Man schreibt das Jahr 1961. 29 Jahre nach dem Selbstmord des Verbrechergenies Dr. Mabuse scheint jemand dessen Vermächtnis anzutreten, um die Grundfesten der Staatsgewalt zu erschüttern.
Der geniale Professor Erasmus hat eine Möglichkeit gefunden, Gegenstände sowie Personen für das menschliche Auge unsichtbar zu machen. Als nach einem Theaterstück, in dem die attraktive Schauspielerin Liane Martin auftritt, ein Kriminalbeamter ermordet wird, ruft Kommissar Brahm FBI-Agent Como zu Hilfe. Dieser erkennt, dass Dr. Mabuse sich für die Erfindung interessiert und hinter dem Verbrechen steckt. Da Joe Como auch ein Auge auf Liane Martin geworfen hat, wird diese kurzerhand von Mabuse hypnotisiert, um den Beamten in eine tödliche Falle zu locken … Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse (Hörspiel) weiterlesen →
Vor Kanadas Küste greifen Wale Touristenschiffe an. Merkwürdige, gefräßige Organismen nehmen den norwegischen Meeresboden in Besitz. Etwas scheint das Leben im Meer unter Kontrolle gebracht zu haben und gegen den Menschen zu wenden.
Sigur Johanson, norwegischer Biologe und Schöngeist, sieht eine Katastrophe heraufdämmern. Gemeinsam mit dem kanadischen Walforscher Leon Anawak und der britischen Journalistin Karen Weaver nimmt er den Kampf auf – gegen eine Macht tief unten im Meer … (Verlagsinfo) Zum 20-jährigen Jubiläum erscheint eine CD-lose Deluxe-Edition des Hörbuchs. Frank Schätzing – Der Schwarm (Inszenierte Lesung) weiterlesen →
Ein magisches Beben erschüttert die Küsten der Karibik. Und in finsteren Piratenhäfen werden Kinder geboren, die über Wasser gehen können. Jahre später glaubt Jolly, dass außer ihr keine anderen Wellenläufer mehr am Leben sind. Bis sie Munk begegnet. Auch er versinkt nicht im Wasser – und kann aus Muscheln einen uralten Zauber beschwören. Ein rätselhafter Fremder, der Geisterhändler, schickt die beiden auf eine fantastische Reise. Gejagt von Klabautern, Ungeheuern und allen Seeräubern der karibischen See, stellen sie sich einer tückischen Gefahr: dem Mahlstrom, einem dunklen Strudel, der die Barriere zwischen den Welten niederreißt.
Der Roman spielt Anfang des 18. Jahrhunderts unter den Piraten der Karibik. Die Heldin Jolly, ein 14-jähriges Seeräubermädchen, verfügt von Geburt an über ein besonderes Talent: Sie kann über Wasser gehen. Nach dem Untergang ihres Schiffes und dem Verlust ihrer Mannschaft findet sie neue Freunde: Munk, der sich auch auf die Kunst der Muschelmagie versteht, den Geisterhändler, der die Geister ertrunkener Seeleute als Sklaven verkauft, Bonaventure, ein Wesen halb Mensch, halb Hund. Doch die Gefährten haben einen mächtigen Feind – den Mahlstrom, einen meilenbreiten Strudel, der von einer teuflischen Intelligenz beseelt ist. Jollys Reise führt weit über die Karibik hinaus – geradewegs ins Mare Tenebrosum, das legendäre „Meer der Dunkelheit“. (abgewandelte Verlagsinfo) Kai Meyer – Die Wellenläufer (Wellenläufer-Trilogie 1) weiterlesen →
Der junge Rand al’Thor muss erleben, wie eine Horde Trolloc-Krieger seinen Vater angreift und sein Heimatdorf fast komplett zerstört. Nur knapp entgeht er selbst den Häschern des Dunklen Königs und übernimmt das Schwert seines Vaters. Zusammen mit der magiebegabten Aes Sedai Moiraine, ihrem Behüter Lan und Rands Freunden Matt, Perrin und Egwene sowie einem Gaukler und einer Seherin bricht Rand nach Tar Valon auf, der Stadt der Aes Sedai. Doch der Feind ist alles andere als untätig …
Dieser erste Band bietet lediglich das erste Drittel des ersten Romans „Eye of the World“.
Der Autor
Robert Jordan war ein Pseudonym des amerikanischen Schriftstellers James Oliver Rigney, Jr. (* 17. Oktober 1948 in Charleston, South Carolina; † 16. September 2007 ebenda), der in erster Linie durch seinen Fantasy-Romanzyklus Das Rad der Zeit bekannt wurde.
Robert Jordan wurde in Charleston im US-Bundesstaat South Carolina geboren. Er war von 1968 bis 1970 als US-Soldat im Vietnamkrieg, in dieser Zeit wurde er mehrfach ausgezeichnet und erhielt in Folge dessen eine kleine Zahl an Medaillen. Jordan studierte anschließend an der Militärakademie von South Carolina Physik und arbeitete nach seinem Abschluss für die US-Marine als Nuklearphysiker. Er lebte mit seiner Frau Harriet McDougal bis zu seinem Tod in seinem Geburtsort Charleston (South Carolina).
Am 25. März 2006 gab der Schriftsteller bekannt, dass bei ihm die sehr seltene Blutkrankheit Amyloidose diagnostiziert wurde, die ohne Behandlung innerhalb eines Jahres tödlich verlaufen könnte und selbst mit medizinischer Unterstützung nur eine durchschnittliche Lebenserwartung von vier Jahren garantierte. Jordan erklärte daraufhin, um all die Bücher zu beenden, die ihm vorschwebten, brauche er noch etwa 30 Jahre, und er habe fest vor, noch mindestens so lange zu leben.
Jordan begann im April 2006 in der Mayo-Klinik in Rochester (Minnesota) mit der Behandlung. Am 22. Dezember erklärte er in seinem Blog, die Therapie schlage gut an, und er sei trotz regelmäßiger Pflichtkontrollbesuche im Krankenhaus optimistisch. Seinen Hoffnungen zuwider starb Jordan am 16. September 2007 im Alter von 58 Jahren. (Quelle: Wikipedia)
Die Reihe „The Wheel of Time“:
0) New Spring (2004, Prequel)
1) The Eye of the World (1990)
2) The Great Hunt (1990)
3) The Dragon Reborn (1991)
4) The Shadow Rising (1992)
5) The Fires of Heaven (1993)
6) Lord of Chaos 81994)
7) A Crown of Swords (1996)
8) The Path of Daggers (1998)
9) Winter’s Heart (2000)
10) Crossroads of Twilight (2003)
11) Knife of Dreams (2005)
12) The Gathering Storm (2009, abgeschlossen von Brandon Sanderson)
13) Towers of Midnight (2010, dito)
14) A Memory of Light (Herbst 2012, dito)
Von dieser Reihe gibt es nicht nur Computerspiele, sondern auch Kalender, Vertonungen und Hörbücher. Seit 2008 will Universal den ersten Band verfilmen. Mehr aktuelle Infos: http:// www.RadDerZeit.de (ohne Gewähr)
und http://www.Dragonmount.com (dito).
Der Sprecher
Helmut Krauss ist seit Jahrzehnten ein viel beschäftigter Schauspieler. Man kennt ihn als einen begnadeten Sprecher für fesselnde Hörspiele & prickelnde Literatur. In Hollywood-Filmen schenkt er Marlon Brando & Samuel L. Jackson sonore und beeindruckende Stimmen. Sein männlicher Sound lässt jeden Kino-Saal erbeben.
Helmut Krauss (1941-2019) erweist sich als wahres Stimmwunder, wenn er nicht nur Stimmungen und Atmosphäre in seine rauchigen, getragenen Vortrag legt, sondern er erweckt tatsächlich einen Charakter zum Leben, erschafft eine ganze Stadt um ihn herum und schickt ihm und dem Hörer dann einen fleischgewordenen Alptraum hinzu.
Regie führte Oliver Hörth, der auch die Aufnahme vornahm. Helmut Krauss hat die deutsche Übersetzung 2010 einfach für Audible.de ungekürzt eingelesen (Übersicht siehe Wikipedia.de). Jessika Güsken hat den Text dann einfach gekürzt, ohne etwas hinzuzufügen. Die Musik stammt von Dennis Kassel & Dicky Hank.
Handlung
Kaum ist der Winter vorüber, machen sich die beiden Schäfer Tam al’Thor und sein Sohn Rand auf den Weg ins Dorf Emondsfelde, um Apfelmost zu verkaufen. Das Fest Beltain steht bevor. Doch auf dem Weg durch den Wald, in dem ihr Hof liegt, erblickt Rand einen schwarzen Reiter, der ihnen folgt. Der Reiter ist gleich darauf verschwunden. Im Dorf weiß man nichts von schwarzen Reitern oder nahendem Unheil. Vielmehr bereiten sich alle aufs Fest vor. Sogar der Gaukler Tom Merrilin ist eingetroffen und ein fahrender Händler, obendrei eine geheimnisvolle Lady und ihr Behüter. Rand trifft seine Freunde Matt Cauthon, Perrin Ayabra und Egwene al’Vere, die schöne Tochter des Bürgermeisters und Schankwirts. Doch ein verdächtiger Rabe beobachtet alles, was er tut.
Rands Vater Tam hat es eilig, auf seinen Hof zurückzukehren. Als sie im Westwald eintreffen, schein alles in Ordnung zu sein, doch Tam gürtet sein Schwert und sperrt alle Türen ab. Gerade rechtzeitig! Ein heftiger Schlag erschüttert die Haustür. Trolloc-Krieger mit Ziegen- und Wolfsgesichtern begehren Einlass. Tam schickt seinen Sohn zur Hintertür, doch auch diese wird bereits belagert. Ein Myrddral befehligt die Horde, ein blasser Halbmensch ohne Augen – ein schwarzer Reiter. Im folgenden Kampf Tams gegen die Eindringlinge, die es offenbar nur auf den Jungen abgesehen haben, trägt der Schwertkämpfer eine vergiftete Wunde davon. Und Rand hat selbst einen von ihnen mit Tams Schwert getötet. Doch die Trollocs sind verschwunden. Aber für wie lange?
Unter Einsatz seiner letzten Kräfte gelingt es Rand, seinen Vater auf einer Trage nach Emondsfelde zu bringen. Doch dort hat man nicht gerade auf ihn gewartet: Das halbe Dorf ist zerstört. Hier waren die Trollocs und Myrddrals also ebenfalls. Nur dem Magieeinsatz der Lady Moiraine und dem Schwert ihres Behüters sei es zu verdanken, dass überhaupt noch Häuser stünden, erfährt Rand von der Seherin Nynaeve und von Egwene, die der Heilerin hilft. Doch Nynaeve erschüttert Rand, als sie sagt, sie könne seinem Vater nicht helfen. Dies kann zum Glück Moiraine, die einen speziellen zauber der Aes Sedai anwendet. Dennoch müsse Tam lange ruhen.
Ein seltsamer Aspekt an dem Angriff, auf den Moiraine aufmerksam macht, gibt Anlass zur Sorge: Nur die Höfe von Rand, Matt und Perrin wurden angegriffen. Etwas hat es mit den drei jungen Männern auf sich, das der Dunkle König fürchtet und haben will. Nachdem sich Moiraine mit Nynaeve und Egwene beraten hat, fordert sie die drei Jungs und Egwene auf, sich so rasch wie möglich mit ihr nach Tar Valon zu begeben. Dort, am Sitz des Ordens der Aes Sedai, könne man erkennen, warum die Schattenkrieger hinter ihnen Vieren her seien.
Doch schon im nächsten Ort, Tarens Fähre, müssen sie erkennen, dass sie verfolgt werden. Und spätestens in Baerlon, wo Nynaeve sie einholt, spitzt sich die Lage zu. Ein Myrddral spricht Rand an, doch der Dunkle König wolle ihn für sich, sagt er. Deshalb verschont er Rands Leben. Kurz nachdem die Gefährten mit Nynaeve den Gasthof verlassen haben, wird Feuer daran gelegt.
Und vierhundert Trollocs sind den Gefährten auf den Fersen. Wohin können sie sich in der Wildnis wenden? „Es gibt nur einen Ort, an den selbst Trollocs nicht gehen würden“, sagt Lan, der Behüter Moiraines, und dieser Ort stellt sich eine von gierigen Geistern heimgesuchte Ruinenstadt heraus – Shadar Logoth …
Mein Eindruck
In diesem Auftakt sind die Ähnlichkeiten mit dem großen Vorbild „Der herr der Ringe“ und der Artus-Sage noch sehr deutlich. Trollocs statt Orks und Myrdraals als Nazgul – was möchte man mehr? Na, viel mehr natürlich. Nur skizzenhaft erfahren wir von der Jahrtausende währenden Geschichte des Kontinents und dass der Dunkle König eigentlich in einem Verlies in der Einöde in Ketten liegt. Dennoch scheint er seine Häscher mit Leichtigkeit zu kommandieren.
Auch in den vier jungen Auserwählten schlummert die Vergangenheit, nur um in Momenten großer Not wieder hervorzubrechen. Sie rufen „Manetheren!“ und andere Namen, wenn sie die Trollocs attackieren. Offenbar gibt es eine Kraft, die sie alle durchdringt. Diese Eine Kraft des Schöpfers, die von den Aes Sedai genutzt wird, ist zweifaltig, eine männliche Hälfte und eine weibliche.
Doch die männliche, Saidin genannt, wurde einst vom Dunklen König verdorben, so dass ihr Einsatz zum Wahnsinn führe, erzählt Moiraine. Deshalb kommt es dazu, dass vor allem Magierinnen auftreten, denn sie nutzen Saidar, die weibliche Seite der Kraft. Dabei greifen sie oft auf Hilfsmittel wie Amulette und An’greal zurück, um die Eine Kraft zu bündeln und beispielsweise einen Schutzschirm aufzubauen.
Den brauchen sie u.a. auch in der Geisterstadt Shadar Logoth, die einst Aridol hieß und eine Verbündete von Manetheren war. Dieser Ort erinnert stark an die unterirdische Stadt der Toten im dritten Band von „Der Herr der Ringe“. Leider findet sich (noch?) keiner, um den Geistern Einhalt zu gebieten.
Während Moiraine bereits beginnt, Egwenes Kräfte zu wecken und zu formen, mehren sich die Vorzeichen, dass in Rand mehr als nur ein junger Schäfer und Schwertkämpfer schlummert. Dafür sind seine Träume viel zu lebhaft. Aber auch in Perrin und Matt stecken verborgene Kräfte. Das Quartett entspricht den vier Hobbits bei Tolkien, und so können wir mit Recht erwartet, dass die Zukunft für jeden ein besonderes Schicksal bereithält. Immerhin konnte Robert Jordan 18 Jahre lang daran schreiben und seinem Nachfolger detaillierte Anweisungen hinterlassen.
Der Sprecher
Helmut Krauss hat die passende sonore Stimme für die Action der Kampfszenen. Und auch wenn männliche Figuren wie Tom Merrilin oder Lan sprechen, klingt er passend. Allerdings äußern sich auch die drei Damen vielfach, und dann klingt er eben nicht mehr so passend.
Außerdem bin ich mit seiner Aussprache der englischen Namen nicht einverstanden. So weigert er sich permanent, auch nur das geringste TH auszusprechen, etwa in „Manetheren“ oder „Shadar Logoth“. Er spricht immer ein T. Das ist nicht das, was der Autor ursprünglich im Sinn hatte. Und es lässt die Übersetzung noch unbeholfener wirken, als sie eh schon ist.
