Archiv der Kategorie: Thriller & Krimis

Max Bentow – Der Eisjunge

Nils Trojan hat sich eine Auszeit auf einer Insel gegönnt, um neue Kräfte zu tanken. Doch er ist kaum zurück, als schon der nächste Tatort ruft, und der hat es in sich: Eine Frau wurde ermordet und zum Teil mit dem Fell eines Rehs abgedeckt. Zudem finden sich merkwürdige Zeichen am Tatort, in einer süßlich riechenden roten Farbe geschrieben.

Nicht lange dauert es, bis die nächste Leiche auftaucht – wieder einmal sind Mensch und Tierfell auf makabre Weise miteinander verschlungen, und auch hier finden sich rote Zeichen am Tatort. Was will der Täter damit aussagen? Was verbindet die beiden Morde?

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Jenny Blackhurst – das Mädchen im Dunkeln

Inhalt

Als Karen Brown ihre neue Patientin zum ersten Mal sieht, hält sie Jessica für einen psychologischen Routinefall: eine gelangweilte Frau, die ihren tristen Alltag mit einer heimlichen Affäre aufpeppt. Doch schon nach ihrem ersten Gespräch hat Karen das Gefühl, dass Jessica geradezu besessen ist von der Ehefrau ihres Liebhabers. Als wenig später die Leiche jener Frau gefunden wird, steht die Polizei vor Karens Tür. Sie gilt als dringend mordverdächtig. Karen ahnt, dass Jessica sie nicht zufällig ausgewählt hat – und dass es ein großer Fehler war, Jessica zu unterschätzen … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

„Das Mädchen im Dunkeln“ ist mysteriös, fesselnd und faszinierend abgründig – mit einer unvorstellbaren Enthüllung ganz zum Schluss! Jenny Blackhurst – das Mädchen im Dunkeln weiterlesen

Sabine Thiesler – Im Versteck

Paul Böger arbeitet freiberuflich als Fotograf in Hamburg. Als er in der Toskana ein verfallenes Haus am Ende eines kaum befahrbaren Weges hoch auf einem Berg findet, beschließt er spontan, seine Zelte in Hamburg abzubrechen und das Haus zu renovieren, um sich in dieser Einöde zu verstecken. Doch fehlt ihm zum Kauf noch Geld. Daher beschließt er, seine vermögende Mutter in die Toskana zu bringen, um ihr das Haus zu zeigen und sie um das fehlende Geld für den Kauf zu bitten.

Der Besuch mit seiner Mutter aber läuft nicht so, wie Paul sich das erhofft hat: Sie ist entsetzt von dem halbverfallenen Haus und weigert sich, auch nur einen Euro dafür zu investieren. Doch dann hilft Paul das Schicksal: Seine Mutter wird von einer Viper gebissen und stirbt. Mit dem Erbe kann er sich seinen Traum vom Haus in der Toskana erfüllen.

Dort möchte er sich – auf der Flucht vor seinem eigenen Trieb – verschanzen. Aber dann stellt er fest, dass dies gar nicht so einfach ist. Und kurz darauf verschwindet in seinem neuen Wohnort ein kleines Mädchen…
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Craig Russell – Walküre. Ein Fall für Jan Fabel

Der Kommissar zwischen DDR-Vermächtnis und Ninja-Killern

Im Hamburger Rotlichtviertel wird ein britischer Popstar schwerverletzt aufgefunden, von einem gezielten Messerstich tödlich verwundet. Hat der Engel von St. Pauli wieder zugeschlagen, ein Serienmörder, der bereits vor zehn Jahre eine blutige Spur zog und nie gefasst wurde?

Hauptkommissar Jan Fabel hat seine Zweifel. Denn der Mord scheint mit anderen im In- und Asuland in Zusammenhang zu stehen. Dem Tod eines serbischen Gangsters. Der Ermordung eines Journalisten in Norwegen. Und mit einer Legende aus der Zeit des Kalten Krieges: drei junge Frauen, die zu Profi-Killern ausgebildet wurden. Man nannte sie die Walküren, nach den Kriegsmaiden der nordischen Sage. Hat eine von ihnen überlebt? Tötet sie heute für Geld – oder aus Rache? (abgewandelte Verlagsinfo)

Das altnordische Wort „valkyria“ bezeichnet in der Mythologie die „Erwählerin der in der Schlacht Erschlagenen“, um sie dann in Odins Festhalle Valhalla zu bringen.

Der Autor

Craig Russell, geboren 1956 im „Kingdom of Fife“, Schottland, war zunächst in der Werbebranche tätig. Anschließend arbeitete er mehrere Jahre im Polizeidienst, bevor er sich selbständig machte, um Marketingkonzepte für große britische Firmen zu entwickeln. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. „Blutadler“ war sein erster Roman und der Beginn einer mehrteiligen Thriller-Reihe um den Kommissar Jan Fabel aus Hamburg, die mit „Wolfsfährte“ und „Brandmal“ fortgesetzt wurde. Russell erhielt den Hamburger Polizeistern und den Silver Dagger Award für seine Romane.

Handlung

Der Sterbende wird in einer kleinen Seitenstraße der Hamburger Reeperbahn entdeckt, nicht weit von der Herbertstraße, mitten im Rotlichtbezirk. Als Hauptkommissar Jan Fabel eintrifft, ist der Sterbende bereits ins Krankenhaus gebracht worden. Jemand hat ihm fachmännisch den Unterbauch aufgeschlitzt, so dass er wahrscheinlich am Blutverlust sterben wird. Dies ist ein Profimord, denkt Fabel. Interessant ist aber auch die Identität des Sterbenden. Es handelt sich um Jake Westland, einen alternden britischen Popsänger, der kurz zuvor auf einem Benefizkonzert aufgetreten ist.

Aber Westland sollte eigentlich durch Leibwächter geschützt werden. Fabel befragt seine Ex Martina Schilmann, eine Polizistin, die jetzt ein privates Bewachungsunternehmen leitet. Martina sagt, dass Westland ihre Leibwächter absichtlich ausgetrickst habe, indem er erst in die Herbertstraße ging – die bekanntlich keine Frau betreten darf – und dann in eine abgelegene Seitenstraße. Westland suchte etwas oder jemanden, aber das bleibt ein Rätsel. Jedenfalls soll der Überfall wie ein Diebstahl aussehen – Brieftasche und Handy sind weg.

