Archiv der Kategorie: Hörspiele / Hörbücher

Val McDermid – Echo einer Winternacht (Karen Pirie 01) (Lesung)

Spannender Krimi auf zwei Zeitebenen

1978. In einer eisigen Winternacht wird im schottischen St. Andrews eine junge Frau erstochen. Vier Studenten, alte Freunde, finden die Sterbende, können ihr Leben aber nicht mehr retten. Doch seitdem werden sie von Medien, Polizisten und Verwandten der Toten verdächtigt.

Und 25 Jahre später beginnt ein Unbekannter, späte Rache zu üben: zwei der vier Freunde sterben. Ein Albtraum beginnt. Wird es den beiden Überlebenden gelingen, sich und ihre Familien vor dem Rachefeldzug des Unbekannten in Sicherheit zu bringen? Sie machen sich daran, die fast verjährte Tat endlich aufzuklären, denn nur so kann der Wahnsinn gestoppt werden.

Die Autorin
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TKKG junior – Heiße Spur im Nebelhafen (Folge 25)

Die Handlung:

Tim, Karl, Klößchen und Gaby finden im Rathaus der Millionenstadt durch Zufall eine alte mysteriöse Karte in einem Modellschiff, auf der ein geheimer Ort verzeichnet ist. Kurz darauf stoßen sie auf eine Reihe von Rätseln, die es zu lösen gilt. Nur was steckt dahinter?
TKKG beginnen mit ihren Ermittlungen und eine Spur führt sie in den Hafen. Doch dort sind die Juniordetektive nicht allein. Sie werden verfolgt und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Es geht so direkt los, dass der Hörer denkt, er/sie hätte etwas verpasst. Die TKKG-Bande ist nämlich schon am Eingang vom Rathaus und will mit der Recherche für ein Schulprojekt beginnen. Irgendwie erinnerten mich die Beschreibungen des Gebäudes eher an ein Museum. Mit Ausstellungsstücken und Infotafeln. Dabei wird den Hörern auch immer wieder der eine und andere Fachbegriff erklärt. Dass „zwo“ für „zwei“ steht unter anderem auch, was aber eine „Galionsfigur“ ist, nicht. Nur, wo man sie an Schiffen findet.

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Michael Crichton – Gold. Pirate Latitudes (Lesung)

Weniger als mitreißend: Raubzug zum Goldschiff

Port Royal, Jamaika, im Jahre 1665. Captain Charles Hunter, Freibeuter in inoffiziellen Diensten des britischen Gouverneurs von Jamaika, heuert eine verwegene Crew von Spezialisten an, um den gewagtesten Raubzug anzutreten, den die Karibik je gesehen hat. Das Ziel: ein spanisches Handelsschiff, das tonnenweise Edelmetall an Bord haben soll.

Der Hafen, in dem das Goldschiff vor Anker liegt, gilt allerdings als uneinnehmbar. Und er wird vom ruchlosen Konquistador Cazalla schwer bewacht. Mit Cazalla hat Hunter noch eine Rechnung offen; der Spanier ließ Hunters Bruder grausam ermorden. Doch nicht nur er könnte den englischen Piraten am Erfolg hindern. Unter seinen Vertrauten befindet sich ein Verräter … (abgewandelte Verlagsinfo)
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Dickens, Charles / Gruppe, Marc – Fröhliche Weihnachten, Mr. Scrooge!

_Bewegend: Die Bekehrung des Geizhalses_

1843 am Heiligen Abend im weihnachtlichen London: Für den grimmigen Geldverleiher Ebenezer Scrooge ist Weihnachten nicht mehr als verabscheuungswürdiger „Humbug“. Erst die Besuche seines verstorbenen Teilhabers Jacob Marley sowie der Geister der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Weihnacht bewirken eine Wandlung. Aus dem stadtbekannten Geizhals wird ein liebenswerter Menschenfreund. Scrooge beginnt, den wahren Wert des Weihnachtsfestes zu erkennen.

_Der Autor_

Charles Dickens (1817-70) ist mit ziemlicher Sicherheit der bedeutendste Romanschriftsteller in der englischen Sprache (mit der Betonung auf „Roman“). Zu seinen bedeutendsten Werken zählen die verfilmten Romane „Oliver Twist“, „David Copperfield“, „A Tale of Two Cities“, „Nicholas Nickleby“ und das düstere „Bleak House“ (1853). Er veröffentlichte praktisch alle seine Romane vorab in Zeitschriften und Magazinen und machte sie so extrem populär. Dickens letzter Roman „Das Geheimnis des Edwin Droodge“ blieb unvollendet, was zu mehreren Versuchen Anlass gab, ihn zu vollenden, u. a. vom Autorenpaar Fruttero/Lucentini.

Von „A Christmas Carol“ gibt es zahllose Versionen, natürlich auch für die Bühne. Ich selbst habe einmal das gesamte Stück von nur einem Mann aufgeführt gesehen: phänomenal!

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

Erzähler und Geist 1: Friedrich Schoenfelder (dt. Stimme von Vincent Price, David Niven u.a.)
Ebenezer Scrooge: Christian Rode (dt. Stimme von Sean Connery und Christopher Lee)
Geist 2: Peer Augustinski (dt. Stimme von Robin Williams u.a.)
Geist 3 und William Fezziwig: Heinz Ostermann
Mrs. Dilber: Arianne Borbach (dt. Stimme von Uma Thurman, Catherine Zeta-Jones u.a.)
Mrs. Fezziwig: Regina Lemnitz (dt. Stimme von Kathy Bates, Whoopi Goldberg)
Annie Cratchit: Daniela Hoffmann (dt. Stimme von Julia Roberts)
Bob Cratchit: Herbert Schäfer
Martha Cratchit / Fanny Scrooge: Theresa Mertens
Tiny Tim Cratchit / Straßenjunge / Scrooge als Junge: Lucas Mertens
Belle / Julie: Manja Doering
Fred: Alexander Doering
Außerdem sind die deutschen Stimmen von Reese Witherspoon, Natalie Portman, Telly „Kojak“ Savalas, Ally McBeal und anderen zu hören.

Das Hörspiel wurde von Marc Gruppe geschrieben, der auch Regie führte. Er produzierte es zusammen mit Stephan Bosenius. Die schöne, filmische Musik trug Manuel Rösler bei, sie wurde von |Bionic Beats| aufgenommen und gemischt.

_Handlung_

London 1843. Es ist Heiligabend, der 24. Dezember, und der Geldverleiher Ebenezer Scrooge, Londons stadtbekannter Geizhals, ist ohne jeden Zweifel überzeugt davon, dass sein Teilhaber Jacob Marley seit vier Jahren unter der Erde ist. Dennoch erscheint ihm Marleys Geist an diesem Abend – mit einer besonderen Botschaft.

Alle Menschen wünschen einander „Fröhliche Weihnachten!“. Alle? Nein, Ebenezer Scrooge, 55, hält das Fest und alles, was damit zusammenhängt, für reine Geschäftemacherei und den allergrößten Humbug, den man sich vorstellen kann. Er ist eben eine Krämerseele. Seinem Buchhalter Bob Cratchit zahlt er einen Hungerlohn und der Mieterin Mrs. Wilkins droht er mit dem Rauswurf, sollte sie ihre Hypothekenrate nicht bezahlen können. Nicht nur dem Spendensammler und einem singenden Jungen weist er die Tür, sondern auch seinem eigenen Neffen Fred, der ihm einen Weihnachtsbaum bringen will. Scrooge hat gute Verwendung dafür: als Feuerholz.

Bob Cratchit erbittet von Scrooge, früher gehen zu dürfen, da es ja schließlich Weihnachten sei und er nach seinem kranken Sohn Tiny Tim und seiner Familie sehen müsse. Erst will Scrooge nichts davon hören, gibt dann aber nach. Aber Cratchit muss nacharbeiten: am 25.12., komme, was da wolle!

Nachdem alle gegangen sind, stößt Scrooge einen tiefen Seufzer aus und stöhnt erleichtert: „Endlich Ruhe!“

Zu früh gefreut. In diesem Moment taucht Jacob Marleys Geist auf. Er rasselt mit Ketten, die ihn zu einem Schreckgespenst machen. Die habe er für seine schlechten Taten verpasst bekommen. Aber er warnt Scrooge, seinen ehemaligen Teilhaber, eindringlich vor weiteren schlechten Taten, wie Scrooge sie heute begangen habe. „Bessere dich!“ Und er kündigt das Kommen dreier Geister an: um Mitternacht, um drei und um sechs Uhr morgens. Scrooge lacht ihn aus, und Marley verschwindet.

Schlag zwölfe erscheint im Wandschrank der Geist der vergangenen Weihnacht. Denn wir fragen uns natürlich, was für ein Kind Scrooge früher einmal war. Nach dem frühen Tod seiner Mutter lebte er vor allem im Internat und strengte sich an, um den Ansprüchen seines Vaters gerecht zu werden. Sogar an Heiligabend. Da holt ihn seine Schwester Fanny ab, damit er bei seiner Familie feiern kann. Jetzt kommen Scrooge erste Gewissensbisse wegen des Jungen, den er weggeschickt hat. Fanny starb als verheiratete Frau und hinterließ nur ein Kind: seinen Neffen Fred.

1811 lernte er bei dem lebenslustigen Kaufmann William Fezziwig in London. Sie feiern zusammen mit Mrs. Fezziwig und der Nichte Belle einen schönen familiären Heiligabend. Unterm Mistelzweig dürfen sich, wie es alte englische Sitte ist, Jungs und Mädels küssen – und das tun Ebenezer und Belle auch. Sie werden ein Paar, denn Mr. Fezziwig macht ihn zum Teilhaber und Partner in der Firma. Am 24.12.1817 jedoch beging Scrooge eine Riesendummheit: Er hatte seine Verlobte Belle schon fünf Jahre auf die Hochzeit warten lassen, und jetzt stellt sie ihn vor die Wahl. Er hört gar nicht richtig zu, sondern brütet über der Kasse. Ja, er fordert sogar Geld von ihrem Vater zurück, der bei ihm Schulden hat. Mit Schmerzen erinnert sich der gegenwärtige Scrooge an Belles Fortgehen.

Aber es soll für ihn noch viel schmerzhafter werden, als die Geister der gegenwärtigen und der zukünftigen Weihnacht bei ihm erscheinen und ihn mit auf die Geisterreise nehmen …

_Mein Eindruck_

Die Geschichte vom bekehrten Geizhals ist schon in ihrem Ursprung an Familien und Kinder gerichtet gewesen. Dickens schrieb sie, um die lesende, d.h. gebildete und besitzende Klasse auf die Misere der besitzlosen und ausgebeuteten Menschen in London und allgemein in ganz England aufmerksam zu machen. Zerbrochene oder unvollständige Familien, kranke oder verkrüppelte Kinder wie Tiny Tim gehören zu seinem Standardpersonal. Selbst der Straßenjunge, der Weihnachtslieder trällert, tut dies nicht aus Spaß oder Übermut, sondern um einen Penny oder zwei zusammenzukratzen – vielleicht ist das genug, um im Armenhaus zu überleben.

Dies ist das Lumpenproletariat, das die Industrielle Revolution erzeugt hat, als sie ihnen die traditionelle Landarbeit oder ihr Handwerk wegnahm, die entwurzelten Menschen in die Städte zog und dort in Elendsquartieren vegetieren ließ. Dieser Zustand dauerte nicht etwa nur fünf Jahre an, wie mancher heutige Zeitgenosse hoffen mag, sondern mindestens hundert Jahre. Überträgt man die ökonomischen Bedingungen auf Länder der Dritten Welt, so findet man sie heute in Lagos, Rio de Janeiro und Mexiko City. Und zunehmend wohl auch bei uns, denn der Bevölkerungsanteil unter der Armutsgrenze steigt nicht erst seit Hartz IV unaufhaltsam an.

|Das Patentrezept?|

Gibt es Hoffnung auf Besserung, hat sich Dickens sicherlich gefragt. Die Antwort ist sein „Christmas Carol“. Wenn sich nur ein schlechter Mensch zum Guten bekehrt, so ist das Leben und Glück von mindestens fünf oder sechs Familien gerettet. Dies ist die Wirkung, die Scrooges nächtliche Bekehrung auf seine unmittelbare Umgebung ausübt. Natürlich wird er von denkenden Menschen wie seinem Neffen Fred zunächst misstrauisch beäugt, was zu der recht lustigen Vermutung führt, dass Scrooge nun völlig durchgeknallt sein müsse.

Aber was ist es denn nun eigentlich, das Scrooges rasante Bekehrung herbeiführt? Er hat drei Grundsätze mit Marley geteilt, so etwa „Zeit ist Geld“ und „Weihnachten etc. ist Humbug“. Seine direkten und indirekt betroffenen Opfer halten ihm christliche Grundsätze entgegen, an die er zunächst nicht glaubt: „Man soll die Hoffnung nie aufgeben“, sagt Tiny Tim Cratchit, und „Es ist nie zu spät, sich zu ändern“. Denn erst Hoffnung und Liebe im Familienkreis scheinen das Glück zu garantieren. Aber was ist, wenn man nicht an sie glaubt – so wie Scrooge? Dann sind sie nämlich bedeutungslos.

|Wohl doch nicht!|

Es ist letzten Endes wohl der Schrecken, der ihm in die Glieder fährt, als er durch den Geist der künftigen Weihnacht sieht, dass er erstens selbst unbetrauert diese Welt verlassen wird und zwar schon bald – und zweitens, dass er ganz direkt am Tod von Tiny Tim, also einem unschuldigen Kind, schuld sein wird. Scrooge ist noch Christenmensch genug, um sich an einen Kern erinnern zu können, der Nächstenliebe kannte, und diesen zu reaktivieren.

Die spendablen Gesten, die er jedoch auf einmal an den Tag legt, verblüffen nicht nur seine Mitmenschen, sondern auch uns. Dieser Wandel kommt ganz schön abrupt. Aber weil die ganze Geschichte sowieso das Wesen eines Wunders und den Anstrich einer Parabel hat, kann man auch diesen plötzlichen Wandel hinnehmen, ohne sich gleich am Kopf zu kratzen.

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

Die Macher dieser Hörspiele suchen ihren Vorteil im zunehmend schärfer werdenden Wettbewerb der Hörbuchproduktionen offensichtlich darin, dass sie dem Zuhörer nicht nur spannende Gruselunterhaltung bieten, sondern ihm dabei auch noch das Gefühl geben, in einem Film voller Hollywoodstars zu sitzen. Allerdings darf sich niemand auf vergangenen Lorbeeren ausruhen: bloßes Namedropping zieht nicht, und So-tun-als-ob ebenfalls nicht.

Die Sprecher, die vom Starruhm der synchronisierten Vorbilder zehren, müssen selbst ebenfalls ihre erworbenen Sprechfähigkeiten in die Waagschale werfen. Zum Glück machen sie dies in hervorragender und glaubwürdiger Weise. Statt gewisse Anfänger zu engagieren, die mangels Erfahrung bei den zahlreichen emotionalen Szenen unter- oder übertreiben könnten, beruht der Erfolg dieses Hörspielverlags ganz wesentlich darauf, dass hier zumeist langjährige Profis mit schlafwandlerischer Sicherheit ihre Sätze vorzutragen wissen. (Wir wissen allerdings nicht, welche Pannen ihnen dabei unterlaufen sind. Fest steht aber, dass keine Pannen oder Fehler zu hören sind.)

|Musik und Geräusche|

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde. Da heult und seufzt der Wind durch die Ritzen der Fenster, kratzt der Gänsekiel von Bob Cratchit, klirren Ketten und klingen Gläser, läuten die Kirchenglocken.

Aber gewisse Sounds werden auch effektvoll überhöht. Da heult nämlich ständig der Wintersturm auf der Straße vor dem Haus von Scrooge. Und wenn der Furcht erregende Geist der künftigen Weihnacht auftritt wie der leibhaftige Tod, so besitzt er keine natürliche Stimme, sondern eine elektronisch verfremdete, die dem Zuhörer Schauder verursacht. Auch die Stimmen aus Scrooges Erinnerung erlangen durch Halleffekte eine ganz andere Qualität, die viel eindringlicher wirkt als normale Sprechakte.

Die Musik gibt sehr genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder; so ist sie zunächst melancholisch, als vom Tode Marleys erzählt wird, wird aber sofort fröhlich und festlich, als Heiligabend gefeiert wird – außer natürlich von Scrooge. Sie wird wehmütig, als der Geizkragen sich selbst als zehnjährigen Jungen am 24.12.1798 sehen kann. Der stimmungsmäßige Tiefpunkt wird mit der Enthüllung von Scrooges potenziellem Sterbedatum auf seinem Grabstein erreicht: 24.12.1844. Zum Glück lässt sich Scrooges durch diesen Schrecken bekehren, so dass am Schluss nicht die Trauerglocken läuten, sondern eine fröhliche und zuversichtliche Hymne das Finale bestreitet.

_Unterm Strich_

Das Hörspiel zu dem bekannten Weihnachtsklassiker von Charles Dickens, sehr aufwendig produziert, unterhält den Zuhörer wie ein schöner Spielfilm, der das Anliegen, das Gute im Zuschauer zu wecken, zu transportieren weiß. Die moralische Botschaft, die schon im Original steckt, wird auch im Hörspiel recht dick aufgetragen. Und da mögen die Schauspieler noch so gekonnt sprechen, die Geräusche noch so echt erscheinen und die Musik noch so emotional sein – dieses Werk spricht in erster Linie Familien und Kinder an, nicht aber eingefleischte Singles und Weihnachtsboykottierer. Diese dürften sich wie Scrooge wehmütig daran erinnern, wie schön es einstmals war, als sie noch Teil einer Familie waren. Vielleicht trägt das Hörspiel dazu bei, sie wieder in die menschliche Gemeinschaft zurückzuführen. Denn: „zu zweit ist man weniger allein“.

|Originaltitel: A christmas carol in prose, 1843
120 Minuten auf 2 CDs|

John Sinclair – Londons Gruselkammer Nr. 1 (Folge 158)

Die Handlung:

Das Horror-Kabinett DARK DUNGEON zieht alle Register: echte Schauspieler statt Wachsfiguren – und im Keller wird ein ganzer Straßenzug aus dem Jahr 1666 zum Leben erweckt, dem Jahr des Großen Brandes. Auch ich hatte von der Neueröffnung gehört und betrat neugierig die Katakomben. Ich konnte ja nicht ahnen, dass mich im Dungeon mein alter Feind Akim Samaran erwarten würde – und damit ein ganz realer Horror-Trip! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer 383 gemacht, das erstmalig am 4. Novermber 1985 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.

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Jean-Christophe Grangé – Der steinerne Kreis (Hörbuch)

Spannender Thriller: bei den Schamanen Sibiriens

Als die französische Tierforscherin Diane Thiberge einen kleinen Jungen aus Indonesien adoptiert, ahnt sie noch nicht, dass ihr Leben damit zu einem tödlichen Abenteuer wird. Denn der kleine Lü-sian ist nicht irgendein Straßenkind, sondern ein Schamane: ein „Wächter“.

Der Autor
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Fünf Freunde und das Geheimnis der Kelly Brüder (Folge 152)

Die Handlung:

Die Fünf Freunde beginnen die gemeinsamen Ferien mit dem Besuch des Flohmarkts in Twin Oaks. Dort wird Julian der Geldbeutel gestohlen. Die Freunde verfolgen den Dieb zu einem verlassenen Bahngelände und stellen ihn zur Rede. Er heißt Tom und wohnt mit seinem Bruder Philip zurzeit in einem alten Eisenbahnwaggon. Tom berichtet, dass die beiden sich verstecken müssten. Ihre Eltern haben eine Verschwörung aufgedeckt und wurden verhaftet. Deshalb mussten sie fliehen. Die Fünf Freunde wollen den beiden helfen – und begeben sich dabei in große Gefahr … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Der Klappentext klingt spannend. Auch interessant ist aber, dass laut Technik-Credits extra eine Psychologin zur Beratung hinzugezogen wurde, um die Story zu schreiben. Leiden die beiden Brüder unter Wahnvorstellungen?

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Die drei ??? – Im Wald der Gefahren (Folge 220)

Die Handlung:

Von Rocky Beach in die Rocky Mountains – die drei ??? freuen sich auf ein Wander-Wochenende. Was harmlos beginnt, wird zum Kampf ums nackte Überleben! Noch bevor die Wandergruppe aufbricht, wittern die drei Detektive einen neuen Fall: Ein toter Briefkasten und eine Stolperfalle – will jemand die Tour verhindern? Schon auf der ersten Etappe wird es brenzlig. Ein Bach wird zum reißenden Fluss, und Pilze sollte man mit Vorsicht genießen. Als Peter verschwindet, wird klar: Die Wildnis hat etwas zu verbergen. Die drei ??? finden sich im Wald der Gefahren wieder … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Die Romanvorlage konnte mich in der ersten Hälfte nicht wirklich fesseln, entsprechend gespannt war ich auf die Verhörspielung.

