Archiv der Kategorie: Comics / Graphic Novels

Charles, Maryse (Text) / Charles, Jean-Francois (Zeichnungen) – India Dreams

_Story:_

Böses Erwachen oder Fügung des Schicksals? Als Emily Harryson in den Wirren des Zweiten Weltkrieges von ihrem Freund aus Kindertagen, dem Sohn des Maharadschas Dharam Singh, in London aufgesucht wird, traut sie ihren Augen nicht. Doch die junge Frau hat kein Verlangen nach einer erneuten Konfrontation mit ihrer Vergangenheit in Indien, schließlich verlor sie dort ihre Eltern auf t5ragische und ebenso mysteriöse Weise. Doch das Tagebuch ihrer Mutter Amelia, welches der engagierte Prinz Jarawal mit sich führt, weckt wider alle Vernunft Emilys Interesse und lockt sie schließlich in ihre alte Heimat zurück, nicht wissend, welcher pikanten Spur sie hierbei auf die Schliche kommt.

Zurück in Indien versucht sie schließlich, die Spur ihrer Mutter aufzunehmen und nachzuvollziehen, wohin diese von ihrer Liebschaft zum Maharadscha getrieben wurde. Doch die Hinweise werden schnell wieder vermischt, und während sie an eine echte Familientragödie glaubt, kommen Emily und Jarawal sich immer näher. Doch ähnlich wie bei ihren Eltern soll die Liebe nicht lange anhalten. Emily verschwindet ebenso plötzlich wie Amelia damals, und als der frustrierte Prinz viele Jahre später erfährt, dass sie sich mit dem als homosexuell bekannten Englischlehrer Kenneth Lowther abgesetzt hat, bricht für ihn eine Welt zusammen. Nun ist es an Emilys Tochter Kamala, die Geheimnisse der Vergangenheit aufzudecken. Doch ebenso wie ihre Vorfahren scheint sie ein Händchen für die Tragik zu besitzen …

_Persönlicher Eindruck:_

Es ist ein gewagtes Projekt, an dass sich das belgische Comic-Pärchen Maryse und Jean-Francois Charles herangewagt haben, als sie den Entschluss fassten, in „India Dreams“ ein familiäres Drama, das sich über drei Generationen erstreckt, mit all den historischen und kulturellen Begebenheiten zu verknüpfen und es gleich durch mehrere Zeitzonen zu jagen. Von den Anfängen bis zum Ende des vergangenen Jahrhunderts führt der Zeitstrang den Leser durch das politisch schwierige Indien, den Zweiten Weltkrieg und allerlei ungehorsame Liebschaften, die untereinander noch einmal reichlich verzwickt konstruiert wurden und die Handlung alsbald zu einer arg komplexen Präsentation nötigen.

Doch die gesteigerten Ansprüche, die die Autorin und der Zeichner verfolgen, bieten ähnlich dem vergleichbaren „War And Dreams“ einen abgerundeten Erzählstrang, der zwar immer wieder zwischen den Ebenen pendelt, hierbei nicht immer mit Transparenz auftrumpft, zum Ende jedoch ein schlüssiges Ganzes bleibt und in seiner Gesamtheit als wirklich berührendes, durch und durch dramatisches Epos seinen Beifall verdient.

Allerdings ist es diesmal nicht ganz so leicht, in die Geschichte hineinzufinden; der Charles-Clan gibt sich bei der Einführung schon außerordentlich sperrig, initiiert Mysteriöses und gibt seinen Charakteren nicht ganz so viel Handlungsspielraum, um ihr wahres Gesicht bereits preiszugeben. Vor allem was die Beschreibung von Amelia, ihrem Geliebten Thomas und ihrer Affäre mit dem Maharadscha betrifft, tappt man lange Zeit im Dunkeln, während man gleichermaßen damit beschäftigt ist, dass Schicksal von Emily nachzuvollziehen und ihre teils komplizierten Entscheidungen zu verstehen. So wandert die Story gelegentlich in einem schwerelosen Raum umher, jederzeit bereit, abzustürzen, andererseits aber auch immer auf der Suche nach der nächsten Treppe, die die Euphorie ob des exotischen Comic-Märchens weiter in die Höhe treiben kann. Es sind erst die Schlussseiten, die Harmonie in das inhaltliche Geschehen bringen und dennoch bewusst nicht alle Fragen beantworten. Nur muss man hier anmerken, dass „India Dreams“ ein womöglich zu rasches Ende findet und sich Maryse und Jean-Francois Charles nicht mehr die kurze Zeit nehmen, das (wenn man denn so will) Finale schmückend auszukleiden.

Doch man will sich keinesfalls beschweren, denn trotz der leichten Kritik ist „India Dreams“ eine wunderbare Schöpfung, ein größtenteils monumentales, vor allem spannendes Epos, das sich bis zur letzten Seite nicht durchschauen lässt und dabei mit so vielen politischen und kulturellen Details geschmückt ist, dass man sich abseits der Handlung auch immer wieder für die liebevolle Aufbereitung des Buchs begeistern mag. Die farbenfrohe Direktcolorierung und das absolut authentische Stimmungsbild, welches selbst in den eher rational abgehandelten Abschnitten niemals sein elegantes Erscheinungsbild einbüßt, tun ihr Übriges dazu und verwandeln diese Kollaboration der beiden Belgier in ein wahrhaftig ergreifendes, wenn auch manchmal schwieriges Comic-Erlebnis!

|Gebundene Ausgabe: 207 Seiten
ISBN-13: 978-3940864031|
http://www.splitter-verlag.eu

Maryse Charles (Text) / Jean-Francois Charles (Zeichnungen) – War And Dreams

_Inhalt:_

Der Krieg hat seine Spuren hinterlassen, seinen Tribut gefordert – und dennoch ist der wohl grausamste Schauplatz jener Zeit der Ort, an den es vier völlig unterschiedliche, einstige Soldaten zurücktreibt. An der französischen Opalküste kreuzen sich die Wege des deutschen Pazifisten Erwin, des französischen Widerstandskämpfers Jean, des tollkühnen und großspurigen amerikanischen Fliegerhelden Joe und des britischen Wüstenveteranen Archie, ohne dass die Herrschaften voneinander bzw. von den jeweiligen Geschichten des anderen Notiz nehmen.

Vor allem Erwin, der mit seiner Nichte nach Frankreich zurückgekehrt ist, erfüllt die erneute Niederkunft an der Küste mit Schmerzen. Hier hat er seinerzeit ein faszinierendes Mädchen kennen gelernt, es dann aber nach seiner Versetzung an die Ostfront für immer aus den Augen verloren. Archie wiederum erinnert sich schmerzhaft an seine Zeit beim britischen Geheimdienst, der ihm zwar den Stolz des Vaterlandes, gleichzeitig aber auch den Tod von engen Freunden, zahlreichen Landsmännern und einer geliebten ägyptischen Jüdin erbracht hat.

Jean wiederum hat enorme Schwierigkeiten mit sich und seiner Lebensgeschichte ins Reine zu kommen. Seine Deportation in ein deutsches Arbeitslager bedeutete gleichzeitig die Trennung von seiner Geliebten. Und als er als Deserteur des Widerstands nach Frankreich zurückkehrt, muss er zusehen, wie Laura sich seinem besten Freund anvertraut hat, was ihn aus purer Verzweiflung zu einer schrecklichen Bluttat bewegt. Und auch Joe, ein ehemaliger Stuntfahrer und widerspenstiger Kriegsheld leidet unter der Vergangenheit; sein bester Freund, der ihn über alles verehrt hat, musste mit dem Leben bezahlen, damit Joes Ruf als Vorzeigekriegsheld gewahrt werden konnte. Noch heute verfolgt ihn der gehorsame Indianer in gespenstischer Gestalt und bleibt Sinnbild für all die Geister, die der Zweite Weltkrieg auf allen Seiten mit sich brachte …

Persönlicher Eindruck

Dem eher romantischen, wenngleich nicht selten kritischen „India Dreams“ hat das belgische Pärchen Maryse und Jean-Francois Charles mit „War And Dreams“ nun einen sehr gewagten, tiefgründigen und vor allem emotionalen Comic zur Seite gestellt, der schon auf den ersten Seiten mit seinem anspruchsvollen Content für Aufsehen sorgt, sich über die sehr verzwickt verflochtenen Story-Arrangements zu einem stellenweise richtig harten Brocken entwickelt, hierbei aber erzählerisch immer mit einer Dichte aufwarten kann, die die Story auch in den teils sehr raschen Wendungen zusammenhält – und genau dies ist das Kunststück, welches das Charles-Gespann in diesem zusammengefassten Vierteiler vollbringt.

Die Geschichte steigt direkt in die ganzheitliche Dramaturgie ein: Man wird als Erstes mit dem gedankenverlorenen deutschen Ex-Soldaten vertraut gemacht, der auch nach etlichen Jahren seiner großen Liebe hinterhertrauert. Opal, so der Name des Mädchens, wurde von den umliegend stationierten Gefährten lediglich als geistesverlorenes Etwas beschrieben, doch Erwin sah in ihr viel mehr als das. Ihre Augen, ihr wunderschönes Erscheinungsbild, ihre Unschuld, all das sorgte dafür, dass der gutherzige Mensch sich über seinen Dienst stellte und einer Träumerei nachging, die ein unschönes Ende fand. Heute trauert er gemeinsam mit seiner Nichte um diese verschollene Frau, die er am Strand zeichnete und mit der zusammen er einige hübsche Muschelmosaike legte. Doch die grausame Realität des Krieges, die ohnehin schon eine Verbindung zwischen einem Deutschen und einer Französin ausschloss, brachte die beiden nach einer wunderbaren, einzigartigen zeit auseinander.

Ähnlich verzwickte Liebesgeschichten verzeichneten auch die übrigen drei Protagonisten, von denen jeder allerdings noch ein viel brutaleres Schicksal erleiden musste. Der britische Geheimdienstler Archie vertraute sich blindlings einer ägyptischen Spionin an, verliebte sich trotz bestehender Ehe in sie, musste sich jedoch am Ende seiner Stellung unterwerfen und somit auch ihren vermeidbaren Tod in kauf nehmen. Lediglich durch sein Wissen starben tausende Menschen, darunter auch Sahara, jene junge Dame, die ihm ein ganz besonderes Geschenk hinterlassen hat. Eine Liebelei war es auch, die Jean pflegte, bevor er sich als Strafarbeiter nach Köln versetzen lassen musste. In seiner Abwesenheit verliebte sich die junge Laura neu und vergaß ihren Geliebten, was diesen mit solch einem hass erfüllte, dass er sie und ihren Liebhaber und neuen Ehemann schließlich aus dem Weg räumte – ein Verbrechen, das er bis heute vertuschen konnte, das aber wie eine Zentnerlast auf seinen Schultern verweilte. Und zuletzt ist da noch der tollkühne Joe, ein Draufgänger typisch amerikanischer Couleur, der in seinen unbedachten Kriegshandlungen Großes für sein Vaterland leistete und trotz seines zweifelhaften Rufs als Legende aus der Schlacht heimkehrte. Doch kaum war der Sieg errungen, ließ er sich zu einer brachialen Straftat hinreißen. Aber weil sein land nicht zulassen konnte, dass er dafür an den Pranger gestellt wird und seinen Status einbüßt, musste sein bester Freund daran glauben und mit der Hinrichtung bezahlen. Zu spät wird ihm bewusst, was er angerichtet hat. Und die ewige Bestrafung, die sein Gewissen zeichnet, lässt ihn nicht los.

Nun gehen diese vier Gestalten allesamt in einem kleinen Örtchen an der Opalküste ihres Weges und schwelgen in ihren teils sehr negativen Erinnerungen, suchen nach Hoffnung, wissen derweil nichts von der Existenz der übrigen Veteranen und versuchen an alter Wirkungsstätte den lang ersehnten Frieden zu finden. Doch ihre Vergangenheit hat tiefe Narben hinterlassen, die sich nicht mehr aufarbeiten lassen. Der Krieg ist für sie ein unvergessener Zeitzeuge, der speziell an diesem Ort wie ein Nadelstich wirkt. Und dennoch lassen sie in ihrem Bestreben, mit sich selbst ins Reine zu kommen und die Versöhnung mit dem eigenen Ego zu erlangen nichts unversucht.

„War And Dreams“ ist ein packendes Antikriegs-Melodram, mit ausgezeichneten Charakteren, einem richtig tollen, zeitversetzten Storyboard und einer herrlich inszenierten Kulisse, in der die einzelnen Figuren genügend Raum bekommen, ihre Geschichte mit aller Ruhe nachzuzeichnen. Schwierigkeiten ergeben sich einzig und allein aus den rasanten Szenenwechseln, die gelegentlich für kurze Überforderungsmomente sorgen, schließlich aber einem Puzzle gleich zusammengesetzt werden und als großes Ganzes in Harmonie geraten. Hilfreich hierbei ist auch die umfassende Erläuterung im Schlusskapitel, in der jede Figur noch einmal kurz über ihr Leben berichtet und somit auch die fehlenden Infos nachreicht. So gerät die Geschichte rund, die Verbindungen werden deutlich und man muss in der Tat staunen, mit wie viel Liebe zum Detail die gesamte Handlung langsam vereint wird.

