Archiv der Kategorie: Kinder- und Jugendliteratur

Miller, Barnabas; Orlando, Jordan – Seven Souls. Sieben Gründe, Mary Shayne zu hassen

Mary Shayne ist das hübscheste und beliebteste Mädchen der Schule. Dachte sie jedenfalls. An ihrem siebzehnten Geburtstag jedoch muss sie feststellen, dass sie eben nicht jeder mag – oder sie sogar hasst. Die New Yorker Autoren Barnabas Miller und Jordan Orlando zeigen in „Seven Souls – Sieben Gründe, Mary Shayne zu hassen“, wie sehr man sich irren kann und wie gefährlich ein solcher Irrtum sein kann.

_Am Morgen ihres siebzehnten Geburtstags_ wacht Mary im Schaufenster eines teuren Einrichtungsgeschäfts auf. Sie liegt nackt in einem Bett und ist die Attraktion für die Vorbeilaufenden. Mary hat keine Ahnung, wie sie hierher kommt, wieso sie nichts an hat und wieso sie an der Schulter verletzt ist. Sie kann sich an nichts erinnern.

Doch das ist nicht das Schlimmste an diesem Tag, der eigentlich ihr schönster werden sollte. Niemand gratuliert ihr, alle scheinen ihren Geburtstag vergessen zu haben. Ihr Freund Patrick hat sich ausgerechnet diesen Tag ausgesucht, um mit ihr Schluss zu machen. Alles läuft irgendwie schief. Oder es scheint jedenfalls so. Die Überraschungsparty am Abend soll eigentlich die Wende bringen, doch dann wird Mary umgebracht. Nach ihrem Tod reist in die Seelen sieben verschiedener Menschen, die allen Grund haben sie zu hassen, und sie findet heraus, wie beliebt Mary Shayne wirklich war.

_“Seven Souls“ ist ein Jugendbuch_, das sehr stark in New York verankert ist und das Leben der reichen Jugendlichen zeigt. Marys gesamter Freundeskreis gehört zu dieser Elite. Sie selbst hingegen lebt mit ihrer kleinen Schwester und ihrer seit dem Tod des Vaters depressiven Mutter in einer engen Mietswohnung. Einzig ihr Aussehen macht sie für ihre Freunde attraktiv. Trotz dieser interessanten Ausgangssituation gelingt es den Autoren nicht wirklich, Marys Persönlichkeit mit allen Facetten darzustellen. Sie wirkt stellenweise etwas oberflächlich, obwohl ihre Gedanken und Gefühle ausführlich behandelt werden.

Dies mag allerdings auch damit zusammenhängen, dass der Hintergrund der Geschichte unecht wirkt. Intrigen, Zicken, hübsche Jungs und eine Eliteschule – „Seven Souls“ erinnert stellenweise stark an die amerikanische Serie „Gossip Girl“. Das ist an und für sich nichts Schlimmes. Die Upper East Side ist auch in anderen Büchern und Filmen der Schauplatz. Doch den Autoren gelingt es nicht, sich New York zu eigen zu machen. Trotz vieler Referenzen, der Erwähnung von Geschäften und Edelrestaurants fehlt das Leben in der Kulisse. Sie wirkt künstlich – und dadurch nicht nur wie eine Erinnerung an, sondern fast wie eine Kopie von „Gossip Girl“.

Gelungen ist allerdings die Handlung, da sie viele unvorhersehbare Wendungen nimmt und von Anfang an Spannung aufbaut. Diese bleibt auch das ganze Buch über erhalten. Bereits die ersten Seiten bauen eine gewisse Atmosphäre auf. Schnell wird klar, dass etwas an Marys Geburtstag nicht stimmt, doch bereits das erste Rätsel – Marys Aufwachen in dem Ausstellungsraum – wird erst am Ende der Geschichte geklärt. Dazwischen kommen weitere Ungereimtheiten auf, die, geschickt gestreut, die Spannung aufrechterhalten. Glaubt man zuerst noch, man hätte es „nur“ mit einem Jugendbuch zu tun, entwickelt sich dies mit der Zeit beinahe schon zu einem Psychothriller. Natürlich bleibt es jugendfrei, aber die Dynamik, die die Geschichte entwickelt, ist trotzdem überraschend und vor allem sehr gelungen.

Der Schreibstil hingegen hat noch Verbesserungspotenzial. Auch wenn Miller und Orlando sich durchaus kunstfertig zeigen und entsprechende Stimmung aufbauen, hakt es an der einen oder anderen Stelle noch. Vor allem ihre Metaphern und Vergleiche wirken manchmal etwas zu bemüht. Die übermäßige Benutzung von Markennamen stört ebenfalls. Ansonsten ist das Buch jedoch gut und flüssig erzählt.

_“Seven Souls“ ist kein herausragendes Buch_. Dafür hat es zu viele Makel. Die Handlung kann sich jedoch trotzdem sehen lassen. Zusammen mit dem annehmbaren Schreibstil ist es ideale Lektüre für Jugendliche, die an der Szenerie von „Gossip Girl“ gefallen finden.

|Gebunden: 410 Seiten
Originaltitel: Seven Souls
Deutsch von Franca Fritz und Heinrich Koop
ISBN-13: 978-3401064482|
[www.arena-verlag.de]http://www.arena-verlag.de

Wood, Maryrose – Liebe ist unheilbar (Die Poison Diaries 1)

_|Die Poison Diaries|:_

Band 1: _“Liebe ist unheilbar“_
Band 2: „Nightshade“ 01.09.2011 (noch ohne dt. Titel)
Band 3: – geplant –

|“Was zu heilen vermag, das kann auch töten …“|

_England um 1800._ Die 16-jährige Jessamine Luxton lebt abgeschieden mit ihrem Vater Thomas in einer alten und einsam gelegenen Kapelle in der Herzogschaft Northumberland nahe Alnwick Castle.

Jessamines Vater interessiert sich seit dem Tod seiner Frau stark für Pflanzen und deren Heilmöglichkeiten. Aber Thomas baut nicht nur altbekannte Heilpflanzen an. In der sicheren Überzeugung, dass auch Gifte in der richtigen Dosierung durchaus heilen können, hat er einen geheimen, gut gesicherten Giftgarten angelegt. Jessamine ist der Zutritt zu dem geheimen Garten streng untersagt, da Thomas seine Tochter vor den Gefahren seines tödlichen Giftgartens schützen möchte. Zudem hält er Jessamine für zu kindlich, um mit diesen Gefahren umgehen zu können.

Oft lässt Thomas seine Tochter lange alleine, um mit seinem Können und Wissen anderen Menschen zu helfen. Jessamine ist daher oft einsam und hat nur die Pflanzen, um die sie sich kümmern kann. Dies ändert sich, als der junge Weed in das Leben von Thomas und Jessamine tritt. Weed scheint noch mehr Wissen über die Kraft der verschiedenen Pflanzen zu haben als Thomas selbst und so ist Thomas sehr fasziniert von dem jungen Mann.

Aber nicht nur Thomas ist von Weed fasziniert, seine Tochter verliebt sich schnell in den jungen Mann mit den geheimnisvoll absinthgrünen Augen. Doch kaum kommen sich die beiden näher, wird Jessamine sterbenskrank. Wird Weed ihre Rettung oder ihr Verderben sein?

_Kritik_

„Die Poison Diaries – Liebe ist unheilbar“ ist der düstere Auftakt zu einer Trilogie, die Maryrose Wood nach einer Idee von Jane Northumberland verfasst hat.

Maryrose Wood bedient sich einem gehobenen, manchmal schon fast poetischen Schreibstil, der hervorragend in die Zeit um 1800 passt. Dieser Stil dürfte für die jugendliche Zielgruppe etwas ganz Neues sein, durch prägnante Sätze ist dem anspruchsvollen Stil dennoch leicht zu folgen. Authentisch und düster werden die zuweilen finster anmutend Orte der Handlung beschrieben und üben so einen ganz eigenen Reiz aus. Viel Raum wird hier vor allem der Welt der Pflanzen gegeben, vor allem der, wie der Titel schon sagt, der Giftpflanzen.

Ein fein gesponnener Spannungsbogen zieht sich gleichmäßig durch die Geschichte. Ohne besondere Höhen, schafft es die Autorin die Leser an die Geschichte zu fesseln. Das Ende wirkt abgeschlossen, wenn auch genug Fragen offenbleiben, um die weiteren Teile der Trilogie mit Interesse zu erwarten. Auch das hier kein typisches „Happy End“ geboten wird, steigert die Neugier auf die weiteren Teile der Trilogie.

Aus dem Betrachtungswinkel von Jessamine wird uns Lesern Jessamines Geschichte im Stil eines Tagebuches erzählt. Dabei drückt Jessamine sich sehr pflanzlich aus, um ihre Gefühlswelt deutlich zu machen. Dies passt hervorragend zu diesem Charakter, schließlich kennt sie die Welt der Pflanzen deutlich besser als die der Menschen, ist ihr Vater doch ihr einziger menschlicher Kontakt. Die Wahl dieser Perspektive und die Art zu erzählen bringt dem Leser die Gefühlswelt der jungen Protagonistin sehr nahe. Erst als Jessamine sterbenskrank wird und nicht mehr in der Lage ist ihre Geschichte zu erzählen, wechselt die Perspektive und Weed erzählt nun aus seinem Blickwinkel die Ereignisse weiter.

Sehr glaubwürdig und in ihre Zeit passend werden die einzelnen Protagonisten gezeichnet. Am stärksten bleiben dabei die stille Jessamine und der geheimnisvolle Weed in Erinnerung. Die beiden Hauptdarsteller sind sympathisch und liebenswürdig konzipiert. Beide passen in ihrem Wesen geradezu perfekt in die Welt, in die sie gehören. Undurchsichtig ist von Anfang an Jessamines Vater, Thomas. Oft lässt er seine junge Tochter alleine, traut ihr dabei aber fast nichts zu.

Die Gestaltung des Covers passt perfekt zum Inhalt. In dunklen Grüntönen gehalten, sind ein düster anmutender Wald sowie ein junges Mädchen zu sehen. Goldene Ranken sowie der in Gold gehaltene und durch Spotlack in Szene gesetzte Titel wirken dabei besonders edel.

_Fazit_

Maryrose Woods Roman „Die Poison Diaries – Liebe ist unheilbar“ fällt schon aufgrund des ungewöhnlichen Erzählstils aus der Reihe. Die Mischung aus der geheimnisvollen Welt der Pflanzen, einer zarten Romanze und einer tödlichen Gefahr ist der Autorin hervorragend gelungen und macht Lust auf mehr.

Auch wenn der Plot und das gewählte Ende gewöhnungsbedürftig sind, eine Chance sollte der Leser dieser außergewöhnlichen Geschichte geben und sich in die geheimnisvollen und düsteren (Gift)Gärten entführen lassen.

_Autorin_

Maryrose Wood wuchs auf Long Island auf. Sie arbeitete viele Jahre am Theater, ehe sie ihren ersten Roman schrieb. „Die Poison Diaries – Liebe ist unheilbar“ ist das erste Buch, das auf Deutsch erscheint. Maryrose Wood lebt mit ihren zwei Kindern, zwei Katzen und einem kleinen Hund in New York.

|Hardcover mit Schutzumschlag: 272 Seiten
Aus dem Englischen von Alexandra Ernst
ISBN 978-3-8414-2124-1|
[www.fischerverlage.de]http://www.fischerverlage.de

Nevis, Ben (Autor); Huber, Chris & Tracey (Übersetzer) – Die drei ??? – The Pharaoh\’s Message (American English)

Schon länger werden einige ausgewählte Fälle der Jugendserie „Die drei ??? ®“ ins Amerikanische übersetzt. Das mag ein wenig paradox erscheinen, früher war es schließlich umgekehrt – doch befindet sie sich bekanntlich seit 1993 fest in deutscher Hand. Das Reverse-Engineering ist auch nicht dazu gedacht, wieder auf dem amerikanischen Markt Fuß zu fassen. Es dient vielmehr dazu, der Zielgruppe anhand der beliebten Geschichten um die inzwischen berühmte Junior-Detektei den Gebrauch von Alltagsenglisch näher zu bringen. Dieses Konzept läuft inzwischen so erfolgreich, dass bei |Kosmos| regelmäßig solche englischsprachigen ???-Bücher mit Vokabelhilfe erscheinen. Aus dem 129. Fall „SMS aus dem Grab“ von Ben Nevis wurde 2009 somit „The Pharaoh’s Message“.

_Concerning the story_

Die drei Fragezeichen schulden dem stadtbekannten Landstreicher „Rubbish“ George aufgrund einer verlorenen Wette noch 10 Dollar. Als Peter die Spielschulden überbringen will, findet er die Heimstadt ihres obdachlosen Freundes vollkommen verwüstet vor. Von George selbst fehlt jede Spur. Dafür wird Peter beim Inspizieren des vermeintlichen Tatorts von einer jungen Frau überrascht, die ihn zunächst mit einem Messer bedroht. Allerdings entpuppt sich die stumme Halb-Ägypterin Layla als Bekannte von George, die ihn ebenfalls verzweifelt sucht. Der aus Großbritannien stammende George Cooper – so sein richtiger Name – war vor Jahren als Banker in Kairo tätig, wo er mit Laylas Mutter liiert war. Bis er eines Tages von dort flüchtete, um schließlich im beschaulichen Rocky Beach inkognito als Tippelbruder zu leben.

Die Vergangenheit hat ihn in Gestalt von Layla offenbar nun eingeholt. Hat diese Vergangenheit aber überhaupt etwas mit seinem erneuten Verschwinden zu tun? Peter findet jedenfalls einen Hinweis darauf, dass Ägypten ein durchaus wichtiger Schlüssel sein könnte. In einem Fußballmagazin getarnt, entdeckt er einen rätselhaften und verschlüsselten Text, der verspricht, ein altes Menschheitsrätsel zu lösen: Die geheime Kammer des Sphinx. Es gibt eigentlich nur einen Weg dies herauszufinden und das ist vor Ort in Kairo. Glücklicherweise haben die drei ohnehin grade vor, transatlantisch zu fliegen, da sie eine Einladung aus England und entsprechende Tickets vorliegen haben. Diese werden kurzerhand umgebucht, um stattdessen dem ollen Sphinx einen Besuch abzustatten. Doch im Orient lebt sichs gefährlich – auch ohne altertümliche Flüche.

_Impressions_
|Warning: May contain spoilers – further reading at your own risk!|

Ben Nevis‘ Geschichten zeichnen sich stets durch Temporeichtum, Action und mehr als einen Hauch Technokratie aus, allerdings stehen auf der Kehrseite meist Dinge, welche sich mit der Realität oft nur schwer vereinen lassen. Zumindest auf den zweiten Blick. „SMS aus dem Grab“, dessen deutscher Original-Titel erstaunlicherweise einmal mehr als üblich Inhaltsbezug hat (ganz im Gegensatz zum „Pharaoh’s Message“, denn kein Pharao hat irgendeine Nachricht verfasst) bildet hier keine Ausnahme, in allen diesen Punkten ist die Story sozusagen ein „typischer Nevis“. Der Autor mit dem geheimnisvollen Künstlernamen liebt offenbar Handys. In Sachen Mobilfunkgeräte kommt diesmal ein regelrechtes Smartphone zum Einsatz, welches sogar getippte Worte in Sprache umzuwandeln vermag. Zur Zeit, als die Story entstand, pure Zukunftsmusik.

Die Idee eine inzwischen etablierte Randfigur der Serie in den Fokus eines Falles zu rücken ist gut – dass es sich dabei um Rubbish George handelt, sogar noch besser. Er ist ohnehin ein interessanter Charakter, wie in diversen Büchern zuvor schon durchblitzt. Allein das Drumherum will nicht ganz einleuchten, wie etwa Layla, die in Ägypten aufwuchs und quasi „mal eben“ in die USA tingelt, um im kalifornischen Kleinstadtkaff Rocky Beach den verflossenen Lover ihrer Mom – wie auch immer sie ihn aufgespürt haben will – zu (be-)suchen. Wenn George wenigstens (vielleicht) ihr Vater wäre, könnte man die Motivation eher nachvollziehen, warum die Jugendliche gegen den Willen ihrer Mutter in die USA reist – doch es wird von vorneherein klargestellt, dass ihr leiblicher Vater Ägypter ist. Somit ist auch die Pace aus diesem Strang schon einmal raus.

Doch sie ist nicht die Einzige, die sich aufgrund wackliger Indizienlage aufs interkontinentale Parkett begibt, auch unsere (siebzehnjährigen!) Helden treibt es buchstäblich ja auch mutterseelenallein – nämlich ohne irgendwelche Begleitung, Konsultation oder auch nur Information der Erziehungsberechtigten – in den Moloch Kairo. Nun ja. OK, es ist eine fiktive Abenteuergeschichte. Ob die angepeilte Zielgruppe eingedenk ihrer Jugend die Räuberpistole jedoch so kauft, sei dahingestellt. Dem Erwachsenen stehen beim Gedanken an solch unverantwortlich handelndem Nachwuchs jedenfalls bestimmt sämtliche noch vorhandenen Haare zu Berge. Von pädagogisch wertvoller Vorbildfunktion, wie sie bei den drei ??? sonst anzutreffen ist, also keine Spur. Geopfert auf dem Altar des Actiongottes.

[Anmerkung des selbst erziehungsgenötigten Rezensenten: Liebe Kinder, macht das also zuhause nicht nach. Mama und Papa kriegen sonst nicht nur Ärger mit sämtlichen Behörden des Orients wie des Okzidents, sondern auch ’nen Kabelbrand im Herzschrittmacher, der sich proportional zum Anschwellen der Halsschlagader sowie diametral gegenläufig zum Füllstand des Taschengeldkontos verhält. Danke.]

Nun gut. Zurück zum Wesentlichen. An und für sich ist die Story stilistisch gut aufgezogen, das heißt, sie hat Pep, Tempo und Action in ausgewogenem Verhältnis. Die beinahe obligatorischen Serien-Klischees und auch sanft dosierte Komik sind vorhanden – Letztere bezieht die Geschichte hauptsächlich aus dem dienstbeflissenen Taxifahrer Alaa Edine, der – fast schon wie ein ägyptischer Morton – stets im rechten Moment und mit trockenen Kommentaren zur Stelle ist. Hierbei ist die englische Sprache besonders passend für den Plot, grade vor dem Hintergrund, dass sich die drei amerikanischen Jungs in einem fremden Land befinden und kein Wort Arabisch können. Wenn wenn man nun das teils gebrochene Amerikanisch der Dialoge über den Umweg des Deutschen darstellen will, geht unter Umständen zu viel verloren. So wirkt es jetzt natürlich authentischer.

_Conclusion_

Die rätselgetriebene Schnitzeljagd als solche ist bei den drei ??? nun wahrlich kein unbekanntes Thema, die orientalische Kulisse reißt es aber dann doch etwas raus. Nur allzu genau hinsehen sollte man eben nicht, dann merkt man, dass schon das Grundgerüst auf recht wackeligem Fundament steht. Schafft man den Sprung über so manche mindestens hüfthohe Plausibilitäts-Hürde, wird man aber mit einem spannend wie flott gestalteten Fall belohnt, der keine Langeweile aufkommen lässt und auch sonst unterhaltsam ausfällt. Das verwendete alltagstaugliche American English passt zu diesem Abenteuer besonders gut – der eingeenglischte Titel leider dafür überhaupt nicht. Unterm Strich bleibt Mittelmaß – nicht mehr, nicht weniger.

|Hardcover: 144 Seiten
OT: „Die drei ??? SMS aus dem Grab“ – Band 129
Erzählt von Ben Nevis nach Figuren von Robert Arthur
Ins Amerikanische von Chris und Tracey Huber
Redaktion: Ina Brandt
ISBN 978-3-440-12115-3|
[www.kosmos.de]http://www.kosmos.de

Über 80 weitere Rezensionen zu den Drei ??? gibts in [unserer Datenbank]http://buchwurm.info/book zu entdecken.

