1) „Doktor Proktors Pupspulver“ (2008)
2) _“Doktor Proktors Zeitbadewanne“_ (2009)
3) „Doktor Proktor verhindert den Weltuntergang. Oder auch nicht …“ (2010)
Lehrreiche Zeitscherze: Wie „Napoleon“ die Schlacht von Waterloo verhinderte
Doktor Proktor ist ein verrückter Professor. Na ja, beinahe vielleicht – eigentlich ist er ja ein genialer Erfinder! Doch nun ist etwas mit ihm geschehen. Eines Tages erhalten seine Freunde Lise und Bulle eine Postkarte von ihm, in der er behauptet, in der Zeit gefangen zu sein. Dabei ist er eigentlich nach Paris zurückgegangen, um die Liebe seines Lebens wiederzusehen. Als die beiden Kinder nach Paris reisen, ahnen sie nicht, was auf sie zukommt: eine unglaubliche Abenteuerreise durch die Zeit! (abgewandelte Verlagsinfo)
Mit „35 Kilo Hoffnung“ begibt sich die französische Bestsellerautorin Anna Gavalda auf für sie eher ungewohntes Terrain. Kennt man sie hierzulande vor allem wegen ihrer beiden Romane „Ich habe sie geliebt“ und „Zusammen ist man weniger allein“ sowie aufgrund des Erzählbandes „Ich wünsche mir, dass irgendwo jemand auf mich wartet“, so hat sie 2004 mit „35 Kilo Hoffnung“ ein nicht minder bemerkenswertes Kinderbuch vorgelegt, das der WDR als Hörspiel produziert hat.
Zweisprachig
Beachtenswert ist dieses 51-minütige Hörspiel schon deswegen, weil es zweisprachig produziert wurde. CD 1 enthält die deutschsprachige Fassung, CD 2 die französische. So bekommt die schöne und herzliche Geschichte um den dreizehnjährigen David eine zusätzliche praktische Seite. Man wird ganz nebenbei dazu ermuntert, seine Französischkenntnisse ein wenig aufzupolieren.
Handlung
„35 Kilo Hoffnung“ dreht sich um den Schulversager David. David hasst die Schule wie nichts anderes in seinem Leben. Von Anfang an war die Schule ihm eine Gräuel. Seine Leidenschaft gilt eher dem Basteln. Schon seine Vorschullehrerin bescheinigt ihm in seinem Zeugnis: „Dieser Junge hat ein Gedächtnis wie ein Sieb, Finger wie eine Fee und ein riesengroßes Herz.“ Damit trifft sie den Nagel auf den Kopf. David bastelt mit viel Geschick und Liebe, während er in der Schule auf ganzer Linie versagt – in den Sprachen, in den Naturwissenschaften und vor allem beim Sport.
Niemand nimmt die kindliche Bastelleidenschaft von David so recht ernst, mit Ausnahme seine Großvaters Léon. Zusammen verbringen die beiden viel Zeit im Werkzeugschuppen des Großvaters – für David die schönsten Momente seines Lebens. Opa Léon versteht David. In den gemeinsamen Bastelstunden kann David seine Schulsorgen für eine Weile vergessen. Doch die Probleme lassen sich nicht immer verdrängen. Als David mit dreizehn wieder einmal von der Schule fliegt und kaum eine andere Schule Interesse daran zeigt, den Versager aufzunehmen, wird die Lage ernst.
David kann sich keine Schule vorstellen, in der er sich wohlfühlen würde, außer vielleicht das technische Internat, dessen Broschüre David in die Finger bekommt. Aber das ist viel zu weit weg. Noch bedrückender wird die Lage, als Opa Léon plötzlich schwer krank wird. Wie soll es für David nur weitergehen?
Mein Eindruck
Mit ihren bisherigen Romanen hat Anna Gavalda bereits sehr viel Gespür für ihre Figuren und deren Gefühlswelt bewiesen. Diese Feinfühligkeit wird auch beim Hören von „35 Kilo Hoffnung“ sehr greifbar. Anna Gavalda beweist erneut, dass sie ein Händchen für ihre Figuren hat und ein nicht minder ausgeprägtes Talent, Geschichten auf so menschliche Art und Weise zu erzählen, dass einem warm ums Herz wird. Wie so oft bei Anna Gavalda, geht es um einen Menschen in einer Problemsituation. Im Falle des dreizehnjährigen David drückt der Schuh in Sachen Schule, und die Art, wie Anna Gavalda dies dem Leser/Hörer vermittelt, wirkt sehr überzeugend und plastisch.
Davids Probleme mit der Schule werden sehr greifbar. Er ist nicht dumm, nur interessiert ihn das ganze Treiben in der Schule einfach nicht. In der Vorschule war er noch recht glücklich – kein Wunder bei einer Lehrerin, die sagt, dass jeder Tag, an dem man etwas mit seinen Händen erschafft, ein guter Tag ist. Für David gilt diese Philosophie schon, seit er denken kann, und so wirkt der rührende Moment, in dem David sich von seiner Vorschullehrerin verabschieden muss, wie eine Offenbarung an die erste große Liebe.
Danach geht es für David bergab. Er fügt sich nicht in die Klassengemeinschaft ein und flüchtet sich in die Rolle des Klassenclowns. Mit den Lachern auf seiner Seite, will er sich wenigstens ein Mindestmaß an Respekt verschaffen, denn wirklichen Respekt bekommt er sonst nur von Opa Léon. Die Eltern sind ratlos im Umgang mit David. Sie suchen nach Gründen für Davids Schulprobleme, gehen mit ihm von Arzt zu Arzt und versuchen ihm verzweifelt mit Druck Arbeitsmoral beizubringen – erfolglos.
Davids Gedanken in all diesem Chaos vermittelt Anna Gavalda sehr eindringlich. David wirkt wie mitten aus dem Leben gegriffen. Er hat Probleme, mit denen sich viele Kinder identifizieren können, so dass Anna Gavaldas Erzählung gerade auch für Kinder eine echte Bereicherung darstellt.
David nimmt sein Schicksal schließlich selbst in die Hand, anstatt sich weiter treiben zu lassen, und diese Entwicklung wirkt bis ins Mark glaubwürdig. Davids Geschichte ist weniger eine, die durch Problemschilderungen bedrückt, sondern mehr eine, die durch Problemlösungen Hoffnung aufkommen lässt und durch die Authentizität von Geschichte und Figurenzeichnung wird diese Hoffnung besonders greifbar.
Das Besondere an Anna Gavalda ist auch stets ihre Art zu erzählen. „Zusammen ist man weniger allein“ wird im Verlagstext beispielsweise mit „Die fabelhafte Welt der Amélie“ vergleichen. Die Poesie und Detailverliebtheit, die Anna Gavalda in ihrer Erzählweise an den Tag legt, lässt sich in der Tat mit den Darstellungsweisen von Jean-Pierre Jeunet bei „Amélie“ vergleichen. Und genau diese Poesie und Detailverliebtheit macht „35 Kilo Hoffnung“ ebenso wie die übrigen Gavalda-Erzählungen so unglaublich liebens- und lesenswert.
Anna Gavalda beschreibt die banalsten Alltäglichkeiten mit einer solchen Poesie, dass man als Leser ständig in sich hineinschmunzeln muss. Genauso ergeht es einem beim Hören von „35 Kilo Hoffnung“. Auch hier zaubert die Autorin dem Hörer ein fast permanentes Lächeln ins Gesicht. Und ich für meinen Teil muss gestehen, dass ich beim Ansehen von „Die fabelhafte Welt der Amélie“ jedes Mal genau das gleiche Lächeln im Gesicht trage.
Anna Gavalda unterstreicht die Erzählung mit einem feinen, fast zärtlichen Sinn für Humor und offenbart so ihr großes Herz für die Entwicklung ihrer Figuren. Diese gehen uns im Verlauf der Geschichte wirklich nah. Ich habe bislang kaum eine Autorin erlebt, die mir so zielsicher und ohne Kitsch und Überdramatisierungen ein paar Tränen entlocken kann. Anna Gavaldas gefühlvolle Art zu erzählen, wird auch in der Hörspielproduktion von „35 Kilo Hoffnung“ spürbar.
Das Hörspiel
Die Hörspielproduktion des WDR weiß Anna Gavaldas Erzähltalent sehr schön erlebbar zu machen. Besonders die musikalische Untermalung prägt sich ein. Sie greift wunderbar die Emotionen auf, die die Erzählung mit sich trägt, und macht sie noch greifbarer. Sie drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern unterstreicht die Geschichte dezent und mit viel Gefühl. Auch die eingebundene Geräuschkulisse bleibt bei dezenter Untermalung, ohne zu viel Raum einzunehmen. So verbleibt der Erzählung viel Raum, sich zu entfalten und auf den Hörer zu wirken. Auch die Sprecherleistungen bieten keine Gelegenheit zur Kritik. Die Stimmen passen wunderbar zu den Figuren. Das gesamte Hörspiel erscheint ähnlich gefühlvoll inszeniert, wie die Geschichte geschrieben ist.