Auch im Hinblick auf die Illustrationen bleibt Zeichner Jean-Francois Charles den Lesern nichts schuldig. Düstere Farben in Verbindung mit treffend gewählten Skizzierungen bestimmen die Story, ergänzt durch wunderschöne Nachbildungen der Kriegsszenerie. Ebenfalls sehenswert ist das Bonusmaterial in Form einer Zeitungsreplik, die sich auf die Kriegsjahre bezieht und einen weiteren Überblick über das gesamte Treiben dieses Buches gibt. Insofern bleibt nicht viel mehr zu tun als dieser richtig schönen Hardcover-Ausgabe für die leidenschaftliche Aufbereitung zu applaudieren und für die bewegende Geschichte eine uneingeschränkte Empfehlung auszusprechen!

Gebunden: 190 Seiten
ISBN-13: 978-3940864017

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Jim & Mermoux – Einladung, Die

_Inhalt:_

Als mitten in der nacht das Telefon klingelt, hat Raphael überhaupt kein Interesse, den Hörer abzuheben. Es ist vorerst seine letzte Nacht mit Helen, der kommende Arbeitstag naht und er kann sich weitaus Besseres vorstellen, als seinen wertvollen Schlaf für ein Telefonat aufzugeben. Doch als der Hörer nicht stillsteht, nimmt Raphael dennoch ab und erfährt von seinem Freund Leo, dass dieser in einiger Entfernung mit einer Reifenpanne liegengeblieben ist. Missmutig eilt Raphael seinem Freund zur Hilfe, geht ihm aber auf den Leim, denn Leo wollte lediglich austesten, welcher seiner Freunde in einem solchen Ernstfall tatsächlich die nächtlichen Unannehmlichkeiten auf sich nehmen und ihm aus der Patsche helfen wird – und in der Tat sind gleich mehrere Freunde gekommen, die nun bei Champagner die Freundschaft feiern.

Kurze Zeit später fühlt sich Raphael alleine und entschließt sich, ein ähnliches Notfalltelefonat einzurichten. Doch auf sein Bitten erscheint lediglich Leo – und diesen hatte Raphael noch nicht einmal angerufen. Nun stellt sich für Raphael die Frage, was sich in den letzten Jahren derart verändert hat, dass er alleine auf weiter Flur ist. Und warum er immer noch dazu neigt, Leo nachzuahmen …

_Persönlicher Eindruck:_

Zwischenmenschliche Beziehungen in einem Comic aufzuarbeiten, gestaltet sich immer wieder äußerst schwierig, weil es oft nicht an Raum und Zeit reicht, um die tiefgründigen Geflechte näher aufzuschlüsseln und gleichzeitig die Phantasie in einem Maße einzubeziehen, dass noch genügend Interpretationsspielraum besteht. Das ebenfalls im Splitter Verlag erschienene Standalone „Sonnenfinsternis“ kommt hierbei ins Gedächtnis und bleibt als eine der wenigen Ausgaben bestehen, die hier tatsächlich ganze Arbeit geleistet haben – und auch hier war Autor Thierry Terrasson wahlweise alias Téhy oder Jim federführend an der Entstehung und Entwicklung beteiligt. In „Die EInladung“ hat er im Verbund mit dem noch jungen Dominique Mermoux nun eine stille Ode an die Freundschaft komponiert, in der sich philosophische Anteile mit modernen Werten paaren und schließlich eine äußerst interessante Mischung ergeben.

Im Kern des Textes steht die außergewöhnliche Freundschaft zwischen Leo und Raphael, die seit knapp 20 Jahren eine sehr eigenwillige Beziehung bindet, die jedoch in erster Linie darauf basiert, dass Raphael seinem offenkundigen Vorbild immer wieder nacheifert. Er liebt dessen verrücktes Auftreten, sein unkonventionelles Erscheinungsbild und seine verrückten Ideen und wünscht nicht selten, er könnte mit den gleichen Attributen glänzen. Doch Raphael hat den konservativen Weg eingeschlagen, geht einem harten Job nach, steht mitten im Leben, blickt aber eben nicht über den Tellerrand hinaus. Gelegentlich erinnert er an den modernen Hom faber, wenngleich sein rationales Denken nicht ganz so weit ausgeprägt ist wie in Max Frischs klassischer Literaturvorlage. Doch die Parallelen sind erkennbar und tauchen vor allem dann auf, wenn Raphael am Ende seiner Kreativität angelangt ist und sich in den emotionaleren Interaktionen hinter seinem Freund verstecken muss. Indirekt sieht man hier einen stillen Aufruf, sich selbst nicht aufzugeben, das Außergewöhnliche auf Lebenszeit zu abonnieren und sich nicht von den gegebenen Umständen einkesseln zu lassen. Genau jenen revolutionären Zug verfolgt nämlich Leo in seinem kompletten Denken und Handeln. Er lädt seine Freunde auf eine nächtliche Party ein, taucht dann auf, wenn er nicht gefragt ist, zelebriert in üppigem Maße seine Scheidung und grenzt sich immer wieder bewusst ab. Dass es eben genau jene Eigenschaften sind, die seine Freunde besonders an ihm schätzen, erfährt Raphael aber erst, als er selbst mit dem Rücken zur Wand steht und ihm bewusst wird, wer er einmal war und wer er nun ist – und mit dieser Gewissheit gelingt es ihm schließlich wieder, auf den Pfad seiner eigenen, einstigen Tugenden zurückzukehren.

Bis es jedoch hierzu kommt, beschreiben Jim und Mermoux auf eine ebenfalls sehr eigensinnige Weise diese Freundschaft anhand von sehr kontrastreichen Dialogen. Man spürt die Verbundenheit und gleichzeitig die Konkurrenz zwischen den beiden Protagonisten, lernt zu verstehen, dass diese Beziehung auf völlig anderen Pfeilern aufgebaut ist, als eine herkömmliche Freundschaft, akzeptiert aber nach einigem Abwägen ebenso, dass es für derlei Zwischenmenschliches keine festen Regeln gibt. Diese werden nämlich letzten Endes nur von den beiden Hauptcharakteren festgelegt, und auch wenn sie oftmals geteilter Ansicht sind, so finden sie schließlich in einem Punkt Einigkeit: Nämlich dass das Band, das zwischen ihnen besteht, auch in den unmöglichsten Momenten nicht erschüttert werden kann, weil sie es immer wieder flicken können.

„Die Einladung“ ist kein ‚unterhaltsamer‘ Comic im traditionellen Sinne, dies sei vor allem Téhy-Fans vorab gesagt. Wer den Mann aus seinen Fantasy-Geschichten kennt, wird hier keine einstimmige Kongruenz entdecken. Doch die andere Seite, die er vorwiegend unter dem Pseudonym Jim zeigt, hat nicht minder viele Qualitäten, geht aber konsequent in eine völlig neue Richtung – und überzeugt in diesem Fall einmal mehr. Die Geschichte mag nicht reich an Tempo sein, denn dazu stehen die Dialoge viel zu sehr im Vordergrund. Doch es sind die Stimmungen und die spezielle Atmosphäre, die hier den Ton angeben und die Dynamik formen. Und auch wenn „Die Einladung“ gerade zu Beginn ein wenig gewöhnungsbedürftig ist, weil man vielleicht manchmal etwas mehr Handlung einfordert, als man schlussendlich serviert bekommt, so wird die Message sehr eindrucksvoll transferiert und gerade wegen ihrer außergewöhnlichen Präsentation hochwertig eingekleidet. Klar ist zwar, dass dieses Buch Special Interest ist – doch gerade weil die Comic-Szene Derartiges nicht in Massen produziert, sind Geschichten wie diese so richtig wertvoll!

|Gebunden: 160 Seiten
Text: Jim
Zeichnungen: Dominique Mermoux
Originaltitel: L’Invitation
ISBN: 978-3868694451|
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Dufaux (Autor) / Delaby (Zeichnungen) – Ritter des verlorenen Landes 1: Morrigan

_Ritter des verlorenen Landes_

_Band 1: „Morrigan“_
Band 2: „Der Guinea-Lord“
Band 3: – Titel noch nicht bekannt –
Band 4: – Titel noch nicht bekannt –

_Inhalt:_

Der Aberglaube sowie die finsteren Traditionen von Glen Sarrick treiben das Volk wieder in große Ängste: Dem Anschein nach ist eine Morrigan in den Ländern, die von den Herren von Dyfel regiert werden, unterwegs und hinterlässt auf ihrem Streifzug eine unübersehbare Blutspur. Die Ritter der Vergebung sehen sich dazu verpflichtet, der Sache nachzugehen und die Region von den Schandtaten der Hexe zu befreien, müssen sich jedoch nur mit einem kleinen Gefolge begnügen, um ihre Ziele zu verfolgen.

Unter ihnen ist neben dem kampferprobten Sill Valt auch der Novize Seamus, dem ebenfalls düstere Prophezeiungen vorauseilen, sollte er sich in seinen Lehrjahren in eine Frau verlieben. Doch jeder Mann zählt, und als die Ritter in Dyfel aufschlagen, scheinen sie der Hexe direkt in die Arme zu laufen. Ein fataler Irrtum führt jedoch dazu, dass der frisch vermählte Königssohn mit dem Leben bezahlen muss …

_Persönlicher Eindruck:_

Bereits in den Jahren 1992 bis 2000 beschäftigte sich Dufaux mit den selbst erschaffenen Sagen aus dem verlorenen Land und gestaltete dabei den respektierten |Kreuzzug|-Zyklus, der in sich zwar abgeschlossen war, jedoch gleichzeitig Potenzial für eine indirekte Fortsetzung hinterließ. Vier Jahre später startete der Autor daher mit den Arbeiten an einem weiteren Vierteiler, der hierzulande über den |Splitter|-Verlag herausgegeben wird. „Morrigan“ ist nun der Auftakt in einen weiteren Fantasy-Plot, der jedoch zu Beginn noch ein wenig an seiner hölzernen Dramatik zu knabbern hat.

Die Geschichte beginnt allerdings zunächst standesgemäß: Dufaux stellt die einzelnen Figuren vor, gibt Hinweise zu ihrem Background, erläutert Bedenken und Motive und kommt trotz allem relativ schnell auf den Punkt. Die erste Episode ist sehr stringent aufgebaut, definiert sich über ein ziemlich hohes Erzähltempo und setzt in diesem Bereich auch schnell Akzente. Doch insgesamt geht dann doch alles zu schnell; die Geschehnisse überschlagen sich, die Detailliebe wird mittendrin aufgegeben, und die kleinen Alibi-Auseinandersetzungen, die Sill Valt und Seamus auf ihrer Reise durch das verlorene Land bestreiten müssen, sind weitaus weniger spektakulär, als man dies eigentlich hätte erwarten dürfen. Glücklicherweise bekommt der Autor rechtzeitig wieder die Kurve und kreiert ein würdiges Finale einer vorab viel versprechenden, zwischendurch etwas bedenklichen, dann aber doch gelungenen neuen Serie.

Dennoch bleibt ein dezenter fader Beigeschmack, weil hier einiges an Potenzial auf der Strecke bleibt. Warum nicht etwas näher auf die Hexenthematik eingehen, bevor man in die flotte Action einsteigt? Und warum verschont der Autor sein Publikum von den sich bietenden Mythen und Geheimnissen, die hier nachhaltig dazu hätten beitragen können, dass die gesamte Einführung spannender aufgebaut ist? Man kann sich des Eindruckes nicht erwehren, dass hier großzügig mit den Möglichkeiten umgegangen, jedoch am Ende dann auch einiges verschenkt wurde.

Dass „Morrigan“ dennoch lesenswert bleibt, liegt nicht nur am anständigen zeichnerischen Gesamtbild, sondern vor allem auch an den Entwicklungen der letzten Seiten. Wäre hier nicht ein angenehmes Kontrastprogramm aufgeboten worden, wäre nämlich fraglich, ob das Interesse an der Fortsetzung bestehen würde. So ist aber auch dies gegeben, und man sich kann trotz der genannten Bedenken auf „Der Guinea-Lord“ freuen.

|Originaltitel: Les Chevaliers du Pardon
56 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3868690903|
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Téhy / Lalie – Engel und der Drache, Der – Buch 2: Und das Leben wird voller Gift sein

_Der Engel und der Drache:_

Band 1: [„Und der Tod wird ein Versprechen sein“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5490
_Band 2: „Und das Leben wird voller Gift sein“_

_Inhalt:_

Sechs Minuten sind es, die Hana-Rose jedes Jahr aufrecht halten und ihr das bisschen Lebendigkeit schenken, das ihr nach dem Tod ihres Geliebten geblieben ist. Genau sechs Minuten sind ihr und ihrem Partner geblieben – denn in jenen sechs Minuten kehrt Licomte als Engel auf die Erde zurück und kann Hana-Rose ganz nahe sein. Doch von Jahr zu Jahr wird das Verlangen intensiver und das Warten unerträglicher.

Die verzweifelte junge Dame beschließt daher, dem Rat der alten Hexe zu folgen und in einer entfernen Bibliothek nach Antworten zu suchen, wie es möglich sein kann, Licomte für immer bei sich zu haben, ohne den Tod dafür in Kauf zu nehmen. Doch die Wahrheit ist grausam und stürzt ihr Leben endgültig in einen Trümmerhaufen – denn mit einem Mal kann Hana-Rose nicht mehr unterscheiden, was tatsächlich real ist und welche ihrer finsteren Visionen lediglich einem Konstrukt aus Träumen und Gedankenspielen entspringt.