White, Kiersten – Flames \’n Roses – Lebe lieber übersinnlich

_|Paranormalcy|-Trilogie:_

Band 1: „Flames ’n‘ Roses“
Band 2: „Supernaturally“ (26.07.2011, noch ohne dt. Titel)
Band 3: – nur angekündigt –

|“Ich weiß nicht, woher ich komme.
Ich sehe Dinge, die du nicht siehst.
Ich bin Teil einer dunklen Prophezeiung.
Und dabei will ich doch nur eins: ein richtiges Date!“|

_Die 16-jährige Evie_ hält sich eigentlich für ein ganz normales Mädchen, das sich nur durch eine ganz besondere Gabe von den übrigen Menschen unterscheidet: Evie kann durch die Cover paranormaler Wesen schauen und diese somit erkennen. Was Evie dort zu sehen bekommt, unterscheidet sich stark von dem, was generell von paranormalen Wesen erwartet wird. Da wären zum Beispiel Vampire, die unter ihrem verführerischen Cover so aussehen, wie es eigentlich erwartet werden dürfte, ziemlich tot. Dies ist auch der Grund dafür, dass Evie von Raquel als kleines Mädchen adoptiert wurde und seitdem für die IBKP (Internationale Behörde zur Kontrolle Paranormaler) arbeitet.

Evies Job besteht darin, nicht registrierte Paranormale aufzuspüren und zu klassifizieren. Ausgerüstet mit ihrem pinken, mit Glitzersteinchen verzierten Tasey (Anm.: Taser/Elektroschockgerät) macht Evie daher Jagd auf Vampire, Werwesen und Co.
Trotzdem verläuft Evies Leben relativ glücklich, nur ein Traum scheint unerfüllbar. Evie würde gerne das ganz normale Leben einer Jugendlichen, inklusive Schulbesuch, führen. Dies wird ihr allerdings von ihrer Ziehmutter Raquel streng untersagt. So ergibt es sich, dass Evies beste Freundin die Meerjungfrau Alisha ist und sie ihre ersten romantischen Erfahrungen mit einem Feenmann hat.

Doch plötzlich steht Evies geordnetes Leben völlig auf dem Kopf, der Gestaltenwandler Lend bricht in die Zentrale der IBKP ein. Durch ihn erfährt Evie nicht nur, dass seit Kurzem viele paranormale Wesen getötet wurden und es eine dunkle Prophezeiung gibt, die irgendwie bis ins Detail auf Evie zutrifft. Wobei Evie sich ziemlich sicher ist, nicht böse zu sein und dass sie keinesfalls ein paranormales Wesen ist. Trotzdem forscht Evie gemeinsam mit dem süßen Lend nach, was es mit dieser Prophezeiung auf sich hat und wer Evie wirklich ist, denn so normal, wie sie bisher immer dachte, scheint sie doch nicht zu sein ,,,

_Kritik_

Mit ihrem Debütroman „Flames ’n‘ Roses – Lebe lieber übersinnlich“ hat die Autorin Kiersten White einen facettenreichen und vielversprechenden Auftakt einer übersinnlichen Trilogie veröffentlicht. Auch wenn hier wieder zu den beliebten Vampiren und anderen paranormalen Wesen gegriffen wird, werden diese doch erfrischend anders gezeigt.

Kiersten White bedient sich einem leicht verständlichen und emotionsgeladenen Erzählstil, der auf die jugendliche Zielgruppe ausgerichtet ist. Mit viel Liebe zum Detail und einer Menge Wortwitz beschreibt die Autorin nicht nur ihre liebenswerten Figuren, auch die Schauplätze ihrer humorvollen und magischen Handlung werden faszinierend beschrieben. Schnell entsteht so ein dreidimensionales Bild vor dem Auge des Lesers. Die für andere Jungendbücher typischen verbalen Ausfälle wurden hier interessant und humorvoll gelöst, was zu einem deutlichen und vor allem witzigen Pluspunkt führt. Auch die Romantik kommt hier nicht zu kurz, passend zum Alter der Protagonisten entfaltet sich diese sanft und daher sehr authentisch.

Der erste Band der Trilogie endet abgeschlossen und trotzdem werden genug Fragen offengelassen, um den Leser auf die weiteren Bände neugierig zu machen.

Gleich zu Anfang wird der Leser in die spannende, aber auch humorvolle Geschichte hineingeschubst. Man findet sich auf einem düsteren Friedhof wieder, auf dem ein Vampir es kaum fassen kann, dass unsere Heldin Evie nicht gleich vor Schreck und Angst umfällt. Der Spannungsbogen wird nach diesem Vorfall erst einmal in einem niedrigen Bereich gehalten und der Leser bekommt erst einmal einen Einblick in Evies Leben und lernt auch die anderen für diese Geschichte wichtigen Charaktere kennen. In dem Moment, wo der geheimnisvolle Lend dann die Bildfläche betritt, zieht der Spannungsbogen sehr deutlich an. Nicht nur der Tod vieler paranormaler Wesen beeinflusst diesen, auch das rätselhafte Geheimnis um Evie und die düstere Prophezeiung, schaffen es hier, den Leser an das undurchsichtige Geschehen zu fesseln.

Aus der Perspektive Evies erzählt, fällt es dem Leser sehr leicht in die Haut der liebenswerten Protagonistin zu schlüpfen. Evie erzählt, wie ihr der jugendliche Schnabel gewachsen ist und legt auch ihre Sehnsüchte offen. Gemeinsam mit der liebenswerten Figur macht sich der Leser so auf, das Geheimnis um Evie und die mysteriöse Prophezeiung zu lüften. Ihre Geschichte erzählt Evie mit so viel Witz, Aufrichtigkeit und Liebenswürdigkeit, dass der Leser sie schon fast nur lieben kann.

Ansprechend und sehr authentisch sind die einzelnen Darsteller konzipiert. Keiner gleicht dem anderen und facettenreiche Charaktereigenschaften machen es dem Leser nicht immer leicht hinter die Gesichter zu blicken.

Allen voran wird Evie sehr glaubwürdig und vielschichtig beschrieben. Nicht nur ihre Liebe zu glitzernden und vor allem zu rosafarbenen Accessoires macht dieses toughe Mädel aus. Vor allem besticht sie durch Mut, Gradlinigkeit und auch eine gute Portion Selbstironie. Auch ihre Sehnsucht nach ein wenig Normalität, und sei es nur ein ganz normaler Schulbesuch statt des ewigen Privatunterrichts, kommt deutlich zum Ausdruck. Aufgewachsen zwischen Erwachsenen und deutlich älteren Paranormalen, ist es nur logisch, dass sie sich direkt zu dem gleichaltrigen Lend hingezogen fühlt.

Lend ist ein Gestaltenwandler der besonderen Art, er hat sich nicht auf ein Cover festgelegt, sondern wechselt diese nach Lust und Belieben. So kann es durchaus passieren, dass Evie sich selbst gegenübersitzt. Dem Leser dürfte schnell klar sein, dass Lend wenig Böses im Sinn hat, auch wenn seine Herkunft geheimnisvoll bleibt.

Bei den weiteren Charakteren sorgt die Autorin immer wieder für Überraschungen, sodass die Handlung niemals vorhersehbar ist.

Besonders gut haben mir auch die diversen Nebencharaktere gefallen, hier wurde nicht nur dem Vampir als dem Wesen schlechthin Raum gegeben. Auch Moorhexen, Trolle, Feen (die nicht immer so süß sind, wie man gemeinhin glaubt), Wassergeister und Nixen tummeln sich in der ansprechenden Geschichte.

Auch das Cover verdient lobende Worte, der Verlag ist ja nicht nur für geniale Bücher bekannt, auch die Gestaltung der einzelnen Cover gelingt immer wieder meisterhaft. Im vorliegenden Fall wurde ein ansprechendes Cover gestaltet, das nicht nur durch die Farbkombination ins Auge fällt. Gelungen ist hier dann auch das Design der Kapitelüberschriften, die eine florale Grafik zeigen. Besonders liebenswert sind die in pink gedruckten Seitenzahlen und das passende Lesebändchen in grau.

_Fazit_

Mit „Flames ’n‘ Roses – Lebe lieber übersinnlich“ hat die Autorin Kiersten White einen vielversprechenden Start einer übersinnlichen und spannenden Trilogie veröffentlicht, die nicht nur durch außergewöhnliche und sympathische Figuren hervorsticht.

Die Mischung aus altbekannter Fantasy gepaart mit neuen Ideen ist der Autorin hervorragend gelungen. Kiersten White hat gekonnt in ihren magischen Plot eine jugendlich frische Romanze eingewoben.

Mir hat das Buch überraschend gut gefallen und schon jetzt freue ich mich auf die beiden Folgebände.

_Autorin_

Kiersten White hat einen großen Mann und zwei kleine Kinder. Sie lebt in San Diego, nahe dem Meer, wo sie ihre Tage vollkommen normal verbringt. Diese Fülle an Normalität hat dazu geführt, dass sie alle paranormalen Dinge absolut faszinierend findet – unter anderem Feen, Vampire und Popkultur.

„Flames ’n‘ Roses“ ist ihr erstes Buch. (Verlagsinfo)

|Gebundene Ausgabe: 380 Seiten
ISBN-13: 978-3785572382
Originaltitel: Paranormalcy|
[www.loewe-verlag.de]http://www.loewe-verlag.de

Powell, Laura – Spiel des Schicksals, Das

_|Tarot|:_

Band 1: _“Das Spiel des Schicksals“_
Band 2: „Der Lord des Chaos“ (09.01.2012)

_Cat ist fünfzehn_ und lebt in London. Da laufen eine ganze Menge durchgeknallter Typen herum, insofern erscheint ihr der nervöse, schwitzende Kerl, der sie auf der Straße überraschend um Hilfe bittet, nicht wirklich auffällig. Doch dann fällt ihr auf, dass der Mann tatsächlich verfolgt wird, und jetzt ist ihre Neugierde geweckt …

_Cats Geschichte_ spielt in zwei verschiedenen Dimensionen. Die eine ist das, was man gemeinhin als Realität bezeichnet, die andere ist die Welt des „Spiels“, das Arkanum. Und diese Welt ist nicht so leicht zu fassen. Das liegt zum einen daran, dass die Szenen, die dort spielen, eher kurzgehalten sind, zum anderen daran, dass ihr Erscheinungsbild offenbar auch von demjenigen abhängt, der sich dort aufhält. Auch ist die Autorin bisher noch recht geizig mit Informationen. Die Grundidee beruht auf einem Satz Tarot-Karten, und wer davon keine Ahnung hat – so wie ich – , weiß manchmal nicht so recht, worum es da eigentlich gerade geht. Genau wie Cat. Im Laufe der Handlung wird das zwar besser, aber so richtig den Durchblick hatte ich auch ganz am Ende noch nicht. Trotzdem fand ich die Idee des Kartenspiels richtig gut. Sie ist völlig neu und unverbraucht und bietet zahllose Möglichkeiten unterschiedlichster Szenarien, die die Autorin bisher gerade mal gestreift hat.

Die Figuren, die die Autorin in diesen Kontext gesetzt hat, sind nicht allzu zahlreich. Die Hauptperson ist Cat, aus ihrer Sicht wird erzählt. Cat ist eine Waise und lebt bei ihrer Tante Bel, zu der sie ein gutes und inniges Verhältnis hat. Der Welt hingegen traut sie nicht besonders. Häufige Umzüge haben dazu geführt, dass sie keine Freunde hat, und sie scheint auch keine Interessen oder Ziele zu haben. Auch das Spiel fasziniert sie nicht wirklich, sie spielt es nur, weil sie Antworten sucht. Dennoch scheint der Umgang mit den anderen Jokern sie allmählich aus ihrer mürrischen Reserve zu locken.

Toby wirkt in seiner überschäumenden Begeisterung ein wenig naiv. Er nimmt das Spiel nicht ernster als irgendein Online- oder Rollenspiel, man könnte fast meinen, er hält das Arkanum für keine gleichwertige Dimension. Aber er ist gutmütig, hilfsbereit und aufgrund seiner leichten Dickfelligkeit auch nicht nachtragend.

Flora, das Mädchen aus reichem Hause, wirkt zunächst ausgesprochen abweisend. Aber nachdem sie Cats Hartnäckigkeit erkannt hat, gibt sie nach und taut im Laufe des gemeinsamen Abenteuers sogar ein wenig auf. Sie ist ziemlich hartgesotten, fast schon ein wenig zynisch, aber auch entschlossen, und sie hat bereits einige Erfahrung mit dem Arkanum.

Blaine ist der Geheimnisvolle in der Runde, nicht nur, weil er als letzter dazukommt, sondern auch, weil er kaum den Mund aufmacht. Sein Zynismus schlägt selbst den von Flora, sein Misstrauen gegenüber dem Rest der Welt sogar Cats.

Besonders angenehm an dieser Charakterzeichnung empfand ich die Tatsache, dass keiner der vier in irgendeine Schablone passt. Schade fand ich dagegen, dass die Könige und Königinnen des Spiels so wenig Tiefe besaßen. Einzig der König der Schwerter besaß ein wenig Persönlichkeit, sodass ich zumindest sagen kann, dass ich ihm nicht traute. Alle anderen blieben so nebensächlich, dass sie keiner Erwähnung wert sind. Ein Sonderfall ist der Gefangene im Keller, der wohl absichtlich so wenig ausgearbeitet wurde.

Was die Handlung angeht, so entwickelt sie sich nur ganz allmählich. Tatsächlich ließ Laura Powell sich damit so viel Zeit, dass ich mich bereits bei der Hälfte fragte, wann es denn endlich einmal losgeht. Cat hält das Spiel zunächst für Humbug, nur was für Spinner wie Toby. Bis Cat schließlich angebissen hat, vergehen hundert Seiten, danach muss sie erst mal Flora weichklopfen, und bis das Quartett sich endlich vollständig zusammengefunden hat, vergehen weitere hundert Seiten. Damit sind bereits zwei Drittel des Buches gelesen, und für das eigentliche Abenteuer und den Showdown bleiben nur noch weitere hundertdreißig Seiten. Da ist für Verwicklungen oder Schwierigkeiten in größerem Stil natürlich nicht mehr viel Raum. Kein Wunder also, dass die vier ihre Aufgaben in ziemlich raschem Tempo abarbeiten. Trotzdem ist es der Autorin gelungen, die Spannungsschraube spürbar anzuziehen, und die Entwicklung großteils unvorhersehbar zu halten.

_Mit anderen Worten:_ das Buch ist wirklich klasse. Mancher könnte sich vielleicht ein etwas höheres Erzähltempo wünschen, oder ein paar Infos mehr über die Funktionsweise des Spiels oder die Bedeutung der Spielkarten. Mich dagegen hat es nicht gestört, dass Cat so zögerlich in diese Sache hineinrutscht, es passt viel besser zu ihrem Charakter. Und die eher spärlichen Informationen machen die Sache zwar verwirrend, aber auch hautnaher. Man kann sich besser in Cats Situation hineinversetzen. Mir persönlich hätte es gut gefallen, wenn die Könige und Königinnen etwas deutlicher herausgearbeitet worden wären, andererseits spielen sie eigentlich keine allzu große Rolle, und so hat die Autorin sich wohl zu Recht auf den König der Schwerter konzentriert, quasi stellvertretend für alle. Vom Aufbau her ist das Buch eher schlicht gestrickt. Es bezieht seine Stimmung und seine Spannung hauptsächlich aus der unvorhersehbaren, verwirrenden und vielfältigen Dimension des Spiels und kommt ohne große Intrigen, blutige Kämpfe, ja selbst ohne einen echten Bösewicht aus. Zumindest bisher. Eines ist allerdings vollkommen klar: Dass die vier auf den Gefangenen im Keller gehört haben, werden sie noch bitter bereuen!

Das beantwortet die Frage nach dem Schluss der Geschichte. Nein, sie ist nicht zu Ende. Sie scheint jetzt erst richtig anzufangen. Denn das Quartett hat zwar sein primäres Ziel erreicht, aber die Antworten auf seine Fragen noch nicht erhalten. Das Spiel wird also weitergehen, und zwar unter völlig neuen Bedingungen. Außerdem dürfte der zweite Teil zu einem wesentlich größeren Teil als der Erste in der Welt des Arkanums spielen, da die Vier das Stadium des Zuschauers nun ja hinter sich gelassen haben. Ich muss gestehen, ich bin jetzt schon gespannt darauf, wie es Cat und ihren Mitspielern im nächsten Band ergehen wird.

_Laura Powell_ ist in Wales aufgewachsen und studierte Altphilologin. Nach einer Kindheit voller Bücher und fünf Jahren Verlagstätigkeit hat sie mit „Das Spiel des Schicksals“ ihr erstes eigenes Jugendbuch vorgelegt. Der zweite Teil der Geschichte erscheint voraussichtlich im Januar 2012 unter dem Titel „Der Lord des Chaos“.

|Taschenbuch: 331 Seiten
Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 12 Jahre
Originaltitel: |The Game of Triumphs|
Deutsch von Alexandra Ernst
ISBN-13: 978-3570307434|
[www.laurapowellauthor.com]http://www.laurapowellauthor.com
[www.randomhouse.de/cbt]http://www.randomhouse.de/cbt/index.jsp

Die drei ??? – Top Secret Edition

_Die Handlungen:_

|“Brain Wash – Gefangene Gedanken“:| Als in einer Woche gleich zwei Bekannte der drei ??? verschwinden, vermuten die Jungen, dass die Sekte SynRea dahinter stecken könnte. Um die Vermissten zurückzuholen, fliegen die drei Detektive nach New York und treten in einer Undercoveraktion der Sekte bei. Schon bald stellt sich heraus, dass die vermissten Jugendlichen tatsächlich dort sind. Was jedoch als einfache Rückholaktion geplant war, entpuppt sich zunehmend als unlösbare Mission – denn die Mächte der SynRea-Gruppe scheinen auch von Justus, Peter und Bob Besitz zu ergreifen …

|“High Strung – Unter Hochspannung“:| Justus will bei einer Radioshow 5000 Dollar gewinnen. Die Regeln sehen vor, dass dazu täglich ein Rätsel gelöst und ein Gegenstand eingesammelt werden muss. Wer alles gefunden hat und es zum Sponsor der Sendung bringt, bekommt das Geld. Ein weiterer Preis ist eine alte Gitarre, die aber scheinbar niemand haben will. Plötzlich wird auf dem Schrottplatz eingebrochen und den drei Detektiven ist schnell klar, dass es jemand auf Justus‘ gesammelte Gegenstände abgesehen hat. Aber wer sollte das sein? Gemeinsam machen sich die drei ??? auf die Suche nach dem Dieb und geraten in ein gefährliches Abenteuer …

|“House of Horrors – Haus der Angst“:| In der Geisterbahn im Freizeitpark geschehen merkwürdige Dinge. Schreckliche Schreie, ertönen, die mit Sicherheit nicht zum Programm dazugehören. Du musst schnellstmöglich mit Justus, Peter und Bob herausfinden, was dahinter steckt. Aber Vorsicht: Eine falsche Entscheidung, und ihr seid für immer verloren! Es liegt an dir. Du kannst den Weg durch das Horrorhaus schaffen. Oder auch nicht …
(Verlagsinfos)

_Mein Eindruck:_

Was sagt der altgediente „Drei ???“-Fan dazu? Drei „verlorene“ Schätze aus den Jahren 1986, 1989 und 1991 tauchen zu einer Zeit auf, als nicht wenige ältere Fans immer häufiger bemängeln, dass das ja schon lange nicht mehr „ihre Drei ???“ wären und die Fälle eh immer langweiliger würden.

|Brainwash – Gefangene Gedanken (1989)|

Der Verlag gibt in zwei Vorworten (einem für junge und einem für erwachsene Leser) Infos dazu, was es Ende der 80er Jahre so alles gab und was nicht, damit sich der unbedarfte Leser nicht wundert, warum die drei nicht einfach mal im Internet recherchieren. Videorekorder, Modems, Floppy-Disks, den Kalten Krieg und TV-Prediger, um die es auch in |Brainwash| geht, sind hier zu erleben. Außerdem wird erklärt, dass die Jungs in dem Buch schon 17 sind und einen Führerschein haben. Diese Veränderung wurde vorgenommen, weil die Jungs der Konkurrenzserie „Hardy Boys“ auch gealtert waren. Dennoch kam das bei den Fans der Serie nicht an und sie wurde eingestellt, |Brainwash| erschien in den USA nicht mehr.