Sogleich wittert die Presse ein gefundenes Fressen. Ist der Killer vom Kiez wieder zurück, fragt sie Blut witternd und erinnert damit an die unaufgeklärte Mordserie, die vor zehn Jahren den Kiez in Angst und Schrecken versetzte. Fabel ist nicht überzeugt. Nicht nur die Professionalität der Tat lässt auf einen kaltblütigen Profi schließen, es gibt auch keinen Hinweis auf ein Rachemotiv. Die Freier wurden damals alle im Auto getötet, Westland jedoch praktisch auf offener Straße. Fabelk wimmelt auch Sylvie Achtenhagen ab, die TV-Reporterin, die mit ihrer Berichterstattung von damals ganz groß rauskam und jetzt natürlich Morgenluft wittert, um ihrer vor sich hindümpelnden Karriere beim Privatsender HansaSat Aufwind zu verleihen.

Wenige Tage später wird Armin Lensch, ein Mitarbeiter der NeuHansa Group, auf einem Brachgelände tot aufgefunden, ebenfalls mit einem professionellen Schnitt dort, wo es am meisten wehtut. Fabels Kollegin Anna Wolff erinnert sich erschüttert, dass sie den Toten kennt: Das war einer jener Angetrunkenen, die ihr auf der Reeperbahn bei einer Festnahme Schwierigkeiten machen wollten. Dabei hatte sie ihm das Knie in den Schritt gerammt, was ihn zur Vernunft brachte. Fabel empfiehlt ihr dringend ein Antiaggressions-Training.

Als kurz darauf der dänische Kommissar Jens Jespersen ebenfalls professionell ermordet in seinem Hotelzimmer in der Innenstadt aufgefunden wird, nimmt die Reihe der Todesfälle internationale Dimensionen an. Fabel fragt sich allmählich, mit wem es zu tun hat – mit einer Auftragsmörderin etwa? Denn um eine Frau muss es sich wohl handeln. Nicht nur fiel niemandem beim Westland-Mord ein Mann in der Gegend auf, auch der Fahrer, in dessen „Taxi“ Armin Lensch einstieg, war weiblich. Und das Taxi war gar keines, sondern wirkte wegen seiner typischen Elfenbein-Farbe nur so.

Jespersens unzeitiger Tod ruft die Dänen auf den Plan, und zwar in Gestalt der blonden hochgewachsenen Polizeidirektorin Karin Vestergaard. Sie zeigt eine viel weiter gespannte Dimension der Fälle auf, an denen der Eigenbrötler Jespersen dran war. Ein serbischer Kriegsverbrecher und Drogenhändler wurde kürzlich in Kopenhagen getötet auf einer Parkbank aufgefunden. Er war davor von Jespersens Spezialeinheit verhaftet worden, musste aber wegen eines Formfehlers wieder freigelassen werden. Wer hat ihn umgelegt? Und da ist auch ein norwegischer Journalist, der in Oslo ein vorzeitiges Ende gefunden habe. Alles deute auf eine eiskalte Profikillerin hin. Und nun hat sie offenbar auch Jespersen erwischt.

Was wollte Jespersen überhaupt in Hamburg, fragt Fabel zu Recht. Vestergaard sagt, er suchte nach einem Ex-Stasi-Offizier namens Drescher, der zu DDR-Zeiten drei solcher Profikillerinnen ausgebildet und geführt habe: die „Walküren“. Gut möglich, dass er sich jetzt als Privatunternehmer für Auftragsmorde dingen lässt. Das Problem sei aber, dass keiner wisse, wie sich Drescher jetzt nenne. Die einzige Spur, die es gebe, sei eine aus der Psychiatrie ausgebrochene „Walküre“, eine gewisse Margarethe Paulus, geboren in Mecklenburg, nur 70 km entfernt von Hamburg.

Doch als Fabel und Vestergaard endlich auf Margarethe Paulus treffen, ist es bereits zu spät, um Drescher, den Ex-Stasi-Offizier, noch zu retten. Aber haben sie jetzt die Auftragsmörderin erwischt, oder läuft noch eine der zwei anderen in Hamburg herum, fragt sich Fabel bang. Er soll schon bald eine Antwort auf diese Frage bekommen.

Mein Eindruck

Dieser Roman dreht sich nicht zufällig genau 20 Jahre nach dem Fall der Mauer um die letzten Tage von DDR und Stasi. Das historische Interesse an diesen Ereignissen wächst zusehends. Am 1. Oktober strahlt die ARD eine Dokumentation über die sogenannte Erstürmung der Stasi-Zentrale am 15. Januar 1990 aus. Dieser mysteriöse Tag spielt auch in Russellls Roman eine Schlüsselrolle. Denn die Stasi-Mitarbeiter waren vor und nach dem 15. Januar, als die Bürgerrechtler angeblich das Hauptgebäude stürmten (tatsächlich war es nur ein unwichtiges Nebengebäude) eifrig mit der Vernichtung von Akten beschäftigt. Um diese Akten geht es in weiten Teilen des letzten Drittels dieses Thrillers.

Das Projekt Walküre

Denn in ihrem Erfassungswahn hatte die Stasi nicht bloß sechs Millionen Bürger erfasst, sondern natürlich auch festgehalten, wie das Hauptamt für Auslandsaufklärung (HVA), dem Georg Drescher vorstand, zuerst zwölf Frauen für ein Spezialprogramm auswählte, dann aber nur drei davon vollständig ausbildete. Diese drei Frauen sollten zu weiblichen Ninjas werden: unbesiegbar, skrupellos, unsichtbare Tötungsagenten.

Aus diesem „Projekt Walküre“ (auf das sich der Titel teilweise bezieht) wurde nur ein Teilerfolg. Margarethe Paulus wurde bekanntlich wahnsinnig, und Liane Kayser setzte sich in den Westen ab und tauchte unter, weil sie nur für sich arbeiten wollte. Doch Anke Wollner, sie wurde ein voller Erfolg, der Liebling ihres „Onkels Georg“. Bis sie Jan Fabel und Karin Vestergaard in die Quere kommt.

Was ist aus all den Stasi-Mitarbeitern von 1990 geworden, fragt Sylvie Achtenhagen wiederholt und macht sich auf die Suche. Denn sie ist – wie etwa zur gleichen Zeit, aber unabhängig, auch Jan Fabel auf eine heiße Spur gestoßen: Die „Walküre“ alias Anke Wollner wird per Zeitungsinserat gesteuert und angesprochen. Diese Zeitung wird von einer Frauenaktion herausgegeben, die u. a. von Jake Westland unterstützt wurde: „Muliebritas“ nennt sie sich, was so viel wie „Fraulichkeit“ bedeuten soll, erklärt die Vorsitzende des Vereins.

