Archiv der Kategorie: Hörspiele / Hörbücher

J.R.R. Tolkien – Bauer Giles von Ham (Lesung)

Seit 2005 ist eine der besten Geschichten John R. R. Tolkiens auch auf CD als Hörbuch zu haben, und das zu einem günstigen Preis und in guter Qualität.

Die Geschichte ist voll Humor, wenn nicht sogar voll Ironie, und beschreibt den Einbruch des Fantastischen in die ländliche Gesellschaft des englischen Mittelalters – bei „Bauer Giles“ in Gestalt eines Drachen. Ungewöhnlich für Fantasygeschichten: In „Farmer Giles“ findet eine Revolution von unten statt! Gewöhnlich wird in Fantasy der Zustand der Harmonie wiederhergestellt, was sie häufig so schrecklich konservativ erscheinen lässt. Nicht so bei Tolkien!

Geeignet ab 7 Jahren.

Handlung
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Becker, Rolf & Alexandra / Preissler, Peter M. – Gestatten, mein Name ist Cox: Eben war die Leiche noch da (Hörspiel)

Verbrecherjagd zum Takt der Discomusik

Moment – war da nicht eben noch eine Leiche? Na egal, denn wer Paul Cox kennt, wundert sich sowieso über gar nichts mehr. In diesem neuen verzwickten Fall liegt der Londoner Gelegenheitsdetektiv kaum in der Badewanne, als er auch schon unfreiwillig in einem Mordfall und Aktienraub verwickelt wird. Und wer ist wieder mal der Hauptverdächtige? Natürlich Cox himself.

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Malory, Thomas / Schalk, Gustav / Hackenberg, Stefan / Neuhaus, Volker – König Artus\‘ Tafelrunde: Parzival

_Tragikomisch: „Du sollst gerochen werden!“_

Obwohl Parzival abseits der königlichen Höfe aufgewachsen ist, kann seine Mutter nicht verhindern, dass es ihn an den Hof von König Artus zieht. Gekleidet wie ein Narr, macht er sich auf den Weg und beschwört durch sein unbedachtes Verhalten Unglück und Tod herauf …

_Der Autor_

Sir Thomas Malory wurde vielleicht 1416 geboren und starb eventuell 1471, aber beide Daten sind unsicher. Auch ist nicht völlig gesichert, ob es sich bei ihm um Sir Thomas Malory of Newbold Revel in der englischen Grafschaft Warwickshire handelt. Sein berühmtestes Werk, welches er im Gefängnis vor 1471 geschrieben haben muss, ist das Epos „Le morte d’Arthur“. Es wurde erst 1485 gesammelt und vom berühmten Buchdrucker William Caxton, dem Herausgeber der King-James-Bibel, veröffentlicht.

Malory stützte sich in seiner Darstellung der Artuslegende auf die Geschichten des Vulgata-Zyklus aus dem 13. Jahrhundert, auf das mittelenglische Gedicht „Morte Arthure“, auf das französische „Perlesvaus“ (= Parzival) und das englischen Strophengedicht „Le morte Arthur“ aus dem 15. Jahrhundert. Bemerkenswert ist in dieser Aufzählung von Quellen das Fehlen von Chretien des Troyes‘ arthurischen Werken. Chretien vollendete sein Epos „Perceval, ou Le conte de Graal“ aus dem Jahr 1182 nicht. Der Percival- oder Perceval-Stoff wurde im Königreich Burgund Anfang des 13. Jahrhunderts und von Wolfram von Eschenbach weiterentwickelt (1200-1210). Eschenbachs Version lieferte die Vorlage für Richard Wagners Oper „Parsifal“ (1882).

In der Fantasyliteratur diente die Story vom weltfremden Bauernjungen, der es zum Ritter und transzendenten König bringt, vielfach als Vorlage, so etwa in Lloyd Alexanders [TARAN-Zyklus 2850 und in David Eddings „Belgariad“ und deren Fortsetzungen. Dies bietet sich an, weil es im walisisch-keltischen Epenzyklus „Mabinogion“ eine Story namens „Peredur“ gibt, die sich auf die gleiche keltische Quelle wie Chretien de Troyes bezog. Hier wie dort kommt stets der Fischerkönig vor, der erlöst werden muss und sich als Jesusgestalt verstehen lässt.

Über Gustav Schalk, der offenbar der Bearbeiter der Malory-Version ist: Lehrer, Schriftsteller („Dr. Biedermann und sein Zögling“, Roman, 1886; „Stacheldrahtzäune“, Roman, 1910; „Parzival“, 1914).“

Immerhin: Die ersten Zeilen stammen aus dem Mittelhochdeutschen und sind höchstwahrscheinlich Wolfram von Eschenbachs Epos entnommen.

_Der Sprecher_

Thomas Friebe wirkt als Sprecher seit vielen Jahren an Produktionen für Hörfunk, TV und Werbung mit. Seine Stimme kennt man laut Verlag aus den Programmen der großen privaten und öffentlich-rechtlichen Sender. Er arbeitet zudem als Synchronsprecher und war an zahlreichen Hörspiel- und Hörbuchproduktionen beteiligt. (Verlagsinfo)

Regie führte bei dieser Hörbuchproduktion Stefan Hackenberg.

_Handlung_

Es war einst ein Ritter namens Gamuret, der heiratete in Bagdad eine Mohrin, die gebar ihm einen Sohn namens Feirefiz. Das heißt so viel wie „bunter Sohn“. Rastlos ritt Gamuret jedoch wieder in die Lande, gewann ein Turnier und begehrte die Prinzessin Herzeleide zur Frau. Doch als ihn der Kalif von Bagdad zum Dienst rief, folgte er dem Ruf, die Frau zurücklassend. Er fiel und sah Herzeleides schönen Sohn Parzival niemals. Herzeleide entschied, dass Parzival fern der Welt im Wald Saltane aufwachsen solle.

Parzival wird ein guter Jäger und Bogenschütze. Angesichts einen geschossenen Singvogels trauert er und geht zu seiner Mutter. Sie erzählt ihm von einem mächtigen Mann namens Gott und dessen Widersacher namens Teufel, der ein Verderber der Menschen sei. Parzival nimmt sich dies, wie alles, was seine Mutter sagt, zu Herzen. Als dann vier Ritter in den einsamen Wald kommen, staunt der Prinz sie an: Bestimmt sind sie der liebe Gott und seine Diener, oder? Er wirft sich in den Sand und bittet um Gottes Segen. Der aber sagt, er sei nur ein Ritter. Da will auch Parzival ein Ritter werden. Der Ritter fordert ihn auf, zu König Artus zu kommen.

Trotz der entsetzten Proteste seiner Mutter, die ihn nicht wie seinen Vater verlieren möchte, will sich Parzival auf den Weg zu Artus machen. Doch listig macht sie ihm eine Rüstung, die wie ein Narrenkleid aussieht. Als Pferd bekommt er einen alten Klepper und als Helm eine Schellenkappe. Zum Abschied gibt sie ihm eine Menge guter Ratschläge mit auf den Weg, bevor sie an gebrochenem Herzen stirbt.

|Parzivals Weg zu König Artus|

In einem Lager von Zelten stößt er auf eine schöne Schlafende, die er ohne zu zögern küsst. Schließlich gehört dies zu den mütterlichen Ratschlägen, oder nicht? Die Dame erschrickt zwar, doch seine kindliche Art beschwichtigt sie. Er nimmt ihren Ring entgegen, obwohl sie droht, ihr Gatte werde ihn erschlagen. Als Parzival fort ist, kehrt Herzog Orilus zurück und bemerkt, dass seiner Braut der Ring fehlt. Er nennt ihre Entschuldigungen Lügen. Unterdessen gelangt Parzival mit der Hilfe eines Fischers, den er mit einer goldenen Spange bezahlt, nach Nantes, wo König Artus Hof hält.

Doch als er sich der Städt nähert, reitet der rotgekleidete Ritter Yter von Gahefis heran, der Artus beraubt hat. Er schickt den närrischen Parzival als seinen Boten in die Stadt, um Artus herauszufordern. Da Parzival den König offensichtlich nicht kennt, übergibt er Yters Botschaft einem Ritter, der sich als Artus ausgibt. Parzival will jedoch unbedingt Ritter werden und bietet Artus an, für ihn in den Kampf zu reiten. Artus‘ Seneschall Kai rät, dieses Angebot anzunehmen. Und wenn Parzival siegen sollte – was er für ziemlich unwahrscheinlich hält -, dann gehöre Yters Rüstung natürlich Parzival und er werde Ritter.

Wir wissen ja schon, dass Parzival ein guter Jäger ist. Er wirft seinen verlässlichen Speer und streckt Yter damit nieder. Mit der Hilfe des Knappen Iwanet gelingt es ihm, Yters Rüstung diesem aus- und sich anzuziehen. Über dem Narrenkleid. Fortan reitet er als Roter Ritter durch die Lande.

|Parzival bei Gurnemanz|

Als ersten Mann lernt er Gurnemanz von Graharz kennen, der zu seinem Lehrmeister wird. Als Parzival beim Gastmahl erzählt, erkennt der Kreis, dass diesem jungen Springinsfeld offenbar die inneren Werte eines Ritters fehlen, von Weisheit ganz zu schweigen. Zu den Tugenden zählen unter anderem Keuschheit, Sittsamkeit und Unschuld. Gewarnt sei er vor diversen Lastern, und er solle seine Ehre über sein Leben stellen. Als König solle er Milde und Gerechtigkeit üben. Zum Schluss gibt Gurnemanz dem frischgebackenen Ritter aber einen verhängnisvolle Rat: Frage nicht so viel! Auch dies nimmt sich Parzival zu Herzen und übt sich ansonsten in Kampf- und Minnedisziplinen. Hierbei lehrt ihn Gurnemanz‘ Tochter Liatza, die sich in den blonden, blauäugigen Jüngling verliebt, doch der merkt leider rein gar nichts von ihrer Liebesglut.

|Parzival bei Königin Condwiramur|

Bei Abschied erzählt ihm Gurnemanz von seinen drei Söhnen, die alle im Kampf gefallen seien, und von seiner Nichte, Königin Condwiramur von Brobarz, die in der Stadt Belriga seit Jahr und Tag belagert werde. Ohne Schwierigkeiten reitet Parzival in die Stadt ein, wo die Menschen bereits hungern, und betritt die Burg, wo er die Königin wunderschön findet und sich auf der Stelle in sie verliebt. Er überbringt Gurnemanz‘ Grüße und lernt Condwiramurs Onkel kennen, darunter Kiot. Dann fordert er den Feind heraus, besiegt den Seneschall Kungrun des feindlichen Königs Chlamides.

Doch nach einer Atempause, während der Parzival die Königin heiratet, beginnt Chalmides die Belagerung Belrigas erneut. Nach einigem Hin und Her fordert Chlamides Parzival zum Zweikampf heraus, den Parzival selbstredend gewinnt. Doch er verschont Chlamides‘ Leben unter der Bedingung, dass er sich in den Dienst einer Dame namens Kunevara in Nantes stelle. Chlamides wird dort Ritter, sehr zum Ärger von Seneschall Kai, der von den Heldentaten dieses närrischen Roten Ritters nicht sonderlich angetan ist.

|Parzival auf der Gralsburg, 1. Durchgang|

Damit er seine Mutter wiedersehen kann, verabschiedet sich Parzival von seiner Frau, die darob betrübt ist. Im Abendlicht erreicht der Rote Ritter müde einen See, wo er auf einen seltsamen Fischer stößt. Der Mann sieht verhärmt aus, trägt aber edle Kleider. Er schickt den Ritter zur Burg Montsalvasch von König Titurel, die unter dem Befehl des Ritters Amfortas steht. Als Parzival deren Tore erreicht, bewundert er den riesigen Karfunkel, der rot auf der höchste Turmspitze funkelt. Indem er sich auf den Fischer beruft, wird Parzival willkommen geheißen und bewirtet. In einem Saal voller Pracht sitzt zu seinem Erstaunen der Fischer selbst auf dem Thron. Doch der Mann sagt nichts und Parzival fragt eingedenk Gurnemanz‘ verhängnisvollem Rat „Frag nicht so viel!“ ebenfalls nichts.