Die Kürzungen gegenüber der Audible-Fassung (s.o.) sind recht massiv und machen sich besonders am Anfang störend bemerkbar. Auf einmal tauchen da Rands Freunde Matt und Perrin aus dem Nichts auf, von Egwene ganz zu schweigen. Ausführlich wird der Text immer dann, wenn es Kampfszenen und verbale Auseinandersetzungen zu schildern gibt. Das macht den ganzen Vortrag recht dramatisch. Das ist sicherlich in Ordnung im Sinne des Unterhaltungswertes, aber für Fans fallen doch zu viele wesentliche Informationen unter den Tisch.
Geräusche und Musik
Geräusche gibt es leider keine; man muss sie sich dazudenken, wenn es heißt, da erschallen Rufe, Hörner oder Schreie. Musik gibt es nur jeweils am Anfang der ersten CD und am Schluss jeder CD. Sie dient lediglich der Einstimmung, nicht aber zur Stimmungslenkung. Das lässt dem Hörer nichts anderes übrig, als sich auf den Vortrag zu konzentrieren.
Zusatzinfos
In der Verpackung finden sich Informationen zum Autor und zum Sprecher sowie Angaben zu den Machern. Die Aufmachung gleicht einem alten Pergament. So verwundert es nicht wirklich, in der Einstecktasche der ersten CD eine mittelalterliche Darstellung der Tierkreiszeichen zu finden. Was sie hier allerdings soll, bleibt das Geheimnis des Verlags.
Unterm Strich
Den Auftakt zur großen Saga um das Rad der Zeit habe ich eigentlich recht eindrucksvoll in Erinnerung, denn bekanntlich „liegt ein Zauber über jedem Anfang“, wie der Dichter sagt. Rätsel gibt es auch hier viele und sogar schon erste Heldentaten der Hauptfigur Rand al’Thor. Die Rätsel machen neugierig auf das unbekannte Universum, dass der erprobte CONAN-Autor Robert Jordan entwarf. Die beiden Seiten scheinen klar verteilt zu sein, doch unsere Gefährten – es sind acht und nicht neun wie bei Tolkien – müssen sich durchmogeln, wollen sie heil an ihr Ziel Tar Valon gelangen.
Das Hörbuch
Die massiven Kürzungen sind auf die Erhöhung des Unterhaltungswertes der Haupthandlung angelegt. Allerdings geht dies einerseits auf Kosten der Charakterzeichnung, die in Andeutungen steckenbleibt, und auf Kosten der Weltbeschreibung. Das macht sich vor allem hinsichtlich der Historie negativ bemerkbar, die mehr oder weniger nebulös bleibt. Wenigstens wird die Saga um Mordeth und das Schicksal Aridols komplett wiedergegeben, wofür ich dankbar war.
Doch was hat Manetheren mit unseren drei jungen Kämpen zu tun? Sind sie einfach Hüllen für verblichene Seelen, quasi Proto-Zombies? Solche und viele weitere Fragen bleiben unbeantwortet, und es steht zu befürchten, dass sich dieses Niveau nicht in den kommenden Episoden bessert.
Der Fan greift sowieso zur ungekürzten Download-Version bei Audible.de. Nur der Einsteiger kann sich mit der gekürzten Lübbe-Fassung zufriedengeben. Diesem ist zu raten, sich so bald wie möglich die ungekürzte Variante zuzulegen. Leider muss man sich in beiden Fällen mit den Unzulänglichkeiten des Sprechers abfinden, der einfach kein englisches „TH“ aussprechen kann.
6 Audio CDs mit 431 Minuten Spieldauer Gelesen von Helmut Kress Produziert von Michael Treutler (Audible) ISBN-13: 978-3785743409 www.luebbe.de/luebbe-audio
Der Autor vergibt: (4.0/5) Ihr vergebt: (No Ratings Yet)
Auf dem Weg zu einer großen Familienfeier, zu der Klößchen seine Freunde Tim, Karl und Gaby mitbringen darf, bleibt der Sauerlich-Jaguar in einem fürchterlichen Schneesturm stecken. Ein heruntergekommener Gasthof ist die Rettung. Dort stranden auch Klößchens Onkel Kurt, seine Tante Linda und deren Cousine Hedwig Müntefering mit ihrem Mann. Die Verbindung zur Außenwelt ist abgeschnitten, die Telefonleitung ist tot und der Wirt wirkt alles andere als vertrauenswürdig. Nach einem turbulenten Abend voller Familienstreitigkeiten muss die herrische Hedwig Müntefering am nächsten Morgen feststellen, dass der überaus wertvolle Siegelring der Familie Sauerlich aus ihrer Schmuckschatulle entwendet wurde. Es stellt sich heraus, dass jeder der Anwesenden ein Motiv für den Diebstahl hat. Der Täter ist also mitten unter ihnen. TKKG nehmen die Ermittlungen auf und ahnen nicht, in welche Gefahr sie sich begeben … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Wow, die längste Verlagsinfo für ein TKKG-Hörspiel ever? Und das Ganze für ein mutmaßlich recht simples Whodunit, das jeder schon zigmal in jeder Krimireihe gesehen, gehört und gelesen hat?
Helau! Alaaf! Narri, Narro! Kim, Franzi und Marie besuchen den Rosenmontagszug. Als sie dabei einen Überfall auf einen Kiosk beobachten, heften sich die drei !!! sofort an die Fersen der Diebe. Doch bei der Verfolgungsjagd gerät Franzi in große Gefahr. Werden Kim und Marie es schaffen, die Täter zu finden und ihre Freundin zu retten? (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Ok, der Titel klingt nicht so dramatisch wie der Klappentext. Was hat denn Konfetti wohl mit einem Überfall zu tun und wie groß ist denn „die große Gefahr“, in die Franzi gerät? Pappnase auf und losgehört. Verkleidung angelegt und ab zum Umzug.
Japan, Ende des 15. Jahrhunderts: Eines Morgens wird Takeos Dorf überfallen, und er überlebt als Einziger. Lord Shigeru vom Clan der Otori rettet ihn und nimmt ihn in seine Familie auf. Von ihm, einem Helden wie aus versunkenen Zeiten, lernt Takeo die Bräuche des Clans. Er lehrt ihn Schwertkampf und Etikette. Die Liebe zu Kaede entdeckt Takeo allein.
Als er herausfindet, dass er dunkle Kräfte besitzt – die Fähigkeit, an zwei Orten gleichzeitig zu sein und sich unsichtbar zu machen, und dass er so gut „hören kann wie ein Hund“ -, gerät er immer tiefer in die Wirrungen der Lügen und Geheimnisse, aus denen die Welt der Clan-Auseinandersetzungen besteht. Trotz seines Widerwillens ist es ihm bestimmt zu rächen. Takeo verbindet sein Schicksal mit dem der Otori. (Verlagsinfo, modifiziert) Lian Hearn – Der Pfad im Schnee (Der Clan der Otori 2) (Lesung) weiterlesen →
„Sean King ist Agent des Secret Service und soll einen Präsidentschaftskandidaten schützen. Doch im entscheidenden Moment versagt er. Sein Schützling wird vor seinen Augen erschossen. – Acht Jahre später: Die junge Agentin Michelle Maxwell in ihrem ersten großen Einsatz. Auch ihr Auftrag ist der Schutz eines Kandidaten. Auch sie lässt sich täuschen. Doch sie sieht noch eine Chance – Sean King. Denn solche Dinge geschehen nicht zweimal. Nicht aus Zufall!“ (Verlagsinfo)
_Wahnsinn reitet den Sternenwind: Lovecraft en gros_
„Dunkle Geschichten“ bestreiten den ersten Teil der „Grusel-Box“ (CD 1+2). H. P. Lovecrafts bizarre und hintergründige Geschichten „Der Hund“ und „Das Fest“ führen an sehr unterschiedliche Orte im Kosmos des Grauens. In „Wälder der Finsternis“, dem zweiten Teil der „Grusel-Box“, jedoch melden sich hier weder Cthulhu noch andere Persönlichkeiten aus seinem Kosmos des Grauens zu Wort, auch das Necronomicon bleibt dieses eine Mal verschlossen. Das Grauen erscheint vielmehr als Monstrum in Menschengestalt bzw. in Form einer mitleidslosen wie unpersönlichen Macht aus dem All, die es nicht nötig hat, sich einen Namen zu geben, und dadurch umso beängstigender wirkt.
_Inhalt von CD 3+4:_
– |Das Bild im Haus| (gesprochen von Torsten Sense);
– |Astrophobos| / |The Messenger| / |The House| (Poems; gesprochen von Simon Newby);
– |Die Farbe aus dem All| (gesprochen von Simon Jäger)
Das Hörbuch bietet eine deutsch-englische Lesung mit Musik vom „Orchester der Schatten“, die eigens hierfür eingespielt wurde.
_Der Autor_
Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) wird allgemein als Vater der modernen Horrorliteratur angesehen. Obwohl er nur etwa 55 Erzählungen schrieb, hat sein zentraler Mythos um die Großen Alten, eine außerirdische Rasse bösartiger Götter, weltweit viele Nachahmer und Fans gefunden, und zwar nicht nur auf Lovecrafts testamentarisch verfügten Wunsch hin.
Aber wie in den Zusatztexten zu „Innsmouth“ zu erfahren war, reicht Lovecrafts Grauen weit über die landläufige Vorstellung von Hölle hinaus: Das Universum selbst ist eine Hölle, die den Menschen, dessen Gott schon lange tot ist, zu verschlingen droht. Auch keine Liebe rettet ihn, denn Frauen kommen in Lovecrafts Geschichten praktisch nur in ihrer biologischen Funktion vor, nicht aber als Liebe spendende Wesen oder gar als Akteure. Daher ist der (männliche) Mensch völlig schutzlos dem Hass der Großen Alten ausgeliefert, die ihre Welt, die sie einst besaßen, wiederhaben wollen. Das versteht Lovecraft unter „kosmischem Grauen“. Die Welt ist kein gemütlicher Ort – und Einsteins Relativitätstheorie hat sie mit in diesen Zustand versetzt: Newtons Gott ist tot, die Evolution eine blinde Macht, und Erde und Sonne nur Staubkörnchen in einem schwarzen Ozean aus Unendlichkeit.
Kurz und bündig mehr über Lovecraft: [www.orchesterderschatten.de]http://www.orchesterderschatten.de/autor.htm
_Die Sprecher _
Simon Jäger, geboren 1972 in Berlin. Seit 1982 arbeitet er als Synchronsprecher bei Film und TV. Er lieh u. a. Josh Hartnett, James Duvall, Balthazar Getty, River Phoenix seine Stimme, aber auch „Grisu, dem kleinen Drache“, und war auch in TV-Serien wie „Waltons“, „Emergency Room“ zu hören. Seit 1998 arbeitet er zudem als Autor und Dialogregisseur. (Homepage-Info)
Simon Newby, geboren 1961 in Long Eaton, England, studierte an der Guildhall School of Music & Drama (Bachelor-Abschluss in Dramatic Arts). Seit 1990 erledigte er zahlreiche Regiearbeiten an verschiedenen Bühnen Berlins, war als Voice Over- und Synchronsprecher sowie als Dialog-Coach tätig, seine Hobbys sind Trompete spielen und Tauchen. Zu seinen Sprachkenntnissen zählt er: „Englisch (Britisch und Amerikanisch), Deutsch (perfekt)“.
_Die Musik: Das „Orchester der Schatten“_
„Das Orchester der Schatten präsentiert klassische Geschichten von Kultautoren wie H. P. Lovecraft und E.A. Poe, die mit ihren bizarren Welten des Grauens schon Generationen von Lesern begeistert haben. Ohne vordergründige Effekte wird von Mythen, fremden Mächten oder einfach von dem Horror erzählt, der sich in der menschlichen Seele verbirgt. Begleitet werden die Erzählungen vom Orchester der Schatten, dessen Live-„Filmmusik“ komponierte Scores, Klangeffekte und improvisierte Elemente vereint.“ (Homepage-Info)
Matthias Manzke:
*4.10.1971; Jazzstudium an der HdK Berlin sowie an der New School New York; Unterricht u.a. bei David Friedman, Peter Weniger, Richie Beirach, und Jane-Ira Bloom; Rumänien-Tournee 1997; Teilnahme am Jazzfestival Hradec Kralove, Engagements bei Theater- und Filmproduktionen; CD-Aufnahmen mit der Berliner Big Band JayJayBeCe (BIT-Verlag 1997), mit dem Sänger Robert Metcalf (Dt. Grammophon 1998) sowie mit dem FRAW FRAW Saxophon4tett (2002); zzt. regelmäßige Konzerttäigkeit mit dem FRAW FRAW Saxophonquartett in ganz Deutschland und mit Projekten im Berliner Planetarium am Insulaner
Stephan Wolff:
1956 in Berlin geboren; Jurastudium; Dirigierstudium, Kompositions-Unterricht bei N. Badinski; Tätig als Komponist, Dirigent, Keyboarder; seit 1994 Lehrtätigkeit an der Leo-Borchard-Musikschule; Stilübergreifende Kompositionen zwischen Klassik, Jazz und Pop. Produktion und Mitgestaltung diverser Live-Elektronik-Projekte, u.a. „Dialogues“ (1998), „Losing One’s Head“ (1999), Filmmusiken, Bühnenmusiken, Traumspiel-Oper „Abaddon“ (1998/2001); Zahlreiche Songs und Lieder, auch für Kinder, z.B. „Erdenklang & Sternenbilder“ (1996), „Songs aus dem All“ (2000/2001), „Cool & Cosi“ (2000)
Sven Hinse:
* 1974, Absolvent der UdK Berlin und des „Kontaktstudiengangs Popmusik“ an der Hamburger Musikhochschule, CD-Produktionen u.a. mit dem Berliner LandesJugendJazzOrchester (1998) und mit der Band „tritorn“ (2002), Konzertreisen u.a. nach Südamerika, Rumänien, Spanien
Merle Ehlers:
geb. 1974 in Hamburg, lebt in Berlin. Schlagzeugstudium an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin. Langjährige Bühnenerfahrung mit dem zeitgenössischen Tanzensemble „Contact 17”. Spielt Kompositionen für Gitarre und Schlagzeug im Duo „rant“ mit dem Gitarristen Torsten Papenheim, improvisierte Musik im Trio „Tunar” mit Sabine Vogel (Flöten und electronics) und Dave Bennett (Gitarre) sowie dem Trio „Nom“ mit Dave Bennett und Antoine Chessex (Saxophone). Seit Sommer 2004 existiert das Trio „Tranceducer” mit Tony Buck (hier:Gitarre, Voc) und Derek Shirley (Bass) für Songs von Tony Buck. Zusammenarbeit mit dem Performer Sten Rudstrøm. Mitinhaberin des Plattenlabels „schraum” für gegenwärtige Musik.
_Handlung von „Der Hund“ (Länge: ca. 36 Min.)_
Der Berichterstatter hält während der Niederschrift der zurückliegenden Ereignisse bereits den Revolver bereit, um sich nach Abschluss dieser Aufgabe eine Kugel durch den verzweifelten Schädel jagen zu können. Denn die zurückliegenden Ereignisse lassen ihm keine andere Wahl …
Es muss sein Kumpel Saint John gewesen, der damit angefangen hat; ganz bestimmt. Zunächst waren sie nur vom Dasein gelangweilt, dann reichten ihnen auch der Nervenkitzel durch die verstiegenen Erzählungen und Gedichte der Dekadenten Baudelaire, Huysmans und wie sie alle heißen nicht mehr. Es war ganz bestimmt St. John, der auf die Idee mit der Grabräuberei verfiel, oder?