Tief in der Ex-DDR

Wenn aber noch heute Botschaften ausgetauscht werden, muss noch mindestens eine Agentin für irgendjemanden tätig sein. Was die Journalistin tief in die alte DDR-Geschichte führt. Und dort stößt sie noch auf Verantwortliche und findet brisante Dinge heraus. Die DDR mag Geschichte sein, doch ihr Vermächtnis ist leider noch sehr lebendig – und tödlich. Das findet Jan Fabel zu seinem Leidwesen heraus: Nachdem er eine fingierte Zeitungsannonce hat veröffentlichen lassen, erscheint die Walküre am vereinbarten treffpunkt, um dort „Onkel Georg“ zu treffen. Was folgt, ist ein Albtraum der terroristischen Sorte. Ein Ninja verfügt eben über viele Methoden, um sich nicht fangen zu lassen. Dieses Finale bestimmt mit Action und Tempo den Schluss des Romans. Kein Wort mehr darüber!

Dreck am Stecken

Denn die Kardinalfrage, die sich Fabel und Vestergaard stellen, ist die: Wer hat denn diesmal die Walküre eingesetzt und entsprechend viele Morde auf seinem Gewissen? Nach einem halben Dutzend Toten und einem Sprengstoffattentat sind sich die Ermittler ziemlich sicher, dass die NeuHansa Group in Sachen Umweltschutz ziemlich viel Dreck am Stecken hat und etwas zu vertuschen versucht. Ganz besonders dringend wird dieses Vertuschen aufgrund der Tatsache, dass die Vorstandsvorsitzende Gina Brönstad, eine Deutschdänin, sich zur Wahl des Ersten Bürgermeisters hat aufstellen lassen. Jede Frage, die Fabel ihr stellt, ist wie das Stochern in einem Wespennest. Gut, dass er gute Nerven und den besten Rückhalt hat.

Die Reporterin

Regelmäßig kommen in Russells Thrillern Journalisten vor, so etwa in „Brandmal“. Leider ereilt sie meist wegen ihrer Schnüffelei ein vorzeitiges Ableben: Der oder die Täter können offenbar keine Schnüffler leider. Weil ich dies wusste, erwartete ich jederzeit, dass auch die TV-Reporterin Sylvie Achtenhagen ein solch trauriges Schicksal ereilt. Pustekuchen! Sie kommt diesmal davon – so viel kann ich verraten – und sorgt am Schluss für eine handfeste Überraschung.

Humor

Auch diesmal gibt es ein paar humorvolle Szenen von ironischem Charakter. Die beiden Clowns der Fabel-Truppe sind Anna Wolff, die Rebellin, und Wegner, der den „Onkel Georg“ spielen darf. Leider die Scherze dieser beiden meist auf Kosten von „Lord Gentleman“ Fabel, der so genannt wird, weil er nicht nur seine Kleider in London kauft, sondern auch britische Manieren an den Tag legt. Und als seine Tochter Gaby auch noch daran denkt, Polizistin zu werden, kommt es zu einem denkwürdigen Dialog zwischen den Generationen. Auch Ausdrücke wie „Verkehrsmittel“ (s. u.) gehören mit zum Witz des Buches.

Eine Schwäche?

Das einzige Thema, das der Autor ein wenig penetrant und unausgegoren aufgreift, ist Jan Fabels Verhältnis zu Frauen. Da es sich um eine weibliche Ninja handelt, mit der er es zu tun bekommt, muss er sein Frauenbild ein wenig hinterfragen. Das geschieht aber meist dergestalt, dass ihm die Frauen, die sein Leben bestimmen – was er neidlos anerkennt – Bescheid geben, er solle sich mal an die eigene Nase fassen und darüber nachdenken. Mehr läuft da aber nicht. Fabel wird deshalb Gott sei Dank nicht zum Transvestiten. Das hätte uns gerade noch gefehlt.

Die Übersetzung

Bernd Rullkötters Übersetzung – ach, was sag ich? Übertragung! – der englischsprachigen Vorlage ins Deutsche ist ein wahrer Lichtblick im Einerlei der Eins-zu-eins-Übersetzungen hierzulande. Und ein Labsal noch dazu. Rullkötter begnügt sich nicht nur damit, am Wort des Originals kleben zu bleiben, sondern geht einen (gewagten) Schritt weiter, indem er auch den entsprechenden umgangssprachlichen Ausdruck im Deutsch verwendet.

Gerade so idiomatische Ausdrücke wie „jemanden übers Ohr hauen“, „das geht mir am Arsch vorbei“ lassen die Sätze erst richtig heimisch klingen. Sehr witzig sind aber auch die typisch zweideutigen Ausdrücke aus dem Kiezmilieu. Auf Seite 49 heißt es beispielsweise „Verkehrsmittel“ (Plural). Damit ist kein Auto gemeint, sondern das männliche Geschlechtsteil mit allem Drum und Dran.

Außerdem scheint sich Rullkötter in Hamburg, die ja ein riesiges Areal bedeckt, bestens auszukennen. Namen wie Harvestehude, Pöseldorf oder Blankenese kennt er wie seine Westentasche. Nützlich ist auch, wenn er weiß, wie neue Namen wie SpeicherCity oder Elbharmonie korrekt geschrieben werden. Hilfreich sind für den Leser auch die beide Landkarten, die auf den Innenseiten der Buchdeckel zu finden sind.

Unterm Strich

Ich habe den Thriller in nur drei Tagen verschlungen, denn der Roman ist nicht nur der beste in der Jan-Fabel-Serie, sondern auch noch bestmöglich übersetzt. Das macht die Lektüre zu einem Vergnügen. Dass die Handlung spannend ist, versteht sich von selbst. Rechtzeitig zum Jubiläum des Mauerfalls und zur „Erstürmung“ der Stasi-Zentrale befasst sich Craig Russell mit dem Vermächtnis der Spezialprogramme des Honecker-Staates. Das Symbol der Walküre dient dabei nur der mythologischen Überformung der drei Agentinnen. Das nordische Ideengut der Stasi-Ausbilder, das sich auch in einem Zitat aus der isländischen Njal-Saga manifestiert, erinnert an üble Arier-Ideologie aus braunen Zeiten.

Die Walküren sind jedoch angeheuert worden, um ein sehr modernes Verbrechen in der Gegenwart der Hansestadt Hamburg zu vertuschen: hochgiftiger Müll, der irgendwo in West-China und Mazedonien auftaucht. Und wer hat den Dreck am Stecken? Keine andere als eine Bürgermeisterkandidatin! Das erinnert ein wenig an Russells anderen guten Fabel-Krimi, der den Titel „Brandmal“ trägt und sich seinerzeit mit der RAF und ihren Splittergruppen befasste. Dabei ging es ebenfalls um honorige Hamburger mit zwielichtiger Vergangenheit.

Das Finale ist packende Action reinsten Wassers und hält mehrere Überraschungen für denjenigen Leser bereit, der bis zum Schluss durchhält.