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Meyer, Kai – Wasserweber, Die (Wellenläufer-Trilogie 3)

_Sehr vorhersehbar: krönender Abschluss_

„Die Wasserweber“ ist der dritte und abschließende Teil der „Wellenläufer“-Trilogie Kai Meyers.

Ein magisches Beben erschüttert die Küsten der Karibik. Und in finsteren Piratenhäfen werden Kinder geboren, die über Wasser gehen können. Jahre später glaubt Jolly, dass außer ihr keine anderen Wellenläufer mehr am Leben sind. Bis sie Munk begegnet. Auch er versinkt nicht im Wasser – und kann aus Muscheln einen uralten Zauber beschwören. Ein rätselhafter Fremder, der Geisterhändler, schickt die beiden auf eine fantastische Reise. Gejagt von Klabautern, Ungeheuern und allen Seeräubern der karibischen See, stellen sie sich einer tückischen Gefahr: dem Mahlstrom, einem dunklen Strudel, der die Barriere zwischen den Welten niederreißt.

Der Roman spielt Anfang des 18. Jahrhunderts unter den Piraten der Karibik. Die Heldin Jolly, ein 14-jähriges Seeräubermädchen, verfügt von Geburt an über ein besonderes Talent: Sie kann über Wasser gehen. Nach dem Untergang ihres Schiffes und dem Verlust ihrer Mannschaft findet sie neue Freunde: Munk, der sich auch auf die Kunst der Muschelmagie versteht, den Geisterhändler, der die Geister ertrunkener Seeleute als Sklaven verkauft, Buenaventure, ein Wesen halb Mensch, halb Hund. Doch die Gefährten haben einen mächtigen Feind – den Mahlstrom, einen meilenbreiten Strudel, der von einer teuflischen Intelligenz beseelt ist. Jollys Reise führt weit über die Karibik hinaus – geradewegs ins Mare Tenebrosum, die legendäre See der Finsternis.

_Der Autor_

Kai Meyer, Jahrgang 1969, studierte Film, Philosophie und Germanistik und arbeitete als Redakteur. Er schrieb schon in jungen Jahren und lieferte u. a. ein paar Jerry-Cotton-Abenteuer. Sein erster großer Erfolg war „Die Geisterseher“, eine historische „Akte X“. Seit 1996 ist er freier Schriftsteller und Drehbuchautor. Bisher sind rund 40 Romane von ihm erschienen. Selbst Kritiker waren von seinem historischen Mystery-Thriller „Die Alchimistin“ begeistert, später folgten „Die fließende Königin“ und „Göttin der Wüste“. Bei |Loewe| erschien mit den „Wellenläufern“ ein Jugend-Fantasyzyklus. [„Frostfeuer“ 2111 aus dem Jahr 2005 ist eigenständiger Jugendroman. Das Buch wurde mit dem internationalen Buchpreis CORINE ausgezeichnet.

Die Wellenläufer-Trilogie:

1) [Die Wellenläufer 3247
2) [Die Muschelmagier 3252
3) Die Wasserweber

|Kai Meyer bei Buchwurm.info:|

[Interview mit Kai Meyer]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=11
[„Die Alchimistin“ 73
[„Das Haus des Daedalus“ 373
[„Der Schattenesser“ 2187
[„Die Fließende Königin“ 409
[„Das Buch von Eden“ 890 (Hörbuch)
[„Das Buch von Eden“ 3145
[„Der Rattenzauber“ 894
[„Frostfeuer“ 2111 (Hörbuch)

_Der Sprecher_

Andreas Fröhlich ist die deutsche Stimme von John Cusack und Edward Norton. Er wurde 1965 in Berlin geboren; bereits mit sieben Jahren begann er mit der Synchronarbeit, nachdem er im Kinderchor des „Sender Freies Berlin“ entdeckt wurde. 1978 stieg er in der Sprecherrolle des Bob Andrews bei einer der bis heute erfolgreichsten Hörspielreihen Deutschlands, „Die drei Fragezeichen“, ein.

Nach dem Abitur ging Fröhlich zunächst zum Theater, wo er unter anderem Rollen in Büchners „Woyzeck“ und in Shakespeares „Was ihr wollt“ spielte, bis er 1991 wieder zu seiner Arbeit als Synchronsprecher zurückkehrte. Außer als Sprecher arbeitet er als Synchronregisseur und Drehbuchautor, wo er u. a. für die Synchronisierung von „Der Herr der Ringe“ verantwortlich war. In dieser Trilogie übernahm er z. B. die Synchronisation des Wesens Gollum. Doch auch die deutschen Dialoge in Filmen wie Disneys „Mulan“ und „The Beach“ stammen aus seiner Feder. (Verlagsinfo)

Fröhlich liest eine leicht gekürzte Romanfassung, die von Andrea Herzog bearbeitet wurde. Regie führte Angelika Schaack, die Aufnahme steuerte Fabian Küttner im Elmsbütteler Tonstudio, Hamburg.

_Handlung_

Nur noch zwei bis drei Tage bis zum Angriff auf die karibische Seesternstadt Aelenium. Der Verteidigungsplan ist bereits beschlossen. Während die beiden Muschelmagier Munk und Jolly den Mahlstrom in der Gegend namens Sorfenschrund schließen sollen, verteidigt sich die Stadt gegen die Angriffe der Klabauterarmeen. Doch auch der Kannibalenkönig Tyrone wird angreifen. Jolly hofft, dass die anderen Piratenkapitäne, die sich von ihm verraten sehen, seine Flotte angreifen und ihn von einem Angriff auf Aelenium abbringen. Die Chance ist jedoch nur gering. Klar ist jedenfalls, dass jede Verteidigungsmaßnahme nur dazu dienen kann, den beiden Quappen Zeit zu erkaufen, um das eigentliche Übel zu bekämpfen. (Man denke an Frodo und Sam auf dem Weg zum Schicksalsberg.)

Doch zu den Verteidigern gesellt sich ein unerhoffter Kämpfer: der Riesenwal Jasconius mit seinen beiden Insassen, Griffin und Ebenezer Arkwright. Der Wal, der die Bedrohung erkannt hat, soll sich noch als große Hilfe im Kampf erweisen. Und Griffin tut sich als Reiter eines Flugrochens hervor, der mit seinem jeweiligen Schützen die Klabauter aus der Luft bekämpft.

|In die Tiefe|

Begleitet von Soledad, Hauptmann D’Artoire und dem Geisterhändler, begeben sich Munk und Jolly hinaus in das Seegebiet, unter dem sich der Mahlstrom befindet. Jolly bittet den Oberbefehlshaber, ihre Grüße an Griffin auszurichten, den sie seit einer Weile nicht mehr gesehen hat (er war ja im Wal verschwunden). Sie weiß nun, für wen und was sie kämpft: für Griffin, ihre Zukunft – und für ihr Leben als magiebegabte Quappe. Im letzten Moment taucht Griffin auf, so dass sie ihm einen Abschiedskuss geben kann. Das freut Munk überhaupt nicht, denn er ist eifersüchtig.

Der Weg zum Mahlstrom ist lang und tückisch. Munk und Jolly müssen zuerst 30.000 Fuß tief tauchen und dann noch 20 bis 30 Meilen gehen oder schwimmen. Die Warnungen des Geisterhändlers, eines alten Gottes, begleiten sie. Denn vor Tausenden von Jahren soll es schon einmal einen Kampf gegen den Mahlstrom gegeben haben. Damals wurde der Mahlstrom im Schorfenschrund eingesperrt, doch offenbar hat er sich befreien können. Waren die Wachen müde geworden?

Beim Schwimmen stoßen die beiden Quappen auf eine versunkene Seesternstadt – der Vorgänger Aeleniums. Immer wieder müssen sie sich vor Klabautern verstecken: käseweißen und klapperdürren Krallenmännern, die auch unter Wasser riechen und sehen können. Mit ihren breiten Füßen können sie sich auf dem Meeresgrund gut fortbewegen. Jolly und Munk wurden auch vor Suchströmen gewarnt, die als Flutwellen das Meer durchziehen und jeden Wehrlosen in die Tiefe ziehen können.

|Aina|

Nahe der versunkenen Stadt stoßen die beiden Quappen auf ein nacktes Mädchen von etwa 15 Jahren. Sie nennt sich Aina und betört den verblüfften Munk mit ihrer Schönheit und ihrer einschmeichelnden Stimme. Jolly ist gleich von Anfang an misstrauisch. Aina muss eine der früheren Quappen sein, aber dann wäre sie ja Tausende von Jahren alt – und sähe bestimmt nicht wie 15 aus. Außerdem ist sie nichtstofflich wie ein Geist: Als Munk Aina berührt, dringt seine Hand durch sie hindurch. Als Aina ihm eine ihrer großen Muscheln zeigt, ist er in der Lage, mit dieser Magie einen Angriff von Klabautern zurückzuschlagen.

All dies kommt Jolly sehr seltsam vor. Aber die schmeichlerische Stimme Ainas lullt sie ein und Munk ist von Ainas Hilfsbereitschaft überzeugt, und so lassen Munk und Jolly sich von dem Mädchen zum Klabauterberg führen, der sich am Rande des Schorfenschrunds erhebt. Angeblich soll hier die Mutter der Klabauter, Kangusta, leben, doch Aina sagt, sie habe sich selbst eingeschlossen. Das ist jedoch gelogen, wie Jolly zu spät herausfindet. Und Munk ist weit weg und kann ihre Hilferufe nicht hören …

_Mein Eindruck_

Der Abschluss der Wellenläufer-Trilogie erinnert mich stark an das Finale von Tolkiens „Herr der Ringe“ (und vielleicht war die Ähnlichkeit auch dem Autor bewusst, so dass er ein bewährtes Rezept verwendete). Während die Entscheidungsschlacht um Aelenium in mehreren Phasen tobt, versuchen zwei junge Menschen – bei Tolkien sind es Frodo und Sam – den Verursacher all diesen Übels auszuschalten: den Mahlstrom. Dabei müssen Jolly und Munk mehrere Grenzen überschreiten und neue Wesen kennenlernen, die ihnen mehr über den Widersacher verraten. Munk lernt von Aina und täuscht sie, doch Jolly verschlägt es zu der Mutter der Klabauter, Kangusta, sowie zu den Wasserweberinnen. In diesen Begegnungen geraten die beiden jungen Quappen an die Grenze zum Numinosen, den anderen Gottwesen: den „Meistern“ des Mare Tenebrosum.

|Götterdämmerung|

Wie auch immer: Ende gut, alles gut. Oder doch nicht? Viele Helden mussten ihr Leben lassen, andere jedoch – wundersamerweise – nicht. Mit vereinten Kräften wird man auch Tyrones Herr, und schließlich kann man ans Reparieren und Genesen gehen. Doch einer ist für immer gegangen: Urvater, der Schöpfer dieser Welt. Er hat sein negativ gepoltes Gegenstück, den Mahlstrom, nicht überlebt. Das heißt: nur körperlich. Denn seine Geschichte, also seine Idee, lebt weiter fort, ermöglicht durch die Magie des Geisterhändlers, des einäugigen Gottes (eine Gandalf-Figur). Die Ära der alten Götter ist vorüber, die Herrschaft der Menschen endgültig angebrochen. Doch einen neuen König gibt es dennoch nicht: Die alten Streitigkeiten bleiben bestehen. Aber alle schmieden Pläne.

|Metamorphose |

Ein Handlungselement hat mich an einen alten Fantasytrick erinnert: Wenn eine alte Figur ausgedient hat, wird sie entweder ausgewechselt – oder sie verwandelt sich. So verwandelt sich der alte Zauberer in A. R. R. R. Roberts Hobbit-Parodie [„Der kleine Hobbnix“ 477 kurz vor der entscheidenden Begegnung mit dem Drachen (alias Smaug) in ein Wesen, das wesentlich nützlicher ist als der vergessliche Tatterich, der er zuvor war (ich verrate nicht, in was). Aber er entscheidet natürlich die Begegnung mit dem Gegner. Dieses Element könnte man wohl als „Ass im Ärmel“ bezeichnen.

Der hexhermetische Holzwurm, der als Orakel und Dichter gleichermaßen genervt hat, macht eine Verpuppung durch, die den Leser bzw. Hörer gespannt darauf warten lässt, was aus dem Kokon schlüpfen mag. Als die geflügelte Schlange mit viel Licht und Wunder erscheint, ist auch dies eine Begegnung mit dem Numinosen. Merkwürdig, dass keiner der Anwesenden sonderlich Angst verspürt. Und da sich die grantige Mentalität des Ex-Holzwurms nicht geändert hat, gibt es dazu auch wenig Anlass. Die Feinde haben sich dafür umso mehr zu fürchten.

|Terminator-Wyvern|

Auch der Gestaltwandler ist ein Gegner, dem sich jemand entgegenstellen muss, und diesmal ist die Reihe an Griffin, Jollys Freund. Der Gestaltwandler oder „Wyvern“ (was in den meisten Bestiarien einen Flugdrachen bezeichnet, aber das trifft hier nicht zu) ist ein Schwarmwesen, das – wie ein feindlicher Terminator à la TX – die Gestalt jedes Wesens annehmen kann, das es berührt hat. Es ist folglich äußerst schwierig, so eine proteische Gestalt zu töten. Griffin schafft es wunderbarerweise trotzdem.

|Vorgeschichten|

Doch wer hat das Wyvern geschickt: der Mahlstrom, die Meister, das Mare Tenebrosum oder sonst jemand? Die Erklärung ist recht kompliziert, denn sie fordert ständiges Umdenken. Ebenso kompliziert ist die Erklärung, wie der Mahlstrom überhaupt entstand – und warum er nach mehreren tausend Jahren Ruhe erneut auftauchte. Mich haben diese Erklärungen kaum zufrieden gestellt. Das ist das Problem mit den nachträglich gelieferten Vorgeschichten: Sie lassen sich nur selten auf erzählerisch befriedigende Weise in die gegenwärtige Erzählung integrieren. Tolkien beispielsweise brauchte dafür einen umfangreichen Anhang, um die Vorgeschichten für „Der Herr der Ringe“ zu beleuchten. Hätte er [„Das Silmarillion“ 408 zuerst veröffentlichen dürfen, wäre das unnötig gewesen.

Das Ende des Widersachers, sei es nun Sauron oder der Mahlstrom, hat entsprechend spektakulär auszusehen und das Ende einer Ära zu bezeichnen. Sowohl Tolkien als auch Peter Jackson und Kai Meyer lösen diese leichte Aufgabe zur größten Zufriedenheit des jeweiligen Publikums, ohne jetzt mehr verraten zu wollen.

|Der Sprecher|

Andreas Fröhlich ist ein wahrer Stimmkünstler. Es hat mich immer wieder verblüfft, wie er es vollbringt, seine Stimme so flexibel anzupassen, dass es ihm gelingt, die optimale Ausdruckskraft hervorzubringen. Das ist kein Wunder, wenn man bedenkt, dass es Fröhlich war, der in Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Verfilmung den Gollum spricht. Tatsächlich gibt es auch in „Die Wellenläufer“ ein Figur, die fast haargenau wie Gollum klingt.

Es ist ein „hexhermetischer Holzwurm“, der im Hafen von Tortuga als Orakel sein Leben fristet – bis Jolly ihn rettet und mitnimmt. Er hat die gleiche heisere, ein wenig schnarrende Stimme wie Gollum, allerdings ein wenig tiefer. In diesem dritten Teil allerdings ist der alte Holzwurm nicht mehr das, was er einmal war. Er hat sich in eine geflügelte Schlange verpuppt, einen Schlangengott, wie ihn die alten Maya verehrten. (Und er wütet gar gewaltig unter den Feinden.) Seine Stimme ist nicht mehr so krächzend wie zuvor, sondern hat eine ehrfurchtgebietende Note erhalten.

Die unheimlichste Figur, die Fröhlich stimmlich erschafft, ist ohne Zweifel der Geisterhändler. Hat er schon von der Optik her das Aussehen des nordischen Obergottes Odin, so rundet seine tiefe, autoritative Stimme die Erscheinung eines wanderndes Gottes ab. (Es ist die gleiche Stimmlage, die Fröhlich im ersten [ERAGON-Hörbuch 3228 für Brom reserviert hat.) Als er auch noch Delphi und die Wilde Jagd erwähnt, ist ziemlich klar, von welcher Herkunft der Geisterhändler ist.

Eine weitere bemerkenswerte Figur ist Buenaventure, der Steuermann von Kapitän Walkers Schiff „Carfax“. Wenn dieser Gigant mal seinen Helm ablegt, wird sein Gesicht sichtbar: Es gleicht aufs Haar genau dem eines Pitbulls. Entsprechend tief und grollend klingt die Stimme dieses Wesens. Jolly, unerschrocken wie immer, schließt auch mit diesem dicken Brocken Freundschaft.

Die meisten männlichen Figuren in dieser Geschichte sind Piraten und klingen auch wie solche: rauhbeinige Gesellen, mal weniger, mal mehr angetrunken. Das gilt auch für den Kaiser Kendrick. Man kennt diese Stimmen aus [„Fluch der Karibik“]http://www.powermetal.de/video/review-369.html – dafür gibt es bereits ein Klischee. Ebenso für die Piratenbräute, selbst wenn sie wie Soledad als eine „Prinzessin“ bezeichnet werden.

|Spezialeffekte|

Wie schon in Teil 2 begegnet Jolly den Wasserweberinnen. Doch wie spricht ein Einzelsprecher die Stimmen von drei gleichzeitig sprechenden alten Frauen? Das ist eine echte Herausforderung und lässt sich im Grunde nur auf technische Weise bewältigen. Durch die Aufnahmetechnik gelingt es ihm, seine Stimme, die er sanft und weiblich gestaltet, zumindest zu verdoppeln (man nimmt die zweite Stimme mit minimaler Verzögerung auf.). Sie zu verdreifachen, würde sie undeutlich werden lassen. Hinzukommt ein schwacher Halleffekt, der die Tiefe des Meeresgrunds symbolisiert. Würde man diesen Filter stärker einstellen, so wäre der Text schwerer zu verstehen, also muss er relativ schwach eingesetzt werden.

Das gleiche Prinzip gilt für Kangusta, die Mutter der Klabauter. Auch sie stellt Fröhlich mit elektronisch verzerrter Stimme dar. „Kangusta“ spricht schnarrend und auch ein wenig weinerlich, denn der Mahlstrom hat ihr ihre Kinder entfremdet und fortgenommen. Doch Jolly kann sie aufheitern: durch den Kampf gegen den Widersacher.

|Die Geräusche|

Wie es sich für ein solches Piratenmärchen aus der Karibik gehört, bekommt der Zuhörer eine Menge von Geräuschen geboten. Vom Vogelgezwitscher über Brandungsrauschen und aufgeregte Stimmen bis hin zum Kanonendonner – die stilechten Sounds verleihen der Geschichte eine erhöhte Authentizität und verstärken das romantische Flair, das durch die Karibiklandschaft weht. Dass die Kanonen donnern, gehört ebenfalls zum Abenteuer – und was wäre eine Seeschlacht ohne feuernde Geschütze? Dennoch überdecken die Geräusche nie den Vortrag, so dass weiterhin jedes Wort zu verstehen ist – sie bleiben stets dezent im Hintergrund. Für das Ende des Mahlstroms hätte ich mir etwas grandiosere Geräusche gewünscht: mehr Theaterdonner sozusagen.

Mit ist auch hier negativ aufgefallen, dass die Lautstärke der Aufnahme zu leise eingestellt ist. Jedenfalls viel leiser als die meisten aktuellen Audioproduktionen.

_Unterm Strich_

Wie oben schon erwähnt, greift der Autor in diesem Teil auf bewährte Muster der Fantasyliteratur zurück. Da ich diese Muster zur Genüge kenne, habe ich mich ziemlich gelangweilt, denn ich wusste ja schon, was kommen würde. Die diversen Showdowns, die für ein Finale obligatorisch sind, konnten mich ebenfalls nicht besonders begeistern, denn es war ja klar, dass die Guten gewinnen würden.

Keiner von Jollys Gefährten gerät wirklich in Lebensgefahr, und wenn auch Jolly zeitweilig für tot gehalten wird, so ist doch für jeden Kenner klar, dass der Autor die Hauptfigur nicht einfach sang- und klanglos in der Versenkung verschwinden lassen kann. Aber wenigstens tauchen keine Adler auf – obwohl der Flugrochen Griffins damit eine starke Ähnlichkeit aufweist. Alles in allem wird in diesem Teil mehr gehandelt als gequasselt, doch der hohe „bodycount“ unter den feindlichen Angreifern auf Aelenium dürfte keinen Leser bzw. Hörer schmerzen.

