Archiv der Kategorie: Thriller & Krimis

Parker, Robert B. – Hundred-Dollar Baby – Ein Spenser-Krimi

_Die Hure als Manager: April Kyles Traum und Ende_

April Kyle, vor 20 Jahren ein Schützling Spensers, bittet den Privatdetektiv erneut um Hilfe. Sie habe in Boston ein Nobelbordell aufgemacht und nun versuche jemand, sie aus dem Geschäft zu drängen, mit brutalen Methoden. Nachdem er ihr Schutz zur Verfügung gestellt hat, kommt Spenser die ganze Sache etwas merkwürdig vor. Er beginnt, in New York City Nachforschungen anzustellen und wird schon bald bei zwielichtigen Gestalten fündig …

Einfallsreicher deutscher Titel: „Hundert Dollar Baby“.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
„Hugger Mugger“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Vor zwanzig Jahren war April Kyle eine 15-jährige Hure, die Spenser unter seine Fittiche nahm und in New York bei der Puffmutter Mrs Utley zurückließ (in „Taming a Sea-Horse / Wer zähmt April Kyle?“, 1986). Nun steht sie wieder vor ihm, eine elegante Erscheinung und erotisch bis zum Gehtnichtmehr. Deshalb fällt es ihr leicht, den erbetenen Schutz von ihm zu erhalten. Jemand versuche, sie abzuzocken und um ihren Anteil vom Verdienst ihres Nobelbordells zu bringen. Zwei Kerle hätten bereits die Kunden vertrieben.

Spenser bekommt von den nächsten beiden Störenfrieden schnell heraus, dass ein Typ namens Ollie DeMars sie geschickt hat. Dieser Boss von ein paar Schlägertypen will aber nicht sagen, wer ihm den Auftrag dafür gegeben hat. Wenigstens sorgen Spensers Kumpel Hawk und Tedy Sap (siehe „Potshot“) dafür, dass April nicht mehr belästigt wird. Sie behauptet, ihr Bordell sei die Dependance von Mrs. Utley, doch als Spenser dort anruft, erfährt er, dass Aprils Laden kaum etwas abwirft; die Kosten seien einfach zu hoch. Wieso wird sie also trotzdem belästigt und was erwartet sich der Hintermann davon? Etwas ist hier oberfaul.

Nachdem April nichts dazu sagen will und Spenser seinen Schutz abgezogen hat, schnüffelt er mal in New York herum. Von Mrs. Utley, Aprils früherer Chefin, erhält er eine Liste von Aprils Stammkunden. Ein gewisser Lionel Farnsworth fällt ihm auf. Und Detective Eugene Coretti (aus „Small Vices“) erzählt ihm über diesen Typen, dass er 1998 im Allenwood-Gefängnis einsaß, wegen Betrug. Und wer hätte das gedacht? Auch Ollie DeMars saß dort zur gleichen Zeit ein. Steckt also Farnsworth hinter den Übergriffen?

Doch es steckt noch viel mehr dahinter, denn bislang hat Spenser nur an der Oberfläche gekratzt …

_Mein Eindruck_

„Hundred Dollar Baby“ ist der letzte Band der „April Kyle“-Trilogie in Parkers Werk und wohl auch der traurigste. Den zweiten Band mit dem Titel „Taming a Sea-Horse“ von 1986 habe ich soeben gelesen und war sehr davon angetan. Doch welchen Titel der erste Band trägt, muss ich erst noch herausfinden. Ein guter Kandidat ist „Ceremony“ von 1982, das den vielsagenden deutschen Titel „Einen Dollar für die Unschuld“ trägt. (Diese Vermutung hat sich inzwischen bestätigt.)

April ist so etwas wie Spensers Adoptivtochter und keinesfalls seine Gegelegenheitshure. Mit Susan Silverman ist er bereits in festen Händen und setzt diese Beziehung niemals auf Spiel. Er musste die Entführte ja selbst einmal „In „A Catskill Eagle“ unter Lebensgefahr befreien. Wenn jetzt also in „Hundred Dolalr Baby“ die reife Frau Appril Kyle ihm gegenüber ihre Macht als Frau auszuspielen versucht (ähnlich wie Jesse Stones Exfrau Jenn), dann beißt sie auf Granit. Und diese Zurückweisung nimmt sie nicht gnädig auf. Dummerweise fragt sie ausgerechnet Spensers besten Freund Hawk, ob er Spenser für sie umlegen würde. Die Frau hat Nerven.