Taschenbuch: 448 Seiten
Originaltitel: Valkyrie Song (2009)
Aus dem Englischen von Bernd Rullkötter
ISBN-13: 978-3431037951

www.luebbe.de

Der Autor vergibt: (4.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (4 Stimmen, Durchschnitt: 1,50 von 5)

_Craig Russell bei |Buchwurm.info|:_
[„Blutadler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2271
[„Blutadler“ (Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2815
[„Wolfsfährte“ (Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3622

Tana French – Der Sucher

Inhalt

Cal Hooper hat seinen inneren Kompass verloren. Nach vielen Jahren als Ermittler und einer schmerzhaften Scheidung will er nichts, als in ländlicher Ruhe ein Cottage zu renovieren. Anders als erwartet, nehmen ihn die Menschen in dem abgelegenen irischen Flecken hilfsbereit auf. Doch bald findet er sich auf einer Suche wieder, wie er sie noch niemals erlebt hat: rückhaltlos, persönlich, abgründig. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

„Der Sucher“ ist in vielerlei Hinsicht ein großartiges Werk: Der Schreibstil ist spektakulär atmosphärisch, die Charaktere sind interessant sowie lebensecht, und das düstere Geschehen wird sagenhaft ausdrucksstark erzählt. Tana French – Der Sucher weiterlesen

Volker Pesch – Der letzte Grund. Rostock-Krimi

Psychologischer Krimi aus Rostock

Ein versenktes Schiff, ein verschwundenes Gemälde und Spuren in die Vergangenheit. Das gesunkene Traditionsschiff Sansibar ist eigentlich kein Fall für die Mordkommission, doch unter Deck liegt eine Leiche. Handelt es sich dabei um den vermissten Bootsmann? Während die Leiche noch geborgen wird, beginnt Hauptkommissarin Doro Weskamp die Ermittlungen. Zunächst scheint die geplante Teilnahme des Seglers and der „Hanse Sail“ ein Motiv zu sein. Wollte die jemand verhindern?

Der Autor
Volker Pesch – Der letzte Grund. Rostock-Krimi weiterlesen

Arne Dahl – Rosenrot. Ein A-Team-Krimi

Dag Lundmark war Leiter einer rasch und effektiv durchgeführten Razzia. Der illegale Einwanderer Winston Modisane musste dabei sterben – aber war der Tod des Südafrikaners wirklich unvermeidlich? Paul Hjelm und Kerstin Holm vom A-Team ermitteln in einem Fall, der mehr mit ihnen selbst zu tun hat, als sie wahrhaben wollen. (Verlagsinfo)

Der Autor

Arne Dahl, geboren 1963, ist das Pseudonym des schwedischen Krimiautors Jan Arnald, der für jene schwedische Akademie arbeitet, die alljährlich die Nobelpreise vergibt. Seine Romane um Inspektor Paul Hjelm werden laut Verlag von Publikum und Kritik begeistert aufgenommen. 2004 wurde er mit dem wichtigsten dänischen Krimipreis ausgezeichnet, dem „Pelle-Rosenkrantz-Preis“. Mehr Infos unter http://www.arnedahl.net

Die A-Team-Krimis in chronologischer Reihenfolge:

A-Gruppe-Reihe (Intercrime series)

01 Misterioso, 1999.
Misterioso, dt. von Maike Dörries, München: Piper 2003, ISBN 3-492-23992-7
(Handlungsbezogen ist Misterioso der erste Fall der A-Gruppe)

02 Ont blod, 1998.
Böses Blut, dt. von Wolfgang Butt, München: Piper 2004, ISBN 3-492-24285-5.

03 Upp till toppen av berget, 2000.
Falsche Opfer, dt. von Wolfgang Butt. Piper, München 2005, ISBN 3-492-27068-9.

04 Europa blues, 2001.
Tiefer Schmerz, dt. von Wolfgang Butt. Piper, München 2005, ISBN 3-492-04714-9.

05 De största vatten, 2002.
==> Rosenrot, dt. von Wolfgang Butt. Piper, München 2006, ISBN 3-492-04809-9.

06 En midsommarnattsdröm, 2003.
Ungeschoren, dt. von Wolfgang Butt. Piper, München 2007, ISBN 978-3-492-04878-1.

07 Dödsmässa, 2004.
Totenmesse, dt. von Wolfgang Butt. Piper, München 2009, ISBN 978-3-492-05018-0.

08 Mörkertal, 2005.
Dunkelziffer, dt. von Wolfgang Butt. Piper, München 2010, ISBN 978-3-492-05350-1.

09 Efterskalv, 2006.
Opferzahl, dt. von Wolfgang Butt. Piper, München 2011, ISBN 978-3-492-04968-9.

10 Himmelsöga, 2007.
Bußestunde, dt. von Wolfgang Butt. Piper, München 2013, ISBN 978-3-492-04969-6.

11 Elva, 2008. (eigenständiger Roman mit den Charakteren der Intercrime series)
Der elfte Gast, dt. von Wolfgang Butt. Piper, München 2015, ISBN 978-3-492-30760-4.

Opcop-Reihe

Viskleken, 2011.
Gier, dt. von Antje Rieck-Blankenburg. Piper, München 2012, ISBN 978-3-492-05305-1.

Hela havet stormar, 2012.
Zorn, dt. von Antje Rieck-Blankenburg. Piper, München 2013, ISBN 978-3-492-05306-8.

Blindbock, 2013.
Neid, dt. von Kerstin Schöps. Piper, München 2014, ISBN 978-3-492-05537-6.

Sista paret ut, 2014.
Hass, dt. von Kerstin Schöps. Piper, München 2015, ISBN 978-3-492-05538-3.

Sam-Berger- und Molly-Blom-Reihe

Utmarker. Albert Bonniers Förlag, Stockholm 2016, ISBN 978-91-0-015497-4
Sieben minus eins, dt. von Kerstin Schöps, München: Piper 2016, ISBN 978-3-492-05770-7.

Inland. Albert Bonniers Förlag, Stockholm 2017, ISBN 978-91-0-016225-2
Sechs mal zwei, dt. von Kerstin Schöps. Piper, München 2017, ISBN 978-3-492-05811-7.

Mittvatten. Albert Bonniers, Stockholm 2017, ISBN 978-91-0-016236-8
Fünf plus drei, dt. von Ursel Allenstein. Piper, München 2018, ISBN 978-3-492-05812-4.

Friheten. Albert Bonniers, Stockholm 2020, ISBN 978-91-0-018257-1
Vier durch vier, dt. von Wibke Kuhn. Piper, München 2020, ISBN 978-3-492-05928-2.