Durch die ganzen klassischen Utensilien, derer sich die drei Detektive bedienen, kam bei mir schon Retro-Feeling auf. Auch hebt sich die Story schon dadurch von vielen anderen Geschichten ab, dass es hier nicht um mystische Gegenstände oder unheimliche Vorgänge geht. Es geht um eine Sekte, die jungen und ahnungslosen Opfern das Gehirn vernebelt und sie finanziell ausnimmt. Der Einzige, der von dem Ganzen profitiert, ist der Sekten-Guru.

Dass es am Ende dann ein wenig zu einfach ist, sich in die Sekte einzuschmuggeln und der ganze Fall dann auch sehr schnell gelöst wird, na gut, es ist ja ein Jugendbuch, dem sei das verziehen. Dennoch habe ich mehr Dramatik verspürt und mehr mit den Jungs mitgefiebert als bei diversen anderen Erlebnissen, die vom Titel her wesentlich spannender klangen.

Lustige Seitennotiz zum Cover: Nachdem einige Fans angemerkt hatten, dass der Sektenchef auf dem Titel unserem Papst Herrn Ratzinger verdächtig ähnlich sehen würde, hat der Verlag das Bild nachträglich verändert. Wer im Internet ein wenig sucht, kann das alte Cover aber noch entdecken und sich seine eigene Meinung bilden.

|High Strung – Unter Hochspannung (1991)|

Auch hier gibt der Verlag in zwei Vorworten für die zwei Zielgruppen ein paar interessante Infos, was sich im Vergleich zum Jahr 1989 im Jahr 1991 so alles getan hat. Die CD hielt ihren Siegeszug sogar in tragbarer Form und auf ihr war oftmals die Musik von Madonna oder Michael Jackson zu hören.

Die Jungs, die immer noch „Crimebusters“ hießen und extrem hip sein sollten, kamen wie schon beim vorigen Band erwähnt, beim Publikum nicht an und deshalb wurde auch diese Folge nie veröffentlicht. Welcher heutige „Drei ???“-Fan möchte die Jungs zusammen mit Mädels, Autos und Musik ermitteln lassen? Bob als Frauenheld und Peter als beziehungsgestresster zweiter Detektiv, der nebenbei gegen Geld Autos repariert, würden auch heute bei allen Zielgruppen nicht so gut ankommen.

Auch wenn die Jungs in diesem Fall alle zusammen Justus bei der Preis-Schnitzeljagd helfen oder besser gesagt, nach demjenigen suchen, der ständig Justs Schnitzel klaut, damit er nicht gewinnt, fehlt mir der Zusammenhalt der Jungs. Jeder macht irgendwie sein eigenes Ding und nebenbei lösen sie Fälle, „Wir übernehmen jeden Fall, wenn wir grad mal alle Zeit haben.“

Auch, wer für die Diebstähle verantwortlich ist, lässt die Autorin einen der Bösewichte so offensichtlich und unzweifelhaft vor dem Ende schon verraten, dass es eigentlich ab diesem Zeitpunkt keinen Spaß mehr macht, weiterzulesen. Es fehlt lediglich die Auflösung, ob Justus das Geld gewinnt oder nicht.

Bei der Übersetzung ist mir nur ein Schnitzer aufgefallen. Bei „Doktor Ax Me“ wurde das „Ax“ mit „feuern/entlassen“ übersetzt. Das hätte dann allerdings „axe“ heißen müssen. Da es in diesem Fall aber um einen „Doktor“ geht, wäre die richtige Übersetzung „ask“, also „fragen“ gewesen, das umgangssprachlich und als Slang auch als „ax“ gesprochen wird.

Ach so, und der in einer Fußnote erwähnte US-Präsident Eisenhower war der 34. und nicht der 4. Präsident, da hat wohl jemand eine 3 unterschlagen.

Lustige Seitennotiz zu dieser Geschichte: Der Übersetzerin dieses Romans wurde der Schluss nicht zugeschickt. Kurz bevor sie sich daranmachen wollte, selbst einen zu erfinden, tauchte in den USA dann doch noch der Rest der Geschichte auf und wurde nachgereicht. „Die drei ??? und das verschwundene Ende“ sozusagen.

|House of Horros – Haus der Angst (1986)|

Dies ist kein normales „Drei ???“-Abenteuer, sondern ein „FYF-“ („Find Your Fate“) oder auch „Mitmach-„Fall. In den 80ern gab es ein paar Versuche, um jungen Leuten mehr Spaß beim Lesen zu bereiten und sie aktiv ins Geschehen mit einzubeziehen. Mit am bekanntesten war nicht nur hierzulande die Reihe „Einsamer Wolf“.

In den USA wurden vier Fälle der „Drei ???“ auf diese Weise umgesetzt, bei uns ist dieses Buch das Erste seiner Art.

Nach den üblichen zwei Vorworten für die zwei Zielgruppen, die den anderen beiden recht ähnlich sind, wird dem Leser kurz erklärt, worum es in diesem Buch geht und dass er die wichtigen Entscheidungen selbst treffen darf und muss und die Jungs aus Rocky Beach ihm nur beratend zur Seite stehen.

Die Autoren sprechen den Leser immer direkt mit „du“ an und beschreiben, was der Leser gerade macht und was er erlebt. Spätestens nach zwei Seiten muss man dann auf einer unten angegebenen Seite weiterlesen oder bekommt die Möglichkeit, sich zwischen zwei oder drei Aktionen zu entscheiden. Diese Entscheidungen bringen den Leser dann jeweils wieder auf andere Seiten, wo er dann weiterlesen kann oder im schlimmsten Fall das abrupte Ende der Geschichte erlebt.

Das Problem an der ganzen Sache ist, dass der Spaß recht schnell auf der Strecke bleibt, wenn man mehr als zweimal in eine Sackgasse gerannt ist und das Wort „Ende“ lesen musste. Wer jetzt nicht „schummelt“ und einfach zur letzten Entscheidungskreuzung zurückgeht und einfach die andere Möglichkeit wählt, der muss komplett von vorn anfangen zu lesen.

Ich selbst bin beim Lesen fünfmal „gescheitert“ und hatte nach dem dritten Mal zunehmend weniger Spaß. Zwar habe ich eine Logikschwäche, aber nicht immer ging es nach der Entscheidung so weiter, wie ichs erwartet hatte. Der Lesefluss wird nicht nur durch das ständige Hin- und Herblättern gebremst, sondern auch durch unerwartete Pausen in der Handlung. Oftmals ging ich davon aus, dass es direkt weitergehen würde, aber die Ermittlungen fanden dann erst am nächsten Tag statt. Wohl deshalb, weil man auch von einer anderen Stelle im Buch zu dieser Seite gelangen konnte.

Trotzdem hat der Roman einen roten Handlungs-Faden, der sich trotz der vielen Entscheidungsmöglichkeiten deutlich abzeichnet. Langweilig wird es auch nicht, allein schon deshalb nicht, weil der Leser ständig blättert und hofft, nicht wieder auf ein „ENDE“ zu stoßen. Und nebenbei löst er ja auch noch einen Fall.

Eine interessante Idee, aus einer Zeit, als man seine Adventure-Spiele noch nicht am PC, sondern in Buchform erlebt hat. Heutzutage macht es schon Spaß, das Ganze noch einmal zu spielen, besonders, wenn man dieses Mitmach-Prinzip noch nicht kennt. Wer aber mit PC-Spielen aufgewachsen ist, der könnte recht schnell frustriert werden … außer er benutzt einen Finger zum Zwischenspeichern zwischen den Seiten.

_Die Autoren_

|Peter Lerangis| ist preisgekrönter Autor von über 160 Büchern. Für die „Die drei ???“ hat er zwei Bücher geschrieben, wovon nur eines veröffentlicht wurde. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in New York.

Das Autorenehepaar |Megan und H. William Stine| schrieb insgesamt fünf „Die drei ???“-Bücher. Megan ist Chefredakteurin, Fotografin und Autorin zahlreicher Kinder- und Jugendbuchreihen. Ihr Mann ist Filmproduzent und schreibt ebenfalls erfolgreich für Kinder und Jugendliche.

|Gayle Lynds| hat drei „Die drei ???“-Geschichten geschrieben, die von 1989-1990 unter ihrem Pseudonym G. H. Stone veröffentlicht wurden. Sie ist Bestseller-Autorin und war mit dem „Die drei ???“-Autor Denis Lynds (William Arden) bis zu seinem Tod 2005 verheitratet.
(Verlagsinfos)

_Mein Fazit:_

Zwei Romane und ein Mitmach-Spielbuch in einem schönen Schmuckschuber. Einmal kommt Retro-Feeling auf, einmal erlebt der Fan, warum die Veränderung der Jungs in den USA statt zum Erfolg zur Einstellung der Serie geführt hat. Und einmal darf man sich als vierter Detektiv zu Justus, Peter und Bob gesellen und auch noch selbst entscheiden, wie es weitergeht.

Für Fans eine absolute Empfehlung, gerade für die, an die sich das jeweils zweite Vorwort richtet.

|Hardcover: 3 x 128 Seiten im Magnetverschluss-Schuber
Originaltitel: Brainwash / House of Horrors / High Strung
Aus dem Englischen von Kari Erlhoff und Astrid Vollenbruch
ISBN: 978-3440124932|
[www.kosmos.de]http://www.kosmos.de

Über 80 weitere Rezensionen zu den |Drei ???| gibts in unserer [Datenbank]http://buchwurm.info/book zu entdecken.

Cast, P.C. & Kristin – Versucht (House of Night 6)

_|House of Night|:_
Band 1: [„Gezeichnet“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6374
Band 2: [„Betrogen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6277
Band 3: [„Erwählt“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6550
Band 4: [„Ungezähmt“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6755
Band 5: [„Gejagt“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6949
Band 6: _“Versucht“_
Band 7: „Verbrannt“ (erscheint am 12.08.2011)
Band 8: „Awakened“ (noch ohne dt. Titel)

Sie haben es geschafft, Zoey und ihre Freunde haben Neferet und Kalona mitsamt der Rabenspötter aus Tulsa vertrieben. Viel Zeit nun endlich mal Luft zu holen und sich von den davongetragenen Wunden und den nur knapp entronnenen Tod zu erholen bleibt den Jungvampiren dennoch nicht.

Nicht nur, dass Zoey von beängstigten Träumen geplagt wird, auch Aphrodite hat eine verstörende Vision, in der Kalona eine tragende Rolle spielt. Den Jungvampiren ist klar, dass sie um jeden Preis die Erfüllung dieser Vision verhindern müssen.

Dies sollen aber nicht die einzigen Probleme der Jungvampire bleiben. Stevie Raes dunkles Geheimnis bedroht nicht nur die Freundschaft zu Zoey, die ihrer besten Freundin kaum noch traut, auch alle anderen Vampire des House of Night und sogar Stevie Rae schweben in großer Gefahr.

Wird Stevie Rae die richtige Entscheidung treffen?

_Kritik_

Mit dem sechsten Teil „Versucht“ haben die Autorinnen P. C. und Kristin Cast die Serie um das House of Night spannend und in bekanntem Stil erweitert. In gewohnt jugendlichem Sprachstil erzählen uns die Autorinnen, wie es nach der Schlacht gegen die abtrünnige Neferet und den unsterblichen Kalona mit den jungen Protagonisten weitergeht. „Versucht“ schließt direkt an den Vorgänger „Gejagt“ an und erzählt die Geschichte spannend und sehr unterhaltsam weiter.

Dem gewählt düsteren Plot um die Vampire und Jungvampire bleiben die Autorinnen treu, dabei schaffen sie es trotzdem, auch im sechsten Band immer neue Ideen überzeugend und abwechslungsreich einzuflechten. Auch die Umgebung wird um immer neue Facetten reicher und eine düstere Grundstimmung glaubwürdig dem Leser übermittelt. Der gewohnt saloppe Sprachstil ist auf die Zielgruppe der jugendlichen Leser(innen) ausgerichtet. „Versucht“ liest sich dementsprechend flüssig, ohne dabei völlig übertrieben zu wirken.

Lediglich der Einstieg in die nächsten Abenteuer der Jungvampire um Zoey Redbird liest sich etwas schleppend. Doch bereits nach wenigen Seiten nimmt der Roman rasch an Fahrt auf und bleibt bis zum dramatischen Ende atemberaubend spannend.

Wurden die vorangegangenen fünf Bände der beliebten Serie nur aus der Sicht von Zoey erzählt, dürfen sich die Leser nun auf einen interessanten Perspektivwechsel freuen. Zwar wird ein Großteil der Geschichte noch immer aus der Sicht Zoeys erzählt, aber auch andere Figuren wie Stevie Rae werden mehr ausgeleuchtet. Zusätzlich zu Zoey selber erzählt nun auch ein unabhängiger Beobachter, was einige der Charaktere erleben und was sie zu ihren Taten und Entscheidungen antreibt. Somit richtet sich der Fokus nicht mehr nur alleine auf Zoeys (Liebes)Leben, sondern die Handlung an sich bekommt deutlich mehr Raum, sich zu entfalten. Dieser Aspekt tut der Serie ungemein gut.

Die verschiedenen, größtenteils bekannten Darsteller bleiben sich selber treu und entwickeln sich passend zum Plot authentisch weiter. Eine „Gabe“ teilen sich jedoch die meisten der durchaus ansprechenden Protagonisten, jeder schafft es, durch manchmal wirklich dumme Fehler ein verheerendes Chaos anzurichten. Dies mag der Handlung an sich zwar interessante Perspektiven bieten, der Leser dürfte aber trotzdem ab und an verzweifelt mit dem Kopf schütteln.

Auch bleibt festzustellen, dass eine Erwählte der Nyx schlicht nicht monogam leben kann. Allerdings muss Zoes zugutegehalten werden, dass sie sich nunmehr nur noch in zwei Beziehungen zu verwickeln droht. Die Anziehungskraft zu dem gefallenen Kalona bekämpft sie hartnäckig und einem ihrer Verehrer gibt sie den verdienten Laufpass. Somit wurde in dieser Beziehung schon mal aufgeräumt und Zoey verdient sich durch ihr Verhalten wieder den einen oder anderne Pluspunkt.

Weiter ausgebaut wird Stevie Rae, diese geheimnisvolle Figur bekommt mehr Raum zugedacht, was der Geschichte wirklich Auftrieb gibt. Auch wenn die Leser ihr Verhalten nicht immer für gut befinden werden, bleibt es doch glaubwürdig und sogar verständlich.

Starke Persönlichkeiten sind auch Zoeys Krieger Stark und ihr menschlicher Freund Heath, mit dem Zoey eine Prägung, die wahrscheinlich intensivste Bindung, die es zwischen zwei Lebewesen gibt, hat. Keiner der beiden gibt kampflos auf und Stark sowie Heath sind dazu bereit, Zoey im Zweifel auch mit ihrem eigenen Leben zu beschützen.

Die Entfaltung der weiteren Figuren aus Zoeys Umkreis ist weiterhin als vorteilhaft zu bezeichnen.

Das Cover passt ausgezeichnet zu den fünf ersten Bänden. Farbe und Stil sind gleichbleibend und durch das gewählte Motiv lässt sich ein kleiner Anhaltspunkt zu den Ereignissen knüpfen.

_Fazit_

Mit „Versucht“ haben die Autorinnen P. C. und Kristin Cast den bisher besten Teil ihrer „House of Night“-Serie veröffentlicht. Abwechslungsreich, spannend und absolut interessant überzeugt hier nicht nur die Handlung, sondern auch die glaubwürdigen Darsteller. Ein Pluspunkt ist auch eindeutig die Wahl, nicht nur noch aus Zoeys Sicht die Geschichte zu erzählen, sondern auch anderen Figuren mehr Gewicht beizumessen.

Für mich ist „Versucht“ eine absolute Steigerung zu den ersten fünf Teilen der Serie und ich hoffe, dass die Autorinnen die Geschichte weiter wachsen lassen.

Nach „Versucht“ freue ich mich nun auf „Verbrannt“, der siebte Teil der erfolgreichen Serie wird im August erscheinen.

_Autorinnen_

Phyllis und Kristin Cast sind das erfolgreichste Mutter-Tochter-Autorengespann weltweit. Sie leben beide in Oklahoma, USA.

„House of Night“ erscheint in über 40 Ländern und hat weltweit Millionen von Fans.

|Gebundene Ausgabe: 597 Seiten
ISBN-13: 978-3841420060
Originaltitel: Tempted|
[www.fischerverlage.de]http://www.fischerverlage.de

Stine, Megan & H. William; Lerangis, Peter; Lynds, Gayle (als Stone, G. H.) – Die drei ??? – Top Secret Edition

Alle amerikanischen „Die drei ???“-Bücher wären längst übersetzt, dachten viele. Dass dem nicht so ist, kann man seit April 2011 in der „Top Secret Edition“ lesen. Dort finden sich nämlich drei Titel, welche es in Zeiten des Umbruchs der „Three Investigators“ zu den „Crimebusters“ (Zwischen 1986 – 1991) in ihrem Ursprungsland nicht (mehr) zu uns bzw. in die deutsche Übersetzung schafften. Darunter sogar ein hierzulande recht unbekanntes „Find your Fate“-Konzept (kurz: FYF), bei dem der Leser eine entscheidende Rolle beim Fortgang der Geschichte übernimmt. Ähnlich dem eines Adventures auf dem Computer. Die drei Erstveröffentlichungen kommen wie üblich aus dem Hause |Kosmos| und im schicken, magnetisch verschlossenen Schmuckschuber daher.