Auch als ein Diener eine blutige Lanze bringt, entlockt dies Parzival noch keine Frage. Schließlich erscheinen auch noch Jungfrauen, die alle etwas hereintragen, die schönste von ihnen trägt eine hell strahlende Schale. Obwohl die Jungfer Parzival erwartungsvoll anschaut, macht er immer noch nicht den Mund auf. Amfortas seufzt auf seinem Thron, die Jungfern treten ab, die Ritter sind betrübt, doch Parzival sieht ein bedeutsames Bild: einen Greis mit tiefem Frieden im Gesicht. Was mag es nur bedeuten? Am Schluss bringt ein Knappe ein schönes Schwert als Geschenk des Königs.

|Der Fluch|

Am nächsten Morgen ist die Burg wie ausgestorben, und Parzival reitet mit vielen ungestellten Fragen von dannen, doch nachdem sich das Tor hinter ihm geschlossen hat, hört er eine Stimme: „Tor! Stein statt Herz! Parzival wird’s büßen!“ Der solchermaßen Verfluchte gelangt in den schönen Wald Plinizol, wo König Artus gerade sein Jagdlager aufgeschlagen hat. Schnee fällt, viel Schnee. Doch in seiner Umnachtung bemerkt Parzival nichts davon. Erst als Artus‘ Jagdfalke eine Gans im Fluge schlägt und drei Blutstropfen in den Schnee fallen, stoppt Parzival wie hypnotisiert, denn er erinnert sich an seine Königin. Condwiramur wartet auf ihn.

Da man in Artus‘ Lager den seltsam träumenden Ritter bemerkt hat, reitet Ritter Segramors mit des Königs Erlaubnis zu ihm, um ihn herauszufordern. Segramors zu besiegen, ist für Parzival ein Kinderspiel, und Seneschall Kai sorgt für den Spott. Aber als er selbst den Roten Ritter aufs Korn nimmt, wird er schwer verletzt. Da ahnt Ritter Gawan, wer der Rote Ritter wohl sein könnte: Parzival! Als Gawan die Blutstropfen bedeckt, erwacht Parzival aus seiner Trance und wird in Artus‘ Lager gebracht. Lady Kunevare dankt ihrem Gönner und berichtet, dass sie König Clamides heiraten wolle.

|Cundrie|

Da reitet auf einem Maultier eine hässliche Alte ins Lager. „Wehe!“ krächzt sie, „Parzival ist verflucht!“ Cundrie, die Gralsbotin, zeigt auf ihn. „Du bist der Mann!“ Nachdem sie erklärt hat, worin seine Schuld gegenüber dem Gralskönig besteht, setzt sie hinzu, dass seine Mutter Herzeleide gestorben sei. Vor Gram weint Parzival bitterlich. Cundrie gebietet ihm, Buße zu tun, doch Parzival fragt in aller Unschuld erneut, worin seine Schuld bestehe. Cundrie bezichtigt ihn, mit Gott rechten zu wollen und ermahnt ihn erneut zu Buße, bevor sie davonreitet. Parzival irrt im Land umher, bis er Reue verspürt. Dann macht er sich erneut auf den Weg zum Gral, doch wie ihn finden?

|Parzival vor der Gralsburg, 2. Durchgang|

In einem verschneiten Wald an einem Karfreitag stößt der Rote Ritter auf einen Zug Pilger, einen Ritter und dessen Familie. Als Parzival nach der Gralsburg fragt, schickt der Ritter nach seinem Seelenarzt Trefrazent, der Parzival vermessen nennt. Als Parzival ihm von seinem schweren Los erzählt, berichtet ihm Trefrazent von seinem eigenen Abstieg im Leben. Nebenbei erwähnt er, dass dieser Wald schon zur Gralsburg gehöre. Er, Trefrazent, sei der Bruder von Parzivals Mutter Herzeleide, und auch der König Amfortas sei sein Onkel. Ach, was Parzival diesem nur angetan habe, als er ihn nicht von seinem Leid erlöste, das ihm ein heiliger Speer durch eine Wunde zufügte! Wie konnte er nur Amfortas‘ Leid so missachten? Parzivals Zeit der Prüfung sei noch nicht vorüber, und er werde noch viele Menschen erlösen müssen, bevor er Frieden finden könne.

|Feirefiz|

Geläutert verlässt Parzival Trefrazent und stößt zu König Artus, der ihn in seine Tafelrunde aufnimmt. Am Meer begegnet Parzival einem glanzvollen Ritter, der sofort angreift. Lanzen brechen, Schwerter klirren, doch die Kämpfer sind einander gleich an Kraft und Geschick, doch Parzivals Schwert bricht entzwei. Der Fremde gewährt Gnade und erzählt, er komme aus dem Orient, bewundere aber die Ritter der Franken. Er nennt sich Feirefiz von Anjou. Aber auch Aprzival beansprucht den Titel von Anjou, also müsse Feirefiz wohl sein Bruder sein. Als dieser endlich seinen Helm abnimmt, um sein Gesicht zu enthüllen, entdeckt Parzival, dass es schwarz und weiß gefleckt ist. Wahrhaftig, sein Halbbruder! Sie geloben einander Freundschaft.

Von Ritter Gamuret, ihrem gemeinsamen Vater, gibt es leider keine endgültige Nachricht. Doch als sie in Artus‘ Lager zurückgekehrt sind, wartet dort schon die Gralsbotin Cundrie auf Parzival: „Heil dir! Der Fluch ist von dir genommen. Dein Herz ist geläutert, die Schuld getilgt. Der Gral ruft dich, damit du sein Hüter und der König der Burg seiest.“ Dort werde er an Condwiramurs Seite mit seinen zwei Söhnen, darunter Lohengrin, herrschen. Feirefiz darf auf die dritte Fahrt zur Gralsburg mit.

|Parzival in der Gralsburg, 3. Durchgang|

Die Botin führt die zwei Ritter zur Burg, wo die Tempelritter sie begrüßen und hineingeleiten. Amfortas wartet auf seinem Thron. Als die Jungfrauen erneut in den Saal hereinschreiten, bringt die Schönste, Reponse de Joie, die Schale des Grals selbst. Da stellt Parzival endlich die ersehnte Frage an Amfortas: „Was fehlt dir?“ Amfortas seufzt auf und ist geheilt. Als er Parzival als einen Nachfolger einsetzt, leistet ihm der frischgebackene Gralsritter den Treueschwur.

|Wiedersehen|

Vor der Burg wartet schon Königin Condwiramur mit ihren Söhnen auf Parzivals Ankunft. Als Parzival zu ihrem Lager reitet, das ihr Onkel Kiot bewacht, stellt sich Parzival vor und wird hineingeleitet. Im Zelt sieht er drei rosige Gesichter der Schlafenden, die ihn an die drei Blutstropfen im Schnee gemahnen. Condwiramur erwacht und begrüßt ihren Gemahl mit Freude. Sie stellt ihn seinen Söhnen vor: Kardeis ist der ältere und soll über das Königreich Brobarz herrschen, doch Parzival bestimmt Lohengrin zu seinem Nachfolger auf der Gralsburg. Kiot soll Kardeis‘ Seneschall sein.

|Bekehrung|

Feirefiz begrüßt die Neuankömmlinge ebenfalls und schließt sich dem Fest auf der Burg an. Doch woher kommen all diese Speisen, fragt er. Vom Gral, antwortet Amfortas. Aber ich kann ihn nicht sehen, antwortet Feirefiz. Kein Wunder, denn Feirefiz ist ja schließlich ein Heide. Wie kann ich ein Christ werden, fragt Feirefiz. Na, so wie Reponse könne er sich taufen lassen, lautet die Antwort. Er lernt wie Reponse, ein guter Christ zu sein, lässt sich taufen. Endlich sieht auch er den Gral. Er freit um Reponse und nimmt sie nach ihrer Einwilligung zur Frau.

Nach der Hochzeit kehrt Feirefiz mit Reponse de Joie in seine Heimat zurück. Condwiramur wird auf der Gralsburg ihre Nachfolgerin. Eines Tages will auch der alte Greis Titurel Abschied von der Burg nehmen und sagt zu Amfortas‘ Nachfolger: „Gottes Segen auf dein und deiner Frau Haupt und für eure Herrschaft.“ Dann stirbt Titurel. Der Gralsritter Lohengrin, Parzivals Sohn, lässt sich als König am Rhein nieder und führt in seinem Wappen einen Schwan als Sinnbild.

_Zur Gralsgeschichte_

Das zentrale Motiv, um das es in der Story Parzivals geht, ist der Gral und die Zeremonie, in der er präsentiert wird. Denn Parzival lädt ja den Fluch auf sich, indem er es unterlässt, nach Sinn und Grund dieser Zeremonie zu fragen und so den siechen Fischerkönig Amfortas, den Gralshüter, zu erlösen.

Laut der „Encyclopedia of Fantasy“ bezeichnete das Wort „grail“ oder „graal“ in Altfranzösisch ein Serviertablett bei einem Diner. Chretien de Troyes übernahm diesen Begriff unverfälscht, begründet aber die Zeremonie nicht. Was hat es beispielsweise mit dem blutigen Speer und dem Schwert auf sich? Chretien verknüpft den Gral auch nicht mit Christus, sondern stützte sich vermutlich auf eine keltische Erzählung über Fruchtbarkeitsriten. Dort ist die blutende Lanze als phallisches Symbol für den Lebensspender bekannt und der Kessel Ceridwens als der Schoß, aus dem Leben entspringt.

In der keltische Artuslegende „Preiddeu Annwfyn“ aus dem Jahr 900 stehlen Artus und seine Mannen einen Kessel der Fülle aus der irischen Unterwelt Annwn. Dieser Kessel der Fülle, auch als Kessel der Wiedergeburt bezeichnet, war in der keltischen Mythologie einer der vier magischen Gegenstände der Macht und im Besitz der Göttin Ceridwen. Er stand für Wohlstand, Frieden und vor allem für Fruchtbarkeit, die angesichts der Plagen Mitte des 6. Jahrhunderts in England keineswegs selbstverständlich waren. Die anderen Objekte der Macht waren das Schwert Fragarach der Verteidiger, der Stein des Schicksals und der Speer des Lichtgottes Lugh. (Hier taucht der Speer wieder auf.)

All dies änderte sich, als der Burgunder Richard de Boron ca. 1212 den Gral mit Christus verknüpfte. Sein Gral-Epos „Joseph d’Arimathie“ (ca. 1200) scheint allerdings verschollen zu sein. Bei Boron ist der Gral jener KELCH, aus dem Jesus beim Letzten Abendmahl trank. Mehr noch: Der Kelch enthielt das Blut Christi, vielleicht weil darin Jesu Blut bei der Kreuzigung aufgefangen wurde. Daher auch Sangreal, Sangrail und Sangraal: heiliger Gral. Der Kelch steht als Symbol für das Leben, aber während der Zeit der Kreuzzüge auch als Symbol für ewiges Leben. Boron schrieb also christliche Propaganda.

Der anonyme Autor von „Perlesvaus“ gab dem Gral im frühen 13. Jahrhundert die Macht der Verjüngung. Im Vulgata-Zyklus der Artuslegende wurde aus dem einstigen Tablett endgültig ein Kelch. Sir Thomas Malory (s. o.) formulierte in „Le morte d’Arthur“ (1485) die einflussreichste Version der Gralslegende.

Artus‘ Königreich ist im Niedergang begriffen, denn Seuchen und Verfall greifen um sich. Manche sagen, dass der Grund darin lag, dass Sir Balin beim Töten von Sir Pelham die Lanze des Longinus verwendete, die eigentlich für das Spenden von Leben steht. Die Seuche erzeugt ein Ödland, und dessen Symbol ist der sieche Fischerkönig, der in der Gralsburg lebt. Artus betet um ein Zeichen, und in Camelot erhalten er und seine Ritter eine Vision des Heiligen Grals. Die Ritter machen sich auf, um den Gral zu finden und zu verstehen, nicht ihn zu besitzen.

Weder Sir Gawain noch Lancelot sind erfolgreich, da beide unrein sind (Lancelot treibt es ja mit Guinevere). In manchen Versionen sind Bors und Perceval (Parzival) erfolgreich, bei Sir Thomas Malory aber nur Sir Galahad. Was uns die Frage stellen lässt, wieso die vorgelesene Version die von Malory sein soll und nicht die von Eschenbach. Tatsächlich wird Malorys Name an keiner Stelle auf dem Hörbuch erwähnt!