Was mich etwas verwundert, ist die Tatsache, dass es sich bei diesem zweisprachigen Hörspiel nicht um eine deutsch-französische Koproduktion handelt. Auch der französische Teil wurde vom WDR produziert und in exakt gleicher Weise inszeniert wie die deutschsprachige Variante. Dialoge, Musik, Geräuschkulisse – alles ist komplett analog zur deutschen Fassung, abgesehen davon, dass aus David plötzlich Grégoire wird. Das hat den Vorteil, dass sich das Hörspiel beim mehrmaligen Hören recht gut zum Aufpolieren eingerosteter Französischkenntnisse eignet. Selbst wer nicht bzw. nicht mehr viel Französisch spricht, verliert den roten Faden nicht, wenn er zuvor die deutsche Fassung gehört hat. Der französische Teil wurde mit Muttersprachlern aufgenommen und auch hier passen die Stimmen der Sprecher sehr gut zu ihren Rollen.
Unterm Strich
Bleibt alles in allem ein sehr guter Eindruck zurück. Mit „35 Kilo Hoffnung“ beweist Anna Gavalda auf eindrucksvolle Art, dass ihre feinfühlige und herzliche Erzählweise auch wunderbar für Kindergeschichten funktioniert – Kindergeschichten wohlgemerkt, die auch Erwachsenen ebenso viel Freude bereiten können. Mit der gleichnamigen WDR-Produktion legt der Audioverlag eine Hörspielvariante vor, die die Geschichte sehr schön vermittelt und in der Anna Gavaldas zu Herzen gehende Art zu erzählen ihre Entsprechung findet. Einen besonderen Reiz hat dabei sicherlich auch die zweisprachige Produktion, bietet sie doch genau den verlockenden Anreiz, den ich gebraucht habe, um endlich den jahrelang halbherzig gepflegten Vorsatz, meine völlig eingerosteten Französischkenntnisse wieder ein wenig auf Vordermann zu bringen, in die Tat umzusetzen. Merci beaucoup!
Die Autorin
Traurig, heiter, melancholisch, leicht: Die Titel von Anna Gavaldas Büchern klingen eher schlicht. „Ich wünsche mir, dass irgendwo jemand auf mich wartet“, hieß z. B. ihr erster Erzählband aus dem Jahre 1999, der sofort ein großer Erfolg wurde. Bis sie sich hauptberuflich dem Schreiben widmete, studierte sie Literaturwissenschaften an der Pariser Sorbonne, arbeitete in diversen Jobs – sie schrieb z. B. fiktive Heiratsanzeigen – und unterrichtete Französisch. Anna Gavalda wurde 1970 in Boulogne-Billancourt bei Paris geboren und lebt heute mit ihren Kindern im Department Seine-et-Marne. Ihr 2005 erschienener Bestsellerroman „Zusammen ist man weniger allein“ wurde – mit Audrey Tautou in der Hauptrolle – verfilmt. (Verlagsinfo)
2 CDs: CD1: Deutsch / CD2: Französisch
Als Audio-Ausgabe derzeit nicht erhältlich! (Stand: Juni 2016)
Als Buch erschienen bei Ars Edition und unter anderem bei Amazon.de zu bekommen. ISBN-13: 978-3898134262
Im März 2003 begann die „erste erotische Hörspielserie für Frauen“ und mittlerweile sind es schon über ein halbes Dutzend Abenteuer in Amors Gefilden, in denen sich die vier Hauptfiguren Moni, Cora, Annica und Sylvia mit meist, aber nicht immer männlichen Partnern verlustieren dürfen. Die erste Erotikbox in pinkfarbenem Plastikherz kostete immerhin 24,90 Euro. Aber da waren auch Badekerzen mit Lavendeldurft drin. Nun vertreibt |Lübbe| die CDs des Kölner Herstellers „Sounds of Seduction“ exklusiv: für knapp 27 Euro pro Dreifach-CD.
Auf der ersten CD ist die Episode „Fesselnde Leidenschaft“ zu finden. Hier geht es um Bondage, handfesten Sex, aber auch um Eifersucht zwischen Freundinenn. Die zweite CD enthält das Abenteuer „Slow Motion“, das der ersten Episode sonderbarerweise zeitlich vorausgeht. Das Quartett erkundet in Indien die Liebeskunst, aber Moni gerät auf einer Strandparty in höchste Gefahr.
Die dritte Silberscheibe ist „eine Ratgeber-CD, die in Zusammenarbeit mit Christine Janson, der Autorin und bekannten Expertin in Fragen weiblicher Sexualität, zusammengestellt“ wurde. „Diese CD enthält praktische Tipps und Anregungen zu den Abenteuern unserer vier Freundinnen und ist ab jetzt Bestandteil jeder Box. Was sollte man bei einer Tantra-Massage unbedingt beachten?“ Danach wollen Mann und Frau das sicher gleich selbst ausprobieren. Christine Janson – Just4Women: Erotikbox 2 weiterlesen →
Der Kriminalkommissar berichtet in seiner Hörbuchserie „Phänomen Serienmörder“ authentische Kriminalfälle aus der deutschen Kriminalgeschichte. In der Folge „Der Mittagsmörder“ berichtet er über einen Raubmörder, der meist zu Mittag in Banken, Sparkassen, Geschäften und Wohnungen zuschlug. Fünf Jahre lang blieb er unentdeckt – „High Noon“ im Nürnberger Land.
_Der Autor_
Stephan Harbort ist nach Verlagsangaben der bekannteste Serienmörder-Experte Deutschlands. Er wurde 1964 in Düsseldorf geboren, wo er heute mit seiner Familie lebt. Der Kriminalkommissar und Verwaltungswirt ist stellvertretender Leiter eines Kriminalkommissariats beim Polizeipräsidium Düsseldorf. Über sein Spezialgebiet hinaus entwickelte er international angewandte Fahndungsmethoden zur Überführung von Serienmördern. Er ist Fachberater bei diversen Fernsehsendern, war außerdem beratend bei den Kinofilmen „Hannibal“ und „Roter Drache“ tätig. Er trat bei Günther Jauch, Frank Elstner und Johannes B. Kerner auf. Er hat mehrere Bücher veröffentlicht.
Von 1997 bis 2007 führte Harbort Interviews mit 48 verurteilten Serienmördern in Justizvollzugsanstalten und psychiatrischen Krankenhäusern. Er sprach zudem mit überlebenden Opfern und Personen aus dem sozialen Umfeld von Tätern und Opfern. Kriminalistische und kriminalpsychologische Analysen ergänzen diese Gespräche. Darauf basieren seine Erkenntnisse, die er in der Hörbuchserie „Phänomen Serienmörder“ verarbeitet und präsentiert. Sein Ziel: mit verbreiteten Vorurteilen und falschen, von den Medien geschürten Vorstellungen aufräumen; zu einem menschenwürdigen Umgang mit Serientätern jenseits des schlichten „Wegsperrens“ anregen.
Die Serie umfasst folgende Titel:
– [Blaubeer-Mariechen 3946
– Der Mittagsmörder
– Private Geheimsache
– Das Phantom
_Die Sprecher_
Barbara Stoll ist Schauspielerin und Sprecherin zahlreicher Hörbücher sowie durch das Fernsehen bekannt als Präsentationsstimme bei |Arte|, |n-tv| und anderen.
Heiner Heusinger ist Schauspieler und Sprecher zahlreicher Hörbücher.
_Handlung_
Es ist der 22. April 1960, als um 22:30 Uhr in Ochsenbruck das Haus der Vermieterin Mechtild Ruhland von Nürnberger Polizei und Schaulustigen umlagert ist. Die 58-Jährige zittert, weil sie dem Mörder begegnete. Er rief: „Geld oder Leben!“ Sie rief um Hilfe, bis Herr Heinrich, der Verlobte ihrer Untermieterin Egerer, herbeieilte. Schüsse fielen, Blut floss, jetzt liegen zwei Leichen im Haus von Mechtild Ruhland. Nur eine Ladehemmung und das Erscheinen einer Putzfrau verhinderten Schlimmeres. Der Killer floh. Nun beschreibt sie ihn als etwa 25 Jahre alt, aber leider unauffällig, doch ihre Beschreibung erscheint den Polizisten als ungewöhnlich präzise. Dennoch gelingt es dem Täter, der sofort eingeleiteten Fahndung zu entschlüpfen.
