Archiv der Kategorie: Thriller & Krimis

Philip Kerr – Esau. Thriller

Auf der Jagd nach dem Schneemenschen

„Ein atemberaubender Thriller: Gibt es den Yeti noch?
Jack Furness, ein kalifornischer Bergsteiger will einen der höchsten Gipfel Nepals bezwingen.
In einer tückischen Eiswand stürzen er und seine Begleiter ab. Doch in einer Gletscherspalte macht Jack einen aufsehenerregenden Fund…“ (Verlagsinfo)
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Robert Dugoni – Die Tote im Käfig

Inhalt

Als die Leiche einer Frau in einer Krebsfalle aus dem kalten Meer gefischt wird, sieht sich Detective Tracy Crosswhite mit einem äußerst schwierigen Fall konfrontiert. Bei der Autopsie stellt sich heraus, dass die Frau zu Lebzeiten alles darangesetzt hat, ihre Identität zu verschleiern. Vor wem war sie auf der Flucht? Als Hinweise auftauchen, es könnte sich bei der Unbekannten um eine Frau handeln, die vor ein paar Monaten unter dubiosen Umständen verschwand, wird Tracy einmal mehr von Erinnerungen an den lange unaufgeklärten Mord an ihrer Schwester verfolgt. Während Tracy langsam eine brutale Geschichte von Verrat und verzweifelter Gier aufdeckt, sieht sie sich mit einem Mörder konfrontiert, der vor nichts zurückschreckt. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Der Plot ist äußerst facettenreich, denn die Mordermittlung wird aus zwei Perspektiven vorangetrieben. In der Vergangenheit beginnt die Geschichte ganz am Anfang mit einem Zufall, einem Moment der Schwäche, der weitreichende Folgen haben soll…

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Rebecca Fleet – Das andere Haus

Inhalt
Als Caroline und Francis ein Angebot zum Haustausch erhalten, zögern sie nicht lange. Voller Vorfreude beziehen sie ihr Urlaubs-Domizil in der Nähe von London. Doch dort stößt Caroline auf Details, die sie zutiefst verstören: ein ganz spezieller Blumenstrauß, die eingelegte CD, ein vergessenes Rasierwasser; scheinbar harmlose Gegenstände, die in Wahrheit aber mit dem dunkelsten Kapitel ihres Lebens verbunden sind – und mit einem Menschen, den sie für immer vergessen wollte. Ist es möglich, dass er sie in eine Falle gelockt hat? Und wer ist nun in ihrer eigenen Wohnung? Es beginnt ein psychologisches Verwirrspiel, das sie und alle, die sie liebt, ins Verderben zu reißen droht …(Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Das Andere Haus bietet Nervenkitzel von Begin an. Der Plot ist eine Mischung aus spannendem Psychothriller und bewegendem Ehedrama. Rebecca Fleet schreibt so gut – es ist kaum zu glauben, dass dies ihr Debüt ist. Ich musste immer wieder innehalten, um mir die geistreichen Ausführungen, scheinbar banaler Gegebenheiten, auf der Zunge zergehen zu lassen.

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Ian Rankin – Verborgene Muster (Inspector Rebus 1 )

Krimidebüt: John Rebus gegen den Edinburgher Würger

Zwei junge Mädchen wurden bereits in Edinburgh verschleppt und umgebracht, wenn auch ohne sexuellen Missbrauch. Als das dritte verschwindet, fühlt sich Inspektor John Rebus an seine eigene Tochter erinnert, die er mit seiner geschiedenen Frau Rhona hat. Rebus erhält als einziger Cop in Edinburgh rätselhafte Botschaften aus jeweils einer Phrase, aber stets mit einem Knoten oder einem kleinen Kreuz aus Zündhölzern versehen. Es ist klar, dass nur er diesen Fall lösen kann… (Verlagsinfo)
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Karen Ellis – Die im Dunkeln

Inhalt

Jede Minute zählt. Jeder Fehler kann tödlich sein.
Elsa Myers ist FBI-Expertin für Fälle von verschwundenen Kindern und Jugendlichen. Sie weiß aus bitterer Erfahrung, was es heißt, ein verlorenes Kind zu sein …
Elsa soll nach der 18jährigen Ruby suchen, einem Mädchen aus behüteten Verhältnissen – doch ihr ist klar, dass der Schein oft trügt. Schnell wird klar, dass Rubys Verschwinden mit mehreren ungelösten Fällen in Verbindung steht. Die Suche nach dem Mädchen wird zur Jagd nach einem teuflischen Unbekannten – der vermutlich schon seit Jahren tötet.
Während Elsa fieberhaft ermittelt, liegen in einer einsamen Höhle im Wald drei Mädchen, gefesselt und geknebelt, und blicken starr vor Angst auf einen metallenen Werkzeugkoffer… (Verlagsinformation)