Sie richteten ein gut verstecktes Museum bei sich ein, indem sie die Statuen von Dämonen, antike Mumien, Grabsteine und Schrumpfköpfe sammelten, natürlich auch Schmuckstücke aller Art. Es gab eine Mappe aus Menschenhaut, Musikinstrumente, die seltsame Disharmonien erzeugten. Die Raubzüge, die sich über die ganze Welt erstreckten, waren von der Umgebung, der Stimmung und der Jahreszeit bestimmt: Ein zugefrorenes Grab aufhacken zu müssen, ist sicherlich kein Vergnügen. Schließlich hörten sie von dem wertvollen Amulett im Grab eines 500 Jahre begrabenen holländischen Kapitäns. Das war der Anfang vom Ende.
Die holländischen Bauern erzählten ihnen, der Seemann sei seinerzeit von einer Bestie zerfleischt worden und seine Leiche verfluche jeden, der ihre letzte Ruhestätte berauben wolle. Sie hätten darauf hören sollen. Den Sarg zu öffnen, war erstaunlich leicht, doch dann grinste sie ein gut erhaltenes Gerippe an. Das Amulett auf seiner Brust ist aus grüber Jade und in Form eines Hundes oder einer Sphinx geformt, die Augen scheinen voll Bosheit zu funkeln. Die beigelegte Inschrift können sie leider nicht entziffern, doch offensichtlich sind sie auf einen Schatz gestoßen, der nur im verbotenen Buch „Necronomicon“ als Talisman eines Körperfresserkultes aus Zentralasien erwähnt wird.
Als sie sich gegenseitig auf die Schulter klopften, begann das Grauen. Fledermausschwärme stiegen auf, und ein großer Hund begann in der Ferne zu heulen …
_Drei Gedichte (ca. 7:40 Min.)_
Lovecrafts Gedichte werden von Simon Newby vorgetragen. Die drei englischsprachigen Texte sind im Booklet abgedruckt (allerdings mit einem Druckfehler, auf den ich später zu sprechen komme.) Eine Übersetzung fehlt.
|The Cats|
In der erfundenen Alptraumstadt Arkham streunen nur die Katzen durch die nächtlichen Gassen. Alles ist öde und verlassen, von Verfall erfüllt, ein Inbild des Untergangs. Nichts geschieht außer dem unheilvollen „Heulen“ und „Schreien“ der geisterhaften Katzen.
|The Wood|
Der uralte majestätische Wald, der hier einst stand, hat dem Wald der hochragenden Wolkenkratzer weichen müssen; nur wenige Jahrhunderte waren dazu nötig. Doch der alte Wald war keineswegs unbewohnt. Die Bewohner der Marmortürme feierten bis zu jenem Tag, als ein unvorsichtiger Troubadour mit fluchwürdigen Worten einen alten Schrecken aus den Tiefen weckte. Nun steht hier, wo sich die Stadt einst befand, wieder ein urtümlicher Wald. Doch die Morgensonne weigert sich, dort zu scheinen.
|Festival|
Die Toten feiern das Julfest zur Wintersonnenwende an einem Alter, der inmitten von Druidengräbern in einem Eichenwald liegt. Und der Hörer mag ein Abt oder Priest sein, der sich dem Satan geweiht hat und dem Altar das „Zeichen des Tiers“ zeigt, von dem der Evangelist berichtet.
_Handlung von „Das Fest“ (Länge: 44:44 Min.)_
Unser Chronist ist ein junger Mann, der zur Stadt seiner Väter am Ostmeer (= Providence an der US-Ostküste) gereist ist, von der er nur aus seinen Träumen weiß, aber wohin man ihn gerufen hat. Es ist die Zeit des Julfestes, das unter Christenmenschen als „Weihnachten“ bekannt ist. Nur ist unser Berichterstatter alles andere als ein Christenmensch. Das Land wurde vor 300 Jahren besiedelt, doch sein Volk ist weit älter und kam aus dem Meer, weshalb es noch die alten Riten ehrt.
Er trifft in Kingsport ein, der uralten, verwinkelten Stadt unter dem kirchengekrönten Berggipfel, wo der Friedhof noch viele alte Grabsteine beherbergt, darunter auch die von vier Verwandten, die im Jahr 1692 wegen Hexerei hingerichtet wurden. Er findet das Haus an der Green Lane, das noch vor dem Jahr 1650 erbaut worden ist.
Auf sein Klopfen öffnet ein alter Mann, doch weil der stumm ist, schreibt er dem Besucher seinen Willkommensgruß auf ein Stück Papier. Sein Gesicht ist so wächsern bleich, dass es aussieht, als trage er eine Maske. Zwischen Möbeln aus dem 17. Jahrhundert sitzt eine Alte an einem Spinnrad, die ihm zunickt. Nach der Lektüre bekannter Bücher wie dem verbotenen „Necronomicon“ schließt sich der junge Mann seinen Gastgebern an. In Kapuzenmäntel gehüllt, machen sich die drei auf den Weg, um am Julfest teilzunehmen. Er wundert sich, dass er und seine Begleiter im Schnee keine Fußabdrücke hinterlassen …
((Weiterlesen auf eigene Gefahr!))
Auf dem Friedhof brennen Totenlichter, und sie betreten zusammen mit anderen Bewohnern der Stadt ein Kellergewölbe oder eine Krypta, in der eine Wendeltreppe weit hinab in die Tiefe des gewachsenen Felsens führt, durch die stinkenden Katakomben, bis zu einer ausgedehnten Höhle. Hier fließt träge ein Fluss, dessen ölig schwarzes Wasser im Schein einer grünlich leuchtenden Flammensäule glitzert. Neben Giftpilzen werden Pflanzenopfer dargebracht: Das Fest hat begonnen. Da kommen geflügelte Wesen an, die die Gläubigen besteigen, um in weitere Tiefen der Unterwelt zu fliegen, wer weiß, zu welchem Ziel.
Doch unser junger Mann ist mittlerweile derart von Grauen erfüllt, dass er sich weigert, den letzten geflügelten Vorboten des wahren Gottes zu besteigen. Zum Beweis dessen, dass er ein Teil dieser Bevölkerung ist und mitkommen muss, zeigt ihm der stumme Alte, offenbar ein Anführer, zuerst einen Siegelring und eine alte Taschenuhr – sie stammen aus dem Jahr 1698 – dann entfernt er seine Maske. Entsetzen packt den Erzähler, und er wirft sich in den Styx. Nur um im Krankenhaus von Kingsport zu erwachen, wo eine unangenehme Überraschung ihn erwartet …
|Mein Eindruck|
In diesen beiden frühen Geschichten befolgt Lovecraft konsequent die Forderung des von ihm glühend verehrten Edgar Allan Poes, wonach eine „short story“ in allen ihren Teilen auf die Erzielung eines einzigen Effektes ausgerichtet („unity of effect“) sein solle, egal ob es sich um die Beschreibung eines Schauplatzes, von Figuren oder um die Schilderung der Aktionen handele, die den Höhepunkt ausmachen (können).
Um die Glaubwürdigkeit des berichteten Geschehens und der Berichterstatter zu erhöhen, flicht Lovecraft zahlreiche – teilweise verbürgte, meist aber gut erfundene – Quellen ein, die beim weniger gebildeten Leser den Unglauben aufheben sollen. Erst dann ist die Erzielung kosmischen Grauens möglich, das sich Lovecraft wünschte. In den meisten Erzählungen gelingt ihm dies, und daher rührt auch seine anhaltende Wirkung auf die Schriftsteller weltweit. Erfolgreiche Serien wie Brian Lumleys „Necroscope“ oder Hohlbeins „Hexer von Salem“ wären ohne Poe und Lovecraft wohl nie entstanden.
Das heißt aber nicht, dass Lovecraft keine negativen Aspekte eingebracht hätte. Als gesellschaftlicher Außenseiter, der nur intensiv mit einer Clique Gleichgesinnter kommunizierte (er schrieb Briefe wie andere Leute E-Mails), ist ihm alles Fremde suspekt und verursacht ihm Angst: „Xenophobie“ nennt man dieses Phänomen. Darüber hinaus hegte er zunächst rassistische und antisemitische Vorurteile (wie leider viele seiner Zeitgenossen), sodass er von kultureller Dekadenz und genetischer Degeneration schrieb.
|Degenerierte Hauptfiguren|
Degeneration ist das Hauptthema in „Die Ratten im Gemäuer“, eine Story, die 1924 im gleichen Jahr wie „Der Hund“ entstand und nur ein Jahr vor „Das Fest“. In „Der Hund“ sind die beiden frevlerischen Grabräuber moralisch so weit herabgesunken, dass ihre Sünden einen rächenden Fluch heraufbeschwören, der für ihre Bestrafung sorgt. In „Das Festival“ gehört der junge Chronist, ohne es zunächst zu ahnen, einem uralten Geschlecht von Humanoiden an, das seit alters einem unheiligen Gott opfert, der vermutlich mit Cthulhu gleichzusetzen ist. Denn an einer Stelle heißt es, dass dieses Volk aus dem Meer kam, genau wie die sinistren Bewohner des unseligen Innsmouth. Und in Lovecrafts Meer herrscht immer nur „der träumende Cthulhu“ in der Unterwasserstadt R’lyeh.
Während die erste Story ebenso gut von Wolfgang Hohlbein („vgl. dazu seinen Roman „Anubis“) stammen könnte und mit ihrer Grusel-Action jedem modernen Leser gefallen dürfte, ist „Das Fest“ doch ein ganz anderes Kaliber. Sie ist auf sehr spezifische Weise Teil des Lovecraft-Mythos, wonach in der Gegend von Providence und dem nahe gelegenen Salem im 17. Jahrhundert – historisch belegte – Hexenprozesse stattgefunden haben. Dabei habe es sich um echte Hexer und echte Hexen gehandelt, die und deren Verwandte jedoch überlebt haben. Und wenn nicht in Fleisch und Blut, so doch als Gespenst: als untote Erinnerung.
|Unheilige Riten|
Diese Geister, behaupten diese und andere Stories, versammeln sich zum Julfest, um unheilige Riten in den Tiefen der Hügel Neuenglands etc. zu feiern. Neuengland ist bei HPL der Hort von Dimensionstoren, aus denen die Großen Alten, die einst von Göttern vertrieben wurden, wieder in unsere Welt einbrechen, manchmal um unheiligen Nachwuchs zu zeugen („Das Grauen von Dunwich“), manchmal um Menschen zu ihren Jüngern zu machen („Der Fall Charles Dexter Ward“). Dass die alten Salem-Hexer („Das Ding auf der Schwelle“) ihnen helfen, dürfte klar sein. Und dass Cthulhus Nachkommen hier ihre Feste feiern, ebenfalls.
Das alles kann aber nicht verhindern, dass dieser Story irgendwie die Pointe abhandenkommt. Denn was ganz am Schluss folgt, ist viel zu schwach in der Wirkung, um aus der Story viel mehr als eine stimmungsvolle Studie in Horrorphantasien zu schmieden.
|Die Gedichte|
Auch den Gedichten mangelt es eklatant an Handlung. Dies sind allerdings keine Balladen von Goethe („Erlkönig“ lässt sich auch als Grusel interpretieren) oder Schiller (der hatte mit „Der Geisterseher“ richtig guten Grusel-Trash geschrieben), sondern eine Art pseudoviktorianische Dekadenzlyrik, wie man sie vielleicht von einem Epigonen Baudelaires erwarten könnte. Baudelaire schrieb richtig gute Vampirstorys in seinen Gedichten, die in „Die Blumen des Bösen“ veröffentlicht wurden (ab 1861 in mehreren, teils verbotenen und zensierten Ausgaben).
HPL zieht die gleichen Sujets heran, doch hat er es nicht so mit Vampiren (in keiner einzigen Story), sondern mit uralten Flüchen („The Wood“), mit pittoreskem Verfall („The Cats“) und den degenerierten Anhängern verbotener Riten („Festival“). Alle drei Themen gehören zu HPLs Standardrepertoire und bieten dem Kenner nichts Neues. Neu ist jedoch die Tatsache, dass sie erstmals in der Originalsprache auf einem deutschen Medium präsentiert werden, noch dazu von jemandem, der der englischen Sprache mächtig ist.
_Handlung von „Das Bild im Haus“ (gesprochen von Torsten Sense)_
Ein junger Archäologe interessiert sich für die unheimlichen einsamen Gehöfte, die in Neu-England verlassen und überwuchert vor sich hin schlummern. Doch sie bergen das Grauen und das Groteske. Und ihre Fenster blicken wie Augen auf den ahnungslosen Besucher, sie erinnern sich an Unaussprechliches …
Es ist November 1896, als der junge Ich-Erzähler Zuflucht vor einem Wolkenbruch sucht. Er ist durch das Miskatonic Valley nahe Arkham (= Salem/Massachusetts) geradelt. Ein Haus unter Ulmen bietet ihm Obdach, niemand antwortet auf seine Rufe, die Tür ist offen, und der Besucher tritt in eine andere Zeit.
Zuerst fällt ihm ein widerlicher Geruch auf. Sie entsteigt dem Inventar, das offenbar aus der Zeit vor 1776 stammt, als der amerikanische Unabhängigkeitskrieg ausbrach. Auf dem Tisch fällt ihm ein aufgeschlagenes Buch aus dem 16. Jahrhundert auf, das den Titel „Beschreibung des Kongo“ trägt und auf der Tafel 12 aufgeschlagen ist. Es zeigt den Metzgerladen von Menschenfressern auf drastischste Weise. Daneben steht ein Buch von Cotton Mather, der puritanischen Hauptfigur der Hexenprozesse von Salem.
Da hört er Schritte, die von oben kommen. Es ist ein alter, weißbärtiger Mann, doch erscheint er überraschend stämmig und kräftig, seine blauen Augen blicken wach, wenn auch ein wenig blutunterlaufen. Nur will sein lumpenartiges Äußeres gar nicht dazu passen. Der Besucher ist abgestoßen und verspürt Beklommenheit. Der Alte bietet höflich einen Stuhl an und erwähnt, es würden keine Postkutschen mehr von Arkham kommen und der Bezirkslehrer sei seit anno 84 verschwunden. Er setzt eine alte Brille mit achteckigen Gläsern auf. Dann bittet er seinen Besucher, aus dem „Regnum Congo“, das in Latein geschrieben ist, zu übersetzen.
Seine freundliche Geschwätzigkeit vermag das gierige Glitzern in den Augen kaum zu verbergen, mit der er seinen Gast belauert. Während des folgenden bizarren Gesprächs wächst in unserem jungen Besucher nicht nur der Ekel vor den sonderbaren Ausführungen seines Gastgebers, sondern auch die Gewissheit, dass der Alte ein böses Spiel mit ihm treibt und sein Opfer bereits in der Falle weiß …
|Mein Eindruck|
Diese frühe Erzählung aus dem Jahr 1920 wird selten abgedruckt, denn sie rührt an ein Tabu, der sehr unappetitlich ist: Kannibalismus. Der Alte verschlingt seine ahnungslosen Opfer, nach dem Vorbild der Bewohner des Kongo. Degeneration – ein häufig wiederkehrendes Motiv in Lovecrafts Erzählungen. Degeneration nicht so sehr im körperlichen Sinne (der Alte ist unnatürlich kräftig und gesund), sondern vielmehr im moralischen. Die Grenze zwischen Tier und Mensch existiert für den Alten nicht mehr.