Die nachfolgenden Ermittlungen erbringen keine greifbaren Ergebnisse. Der unter Verdacht geratene Ausfahrer einer Spedition hat ein wasserdichtes Alibi: Er war gerade bei der Zollkontrolle. Ein anonymer Hinweis setzt die Polizisten auf die Spur von Ludwig Wallasch, bewaffnet und vorbestraft. Doch der schließlich Festgenommene wird von Mechtild Ruhland nicht als der Täter identifiziert. Zwei Jahre Fahndung vergehen …
Am 10. September 1962 erschießt ein Bankräuber den Filialleiter der Sparkasse Walter Borchert wegen 3060 Mark! Mehrere Parallelen stellen eine Verbindung zu den Morden in Ochsenbruck her. Nur wenige Wochen später, am 30. September, überfällt derselbe Räuber die Sparkasse von Neuhaus an der Pegnitz, ebenfalls in der Region Nürnberg. Er erschießt den Kunden Walter Brümmer, 62, weil dieser in seine Brusttasche greift und gar nicht registriert hat, dass überhaupt ein Überfall im Gange ist. Der „Spiegel“ tauft den Räuber auf den Spitznamen „Mittagsmörder“, weil er stets zur Mittagszeit zuschlägt.
Als am 27. März 1963 der Waffenladenbesitzer Hartmut Morgentaler auf dem Polizeirevier eine Aussage zum Mittagsmörder ankündigt, hoffen die Beamten auf den Silberstreif am Horizont. Doch zu früh gefreut. Zwei Tage später finden sie Morgentaler und seine Mutter hingerichtet vor. Die Ballistiker staunen jedoch: Sie finden Spuren der zwei Tatwaffen aus Neuhaus und Ochsenbruck. Allerdings verlaufen auch diese Spuren im Sande.
Bis den Beamten Kommissar Zufall zu Hilfe kommt. Am Nachmittag des 1. Juni 1965 überfällt ein junger Mann mitten im Kaufhaus C&A in Nürnberg-Mitte einen Kunden, um ihm die Aktentasche zu entreißen. Doch dieser gibt nicht klein bei, sondern wehrt sich und lässt den Dieb verfolgen. Schüsse fallen, ein Toter, es gibt Verletzte. Polizisten verfolgen den Räuber auf offener Straße, schnappen ihn, als er wegen Ladehemmung nicht mehr schießen kann.
In der Wohnung finden sie eine Tatwaffe des siebenfachen Mörders, doch welche Beweise haben sie, dass er alle sieben Morde begangen hat? Keine! Die Verhöre müssen den Mann zermürben …
_Der sachliche Teil_
Dieser szenisch gestaltete Teil des Hörbuch ist lediglich der mittlere Teil. Vorgeschaltet ist der standardmäßige einleitende Teil, der an das „Phänomen Serienmörder“ heranführt. Diesmal bietet das Hörbuch aber gleich danach ein ausführliches Interview mit Stephan Harbort (Bio s. o.), der nach den Angaben im Booklet offenbar selbst antwortet.
Harbort will seine Fallbeispiele als Diskussionsgrundlagen verstanden wissen und dem Thema Publizität verschaffen. Auch dass er den Finger in die Wunde legen will, wie die Öffentlichkeit mit Serientätern umgeht – der Medienhype, die Paranoia – geht völlig in Ordnung. Sicher wecken seine Ausführungen und Fallbeispiele auch das Interesse anderer Kriminalpsychologen und von Psychiatern. Abschließend beschreibt Harbort anschaulich seine Arbeit, ihre Auswirkungen auf sich und seine Familie sowie seine Arbeitsweise. Die Arbeit umfasst auch den direkten Kontakt mit den Tätern, wie oben gesagt, und das war auch bei Hans Martin Gruber der Fall, als Gruber Harbort am 2.9.1998 anschrieb.
Nach dem Fallbeispiel, das ich oben skizziert habe, folgt die Fallanalyse. Schon während der Falldarstellung ist der Täter mit tiefer Stimme zu Wort gekommen. Er schildert einen Tathergang, begründet seine Tat, alles in einem ruhigen eiskalten Tonfall. Der Kriminalpsychologe charakterisiert Gruber als einen Menschen, dem jedes Mitgefühl für seine Mitmenschen fehle: null Empathie. Seine einzige Leidenschaft gilt Waffen, Tötungswerkzeugen, denn sie dienen dazu, auf einfache Weise Macht auszuüben, seinem Geltungsbedürfnis nachzukommen – und natürlich Geld zu beschaffen.
Am 27. Juli 1967 verurteilt das Gericht Gruber zu lebenslangem Zuchthaus. Obwohl beim Angeklagten eine Hirnanomalie festgestellt wurde, die auf einen Hirnhautentzündung im Alter von drei Jahren zurückzuführen ist, betrachtet man ihn als voll schuldfähig und als intelligent. Das Einzige, was ihm fehlt, sind Gefühle für seine Mitmenschen und Kontrolle über seine Aggressivität. Gruber wird abschließend als Beispiel für „dissoziales Verhalten“ hingestellt. Er begehrt gegen soziale Normen auf, wie man es häufig bei Einzelgängern findet, aber auch als Ergebnis von Gruppendynamik (Sekten, Charles Manson etc.). In den Worten des Täters: „Ein Hund, der alle Fremden beißt.“
_Mein Eindruck_
Der Autor präsentiert sich auf diesem Teil seiner vierteiligen Hörbuchserie selbst. Nicht, um sich zu loben, sondern um sich und seine Arbeit zu erklären. Er will sich und seine Arbeit von den falschen Bildern abtrennen, die durch Filme wie „Hannibal“ und „Roter Drache“ erzeugt und verbreitet worden sind. Das sagt er so natürlich nicht. Aber die entsprechende Absicht ist deutlich. Und man kann sie dem Autor auch als glaubwürdig abnehmen.
Die Schilderung des Falles ist ebenso wenig auf Unterhaltung ausgerichtet. Deshalb wird der Fall des Mittagsmörders auch haarklein geschildert, ohne auf die bekannten Tricks der Krimischriftsteller zurückzugreifen. Klar, dass der Name des Täters ebenso wenig wie seine Identität verraten wird. Aber das ist schon der einzige Spannungsbogen, den die Fallschilderung errichtet. Sämtliche Zutaten für einen spannenden Krimi sind vorhanden, so etwa die verhinderte Aussage des Waffenladenbesitzers.
Gut gefallen hat mir hingegen die minutiöse Darstellung des 1. Juni 1965, als der Mittagsmörder der Polizei endlich ins Netz geht. Die Polizisten ahnen noch nichts von ihrem Glück. Erst als sie zwei Tatwaffen identifizieren können, beginnen sie zu ahnen, dass sie auf eine Goldader gestoßen sind. Es ist der Mann, nach dem sie fast sechs Jahre lang gefahndet haben.
Wie bei allen Serientätern folgt im Anschluss, innerhalb der Analyse der Psychologie des Täters, eine Darstellung seiner Biografie. Das geschieht wohl in der Hoffnung, Aufschluss über Motive und Werdegang eines Killers zu erhalten. In aller Regel erfüllt sich diese Hoffnung, denn natürlich haben die Täter irgendwelche einschneidenden Erfahrungen gehabt, die sie prägten und in die später so unheilvolle Richtung drängten. Sie entwickelten Gewalt- und Machtphantasien und versuchten, ihr Geltungsbedürfnis zu stillen. Der Mittagsmörder plante die Entführung von Elke Sommer, die damals ein sexy Filmstar war.
Im Falle des Mittagsmörders waren eine körperliche Deformation und ein nervöser Tick Anlass für seine menschliche Umgebung, ihn zu hänseln und auszugrenzen. Da dies seine soziale Integration verhinderte und auch Frauen sich nicht für ihn interessierten, erfolgte die zunehmende Gefühlsarmut durch Vereinsamung, bis das oben genannte „dissoziale Verhalten“ sich herausbildete, das Menschen lediglich als Objekte und Mittel zum Zweck wahrnahm. Der Rest ist bekannt.
Was uns dies alles sagen will, fasst das Fazit zusammen. Es verallgemeinert die Erkenntnisse aus dem konkreten Fallbeispiel auf alle sich a- und antisozial verhaltenden Menschen. Ob diese Verallgemeinerung wissenschaftlich zulässig ist, vermag ich aus Mangel an Fachkenntnissen nicht zu sagen, aber ich habe meine Vorbehalte dagegen.
|Die Sprecher|
Nach einer Einleitung durch Barbara Stoll folgt das Interview mit Stephan Harbort. Danach schildert die männliche Stimme von Heiner Heusinger den Fall des Hans Martin Gruber. Auch die anschließende Analyse wird von ihm gesprochen, so dass der Eindruck eines fließenden Übergangs von Fall zu Analyse zu Fazit entsteht. Das ist vielleicht nicht so glücklich gestaltet, denn dem Zuhörer wird dadurch nicht deutlich gemacht, wo das eine aufhört und das andere beginnt, ob es sich um verschiedene Themenbereiche und Textabschnitte handelt.