Mein Eindruck:

Dieser Thriller ist sehr vielschichtig und psychologisch interessant. Wie bei Matrjoschka Puppen, bilden die Ermittlungen rund um die Entführungen lediglich die äußerste Hülle. Das was in Elsa vorgeht ist mindestens genau so ergreifend wie die vordergründige Handlung.

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Sophie Kendrick – Mein Tod in deinen Augen

Inhalt

Blinde Angst …
Psychiaterin Jennifer leidet an einer traumatisch bedingten Blindheit, seit ein Stalker sie in Berlin überfallen hat. Als der an der Ostsee ansässige Therapeut Gideon sie um fachlichen Rat bittet, stimmt Jennifer einem Treffen zögernd zu. Im Zug lernt sie den Computerspezialisten Marc kennen, zu dem sie bald Vertrauen fasst. An ihn wendet sie sich, als Gideon etwas sagt, das Jennifer an den Stalker erinnert. Marc findet tatsächlich Belege dafür, dass der Therapeut häufig in Berlin war. Aber wem kann sie wirklich trauen? Und was hat das alles mit dem Unfalltod von Jennifers Eltern vor dreißig Jahren auf Rügen zu tun? (Verlagsinformation)

Mein Eindruck:

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Bernard Minier – Nacht

Worum gehts?

Julian Hirtmann – ein Serienmörder aus der Schweiz. Bringt seine Opfer auf brutalste Art und Weise um und stellt die Polizei immer wieder vor neue Rätsel. Nun meldet er sich zurück und der aktuelle Fall ist für Commandant Servaz so persönlich wie nie. Hat er etwa einen Sohn, von dem er bislang nicht wusste oder handelt es sich nur um eine Falle Hirtmanns?

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Simon Beckett – Die ewigen Toten [David Hunter 6]

In einem vor Jahren aufgegebenen Krankenhaus werden die Leichen mehrerer grausam zu Tode gebrachter Menschen entdeckt. Ein Forensiker soll Identität und Schicksal der Opfer klären, verheddert sich dabei im Gespinst dienstpolitischer Intrigen und erregt das Interesse des Täters … – Auch Fall Nr. 6 zeigt Dr. David Hunter fachlich auf der Höhe, während beruflich und privat Gewitterwolken über seinem Haupt kreisen. Daraus formt Autor Beckett einen modernen englischen Kriminalroman, dessen Plot sich angenehm unerwartet auflöst, während die Seifenoper-Elemente sich im Rahmen des Erträglichen halten: gediegenes Handwerk. Simon Beckett – Die ewigen Toten [David Hunter 6] weiterlesen

Judith Winter – Finsterwald

Eine stürmische Herbstnacht im Taunus:

In einem abgelegenen Waldstück springt Kriminalkommissarin Emilia Capelli ein Mann vors Auto. Der Fremde ist in heller Panik und behauptet, er sei über die Leiche einer Frau gestolpert. Tatsächlich liegt eine Tote im dichten Unterholz.
Laut Obduktionsbericht wurde die Unbekannte – vermutlich eine Prostituierte – vor ihrem Tod gefangen gehalten und misshandelt. Kaum beginnen Em und ihre Kollegin Zhou mit der Ermittlung, als sie schon zum nächsten Mordopfer gerufen werden: In einer guten Frankfurter Wohngegend findet Chirurg Klaus Zehlen seine Frau ermordet im Schlafzimmer. Ihre Leiche ist grausam zugerichtet und trägt das Markenzeichen eines berüchtigten Serientäters. Doch der sitzt bereits seit Jahren hinter Gittern.
Em und Zhou ermitteln unter Hochdruck, als wieder eine junge Frau verschwindet… (Verlagsinfo)

Inhalt und Eindrücke:

Die Italienerin Emilia Capelli ist ein wenig chaotisch und durch ihr lockeres Mundwerk gerät sie so manches Mal in missliche Lagen. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Mai Zhou, die aus Hongkong stammt, ermittelt sie in der Abteilung für Kapitaldelikte des Polizeipräsidiums Frankfurt.