Andreas Fröhlich bietet mal wieder seine ganze beträchtliche Kunstfertigkeit auf, um den Figuren Leben einzuhauchen und sie unverwechselbar zu machen. Sein Stimmumfang verblüfft immer wieder, denn er reicht vom tiefen Bass bis zum höchsten Diskant, und er setzt dies in der Geschichte ausgezeichnet ein. Das dürften dem jugendlichen Hörer erheblichen Spaß bereiten. Die realistisch klingenden Geräusche werden sehr dezent eingesetzt, so dass sie nie den Vortrag überdecken (was nicht selbstverständlich ist).

|465 Minuten auf 6 CDs|
http://www.hoercompany.de

Berndorf, Jacques – Eifel-Träume

_Gegenwartskrimi par excellence, professionell inszeniert_

Der Journalist Siggi Baumeister hat diesmal eine besonders harte Nuss zu knacken: Er soll den Mord an der dreizehnjährigen Annegret recherchieren. Dabei gerät er von einem moralischen Sumpf in den nächsten.

Nicht nur das. Siggi hat auch noch einen Sack voll privater Probleme: Seine seit zwölf Jahren nicht mehr gesehene Tochter Clarissa steht mir nichts dir nichts vor der Tür und begehrt Obdach und Zuwendung, seine Ex-Freundin Vera kehrt unverhofft zurück und last but not least will sein Freund Rodenstock nach Mallorca auswandern. Volles Programm, Herr Baumeister.

_Der Autor_

Jacques Berndorf alias Michael Preute wurde 1936 in Duisburg geboren und lebt & schreibt in der Eifel. Er kann ohne Katzen und Garten nicht leben und weigert sich, über Menschen und Dinge zu schreiben, die er nicht kennt. Er ist in den letzten Jahren zum meistgelesenen deutschen Krimiautor avanciert. Jeder neue Band seiner Eifel-Krimis wird von seiner wachsenden Fangemeinde mit Sehnsucht erwartet. (Verlagsinfo)

Als Hörbuch erhältlich sind u. a.:

Eifel-Blues
Eifel-Wasser
Eifel-Liebe
[Eifel-Feuer 735

_Die Sprecher_

Dietmar Bär: Dietmar Bär, 1961 geboren, ist mit dem Genre „Krimi“ schauspielerisch groß geworden. Erste Aufmerksamkeit als TV-Darsteller zog er durch seinen Auftritt im Schimanski-Tatort „Zweierlei Blut“ 1984 und die Hauptrolle in Dominik Grafs Fernsehspiel „Treffer“ 1984 auf sich. 1986 erhielt er den „Deutschen Darsteller-Preis für den Nachwuchs“. Als Kommissar Freddy Schenk steht er seit 1987 im „Tatort“ zusammen mit Klaus J. Behrendt vor der Kamera.

Günter Lamprecht, geboren 1930, wurde am Max-Reinhardt-Seminar ausgebildet. Er spielte Theater, u. a. in Hamburg, Berlin und Bochum. In Fernsehserien erschien er als „Tatort“-Kommissar Markowitz, und als Franz Biberkopf bleibt er in Fassbinders „Berlin Alexanderplatz“ unvergesslich.

Claudia Amm arbeitete u. a. am Schauspielhaus Bochum mit Regisseuren wie Dieter Dorn und Claus Peymann (Hut ab!). Im TV war sie im „Tatort“ und in Michael Verhoevens „Gegen die Regel“ zu sehen.

Sascha Icks, geboren 1967 in Düsseldorf, ist eine der wandlungsfähigsten Sprecherinnen für Film, Funk und TV. Nach ihrer Ausbildung hat sie an verschiedenen Theatern gespielt, u.a. bei den Münchner Kammerspielen und am Hessischen Staatstheater Wiesbaden.

K. Schauer, 1981 geboren, hat schon früh ihre Stimme geschult: bereits in der Grundschule sang sie, spielte Instrumente und Theater. Sie ist Musikerin und leiht der Tochter Baumeisters ihre Stimme. (Verlagsinfos)

Regie bei der inszenierten Lesung mit Musik führte Maria Franziska Schüller.

_Handlung_

Der Journalist Siggi Baumeister lebt nach seiner Scheidung eigentlich ganz friedlich und arbeitsam in seinem kleinen Dorf in der Eifel. Sein Freund, der ehemalige Polizeirat Rodenstock, wohnt mit seiner Frau Emma nicht weit entfernt, und abends setzt man sich gerne gemütlich zusammen. Doch das geruhsame Leben auf dem Lande findet ein jähes Ende.

Der Redakteur Grotmann aus Hamburg informiert ihn, dass ein dreizehnjähriges Mädchen namens Annegret aus dem Eifeldorf Hiltenstein mit eingeschlagenem Schädel in einem Wäldchen gefunden worden sei. Das Wäldchen wird wegen der Liebespaare, die sich dort treffen, seit jeher „Amorbusch“ genannt. Siggi soll eine Studie liefern. Wie sich zeigt, ist es ein gefährlicher Auftrag.

Durch einen Fehler der Polizisten vor Ort wurde die Leiche abtransportiert, bevor die Spurensicherung da war. Wurde das Mädchen an dieser Stelle oder woanders getötet? Als Siggi eintrifft, arbeitet bereits der Kriminalbiologe Dr. Marc Beneke am Tatort. Siggi kriegt ein scheußliches Foto der Toten. Täterhinweise gibt es auch schon: Eine Bürgerwehr denunziert unbequeme Leute wie am Fließband. Siggi gibt nichts darauf.

Dafür verschwindet aber der Vater des Mädchens spurlos. Durch einen Tipp vom Wirt der Kneipe kann Siggi Rainer Darscheit aufspüren: Er will sich aufhängen, doch Siggi belehrt ihn eines Besseren. Darscheits Ehe ist schon seit Jahren am Ende, denn seine Frau Elisabeth lebt den Traum von der perfekten Familie, und da darf es keine Probleme geben. Warum sich Frau Darscheit so verhält, wird erst gegen Ende enthüllt – aber umso erschütternder. Sie kennt den Amorbusch ebenfalls und beobachtet mit dem Fernglas, was ihre Tochter und die Jugendlichen dort so treiben.

Ein Anruf: Toni Burscheit hat sich erhängt, der Bürgermeister von Hiltenstein. Hatte er etwas mit Annegret zu tun? Ja, er ist der Onkel von Elisabeth Darscheit und wurde als Pädophiler denunziert, sogar von ihr, denn er soll Annegret unsittlich berührt haben. Dass Burscheit auch wirtschaftspolitische Gründe haben könnte, erfährt Siggi von einem Mann namens Gustav Mauren aus Wiesbach. Toni wurde erpresst. Er war gegen die Rodung eines Waldes, um dort Vulkanschlacke abzubauen. Steckt der Bauunternehmer Schmitz dahinter? Jedenfalls ist Gustav Mauren einen Tag nach Siggis Besuch ebenfalls tot. Jemand hat offensichtlich etwas gegen Verräter.

Dass die Freunde von Annegret fast alle gelogen haben, was ihren Aufenthaltsort zur Tatzeit anbelangt, fällt Siggi im Laufe seiner Ermittlungen ebenfalls auf. Als er diese Freunde befragt, schält sich das Bild einer verschworenen Gemeinschaft von Jugendlichen heraus, die reichlich viel mit Sex zu tun hatten. Aber es ist der Sex der Erwachsenen, den sie entdecken und der sie abstößt. Und für einen von den Jugendlichen ist es einfach zu viel, was er dabei über seine Mutter erfährt …

Einer nach dem anderen zerplatzen die Eifel-Träume, und auch Siggi wird von seiner Vergangenheit eingeholt. Nicht nur seine 22-jährige Tochter Clarissa, die er seit zwölf Jahren nicht gesehen hat, steht bei ihm auf der Matte. Auch seine Ex-Freundin Vera sucht bei ihm dringend benötigte Streicheleinheiten, um ihre verwundete Seele zu heilen. Denn im Landeskriminalamt Mainz wurde sie das Opfer einer oberfiesen Kollegenintrige. Dass Rodenstock auch noch nach Mallorca auswandern will, bringt das Fass quasi zum Überlaufen. Da hat es gerade noch gefehlt, dass Siggis Kater Satchmo seine Goldfische gefressen hat. It’s a wonderful world.

_Mein Eindruck_

Es menschelt gar mächtig in diesem Eifelkrimi, und für Siggi-Baumeister-Fans ist das Buch ein gefundenes Fressen. Aber nicht nur die Erwachsenen haben, wie so oft, zwischenmenschliche wie auch wirtschaftliche Probleme, diesmal stehen auch die pubertierenden Jugendlichen im Vordergrund. Wer hat Annegret auf dem Gewissen? War es ein Pädophiler wie Toni Burscheit? Wohl kaum, denn er wäre wohl kaum zu einem Mord fähig. Oder war es ein Gleichaltriger wie Gerd Salm? Käme auch Kevin Schmitz, der Sohn des Bauunternehmers, in Frage?

Siggi muss vielen Spuren nachgehen und einige Irrtümer aus dem Weg räumen. Dabei geht es nicht ohne Blessuren ab. Ein von Schmitz geschmierter Mitarbeiter verpasst Siggi den doppelten „Ohrenhammer“, so dass Siggi k.o. zu Boden geht und erst wieder in seinem Auto erwacht. Anderntags kriecht Siggi schon wieder putzmunter unter Hecken hindurch auf vermeintlich vor fremden Augen geschützte Liebeslauben. Hier bekam Annegrets Clique Anschauungsunterricht im Liebemachen. Nur, dass die diejenigen, die da vor ihren Augen zusammen waren, keineswegs miteinander verheiratet waren …

Dass sich schon 13- und 15-jährige Schüler harte Pornos besorgen können (oder bei ihren Eltern im „Giftschrank“ finden), findet Siggi keineswegs in Ordnung, aber das ist nur ein kleiner Aufreger am Rande. Besser, als dass sie sich regelmäßig volllaufen ließen. Die Ursache für dieses Verhalten findet Siggi in den Elternhäusern. Die Ehe von Rainer und Elisabeth Darscheit ist nicht die einzige, die zerrüttet ist. Und die private Katastrophe setzt sich im Verhalten der Kinder fort. Es führt indirekt zum Mord an Annegret. Die Eltern haben keine Ahnung von den Träumen der Kinder, heißt es an einer Stelle, und wissen nicht, was sie mit ihrem Verhalten anrichten.

|Humor und Heilung|

Damit aber diese ernsten Vorkommnisse Siggi nicht allzu sehr deprimieren, stellen sich in seinem Privatleben kleine Erfolge als Ausgleich ein. Clarissa, seine Tochter, findet ebenso zu ihm zurück wie seine Ex-Freundin Vera. Womit hat er so viel Glück nur verdient, fragt man sich. Ist Vera durch ihr Liebesdesaster in Mainz geläutert worden und kehrt reuig zu ihrem Ex zurück?

Nein, so einfach ist es natürlich nicht. Auch Frauen haben schließlich ihren Stolz. Aber Vera erfährt offensichtlich von Clarissa eine ganze Menge über das Vorleben von Siggi, und Emma Rodenstock wollte Siggi schon immer an der Seite einer Frau sehen. Vielleicht zieht sie im Hintergrund ein paar Fäden. Denn wer hätte gedacht, dass sich Vera hinstellt und Siggi sagt, sie wolle „um ihn kämpfen“? Potztausend, solche Sprüche erwartet man eher aus schlechten Groschenromanen und deutschen Heimatfilmen.

Siggi hat schon einiges hinter sich, eine komplett ausgestaltete Vorgeschichte, in der er sich als Trinker und treuloser Ehemann entblößt. Doch warum hat er Clarissas Mutter mit einer flüchtigen Affäre betrogen? Weil diese Mutter schwer tablettensüchtig war und offenbar erhebliche emotionale Probleme hatte. Was soll man da als Ehemann machen?

So ernst auch das wieder klingt, so humorvoll-ironisch wird es doch erzählt. Die bittersten Pillen sind schließlich am süßesten zu verpacken, lautet ein altes Gesetz der Literatur. Daher ist das Happyend auch bittersüß.

|Die Sprecher|

Dietmar Bär spricht gewohnt eindrucksvoll und glaubhaft den älteren Junggesellen und Journalisten, der schon (fast) alles gesehen hat und den kaum noch was erschüttern kann. Mit gleicher Souveränität spielt er ja einen „Tatort“-Kommissar. Er sollte öfters mit Kindern und Jugendlichen zusammen spielen, denn er kommt sehr gut mit ihnen zurecht.

Alle anderen Rollen gehören lediglich Nebenfiguren, aber unter diesen ragen einige heraus. Da ist natürlich Rodenstock (Günter Lamprecht), aber er ist vom gleichen Schlag wie Siggi. Emma (Claudia Amm) ist die vernünftige Ehefrau, die es besser weiß, aber diplomatisch agiert. Vera (Sascha Icks) hat einen langen Weg auf Siggi zuzugehen. Und am einprägsamsten in dieser Gruppe ist wegen ihrer langen Dialoge mit Siggi die Rolle der Clarissa, gesprochen von „K. Schauer“ (der Vorname wird nirgends auf der CD angegeben). Aber damit hatte ich ein kleines Problem: Sie klingt zu jung für ihre Rolle. Angeblich ist Clarissa schon 22, aber „K. Schauer“ klingt wie 16 oder 17.

|Die Musik und Geräusche|

Alle Geräusche in dieser „inszenierten Lesung“ erklingen dezent im Hintergrund und verleihen der jeweiligen Szene einen realistischen Anstrich. Da pfeifen also die Vögel im Garten ebenso zurückhaltend wie die Teelöffel leise in der Kaffeetasse klirren. Der Dialog steht stets im Vordergrund.

Etwas ganz Besonderes ist die ungewöhnliche Musikauswahl. Diese kurzen Stücke erklingen in den Pausen, um die Kapitel voneinander zu trennen. Währenddessen kann der Zuhörer mental Luft holen und sich entspannen.

Eine Frau singt leichte, langsame Songs zu Jazzbegleitung. „I’ll be around“ heißt eines der Stücke, und von Leonard Cohen stammt „Dance me to the end of love“. Es bildet einen sehr schönen Ausklang für das Hörbuch. Ich fühlte mich in einen Jazzklub in den vierziger oder fünfziger Jahren zurückversetzt.

_Unterm Strich_

Ohne Wenn und Aber ist dies ein ganz starker Krimi, und da er auch noch in der Reihe von Berndorfs Eifelkrimis erscheint, ist ihm eine begeisterte Aufnahme bei der treuen Anhängerschaft sicher. Wer einen exzellent erzählten und couragiert aktuelle Probleme aufgreifenden Krimi genießen will, der greife zu „Eifel-Träume“.

|Das Hörbuch|

Die Sprecher verstehen es ausgezeichnet, ihren jeweiligen Figuren den Anstrich der Lebendigkeit und der Glaubhaftigkeit zu verleihen. Dabei verfallen sie keineswegs in das Karikaturhafte, was ja bei Siggi, Rodenstock oder Vera allzu leicht möglich wäre, sondern lassen die Figuren sozusagen „auf dem Teppich“. Ganz heikel sind die Szenen zwischen Siggi und seiner Tochter, und ich muss sagen, diese Dialoge wurden ausgezeichnet bewältigt, ohne nach unglaubwürdigen Entschuldigungen oder Ausflüchten zu klingen. Lediglich Clarissa klingt mir zu jung für ihre Rolle.

Ich gebe diesem Hörbuch die volle Wertung.

|242 Minuten auf 3 CDs|

Thomas Mann – Der Tod in Venedig (Lesung)

Kunst oder Leben: Venedig sehen und draufgehen

In dem deutschen Schriftsteller Gustav Aschenbuch erwacht eines Tages Reiselust und Fernweh. Vielleicht kann er in Venedig seine Schaffenskrise überwinden. Omen machen ihn allerdings misstrauisch. Im Hotel erregt eine polnische Familie sein Interesse. Er verliebt sich quasi in den 14-jährigen Jungen Tadzio, das Inbild des Eros. Obwohl angeblich die Cholera in der Stadt ausgebrochen ist und die Polen schon bald wieder abreisen, kann sich Aschenbach nicht dazu aufraffen, die Stadt zu verlassen und stirbt in seinem Stuhl am Lido.

Das Hörbuch bietet die ungekürzte Lesung des gesamten Textes.
Thomas Mann – Der Tod in Venedig (Lesung) weiterlesen

Meyer, Kai – Muschelmagier, Die (Wellenläufer-Trilogie 2)

_Spannend: ein Besuch beim König der Kannibalen_

Die Abenteuer der Quappen (siehe „Vorgeschichte“ weiter unten) Jolly und Munk finden in „Die Muschelmagier“ ihre Fortsetzung. Endlich gelangen beide in die Seestadt Aelenium, die gegen den drohenden Mahlstrom Wache hält. Munk zeigt seine neu entdeckten Magierfähigkeiten, und mit Jolly bereitet er sich auf die kommende Schlacht gegen die Kreaturen des Mahlstroms vor. Doch Jolly überkommen Zweifel an dieser Mission …

_Der Autor_

Kai Meyer, Jahrgang 1969, studierte Film, Philosophie und Germanistik und arbeitete als Redakteur. Er schrieb schon in jungen Jahren und lieferte u. a. ein paar Jerry-Cotton-Abenteuer. Sein erster großer Erfolg war „Die Geisterseher“, eine historische „Akte X“. Seit 1996 ist er freier Schriftsteller und Drehbuchautor. Bisher sind rund 40 Romane von ihm erschienen. Selbst Kritiker waren von seinem historischen Mystery-Thriller „Die Alchimistin“ begeistert, später folgten „Die fließende Königin“ und „Göttin der Wüste“. Bei |Loewe| erschien mit den „Wellenläufern“ ein Jugend-Fantasyzyklus. [„Frostfeuer“ 2111 aus dem Jahr 2005 ist eigenständiger Jugendroman. Das Buch wurde mit dem internationalen Buchpreis CORINE ausgezeichnet.

Die Wellenläufer-Trilogie:

1) [Die Wellenläufer 3247
2) Die Muschelmagier
3) Die Wasserweber

|Kai Meyer bei Buchwurm.info:|

[Interview mit Kai Meyer]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=11
[„Die Alchimistin“ 73
[„Das Haus des Daedalus“ 373
[„Der Schattenesser“ 2187
[„Die Fließende Königin“ 409
[„Das Buch von Eden“ 890 (Hörbuch)
[„Das Buch von Eden“ 3145
[„Der Rattenzauber“ 894
[„Frostfeuer“ 2111 (Hörbuch)

_Der Sprecher_

Andreas Fröhlich ist die deutsche Stimme von John Cusack und Edward Norton. Er wurde 1965 in Berlin geboren; bereits mit sieben Jahren begann er mit der Synchronarbeit, nachdem er im Kinderchor des „Sender Freies Berlin“ entdeckt wurde. 1978 stieg er in der Sprecherrolle des Bob Andrews bei einer der bis heute erfolgreichsten Hörspielreihen Deutschlands, „Die drei Fragezeichen“, ein.

Nach dem Abitur ging Fröhlich zunächst zum Theater, wo er unter anderem Rollen in Büchners „Woyzeck“ und in Shakespeares „Was ihr wollt“ spielte, bis er 1991 wieder zu seiner Arbeit als Synchronsprecher zurückkehrte. Außer als Sprecher arbeitet er als Synchronregisseur und Drehbuchautor, wo er u. a. für die Synchronisierung von „Der Herr der Ringe“ verantwortlich war. In dieser Trilogie übernahm er z. B. die Synchronisation des Wesens Gollum. Doch auch die deutschen Dialoge in Filmen wie Disneys „Mulan“ und „The Beach“ stammen aus seiner Feder. (Verlagsinfo)

Fröhlich liest eine leicht gekürzte Romanfassung, die von Andrea Herzog bearbeitet wurde. Regie führte Angelika Schaack, die Aufnahme steuerte Fabian Küttner im Elmsbütteler Tonstudio, Hamburg.

_Vorgeschichte_

Ein magisches Beben erschüttert die Küsten der Karibik. Und in finsteren Piratenhäfen werden Kinder geboren, die über Wasser gehen können. Jahre später glaubt Jolly, dass außer ihr keine anderen Wellenläufer mehr am Leben sind. Bis sie Munk begegnet. Auch er versinkt nicht im Wasser – und kann aus Muscheln einen uralten Zauber beschwören. Ein rätselhafter Fremder, der Geisterhändler, schickt die beiden auf eine fantastische Reise. Gejagt von Klabautern, Ungeheuern und allen Seeräubern der karibischen See, stellen sie sich einer tückischen Gefahr: dem Mahlstrom, einem dunklen Strudel, der die Barriere zwischen den Welten niederreißt.

Der Roman spielt Anfang des 18. Jahrhunderts unter den Piraten der Karibik. Die Heldin Jolly, ein 14-jähriges Seeräubermädchen, verfügt von Geburt an über ein besonderes Talent: Sie kann über Wasser gehen. Nach dem Untergang ihres Schiffes und dem Verlust ihrer Mannschaft findet sie neue Freunde: Munk, der sich auch auf die Kunst der Muschelmagie versteht, den Geisterhändler, der die Geister ertrunkener Seeleute als Sklaven verkauft, Buenaventure, ein Wesen halb Mensch, halb Hund. Doch die Gefährten haben einen mächtigen Feind – den Mahlstrom, einen meilenbreiten Strudel, der von einer teuflischen Intelligenz beseelt ist. Jollys Reise führt weit über die Karibik hinaus – geradewegs ins Mare Tenebrosum, die legendäre See der Finsternis. (abgewandelte Verlagsinfo)

_Handlung_

Die Quappe Jolly ist von ihren Gefährten in Nacht und Sturm getrennt worden, und nur der Junge Griffin ist bei ihr, als sie in einer Höhle des Insellabyrinths erwacht, wo sie Zuflucht gefunden haben. Sie sind auf eine kleine Kolonie von Brückenbauern gestoßen, die sie freundlich begrüßt haben. Doch etwas ist merkwürdig: Die Brücke, die sie unter dem Kommando ihres Chefs Agostini errichten, ist zwar hoch und fast 200 Meter lang, aber wo führt sie hin?

