes Liebesspiel, dem sich noch Florence, eine liebestolle lesbische Schauspielerin, zugesellt. (Verlagsinfo)…

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Anne-Marie Villefranche – Der Liebesapfel. Erotischer Roman

Geschmackvoll-amüsante Erotik

Als seine Geliebte, die hinreißende Alette Lamartine, plötzlich ihre Beziehung beendet, erhält Marcs Selbstwertgefühl einen empfindlichen Dämpfer. Schließlich gilt er bei den Damen der feinen Gesellschaft seit jeher als ein Mann von äußerster erotischer Finessse: Marc taucht ein in Erinnerungen an leidenschaftliche Affären mit den schönsten Frauen der Welt … Eine prickelnd erotische Liebesgeschichte aus dem Paris der 1920er Jahre. (Verlagsinfo)

Die Autorin
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Pia Frankenberg – Nora

„Nora“ erzählt die Geschichte zweier Frauen, die auf der einen Seite so unterschiedlich sind, die aber durch zwei Schicksalsschläge so viel gemeinsam haben, dass Nora eine Identifikation mit Amy verspürt, die fast schon an Besessenheit grenzt. Nora stammt ursprünglich aus Deutschland, lebt nun aber bereits seit 20 Jahren als Übersetzerin in New York. Eine gescheiterte Ehe liegt hinter ihr, sodass Nora beschlossen hat, der Einfachheit halber nur noch Affären mit verheirateten Männern einzugehen.
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Emmanuelle Arsan – Emmanuelle oder Die Schule der Lust (Emmanuelle 1)

Wunderwelt des Sexus in Bangkok

Emmanuelle folgt ihrem Mann Ende der fünfziger Jahre nach Bangkok und lernt dort die französische Kolonie der Diplomaten kennen. (Sie wurden vermutlich aus der verlorenen frz. Kolonie Indochina hinausgeworfen.) Weil ihr Mann nur wenig Zeit für sie hat, lässt sie sich mit anderen Frauen, Mädchen und einem mysteriösen Mann ein. Sie erfährt ihre Bekehrung zu Polygamie und Bisexualität. „Dieser erste Band des erotischen Meisterwerks wurde mit Sylvia Kristel in der Hauptrolle verfilmt…“ (Verlagsinfo)

„Emmanuelle“ war ab 1959 (s.u.) jahrelang ein französischer Underground-Bestseller und ist mittlerweile in mindestens zehn Sprachen übersetzt. Die Verfilmung durch Just Jaeckin erregte 1974 weltweites Aufsehen und führte in Paris monatelang zu langen Schlangen an der Kinokasse. In Deutschland wurde der Film sofort verboten.

Der Autor bzw. die Autorin

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Charlene Teglia – Nacht der Begierde. Werwölfin-Roman

Heiße Nächte einer Werwolf-Bigamistin

Chandra ist einer von wenigen weiblichen Werwölfen, und sie ist dazu bestimmt, das Rudel zu führen. Doch vorher muss sie einen Partner wählen. Den Platz an ihrer Seite würde jeder der Werwölfe gerne einnehmen. Schnell entbrennt ein heißer Kampf um Chandras Gunst. Mit wilder Leidenschaft versucht jeder der Männer, sie für sich einzunehmen. Für Chandra beginnt eine Zeit voll animalischer Lust. Doch am Ende muss sie eine schwere Entscheidung treffen… (Verlagsinfo) „Animal Attraction“ ist der Startband der „Neuri-Chroniken“.

Die Autorin
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Hélène Guétary – Cosmos Welt

Hiroshima im Schlaraffenland oder Der Hase vom Mars

Die Gegenwart: In den großen Städten breiten sich wie eine Epidemie große Schwärme von fetten Fliegen aus, die zu Stress und Depressionen auch noch Lärm und Krankheiten beitragen. Die Menschen träumen nicht mehr, erfährt die junge Sprachenforscherin Pearl von einem Professor. In seiner Vorlesung lernt sie den jungen Mann Cosmo kennen – er hat violette Augen. Sie verliebt sich in ihn, wird aber eifersüchtig, als er mit anderen Frauen telefoniert. Und wer, bitteschön, sollen diese „Lächler“ sein?