Wie auch immer: Sir Galahad macht alles richtig: Er löst das Rätsel des Grals, verhilft dem Fischerkönig zur Genesung und bringt auf diese Weise dem Land wieder Wohlstand und Gesundheit zurück. Dadurch wurde die Gralsqueste ein Symbol für ein persönliches Leben, in dem der Lebende nach Vollendung strebt statt sich körperlich auf eine Reise zu begeben. Die Vollendung kann vielerlei Gestalt annehmen, so etwa moralisch, sittlich, ethisch, erotisch, besonders häufig aber in spiritueller Hinsicht. In der Literatur befindet sich der Protagonist häufig auf der Suche nach einem heiligen Gegenstand. Womit wir wieder bei den alten keltischen Objekten der Macht wären.

_Mein Eindruck_

Wie oben aus meinen Zwischenüberschriften zu ersehen, ist die ziemlich lange Geschichte Parzivals in etliche Abschnitte aufgeteilt und erreicht in diesen Stationen praktisch alle Standards, die wir heute von Fantasyabenteuern gewöhnt sind, in denen junge Männer oder Frauen sich so lange entwickeln, bis sie ihre volle Macht erreicht haben. Natürlich bleiben Rückschläge nicht aus, aber diese dienen einem Lernprozess, um eine höhere Ebene der Erkenntnis der Welt zu erreichen. So ergeht es ja Frodo und Sam bzw. Aragorn nicht anders.

So vertraut uns heute die Story anmutet, so fremd ist für uns allerdings die Sprache, in der sie präsentiert wird. In meinem Handlungsabriss habe ich die Alterümlichkeit der Formulierungen schon etwas anklingen lassen, aber im Original klingen sie noch um einiges seltsamer. Wenigstens ist es kein Mittelhochdeutsch, das uns Herr Schalk auftischt, aber eine Phrase wie „Du sollst gerochen werden!“ ist unfreiwillig komisch. Heute benutzen wir „gerochen“ für das Verb „riechen“ statt für „rächen“, wie der Autor es versteht. Das Partizip von „rächen“ lautet heute „gerächt“.

Ein weiterer V-Effekt tritt im Erscheinen eines veralteten Phänomens ein, das als „Minne“ bezeichnet wird. Die Minne ist die höfische Form der Liebe. Will heißen, ein Ritter bekundet zwar seine Liebe (ob er wirklich verliebt ist, steht auf einem anderen Blatt) zu einer edlen Dame (und nur zu einer solchen), die seiner Ehre und Minne würdig ist. Diese Dame wiederum wartet eine gewisse Zeit der Schicklichkeit, bis sie dem Ritter huldvoll ihre Gunst erweist – oder auch nicht. In Ritterfilmen wirft die entsprechende Dame ihr Handtüchlein dem Ritter zu Füßen, welches es selbstredend aufzuheben und an seine Lanze zu heften hat. Es gibt noch viele weitere Formen der Minne, die man aber alle bei Wikipedia nachschlagen kann.

_Der Sprecher_

Da das Hörbuch weder über Geräusche noch über Musik verfügt, ist es allein dem Sprecher überlassen, mit seinem Vortrag den Hörer zu bewegen und zu unterhalten. Nun ist aber Thomas Friebe zwar ein ausgewiesener Synchronsprecher, aber seine Kunst stellt er nur an wenigen Stellen eindrucksvoll unter Beweis. Er porträtiert den jungen Parzival mit einer etwas höheren Stimmlage, wie er sie auch für weiblichen Figuren wie etwa Condwiramur reserviert.

Sei es Jammern, Klagen oder Jubeln – hier tut sich Friebe keinen Zwang an. Er kann herausfordernd rufen wie ein angreifender Ritter, aber auch heiser krächzen wie die alte Gralsbotin Cundrie bzw. Kundry. Natürlich klingt auch der Greis Gurnemanz entsprechend ältlich und heiser. Mit zurückhaltenden Mitteln gelingt also dem Sprecher eine gewisse Charakterisierung der Figuren.

Aber das hat seine Grenzen: Nie wird eine individuelle Kennzeichnung erreicht, sondern stets nur eine Typisierung – der / die Alte krächzt, die Menge jubelt, der Ritter ruft und so weiter. Typen bereiten leider keine Überraschungen, weder in positiver noch in negativer Hinsicht. Man könnte also von einem „klassischen“ Vortrag sprechen, der keinerlei Ecken und Kanten aufweist. Das betrifft auch das Eingangszitat in Mittelhochdeutsch. Es klang für mich völlig fehlerlos.

_Unterm Strich_

Diese Prosa-Präsentation des „Parzival“-Epos stammt zwar von Gustav Schalk, geht aber entweder auf Sir Thomas Malory zurück, wie die einschlägigen Webseiten behaupten, oder auf Wolfram von Eschenbach, wie ich vermute (siehe den Abschnitt „Gralsgeschichte“). Auf dem Hörbuch selbst steht weder der eine noch der andere Name, sondern nur „Gustav Schalk“.

Der Prosatext ist wesentlich verständlicher als ein Erzählgedicht in Versen, wie es ein Epos wäre. Folglich fiel es mir leicht, der Story vom Aufstieg des Ritters Parzival zu folgen. Unfreiwillig komisch waren die veralteten Formulierungen wie „Du sollst gerochen werden!“ Am Schluss wird die Geschichte sehr fromm und ziemlich langweilig, weil alle heiraten oder bekehrt werden oder König, Prinz oder sonstwas werden.

Aber davor gibt es eine Menge Zweikämpfe. Dumm nur, dass wir vorher schon wissen, wie sie ausgehen, denn Parzival gewinnt immer. Das hätte man etwas spannender gestalten können. Schüler und Studenten finden aber jetzt immerhin einen leichten Zugang zu dem alten Epos aus dem 12. und 13. Jahrhundert; vielleicht haben sie sogar Spaß daran.

Das Hörbuch zeichnet sich durch nichts so sehr aus wie durch seinen klassischen Stil, der alle individuellen Ecken und Kanten vermeidet. Der Sprecher zeichnet keine Individuen, sondern Typen. Das ist zwar pädagogisch wertvoll, aber wenig unterhaltsam. Hier gibt es also keine Überraschungen.

|120 Minuten auf 2 CDs|
http://www.delta-music.com

Sonia Rossi – Fucking Berlin (Lesung)

Kein Schamdreieck: Zwischen Uni, Heim und Bordell

Sonia, die Mathematikstudentin, verkauft im Nebenjob ihren Körper im Bordell. Sie redet darüber, wie sie in das Rotlichtmilieu geriet, wie es dort zugeht und mit welchen Männern sie es zu tun bekommt. Und wie kommt sie mit ihrem Privatleben klar? Die freimütige Schilderung ihres Doppellebens ist ein autobiografisches Bekenntnis zur Ware Liebe.

Die Autorin

Sonia Rossi wurde 1982 in Italien geboren. Sie lebt in Berlin, arbeitet in der IT-Branche und hat einen Sohn. Ihr zweites Buch, „Dating Berlin. Auf der Suche nach Mr. Right“, ist von 2010. Von 2014: „Kinderwunsch-Tage“. epubli (E-Book).
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Georges Simenon – Maigret – Die besten Fälle

Der Mann mit der Pfeife: Nostalgisches Krimivergnügen

Diese Sonderedition enthält fünf klassische Maigret-Hörspiele, die in den Jahren 1958 und 1961 von deutschen Rundfunksendern produziert wurden. Auffällig ist die aufwändige Produktionsweise des Bayerischen Rundfunks. Der Zuhörer kann fünf Fälle des Kommissars mit der Pfeife miterleben, als säße er im Kino.

Der Autor
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Ken Follett – Die Säulen der Erde (Lesung)

Statt eines kompletten Hörspiels von überladener Ästhetik, wie es der WDR produzierte, lieferte der |Lübbe|-Verlag 2003 die aufs Wesentliche konzentrierte Lesung des eigentlichen Buchtextes, allerdings zu einem besonders günstigen Preis: knapp 20 Euro – bei Amazon nur 15 – für ein Dutzend CDs mit 13,5 Stunden Unterhaltung. Gelesen wird das Hörbuch von einem der besten Synchronsprecher hierzulande, nämlich von Joachim Kerzel.

Der Autor
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Howard Phillips Lovecraft – Pickmans Modell (Gruselkabinett 58)

Die Grenze zwischen Kunst und Horror

Die Gemälde von Richard Upton Pickman schockieren die Bostoner Kunstwelt. Es sind Darstellungen abscheulicher Wesen in nicht minder grauenerregenden Situationen. Henry Thurber ist mit der einzige im eher konservativen Kunstverein, der nicht von den Bildern abgestoßen, sondern im Gegenteil sehr von ihnen fasziniert ist … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab 14 Jahren.

Der Autor
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Schüller, Maria Franziska / verschiedene Autoren – Stunde Null in Deutschland, Die

_Außen- und Innenansicht von Katastrophe und Neuanfang_

Deutschland in Trümmern, hunderttausende sind vom Hungertod bedroht, Millionen irren auf der Suche nach Heimat umher. Befreier und Befreite stehen sich gegenüber in einem Land, das sich nicht befreit, sondern besiegt fühlt, das großteils die Gräuel des Naziregimes verleugnet und Verantwortung und Demokratie erst noch lernen muss.

Das Hörbuch umfasst Augenzeugenberichte, Reportagen, Verlautbarungen und literarische Erinnerungen aus und über die Jahre 1944 bis 1948. Ein Hörbild aus der Zeit, als Deutschland auch psychisch in Trümmern lag, eine akustische Reise in eine Zeit, in der sich Wut, Erschrecken, Verdrängung und Scham mit Überlebenswillen, Hoffnung und bisweilen Galgenhumor mischte. (Verlagsinfo) Die vielfältige Musik ergänzt die Wortbeiträge.

_Die Autoren_

Heinrich Böll ist einer der wenigen deutschen Nobelpreisträger für Literatur gewesen und stets ein Mahner für Ehrlichkeit, Misstrauen gegen Mächtige und für den aufrechten Gang. Er protestierte ca. 1982 gegen den Nachrüstungsbeschluss der NATO und gegen die Stationierung von Pershing-Raketen in Mutlangen. Seine Romane „Ansichten eines Clowns“ (mit Helmut Griem) und „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ (mit Angela Winkler) wurden erfolgreich verfilmt. Sein wichtiges Oeuvre ist noch wesentlich umfangreicher und gerät zunehmend in Vergessenheit.

Hans Werner Richter gründete zusammen mit Böll und Grass den literarischen Zirkel „Gruppe 47“, die für die deutsche Nachkriegsliteratur von größter Bedeutung war. In ihrem Umfeld tauchen auch die im Hörbuch repräsentierten Autoren Ilse Aichinger, Georg Stefan Troller und evtl. Dieter Forte auf. Günter Lamprecht (Sprecher, s. u.) schrieb seine Memoiren relativ spät, wohingegen Wolfgang Borchert zu den wichtigsten Nachkriegsautoren zählt. Sein Stück „Draußen vor der Tür“, das das Schicksal eines Kriegsheimkehrers erzählt, wurde sofort verfilmt.

_Die Sprecher_

Claudia Amm: arbeitete u. a. am Schauspielhaus Bochum und am Deutschen Schauspielhaus Hamburg mit Regisseuren wie Dieter Dorn und Claus Peymann. Seit Jahren ist sie auch im TV zu sehen, so etwa im „Tatort“ und in Michael Verhoevens „Gegen die Regel“.

Sascha Icks: geboren 1967. Sie ist eine der wandlungsfähigsten Sprecherinnen für Film, Funk und Hörspiel. Zurzeit spielt Icks am Schauspiel Frankfurt/M.

Rudolf Kowalski: geboren 1948 im Ruhrgebiet. Er wurde durch Filme wie „Der Campus“ von Sönke Wortmann und „Echte Kerle“ von Rolf Silber bekannt. Bekannt wurde er vor allem als Lebensgefährte von Kommissarin „Bella Block“.

Günter Lamprecht: Geboren 1930, wurde er am Max-Reinhardt-Seminar ausgebildet und spielte am Theater in Bochum, Hamburg und Berlin. Im TV war Lamprecht u. a. als Franz Biberkopf in Fassbinders „Berlin Alexanderplatz“ zu sehen und als SFB-„Tatort“-Kommissar Franz Markowitz.