April hat sich selbständig gemacht und will mit einem Typen, von dem sie glaubt, dass er sie liebe, eine rein weiblich geführte Bordellkette aufziehen. Ähnliches hatte ja schon Perry Lehman in „Taming a Sea-Horse“ demonstriert. Leider entpuppt sich Lionel Farnham als ein windiger Bursche, der sie lieber um ihr Geld erleichtert, als sie zu unterstützen. In einem letzten Versuch, ihren Lebenstraum zu retten, wendet sich April an den Mob, das organisierte Verbrechen. Damit hat sie sich selbst verraten, wie Spenser findet.

Spenser bemüht sich aus Menschenliebe weiterhin, April vor dem Abrutschen in die Klauen der Mafia zu retten, doch sie legt genau diese Liebe als Egoismus aus: Spenser Präsenz schade ihr nur, klagt sie ihn an. Aber das ist eben ihr Problem: Wenn sie sich auf die Seite der Illegalität stellt und dann auch noch mit der Mafia einlässt, kann sie nicht mit Spensers Zustimmung und Unterstützung rechnen. Er braucht gar nichts weiter zu tun, als mal mit der New Yorker Mafia ein paar Takte Tacheles zu reden, um dafür zu sorgen, dass man April Kyle und ihren Macker mit kritischen Augen betrachtet. Schließlich geht es um Investitionen. April wird ausgebootet.

Nicht einmal Spenser hätte sich die schlimmen Folgen dieser Wendung der Ereignisse auszumalen gewagt. Und den Leser trifft die Konsequenz, die April zieht, noch viel unerwarteter und härter. Es ist von tragischer Ironie, dass eine Prostituierte ihr Leben selbst bestimmen und selbständige Unternehmerin werden will. Doch die Mittel, um diesen Lebenstraum zu verwirklichen, holt sie sich bei Männern, die sie sofort ausnutzen. Es ist diese seltsame Zwiespältigkeit, die Spenser am meisten zu schaffen macht. Zum Glück hat er in Dr. Susan Silverman eine tiefblickende Psychlogin, die ihm diesen Widerspruch erklären kann. Für April kommt jede Hilfe zu spät.

_Unterm Strich_

Dieser letzte Teil der „April Kyle“-Trilogie war mir ein wenig zu relaxt im Mittelteil, um wirklich spannend zu bleiben. Aber das erste und das letzte Drittel entschädigten mich durch spannende Konfrontationen, etwas Action und die finale Konfrontation mit Mafia und April Kyle. Der Kitt, der die Handlung zusammenhält, ist ein typisches Rätsel, das es zu lösen gilt: Was hat April wirklich mit ihrer Bordellkette vor, wer sind die wahren Angreifer und mit wem lässt sich ihr Lover, dieser windige Lionel Wer-auch-immer, ein?

Der Mittelteil besteht zwar auf realistische Weise aus Überwachung, dem bekannten Stake-out-Motiv, aber da rein gar nichts passiert außer sarkastischen Dialogen, ist das nicht sonderlich befriedigend. Es hilft wahrscheinlich, dass der Leser bereits die beiden ersten Teile kennt und dadurch ein menschliches Interesse an der ausgebeuteten Hure April Kyle auf- bzw. mitbringt.

Aber wer diesen Vorteil nicht hat, tut sich etwas schwerer mit der Langsamkeit des Plots. So erging es jedenfalls mir. Vielleicht hätte der Autor auch mal das Milieu wechseln sollen, statt immer nur die Prostitution zu beackern – selbst wenn diese sich binnen 20 Jahren ganz erheblich verändert hat. „Taming a Sea-Horse / Wer zähmt April Kyle?“ (siehe meinen Bericht dazu) ist, wie ich finde, das spannendere und lustigere Buch von den beiden.

|Taschenbuch: 308 Seiten
ISBN-13: 978-0425217559|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