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Francesco de Filippo – Gezeichnet. Ein Neapel-Krimi

Viele Bücher wurden über die italienische Mafia geschrieben, aber das Thema ist nicht totzukriegen. Zwei Jahre sind seit Erscheinen des Bestsellers „Gomorrha“ von Roberto Saviano vergangen, der damals einen Erlebnisbericht vorlegte und für einen Riesenwirbel sorgte. Francesco de Filippo hat zwar ’nur‘ einen Roman zum Thema geschrieben, doch die Schilderungen in „Gezeichnet“ sind mindestens genauso beeindruckend wie die von Saviano.

Handlung

Gennarino Sorrentino ist dreiundzwanzig Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er hat keinen ordentlichen Job, sondern schlägt sich in seinem neapolitanischen Vierteln mit Gelegenheitsarbeiten durch. Eines Tages ruft Don Rafele, der Boss der hiesigen Mafia, ihn zu sich und erteilt ihm einen Auftrag. Man widerspricht einem Boss selbstverständlich nicht, doch ehe er sich versehen hat, steckt Gennarino viel tiefer in den Machenschaften der kriminellen Organisation, als ihm lieb ist.

Plötzlich bleibt es nicht bei den Gelegenheitsarbeiten. Er wird zur rechten Hand von Paolino, der wiederum ein enger Vertrauter von Don Rafele ist. Er begleitet ihn nach Nicaragua, wo sie Drogen und Nutten kaufen, assistiert ihm bei der Schmutzarbeit, den Folterungen. Gennarino verdient endlich viel Geld, auch wenn er dafür einiges in Kauf nehmen muss. Dazu zählen nicht nur brenzlige Situationen, sondern auch der unvorhersehbare und brutale Charakter Paolinos. Immer wieder wird der junge Mann Zeuge, wie sein Vorgesetzter sich nicht unter Kontrolle hat und zur wilden Bestie mutiert. Es sind Momente wie diese, die ihm klar machen, wie gefährlich sein Job sein kann.

Doch welche Perspektive hätte er sonst? Erst als seine Frau mit den Kindern verschwindet, wird ihm nach einigen Überlegungen klar, wo er hineingeraten ist. Doch da ist es beinahe schon zu spät. Die Organisation bezahlt und schützt ihn zwar, aber sie beobachtet auch jeden seiner Schritte …

Mein Eindruck

Die wenigsten Leser dieses Buches werden wissen, wie es in einem von der Mafia regierten italienischen Stadtviertel aussieht. Francesco de Filippo schafft Abhilfe, aber nicht, indem er die Stadt im Süden Italiens lang und breit erklärt. Er versetzt den Leser mithilfe seines Helden direkt nach Neapel, indem man diesem bei seinem alltäglichen Treiben folgen darf. Gennarino ist sich bewusst, dass er jemandem seine Geschichte erzählt und wendet sich immer wieder an den Leser. Er erzählt umgangssprachlich, manchmal langatmig, voller unnützer Details und dabei so lebendig und bunt, dass man sich tatsächlich in diesen jungen Mann hineinversetzen kann. Damit gelingt de Filippo etwas, das nur wenige Autoren von sich behaupten können.

Der Fokus der Geschichte liegt dementsprechend weniger auf einer spannenden, durchkonstruierten Handlung. Es geht hauptsächlich um Gennarinos Leben, das Hineinrutschen in die Organisation und den Moment, in dem er wieder aufwacht. Der Autor weiß diese einzelnen Stationen spannend und interessant zu erzählen. Es fällt schwer, das Buch aus der Hand zu legen, da jeden Moment ein neues, wichtiges Ereignis um die Ecke biegen könnte. De Filippo beschreibt die Missetaten der Mafia sehr lebendig und eindrücklich. Er glorifiziert sie nicht und lässt jedes Mal durchschimmern, wie Gennarinos Gefühle gegenüber seiner Arbeit wirklich sind.