_Band 1: |House of Horrors – Haus der Angst|_

„Find your Fate – Finde dein Schicksal“. Diese Mitmachgeschichte aus dem Jahr 1986 bindet den Leser mit in die Story ein. Dabei ist innerhalb des Buches zu springen, wann immer man entweder dazu aufgefordert wird bzw. die Auswahlmöglichkeit angeboten bekommt, dem einen oder dem anderen Handlungsstrang zu folgen. Diese führen aber nicht selten in Sackgassen oder es ist ein Umweg zur endgültigen Lösung dieses ungewohnt ablaufenden Falles. Geschrieben hat ihn das amerikanische Autorenpaar Megan und H. William Stine, die noch vier weitere „Drei ???“-Bücher in ihrer Bibliographie aufweisen könnnen. Darunter mit „Der weinende Sarg“ ein weiterer FYF, welcher allerdings seinerzeit von Übersetzerin Leonore Puschert für den deutschen Markt in einen „normalen“ Fall umgewandelt wurde.

Die Story ist an sich recht simpel gestrickt und mit wenigen Worten wiedergegeben: Der Leser ist nach seltsamen Vorkommnissen in der Geisterbahn „House of Horrors“, sozusagen Auftraggeber der Drei ??? und gleichzeitig Aspirant auf die (imaginäre) Stelle des „Vierten“ Detektivs. Während es die ersten Seiten für das Grundgerüst noch linear vonstattengeht, gibt es alsbald mehr oder weniger fröhlich kreuz und quer durchs Buch. Je nachdem für welche Fährte man sich eben entscheidet, gelangt man entweder einen Schritt weiter oder es droht nicht selten ein unrühmliches Ende. Darunter auch welche, die sehr endgültigen Charakter für das Alter-Ego des Lesers haben. Manche Nebenhandlung bekommt man vielleicht überhaupt nicht mit, sofern man sich immer „richtig“ entscheidet und somit den kürzesten Weg geht – was allerdings ziemlich unmöglich sein dürfte.

|Zwischenresümee No. 1|

Vierter Detektiv gleich fünftes Rad am Wagen? Nervöses Blättern statt entspanntes Lesen? Allen Vorbehalten des in Ehren (teil)ergrauten, rezensierenden Alt-Fans zum Trotz hat dieses FYF-Teil was. Einen schön schwarzen und teilweise – zumindest für ein Jugendbuch – recht morbiden Humor nämlich. Allein aus diesem Grund lohnt es sich nach (hoffentlich) erfolgreichem Abschluss des eigentlich ziemlich kurzen Falles den anderen Möglichkeiten nachzugehen und dabei allerlei Schräges zu entdecken. Und obendrauf einen nicht geringen Schuss Selbstironie, denn ganz so ernst nimmt sich „House of Horrors“ nicht und zieht so einige Serien- wie auch Achtzigerjahre-Klischees ordentlich und gekonnt durch den Kakao. Ein paar kleine Lektoratsfehler trüben das Bild nicht, zudem gibt es ein Wiedersehen mit Gönner & Mentor Afred Hitchcock – Pardon: Albert Hitfield.

_Band 2: |Brainwash – Gefangene Gedanken|_

Es erfolgt der Sprung ins Jahr 1989, zu einer Story von Peter Lerangis. Der hat insgesamt nur zwei Bücher zu den Drei ??? beigesteuert: Eben „Brainwash – Gefangene Gedanken“ und „Gefahr im Verzug“. Dies hier ist der lange verschollene und nie veröffentlichte zwölfte Fall für die „Crimebusters“, wie das Trio Ende der Achtziger in den USA nun plötzlich hieß. Justus, Peter und Bob sind inzwischen siebzehnjährige Teenager mit Führerschein/Auto und gar einer Kampfsportausbildung. Peter bekam Kelly Madigan als Freundin und Bob arbeitet nebenher bei „Rock Plus“, der Musikagentur Sax Sandlers. Allesamt Umstände, die speziell beim vorliegenden Fall eine nicht unwichtige Rolle spielen.

Bei „Gefangene Gedanken“ geht es um das Thema (New Age) Sekten und deren Manipulationen insbesondere von Jugendlichen. Die Drei ??? werden von den Rademachers zur Hilfe gerufen, denn ihr Sohn Ben hat ihnen in letzter Zeit nicht viel Freude bereitet – Nun ist er sogar abgehauen, mitsamt seinen Ersparnissen. Ähnliches trifft wenig später auch auf Slide zu, den Gitarristen einer jungen Newcomer-Rockband, welche Bob gerade für „Rock Plus“ betreut. Es scheint, dass im Ausstieg der beiden ein Zusammenhang besteht – obwohl die Motive sehr unterschiedlich sind. Das Verbindungsglied heißt „SynRea“, eine Vereinigung mit ganz offenkundigem Sektencharakter. Doch die sitzen in der Nähe von New York. Dennoch machen sich die drei Detektive auf, die beiden Ausreißer genau dort aufzustöbern. In der Höhle des Löwen warten allerdings viele Verlockungen – und noch mehr Gefahren.

|Zwischenresümee No. 2|

Ein straffer und taffer Einsatz für die Juniordetektei. Taff deswegen, weil er sehr erstens ein sehr ernstes Thema hat und zweitens, weil er eher actionlastig ausgelegt ist, wobei die Kampfsportausbildung der drei immer wieder betont wird. Das gibt der Geschichte einen sehr amerikanischen Touch und ist ziemlich weit von dem entfernt, was unter deutscher Ägide verfasst wurde und wird. So ganz plausibel ist das Ganze auch nicht, es erscheint vor allem doch sehr weit hergeholt, dass Justus bereits nach wenigen Tagen in die Führungsriege der Sekte aufsteigen kann. Noch dazu ohne vorherige gründliche Überprüfung seiner Person. So unvorsichtig (oder dämlich) können weder der Obermotz noch seine Schergen des engsten Kreises nicht sein. Trotzdem ist der Fall spannend und mitreißend aufgezogen – immerhin gehören die Gegenspieler nicht grade zu den Gänseblümchenpflückern.

_Band 3: |High Strung – Unter Hochspannung|_

Noch einmal drei Jahre weiter. Wir schreiben das Jahr 1991. Der ebenfalls nie veröffentlichte Band 13 der „Crimebusters“ stellte, so verrät das aufschlussreiche Vorwort, Übersetzerin (und ebenfalls ???-Autorin) Astrid Vollenbruch zunächst vor ein etwas größeres Problem. Der Fund des Falles „High Strung“ in einem amerikanischen Verlags-Archiv kam hierzulande nur unvollständig an: Der Schluss der Geschichte fehlte. Glücklicherweise tauchten die letzten, originalen Manuskriptseiten von Autorin Gayle Lynds doch noch rechtzeitig wieder auf, bevor vielleicht ein neues Ende ersonnen werden musste. Von Gayle Lynds stammen außerdem noch die drei Fälle: „Gefährliche Fässer“, „Musikpiraten“ und „Angriff der Computer-Viren“ – allesamt unter ihrem Pseudonym G. H. Stone. Ihr 2005 verstorbener Ehemann Dennis (alias William Arden) brachte es übrigens auf deren dreizehn und war schon zu den frühen Anfangszeiten als erfolgreicher Autor in der Serie vertreten.

„High Strung“ steht voll im Zeichen einer Schnitzeljagd – nicht, dass das bei den Drei ??? wirklich ungewöhnlich wäre, doch diese wird vom lokalen Radiosender KFUN veranstaltet. Auf Rätselhinweise hin müssen die Hörer drei Wochen lang bestimmte Gegenstände sammeln, um am Ende den Hauptpreis von 5000 Dollar und eine olle Gitarre zu ergattern. Die beiden Deejays „Stinky“ Rossiter und „Doktor Ax Me“ sind inzwischen schon so etwas wie Kultfiguren geworden und haben halb Rocky Beach ins Suchfieber versetzt. Auch Justus hegt den Traum vom Sieg (und somit – endlich – vom eigenen Auto). Er hat natürlich alle bisherigen Rätsel aus dem Handgelenk gelöst und die entsprechenden Gegenstände zusammen. Bis er seiner Sammlung beraubt wird. Und das bleibt, wie sich herausstellt, kein Einzelfall. Da gibt sich jemand redlich Mühe den Schnitzeljägern das Leben schwer zu machen und die Jagd nach den noch ausstehenden Trophäen massiv zu behindern. Just wäre nicht Just, wenn ihn das nicht erst recht motivieren würde …

|Zwischenresümee No. 3|

Dieser Fall tendiert schon deutlicher in die Richtung, wie wir die Drei ??? heute kennen. Allerdings bestehen doch einige Unterschiede. Peter fährt hier zum Beispiel keinen roten MG, sondern einen schwarzen Honda Accord und Bob ist ein kleiner Weiberheld, der nun keine Brille mehr trägt. Die beiden versuchen, den übergewichtigen Justus gelegentlich zu verkuppeln. Apropos „Übergewicht“: Es wird behauptet, dass Justus 84 Kilo bei 1,78 cm Körpergröße auf die Waage bringt, das sind grade mal 6 Kilo über dem Normalgewicht. Man dürfte ihm also seine überzähligen Pfunde kaum ansehen – jedenfalls nicht so sehr, um ihn als „Fettsack“ zu titulieren. Überhaupt wird merklich viel mehr Wert auf Äußerlichkeiten sowie auf Actionelemente, inklusive – zumindest in dieser Massierung – unnötigem Kampfsportgefasel, gelegt. Es dürfte eigentlich ziemlich egal sein ob der Gegner nun mit einem Sushi-Rundumschlag oder Shitake-Edelpilzcremetritt zu Boden geschickt wird. Die Geschichte ist an sich jedoch spannend erzählt und keineswegs langweilig.

_Gesamtfazit_

Schön, dass auch diese verschollenen Fälle nach Jahrzehnten der Dunkelheit in irgendeinem Archiv endlich doch das Licht der Öffentlichkeit erblicken durften. Ganz besonders das hierzulande beinahe unbekannte „Find your fate“-Konzept von „House of Horrors“ ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, hat aber was – vor allem einen frech-frischen Ton. Fast schon schade, dass die ursprünglichen FYFs „Das Volk der Winde“ und „Der weinende Sarg“ damals für den deutschen Markt umgemodelt wurden. Doch die kann man sich ja – bei nun gewecktem Interesse – immerhin noch als amerikanische Originale besorgen, so man der englischen Sprache denn mächtig ist und sie noch ergattern kann. Wer weiß? Vielleicht bringt der Verlag ja auch irgendwann mal die alternativen FYF-Fassungen dieser Storys auf Deutsch heraus. Zwei fähige Übersetzerinnen hat man mit Astrid Vollenbruch und Kari Erlhoff ja.

Während „House of Horrors“ mit seinen damals weiterhin 14-jährigen Protagonisten, sozusagen noch das „alteingesessene“ bzw. „-gelesene“ Klientel bedient, sollten „Brainwash“ und „High Strung“ offenbar bereits eine ganz andere Lesergeneration ansprechen, was nachweislich im Falle der kurzen „Crimebusters“-Ära allerdings seinerzeit grandios nach hinten losging. Deren bis dato unveröffentlichte Bände 12 und 13 geben heute noch beredt darüber Auskunft, dass die vermeintlich modernere Ausrichtung der Drei ??? mehr hin zu körperbetontem „Crime“, selbst auf dem amerikanischen Markt nicht geschätzt wurde. Zu oberflächlich und weit weg von ihren bis ins Detail durchdachten Glanzzeiten wirkten die Geschichten der drei Detektive nun. Was für die Serie letztendlich auch dem Todesstoß in den USA bedeutete. Glücklicherweise galt das nicht für Deutschland, wo sie seit 1993 unvermindert weitergeführt wird.

Die in ihrem Schmuckschuber elegant und wertig wirkende „Top Secret Edition“ ist insgesamt betrachtet eine 1a-Zeitkapsel, und in diesem Kontext muss man die durchweg spannenden Titel auch sehen. Hilfreich sind dabei sowohl die Vorworte zu jedem Band, als auch so manch eingeschobene Anmerkung, welche auf interessante Besonderheiten rund um Zeitgeschehen, Mode, Gepflogenheiten, die Serie an sich oder amerikanische Geschichte hinweisen. Da tut man nebenher (wie so oft bei den Drei ???) was für seine Allgemeinbildung, nur dass Dwight D. Eisenhower der VIERTE US-Präsident („High Strung“, Seite 19 – Fußnote) gewesen sein soll, vergessen wir mal ganz schnell wieder: Er war nämlich der 34. Abgesehen von solch kleineren, verstreuten Lektoratsfehlern gibt es aber an der Box nichts Substanzielles zu meckern. Pflichtkauf für Fans.

|3 Hardcover im Schmuck-Case: 390 Seiten
Nach Figuren von Robert Arthur
Übersetzung: Astrid Vollenbruch und Kari Erlhoff
ISBN: 978-3-440-12493-2|
[www.kosmos.de]http://www.kosmos.de

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Marx, André – Die drei ??? – The Haunted Ship (American English)

Die Zeiten ändern sich. Wurden früher die Geschichten der drei Fragezeichen vom Englischen ins Deutsche übersetzt, geschieht dies heute umgekehrt. Allerdings nicht etwa zum Zwecke der Veröffentlichung im angloamerikanischen Sprachraum, auch diese Varianten einiger ausgewählter Stories, sind für den deutschen Markt bestimmt. Es sind bereits eine ganze Reihe Fälle diesen Weg gegangen – Das „Geisterschiff“ war mit einer der ersten, welcher diesem sprachlichen re-engineering unterzogen wurde. Der Kosmos-Verlag leistet damit seinen Beitrag der lernwilligen Zielgruppe modernes Alltagsenglisch („Ab dem 4. Lernjahr – mit Vokalbelhilfe“ weiß das Cover zu berichten) in Form des beliebten Jugend-Detektiv-Trios näher zu bringen.

_Zur Story_

Dichter Nebel liegt über der Bucht von Rocky Beach, als Peter und Kelly mit dem roten MG auf der Küstenstraße unterwegs sind. Die Stimmung steht nicht grade zum Besten. Man zofft sich grade. Beinahe überfahren sie dadurch eine Joggerin, welche sie vollkommen aufgelöst bittet sie zum Strand herunter zu begleiten – sie bräuchte dringend Zeugen. Für was sagt sie zunächst nicht. Dort angelangt ist aber nichts Außergewöhnliches zu entdecken, dabei schwört die Frau Stein und Bein, dass sie dort grade ein leibhaftiges Geisterschiff hat vorüberfahren sehen. Einen unter zerfetzten Segeln dahinziehenden Dreimaster, ohne Besatzung und noch dazu aschfahl-gespenstisch aus sich heraus leuchtend. Wie dem auch sei: Der Spuk ist jetzt aber offenbar vorüber und die Bucht Rocky Beachs präsentiert sich gespensterfrei wie eh und je.

Justus ist von der Geschichte fasziniert, als er sie am nächsten Tag von Peter geschildert bekommt. Interessanterweise hat ein Nachlass, den Onkel Titus gerade von Mr Qin erstanden hat ebenfalls Bezug zu Schiffen bzw. Piraten. Sogar einem der beiden berühmtesten aus der Gegend Kaliforniens: Hawk und Duncan, welche sich Zeit ihres Lebens gegenseitig bekämpft haben, was Duncan seinerzeit einen Arm und seinen größten Schatz kostete. Diesen hat Hawk so gut versteckt, dass er seither verschollen ist. Hawk ist übrigens der Ururururgroßvater von Mr Qin, der ausgerechnet dessen Sachen an Familie Jonas verkaufte. Befinden sich vielleicht handfeste Hinweise auf den Verbleib des Schatzes darunter? Bei einem buchstäblichen Nacht-und-Nebelausflug bekommen die drei auch endlich das Geisterschiff selbst zu Gesicht: Es ist die „Stormrider“, Duncans Flaggschiff.

_Eindrücke_

Die Elemente, welche André Marx in seiner Geschichte verwendet sind innerhalb der Serie alles andere als neu. Die Versatzstücke aus dem Fall „Phantomsee“ (geheimnisvolle Seemannskiste und daraus resultierend ein Rätsel über lange zurückliegende Ereignisse bzw. einen verschollenen Schatz) oder „Roter Pirat“ (Piratenthematik generell, sowie auch Leuchtturm im speziellen) sind überdeutlich. Nicht zu vergessen auch der dichte Nebel, wie er in diversen Storys als atmosphärenbildender, stummer wie verschleiernder Verbündeter – auf beiden Seiten: Gut wie Böse – häufiger auftritt: Alles selbstverständlich schon einmal, in dieser oder ähnlicher Form, dagewesen. Allerdings ist es bekanntlich nicht zuletzt die Mischung, welche über Wohl und Wehe entscheidet – und das ist hier nicht anders. Das Gesamtkonzept ist stimmig und trifft den von Fans so goutierten Stil quasi mit einer Punktlandung.

Figurenzeichnung, Spannungsbogen, Pace und Showdown passen ebenso, wie die kleinen Querverbindungen innerhalb der Serie, Peters Freundin Kelly Madigan und mal wieder ihre nervige Tante Eleonora (bekannt aus dem Fall „Poltergeist“) etwa. Auch versteckte Anspielungen auf Dinge außerhalb, real oder fiktiv, sind zu finden z.B. tragen die für die Lösung des Falles nicht unwichtigen Buddelschiffe allesamt Raumschiff-Namen aus der SciFi-Serie „STAR TREK“. Ein netter kleiner Gag, für welche Marx in der Fangemeinde bekannt und berühmt ist. Da sieht man es ihm auch nach, dass die Sache mit einem ausgewachsenen Dreimastschoner als Piratenschiff ein wenig überzogen ist. Realiter waren diese eher klein und vor allem wendig, grade in den tückischen Gewässern Kaliforniens. Eine Brigg, Brigantine oder Schaluppe dürften also wesentlich wahrscheinlicher sein, zumal wenn man sich damit so nah an die zerklüftete Küste wagt.

So ein stattlicher Dreimaster wirkt natürlich wesentlich anziehender und phantasieanregender, vor allem wenn sich ein solcher auch noch quasi vor Justus‘ superkritischem Auge in Luft auflösen kann, ohne dass der Oberschlauberger dafür eine Erklärung parat hat. Diese fällt im Übrigen wesentlich nachvollziehbarer aus, als in der gleichnamigen EUROPA-Hörspieladaption, wo das unter anderem aufgrund von Kürzungen zur Vorlage nicht so recht hinhaut. Doch das ist ein anderes Thema. Insgesamt geht der Plot bis zum Schluss gut und nachvollziehbar auf, wenngleich natürlich einige Klischees unbedingt bedient werden müssen. Klar. Das erwartet der – langjährige und erfahrene – Drei-Fragezeichen-Leser schließlich auch. Die Geschichte hat übrigens durch die Übersetzung ins Amerikanische nicht gelitten, sogar Marx‘ Stil blitzt weiterhin unverkennbar durch, wenngleich sich so mancher Satzbau vielleicht doch einen Tick zu „Deutsch“ liest.