Josef Tratnik: Geboren 1947, studierte er Theaterwissenschaften, Philosophie und Germanistik in Köln. Nach dem Staatsexamen war er als Deutschlehrer tätig. 1977 kehrte er zum Theater zurück und ist seitdem von der Bühne, aus Film und Fernsehen und als Sprecher bei TV-Dokumentationen, Hörspielen und Hörbüchern nicht mehr wegzudenken.

Regie führte Maria Franziska Schüller, und als Tonmeister fungierte Jürgen Garbitowski. (Alle Angaben sind dem Booklet entnommen.)

|Das Booklet|

… stellt die Sprecher einzeln vor (s.o.), listet die wichtigsten (aber nicht alle) Beiträge der zwei CDs auf und schließt mit zwei Seiten „Rechtenachweise“ für die Wort- und Musikbeiträge ab. Außerdem ist eine Reihe von Interviewpartnern aufgeführt, unter denen besonders eine „Frau Wucherpfennig“ hervorsticht.

_Inhalte_

Das Hörbuch behauptet – wie so viele Dokumentationen anlässlich des 60. Jahrestags des Kriegsendes in Deutschland – dass es eine „Stunde Null in Deutschland“ gegeben habe. War das wirklich der Fall? Was hat man sich aus heutiger Sicht unter einer „Stunde Null“ vorzustellen? Gab es so etwas wie ein menschenleeres Deutschland jemals – oder eine andere Art von Vakuum, etwa des Rechts?

Die Beiträge auf dem Hörbuch sollen diesen Anspruch belegen. Wohlan denn: Stellen wir sie in den thematischen Blöcken vor, in die sie gegliedert wurden.

|“Schuld?“|

Am 8. Mai ’45 verkündeten deutsche und alliierte Sender, dass die deutschen Streitkräfte bedingungslos kapituliert hätten. Seltsamerweise bedeutete dies nicht das Ende von Kampfhandlungen. Offenbar gab es weiterhin Partisanenorganisationen („Werwölfe“), die Sabotageakte verübten und auf die eigene Bevölkerung schossen, ganz besonders dann, wenn diese sich den Alliierten mit aufgezogener weißer Fahne ergaben.

Das muss der Ich-Erzähler in Heinrich Bölls Romanauszug „Wo warst du, Adam?“ am eigenen Leib erfahren. Sein Elternhaus ist das einzige im Dorf mit einer weißen Fahne. Gerade als er aus dem Krieg heimkehrt, geht der Beschuss mit einem Granatwerfer los – es müssen deutsche Partisanen sein. Er wirft sich in Deckung und muss hilflos mit ansehen, wie die sechste Granate ins Dach seines Elternhauses einschlägt und es verwüstet. Die siebte Granate findet ihn. Die weiße Fahne bedeckt seine Leiche.

Georg M. Oswald berichtet in der kurzen Erzählung „Das Loch“, wie der frühere Blockwart „Onkel Otto“ gegen den Protest von Tante Sofie ein Loch im Garten gräbt. Wozu bloß? Nun, es ist der 8. Mai, Hitler ist den „Heldentod“ gestorben, und Otto und Sofie werfen alle Nazi- und Partei- und Blockwartabzeichen ins Loch, decken es schön wieder zu. Nur das Parteigeschenk zur Hochzeit, das will Tante Sofie unbedingt behalten …

Auch der „kleine PG“ (= Parteigenosse) im gleichnamigen Song von Heinz Gase schafft den Übergang offenbar mühelos: „Er war nur von außen braun“, ein scheinheiliger Mitläufer, aber Blockwart gewesen. Auf einmal will niemand ein Nazi gewesen sein, jeder hatte mindestens einen Juden versteckt und selbstverständlich ausländische Sender gehört. Die Redakteurin Martha Gellhorn wundert sich zunehmend über ihre Landsleute.

|“Alltag: Überleben I“|

Die Versorgungslage war für die allgemeine Bevölkerung katastrophal, Hungern an der Tagesordnung, man war von den ausgegebenen Rationen abhängig. Nicht so hingegen die reichen Vorstadtbürger, über die Robert Thompson Bell berichtet: Ihre Villen waren im April ’45 nicht einmal angekratzt, und die Vorratskeller voll – ein krasser Kontrast zu den Szenen in der „Totenstadt“ Frankfurt am Main. Margret Boveri berichtet in „Ich stehle Holz“, auf welche Weise sich das Verhalten ändern kann, wenn man auf illegale Beschaffung angewiesen ist: Man verliert sämtliche Skrupel und allenfalls noch Schicksalsgenossen können auf Rücksichtnahme hoffen. Aber auch das könnte sich ändern.

Das Stehlen erstreckt sich auf das so genannte „Ährenlesen“ bei der Ernte, und entsprechende Appelle der Behörden werden zitiert. Der Schleich- und Tauschhandel greift rasend schnell um sich, besonders als auch noch die Flüchtlingsströme aus dem Osten eintreffen. Doch wie dem Chaos Herr werden, fragt sich Pell. Seltsamerweise haben die überlebenden Deutschen den Dreh mit der Organisation des Chaos heraus. Auf dem Gelände der IG-Farben-Fabrik übernehmen die ehemaligen Direktoren wieder das Kommando, und die Amis müssen zusehen, dass sie dort wieder – oder vielmehr: noch – etwas zu sagen haben!

|“Befreite“|

Apropos Flüchtlinge. Selbst wenn es sich um Leute handelt, die von den Alliierten aus einem KZ oder Gefängnis befreit worden sind, muss das noch nicht bedeuten, dass die Befreiten auch überleben. So berichtet Martha Gellhorn aus Dachau im Mai 45, dass sich die Überlebenden vor Freude in den noch geladenen Elektrozaun geworfen hätten, um die Amis zu begrüßen, oder sie haben sich an den ersten Rationen so den Bauch vollgeschlagen, dass ihr geschwächter Körper das nicht aushalten konnte. Viele von ihnen waren Opfer medizinischer Experimente, von denen Gellhorn ein polnischer Arzt berichtet. Jedes Experiment forderte Hunderte von Todesopfern.

Andrzej Szypiorski berichtet in „Meine drei Kriegsenden“, wie es ihm nach der Befreiung aus dem KZ Sachsenhausen erging. Nur wegen einer Verletzung musste er nicht auf den Todesmarsch mit, sondern konnte die Russen begrüßen. Er wanderte nach Berlin-Köpenick, wo man ihm schnellstens aus dem Weg ging, war er doch jemand, dem man Unrecht getan hatte – wer weiß, wie er sich rächen würde?

|“Auf der Suche“|

Millionen von Menschen irren in ganz Europa umher, auf der Suche nach ihren Verwandten oder Lieben. Nach einer Vermisstenmeldung beschreiben Hans Werner Richter und Stig Dagermann, welche überragende Bedeutung auf einmal Zügen zukommt. Sie seien die sichtbaren Zeichen für die Mentalität eines Volkes, meint Richter. Erinnerungen an die Züge voller Juden auf dem Weg in die Vernichtungslager kommen auf. Und Dagermann erzählt, dass die bayerischen Behörden sogar andere Deutsche von bayerischem Staatsgebiet ausgewiesen hätten. Diese Züge landeten dann wieder auf gut Glück irgendwo im nichtbayerischen Raum. Davon erzählt der schwarzhumorige Song „Zug nach Kirchenroda“, der mit der flotten Melodie von „Chattanooga Choo Choo“ die erste CD beschließt.

|“Begegnung“|

Schwarzhäutige Menschen sehen die meisten Deutschen zum ersten Mal in ihrem Leben. Das trifft auch für die Hauptfigur in Dieter Fortes Erzählung „Der Junge mit den blutigen Schuhen“ zu. In der CD-Sektion „Hunger nach Kultur“ erfahren wir, was der Junge bei den fremden Besatzern noch alles findet: nicht nur Schokolade in Form von Hershey Bars (die lernte sogar ich noch in den Sechzigern kennen), sondern auch Zigaretten und vor allem Kinofilme und Jazz-Musik. Günter Lamprecht erzählt wehmütig von Glenn Miller und Konsorten. Neben jenem seltsamen neuen Ding namens „Frieden“ brachten die Fremden aber auch „Demokratie“.

|“Alltag: Überleben II“|

Der „Frieden“ sah zunächst so aus, dass jeder offenbar alles zu klauen versuchte, was nicht niet- und nagelfest war und sich somit zu Geld machen ließ. Dabei lief Günter Lamprecht einmal sogar einer Sowjetpatrouille in die Arme, die sich über seine amerikanischen Präservative wunderten. Er kam aber noch einmal mit einem blauen Auge davon.

Eines der düstersten Kapitel ist jedoch die weithin verbreitete Ausnutzung der schutzlosen Lage deutscher Frauen. Ihre Männer waren entweder gefallen oder in Gefangenschaft und die Kinder waren noch nicht groß genug, um sie zu verteidigen. So kam es, dass zahlreiche alliierte Soldaten die günstige Lage ausnutzten, und zwar nicht nur die Russen, sondern auch Briten, wie eine Quelle bezeugt.

Andererseits hatten die Frauen, die auf diese Weise ausgenutzt wurden, ein wenig Glück, weil sie im Ausgleich für ihre „Dienste“ Lebensmittel und zahlreiche Importartikel wie Strumpfhosen aus Nylon von den Soldaten („Fräuleins im Gelände“ von Ottmar Katz) erhielten. Ja, diese Frauen wurden sogar von ihren Familien oder Nachbarn dazu angehalten, so zum Überleben der Gemeinschaft beizutragen. Am eindrucksvollsten sind die Erzählung einer anonymen Berliner Frau, die sich in dieser Lage befindet, und Wolfgang „Draußen vor der Tür“ Borcherts Geschichte „Die drei dunklen Könige“.

|“Neuanfang?“|

Und wie steht es um die junge Demokratie? Nicht allzu gut, sollte man meinen, wenn man den Einlassungen der diversen Zeugen zuhört. Laut Hans Werner Richter verachtet man die Demokratie und fühlt sich als gedemütigter Deutscher auch noch im Recht. Demokratie steht für Bürokratie, Hunger und alles Schlechte; man kennt das ja von der Weimarer Republik. Der Begriff „Entnazifizierung“, der wichtige Prozess der Verfolgung von Kriegsverbrechern und Nazimitläufern, klingt wie „Entlausung“, also das, was einem in einem Lager widerfährt. Siehe auch den Abschnitt „Schuld?“

Diese Entnazifizierungsverfahren sind eine einzige Farce, denn die Zeugen, die für den Angeklagten eintraten, sind alle für ein paar hundert Mark pro Nase gekauft, die „kleinen Männer“ kommen alle frei. Und wie Stig Dagermanns Erzählungen bezeugen, werden allzu häufig private Fehden vor einer solchen „Spruchkammer“ ausgetragen: Denunziantentum ergänzt die Korruption. Immerhin droht einer der im Hörbuch zitierten Bürgermeister damit, Hakenkreuz-Schmierereien mit der Todesstrafe zu ahnden. Das tut er sicher nicht ohne Grund. Die Demokratie hat es schwer.

Gemäß Georg Stefan Troller schwanken die Deutschen zwischen mehrere widerstreitenden Gefühlen: Man darf keinen Stolz aufs Deutschsein zeigen, will sich aber auch nicht so richtig schämen für die Gräueltaten, die im Namen dieses Volkes begangen worden sind. Selbstmitleid greift um sich, das eine ganze Menge Arschkriechertum rechtfertigt.

Während die Amis noch vor „fanatischen Deutschen“ warnen, ruft Ilse Aichinger anno ’46 zum Misstrauen auf. Aber gegen wen oder was? Fazit: „gegen uns selbst“! Denn in den Menschen warte die Bestie, die Schlange darauf, die Oberhand zu gewinnen. Um überhaupt noch vertrauenswürdig erscheinen zu können, so Aichinger, müssten wir wachsam gegen unsere eigenen Schwächen sein.

_Mein Eindruck_

Manche Beiträge machen betroffen, andere wieder wütend – es ist das reinste Wechselbad. Aber so ist das eben mit dem Wechsel zwischen Außen- und Innenansicht. Das eine relativiert das andere, setzt es in einen anderen Zusammenhang, wirft ein anderes Licht darauf. Merkwürdigerweise verliert dadurch aber sogar das leidvolle Schicksal mancher deutschen Frau, die sich – aus welchen Gründen auch immer – prostituiert hat oder (immer wieder) vergewaltigt wird, an Gewicht und Bedeutung, weil schon das nächste Schicksal wartet, beachtet zu werden, vielleicht ein hungerndes Kind, ein verlorener Kriegsheimkehrer. Ich kann daher nur empfehlen, immer wieder mal eine Pause einzulegen, um das Gehörte in seiner Besonderheit wirken zu lassen.