Eingebettet in das Bild vom Haus des Menschenfressers ist die Warnung vor der unheiligen Vergangenheit Neu-Englands – der Verweis auf Cotton Mather spricht für den Eingeweihten Bände. Lovecraft entführt den Leser bzw. Hörer in diese andere Zeit, um ihn mit schaurigen Phänomenen zu konfrontieren und davor zu warnen.
Archäologen sind in dieser Phase seine bevorzugten Protagonisten – beispielsweise in „Der Hund“ in „Ruf des Dämon 1“, aber auch in vielen weiteren Erzählungen. Sie begegnen schrecklichen verbotenen Geheimnissen, denen ihr säkularisierter Verstand, der Gott entsagt hat, nicht entgegenzusetzen hat. Anfällig für alle Arten von „unheiligen“, blasphemischen und sonstigen Dingen, leisten sie auch selten Gegenwehr gegen die Großen Alten, von denen in der nächsten Geschichte die Rede sein soll.
_Handlung von „Die Farbe aus dem All“ (gesprochen von Simon Jäger)_
Es gibt eine Gegend am Miskatonic westlich von Arkham, wo die Berge steil emporsteigen, die man die „Verfluchte Heide“ nennt. Die früheren Bewohner sind fortgezogen, und Fremde werden hier nicht heimisch, weil schlechte Träume sie heimsuchen. Nur der alte Ammi Pierce, der unweit Arkham lebt, spricht über das, was hier einst blühte und gedieh, an der alten Straße, wo die Farm von Nahum Gardner lag. Die neue Straße macht einen großen Bogen nach Süden um dieses Gebiet herum.
Möge der geplante Stausee bald die verfluchte Heide bedecken und die seltsam unnatürlichen Farben auslöschen, in denen sie funkelt. Aber ob man vom Wasser dieses Sees trinken sollte, fragt sich der Landvermesser, der diese Gegend zuerst besucht hat. Die Heide mit ihrem stinkenden Moder, den verkrüppelten Bäumen und dem verdorrten Gras breitet sich jedes Jahr weiter aus.
Folgendes erfuhr er von Ammi Pierce, dem besten Freund der Familie Gardner: Dort, wo einst die florierende Farm von Nahum Gardner stand, umgeben von fruchtbarem Weideland und Obstanbau, existiert nur noch toter Staub, der das Sonnenlicht in merkwürdigen, unirdischen Farben reflektiert.
Alles begann, nachdem 1882 der Meteorit sich in der Nähe von Nahums Brunnen in die Erde gegraben hatte. Ammi ist überzeugt: Eine fremde Macht aus dem All versank in der Erde, kurz darauf setzten rätselhafte Veränderungen bei Tieren und Pflanzen ein. Die Natur schien aus dem Gleichgewicht, die armen Menschen – zuerst Mrs Gardner – wurden von einem Wahnsinn ergriffen oder verschwanden spurlos, und alle Dinge weit und breit begannen, in unbeschreiblichen, widerwärtigen Farben zu leuchten – bis heute …
|Mein Eindruck|
Dies ist eine der besten Geschichten des Meisters aus Providence. Sie besticht den Leser bzw. Hörer durch ihre reportagehafte Genauigkeit, die Kühlheit ihrer genauen Beschreibungen, die trotz des horriblen Inhalts dennoch von der Vernunft gesteuert werden, als habe Edgar Allan Poe selbst die Feder des Schreibers geführt. Auch die „Einheit der Wirkung“, eine zentrale Forderung Poes von der Kurzgeschichte, ist vollständig und vorbildlich erfüllt.
Diese Geschichte steigert sich in Stufen und mit Verschnaufpausen bis zu einem solch phantasmagorischen Moment kosmischen Schreckens, dass es ein Wunder wäre, wenn der Leser bzw. Hörer nicht davon ergriffen würde. Zuerst zeigen sich nur leise Andeutungen, die sich zunehmend verdichten, je schwerer die Beeinträchtigung von Nahum Gardners Farm wird. Ammi Pierce ruft auch Wissenschaftler der Miskatonic Universität herbei, die aber auch nicht allzu viel ausrichten können. Sie finden allerdings Kugeln in einer unirdischen Farbe, und es ist anzunehmen, dass diese Substanzen ihren Weg in den Brunnen und somit ins Trinkwasser der Gardners finden.
Schon bald ändert sich der Geisteszustand von Mrs Gardner. Ihr Mann sperrt sie auf den Dachboden, ihr folgen ihre drei Söhne. Das menschliche Drama nimmt seinen Lauf, bis selbst der Alte vom Wahnsinn ergriffen wird. Erst als Ammie Pierce Nachbarn und besorgte Bücher mobilisiert, um nach ihm zu sehen, erreicht der Horror seinen Höhepunkt. Sie blicken aus dem Farmhaus hinaus auf eine Vision der Hölle. Denn nun wächst das Grauen um eine weitere Dimension: das Grauen wird kosmisch. Es kommt von den Sternen und es kehrt zu den Sternen zurück, allerdings nicht ohne ein sinistres Erbe zu hinterlassen: die sich ausbreitende „verfluchte Heide“.
Diese Heide birgt etwas, das nicht nur physisch existiert, sondern auch die Träume des Heidebesuchers heimsucht. Wie schon Nahum Gardner sagte: „Es zieht einen an, man kommt nicht weg.“ Und deswegen blieb er auf seiner Farm bis zum bitteren Ende, ähnlich wie Ammi Pierce. Und ob der Landvermesser je davon loskommt, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden.
_Die Gedichte (gesprochen von Simon Newby)_
|Astrophobos|
Das lyrische Ich beobachtet einen golden scheinenden Stern in der Nähe des Polarsterns und fabuliert von Schönheit, Heiterkeit, ja von himmlischer Herrlichkeit. Doch die Schönheit stellt sich als Trugbild heraus, als sich ein roter Schein darüber legt. Aus Hoffnung wird Hohn, aus Schönheit ein Zerrbild und aus Vergnügen Wahnsinn. Der Stern mag verschwinden, doch der Horror bleibt „forevermore“.
Das Gedicht hat in seiner gedanklichen und bildlichen Abfolge starke Ähnlichkeit mit Poes Gedicht „The Haunted Palace“, das in der Erzählung „Der Untergang des Hauses Usher“ nachzulesen ist.
Simon Newbys langsamer und gut verständlicher Vortrag erscheint mir sowohl falsch betont als auch falsch intoniert. Der Ton müsste nicht erschreckt klingen, sondern zunächst verzückt und in der zweiten Hälfte verrückt. Über die Aussprache der altertümlichen Wörter bin ich mit ihm als Anglist ebenfalls nicht einer Meinung.
|The Messenger| (|Der Bote|)
Dieses Gedicht lässt sich nur als Replik auf einen Journalisten verstehen. Bertrand Kelton Hart lebte fröhlich in Providence, Rhode Island, und arbeitete als Autor einer Kolumne für das Providence Journal, als er entdecken musste, dass das Wohnhaus der Figur Wilcox in HPLs berühmter Story „The Call of Cthulhu“ sein eigenes in Thomas Street Nr. 7 war.
Hart war nicht auf den Kopf gefallen und revanchierte sich in seiner Kolumne mit der Drohung, HPL in dessen Domizil in der Barnes Street einen Geist oder Ghoul auf den Hals zu schicken, der ihn täglich morgens um 3 mit dem Rasseln von Ketten wecken sollte.
Im Gedicht ist das lyrische Ich also vorgewarnt, glaubt aber nicht so recht an das Erscheinen des Gespenstes. Er fühlt sich vom Kreuz der Kirche (dem Elder Sign) beschützt. Die Kirchturmuhr schlägt drei, als auf einmal an der Tür ein Klirren und Rasseln von Ketten anhebt …
Simon Newby intoniert das Gedicht melodramatisch, doch ein koketter, zynischer Ton hätte zu der Haltung des Autors wohl besser gepasst.
|The House |
Gemeint ist das konkrete Haus auf Nr. 135 Benefit Street in Providence, Rhode Island. Dies hat HPL auch zu seiner bekannten und verfilmten Erzählung „The Shunned House“ („Das gemiedene Haus“) inspiriert.
Wie so viele Gruselhäuser in der Schauerliteratur ist auch dieses Haus entsprechend ausstaffiert, doch wird es lediglich von außen gezeigt, als wäre ein bewusstes Wesen von unermesslichem Alter, vor dem man sich fürchten sollte. Die Pointe ist jedoch die Haltung des Betrachters in der vierten Strophe. Ähnlich wie die Hauptfigur in der Story „Der Außenseiter“ wird sich der Betrachter bewusst, dass er schon einmal hier war, und zwar vor ziemlich langer Zeit. Wer oder was ist er?
|Mein Eindruck|
Diese Gedichte sind keine Balladen von Goethe („Erlkönig“ lässt sich auch als Grusel interpretieren) oder Schiller (der hatte mit „Der Geisterseher“ richtig guten Grusel-Trash geschrieben), sondern (außer in „The Messenger“) eine Art pseudoviktorianische Dekadenzlyrik, wie man sie vielleicht von einem Epigonen Baudelaires oder Poes erwarten könnte. Baudelaire schrieb richtig gute Vampirstorys in seinen Gedichten, die ab 1861 in „Die Blumen des Bösen“ veröffentlicht wurden.
Furcht vor den kalten und wankelmütigen Sternen gehört ebenso zu HPLs Standardrepertoire wie verfallende, sinistre Häuser und Geister. Die Gedichte bieten dem Kenner nichts Neues. Neu ist jedoch die Tatsache, dass sie erstmals in der Originalsprache auf einem deutschen Medium präsentiert werden, noch dazu von jemandem, der der englischen Sprache sehr gut mächtig ist.
|Die Sprecher|
Simon Jäger, die deutsche Stimme von Heath Ledger und Josh Hartnett, ist ein sehr fähiger Sprecher für diese gruseligen Texte. In der actionbetonten Story „Der Hund“ hat mir sein Vortrag besser gefallen als in „Das Fest“, aber das liegt vor allem an der grundverschiedenen Machart der beiden Erzählungen. In „Das Fest“ muss die Musik einen ungleich größeren Beitrag zur gewünschten Wirkung leisten, was dazu führt, dass Jägers Vortrag ständig von Musik unterbrochen wird.
Auch Simon Newby, der in viel größerem Maße als Jäger als Schauspieler tätig gewesen ist, verfügt über eine ausdrucksstarke Stimme, die es ihm erlaubt, auch so schwierige Texte wie die auf alt getrimmten Gedichte HPLs vorzutragen. Über die korrekte Aussprache solcher exotischen Ausdrücke wie „fungi“ (= Pilze) und „foetor“ (eine Übersetzung dafür konnte ich in meinen Wörterbüchern nicht finden, aber es klingt nicht nach etwas Gesundem) lässt sich wohl streiten.
|Schwächen|
Die Freude über die Premiere der Gedichtvorträge wird dadurch getrübt, dass der Englischkenner statt des erwarteten britischen Akzents, der der britischen Schreibweise der Texte („colour“ und „splendour“ statt des amerikanischen „color“ und „splendor“) angemessen wäre, einen Akzent zu hören bekommt, der mit dem amerikanischen R viel mehr gemeinsam hat als das Britische. Stellt man sich vor, ein BBC-Schauspieler wie, sagen wir mal, Ian Holm würde die Gedichte vorgetragen, so erhielten sie eine ganz andere Versmelodie, die einem kalte Schauer den Rücken hinunterjagen würde. Statt der vorhandenen, gewollt düsteren Wirkung bekäme ich einen nobel erhabenen Vortrag. So jedoch ließen mich die Gedichte unberührt.
Die Forderung nach einem britischen Akzent ist nicht abwegig, denn HPL war erstens ein äußerst gebildeter Bewohner Neuenglands (wo man eher die britische Aussprache pflegte), kein Hinterwäldler aus Texas, und zweitens ein Verehrer von anderen Horrorschriftstellern wie etwa Poe, der ebenfalls sehr klang-abhängige Gedichte („quoth the raven >Nevermore<") verfasste, die für den Vortrag in einer Teegesellschaft bestimmt waren, nicht fürs Lesen. (Horror, richtig vorgetragen, packt das Gemüt des Zuhörers an Stellen, von denen dieser nicht einmal deren Existenz ahnte, und zerrt ihn dann unbarmherzig über die Kante des Abgrunds.)
Dass diese These hinsichtlich der Akustik zutrifft, belegt schon ein kurzer Blick auf das Klangschema der Verse von "The Cats": Da wimmelt es nicht nur von streng ausgeführten Kreuzreimen, sondern auch von Alliterationen wie "Babels of blocks" und "High heavens". Verse wie "Colour and splendour, disease and decaying" erwachen erst im angemessenen Vortrag zu Leben, um ihre gruselige Wirkung zu entfalten. Der Knackpunkt ist lediglich der "angemessene Vortrag". An diesem hapert es. Eine Sache der Einstellung zum Text.
Simon Jäger liest "eine Vision von Fuseli" [sic] statt "eine Vision wie von Füeßli", denn Lovecraft meint den Schweizer Maler schauriger Motive wie "Der Nachtmahr", das wohl sein bekanntestes Bild ist (ein dunkler Gnom sitzt auf dem Bauch einer ohnmächtigen, weißgewandeten jungen Frau, und hinterm Vorhang lugt ein weiterer Dämon hervor).
_Die Musik _
Da es keinerlei Geräuschkulisse außer ein paar Spezialeffekten (Hundegeheul etc.) gibt, beruht die emotionale Wirkung der Akustik einzig und allein auf dem Vortrag des Sprechers und auf der Musik. Die Musik stellt so etwas wie ein experimentelles Novum dar (wie so einiges auf dem Hörbuch). Sie wurde nicht von einem einzelnen Komponisten zwecks Aufführung durch ein Orchester geliefert, sondern wird von einem Musikerkollektiv erstellt und zugleich aufgeführt: dem "Orchester der Schatten".
Wie uns ein Blick auf die Biografien von Stephan Wolff und Matthias Manzke informiert, so sind beide Komponisten, Wolff noch viel mehr als Manzke. Der Musikdozent Wolff bewegt sich als Komponist in Jazz und Pop ebenso gewandt wie in Klassik oder Filmmusik. Ja, selbst für Kinder hat er Songs und Lieder komponiert. Er spielt Keyboards. Manzke trat in Jazzensembles und Bigbands auf, dirigiert und komponiert; auf dem Foto hält er ein Saxophon, das auf der CD ebenso erklingt wie seine Flöte. Neben diesen beiden Herrschaften gehören zum "Orchester der Schatten" noch Lady Merle Ehlers (Drums, Perc), Sven Hinse (Bass) und Bernhard Suhm (Cello).
Über den Einsatz von jazzbasierten Instrumenten und Musikmotiven in einer Gruselproduktion ließe sich trefflich streiten. Das Booklet behauptet, es handle sich um ein "Stummfilmorchester". Ich für meinen Teil konnte mich nach einer Weile daran gewöhnen, besonders an die einfühlsam eingesetzte Percussion und an das in unheimlichen Kadenzen schwelgende Piano.
|Soundqualität (DDD)|
Da alle Produktionsstufen auf digitaler Technik basieren, ist der Qualitätsverlust beim Aufnehmen und Übertragen sowie bei der Wiedergabe absolut minimal. Der Zuhörer bekommt folglich optimale Qualität zu hören, sofern er über das angemessene Equipment verfügt. Einem Computerlautsprecher aus China würde ich die CD nicht unbedingt überantworten, eher schon meiner HiFi-Anlage oder auch meinem DVD-Spieler.