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Jenny Blackhurst – Die stille Kammer

Inhalt

Mein Name ist Emma Cartwright. Noch vor drei Jahren war ich Susan Webster – jene Susan Webster, die ihren zwölf Wochen alten Sohn Dylan getötet hat. Fast drei Jahre verbrachte ich in der Forensischen Psychiatrie. Seit vier Wochen bin ich wieder draußen. Unter neuem Namen lebe ich nun in einer Stadt, wo niemand von meiner dunklen Vergangenheit weiß.
Doch heute Morgen erhielt ich einen Brief, adressiert an Susan Webster. In dem Umschlag befand sich das Foto eines etwa dreijährigen Jungen, auf der Rückseite standen die Worte:
Dylan – Januar 2013.
Kann es sein, dass mein geliebter Sohn noch lebt? (Verlagsinformation)

Mein Eindruck:

Susan und ihre beste Freundin, die sie in der Psychiatrie kennenlernte, versuchen herauszufinden, was es mit dem Foto auf sich hat. Mit den Nachforschungen häufen sich auch die verstörenden Vorfälle in Susans Umgebung und jede Antwort wirft neue Fragen auf.

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Linus Geschke – Tannenstein

Der Wanderer dachte nicht mehr an das, was hinter ihm lag. Warum auch? Es war getan.

Ein abgeschiedener Ort nahe der tschechischen Grenze. Elf Tote an einem kalten Novemberabend. Ein Killer, der keine Spuren hinterlässt, und ein kriminell gewordener Ex- Polizist, der Rache will. Der Beginn einer gnadenlosen Hetzjagd, die dort endet, wo alles begann, Tannenstein. (Verlagsinfo)

Inhalt und Eindrücke:

Der kleine Ort Tannenstein südlich von Dresden könnte düsterer nicht sein – umgeben von tiefen Wäldern am Ende eines lang gezogenen Tals scheint hier die Zeit stehen geblieben und triste graue Hausfassaden wirken, als wäre das Ende der DDR bis hierhin noch nicht durchgedrungen.
Touristen verirren sich eher selten an diesen trostlosen Ort und Fremde fallen sofort auf.

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Richard Montanari – Shutter Man: Der Tod kennt dein Gesicht [Balzano/Byrne 9]

In Philadelphia geht ein Mörder-Duo um, das seinen Opfern die Gesichtshaut entfernt. Die Spur führt Ermittler Byrne in ein von der Zeit vergessenes Stadtviertel, in dem ein krimineller Clan herrscht, den der Polizist schon in seiner Jugend kennen- und fürchten lernen musste … – Der neunte Band der Balzano/Byrne-Serie bietet mehr Rauch als Feuer: Ein zwar solider, aber nicht raffinierter Plot soll künstlich durch allerlei mythisches Gewese aufgewertet werden. Das funktioniert nicht, sondern schadet einem ansonsten plausiblen, handwerklich sauber erzählten Polizei-Krimi und Psycho-Thriller. Richard Montanari – Shutter Man: Der Tod kennt dein Gesicht [Balzano/Byrne 9] weiterlesen

Child, Lee – Zeit der Rache (Jack Reacher)

„Zeit der Rache“ ist ein gut funktionierender Thriller, der den Leser erst hinters Licht führt und ihm erst ganz zum Schluss die Erleuchtung erlaubt. Nach seinen Abenteuern in [„Ausgeliefert“ 905 und „Sein wahres Gesicht“ bekommt es diesmal Jack Reacher, der Ex-Militärpolizist, schon wieder mit dem FBI zu tun, der amerikanischen Bundespolizei.

_Handlung_

Eigentlich will Jack Reacher, Ex-Bulle und Ex-Soldat, nur in Ruhe bei „seinem Italiener“ in Manhattan frühstücken. Die Nacht hat er wie üblich in der Wohnung seiner Freundin Jodie, einer erfolgreichen Anwältin und Ex-Soldatin, verbracht. Er ist immer noch der alte Streuner, der den Blick nach vorn auf den Horizont richtet. Und so kann er es überhaupt nicht ertragen, als zwei Gangster „seinen Italiener“ um Schutzgeld erpressen. Selbst ist der Soldat: Also nimmt er sich der beiden an. Nach einem kurzen Kampf sind sie krankenhausreif.