_Fazit_

Um die Mission die Zielgruppe für das spielerische Sprachtraining zu gewinnen, erfolgreich abzuschließen, braucht man das nötige Rüstzeug. Das bringt „Das Geisterschiff“ in Form einer tollen, spannenden Geschichte sicherlich schon von Haus aus mit. Des weiteren ist positiv anzumerken, dass es sich bei der Übersetzung eben um das lebendigere, „rundere“ American English und nicht um das doch zuweilen recht dröge britische handelt, mit dessen „stiff upper lip“ man ehedem Generationen von Schülern traktierte und bestimmt dem einen oder anderen den Spaß am Erlernen des Englischen vergällte. Heute gibts Entertainment statt stupider Vokabelpaukerei – eine deutliche pädagogische Verbesserung.

|Hardcover: 146 Seiten
OT: „Die drei ??? ® und das Geisterschiff“
Basierend auf Figuren von Robert Arthur
Erzählt von André Marx
Ins Amerikanische übersetzt von C. Vivien Arnold
Redaktion: Ina Pfitzer
ISBN: 978-3-440-10790-4|
[www.kosmos.de]http://www.kosmos.de

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Tiernan, Cate – Magische Glut (Das Buch der Schatten 2)

_|Das Buch der Schatten|:_
Band 01: [„Verwandlung“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7082
Band 02: [„Magische Glut“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7083
Band 03: „Bluthexe“ (Februar 2012)
Band 04: „Dark Magick“ (noch ohne dt. Titel)
Band 05: „Awakening“ (noch ohne dt. Titel)
Band 06: „Spellbound“ (noch ohne dt. Titel)
Band 07: „The Calling“ (noch ohne dt. Titel)
Band 08: „Changeling“ (noch ohne dt. Titel)
Band 09: „Strife“ (noch ohne dt. Titel)
Band 10: „Seeker“ (noch ohne dt. Titel)
Band 11: „Origins“ (noch ohne dt. Titel)
Band 12: „Eclipse“ (noch ohne dt. Titel)
Band 13: „Reckoning“ (noch ohne dt. Titel)
Band 14: „Full Circle“ (noch ohne dt. Titel)
Band 15: „Night’s Child“ (noch ohne dt. Titel)

_Mit dem Fest Samhain_ ist Morgans Leben nun komplett auf den Kopf gestellt, schließlich hat sich offenbart, dass Morgan eine mächtige Bluthexe ist. Das Verhalten ihrer Eltern wird dadurch noch undurchsichtiger, da eine Bluthexe ihre magischen Fähigkeiten erbt, ihre Ahnen folglich ebenfalls Hexen sein müssen. Auch, dass Morgan und Cal nun offiziell ein Paar sind, stößt besonders bei Bree auf wenig Freude – Bree kündigt Morgan nun die Freundschaft.

Tags darauf kommt es nun zu einem aufsehenerregenden Vorfall, als Morgans Mutter auf der Veranda die Wicca-Bücher findet, die Morgans einstige beste Freundin Bree dort deponiert hat. Morgan konfrontiert ihre Eltern mit der Tatsache, dass sie ihre Gaben geerbt haben muss, demzufolge auch ihre Schwester und ihre Eltern Hexen sein müssen. Morgans Eltern bestreiten diese Tatsachen energisch und Morgan kommt ein schrecklicher Verdacht. Sollte sie etwa gar nicht die leibliche Tochter ihrer Eltern sein?

Schnell wird aus dem Verdacht, adoptiert worden zu sein, Realität. Morgan kann es kaum fassen und reagiert sehr verletzt auf die Tatsache, dass ihr dieses wichtige Detail ihres Lebens 16 Jahre lang verschwiegen wurde.

Bei ihren Nachforschungen nach ihrer leiblichen Familie stößt Morgan auf eine Mauer des Schweigens, helfen will ihr keiner, und so gestaltet sich die Suche als sehr schwierig. Nur Cal steht ihr bei und Morgan findet Trost in seiner Liebe.

Aber nicht nur unter der neuen familiären Situation leidet Morgan, auch der Verlust ihrer besten Freundin Bree macht Morgan schwer zu schaffen.

_Kritik_

Der zweite Band von Cate Tiernans Serie um „Das Buch der Schatten – Magische Glut“ knüpft genau am letzten Satz des ersten Romans an. Die letzten Seiten des ersten Bandes „Verwandlung“ werden hier noch einmal als Prolog eingeschoben, und so ist der Leser wieder schnell im Thema.

Auch der Erzählstil ist dem des ersten Bandes ähnlich; flüssig zu lesen und zu den Protagonisten passend, kann diesem entspannt gefolgt werden. Detaillierte Beschreibungen und lebendige Charaktere sorgen ebenfalls für einen unterhaltsamen Lesegenuss. Ihrem Plot bleibt die Autorin treu, und so kann der Leser auch in diesem Band den Wicca-Kult noch besser kennenlernen. Die Mischung des spirituellen und naturverbundenen Glaubens der Wicca mit glaubwürdiger Romantik und dezenter Spannung überzeugt auch hier.

Beim Spannungsbogen wird in dieser Serie bisher kein Wert auf actiongeladene Szenen gesetzt, sondern mehr auf die Entwicklungen der Personen und die Geheimnisse, die hinter jeder Figur stehen. Der Leser wird durch die Neugierde, die Rätsel um Morgans Herkunft und die Entwicklung der Personen und der Handlung an das Geschehen gefesselt. Durch die gewählte Perspektive, in der Morgan dem Leser ihre Geschichte erzählt, hat der Leser wieder die Möglichkeit, die Ereignisse aus Morgans Sicht zu erleben.

Die Kapitel sind passend zur empfohlenen Altersgruppe erneut in angenehmer Länge gehalten, und wie schon im ersten Band hat die Autorin sich etwas Interessantes einfallen lassen, um diese kenntlich zu machen. An jedem Kapitelanfang steht in „Magische Glut“ ein Stück aus einem „Buch der Schatten“, das einer Feuerhexe namens Bradhadair gehörte. Es werden Erlebnisse und Rituale dieser Hexe beschrieben.

Den Hauptfokus legt die Autorin wieder auf Morgan. Dieser Charakter wurde mit viel Liebe zum Detail konzipiert und überzeugt durch ein lebendiges und authentisches Verhalten. Passend zu ihrem Alter reagiert Morgan auf ihre Umwelt, die Probleme und die magischen Dinge, die ihr widerfahren.

Der junge und sehr einnehmende Hexenmeister Cal ist ebenfalls lebendig gezeichnet; bei ihm bleibt aber das Gefühl zurück, dass Cal irgendein dunkles Geheimnis verbirgt. Bree bleibt eine sehr unsympathische Darstellerin, die nur ihre Ziele verfolgt und dabei vor nichts zurückschreckt. Weiterhin wurden die verschiedenen Nebenfiguren herausgebildet, diese bekommen immer mehr Struktur. Hier wird es sicherlich noch einige Überraschungen geben.

Das Cover ist passend zum ersten Teil dieser Serie gestaltet, auf dunklem Hintergrund sind eine brennende rote Tulpe und Ornamente zu sehen. Der Titel passt sich der Farbwahl an.

_Fazit_

Mit „Magische Glut“ hat Cate Tiernan den logischen zweiten Teil ihrer Serie „Das Buch der Schatten“ veröffentlicht. Die Geschichte um die junge und doch schon sehr mächtige Hexe Morgan wird glaubwürdig weitererzählt. Die Mischung der verschiedenen Elemente wie unter anderem Magie und Romantik ist der Autorin glaubwürdig gelungen.

Jungen Leserinnen ab 12/13 Jahren und auch jung gebliebenen wird hier eine unterhaltsame und manchmal auch anschauliche Geschichte erzählt, die süchtig macht.

Nach dem gleichzeitigen Erscheinen der ersten beiden Teile „Verwandlung“ und „Magische Glut“ wird der Leser nun auf eine Geduldsprobe gestellt, denn erst im Februar 2012 wird der dritte Band „Bluthexe“ erscheinen. Hier kann nur gehofft werden, dass der |cbt|-Verlag unter dem neuen Label „dark moon“ ein Einsehen hat und die Bände in kürzeren Intervallen veröffentlicht werden.

_Autorin_

Cate Tiernan wurde 1961 in New Orleans geboren. Lange Zeit arbeitete sie bei einem großen Verlag in New York, bis sie beschloss, selbst Schriftstellerin zu werden. Inzwischen hat sie mehrere Fantasy-Reihen und Kinderbücher unter Pseudonym geschrieben. Cate Tiernan lebt mit ihrer Familie und ganz vielen Tieren in North Carolina. (Quelle: amazon.de)

|Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: cbt (18. April 2011)
ISBN-13: 978-3570380048
Originaltitel: Sweep 02 – The Coven|
[www.randomhouse.de/cbt]http://www.randomhouse.de/cbt/index.jsp

Tiernan, Cate – Verwandlung (Das Buch der Schatten 1)

_|Das Buch der Schatten|:_

Band 01: [„Verwandlung“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7082
Band 02: [„Magische Glut“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7083
Band 03: „Bluthexe“ (Februar 2012)
Band 04: „Dark Magick“ (noch ohne dt. Titel)
Band 05: „Awakening“ (noch ohne dt. Titel)
Band 06: „Spellbound“ (noch ohne dt. Titel)
Band 07: „The Calling“ (noch ohne dt. Titel)
Band 08: „Changeling“ (noch ohne dt. Titel)
Band 09: „Strife“ (noch ohne dt. Titel)
Band 10: „Seeker“ (noch ohne dt. Titel)
Band 11: „Origins“ (noch ohne dt. Titel)
Band 12: „Eclipse“ (noch ohne dt. Titel)
Band 13: „Reckoning“ (noch ohne dt. Titel)
Band 14: „Full Circle“ (noch ohne dt. Titel)
Band 15: „Night’s Child“ (noch ohne dt. Titel)

_Die 16 Jahre alte Morgan Rowlands_ hält sich für ein ganz durchschnittliches Mädchen. Sie wächst in einem streng katholischen Elternhaus auf, in dem regelmäßige Kirchgänge und ein gläubiges Leben zum Alltag gehören. Morgan lebt ein gewöhnliches Leben mit allen Sorgen und Nöten, die für 16-Jährige normal sind.

Als an ihrer Schule ein neuer Schüler auftaucht, steht Morgans gewohnte Welt plötzlich Kopf. Der charmante und gutaussehende Cal fasziniert sie sofort. Aber nicht nur sie, alle Mädchen erliegen Cals Anziehungskraft. Besonders Morgans beste Freundin Bree hat es sich in den Kopf gesetzt, Cal für sich zu gewinnen.

Um seine neuen Mitschüler kennenzulernen, lädt Cal bald zu einer Party unter freiem Himmel ein. Dieses Kennenlernen ist aber nicht der einzige Grund, denn Cal lebt die Wicca-Kultur und will einen neuen Hexenzirkel gründen. Auf seiner Party plant Cal, ein Wicca-Kreisritual durchzuführen. Morgan ist beeindruckt und nimmt an dem magischen Ritual teil. Irgendetwas löst dieser Kreis bei Morgan aus; nicht nur, dass es ihr nach dem Ritual schlecht geht, auch kann sie plötzlich gewisse Dinge voraussagen.

Schnell wird klar, dass Morgan eine Hexe ist, mit noch mehr Macht, als auch Cal ahnen konnte. Eifrig stürzt Morgan sich in die Studien der Wicca-Religion, womit aber nicht jeder einverstanden ist. Nicht nur Morgans streng gläubigen Eltern stehen Morgans neuen Talenten im Wege, auch Bree reagiert äußerst eifersüchtig und misstrauisch, da Cal Morgan viel Aufmerksamkeit schenkt.

_Kritik_

Mit dem ersten Band der Serie „Das Buch der Schatten – Verwandlung“ führt die Autorin Cate Tiernan ihre Leser in die magische Wicca-Religion ein. Mit diesem sehr interessanten und magischen Auftakt ihrer Serie weckt die Autorin nicht nur die Neugierde auf diese naturverbundene Religion, sie schafft es auch, ihre Leser ansprechend zu unterhalten.

Dem flüssigen und leicht verständlichen Sprachstil kann mühelos gefolgt werden, und dieser passt ausgezeichnet zu der jugendlichen Morgan. Dabei verzichtet die Autorin nicht auf detaillierte Beschreibungen der Handlung und der Plätze, an denen die unterhaltsame Geschichte spielt. Schnell hat der Leser so die Möglichkeit, in der Welt um Morgan zu versinken und nimmt an dem Leben der jungen Darstellerin teil. Der Plot ist sehr interessant gewählt und vermittelt glaubwürdige Einblicke in die neuheidnische Religion der Wicca.

Der Spannungsbogen entwickelt sich mit Morgans Entdeckung ihrer magischen Kräfte stetig, ohne dabei atemberaubend anzusteigen. In „Verwandlung“ setzt die Autorin eher darauf, die Protagonisten einzuführen und die Grundzüge der Wicca vorzustellen. Ebenso werden die Beziehungen unter den Darstellern erläutert. Gekonnt verwebt Cate Tiernan die spiritistischen Züge mit überzeugender Romantik und dezenter Spannung.

Die zu einem Jugendroman passenden kurzen Kapitel fangen jeweils mit abergläubischen Zitaten aus verschiedenen Jahrhunderten und kurzen Gedanken von Morgan oder Cal an. Diese nehmen Bezug auf die Geschichte.

Erzählt wird „Verwandlung“ aus der Perspektive von Morgan. Der Leser erlebt so alle Facetten die Morgan erlebt hautnah mit, sei es Verunsicherung, Freude, Glaube und auch Faszination.

Cate Tiernan hat glaubwürdige, abwechslungsreiche und meist interessante Charaktere konzipiert. Am lebendigsten wurden die Hauptdarsteller Morgan, Cal und Bree beschrieben. Besonders die zurückhaltende Morgan entwickelt sich beträchtlich. Am unsympathischsten wirkte Bree, die in erster Linie durch Egoismus und Rücksichtslosigkeit in Erinnerung bleibt. Die Nebendarsteller bleiben zumeist etwas eindimensional, haben aber in den Folgebänden noch jede Menge Zeit sich weiter zu entwickeln.

_Fazit_

Mit dem ersten Band „Das Buch der Schatten – Verwandlung“ hat die Autorin Cate Tiernan den unterhaltsamen Auftakt einer momentan 15 Bände umfassenden Serie geschrieben. Hier überzeugen nicht nur die authentischen und sympathischen Figuren, auch der okkulte Wicca-Kult fasziniert außerordentlich. Durch einen intelligent gesetzten Cliffhanger wird der zweite Band „Magische Glut“ zur Pflichtlektüre.

_Autorin_

Cate Tiernan wurde 1961 in New Orleans geboren. Lange Zeit arbeitete sie bei einem großen Verlag in New York, bis sie beschloss, selbst Schriftstellerin zu werden. Inzwischen hat sie mehrere Fantasy-Reihen und Kinderbücher unter Pseudonym geschrieben. Cate Tiernan lebt mit ihrer Familie und ganz vielen Tieren in North Carolina. (Quelle: amazon.de)

|Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: cbt (18. April 2011)
ISBN-13: 978-3570380031
Originaltitel: Sweep 01 – Book of Shadows|
[www.randomhouse.de/cbt]http://www.randomhouse.de/cbt/index.jsp

Feldkirchner, Jennifer – Flunkerclub, Der

Lügen darf man nicht – so bringt man es schon kleinen Kindern bei. Und was bei Menschen gilt, zählt auch im Tierreich so, beispielsweise bei den Ratten. Doch manchmal würde man sich ja gerne mal stärker machen, als man ist, man würde gerne Abenteuer erleben, und sei es nur in einer erfundenen Geschichte, oder man würde gerne einen Riesenkäse verputzen können. So geht es auch den vier Rattenfreunden Rita, Rodney, Rüdiger und Ralf. Eines Tages entsteht aus diesem Wunsch heraus der Flunkerclub, so treffen die vier Freunde sich fortan an einem Abend der Woche, um sich gegenseitig etwas vorzuflunkern.

Nach fünf Treffen ist daraus dieses herrliche Buch entstanden, in dem wir von den Abenteuern der vier Ratten hören. Dabei erfahren wir unter anderem, dass Rita eigentlich eine Prinzessin ist, die eines Tages aus ihrem Palast fliehen konnte, allerdings musste sie sich dafür von einem Stück ihres Schwanzes trennen. In Freiheit hat Rita nun schon einige Abenteuer erlebt, so hat sie Erfahrungen beim Bungee Springen gesammelt oder musste sich vor einer großen Überschwemmung retten. In anderen Geschichten treffen wir auf einen Zauberlehrling, der auf der Suche nach dem richtigen Zaubertrick ist, um seine Zauberprüfung zu bestehen, am Ende schließt er mit einem sensationellen bunten Bonbonregen als bester die Prüfung ab. Wir lernen eine stinkende Ratte kennen, die in der Kanalisation lebt, und auch eine Farbratte, die sich bei dem Friseur ihres Vertrauens ihr Fell in ganz exklusiven Farben gestalten lässt. In einer anderen Geschichte wird ein schlecht gelaunter Igel gerettet, in einer anderen entwickelt Ralf als Laborratte Superkräfte.

_Erstunken und erlogen_

Abenteuer wie diese erzählen sich die vier Ratten bei ihren Treffen, auf die sie sich natürlich immer gut vorbereiten und auch riesig freuen. Die Vorfreude ist so groß, dass jeder zuerst seine Geschichte erzählen möchte und deswegen die Reihenfolge der Erzählenden ausgelost werden muss. Manchmal sind es schier unglaubliche Abenteuer, die die Ratten erleben, manchmal sind es aber auch eher lustige Geschichten bzw. merkwürdige Begegnungen. Die Bandbreite an erzählten Geschichten ist riesig, sodass für jeden etwas dabei ist. Die vier Ratten beweisen eine wahnsinnige Kreativität, denn keine der Geschichten ist langweilig, sondern man freut sich auf jede einzelne Anekdote.

Da es sich bei dem „Flunkerclub“ um ein Kinderbuch handelt, können die Kinder beim Lesen oder Zuhören natürlich auch wieder etwas lernen, und zwar nicht nur, dass man eigentlich nicht lügen darf, sondern Kinder lernen hier z. B., was Freundschaft ist, denn in vielen der Geschichten geht es um Hilfsbereitschaft und darum, dass die Ratten sich gegenseitig oder jemand anderem helfen, so retten sie beispielsweise einen Igel, obwohl dieser sie zuvor noch schrecklich beleidigt hat (was man natürlich nicht tun darf!). Aber sofort bringen die Ratten dem Igel besseres Benehmen bei, sodass er lernt, dass man „bitte“ und „danke“ zu sagen hat. Auch dieses können Kinder in diesem Buch mitnehmen. Aber keine Angst: Auch wenn Kinder ganz nebenbei etwas lernen können, steht doch die Unterhaltung im Vordergrund. Alle Geschichten sind absolut lesenswert, sie sind lustig, spannend, abenteuerlich und auf jeden Fall unterhaltsam.

Besonders gelungen ist die Illustration sämtlicher Geschichten, so hat die Autorin Jennifer Feldkirchner alle Abenteuer in Wort und Bild festgehalten, laut Verlagsinfo finden sich 73 Abbildungen in dem Buch. Zudem beginnt jede einzelne Geschichte mit einem kleinen „Rattenlogo“, sodass man schnell den Beginn einer jeden Geschichte findet. Die Zeichnungen untermalen das Erzählte ganz hervorragend, oftmals sind es Schwarz-Weiß-Zeichnungen, sehr häufig aber auch farbenfroh gestaltete Bilder, die dem Leser sofort ins Auge springen. Mit ihrem unvergleichlichen Zeichenstil hat Jennifer Feldkirchner alle Emotionen und Erlebnisse eingefangen. Jede Ratte zeichnet sich durch eine bestimmte Eigenart aus, sei es der gekürzte Schwanz, die kleine Glatze oder die besonders sorgfältig gekämmten Haare. In ihren Gesichtern spiegeln sich in jedem Bild die Emotionen der putzigen Gefährten wider, sei es Freude, Überraschung oder auch mal Angst und Schrecken. Die Zeichnungen sind auf der einen Seite ausdrucksstark, auf der anderen aber auch kindgerecht einfach gehalten, sodass man auch schon jüngeren Kindern die Geschichten vorlesen und ihnen die Bilder zeigen kann. Gerade weil es sich um recht kurze Geschichten handelt – insgesamt erzählen sich die Ratten an fünf Abenden 20 Geschichten – eignen sie sich gut zum Vorlesen.