Denn trotz seiner Fehler ist der Protagonist sehr liebenswert, aufrichtig und grundgut. Er ist kein Held, der an der Situation etwas ändern möchte, denn er ist mit dem Treiben der Mafia groß geworden. Trotzdem kann er sehr wohl zwischen Gut und Böse unterscheiden, er braucht manchmal nur eine Weile. De Filippo stellt seine Hauptfigur nämlich nicht als besonders intelligent dar. Fremdwörter schreibt er gerne falsch und benutzt sie voller Ehrfurcht, und das Verstehen dauert bei ihm manchmal ein bisschen länger. Dennoch ist er gewieft und weiß sich durchzuschlagen. Er ist vielschichtig, interessant und hebt sich wohltuend von vielen anderen Romanfiguren ab.

Unterm Strich

Francesco de Filippo hat ein sehr mutiges Buch geschrieben. Allerdings weniger aufgrund des Inhalts, sondern vielmehr wegen der Art und Weise, wie er es geschrieben hat. Die Hauptfigur ist ungewöhnlich, der Schreibstil ausgesprochen mitreißend und lebendig. „Gezeichnet“ erlaubt einen sehr speziellen Blick in einen Lebensbereich, der den meisten Menschen verschlossen ist.

282 Seiten, Hardcover
Originaltitel: Sfregio
Aus dem neapolitanischen Englisch von Moshe Kahn
ISBN-13: 978-3-7857-1625-0

http://www.luebbe.de

Neil Gaiman – Zerbrechliche Dinge: Geschichten & Wunder

Sammlerstück für Gaiman- und Shadow-Fans

Ein liegengebliebener Mietwagen auf einem einsamen Highway, ein düsteres Zirkuszelt voller versteckter Geheimnisse, die flirrende Hitze der ägyptischen Wüste in ihrer menschenfeindlichen Schönheit – ganz gleich, wohin SANDMAN-Schöpfer Neil Gaiman seine Figuren führt, sie werden stets mit Abgründen konfrontiert. Abgründen, in denen manch ein Unglücklicher verloren ging. (erweiterte Verlagsinfo)

Der Autor
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Anne-Sophie Brasme – Dich schlafen sehen

Unter Lesben: Mord als Akt der Befreiung?

Charlène ist dreizehn Jahre alt, als sie Sarah zum ersten Mal begegnet, und sie ist von der Ausstrahlung dieses Mädchens sofort gebannt. Zwischen den beiden entspinnt sich eine tiefe Freundschaft, die doch nur einen Sommer währt. Denn plötzlich beginnt die machthungrige Sarah, ein grausames, unerbittliches Spiel mit ihrer Freundin zu treiben, gegen das sich Charlène schließlich nur noch auf eine Art zu wehren weiß … (Verlagsinfo)
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Anonymus – Die liebestolle Gräfin. Erotischer Roman

Die Philosophie der Lust

Gräfin Sidonie Stellamare liebt das Geld über alles, sie wettet gern und spekuliert mit Aktien. Als sie durch einen Zufall Hektor van Karkoel kennenlernt, erhofft sie sich von ihm entscheidende Tips und Hinweise. Der Millionär ist dazu auch gern bereit – allerdings unter einer ganz bestimmten Voraussetzung. Die Gräfin muss zahlen, und zwar mit ihrem Körper und ihrer Liebe.