_Persönlicher Eindruck:_

Bildgewaltig, aber inhaltlich weniger spektakulär: Der erste Band zum Zweiteiler „Der Engel und der Drache“ hinterließ einen recht zwiespältigen Eindruck, gefiel zwar mit begeisternden Illustrationen, vermachte dem Leser aber viele Fragen, auf die Autor Téhy zunächst keine Antwort wusste. Zu stringent und phantasielos schien das, was sich hinter den tollen Zeichnungen versteckte, zu wenig Raum für eine echte Story blieb übrig, selbst unter der gegebenen Voraussetzung, dass die Serie lediglich mit zwei Episoden aufwarten würde. Doch der Autor hat dieses Problem im abschließenden Kapitel noch überraschend gut in den Griff bekommen und eben jene Phantasie, die man vorab noch vermisst hatte, umso intensiver in „Und das Leben wird voller Gift sein“ einfließen lassen.

Das Drama um die Hauptdarstellerin wird aufschlussreicher dargestellt, die einzelnen Trugbilder zwischen Realität und Funktion funktionieren folgerichtig auch viel besser. Zwar ist der Start ein wenig unbeholfen, da man hier den Zusammenhang der Ereignisse noch einmal deutlich aus den Fugen reißt. Doch je weiter man in die Verzweiflung der Protagonistin eintaucht und je philosophischer die Grundzüge der Story fortentwickelt werden, desto stärker verwachsen Text und Bild hier auch miteinander und lassen schließlich jene Symbiose entstehen, nach der man in „Und der Tod wird ein Versprechen sein“ noch vergebens suchen musste.

Hinzu kommt ein ungeahntes Maß an Komplexität, welches vor allem das Schlussdrittel des zweiten Bandes schmückt. Irgendwann verschwimmen die Elemente, so dass man nicht mehr exakt abschätzen kann, inwieweit die Inhalte nun real oder doch eher ein Traumgebilde sind. Lediglich die Tatsache, dass der Charakter der Hauptakteurin kaum gefestigt ist, macht dem faszinierenden, überraschend starken Gesamtbild noch einen Strich durch die Rechnung und schränkt die Souveränität des Schöpfers ein Stück weit ein.

Ansonsten muss man eingestehen, dass „Der Engel und der Drache“ erstaunlich schnell die Kurve bekommen hat, die Ungereimtheiten aufgeklärt werden, die Kontraste mit einem Schlag aufgehoben sind und der Effekt dementsprechend noch stärker ist. Schade daher, dass im ersten Kapitel so viel Zeit damit vertan wurde, die Liebelei aufzuschlüsseln. Wenn man nämlich nun sieht, was Téhy aus der Sache noch hat herausholen können, kann man sich nämlich des Eindrucks nicht erwehren, dass insgesamt noch mehr drin gewesen wäre. Nichtsdestotrotz ist „Und das Leben wird voller Gift sein“ jedoch ein versöhnlicher, für sich betrachtet voll und ganz überzeugender Abschluss.

|47 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3939823278|
http://www.splitter-verlag.de

Arleston, Christophe (Autor) / Tarquin, Didier (Zeichner) – Gnome von Troy 2: Drecksgören

_Gnome von Troy_

Band 1: [„Derbe Späße“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7903
_Band 2: „Drecksgören“_
Band 3: „Furchtlos“
Band 4: – noch unbetitelt –

_Inhalt:_

Die neuen Fähigkeiten der kleinen Gnome enden oftmals in bitteren Späßchen, die vor allem von der teuflischen kleinen Cixi in immer heftigeren Ausführungen betrieben werden. Meist wählt sie Lanfeust als ihr Opfer, der sich dann von C’ian umsorgen lässt. Doch auch das passt Cixi nicht in den Kram, denn insgeheim ist sie gar nicht damit einverstanden, dass Lanfeust und ihre Schwester anbandeln. Also denkt sie sich immer neue Boshaftigkeiten aus, die das kleine Reich Troy mächtig aufwirbeln.

Doch auch sonst herrscht im Unterdorf Ausnahmezustand: Der Wirt schenkt seinen Gästen ungenießbare Drinks ein, damit sie sich bei Lanfeust ein Gegenmittel gegen die Missstimmungen in ihrem Magen besorgen können. Der Schmied fällt immer wieder auf die Streiche der kleinen Gnome herein. Und auch der Vater der beiden ungleichen Schwestern, der Kindern auch als Lehrer nicht wohlgesonnen ist, lässt sich ständig verlocken, einigen abartigen Trieben zu folgen …

_Persönlicher Eindruck:_

Seit dem etwas verwirrenden, weil völlig unkonventionell gestalteten ersten Band zu „Gnome von Troy“ hat sich nicht viel geändert. Die Hauptdarsteller sind immer noch durchtrieben und lassen sich auf einige perfide Gemeinheiten ein, die ‚erwachsenen‘ Darsteller machen es auch nicht besser und folgen einigen Gelüsten, die nicht so ganz der Normalität entsprechen, und auch das Setting ist herrlich verrückt, häufig mit überspitzt präsentierten Illustrationen gespickt und letzten Endes gewöhnungsbedürftig.

Ob dies nun gut oder schlecht ist, liegt weiterhin im Auge des Betrachters. Denn wer auf bitterbösen Humor steht und es gerne auch mal ein bisschen durchgedreht mag, der kommt in den vielen Kurzgeschichten definitiv auf seine Kosten. Da seien alleine die Kapitel genannt, in denen die Gnome ihre geliebte Petaurus-Tierchen in die Luft sprengen oder in denen Cixi ihre Gemeinheiten auslebt – denn hiervon gibt es im Laufe des zweiten Comics noch mehr als in der vorangegangenen Veröffentlichung.

Auf der anderen Seite bewegt sich auch dieser zweite Band hart an der Grenze des Zumutbaren. Tierquälerei, überspitzte Erotik und ab und zu auch mal ein paar blutige Sequenzen sind nicht der Stoff, aus dem geschmackvolle Comics gemacht sind. Auch die sprachlichen Inhalte sind alles andere als vorbildlich, passen sich insofern zwar sehr gut dem gesamten Setting an, erzeugen aber wieder Diskrepanzen zu dem eigentlich sehr kindlich-jugendlichen Gesamtbild, das von den Illustrationen ausgeht.

Hinzu kommt schließlich, dass manche Geschichten keinen echten Schluss haben und eigentlich nur kurzzeitige Einblicke in das Leben der Gnome geben. Was oftmals fehlt, ist ein kurzer Abschluss, was bei der geringen Menge der Panels pro Story zwar auch nicht so einfach sein mag, aber nicht selten zwingend erforderlich wäre, um die jeweiligen Episoden abzurunden. Dies ist nicht immer der Fall, doch gelegentlich fehlt den einzelnen Kapiteln einfach etwas.

So bleibt „Gnome von Troy“ auch in „Drecksgören“ Geschmackssache und beschränkt sich weiterhin auf ein sehr kleines Publikum – und dieses muss auch dieses Mal keinesfalls aus denjenigen bestehen, die die Geschichten um Troy auf ganz andere Art und Weise liebgewonnen haben.

|Originaltitel: Les Guerrières de Troy
46 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3868694208|
http://www.splitter-verlag.eu

Hostache, Jean-Baptiste / Henderson, Jason / Salvaggio, Tony – Clockwerx 2: Sintflut

_Clockwerx:_

Band 1: [„Genesis“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7867
_Band 2: „Sintflut“_

_Inhalt:_

Fünf Jahre ist es nun her, dass Lord Oak und die schmutzigen Schergen der Golden Shell Organisation die Schwester von Matt Thurow grausam misshandelt und sie schließlich ins Koma befördert haben. All die darauf folgenden Jahre hat der einstige Polizist damit zugebracht, Rache zu üben und die Kollegen von Scotland Yard zu überzeugen, gegen das Unternehmen vorzugehen. Doch die Obrigkeiten konnten keine Bedrohung erkennen, so dass Thurow schließlich den Dienst quittierte.

Nun scheint jedoch die Möglichkeit gekommen, endlich mit Oak abzurechnen. Thurow schließt sich der Revolluzerin Molly Vane an, für die er außerdem eine gehörige Schwäche hat. Doch Vane hat derzeit andere Sorgen; ihr Arm wurde ihr genommen, und auch zwei ihrer Mitstreiter befinden sich in Gefangenschaft von Golden Shell. Nur mit einem grausamen Coup kann es ihr noch gelingen, Oak hinters Licht zu führen und ihm den Zugang zum Energielieferanten Luzifernium zu verwehren. Allerdings sollte allen Beteiligten klar sein, dass sie beim Anschlag auf Golden Shell mit ihrem Leben bezahlen könnten …

_Persönlicher Eindruck:_

Die relativ ambivalenten Eindrücke des Einstiegswerkes zu „Clockwerx“ versprühten nicht gerade große Hoffnung darauf, dass die Mini-Serie mit dem zweiten und bereits abschließenden Band noch in die richtigen Bahnen gelenkt werden könnte. Die Story wirkte noch relativ konfus, die einzelnen Handlungsstränge wurden allerdings teilweise auch zu ruckartig abgearbeitet, ohne dem Geschehen etwas mehr Spielraum zu geben. Diesen Makel können die drei Autoren nun im weitesten Sinne kaschieren, wenngleich die Actionlastigkeit von „Sintflut“ der inhaltlichen Tiefe der Geschichte auch hier wieder so manches Mal im Wege steht.

Dabei beginnt die zweite Episode noch sehr vielversprechend: Der Leser erfährt etwas mehr zu den Motiven von Hauptfigur Matt Thurow und bekommt durch einen Flashback in dessen Vergangenheit einen Einblick in sein zerstreutes Seelenleben – so weit, so gut. Doch mit dem Vorwärtsschwenk in die Gegenwart verfrachtet man die Sache wieder in die brisante Action, zieht das Tempo sogar noch einmal an, nutzt unterdessen aber äußerst selten die Qualitäten, die das Mysterium der Clocks der Erzählung so freizügig anbieten. Lediglich die Tatsache, dass der Rohstoff gefragt und revolutionär ist, bleibt in Erinnerung, doch zu welchem genauen Zwecke die Gerätschaften eingesetzt werden sollen, inwieweit Lord Oak hiermit sein Machtstreben befriedigen kann und welchen Part einige höherrangige Figuren tatsächlich einnehmen, bleiben vage Vermutungen, die jeder letzten Endes viel zu frei interpretieren kann. Und das nimmt einer grundsätzlich sehr gut aufgebauten, aber in manchen Detailfragen nicht ausreichend ausgeschmückten Story hin und wieder ihre Reize.

Hostache, Henderson und Salvaggio behelfen ich vielleicht auch aus diesem Grund der geschickten Methode, die Handlung mit einem riskanten Cliffhanger auszustatten, indem sie erklären, dass die Clocks-Geschichte zumindest für London ausgestanden ist. Doch damit stellt sich auch die Frage, was sie aus dem Ganzen mehr herausholen wollen, wenn doch schon der Einstand eine fragwürdige Sache bleibt. Viele Chancen bleiben diesmal ungenutzt, angefangen bei den Charakterzeichnungen bis hin zur Verkleidung nicht immer durchschaubaren Fehden zwischen den Akteuren. Und welche Rolle können Molly und Matt noch spielen, wenn der Plot am Ende jene Wende nimmt, die man als Leser schließlich beobachten muss?

Nun, „Sintflut“ ist sicherlich eine bessere Abhandlung als diejenige, die man nach dem etwas zerfahrenen Auftakt erwarte hätte. Aber ein wirklich packender Comic, bei dem die angebotenen Mysterien besser mit der Action verschmelzen, sieht summa summarum dann doch anders aus!

|56 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3868692112|
http://www.splitter-verlag.eu

Rocca, Simon (Text) / Girod, Thierry (Zeichnungen) – Wanted 2: Der Todescanyon

_Wanted:_

Band 1: [„Die Brüder Bull“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7893
_Band 2: „Der Todescanyion“_
Band 3: „Der Sheriff der gesetzlosen Stadt“
Band 4: „Das Kopfgeld“
Band 5: „Superstition Mountains“
Band 6: „Andale Rosita“

_Story:_

Wanted und sein neuer Gefährte Jed bewegen sich weiterhin durch die Prärie, allerdings mit ungleichen Zielen. Während der erprobte Kofgeldjägeer lieber seine Kasse aufbessern möchte, ist sein Mischlingskompagnon immer noch darauf aus, die verbliebenen Bull-Brüder zu jagen und sich an ihnen für den Mord an seiner Familie zu rächen.