Das hätte er bleiben lassen sollen: Nun hat das FBI, das ihn seit acht Tagen beschattet, etwas gegen ihn in der Hand. Die Leute um Deerfield und Blake suchen angeblich einen Serienmörder, der ehemalige Soldatinnen umbringt. Deren einziges Verbrechen scheint darin bestanden zu haben, dass sie gegen sexuelle Belästigung bei Barras prozessiert hatten. Und der Steckbrief passt angeblich auf Reacher selbst.

Aber das ist nur ein Vorwand, um ihn am Wickel zu kriegen. Sie wollen seine Beraterhilfe, und die bekommen sie nur, wenn sie ihm etwas anhängen können. Reacher kann alle Angriffe parieren, doch als das FBI fieserweise andeutet, dass sie dem Schutzgelderpresser einen Hinweis auf Reachers Freundin Jodie geben könnten, muss er klein beigeben. Er wird in Quantico einquartiert, in einem Zimmer ohne Türgriff …

Die Jagd nach dem angeblichen Serienkiller führt zunächst zum potenziellen Opfer Nummer vier: Alison Lamarr, die Stiefschwester der FBI-Psychologin und Profilerin Julia Lamarr, lebt in Oregon. Reacher und seine Beschatterin Lisa Harper warnen Alison und erkundigen sich nach Gemeinsamkeiten mit den drei anderen Opfern. Diese waren nackt in einer Badewanne voller Tarnfarbe gefunden worden. Wollte sich der Täter an den aufmüpfigen Militärangehörigen rächen? Doch wie starben die Frauen? Nicht einmal erfahrene Pathologen wissen es zu sagen, und allmählich kommt Reacher – der nur wider Willen mitmacht – das Ganze reichlich bizarr vor.

Nach einem unentdeckten Ausflug gelingt es ihm, den New Yorker Schutzgelderpresser aus dem Verkehr ziehen zu lassen: Ein Bandenkrieg, den er anzettelt, erledigt das für ihn. Leider hat Reacher eine Kleinigkeit übersehen, und so ist er immer noch nicht aus dem Schneider. Als Alison Lamarr auf die gleiche Weise ermordet wird wie die drei anderen Frauen, wird er ziemlich wütend – nicht nur auf den Mörder, sondern auf sich selbst wegen seiner Dummheit. Er hat sich an der Nase herumführen lassen, ist von einem Gespinst aus Lügen umgeben. Und Lieutenant Rita Scimeca in Portland, Oregon, ist die nächste.

Während wir den Aktionen des Täters in eingefügten Abschnitten, die wie die „subjektive Kamera“ funktionieren, folgen, der Scimeca auskundschaftet, folgen Reacher und Harper einer falschen Fährte. Hier führt der Autor den Leser an der Nase herum. Doch Reacher hat das ein wenig geahnt und sich seine Gedanken gemacht. Als ihn der Gruppenleiter Blake wegen Erfolglosigkeit abserviert, kann und muss er daher auf eigene Faust (mit Harpers Hilfe) weitermachen. Ein Wettlauf gegen die Uhr beginnt: Kann er Rita Scimeca, die Pianistin, retten?

_Mein Eindruck_

|Flüssig zu lesen|

Das Buch liest sich unglaublich flüssig. Sich die Szenen vorzustellen ist sehr einfach, denn der Autor, der zwanzig Jahre lang britische Krimisendungen fürs TV produzierte, beschreibt jedes wichtige (und unscheinbare) Detail genau und mit treffenden Worten. Auffallend sind die genauen Beschreibungen von Kleidung und Innenausstattungen. So etwas findet man selten in US-Krimis. Außerdem benutzt Child gern kurze Sätze. Der Leser braucht sich also nicht den Kopf über syntaktische Konstruktionen zu zerbrechen, sondern kann einfach und direkt jeden Satz verstehen. Die Kürze bezieht sich allerdings nicht auf die Länge der Kapitel. Anders als bei James Patterson sind die Kapitel nicht nur drei bis vier Seiten lang, sondern mitunter zwanzig.

|Ein Berg von Lügen|

Anspruchsvolle Leser sollten sich von der Einfachheit und Ausführlichkeit nicht täuschen lassen. Der Autor versucht sie an der Nase herumzuführen. Der Mörder versucht das Gleiche mit Reacher, und Reacher das Gleiche mit dem FBI. Ein Berg von Lügen macht mindestens neunzig Prozent des Buches aus. Es kommt also darauf an, die wahren Sätze zu finden. Sie werden meistens von Reachers Freundin gesprochen. Es geht darum, als Paar zusammenzubleiben, obwohl Reacher der Streuner bleiben will, der er ist, und sie, Jodie, sich als Teilhaberin ihrer Kanzlei fest einrichten will.