Bis auf ein einziges Beispiel – Ilse Aichingers Appell – bleiben wir von Texten mit erhobenem Zeigefinger verschont, die es natürlich ebenfalls massenhaft gegeben hat. Die erzählten Schicksale und Beobachtungen sprechen für sich – mehr als beredt. Politisch gefärbte Texte sind praktisch keine zu finden – ich wüsste keinen, den ich eindeutig einem politischen Spektrum zuordnen könnte (stand Böll automatisch links, nur weil er in Mutlangen protestierte?).

Man müsste von einer apolitischen Präsentation reden, wäre nicht von vornherein klar, dass das Ganze an sich eine politische Botschaft ist. Eine politisch korrekt zusammengestellte Botschaft, die sich an das Erinnerungsvermögen der Gegenwart wendet. Ob die alten Kampfgenossen aus der Waffen-SS wohl diesen Appell vernehmen? Ich bezweifle es. Möge er zumindest die junge Generation erreichen.

Eine Präsentation wie diese ist stets eine Auswahl und als solche bis zu einem gewissen Grad subjektiv gefärbt. Um einen möglichst objektiven bzw. vollständigen Eindruck zu erhalten, was damals als „die Wirklichkeit“ und als „die Wahrheit“ galt, müsste so ein Hörbuch ja mindestens zehn CDs umfassen – man denke nur mal an Kempowskis „Echolot“-Projekt. Das ist nicht gerade eine attraktive Größe für das Hörpublikum. Eine Auswahl auf nur zwei CDs unterzubringen, ist ein wagemutiges Kunststück.

Ist es geglückt? Ich denke, ja, wenn man die Einschränkungen berücksichtigt. Und als Zeitdokument kann es die junge Generation vielleicht mehr als die Erinnerungen der wegsterbenden Kriegs- und Nachkriegsgeneration über das damalige Geschehen informieren. Wir erfahren nichts über die Einrichtung der Besatzungszonen und über die Gründung der Bundesrepublik Deutschland sowie der Deutschen Demokratischen Republik. Das steht auf einem anderen Blatt: auf dem der Stunde Eins.

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

Die oben genannten Sprecher sind allesamt kompetente Vortragende, doch einer der Text ragt aus der Menge heraus, der von Günter Lamprecht. Er singt den „Chattanooga Choo Choo“, als hätte er gestern den Song zum ersten Mal gehört, und die Freude ist ihm anzumerken. Ein anderer Text, der mir im Gedächtnis blieb, ist „Die drei dunklen Könige“ von Wolfgang Borchert. Er wird von Kowalski oder Tratnik vorgelesen. Borchert wendet die bedrückende Lage einer deutschen Familie auf das Fest der drei Könige an, doch in diesem Winter kommen die Könige aus der Fremde nicht um zu verehren, sondern um zu vergewaltigen. Der Schrei des Kleinkindes vereitelt dieses Vorhaben.

Es gibt noch mehrere O-Töne, die wirklich zu Herzen gehen, aber man muss wohl einiges Leid selbst erlebt haben, um nachfühlen zu können, was diese Menschen damals durchgemacht haben. Dass sie es immer wieder durchgestanden haben, nötigt höchsten Respekt ab.

_Unterm Strich_

Ist das jetzt der notwendige Nachhilfeunterricht in Sachen „Stunde Null“? Oder doch nur ein kleiner illustrativer Splitter im großen Gemälde jener Zeit? In Ermangelung von Vergleichsmöglichkeiten nehme ich keine Wertung vor. Ich kann nur sagen, dass die vielfältigen Beiträge, die ich oben näher beschrieben habe, einen guten Eindruck von den Verhältnissen in der einfachen Bevölkerung vermitteln. Politik wird links liegen gelassen, dieses Feld zu beackern, ist offensichtlich Sache von Historikern.

Doch das, was viele Deutsche damals erlebten, ist heute unvorstellbar. Wenn man heute von Krieg redet, so stellt man sich Stellvertreterkriege in Irak oder Afghanistan vor, nicht irgendwo mitten im dicht besiedelten Europa. Das Hörbuch macht zumindest erahnbar, welche verheerenden Folgen ein moderner Krieg hat, nicht nur direkt im Kampfgeschehen, sondern vor allem im Nachhinein.

Und das Hörbuch macht auf die seltsamen Praktiken während der „Denazifizierung“ aufmerksam, bei denen die Verhandlungen unter anderem wie Reality-Shows genossen wurden. Ein „Neuanfang“ mit Bekenntnis zu „Schuld“ und „Demokratie“? Man wundert sich, dass die Bundesrepblik überhaupt aus der Taufe gehoben werden konnte – und vor allem, wer ihre „Paten“ waren. Wahrscheinlich gab es „Angebote, die man nicht ablehnen konnte“.

Als Zeitdokument ist das Hörbuch sehr zu empfehlen, als Unterhaltung nur bedingt, denn es ist selten spannend und nie actionreich. Dafür überwiegen die bewegenden Szenen umso mehr.

|156 Minuten auf 2 CDs|

Doyle & MacNeile – Eine Frage des Teers (Sherlock Holmes Folge 39)

Die gestohlene Tiara

Eine verschwundene Tiara ruft den Meisterdetektiv auf den Plan, denn ausgerechnet bei einer kurzen Aufbewahrung in einem ungesicherten Schreibtisch wird das wertvolle Schmuckstück gestohlen. Die Zahl derer, die das Versteck der Tiara kannten, erscheint auf den ersten Blick durchaus überschaubar. Ein Motiv hat indes nur eine der Personen. Holmes zweifelt jedoch daran, dass die Lösung des Falles so einfach ist… (Verlagsinfo) Doyle & MacNeile – Eine Frage des Teers (Sherlock Holmes Folge 39) weiterlesen

James Patterson – Der Zerberus-Faktor (Maximum Ride 2)

Showdown mit der Doppelgängerin

Die Tierärztin Frances O’Neill entdeckt eines Tages in Colorados Wäldern ein genmanipuliertes Wesen, das aussieht wie ein Mädchen mit Engelsflügeln. Tatsächlich kann Maximum, so nennt sich diese Kombination aus Mensch und Vogel, fliegen, wie man sich das von Engeln vorstellt. Der Haken dabei ist natürlich, dass es sich bei Max um das Ergebnis verbotener Experimente eines illegalen Genlabors handelt, das den Decknamen „Die Schule“ trägt. Und dass Max und ihresgleichen enorm wertvolle Organismen darstellen, die entsprechend gejagt werden. Frances gewährt Max und ihren Freunden Unterschlupf und Schutz, wodurch sie selbst in die Schusslinie gerät.

Das Pandora-Projekt:

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Philip Roth – Der menschliche Makel (Hörspiel)

Große Literatur, klug und bewegend umgesetzt

Die inzwischen erfolgte Verfilmung des Romans von Philip Roth wird von der Kritik hoch gelobt. Auch die Hörspielfassung des Romans vermittelt die Tragik und Komik des Falles Coleman Silk: Ein Literaturprofessor wird des Rassismus angeklagt und verliert Job, Gattin und Kinder. Parallelen zum Fall des US-Präsidenten Bill Clinton werden sichtbar, als Silk eine Affäre mit einer Putzfrau anfängt und dafür ebenfalls an den Pranger gestellt wird.

„Der menschliche Makel“ ist Band 3 der „Amerikanischen Trilogie“. Band 1 ist „Amerikanisches Idyll“, Band 2 „Mein Mann, der Kommunist“.

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Jana Lini – Filly Fairy – Oberon und das Zauberkraut (Folge 5) (Hörspiel)

König Oberon und das Zauberkraut

„Es gibt ein Land, das ist weit, weit und noch weiter weg. Niemand weiß, wo es sich befindet. Dort leben wunderbare Feen, die Filly® Fairys. Ihre leuchtenden Flügel tragen sie durch die Lüfte und einige von ihnen haben magische Kräfte“ (Covertext)

Die Fairys sind jedoch nicht die einzigen Fillys, die allesamt pferdeähnlich sind, im Feenland. Neben ihnen existieren noch die Königreiche der „Princess“, „Ice Fairys“ und „Unicorns“ – allesamt haben inzwischen nicht nur ein beachtliches Merchandise zu bieten, jede von ihnen hat auch eigene Hörspiele beim |EUROPA Mini|-Label. Zielgruppe sind Mädchen ab 4 Jahre. Wie bei allen Filly-Folgen sind stets zwei abgeschlossene Geschichten enthalten:
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Douglas Adams & Terry Jones – Raumschiff Titanic (Hörspiel)

Warnung vor dem Spontanen Massiven Existenz-Fehlschlag!

An alle Passagiere: „Herzlich willkommen an Bord der Titanic, des größten Luxusraumschiffs aller Äonen. Während Sie bisher per Anhalter durch die Galaxis reisen mußten, lassen Sie sich nun im kybernautischen Meisterwerk des genialen Leovinus verwöhnen. Eventuelle Gerüchte über Sabotageakte vor der feierlichen Schiffstaufe sind als Propaganda feindlich gesinnter Planentenvölker zurückzuweisen.

Der Fehlstart vor den Augen von fünfzig Millionen grünlippigen Blerotinern, der höchstentwickelten Spezies diesseits und jenseits der Milchstraße, wird binnen Sekunden korrigiert. Und die Zwischenlandung im Wintergarten eines alten Pfarrhauses auf einem bisher als unbewohnbar geltenden Provinzplaneten namens Erde ist ohne Bedeutung. Auch die drei Erdlinge, die uns seither als blinde Passagiere begleiten, werden vom unvergleichbaren Flair der Titanic bezaubert sein …“ (Verlagsinfo)

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Die drei ??? Kids – Die Geistermühle (Folge 93)

Die Handlung:

Die Flügel der alten Windmühle in Rocky Beach drehen sich plötzlich bei absoluter Windstille. Wie kann das sein? Bei genauer Untersuchung stoßen die drei Freunde auf eine sagenhafte Legende … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Los gehts mit Taubendreck. Von dem ist reichlich auf dem Wahrzeichen von Rocky Beach, dem Denkmal von Fred Fireman. Das müsste mal gründlich gereinigt werden, aber viel Geld steht dafür nicht zur Verfügung. Die Jungs wollen helfen, wissen aber auch nicht, wie sie mehr Geld auftreiben können.

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Colfer, Eoin – Artemis Fowl V – Die verlorene Kolonie (Lesung)

_Verfolgungsjagd: Rückkehr der Dämonen_

Kehren die Dämonen auf die Erde zurück? Jahrtausendelang lebten sie auf der Insel Hybras in einer Zwischenwelt, doch nun werden einige dieser mondsüchtigen Wesen auf der Erde gesichtet. Sind sie eine Bedrohung für die Menschen und die Welt der Unterirdischen? Artemis Fowl, der Meisterdieb, ist tief beunruhigt.

Nur wenn es ihm gelingt, einen der Dämonen zu fangen, wird er Gewissheit über ihre Pläne erhalten. Doch gerade als er zuschlagen will, kommt ihm Minerva Paradizo, ein 12-jähriges Mädchen, zuvor. Artemis ist empört und beginnt eine rasante Verfolgungsjagd, bis sich Minerva als guter Kumpel entpuppt. Gemeinsam gelingt es dem Duo, die zornigen Wesen zu bannen, doch Artemis gerät dabei selbst in die Zwischenwelt. Kann er auf die Erde zurückkehren?

_Der Autor_

Eoin Colfer, geboren 1968, ist Lehrer und lebt mit seiner Frau und seinem Sohn in Wexford, Irland. Er hat mehrere Jahre in Saudi-Arabien, Tunesien und Italien unterrichtet. 2001 erhielt er den Children’s Book Award, den wichtigsten Kinder- und Jugendbuchpreis Großbritanniens, und 2004 den Deutschen Bücherpreis in der Kategorie „Kinder- und Jugendbuch“. Seine bislang fünf „Artemis Fowl“-Romane wurden allesamt Bestseller und sind von Rufus Beck kongenial ins Medium Hörbuch übertragen worden.