_Unterm Strich_
Die Kombination aus "Der Ruf des Dämon 1: Dunkle Geschichten" und "Wälder der Finsternis" bietet dem Liebhaber gepflegten Grusels aus dem House Lovecraft eine interessante Mischung aus total Traditionellem – die Storys und Gedichte – und innovativ Neuem: Die akustische Untermalung durch das "Orchester der Schatten". Nicht jedem wird dieser zweite Aspekt schmecken, muss doch erst einmal eingefahrene Hörgewohnheiten ablegen oder umstellen, um sich für das Neue zu öffnen.
Abgesehen von einigen kritischen Punkten hinsichtlich der Gedichte halte ich das Hörbuch für eine herausragende Produktion. Das Textmaterial ist ebenso anregend wie die kreativ gestaltete Musik, und das achtseitige Booklet wartet mit umfangreichen, ausreichenden Informationen zu Autor, Orchester, den Machern und mit den Gedichttexten auf. Mehr kann man zu diesem Preis kaum verlangen. Für Lovecraft-Puristen dürfte das ganze Ding der Horror sein.
"Der Ruf des Dämon 2: Wälder der Finsternis" ist wohl eher eine Missinterpretation, denn weder in "Das Bild im Haus" noch in "Die Farbe aus dem All" stehen Wälder im Vordergrund, sondern eher am Rande des Geschehens. Besonders die zweite, sehr lange Erzählung ist ein Meisterstück HPLs, das jeder Fan kennen sollte. Es steht in einer Reihe mit Grundpfeilern des lovecraftschen Werkes wie "Der Schatten aus der Zeit" (1934) oder "Schatten über Innsmouth" (1936), obwohl es bereits 1927 entstand.
Das Audiobook bietet dem Liebhaber gepflegten Grusels aus dem Hause Lovecraft eine interessante Mischung aus total Traditionellem – die Storys und Gedichte – und innovativ Neuem: die einfühlsame akustische Untermalung durch das "Orchester der Schatten". Insgesamt also mehr etwas für Spezialisten.
Preislich ist diese Zusammenfassung der beiden separaten Hörbücher "Dunkle Geschichten" und "Wälder der Finsternis" ein Gewinn, denn statt zweimal knapp 20 Euro zahlt der Käufer nur noch knapp 15 Euro.
|Inszenierte Lesungen auf 4 Audio-CDs
Spieldauer: 240 Minuten
Info: The Hound; The Festival (1924/25); The Cats; The Wood, Festival;
Aus dem Englischen von Susanne Althoetmar-Smarczyk, Anke Püttmann (Bild im Haus) und Matthias Manzke (Farbe aus dem All)
ISBN-13: 978-3821863436|
[www.eichborn.de]http://www.eichborn.de
_Das |Gruselkabinett| von H. P. Lovecraft auf |Buchwurm.info|:_
["Carmilla, der Vampir" 993 (Gruselkabinett 1)
["Das Amulett der Mumie" 1148 (Gruselkabinett 2)
["Die Familie des Vampirs" 1026 (Gruselkabinett 3)
["Das Phantom der Oper" 1798 (Gruselkabinett 4)
["Die Unschuldsengel" 1383 (Gruselkabinett 5)
["Das verfluchte Haus" 1810 (Gruselkabinett 6)
["Die Totenbraut" 1854 (Gruselkabinett 7)
["Spuk in Hill House" 1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
["Dr. Jekyll und Mr. Hyde" 2349 (Gruselkabinett 10)
["Untergang des Hauses Usher" 2347 (Gruselkabinett 11)
["Frankenstein. Teil 1 von 2" 2960 (Gruselkabinett 12)
["Frankenstein. Teil 2 von 2" 2965 (Gruselkabinett 13)
["Frankenstein. Teil 1 und 2" 3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
["Die Blutbaronin" 3032 (Gruselkabinett 14)
["Der Freischütz" 3038 (Gruselkabinett 15)
["Dracula" 3489 (Gruselkabinett 16-19)
["Der Werwolf" 4316 (Gruselkabinett 20)
["Der Hexenfluch" 4332 (Gruselkabinett 21)
["Der fliegende Holländer" 4358 (Gruselkabinett 22)
["Die Bilder der Ahnen" 4366 (Gruselkabinett 23)
["Der Fall Charles Dexter Ward" 4851 (Gruselkabinett 24/25)
["Die liebende Tote" 5021 (Gruselkabinett 26)
["Der Leichendieb" 5166 (Gruselkabinett 27)
["Der Glöckner von Notre-Dame" 5399 (Gruselkabinett 28/29)
["Der Vampir" 5426 (Gruselkabinett 30)
["Die Gespenster-Rikscha" 5505 (Gruselkabinett 31)
["Jagd der Vampire. Teil 1 von 2" 5730 (Gruselkabinett 32)
["Jagd der Vampire. Teil 2 von 2" 5752 (Gruselkabinett 33)
["Jagd der Vampire" 5828 (Gruselkabinett 32+33)
["Die obere Koje" 5804 (Gruselkabinett 34)
["Das Schloss des weißen Lindwurms" 5807 (Gruselkabinett 35)
["Das Bildnis des Dorian Gray (Gruselkabinett 36/37)"]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5919
["Die Maske des roten Todes" (Gruselkabinett 46)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6735
["Verhext" (Gruselkabinett 47)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6734
Onkel Titus kauft ein altes Spiegelkabinett. Bei genauerer Inspektion hören die drei ??? Kids plötzlich rätselhafte Reime. Vielleicht kann der berühmte Rätselerfinder Mr Think helfen? Doch als Justus, Peter und Bob in seiner Villa ankommen, fehlt von ihm jede Spur… (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Los gehts mit einem super Schnäppchen für Onkel Titus. Ein komplettes Spiegelkabinett, frei Haus geliefert, für nur 100 Dollar! Da wird nicht lang überlegt, sondern direkt gekauft!
1978. In einer eisigen Winternacht wird im schottischen St. Andrews eine junge Frau erstochen. Vier Studenten, alte Freunde, finden die Sterbende, können ihr Leben aber nicht mehr retten. Doch seitdem werden sie von Medien, Polizisten und Verwandten der Toten verdächtigt.
Und 25 Jahre später beginnt ein Unbekannter, späte Rache zu üben: zwei der vier Freunde sterben. Ein Albtraum beginnt. Wird es den beiden Überlebenden gelingen, sich und ihre Familien vor dem Rachefeldzug des Unbekannten in Sicherheit zu bringen? Sie machen sich daran, die fast verjährte Tat endlich aufzuklären, denn nur so kann der Wahnsinn gestoppt werden.
Tim, Karl, Klößchen und Gaby finden im Rathaus der Millionenstadt durch Zufall eine alte mysteriöse Karte in einem Modellschiff, auf der ein geheimer Ort verzeichnet ist. Kurz darauf stoßen sie auf eine Reihe von Rätseln, die es zu lösen gilt. Nur was steckt dahinter?
TKKG beginnen mit ihren Ermittlungen und eine Spur führt sie in den Hafen. Doch dort sind die Juniordetektive nicht allein. Sie werden verfolgt und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Es geht so direkt los, dass der Hörer denkt, er/sie hätte etwas verpasst. Die TKKG-Bande ist nämlich schon am Eingang vom Rathaus und will mit der Recherche für ein Schulprojekt beginnen. Irgendwie erinnerten mich die Beschreibungen des Gebäudes eher an ein Museum. Mit Ausstellungsstücken und Infotafeln. Dabei wird den Hörern auch immer wieder der eine und andere Fachbegriff erklärt. Dass „zwo“ für „zwei“ steht unter anderem auch, was aber eine „Galionsfigur“ ist, nicht. Nur, wo man sie an Schiffen findet.
Port Royal, Jamaika, im Jahre 1665. Captain Charles Hunter, Freibeuter in inoffiziellen Diensten des britischen Gouverneurs von Jamaika, heuert eine verwegene Crew von Spezialisten an, um den gewagtesten Raubzug anzutreten, den die Karibik je gesehen hat. Das Ziel: ein spanisches Handelsschiff, das tonnenweise Edelmetall an Bord haben soll.
Der Hafen, in dem das Goldschiff vor Anker liegt, gilt allerdings als uneinnehmbar. Und er wird vom ruchlosen Konquistador Cazalla schwer bewacht. Mit Cazalla hat Hunter noch eine Rechnung offen; der Spanier ließ Hunters Bruder grausam ermorden. Doch nicht nur er könnte den englischen Piraten am Erfolg hindern. Unter seinen Vertrauten befindet sich ein Verräter … (abgewandelte Verlagsinfo) Michael Crichton – Gold. Pirate Latitudes (Lesung) weiterlesen →
1843 am Heiligen Abend im weihnachtlichen London: Für den grimmigen Geldverleiher Ebenezer Scrooge ist Weihnachten nicht mehr als verabscheuungswürdiger „Humbug“. Erst die Besuche seines verstorbenen Teilhabers Jacob Marley sowie der Geister der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Weihnacht bewirken eine Wandlung. Aus dem stadtbekannten Geizhals wird ein liebenswerter Menschenfreund. Scrooge beginnt, den wahren Wert des Weihnachtsfestes zu erkennen.
_Der Autor_
Charles Dickens (1817-70) ist mit ziemlicher Sicherheit der bedeutendste Romanschriftsteller in der englischen Sprache (mit der Betonung auf „Roman“). Zu seinen bedeutendsten Werken zählen die verfilmten Romane „Oliver Twist“, „David Copperfield“, „A Tale of Two Cities“, „Nicholas Nickleby“ und das düstere „Bleak House“ (1853). Er veröffentlichte praktisch alle seine Romane vorab in Zeitschriften und Magazinen und machte sie so extrem populär. Dickens letzter Roman „Das Geheimnis des Edwin Droodge“ blieb unvollendet, was zu mehreren Versuchen Anlass gab, ihn zu vollenden, u. a. vom Autorenpaar Fruttero/Lucentini.
Von „A Christmas Carol“ gibt es zahllose Versionen, natürlich auch für die Bühne. Ich selbst habe einmal das gesamte Stück von nur einem Mann aufgeführt gesehen: phänomenal!
_Die Sprecher / Die Inszenierung_
Erzähler und Geist 1: Friedrich Schoenfelder (dt. Stimme von Vincent Price, David Niven u.a.)
Ebenezer Scrooge: Christian Rode (dt. Stimme von Sean Connery und Christopher Lee)
Geist 2: Peer Augustinski (dt. Stimme von Robin Williams u.a.)
Geist 3 und William Fezziwig: Heinz Ostermann
Mrs. Dilber: Arianne Borbach (dt. Stimme von Uma Thurman, Catherine Zeta-Jones u.a.)
Mrs. Fezziwig: Regina Lemnitz (dt. Stimme von Kathy Bates, Whoopi Goldberg)
Annie Cratchit: Daniela Hoffmann (dt. Stimme von Julia Roberts)
Bob Cratchit: Herbert Schäfer
Martha Cratchit / Fanny Scrooge: Theresa Mertens
Tiny Tim Cratchit / Straßenjunge / Scrooge als Junge: Lucas Mertens
Belle / Julie: Manja Doering
Fred: Alexander Doering
Außerdem sind die deutschen Stimmen von Reese Witherspoon, Natalie Portman, Telly „Kojak“ Savalas, Ally McBeal und anderen zu hören.
Das Hörspiel wurde von Marc Gruppe geschrieben, der auch Regie führte. Er produzierte es zusammen mit Stephan Bosenius. Die schöne, filmische Musik trug Manuel Rösler bei, sie wurde von |Bionic Beats| aufgenommen und gemischt.
_Handlung_
London 1843. Es ist Heiligabend, der 24. Dezember, und der Geldverleiher Ebenezer Scrooge, Londons stadtbekannter Geizhals, ist ohne jeden Zweifel überzeugt davon, dass sein Teilhaber Jacob Marley seit vier Jahren unter der Erde ist. Dennoch erscheint ihm Marleys Geist an diesem Abend – mit einer besonderen Botschaft.
Alle Menschen wünschen einander „Fröhliche Weihnachten!“. Alle? Nein, Ebenezer Scrooge, 55, hält das Fest und alles, was damit zusammenhängt, für reine Geschäftemacherei und den allergrößten Humbug, den man sich vorstellen kann. Er ist eben eine Krämerseele. Seinem Buchhalter Bob Cratchit zahlt er einen Hungerlohn und der Mieterin Mrs. Wilkins droht er mit dem Rauswurf, sollte sie ihre Hypothekenrate nicht bezahlen können. Nicht nur dem Spendensammler und einem singenden Jungen weist er die Tür, sondern auch seinem eigenen Neffen Fred, der ihm einen Weihnachtsbaum bringen will. Scrooge hat gute Verwendung dafür: als Feuerholz.
Bob Cratchit erbittet von Scrooge, früher gehen zu dürfen, da es ja schließlich Weihnachten sei und er nach seinem kranken Sohn Tiny Tim und seiner Familie sehen müsse. Erst will Scrooge nichts davon hören, gibt dann aber nach. Aber Cratchit muss nacharbeiten: am 25.12., komme, was da wolle!
Nachdem alle gegangen sind, stößt Scrooge einen tiefen Seufzer aus und stöhnt erleichtert: „Endlich Ruhe!“
Zu früh gefreut. In diesem Moment taucht Jacob Marleys Geist auf. Er rasselt mit Ketten, die ihn zu einem Schreckgespenst machen. Die habe er für seine schlechten Taten verpasst bekommen. Aber er warnt Scrooge, seinen ehemaligen Teilhaber, eindringlich vor weiteren schlechten Taten, wie Scrooge sie heute begangen habe. „Bessere dich!“ Und er kündigt das Kommen dreier Geister an: um Mitternacht, um drei und um sechs Uhr morgens. Scrooge lacht ihn aus, und Marley verschwindet.
Schlag zwölfe erscheint im Wandschrank der Geist der vergangenen Weihnacht. Denn wir fragen uns natürlich, was für ein Kind Scrooge früher einmal war. Nach dem frühen Tod seiner Mutter lebte er vor allem im Internat und strengte sich an, um den Ansprüchen seines Vaters gerecht zu werden. Sogar an Heiligabend. Da holt ihn seine Schwester Fanny ab, damit er bei seiner Familie feiern kann. Jetzt kommen Scrooge erste Gewissensbisse wegen des Jungen, den er weggeschickt hat. Fanny starb als verheiratete Frau und hinterließ nur ein Kind: seinen Neffen Fred.
1811 lernte er bei dem lebenslustigen Kaufmann William Fezziwig in London. Sie feiern zusammen mit Mrs. Fezziwig und der Nichte Belle einen schönen familiären Heiligabend. Unterm Mistelzweig dürfen sich, wie es alte englische Sitte ist, Jungs und Mädels küssen – und das tun Ebenezer und Belle auch. Sie werden ein Paar, denn Mr. Fezziwig macht ihn zum Teilhaber und Partner in der Firma. Am 24.12.1817 jedoch beging Scrooge eine Riesendummheit: Er hatte seine Verlobte Belle schon fünf Jahre auf die Hochzeit warten lassen, und jetzt stellt sie ihn vor die Wahl. Er hört gar nicht richtig zu, sondern brütet über der Kasse. Ja, er fordert sogar Geld von ihrem Vater zurück, der bei ihm Schulden hat. Mit Schmerzen erinnert sich der gegenwärtige Scrooge an Belles Fortgehen.