Nur ein Ausflug auf das Bauwerk kann darüber Aufschluss erteilen, und so machen sich Jolly und Griffin in Begleitung von Agostini auf den Weg, um die soeben fertiggestellte Brücke quasi einzuweihen. Jolly wird stutzig, als sie merkt, dass sie nicht aus Holz besteht, sondern aus Fasern. Wie kann sie zusammenhalten? Durch Magie, sagt Agostini. Der sonst so agile und freundliche Mann verändert sich, wird düsterer, ja zwielichtig. Sie können das Ende der Brücke immer noch nicht sehen. Weil sie nicht zu nächsten Insel führt, sondern ins Meer, meint der Baumeister. Jolly schwant Schlimmes.

Was sich sogleich bestätigt, als es – wieder einmal – Fische vom Himmel regnet. Klabauter tauchen auf und greifen die Bauhandwerker an, und zu allem Überfluss verwandelt sich Agostini in ein magisches Wesen des Mahlstroms. Griffin sagt Jolly Bescheid: Es ist ein Wyvern, ein Gestaltwandler. Doch da beginnt die Brücke, die ins schwarze Mare Tenebrosum führt, zu brennen, und Jolly und Griffin müssen zu ihrem Anfang zurückfliehen: in die Hände der Klabauter. Als das Ende nahe ist, werden sie vom Geisterhändler gerettet.

|Zur Seesternstadt|

Zwei Tage später erreicht Jolly die Seestadt Aelenium, die sich auf einem riesigen Seestern erhebt und hinter Nebelwänden verborgen ist. Die bewaffneten Reiter von Flugrochen und Seepferden halten von hier aus gegen den drohenden Mahlstrom und dessen Kreaturen Wache. Jolly wird herzlich von ihren verlorenen Gefährten empfangen, und auch Munk begrüßt sie fröhlich. Sie verzeiht ihm, dass er sie im Stich lassen musste. Er bringt ihr das Schwimmen und Tauchen bei, was für ja für einen Wellenläufer nicht ganz selbstverständlich ist. Ein kleiner Trick hilft auch Quappen beim Eintauchen ins kühle Nass. Unter Wasser können sie sogar sprechen und einander hören.

|Jollys Abschied|

Allerdings stellt Jolly schon nach wenigen Tagen fest, dass sie mit Aelenium ein Problem hat: Sie fühlt sich zerrissen zwischen zwei Realitäten. Eigentlich ist sie ja Piratin, und als solche möchte sie zu ihrer Piratenfamilie zurück, zu Kapitän Bannon, den ein ungewisses Schicksal ereilt hat, und seiner Mannschaft von der „Mageren Maddy“. Andererseits kommen ihr die Umgebung von Aelenium sowie das Mare Tenebrosum, dem sie begegnet ist, wie ein Traum vor. Und nachdem sich Munk auch noch als eifersüchtig auf Jollys Freundschaft mit Griffin erwiesen hat, fasst sie den Entschluss, aufzubrechen, um mit ihrem bisherigen Leben klar Schiff zu machen.

Sie kapert kurzerhand die „Carfax“, das Schiff von Kapitän Walker, und mit den Geistern als Besatzung segelt sie davon. Allerdings nicht ohne zuvor in einem Streit mit Munk gesiegt zu haben. Unterwegs zur Mündung des Orinoko, von wo die Giftspinnen auf der „Maddy“ kamen, stößt sie auf zwei blinde Passagiere, die ihr jedoch umso willkommener sind, als sie sich auf einmal sehr einsam fühlt: Buenaventure, der riesige Hundmensch, und der hexhermetische Holzwurm, der allen auf den Wecker geht.

Auch Soledad, Kapitän Walker und der Geisterhändler brechen auf, um unter den Piraten der Antillen nach dem Rechten zu sehen. Prinzessin Soledad will Anspruch auf den Thron des Piratenkaisers erheben, den ihr Kendrick, der Mörder ihres Vaters, entriss. Doch bei der Ratsversammlung der Piratenkapitäne tritt ein sehr übler Geselle auf: Kapitän Tyrone, der König der Kannibalen vom Orinoko …

_Mein Eindruck_

Für den durchschnittlichen Fantasyleser könnte die Handlungsstruktur dieses Mittelbandes der Wellenläufer-Trilogie etwas zerfasert und verworren aussehen. Die ursprünglichen Gefährten sind in viele Richtungen verstreut, doch dem Autor gelingt es, sie verschiedene Aufgaben bewältigen zu lassen und wieder zusammenzuführen. Der Urvater, Munks Lehrer in Aelenium, hat Recht. Zuerst muss Jolly ihre wichtigste Lektion im Leben lernen: den Verlust dessen, was sie mehr liebt als sich selbst. Und das ist vor allem ihre frühere Ersatzfamilie von der „Mageren Maddy“. Sobald deren Schicksal geklärt ist, kann Jolly zusammen mit Soledad etwas gegen die Bedrohung durch den Kannibalenkönig unternehmen. Da dieser im Bund mit dem Mahlstrom steht, kann sie auf diese Weise eine von zwei Angriffsfronten, die auf Aelenium zielen, schwächen, wenn auch nicht ausschalten.

Jolly ist fast in jeder Szene die integrierende Zentralfigur dieses Romans und wartet mit interessanten Erlebnissen, Begegnungen und Herausforderungen auf. Ihre Entwicklung ist psychologisch begründet, und das ist im Vergleich zu den meisten angloamerikanischen Verlagserzeugnissen auf dem Fantasymarkt doch ein erheblicher Fortschritt. Man könnte allerdings herummäkeln, dass dies nur dazu dient, den Showdown mit dem Mahlstrom, dem Hauptgegner Aeleniums, hinauszuzögern. Beides ist richtig, wie mir scheint.

Das schmälert aber nicht das Interesse an Jollys Erlebnissen. Eines der wichtigsten darunter ist sicherlich die Begegnung mit den Wasserwebern, nachdem Jollys Schiff „Carfax“ von Tyrones Fregatte versenkt worden ist. Jolly wird zusammen mit der „Carfax“ in die Tiefe gesogen und findet sich bald auf dem Meeresboden wieder. Hier stößt sie auf drei alte Frauen, die jeweils hinter einem Spinnrad hocken und Garn spinnen. Die Grundfäden, die sie verarbeiten, bestehen aus magischem Wasser. Daher nennen sie sich Wasserweberinnen.

Natürlich sind die drei Schicksalsweberinnen für den Kenner der Mythologie ohne weiteres als Analogien zu den griechischen Parzen und den altnordischen Nornen erkennbar. Wer ihnen als Sterblicher begegnet, könnte also etwas über sein eigenes Schicksal erfahren. Doch die drei Weberinnen wollen die Quappe, die da vor ihnen schwimmt, über etwas Bestimmtes ins Bild setzen. Es ist nichts Geringeres als eine eigene Mythologie der Wasserwelt.

|Die Wahrheit hinter den Begriffen|

Das Mare Tenebrosum, so sagen sie, sei der Urozean, die Mutter der Ozeane und der Vater allen Wassers. Daher sei es an sich weder gut noch böse, sondern es ist einfach. Als die Götter der Anderwelt diese Welt mit dem Mare Tenebrosum schufen, verausgabten sie sich und verloren viel ihrer Macht. Zwei dieser schwachen Götter habe sie, Jolly, bereits kennengelernt: den Geisterhändler, den man woanders als den „Rabengott“ bezeichnet, und Urvater, den Schöpfer, der als Erster hier war und nun in Aelenium lebt und unterrichtet.

Den Göttern stehen die Meister aus der Anderwelt gegenüber, die herüberdrängen, sobald die Grenze dünn und durchlässig wird. Die Meister sind jung und neugierig. Der Mahlstrom ist intelligent und sammelt die Klabauter, die Tiefen Stämme, um sie gegen Aelenium einzusetzen. Doch Aelenium kämpft mit den Alten Göttern gegen diese Meister, denn diese seien böse und wollten die Welt vernichten. Ist das wirklich so? Was ist gut, was ist böse? Vielleicht verteidigen die Alten Götter lediglich ihren Besitz gegen die Meister. Jolly ist ratlos. Die Weberinnen trösten sie: Des Rätsels Lösung findet sich erst am Ende des Wegs, den sie zu gehen habe. Und dieses Ziel kann weit jenseits des Mahlstroms liegen, irgendwo im Mare Tenebrosum. „Aber nichts ist jemals vorüber“, enden die Weberinnen orakelhaft – und verschwinden hinter einer Staubwolke, die das Wrack der „Carfax“ aufwirbelt.

|Was tun?|

Nun hat Jolly zwar mehr Durchblick, aber sie weiß noch nicht, was sie tun soll. Und so tut sie das Erstbeste und folgt Soledad zum Orinoko. Denn dorthin führt eine Spur von der „Mageren Maddy“. Uns aber dürfte klar sein, dass sich Jolly durch die Erkenntnisse, die sie von den Wasserwebern gewonnen hat, auf direktem Kollisionskurs zu Munk und Urvater befindet. Wie sich dies auswirkt, ist im nächsten Band „Die Wasserweber“ nachzulesen.

|Humor|

Eine sehr humorvolle Episode steuert Griffin bei. Er hat sich auf den Weg gemacht, um der davondampfenden Jolly zu folgen, doch dabei kommt ihm eine seltsame Begegnung in die Quere: Ein Riesenwal verschlingt ihn. Im Magen des Wals lernt er – ähnlich wie Pinocchio – einen Mann kennen, der sich Ebenezer Arkwright nennt, seines Zeichens ein Gastwirt, der schon 30 Jahre in diesem Magen lebt. Er nennt eine veritable Schenke sein Eigen, die durch eine Zaubertür zugänglich ist. Und sofort will er Griffin als Küchenjungen und Kellner einstellen. Griffin merkt schnell, dass Ebenezer Arkwright komplett durchgeknallt ist – hat wohl zu lange allein gelebt.

|Der Sprecher|

Andreas Fröhlich ist ein wahrer Stimmkünstler. Es hat mich immer wieder verblüfft, wie er es vollbringt, seine Stimme so flexibel anzupassen, dass es ihm gelingt, die optimale Ausdruckskraft hervorzubringen. Das ist kein Wunder, wenn man bedenkt, dass es Fröhlich war, der in Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Verfilmung den Gollum spricht. Tatsächlich gibt es auch in „Die Wellenläufer“ ein Figur, die fast haargenau wie Gollum klingt. Es ist ein „hexhermetischer Holzwurm“, der im Hafen von Tortuga als Orakel sein Leben fristet – bis Jolly ihn rettet und mitnimmt. Er hat die gleiche heisere, ein wenig schnarrende Stimme wie Gollum, allerdings ein wenig tiefer.

Die unheimlichste Figur, die Fröhlich stimmlich erschafft, ist ohne Zweifel der Geisterhändler. Hat er schon von der Optik her das Aussehen des nordischen Obergottes Odin, so rundet seine tiefe, autoritative Stimme die Erscheinung eines wanderndes Gottes ab. (Es ist die gleiche Stimmlage, die Fröhlich im ersten [ERAGON-Hörbuch 3228 für Brom reserviert hat.) Als er auch noch Delphi und die Wilde Jagd erwähnt, ist ziemlich klar, von welcher Herkunft der Geisterhändler ist.

Eine weitere bemerkenswerte Figur ist Bonaventure, der Steuermann von Kapitän Walkers Schiff „Carfax“. Wenn dieser Gigant mal seinen Helm ablegt, wird sein Gesicht sichtbar: Es gleicht aufs Haar genau dem eines Pitbulls. Entsprechend tief und grollend klingt die Stimme dieses Wesens. Jolly, unerschrocken wie immer, schließt auch mit diesem dicken Brocken Freundschaft.

Die meisten männlichen Figuren in dieser Geschichte sind Piraten und klingen auch wie solche: raubeinige Gesellen, mal weniger, mal mehr angetrunken. Das gilt auch für den Kaiser Kendrick. Man kennt diese Stimmen aus [„Fluch der Karibik“]http://www.powermetal.de/video/review-369.html – dafür gibt es bereits ein Klischee. Ebenso für die Piratenbräute, selbst wenn sie wie Soledad als eine „Prinzessin“ bezeichnet werden.

|Spezialeffekte|

Die spannendste Szene, die Fröhlich gestaltet, ist für mich Jollys Begegnung mit den Wasserweberinnen. Es ist ein Wendepunkt der Trilogie und entsprechend wichtig. Doch wie spricht ein Einzelsprecher die Stimmen von drei gleichzeitig sprechenden alten Frauen? Das ist eine echte Herausforderung und lässt sich im Grunde nur auf technische Weise bewältigen. Durch die Aufnahmetechnik gelingt es ihm, seine Stimme, die er sanft und weiblich gestaltet, zumindest zu verdoppeln (man nimmt die zweite Stimme mit minimaler Verzögerung auf.). Sie zu verdreifachen, würde sie undeutlich werden lassen. Hinzukommt ein schwacher Halleffekt, der die Tiefe des Meeresgrunds symbolisiert. Würde man diesen Filter stärker einstellen, so wäre der Text schwerer zu verstehen, also muss er relativ schwach eingesetzt werden.

|Die Geräusche|

Wie es sich für ein solches Piratenmärchen aus der Karibik gehört, bekommt der Zuhörer eine Menge von Geräuschen geboten. Vom Vogelgezwitscher über Brandungsrauschen und aufgeregte Stimmen bis hin zum Kanonendonner – die stilechten Sounds verleihen der Geschichte eine erhöhte Authentizität und verstärken das romantische Flair, das durch die Karibiklandschaft weht. Dass die Kanonen donnern, gehört ebenfalls zum Abenteuer – und was wäre eine Seeschlacht ohne feuernde Geschütze? Dennoch überdecken die Geräusche nie den Vortrag, so dass weiterhin jedes Wort zu verstehen ist – sie bleiben stets dezent im Hintergrund.

Mit ist negativ aufgefallen, dass die Lautstärke der Aufnahme zu leise eingestellt ist. Jedenfalls viel leiser als die meisten aktuellen Audioproduktionen.

_Unterm Strich_

Dieser Mittelteil der Wellenläufer-Trilogie weist eine verzweigte Handlungsstruktur auf, wobei eigentlich nur die Geschichten von Soledad und Jolly parallel geführt werden. Im letzten Drittel vereinen sie sich wieder, um den finalen Höhepunkt des Romans einzuläuten: die Begegnung mit dem Kannibalenkönig. Das ist fein eingefädelt, und sowohl Soledad als auch Jolly sind danach in der Lage, nach Aelenium zurückzukehren, ohne dabei das Gefühl zu haben, etwas Wichtiges in ihrem Leben zu verpassen.

Allerdings bringt diese Struktur, die auf Erkenntnis zielt, es mit sich, dass recht viel gequasselt wird, und so bleibt ein wenig die Action auf der Strecke. Den einzigen Ausgleich bieten hierfür das Duell zwischen Soledad und Kendrick sowie das Finale in der Hochburg des Kapitäns Tyrone am Orinoko. Vielleicht reicht das dem einen oder anderen Leser oder Hörer, aber ich fand es etwas zu wenig.

Andreas Fröhlich bietet mal wieder seine ganze beträchtliche Kunstfertigkeit auf, um den Figuren Leben einzuhauchen und sie unverwechselbar zu machen. Sein Stimmumfang verblüfft immer wieder, denn er reicht vom tiefen Bass bis zum höchsten Diskant, und er setzt dies in der Geschichte ausgezeichnet ein. Das dürften dem jugendlichen Hörer erheblichen Spaß bereiten. Die realistisch klingenden Geräusche werden sehr dezent eingesetzt, so dass sie nie den Vortrag überdecken (was nicht selbstverständlich ist).

|430 Minuten auf 5 CDs|
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Prange, Peter / Kröger, Tomas – Principessa, Die

_Liebe, Tod und Kunst: Roma rockt!_

Rom im Jahr 1623: Während die katholische Welt den neuen Papst feiert, trifft in der Ewigen Stadt die 18-jährige Engländerin Clarissa ein, hungrig auf Leben und Freiheit. Sie stößt auf eine Welt verwirrender Gegensätze: von Glanz und Elend, Chaos und Größe, Freizügigkeit und Maßregelung.

Sie lernt die Liebe in Gestalt von gleich zwei berühmten Männern kennen: Lorenzo Bernini und Francesco Borromini sind die zwei besten Bildhauer und Architekten des 17. Jahrhunderts, aber grundverschieden. Durch die Rivalität der beiden gerät Clarissa in einen Zwiespalt, der sich nur auf tragische Weise auflösen lässt.

Durch ihre Rolle im Hintergrund dieser Künstler erregt sie die Missgunst und schließlich den abgrundtiefen Hass einer mächtigen Frau, und sie kann von Glück sagen, wenn sie das überlebt. Die Romanhandlung erstreckt sich immerhin über 50 Jahre: Clarissa erlebt alle Höhen und Tiefen des Lebens in der Heiligen Stadt.

|Der Autor|

Peter Prange, geboren 1955, studierte Romanistik, Germanistik und Philosophie in Paris, Göttingen und Tübingen. Als Autor von Drehbüchern, Sachbüchern und Romanen hat er sich einen Namen gemacht. Prange lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in Tübingen. (Verlagsinfo)

|Der Sprecher|

Joachim Kerzel, 1941 in Hindenburg/Oberschlesien geboren, erhielt seine Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Als gefragter Synchronsprecher leiht er Jack Nicholson, Dustin Hoffman, Dennis Hopper und vielen anderen Stars seine sonore Stimme. Ganz besonders im Gedächtnis geblieben ist mir seine Beteiligung an der Hörbuchfassung von Stephens Kings „Das Mädchen“, die er zusammen mit Franziska Pigulla bestritt. Seine charismatische Stimme macht aus jedem Gegenstand etwas Grandioses. Daher ist er häufig auch in der Werbung zu hören, so etwa zu den Medienprodukten um Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Verfilmung.

Kerzel spricht die von Tomas Kröger gekürzte Textfassung, der auch Regie führte. Die akustischen Motive (Intro, Extro) trug Michael Marianetti bei.

_Handlung_

Alles beginnt mit einem Ende: Der Papst ist tot, und am 6. August 1623 wird ein Konklave einberufen, um den Nachfolger zu wählen. Schon wenig später heißt es „Habemus papam!“ Der Kardinal, der zuvor Maffeo Barberini hieß, lässt sich nun Papst Urban VIII. nennen. Rom ahnt es noch nicht, aber er soll das Gesicht der Ewigen Stadt grundlegend verändern. Er hat eine lange Liste von Bauvorhaben.

Doch wer soll die Pläne umsetzen? Er lässt Gianlorenzo Bernini rufen, einen 25-jährigen Marmorbildhauer mit den zeichnerischen Fähigkeiten eines Architekten. Die wichtigste Baustelle, um die sich Bernini kümmern soll, ist die Basilika St. Peter, die Kirche der Päpste. Aber damit hat Bernini schwere Probleme, wie sich im Laufe der nächsten Jahrzehnte zeigen soll. Der Petersplatz, den wir heute so bewundern, wird erst im Mai 1667 fertiggestellt. Und das erfordert andere Geister.

|Die Pamphili|

An der Piazza Navona, einem der zentral gelegenen und schönsten Plätze der Altstadt, steht der Palazzo Pamphili. Er ist zu dieser Zeit nicht besonders schön, denn die Pamphilis sind nicht sonderlich reich. Donna Olimpia, 30, empfängt die 18 Jahre junge Lady Clarissa Weltenham aus England. Clarissas Mutter war Olimpias beste Freundin, bevor sie ins neblige Britannien wegheiratete. Und Clarissa möchte gerne römische Luft schnuppern, bevor sie in England den schottischen Presbyterianer McKinney heiratet. Er ist schon 30 und somit geradezu steinalt. Ein Schriftsteller namens William passt auf ihre Tugend auf. Dass Clarissa im Palazzo nächtigt, ist ein wenig illegal, denn ihre Reiselizenz umfasst dies nicht. Aber Clarissa, eine selbstbewusste junge Dame, tut es trotzdem und lernt so den kleinen Sohn Olimpias kennen.