Es gibt weder Geräusche noch Musik. Das Hörbuch ist vollständig auf Sachlichkeit ausgerichtet. Unterhaltung gehört nicht zu den Zielen der inhaltlichen Präsentation.
_Unterm Strich_
Wie die ganze Serie über „Phänomen Serienmörder“ ist auch diese Folge nur von begrenztem Unterhaltungswert, aber von hohem Informationsgehalt. Daher eignet sie sich am besten für Leute, die bereits über einschlägiges Fachwissen verfügen und sich nun über belegbare Fallbeispiele informieren wollen, sozusagen aus erster Hand. Diese Zielgruppe dürfte das bekommen, was sie erwartet. Alle anderen, die sich Fälle à la Hannibal Lecter oder Jeffrey Dahmer erhoffen, werden in die Röhre gucken. Aus den genannten Gründen wird es auch nicht verwundern, wenn alle Zutaten eines Hörspiels wie Geräusche und Musik weggelassen wurden.
|74 Minuten auf 1 CD|
http://www.mediaphon.de/
http://www.pablosmedia.de/
Das Schloss gilt als verflucht. Schreckliche Dinge haben sich einst in dem alten Gemäuer abgespielt. Selbst heute noch warnen Eltern ihre Kinder davor, in der Nähe des verlassenen Gemäuers zu spielen.
Besser hätte es der findige Geschäftsmann Larry Landon kaum antreffen können. Er wandelt das Schloss in eines seiner „Horror-Hotels“ um: Aufwändige Kulissen, klassische Hollywood-Monster aus Wachs, Sound-Effekte, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen und jede Menge schockierender Überraschungen erwarten den zahlenden Gast.
Doch Larry ahnt nicht, dass der Schrecken in seinem Hotel größer sein wird, als er geplant hat. Viel größer … (Verlagsinfo)
Die Sprecher & die Inszenierung
Nana Spier spricht: Claire Carpenter
Andreas Fröhlich: Bruce Barrymore
Franziska Pigulla: Sophie Patin
Lutz Mackensy: Eric
Udo Schenk: Larry Landon
Und sieben weitere Sprecher.
Die Gespensterkrimi-Hörbücher produzierten Alex Stelkens von |WortArt| und Marc Siper von |Lübbe Audio| sowie Pe Simon. Regie führt stets Oliver Döhring, der auch für die John-Sinclair-Hörspiele verantwortlich zeichnet.
Handlung
Claire Carpenter, eine gefürchtete US-Journalistin, und ihr Fotoreporter Bruce Barrymore sind nach Frankreich gekommen, um dort das neueste Horror-Hotel des amerikanischen Millionenerben Larry Landon in Augenschein zu nehmen. Das Hotel liegt auf einer Insel in einem See und ist nur per Fähre zu erreichen. Kurz bevor die beiden zur Anlegestelle gelangen, meint Claire, im Scheinwerferlicht zwei Mädchen am Straßenrand zu sehen, doch es muss wohl Einbildung gewesen sein, denn die Suche verläuft ergebnislos.
Im Hotel begrüßt Eric die beiden Gäste. Er stellt sich als Landons Assistent vor und entschuldigt sich für die andauernden Bauarbeiten, denn das Hotel soll erst in zwei Tagen eröffnet werden. Eine weitere Journalistin trifft ein: Sophie Patin (oder Petain), eine „Lokalreporterin“ aus Paris. Bruce ist Feuer und Flamme für die „Monsters‘ Hall of Fame“, die das Hotel beherbergen soll, ein Wachsfigurenkabinett der berühmtesten Horrorgestalten aller Zeiten. Als Zimmer bekommt er die „Dschungel-Suite“ zugeteilt, und Claire kommt in „Die Gruft“. Im Lift ertönt ein markerschütternder Schrei – passend aus Minilautsprechern ausgestoßen.
Doch allein schon wegen des heraufgezogenen Gewitters kann Claire nicht schlafen – nicht nur wegen der Schreie, des Stöhnens und Wimmerns. Sie beginnt, durch die nächtlichen Flure zu wandern und steigt in den Keller hinab. Schließlich sind dort immer die besten Geheimnisse zu entdecken. So auch diesmal. Sie hört, wie zwei Männer etwas Schweres schleppen. Doch auf einmal ruft Leroy, einer der beiden, etwas zu einer Frau, die Claire nicht sehen kann. Leroys Boss Eric befiehlt ihm, etwas gegen die ungebetene Besucherin zu unternehmen. Leider gehen seine Pistolenkugeln mitten durch sie hindurch! Sekunden später reißt ihm das Gespenst das Herz aus dem Leib …
Sophie ist inzwischen an Claires Seite aufgetaucht. Rasch entfernen sich die beiden aus der Gefahrenzone. Dabei zerreißt Claires Kleid und sie verliert einen Ärmel. Eric ist nicht dumm, findet den Ärmel, erschnuppert Claires Parfüm („Silk“) und zieht den einzigen vernünftigen Schluss: Claire hat Leroy umgebracht. Aus welchem Grund, ist natürlich eine ganz andere Frage.
Nun hebt eine fröhliche Verfolgungsjagd durch ein von einem blutrünstigen Gespenst bewohntes Schloss an, das ein ebenso gruseliges wie blutiges Geheimnis birgt.
Mein Eindruck
Alte französische Schlösser und ihre blutige Vergangenheit – der ideale Stoff für eine Horrorstory. Diese Vergangenheit reicht diesmal zurück ins Jahr 1745, und der entscheidende Tag des Unheils jährt sich wieder einmal. Die zwei Mädchen, die Claire gesehen hat, gab es damals wirklich, und sie wurden Opfer eine grausigen Tat.
Hexen brennen
Dass Sophie Patin hier ist, hat natürlich auch etwas mit den schicksalhaften Vorgängen jener Zeit zu tun. Es war ihre Vorfahrin, die damals als Hexe hingerichtet wurde. Nun endlich sieht sie sich in der Lage, das Verlies zu suchen, in dem jene beiden Grafentöchter zu Tode kamen. Doch durch wen? War ihre Ahnin doch nicht unschuldig? Diese Backstory ist ziemlich verwickelt. Ich habe sie beim ersten Hören nicht verstanden. Beim zweiten Hören setzen sich die Puzzleteile aber zusammen. Sophie ist hier, um einen Fluch, der auf ihrer Familie lastet, aufzuheben.
Ganoven
Larry Landon und Eric ist diese unheimlich Vergangenheit natürlich völlig schnuppe. Sie sorgen sich vielmehr um ihre unmittelbare Zukunft, die sehr viel mit Kunsthehlerei und anderem zu tun hat. Dass sich die beiden nicht vertragen, verwundert nicht besonders, denn in Sachen krimineller Energie kann Larry seinem „Partner“ nicht das Wasser reichen.
Groteske
Der Superfotograf Bruce Barrymore (wunderbar überdreht und naiv: Andreas Fröhlich) hingegen ist ganz den irdischen Freuden zugetan. Er schläft wie ein Stein, und als man ihn weckt, erwartet er, dass die Show beginnt! In der Tat: Die Show beginnt damit, dass ihm Eric einen Revolver unter die Nase hält und ihn nach Claires Verbleib fragt.
Aber auf einen Besuch im Wachsfigurenkabinett „Monsters‘ Hall of Fame“ muss er trotzdem nicht verzichten. Schade, dass dort eine Leiche die gestellten Szenen um Dracula und Frankenstein verunziert. Und auf deren achtlos herumliegendem Herzen rutscht natürlich prompt jemand aus, als wäre es eine Bananenschale. Bruce sorgt für Slapstick und Comedy makaberster Tonart.
Die Inszenierung
Die zentralen Sprecher hängen sich bei der Darbietung der Handlungen ihrer jeweiligen Figuren voll rein. Das gilt zumindest für Claire und Bruce, gesprochen von Andreas Fröhlich und Nana Spier. Franziska Pigulla als Sophie hält sich ziemlich zurück – schließlich hat Sophie quasi einen Geheimauftrag und will nicht gleich alles verraten. Die Schurken im Schloss sind jedoch allesamt entbehrlich – und führen sich dementsprechend albern und grotesk auf.
Sounds
Die Geräusche sind stilecht: Schreie, Stöhnen, Wimmern, Türenschlagen. Fehlen eigentlich nur das Schlagen einer Großvateruhr und das Klirren von Ketten. Doch die Standuhr ist mittlerweile durch das Piepsen einer Digitaluhr ersetzt worden, und das Kettenklirren wurde komplett abgeschafft. Immerhin darf noch der obligate Donner grollen.