Als Wanted sich entschließt, dem Sheriff von Hispaniola einen Besuch abzustatten, um sich dort nach neuen Aufträgen umzuschauen, wird die Stadt überfallen und Jed bekommt die Gelegenheit, sich für Wanteds einstige Rettungstat zu revanchieren. Gemeinsam ziehen sie weiter ihre Kreisen und schließen sich General Carson an, der im anhaltenden Sezessionskrieg in einen Hinterhalt zu geraten scheint. Doch Jed und sein neuer Freund verfolgen andere Ideen als die Loyalität zu ihrem neuen Anführer; stattdessen suchen sie unter dessen Gefolgsleuten die verbliebenen zwei Bulls, von denen keiner ungeschoren davonkommen soll …

_Persönlicher Eindruck:_

Der Auftakt der aktuellen Western-Serie aus dem |Splitter|-Verlag war durchaus gelungen, der zweite von insgesamt sechs Teilen kann diesbezüglich allerdings nur bedingt mithalten. Was zunächst noch aufregend begann und sich als toller Charakter-Showdown entpuppen sollte, flacht in „Der Todescanyon“ alleine deswegen schon ein ganzes Stück ab, weil sich Autor Simon Rocca hin und wieder in einigen unlogischen Panel-Abfolgen verstrickt.

Dem stringenten Beginn des zweiten Bandes folgen immer wieder Ungereimtheiten, auch was die Motive der Hauptdarsteller angeht. Gerade Jed scheint noch nicht wirklich klar zu wissen, welchem Pfad er folgen soll, so dass die eigentlich offensichtliche Konsequenz, nämlich die klare Durchführung seines Rachefeldzugs, mit wachsender Seitenzahl immer zerfahrener wirkt. Er schließt Zweckbündnisse, die nicht seinen Prinzipien treu sind, schließt sich sogar dem Auftraggeber der Menschen an, die seine Familie auf dem Gewissen haben, scheint sich aber am Ende immer noch sicher zu sein, was genau nun richtig für ihn ist – da wirkte besonders seine Darstellung in der letzten Episode noch um einiges schlüssiger und besser nachvollziehbar. Denn der konsequenten Haltung dort folgt nun ein innerliches Zerwürfnis, das mit seinen straighten Ideen aus dem Debüt nicht mehr gut in Einklang zu bringen ist.

Doch auch die einzelnen Erzählebenen sind nicht immer zwingend logisch: Während Wanted nämlich von einem Kriegsschauplatz zum nächsten eilt und beim Fronteinsatz um Leben und Tod kämpft, geschieht in der gleichen Zeit bei Jed nur äußerst wenig. Sein Bündnis mit den Navajo ist eine Sache von wenigen Minuten, die Action im Krieg hingegen ein mehrtägiges Spektakel – und dennoch treffen beide jeweils nach ihren aktuellen Erlebnissen wieder aufeinander, als seien nur ein paar Stunden vergangen. Seltsam!

Andererseits sollte man die Entwicklung der Serie in „Der Todescanyon“ nicht direkt verteufeln, denn lesenswert bleibt die Story allemal. Die Action ist erneut sehr offensiv, nicht ganz so brutal, aber immer noch hart an der Grenze, die Szenarien überschlagen sich regelrecht beim hohen Erzähltempo, das Taktgeber Rocca vorgibt, und auch im Hinblick auf die zuletzt noch arg verschwommenen Zeichnungen gibt es durchaus Fortschritte. Lediglich die vorherigen Stärken, nämlich die Charakterzeichnungen und die stringente, aber eben nicht auf Anhieb durchschaubare Handlungserweiterung, sind diesmal nicht ganz so stark ausgeprägt und weichen neuen Elementen.

Davon abgesehen ist „Der Todescanyon“ aber dennoch eine anständige Fortsetzung, die nicht alle Erwartungen erfüllt, aber zumindest einen großen Teil davon. Nur eines kann man sich bereits jetzt hinter die Ohren schreiben: Ein ganz so bildgewaltiges und abwechslungsreiches Konzept wie etwa bei „Comanche“ steckt hinter „Wanted“ nicht – auch wenn die Vorzeichen sehr gut sind!

|48 Seiten, gebunden
Übersetzung: Tanja Krämling
ISBN-13: 978-3-86869-243-3|
http://www.splitter-verlag.eu

Djian, J.-B. (Autor) / Vincent (Zeichner) – Kapuzinerschule 2: Der Erbe

_Kapuzinerschule:_

Band 1: [„Das vergiftete Dorf“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7862
_Band 2: „Der Erbe“_

_Story:_

Honoré ist immer mehr im Zwiespalt, inwiefern er seiner Gattin trauen kann und ob es sich bei den Begegnungen mit seinem jüngeren Alter Ego lediglich um ein Gebilde seiner Phantasie handelt. Erst als Camille sich immer weiter von ihm distanziert und geradewegs in die Hände des Richters Aristide Cuchard läuft, wird ihm bewusst, dass seine Ehe zum Scheitern verurteilt ist. Dennoch bekennt er sich tief in seinem Herzen zu den Gedanken an die verschollene Emma und entschließt, sich mit Hilfe des jungen Honoré einmal mehr in seine Vergangenheit zu stürzen und die endgültige Wahrheit über die Geschehnisse in Kelferic in Erfahrung zu bringen.

Derweil spüren Cuchard und Camille ähnliche Wahrheiten auf und holen die Gewissheit ein, dass das Attentat auf die anrüchige Dame und ihr nachfolgendes Koma lediglich ein gutes Ende nehmen konnten, weil die Zwillingsschwester der Schulleiterin mit ihrer Hexerei die Finger im Spiel hatte. Beide Seiten sind sich nicht mehr wohlgesonnen, wohl wissend, dass ihre neuen Kontrahenten gegeneinander etwas im Schilde führen. Doch wird sich Camille durchsetzen und die Machenschaften ihres Ehemannes beenden? Oder behält der unschuldige Gatte die Oberhand und kann sich auf dem Wege des tatsächlichen Rechts gegen seine weniger unschuldige Frau durchsetzen?

_Persönlicher Eindruck:_

Ein wundervoller, spannungsgeladener Auftakt ließ für den zweiten und auch schon abschließenden Band von „Kapuzinerschule“ Großes erhoffen. Und in der Tat gelingt es J.B. Djian im weitesten Sinne, diese Erwartungen auch zu bestätigen und mit einem ebenfalls sehr spannenden letzten Kapitel zu beschließen. Doch ganz so überragend wie das Debüt ist „Der Erbe“ schließlich nicht geworden. Und dafür gibt es mehrere Gründe.

Die Story wird zumindest zum Ende von ihrem eigenen Tempo eingeholt und spart sich bei der Detailarbeit so manche Facette, damit die Geschichte bei der vorliegenden Seitenzahl auch ein schlüssiges Ende hat. Die Spurensuche in der Vergangenheit ist weitestgehend befriedigend, doch hier und dort hätte man sich dann doch ein bisschen mehr Aufklärungsarbeit gewünscht, statt der unsteten Liebelei zwischen Camille und Aristide so intensiv nachzuhängen. Zwar wird hierdurch klar, wie blind der Richter in seiner hemmungslos intensiven Liebe agiert und wie er dadurch auch vom Pfad seiner bisher offenbarten Tugenden abkommt. Allerdings kommt die Haupthandlung dementsprechend ein bisschen zu kurz, nicht zuletzt weil Honoré und Camille nicht die einzigen Schlüsselfiguren in der Story sind, die etwas mehr Hintergrund mitbringen, der nach Erklärungen schreit.

Unterm Strich ist die Sache aber am Ende trotzdem mehr als befriedigend, weil die Handlung einfach eine Menge hergibt, die Verstrickungen überdies komplex bleiben und auch die Charaktere nach wie vor sehr liebevoll und ausführlich dargestellt werden. Lediglich die rasche Abhandlung des Endes ist ein Punkt, der strittig bleibt, weil einige Fragen nicht in Gänze beantwortet werden – doch dieses, zumindest in Teilaspekten, offene Schlussszenario ist dennoch ein stimmiges und sollte den Leser zufrieden zurücklassen.

Was die Entwicklungen innerhalb von „Der Erbe“ angeht, wählt der Autor auch weiterhin eine sehr strikte Vorgehensweise, die sich nicht bloß durch die hohe Erzählgeschwindigkeit definiert, sondern auch durch die Konsequenz der einzelnen Stränge. Kein einziger Nebenschauplatz bleibt offen, jeder Handelnde bekommt seinen verdienten Raum (wenn auch streckenweise etwas zu wenig), und da die vielen versteckten Geheimnisse ebenfalls eine nachvollziehbare Erklärung finden, gibt es nichts auszusetzen.

Vielleicht hatte man nach den Ereignissen des ersten Kapitels einen großen Knall erwartet; von daher ist es schwer zu sagen, warum die riesige Begeisterung nun ausbleibt. Womöglich hat Djian die Erwartungen an dieses Finale auch zu hoch getrieben – das bleibt alles spekulativ. Feststeht, dass „Der Erbe“ ein wenig hinter „Das vergiftete Dorf“ zurückstecken muss, dies aber auf eine Art und Weise, die dem erhofften Meisterwerk seinen Status nicht raubt.

„Kapuzinerschule“ bleibt weiterhin eine sehr starke Serie, vielleicht ein wenig kurz, aber aufgrund der spürbaren Leidenschaft, die Djian und sein Zeichner Vincent in diese Arbeit gesteckt haben, immer noch ein Highlight im erstklassig besetzten |Splitter|-Programm!

|51 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3868692280|
http://www.splitter-verlag.eu/

Sante, Yves (Autor) / Rosinski, Grzegorz (Zeichner) – Thorgal 33: Das Schwertboot

_Inhalt:_

Nachdem Jolan Manthors Mutter Vilnia geholfen hat, die Unsterblichkeit zurückzuerlangen, verlangen Thorgals Sohn und seine Begleiter, von ihrem Entführer endgültig freigelassen zu werden. Manthor will sein Wort halten, doch er sieht noch ein viel größeres Problem auf Asgard zukommen – und dieses kann er nur mithilfe der Jünglinge und deren besonderen Fertigkeiten lösen.

Unterdessen steuert Thorgal an Bord eines Drachenbootes voran, immer die Hoffnung in sich, eines Tages eine Spur von Jolan zu entdecken. Doch an Bord des Schiffes kommt es zu Unstimmigkeiten, weil Thorgal nicht bereit ist, Sklaven an Bord zu nehmen und den Menschenhandel zu unterstützen. Als er einsieht, dass er lediglich diese einzige Chance hat, seinen Sohn je wiederzusehen, gibt er nach, sucht aber alsbald nach Möglichkeiten, die neuen Begleiter aus ihrem Schicksal zu befreien. Doch sein Weg führt ihn erneut an die Grenze zwischen Leben und Tod …

_Persönlicher Eindruck:_

Ein weiterer ’neuer‘ Band aus der Traditionsreihe, ein weiteres Mal große Verblüffung ob der großen Qualitätssprünge, die das „Thorgal“ von dereinst im Hinblick auf das „Thorgal“ von heute vollzogen hat. Die Fortsetzung der Asgard-Saga zeigt einmal mehr einen deutlich gereiften Hauptcharakter, einen Abenteuer-Plot, der dieser Bezeichnung auch in allen Facetten würdig ist, einen gewissen mystischen Hintergrund, der sich im Nebenstrang um Jolan manifestiert und schließlich auch eine Wikingergeschichte, die alles mitbringt, was man von ihr erwartet: Drachenschiffe, Gottheiten, kampfeslustige Gestalten und episch aufgebaute Helden, die sich diesen Status redlich verdient haben.

Aber trotz dieser einschneidenden Veränderungen bleibt die Geschichte auch im neuen Kapitel sehr stringent, orientiert sich an einem klar definierten roten Faden, bleibt aber nicht mehr so durchschaubar, wie man es aus den alten Kapiteln gewohnt war. Immer wieder wird unsere Titelfigur mit neuen überraschenden Ereignissen auf die Probe gestellt, und ständig erweist er sich ihrer als echter Mann, als wahrer Charakter, diesmal mit allen Ecken und Kanten, aber auch sprachlich gewieft und nicht mehr so einfach gestrickt. Vielleicht ist es nach mehr als 30 Bänden nicht mehr angebracht, die Anfänge mit dem Jetzt zu vergleichen, doch gerade diese Entwicklung macht es erst so erstaunlich und verschafft „Thorgal“ auch nach drei Dekaden immer noch seine Daseinsberechtigung.

Die Geschichte ist spannend, das ist sicher der wesentliche Punkt. Aber auch die teils sehr emotionalen Dialoge, das ganze Drumherum ist aufregend, auch wenn keine komplexen Verstrickungen oder Ähnliches vorhanden sind, um das gesamte Handlungskonstrukt noch zusätzlich zu pfeffern. Im Grunde genommen ist nämlich auch „Drachenboot“ eine typische Abenteuergeschichte, die nach einem berechenbaren Schema funktioniert. Nur die Art und Weise, wie Rosinski und Sante diese Erzählung ausschmücken, ist schlichtweg viel euphorischer, ja ambitionierter und schließlich immer mit einem zukunftsweisenden Fokus ausgestattet.