Sidonie Stellamare kennt keine Skrupel und geht auf dieses Angebot ein. Gemeinsam erleben beide in den nächsten Monaten alle Höhen des Liebesrausches, der nicht enden will. (Verlagsinfo) Dieser Klappentext verschweigt verschämt die Beteiligung des Äffchens Mao und des buckligen Karkoel-Partners Udo Lankhout an den Liebesspielen, vom Afrikaner Poulpoul ganz zu schweigen.
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Anonymus – Sinnliche Südsee. Erotischer Roman

Liebeslektionen bei den Maori

Stella, behütete Ehefrau eines englischen Offiziers, viktorianisch erzogen, wird von den Maori verschleppt und erfährt am eigenen Leib sexuelle Praktiken, von deren Existenz sie nichts ahnte. Eine Hölle, so glaubt sie anfangs, – die sich aber bald verwandelt in ein Paradies der Lust, ein Paradies ohne Tabus und Prüderie, in dem Stellas verdrängte Sexualität erwacht. Und sie hofft nur eines: aus diesem Paradies nie vertrieben zu werden … (Verlagsinfo)

Der Autor oder die Autorin ist unbekannt. Ihr oder sein Buch erschien 1978 unter dem seltsam schelmischen Titel „Cruelle Zélande“, also „Grausames Neuseeland“.
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Jean Bruyère – Clotilde und Roger. Erotischer Roman

Die Erziehung des einfühlsamen Liebhabers

Die schonungslose erotische Beichte eines jungen Malers. Enttäuscht von den ersten Erfahrungen wird Roger von der vorurteilslosen Clotilde während einer hemmungslosen Bildungsreise auf die labyrinthischen Pfade des Eros geführt. Roger wandelt sich zu einem einfühlsamen Liebhaber, der nur in der Lust, die er seiner Partnerin schenkt, auch seine eigene Erfüllung findet. (Verlagsinfo)

Der Autor und das Rätsel
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Elizabeth Gaskell – Mr. Harrisons Bekenntnisse. Drei Erzählungen

Amüsante Zeitreise ins 19. Jahrhundert

Anlässlich des 200. Geburtstags der englischen Autorin Elizabeth Gaskell (1810-1865), die sich vor allem mit ihren Romanen „Mary Barton“ (1848) und „Cranford“ (1853) zu ihrer Zeit eine große Bekanntheit erschrieben hat, hat der |Manesse|-Verlag im Jahr 2010 unter den Titel „Mr. Harrisons Bekenntnisse“ drei ihrer Erzählungen in seiner Reihe |Bibliothek der Weltliteratur| herausgegeben.

1) Die Schafscherer von Cumberland

Mit viel Gefühl für die leisen Töne und einer Fülle von Details beschreibt die Tochter eines Geistlichen, die wegen des frühen Tods ihrer Mutter bei ihrer Tante in Knutsford aufwuchs, in „Die Schafscherer von Cumberland“ einen Ausflug zur Schafschur auf einen Bauernhof. Diese Erzählung erschien wie viele von Gaskells Kurzprosa zum ersten Mal in Charles Dickens‘ Wochenmagazin „Household Words“ und zeigt eine verschworene ländliche Gemeinschaft, deren Tradition zu Beginn des 19. Jahrhunderts bereits durch die beginnende Industrialisierung und die Modernisierung der Landwirtschaft in Vergessenheit zu geraten drohte.

2) Cousine Phyllis

Ist diese erste Erzählung noch mäßig spannend und eher historisch wertvoll, wird es mit „Cousine Phyllis“ bereits interessanter. Die Autorin schreibt aus der Perspektive des jungen Technikers Paul Manning, der seinen Vorgesetzten Holdsworth in die Familie seiner Tante einführt. Der Onkel ist wie Gaskells Großvater Bauer und Priester zugleich. Arbeit und Religion gehen bei ihm somit Hand in Hand und seine gesamte Familie ist mit dem Land und der Gemeinde verwachsen. Man lebt im Einklang mit der Natur und im Rhythmus der Jahreszeiten.

Zwischen dem Eisenbahntechniker Holdsworth und der klugen belesenen Phyllis entspannen sich zarte Bande, die jedoch durch Holdsworth‘ plötzliche Abreise nach Kanada abrupt zertrennt werden, noch bevor eine Beziehung beginnen konnte. Um seine tieftraurige Cousine zu trösten, erzählt Paul ihr von Holdsworth impulsivem Geständnis seiner Liebe für Phyllis ihm gegenüber, worauf sie, auf diese Worte vertrauend, daran glaubt, dass Holdsworth zurückkommen wird, um sie zu freien. Als sie die Nachricht von seiner Heirat in Kanada erreicht, wird sie todkrank, doch nach langer Krankheit findet sie zum Leben zurück und geht gestärkt aus dieser Krise hervor.