_Rattenscharf_

Das Buch überzeugt in Wort und Bild auf ganzer Linie. Die Lügenmärchen der Ratten sind einfach nur süß und unterhaltsam, untermalt werden sie von herrlichen Zeichnungen, die oftmals auch farbig gestaltet sind und entsprechend ins Auge fallen. Auch wenn sich „Der Flunkerclub“ zunächst an Kinder wendet, wird auch der erwachsene Leser großartig unterhalten! Schließlich sollte jeder ein wenig das Kind in sich bewahren und sich an solcherlei Lügenmärchen erfreuen können!

|Taschenbuch: 139 Seiten
ISBN-13: 978-3940951724|
[www.verlagpb.de]http://www.verlagpb.de

_Jennifer Feldkirchner bei |Buchwurm.info|:_
[„Paule das kleine Stinktier“ 4931
[„Neue Abenteuer vom kleinen Stinktier Paule“ 5628

St. Crow, Lili (Lilith Saintcrow) – Verflucht (Strange Angels 1)

_|Strange Angels:|_

Band 1: _“Verflucht“_
Band 2: „Verraten“ (01.12.2011)
Band 3: „Jealousy “ (noch ohne dt. Titel)
Band 4: „Defiance “ (noch ohne dt. Titel)
Band 5: „Reckoning“ (01.11.2011, noch ohne dt. Titel)

_Nicht das erste Mal_ musste die 16-jährige Dru Anderson mit ihrem Vater in eine neue Stadt ziehen, dieses Mal hat es sie in das kalte Dakota verschlagen. Nach den unzähligen Umzügen hat Dru das Auspacken der Umzugskartons mittlerweile aufgegeben. Dies lohnt nicht, wenn man nach ein paar Wochen, mit Glück ein paar Monaten, wieder weiterziehen muss.

Die vielen Umzüge sind natürlich nicht grundlos: Drus Vater ist seit dem Tod von Drus Mutter Monsterjäger. Die ersten Jahre hat Dru noch bei ihrer Großmutter gelebt, doch seit deren Tod zieht sie nun mit ihrem Vater von Stadt zu Stadt, um sein Handwerk zu lernen und Monster zu jagen.

Vier Jahre geht das gemeinsame Leben gut, bis Drus Dad von einem Streifzug nicht als Mensch, sondern als Zombie zurückkehrt. Dru ist gezwungen, die wiederbelebte Leiche ihres Vaters zu eliminieren. Hals über Kopf flieht sie aus der gemeinsamen Wohnung und trifft kurze Zeit später auf ihren geheimnisvollen Mitschüler Graves. Graves merkt schnell, dass es Dru nicht gutgeht, und als sie gesteht, nicht nach Hause zu können, nimmt Graves sie ohne viele Fragen bei sich auf. Auch Graves ist kein „normaler“ Junge; er wohnt im stillgelegten Teil eines großen Einkaufszentrums.

Dru und Graves freunden sich in dieser Notsituation schnell an, aber wie wird Graves reagieren, wenn er erfährt, was Dru in ihrer Freizeit für gewöhnlich macht? Als eines Nachts Werwölfe Jagd auf Dru machen, passiert etwas Schreckliches: Graves wird von einem der Wölfe gebissen! Irgendetwas scheint die Jagd auf Dru eröffnet zu haben, und so sind Dru und Graves nun auf der Flucht vor erbarmungslosen Feinden.

_Kritik_

Mit „Strange Angels – Verflucht“ hat Lili St. Crow den ersten Band einer auf fünf Bände ausgelegten Reihe veröffentlicht. Anfangs fallen hier große Ähnlichkeiten zu der beliebten amerikanischen Serie „Supernatural“ auf, mit dem Unterschied, dass Dru wesentlich jünger als die Darsteller dieser Serie und ein Einzelkind ist.

Mit einem fesselnden, leicht zu lesenden Schreibstil überzeugt die Autorin. Lili St. Crow bedient sich einer der Zielgruppe junger Leser angepassten Umgangssprache. Hier wäre etwas weniger schöner zu lesen gewesen, andererseits wirkt diese Sprache hier auch sehr authentisch und zu den Protagonisten passend. Detailliert und überzeugend werden die Umgebung und die spannende Handlung beschrieben. Für einen ersten Band typisch, wird hier auch zwischen den spannungsgeladenen Actionszenen viel erklärt. Langsam lernt man so die Figuren und ihre Hintergründe kennen, wobei die Spannung nie zu kurz kommt, da es nach diversen Rückblicken auch schnell wieder zur Sache geht. Die Nebenhandlungen und Rückblicke ergänzen den Plot somit nahezu perfekt.

Der Spannungsbogen verläuft in „Verflucht“ wellenförmig, mal steigt dieser in ungeahnte Höhen und wenig später entspannt er sich oder fällt auch mal stark ab. Dies geschieht in einem angenehmen Rhythmus, und zwischen atemlos spannenden Szenen wird der Leser durch die Geschichte der Protagonisten unterhalten. Für das Verständnis und den Verlauf der Geschichte war dies sehr gut gewählt.

Die Geschichte wird aus der Perspektive von Dru erzählt, diesen Charakter lernt der Leser also sehr gut kennen. Dadurch, dass auch Dru nicht alles, eher sehr wenig, von dem weiß, was sie verfolgt und welches Geheimnis sie selber umgibt, tappt auch der Leser anfangs im Dunklen und kann mit der Protagonistin versuchen, diese Geheimnisse zu lösen.

Ihre Charaktere hat die Autorin hervorragend konzipiert; vom Denken und Fühlen altersgemäß wachsen die Figuren dem Leser schnell ans Herz. Das dürfte auch daran liegen, dass die Figuren nicht ohne Fehl und Tadel furchtlos ihre Abenteuer bewältigen, sondern auch von Angst und Zweifeln gequält werden. Im Alter von fünf Jahren hat Dru bereits Ihre Mutter verloren und ist danach bei ihrer Großmutter untergekommen. Drus Grandma zeigt ihrer talentierten Enkelin einige Schutzzauber, um das Heim vor Geistern und Dämonen zu sichern. Den Vater sah Dru nur zwischen seinen „Einsätzen“.

Als die Großmutter stirbt, ist Dru gerade zwölf Jahre alt und muss fortan mit ihrem Vater von einem Ort zum nächsten ziehen. Statt sich nach der Schule mit Freunden zu treffen, lernt sie von Ihrem Vater, Dämonen und andere übersinnliche Lebewesen zu vernichten. Dies macht Dru aber keineswegs zu einer gefühllosen Killerin und keineswegs ist sie, trotzdem sie sehr tough und mutig ist, ohne Furcht und Selbstzweifel. Gerade dies macht die Protagonistin sehr sympathisch und vor allem auch glaubwürdig.

Geheimnisvoll kommt Graves daher, äußerlich ein Gothic ist er keinesfalls nur düster, sondern versteckt sich eher hinter seiner Verkleidung. Vor allem Hilfsbereitschaft zeichnet diesen Charakter aus. Auch er hütet ein Geheimnis, was ihn zu dem zurückgezogenen Jungen macht, der er ist. Trotzdem er Dru nur flüchtig aus dem Unterricht kennt, hilft er ihr, als sie in Not ist und bietet ihr ein Heim.

Die Beziehung zwischen Dru und Graves entwickelt sich von einer zarten Freundschaft aus langsam. Hier wird für die Folgebände vielleicht auch noch eine Romanze zu erwarten sein – lassen wir uns überraschen.

Mit Dru und Graves ist das Dämonen jagende Team allerdings noch nicht komplett: Der Djampir Christophe bietet Dru seine Hilfe an, aber kann Dru einem Halb-Vampir trauen?

Der Schutzumschlag ist hier besonders erwähnenswert. Nicht nur, dass dieser wunderschön gestaltet ist, auch fühlt er sich mal ganz anders an. Irgendwie samtig. In dunklen Farben gehalten, ist auf dem Cover ein schlafendes Mädchen zu sehen, der helle Schriftzug des Titels wirkt dagegen leuchtend.

_Fazit_

Mit „Verflucht“ hat Lili St. Crow den ersten, beeindruckenden Roman ihrer auf fünf Bände ausgelegten Reihe der „Strange Angels“ geschrieben. Atemberaubende Spannung, gepaart mit einem flüssigen Sprachstil und sympathischen, äußerst glaubwürdigen Charakteren bieten hier unterhaltsamen Lesespaß nicht nur für junge Fantasy-Begeisterte.

Der erste Band der „Strange Angels“ bekommt von mir eine klare Empfehlung. Lediglich das lange Warten auf den zweiten Band „Verraten“, der erst am 01.12.2011 erscheinen soll, trübt ein wenig die Freude.

_Autorin_

Lili St. Crow ist das Pseudonym der amerikanischen Autorin Lilith Saintcrow, das sie für ihre actiongeladenen, spannenden Jugendromane verwendet. Sie wurde in New Mexico geboren und lebt heute mit ihrer Familie in Vancouver.

|Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
ISBN-13: 978-3426283455
Originaltitel: Strange Angels|
[www.pan-verlag.de]http://www.pan-verlag.de

_Lilith Saintcrow bei |Buchwurm.info|:_
|Jill Kismet|:
Band 1: [„Dämonenmal“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6337
Band 2: [„Schattenjagd“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6789
Band 3: [„Blutige Vergeltung“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7012

[„Teufelsbraut“ (Dante Valentine – Dämonenjägerin 1)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5288
[„Höllenritt“ (Dante Valentine – Dämonenjägerin 2)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5957
[„Feuertaufe“ (Dante Valentine – Dämonenjägerin 3)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6150
[„Sündenpfuhl“ (Dante Valentine – Dämonenjägerin 4)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6353
[„Höllenschlund“ (Dante Valentine – Dämonenjägerin 5)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6476

Y. S. Lee – Eine fast perfekte Tarnung (Meisterspionin Mary Quinn 2)

Meisterspionin Mary Quinn

Band 1: „Ein verhängnisvoller Auftrag“
Band 2: „Eine fast perfekte Tarnung“
Band 3: „Skandal im Königshaus“
Band 4: „Rivals in the City“ (ohne dt. Titel)

Die Handlung:

Als Mary sich als Junge verkleidet, um auf der Baustelle von Big Ben zu ermitteln, kommen die schrecklichen Erinnerungen an ihre Kindheit wieder hoch. Damals hatte sie sich – ebenfalls in Jungenkleidern – als Straßenkind und Kleindieb durchs Leben schlagen müssen. Und jetzt muss sie mit den anderen Bauarbeitern schuften und im Pub zechen, um an Informationen zu kommen. Ein gefährliches Unterfangen, denn mehr als einmal droht ihre Tarnung aufzufliegen. Und dann taucht auch noch der attraktive James Easton auf der Baustelle auf, ebenfalls um zu ermitteln. Wird Marys Tarnung seinen Adleraugen standhalten?
(Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Mary Quinn, die jugendliche Spionin in ihrem zweiten Fall. Wieder erleben wir ein lebendig gezeichnetes, viktorianisches London als Setting für ihren Einsatz. Die Klassenunterschiede und unterschiedlichen Lebensumstände der Charaktere schildert Lee eindrucksvoll, sodass der Leser einen manchmal angenehmen und manchmal unangenehmen Eindruck von diesem Zeitalter und diesem Ort bekommt.

Dieses zweite Abenteuer lässt sich auch erleben, wenn man den ersten Teil nicht gelesen hat. Allerdings fehlt dem Leser dann das Hintergrundwissen darum, welche Chemie zwischen Mary und James herrscht. Auch versteht man als neuer Leser der Serie nicht, warum sie so heftig auf ihn reagiert, als sie sich in der Geschichte das erste Mal sehen. Entweder können sie sich nicht leider oder sie sind verliebt … ein bisschen von beidem scheint es zu sein, eher das Letztere ist es, wenn der Roman voranschreitet.

Neben dieser romantischen Verwicklung, die Mary bei ihren Ermittlungen getarnt als 12-jähriger Junge auf der Baustelle von Big Ben dazwischenfunkt, bekommt auch der Leser nicht viele Chancen, sich auf eine Lösung des eigentlichen Falles zu konzentrieren. Wer hat wohl wann, was und wie getan und mit welchem Hintergedanken? Immer gibt es neue Verdächtige und neue Umstände zu beachten. Mary bekommt immer mehr den Verdacht, dass auf der Baustelle so einiges nicht ganz mit rechten Dingen zugeht und viele Beschäftigte so ihre Geheimnisse haben.

Ich bin kein Freund von romantischen Sub-Plots in Krimis und von daher legt mir die Autorin auch auf diesen Teil zu viel Gewicht. In diesen Momenten möchte ich nicht lesen, wie sehr es zwischen Mary und James knistert und sie sich gegenseitig ärgern, ich möchte wissen, was da auf der Baustelle eigentlich los ist. Aufgelöst wird das natürlich auch, sodass auch ich nach dem Lesen zufrieden war.

Das Setting ist lebendig beschrieben und die Protagonistin wächst auch dem Leser schnell ans Herz, der den ersten Band nicht kennt. Wie sie handelt, denkt, fühlt und spricht … das alles wirkt echt und authentisch und auch passend für ihren persönlichen Hintergrund, über den der Leser hier mehr, als im ersten Teil erfährt.

Die Autorin

Y. S. Lee wurde in Singapur geboren und ist in Kanada aufgewachsen. Recherchen für ihr Studium über das viktorianische England inspirierten sie zu den Romanen über die „Meisterspionin Mary Quinn“. Y. S. Lee lebt heute gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn in Kingston, Ontario.
(Verlagsinfo)

Mein Fazit:

Ein interessantes Setting und eine sympathische Heldin. Ein spannender Fall und eine romantische Ablenkung. Mary Quinn ermittelt kurzweilig und hoffentlich auch bald wieder im dritten Teil auf Deutsch.

Hardcover: 380 Seiten
Originaltitel: The Body at the Tower (The Agency 2)
Aus dem Englischen von Eva Riekert
Empfohlen ab 14 Jahren
ISBN: 978-3423760362
www.dtv.de
yslee.com
www.meisterspionin.de

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (7 Stimmen, Durchschnitt: 1,29 von 5)

John Stephens – Emerald (Die Chroniken vom Anbeginn 1)

Die Chroniken vom Anbeginn:

01 „Emerald“
02 „Das Buch Rubyn“
03 „Onyx“

Die Handlung:

Als die drei Geschwister Kate, Michael und Emma, die als Kleinkinder von ihren Eltern getrennt wurden, auf dem Weg in ein neues Waisenhaus in dem abgelegenen Herrenhaus des geheimnisvollen Dr. Pym landen, ahnen sie nicht im Geringsten, wohin diese Reise sie führen wird. Denn bevor sie sich versehen, sind die besonnene Kate, der kluge Michael und die tollkühne kleine Emma in den Kampf um drei magische Bücher voll unermesslicher Macht verstrickt. Sie müssen erfahren, dass es ihre Aufgabe ist, diese
zu finden, wenn sie ihre Eltern je wiedersehen wollen. Auf dem Weg dorthin treten sie gegen finstere Gegner an, finden unerwartete, liebenswerte Verbündete, meistern ihre magischen Talente, entdecken unvorstellbare Wesen und beginnen das Geheimnis ihrer Familie zu lüften.
(Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Bereits Monate vor dem Erscheinen der Erstausgabe wurde um dieses Buch ein riesiger Rummel veranstaltet. Was ist das für eine Geschichte, die bereits in 32 Länder verkauft wurde, bevor die Öffentlichkeit überhaupt nur ein Wort davon gelesen hat? Da müssen sich aber viele Verantwortliche sehr sicher sein, dass die Trilogie um Kate, Michael und Emma ordentlich in den Kinderzimmern dieser Welt einschlagen wird.

Nicht so ganz nachvollziehen kann ich allerdings die Wahl des deutschen Titels. Wie kann man den Originaltitel „Emerald Atlas“ um das sinngebende Element kürzen? So ist es nur noch ein Edelstein, denn „Emerald“ heißt „Smaragd“, und nicht „smaragdgrüner Atlas“, der nämlich, verzaubert wie er ist, eine zentrale Rolle in diesem Buch spielt. So wird der Atlas dann im Buch auch „Buch Emerald“ genannt oder gegen Ende auch „Chronik der Zeit“. Was beides so gar keinen Sinn ergibt, wenn in der Geschichte davon gesprochen wird, dass hier diverse Karten enthalten sind … „wie in einer Chronik“ … Falsch! … In einer Chronik steht Text, in einem Atlas sind Karten! Wenn man schon die Namen der Charaktere direkt übernimmt, dann frage ich mich, warum die Namen der Bücher nicht auch sinngemäß übersetzt wurden, denn auch das Zwergen-Buch, aus dem Michael gern und ständig zitiert, trägt im Original einen ganz anderen Namen.

Es dauert keine Handvoll Seiten, bis der Leser gemerkt hat, dass John Stephens bislang Drehbücher für US-Fernsehserien geschrieben hat. Seine Dialoge sprühen vor Lebendigkeit und Wortwitz. Das Verhältnis der Geschwister untereinander wirkt so echt, wie es nur jemand beschreiben kann, der selbst Geschwister hat. Man ärgert den anderen ständig, aber nicht, weil man ihn nicht leiden kann, sondern weil man ihn liebhat. Aber das würde man natürlich nie öffentlich zugeben. So ähnlich geht es auch den drei „Waisen“ in „Emerald – Die Chroniken vom Anbeginn“. Sind sie das erste Mal voneinander getrennt, merken sie, wie viel sie sich gegenseitig bedeuten. Und das ist auch schon das Kernstück der gesamten Geschichte: Der Zusammenhalt der Familie, der Zusammenhalt von Geschwistern. Durch dick und dünn gehen, aber nie dabei allein sein müssen.

Der lockere Erzählstil von Stephens ist flüssig zu lesen und lässt den Leser nie ins Stocken geraten. Die Kapitel sind kurz genug, um in ein „Eins lese ich noch, dann ist aber Schluss“ zu verfallen.

Gleich zu Anfang merkt der Leser, woher Stephens seine Inspirationen bekommen hat. Sofort denkt man an „Harry Potter“, „Die Chroniken von Narnia“ und „Der goldene Kompass“. Aber trotz aller bekannter Zutaten erfindet Stephens eine neue Geschichte, die mit eigenem Charme begeistert. Seine Ideenvielfalt ist brillant und jedes Kapitel ist wie eine Szene in einer TV-Serie, bei der es alle paar Minuten einen kleinen Höhepunkt gibt und geben muss, bevor dann die Werbung gezeigt wird. Von daher ist seine langjährige Tätigkeit fürs Fernsehen sehr hilfreich gewesen und das kommt auch dem Leser zugute.

Ohne langwierige und langweilige Beschreibungen schafft Stephens es, dem Leser dennoch genug Tiefgang zu vermitteln, dass alle Personen glaubhaft wirken. Schnell entstehen die ersten Bilder im Kopf und das Abenteuer beginnt. Nachdem der erste Mann in der Mitte zerteilt wurde, wusste ich allerdings, warum der Verlag die Altersempfehlung nicht noch weiter heruntergesetzt hat. Abgesehen von dieser Szene sprüht das Buch vor Witz, Charme und Abenteuer. Magische Geheimnisse, Zeitreisen, Zauberer, Zwerge, neue Freundschaften, neue Feindschaften, Schwertkämpfe, all das und mehr erwartet die drei Geschwister und auch den Leser von „Emerald – Die Chroniken vom Anbeginn“.