|Exoten unter sich|

FBI-Frau Harper weiß genau, welche Zerreißprobe Reacher durchmacht. Sie ist erstaunlich realistisch gezeichnet (wie fast alle Frauenfiguren bei Child). Denn so wie Reacher als Nomade ein Exot unter Sesshaften ist, so ist sie als Frau in einem Männerladen wie dem FBI ein Exot: Selbst oder besonders dann, wenn sie Männeranzüge trägt. Erst als Reacher keine dummen Sprüche klopft, wird sie offener und zugänglich. Und als er sie küsst, kommt ihm die zündende Idee, wie die Opfer gestorben sein könnten.

|Schlacht der Systeme|

Der eigentliche Grund für die Morde ist erstens Irreführung, zweitens Tarnung und erst drittens ein banales Kapitalverbrechen. Doch der Grund, warum man einen Berater wie Reacher beim FBI braucht, liegt darin, dass er als Ex-Militärpolizist nützliche Verbindungen zum Militär haben könnte. FBI und Militär können einander nicht ausstehen. Ebenso wenig wie FBI und CIA oder andere Sicherheitsorganisationen. Dies wird in zahlreichen kleinen Szenen deutlich. Reacher ist der Mittelsmann, der aber weder hier noch da etwas zu melden hat – was seine Position nicht nur etwas seltsam, sondern in machen Situationen absurd erscheinen lässt. Und gerade dann, als es auf sein Eingreifen ankommt, wird er eiskalt abserviert. Typisch. Es grenzt an ein Wunder, dass das FBI überhaupt einen Fall aufklärt.

Das Einzige, was mich hierbei gestört hat: Die FBler stehen wie Idioten da, Lisa Harper liefert meist nur Stichwörter, doch Reacher erscheint dadurch als der weise Mann, der Allwissende. Das trifft natürlich zu (siehe oben). Selbst als er am Schluss alles erklärt, lässt sich seine Argumentation locker ad absurdum führen. Was sollen wir also mit einem Allwissenden anfangen, der sofort widerlegt wird? Vielleicht will uns der Autor sagen, dass wir nicht an Heilige glauben sollen. Die gibt es nicht.

|Lob des Realismus|

Für einen Briten kennt sich der Autor erstaunlich gut in den jeweiligen Mechanismen der beiden Systeme aus, ihren Methoden, Verhaltensweisen und Umgangsformen. Child ist inzwischen auch in die Staaten übersiedelt. Seine Kenntnisse vermitteln nicht nur seiner Geschichte Realismus, sondern dem Leser Vertrauen in das Erzählte (auch wenn das Erzählte oft täuscht). Daher weiß er auch die Vorgehensweise des Mörders rational zu erklären und nicht etwa, wie mancher Leser meinen könnte, mit Übernatürlichem. Child hat sich offensichtlich eingehend mit allen möglichen Todesarten befasst, doch es gibt tatsächlich eine, die nicht festzustellen ist. (Ich werde mich hüten, sie hier zu verraten.)

_Unterm Strich_

Als Krimi ist „Zeit der Rache“ (Der „Visitor“ aus dem O-Titel ist natürlich der Mörder, könnte aber auch auf Reachers Rolle beim FBI zutreffen) gut gelungen. Child wird aber noch eine Weile brauchen, bis er in die literarische Klasse von John Le Carré oder Fredrik Skagen aufgestiegen ist. Er kann es aber locker mit Michael Connelly („Schwarze Engel“, „Unbekannt verzogen“, „Kein Engel so rein“) und Dennis Lehane („Regenzauber“, „Mystic River“, ) aufnehmen.

Homepage des Autors: http://www.leechild.com.

|Originaltitel: The Visitor, 2000
Aus dem US-Englischen übertragen von Georg Schmidt|

Ace Atkins: Robert B. Parker’s Cheap Shot. A Spenser Novel

Shootout im Haifischbecken

Spenser soll herausfinden, wer die Männer sind, die den bekannten Football-Spieler Kinjo Heywood belästigen. Heywoods Probleme scheinen mit einer Schießerei in einem Nightclub zusammenzuhängen, die zwei Jahre zuvor passierte. Akira, Heywoods neunjähriger Sohn, wird entführt, Lösegeld gefordert, schon folgt Spenser einer Spur durch die Bostoner Unterwelt. Hawk und Zebulon Sixkill decken Spensers Rücken. Da trifft Heywood eine fragwürdige Entscheidung nach der anderen…

„Cheap Shot“ bedeutet in der Umgangssprache so viel wie „unfair, ungerechtfertigt, gegen die Regeln, unter der Gürtellinie“.