Die Musik
Die Musik unterstützt dieses Geschehen derart subtil, dass ich sie fast nicht bemerkt habe. Und das ist das Beste, das man über Hintergrundmusik sagen kann. Denn dann ist sie so in den Klangteppich eines Hörspiels verwoben, dass man sie nicht bewusst wahrnimmt, aber ihrer Wirkung dennoch unterworfen ist. Ihre Aufgabe ist es, die Emotionen des Hörers zu steuern: Spannung und Entspannung, Ruhe oder Action usw. Diesmal stammt sie von zwei Komponisten: Christian Hagitte und Simon Bertling.
Unterm Strich
„Im Verlies der blutigen Träume“ – ein reißerischer Titel, der nur zur Hälfte zutrifft – lässt einen Jahrhunderte alten Fluch auf die Moderne treffen. Dass dies in einem so genannten „Horror-Hotel“ stattfindet, gibt Gelegenheit zu zahlreichen makaber-ironischen Effekten in der Mitte der Handlung. Dass es um die Aufhebung dieses Fluches geht, erschließt sich erst aus der verwickelt enthüllten Hintergrundstory, die uns Sophie präsentiert. Das muss man sich wahrscheinlich mehrmals anhören, um es richtig zu kapieren.
Zwei Schwestern
An mehreren Stellen habe ich mich über das allzu vertraute Zusammenspiel der Figuren Claire und Sophie gewundert. Und in der Pointe wird auch klar, was die beiden zueinander treibt. Sie wollen mehr als flüchtige Bekannte sein. Viel mehr … Sie stellen eine erlöste Variante der ermordeten Grafentöchter dar, in einem späten Echo. Auch in dieser Hinsicht handelt es sich also um eine Erzählung aus der emanzipierten Gegenwart. Sisters are doing it for themselves.
Super-LiteraturAgentin Thursday Next jagt den Erzschurken Acheron Hades, der droht, viel geliebte Gestalten der Weltliteratur aus dem Gedächtnis der Menschheit zu tilgen. Er visiert Charlotte Brontës berühmtesten Roman an. Nur Thursday kann Jane Eyre retten – und verändert deren Leben entscheidend … Eine rasante, witzige, intelligente Mischung aus Science-Fiction, Krimi, Abenteuer. Ein Spiel mit der Literatur, ein fabelhaftes Hirngespinst. (Verlagsinfo)
Im März 2003 begann die „erste erotische Hörspielserie für Frauen“ und mittlerweile sind es schon über ein halbes Dutzend Abenteuer in Amors Gefilden, in denen sich die vier Hauptfiguren Moni, Cora, Annica und Sylvia mit meist, aber nicht immer männlichen Partnern verlustieren dürfen. Die erste Erotikbox in pinkfarbenem Plastikherz kostete immerhin 24,90 Euro. Aber da waren auch Badekerzen mit Lavendeldurft drin.
Nun vertreibt Lübbe die CDs des Kölner Herstellers „Sounds of Seduction“ exklusiv. Das erste Abenteuer auf den drei CDs ist aber nicht wie ursprünglich „Frauenabend“, sondern „Sexperimente“. |Dabei geht es um Monis und Coras aufregende Erlebnisse in einem außergewöhnlichen Erotikclub. Moni und Michael geben sich – zugegebenermaßen nach einigen Startproblemen – einer heißen Nacht mit einem anderen Pärchen hin. Vor allem Moni kommt dabei voll und ganz auf ihre Kosten, und für sie steht nach diesem Ausflug fest: das war nicht der letzte Ausflug in ein Etablissement dieser Art… Aber Vorsicht, Moni, Suchtgefahr …| (Verlagsinfo) Christine Janson / Dana Geissler – Just4Women: Erotikbox 1 (Audio) weiterlesen →
Patricia Anne und Mary Alice sind zwei ältere Schwestern, die sich durch Streit gegenseitig bei wachem Verstand halten. Den brauchen sie auch, um eine Serie von Verbrechen in ihrer Heimatstadt Birmingham in Alabama aufzuklären. Die Kunsthändlerin und Galeristin Mercy Armistead wird vergiftet, ihre Assistentin mit einem Messer attackiert, und schließlich wird ein Kunstkritiker in seinem Auto von einer Kugel getroffen. Wer und was steckt dahinter?
Encanto erzählt di Geschichte einer besonderen Großfamilie. Die Madrigals leben in ihrem kleinen Häuschen, der Casita, an einem abgelegen Ort in den Bergen Kolumbiens. Durch eine magische Kerze haben alle Mitglieder der Familie übernatürliche Gaben erhalten. Naja, fast alle Familienmitglieder – nur Mirabel ist bei der Zeremonie leer ausgegangen. Während ihre Verwandten mit Gefühlen das Wetter verändern können, mit Speisen Wunden heilen können, in die Zukunft blicken können, mit Tieren kommunizieren können oder Superkräfte und Superohren hat, fühlt Mirabel sich nutzlos.
Eine Frau verschwindet nach einem Erdbeben plötzlich spurlos. Was ist mit ihr geschehen? Die drei ??? begeben sich auf eine gefährliche Suche. Die junge Schneiderin Maya erscheint nicht zur Arbeit am Camelot Theatre. Justus, Peter und Bob haben den Verdacht, dass das Rätsel, das die Theaterleitung veranstaltet, etwas damit zu tun hat. Denn ein hohes Preisgeld ist zu gewinnen. Ist des Rätsels Lösung auch die Spur zu Maya? Die drei Detektive ermitteln, während erneut die Erde bebt … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Wir hatten schon einen Mottenmann, einen Eisenmann, einen ohne Augen und sogar einen ohne Kopf. Gehts diesmal um ein wandelndes Skelett?
Erst mal gehts um ein Rätsel, dessen Lösung den Jungs satte 10.000 Dollar Preisgeld einbringen könnte. Und weils kein Honorar für einen aufgeklärten Fall ist, würden sie das sicher nicht ablehnen.
Einer der exklusivsten Klubs der Welt hat nur vier Mitglieder. Tag und Nacht studieren der Anführer, der sich „Oliver Stone“ nennt, und seine Freunde Verschwörungstheorien und die Skandale in Washington, D.C. Doch dann werden die selbst ernannten Wächter Zeugen eines Mordes, dessen Folgen die Sicherheit der Nation und der ganzen Welt bedrohen. Und die Einzigen, die der Apokalypse noch im Weg stehen, sind eine junge FBI-Agentin, ein altgedienter Secret-Service-Mann und vier vergessene Helden … (Verlagsinfo)
Deadline Karfreitag: der Killer mit dem Rosenkranz-Programm
Die Bevölkerung von Philadelphia wird mit einer Verbrechensserie konfrontiert, die sie in den Grundfesten erschüttert: Ein durchgeknallter, aber planvoll arbeitender Mörder hat es auf ihre Töchter abgesehen. Und nur auf ihre katholischen Mädchen. Bei seiner Mordserie lehnt er sich an die Passion Christi an: von der Verurteilung über die Geißelung bis zur Kreuzesaufnahme und finalen Kreuzigung. Für die beiden Beamten der Mordkommission Kevin Byrne und Jessica Balzano beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn das Osterfest steht kurz bevor. Für den Karfreitag hat sich der Killer die Krönung seiner Hinrichtungen vorbehalten. Doch er begeht einen folgenschweren Fehler …
Inhalt: 50 Jahre ist es her, dass der angehende Schriftsteller Elmore Kendrick von Dämonen heimgesucht wurde. Schloss er in seiner ersten Nacht in der „Villa Wahnsinn“ tatsächlich einen Pakt mit dem Bösen … oder sind die Ausgeburten der Hölle, die die Villa heimsuchen, lediglich das Ergebnis von Kendricks überbordender schriftstellerischer Fantasie …? (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
In diesem Jahr feiern die Fans des beliebtesten Geisterjägers der Welt das 50-jährige Jubiläum des Sohns des Lichts. Nicht nur Perry Rhodan hält lange durch, auch der Nachschub an Horror-begeisterten Deutschen scheint ungebrochen zu sein … und die Nachfrage nach Gruselunterhaltung.
Die Sammleredition bietet die Hörspiele zu vier von Arthur Conan Doyles besten Fällen, die der Meisterdetektiv Sherlock Holmes zu lösen hatte. Darunter dürfte so mancher Fall sein, den man schon kennt, allerdings wurde meines Wissens keine der vier Geschichten bislang verfilmt.
Empfohlen ab 12 Jahren.
Richter Kömüves kommt übermüdet mit seiner Frau von einer Veranstaltung nach Hause. Überrascht erfährt er, dass sich ein Fremder in seiner Wohnung befinde, um ihn zu besuchen. Es ist Imre Greiner, ein Schulkamerad und Jugendgefährte, den er seit neun Jahren nicht mehr gesehen hat. Der Richter weiß, dass er Greiners Ehe mit der schönen Anna Fazekas am folgenden Morgen scheiden soll. Gibt es ein Problem damit? Und ob! „Die Verhandlung kann nicht stattfinden, weil ich heute meine Frau getötet habe“, antwortet Greiner. Und er will herausfinden, wer ihm seine Frau weggenommen hat – vor zehn Jahren. Wen hat Anna wirklich geliebt? Den Richter etwa?