Parker, Robert B. – Taming a Sea-Horse – Ein Spenser-Krimi

_Der Sklavenhandel und die Macht des Schnüfflers_

Privatdetektiv Spenser sucht eine junge Prostituierte namens April Kyle. Doch kaum hat er sie in New York City gefunden, verschwindet sie bereits wieder spurlos. Ihr Zuhälter hat Angst davor, mit Spenser gesehen zu werden und weist Spuren eines Kampfes auf. Mit wem? Und eine von dessen Huren, mit der Spenser einen Tag lang verbracht hat, wird ermordet aufgefunden. Nachdem alle Stricke gerissen sind, bleibt Spenser nichts anderes übrig, als die Spur dieser jungen Frau aufzunehmen, in Portland, Maine …

Der Titel der deutschen Übersetzung lautet: „Wer zähmt April Kyle?“ Dieser Titel ist völlig irreführend, denn bis auf zwei kurze Szenen spielt April Kyle für die Handlung überhaupt keine Rolle.

Der Originaltitel geht auf ein Gedicht des Engländers Robert Browning zurück. Man darf nicht vergessen, dass der Autor mehrere Jahre Dozent für Amerikanische Literatur war. Allenthalben tauchen auch in diesem Roman literarische Referenzen auf, so etwa zu Nathaniel Hawthorne, einem frühen Pionier der Schauerliteratur.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
„Hugger Mugger“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Spenser hat April Kyle wie eine Tochter aufgezogen, nachdem er die junge Prostituierte in einem früheren Fall aufgelesen und zur New Yorker Puffmutter Patricia Utley gebracht hat. Diese nahm das verwahrloste Straßenmädchen unter ihre Fittiche und machte fast eine Lady aus ihr, natürlich ebenfalls im Puff. Jetzt ruft Mrs Utley Spenser an: April habe ihr Haus verlassen und sich einem Edelnuttenring namens Tiger Lillies angeschlossen. Aber warum?

Sobald er April endlich ausfindig gemacht hat, lädt Spenser April zum Essen ein. Sie hat sich in einen Kerl namens Robert Rambaux verliebt, der Musik studiere. Doch als Spenser den schwarzen Stutzer in Augenschein nimmt, schreit alles an dem Typ: Zuhälter! Die Andeutung, dass Rambaux kein geeigneter Umgang für sie sei, lässt April aufspringen und abhauen. Und ihr Zuhälter warnt Spenser mit einem Rasiermesser, sich von ihr fernzuhalten. Ist das die feinsinnige Art eines Musikstudenten?

Er beobachtet Rambaux und stellt fest, dass der Kerl einen ganzen Stall voller Huren laufen hat, und April hat er lediglich an ein edleres Etablissement vermittelt. Die dort verbrauchten Huren, so erklärt es Mrs Utley, nimmt er dann wieder zurück und schickt sie auf den Straßenstrich. Spenser gabelt eines der Mädchen auf; sie nennt sich Ginger. Nachdem er sich einen Tag lang um sie gekümmert hat – gegen Bares natürlich – bricht sie zusammen und erzählt ihm, wer sie wirklich ist: die zwei Jahre lang von ihrem Vater missbrauchte Tochter von Vern Buckey, dem „härtesten Kerl in Lindell, Maine“. Der Kerl habe sie an ein Bordel in Portland, Maine, verhökert. Spenser gibt ihr Geld und sie geht wieder.

Doch jemand hat Ramaux gedroht, nachdem Spenser auftauchte. Rambauxs Visage wurde poliert und er hat schreckliche Angst, mit dem Detektiv zusammen gesehen zu werden, während er ihn mit einer Pistole zu Gehen zwingt. Unverrichteter Dinge kehrt Spenser heim, nicht ihne Mrs Utley eine Rechnung zu schicken. Nach einem Wiedersehen mit seiner Freundin Dr. Susan Silverman taucht der Polizist Frank Belson auf: Ein Anruf von Detective Corsetti aus New York City – Ginger wurde ermordet aufgefunden, mit Spenser Visitenkarte in der Jacke. Das tut Spenser wirklich leid.