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Michael Connelly – The Burning Room (Harry Bosch 19)

Thrillerspannung im Doppelpack: Ermittlungen unter Latinos

Nach zehn Jahren stirbt ein Mariachi-Musiker an einer alten Schusswunde. Die Kugel birgt mehrere Überraschungen: Dieser angebliche Zufallstreffer war ein gezielter Schuss – aber er traf das falsche Opfer. Und während Harry Bosch noch über dieses Rätsel grübelt, entdeckt er, dass seine neue Partnerin Lucia Soto insgeheim eine eigene Ermittlung gestartet hat. Sie will den kindlichen Opfern eines vor 20 Jahren gelegten Brandes Gerechtigkeit widerfahren lassen dem sie als einzige lebend entkam.

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Michael Connelly – The Gods of Guilt (Mickey Haller 5)

Achterbahnfahrt mit den Göttern der Schuld

Als ein des Mordes verdächtiger Web-Programmierer Verteidiger Mickey Haller um Hilfe bittet, beruft er sich auf eine Prostituierte, der Haller vor Jahren einmal zu einem zweiten Start verholfen hat. Diese Nutte soll der Programmierer nach Angaben des LAPD getötet haben, doch der streitet das vehement ab. Für Haller ist klar, dass er diesen Fall annimmt – er könnte ja derjenige sein, der die moralische Schuld an ihrem Tod trägt…

Der Autor

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Ursula Poznanski – Vanitas – Schwarz wie Erde

Worum gehts?

Sie lebt in Wien. Ihr Arbeitsstelle ist einer der zahlreichen Blumenläden – in der Nähe des Zentralfriedhofs. Alles scheint auf den ersten Blick ganz normal, doch sie ist nicht diejenige, die sie vorgibt. Sie lebt in ständiger Angst, denn sie muss mit allen Mitteln verbergen, dass sie noch lebt. Sie möchte mit ihrer Vergangenheit abschließen, sie vergessen. Und dann erhält sie einen Blumengruß, wenn sie der Sprache der Blumen nicht mächtig wäre, hätte sie sich vielleicht darüber gefreut, doch so wird der Blumenstrauß zu einem tödlichen Zeichen für sie.

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Child, Lee – Ausgeliefert

Dieser FBI-Thriller aus der Feder des Briten Lee Child fängt langsam an und weitet sich allmählich zu einer actiongeladenen Auseinandersetzung zwischen Milizen, FBI und Militär aus – da brennt die Luft. Und alles wegen einer entführten jungen FBI-Agentin.

Dies ist Lee Childs zweiter Roman. Ich finde ihn wesentlich besser geschrieben als den nachfolgenden, „Zeit der Rache“. Das heißt aber nicht, dass es an „Ausgeliefert“ nichts auszusetzen gäbe.

_Handlung_

Der Serienstar von Lee Child ist der aus dem Dienst bei der US-Militärpolizei ausgeschiedene Jack Reacher. Eines schönen Mittags schlendert er ziellos durch die Innenstadt von Chicago, als vor ihm die bildschöne Holly Johnson aus der Tür eines Reinigungsgeschäfts tritt. Sie hat eine Knieverletzung und tut sich mit ihren gereinigten Kleidern und der Krücke sichtlich schwer. Doch in Reacher findet sie einen unverhofften Samariter, der ihr beisteht. Jack ist ein Gentleman, hat aber noch einiges mehr auf Lager, wenn’s darauf ankommt.

So etwa in der nächsten Sekunde: Drei Unbekannte schnappen Holly Johnson und Reacher und zerren sie in einen unbeschrifteten Lieferwagen. Reacher verzichtet mit Rücksicht auf unschuldige Passanten auf Gegenwehr. Er und die junge Frau werden in den Laderaum gesperrt. Nach einem Umstieg bei einem Flughafen geht die Fahrt weiter – um genau zu sein, rund 1700 Meilen westwärts nach Montana. Wie Reacher herausfindet, ist Holly vom FBI in Chicago. Er selbst gibt an, als Türsteher zu arbeiten, was zwar den Tatsachen entspricht, aber wohl nicht die volle Wahrheit ist.