Band 1: [Artemis Fowl 172
Band 2: [Artemis Fowl – Die Verschwörung 180
Band 3: [Artemis Fowl – Der Geheimcode 569
Band 4: [Artemis Fowl – Die Rache 1279
Band 5: [Artemis Fowl – Die Akte 3135 (Erzählungen)
Band 6: Artemis Fowl – Die verlorene Kolonie

http://www.artemis-fowl.de/

_Der Sprecher_

Rufus Beck, geboren 1957, ist Bühnen-, Film- und Fernsehschauspieler und hat als deutsche Stimme der „Harry Potter“-Hörbücher mit seiner vollendeten Sprechkunst die Herzen zahlreicher HP-Fans erobert. Er hat aber auch alle Bücher des Iren Eoin Colfer als Hörbücher aufgenommen, insbesondere die über „Artemis Fowl“.

Beck liest den gekürzten Text. Regie führte Margit Osterwold. Für den Ton war das Eimsbütteler Studio Hamburg verantwortlich. Das Titelbild zeigt das Buchcover des |List|-Verlags.

_Handlung_

Barcelona. Artemis Fowl und Butler, sein Faktotum, warten auf ein Ereignis, genauer gesagt: auf jemanden, der aus der Zeit kommen soll. Wie sich herausstellt, handelt es sich um einen Dämon, der aussieht wie eine Echse und quietschend auf Artemis einredet. Dann nimmt er ihn kurzerhand mit. Sie reisen durch die Zeit hundert Jahre zurück, unter anderem auch nach Barcelona, wo Antonio Gaudí gerade an seiner später berühmten Casa Mila baut. Dann kehrt Artemis wieder in seine eigene Zeit zurück. Er sieht unversehrt aus, aber die Mittelfinger seiner Hand sind vertauscht.

Auf einem ganz anderen Schauplatz erregt dieser Vorfall höchstes Aufsehen: bei den Unterirdischen von Erdland. In Haven City geht Ex-ZUP-Cop Holly Short, eine Elfe, ihrem neuen Job als Privatdetektivin nach. Auch der Zwerg Mulch Diggums ist nun in diesem Metier ihr Partner. Ihr gemeinsamer technischer Berater ist der frühere Sergeant Foaly, seines Zeichens ein gerne und oft wiehernder Zentaur. Foaly ist ein totaler Technikfreak und stattet auch diesmal Holly mit allen Hitech-Finessen aus. Denn eine Frage brennt ihnen allen auf den Nägeln: Wie gelingt es Artemis, das Erscheinen eines Dämons auf die Sekunde genau vorherzusagen? Das wäre in ihrem Job eine wirklich nützliche Fähigkeit.

Auf der Insel Hybras im Zeitmeer wachsen die Dämonen auf und lernen in der Schule, sich gefälligst auch wie richtige Dämonen zu benehmen und zu verhalten. Früh übt sich, was ein hässlicher, gehässiger Dämon sein will. Und nur ein verkrümmter Dämon ist ein guter Dämon. Der Junge Nr. 1 ist nicht verkrümmt und deshalb hacken alle auf ihm rum. Natürlich auch Lehrer Raleigh. Und als auch noch der Kriegsheld Leon Abbott auftritt, um den Jungdämonen zu erzählen, was eine Dämonenharke ist, fühlt sich Junge Nr. 1 noch bescheidener.

Doch bei einer kleinen Übung, zu der Abbott die Schüler herausfordert, legt Nr. 1 eine bemerkenswerte Fähigkeit an den Tag: Magie! Nr. 1 ist ein Zauberer. Zwar einer, der noch viel wachsen muss, aber immerhin. Abbott verneint sofort, dass Nr. 1 ein Zauberer sein könnte. Denn im heiligen Buch der Dämonen kommen überhaupt keine Zauberer vor, sondern höchstens Elfen und Zwerge. Er selbst hat es aus der Menschenwelt mitgebracht: „Lady Heatheringtons Hecke“. Abbott schickt Nr. 1 hinterlistig in den Vulkan von Hybras. Dort befindet sich das Dimensionstor, das in die Menschenwelt führt …

Catania, Sizilien, unweit des Ätna, ein Theater. Artemis und Butler bekommen Besuch von Holly Short. Auf ihre neugierigen Fragen hin berichtet der Goldjunge, dass demnächst die Dämoneninsel Hybras in die hiesige Dimension durchbrechen werde, d. h. eigentlich kehrt sie wieder dahin zurück, wo sie herkam: in die Menschenwelt. Das haben seine Berechnungen ergeben.

Wenig später hat Dämon Nummer 1 seinen großen Auftritt mitten auf der Bühne. Aber nicht lange. Denn er stürzt durch eine Falltür, unter der seine Häscher bereits auf ihn warten. Doch wer sind diese finsteren Gestalten? Und wer hat sie geschickt?

_Mein Eindruck_

Zunächst lässt sich die Geschichte an wie eine weitere Haschmichjagd à la James Bond. Jeder will den armen kleinen Dämon haben, ist er doch die Verbindung zu einer ganzen Welt, nämlich der Insel Hybras. Erst hat ihn Minerva Paradizo, zwölfjährige Quantenphysikerin, dann hat ihn Holly Short, Privatdetektivin im Auftrag des Erdvolk, dann hat ihn Minervas Schlägertyp Billy Kong, schließlich hat ihn Artemis Fowl.

Minerva Paradizo will alle Dämonen in unsere Welt holen und sie in Zoos stecken. Dort könnte sie sie dann untersuchen und damit den Nobelpreis gewinnen, ihr Lebenstraum. (Warum Quantenphysiker immer solche Übermenschenallüren bekommen, weiß ich auch nicht. Muss wohl an ihrem Wunder- und Einzelkindschicksal liegen.) Sie hat ebenso wie Kong ein Vorurteil gegen Dämonen: Die seien ja alle so böse wie der schizophrene Abbott, der ihr einst ausgebüchst ist, wobei er einen Liebesroman mitgehen ließ.

Dass Dämonen ganz lieb sein können, will Nummer 1 ihr ebenso wie Artemis beweisen. Das ist nämlich dann der Fall, wenn Dämonenzauberer die relevanten Kräfte bändigen und kontrollieren, die aus armen kleinen Dämonen finstere böse Dämonen machen, beispielsweise Blutdurst und Mondlicht. Artemis weiß auch, wo in unserer Welt ein solcher Zauberer zu finden ist: nämlich in einer Kunstgalerie, die im neuen Megaturm von Taipeh, Taiwan, eingerichtet wurde.

Zusammen mit dem Zauberer und seinen diversen Begleitern kann es Artemis schließlich wagen, den Showdown gegen den schizophrenen Leon Abbott in Gang zu setzen. Dabei spielt eine Atombombe eine wichtige Rolle, ebenso ein Dimensionstor sowie ein Zeittunnel. Man merkt schon: Nun wird es kompliziert. Damit das Ganze nicht auch noch langweilig wird, muss Artemis‘ hochgeschätzte Freundin Holly Short eines grausamen Todes sterben. Und Artemis scheint dies überhaupt nicht zu kümmern! Um des Rätsels Lösung zu erfahren, sollte man möglichst selbst lesen bzw. hören. Es hat etwas mit einer Zeitschleife zu tun, sofern ich alles richtig verstanden habe. Aber ganz sicher bin ich da nicht.

Der Autor kombiniert auf innovative Art und Weise Fantasy-Elemente wie Dämonen, Zauberer und Magie mit Science-Fiction-Ideen wie etwa Zeittunneln, Dimensionstoren und Unsichtbarkeitserzeugern. Für den Autor ist Magie nur eine weiterentwickelte Form der Technik, frei nach dem Axiom Arthur C. Clarkes, wonach „jede genügend weit fortgeschrittene Technik nicht von Magie zu unterscheiden“ sei. Das gibt Eoin Colfer carte blanche, alle möglichen Arten von Zeitreisen, Unsichtbarkeitszaubern und Dimensionstransfers vorzuführen. Da war mit Gandalf eigentlich wesentlich lieber, denn dessen Zauber hatte wenigstens lebensnotwendigen Sinn (man denke an die Brücke von Khazad-dûm) und diente nie als Spielerei.

|Der Sprecher|

Rufus Beck erhält wieder einmal Gelegenheit, seine sprachakrobatische Kunst voll auszuspielen. Gerüchte besagen, ihm stünden mindestens 250 verschiedene Intonationen zur Verfügung. Während Holly und Artemis doch recht „normal“ – was ist schon normal? – sprechen, ertönt Butler in tiefstem, grollendem Bass, und auch die Zwerge sind nicht gerade für den Belcanto geeignet.

Mulch Diggums, der Held der ersten und zweiten Episoden, ist wieder mit von der Partie und erfreut uns mit seinem beinahe (aber nur beinahe) schon urbayerischen Tonfall. Das trifft weniger auf den Zentauren Foley zu, der ja nur ein Untergebener ist. Er kann es sich allzu oft nicht verkneifen, dass seine Ponynatur durch- und er in herzliches Wiehern ausbricht. Die Dämonen sprechen durchweg in hohen quäkenden, mitunter sogar quietschendem Stimmen, der einem durch Mark und Bein gehen.

Nur ältere Dämonen bilden eine Ausnahme: Lehrer Raleigh und Held Abbott fallen unangenehm durch Brüllen und Verhöhnung auf. Dass Dämonen auch glaubwürdig sein können, stellt der Dämonenzauberer Kwan unter Beweis. Seine Stimme klingt autoritär und majestätisch, offensichtlich ein Träger von magischer Macht.

So fällt es dem jugendlichen Zuhörer leicht, die Figuren auseinanderzuhalten, selbst wenn er sich ihre Namen nicht merken kann. Und diese Charakterisierung trägt wesentlich dazu bei, aus den Erzählungen Hörspiele mit verteilten Rollen zu machen, die an Dramatik nichts zu wünschen übrig lassen.

|Effekte|

Natürlich werden auch jede Menge moderne Kommunikationsmittel eingesetzt, dafür sorgen schon die Technofreaks wie Foaly und Artemis Fowl. Bei solchen Fernübertragungen setzt Rufus Beck regelmäßig einen Filter ein, der seine Stimme blechern und verzerrt klingen lässt. An einer Stelle spricht sogar das Mondlicht, um den jungen Dämon Nr. 1 auf die „andere Seite“ (= unsere Welt) zu verlocken. Da klingt Beck sehr verführerisch.

Vor allem Jugendliche und Kinder ab 12 Jahren dürften an dieser Art der Darbietung dieser Story Gefallen finden. Erwachsenen könnte es ein wenig übertrieben vorkommen.

_Unterm Strich_

Wie schon das vorherige Abenteuer „Artemis Fowl – Die Rache“ erscheint mir auch dieses Abenteuer in hohem Maße überzogen. Aber das liegt vielleicht daran, dass ich mich mit Colfers Kombination aus Krimi, Agententhriller, Fantasy, Alienfilm und Science-Fiction nicht so recht anfreunden kann. Diese postmoderne Vermischung der Genres ist zwar modisch und völlig legitim, denn Genre-Mixes gab es schon immer, aber es kommt wie immer auf die Ausführung an.

Man sollte schon Bekanntschaft mit Artemis Fowl und Holly Short gemacht haben, bevor man sich auf diese Geschichte einlässt. Sie führt die bisherigen Geschichten direkt weiter. Während diese beiden Hauptfiguren durchaus runde Charakterzeichnungen aufweisen, kann dies für alle Nebenfiguren (außer Nr. 1) nur eingeschränkt gelten. Der kleine Dämon Nr. 1 bildet eine Ausnahme, weil er die einzige glaubwürdige Figur aus der Gegenwelt darstellt, vor allem aufgrund des Umstandes, dass er eine eigene Lebensgeschichte mitbekommen hat. Man kann sogar für sein trauriges, wechselhaftes Schicksal Mitgefühl entwickeln, denn der Kleine ist ja unversehens und unschuldig zum Spielball widerstreitender Interessen geworden.

Dass auch zwölfjährige Quantenphysikerinnen von ihrem Nobelpreiswahn kuriert werden können, sollen wohl die letzten Zeilen beweisen. Frei nach Freud (oder war’s Nietzsche) kann Minerva Paradizo „aus einem Punkte kurieret werden“. Sie gebiert mit ihren zarten fünfzehn Jahren Artemis‘ Butler prachtvolle Zwillinge. Das soll wohl eine Art Versöhnungsfeier plus Weihnachten einläuten, hinterlässt bei mir aber nur einen faden Beigeschmack, der etwas von männlichem Chauvinismus an sich hat.