Hand of God – so nennt sich der mysteriöse Anrufer, der dem Ermittler Pete Marino mitten in der Nacht mit Bibelzitaten droht, Andeutungen über einen ungeklärten Todesfall macht und Scarpettas Nichte, dieser „lesbischen Schlampe“, droht. Der Privatdetektiv Marino ist der gute Kumpel von Dr. Kay Scarpetta. Sie ist alarmiert. Es wäre nicht das erste Mal, dass Lucy in Schwierigkeiten wäre. Sie macht sich auf, diesem Psychopathen das Handwerk zu legen.
_Die Autorin_
Patricia Cornwell, 1956 in Miami geboren, war Polizeireporterin und Computerspezialistin am Gerichtsmedizinischen Institut von Virginia, bevor sie zu schreiben begann. Mit den Thrillern um ihr literarisches Alter Ego, die Gerichtsmedizinerin Kay Scarpetta, wurde sie zur „erfolgreichsten Thrillerautorin der Welt“ (|Der Spiegel|). Cornwell lebt allein in Richmond / Virginia und in Malibu, Kalifornien. (Verlagsinfo)
_Die Sprecherin_
Franziska Pigulla war Moderatorin bei |n-tv|, |SAT.1| und bei der |BBC| in London. Als eine der bekanntesten Sprecherinnen synchronisiert sie Gillian Anderson aus „Akte X“, Demi Moore, Fanny Ardant und Sharon Stone. Auch als Erzählerin bei „Galileo“-Dokumentationen ist sie regelmäßig im Off zu hören. Für |Hoffmann & Campe| hat Pigulla bereits mehrere Romane vorgetragen:
Weitere Cornwell-Hörbücher: „Wer war Jack the Ripper? – Portrait eines Killers“; „Die Tote ohne Namen“.
Der Text wurde von Rainer Scheer gekürzt. Regie führte Vlatko Kucan, die Aufnahme fand im TrueMuze Rec Studio, Hamburg, statt.
_Handlung_
In der Wirklichkeit geschehen die meisten Dinge, die zusammenhängen, gleichzeitig, und in Dr. Kay Scarpettas Leben ist das nicht anders. Nur dass sie von den Zusammenhängen – noch – keine Ahnung hat …
|Bestie|
Obwohl sie in Miami lebt, arbeitet Scarpetta mit ihrem FBI-Freund Benson Westley, einem rechtsmedizinischen Psychologen, an einem supergeheimen Projekt namens „Bestie“ zusammen. Im Rahmen dieses Projekts, das an einer Klinik im nördlich gelegenen Massachusetts stattfindet, sollen die Gehirne von Gewaltverbrechern mit Magnetresonanztomographen (MRT) untersucht werden. Man will herausfinden, wie Gewaltbereitschaft und Hirnstruktur zusammenhängen. Was macht einen Menschen zur Bestie? Paradebeispiel ist der Serienmörder Basil Genrette, den Scarpetta und Westley aus Louisiana eingeflogen haben.
|Abgehört|
Kay und Benson kommunizieren über das sichere VPN-Netzwerk ihrer Nichte Lucy, doch sie wissen ebenso wenig wie Lucy, dass Kays Kollege Dr. Jay Amos Lucys Passwörter geklaut hat. Sie hatte ihren PDA liegen gelassen, und er nutzte die gute Gelegenheit, um alle Dateien auf dem Gerät zu kopieren. Nun kann er in zahlreichen sicherheitsrelevanten Netzwerken manipulieren, abhören und falsche Botschaften schicken. Auch an Scarpettas Arbeitsplatz der Akademie für forensische Medizin in Miami. Er hört auch Pete Marino ab, den Privatdetektiv, den Scarpetta hin und wieder als Ermittler einsetzt. Doch Marino wird allmählich misstrauisch, wie es zu den Falschmeldungen, die er bekommt, kommen kann …
|HOG|
Marino berichtet ihr von zwei Dingen: 1) Er habe einen seltsamen anonymen Anruf von einem durchgeknallten Typen bekommen, der sich „Hand of God“, kurz: HOG, nennt. Und 2) Was wisse sie über den angeblichen Selbstmord von Dr. Johnny Swift, der in Boston an einer Klinik arbeitete und von seinem Zwillingsbruder Laurel gefunden wurde, der nun in Miami wohnt? Diesen „Selbstmord“ habe HOG nämlich erwähnt. Und ebenso nannte der Typ den Namen Christine Christian – und Lucy, Scarpettas Nichte, beschimpfte er als „lesbische Schlampe“. Kay testet, wie sich Johnny Swift mit einem Schrotgewehr erschossen haben soll. Es geht nicht. Der Verdacht auf Mord erhärtet sich.
|Hands of God|
Benson Westley wird zu einem neuen Mord gerufen. Die weibliche Leiche wurde in Massachusetts gefunden, der Täter hatte ihr eine Schrotflinte in den Mund gesteckt und abgedrückt, und entsprechend verheerend sieht ihr Kopf aus. Was Benson aber als Erstes auffällt, sind die knallroten Handabdrücke an ihren Brüsten und Oberschenkeln. Sind die aufgemalt? Nur wenig später lernt Kays Nichte Lucy in einer Bostoner Bar eine hübsche Lesbe kennen, die sich Stevie nennt. Zusammen verbringen sie eine Liebesnacht in Lucys gemietetem Häuschen. Was Lucy an Stevies Haut als erstes auffällt, sind die knallroten Handabdrücke auf ihren Brüsten und Oberschenkeln …
|Verschwunden|
Scarpetta sucht in Hollywood, Florida, nach der Familie Christian. Sie scheint vor etwa 15 Tagen verschwunden zu sein, und dies wurde erst dadurch bemerkt, dass die beiden Schwestern Christine und Ev (für Evelyn) Christian sehr aktiv in einer Sekte waren, der andere Nachbarn ebenfalls angehören. Die Schwestern hatten zwei elternlose Jungen, David und Tony, aus Südafrika adoptiert. Alle vier sind spurlos verschwunden, doch die zuständige Mordinspektorin Reba Wagner macht sich dennoch keine Sorgen. Sie konnte bislang keine Spuren eines Verbrechens entdecken, und man könne den Leuten ja nicht verbieten, in den Urlaub zu fahren, oder? Aber warum steht dann dieser Lieferwagen mit den verdreckten Reifen in der Einfahrt der Christians, will Scarpetta wissen, und wieso war die Herdplatte noch eingeschaltet, als die Nachbar das Haus betrat? Darauf hat Detective Wagner keine Antwort. Aber Marino hat eine: Weil Reba (seine Ex) dumm wie Bohnenstroh ist, darum.
|Mrs. Simister|
Marino selbst verfolgt einen Telefonanruf von einer gewissen Mrs. Simister, die eine Nachbarin der Christians ist, gerade mal auf der anderen Seite eines Abzugskanals. Die Stimme, die er in seinem Büro hörte, ist aber eine ganz andere als die, die er jetzt am Telefon hört. Die erste klang heiser und gebrechlich, doch die jetzige ist kräftig und weist einen starken ausländischen Akzent auf (sie stammt aus Polen). Diesem Widerspruch will Marino auf den Grund gehen. Doch als er nach mehrmaligen Klopfen und Rufen das Haus betritt – nicht ohne Scarpetta Bescheid zu geben -, findet er nur noch die Leiche der Bewohnerin vor. Mrs. Simister liegt auf dem Bett. Der Killer hat ihre eine Schrotflinte in den Mund gesteckt und abgedrückt. (Kommt uns das irgendwie bekannt vor? Nicht? Sollte es aber – bitte noch mal von vorne lesen.)
|Falscher Fuffziger|
Scarpetta eilt mit Reba Wagner herbei. Sie haben zusammen einen Knall gehört, aber Reba hielt es für eine Fehlzündung (was Marinos Vorurteil gegen sie bestätigt). Aber wichtiger noch: Sie haben in der Nähe einen einzelnen Kontrolleur für Zitrusbaumpest gesehen. Das ist ungewöhnlich, denn erstens kommen diese Landwirtschaftskontrolleure immer zu zweit, zweitens war er ohne Erlaubnis auf dem Nachbargrundstück und drittens arbeitete er mit einem Pflückstab, den er auseinandernahm und in eine große schwarze Tasche steckte – darin konnte er auch eine abgesägte Schrotflinte verstecken. Und viertens markierte er Bäume mit einer roten Sprühfarbe, so als ob sie infiziert wären. Diese Markierungsmethode, erfahren Marino & Co. später, ist bereits völlig veraltet.