Andere

Das dritte Auge. Hörbuch auf CD, dt. von Gabriele Haefs. Der Hörverlag, München 2005, ISBN 3-89940-608-7.
Übermacht. in Över gränsen. Albert Bonniers Förlag, Stockholm 2006 (Über Grenzen: Kriminalgeschichten aus Schweden von Arne Dahl, Åsa Larsson, Håkan Nesser u. a., dt. von Gabriele Haefs und Christel Hildebrandt. btb, München 2007, ISBN 978-3-442-73645-4)

Als Jan Arnald

Chiosmassakern, Albert Bonniers Förlag 1990.
Nalkanden, Albert Bonniers Förlag 1992.
Genrernas tyranni, 1995.
3 variationer, 1996.
Klä i ord, Albert Bonniers Förlag 1997.
Barbarer, Albert Bonniers Förlag 2001.
Maria och Artur, 2006.

Maria und Artur: Roman einer Schriftstellerliebe. Aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt. Piper Verlag, München 2008, ISBN 978-3-492-05108-8.

Intimus, 2010.
Der weiße Roman. Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann. Piper Verlag, München 2011, ISBN 978-3-492-05432-4.

(Quelle: Wikipedia.de)

Handlung

Der Fall A

Dies ist die Ausgangsszene. Eines Morgens dringen schwer bewaffnete schwedische Polizisten in die Wohngemeinschaft von fünf schwarzen Asylbewerbern, die abgeschoben werden sollen, ein. Sie können vier der fünf sofort am Boden festnageln, doch der fünfte Asylbewerber, Winston Modisane aus Südafrika, wird von Polizist Dag Lundmark – seine Kollegen nennen ihn Dagge – ins Schlafzimmer gedrängt, wo das Fenster immer offensteht. Kaum dreht sich Dagge um, ergreift Modisane die günstige Gelegenheit und steigt aus dem Fenster zur Brandleiter. Er erklimmt sie und steigt aufs Dach, um von dort den üblichen Fluchtweg ins Dachgeschoss zu nehmen. Doch heute ist die Tür seltsamerweise versperrt. Er gibt keinen Ausweg. Modisane dreht sich um und hält eine Computerdiskette hoch. Dann wird der unbewaffnete Mann mit einem einzigen Schuss hingerichtet.

Diese Aktion hat nicht nur ein Nachspiel, sondern eine ganze Menge. Paul Hjelm und Kerstin Holm sind Kriminalpolizisten in Stockholm. Als Angehörige der A-Gruppe zur Ermittlung in Verbrechen mit internationalem Charakter schalten sie sich ein. Und im Fall des erschossenen Asylbewerbers haben sie sich natürlich einzuschalten. Ihr Chef ist Jan-Olov Hultin, der sich wie ein Oberlehrer aufführt. Als er sie zu sich zitiert, steht bei ihm der Chef der Inneren Abteilung, Niklas Grundström. Die Dienstaufsicht? Haben sie etwas ausgefressen, fragen sich Hjelm und Holm, die früher mal ein intimes Verhältnis hatten.

Grundström sucht Nachwuchskommissare. Er will, dass sich Hjelm und Holm bewerben. Sie können sich bewähren, am besten sofort, indem sie den Fall Modisane übernehmen. Als Holm jedoch den Namen des Schützen hört, erstarrt sie: Dag Lundmark war bis vor sieben Jahren – von 1992 bis 1994 – ihr fester Freund. Doch sie trennte sich von ihm, woraufhin er dem Alkohol verfiel. Er musste eine Entziehungskur machen, aus der er erst vor zwei Monaten entlassen wurde. Die Polizei in einem Stadtteil nahm ihn wieder auf – mit den bekannten Folgen. Holm erklärt sich für befangen und lehnt den Auftrag ab.

Doch sie lässt sich breitschlagen, dass Befangenheit nicht gegeben sei, und geht mit Hjelm ins Vernehmungszimmer. Dort sitzt bereits Dag und begrüßt seine Ex mit zynisch-schmeichelnden Worten. Doch seine weiteren Worte sind seltsam. In der späteren Auswertung des Überwachungsvideos wird deutlich, dass er eigentlich gar nicht mit Holm und Hjelm redet, sondern mit den zwei Männern hinter dem Einwegspiegel: mit Hultin und Grundström. Wieso?

Seine Angaben müssen selbstverständlich überprüft und mit den Aussagen der vier anderen Polizisten verglichen werden. Also: Modisane flüchtete plötzlich und Lundmark folgte ihm bis aufs Dach des Hauses. Dort zog der Flüchtige eine Pistole Marke Weylander und zielte auf Lundmark. Dieser schoss sofort in Notwehr und traf Modisane tödlich. Saubere Sache.

Holm wendet ein: Aber gehörte die Weylander nicht möglicherweise Lundmark? Woher sollte der Südafrikaner eine so teure Pistole haben? Sie glaubt, Lundmark habe eine illegale Waffe in die Hand seines Opfers gelegt. Und überhaupt: Warum blieb Modisane denn stehen, statt zu flüchten? Doch Lundmark erinnert Kerstin lediglich an die Inschrift in ihrem Verlobungsring, denn sie immer noch trägt: Viele Wasser können die Liebe nicht löschen – ein Zitat aus dem Hohelied Salomos. Sie wird unsicher. Als Lundmark fragt, ob man ihn festhält oder ihn dem Staatsanwalt übergibt, verneint sie. Er kann gehen. Doch Lundmark taucht unter. Er hat noch viel vor …

Im Nachhinein entdecken die Ermittler des A-Teams, dass rein gar nichts an den Angaben zum Tathergang stimmt. Die Notwehr war kaltblütiger Mord, Lundmark handelte im Auftrag eines wichtigen Pharmaunternehmens, und die Asylbewerber sind natürlich auch keine. Zu Modisane erhalten Holm und Hjelm nicht einmal Lebensdaten. Ja, der Tipp für den Einsatz kam nicht einmal von der Migrationsbehörde, sondern von einem Tonband! Der Fall wird immer rätselhafter. Unterdessen wächst Kerstins Nervosität, und sie dreht manisch an ihrem Verlobungsring: Sie fühlt etwas wie ein Schwarzes Loch auf sich zukommen, gesteht sie Paul, und bittet ihn, sie in der Not keinesfalls im Stich zu lassen. Besorgt schwört er.

Der Fall B

Ein zweiter Fall scheint nichts mit Modisane und Lundmark zu tun zu haben. Im gleichen Stadtteil wird ein stinkender Einbrecher aufgegriffen. Björn Hagmann stinkt unverkennbar nach Leiche. Nach Zusicherung eines Schlupflochs führt er Arto Söderstedt und Viggo Norlander vom A-Team in die Wohnung von Ola Ragnarsson. Dort finden sie einen Abschiedsbrief vor, doch wie sich herausstellt, wurde der Mann vor zwei Wochen mit Rattengift ermordet. Sie flüchten vor dem Gestank und den wimmelnden Maden ins Freie. Der Einbrecher nutzt die einmalige Chance und verschwindet.