Und in diesem Sinne hat „Thorgal“ so mancher vergleichbaren Serie mittlerweile eines voraus, nämlich dass keine undurchsichtigen Mythen, vertrackte Arrangements oder ein Kontrastprogramm bei den Persönlichkeiten vonnöten ist. Es reicht – so plump das klingen mag – etwas Etabliertes aufzufrischen und etwas Vertrautes immer wieder neu zu definieren, ohne dabei an die Grenzen gehen zu müssen.

|Hardcover: 47 Seiten
ISBN-13: 978-3868693706|
http://www.splitter-verlag.eu

_|Thorgal| bei |Buchwurm.info|:_
Band 1: [„Die Rache der Zauberin“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7907
Band 2: [„Die Insel des ewigen Frosts“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7908
Band 32: [„Die Schlacht von Asgard“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7909
Band 33: [„Das Schwertboot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7910

Sante, Yves (Autor) / Rosinski, Grzegorz (Zeichner) – Thorgal 32: Die Schlacht von Asgard

_Inhalt:_

Auf der Suche nach seinem Sohn ist Thorgal gezwungen, in die Zwischenwelt zu reisen und der Spur seiner Entführer zu folgen. Doch wo er auch hinreist: Die Aussagen sind nur vage und führen ihn nicht wirklich weiter. Erst mit seiner spitzen Zunge gelingt es ihm, ein paar Gefährten zu finden, die sich seiner Sache annehmen und sich mit Thorgal verbunden.

Derweil spürt Jolan nichts von den Sehnsüchten seines Vaters. Seinem Begleiter Manthor muss er ein Versprechen abnehmen, damit dessen Mutter, die sich als Göttin einst in die Welt der Menschen absetzte, weil sie das ständige Drängen Lokis nicht mehr ertragen konnte, überleben kann. Vilnia ist schwer erkrankt, und lediglich ein Apfel vom Baum des ewigen Lebens kann ihren Zustand verbessern und sie wieder in eine Unsterbliche verwandeln. Und nur mit einer Armee aus Puppen soll es Jolan gelingen, diesen Apfel zu besorgen und Manthors Wunsch zu erfüllen.

Als der Jüngling jedoch ins Reich der Götter aufbricht, wird er von erschreckenden Eindrücken heimgesucht. Die Götter sind sich uneins, und vor allem Loki scheint seine Existenz zu erzürnen. In einem letzten Kampf gegen den gefürchteten Gott soll er den Apfel erlangen – doch Lokis Armee aus hünenhaften Riesen scheint unbezwingbar …

_Persönlicher Eindruck:_

Eine Fortsetzung einer Serie, die seit 30 Jahren das Comic-Universum bereichert, aus einem völlig neuen Blickwinkel zu betrachten, ist keine allzu leichte Aufgabe – vor allem nicht, wenn man gerade erst in die Welt von „Thorgal“ eingetaucht ist und die ersten beiden Bände es Debüt-Zyklus‘ kennen gelernt hat. Seither ist nicht nur viel Zeit ins Land gezogen, sondern auch eine enorme inhaltliche Entwicklung, was angesichts von immerhin 29 Zwischenepisoden natürlich allzu verständlich ist. Doch nicht die handlungsbezogenen Veränderungen zwischen den ersten Bänden und dem nun vorliegenden, sind gewaltig. Auch konzeptionell ist „Die Schlacht von Asgard“ ein Monsterschritt, verglichen mit Kapitel wie „Die Insel des ewigen Frosts“. Doch wo man einst eine gewisse Skepsis ob des Klassiker-Status der Story nicht verbergen konnte, ist man nun umso überzeugter, dass sich die beteiligten Texter und Schreiber die Lorbeeren verdient haben. Denn mit „Die Schlacht von Asgard“ strahlt die Serie in einem bislang ungeahnten Glanz.

Nichtsdestotrotz ist der Veröffentlichungszeitpunkt insofern ungünstig, dass man mitten in einen Zyklus einbricht und somit nicht mit der Vorgeschichte vertraut gemacht wird. Band Nr. 32 ist der vierte Part einer fünfteiligen Zwischenreihe, die nun kurz vor ihrem Ende steht, deren Hintergründe aber nicht so weit offen gelegt werden, dass man sich im Laufe der Story in bekannter Umgebung wähnt. Wäre Yves Sente kein solch begeisterungsfähiger Schreiber, wäre das sicherlich ein schwer überbrückbares Hindernis. Doch im Laufe der Erzählung findet man dann doch überraschend schnell Zugang zu den neuen Figuren und ihren Motiven, zumal „Die Schlacht um Asgard“ letzten Endes ein in sich abgeschlossenes Buch ist, das eine Geschichte innerhalb des Hauptplots erzählt, aber eben noch nicht konkret darauf zusteuert, diesen auch wirklich zu beenden. Hier ist also auch im Hinblick auf die Zukunft noch reichlich Potenzial verborgen, zumal die Stränge um Thorgal respektive Jolan völlig unabhängig voneinander dargestellt werden und noch keine Anstalten machen, aufeinanderzustoßen.

Entscheidend ist aber vor allem, inwieweit sich der Charakter der Serie mit der Zeit gewandelt hat, und hier gibt es ausschließlich Positives zu berichten. Sente erweist sich als talentierter Texter, der Monsier van Hamme wirklich gekonnt beerbt, so dass es kaum störend ist, dass die Story von sehr vielen Dialogen begleitet wird. Im Gegenteil: Man wird mit vielen Infos versorgt, kann sich ein Bild vom Gesamten machen, wird nicht mit abgeklärten Fakten zurückgelassen und hat schließlich nicht jenen Eindruck, den man vor allem nach Betrachtung des Debüts haben musste. Ferner ist auch mehr Tiefgang in der Sache verankert; hier wird parallel auf mehreren Ebenen geschrieben, so dass „Thorgal“ anno 2011 weitaus spektakulärer wirkt als noch damals. Im Großen und Ganzen bedeutet dies: mehr Action, mehr Dynamik und auch interessantere, weniger farblose Charaktere.
Rosinski, der der Reihe über all die Jahre treu geblieben ist, hat derweil auch stark an seinen Zeichnungen gearbeitet. Was als relativ simple Bleistiftskizzen etabliert wurde, hat heute viel mehr künstlerischen Anspruch und versetzt nicht nur den Inhalt, sondern auch sein gerahmtes Setting prima in die Jetztzeit. So kann man unterm Strich nur eines konstatieren: „Thorgal“ hat im Laufe der Jahre eine bemerkenswerte Entwicklung erlebt, die in „Die Schlacht von Asgard“ ihren vorläufigen Höhepunkt erlebt!

|Hardcover: 47 Seiten
ISBN-13: 978-3868693690|
http://www.splitter-verlag.eu

_|Thorgal| bei |Buchwurm.info|:_
Band 1: [„Die Rache der Zauberin“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7907
Band 2: [„Die Insel des ewigen Frosts“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7908
Band 32: [„Die Schlacht von Asgard“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7909
Band 33: [„Das Schwertboot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7910

van Hamme, Jean (Autor) / Rosinski, Grzegorz (Zeichner) – Thorgal 2: Die Insel des ewigen Frosts

_Inhalt:_

Jahre sind vergangen, die Thorgal nicht ungenutzt gelassen hat. Inzwischen hat er sich mit König Gandalf versöhnt, und die Hochzeeit mit dessen Tochter Aarica steht kurz bevor. Doch als das Mädchen von zwei Adlern verschleppt wird und in die Ferne verschwindet, scheint die gemeinsame Zukunft ungewiss.

Gemeinsam mit den besten Männern des Königs sticht ein Drachenboot und der Führung von Gandalfs Sohn Bjørn in See, um die Verschollene zu suchen. Der Pfad führt durch eine riesige Eiswüste, und von Tag zu Tag scheint die Lage aussichtsloser. Als die Wikinger meutern und Thorgal und Bjørn von Bord gehen müssen, ist der Mann mit der unbekannten Herkunft bald völlig auf sich alleine gestellt. Als er jedoch Aaricas Entführer, den Herrn der drei Adler trifft, wendet sich das Blatt – und mit einem Mal erfährt Thorgal viel mehr über seine Vergangenheit, als er zu Beginn der Reise erwartet hätte …

_Persönlicher Eindruck:_

Nach dem eher ernüchternden Einstieg in die französische Klassiker-Serie war es an Jean van Hamme, seinem Hauptcharakter, aber auch der gesamten Szenerie ein etwas geschickteres Format zu verpassen. Inhaltlich musste definitiv einiges geschehen, um diesen ersten Zyklus anzufeuern und ihm Leben einzuhauchen, denn in „Die Rache der Zauberin“ geschah oberflächlich eine ganze Menge, weiterführend aber eben nichts Spektakuläres.

Jenes Spektakel lässt der Autor nun in der zweiten Episode folgen, zwar nicht ganz so aufgeblasen wie in vielen vergleichbaren Fantasy-Abenteuern, jedoch mit bedeutend mehr Tiefgang und einer Konsequenz, die man zuvor noch vermisst hatte. Und obwohl „Die Insel des ewigen Frosts“ aus heutiger Perspektive – die Geschichte hat immerhin drei Dekaden auf dem Buckel – kein außergewöhnlich aufregender Comic ist, so muss man dennoch ganz klar attestieren, dass die zweite Ausgabe schon eine massive Steigerung gegenüber ihrem Vorläufer ist.

Seltsam ist lediglich, dass in der Erzählzeit bereits Jahre vergangen sind und der Leser sich auf einen gewaltigen Sprung gefasst machen muss. König Gandalf ist nur noch ein Schatten seiner selbst, Thorgal wird inzwischen von dessen Volk, vor allem aber von der Krone akzeptiert, und auch die geplante Ehe mit Aarica ist nicht mehr von familiären Hindernissen beeinflusst – eine Situation, die zuletzt noch fast undenkbar gewesen wäre. Doch die extrem veränderten Rahmenbedingungen machen diesen Neustart erst möglich, geben der Story eine besser durchdachte Motivation und treiben sie schließlich in ein wirklich anständiges, zum Ende hin sogar ein wenig komplexes Abenteuer, von dem man nach der Durchsicht des ersten Bandes nicht mehr ausgehen konnte.

Dabei hat sich bei der grundsätzlichen Handlung nicht sonderlich viel verändert. Zwiste und Streitereien sind nach wie vor an der Tagesordnung; es wird gekämpft, intrigiert und gehetzt, dies aber vor einem viel besser ausgeschmückten Hintergrund, vor allem aber mit einem erkennbaren Zusammenhang. Alsbald schließt sich dann auch der Kreis zu den Geschehnissen zu Beginn der Erzählung, so dass man jetzt besser einordnen kann, warum der stellenweise hölzerne Vorgänger so abrupt endete und einzelne Passagen offen gelassen wurden. Dies rechtfertigt natürlich insgesamt nicht, dass „Thorgal“ keinen besonders lesenswerten Auftakt feiern durfte, gestaltet den gesamten Zyklus aber um ein Vielfaches runder und hinterlässt schließlich auch erstmals wirklich zufriedene Eindrücke.

Dass „Thorgal“ mittlerweile als Klassiker gefeiert wird, scheint zu diesem Zeitpunkt zwar immer noch nicht gerechtfertigt, weil die Serie inhaltlich nicht wirklich aus der Masse herausragt. Doch in „Die Insel des ewigen Frosts“ zeigt nach anfänglicher Skepsis in die richtige Richtung und bereitet der Story den Nährboden für weitaus spektakulärere Action – und mit diesem Eindruck in der Hinterhand kann man sich nun auch auf die weiteren Fortsetzungen freuen!

|Hardcover: 47 Seiten
ISBN-13: 978-3868693393|
http://www.splitter-verlag.eu

_|Thorgal| bei |Buchwurm.info|:_
Band 1: [„Die Rache der Zauberin“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7907
Band 2: [„Die Insel des ewigen Frosts“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7908
Band 32: [„Die Schlacht von Asgard“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7909
Band 33: [„Das Schwertboot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7910

van Hamme, Jean (Autor) / Rosinski, Grzegorz (Zeichner) – Thorgal 1: Die Rache der Zauberin

In Frankreich braucht man die „Thorgal“-Reihe sicherlich nur noch den wenigsten Comic-Lesern schmackhaft machen; längst hat die ziemlich ausgedehnte Serie dort Kultstatus erlangt und gehört seit dreieinhalb Dekaden zu den Klassikern des phantastischen, illustrierten Genres. In Deutschland debütierte „Thorgal“ allerdings erst 1987 beim |Carlsen|-Verlag, wo hin und wieder eine neue Episode erschien, sich die Serie aber nicht zu den Bestsellern im Programm entwickelte.

Seit 2010 sind die Abenteuer aus der Feder von Jean van Hamme nun beim |Splitter|-Verlag beheimatet, und das gleich in doppelter Form. Einerseits wird die Serie dort mit kontinuierlichen Neuerscheinungen weitergeführt, andererseits erlaubt sich der Verlag auch, die Serie in einem hochwertigen Re-Release noch einmal neu aufzulegen. Mit „Die Rache der Zauberin“ beginnt eine Story, die bei unseren westlichen Nachbarn schon lange für Begeisterung sorgt und nun vielleicht auch endlich den Zuspruch erfährt, den van Hamme und sein Zeichner Rosinski im frankobelgischen Raum schon längst erfahren.

_Inhalt:_

König Gandalf verurteilt Thorgal Aegirsson zum Tode und kettet ihn an einem Stein in den Fluten. Während der Wasserpegel kontinuierlich steigt und Thorgal sich bereits mit seinem Ende abfindet, naht eine seltsame Dame, die ihm sein Leben schenkt, wenn er sich für die Dauer eines Jahres als ihr Untertan hergibt. Angesichts der ausbleibenden Alternativen lässt sich der tapfere Kämpfer auf den Pakt ein und wird schon bald darauf missbraucht, um eine weitere persönliche Fehde mit Gandalf auszutragen.