|Gefängnis|
Doch dieser Kontrolleur ist nirgends aufzutreiben. Kein Wunder: Er hat sich in sein Versteck zurückgezogen, einem Häuschen in den Sümpfen. Hier hält er Ev Christian gefangen. Sie ist nach zwei Wochen Gefangenschaft bereits sehr geschwächt. Hand of God beugt sich über seine halbnackte Beute und verlangt von ihr immer wieder, sie solle sich entschuldigen. Sie fleht ihn an – nicht etwa um Gnade, sondern er solle Gott um Vergebung bitten, so wie sie ihm ebenfalls vergebe. Diese Hartnäckigkeit widert Hand of God an. Und dass sie den Namen Gottes in den Mund nimmt, macht ihn wütend. Er weiß, wer Gott ist. Sie ist eine schöne Frau, hat einen IQ von 150 und darum dient er ihr treu ergeben von ganzem Herzen. Und als er gerade seine Lieblingsspinne, eine giftige Tarantel, auf Evs Hals setzt, pfeift Gott ihn zurück. Es gebe wieder was zu erledigen. Basil Genrette, dem Verbündeten, müsse geholfen werden. Sofort …
|Nach Norden|
Scarpetta hat in Hollywood, Florida, getan, was sie konnte und sich mit Benton darüber den Kopf zerbrochen. Die Erkenntnisse sind im (keineswegs sicheren) Netzwerk gespeichert. Nun freut sie sich darauf, Benton in Boston besuchen zu können. Bei der Gelegenheit will sie auch einen Blick auf ihr gemeinsames Forschungsobjekt werfen: Basil Genrette, die „Bestie“ in Menschengestalt.
Auch Basil freut sich auf dieses Treffen. Er wurde per Kassiber informiert, dass seine Flucht vorbereitet worden ist. Er beginnt, ein Seil zu knüpfen …
_Mein Eindruck_
Wieder einmal spielt die Autorin va banque und setzt auf volles Risiko, dass sie ihren Leser in die Irre führt und er nicht mehr das Licht am Ende des Tunnels sieht. Auf mehreren Schauplätzen beginnt die verzweigte Handlung, so dass der ahnungslose die Zusammenhänge nirgendwo sieht. (Ich habe in meinem Inhaltsabriss sogar noch einen Schauplatz weggelassen, um das Chaos nicht zu vergrößern.)
Doch allmählich erkennt der aufmerksame Leser eine Reihe von Koinzidenzen: abgesägte Schrotflinten als Tatwaffen, Frauen mit roten Handabdrücken auf dem Körper, Kupferspuren an Tatorten und noch einiges mehr. Doch selbst dann noch, als die Ermittler – Scarpetta, Lucy, Benton, Marino, Reba – gute Chancen hätten, das Puzzle zusammenzusetzen, führt die Autorin mehrere Störfaktoren ein. Den Guten soll ihre Aufgabe ja nicht zu einfach gemacht werden. Da ist zunächst das abgehörte und manipulierte Daten- und Kommunikationsnetz. Merke: Feind hört mit und legt falsche Fährten. Und was von den Hinweisen eines geisteskranken Serienkillers wie Basil Genrette zu halten ist, dürfen wir uns mit Fug und Recht ebenfalls fragen.
|VORSICHT, SPOILER|
Doch den absoluten Coup, sozusagen den Royal Flush, landet die Autorin mit der Einführung eines Killers mit multipler Persönlichkeit. Er/sie/es leidet unter dissoziativer Persönlichkeitsspaltung, dem DIS-Syndrom. Jonathan Nasaw verwendet diesen Tätertyp bereits in [„Die Geduld der Spinne“ 82 ein, und der Thriller „Identität“ setzt gar auf einen gefesselten Mörder, der unter DIS leidet. Ich werde nun aber nicht verraten, für wie viele Figuren dieser Täter mit seinen Persönlichkeiten herhalten muss. Und die Handlung ist auch keineswegs, wie im Film, imaginär, sondern für seine Opfer höchst real (so weit die Fiktion des Romans es eben zulässt).
Ein solcher Schurke im Stück stellt den Autor vor mehrere Probleme, die früher oder später auch den Leser betreffen. Erstens darf er als Joker erst ganz zum Schluss enthüllt werden, sonst ginge sämtliche Spannung flöten. Zweitens könnte die Anzahl und Charakteristik der multiplen Persönlichkeiten beliebig erscheinen – upps, schon wieder ein Karnickel aus dem Hut! Dieser Effekt darf niemals eintreten, denn sonst verliert die gesamte Handlung ihren Sinn und ihre Stringenz.
Zuletzt aber, und das ist vielleicht am wichtigsten, ist der Täter mit DIS selbst ein Opfer. DIS wird in der Regel, so die Schulweisheit, durch ein tiefes traumatisches Erlebnis ausgelöst. Die Psyche des Opfers versucht mit verschiedenen Strategien, dieses Trauma zu verarbeiten, um zu überleben. DIS besteht in der Schaffung verschiedener Rollen, die Strategien verkörpern, um mit verschiedenen Problemen und Konfliktsituationen des Lebens fertigzuwerden: Begegnungen mit Sexualpartnern beiderlei Geschlechts, Ausübung von Gewalt, Ausleben von tabuisierten Phantasien, das Verhältnis zu Gott, wenn der Verursacher des Traumas den Missbrauch im Namen eines religiös begründeten Prinzip („Gott“) begangen hat, und so weiter.
Man kann sich demnach vielleicht vorstellen, welch eine Fülle von Persönlichkeiten ein DIS-Opfer entwickeln kann: Dutzende sind keine Seltenheit. Der Leser wird überrascht sein, welche Bandbreite an Figuren sich damit schaffen lässt. Als eine Übereinstimmung zwischen zwei untersuchten „Menschen“ festgestellt wird, könnte die Überraschung für die Wissenschaftler nicht größer sein. Es ist ungefähr so, als hätte man die DNS eineiiger Zwillinge vor sich, nur dass es sich diesmal um ein und denselben Menschen handelt.
|ENDE SPOILER|
Hat es sich die Autorin mit dieser Täterfigur zu einfach gemacht? Der Verdacht könnte aufkommen. Doch sie führt das Konzept konsequent durch, und da es seit Jahren Fallstudien von DIS-Opfern gibt, kann man ihr zu große Fantasie oder fiktionale Freiheit nicht vorwerfen. Es ist der Leser, der umdenken sollte. Außerdem will die Autorin etwas beweisen. Sie will darstellen, wie sich die Vorstellung einer „Bestie“, eines Raubtiers (= „Predator“ im Originaltitel) auf Menschen anwenden lässt.
Benton und Scarpetta untersuchen in ihrem Geheimprojekt „Bestie“ genau diese Frage. Ab wann ist ein Mensch eine Bestie – ist das überhaupt eine objektiv qualifizierbare Kategorie oder nur moralischer Subjektivismus? Die Autorin als gewiefte Fallenstellerin zeigt in einer höchst ironischen Weise, wie sehr sich die beiden Wissenschaftler – beide sind ja Rechtsmediziner – irren und hereinlegen lassen. Ihre Methoden für die Probandenbeschaffung sind ebenso naiv wie die für ihre Untersuchungen. Ja, diese Untersuchung selbst wird von Basil Genrette benutzt, um ihnen zu entkommen (einer der Höhepunkte des Buches).
Hinter dieser Ironisierung verbirgt sich die geharnischte, ernst gemeinte Kritik der Autorin an diesen Methoden, an den Wissenschaftlern, die sie anwenden, und noch viel mehr an den falschen Konzeptionen und Ideen, die die Wissenschaftler leiten. „Bestie“, so der zu ziehende Schluss, ist also keine objektive Größe, sondern etwas, das in den Untersuchungsgegenstand, den Killer Hineingedachtes, mithin also etwa völlig Unwissenschaftliches.
|Identität, Realität, Wahrheit|
Der Prüfstein für diese Haltung der Autorin muss der DIS-leidende Killer sein. Er begeht reihenweise Morde in Florida und Massachusetts, und wer weiß, wie lange schon. (Und wer sich fragt, wie er an die Daten von Scarpetta & Co. herankommt, der denke einmal über Joe Amos‘ Freundin Jan Hamilton nach.) Unversehens wird aus dem Killer ein Opfer, und als die ursprüngliche Identität bekannt wird, solche man als Ermittler und Leser Mitgefühl verspüren: für das missbrauchte zwölfjährige Mädchen.