Als der Botschafter sie entdeckt, tadelt er sie erst und ersucht dann daheim um Anweisungen. Bis zur Antwort soll Clarissa bleiben. Sie wird in die Gesellschaft eingeführt, woraufhin es Heiratsanträge hagelt, doch leider ist sie ja bereits vergeben. Sie lässt sich mit dem Titel „Principessa“ anreden und ruft mit ihren klugen Ratschlägen Bewunderung hervor.

|Finstere Machenschaften|

Doch eines Morgens stößt sie auf geheime Machenschaften Olimpias. In einer Kapelle trifft sich die Pamphili mit einem Mönch, der ebenfalls zur Familie gehört. Verstört irrt Clarissa durch die quirlige Stadt. Francesco Castelli sitzt am Petersdom auf einem Baugerüst, als er einen Engel erblickt. Die junge Frau ist blond und schön und erobert sein junges Single-Herz im Nu. Das ist Vorbestimmung, Francesco weiß es. Doch sein Lombardenherz ist auch verschwiegen, und so sehr auch Clarissa – denn es handelt sich um keine andere – auch seine Cherubim bewundert, so übertritt er doch niemals die Grenzlinie des Anstands.

Sie werden lediglich Freunde, und als er sich später den Künstlernamen Borromini zulegt, gerät Clarissa in die Konkurrenzkämpfe zwischen ihm und Lorenzo Bernini. Dieser hat Francesco als Assistent eingestellt, um an dem Entwurf für den Hochaltar von St. Peter zu arbeiten. Die Statik ist knifflig, und Francesco macht einen hilfreichen Vorschlag. Im Lauf der Monate werden nicht nur die beiden Baumeister Freunde, sondern auch Clarissa und Francesco fühlen eine Seelenverwandtschaft. Als er ihr seine Pläne für St. Peters Fassade zeigt, ist sie hingerissen. Borromini hat im Gegensatz zum tüchtigen Bernini wirklich Visionen.

|Das Schicksal hat andere Pläne|

Schließlich steht Clarissa vor der Wahl, wie Borrominis genialer Entwurf für die Piazza Navona für den Petersplatz herangezogen werden kann, ohne dass Bernini ahnt, dass der Entwurf vom seinem Konkurrenten stammt. Und Borromini darf nicht wissen, was Clarissa damit gemacht hat. Denn die beiden größten Baumeister, die Rom seit Michelangelo gesehen hat, sind inzwischen, 40 Jahre und zwei Päpste später, regelrecht Todfeinde geworden. Und ohne Clarissas geschicktes Eingreifen sähe der Petersplatz heute bestimmt ganz anders aus.

_Mein Eindruck_

Dieser historische Roman erzählt die Geschichte einer aufregenden Architekturepoche auf eine menschliche und dramatische Weise, so dass sich der weibliche wie der männliche Leser sehr gut unterhalten fühlen dürfte. Es ist alles da: hochfliegende Ideale und reine Liebe ebenso wie Niedertracht und Boshaftigkeit. Das Ringen zwischen diesen beiden Seiten dauert durch den ganzen Roman hin an und die Frage, welche Seite obsiegen wird, verhilft der Geschichte zu einiger Spannung.

|Dan Brown lässt grüßen|

Für den heutigen Leser ohne die Vorbildung eines Architekten oder Kunsthistorikers bietet sich seit kurzem ein weiterer faszinierender Zugang. In seinem Roman „Angels and Demons“, zu deutsch [„Illuminati“, 110 beschreibt Bestsellerautor Dan Brown viele der in „Principessa“ erwähnten Schauplätze. Allen voran natürlich den Petersplatz in seiner heute noch zu bewundernden Form, aber auch viele der im Barock von Bernini und Borromini konzipierten und ausgeführten Bauten. Dazu gehören mehrere Kirchen, der Vier-Flüsse-Brunnen auf der Piazza Navona sowie das Grabmal des Kardinals Chigi mit seinen verschlüsselten Freimaurer- bzw. Illuminatensymbolen.

Wer diese Baudenkmäler nicht in natura besichtigen kann, der greife einfach zur illustrierten Ausgabe von „Illuminati“ oder „Angels and Demons“. Darin sind nicht nur exzellente Fotografien enthalten, sondern auch Grundrisspläne der wichtigsten Bauten.

|Schicksalsdrama|

Der Autor darf sich natürlich einige Freiheiten gegenüber der überlieferten historischen Wahrheit herausnehmen. Aber was heißt hier schon „Wahrheit“? Die Epoche, von der hier die Rede ist, liegt schon 350 bis fast 400 Jahre zurück. Und die damaligen Chronisten haben selbst ausgewählt, was ihnen erwähnenswert erschien und was nicht. Die Quellen, auf die der Autor zurückgreift, sind leider nicht aufgezählt – schon gleich gar nicht im Hörbuch.

Peter Prange verknüpft nicht nur geschickt die Epoche des römischen Barock mit seiner dramatisch aufbereiteten Handlung. Er zieht auch das Register, das schon Donna W. Cross’ Roman „Die Päpstin“ zu weltweitem Bestsellererfolg verhalf: eine Frau auf dem Papstthron. Dass noch niemand von einer Päpstin namens Olimpia Pamphili gehört hat, ist der einfachen Tatsache zuzuschreiben, dass die bewusste Dame lediglich im Hintergrund regiert hat und ihr Bruder oder Cousin die Tiara trug. Doch die zeitgenössischen Römer wissen Bescheid. Sie nennen sie „Olimpia Pontifex Maximus“. Nur Clarissa weiß, dass Olimpia eine Giftmörderin ist. So schlimm war die frühe Neuzeit – Zustände wie im alten Rom.

|Erotik|

Eine weitere sehr freie Interpretation der Kunstgeschichte ist das Zustandekommen von Berninis faszinierender Skulptur „Verzückung der Hl. Teresa“ (S. 308 in den illustrierten „Illuminati“). Die hl. Teresa von Avila ist mit einem geöffneten Mund dargestellt, der auch von sexueller Verzückung herrühren könnte – und das sieht Lady Olimpia genauso. Allerdings sieht das Gesicht der Skulptur dem von Clarissa Weltenham verblüffend ähnlich, und Olimpia braucht nur zwei und zwei zusammenzuzählen, um zu kapieren, dass Bernini sie mit Clarissa betrogen hat. Jetzt wird verständlich, wie sie zu Clarissas Todfeindin werden konnte („Hell hath no fury like a woman scorned“, wusste schon Shakespeare.)

Leider bleibt die Frage offen, ob es wohl Clarissa mit Bernini getrieben hat. Bei Borromini kommt dieser Verdacht eigentlich nie auf, dafür ist Francesco nicht draufgängerisch genug gezeichnet. Bei Bernini liegt der Fall anders. Das Dingsymbol seiner Bindung an Clarissa ist ein spezieller Ring mit einem großen Smaragd darin. Dieser wechselt mehrmals den Besitzer, und wer will, kann sich danach orientieren, um herauszufinden, wer nun wessen Herz besitzt.

Der Roman ist schon recht geschickt erzählt, aber manchmal beschlich mich durchaus der Verdacht, dass die – im Hörbuch verkürzte Geschichte – nicht weit vom Niveau eines Groschenheftromans entfernt ist.

|Der Sprecher|

Joachim Kerzels tiefe Stimme erweckt die Figuren zum Leben. Mit jeweils charakteristischer Intonierung und Ausdrucksweise stellt er Bernini und Borromini so dar, dass man sie ohne weiteres unterscheiden kann. Für Clarissa und ihre Gegenspielerin Olimpia wählt Kerzel höhere Tonlagen. Die energische Stimme Olimpias, die ja zwölf Jahre älter als Clarissa ist, klingt tiefer als die zaghafte, feinfühlige Ausdrucksweise der Jüngeren. Man sieht also, dass das Personal der Handlung sehr überschaubar ist.

Um bestimmte Extremsituationen darzustellen, kommt Kerzel nicht umhin, seine Stimme entsprechend anzupassen. Als Clarissa aussieht wie von der Pest gezeichnet, die Rom heimsucht, lässt er sie hauchen und keuchen. Auch als Borromini das Zeitliche zu segnen droht, sind spezielle Darstellungsmittel gefragt. Am Grab Borrominis begegnen sich Clarissa und ihr Verehrer Bernini ein letztes Mal. Da bleibt kein Auge trocken, denn es gelingt Kerzel, die tiefe Bewegtheit der beiden Figuren auf den Zuhörer zu übertragen.

_Unterm Strich_

„Principessa“ ist ein sehr kurzweiliger historischer Roman, der dem Leserherz alles bietet, wonach es lechzt: Liebe im Dreieck (oder sogar Viereck), Entführung, Pest und Todesangst, große Leistungen in der Kunst sowie einige Überraschungen, was den Ausgang der ganzen Geschichte betrifft. Vor allem in der Todesszene Borrominis bleibt kein Augen trocken, und auch als sich Clarissa und Bernini an seinem Grab treffen, sollte man eine Großpackung Kleenex hinzuziehen.

Das Hörbuch setzt die Höhepunkte der dramatischen Handlung angemessen, aber leider stark gekürzt um. Der Sprecher Joachim Kerzel macht das Beste daraus und erweckt nach bestem Können die Figuren zum Leben (siehe oben).

|383 Minuten auf 5 CDs|

Arthur Conan Doyle – Neue Fälle von Sherlock Holmes & Dr. Watson

Sechs Holmes-Fälle für Sammler und Einsteiger

Die fünf CDs bieten sechs Fälle des Meisterdetektivs, die jeweils als Hörspiel in den sechziger Jahren vom Saarländischen bzw. vom Bayerischen Rundfunk mit Profi-Sprechern produziert wurden. Leute wie Horst Tappert („Derrick“), Martin Benrath, Peter Pasetti oder René Deltgen kennt man zwar heute kaum noch, aber damals waren sie vielbeschäftigte Schauspieler. Ihre Qualität kommt dem Hörspiel zugute.

Der Autor
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Nathaniel Hawthorne – Rappaccinis Tochter (Gruselkabinett 62)

Im Garten der Gifte: ein tragische Liebe

Der junge Giovanni Guasconti zieht des Studiums wegen nach Padua. Dort bewohnt er ein Zimmer in einem alten, düsteren Haus, von dessen Balkon man in einen von einer hohen Mauer umgebenen Garten voller erstaunlicher Pflanzen blickt. Als er von diesem Balkon eines Tages die junge Frau erblickt, die sich um die Pflanzen kümmert, ist Giovannis Interesse an dem seltsamen Garten endgültig geweckt … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt sein Hörspiel ab 14 Jahren.
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Röhrig, Tilman – Ein Sturm wird kommen von Mitternacht

_Romantisch: die Pferdeflüsterin und der Hunnenprinz_

Europa im fünften Jahrhundert: Die Völkerwanderung stellt die alten Verhältnisse auf den Kopf, denn das alte römische Reich gehört der Vergangenheit an. Die vordringenden Hunnen aus Zentralasien haben ein weiteres Heer geschlagen: Die Stadt Worms am Rhein wird geplündert. Auf dem Schlachtfeld hat die junge Goldrun ihren Vater verloren, und ein Hunne namens Keve nimmt sie als Sklavin mit nach Osten, ins Hauptquartier.

Goldrun entdeckt ein besonderes Talent, das sie bei den Hunnen, die mit ihren Pferden so verbunden sind, sehr geschätzt macht: Sie ist eine Pferdeflüsterin. Als ein junger Prinz, Attilas Sohn, auf sie aufmerksam wird, wird auch sie in die Staatshändel der Hunnen mit den Römern und Galliern hineingezogen.

_Der Autor_

Tilman Röhrig, geboren 1945 in Hennweiler/Hunsrück, besuchte die Staatliche Schauspielschule in Frankfurt/Main und hatte Engagements in Frankfurt, Bon und Hannover. Außerdem war er sieben Jahre bei den Städtischen Bühnen Köln. Seit 1973 arbeitet er als freischaffender Schriftsteller, Film-, Funk- und Fernsehautor. Für sein literarisches Schaffen wurden ihm zahlreiche Auszeichnungen verliehen, darunter der deutsche Jugendliteraturpreis und der Große Kulturpreis NRW. Röhrig lebt in der Nähe von Köln. (Verlagsinfo)

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

Die Hörspiel-Inszenierung prunkt mit mehr als dreißig Sprechern und einer ausgefeilten Orchestermusik. Auf der Liste der Sprecher findet man Angelika Domröse, Friedrich Schoenfelder (dt. Stimme von David Niven), Cathlen Gawlich, Till Hagen (dt. Stimme von Jonathan Pryce), Jürgen Kluckert, Manfred Lehmann (dt. Stimme von Bruce Willis), Jürgen Thormann (dt. Stimme vieler Aristokraten) und viele andere.

Die Bearbeitung des langen Romans erfolgte durch Siegfried Antonio Effenberger. Regie, Hörspielmusik und Ton besorgte Christian Hagitte und Simon Bertling, wobei Hagitte auch das Berliner Filmorchester und den Kammerchor leitete. Tonnachbearbeitung und Schnitt erfolgten durch Sonja Harth, als Produktionsassistenz fungierte Katalin Hartke.

Die besonders schöne Frauenstimme gehört Lili Zahavi, und die prägnante Percussion spielte Tom Marberg. Die mittelalterlichen Instrumente Dulcimer, Cister, Lyra und Monochord bediente Norbert Dobisch. Sie tragen wesentlich zu einem zeitgenössischen Eindruck vom Geschehen im fünften Jahrhundert bei.

_Handlung_

Ein Entsetzensschrei ertönt: „Die Hunnen kommen!“ Und tatsächlich hat Worms am Rhein, die Hauptstadt des Burgunderreiches, allen Grund, entsetzt zu sein. Die Reiterhorden der Eroberer aus den Steppen Asiens haben bereits ganz Osteuropa nördlich des Römischen Reiches unter ihr Joch gezwungen und schicken sich nun als nächstes an, auch die römische Provinz Gallien anzugreifen. Worms ist lediglich eine Station auf dem Weg dorthin, doch es entbrennt eine Schlacht, bei der auch die Hunnen Federn lassen müssen. Das verschafft dem Westen eine Atempause von 15 Jahren. Man schreibt das Jahr 436, als das Reich Burgund untergeht. König Gunther ist in der Schlacht gefallen.

Die zehnjährige Goldrun verliert in der Schlacht ihren Vater, und nur ihre Mutter, ihre Schwester und ihr kleiner Bruder Giselher überleben von ihrer Familie. Sie findet eine verwundete Stute, die sie mit ihrer Stimme besänftigt. Ein Rabenkrächzen schreckt Goldrun auf dem Schlaf empor. Ein Hunne steht über ihr. Er hält sie für einen Blutgeist, denn sie ist über und über mit dem Blut der inzwischen gestorbenen Stute bedeckt. Keve nimmt Goldrun mit. Weinend muss sie von ihrer Mutter Abschied nehmen, die ihr ihr eigenes Kleid gibt.

Auf einem Planwagen treten die gefangenen Burgunderinnen, die für die Hurenzelte der Eroberer bestimmt sind, die lange Reise gen Osten an, zu Großkönig Bledas Hauptquartier. Dieser soll über ihr Schicksal entscheiden. Die Matrone Fulla ruft die Frauen zu Durchhalten und Solidarität auf, und Goldrun findet in dem Mädchen Hildegund eine liebe Freundin. Hildegund ist die Tochter eines königlichen Beraters und recht gebildet. Beide setzen sich für den Junker Walter ein und retten ihm das Leben. Später entsteht zwischen Hilegund und Walter eine feste Bindung.

Bledas (Manfred Lehmann) Bruder Attila konnte die Burgunder nur angreifen, weil es ihm 434 gelungen ist, mit dem Oströmischen Reich unter Kaiser Theodosius II Frieden zu schließen. Attila ist der über den Ostteil des Hunnenreiches herrschende Unterkönig und gönnt Bleda den ganzen Ruhm des Burgunderfeldzuges, doch insgeheim grollt er, dass er zwei Drittel seiner Kriegsbeute an Bleda abgeben muss. Obendrein hat Bleda eine Abmachung Attilas mit den Römern gebrochen und seinen Bruder somit bloßgestellt. Attilas Berater Onogesius (Jürgen Thormann) rät dazu, Bleda sukzessive zu entmachten. Attila giert bereits nach Bledas Blut.

Nach der gewaltsamen Trennung von allen Freunden wird Goldrun im Haushalt Keves untergebracht. Der verheiratete Keve tut dem jungen Mädchen nichts an, sondern lässt es auf dem Gestüt seiner Schwägerin Tarcal arbeiten. Dort erweist sich Goldruns spezielles Talent als Pferdeflüsterin als von großem Nutzen. Sie heilt eine kranke Stute, und deren Stutenfohlen Wildrose wird ihre treue Gefährtin.

Im Jahr 440 trägt ein Schamane Unterkönig Attila die Führerschaft über die Hunnen an. Das Symbol dieser Führerschaft ist ein dem Kriegsgott Mars geweihtes Silberschwert. Das ist ein subversiver Akt und Onogesius rät sofort zur Zurückhaltung – doch der Tag wird kommen, an dem das Schwert jenen Dienst verrichten wird, für den es geschmiedet oder entdeckt wurde …

Nur zwei Jahre später greift Bleda Ostrom an und macht es tributpflichtig. Unmengen von Beute fließen fortan in das königliche Hauptquartier. Die inzwischen 16 Jahre alte Goldrun erhält erstmals Besuch von Hildegund, die nicht nur schon einen Busen hat, sondern auch einen Schatz: Junker Walter. Goldrun hat inzwischen ihre Stellung gefestigt und keine Pläne mehr zu entfliehen (im Gegensatz zu Walter und Goldrun). Keve ist für sie ein Ersatzvater geworden und Tarcal eine Mentorin.

Da kommt der schwärzeste Tag in Goldruns Leben. Auf dem Fest Bledas zu Ehren eines römischen Senators ist ein Narr namens Zerkon aufgetreten, dessen Aufgabe es war, die Römer tödlich zu beleidigen. Das ist ihm vollauf gelungen. Als Belohnung darf sich Zerkon mit Bledas Erlaubnis eine wertvolle Stute aussuchen. Seine Wahl fällt unglücklicherweise auf Wildrose, Goldruns beste Freundin unter den Pferden. Doch von der Mutter getrennt zu werden, würde den Tod von Wildroses Fohlen bedeuten, und so protestiert Goldrun dagegen. Zerkon will es töten lassen, doch Goldrun schreit auf. Als er merkt, wen er zuerst zähmen muss, zerrt er Goldrun in einen Stall, um ihr Gewalt anzutun …

Fünf Jahre später führt Attila den langen geplanten Putsch gegen seinen Bruder aus. Im Jahr 451 greift eine halbe Million seiner Reiter Gallien an, und in Worms und Umgebung hallt wieder einmal der Schrei „Die Hunnen kommen!“ wider. Es kommt zur Entscheidungsschlacht auf den Katalaunischen Feldern bei Paris.

_Mein Eindruck_

Der historische Roman schildert eine für die nachrömische Zeit entscheidende Epoche: den Einfall der Hunnen in Westeuropa sowie ihr ebenso plötzliches Verschwinden. Natürlich ist Attila, die „Geißel Gottes“, nicht nur durch das Nibelungenlied, wo er als König Etzel auftritt, zu einer Legende geworden. Auch in Italien und anderswo erinnert man sich der Grausamkeit seiner Herrschaft nur allzu gut. Es gibt daher auch italienische Monumentalschinken, in denen Attila zur Bedrohung Roms schlechthin hochstilisiert wird.

Der vorliegende Roman ist uns leicht zugänglich, sobald wir einmal eine Verfilmung von „Die Nibelungen“ gesehen oder eine Nacherzählung gelesen haben. Burgunder, Hunnen – alles da. Dass die Hunnen aber eine eigene, durchaus verständliche Kultur und Lebensweise hatten, haben bislang nur die wenigsten Schriftsteller anzudeuten und zu beschreiben gewagt. Zu verpönt ist dieses Volk. (Die Engländer setzten im 1. Weltkrieg sogar die Hunnen mit den Deutschen gleich: „Beware of the Hun out of the sun!“ mahnten die Fliegerinstruktoren. Die deutschen Luftwaffenpiloten nutzten die Sonne in ihrem Rücken, um ihre Gegner, die dadurch geblendet waren, zu überraschen.)

Und nun scheint der Autor dieses berüchtigte Volk sogar zu romantisieren. Die Burgunderin Goldrun verliebt sich gar in einen dieser Barbaren. Herrje, was kommt als Nächstes? Attila auf dem Kaiserthron? Beinahe hätte er es sogar geschafft, sich auf den Thron Westroms zu setzen, sobald er Bleda aus dem Weg geräumt hatte. Doch eine listige Frau machte ihm einen dicken Strich durch die Rechnung. Das ist recht kompliziert erzählt und leider nicht sonderlich anschaulich. Die Folgen sind es umso mehr: Attila greift nun auch die weströmische Provinz Gallien an. Hat er sie erobert, wird ihn sein Weg unweigerlich nach Spanien, Oberitalien und Rom führen. Wie die Geschichtsschreibung lehrt, kam es nicht dazu.