Der Fall C

In seinem Abschiedsbrief gibt sich Ragnarsson als Serienmörder aus. Er habe auf einem Acker in Schonen, Südschweden, seine Opfer vergraben. Die Beamten werden nach einigem Suchen fündig. In schwarzen Plastiksäcken finden sie die sterblichen Überreste eines lokalen Bauernpaars, das seit Wochen im Urlaub geglaubt wird. Doch wo ist ihr Adoptivsohn, der siebenjährige Anders Sjöberg?

Die drei Fälle

… hängen alle auf eine Weise miteinander zusammen, die sich die Ermittler der A-Gruppe nicht hätten träumen lassen. Kerstin Holm hat immer stärker das Gefühl, dass das Schwarze Loch kurz davor ist, sie zu verschlingen. Sie ahnt nicht, dass es nicht nur um sie geht, sondern um ihre gesamte Abteilung.

Mein Eindruck

Selten bin ich auf einen derart verzwickt ausgetüftelten Krimi gestoßen – allenfalls bei Meistern wie Michael Connelly. Drei scheinbar völlig verschiedene Fälle werden aufs Engste miteinander verknüpft und zu einem immer dichteren Geflecht von bösen Vorahnungen und unheilvollen Vorausverweisen verwoben – Kerstins „Schwarzes Loch“. Schon lange vor dem Finale ist mir daher angst und bange geworden, was da wohl auf Kerstin Holm zukommen könnte. Doch dann setzt der Autor noch einen drauf, indem er die Bedrohung auf die gesamte Belegschaft der A-Gruppe ausdehnt, inklusive der schwangeren Sara Svenhagen.

Anders als der Anfang vermuten lässt, geht es nicht um Asylbewerber und wie sie von skrupellosen Geschäftemachern ausgebeutet werden. Dieses Thema hat schon Ian Rankin in seinem Krimi „So soll er sterben“ (Fleshmarket Close) zur Genüge beackert, um nur ein Beispiel zu nennen. Ich hoffe, ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass zwei der Asylbewerber als Industriespione nach Schweden gekommen sind. Doch ihre Spionage dient einem guten und hehren Zweck: Sie wollen ein eigenes Anti-Aids-Medikament produzieren, einen HIV-Blocker. Damit soll die extrem hohe Infektionsrate in Südafrika gesenkt werden. Ob es ihnen wohl gelingt? Es wäre ihnen zu wünschen.

Dieses Vorhaben hat nur sehr am Rande mit dem zu tun, was Dag Lundmark mit seiner Ex Kerstin Holm und ihrem Team vorhat. Es ist ein Mittel zum Zweck, um sie in seine Falle zu locken. Doch halt! Wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass Kerstin zu seinem Fall hinzugezogen wurde? Schuld daran ist nämlich Grundström. Und auf diesen hat es Lundmark möglicherweise abgesehen. Ich hätte erwartet, dass mindestens Grundström, wenn nicht sogar Hultin mordsmäßig Dreck am Stecken haben, wie man es zuweilen bei Rankin vorfindet. Doch leider läuft dieser Verdacht ins Leere. Diesen führungskritischen Ansatz fand ich ziemlich unbefriedigend umgesetzt. Nur einer in der polizeilichen Führungsetage findet den Tod, aber nicht in Stockholm.

|Ekel und Blut|

Bei ihren Ermittlungen stoßen Arto, Viggo, Jorge und Gunnar nicht nur auf halbflüssige Leichen, die vor Maden wimmeln. Auch Leichen in Plastiksäcken schrecken sie nicht so sehr, wie es ein abgeschlagener Kopf tut, der von der Türkante auf den werten Polizistenschädel kullert. Jorge hätte sich fast eingemacht, doch Gunnar kann ihn gerade noch beruhigen. Dieser Schädel blutet zwar, doch er beißt nicht.

|Botschaften|

Ganz im Gegenteil: Der Schädel trägt eine Botschaft – eine Zigarrenhülle steckt in der Kehle. Und wieder einmal hat der Killer, der sie an der Nase herumführt, ein Bibelzitat als Botschaft an seine Verfolger hinterlassen. Zum Glück gibt es ein paar Leute in der A-Gruppe, die genügend bibelfest sind, um die Hinweise zu entschlüsseln und auf die Psyche des Killers ein Licht zu werfen. Der Autor kann es sich nicht verkneifen, von einem netten, kleinen Bibelseminar zu sprechen.

|Humor|

Überhaupt macht er sich ein Späßchen daraus, wo immer nur möglich Aspekte des Humors und der Ironie aus seinen Szenen und Figurenbeschreibungen herauszukitzeln. Solche Humorblitze lockern die ansonsten recht düstere und beklommene Gefühlslandschaft der A-Truppe etwas auf. Im Finale legt der Autor einige makabre Aspekte an den Tag, und spätestens hier schlägt der Humor um in Bitterkeit . Das tut der Spannung aber keinen Abbruch, sondern hilft, den Leser abzulenken. Dann trifft ihn die Wucht der Bedrohung umso härter – genauso wie es den Helden der A-Gruppe ergeht.

Reichlich fragwürdig finde ich den Kniff des Autors, den Showdown mit dem Morgen des 11. September 2001 zeitlich zusammenfallen zu lassen. Die Bilder aus dem Fernseher sind so albtraumhaft, dass der Killer fragt: !Ist das echt?! Die gleiche Frage könnte man ihm stellen. Ob diese Verbindung im moralischen Sinne legitim ist, bezweifle ich. Aber die Parallele dürfte den Leser wie ein Tiefschlag treffen.

Unterm Strich

„Rosenrot“ ist ein sehr unterhaltsamer Krimi, der zwar realitätsnah erzählt wird, aber doch mit einer umso ausgetüftelteren Storyline bis zum Finale für Spannung sorgt. Splattereffekte haben ebenso ihren Platz wie der Psychohorror, der sich in Kerstin Holm entwickelt. Humoristisch-ironische Szenen sorgen für ein entspannendes Element.

Unbefriedigend sind lediglich die abgedroschenen Bibelzitate und die fehlende Darstellung der Schuld der Verantwortlichen. Auch die Parallele zum 11. September ist nicht ohne Weiteres hinzunehmen. Für mich steht jedoch fest, dass ich auch Dahls andere Krimis gerne lesen werde.

Der Autor bringt seinen Figuren spürbar Sympathie entgegen, und dieses Verständnis gilt auch für den oder die Schurken im Stück. Denn was ist es, was einen Menschen „böse“ macht? Es ist bei Dahl manchmal reine Ansichtssache. Und so kommen zwar Einbrecher recht ungeschoren davon, aber der Killer nicht. Es ist keine Schwarzweißwelt, die Dahl zeichnet, sondern eine mit vielen Grauzonen und fließenden Übergängen. Genau deshalb ist sie so interessant.