Aber es soll für ihn noch viel schmerzhafter werden, als die Geister der gegenwärtigen und der zukünftigen Weihnacht bei ihm erscheinen und ihn mit auf die Geisterreise nehmen …
_Mein Eindruck_
Die Geschichte vom bekehrten Geizhals ist schon in ihrem Ursprung an Familien und Kinder gerichtet gewesen. Dickens schrieb sie, um die lesende, d.h. gebildete und besitzende Klasse auf die Misere der besitzlosen und ausgebeuteten Menschen in London und allgemein in ganz England aufmerksam zu machen. Zerbrochene oder unvollständige Familien, kranke oder verkrüppelte Kinder wie Tiny Tim gehören zu seinem Standardpersonal. Selbst der Straßenjunge, der Weihnachtslieder trällert, tut dies nicht aus Spaß oder Übermut, sondern um einen Penny oder zwei zusammenzukratzen – vielleicht ist das genug, um im Armenhaus zu überleben.
Dies ist das Lumpenproletariat, das die Industrielle Revolution erzeugt hat, als sie ihnen die traditionelle Landarbeit oder ihr Handwerk wegnahm, die entwurzelten Menschen in die Städte zog und dort in Elendsquartieren vegetieren ließ. Dieser Zustand dauerte nicht etwa nur fünf Jahre an, wie mancher heutige Zeitgenosse hoffen mag, sondern mindestens hundert Jahre. Überträgt man die ökonomischen Bedingungen auf Länder der Dritten Welt, so findet man sie heute in Lagos, Rio de Janeiro und Mexiko City. Und zunehmend wohl auch bei uns, denn der Bevölkerungsanteil unter der Armutsgrenze steigt nicht erst seit Hartz IV unaufhaltsam an.
|Das Patentrezept?|
Gibt es Hoffnung auf Besserung, hat sich Dickens sicherlich gefragt. Die Antwort ist sein „Christmas Carol“. Wenn sich nur ein schlechter Mensch zum Guten bekehrt, so ist das Leben und Glück von mindestens fünf oder sechs Familien gerettet. Dies ist die Wirkung, die Scrooges nächtliche Bekehrung auf seine unmittelbare Umgebung ausübt. Natürlich wird er von denkenden Menschen wie seinem Neffen Fred zunächst misstrauisch beäugt, was zu der recht lustigen Vermutung führt, dass Scrooge nun völlig durchgeknallt sein müsse.
Aber was ist es denn nun eigentlich, das Scrooges rasante Bekehrung herbeiführt? Er hat drei Grundsätze mit Marley geteilt, so etwa „Zeit ist Geld“ und „Weihnachten etc. ist Humbug“. Seine direkten und indirekt betroffenen Opfer halten ihm christliche Grundsätze entgegen, an die er zunächst nicht glaubt: „Man soll die Hoffnung nie aufgeben“, sagt Tiny Tim Cratchit, und „Es ist nie zu spät, sich zu ändern“. Denn erst Hoffnung und Liebe im Familienkreis scheinen das Glück zu garantieren. Aber was ist, wenn man nicht an sie glaubt – so wie Scrooge? Dann sind sie nämlich bedeutungslos.
|Wohl doch nicht!|
Es ist letzten Endes wohl der Schrecken, der ihm in die Glieder fährt, als er durch den Geist der künftigen Weihnacht sieht, dass er erstens selbst unbetrauert diese Welt verlassen wird und zwar schon bald – und zweitens, dass er ganz direkt am Tod von Tiny Tim, also einem unschuldigen Kind, schuld sein wird. Scrooge ist noch Christenmensch genug, um sich an einen Kern erinnern zu können, der Nächstenliebe kannte, und diesen zu reaktivieren.
Die spendablen Gesten, die er jedoch auf einmal an den Tag legt, verblüffen nicht nur seine Mitmenschen, sondern auch uns. Dieser Wandel kommt ganz schön abrupt. Aber weil die ganze Geschichte sowieso das Wesen eines Wunders und den Anstrich einer Parabel hat, kann man auch diesen plötzlichen Wandel hinnehmen, ohne sich gleich am Kopf zu kratzen.
_Die Sprecher / Die Inszenierung_
Die Macher dieser Hörspiele suchen ihren Vorteil im zunehmend schärfer werdenden Wettbewerb der Hörbuchproduktionen offensichtlich darin, dass sie dem Zuhörer nicht nur spannende Gruselunterhaltung bieten, sondern ihm dabei auch noch das Gefühl geben, in einem Film voller Hollywoodstars zu sitzen. Allerdings darf sich niemand auf vergangenen Lorbeeren ausruhen: bloßes Namedropping zieht nicht, und So-tun-als-ob ebenfalls nicht.
Die Sprecher, die vom Starruhm der synchronisierten Vorbilder zehren, müssen selbst ebenfalls ihre erworbenen Sprechfähigkeiten in die Waagschale werfen. Zum Glück machen sie dies in hervorragender und glaubwürdiger Weise. Statt gewisse Anfänger zu engagieren, die mangels Erfahrung bei den zahlreichen emotionalen Szenen unter- oder übertreiben könnten, beruht der Erfolg dieses Hörspielverlags ganz wesentlich darauf, dass hier zumeist langjährige Profis mit schlafwandlerischer Sicherheit ihre Sätze vorzutragen wissen. (Wir wissen allerdings nicht, welche Pannen ihnen dabei unterlaufen sind. Fest steht aber, dass keine Pannen oder Fehler zu hören sind.)
|Musik und Geräusche|
Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde. Da heult und seufzt der Wind durch die Ritzen der Fenster, kratzt der Gänsekiel von Bob Cratchit, klirren Ketten und klingen Gläser, läuten die Kirchenglocken.
Aber gewisse Sounds werden auch effektvoll überhöht. Da heult nämlich ständig der Wintersturm auf der Straße vor dem Haus von Scrooge. Und wenn der Furcht erregende Geist der künftigen Weihnacht auftritt wie der leibhaftige Tod, so besitzt er keine natürliche Stimme, sondern eine elektronisch verfremdete, die dem Zuhörer Schauder verursacht. Auch die Stimmen aus Scrooges Erinnerung erlangen durch Halleffekte eine ganz andere Qualität, die viel eindringlicher wirkt als normale Sprechakte.
Die Musik gibt sehr genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder; so ist sie zunächst melancholisch, als vom Tode Marleys erzählt wird, wird aber sofort fröhlich und festlich, als Heiligabend gefeiert wird – außer natürlich von Scrooge. Sie wird wehmütig, als der Geizkragen sich selbst als zehnjährigen Jungen am 24.12.1798 sehen kann. Der stimmungsmäßige Tiefpunkt wird mit der Enthüllung von Scrooges potenziellem Sterbedatum auf seinem Grabstein erreicht: 24.12.1844. Zum Glück lässt sich Scrooges durch diesen Schrecken bekehren, so dass am Schluss nicht die Trauerglocken läuten, sondern eine fröhliche und zuversichtliche Hymne das Finale bestreitet.
_Unterm Strich_
Das Hörspiel zu dem bekannten Weihnachtsklassiker von Charles Dickens, sehr aufwendig produziert, unterhält den Zuhörer wie ein schöner Spielfilm, der das Anliegen, das Gute im Zuschauer zu wecken, zu transportieren weiß. Die moralische Botschaft, die schon im Original steckt, wird auch im Hörspiel recht dick aufgetragen. Und da mögen die Schauspieler noch so gekonnt sprechen, die Geräusche noch so echt erscheinen und die Musik noch so emotional sein – dieses Werk spricht in erster Linie Familien und Kinder an, nicht aber eingefleischte Singles und Weihnachtsboykottierer. Diese dürften sich wie Scrooge wehmütig daran erinnern, wie schön es einstmals war, als sie noch Teil einer Familie waren. Vielleicht trägt das Hörspiel dazu bei, sie wieder in die menschliche Gemeinschaft zurückzuführen. Denn: „zu zweit ist man weniger allein“.
|Originaltitel: A christmas carol in prose, 1843
120 Minuten auf 2 CDs|
Das Horror-Kabinett DARK DUNGEON zieht alle Register: echte Schauspieler statt Wachsfiguren – und im Keller wird ein ganzer Straßenzug aus dem Jahr 1666 zum Leben erweckt, dem Jahr des Großen Brandes. Auch ich hatte von der Neueröffnung gehört und betrat neugierig die Katakomben. Ich konnte ja nicht ahnen, dass mich im Dungeon mein alter Feind Akim Samaran erwarten würde – und damit ein ganz realer Horror-Trip! (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer 383 gemacht, das erstmalig am 4. Novermber 1985 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.
Als die französische Tierforscherin Diane Thiberge einen kleinen Jungen aus Indonesien adoptiert, ahnt sie noch nicht, dass ihr Leben damit zu einem tödlichen Abenteuer wird. Denn der kleine Lü-sian ist nicht irgendein Straßenkind, sondern ein Schamane: ein „Wächter“.
Die Fünf Freunde beginnen die gemeinsamen Ferien mit dem Besuch des Flohmarkts in Twin Oaks. Dort wird Julian der Geldbeutel gestohlen. Die Freunde verfolgen den Dieb zu einem verlassenen Bahngelände und stellen ihn zur Rede. Er heißt Tom und wohnt mit seinem Bruder Philip zurzeit in einem alten Eisenbahnwaggon. Tom berichtet, dass die beiden sich verstecken müssten. Ihre Eltern haben eine Verschwörung aufgedeckt und wurden verhaftet. Deshalb mussten sie fliehen. Die Fünf Freunde wollen den beiden helfen – und begeben sich dabei in große Gefahr … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Der Klappentext klingt spannend. Auch interessant ist aber, dass laut Technik-Credits extra eine Psychologin zur Beratung hinzugezogen wurde, um die Story zu schreiben. Leiden die beiden Brüder unter Wahnvorstellungen?
Von Rocky Beach in die Rocky Mountains – die drei ??? freuen sich auf ein Wander-Wochenende. Was harmlos beginnt, wird zum Kampf ums nackte Überleben! Noch bevor die Wandergruppe aufbricht, wittern die drei Detektive einen neuen Fall: Ein toter Briefkasten und eine Stolperfalle – will jemand die Tour verhindern? Schon auf der ersten Etappe wird es brenzlig. Ein Bach wird zum reißenden Fluss, und Pilze sollte man mit Vorsicht genießen. Als Peter verschwindet, wird klar: Die Wildnis hat etwas zu verbergen. Die drei ??? finden sich im Wald der Gefahren wieder … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Die Romanvorlage konnte mich in der ersten Hälfte nicht wirklich fesseln, entsprechend gespannt war ich auf die Verhörspielung.
„Die Wasserweber“ ist der dritte und abschließende Teil der „Wellenläufer“-Trilogie Kai Meyers.
Ein magisches Beben erschüttert die Küsten der Karibik. Und in finsteren Piratenhäfen werden Kinder geboren, die über Wasser gehen können. Jahre später glaubt Jolly, dass außer ihr keine anderen Wellenläufer mehr am Leben sind. Bis sie Munk begegnet. Auch er versinkt nicht im Wasser – und kann aus Muscheln einen uralten Zauber beschwören. Ein rätselhafter Fremder, der Geisterhändler, schickt die beiden auf eine fantastische Reise. Gejagt von Klabautern, Ungeheuern und allen Seeräubern der karibischen See, stellen sie sich einer tückischen Gefahr: dem Mahlstrom, einem dunklen Strudel, der die Barriere zwischen den Welten niederreißt.
Der Roman spielt Anfang des 18. Jahrhunderts unter den Piraten der Karibik. Die Heldin Jolly, ein 14-jähriges Seeräubermädchen, verfügt von Geburt an über ein besonderes Talent: Sie kann über Wasser gehen. Nach dem Untergang ihres Schiffes und dem Verlust ihrer Mannschaft findet sie neue Freunde: Munk, der sich auch auf die Kunst der Muschelmagie versteht, den Geisterhändler, der die Geister ertrunkener Seeleute als Sklaven verkauft, Buenaventure, ein Wesen halb Mensch, halb Hund. Doch die Gefährten haben einen mächtigen Feind – den Mahlstrom, einen meilenbreiten Strudel, der von einer teuflischen Intelligenz beseelt ist. Jollys Reise führt weit über die Karibik hinaus – geradewegs ins Mare Tenebrosum, die legendäre See der Finsternis.
_Der Autor_
Kai Meyer, Jahrgang 1969, studierte Film, Philosophie und Germanistik und arbeitete als Redakteur. Er schrieb schon in jungen Jahren und lieferte u. a. ein paar Jerry-Cotton-Abenteuer. Sein erster großer Erfolg war „Die Geisterseher“, eine historische „Akte X“. Seit 1996 ist er freier Schriftsteller und Drehbuchautor. Bisher sind rund 40 Romane von ihm erschienen. Selbst Kritiker waren von seinem historischen Mystery-Thriller „Die Alchimistin“ begeistert, später folgten „Die fließende Königin“ und „Göttin der Wüste“. Bei |Loewe| erschien mit den „Wellenläufern“ ein Jugend-Fantasyzyklus. [„Frostfeuer“ 2111 aus dem Jahr 2005 ist eigenständiger Jugendroman. Das Buch wurde mit dem internationalen Buchpreis CORINE ausgezeichnet.
[Interview mit Kai Meyer]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=11
[„Die Alchimistin“ 73
[„Das Haus des Daedalus“ 373
[„Der Schattenesser“ 2187
[„Die Fließende Königin“ 409
[„Das Buch von Eden“ 890 (Hörbuch)
[„Das Buch von Eden“ 3145
[„Der Rattenzauber“ 894
[„Frostfeuer“ 2111 (Hörbuch)
_Der Sprecher_
Andreas Fröhlich ist die deutsche Stimme von John Cusack und Edward Norton. Er wurde 1965 in Berlin geboren; bereits mit sieben Jahren begann er mit der Synchronarbeit, nachdem er im Kinderchor des „Sender Freies Berlin“ entdeckt wurde. 1978 stieg er in der Sprecherrolle des Bob Andrews bei einer der bis heute erfolgreichsten Hörspielreihen Deutschlands, „Die drei Fragezeichen“, ein.
Nach dem Abitur ging Fröhlich zunächst zum Theater, wo er unter anderem Rollen in Büchners „Woyzeck“ und in Shakespeares „Was ihr wollt“ spielte, bis er 1991 wieder zu seiner Arbeit als Synchronsprecher zurückkehrte. Außer als Sprecher arbeitet er als Synchronregisseur und Drehbuchautor, wo er u. a. für die Synchronisierung von „Der Herr der Ringe“ verantwortlich war. In dieser Trilogie übernahm er z. B. die Synchronisation des Wesens Gollum. Doch auch die deutschen Dialoge in Filmen wie Disneys „Mulan“ und „The Beach“ stammen aus seiner Feder. (Verlagsinfo)
Fröhlich liest eine leicht gekürzte Romanfassung, die von Andrea Herzog bearbeitet wurde. Regie führte Angelika Schaack, die Aufnahme steuerte Fabian Küttner im Elmsbütteler Tonstudio, Hamburg.