Die drei verlieren dennoch nie ihr eigentliches Ziel aus den Augen: Ihre Eltern zu finden. Denn sie sind überzeugt davon, dass sie noch leben. Und am Ende dieses Teils weiß der Leser dann, was es mit dem ersten der „drei mächtigsten Zauberbücher, die je geschrieben wurden“ auf sich hat, was man damit anstellen kann und warum diese drei Kinder so entscheidend für das Schicksal der gesamten Menschheit sind.

Die 464 Seiten gehen viel zu schnell zu Ende und der Film, der von der ersten Seite an im Kopf des Lesers abläuft, wird bis zum nächsten Band, dessen Erscheinungstermin leider noch nicht feststeht, leider auf Pause stehen müssen. Aber einen Kinofilm wird es zu diesem Buch mit Sicherheit auch in absehbarer Zeit geben.

Der Autor

John Stephens ist als Drehbuchautor und Produzent bekannt geworden. Er wirkte nach seinem Studium an so erfolgreichen Fernsehserien wie Gossip Girl oder Gilmore Girls mit. Erst Philip Pullmans Goldener Kompass-Trilogie brachte ihn schließlich auf die Idee, sich dem Schreiben von Kinder- und Jugendbüchern zu widmen. (Verlagsinfo)

Mein Fazit:

Ein fantastisches Abenteuer für die Zielgruppe, für die es hier keine Altersbeschränkung nach oben gibt. Fans von „Harry Potter“ und „Narnia“ finden mit diesem Buch einen ebenbürtigen Lesespaß.

Hardcover: 464 Seiten
Originaltitel: The Emerald Atlas – Books of Beginning
Aus dem Amerikanischen von Alexandra Ernst
Mit Illustrationen von Jon Foster
Vom Verlag empfohlenes Lesealter: 10-13 Jahre
ISBN: 978-3-570-15292-8
www.randomhouse.de/cbjugendbuch
www.EmeraldAtlas.com

Der Autor vergibt: (5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (8 Stimmen, Durchschnitt: 2,38 von 5)

Sonnleitner, Marco – Die drei ??? und der Feuergeist (Band 158)

Zwei der drei im Frühjahr 2011 veröffentlichten Bände der beliebten Serie, welche sich seit geraumer Zeit fest in deutscher Hand befindet, genauer gesagt in denen des Kosmos-Verlags, stammen aus der Feder von Marco Sonnleitner. Dazu durfte er auch noch vier Kurzgeschichten in der jüngst ebenfalls erschienenen Anthologie „Die drei ??? und die Geisterlampe“ beisteuern und sich inzwischen mit Fug und Recht als Routinier der Serie bezeichnen. Neben Astrid Vollenbruch gehört er zu den dienstältesten der derzeit aktiven „Drei ???“-Autoren. „Feuergeist“ ist bereits der 158. Fall der berühmten Jugenddetektei aus Rocky Beach.

_Zur Story_

Maskenbildnerin Michelle Lannigan ist am Opernhaus „Opera Califia“ beschäftigt und hat dort eine seltsame Begegnung in den finsteren, verwinkelten Kellergewölben des alten Opernhauses gehabt. Eine haarige Kreatur schlich dort herum. Allerdings scheut sie sich dies publik zu machen, da sie erst vor Kurzem dort Anstellung fand und dementsprechend besorgt wegen eines etwaigen Arbeitsplatzverlustes ist, falls man ihr nachsagen sollte, Mist erzählt zu haben. Daher wendet sie sich nun vertrauensvoll an die drei ??? – von denen hat sie über einen Bekannten und früheren Klienten der Jungs erfahren: Adam Campbell („Grusel auf Campbell Castle“ (Band 147)).

Dergleichen ist natürlich ein gefundenes Fressen für das mysteriumserprobte Ermittlungstrio, wobei sie von Michelle unter Vorwand in die Oper geschleust werden. Peter ist nach einem Check der Location und Fund von seltsamem, grünem Schleim an besagter Stelle der Sichtung, beinahe felsenfest davon überzeugt, dass es sich hier um Aliens handeln muss. Kein Wunder, stehen die drei doch noch schwer unter dem Eindruck, dass demnächst der berühmte Dr. Abakulow hier in Rocky Beach auf einer SETI-Tagung den Beweis für außerirdisches Leben erbringen will. Justus hat sogar eine der wenigen begehrten Eintrittskarten für dessen mit Spannung erwartetes Referat ergattert.

Justus glaubt übrigens nicht an Besuch aus dem All, der sich ausgerechnet in den Kellern alter Opernhäuser herumtreibt. Er vermutet höchst irdische Übeltäter. Wenns denn überhaupt eine üble Tat gibt, denn bislang ist gar nichts passiert. Und Typen in Kostümen sind an einer Oper ja nun auch nichts Besonderes. Nur was will jemand in diesem abgeschiedenen Keller, den kaum jemand betritt, mit einer solchen Maskerade bezwecken? Ist es vielleicht Ronald Pounder, der neue Intendant, der damit ein wenig Publicity für sein Haus – Motto: „Phantom der Oper“ – schinden will? Schräg genug für so etwas wäre er – aber der Rest der bunten Truppe ist es nicht minder. Und dann ist da auch noch Moody Firthway, der gefürchtete „Pate“ von Rocky Beach.

_Eindrücke_

Wenn man sich im Vorfeld Kundenrezensionen anschaut, färbt das definitiv auf die Erwartungshaltung ab. Egal ob nun positiv oder negativ. In diesem Fall erzeugte eine Vorabrecherche, beim Branchenriesen Amazon, für eine gewisse Skepsis gegenüber der Story, noch bevor die erste Seite überhaupt aufgeschlagen ward. Allerdings zeigt sich hier wieder einmal ganz deutlich, dass das eigene Urteil durch nichts zu ersetzen ist: Die dort angebrachten Kritikpunkte, dass sich Marco Sonnleitner zwischen Alien-, Oper- und Mafia-Thematik nicht entscheiden könne, kann man durchaus auch als konkrete Stärke dieses Falles werten.

Dadurch, dass nämlich drei Handlungen (streng genommen sind es sogar deren vier, wie sich am Ende herausstellt) miteinander verquickt werden, gerät die temporeiche Geschichte selten in Gefahr in die Langeweile abzudriften. Sicherlich wird das eine oder andere Klischee bemüht, doch erstens erwartet ein Leser, speziell ein altgedienter „Drei ???“-Leser, solche zu finden, zweitens ist es nahezu unmöglich bei inzwischen 160 Fällen immer neue, frische Kaninchen aus dem Hut zu ziehen. Immerhin ist der Plot, wie vielleicht durch artverwandte Fälle (Insbesondere die grausigen Bände „Todesflug“ und „Geheimakte UFO“) zu befürchten stand, überhaupt nicht abgehoben. Die finale Alienfrage bleibt ganz bewusst, und recht geschickt, ungeklärt. So viel darf bereits verraten werden – alles andere hätte auch nicht zur Serie gepasst.

Dennoch ist der „Feuergeist“ nicht vollkommen frei von Kritikwürdigem und nicht alles ist zu hundert Prozent nachvollziehbar. Die größte Unglaubwürdigkeit ist jedoch der rasche Wechsel zwischen den verschiedensten Darbietungen. Gerade ein vorgeblich kleines, finanzschwaches Opernhaus kann es sich allein aus ökonomischen Gründen nicht leisten in einer einzigen Woche „La Traviata“, „Aida“ und „Die Zauberflöte“ zu inszenieren. Das mag – unterstellt sei hier einfach mal, dass der pädagogische Auftrag der jugendlichen Leserschaft auf die spielerische Art etwas Allgemeinbildung mitzugeben, Vater des Gedanken sei – gut gemeint sein, ist aber alles andere als realitätsnah. Auch die abschließende Überführung der Pelzkreatur ist nicht der Weisheit letzter Schluss.

_Fazit_

Ein handwerklich solider wie bodenständiger „Drei ???“-Fall, der entgegen so manchen (Online-)Kritikern gar nicht mal so übel davonkommt und auch bei den Außerirdischen elegant die Kurve kriegt. Letztendlich ist es natürlich absolut Geschmacksache, ob einem die Mischung der Themen liegt oder nicht. Kein Meilenstein, wohl wahr, doch richtige Schwachstellen sind indes kaum zu finden, sieht man von ein paar zurechtgebogen wirkenden Umständen mal ab, die aber das allgemein positive Bild und die Geschichte als solche kaum bis überhaupt nicht beeinträchtigen. Gutes Mittelfeld ist für den „Feuergeist“ (diesmal sogar mit etwas mehr Titelbezug) allemal drin.

|Hardcover: 128 Seiten
Basierend auf den Figuren von Robert Arthur
Erzählt von Marco Sonnleitner
Redaktion: Martina Zierold, Martina Dold
ISBN 978-3-440-12492-5|
[www.kosmos.de]http://www.kosmos.de

Über 80 weitere Rezensionen zu den Drei ??? gibts in [unserer Datenbank]http://buchwurm.info/book zu entdecken.

Grant, Sara – Neva

_Neva ist 16 Jahre alt_ und lebt in Heimatland, einem Ort, der von der Umwelt durch eine Protektosphäre hermetisch abgekapselt ist. Angeblich zum Schutz der Menschen errichtet, werden unter der Protektosphäre aber langsam die Ressourcen kritisch knapp, die Technik streikt immer mehr und letztlich kann durch den Mangel an Rohstoffen nichts mehr instand gehalten und repariert werden. Die Bevölkerungsdichte nimmt konstant ab, ganze Landstriche liegen brach und die überlebenden Frauen in den Dörfern werden möglichst schnell verheiratet, sodass man erwartet, dass eine Frau mit jungen 16 Jahren schon Kinder gebären kann.

Neva, Tochter eines Ministers von Heimaltland, ist dazu angehalten, sich brav an die in Stein gemeißelten Regeln zu halten. Es dürfen keine Fragen gestellt oder gar diskutiert werden. Es soll und muss zum Wohle der Gesellschaft ein Leben vollen Anpassungen stattfinden. Doch Neva rebelliert.

Sie kann nicht glauben, dass es außerhalb der Protektosphäre kein anderes Leben mehr gibt, und ist entschlossen, das dunkle Geheimnis, um die vielen verschwundenen Personen zu lösen. Zusammen mit ihren vertrauenswürdigsten Freunden veranstalten Neva und ihre beste Freundin Sanna eine „Dunkelparty“. Auf dieser Party wird der Grundstein zu einer Rebellion gelegt und Neva, Sanne und die gemeinsamen Freunde begeben sich in große Gefahr und Neva verliebt sich in einen Jungen, der für sie tabu ist.

_Kritik_

Mit „Neva“ hat Sara Grant einen Jugendroman geschrieben, der zutiefst verstörend ist. Die Autorin zeigt eine Welt in der Individualität nicht geschätzt wird, sondern bestraft gehört.
Die Thematik wird sehr authentisch und in einem passend düsteren Ton erzählt. Das Leben, „eingesperrt“ unter einer Kuppel, der anscheinend niemand entfliehen kann und die daraus resultierenden Handicaps werden anschaulich und beängstigend realistisch beschrieben. Dem flüssigen und sehr lebendigen Schreibstil der Autorin kann dabei auch der jugendliche Leser leicht folgen.

Schnell wird der Leser in das Geschehen involviert, lange hält sich die Autorin nicht mit Erklärungen auf, sondern lässt das Geschehen für sich selbst sprechen. Etwas mehr Tiefe an manchen Stellen hätte sicherlich gutgetan, trotzdem bleiben kaum Fragen offen, Heimatland und seine Probleme werden anschaulich erklärt und schnell entsteht eine authentische Vorstellung dieser Kultur.

Besonders die Kritik der Autorin an einem Regime, das keine Individualität zulässt und Andersartigkeit auszumerzen versucht, wird sehr deutlich gemacht und regt mit einem Fingerzeig zum Nachdenken an.

Der Spannungsbogen, der gleich ab der ersten Seite stetig steigt, macht es schwer das Buch auch nur kurz aus der Hand zu legen, viel zu sehr fiebert man beim Lesen mit Neva mit. Diesen Charakter mit allen Facetten zu verstehen fällt dabei sehr leicht, da die Geschichte aus Nevas Perspektive erzählt wird. Der Leser ist so immer auf Nevas Stand der Dinge.

Nevas Charakter und Motivation werden sehr glaubwürdig und lebendig beschrieben. Ihr Versuch hinter das Geheimnis der verschwundenen Menschen, unter anderem ihrer geliebten Großmutter zu kommen, macht ihre Revolte nachvollziehbar. Sie stellt die verbotenen Fragen und bringt sich und auch ihre Familie dadurch in große Gefahr. Mutig stellt Neva sich den Ereignissen und gewinnt so die Herzen der Leserschaft im Sturm.

Nevas beste Freundin Sanne ist wie Neva auch rebellisch und fordert das Ende Heimatlands. Sanne unterstützt Neva bei ihrer Rebellion und erlebt dabei Schreckliches. Zu kippen droht die Freundschaft dann, als Neva sich in Sannes Freund Braydon verliebt.

Braydon ist ein Charakter, der bis über das Ende hinaus sehr geheimnisvoll bleibt, und dessen Motivation leider nicht vollständig aufgeklärt wird. Mysteriös bis zum Schluss, lässt diese Figur eine Menge offener Fragen zurück.

Auch die weiteren Protagonisten sind sehr ansprechend gezeichnet, bleiben aber zum Verdruss des Lesers sehr blass und eine Menge Fragen sind zum Schluss noch offen. Besonders die Eltern Nevas haben ansprechende Ansätze. Der regelkonforme Altminister Heimatlands, Nevas Vater, ist durchweg an der Einhaltung der Regeln bedacht. Dennoch schafft dieser, den Leser zu überraschen.

Der komplette Roman schreit geradezu nach einer Fortsetzung, die es laut Angaben der Autorin aber wohl, zumindest vorerst, nicht geben wird.

Die Gestaltung des Covers in verschiedenen Grauabstufungen passt hervorragend zu dem düsteren Plot. Lediglich der Titel und der Name der Autorin sind heller hervorgehoben.

_Fazit_

Mit Sara Grants „Neva“ erobert eine neue Dystopie den Buchmarkt im Sturm. Klar und verständlich geschrieben, mit dem richtigen Maß an atemberaubender Spannung hat die Autorin eine beängstigende Welt geschaffen, in der wohl keiner leben wollte.

Hier ist ein aufsehenerregendes Jugendbuch geschrieben worden, dessen tiefere Bedeutung zum Nachdenken anregt. Ich kann diesen Roman wirklich weiterempfehlen.
„Neva“ schreit gerade zu nach einer Fortsetzung, viele Fragen sind trotz der grandiosen Art zu erzählen offen geblieben und wollen dringend geklärt werden.

_Autorin_

Sara Grant wurde 1968 im amerikanischen Bundesstaat Indiana geboren, wo sie Journalistik und Psychologie studierte, bevor sie ihrem Mann nach London folgte; dort machte sie an der Universität den „Master in Creative and Life Writing“ und arbeitet seitdem bei einer Literaturagentur. Der Umzug nach England inspirierte sie zu ihrem ersten Roman: „Sowohl die USA als auch Großbritannien hadern mit Immigrationsthemen. Ich glaube daran, dass die Vielfalt uns stärker macht. Also stellte ich mir die Frage, was geschieht, wenn man Landesgrenzen schließt und sich vor fremden Menschen und fremden Gedanken abschottet. Mein Roman ist die Antwort darauf.“

|Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Originaltitel: Dark Parties
ISBN-13: 978-3426283486|
[www.droemer-knaur.de]http://www.droemer-knaur.de

[Leseseprobe]http://www.droemer-knaur.de/livebook/LP__978-3-426-28348-6/index.html

Erlhoff, Kari – Die drei ??? – Tödliches Eis (Band 142)

Kari Erlhoff gehört inzwischen zu den etablierten ???-Autoren der Neuzeit. Und das nicht von ungefähr, denn ihre Geschichten zeichnen sich für gewöhnlich durch den positiven Einsatz klassischer Serienelemente und Figuren ebenso aus wie auch durch moderne Einschläge. Der 142. Fall der berühmten Jugenddetektei aus Rocky Beach datiert auf das Jahr 2008, und somit auf ihre literarischen Anfänge bei den drei ???, zurück. Damals, so hat man den Eindruck, gab es beim |Kosmos|-Verlag sogar noch Buchtitel, die ganz gut zum Inhalt des jeweiligen Werkes passen. „Tödliches Eis“ ist ein solcher Kandidat, der ohne das, sonst von der Marketingabteilung so gern vorgenommene (und oft unnötig), überzogene Tuning des Titels auskommt.

_Zur Story_

Mal kein Fall in den Ferien? So ganz glücklich scheint Justus damit nicht zu sein, doch das Angebot von Kamerafrau und Journalistin Carol Ford sie bei Alaskas härtestem Schlittenhunderennen „Nordic Wilderness Race“ zu begleiten, ist auch verlockend. So kommt es, dass das Detektiv-Trio als Ersatz für Carols kurzfristig ausgefallenes Reporter-Team einspringt. Ihre Mitarbeiter hat es nach Genuss von Erdnusskeksen mit Magenproblemen niedergestreckt. Das ist nicht der einzige sonderbare Vorfall während der Vorbereitungen zum Rennen. Tatsächlich scheinen sich derzeit Sabotageakte zu häufen und Carol hat die drei Fragezeichen nicht ohne Grund aus dem sonnigen Rocky Beach ins eiskalte Dawson gerufen. Das sagt sie ihnen aber erst, nachdem die drei selbst Zeugen eines augenscheinlich absichtlich gelegten Feuers werden.

Dass das recht glimpflich abläuft, und nicht die Ausrüstung der sympathischen Musherin Francis Studstill in Brand setzt, ist Peters Verdienst. Sie ist schon das zweite Mal Beinahe-Opfer eines Anschlags geworden. Die offenbar präparierten Kekse, die zum Ausfall von Carols naschsüchtigen Kollegen geführt haben, waren wohl eigentlich für sie gedacht gewesen. Carol schärft den Jungs ein, auf dem kompletten Trail, welcher erst in Fairbanks endet, die Augen und Ohren offen zu halten. Diese Umstände machen es Justus etwas leichter sich von einem weiteren potenziellen Fall zu trennen: In Dawson wurde erst kürzlich unter mysteriösen Umständen das hiesige Museum ausgeraubt. Einige wertvolle Exponate – ein Original Rucksack von Jack London sowie ein stattlicher Goldklumpen – blieben bislang ebenso spurlos verschwunden, wie der oder die Täter.