Doch Thorgal zeigt Gnade mit seinem einstigen Anführer und flüchtet in die eisige Landschaft. Dort landet er im Inneren eines Gletschers, wo zwei Damen ihm das ewige Leben versprechen. Aber Thorgal traut ihnen nicht und lässt sich auf ihre dritte Schwester ein, die endlich aus der Gefangenschaft dieses Binnenparadieses ausbrechen möchte. Doch der Preis für die Flucht ist unverhältnismäßig hoch …

_Persönlicher Eindruck:_

Zugegeben: Man merkt „Die Rache der Zauberin“ das Alter des ursprünglichen Materials an, da die Geschichte inhaltlich noch ganz klar die Ursprünge des Genres dokumentiert, als komplexes Heldenepos also für den ersten Moment noch nicht sonderlich taugt. Die Story ist sehr linear, über weite Strecken auch absolut vorhersehbar, und zudem wirkt manche Wendung innerhalb des Plots ein wenig unlogisch, da die angekündigten Konsequenzen, die der Spannung eigentlich zuträglich sind, später ausbleiben. Thorgal ist nicht bereit, seinen Pakt bis zum Ende zu erfüllen; zwar wird daraufhin Rache angekündigt, doch von der Zauberin, die ihn zu diesem Deal überredet hat, fehlt im zweiten Abschnitt des Comics jedwede Spur. Stattdessen widmet sich der Autor einem weiteren, unabhängigen Abenteuer, dessen Spannungsgrad nun auch nicht wirklich der größte ist. Jeder Schritt ist eine Spur zu transparent, das Ende ist jederzeit absehbar, und auch was Überraschungen anbetrifft, spart van Hamme und beschränkt sich auf das vollkommen Wesentliche.

Für eine Abenteuer-Erzählung geht das sicherlich in Ordnung, zur Einführung eines Helden, der noch viele weitere Herausforderungen bestehen muss, sicherlich auch. Aber irgendwie fehlt hier noch etwas das gewisse Etwas, das den Leser auch an die Figuren bzw. auch an die Story bindet. Dies mag darin begründet sein, dass man als erfahrener Leser der |Splitter|-Comics mittlerweile höhere Ansprüche an eine solche Publikation hat.

Vielleicht liegt es auch daran, dass die ganze Sache bereits mit großen Lorbeeren angepriesen wurde, die sich „Die Rache der Zauberin“ aber aus einem nüchternen Blickwinkel heraus nicht so ganz verdient hat. Fakt ist jedenfalls, dass in der ersten Episode der neu aufgelegten Serie noch zu wenig passiert, als dass man sich sofort dafür begeistern könnte bzw. all das bestätigen möchte, was über „Thorgal“ schon gesagt wurde. Die Unterhaltung ist definitiv ordentlich, doch im Vergleich zu manch ähnlich gelagertem Comic – hier seien zum Beispiel die „Conan“-Bände genannt – fällt „Thorgal“ schon ein wenig ab.

Die Neuauflage ist aber dennoch ein echtes Schmuckstück, weil sie neben der eigentlichen Story noch massig Bonus-Material bietet, angefangen bei reichlich Hintergrundinformationen bis hin zu einem Serienguide, der die einzelnen Zyklen noch einmal eingrenzt und eine bessere Vorstellung davon entwickeln lässt, wie monumental dieser Klassiker aufgebaut ist.
Trotzdem bleibt erst einmal zu hoffen, dass es sich bei „Die Rache der Zauberin“ um einen typischen Serienauftakt handelt, dessen Verfeinerung erst noch aussteht. Bis hierhin sind die Eindrücke jedenfalls noch nicht so berauschend, wie man es sich zuvor erhofft hatte.

|72 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3868693386|
http://www.splitter-verlag.eu

_|Thorgal| bei |Buchwurm.info|:_
Band 1: [„Die Rache der Zauberin“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7907
Band 2: [„Die Insel des ewigen Frosts“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7908
Band 32: [„Die Schlacht von Asgard“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7909
Band 33: [„Das Schwertboot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7910

Zep – Happy Rock

_Inhalt:_

Das Leben eines Rockstars ist eine glamouröse Sache: Festivals, Tourneen, Aftershow-Partys – von allem darf es etwas sein. Doch was bekommt der geneigte Fan davon ab? Was muss er jedes Mal feststellen, wenn er etwas tiefer in die Manege eindringt? In „Happy Rock“ beschreibt Zep mit viel Humor, was geschieht, wenn man bei den Rolling Stones in der ersten Reihe steht, welchen Merchandise-Wahn Bands wie U2 betreiben, inwieweit Madonna über die Jahre nur noch eine Karikatur ihrer Vergangenheit geworden ist und wieso Joe Cocker mit seiner eigenwilligen Performance eher verstört als begeistert. Das Leben auf einem Open Air wird ebenso abgehandelt wie die Suche nach einem Album einer unbekannten Band – und so vieles mehr. Die Welt rockt, doch als Fan sieht man auch ihre ambivalenten Nebenschauplätze. Und die nimmt Zep hier durchaus mit Humor …

_Persönlicher EIndruck:_

Man sollte gemischte Gefühle bekommen, wenn man Zeps Eindrücke über das Rock-’n‘-Roll-Business mal etwas intensiver verinnerlicht. Der renommierte, humorvolle Comic-Texter trägt seine Späßchen zwar größtenteils auf dem Rücken einiger abgehalfterter Stars aus, verankert in seinen jeweils zweiseitigen Kapiteln aber auch einige unbequeme Wahrheiten, die man auf zweierlei Arten betrachten kann: Entweder man bewertet sie ähnlich oder man trägt es mit Fassung und gönnt sich selber ein Augenzwinkern.

Genau diese Mischung ist es, die in „Happy Rock“ kontinuierlich nach außen getragen wird und auch für den erhöhten Unterhaltungswert der Kurzgeschichten sorgt. In jeweils nur sechs Panels sieht man manche Dinge, die das Musikgeschäft betreffen, aus den Augen eines erfahrenen, vielleicht auch ewig gestrigen, manchmal naiven, aber letzten Endes doch leidenschaftlichen Fans, dessen Lieblingsaufgabe darin besteht, die Gigs seiner alten Helden zu sehen. Mit dem Rollstuhl zu Springsteen, weil man dort Privilegien genießt. Mit dem besten Kumpel zu Bob Dylan, weil Dylan Gott ist und man ihm auch sein Genuschel verzeihen muss. Mit einem anfälligen Dümmling zur Rave-Party, weil man dann nicht alleine die Folgen des Ecstasy-Konsums ertragen muss. Und so weiter, und so fort.

Natürlich lehnt sich der Autor manchmal etwas aus dem Fenster und neigt zu Übertreibungen bei der Präsentation der Szenarien – doch gerade deshalb ist der manchmal etwas schwärzere Humor auch erst so interessant. Zep schlägt sich nicht mit verbrauchten Scherzen zum Thema herum, sondern beweist einerseits Ahnung von der musikalischen Materie, andererseits aber auch etwas mehr Tiefgang in seinen witzigen Abhandlungen. Wenn zum Beispiel das weibliche Publikum bei den Rolling Stones und die hiermit verbundene Entwicklung in den letzten Jahrzehnten analysiert wird, dann ist das mehr als nur ein Running Gag. Und genauso verhält es sich bei all den Eigenheiten, Ereignissen und Stars, die „Happy Rock“ in sein Entertainment-Programm mit einbezieht. Hier sind Augenzwinkern, aber auch ein gewisses Maß an Ernsthaftigkeit beteiligt – und in dieser feinen Mischung und mit den wirklich exzellenten Zeichnungen trifft diese Ausgabe schließlich voll und ganz ins Schwarze!

|93 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3868699036|
http://www.zephappybooks.com/english.php
http://www.toonfish-verlag.eu
http://www.splitter-verlag.eu

Bec, Christophe / Marazano, Richard – Absolute Zero 3: Inkarnation

_Absolute Zero:_

Band 1: [„Programm Sibirien“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7856
Band 2: [„A.S.O.R.3 Psycho“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7857
_Band 3: „Inkarnation“_

_Story:_

Die letzten Überlebenden der ‚Routinemission‘ zum Planeten Siberia erkennen langsam ein System in den eigenartigen Vorgängen, die sich nach dem Betreten der Raumstation abgespielt haben, und glauben an ein fremdes Virus, das sich in den Körpern derjenigen manifestiert hat, die beim Einsatz vor Ort beteiligt waren. Auf der Suche nach der Ursache kommt es zu weiteren Unstimmigkeiten zwischen den Verbliebenen, die nun an allen Einsatzorten um ihr Überleben kämpfen. Doch als der mit der Führungsposition betraute Chet langsam aber sicher versteht, welche Bedeutung hinter all den Entwicklungen der vergangenen Stunden steckt, scheint es für ihn und seine letzten Mitstreiter bereits zu spät. Da nämlich auch seine heimliche Liebe Deborah, die ebenfalls Teil des Corps ist, an einen Kollegen Hand anlegt, hat auch er jedes persönliche Motiv verloren, Siberia heil und lebend wieder zu entkommen …

_Persönlicher Eindruck:_

Die Frage, die sich von Beginn an stellte, lautete: Wird der renommierte Christophe Bec es im letzten Kapitel von „Absolute Zero“ schaffen, noch einmal die Kurve zu bekommen und das sinkende Schiff doch noch allen Erwartungen entgegen heil an Land zu bringen? Zumindest was den komplexen Teil der Story betrifft, kann man dies bejahen, wenngleich die finale Abhandlung im Vergleich zum arg verworrenen Vorgebilde fast schon peinlich linear verläuft und die vielen Kuriositäten der beiden vorangegangenen Kapitel geradezu als nichtig degradiert.

Die ‚Lösung‘ des inhaltlichen Problems wird in „Inkarnation“ mit einem überraschend straighten Programm herbeigeführt, das einerseits befriedigend ist, weil die Sache somit auch rund gestaltet wird, andererseits aber noch viele zusätzliche Bedenken aufwirft, von denen das Maß der Qual, die der Leser vor allem im ersten Band, aber auch in „A.S.O.R.3 Psycho“ durchstehen musste, nur um schließlich auf ein eher unspektakuläres Finale zuzusteuern, wohl am deutlichsten präsent wird. Warum also mussten so viele komplexe Arrangements dargeboten werden, wenn das Ganze letzten Endes nicht mehr ist als ein zerfahrenes Science-Fiction-Gerüst, das jederzeit zum Einsturz bereit war und auch am Ende ziemlich brüchig bleibt?

Immerhin finden die beiden Autoren einen Weg und auch eine nachvollziehbare Erklärung für die Ereignisse, die der Leser bis hierhin erdulden musste, und geben der Story im entferntesten Sinne eine strukturierte Bedeutung. Allerdings erschließt sich die Vorgehensweise zum Schluss nicht wirklich, da es definitiv keiner derart komplexen Abläufe bedurft hätte, die schließlich zu einer solch einfach gestrickten ‚Endabrechnung‘ führen. Warum zum Beispiel die einzelnen Personen so weit ausgemalt wurden, obschon sie für den tatsächlichen Verlauf dann doch keine allzu große Bedeutung hatten, bleibt ein Rätsel. Und wozu es nun notwendig war, so weit auszuholen, am Ende aber doch nur vergleichsweise kleine Brötchen zu backen und sich mit so einer schlichten Konstruktion in der Finalepisode zufriedenzugeben, erscheint auch ziemlich unlogisch.

Doch vielleicht sollte man sich lieber darüber im Klaren sein, dass „Absolute Zero“ kein Buch mit sieben Siegeln geblieben ist und man auf den letzten Seiten zumindest den groben Durchblick bekommt, was Bec und Marazano tatsächlich verfolgt haben. Aber wenn man bedenkt, welche tiefgreifenden Konstrukte vor allem Bec in Serien wie „Prometheus“ und „Bunker“ geschaffen hat, ist man dennoch enttäuscht, da von den spürbaren Ambitionen dieser Reihen für „Absolute Zero“ nicht mehr allzu viel übrig geblieben ist. Aber vielleicht braucht jeder Autor auch mal ein ernüchterndes Erlebnis, um die wahren Qualitäten seines Schaffens sichtbar zu machen. Wenn dem so ist, dann hat Bec dies mit der aktuellen Serie ganz gut hinbekommen. Nur eben ist der Preis ein hoher: Denn unterm Strich bleibt „Absolute Zero“ in der Biografie des Franzosen die bislang schwächste Publikation!

|48 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3868693263|
http://www.splitter-verlag.eu

Arleston, Christophe (Autor) / Tarquin, Didier (Zeichner) – Gnome von Troy 1: Derbe Späße

Die Geschichten aus Troy sind eine längst anerkannte Größe im Comic-Bereich. Vor allem die Heldenabenteuer von Lanfeust haben inzwischen Kultstatus eingenommen und gehören zu den meist geschätzten Werken aus der erlesenen Feder von Christophe Arleston. Doch auch die gefeierten Helden haben einmal klein angefangen: Als anno 2001 die Geschichten um die „Gnome von Troy“ veröffentlicht wurden, war von märchenhaften Sagen noch gar nicht die Rede. Stattdessen baute das Konzept auf außergewöhnlichem Humor, kauzigen Figuren und sprachlich nicht immer ganz jugendfreien Unsinn. Doch die Gnome setzten sich nicht durch und wurden alsbald gegen die wesentlich bekannteren Geschichten eingetauscht. Elf Jahre später widmet sich der |Splitter|-Verlag erneut jenen kleinen Frechdachsen, packt das Ganze in ein neues Artwork und gibt ihnen eine neue Chance – doch haben die „Gnome von Troy“ diese auch verdient?