Die zwei völlig verschiedenen Handlungsstränge, die sich nur an ein oder zwei Stellen treffen, dienen dazu, einerseits Frauen – durch Goldruns Schicksal und Romanze – anzusprechen, zum anderen auch Männer, die sich wohl eher für die Rivalitäten unter den Herrschern und Reichen interessieren. Auf dieser Ebene spielt eine ausländische Pferdeflüsterin eine denkbar untergeordnete Rolle. Doch für den Leser wird Goldrun wichtig als Beobachterin.

Die Hunnen erscheinen uns als ein Nomadenvolk, das seine Pferde liebt. Schon von klein auf lernen die Knirpse, ein Pferd zu reiten und zu pflegen, so dass sie schließlich eine Einheit bilden. Je edler die Pferdezucht, desto größer daher auch das Ansehen desjenigen, der diese Pferde reiten und zur Verfügung stellen kann: der König in der Regel. Zerkon braucht Attilas und Bledas ausdrückliche Erlaubnis, sich so ein edles Tier unter den Nagel zu reißen.

Nun erscheinen uns durch Goldruns Augen die Hunnen als ein tierliebes und naturverbundenes Volk, doch das bedeutet überhaupt nichts, wenn es um Menschen und insbesondere um unterworfene Ausländer geht. Für Letztere gelten keine Blutsbande und die üblichen familiären Rücksichten. Frauen werden in der Regel versklavt und daher von jedermann benutzt. Goldrun ist also eine seltene Ausnahme. Dass ein hunnischer Fürstensohn um sie freit, grenzt an ein epochales Wunder. Wenn das mal gut geht.

|Die Sprecher / Die Inszenierung|

Die Sprecher spielen und sprechen ihre Rollen recht gut. Ganz besonders gut gelingt dies Jürgen Thormann, der die Rolle des einflussreichen und listigen Ratgebers Attilas spricht: Onogesius. Auch Manfred Lehmann, der Synchronsprecher von Bruce Willis, hat eine eindrucksvolle Rolle auszufüllen, doch die demütigende Arroganz, die er seinem Bleda verleiht, macht diese Figur weiß Gott nicht sympathischer.

Mit Angelika Domröse und Friedrich Schoenfelder (Erzähler) sind zwei Altstars vertreten, die nicht allzu sehr ins Gewicht fallen, weil sie Nebenrollen zu sprechen haben. Auch die Sprecher von Keve, Zerkon und dem Fürstensohn stehen nicht im Vordergrund, aber sie müssen ebenso glaubwürdig erscheinen wie der Rest des Teams. Fällt einer aus, so fällt ein Schatten des Zweifels auf den Rest der Riege. Glücklicherweise gibt es hier wenig zu krisitieren. Zerkon als Schurke ist natürlich wieder mal der Unsympath in Person, aber sein Sprecher scheint seine fiese Rolle zu genießen.

|Musik und Geräusche|

Geräusche und Hintergrundstimmen gibt es relativ wenige, so zum Beispiel in der Schlacht um Worms, die am Anfang steht, oder während der Gelage, die an König Bledas Hof stattfinden. Diese Szenen sind natürlich besonders lustig. Dafür gibt es aber umso mehr Musik, die wirklich mitreißend ist. Ich könnte mir solche fetzigen Klänge durchaus in einer der Verfilmungen über Attilas Leben – da war doch was in 2004 – vorstellen. Die volkstümlichen Instrumente und Melodien tragen viel zum Zeitkolorit bei, das der Glaubwürdigkeit des Hörspiels gut tut. Allerdings gibt es hin und wieder auch Mönchschoräle und klagende Frauenstimmen, die ich fehl am Platz fand, obwohl sie natürlich auch in die Zeit passen (durften Frauen damals schon solo singen?).

_Unterm Strich_

Die dramaturgische Umsetzung der literarischen Vorlage erscheint mir in der gebotenen Kürze durchaus gelungen. Das Hörspiel durfte nicht zu lang sein – erstens wegen der möglichen Ermüdung des Hörers und zweitens wegen der Produktionskosten. Denn so ein Hörspiel mit Musik, Geräuschen und einer riesigen Schar Sprecher ist wie eine Theaterproduktion und verursacht entsprechende Kosten. Daher hat Lübbe die Produktion an das Studio STIL ausgelagert und fungiert lediglich als Vertriebspartner. Die Leute von STIL verstehen etwas von diesem Geschäft.

An Spannung lässt das Hörspiel aber erheblich zu wünschen übrig. Denn einerseits weiß man schon frühzeitig, dass Attila seinen Bruder irgendwann kaltmachen wird, denn Bleda taucht in der Überlieferung überhaupt nicht auf. Die halbwegs spannende Frage ist, wann Attila zuschlagen wird. All die Händel mit Ost- und Westrom interessieren im Grunde nicht und werden auch dementsprechend in Erzählerprosa abgehandelt. Die Zusammenhänge sind für das Verständnis der folgenden Szenen allerdings notwendig.

Ist aber wenigstens Goldruns Handlungsstrang spannend? Freunde von „Hanni und Nanni auf dem Pferdehof“ kommen hier voll auf ihre Kosten, und auch Anhänger von heißen Liebesnächten mit wilden Männern gehen nicht leer aus. Doch es kommt der Tag, an dem auch die junge Goldrun vor der Wahl steht abzuhauen oder zu bleiben. Sie schließt einen Kompromiss, doch ihr Hunnenlover kommt ihr auf die Schliche. Was für ein weiches Herz er nun an den Tag legt! Die List der Frauen erweist sich mal wieder als erfolgreich. Ganz besonders dann, wenn sie zusammenstehen.

Das Hörspiel ist unterhaltsam und lebhaft gestaltet. Freunde historischer Romane können sich auf eine gelungene Umsetzung freuen, aber vielleicht wünschen sie sich auch eine vollständige Lesung der literarischen Vorlage. Sicherlich hat der Dramaturg etliches weggelassen, was Leser des Buches vermissen dürften. Aber das war ja auch schon bei Hörspiel von Ken Folletts [„Die Säulen der Erde“ 1227 so.

|257 Minuten auf 4 CDs|

Andrea Camilleri – Von der Hand des Künstlers. Montalbano traut dem Anschein nicht (Lesung)

Montalbano traut dem Anschein nicht

Der exzentrische Büchersammler und Goldschmied Alberto Larussa wird tot in seinem Atelier aufgefunden – in seinem Rollstuhl, der als elektrischer Stuhl umgebaut wurde. Die Polizei ist überzeugt: Es war Selbstmord. Der Fall scheint klar, doch Montalbano ist misstrauisch. Schließlich erbt der jüngere Bruder nun das beträchtliche Vermögen Larussos …

Der Autor
Andrea Camilleri – Von der Hand des Künstlers. Montalbano traut dem Anschein nicht (Lesung) weiterlesen

Hetmann, Frederik – Traumklänge

_Liebe, Trug und Tod: unterhaltsamer Episodenroman_

Eine geheimnisvolle Kugel rollt durch die Zeiten. Sie wurde im antiken Indien von einem Zauberer geschmiedet und endet im heutigen New York City. Nur ganz bestimmte Menschen haben die Fähigkeit, ihren besonderen Klang zu hören, einen Klang, der ihrem Leben eine neue Richtung gibt, der sie bezaubert, animiert (auch erotisch) und inspiriert.

Als der verhinderte Schriftsteller Izaak in New York die Kugel von einer schönen Unbekannten erhält, verändert sich auch sein Leben auf mysteriöse, aber positive Weise: Endlich findet er den Stoff und die Kraft für seinen großen Roman, nach dem er so lange gesucht hat. Doch das ist erst der Anfang seiner New Yorker Abenteuer.

_Der Autor_

Frederik Hetmann alias Hans-Christian Kirsch, geboren 1934 in Breslau, Oberschlesien, lebt heute als freier Schriftsteller in Limburg an der Lahn. Er wurde bekannt durch seine zahlreichen Editionen über die Märchen des keltischen Kulturkreises (bes. Irland) und durch Biografien über Rosa Luxemburg, Georg Büchner, Francisco de Goya, Martin Buber, Martin Luther King und Che Guevara – Letztere habe ich seinerzeit mit Begeisterung gelesen. Sein historischer Roman „Yoshiwara oder die schwankende Welt“ (1997) erschien unter seinem Namen Hans-Christian Kirsch. (Verlagsinfo)

Mehr Info: http://www.hans-christian-kirsch.de.

_Die Sprecher_

Joachim Fuchsberger erlangte in den 60er Jahren als Kommissar in Edgar-Wallace-Verfilmungen seine erste Popularität. In den 70er und 80er Jahren unterhielt „Blacky“ die deutsche Fernsehnation mit mehreren erfolgreichen Shows. Er spielte in rund 90 Filmen, war Moderator in über 500 Fernsehsendungen und brachte seit den 1990er Jahren seine Wahlheimat Australien in Form seiner Filmreihe „Terra Australis“ dem deutschen Fernsehpublikum nahe. (Verlagsinfo)

Nina Ruge, geboren 1956, studierte Biologie und Germanistik. Bereits während ihrer Zeit als Lehrerin nahm sie Schauspielunterricht. Seit 1989 arbeitet sie beim ZDF, und seit 1997 moderiert sie werktäglich die Sendung „Leute heute“, die sie bei einem Millionenpublikum bekannt gemacht hat. (Verlagsinfo)

Die Musik trug Andy Matern bei. Der Text wurde von Dr. Gabriele Kreis bearbeitet und gekürzt. Folgende Kapitel fehlen im Hörbuch:

Kap. 8: Die Kugel rollt von West nach Ost
Kap. 9: Im Besitz eines Dichters (Francois Villon)
Kap. 11: Die Neue Welt kommt in Sicht
Kap. 12: Tam Lin oder Die Kugel in Schottland
Kap. 22: Epilog

_Handlung_

In der Gegenwart ist in New York City die Rahmenhandlung angelegt, die immer wieder von Blöcken aus Erzählungen um die magische Kugel unterbrochen wird. Es erscheint mir sinnvoll, zunächst einen Großteil der Rahmenhandlung wiederzugeben, denn alle Erzählungen aufzuführen, wäre wenig sinnvoll und würde auch keinen Zusammenhang ergeben.

|Die Rahmenhandlung|

New York City ca. 2000-2001. Der Kultur- und Literatur-Journalist Izaak hat den Traum, einen großen Roman zu schreiben, hat auch eine Idee, aber weder Zeit noch Kraft, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Seine Tochter Rosalie lebt bei ihrer Mutter, von der er sich scheiden ließ. Zur Ablenkung geht er ins Planetarium in eine Show über den Halley’schen Kometen, der alle 76 Jahre wiederkehrt.

Eliza Marlowe fragt ihn, ob es Leben auf anderen Welten gebe. Sie gehen zum Gespräch in den Vorraum. Wow, staunt er: sie ist rothaarig! Ende 20, Anfang 30, große Brüste. Eliza ist Kunsthistorikerin und Blumenhändlerin. Nach Kaffee, Essen und Wein muss er sie heimbringen, in ein Haus am Central Park Ost. Dort zeigt sie ihm eine Metallkugel, deren feinen Klang nicht jeder Mensch hören kann. Kaum hört er den fernen Klang, fühlt sich Izaak inspiriert. Eliza leiht sie ihm und küsst ihn stürmisch zum Abschied. Er fühlt sich endlich in der Lage zu schreiben.

Als Eliza Tage später wieder anruft, beschwert sie sich über sein Fernbleiben und erbittet die Kugel zurück. Besorgt um seine Kreativität, trifft er sie sonntags im Metropolitan Museum. Nach einem Schäferstündchen bei ihr sagt ihm Eliza, dass sie den Klang der Kugel nicht hören könne. Aber sie habe einen „Sugardaddy“, der sie höre und haben wolle. Ein „Sugardaddy“? Einen Gönner, den sie ein wenig „verwöhne“. Er sei ein reicher alter Banker, dieser Shmul.

Izaak ist nicht dumm und bittet seinen alten Vater Mendel, einen Metallhandwerker, ihm eine Fälschung anzufertigen. Der Silberschmied hat seine Eltern im KZ verloren und als einziger der Familie, die aus Krakau stammt, überlebt. Eliza übergibt die Kopie für 500 Dollar an Shmul, dieser lässt sie begutachten und erfährt, dass man ihn verarschen will. Die echte Kugel verhilft indessen Izaak zu einem Höhenflug der Inspiration. Er ahnt nicht, was sich zusammenbraut.

Denn Shmul ist nicht irgendjemand, sondern ein ehemaliges hochrangiges Mitglied der New Yorker Mafia. Mit wahrem Namen heißt er Samuel Salamander alias Shmul das Kinn. Nach einem Bandenkrieg musste er sich von diesem Milieu distanzieren und ging in Kunstmuseen. Dort lernte er die Kunsthistorikerin Eliza Marlowe kennen. In der Society weiß man über ihre Kugel Bescheid, und er möchte das Wunderding seiner Tochter Marcia zur Hochzeit schenken.

Als er Eliza besucht, gibt er endlich seine wahre Identität preis. Sie legt ihm ihre Gründe dar, warum Izaak unbedingt die echte Kugel behalten muss: damit erschreiben kann. Er lernt Izaak kennen und erfährt von dessen Traum, eine Filmdokumentation über Herman Melvilles Romanschauplätze in der Südsee zu drehen. Und Shmul kennt auch schon einen Produzenten, den er auf der Hochzeitsparty treffen will. Doch als es um die Kugel geht, bietet Izaak an, dass Mendel ihm stattdessen seinen Kabbalabaum schenkt. Genau von dieser Metallskulptur hat Shmul geträumt. Doch auf der Hochzeit kommt es zu einem blutigen Zwischenfall, der alles verändert …

|Der Anfang der Kugel|

Natürlich ergibt sich aus der Existenz der Kugel in den Händen von Eliza Marlowe und Izaak zunächst die Frage, wie sie nach New York City gelangte. Aber die wichtigste Frage von allen ist die nach ihrem Ursprung.

Es war einmal ein Prinz Amatu, der im fernen Indien alles hatte, was sein Herz begehrte, außer einer Frau. Sein bester Freund Freund war der Flötenspieler Pandith. Wenn sie zusammen musizierten, spielte Prinz Amatu die Sitar. Sein Vater lässt ihm ausrichten, dass er für ihn eine Frau im fernen Samarkand jenseits der Berge gefunden habe: Prinzessin Miribil. Die Hochzeit, die in drei Monaten stattfinden soll, beschert Prinz Amatu erotische Träume, aber auch Zweifel, ob er der Prinzessin würdig sei. Denn im Gegensatz zu Pandit ist er selbst relativ hässlich. Heimlich schickt er ihr daher Pandits Konterfei statt seines eigenen.

Nun braucht er noch etwas Besonderes als Hochzeitsgeschenk. Er beauftragt seinen Hofmagier, etwas Schönes zu schaffen. In einer Vollmondnacht und wenn die Venus richtig steht, wird die Kugel gegossen und geschmiedet. Um den Zauber zu bewirken, beschwört der Magier eine Mondfrau, die nicht nur ihren besonderen Segen gibt. Sie nimmt die fertige Kugel, lässt sie zwischen ihre Brüste rollen und gibt sie zurück. Der Zauber ist perfekt: Derjenige, der den leisen Klang der Kugel vernehmen kann, wird seine Lebenswege überdenken, sich zur Verwirklichung angespornt fühlen, doch die Kugel an sich erfüllt keine Wünsche. Und was der Busenzauber der Fee bewirkt, zeigt sich ebenfalls schon bald …

|Wie es der Kugel im ersten Abenteuer erging|

Mit seinem treuen Pandit reiste Prinz Amatu über die Berge nach Samarkand, um Prinzessin Miribil zu heiraten. Doch ein Sandsturm begrub die Karawane in der Wüste vor der Stadt. Nur Pandit überlebt und findet im Sand die Kugel und seine Flöte. Er ist schon fast verdurstet, als ihn ein Suchtrupp findet. Im Palast des Sultans erkennt die Prinzessin auf Anhieb ihren Verlobten. Sie hört den Klang der Kugel und verliebt sich auf der Stelle in den Jüngling. Pandit hat nichts dagegen einzuwenden, denn auch er ist verzückt von Miribils Schönheit.

Sie vollziehen die Ehe, sobald sie geheiratet haben, und bekommen einen Sohn. Bei Zweifeln konsultiert Pandit stets die Kugel und sie bestärkt seine Wünsche. Doch so viel Liebe und Glück auf einem Haufen erregt den Neid des stets missgünstigen und intriganten Hofstaats. Da muss ein Zauber im Spiel sein, heißt es. Was hat es nur mit der Wunderkugel auf sich? Der Wesir des Sultans schickt nach Rawalpindi zu Prinz Amatus Vater und erfährt die Wahrheit: Pandit ist ein Hochstapler! Die Folgen sind schrecklich …

Ein Dieb gräbt die Kugel wieder aus dem Wüstensand aus und verkauft sie in Palästina. Und so beginnen die vielfältigen Abenteuer der Kugel mit Liebe, Täuschung und Tod.

_Mein Eindruck_

Die Wechselfälle des Lebens und der Liebe bilden die Substanz und den Motor, der die sowohl die Episoden- als auch die Rahmenhandlung vorantreibt und ausmacht. Wenn sich Izaak und Eliza Marlowe kennen und lieben lernen, so ist dies ja schön und gut. Wünsche gehen in Erfüllung, ein Roman wird geschrieben, ein Kind kommt zur Welt. Liebende folgen ihrem Herzen statt ihrem Verstand (sofern noch vorhanden), ganz besonders auch dann, wenn ihre Beziehung Schranken überschreitet und Grenzen überwindet. Häufig wird die Ehe gebrochen, überdurchschnittlich oft von Frauen initiiert. Romantischer geht’s nicht mehr.

|Notwendige Gefahr|

Interessant wird die jeweilige Geschichte also erst durch die Gefahren, die dieser Liebe jeweils drohen. Der Ex-Mafioso Shmul Salamander könnte zu so einer Gefahr werden, aber auch er wird auf den rechten Weg geführt. Wie dies geschieht, hat des Öfteren schon etwas märchenhafte Züge und gewisse Aspekte, die die empirische Wirklichkeit überschreiten und dem Text Poesie verleihen. Wie weit der Leser bzw. Hörer bereit ist, auf diesem Weg mitzugehen, ist individuell sicher verschieden.

|Irene und Joachim 1900|

Das Kapitel, das mir am besten im Gedächtnis geblieben ist, spielt im China des Jahres 1900, als dort der Aufstand der Boxer tobt, der die ausländischen Repräsentanten (Botschafter, Kaufleute, vor allem aber Missionare) vertreiben soll. Der Deutsche Joachim Kortmann lernt auf dem Schiff nach Shanghai ein britisches Ehepaar kennen, das ebenfalls nach Peking unterwegs ist. Während der Mann ein fähiger Soldat, aber grober Gatte ist, muss die Ehefrau ständig klein beigeben.

Joachim verliebt sich in Irene und fragt sich, wann sich seine Wünsche jemals erfüllen werden. Dass auch Irene so fühlt, zeigt sich, als das Viertel der Gesandtschaften in Peking von den Aufständischen angegriffen wird. Während der Brite Entsatz holt, um die Angreifer in ihrem Rücken zu attackieren, kommt es mit Hilfe der Kugel zu einer heißen Affäre zwischen den Liebenden. Ob diese Liebe eine Zukunft hat, steht auf einem anderen Blatt. Man bedenke: Mit der Kugel sind nicht nur Liebe und Täuschung verbunden, sondern auch der Tod.

|Kein Missbrauch|

Ich habe mich stets gewundert, dass sich die Macht der Kugel nicht missbrauchen lässt, beispielsweise von einem Serienmörder. Wenn man von Missbrauch überhaupt einmal sprechen kann, so findet er im Glücksspiel statt – mit meist fatalen Folgen für den Besitzer der Kugel. Warum fördert die Kugel also nicht auch Hass und Zwang, sondern vielmehr Hingabe und Liebe? Offenbar ist mit der Kugel-Magie nicht nur Altruismus verbunden, sondern auch die Notwendigkeit, ihr Wirken zu verbergen.

Das muss auch der Großmeister des Templerordens auf Mallorca erfahren. Er wird wegen Hexerei und Ketzerei verfolgt, zumindest nominell, denn im Grunde geht es dem Papst und seinem Helfershelfer, dem französischen König, darum, den allzu mächtig gewordenen Templerorden zu beseitigen, um jeweils die eigene Macht zu festigen. Der Großmeister muss seine Familie in die Fremde schicken, um sie in Sicherheit zu bringen. Ihre Wege führen nach Krakau. (Womit sich ein Anknüpfungspunkt zu Izaaks und Mendels Familie ergibt.)