Rufus Beck macht wie stets einen ausgezeichneten Job, wenn er die einzelnen Figuren zum Leben erwecken soll. Sie werden schnell voneinander unterscheidbar, und so fällt es dem Hörer leichter, all die zahlreichen Figuren zuzuordnen. Das hat mir auch in dem komplex aufgebauten finalen Showdown enorm geholfen, als nämlich noch ein Oberdämon aus dem Hut gezaubert wird. Ich war jedenfalls froh, als alles überstanden war.

|Originaltitel: Artemis Fowl – The Lost Colony, 2006
Aus dem Englischen übersetzt von Claudia Feldmann
468 Minuten auf 6 CDs|
http://www.hoerbuch-hamburg.de
http://www.artemis-fowl.de/

Brian Lumley – Necroscope 2 – Vampirblut (Lesung)

Die Wege von Harry Keogh, dem Nekroskopen, und Boris Dragosani, dem Nekromanten, kreuzen sich und die Konfrontation ist unausweichlich. Doch beide kämpfen nicht alleine, sondern mit Unterstützung unheimlicher Verbündeter.

Der Autor

Brian Lumley wurde 1937 in England geboren. 1981 beendete er seine Militär-Karriere. Seither arbeitet er als freier Schriftsteller. Seine ersten Veröffentlichungen standen ganz unter dem Einfluss von H. P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos. 1986 schuf Brian Lumley mit seiner Vampir-Saga „Necroscope“ eine der erfolgreichsten Horror-Serien der Welt. Alleine in den USA haben sich seine Bücher weit über 2 Millionen Mal verkauft. So wie Brian Lumley den Vampir darstellt, hat es noch kein Autor zuvor gewagt. Mittlerweile hat Brian Lumley mehr als 50 Bücher veröffentlicht und schreibt fleißig weiter. Er und seine Frau Barbara Ann leben in Devon, England. (Verlagsinfo)
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Dan Brown – Meteor. Gekürzte Romanfassung (Lesung)

Konkurrenz für James Bond und Michael Crichton

Ein neuer NASA-Satellit hat unter dem Eis der Arktis ein großes Objekt entdeckt. Rachel Sexton und andere Zivilisten werden auf Bitten des US-Präsidenten eingeflogen, um die Echtheit des Fundes zu bestätigen. Sie finden heraus, dass es sich bei dem großen Felsbrocken a) um einen Meteoriten handelt und b) dass darin außerirdische Lebensformen als Fossilien eingeschlossen wurden. Die Begeisterung der Wissenschaftler ist ebenso so groß wie bei den NASA-Mitarbeitern. Der Präsident wird mit dieser Sensation sowohl die NASA retten als auch seinen Wahlkampf gewinnen.

Doch als der riesige Felsen gehoben ist und die Sektkorken knallen, macht einer der Wissnschaftler in dem nun offenen Schacht im Gletscher eine sehr beunruhigende Entdeckung. Doch keine Sorge, Mister President – der Mann befindet sich bereits im Visier einer gut bewaffneten Truppe, die dafür sorgt, dass es keine unliebsamen Überraschungen gibt.
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Dan Brown – Sakrileg – Director’s Cut (Inszenierte Lesung)

Mystery-Bestseller in Special Extended Version

Der Museumsdirektor des Louvre wird in der weltberühmten Galerie kaltblütig erschossen. Er stellt sich als Oberhaupt eines uralten Geheimbundes heraus, denn mit seinem letzten Atem hat er eine Geheimbotschaft geschrieben: den Da-Vinci-Code. Zur selben Zeit setzt eine Gesellschaft des Vatikans alles daran, die größte Macht in der Christenheit zu erlangen. Ein Wettlauf gegen die Zeit und eine rasante Schnitzeljagd durch die Symbolkunde des Abendlandes beginnt.

Die Verfilmung mit Tom Hanks und Jean Reno soll im Mai in unsere Kinos kommen. Dieses Ereignis würdigt |Lübbe| neben diesem erweiterten Hörbuch auch mit zwei Begleitbüchern.

Das vorliegende Hörbuch bietet eine um 50 Prozent erweiterte Textfassung: statt mickriger 305 sind es nun stattliche 449 Minuten. Das ist wohl eher eines Bestsellers würdig.
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Leon, Donna – Drei Hörspiele: Scharade / Vendetta / Nobilta

_Professionell inszenierte Ermittlungen zu hohem Preis_

Drei Fälle gilt es für Brunetti zu lösen, drei Fälle, bei denen nichts so ist, wie es scheint: Adlige entpuppen sich als wenig edelmütige Wesen, in Mestre findet man die Leiche eines Mannes in Frauenkleidern und scheinbar sinnlose Morde an drei angesehenen Männern erschüttern Venedig. Brunetti gerät in einen Strudel aus dubiosen Geschäftsbeziehungen, Prostitution und Mord. Wie er es trotzdem schafft, einigermaßen pünktlich zum Essen zu Paola nach Hause zu kommen, bleibt ein Rätsel.

_Die Autorin_

Donna Leon, geboren 1942 in New Jersey, ging mit 23 Jahren nach Italien, um in Perugia und Siena zu studieren (wunderschöne Städte!). Sie arbeitete im Anschluss daran als Reisebegleiterin in Rom, als Werbetexterin in London und als Lehrerin in an amerikanischen Schulen in Europa und Asien. Gegenwärtig lehrt sie laut Verlagsinfo englische und amerikanische Literatur an einer Uni in der Nähe von Venedig, wo sie seit 1981 lebt. Ihre Krimis mit Commissario Brunetti sind weltweit Bestseller. Sie werden in Deutschland exklusiv vom ZDF verfilmt, u. a. mit Joachim Król in der Titelrolle („Nobiltà“).

_Die 3 Inszenierungen_

Hannelore Hoger (Erzählerin), Michael König (Brunetti), Hille Darjes (Paola Brunetti) u. a.
Hörspielbearbeitung: Daniel Grünberg
Regie: Hans Gerd Krogmann, Leonhard Koppelmann
Musik: Henrik Albrecht
Produktion: Deutschlandradio / SWR / WDR Köln 1998 und 2000

_Handlung von „Venezianische Scharade“_

Der Schlachter Bettino Cola stößt in Mestre auf die Leiche eines Mannes in Frauenkleidern. Sein Gesicht ist so zertrümmert, dass es unkenntlich ist. Die örtliche Polizei glaubt, es mit einem Transvestiten zu tun zu haben. Vice-Questore Patta bittet Brunetti, sich mangels anderen Personals um diesen Fall zu kümmern – und das kurz vor Brunettis Familienurlaub! Aber Befehl ist Befehl, und da Patta gerade die eigene Frau weggelaufen ist, lässt er nicht mit sich reden.

Brunetti fährt nach Mestre, begutachtet den Tatort und trinkt ein Glas mit Sergente Gallo, der vor Ort zuständig ist. Gallo gibt ihm eine Liste mit 30 registrierten Transvestiten, die der Prostitution nachgehen. Am nächsten Tag entpuppt sich die Leiche als recht ungewöhnlicher Transvestit: Der Täter hat dem Mann die Beine nach dessen Tod rasiert, wie sich an den Schnittwunden ablesen lässt. Das legt den Verdacht nahe, dass auch die Verkleidung nachträglich vorgenommen wurde. Brunetti lässt nach der Herkunft der teuren roten Satinschuhe Größe 41 fahnden.

Unter den Transen von Mestre besuchen Brunetti und Gallo als erstes Francesco Crespo, der beim Anblick des Leichenfotos und der Phantomzeichnung einen Panikanfall erleidet. Aus einem Nebenzimmer tritt der Anwalt Santomauro auf, der Präsident der Lega della Moralità, eines Sittenwächtervereins. Brunetti fragt sich, was ein solcher Saubermann bei einer männlichen Prostituierten zu suchen hat. Kein Wunder, dass Paola Santomauro einen „scheinheiligen Wichtigtuer“ nennt. Weil Pattas Frau Mitglied in diesem Verein ist, gibt sein Chef Brunetti freie Hand, gegen diese Saubermänner vorzugehen. Brunetti lässt die Steuerunterlagen prüfen.

Signora Mascari identifiziert den Toten als ihren Mann Leonardo, den Bankdirektor der Banca di Verona. Sie bestreitet aufs heftigste, dass er schwul gewesen sein könnte, so wie sein Kollege Santomauro schwul ist, wie Brunetti von einem Journalisten erfahren hat. Brunetti glaubt der Signora nicht. Der Dritte im Bunde ist Mascaris Nachfolger Ravanello, ebenfalls ein Homosexueller. Die Finanzen dieser feinen Herrschaften scheinen in Ordnung zu sein, doch vielleicht diente ihre Lega della Moralità der Geldwäsche? Sie agiert steuerfrei, doch von ihren angeblichen Wohltaten ist nichts zu sehen.

Als Francesco Crespo ihm anbietet, ihm Fotos von Mascari zu zeigen, fährt Brunetti mit zwei Streifenpolizisten nach Mestre. Seltsamerweise zeigt sich Crespo nicht und sie fahren über die Autobahn wieder zurück. Da passiert es. Der Anruf war nur ein Lockruf, um die Polizei in eine Falle zu locken. Ein Wagen verfolgt und rammt Brunettis Auto, der Fahrer kann nicht mehr ausreichend reagieren und landet in der Leitplanke. Der Angreifer braust davon, während sich Brunetti und der Fahrer sich von ihrem Schrecken erholen. Doch es gibt durchaus ein Opfer. Die Streifenpolizistin Maria Nardi, 23, seit sechs Monaten verheiratet, hat die Kollision nicht überlebt. Ihr Genick ist gebrochen.

Nun ist Brunetti aber wirklich sauer …

_Mein Eindruck_

Donna Leon erzählt einen beinharten Thriller, der die Machenschaften einiger Saubermänner im Banken-, Immobilien- und Homosexuellenmilieu aufs Korn nimmt. An Santomauro, den Drahtzieher, kommt Brunetti zwar schwer heran, doch er tut sein Bestes und bringt den selbsternannten Sittenwächter gehörig ins Schwitzen. Eins ist klar: Die Tage Santomauros als Präsident der Lega sind gezählt. Und den Mörder Mascaris wird Brunetti ebenfalls noch dingfest machen.

Ganz nebenbei erfahren wir noch von der florierenden Pornoindustrie Italiens, die alle Geschmacksrichtungen bedient. Dass sich die Frau eines Polizeipräfekten ausgerechnet mit einem Pornozaren einlässt, ist schon ein starkes Stück. Das findet Patta ebenfalls. Es ist ihm folglich ein Hochgenuss, den Pornozaren hochzunehmen, wegen Steuerhinterziehung. Hoffentlich kommt Pattas Frau reumütig wieder zu ihm zurück. Geschäfte haben eben immer zwei Seiten.

Die familiäre Seite Brunetti kommt ebenfalls nicht zu kurz. Paola ist zwar sauer, dass ihr Mann nicht mit ins Urlaubsdomizil in Bozen kommen kann, doch letzten Endes erweist sich dies sogar als Segen. Sie und Chiara fangen sich nämlich die Masern ein und werden rausgeworfen. Nun kann er sie umsorgen, während sie das Bett hüten. Nach einem reinigenden Gewitter ist es in Venedig auch nicht mehr so brütend heiß, sondern geradezu kühl. Und wie immer läuten die Kirchenglocken.

_Handlung von „Vendetta“_

Der Anwalt Trevisan, verheiratet mit einer Bankierstochter, fährt mit dem Zug von Padua nach Venedig, doch dort kommt er nie an, jedenfalls nicht lebend. Vice-Questore Patta überträgt Brunetti diesen heiklen Fall. Trevisan war ein Freund des Bürgermeisters – um Himmels willen bloß kein Aufsehen! Und Pattas schöne und schlaue Sekretärin Elettra Zorzi warnt Brunetti vor Trevisans Witwe; diese war Patin bei Elettras Schwester Barbara – eine „Tigerin“! Na, prost, Mahlzeit, Herr Kommissar!

Das Tatmotiv ist unklar, doch Trevisans Bruder Ubaldo Lotto glaubt dennoch an einen Raubmord. Barbara Zorzi erzählt von Signora Trevisan und deren Tochter Francesca. Diese hatte sich eine Geschlechtskrankheit eingefangen, von wem, weiß man (noch) nicht. Beim Abendessen erzählt Brunettis Tochter Chiara, sie habe Francesca Tervisan kennengelernt. Diese trauere keineswegs um ihren Vater, was doch seltsam sei. In der Tat, und Signora Trevisan trauert ebenfalls nicht. Immerhin erfährt Brunetti, dass ihr Bruder Ubaldo Lotto Trevisans Steuerberater war.