Taschenbuch: 399 Seiten
Originaltitel: De största vatten (2002)
Aus dem Schwedischen übersetzt von Wolfgang Butt
ISBN-13: 978-3492048095

http://www.piper.de

Jessica Kremser – Frau Maier macht Dampf (Frau Maier Band 5)

Senioren-Ermittlungen im Wellness-Hotel

Frau Maier ist nicht gerade begeistert, als ihre Freundin Elfriede sie von einem Wellnessurlaub in der Steiermark überzeugen will. Was bitteschön soll denn die Katze eine ganze Woche lang ohne sie machen Erst, als sie erfährt, dass ­ausgerechnet in dem Hotel, in das sie fahren soll, kürzlich ­seltsame Dinge passiert sind, wird sie hellhörig und lässt sich doch überreden.Dort angekommen, muss sich Frau Maier erst ­einmal mit Bademänteln, Beautybehandlungen und Barhockern vertraut machen. Und natürlich kommt es, wie es kommen muss: Wo Frau Maier ist, ist auch eine Leiche nicht weit. Oder zwei Ehe sie ihren ersten Aufguss genießen kann, ist Frau Maier schon wieder mittendrin in einem Strudel aus Verbrechen, Geheimnissen und Gefahr. (Verlagsinfo)

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Joy Fielding – Home, Sweet Home

Maggie McKay zieht nach einem traumatischen Erlebnis mit ihrer Familie nach Palm Beach Gardens in eine kleine Sackgasse. Die Gegend ist freundlich und die Nachbarn scheinen nett und unauffällig. Doch bald zeigt der Blick hinter die Kulissen, dass hier einiges im Argen liegt: Da ist der arbeitslose Ehemann, der seiner ahnungslosen Ehefrau vorspielt, er habe einen neuen Job an Land gezogen. Da ist der vermeintlich liebevolle und erfolgreiche Ehemann, dessen Frau verdächtig häufig kleine Unfälle im Haushalt hat. Oder da ist die ältere Frau, deren Enkel sich häufiger mal an ihrer Geldbörse zu schaffen macht.

Auch für Maggie erfüllt sich der Traum vom Neuanfang nicht, denn auch nach dem Umzug kann sie die traumatischen Erlebnisse an ihrem früheren Wohnort nicht vergessen, woraufhin ihr Ehemann sie sitzenlässt. Als auf einem Nachbarschaftsfest ein Streit eskaliert und kurz darauf ein Schuss zu hören ist, wird deutlich, dass Maggie hier nicht in einer friedlichen Nachbarschaft gelandet ist…

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Sarah Epstein – Wave of Lies

Inhalt

Sechs beste Freunde: Einer von ihnen fehlt. Einer ist ein Mörder. Alle sind schuldig. Vor drei Monaten verschwand Henry Weaver in einer verheerenden Sturmnacht. Für die Polizei ist schnell klar: Abgehauen! Doch als seine beste Freundin ist Chloe sich sicher: Henry wäre nicht weggegangen, ohne sie vorher in seine Pläne einzuweihen. Chloe beginnt, die Ereignisse jener Nacht zu rekonstruieren, und was sie herausfindet, verändert alles. Denn jeder einzelne ihrer Freunde verbirgt ein Geheimnis. Und einer von ihnen ist ein Mörder. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

„Wave of Lies“ ist weitaus mehr als ein atmosphärischer Jugendthriller voller Spannung: es geht um Freundschaften, die sich verändern, wenn Jugendlich nach dem Schulabschluss in ein eigenes Leben starten. Um problematische Familien, die sie davon abhalten, ein eigenes Leben zu beginnen. Um unerwiderte Liebe und um den trügerischen, äußeren Anschein… Sarah Epstein – Wave of Lies weiterlesen

Jessica Kremser – Frau Maier fischt im Trüben. Frau Maiers erster Fall

Miss Marple ermittelt am Chiemsee

Frau Maier lebt mit ihrer Katze in einem kleinen Haus am Chiemsee. Eigentlich ist die ältere Dame die Ruhe in Person. Doch als sie an einem ganz normalen Montagmorgen eine Frauenleiche am Ufer findet, ist nichts mehr so, wie es war: Ein nächtlicher Besucher schleicht um ihr Haus und hinterlässt unheimliche Nachrichten, die Schwester der Ermordeten wird bedroht und eine weitere Leiche lässt nicht lange auf sich warten. Weil die Polizei sie für senil hält, ermittelt Frau Maier auf eigene Faust und bringt sich dabei in höchste Gefahr… (Verlagsinfo)
Jessica Kremser – Frau Maier fischt im Trüben. Frau Maiers erster Fall weiterlesen

Samantha M. Bailey – Nur ein Schritt

Inhalt

»Nimm mein Kind!«, sagt die Fremde und stürzt vor den einfahrenden Zug. Morgan steht fassungslos mit dem Baby in den Armen am Gleis. Schnell gerät sie in Verdacht, nicht so unschuldig und ahnungslos zu sein, wie sie aussagt. Denn sie wünscht sich schon lange ein Kind. Doch wie konnte die Fremde das wissen? Und wieso hat sie Morgan in ihrem Testament berücksichtigt, obwohl sie einander noch nie begegnet sind? Morgan muss die Wahrheit herausfinden. Dabei stößt sie auf jemanden, der für die Erreichung seiner Ziele töten würde … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

„Nur ein Schritt“ ist ein rasanter, ereignisreicher sowie fesselnder Psychothriller!

Nicole ist eine selbstbewusste, erfolgreiche Geschäftsfrau. Sie ist aber auch im neunten Monat schwanger und das Thema „Baby“ ist für sie mit zutiefst traumatischen Erinnerinnungen verbunden… Samantha M. Bailey – Nur ein Schritt weiterlesen

Stephen King – Billy Summers

Die Handlung:

Billy ist Kriegsveteran und verdingt sich als Auftragskiller. Sein neuester Job ist so lukrativ, dass es sein letzter sein soll. Danach will er ein neues Leben beginnen. Aber er hat sich mit mächtigen Hintermännern eingelassen und steht schließlich selbst im Fadenkreuz. Auf der Flucht rettet er die junge Alice, die Opfer einer Gruppenvergewaltigung wurde. Billy muss sich entscheiden. Geht er den Weg der Rache oder der Gerechtigkeit? Gibt es da einen Unterschied? So oder so, die Antwort liegt am Ende des Wegs. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

In dieser Geschichte folgen wir dem titelspendenden Billy Summers. Früher war er Scharfschütze im Irak-Krieg, heute Attentäter gegen Bezahlung. Nach außen gibt er sich gern dümmlich, aber innerlich ist er hellwach und gut organisiert.