Die Schilderung aus der Sicht des jungen Mannes bietet dem Leser dabei die Möglichkeit, mit Pauls jugendlich unreifen Augen auf Phyllis und ihre Familie zu schauen. Gleich Paul wird er zum Beobachter der ländlichen Idylle. Die genaue Beschreibung der Nachmittage in der großen Stube des Bauernhauses mit der zum Fenster herein scheinenden Sonne, der Handarbeiten ausübenden Tante und der in ihre Bücher versunkenen Phyllis und ihrem Vater lesen sich wie die Beschreibung eines Gemäldes der alten Meister. Hier zeigt sich das große Darstellungsvermögen einer gereiften Autorin, der es gelingt, mit Worten zu malen.

3) Mr. Harrisons Bekenntnisse

Den Höhepunkt bildet jedoch die witzige Titelgeschichte „Mr. Harrisons Bekenntnisse„. Der junge Arzt Dr. Harrison, der in London aufgewachsen ist, zieht in das kleine Provinzstädtchen Duncombe, um Partner des dortigen Arztes zu werden. Die relativ abgeschlossene Gemeinschaft des Ortes lebt beschaulich vor sich hin und gewinnt allein durch Klatsch und Tratsch eine gewisse Dynamik. Da stürzt man sich natürlich förmlich auf den Abwechslung versprechenden Neuankömmling. Die Frauen von Duncombe sind dabei allesamt bekannte Typen. Es gibt eine verwitwete Haushälterin, eine Tochter, die von ihrer Mutter mit dem jungen Mann verkuppelt werden soll, die unaufdringliche Pfarrerstochter Sophy, in die sich der Arzt schließlich verliebt, und viele mehr.

Die Ratschläge des alten Arztes befolgend, verhält Harrison sich nett, geduldig und freundlich zu allen Personen und merkt nicht, dass vornehmlich die Frauen des Ortes die Kontrolle über sein Leben übernehmen, sodass er zuletzt nicht einmal mehr über seine Freizeit entscheiden kann und schließlich angeblich mit drei Frauen gleichzeitig verlobt sein soll, womit er seine Karriere sowie seine wirkliche Liebe aufs Spiel setzt. |“Ich stellte fest, daß meine Praxis schlechter ging. Ich hatte die Voreingenommenheit der ganzen Stadt gegen mich … Es hieß – grausame Kleinstadt! -, daß meine Nachlässigkeit oder Unfähigkeit an Walters Tod schuld war, daß Miss Tyrell infolge meiner Behandlung kränker wurde und daß John Brouncker durch mein Ungeschick beinahe gestorben wäre – wenn er nicht schon tot war.“|

Die ironische Beschreibung der Personen bei ihren Teekränzchen und auf Ausflügen erinnert an Jane Austen. Auch bei ihr trachten die Frauen der Oberschicht einzig danach, sich gut zu verheiraten, und richten ihr ganzes Leben danach aus, einen Mann zu finden.
In der traurigen Episode vom Tod von Sophys Brüderchen Walter verarbeitet Gaskell möglicherweise den Verlust des eigenen Sohnes. Doch Sophy, die ebenfalls schwer erkrankt, kann von Harrison durch eine neuartige Medizin geheilt werden. So ist nach der Wiederherstellung des Vertrauens in die Fähigkeiten des jungen Arztes sowie der Aufklärung der zahlreichen Missverständnisse mit einhergehender Wiederherstellung seines guten Rufs endlich der Weg für die wahre Liebe frei.