_Eindrücke_

Kari Erlhoff bedient sich diesmal einer alten Bekannten der drei ???: Carol Ford. Die Journalistin kennt mancher Leser sicher noch vom Fall „Meuterei auf hoher See“ (Band 83). Diesmal treibt es die Vier allerdings ins frostig kalte Alaska, von dem behauptet wird, dass im fraglichen Gebiet zwischen -30 und -40° C herrschen sollen. Das ist mächtig übertrieben, die höchsten gemessenen Temperaturen im Januar – dem kältesten Monat – liegen allesamt satt unterhalb dieser Marke. Die in der Realität tatsächlich erreichten 15 – 20 Grad Minus (Quelle: Wikipedia u.a.) klingen aber auch wesentlich weniger spektakulär. Allerdings würden diese der Geschichte einen wesentlichen Punkt bei der Glaubhaftigkeit bringen: Als bei der Überquerung des Yukon angeblich das Eis knackt, ist das bei -40° ziemlicher Unfug, da frieren selbst fließende Gewässer innerhalb kürzester Zeit zu.

Ansonsten ist der Geschichte selbst eigentlich nichts anzulasten. Wohl aber dem Korrektorat des Verlags, dem gleich mehrere vermeidbare Rechtschreibfehler (fehlende bzw. zusätzliche Buchstaben – etwa auf S. 26, 41 und 43) sowie kleinere stilistische Patzer, kurz hintereinander durch die Lappen ging. Beispiele gefällig? In den USA heißen die Pommes Frites (noch dazu falsch geschrieben – wiederum S. 26) korrekterweise ‚French Fries‘ – es wäre also wesentlich stilechter diese amerikanische Bezeichnung auch zu benutzen. Ok, das ist Auslegungssache.

Genug gelästert. Der Fall an sich gehört nämlich zu den überdurchschnittlich Guten. Im Prinzip sind es ja zwei Fälle, denn wie sich jeder denken kann, überschneiden sich Museumsdiebstahl und die Sabotageakte letztendlich. Doch bis zum doppelten Showdown ist es ein langer, kalter und spannender Weg. Allein schon deshalb, weil er endlich mal wieder außerhalb Rocky Beachs stattfindet und zudem ein interessantes Thema verfolgt: Schlittenhunderennen. Das hatten wir noch nicht und ist dementsprechend noch nicht so ausgelatscht, wie Erbschaften, Piraten und Ähnliches aus der reichhaltigen ???-Klamottenkiste. Einen erwähnenswerten Gastauftritt gibt’s auch noch: Jelena Charkova. Der Leser erfährt so nebenher einiges rund um das strenge Reglement, welchem sich die Musher unterwerfen müssen und auch über Alaskas Goldgräbergeschichte.

_Fazit_

Von ein paar nicht ganz authentischen Passagen abgesehen, die man der Geschichte allerdings nicht übel nimmt, hat Kari Erlhoff mit „Tödliches Eis“ einen spannenden, thematisch originellen wie vergleichsweise außergewöhnlichen Fall erschaffen, bei dem endlich auch wieder einmal das Teamwork hoch im Kurs steht. Die kleinen Stilbrüche, was die äußeren Umstände angeht, sind da wirklich marginal. Ob die Rechtschreibung gegenüber der Erstauflage inzwischen verbessert wurde, ist nicht bekannt – es täte aber dringend Not. Insbesondere ein Jugendroman (Stichwort: Vorbildfunktion) sollte möglichst frei von solch vermeidbaren Fehlern sein, zumindest in dieser Häufung.

|Hardcover: 126 Seiten
Basierend auf Figuren von Robert Arthur
Erzählt von Kari Erlhoff
Redaktion: Martina Dold, Martina Zierold
ISBN-13: 978-3440-11568-8|
[www.kosmos.de]http://www.kosmos.de

Fast 80 weitere Rezensionen zu den „Drei Fragezeichen“ gibt es in unserer [Datenbank]http://buchwurm.info/book zu entdecken.

Erlhoff, Kari; Sonnleitner, Marco; Buchna Hendrik – Die drei ??? und die Geisterlampe – 12 Kurzgeschichten (Sonderband)

Das letzte Jubiläum einer der beliebtesten Jugendserien überhaupt, liegt noch gar nicht so lange zurück. Erst im Jahr 2010 feierte man bei |Kosmos| die Veröffentlichung von Band 150. Trotzdem geht die Erfolgsgeschichte unvermindert weiter. Derzeit befinden sich vier aktive Autoren „im Dienst“, drei von ihnen geben sich im vorliegenden 159. Band ein Stelldichein. Dieser ist eine kleine Neuerung in der inzwischen fast genau 50-jährigen Geschichte der Reihe: Kurzgeschichten der drei ??? hatten wir bislang noch nicht. Gleich zwölf Stück davon sind hier vertreten:

_“Der verschwundene Superstar“ – Kari Erlhoff_

„Blacky“, seit Jahren fester Bestandteil und Maskottchen der drei Fragezeichen, plappert plötzlich Passagen aus Shakespeares „Hamlet“ – genauer gesagt die Textzeilen der weiblichen Hauptrolle Ophelia. Eine kurze Untersuchung des bekannt sprachbegabten, schwarzen Vogels bestätigt den Verdacht, dass es sich hier nicht um Blackbeard, sondern um einen anderen Mynah handelt. Jemand muss Blacky entführt haben!

|Eindruck|

Die Geschichte ist eine schöne Hommage an den Fall „Super-Papagei“ und somit an einen der berühmtesten Fälle des Trios. Kari Erlhoff hat ohnehin ein Faible für die klassischen Elemente und Figuren, gerne auch aus den ganz frühen Tagen der Serie. Erst jüngst erweckte sie Jamie Allison („Feurige Flut“), Jelena Charkova („Tödliches Eis“) und Skinny Norris („Namenloser Gegner“) zu neuem Leben. Wiewohl die Grundidee dieses Falles durchaus originell ist, wirkt die Auflösung etwas holprig und in letzter Instanz nicht besonders plausibel.

_“SOS“ – Marco Sonnleitner_

Nach einem spannenden Kinoabend am Strand, bemerken die drei Fragezeichen ein SOS-Blinksignal aus einem alten, vermeintlich leerstehenden Anwesen mit dem – vor allem für Hasenfuß Peter – höchst verheißungsvollen Namen ‚Gloomy Hollow‘ (dt.: Düstere Senke). Diese stammen von einem von Einbrechern eingesperrten, zehnjährigen Jungen, der kürzlich mit seinen Eltern hier einzog. Diese sind allerdings aushäusig, stattdessen machen sich die ungebetenen Gäste grade an Daddys Tresor zu schaffen …

|Eindruck|

Auch Marco Sonnleitner bedient sich ebenfalls gerne mal erprobter Stilelemente und würzt diese dann vorzugsweise noch mit einem Schuss Mystery. Diesmal langt es, vielleicht wegen der Begrenzung der Länge auf zwölf Seiten pro Story, augenscheinlich nicht für einen ausgewachsenen Fluch, sodass es hier fast ausschließlich das alte Piraten-Thema im Alleingang richten muss, das Kennern der Serie sattsam bekannt ist. Wenig Knobelei, viel Action – lautet die Devise des Plots, der alles in allem recht ordentlich zu unterhalten weiß.

_“Das Rätsel der schwarzen Nadel“ – Hendrik Buchna_

Die drei Jungs sollen einen recht heiklen Überwachungsjob ausführen. Ihr Klient Mr Logan muss eine Schachtel, mit einer ominösen schwarzen Nadel, auf einer alten Industriebrache an einen Unbekannten aushändigen bzw. dort deponieren – zu den üblichen Bedingungen: Allein und natürlich keine Polizei. Die diesbezügliche Drohung ist recht unverhohlen. Noch während der Vorbereitung der Observation müssen die drei zum Arbeitseinsatz für Tante Mathilda antreten – die Gelegenheit nutzt jemand, um sich Zutritt zur Zentrale zu verschaffen.

|Eindruck|

Newcomer Hendrik Buchna („Im Zeichen der Schlangen“) pflegt zunächst lieb gewonnene Klischees, wie den Frondienst für Tante Mathilda und Onkel Titus. Noch während der Leser sich innerlich auf die nächtliche Beschattung vor düsterer Werkshallenkulisse vorbereitet, löst sich der Fall quasi im Vorbeigehen. Und vor allem schneller als gedacht. Eben noch mit Bob gefiebert, der mit dem Einbrecher in der Zentrale konfrontiert wird, und schon einer recht unerwartete Erklärung/Auflösung des Falles.

_“Entführt“ – Marco Sonnleitner_

Peter erhält eine alarmierende E-Mail, in welcher ihm die Entführung seiner Freundin Kelly mitgeteilt wird – nebst einem Rätsel, wo er sie wieder finden kann. Unterzeichnet hat ein gewisser „S.N.“ Natürlich kann es sich dabei nur um Dauerwidersacher und Erzfeind Skinny Norris handeln, denken auch Justus und Bob, als er sie in der Zentrale davon informiert. Das gesetzte Ultimatum ist fast verstrichen und somit der enge Zeitrahmen die kniffligen Denksportaufgaben zu lösen. Kann der recht beschränkte Skinny sich so etwas Subtiles tatsächlich ausgedacht haben?

|Eindruck|

Peters Freundin Kelly Madigan hatten wir die letzten paar Jahre schon (fast) vergessen. Nun erinnert Marco Sonnleitner sich (und uns) wieder an sie. Die Geschichte kommt, für ihn recht untypisch, vollkommen ohne mysteriösen Einschlag aus. Dafür gibt’s ein fast schon traditionell zu nennendes Rätsel im besten Sinne. Der pfiffige Final-Twist rundet diese flotte Geschichte zusätzlich ab.

_“Das Lehrstück“ – Kari Erlhoff_

Mrs Floyd ruft die drei Fragezeichen zur Hilfe, da sie eine Erbschaft vermisst. Zumindest vermutet sie, dass ihre kürzlich verstorbene Mutter einen nicht unerheblichen Betrag gebunkert hat. Die alte Dame war Musiklehrerin – auch die Peters – und hat ihrer Tochter als einzigen Hinweis ein Musikstück hinterlassen, welches diese ganz folgerichtig als versteckte Botschaft auffasst. Wer sie dechiffriert, findet sicher auch das irgendwo im Haus versteckte Ersparte der schrulligen Verstorbenen.

|Eindruck|

Es fällt schwer sich ausgerechnet Peter Shaw als ehemaligen Klavierschüler vorzustellen – aber warum auch nicht? Ansonsten kommt einem bei dieser Story eigentlich nur noch ein einziges Wort in den Sinn: Vorhersehbar.

_“Verschwörung auf der Eagle Ranch“ – Hendrik Buchna_

Mitschüler Miguel bittet die drei ??? um Hilfe. Sein Vater Alejandro ist Besitzer der Highwayraststätte „Eagle Ranch“ und wurde erst vor zwei Jahren amerikanischer Staatsbürger. Irgendjemand hat wohl eine Aversion gegen ihn und veranstaltet – bisher – kleinere Sabotageakte, wobei in rätselhaften Drohschriften auf seinen Migrationshintergrund angespielt wird.

|Eindruck|

Diese Geschichte lebt in nicht unerheblichen Umfang von der Art, wie sie aufgezogen wurde. Bob verfasst einen retrospektiven Bericht für Inspector Cotta auf seiner klapprigen Schreibmaschine, wobei so mancher Tippfehler für Heiterkeit, sprich Auflockerung sorgt. Die Idee ist nicht neu. Diesen stilistischen Kniff kennt man schon vom Fall „Nebelberg“: Bobs Reisetagebuch. Der Fall ist durchaus spannend, gut durchdacht und hat eine unerwartete Auflösung.

_“Der graue Dämon“ – Hendrik Buchna_

Als Peter nach dem Sport noch zum Baumarkt muss, rasselt er dort mit einem monströsen Wesen zusammen. Panikartig ergreift der Ober-Hasenfuß des Trios die Flucht. Per pedes jagt ihn der graue Unhold quer durch Rocky Beach, bis Peter auf einer alten Mülldeponie Zuflucht sucht und sich endlich in Sicherheit wähnt.

|Eindruck|

Run for Fun, hätte man diese Kurzgeschichte ebenfalls nennen können. Eine spannende, rasante Verfolgungsjagd, die auch durch die Erwähnung verschiedener, grade zur jeweiligen Situation passender, Songtitel ihren subtilen Witz bezieht. Am Ende ist natürlich wieder einmal alles anders, als es scheint. Spaßig.

_“Dunkle Vergangenheit“ – Marco Sonnleitner_

Die drei ??? sind mit Bobs Käfer unterwegs, als ihnen ein waschechter Westmann vors Auto läuft. Nur Bobs schneller Reaktion ist es zu verdanken, dass er den Revolverhelden nicht über den Haufen fährt. Einen solchen richtet er nämlich auf die drei und zwingt sie ihm zur Flucht zu verhelfen. Er hat grade eine Bank ausgeraubt – Schlimmer noch: Bei dem Outlaw handelt es sich um einen von Justus‘ Vorfahren.

|Eindruck|

Zeitmaschine und Western? „Jemand zuhause McFly, Du irische Mistfliege?“ Den cineastisch vorbelasteten Leser beschleicht ein Déjà vu, nur dass Bobs Foffi eben kein DeLorean ist und Marty McFly und Doc Brown auch nicht vorkommen. Marco Sonnleitner begibt sich hier vom Setting her auf sehr dünnes, experimentelles Eis. Praktizierte Ahnenforschung einmal anders. Strange.

_“Jagd auf den Weihnachtsmann“ – Hendrik Buchna_

Es ist kurz vor Weihnachten und noch dazu einer der schlimmsten Winter, welche Rocky Beach je erlebt hat. Polizei und Feuerwehr haben alle Hände voll zu tun und sind kürzlich Opfer von Sabotageakten geworden. Umso härter trifft das kleine Städtchen eine dreiste Einbruchserie, die laut übereinstimmender Zeugenaussagen von einem Weihnachtsmann verübt wird.

|Eindruck|

Eine Weihnachtsgeschichte mit dem Nikolaus aus der Hölle – Satan Klaus, sozusagen. Selbstverständlich ist hinterher kaum noch etwas, wie es am Anfang schien und erhält zum Schluss sogar eine aktuelle, sozialkritische Komponente. Die Geschichte ist nicht immer ganz plausibel, vor allem was den Selbstbau-Schneepflug vor Onkel Titus’ Truck angeht. Alles in allem aber eine spannende, wie originelle Story.

_“Manches verlernt man nie“ – Marco Sonnleitner_

Die greisen drei ???, die berühmtesten Emporkömmlinge von Rocky Beach, sollen heute für ihr Lebenswerk geehrt werden. Der Bürgermeister schließt grade die Laudatio ab und will zur Verleihung von mit Edelsteinen geschmückten Fragezeichen übergehen, als plötzlich das Licht ausfällt. Im entstandenen Tumult sind hernach zwei der drei Edelsteine verschwunden. Der Dieb muss sich aber noch im Saal befinden.

|Eindruck|

Eben noch in der dunklen Vergangenheit, gehts mit Marco Sonnleitner nun tatsächlich quasi zurück in die Zukunft: Die drei ??? inzwischen in Ehren ergraut, etwas zänkisch wie ein altes Ehepaar – pardon: Trio – aber immer noch mopsfidel. Beklauen lassen sie sich schon mal gar nicht. Diese nette, kleine Persiflage liest sich fluffig und spielt selbstironisch-humorig mit so manchem Serien-Klischee.

_“Psychomoon“ – Kari Erlhoff_

Kellys Tante wird erpresst und ist Willens zum Schein auf die Lösegeldforderung des Erpressers – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ihr Gärtner – einzugehen. Kelly soll zusammen mit Peter die Geldübergabe vornehmen, Inspector Cotta lauert bereits am Treffpunkt. Im „Gates Motel“, wo die beiden die Honeymoon-Suite beziehen, soll der Zugriff erfolgen. Allerdings geht in der Nacht so einiges schief.

|Eindruck|

Erst entschwindet Kelly ziemlich sang- und klanglos aus der Serie, dann ist sie in einem Buch gleich zwei Mal vertreten. Dabei ist diese Geschichte eine offensichtliche Verneigung vor dem Altmeister Alfred Hitchcock, der den Büchern damals seinen zugkräftigen Namen lieh. Unvergessen sein Film „Psycho“, der bekanntlich im „Bates Motel“ spielt. Kari Erlhoff ließ es sich nicht nehmen, die legendäre Dusch-Szene daraus ebenfalls einzubauen. Natürlich wird hier niemand gemeuchelt …

_“Die drei ??? und die Geisterlampe“ – Kari Erlhoff_

Filmschauspieler Vancura hat einen regelrechten Orient-Spleen und jetzt ist ihm doch glatt sein Dschinn abhandengekommen. Das ist jetzt keine versteckte, anzügliche Sauerrei. Der Mime behauptet steif und fest, einen wahrhaftigen Flaschengeist aus einer kürzlich ersteigerten Öllampe befreit zu haben. Doch obwohl der – nach zwei bereits erfüllten Wünschen – versprach, pünktlich zum dritten wieder da zu sein, ist er seither nicht wieder zum Dienst erschienen.

|Eindruck|

Wie man unschwer erkennen kann, handelt es sich hierbei um die Titel gebende Story des Bandes. Der Plot ist straff, straight und schnörkellos auf den Punkt gebracht. Leider auch ziemlich überraschungsfrei, doch für viel Trara bleibt auf den wenigen, zur Verfügung stehenden, Seiten auch kein Raum. Unter anderen Umständen hätte man aus dieser Grundidee bestimmt einen interessanten Full-Size-Fall mit einem Hauch von „Flüsternde Mumie“ basteln können.

_Fazit_

Eine Anthologie der drei ??? gabs bislang noch nicht – zumindest keine offizielle. Durch die Bank sind die Kurzgeschichten unterhaltsam, einige hätten auch das Rüstzeug für Größeres mitgebracht, mindestens eine ist – für ???-Verhältnisse jedenfalls – sehr gewagt und extrem weit hergeholt. Eine bis zwei sind eher schwach, da zu vorhersehbar – zumindest in dieser kurzen Form. Bemerkenswert, dass Newcomer Hendrik Buchna die durchweg besseren, weil (subjektiv empfunden) originelleren, Storys in dieser Sammlung aus dem Ärmel zieht und seinen beiden etablierten Kollegen in nichts nachsteht.

|Hardcover: 128 Seiten
12 Kurzgeschichten
Basierend auf den Figuren von Robert Arthur
Erzählt von Kari Erlhoff, Marco Sonnleitner und Hendrik Buchna
Redaktion: Martina Zierold, Martina Dold
ISBN 978-3-440-12328-7|
[www.kosmos.de]http://www.kosmos.de

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Die drei ??? – Im Zeichen der Schlangen (Band 157)

Seit sich die beliebte Jugendserie fest in deutscher Hand befindet, wächst die Zahl der Autoren, welche sich in ihre Annalen einschreiben darf, langsam aber stetig weiter. Newcomer Hendrik Buchna gehört mit seinem Debüt nun auch dazu und ergänzt die Riege der derzeit aktiven Schreiber. Band 157 ist sein (vollwertiger) Erstling für die drei Fragezeichen, der sozusagen über die volle Distanz von 128 Seiten geht. Mitgewirkt hat er allerdings schon im jüngst veröffentlichten Kurzgeschichten-Band „Die drei ??? und die Geisterlampe“ (Februar 2011) sowie der EUROPA Dreier-Hörspiel-Sonderfolge „Die drei ??? und der DreiTag“ im Dezember 2010. Das Buch mit dem werbewirksamen aber – wieder einmal – nicht wirklich zur Story passenden Titel „Im Zeichen der Schlangen“ erscheint als Hardcover im Kosmos-Verlag. Wie üblich.

_Zur Story_

Die drei ??? – Im Zeichen der Schlangen (Band 157) weiterlesen