Chiara Brunetti, 14, ermittelt auf eigene Faust, dass Francesca ihre Mutter und ihren Onkel hasse und mit ihrem Lover durchbrennen wolle. Wie interessant. Aber nicht so interessant wie die zwei Selbstmorde, die sich unterdessen ereignen. Die Polizei von Padua bittet Brunetti um Amtshilfe. Dort vermutet man, dass einer der Selbstmörder, der Steuerberater Favero, etwas mit Trevisan zu tun hatte. Brunetti solle eine gewisse Bar in Mestre überwachen lasse, von der sich herausstellt, dass sie ziemlich verrufen ist. Dort bekommt ein Polizist in Zivil sehr junge Mädchen angeboten!

Brunetti trifft den Kollegen Delacorte in dieser Bar, um die Lage zu peilen. Es stellt sich heraus, dass die jungen Prostituierten zum Teil aus Brasilien kommen. Er lässt die Nutte Mara und ihren Zuhälter festnehmen und verhören. Aus Unterlagen über Trevisan erfährt er, dass ein gewisser Martucci vor zwei Jahren Teilhaber Trevisans wurde – und Signora Trevisans Liebhaber. Mafiosi aus Sizilien erpressten ihn. Brunetti zieht daraufhin seine Tochter Chiara von ihren Ermittlungen ab. Es ist einfach zu gefährlich. Am nächsten Tag findet man Ubaldo Lotto tot auf.

Als Brunetti die Nutte Mara vernimmt, erzählt sie, dass sie wie ein Leibeigene schuften musste und alles Geld ihrem Zuhälter ablieferte. Der wiederum habe einer Frau ihren Anteil ausgezahlt, die stets mit einem silberfarbenen Mercedes vorfuhr. Diese Aussage bestätigt der Zuhälter, der von der Frau Mädchen geliefert bekam, für die er Ablöse zahlte. Paola Brunetti berichtet von einem LKW-Unfall in den Alpen, bei dem acht Frauen ums Leben kamen. Was hatten sie dort zu suchen? Offenbar geht es um organisierten Frauenhandel. Aus anderen Quellen erfährt Brunetti, dass in Europa eine halbe Million Frauen gehandelt werden. Ihm wird schlecht.

Als er nach Hause kommt, findet er seine kleine Chiara völlig verstört vor und Paola zu Recht aufs Äußerste empört. Francesca Tervisan hat Chiara ein Pornovideo gegeben, auf dem eine Live-Vergewaltigung gezeigt wird. Die Frau wurde anschließend getötet. Brunetti ist erschüttert. Er geht sofort zu Francescas Mutter, der sauberen Signora Trevisan. Sie gibt alles über die Videos zu, als er sie mit Chiaras Schock konfrontiert. Ihr getöteter Mann vertrieb die Pornos, sein Teilhaber war Favero. Doch wer ist die Frau im silberfarbenen Mercedes?

_Mein Eindruck_

Die Autorin packte in ihrem Roman schon 1995 ein heißes Eisen, das erst Jahre später auch bei uns „hochkochte“: der Menschenhandel, insbesondere der mit jungen Frauen, die von ihren Ausbeutern in die Prostitution gezwungen werden. Commissario Brunetti und seine Familie werfen auch einen Blick auf die mediale Seite dieses Geschäfts: auf die Produktion illegaler und megabrutaler Pornovideos. Dass die Schuldigen bestraft werden, glückt ihm nur zum Teil. Die andere Schuldige begeht Selbstmord.

Was die Autorin verschweigt, ist, dass es fast unmöglich ist, die ausgebeuteten Frauen selbst zu einer Aussage zu bewegen, die ihre Ausbeuter belastet. Denn diese drohen ihnen damit, den Rest ihrer Familie zur Rechenschaft zu ziehen. Was Brunetti gelingt, grenzt an deshalb ein Wunder: dass die Nutte Mara „singt“ und eine „legale Hure“ namens Pia ihm Auskunft über den Frauenhandel in Europa gibt. Hier scheint sich die Autorin einige dichterische Freiheiten herauszunehmen, um ihre Quellen zu schützen.

Am Schluss wagt sie noch einen pikanten Schlenker. Die „Frau im Mercedes“ sollte nach Padua gebracht werden, erfährt Brunetti, doch sie kam dort gar nicht an. Vielmehr holten Staatsschutzbeamte sie ab, anstelle von normalen Polizisten. Und als man sie fand, hatte sie sich in einer Zelle des Staatsschutzes erhängt. Natürlich nach einem „Geständnis“, das niemanden belastete außer solchen, die eh schon tot waren.

Dieser Selbstmord ist offensichtlich getürkt, erkennt Brunetti, und zwar vom Staatsschutz. Was ist das für eine Behörde, fragt sich der an die Stasi erinnerte deutsche Hörer. Es ist ziemlich beunruhigend zu erfahren, dass auch die Italiener solch eine Behörde haben sollen.

_Handlung von „Nobiltà“_

Während sich die Familie Brunetti noch mit den Kochkünsten der Tochter Chiara anzufreunden versucht, wird auf einer Baustelle in der Nähe Venedigs ein Schädel nebst ein paar Knochen gefunden. Wie der glücklicherweise beiliegende Siegelring belegt, handelt es sich um einen Angehörigen des venezianischen Adelsgeschlechts der Lorenzoni, dessen Aktivität bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgt werden kann.

Zwei Jahre zuvor wurde Roberto Lorenzoni entführt, doch man zahlte kein Lösegeld, und so wurde er getötet, vermutlich von den Entführern. Aber ist das die ganze Wahrheit? Als Commissario Guido Brunetti das feudale Anwesen der Familie aufsucht, wird er beschossen. Maurizio Lorenzoni, der Cousin Robertos und aufstrebender Geschäftsführer des Unternehmens, hat eindeutig etwas gegen ungebetene Besucher. Robertos Verlobte, Francesca, hatte ein Verhältnis mit Maurizio, schweigt aber beharrlich. Auch die restliche Familie zeigt sich nicht sonderlich für neue Ermittlungen aufgeschlossen, und sein Chef Patta sagt Brunetti, die Recherchen könne man wohl getrost einstellen.

Doch die Laboruntersuchung der Knochen Robertos beweisen, dass der Tote an der Strahlenkrankheit litt, und wie sollte er sich die zugezogen haben? Brunetti findet im Pass des Toten, den ihm dessen Vater aushändigte, eine Reihe von Stempeln in kyrillischer Schrift. Seine Frau Paola, die Uni-Professorin, kann sie ihm übersetzen: Roberto war in Brest-Litovsk an der weißrussisch-polnischen Grenze. Er holte auf seiner letzten Reise dorthin radioaktives Material ab und zog sich wohl aus Neugier eine schwere Verstrahlung zu.

Doch wer hat ihn überhaupt auf diesen gefährlichen Auftrag geschickt? War es Maurizio – oder sein Vater, der sich sehr merkwürdig verhält? Aufklärung liefert letzten Endes nur die Contessa Lorenzoni.

_Mein Eindruck_

In „Nobiltà“ geht es in der Tat um eben diese: den Adel. Doch die Nobilität der Seele und des Mitgefühls ist dem Geschlecht der Lorenzonis schon längst abhanden gekommen. Korruption, in der Welt der Wirtschaft Italiens offenbar gang und gäbe, haben auch im Firmenimperium der Lorenzonis Einzug gehalten und ihre Opfer gefunden, darunter Roberto.

Commissario Brunetti kämpft stets gegen solche Machenschaften und verhält sich dabei nicht nur diplomatisch, sondern durchaus mit Rückgrat und Hartnäckigkeit. Götz Schubert ist die ideale Verkörperung der moralischen Integrität und menschlichen Verletzlichkeit Brunettis. Seine Frau Paola erscheint da schon weitaus zwielichtiger: Brunetti verdächtigt sie auf Veranlassung seines Schwiegervaters Conte Falier, eine Affäre an der Uni zu haben. Hans Michael Rehberg spielt den besorgten, souveränen, aber leider auch sehr autoritären Familienvater, Grafen und Unternehmer Lodovico Lorenzoni, Christoph Eichhorn den ehrgeizigen und schießwütigen Nachfolger Mauricio in der Firma.

La Serenissima, wie Venedig in Italiens Poesie genannt wird, ist in Leonhard Koppelmanns Hörspiel hervorragend in Szene gesetzt. Nicht nur die Vögel sind zu hören, sondern wir dürfen auch den Klang diverser Kirchen bewundern. Dieser siebte Brunetti-Fall von Donna Leon wartet mit einigen falschen Fährten und einer Nebenhandlung auf, die die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Sachverhalt ablenken sollen.

„Nobiltà“ ist eine gediegene deutsche Hörspielproduktion und stammt wie alle „Brunettis“ aus dem Hause WDR/SWR. Die Lösung des Falls erfolgt zügig und ohne Durchhänger, ohne jedoch die private Seite des Ermittlers zu vernachlässigen. Brunetti ist schließlich kein Philip Marlowe.

_Die 3 Inszenierungen_

|Venezianische Scharade & Vendetta|

Mit Hannelore Hoger (Erzählerin), Michael König (Brunetti) und Hille Darjes (Paola Brunetti) verfügt die Regie von Hans Gerd Krogmann über erstklassige Könner ihres Fachs. Michael König verleiht seinem Commissario eine tiefe, feste Stimme. Man kann ihn sich gut als erfahrenen Ermittler vorstellen. Francesco Crespo hat als schwuler Transvestit eine sanfte, feminine Stimme. Die Nebenrollen werden ebenfalls von achtbaren Sprechern ausgefüllt. Die Palette der zahlreichen Geräusche reicht von den Kirchenglücken über Donner und Regen bis zu Vogelstimmen und Autogeräuschen. Gegen Schluss fallen sogar zwei Schüsse.

|Nobiltà|

Uta Hallant (Erzählerin), Götz Schubert (Brunetti), Krista Posch (Paola Brunetti), Hans Michael Rehberg (Graf Lorenzoni), Christoph Eichhorn (Mauricio Lorenzoni), Ellen Schulz (Elettra Zorzi, Sekretärin des Vice-Questore Patta) stehen unter der Regie von Leonhard Koppelmann den früheren Produktionen in nichts nach.

|Musik|

Einziger Streitpunkt könnte – wie so oft – die musikalische Untermalung des Hörspiels darstellen. Zwar ist es diesmal keine Caféhausmusik, die meine Nerven strapazierte, aber auch mit Henrik Albrechts Jazztrompetern, Streichern und Tasteninstrumenten wollte ich mich nicht so recht anfreunden. Aber das ist sicherlich von Hörer zu Hörer verschieden.

_Unterm Strich_

In dieser Sammelbox erhält der Donna-Leon-Freund drei Hörspiele, die zwar vielleicht schon ziemlich bekannt sind, aber dennoch immer wieder gut und vor allem spannend unterhalten können. Mit knapp 30 Euronen ist die Box allerdings immer noch nicht preisgünstig zu nennen, denn dies ist bereits die dritte Verwertung der Hörspiele durch den Hörverlag (die ersten beiden erfolgten anno 1998-2000 und 2004). Da hätte man den Preis doch locker auf 20 Euro heruntersetzen können, oder nicht?

|280 Minuten auf 5 CDs
Aus dem US-Englischen übersetzt von Monika Elwenspoek|
http://www.hoerverlag.de

Arne Dahl- Ungeschoren (Hörbuch)

Spannender Schwedenkrimi mit Magie-Touch

Mittsommer steht bevor, der Moment, da alle Toten zum Leben erwachen, die hellste Nacht des Jahres, die Zeit der Hoffnung, Sehnsüchte und Mythen. In Stockholm werden im Juni die Leichen von vier Menschen gefunden. Unterschiedlich getötet, verbindet sie zunächst nur ein winziges Detail: Sie alle tragen eine kleine Tätowierung an der Kniekehle, die zusammen ein Wort ergeben, einen Namen, der mit der Mittsommernacht zusammenhängt. Doch der Täter hat sein Werk noch nicht vollendet. Ist er zu gerissen für die Ermittler von der A-Gruppe?

Der Autor
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