Wie der Klappentext schon sagt, solls noch ein großer, dicker Job werden und dann will er zurücktreten. Als Cover-Story hat er sich den Beruf des Schriftstellers ausgesucht … vielleicht, weil Stephen King auch gern ein Doppelleben führen würde? Und wer sagt denn, dass er das nicht tut?

Stephen King – Billy Summers weiterlesen

Jenny Blackhurst – Mein Herz so schwarz

Inhalt

Ein lauer Sommertag in Cornwall. Am Abend ihrer Hochzeit stürzt sich Evie White von einer Klippe in den Tod. Ihr Bräutigam ist fassungslos: Was hat Evie dazu gebracht, ihr Leben ausgerechnet an diesem Tag so plötzlich zu beenden? Nur ihre beste Freundin Rebecca weiß um die dunklen Geheimnisse in Evies Leben. Doch erst als Rebecca Botschaften erhält, die sie immer mehr in Bedrängnis bringen, ahnt sie, dass sie die Abgründe im Leben ihrer Freundin gefährlich unterschätzt hat … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Evie war atemberaubend schön, talentiert und ihr flog alles einfach so zu: Freundschaft, romantische Liebe, beruflicher Erfolg – so wirkte es zumindest…

Evie und Rebecca waren unzertrennlich: sie feierten zusammen, sie lernten zusammen für ihre Uni Kurse, sie brauchten einander und vertrauten sich. Dennoch hatte ihre Freundschaft etwas Ungesundes an sich: Evie war glamourös, impulsiv, labil – Rebecca war bzw. ist bescheiden, vernünftig, loyal; ergänzten sich die beiden, oder wurde dieses Ungleichgewicht zum Problem? Jenny Blackhurst – Mein Herz so schwarz weiterlesen

Pascal Engman – Rattenkönig. Ein Fall für Vanessa Frank

Geraubte Seelen, zerstörte Leben

Stockholm: Eine junge Frau wird ermordet aufgefunden. Der Fall scheint schnell geklärt. Als es zu weiteren, scheinbar zusammenhangslosen Morden an jungen Frauen kommt, ahnt Vanessa Frank, dass dahinter mehr steckt, und beginnt zu ermitteln. Dabei führt sie eine Spur in die dunklen Abgründe des Frauenhasses.

In einem Stockholmer Vorort wird die Leiche einer jungen Frau entdeckt. Scheinbar das Opfer ihres eifersüchtigen Ex-Freundes, der sie in einem Wutanfall umgebracht hat. Kommissarin Vanessa Frank stürzt sich in die Ermittlungen denn Verbrechen an Frauen lassen die sonst harte Kommissarin nicht kalt. Bald beschleicht sie jedoch das Gefühl, dass ihr ein entscheidendes Puzzlestück fehlt …

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Tess Gerritsen & Gary Braver – Die Studentin

Inhalt

Taryn Moore ist jung, attraktiv und brillant – warum sollte sie sich umbringen? Detective Frankie Loomis spürt sofort, dass mehr hinter der Geschichte steckt, als sie den Tatort des vermeintlichen Selbstmords untersucht. Die Studentin hat sich aus dem Fenster ihres Apartments gestürzt. Doch ihr Handy ist spurlos verschwunden. Hat es jemand verschwinden lassen, um Spuren zu vertuschen?
Für den Englischprofessor Jack Dorian war Taryn die vollendete Versuchung: intelligent, aufmerksam und zu hundert Prozent tabu. Doch Taryn hatte auch eine dunkle Seite, eine Neigung zu obsessiver Liebe – auch für Jack. Und mit ihrem Tod haben seine Probleme erst richtig begonnen.
Loomis‘ Ermittlungen enthüllen pikante Geheimnisse. Schnell wird klar, dass Jack Dorian mehr weiß, als er offenbart. Doch hat er auch einen kaltblütigen Mord auf dem Gewissen?  (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Auf dem Cover steht zwar Kriminalroman, meiner Meinung nach ist „Die Studentin“ jedoch vielmehr ein nervenaufreibender psychologischer Thriller. Die Ermittlungen kommen nur am Rande bzw. am Schluss zum Tragen; hauptsächlich geht es um die komplizierten, verstörenden Umstände, die zu dem Ableben der jungen Frau führen… Tess Gerritsen & Gary Braver – Die Studentin weiterlesen

Thomas F. Monteleone – Das Blut des Lammes

Zwielichtig: Jesus Reloaded

Geheim agierende, skrupellose Kräfte im Vatikan führen einen vermessenen Plan durch: Sie klonen Jesus – oder zumindest denjenigen, den sie dafür halten. Aber als der Klon nach 30 Jahren ungewöhnliche Kräfte an den Tag legt, sind sie sich nicht mehr so sicher, ob es sich um den Messias handelt – oder um den Antichrist …

Der Autor
Thomas F. Monteleone – Das Blut des Lammes weiterlesen

Ross Macdonald – Der Fall Galton. Ein Fall für Lew Archer (Archer 8)

Der Abgrund des Bösen

Anthony Galton ist vor zwanzig Jahren spurlos verschwunden. Nun soll Lew Archer ihn wiederfinden – im Auftrag der Mutter, einer steinreichen, alternden Frau. Die Indizien, die Archer findet, sind wenig schön – und sie sind gefährlich. Denn noch immer ist jemand bereit, ihretwegen zu töten.

Der Autor
Ross Macdonald – Der Fall Galton. Ein Fall für Lew Archer (Archer 8) weiterlesen

Alex Michaelides – Die verschwundenen Studentinnen

Inhalt

An Marianas ehemaligem College in Cambridge wird eine Studentin tot aufgefunden, brutal ermordet. Auf dem Campus geht die Angst um. Die Trauma-Therapeutin macht sich auf den Weg, um ihrer dort eingeschriebenen Nichte beizustehen. Kaum angekommen, verschwinden zwei weitere Studentinnen. Ihre Nachforschungen führen Mariana tief in eine ebenso düstere wie unheimliche Parallelwelt am College. Hat der exzentrische Professor, der offenbar nicht nur einem ominösen Geheimbund vorsteht, sondern zudem einen unheimlichen, uralten Kult wiederzubeleben scheint, etwas mit dem Verschwinden der Mädchen zu tun? Oder ist die Wahrheit deutlich komplizierter – und persönlicher? (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

„Die verschwundenen Studentinnen“ ist so viel mehr, als ein spannender Mystery-Thriller mit interessanten Charakteren und atmosphärischem Cambridge Flair: er steckt voller lebensnaher Psychologie, Philosophie – sowie faszinierend verstörender griechischer Tragödien… Alex Michaelides – Die verschwundenen Studentinnen weiterlesen