_Handlung_
Nur noch zwei bis drei Tage bis zum Angriff auf die karibische Seesternstadt Aelenium. Der Verteidigungsplan ist bereits beschlossen. Während die beiden Muschelmagier Munk und Jolly den Mahlstrom in der Gegend namens Sorfenschrund schließen sollen, verteidigt sich die Stadt gegen die Angriffe der Klabauterarmeen. Doch auch der Kannibalenkönig Tyrone wird angreifen. Jolly hofft, dass die anderen Piratenkapitäne, die sich von ihm verraten sehen, seine Flotte angreifen und ihn von einem Angriff auf Aelenium abbringen. Die Chance ist jedoch nur gering. Klar ist jedenfalls, dass jede Verteidigungsmaßnahme nur dazu dienen kann, den beiden Quappen Zeit zu erkaufen, um das eigentliche Übel zu bekämpfen. (Man denke an Frodo und Sam auf dem Weg zum Schicksalsberg.)
Doch zu den Verteidigern gesellt sich ein unerhoffter Kämpfer: der Riesenwal Jasconius mit seinen beiden Insassen, Griffin und Ebenezer Arkwright. Der Wal, der die Bedrohung erkannt hat, soll sich noch als große Hilfe im Kampf erweisen. Und Griffin tut sich als Reiter eines Flugrochens hervor, der mit seinem jeweiligen Schützen die Klabauter aus der Luft bekämpft.
|In die Tiefe|
Begleitet von Soledad, Hauptmann D’Artoire und dem Geisterhändler, begeben sich Munk und Jolly hinaus in das Seegebiet, unter dem sich der Mahlstrom befindet. Jolly bittet den Oberbefehlshaber, ihre Grüße an Griffin auszurichten, den sie seit einer Weile nicht mehr gesehen hat (er war ja im Wal verschwunden). Sie weiß nun, für wen und was sie kämpft: für Griffin, ihre Zukunft – und für ihr Leben als magiebegabte Quappe. Im letzten Moment taucht Griffin auf, so dass sie ihm einen Abschiedskuss geben kann. Das freut Munk überhaupt nicht, denn er ist eifersüchtig.
Der Weg zum Mahlstrom ist lang und tückisch. Munk und Jolly müssen zuerst 30.000 Fuß tief tauchen und dann noch 20 bis 30 Meilen gehen oder schwimmen. Die Warnungen des Geisterhändlers, eines alten Gottes, begleiten sie. Denn vor Tausenden von Jahren soll es schon einmal einen Kampf gegen den Mahlstrom gegeben haben. Damals wurde der Mahlstrom im Schorfenschrund eingesperrt, doch offenbar hat er sich befreien können. Waren die Wachen müde geworden?
Beim Schwimmen stoßen die beiden Quappen auf eine versunkene Seesternstadt – der Vorgänger Aeleniums. Immer wieder müssen sie sich vor Klabautern verstecken: käseweißen und klapperdürren Krallenmännern, die auch unter Wasser riechen und sehen können. Mit ihren breiten Füßen können sie sich auf dem Meeresgrund gut fortbewegen. Jolly und Munk wurden auch vor Suchströmen gewarnt, die als Flutwellen das Meer durchziehen und jeden Wehrlosen in die Tiefe ziehen können.
|Aina|
Nahe der versunkenen Stadt stoßen die beiden Quappen auf ein nacktes Mädchen von etwa 15 Jahren. Sie nennt sich Aina und betört den verblüfften Munk mit ihrer Schönheit und ihrer einschmeichelnden Stimme. Jolly ist gleich von Anfang an misstrauisch. Aina muss eine der früheren Quappen sein, aber dann wäre sie ja Tausende von Jahren alt – und sähe bestimmt nicht wie 15 aus. Außerdem ist sie nichtstofflich wie ein Geist: Als Munk Aina berührt, dringt seine Hand durch sie hindurch. Als Aina ihm eine ihrer großen Muscheln zeigt, ist er in der Lage, mit dieser Magie einen Angriff von Klabautern zurückzuschlagen.
All dies kommt Jolly sehr seltsam vor. Aber die schmeichlerische Stimme Ainas lullt sie ein und Munk ist von Ainas Hilfsbereitschaft überzeugt, und so lassen Munk und Jolly sich von dem Mädchen zum Klabauterberg führen, der sich am Rande des Schorfenschrunds erhebt. Angeblich soll hier die Mutter der Klabauter, Kangusta, leben, doch Aina sagt, sie habe sich selbst eingeschlossen. Das ist jedoch gelogen, wie Jolly zu spät herausfindet. Und Munk ist weit weg und kann ihre Hilferufe nicht hören …
_Mein Eindruck_
Der Abschluss der Wellenläufer-Trilogie erinnert mich stark an das Finale von Tolkiens „Herr der Ringe“ (und vielleicht war die Ähnlichkeit auch dem Autor bewusst, so dass er ein bewährtes Rezept verwendete). Während die Entscheidungsschlacht um Aelenium in mehreren Phasen tobt, versuchen zwei junge Menschen – bei Tolkien sind es Frodo und Sam – den Verursacher all diesen Übels auszuschalten: den Mahlstrom. Dabei müssen Jolly und Munk mehrere Grenzen überschreiten und neue Wesen kennenlernen, die ihnen mehr über den Widersacher verraten. Munk lernt von Aina und täuscht sie, doch Jolly verschlägt es zu der Mutter der Klabauter, Kangusta, sowie zu den Wasserweberinnen. In diesen Begegnungen geraten die beiden jungen Quappen an die Grenze zum Numinosen, den anderen Gottwesen: den „Meistern“ des Mare Tenebrosum.
|Götterdämmerung|
Wie auch immer: Ende gut, alles gut. Oder doch nicht? Viele Helden mussten ihr Leben lassen, andere jedoch – wundersamerweise – nicht. Mit vereinten Kräften wird man auch Tyrones Herr, und schließlich kann man ans Reparieren und Genesen gehen. Doch einer ist für immer gegangen: Urvater, der Schöpfer dieser Welt. Er hat sein negativ gepoltes Gegenstück, den Mahlstrom, nicht überlebt. Das heißt: nur körperlich. Denn seine Geschichte, also seine Idee, lebt weiter fort, ermöglicht durch die Magie des Geisterhändlers, des einäugigen Gottes (eine Gandalf-Figur). Die Ära der alten Götter ist vorüber, die Herrschaft der Menschen endgültig angebrochen. Doch einen neuen König gibt es dennoch nicht: Die alten Streitigkeiten bleiben bestehen. Aber alle schmieden Pläne.
|Metamorphose |
Ein Handlungselement hat mich an einen alten Fantasytrick erinnert: Wenn eine alte Figur ausgedient hat, wird sie entweder ausgewechselt – oder sie verwandelt sich. So verwandelt sich der alte Zauberer in A. R. R. R. Roberts Hobbit-Parodie [„Der kleine Hobbnix“ 477 kurz vor der entscheidenden Begegnung mit dem Drachen (alias Smaug) in ein Wesen, das wesentlich nützlicher ist als der vergessliche Tatterich, der er zuvor war (ich verrate nicht, in was). Aber er entscheidet natürlich die Begegnung mit dem Gegner. Dieses Element könnte man wohl als „Ass im Ärmel“ bezeichnen.
Der hexhermetische Holzwurm, der als Orakel und Dichter gleichermaßen genervt hat, macht eine Verpuppung durch, die den Leser bzw. Hörer gespannt darauf warten lässt, was aus dem Kokon schlüpfen mag. Als die geflügelte Schlange mit viel Licht und Wunder erscheint, ist auch dies eine Begegnung mit dem Numinosen. Merkwürdig, dass keiner der Anwesenden sonderlich Angst verspürt. Und da sich die grantige Mentalität des Ex-Holzwurms nicht geändert hat, gibt es dazu auch wenig Anlass. Die Feinde haben sich dafür umso mehr zu fürchten.
|Terminator-Wyvern|
Auch der Gestaltwandler ist ein Gegner, dem sich jemand entgegenstellen muss, und diesmal ist die Reihe an Griffin, Jollys Freund. Der Gestaltwandler oder „Wyvern“ (was in den meisten Bestiarien einen Flugdrachen bezeichnet, aber das trifft hier nicht zu) ist ein Schwarmwesen, das – wie ein feindlicher Terminator à la TX – die Gestalt jedes Wesens annehmen kann, das es berührt hat. Es ist folglich äußerst schwierig, so eine proteische Gestalt zu töten. Griffin schafft es wunderbarerweise trotzdem.
|Vorgeschichten|
Doch wer hat das Wyvern geschickt: der Mahlstrom, die Meister, das Mare Tenebrosum oder sonst jemand? Die Erklärung ist recht kompliziert, denn sie fordert ständiges Umdenken. Ebenso kompliziert ist die Erklärung, wie der Mahlstrom überhaupt entstand – und warum er nach mehreren tausend Jahren Ruhe erneut auftauchte. Mich haben diese Erklärungen kaum zufrieden gestellt. Das ist das Problem mit den nachträglich gelieferten Vorgeschichten: Sie lassen sich nur selten auf erzählerisch befriedigende Weise in die gegenwärtige Erzählung integrieren. Tolkien beispielsweise brauchte dafür einen umfangreichen Anhang, um die Vorgeschichten für „Der Herr der Ringe“ zu beleuchten. Hätte er [„Das Silmarillion“ 408 zuerst veröffentlichen dürfen, wäre das unnötig gewesen.
Das Ende des Widersachers, sei es nun Sauron oder der Mahlstrom, hat entsprechend spektakulär auszusehen und das Ende einer Ära zu bezeichnen. Sowohl Tolkien als auch Peter Jackson und Kai Meyer lösen diese leichte Aufgabe zur größten Zufriedenheit des jeweiligen Publikums, ohne jetzt mehr verraten zu wollen.
|Der Sprecher|
Andreas Fröhlich ist ein wahrer Stimmkünstler. Es hat mich immer wieder verblüfft, wie er es vollbringt, seine Stimme so flexibel anzupassen, dass es ihm gelingt, die optimale Ausdruckskraft hervorzubringen. Das ist kein Wunder, wenn man bedenkt, dass es Fröhlich war, der in Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Verfilmung den Gollum spricht. Tatsächlich gibt es auch in „Die Wellenläufer“ ein Figur, die fast haargenau wie Gollum klingt.
Es ist ein „hexhermetischer Holzwurm“, der im Hafen von Tortuga als Orakel sein Leben fristet – bis Jolly ihn rettet und mitnimmt. Er hat die gleiche heisere, ein wenig schnarrende Stimme wie Gollum, allerdings ein wenig tiefer. In diesem dritten Teil allerdings ist der alte Holzwurm nicht mehr das, was er einmal war. Er hat sich in eine geflügelte Schlange verpuppt, einen Schlangengott, wie ihn die alten Maya verehrten. (Und er wütet gar gewaltig unter den Feinden.) Seine Stimme ist nicht mehr so krächzend wie zuvor, sondern hat eine ehrfurchtgebietende Note erhalten.
Die unheimlichste Figur, die Fröhlich stimmlich erschafft, ist ohne Zweifel der Geisterhändler. Hat er schon von der Optik her das Aussehen des nordischen Obergottes Odin, so rundet seine tiefe, autoritative Stimme die Erscheinung eines wanderndes Gottes ab. (Es ist die gleiche Stimmlage, die Fröhlich im ersten [ERAGON-Hörbuch 3228 für Brom reserviert hat.) Als er auch noch Delphi und die Wilde Jagd erwähnt, ist ziemlich klar, von welcher Herkunft der Geisterhändler ist.
Eine weitere bemerkenswerte Figur ist Buenaventure, der Steuermann von Kapitän Walkers Schiff „Carfax“. Wenn dieser Gigant mal seinen Helm ablegt, wird sein Gesicht sichtbar: Es gleicht aufs Haar genau dem eines Pitbulls. Entsprechend tief und grollend klingt die Stimme dieses Wesens. Jolly, unerschrocken wie immer, schließt auch mit diesem dicken Brocken Freundschaft.
Die meisten männlichen Figuren in dieser Geschichte sind Piraten und klingen auch wie solche: rauhbeinige Gesellen, mal weniger, mal mehr angetrunken. Das gilt auch für den Kaiser Kendrick. Man kennt diese Stimmen aus [„Fluch der Karibik“]http://www.powermetal.de/video/review-369.html – dafür gibt es bereits ein Klischee. Ebenso für die Piratenbräute, selbst wenn sie wie Soledad als eine „Prinzessin“ bezeichnet werden.
|Spezialeffekte|
Wie schon in Teil 2 begegnet Jolly den Wasserweberinnen. Doch wie spricht ein Einzelsprecher die Stimmen von drei gleichzeitig sprechenden alten Frauen? Das ist eine echte Herausforderung und lässt sich im Grunde nur auf technische Weise bewältigen. Durch die Aufnahmetechnik gelingt es ihm, seine Stimme, die er sanft und weiblich gestaltet, zumindest zu verdoppeln (man nimmt die zweite Stimme mit minimaler Verzögerung auf.). Sie zu verdreifachen, würde sie undeutlich werden lassen. Hinzukommt ein schwacher Halleffekt, der die Tiefe des Meeresgrunds symbolisiert. Würde man diesen Filter stärker einstellen, so wäre der Text schwerer zu verstehen, also muss er relativ schwach eingesetzt werden.
Das gleiche Prinzip gilt für Kangusta, die Mutter der Klabauter. Auch sie stellt Fröhlich mit elektronisch verzerrter Stimme dar. „Kangusta“ spricht schnarrend und auch ein wenig weinerlich, denn der Mahlstrom hat ihr ihre Kinder entfremdet und fortgenommen. Doch Jolly kann sie aufheitern: durch den Kampf gegen den Widersacher.
|Die Geräusche|
Wie es sich für ein solches Piratenmärchen aus der Karibik gehört, bekommt der Zuhörer eine Menge von Geräuschen geboten. Vom Vogelgezwitscher über Brandungsrauschen und aufgeregte Stimmen bis hin zum Kanonendonner – die stilechten Sounds verleihen der Geschichte eine erhöhte Authentizität und verstärken das romantische Flair, das durch die Karibiklandschaft weht. Dass die Kanonen donnern, gehört ebenfalls zum Abenteuer – und was wäre eine Seeschlacht ohne feuernde Geschütze? Dennoch überdecken die Geräusche nie den Vortrag, so dass weiterhin jedes Wort zu verstehen ist – sie bleiben stets dezent im Hintergrund. Für das Ende des Mahlstroms hätte ich mir etwas grandiosere Geräusche gewünscht: mehr Theaterdonner sozusagen.
Mit ist auch hier negativ aufgefallen, dass die Lautstärke der Aufnahme zu leise eingestellt ist. Jedenfalls viel leiser als die meisten aktuellen Audioproduktionen.
_Unterm Strich_
Wie oben schon erwähnt, greift der Autor in diesem Teil auf bewährte Muster der Fantasyliteratur zurück. Da ich diese Muster zur Genüge kenne, habe ich mich ziemlich gelangweilt, denn ich wusste ja schon, was kommen würde. Die diversen Showdowns, die für ein Finale obligatorisch sind, konnten mich ebenfalls nicht besonders begeistern, denn es war ja klar, dass die Guten gewinnen würden.
Keiner von Jollys Gefährten gerät wirklich in Lebensgefahr, und wenn auch Jolly zeitweilig für tot gehalten wird, so ist doch für jeden Kenner klar, dass der Autor die Hauptfigur nicht einfach sang- und klanglos in der Versenkung verschwinden lassen kann. Aber wenigstens tauchen keine Adler auf – obwohl der Flugrochen Griffins damit eine starke Ähnlichkeit aufweist. Alles in allem wird in diesem Teil mehr gehandelt als gequasselt, doch der hohe „bodycount“ unter den feindlichen Angreifern auf Aelenium dürfte keinen Leser bzw. Hörer schmerzen.