Erst nach fünf Stunden merkt das FBI, dass ihre beste Mitarbeiterin in Sachen Verfolgung von Steuersündern entführt worden ist. Die Überwachungskamera der chemischen Reinigung liefert etwas missverständliche Bilder: Darauf sieht Reacher aus wie ein Terrorist oder zumindest wie der Kopf der Kidnapperbande. Dieses Missverständnis soll sich für Reacher noch übel auswirken.

Mittlerweile kommen er und das FBI dem Grund für die Entführung etwas näher: Sie ist die Tochter des ranghöchsten Generals, des Vorsitzenden der Vereinigten Generalstäbe. Und was er noch eine ganze Weile nicht ahnt: Sie ist die Patentochter des US-Präsidenten. Die FBI-Spitze und General Johnson reimen sich schnell zusammen, was das soll: Die Entführer wollen den bevorstehenden 4. Juli, die Feier des Unabhängigkeitstages, nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen und Forderungen zu stellen.

Als die Verbindung endlich hergestellt wird, ist alles natürlich viel schlimmer als befürchtet: Holly Johnson befindet sich als Geisel in der Hand eines verrückten Milizenführers namens Beau Borken, der am 4. Juli seine eigene kleine Republik in den Bergen von Montana ausrufen möchte. So will er sich von der „Tyrannei der Weltregierung und der Banken sowie der Juden“ befreien. Dieses wirre Zeug beruht auf seiner Biografie, aber seine wirkliche Ideologie scheint „Der Stärkere frisst den Schwachen“ zu sein. Hakenkreuzfahnen schmücken seine „Kommandohütte“, Regale voller Literatur über Pearl Harbor zieren deren Wände. Da weiß Reacher, was für eine Art von Diktator er vor sich hat. Und er weiß, wie er mit ihm fertig werden kann.

Allerdings weiß Reacher noch nichts von dem Maulwurf in der Organisation der FBI-Stelle Chicago. Er weiß nicht, wie verrückt und skrupellos Borken wirklich ist; und er ahnt noch nichts von der Entschlossenheit Holly Johnsons, für ihren Geliebten Jack Reacher einzustehen.

Schon bald hallen die Berge Montanas von Schreien, Gewehrschüssen und Raketenexplosionen wider …

_Mein Eindruck_

Die zweite Hälfte des Buches ist wirklich so gewalttätig, wie der Schluss meines Handlungsabrisses klingt. Ich will nicht ins Detail gehen, um die Spannung nicht zu zerstören, aber wir erhalten Unterricht in der Wirkungsweise von Gewehren, Pistolen, Stinger-Raketen und was nicht alles mehr. Außerdem lernen wir die korrekte Bedienungsweise eines Scharfschützengewehrs, mit dem man auf 1200 Meter Entfernung einer Fliege den Hintern wegschießen kann. (Es gibt auch große Fliegen.) Dieses Buch ist also nichts für zarte Nerven.

Reacher spielt in diesem Szenario nicht nur den väterlichen Beschützer & Lover der Entführten, sondern auch eine Art Einmannarmee à la Arnold Schwarzenegger. Das Einzige, was ihm Angst macht, sind Ratten und enge unterirdische Tunnels. Wir wissen: Solange er lebt, wird alles gut.

|Waco lässt grüßen|

Darum geht es eigentlich nicht. Denn dass Milizen und andere Unabhängigkeitsgruppen in den Rockies und westlich davon existieren, ist ein alter Hut. Der Autor gibt ungefähr 66 Millionen Sympathisanten oder Aktive in diesen Gruppen an. Das ist eine beträchtliche Wählerschaft. Als sich also die neue Republik lossagt, zögert das Weiße Haus, einzuschreiten. Zu gut ist dem Präsidenten und seiner Verwaltung das Debakel von Waco, Texas, in Erinnerung. Dort führte das rabiate Vorgehen des FBI gegen eine Sekte zu dem Tod mehrerer Dutzend Menschen. Auch an den Massenselbstmord von Jonestown in Guayana wird erinnert. Beide Szenarien würden der Regierung erhebliche Wählerverluste einbringen, zumal am Unabhängigkeitstag.