Die Kugel der Wunschförderung kann also nur im Verborgenen wirken und zwar stets im Zeichen der Venus. Dafür hat der Zauber der indischen Mondfrau gesorgt. Es wäre eine schöne Welt, wenn man sich diese Macht als tatsächlich existent vorstellen könnte. Die Fakten sprechen leider täglich dagegen. Aber vielleicht ist das Buch „Traumklänge“ deshalb „Das längste Märchen, das es je gab“, wie der Titel vollständig lautet.

|Literarische Vorbilder|

Worauf es ankommt: Ergibt das Kaleidoskop der Episoden ein zusammenhängendes Panorama nach dem Vorbild des „Decamerone“ von Boccaccio oder des „Heptamerons“ der Margarete von Navarra? Doch hieße dies vielleicht, zu viel erwarten. Diese Vorbilder sollten ihre Zuhörer – alle Literatur wurde damals mündlich erzählt – und späteren Leser auf erotische Weise unterhalten, um die Schrecken der Welt vergessen zu lassen. Dies gelingt Hetmanns Roman durchaus. Und das ist sicherlich kein geringes Verdienst.

|Die Sprecher|

Nina Ruges Vortragsstil hat mir sehr gefallen. Sie spricht deutlich, nicht zu schnell und hat auch mit fremden Namen keine Probleme. Mit ihrer sanften, relativ tiefen Stimme trägt sie die Mehrzahl jener Kapitel vor, in denen weiblichen Hauptfiguren vorkommen. Das liegt ja auch nahe.

Joachim Fuchsbergers Vortrag merkt man hingegen an, dass das Vortragen an sich und vor allem über eine längere Zeitspanne eine recht anstrengende Angelegenheit sein kann. (Das fand schon Helmut Rellergerd alias Jason Dark heraus, der ja auch nicht mehr der Jüngste ist.) Man hört „Blacky“ deutlich einatmen, und allein schon dieses Geräusch vermag den Hörer abzulenken. Aber es handelt sich keineswegs um Schnaufen oder gar Keuchen. Zum Glück tritt dies nur in ein oder zwei Kapiteln verstärkt auf. Fuchsberger liest vor allem die Kapitel der Rahmenhandlung und jene Kapitel, in denen männliche Hauptfiguren auftreten.

Die Musik von Andy Matern leitet das Hörbuch ein und bildet auch den Ausklang. Geräusche gibt es keine. (Dabei wäre es ja zu schön gewesen, wenn auch ich unter der Auserwählten gewesen wäre, die den fernen Klang der Kugel hören können.)

_Unterm Strich_

Mir hat Hetmanns Roman angenehme Unterhaltung beschert, und weder Sinnlichkeit noch Humor sind dabei zu kurz gekommen. Es ist in vielen Szenen ein Märchen, in dem ja Wünsche in Erfüllung gehen. Dass dabei auch die Anderswelt betreten wird (im Kapitel „Tam Lin“, das im Hörbuch fehlt), verwundert daher nicht, verrät aber auch Hetmanns Vorliebe für keltische Feen- und Andersweltmärchen.

Aber wenn es in diesem Buch schon um Herzenswünsche und ihre bedingte Erfüllung gehen soll, so sind sicherlich auch die Wünsche des Leser bzw. Hörers von Bedeutung. Und ich hätte mir wesentlich mehr Action, mehr Tempo und mehr Sex gewünscht. Hetmanns Buch hätte durch solche Merkmale vielleicht weniger Leser gewonnen und so manchen Lektor vor den Kopf gestoßen. Aber herrje, nicht jeder Wunsch kann auf allgemeine Zustimmung stoßen, nicht wahr? Insofern hält sich dieser Roman an die Altersfreigabe ab 12 Jahren. Für sittlich gereiftere Menschen findet sich bestimmt auch aufregendere Literatur.

|Das Hörbuch|

Die Vortragsweise von Ruge und Fuchsberger macht den Genuss des Hörbuchs zu einem angenehmen Erlebnis. Großartige Sprachakrobatik wie von Rufus Beck sucht man hier allerdings vergeblich. Auch die Abwesenheit von Musik und Geräusch im Hauptteil – Musik gibt es nur als Intro und Extro – hebt diese Produktion nicht aus der Masse der Hörbücher heraus. Das besorgt schon eher der Preis, der mit rund 25 Euro für 4 CDs ungewöhnlich hoch ist.
|313 Minuten auf 4 CDs|

Szerb, Antal – Pendragon-Legende, Die

_Ironischer Krimi zwischen Realität und Fantastik_

Zwei höchst unwahrscheinliche Helden geraten im England des Jahres 1933 in einen Erbschaftskrieg, in dem es durchaus Tote gibt. Der eine ist unser Berichterstatter, ein Doktor der Philosophie, der andere ein Oxforder Student von gerade mal 18 Jahren. Erstaunlicherweise behaupten sich beide gegen die Machenschaften der Gegenseite, die es auf den Earl of Gwynedd abgesehen hat. Doch sie werden von einer energischen Deutschen unterstützt, die immer den richtigen Einfall hat, wenn Not am Mann ist.

|Der Autor|

Antal Szerb, geboren 1901 in Budapest, studierte Hungarologie, Germanistik und Anglistik. 1937 wurde er Professor für Literatur an der Uni Szeged. Bis heute ist er in Ungarn einer der meistgelesenen Schriftsteller. Szerb starb 1945 im KZ Balf in West-Ungarn. In seinen wenigen Lebensjahren hat er viele Romane, Essays und Übersetzungen veröffentlicht, u. a. eine „Ungarische Literaturgeschichte“.

|Der Sprecher|

Heikko Deutschmann war nach seinem Schauspielstudium Ensemblemitglied an der Berliner Schaubühne, am Hamburger Thalia Theater, im Schauspiel Köln und Schauspielhaus Zürich. Mittlerweile ist er in zahlreichen Film- und Fernsehrollen zu sehen gewesen, so etwa „Der Laden“, „Operation Rubikon“, „Der Aufstand“ oder Die Affäre Kaminski“.

_Handlung_

London im Jahre 1933. Janos Bathoy (ausgesprochen: janosch batki), 32, geboren in Budapest, ist Historiker, Doktor der Philosophie und erzählt, wie es kam, dass er den Earl of Gwynedd kennen lernte und von diesem eingeladen wurde, seine Bibliothek zu benutzen. Aber was soll an einer Bibliothek schon Besonderes sein, fragt man sich. Allerdings wird Janos von mehreren Seiten davor gewarnt, die Einladung anzunehmen und nach Wales zu fahren. Hätte er doch auf sie gehört!

Als Philosoph beschäftigt sich Janos gerade mit den englischen Mystikern des 17. Jahrhunderts, darunter einem gewissen Robert Flood, seines Zeichens Magier und Hexenmeister, auf den der Earl große Stücke hält. Natürlich stehen dessen Bücher in seiner Bibliothek. Und was das für eine sein mag? „Seit 85 Jahren hat niemand mehr die Pendragon-Bibliothek gesehen“, sagt ein Freund. Aber ein anderer Mann erwarnt, ganz anonym: „Doktor Macgregor ist bei einem Autounfall gestorben – Janos’ Vorgänger.“ Bathoy ist perplex und untersucht diese seltsame Familie erst einmal.

Der erste Earl baute Burg Pendragon, nachdem er 1490 geadelt worden war und ein Lehen in Nordwales bekommen hatte. Pendragon bedeutet auf Walisisch „Drachenkopf“. Sehr interessant ist der sechste Earl namens Asaph, ein Rosenkreuzer und Hexenmeister, der an die Unsterblichkeit des Fleisches glaubte. Und hier kommt wieder besagter Robert Flood ins Spiel. Dieser Schüler des berühmten Paracelsus machte Burg Pendragon zu seiner zweiten Heimat. Natürlich arbeitete er mit Asaph zusammen, als dieser den Stein der Weisen suchte.

Asaph wurde nach seinem Tod noch berühmter, als er in den Sagen und Märchen der Gegend als „mitternächtlicher Reiter“ und strafender Richter auftrat. Und der aktuelle Earl, der es seit 1902 ist, soll ein Wunderheiler sein und ein neues Tier erfunden haben, das nur im Dunkeln lebe. Aber das sei natürlich Unsinn, sagen Janos’ Freunde. Bathoys Neugier ist geweckt.

|Aus Irland|

Auftritt George Maloney. Dieser irische Ex-Soldat aus dem entlegenen County Connemara ist zwar ein moderner Münchhausen, aber ein lustiger Geselle, der den Frauen keineswegs abhold ist. In der Bar des Savoy-Hotels bittet er die süße Pat O’Brien zu ihm, Janos und Osborne Pendragon an den Tisch. Osborne, der Neffe des Earls und Student in Oxford, ist zwar erst 18, aber schon zum Sterben gelangweilt von der Welt. Er produziere gerne Gespensteraufnahmen, sagt er Janos. Von Frauen hält er leider gar nichts und verabschiedet sich zeitig. Höchste Zeit, sich zu besaufen, findet Maloney.

Nicht lange und Janos fällt trotz seines Schwipses auf, dass der Ire ihn aushorcht. Er dreht den Spieß um und fühlt seinerseits Maloney auf den Zahn, um herauszufinden, was er im Schilde führt. Es stellt sich heraus, dass der Earl of Pendragon ein potenzieller Milliardenerbe ist! Sollte sich herausstellen, dass der Milliardär Roscoe eines „gewaltsamen Todes“ gestorben ist, so fiele dem Earl dessen Erbe zu – und nicht dessen Witwe, der ehemaligen Verlobten des Earl. Woher diese Verbundenheit mit den Pendragons? Roscoe hatte dem Vater des jetzigen Earls die Finanzen geführt und sein Vermögen gemehrt.

Und was hat es mit diesem „gewaltsamen Tod“ auf sich? Tja, nun, Roscoe starb an einer Tropenkrankheit mit einem unaussprechlichen Namen. Und was soll Janos dabei? Ganz einfach, meint Maloney: Als Tropenarzt könne Doktor (!) Bathoy ja wohl ohne weiteres feststellen, ob bei Roscoes Krankheit ein wenig, äh, „nachgeholfen“ wurde. Falls ja, wäre der Tatbestand des „gewaltsamen Todes“ erfüllt. Janos erkennt, dass er das Zünglein an der Waage in einem superheiklen Erbschaftsstreit spielen soll. Na prost!

|In Wales|

Maloney ist von Osborne Pendragon eingeladen worden, ebenfalls das Schloss in Wales zu besuchen – na, so ein Zufall, was? Und wie schön, dass Miss Eileen St. Clair sich bereit erklärt hat, sie bis Chester in ihrem Auto mitzunehmen. Janos lehnt zwar nicht ab, aber nun kommen ihm erste Zweifel. Denn er hat dieses Frauenzimmer in unguter Erinnerung. Drei Jahre zuvor gewährte sie seinem Freund Christofoli, einem völlig in sie vernarrten Archäologen, einen One-Night-Stand, reiste aber gleich am nächsten Morgen ohne ihn ab. Von seinem gebrochenen Herzen und seinem verwirrten Verstand erholte sich sein Freund nie wieder.

Was Eileen St. Clair im Schilde führt, wird erst am Ende der Strecke nach Chester klar, als man sich der walisischen Grenze nähert und sie sich an Janos wendet. Er möge doch bitte dem Earl einen Ring von ihr überbringen. Aber er dürfe unter keinen Umständen den Namen des Besitzers, also ihren, erwähnen. Ritterlich erklärt sich Janos dazu bereit, obwohl er angesichts dieser erneuten Intrige der Dame seine Zweifel hat.

|Auf Schloss Llanvygan|

Er reist mit Maloney weiter, bis Osborne sie vom Bahnhof abholt und zum neuen Schloss bringt, das wesentlich heiterer anmutet als die düstere Stammburg oben auf dem Felsen. Wesentlich trägt zu diesem Eindruck Cynthia, die hübsche Nichte des Earls und Osbornes Schwester, bei. Schon in der ersten Nacht ereignet sich Seltsames. Als er Stimmen hört, begibt sich Janos auf den Korridor. Er muss feststellen, dass ihm jemand die Patronen aus dem Revolver entwendet hat. Auch das Päckchen, das ihm Maloney zur Aufbewahrung übergeben hatte, ist verschwunden. Und auf dem Korridor steht ein riesiger alter Kerl, der ihn wie ein Gespenst anschaut. Es handelt sich offenbar um den Butler mit dem Namen John Griffith. „Sie sollten nachts auf Ihrem Zimmer bleiben“, empfiehlt er düster und verschwindet.

Diese gespenstische Begegnung ist nur der Auftakt zu einem unheimlichen und turbulenten Aufenthalt auf dem Schloss der Pendragons.

_Mein Eindruck_

Dieser Roman, der doch so viel mit Historie zu tun hat, hebt sich wohltuend von der aktuellen Flut historisierender Thriller Marke Dan Brown ab, indem er zwar ebenfalls uralte Geheimorden-Geheimnisse mit einer Krimihandlung verknüpft, aber dies dann doch wieder fein säuberlich zu trennen weiß. Dies gelingt mit einer ironischen Distanz, zu der vor allem die reservierte und objektiv sich zurückhaltende Erzählhaltung Janos Bathoys beiträgt. Aber auch Osborne Pendragon lässt sich in seiner englischen Unterkühltheit nicht so leicht ins Bockshorn jagen.

Bathoy, Osborne und Maloney sind drei Geisterjäger, die dem Geheimnis des „mitternächtlichen Reiters“ auf den Grund gehen wollen. Dabei gehen sie aber nie so weit, alles fein säuberlich auseinander zu klamüsern und bis ins Letzte zu erklären. Nein, der Leser bzw. Hörer muss die Schlussfolgerung, die ihm und ihr nahe gelegt wird, gefälligt selbst ziehen. Der Autor bevormundet nicht, was er für einen mündigen Leser hält, sondern fördert ihn auf dem gewünschten Weg.

Der mündige und hoffentlich auch erwachsene Leser bzw. Hörer sollte deshalb auch keinerlei Probleme damit haben, wenn sich Janos Bathoy auf eine ziemlich schräge Weise mit seiner Erzfeindin Eileen St. Clair einlässt. Das Rededuell, das sich die beiden liefern, kann sich sehen lassen, und die emotionalen Schachzüge, die Eileen einsetzt, qualifizieren sie als eine ebenbürtige Spielerin um Macht und Reichtum, vor der sich Janos wohlweislich in Acht nimmt. Was ihn nicht daran hindert, seinem körperlichen Verlangen nachzugeben und mit ihr zu schlafen. Die Folgen lassen nicht auf sich warten, aber wenigstens ist er in einer Hinsicht standhaft geblieben: Er hat die verlangte Zeugenaussage, er habe Maloneys Mörder gesehen, nicht geschrieben.

Es gibt aber eine Schwäche des Plots, die man nur mit Nachsicht hinnehmen kann. Mehrere Kapitel lang wissen die Geisterjäger Osborne und Janos, dass sich auf Schloss Pendragon ein Spion und Verräter aufhalten muss, doch es gelingt ihnen nicht, sie oder ihn ausfindig zu machen – es gibt einfach zu viel zu tun, weil die Gegenseite nicht schläft und erneute Angriffe startet. Es fällt den beiden Heroen nicht ein, einmal nachzufragen, um wen es sich bei Cynthias „bester Freundin“ eigentlich handelt. Als es dann passiert, fallen sie aus allen Wolken – das Puzzle setzt sich zusammen und alles klärt sich. Doch so viel Naivität kommt mir recht unwahrscheinlich vor. Wen mann schon jeden im Schloss verdächtigen muss, warum wird dann Cynthia davon ausgenommen?

SPOILER!

Im Finale gibt es eine klischeehafte Szene, die aber äußerst ungewöhnlich präsentiert wird und zu dem positiven Eindruck des Buches beiträgt. Klischee: Ein schwarzmagisches Ritual samt menschlichem Opfer wird ausgeführt, und der Beobachter bzw. Erzähler nimmt daran teil. So weit, so schön. Ungewöhnlich ist jedoch, dass sich der Beobachter / Teilnehmer / Ich-Erzähler in einem Geisteszustand befindet, in dem es ihm so erscheint, als wäre er nicht er selbst, sondern jemand anderes. Er wird an einer Stelle von einem Gnomen als „Benjamin Avravanel“ angeredet. Dieser Name sagt unserem Gewährsmann nichts. Aber er kann nichts dagegen tun, als der Zeremonie, in der Satan angerufen wird, beizuwohnen, ob er will oder nicht. Doch dann wird eine Frau hereingeführt, die er von früher kennt …

Die Qualität dieser Szene ist die eines Traums. Doch es geschehen dabei Dinge mit realen, allzu realen Folgen, wie Janos später feststellen muss. Der einzige Mensch, dem er diesen Traum anzuvertrauen wagt, ist der Earl of Gwynedd himself. Und dieser zeigt gottlob volles Verständnis für die unglaubliche Story, die Janos ihm da auftischt. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass der Earl in die Geheimnisse der Rosenkreuzer eingeweiht ist und sicherlich sofort das Ritual erkannt hat. So dürften Asaph Pendragon und Robert Flood seinerzeit vorgegangen sein. Doch wer war der Schwarzmagier, der das Ritual in jenem Gewölbe auf dem Bergplateau ausführte? War es der „unsterbliche“ Asaph, der „mitternächtliche Reiter“ oder der aktuelle Earl selbst? Das bleibt der Fantasie des Lesers bzw. Hörers überlassen.

SPOILER ENDE

Die Krimihandlung ist geprägt von ebenfalls ungewöhnlichen Elementen. Mehrmals sitzt Janos in der Patsche, aus der ihn das ungleiche Pärchen Osborne und Lene Kretzsch wieder heraushaut. Lene kennt er aus Deutschland, und Janos spricht, wie Osborne, ausgezeichnet Deutsch. Diese Fähigkeit ist in jener Zeit vor dem Jahr 1933 vielleicht der Vorliebe des Autors geschuldet. Natürlich erweist sie sich als höchst nützlich. Aber dass auch englische Ärzte deutsch sprechen, finde ich dann schon recht ungewöhnlich.

Die Krimihandlung, die sich um den Erbschaftskrieg zwischen den Pendragons und den Roscoes dreht, ist action- und temporeich inszeniert. Nie kommt irgendwelche Langeweile auf. Dieser Roman ist keine Romanze aus der englischen Provinz, sondern höchst kosmopolitisch. Von einer heiligen Dreifaltigkeit der Einheit von Ort, Zeit und Personen kann hier nur begrenzt die Rede sein. Die Wege der Figuren führen kreuz und quer durch England. Auch die Vergangenheit erweist sich als höchst lebendig. Der geistige Raum des Romans ist somit ziemlich groß und passt überhaupt nicht in den Schaukasten einer Bühne oder eines Fernsehers.

|Der Sprecher|

Heikko Deutschmann ist ein kongenialer Sprecher dieses szenenreichen Textes. Was die Flexibilität seines stimmlichen Ausdrucks angeht, kann er es ohne weiteres mit Rufus Beck aufnehmen. So fällt es ihm leicht, die einzelnen Figuren zu charakterisieren und unverwechselbar zu machen. So etwa ist der irische Abenteurer George Maloney stets an seiner soldatisch knappen Ausdrucksweise zu erkennen.

Der blasierte Osborne Pendragon klingt hingegen so schwach, als würde er gleich das Zeitliche segnen, obwohl er erst 18 Lenze zählt. Der Sprecher scheut sich auch nicht, sich die Nase zuzuhalten und eine durchs Telefon verzerrte Stimme nachzumachen. Und als das „Gespenst“ erstmals auftritt, besteht seine Stimme mehr aus einem Schauder erregenden Hauchen als einem Artikulieren.

Nur mit Deutschmanns Aussprache walisischer Namen habe ich meine Probleme. Ortsnamen wie Llandudno und Llanvygan, der das Schloss der Pendragons, werden nach meinen Informationen anders ausgesprochen. Deutschmann spricht die Vorsilbe Llan- immer „schlan-“ aus, dabei sollte dies ein Hauchlaut sein: „chlan“. Das klingt vielleicht nicht so flüssig beim schnellen Vorlesen, aber es wäre durchaus machbar. Dass die zweite Silbe „-vygan“ dann wie im Englischen „waig(e)n“ausgesprochen wird, kommt mir ebenfalls unpassend für ein walisisches Wort vor. Es sollte richtiger „vig(e)n“ lauten.

Ansonsten sind ungarische, französische, italienische, deutsche (sowieso) und englische Namen und Titel alle korrekt ausgesprochen, so dass ich Deutschmann ohne weiteres Mehrsprachigkeit attestieren kann.

Über Musik und Geräusche verfügt diese Lesung nicht, so dass ich sie nicht weiter zu erwähnen brauche.

_Unterm Strich_

„Die Pendragon-Legende“ bietet eine erfrischende Abwechslung in der mittlerweile als Einheitskost verabreichten Mode der historischen Thriller. Krimi ist hier mit Romanze, Erbschaftskrieg mit Geistererscheinungen auf respektlose Weise verquickt. Der Leser bzw. Hörer kann sich auf eine mit überraschenden Wendungen gespickte Handlung gefasst machen.

Im Gegensatz dazu steht das Titelbild, das einen eher kontemplativ veranlagten Mann beim Rauchen und Sinnieren zeigt. Nichts könnte der Story ferner liegen. Janos Bathoy mag ja ein Philosoph und rechter Bücherwurm sein, doch man lässt ihn nicht zur Ruhe kommen. Dafür sorgen schon die Frauen und Scherzkekse wie Maloney und Osborne Pendragon. Die Rätsel, die sich ihm bieten, löst er nicht restlos auf. Dem Publikum bleibt also noch etwas zu tun übrig – ein weiterer Unterschied zu Thrillern wie „Sakrileg“ und „Illuminati“.