Andreas Fröhlich bietet mal wieder seine ganze beträchtliche Kunstfertigkeit auf, um den Figuren Leben einzuhauchen und sie unverwechselbar zu machen. Sein Stimmumfang verblüfft immer wieder, denn er reicht vom tiefen Bass bis zum höchsten Diskant, und er setzt dies in der Geschichte ausgezeichnet ein. Das dürften dem jugendlichen Hörer erheblichen Spaß bereiten. Die realistisch klingenden Geräusche werden sehr dezent eingesetzt, so dass sie nie den Vortrag überdecken (was nicht selbstverständlich ist).
_Gegenwartskrimi par excellence, professionell inszeniert_
Der Journalist Siggi Baumeister hat diesmal eine besonders harte Nuss zu knacken: Er soll den Mord an der dreizehnjährigen Annegret recherchieren. Dabei gerät er von einem moralischen Sumpf in den nächsten.
Nicht nur das. Siggi hat auch noch einen Sack voll privater Probleme: Seine seit zwölf Jahren nicht mehr gesehene Tochter Clarissa steht mir nichts dir nichts vor der Tür und begehrt Obdach und Zuwendung, seine Ex-Freundin Vera kehrt unverhofft zurück und last but not least will sein Freund Rodenstock nach Mallorca auswandern. Volles Programm, Herr Baumeister.
_Der Autor_
Jacques Berndorf alias Michael Preute wurde 1936 in Duisburg geboren und lebt & schreibt in der Eifel. Er kann ohne Katzen und Garten nicht leben und weigert sich, über Menschen und Dinge zu schreiben, die er nicht kennt. Er ist in den letzten Jahren zum meistgelesenen deutschen Krimiautor avanciert. Jeder neue Band seiner Eifel-Krimis wird von seiner wachsenden Fangemeinde mit Sehnsucht erwartet. (Verlagsinfo)
Dietmar Bär: Dietmar Bär, 1961 geboren, ist mit dem Genre „Krimi“ schauspielerisch groß geworden. Erste Aufmerksamkeit als TV-Darsteller zog er durch seinen Auftritt im Schimanski-Tatort „Zweierlei Blut“ 1984 und die Hauptrolle in Dominik Grafs Fernsehspiel „Treffer“ 1984 auf sich. 1986 erhielt er den „Deutschen Darsteller-Preis für den Nachwuchs“. Als Kommissar Freddy Schenk steht er seit 1987 im „Tatort“ zusammen mit Klaus J. Behrendt vor der Kamera.
Günter Lamprecht, geboren 1930, wurde am Max-Reinhardt-Seminar ausgebildet. Er spielte Theater, u. a. in Hamburg, Berlin und Bochum. In Fernsehserien erschien er als „Tatort“-Kommissar Markowitz, und als Franz Biberkopf bleibt er in Fassbinders „Berlin Alexanderplatz“ unvergesslich.
Claudia Amm arbeitete u. a. am Schauspielhaus Bochum mit Regisseuren wie Dieter Dorn und Claus Peymann (Hut ab!). Im TV war sie im „Tatort“ und in Michael Verhoevens „Gegen die Regel“ zu sehen.
Sascha Icks, geboren 1967 in Düsseldorf, ist eine der wandlungsfähigsten Sprecherinnen für Film, Funk und TV. Nach ihrer Ausbildung hat sie an verschiedenen Theatern gespielt, u.a. bei den Münchner Kammerspielen und am Hessischen Staatstheater Wiesbaden.
K. Schauer, 1981 geboren, hat schon früh ihre Stimme geschult: bereits in der Grundschule sang sie, spielte Instrumente und Theater. Sie ist Musikerin und leiht der Tochter Baumeisters ihre Stimme. (Verlagsinfos)
Regie bei der inszenierten Lesung mit Musik führte Maria Franziska Schüller.
_Handlung_
Der Journalist Siggi Baumeister lebt nach seiner Scheidung eigentlich ganz friedlich und arbeitsam in seinem kleinen Dorf in der Eifel. Sein Freund, der ehemalige Polizeirat Rodenstock, wohnt mit seiner Frau Emma nicht weit entfernt, und abends setzt man sich gerne gemütlich zusammen. Doch das geruhsame Leben auf dem Lande findet ein jähes Ende.
Der Redakteur Grotmann aus Hamburg informiert ihn, dass ein dreizehnjähriges Mädchen namens Annegret aus dem Eifeldorf Hiltenstein mit eingeschlagenem Schädel in einem Wäldchen gefunden worden sei. Das Wäldchen wird wegen der Liebespaare, die sich dort treffen, seit jeher „Amorbusch“ genannt. Siggi soll eine Studie liefern. Wie sich zeigt, ist es ein gefährlicher Auftrag.
Durch einen Fehler der Polizisten vor Ort wurde die Leiche abtransportiert, bevor die Spurensicherung da war. Wurde das Mädchen an dieser Stelle oder woanders getötet? Als Siggi eintrifft, arbeitet bereits der Kriminalbiologe Dr. Marc Beneke am Tatort. Siggi kriegt ein scheußliches Foto der Toten. Täterhinweise gibt es auch schon: Eine Bürgerwehr denunziert unbequeme Leute wie am Fließband. Siggi gibt nichts darauf.
Dafür verschwindet aber der Vater des Mädchens spurlos. Durch einen Tipp vom Wirt der Kneipe kann Siggi Rainer Darscheit aufspüren: Er will sich aufhängen, doch Siggi belehrt ihn eines Besseren. Darscheits Ehe ist schon seit Jahren am Ende, denn seine Frau Elisabeth lebt den Traum von der perfekten Familie, und da darf es keine Probleme geben. Warum sich Frau Darscheit so verhält, wird erst gegen Ende enthüllt – aber umso erschütternder. Sie kennt den Amorbusch ebenfalls und beobachtet mit dem Fernglas, was ihre Tochter und die Jugendlichen dort so treiben.
Ein Anruf: Toni Burscheit hat sich erhängt, der Bürgermeister von Hiltenstein. Hatte er etwas mit Annegret zu tun? Ja, er ist der Onkel von Elisabeth Darscheit und wurde als Pädophiler denunziert, sogar von ihr, denn er soll Annegret unsittlich berührt haben. Dass Burscheit auch wirtschaftspolitische Gründe haben könnte, erfährt Siggi von einem Mann namens Gustav Mauren aus Wiesbach. Toni wurde erpresst. Er war gegen die Rodung eines Waldes, um dort Vulkanschlacke abzubauen. Steckt der Bauunternehmer Schmitz dahinter? Jedenfalls ist Gustav Mauren einen Tag nach Siggis Besuch ebenfalls tot. Jemand hat offensichtlich etwas gegen Verräter.
Dass die Freunde von Annegret fast alle gelogen haben, was ihren Aufenthaltsort zur Tatzeit anbelangt, fällt Siggi im Laufe seiner Ermittlungen ebenfalls auf. Als er diese Freunde befragt, schält sich das Bild einer verschworenen Gemeinschaft von Jugendlichen heraus, die reichlich viel mit Sex zu tun hatten. Aber es ist der Sex der Erwachsenen, den sie entdecken und der sie abstößt. Und für einen von den Jugendlichen ist es einfach zu viel, was er dabei über seine Mutter erfährt …
Einer nach dem anderen zerplatzen die Eifel-Träume, und auch Siggi wird von seiner Vergangenheit eingeholt. Nicht nur seine 22-jährige Tochter Clarissa, die er seit zwölf Jahren nicht gesehen hat, steht bei ihm auf der Matte. Auch seine Ex-Freundin Vera sucht bei ihm dringend benötigte Streicheleinheiten, um ihre verwundete Seele zu heilen. Denn im Landeskriminalamt Mainz wurde sie das Opfer einer oberfiesen Kollegenintrige. Dass Rodenstock auch noch nach Mallorca auswandern will, bringt das Fass quasi zum Überlaufen. Da hat es gerade noch gefehlt, dass Siggis Kater Satchmo seine Goldfische gefressen hat. It’s a wonderful world.
_Mein Eindruck_
Es menschelt gar mächtig in diesem Eifelkrimi, und für Siggi-Baumeister-Fans ist das Buch ein gefundenes Fressen. Aber nicht nur die Erwachsenen haben, wie so oft, zwischenmenschliche wie auch wirtschaftliche Probleme, diesmal stehen auch die pubertierenden Jugendlichen im Vordergrund. Wer hat Annegret auf dem Gewissen? War es ein Pädophiler wie Toni Burscheit? Wohl kaum, denn er wäre wohl kaum zu einem Mord fähig. Oder war es ein Gleichaltriger wie Gerd Salm? Käme auch Kevin Schmitz, der Sohn des Bauunternehmers, in Frage?
Siggi muss vielen Spuren nachgehen und einige Irrtümer aus dem Weg räumen. Dabei geht es nicht ohne Blessuren ab. Ein von Schmitz geschmierter Mitarbeiter verpasst Siggi den doppelten „Ohrenhammer“, so dass Siggi k.o. zu Boden geht und erst wieder in seinem Auto erwacht. Anderntags kriecht Siggi schon wieder putzmunter unter Hecken hindurch auf vermeintlich vor fremden Augen geschützte Liebeslauben. Hier bekam Annegrets Clique Anschauungsunterricht im Liebemachen. Nur, dass die diejenigen, die da vor ihren Augen zusammen waren, keineswegs miteinander verheiratet waren …
Dass sich schon 13- und 15-jährige Schüler harte Pornos besorgen können (oder bei ihren Eltern im „Giftschrank“ finden), findet Siggi keineswegs in Ordnung, aber das ist nur ein kleiner Aufreger am Rande. Besser, als dass sie sich regelmäßig volllaufen ließen. Die Ursache für dieses Verhalten findet Siggi in den Elternhäusern. Die Ehe von Rainer und Elisabeth Darscheit ist nicht die einzige, die zerrüttet ist. Und die private Katastrophe setzt sich im Verhalten der Kinder fort. Es führt indirekt zum Mord an Annegret. Die Eltern haben keine Ahnung von den Träumen der Kinder, heißt es an einer Stelle, und wissen nicht, was sie mit ihrem Verhalten anrichten.
|Humor und Heilung|
Damit aber diese ernsten Vorkommnisse Siggi nicht allzu sehr deprimieren, stellen sich in seinem Privatleben kleine Erfolge als Ausgleich ein. Clarissa, seine Tochter, findet ebenso zu ihm zurück wie seine Ex-Freundin Vera. Womit hat er so viel Glück nur verdient, fragt man sich. Ist Vera durch ihr Liebesdesaster in Mainz geläutert worden und kehrt reuig zu ihrem Ex zurück?
Nein, so einfach ist es natürlich nicht. Auch Frauen haben schließlich ihren Stolz. Aber Vera erfährt offensichtlich von Clarissa eine ganze Menge über das Vorleben von Siggi, und Emma Rodenstock wollte Siggi schon immer an der Seite einer Frau sehen. Vielleicht zieht sie im Hintergrund ein paar Fäden. Denn wer hätte gedacht, dass sich Vera hinstellt und Siggi sagt, sie wolle „um ihn kämpfen“? Potztausend, solche Sprüche erwartet man eher aus schlechten Groschenromanen und deutschen Heimatfilmen.
Siggi hat schon einiges hinter sich, eine komplett ausgestaltete Vorgeschichte, in der er sich als Trinker und treuloser Ehemann entblößt. Doch warum hat er Clarissas Mutter mit einer flüchtigen Affäre betrogen? Weil diese Mutter schwer tablettensüchtig war und offenbar erhebliche emotionale Probleme hatte. Was soll man da als Ehemann machen?
So ernst auch das wieder klingt, so humorvoll-ironisch wird es doch erzählt. Die bittersten Pillen sind schließlich am süßesten zu verpacken, lautet ein altes Gesetz der Literatur. Daher ist das Happyend auch bittersüß.
|Die Sprecher|
Dietmar Bär spricht gewohnt eindrucksvoll und glaubhaft den älteren Junggesellen und Journalisten, der schon (fast) alles gesehen hat und den kaum noch was erschüttern kann. Mit gleicher Souveränität spielt er ja einen „Tatort“-Kommissar. Er sollte öfters mit Kindern und Jugendlichen zusammen spielen, denn er kommt sehr gut mit ihnen zurecht.
Alle anderen Rollen gehören lediglich Nebenfiguren, aber unter diesen ragen einige heraus. Da ist natürlich Rodenstock (Günter Lamprecht), aber er ist vom gleichen Schlag wie Siggi. Emma (Claudia Amm) ist die vernünftige Ehefrau, die es besser weiß, aber diplomatisch agiert. Vera (Sascha Icks) hat einen langen Weg auf Siggi zuzugehen. Und am einprägsamsten in dieser Gruppe ist wegen ihrer langen Dialoge mit Siggi die Rolle der Clarissa, gesprochen von „K. Schauer“ (der Vorname wird nirgends auf der CD angegeben). Aber damit hatte ich ein kleines Problem: Sie klingt zu jung für ihre Rolle. Angeblich ist Clarissa schon 22, aber „K. Schauer“ klingt wie 16 oder 17.
|Die Musik und Geräusche|
Alle Geräusche in dieser „inszenierten Lesung“ erklingen dezent im Hintergrund und verleihen der jeweiligen Szene einen realistischen Anstrich. Da pfeifen also die Vögel im Garten ebenso zurückhaltend wie die Teelöffel leise in der Kaffeetasse klirren. Der Dialog steht stets im Vordergrund.
Etwas ganz Besonderes ist die ungewöhnliche Musikauswahl. Diese kurzen Stücke erklingen in den Pausen, um die Kapitel voneinander zu trennen. Währenddessen kann der Zuhörer mental Luft holen und sich entspannen.
Eine Frau singt leichte, langsame Songs zu Jazzbegleitung. „I’ll be around“ heißt eines der Stücke, und von Leonard Cohen stammt „Dance me to the end of love“. Es bildet einen sehr schönen Ausklang für das Hörbuch. Ich fühlte mich in einen Jazzklub in den vierziger oder fünfziger Jahren zurückversetzt.
_Unterm Strich_
Ohne Wenn und Aber ist dies ein ganz starker Krimi, und da er auch noch in der Reihe von Berndorfs Eifelkrimis erscheint, ist ihm eine begeisterte Aufnahme bei der treuen Anhängerschaft sicher. Wer einen exzellent erzählten und couragiert aktuelle Probleme aufgreifenden Krimi genießen will, der greife zu „Eifel-Träume“.
|Das Hörbuch|
Die Sprecher verstehen es ausgezeichnet, ihren jeweiligen Figuren den Anstrich der Lebendigkeit und der Glaubhaftigkeit zu verleihen. Dabei verfallen sie keineswegs in das Karikaturhafte, was ja bei Siggi, Rodenstock oder Vera allzu leicht möglich wäre, sondern lassen die Figuren sozusagen „auf dem Teppich“. Ganz heikel sind die Szenen zwischen Siggi und seiner Tochter, und ich muss sagen, diese Dialoge wurden ausgezeichnet bewältigt, ohne nach unglaubwürdigen Entschuldigungen oder Ausflüchten zu klingen. Lediglich Clarissa klingt mir zu jung für ihre Rolle.
Ich gebe diesem Hörbuch die volle Wertung.
|242 Minuten auf 3 CDs|
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