„Gnome von Troy“

_Band 1: „Derbe Späße“_
Band 2: „Drecksgören“
Band 3: „Furchtlos“
Band 4: – noch unbetitelt –

_Inhalt:_

Die Bewohner von Troy harmonieren prächtig miteinander, weil jedem einzelnen eine besondere Fähigkeit gegeben wurde, mit der er oder sie ihren jeweiligen Beitrag zum Gemeinschaftsleben leisten kann. Doch jene spezielle Gabe entwickelt sich erst im Laufe der Jugend, weswegen sich vor allem die Kinder darauf vorbereiten, dass ihre Eigenschaft eines Tages erwacht und ausgelebt werden kann. Bis dahin vertreiben sich die kleinen Gnome jedoch ihre Zeit damit, sich gegenseitig Streiche zu spielen, ihre Freunde zu ärgern, die eigenartigen Tiere von Troy zu quälen und einen Bandenkrieg zwischen dem Unterdorf und dem Oberdorf auszutragen. Als Cixi ihre Fähigkeit entdeckt hat, ändert sich jedoch einiges: Lanfeust ist hin- und hergerissen, ob er nun weiter seine Zeit damit verbringen soll, sich mit ihr zu prügeln, oder ob er doch lieber ihrer Schwester C’ian nachstellen soll, deren Gedanken wesentlicher liebevoller sind …

_Persönlicher Eindruck:_

Schaut man einmal auf die illustrierte Biografie von Meisterautor Christophe Arleston, will man gar nicht glauben, dass der talentierte Fantasy-Schreiber sich seinerzeit überhaupt mit vergleichsweise albernen Serien wie „Gnome von Troy“ herumgeschlagen hat. Zu gegensätzlich ist das, was in der Reihe mit dem bissigen Humor geboten wird, und das, was seine jüngeren, wesentlich anspruchsvolleren Werke wie „Morea“ oder „Die Schiffbrüchigen von Ythaq“ auszeichnet. Und auch im Bezug auf die phantasiwevollen Welten, die der französische Autor in seinen übrigen Werken erschaffen hat, wirkt „Gnome von Troy“ erst einmal banal und einfältig, fast schon kindlich – wäre da nicht dieser bisssige Unteron, mit dem einerseits die Dialoge, andererseits aber auch die Zeichnungen unterlegt sind. Und genau dieser Aspekt beschreibt dann auch diesen eigenwilligen, aber letztendlich doch beständigen Charme, der von den Figuren und dem richtig schön ausgemalten Setting ausgehen.

Das Debüt „Derbe Späße“ ist eine Episodensammlung, in der einzelne kurze Einblicke in das Geschehen von Troy gegeben werden, steht jedoch in kaum einem Zusammenhang zu dem, was man sonst aus dieser Fabelwelt aufgetischt bekommt. Einzelne Charaktere sind bekannt, verschiedene Eigenschaften ebenfalls – doch Vergleichsmöglichkeiten zu den übrigen Troy-Sagen entfallen schon in dem Moment, als man die Gnome dabei beobachtet, wie sie ein Tier scheren oder sich mit ihren wilden Raufereien beschäftigen.

Das Schwierige an der Sache ist schließlich, dass die eigentlichen Inhalte eher einer Kindergeschichte entsprechen, ihr oftmals harscher Ton jedoch eher ein älteres Publikum anspricht. Und hier sucht man dann nach stimmigen Übereinkünften, nach Mitteln, mit denen man das kontrastreiche Programm so aufnehmen kann, wie es eigentlich erdacht ist, ohne dabei eines der beiden gebotenen Extreme zu sehr in den Fokus zu nehmen. Doch dies gelingt mit wachsender Seitenzahl immer weniger, weil grundsätzlich nicht viel passiert und die einzelnen Episoden nicht immer direkt miteinander verknüpft sind.

Man erfährt von den wilden Spielchen der Gnome, von ihren teils anrüchigen Gedanken, vonfeindlichen Gesinnungen gegen die eigentlichen Freunde und natürlich von Lanfeust und den beiden Mädchen, die ein sehr spezielles Verhältnis zueinander haben. Doch unterm Strich ist dies noch reichlich wenig, um den Leser zu fesseln und die „Gnome von Troy“ lieben zu lernen. Also muss es der Humor richten, und der ist nicht nur vereinzelt rabenschwarz, sondern meistens bitterböse – und hier werden die Geschmäcker dann auch auseinandergehen, da Arleston es gerne mal übertreibt und wiederholt auf die gegensätzliche Wirkung der kindlichen Figuren und deren derbem Vokabular baut. Das ist zwar über weite Strecken unterhaltsam, aber manchmal wünscht man sich einfach etwas mehr inhaltlichen Input, der den Leser nicht nur aufgrund mancher witzigen Begebenheit bei der Stange hält.

Für einen Auftaktband mag das zwar alles in Ordnung sein, gerade weil sich der Autor genügend Zeit nimmt, die Charaktere vorzustellen und ihre Eigenheiten aufzugreifen. Aber es wird einiges mehr passieren müssen, um „Gnome von Troy“ ähnlich zu etablieren wie all die anderen Geschichten um das Fabelland Troy. Auf Dauer wird sich die bis dato gegebene Form nämlich nur schwer durchsetzen können!

|55 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3868694192|
http://www.splitter-verlag.de

Corbeyran, Eric – Schmetterlingsnetzwerk 2: Herr Mond

_|Schmetterlingsnetzwerk|:_

Band 1: [„Nachtfalter“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7895
Band 2: [„Herr Mond“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7896
Band 3: [„Stigmata“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7897

_Story:_

Mit letzter Kraft und viel Glück konnten Zibeline und Eustache den Schergen des Barons entkommen und das Blutbad im Hafen überleben. Doch entgegen den Erwartungen des Anführers vom Schmetterlingsnetzwerk hat das gemeinsame Erlebnis ihn und seine Angepriesene nicht näher zusammenrücken lassen.

Als sie gemeinsam zu Mücke zurückkehren, der seinen Sturz ebenfalls mit einigen Blessuren überlebt hat, machen sich die beiden Gauner Gedanken über die Zukunft. Während Eustache gewillt ist, seine Vergangenheit hinter sich zu bringen und das Rätsel um den Schädel seines ehemaligen Bosses Gustav in Erfahrung zu bringen, treibt es Mücke mit großem Ansporn aus der Stadt heraus. Außerdem schenkt der Gnom Zibeline keine Anerkennung, so dass es gleich zu mehreren Zerwürfnissen kommt. Allerdings hat das Trio Beweise gegen den Baron und seine Männer in den Händen, mit denen man sich eventuell aus der Situation freikaufen könnte.

Doch ein weiterer Streit treibt Mücke in die Hände eines wahnsinnigen Doktors und die geständige Zibeline in die Arme der korrupten Polizei. Als Eustache seinen alten Gefährten nach zwei ruhelosen Tagen wiedersieht, muss er selbst eingestehen, dass nur noch die Flucht bleibt – obschon er hierbei seine Herzdame zurücklassen muss …

_Persönlicher Eindruck:_

Nach dem aufregenden Schlussteil des Vorgängerbandes „Nachtfalter“ durfte man gespannt sein wie und vor allem ob es mit Mücke, Zibeline und Eustache noch weitergehen wird. Die letzte Seite machte den Eindruck, als sei Eric Corbeyran durchaus opferbereit, um der Geschichte ihr spannendes Format zu wahren. Allerdings erweisen sich derartige Sorgen im zweiten Kapitel bereits als unbegründet, da sowohl die Heldenfiguren aus dem „Schmetterlingsnetzwerk“ als auch ihre neuen Feinde das Massaker nicht mit dem Leben bezahlen mussten. Also kann es mit der Fortführung des großzügig eröffneten Spektakels weitergehen? Nun, leider geschieht dies eben nicht so spektakulär, wie man es nach dem starken Finale in „Nachtfalter“ erwarten durfte.

„Herr Mond“ ist stattdessen ein typischer Zwischenband, der sich mit vielen ungeklärten Fragen beschäftigt und hierbei vor allem das vergangene Leben von Mücke in den Fokus rückt. Man erfährt von einem verheerenden Sturz in der Zirkusmanege, eine Armamputation und schließlich auch von seinem neuen, noch aktuellen Lebensabschnitt, der ihn schließlich zu Eustache gebracht hat. Diese kurzen Einblendungen und Flashbacks sind es aber nicht, die der zweiten Episode den besagten Charakter verpassen. Vielmehr ist es das arg reduzierte Tempo in der ersten Hälfte des mittleren Parts der Serie. Die Unstimmigkeiten zwischen den Protagonisten nehmen viel Raum ein, sind zar ein entscheidender Inhalt, würden sich aber auch in komprimierter Variante gut genug machen, um die nötigen Details preiszugeben. Erst nach der Trennung der primären Figuren nimmt die Handlung wieder das gewohnte Tempo an und steuert die Geschichte erneut zu einem gewaltigen Zwischenfinale, das für einzelne langatmige Parts entschädigt, aber eben auch nicht überdecken kann, dass man sich hier einige Aspekte wirklich beim Lesen erarbeiten musste.

Abgesehen von der etwas überstreckten ersten Albumhälfte bewahrt sich das „Schmetterlingsnetzwerk“ jedoch seine Grundspannung und auch seinen bereits zuvor analysierten Charme. Die Charaktere sind klasse, die Story sowieso, und auch die Action kommt an keiner Stelle zu kurz, ohne dass man das Gefühl bekommen müsste, Corbeyran und sein Zeichner Cecil würden ein wenig übers Ziel hinausschießen. Die Balance ist sehr ausgewogen. Da nun auch die Saat für einen packenden Schluss ausgelegt ist, verzeiht man auch die gelegentlichen Dehnungen in der Story. Denn nach dem Genuss der letzten Seite sind diese Mankos sofort wieder vergessen, und es überwiegt die Freude über die tollen Ideen des Autors, die gelungene zeichnerische Umsetzung und die anwachsende inhaltliche Komplexität. Insofern scheint „Schmetterlingsnetzwerk“ auf dem besten Weg zu einem weiteren Klassiker aus Corbeyrans Feder zu werden – auch wenn man hier und dort noch seine Zweifel äußern musste!

|Gebunden: 44 Seiten
ISBN-13: 978-3868692877|
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Cecil – Schmetterlingsnetzwerk 3: Stigmata

_|Schmetterlingsnetzwerk|:_

Band 1: [„Nachtfalter“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7895
Band 2: [„Herr Mond“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7896
Band 3: [„Stigmata“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7897

_Story:_

Auf ihrer Flucht geraten Mücke und Eustache immer mehr in die Enge. Doch die Stadt und das Land zu verlassen, ohne wenigstens die Spur von Zibeline aufzugreifen, kommt für Eustache nicht in Frage. Gegen den Willen seines Mistreiters begeben sich die beiden erneut in die Kammern des Bordells, in dem sie einst gearbeitet hat, untersuchen aber auch die nähere Umgebung. Dabei geraten die Vertreter des Schmetterlingsnetzwerks in die Fänge von Eustaches ehemaligem Kollegen Brücke, mit dem er schon seit Längerem eine Rechnung zu begleichen hat.

Zur gleichen Zeit rüstet der Baron mit seinen Freunden bei der Polizei noch einmal mächtig auf, um das Untergrund-Kartell endgültig zu sprengen. Es kommt zu einem brutalen Übergriff und einem letzten Showdown, bei dem nicht nur das Leben von Eustache und Mücke dem Ende zuzusteuern scheint, sondern auch viele unbequeme Wahrheiten aus Eustaches Lebensgeschichte ausgesprochen werden müssen – ganz zum Entsetzen seines ahnungslosen Partners …

_Persönlicher Eindruck:_

Ein unvermeidbares Spektakel stand den Lesern von „Schmetterlingsnetzwerk“ bevor, gerade nachdem sich die Ereignisse im vorangegangenen Kapitel noch einmal überschlagen hatten und man gar nicht mehr so recht erahnen konnte, wer denn nun noch unter den Lebenden weilt, welche Motive für die Protagonisten überhaupt noch erstrebenswert sind und wohin die Geschichte generell noch führen kann.
Die Aufgabe, dies zu Ende zu führen, hat der etatmäßige Schreiber Eric Corbeyran seinem zeichnenden Kollegen Cecil überlassen, der nun auch die Texte übernimmt und mit „Stogmata“ den Schlussband ganz alleine auf seine Kappe nimmt. Allerdings scheinen die jeweiligen Visionen der beiden sich deutlich zu decken, weil stilistisch und inhaltlich keine nennenswerten Unterschiede festzustellen sind – und die letzte Episode ziemlich kontrolliert, stellenweise zwar immer noch gehörig komplex und actionreich, aber dennoch mit einem klaren Ziel vor Augen beendet wird. Und jenes Ziel, ja das Ende selbst, wird so manchen Leser – soviel vorweg – noch ins Staunen versetzen.