Dass der Killer mehrere Persönlichkeiten hat, stellt die Ermittler vor ein weiteres Problem: Was ist die Natur der Wirklichkeit, und kann es so etwas wie Wahrheit geben? Wenn Wirklichkeit darin besteht, was die Daten uns sagen, so sind wir verloren. Das findet Marino heraus, ein John McClane auf einer Harley Davidson. Eine weitere Schicht der Realität enthüllen Chemikalien wie Luminol: Es zeigt Blutspuren an, aber auch „falsche Positive“ – Kupfer beispielsweise. Merke: Die Realität ist so irreführend und flirrend wie die Wahrheit. Wir machen sie uns alle selbst. Genau wie unsere „Bestien“.
|Die Sprecherin|
Wieder einmal macht Franziska Pigulla aus einem mittelmäßigen Buch der Cornwell ein Hörerlebnis, an das man sich noch gerne erinnert. Dabei ragen mehrere Figuren, die sie ausgezeichnet charakterisiert, heraus. Am meisten im Gedächtnis ist mir Pete Marino geblieben. Er redet mit einer tiefen grollenden Stimme, bei der man sich fragt, wie die Pigulla sie wohl hinkriegt. Er ist auch der Einzige, der so etwas wie Humor in die Handlung einbringt.
Marinos Macho-Stil steht im Gegensatz zu Angebertypen wie Joe Amos, dem hinterlistigen Basil Genrette und dem distinguierten Benton Westley. Es gibt aber einen Typen, der wesentlich furchteinflößender als Marino und Genrette zusammen wirkt: Hand of God als Gefängniswärter von Ev Christian. Er klingt mit seiner tiefen Tonlage gehässig und boshaft, insgesamt also bedrohlich.
Aber auch auf der weiblichen Seite der Figurenliste lassen sich schöne Unterschiede feststellen. Das Gegenstück zu Marino ist seine Ex, die Polizistin Reba Wagner. Sie ist aber eine ehrliche Haut, im Gegensatz zu Stevie, Lucys One-Night-Stand, und zu Jan Hamilton, Joe Amos‘ Freundin. Diese beide Herrschaften setzen mit voller Absicht verführerische Untertöne in ihrer Stimme ein, denen weder Mann noch Frau lange widerstehen können. Es gibt aber auch eine befehlende Frau im Reigen: Gott höchstpersönlich, so wie Hand-of-God sie sieht.
Schließlich sind da noch die ganz schwachen Frauen. Mrs. Simister tritt gleich zweimal auf, einmal heiser und gebrechlich wie ein altes Großmütterchen, dann aber auch als grantige Nachbarin der Familie Christian. Dass sie aus Polen stammt, versucht die Sprecherin mit einem Akzent darzustellen, der mich stark ans Jiddische erinnert hat. Die Allerschwächste ist hingegen die gefangene Ev Christian. Sie haucht, fleht und keucht zum Steinerweichen. Aber „Gott“ zeigt ihr einen Ausweg aus ihrem Martyrium.
Es gibt bei dieser Hörbuchproduktion weder Geräusche noch Musik, nicht einmal Intro und Outro, so dass ich darüber keine Worte verlieren muss. Aber man fragt sich doch, warum dann die sechs CDs so teuer sind (bei |amazon.de| übrigens um satte zehn €uro billiger zu bekommen).
_Unterm Strich_
Der Thriller ist von bei Cornwell gewohnter Güte und lässt den Leser lange Zeit rätseln, wie all die Morde und anderen seltsamen Ereignisse miteinander zusammenhängen. Sie führen schließlich zu einer recht brenzligen Situation, die potentiell tödlich für Scarpetta und Benton ist. Doch meine Enttäuschung war groß, als die Autorin es besser fand, auf die Darstellung der zwangsläufig folgenden Actionszene zu verzichten. Vordergründige Action will sie nicht, sondern vielmehr tiefschürfende Ermittlungen, die zielführend sind, sonst nichts. Dies also kein Roman für Freunde von „Stirb langsam“. Vielmehr sind Leser von Val McDermid und Karin Slaughter angesprochen.
Die Sprecherin Franziska Pigulla ist der entscheidende Faktor, der aus dem weitverzweigten, möglicherweise etwas verwirrenden Plot so etwas wie ein reales Szenario schafft, indem sie die meisten Figuren zum Leben erweckt. Seltsamerweise gelingt ihr dies mit Kay Scarpetta nicht, so dass es keine echte Hauptfigur gibt. Auch Benton Westley taugt nicht zum Helden – das ist noch am ehesten Pete Marino, der Privatschnüffler auf der Harley Davidson. Er ist auch der einzige, der für etwas Humor in der Geschichte beiträgt, und das weiß die Sprecherin sehr gut hervorzuheben.
|Schwächen:| Ein Tippfehler im Klappentext des Hörbuchs: Es muss statt „Pete Marion“ besser „Pete Marino“ heißen.
|Originalttel: Predator, 2005
Aus dem US-Englischen übersetzt von Karin Dufner
406 Minuten auf 6 CDs|
http://www.hoffmann-und-campe.de
Dieses Hörbuch bietet die Handlung der ersten zwei Romane „Per Anhalter durch die Galaxis“ und „Das Restaurant am Ende des Universums“. Das sind nach allgemeiner Ansicht sowieso die besten Teile der fünfteiligen Trilogie.
Der Autor
„Douglas Adams hasste das Schreiben“, wie uns sein Freund Ken Follett verriet. Dennoch wurde er ausgerechnet mit den fünf Romanen seiner Anhalter-Trilogie weltbekannter Kultautor. Aus der Trilogie wurden nicht nur die anfänglichen BBC-Hörspiele von anno 1978, sondern auch Schallplatten, Filme und Handtücher (die Kausalität ist wie immer arbiträr und rein zufällig).
Tim möchte seiner Großtante Erna an einem ganz besonderen Tag eine ganz besondere Freude machen und lädt sie, zusammen mit seinen Freunden, in den Zirkus Rivaldi ein. Tante Erna war als junge Frau selbst Zirkusartistin und ist auf einem Elefanten geritten! Obwohl Gaby das eigentlich nicht so toll findet, will sie der alten Dame nicht die Freude verderben. Doch als die Zirkusdirektorin ihre Hauptattraktion, die Elefantendame Rosi ankündigt, passiert etwas völlig Unerwartetes: Rosi ist spurlos verschwunden! TKKG übernehmen den Fall und machen sich auf die spannende Suche nach Rosi – bei der sie eine wahrhaft „elefantöse“ Überraschung erleben… (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Ob Rosi wohl von Tierschützern befreit worden ist? Schließlich findet nicht nur Gaby als Tierfreundin es nicht toll, wenn Tiere nicht in ihrer natürlichen Umgebung leben können, sondern verschleppt, eingesperrt und zur menschlichen Belustigung in Gefangenschaft gehalten werden. Da ist jeder Zirkus mit Tieren schon generell schon ein „Tatort“.
Anne hat bei einem Kurzgeschichten-Wettbewerb ein Wochenende im einsam gelegenen Hotel Lakesight View gewonnen. Natürlich nimmt sie ihre Freunde und Timmy mit. Kurz darauf lernen die Fünf Freunde zwei Ehepaare kennen, die sich merkwürdig benehmen. Sie sind die Nachfahren einer gewissen Lady Thornton, die ihr Erbe im Hotel versteckt haben soll. Ihre Nachfahren wollen es finden – und die Fünf Freunde sollen ihnen dabei helfen. Dann beginnt die Jagd – nach dem Erbe der Lady Thornton … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Ui, eine echte Schatzsuche, das klingt nach Spaß. Ich weiß ja nicht, wie groß das Hotel ist, aber so viele Augen finden doch bestimmt das Erbe. Wobei … wonach suchen wir denn eigentlich? Nach Geld oder nach Wertgegenständen? Und haben wir überhaupt Ferien und genug Zeit?
1) „Doktor Proktors Pupspulver“
2) „Doktor Proktors Zeitbadewanne“
3) „Doktor Proktor verhindert den Weltuntergang. Oder auch nicht …“
Skurril, aber gefährlich: Invasion der Mondchamäleons
Ganz Norwegen ist von einem bösen Kapellmeister hypnotisiert worden. Ganz Norwegen? Nein, Lise und Bulle nicht. Sie haben aber das bestimmte Gefühl, dass ihr Kunstlehrer, der mit Vorliebe Insekten verspeist, in die rätselhafte Sache verwickelt ist.
Die wenden sich ratsuchend an ihren Freund Doktor Viktor Proktor. Doktor Proktor ist ein verrückter Professor. Na ja, beinahe vielleicht – eigentlich ist er ja ein genialer Erfinder. Er berichtet, dass es sich um Mondchamäleons handeln muss – über ihre Existenz gab es schon 1969 Gerüchte. Sie tarnen sich wie Chamäleons, kommen aber vom Mond. Ja, um was zu tun? Sie klauen Socken, naja. Aber was haben sie vor? Und wieso will der Kapellmeister, der nun Präsident geworden ist, unbedingt Dänemark und den Rest der Welt angreifen? Da hat Bulle (wieder mal) eine seiner „Ideen“. O nein, denkt Lise.