Die rechte Hand des Präsidenten bringt das brisante Thema auf den Punkt: Die Amis ermutigen in Sibirien und Osteuropa Dissidenten und Freiheitskämpfer, sich zu erheben, doch im eigenen Land werden Freiheitskämpfer niedergemetzelt? Das wäre äußerst unklug. Nicht von ungefähr zitiert der selbsternannte Präsident Beau Borken die US-Verfassung von 1776, in der sich die Neuenglandstaaten einfach die Freiheit nahmen, sich von der britischen Krone loszusagen – ein gewisser Präzedenzfall. Er weiß also, dass er die Geschichte auf seiner Seite hat. Demzufolge legt der US-Präsident die Hände in den Schoß, und General Johnson muss seine Tochter selbst raushauen.

Leider wird der noble Aspekt des Themas Freiheit und Befreiung gegen Ende zunichte gemacht: Borkens Staatsgründung war wohl doch nur ein Ablenkungsmanöver für seine schnöde Rache an den Banken, die seine Familie ruiniert hatten. So stellt sich der Autor auf Regierungsseite: Alles nicht so schlimm gewesen. Leider ist damit das Problem der Milizen etc. nicht aus der Welt geschafft oder gar eingehender erörtert. Das hat wohl in einem Actionthriller nichts zu suchen.

Das FBI macht wieder einmal eine schlechte Figur in der Abwicklung der Aufklärung des Falls, ganz besonders aber bei der Bekämpfung der Milizionäre. Und wo ein Maulwurf ist, da kann ja noch ein zweiter versteckt sein, nicht wahr?

|Die Übersetzung|

Der Heyne-Übersetzer Heinz Zwack macht zu 99 Prozent einen hervorragenden Job. Besonders dann, wenn man bedenkt, welches Spezialwissen über alle möglichen Arten von Waffen vonnöten ist, um das Buch korrekt und verständlich zu übertragen. Dennoch sind ihm zwei Flüchtigkeitsfehler unterlaufen, die nur der aufmerksame Leser entdeckt: An zwei Stellen spricht FBI-Bürochef McGrath, obwohl das, was er sagt, nur Reacher wissen und sagen kann. Eine klare Verwechslung.

_Unterm Strich_

In seiner Thematik wie auch in dem geschickten und temporeichen Aufbau der Geschichte (schnelle Szenenwechsel) ragt „Ausgeliefert“ über das vergleichbare „Zeit der Rache“ hinaus, das sich mit weitaus weniger Gewalt zufrieden gibt. Wer nichts gegen Schwarzenegger-Äkschn einzuwenden hat und zudem mit einem aktuellen amerikanischen Problem Bekanntschaft machen möchte, ist mit diesem Roman ausgezeichnet unterhalten.

Homepage des Autors: http://www.leechild.com.

|Originaltitel: Die Trying, 1998
Aus dem US-Englischen übertragen von Heinz Zwack|
http://www.heyne.de

David Schalko – Schwere Knochen

Im viergeteilten Wien kämpft sich ab 1945 die „Erdberger Spedition“, eine verschworene Gruppe Kleinkrimineller, mit allen Mitteln an die Spitze der Unterwelt durch. Dem Aufstieg folgt ein rasanter Niedergang, der das Milieu erschüttert und in einem spektakulären Gewaltausbruch gipfelt … – Zwar wird „Schwere Knochen“ als Kriminalroman beworben, doch eigentlich ist dies das Psychogramm einer österreichischen Gesellschaft, die von Spekulanten und Mitläufern geprägt ist: ein vor allem am Anfang unwiderstehlicher, später abschweifender und Längen aufweisender, aber dank des knochentrockenen, die oft brutalen Ereignisse ebenso konterkarierenden wie unterstreichenden Tenors überaus lesenswerter Roman. David Schalko – Schwere Knochen weiterlesen

Frank Goldammer – Roter Rabe

Manchmal ist das große Ganze wichtiger als das Schicksal eines Einzelnen

Im Spätsommer 1951 kehrt Oberkommissar Heller mit seiner Familie aus dem staatlich genehmigten Ostseeurlaub nach Dresden zurück. Für seine Frau Karin geht die Fahrt gleich weiter, denn sie hat überraschend die Reiseerlaubnis in den Westen zu Sohn Erwin erhalten, den sie seit dem Krieg nicht mehr gesehen hat. Heller ist besorgt. Wer kümmert sich in der Zwischenzeit um Pflegetochter Anni? Wird Karin die Chance womöglich nutzen, um im Westen zu bleiben?

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