Zunächst geschieht jedoch viel Vorhersehbares: Eustache und Mücke stellen sich ein letztes Mal ihren Jägern und bezahlen hierfür einen hohen Preis. Alte Fehden werden durchleuchtet, das Puzzle, das sich aus vielen vergangenen Ereignissen zusammensetzt, wird komplettiert und die Charaktere finden jeder für sich ihren individuellen Frieden mit dem, was sie durchlebt haben. Dabei ist es Cecil sehr wichtig, die einzelnen untergeordneten Stränge abzurunden und noch einmal einige Details herauszuarbeiten, die vorab noch auf der Strecke geblieben sind. War es beim letzten Mal Mücke, der hier zu seinem Recht gekommen ist, durchlebt man dieses Mal noch einmal die Wahrheit über die Vergangenheit von Eustache und den Begebenheiten, die sich bei der Ermordung von Gustav zugetragen haben. Diese Aufklärung stellt den Plot noch einmal ziemlich auf den Kopf, verändert teilweise den Blickwinkel auf die Dinge, macht aber zu guter Letzt all die noch verborgenen Motive deutlich, die bislang noch nicht logisch erschienen. Jetzt weiß man, warum Eustache nicht fliehen konnte, welche schrecklichen Dinge ihm in seiner Jugend widerfahren sind und warum er schließlich zum Mörder wurde, ohne dies zu wollen.

Und es ist dieses Hintergrundwissen in Kombination mit den hier noch zugefügten Ereignissen, die „Schmetterlingsnetzwerk“ tatsächlich rund erscheinen lassen. Jenseits dessen bietet Cecil seinem Publikum aber auch noch reichlich Spektakel, ein stetes Hin und Her zwischen den Szenarien und dazu viele ineinandergreifende Mechanismen, die teils überraschend sind, teils aber auch nur der konsequente Schluss eines oberflächlich sehr stringenten, insgesamt jedoch anspruchsvolleren Story-Arrangements bleiben. Nach drei Kapiteln ist die Serie nicht nur abgeschlossen, sondern hat auch final den Punkt erreicht, wo reichlich Applaus angebracht ist. Ob es zu einem Klassiker reicht, wird sich noch zeigen. Doch rein qualitativ ist „Schmetterlingsnetzwerk“ ein absolutes Highlight – mit einem sehr obskuren Schlusspart!

|Gebunden: 48 Seiten
ISBN-13: 978-3868692884|
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Corbeyran, Eric – Schmetterlingsnetzwerk 1: Nachtfalter

_|Schmetterlingsnetzwerk|:_

Band 1: [„Nachtfalter“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7895
Band 2: [„Herr Mond“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7896
Band 3: [„Stigmata“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7897

_Story:_

Eustache, auch Mauerdave genannt, und Mücke arbeiten für das Schmetterlingsnetzwerk, eine kriminelle Organisation, die den beiden dabei hilft, ihren mauen Geldbeutel bei Laune zu halten. Eines Tages brechen sie in den Prunkpalast eines Barons ein und stoßen dabei auf Hinweise, dass dieser mit perversen Schlächtereien seinen Reichtum sichert und dabei auch Menschenopfer bringt.

Die beiden Gauner verschaffen sich Zutritt zu einem erlesenen Nachtclub und werden Zeuge einer grausamen Vorstellung: Auf der Leinwand vergewaltigen mehrere Herren eine Prostituierte und bringen sie anschließend auf grausame Art und Weise um. Eustache und Mücke beschließen, den Baron zu erpressen und sich somit den Unterhalt für ihr gesamtes Leben zu sichern. Doch die Übergabe des Lösegelds geht nach hinten los und bringt die beiden in die Bredouille. Als dann auch noch Eustaches heimliche Geleibte Zibeline eher zufällig in das Netz des Verbrechens gerät und unbewusst in ihr Verderben stürzt, drehen bei ‚Mauerdave‘ alle Sicherungen durch …

_Persönlicher Eindruck:_

Eric Corbeyrans aktueller Dreiteiler „Schmetterlingsnetzwerk“ gehört zu den spannendsten Geschichten, die der renommierte Autor in seiner durchaus präsentablen Laufbahn als Comic-Schreiber umgesetzt hat. Die Ursache hierfür liegt vor allem darin, dass die Story jederzeit durchschaubar bleibt, aber trotzdem von vielen unvorhergesehenen Ereignissen angetrieben wird, die das Interesse auf Anhieb wecken. Dabei lässt sich Corbeyran trotzdem genügend Zeit, die Handlung und die wichtigen Charaktere kontinuierlich aufzubauen. Gerade die ersten Seiten funktionieren als sehr detailreiche Einleitung, in der zwar noch nicht verraten wird, welchen Zweck das Schmetterlingsnetzwerk hat, bei der man jedoch eine ganze Menge über die Protagonisten der Story erfährt. Und auch wenn dies anfangs noch etas langatmig erscheint, findet man rasch heraus, dass der Autor hier lediglich einige Notwendigkeiten absolviert, damit der Plot im weiteren Verlauf richtig Schwung holen kann.

Letztgenannter beginnt bereits sehr aufregend mit dem Einbruch in die Villa des Barons. Die Action ist zunächst solide, später dann richtig stark, das Setting darüber hinaus zeitlos und sehr glaubwürdig inszeniert. Außerdem entdeckt man bereits nach wenigen Panels eine eindringliche Sympathie mit Mücke und Eustache, die zwar ebenfalls der Kriminalität verfallen sind, aber schließlich doch eher ehrbare Lebensziele verfolgen. Während Eustache von einer Hochzeit mit der Prostituierten Zibeline träumt, sucht Mücke lediglich nach dem Abenteuer, ohne dabei jedoch bewusst jemandem schaden zu wollen, der sich nichts zuschulden hat kommen lassen. Die Identifikation gelingt Corbeyran also auch mit derartig eigenwilligen Figuren spielerisch, und so verwundert es auch nicht, dass die Handlung sehr bald nachzieht und man trotz der ausgiebigen Einführung sehr schnell im Stoff ist – und der hat es vor allem im letzten Drittel des Auftaktbandes „Nachtfalter“ wirklich in sich.

Plötzlich tritt der Autor inhaltlich nämlich den Bleifuß durch und verschärft die Szenerie mit einigen sich regelrecht überschlagenden Situationen. Die Erpressung, die gescheiterte Übergabe und letzten Endes auch der kleine, überschaubare Rachefeldzug gegen den Baron – das alles ist prima in Schale geworfen und bringt Seite für Seite mehr Freude. Doch auch wenn alles durchsichtig erscheint und man glaubt, die Erzählung bereits vorausahnen zu können, steckt „Schmetterlingsnetzwerk“ voller Überraschungen, von denen die größte der spektakuläre Cliffhanger ist – und der weckt große Vorfreude auf die noch ausstehenden zwei Episoden. Gut gemacht, Monsieur Corbeyran!

|48 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3868692860|
http://www.splitter-verlag.de

Rocca, Simon (Text) / Girod, Thierry (Zeichnungen) – Wanted 1: Die Brüder Bull

_Wanted:_

_Band 1: „Die Brüder Bull“_
Band 2: „Der Todescanyion“
Band 3: „Der Sheriff der gesetzlosen Stadt“
Band 4: „Das Kopfgeld“
Band 5: „Superstition Mountains“
Band 6: „Andale Rosita“

_Story:_

Die Prärie von New Mexico im Jahr 1862: Der bereits legendäre und geschätzte Kopfgeldjäger Wanted hat gerade seinen Auftrag erledigt und den gesuchten Dandy Silbus erledigt, als er auf dem Weg in die Stadt an einem überfallenen Indianerdorf vorbeireitet. Dort entdeckt er eine Szenerie des Schreckens: Eine weitere Horde Auftragskiller hat sich an den Rothäuten vergriffen und Frauen und Kinder umgelegt, da auch ihr Skalp eine beträchtliche Summe in die Kassen spült.

Lediglich der weiße Indianer Yaqui Jed wurde verschont, weil mit ihm kein Geld zu verdienen ist. Wanted rettet ihm das Leben, versorgt ihn, will sich aber nicht darauf einlassen, seine Rachepläne zu begleiten. Als er schließlich zu seinem Chef zurückkehrt, um den Zaster einzufahren, entdeckt er beim Glücksspiel einen der grausamen Schlächter. Sein Gewissen packt ihn und er liefert ihn tatsächlich an Jed aus. Doch damit begibt sich Wanted auf einen sehr schmalen Grat, denn die Zusammenarbeit mit den Rothäuten kann auch ihn in Windeseile das Leben kosten …

_Persönlicher Eindruck:_

Der moderne Western hat sich in der Filmindustrie nicht mehr so recht durchsetzen können. Zwar gab es mit dem herausragenden „True Grit“ jüngst noch einen sehenswerten Beitrag zum Thema, doch das Publikum für die Materie scheint mittlerweile geradezu ausgestorben. Ganz anders schaut es da im Comic-Sektor aus, wo mit „Blueberry“ oder „Comanche“ immer noch richtig starke illustrierte Texte ins Regal gestellt werden, deren Zielgruppe auch weiterhin hungrig nach diesem Stoff gelüstet. Auch „Wanted“ aus der Feder von Simon Rocca und seinem Zeichner Thierry Girod bewegt sich in diese Richtung, ist in der Darstellung allerdings noch eine ganze Spur härter als seine bereits namhaften Vorbilder.

Mit „Die Brüder Bull“ startet die Serie aber auch sehr vielversprechend, da hier bereits ein Story-Komplex aufgebaut wird, der zwar einerseits durch eine sehr straighte Linie gekennzeichnet ist, aber dennoch genügend Potenzial hat, die Story auch über die anvisierte Dauer von sechs Episoden spannend zu gestalten. Die Geschichte ist dabei schnell erzählt: Ein Kopfgeldjäger, der sich unter anderem auch damit beschäftigt, den Skalp von kriegerischen Navajo-Indianern auszuliefern, erkennt nach einem offenkundigen Gemetzel in einem Reservat seinen Gerechtigkeitssinn und entschließt sich gegen seinen anfänglichen Willen, das Recht walten zu lassen. Zwar geht er dabei nicht weniger zimperlich mit seinen Feinden um als diese mit ihrer indianischen Beute, jedoch schlägt er alsbald einen nachvollziehbaren Racheplan an, dessen Ziel lediglich diejenigen sind, die sich an unschuldigen roten Zivilisten bereichern und mit ihren Leichen ihren Tagesunterhalt verdienen.

Der Titelheld ist dabei die Identifikationsfigur, da er sein Handeln überdenkt und auch Seiten in sich findet, die durchaus ehrenwert sind. Auch er hat schon Dutzende auf dem Gewissen, jedoch hat er hierbei niemals den vorgegebenen Ehrenkodex verletzt, sondern sich schlicht und einfach an die brutalen Regeln des Wilden Westens gehalten. Nun sieht er jedoch, dass seine Nebenbuhler zu noch viel radikaleren Maßnahmen greifen, um ihr täglich Brot zu verdienen. Und Morden aus einer reinen Lust heraus kommt für Wanted nicht in Frage.

Inhaltlich ist dieses erstes Kapitel eine saubere Angelegenheit: Die Dialoge sind traditionell schmutzig und verdorben, die Charaktere sind definitiv keine Zauderer, und auch was die Action angeht, sind Rocca und Girod alles andere als zimperlich. Die ersten Panels, in denen die Mordserie an den unschuldigen Indianern auch sehr brutal illustriert wird, sind nichts für schwache Nerven, da hier auch diverse moralische Grenzen überschritten werden. Eine Kinderleiche, der das Blut aus dem Kopf läuft, ist da schon sehr grenzwertig und erlaubt schließlich auch die Frage nach einer Alterseinschränkung für einen solch brachialen inhaltlichen Werdegang. Andererseits kann man natürlich argumentieren, dass das überlieferte Leben aus dem Wilden Westen in „Wanted“ sehr authentisch wiedergegeben wird, und dieser Eindruck ist es, der am Ende auch deutlich überwiegt.

Ansonsten muss man festhalten, dass sich „Wanted“ nicht allzu sehr von seinen Western-Comic-Kollegen unterscheidet und man immer wieder Parallelen zu den oben angeführten Serien entdeckt – jedoch ist dies eine Feststellung, die bei der an sich doch eingeschränkten Thematik kaum zu verhindern ist, daher auch nicht zu sehr ins Gewicht fällt. Denn insgesamt ist „Die Brüder Bull“ immer noch ein weitestgehend eigenständiger Auftakt, der sich überdies auch nicht vor den namhaften Ebenbildern verstecken muss. Lediglich die Brutalität bringt den Leser hin und wieder ins Stocken; ansonsten muss man hier von einem sehr gelungenen Auftakt sprechen, der sogar noch besser wäre, hätte Girod die Action-Sequenzen nicht so stark verschmiert. Western-Fans werden aber trotz der nicht immer sehenswerten Illustrationen absolut auf ihre Kosten kommen, so viel steht fest!

|48 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3868692426|
http://www.splitter-verlag.eu