Heikko Deutschmann macht den Text zu einem lebhaften akustischen Erlebnis. Selten habe ich Besoffene so humorvoll und hinterhältig nuscheln gehört, selten haben sich Mann und Frau verbal einen so durchtriebenen Schlagabtausch geliefert. Da fallen die Eigenwilligkeiten in der walisischen Aussprache nicht mehr ins Gewicht.

Wem „Die Pendragon-Legende“ gefallen hat, sollte auch „Die Reise im Mondlicht“ lesen oder hören.

|Originaltitel: A Pendragon legenda, 1934
Aus dem Ungarischen übersetzt von Susanna Großmann-Vendrey
383 Minuten auf 5 CDs
Siehe auch unsere [Rezensionen 955 zur Buchfassung der „Pendragon-Legende“.|

Doyle, Arthur Conan – Sherlock Holmes Collectors Edition II

Die Sammleredition bietet die Hörspiele zu drei von Arthur Conan Doyles besten Fällen, die der Meisterdetektiv Sherlock Holmes zu lösen hatte. Darunter dürfte so mancher Fall sein, den man schon kennt, allerdings wurde meines Wissens keine der drei Geschichten bislang verfilmt. Herausragend ist die Professor-Moriarty-Erzählung „Das Tal der Furcht“.

_Der Autor_

Sir Arthur Conan Doyle lebte von 1859 bis 1930 und gelangte mit seinen Erzählungen um den Meisterdetektiv Sherlock Holmes zu Weltruhm. Dabei begann der Mediziner, der eine eigene Praxis hatte, erst 1882 mit dem Schreiben, um sein Einkommen aufzubessern. Neben mystischen und parapsychologischen Themen griff er 1912 auch die Idee einer verschollenen Region (mit Dinosauriern und Urzeitmenschen) auf, die von der modernen Welt abgeschnitten ist: [„The Lost World“ 1780 erwies sich als enorm einflussreich und wurde schon 13 Jahre später von einem Trickspezialisten verfilmt.

_Die Sprecher und Sprecherinnen_

Es ist schon etwas seltsam, aber das Hörbuch enthält keine Zuordnung von Sprechern und Rollen. Folgende Sprecher sind auf dem Titelbild aufgelistet: Christian Rode, Peter Groeger, Volker Brandt, Gernot Endemann, Franz J. Steffens, Frank Glaubrecht, Daniela Hoffmann, Gerd Baltus, Thomas Karallus, Robert Missler u.a.

Christian Rode ist die deutsche Stimme von Sean Connery. Er spricht die Rolle von Sherlock Holmes.

Frank Glaubrecht, der den Cecil Barker in „Das Tal der Furcht“ spricht, ist einer der erfolgreichsten Synchronsprecher Deutschlands. Er leiht beispielsweise so bekannten Filmstars wie Al Pacino, Pierce Brosnan, Jeremy Irons und Richard Gere seine markante Stimme.

Die Stimme von Inspektor Lestrade von Scotland Yard stammt vom deutschen Synchronsprecher von Michael Douglas (Volker Brandt) und klingt sehr sympathisch, auch wenn Lestrade regelmäßig auf dem Holzweg ist.

Daniela Hoffmann, die in „Das Tal der Frucht“ Betty Douglas ihre Stimme leiht, ist die deutsche Synchronsprecherin von Julia Roberts und „Ally McBeal“.

_Handlung von „Die sechs Napoleons“_

Inspektor Lestrade von Scotland Yard bitte Holmes um Hilfe. Ein offensichtlich Wahnsinniger zertrümmert in London ausschließlich Büsten von Kaiser Napoleon III. – in den Häusern ihrer Besitzer! Der erste Fall betraf Mr Morse, einen Kunsthändler. Das war vor vier Tagen, und vor zwei Tagen traf es Dr. Barnicut, der nur zwei Meilen entfernt wohnt. In beide seiner Häuser wurde eingebrochen – wieder das gleiche Spiel. Seltsamerweise wurde keines seiner Gemälde zerstört. Die insgesamt drei Büsten sind billige Gipskopien, die alle identisch sind. Wenigstens hält sich der Schaden in Grenzen.

Doch der Fall nimmt eine blutige Wendung, als im Haus des Journalisten Horace Harker eingebrochen wird und der Einbrecher mit der gestohlenen Büste in den Garten geht, um sie dort zu zertrümmern. Doch wer ist der Tote mit dem Messer im Hals? Lestrade würde gerne glauben, dass es sich um den Einbrecher handelt, doch Holmes ist ganz anderer Meinung. Das Foto, das der Mann bei sich trägt, zeigt einen ärmlich gekleideten Südländer, genau wie der Tote einer ist.

Mr. Morse erkennt den Mann auf dem Foto: Das ist sein ehemaliger italienischer Hilfsarbeiter Beppo. Allerdings war er nicht zuverlässig und verschwand zwei Tage vor dem ersten Anschlag. Morse kaufte die billigen Büsten bei der Manufaktur Gelder & Co., wo sich herausstellt, dass Beppo auch dort angestellt war. Man stellte am 19. Mai vorigen Jahres eine Serie von sechs Büsten her. Beppo wurde einen Tag später wegen einer Messerstecherei verhaftet und in Haft genommen.

Also ist klar, dass der Einbrecher und Büstenkiller noch zweimal zuschlagen wird. Holmes besorgt sich die Adressen der Käufer und legt sich mit Inspektor Lestrade und Dr. Watson auf die Lauer.

_Handlung von „Das Tal der Furcht“_

Dr. Watson besucht seinen Freund Holmes, obwohl es donnert und regnet – ein Gewitter mitten im Winter, unerhört! Holmes ist angespannt. Er hat eine Nachricht von seinem Informanten bekommen, der unter dem Deckanmen „Porlock“ in Professor Moriartys Verbrechersyndikat undercover operiert. Watson kann es nicht fassen, dass Holmes ein so angesehenes Mathematikgenie mit dem besten Leumund für einen Verbrecher hält. Holmes spricht mit Inbrunst von Moriarty als einem „Stachel in seinem Fleisch“. Er kann es offenbar nicht leiden, wenn ihn ein Verbrecher an der Nase herumführt und alle anderen zum Narren hält.

Die Nachricht von Porlock ist jedoch verschlüsselt. Nur zwei Klartextwörter sind zu entziffern: „Douglas“ und „Birlstone“. Aber wo ist der Schlüssel für den Rest, der aus Zahlen besteht? Nach mehreren Versuchen kommt folgender Text zustande, der die beiden Schnüffler alarmiert: „Dort – ist – Gefahr – vielleicht – kommt – sehr – bald – einer – Douglas – Birlstone – ist – dringend.“

Als Inspektor Lestrade mal vorbeischaut, erzählt er von einem Mordfall, der sich in Sussex ereignet habe und zu dem er eilen müsse. Da sieht er den Zettel mit den Namen „Douglas“ und „Birlstone“ und es stellt sich heraus, dass der Gutsbesitzer Douglas im Dorf Birlstone ermordet worden sei. Man kann sich seine Verblüffung ausmalen, dass Holmes darüber Bescheid weiß. Während sie zusammen nach Sussex fahren, weiht Holmes ihn ein und teilt ihm den unglaublichen Verdacht mit, dass Prof. Moriarty hinter der Sache stecken müsse. Er teilt Lestrade sein Gründe mit, warum Moriarty so verdächtig sei: Wie kann sich ein Dozent, der nur 700 Pfund im Jahr verdiene, ein Gemälde im Wert von 40.000 Pfund leisten, hm? Und warum habe Moriarty sechs verschiedene Konten bei verschiedenen Banken?

Der Lokalpolizist Sergeant Wilson setzt sie ins Bild: Der Amerikaner Douglas habe vor zehn Jahren die Burg gekauft und sich dort mit seiner Frau niedergelassen. Cecil Barker sei ein Gast des Hauses und habe die Polizei alarmiert. Sie gehen hinein, über eine Zugbrücke, die über einen Wassergraben führt – echt mittelalterlich. Und ein ganz klein wenig unheimlich, findet der gute Watson.

Drinnen hört der Spaß auf. In der Bibliothek sitzt eine Leiche im Stuhl, doch sie hat kein Gesicht, denn dieses wurde dem Mann mit einer amerikanischen Schrotflinte aus dem Besitz des Hausherrn weggeschossen. Angeblich handelt es sich tatsächlich um den Hausherrn selbst. Seltsam, dass sich auf seinem Arm ein Brandzeichen befindet. Und der Ehering fehlt. Als der Inspektor kurz weg ist, vergleicht Holmes mit Watsons Hilfe die Fußabdrücke auf dem Fenstersims – sie sind zwar beide blutig, aber verschieden. Verwirrend. Irgendjemand lügt hier wohl.

Holmes’ Verdacht verdichtet sich noch, als die vier Hausbewohner widersprüchliche Aussagen machen. Barker und Mrs. Douglas wollen zur Tatzeit (23:30) einen Schuss gehört haben, aber Butler Ames und das schwerhörige Hausmädchen Mildred haben ihn nicht gehört, sondern vielmehr Hilferufe. Diese wiederum haben Barker und Mrs. Douglas nicht gehört. Kein Zweifel: Jemand lügt hier, aber wer und zu welchem Zweck?

Aber wenn der Einbrecher geflohen ist, müssten sich dann nicht Fußabdrücke am Wassergraben finden? Lestrade lässt alles absuchen, stößt aber nur auf ein zurückgelassenes Fahrrad im Park und ein Bündel Kleider im Graben. Keine Fußspuren, die wegführen. Da gelingt es Holmes und Watson, das Paar Barker und Mrs. Douglas – er nennt sie vertraulich „Betty“ – zu belauschen, wie es Hand in Hand im Park spaziert. Aha! Eine ganz neue Dimension, die sehr viel erklärt.

Holmes ist nun mehr als verwirrt. Doch es warten noch mehr Überraschungen auf ihn …

_Handlung von „Der Vampir von Sussex“_

Holmes erhält zeitgleich zwei Briefe, in denen er um seinen professionellen Rat gebeten wird. Er erklärt sich mit dem Besuch des Teehändlers Robert Ferguson einverstanden, obwohl er zunächst das Thema Vampirismus ins Land der Märchen verwiesen hatte. Doch ihm scheint etwas anderes vorzuliegen.

Robert Fergusons Familie und Ehe ist nach den zurückliegenden Vorfällen zerrüttet. Zweimal hat die Kinderfrau Mrs. Mason die Herrin Isabella dabei ertappt, wie sie sich über den kaum ein Jahr alten Sohn James beugte, an dessen Hals blutende Wunden zu sehen waren – und ebenso war Blut an den Lippen der Dame zu sehen! Der wegen dieses Berichts besorgte und entsetzte Familienvater verbietet seiner Frau notgedrungen jeden Kontakt mit James, woraufhin sich Isabella einschließt und in ein Fieber verfällt.

Als Holmes, Watson und Ferguson in dessen Heim eintreffen, fällt Holmes nicht nur der an den Hinterbeinen lahmende Hund Carlo auf, sondern sein Blick auch auf die Fenster. Daraufhin erscheint Jack, der 13-jährige Sohn Fergusons aus dessen erster Ehe. Isabella ist Jack Stiefmutter, James somit sein Stiefbruder. Jack hat seit einem Sturz einen verkrümmten Rücken. Er war es, der zuerst behauptet hatte, seine Stiefmutter sei eine Vampirin. Da sie aus dem katholischen Peru stammt, könne sie wer weiß was glauben. Außerdem hat sie ihn gezüchtigt.

Auch Holmes fallen die seltsamen Waffen auf, die die junge Frau aus ihrer fernen Heimat mitgebracht hat, darunter Pfeil und Bogen von den Ureinwohnern. Watson bietet an, die Frau zu untersuchen, doch als er vorgelassen wird, kann er keine Grippe oder Ahnliches feststellen. Das Fieber scheint vielmehr geistigen Ursprungs zu sein. Sie fantasiert etwas von einem „Teufel“ …

Daraufhin bittet Holmes Ferguson, zu Isabella vorgelassen zu werden. Er habe die Lösung des Falles bereits gefunden, könne sie aber nur im Beisein Isabellas enthüllen …

_Mein Eindruck_

Das Glanzstück des Hörbuchs ist zweifellos die Erzählung „Das Tal der Furcht“, die insgesamt rund 110 Minuten lang ist, also fast die Hälfte der Lauflänge ausmacht. Denn die erst Hälfte der Story ist nur die Vorbereitung auf die Hintergrundgeschichte, in der dann endlich auch das titelgebende „Tal der Furcht“ erwähnt wird. Moriarty taucht natürlich nie persönlich, sondern nur als Strippenzieher. Dennoch ist Holmes überzeugt, dass Einbruch und Mord auf sein Konto gehen. Wie Recht er haben soll, muss er kurz darauf bitter erkennen. Er wird Moriarty nie wieder unterschätzen.

Was an dieser Erzählung auffällt, ist die Ähnlichkeit zu „Die fünf Orangenkerne“. Hier wie dort spielen die Folgen von in Amerika tätig gewesenen Personen eine Rolle. Doch ist es in „Orangenkerne“ ein ehemaliges Mitglied des Ku-Klux-Klans, so stellt sich Mr. John Douglas als Pinkerton-Detektiv heraus. Beide Männer dienen der Sache der Gerechtigkeit auf verschlungenen Pfaden, doch kehren sie anschließend nach merry old England als Zufluchtsort zurück. Dort ereilt sie der lange Arm der Rache. Hat also der Autor sich selbst kopiert? Nur im Aufbau der Geschichte, nicht in ihren Schauplätzen und Figuren.

„Die sechs Napoleons“ lässt sich als leichte Fingerübung betrachten, quasi als Aperitif für den oben erwähnten Hauptgang. Holmes und Watson brauchen lediglich den diversen Hinweisen zu folgen, die in eine bestimmte Richtung führen: in die Kreise italienischer Hilfsarbeiter in London. Schon 1880 war also die Themse-Metropole der große Schmelztiegel, als der heute New York City gilt.

„Der Vampir von Sussex“ ist im Grunde eine Story über das Aufeinandertreffen zweier unterschiedlicher Kulturen, was man heutzutage einen „culture clash“ nennt. Robert Ferguson hat sich eine Peruanerin ins Haus geholt, die a) katholisch ist – was bis weit ins 19. Jahrhundert hinein in England verpönt war – und b) Kontakte zu den Ureinwohnern, den so genannten „Indios“, hatte. Daher brachte sie deren Waffen mit nach merry old England, wo sie leider missbraucht werden. Sie ist ein Fremdkörper in Fergusons Haushalt, nicht nur in seiner Familie.

Hinzu kommt das uralte Problem, das jede Stiefmutter hat: Nicht nur hat ihre Rolle ein schlechtes Image, sie und ihr Kind werden obendrein noch von den vorhandenen Nachkommen der ersten Frau abgelehnt. Sie als „Vampirin“ zu denunzieren, ist ein erfolgversprechendes Mittel, sie aus dem Haushalt zu entfernen. Das Ergebnis ist ein regelrechtes Familiendrama, das Fergusons Existenz bedroht – das intakte Familienleben war bei den Viktorianern ein ganz wesentlicher Baustein in der öffentlichen Fassade, die einen der Grundsteine des geschäftlichen Erfolgs darstellte.

Es spricht für Holmes‘ intuitives Einfühlungsvermögen, dieser Konstellation im Handumdrehen auf die Spur zu kommen, so als wüsste er darüber aus eigener (leidvoller?) Erfahrung Bescheid. Umso erstaunlicher erscheint sein Verhalten dem guten Dr. Watson, als Holmes auf Schritt und Tritt beteuert, wie sehr Emotionalität abzulehnen sei, weil sie den Verstand benebele.

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

Obwohl man den ungemein professionellen Sprechern kaum Vorwürfe machen kann, so ist doch mit Missvergnügen die allzu simpel gestrickte Charakterisierung der drei Hauptfiguren zu kritisieren. Holmes hat stets den überlegenen Durchblick. Einzige Ausnahme sind seine Zweifel und die Verwirrung im Fall Douglas. Dr. Watson stellt sich zumeist völlig ahnungslos, mit seltenen Ausnahmen, und ist leiblichen Genüssen sehr zugetan. Inspektor Lestrade ist zwar tüchtig, vergaloppiert sich aber regelmäßig aufgrund mangelnder Stringenz seiner logischen Fähigkeiten.

Sehr schöne Sprecherleistungen bieten die bewährten Synchronsprecher Frank Glaubrecht – eine volle sonore Stimme – und Daniela Hoffmann, die deutsche Julia Roberts. Beide müssen wie echte Schauspieler agieren und sich rein stimmlich so ausdrücken, als würden sie vor der Kamera oder auf der Bühne agieren. Dabei wissen es beide nicht zu übertreiben. Sie wirken stets recht glaubhaft. Das ist aber eine raffinierte Täuschung. Doch ich darf natürlich nicht mehr verraten, um dem Hörer nicht den Spaß zu verderben, wenn die Wahrheit ans Licht kommt.

Die mangelhafte Kenntnis über die Aussprache englischer Namen ist auch diesmal wieder mit Bedauern festzustellen. Die Stadt Reading zwischen London und Oxford wird nicht wie die Verbform „reading“ (= lesend) mit langem I, sondern mit kurzem Ä ausgesprochen, wie in „ready“. Besonders peinlich wird es, wenn aus dem englischen „mo’raiati“ ein italienisches „mori’atti“ wird. Prof. Moriarty hätte sich im Grab umgedreht.

|Geräusche|

Die zahlreichen, meist relativ subtil eingesetzten Geräusche verleihen dem Geschehen einen realistischen Anstrich, so als würde man einem Film ohne Bild folgen. Leise prasselt das Kaminfeuer, Holmes pafft vernehmlich seine große weiße Pfeife, und Porlocks Zettel raschelt. Draußen stapfen die Herren Ermittler durch den knirschenden Schnee, die Glocke schlägt. Doch dann schlägt der Donner zu, und aus ist es mit aller Subtilität. In der Burg der Douglas raunt fortwährend der Wind durch alle Ritzen, dass es einen graust und man sich in Draculas Schloss wähnt.

|Musik wie bei Edgar Wallace|

Alle Hörspiele sind so inszeniert, als wären sie in den sechziger Jahren entstanden. Dementsprechend nostalgisch sind ihr Charme und die Emotionalität der Figuren. Aber auch die Musik spielt eine ganz wesentliche Rolle. Es handelt sich schon beim ersten Ton des Intros um jene Jazz-Spielart, die Spannung, Angst und Action suggeriert. Meist wird die Musik als Pausenfüller eingesetzt. Die gleiche Art Musik ist in den Krimiserien der sechziger Jahre zu hören: Edgar Wallace, Sherlock Holmes, Miss Marple und wie sie alle heißen. Fans dieser Serien – und es gibt eine Menge davon – werden die Musik genießen.

_Unterm Strich_

Für alle nostalgischen Freunde von Sherlock Holmes und den deutschen TV-Serien der sechziger Jahre bietet diese Sammleredition drei interessante Holmes-Fälle voll Spannung, Action und viel Romantik. Neben den zwei Leichtgewichten „Die sechs Napoleons“ und „Der Vampir von Sussex“ dominiert eindeutig das Schwergewicht „Das Tal der Furcht“, weil hier erstmals in aller gebotenen Ernsthaftigkeit der größte Widersacher des Meisterdetektivs durch seine Handlanger in Erscheinung tritt. Holmes sagt klar und deutlich, dass dies eine Feindschaft auf Leben und Tod sei. Hoffentlich gibt es bald mehr Moriarty-Erzählungen im Hörbuch.

Watson kommentiert Holmes wie immer knurrig bis verzweifelt, doch wenn seine Qualitäten als Gentleman gefragt oder seine Neugier angestachelt sind, verwandelt er sich in einen wertvollen und verlässlichen Assistenten des berühmten Detektivs.

Die Sprecher sind von beachtlicher Qualität, auch wenn nirgendwo steht, welcher Sprecher welcher Rolle zuzuordnen ist (siehe oben). Die Geräusche verleihen dem Geschehen einen realistischen Anstrich, und die nostalgische Musik, die nicht mein Fall ist, bleibt unaufdringlich auf die Pausen beschränkt.

Die Aussprachefehler, die so mancher deutsche Schauspieler beim Englischen an den Tag legt, treten hier gehäuft auf. Besonders peinlich wird es, wenn aus dem englischen „moraiarty“ ein italienisches „moriatti“ wird. Watson stellt sich häufig dümmer als er wirklich ist, um Holmes Gelegenheit zu geben, mit seiner berühmten Kombinationsgabe zu brillieren. Fehlt nur noch, dass Holmes „Elementar, mein lieber Watson!“ sagt, aber dieses Klischee haben sich die Macher dann doch verkniffen.

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