Unterm Strich

Während ihre Zeitgenossen Dickens und Tennyson den meisten Literaturinteressierten bekannt sein dürften, ist Elizabeth Gaskell außerhalb Großbritanniens etwas in Vergessenheit geraten. Doch für den, der Jane Austen oder die Brontës mag, lohnt es sich, auch die fünffache Mutter, die zeitlebens einen großen Haushalt führte und die damit zusammenhängenden Aufgaben mit einer Schriftstellkarriere verbinden konnte, kennen zu lernen.

Sie hat ein umfangreiches Werk (sieben Romane, 40 Erzählungen und eine Biografie über ihre Freundin Charlotte Bronte) hinterlassen. Ihre Prosa beweist psychologisches Feingefühl, ein meisterhaftes Erdzähltalent sowie einen unverstellten Blick auf die Veränderungen durch die Industrialisierung, der sie gleichzeitig zur Chronistin ihrer Zeit macht. |Manesse|s Erzählband bietet in bewährter Qualität mit Leineneinband, Lesebändchen und Schutzumschlag einen guten Einstieg in dieses Werk.

Hardcover: 376 Seiten
ISBN-13: 978-3717522584
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http://www.randomhouse.de/manesse

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (158 Stimmen, Durchschnitt: 1,06 von 5)

Robert Knott – Robert B. Parker’s Revelation. (Ein Hitch-&-Cole-Western 9)

Dramatischer Showdown in Appaloosa

Aus dem Gefängnis von Cibola sind acht Mörder ausgebrochen und befinden sich auf der Flucht. Einer wurde verletzt und sagt nach seiner Operation aus, die Gruppe hätte sich aufgeteilt: Die eine Hälfte ritt nach Westen gen Vadito, die andere nach Osten.

Die U.S. Marshals Virgil und Everett Hitch machen sich auf den Weg, um die Flüchtigen zu stellen, obwohl sie gerade erst herausgefunden haben, dass ein Ring von Schutzgelderpressern ihre Stadt Appaloosa unsicher macht. Und Everett dachte, er hätte Augustus Driggs in ein Hotel gehen sehen, der mit ihm auf der Militärakademie West Point war. Erst später wird er herausfinden, dass Driggs der Anführer der entflohenen Häftlinge ist…
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Hanni Münzer – Honigtot

Worum gehts?

Die junge Felicity reist von Amerika nach Rom, um sich dort auf die Suche nach ihrer plötzlich verschwundenen Mutter zu machen. Was sie nicht erwartet, dass sie dort während ihrer Suche auf ein dunkles Familiengeheimnis stößt. In diesem Geheimnis spielen ihre Urgroßmutter Elisabeth und deren Tocher Deborah die Hauptrollen. Felicity führt es um Jahrzehnte zurück in eine schicksalhafte und dramatische Vergangenheit, die bis heute dunkle Schatten auf das Leben der Familie und somit auch auf das von Felicity wirft.
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Jodi Picoult – Ich wünschte, du wärst hier

Diana O’Toole ist Kunstexpertin. Eigentlich hat sie auch selbst gern gemalt, doch ihr Vater – ein bekannter Restaurator – ist bei der Arbeit tödlich verunglückt. Und Dianas Mutter ist eine weltbekannte Fotografin, aus deren Schatten sich Diana nie hinaus getraut hat. Daher hat sie sich für einen anderen Weg entschieden und arbeitet für das Auktionshaus Sotheby’s. Sie betreut gerade ein bedeutendes Kunstwerk und soll alles klar machen für die Auktion, als ein unbekanntes Virus Manhattan erreicht und das öffentliche Leben herunter gefahren wird.

Eigentlich wollte Diana mit ihrem Freund Finn auf die Galapagosinseln fahren. Sie hat auch bereits in einer Schublade einen verdächtigen kleinen Schmuckkasten gefunden und ist sich sicher, dass Finn die Gelegenheit nutzen wird, um ihr einen Heiratsantrag zu machen. Doch dann kommt alles anders: Als Assistenzarzt wird Finn im Krankenhaus gebraucht und sagt Diana, sie solle doch alleine fahren.

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