Die einzige gangbare Spur führt nach Lindel und Portland, Maine, zu Gingers Vater und dem Bordell, an das er seine Tochter verkauft haben soll. Doch Vern Buckey wurde von ihr nicht ohne Grund der „härteste Kerl von Lindell“ genannt. Allein schon die Absicht, die er gegenüber einer Frau dort äußert, Buckey treffen zu wollen, löst einen Lachanfall samt Raucherhusten aus. Vern Buckey mag es nicht, wenn man nach ihm fragt. Und er macht jeden platt, der ihm blöd kommt. Somit hat sich Spenser für eine Runde Catchen qualifiziert. Dennoch tritt er Vern Buckey unter die Augen. Und die ganze Stadt wartet draußen vor der Bowling-Halle, ob es Spenser wieder lebend herausschafft …

_Mein Eindruck_

Spenser folgt der Spur Ginger Buckeys. Sie führt ihn mit Hilfe verschiedenster Auskünfte bis zum Betreiber einer Kette von Nobelbordellen, die dem Yuppie sein Selbstwertgefühl aufmöbeln sollen. Sogar die Leibwächter von Perry Lehman sind Schwarze, sein Marketing macht natürlich eine Frau. Auch hier hat Ginger gearbeitet, um sich das Trinkgeld ihrer Freier zu verdienen.

Doch wer sind die Leute, die Perry Lehman das Geld geben, um seine Kette zu expandieren? Diese Leute stecken wahrscheinlich hinter dem verschwinden April Kyles und dem Mobbing von Richard Rambaux. Als Spenser den Leiter des Hurengewerbes in Boston, Tony Marcus, fragt, sagt dieser nur, dass es Leute sind, mit denen er sich nicht anlegen kann. Also muss es wohl der Mob sein, das organisierte Verbrechen.

Wenn aber der Mob bei Perry Lehman abkassiert, wer wäscht dann dieses illegale Geld? Nach einem kurzen Abstecher in die Karibik (zu einem weiteren Crown Prince Klub) und ein paar Druck machenden Aktionen gegen Lehman erfährt Spenser endlich den Namen und die Position: es ist natürlich ein Banker. Und kein unwichtiger: Seine Bank ist die Nr. 18 in den Vereinigten Staaten.

Und so schließt sich der Kreis. Die Ausbeutung junger Frauen wird vom organisierten Verbrechen in großem Maßstab betrieben. Diese Erkenntnis verwundert nicht gerade, denn der Mob hatte seine Finger schon immer in der Prostitution drin. Was aber der eigentliche Schock ist, findet Spenser am Schluss heraus: Ein angeblich wohlanständiger Banker mit weißer Weste finanziert diese Ausbeutung durch Geldwäsche.

Und er wird wahrscheinlich nicht nur vom Mob gestützt, sondern auch von „Freunden“ mit dem richtigen politischen Einfluss. Dass der Banker obendrein „gewisse Bedürfnisse“ mit jungen Frauen wie Ginger Buckey befriedigt hat, dürfte ebenfalls nicht verwundern. Eine Hand wäscht die andere. Die Verlierer sind die Frauen, die „weißen Sklaven“ Amerikas. (Was nicht heißt, dass es nicht auch Asiatinnen usw. in diesem Gewerbe gibt.)

Wie so oft führt also allein Spensers zudringliche Schnüffelei dazu, einen wichtigen Mann im Hintergrund bloßstellen zu können. Dass Spenser zusammen mit Hawk einige Einschüchterungsversuche und womöglich auch einen Anschlag abwehren muss, versteht sich von selbst. Diese Männer bzw. ihre Besitzer haben ihre Verteidigungslinien. Es ist wie im Schach (das Spenser nicht beherrscht): Wer an den König herankommen will, muss erst die Bauern, dann die Springer und Türme überwinden.

Und wenn es dann endlich zu einem „Schach dem König!“ gekommen ist, kann Spenser verhandeln. Quid pro quo. Er bekomt April Kyle, wenn er den Banker laufen lässt und seinen Namen nicht bei Polizei und Presse an die große Glocke hängt. Das ist ein gewichtiges Argument für die Vertreter des Mob, die ihren „König“ beschützen. Den Mörder von Ginger Buckey bekommt er nicht, denn der ist bereits liquidiert – als Warnung an alle anderen.

Aber dass April nach drei Jahren Sexarbeit zu Spenser zurückkehren kann, ist kein geringer Lohn. Sie hat Furchtbares durchgemacht. Auch zwanzig Jahre danach, in „Hundred Dollar Baby“, ist sie ihm noch dankbar – bis zu einem gewissen Grad. „Taming a Sea-Horse“ und „Hundred Dollar Baby“ sind die Bände 2 und 3 der April-Kyle-Trilogie. Wie der erste Band heißt, muss ich erst noch herausfinden.

_Unterm Strich_

In seiner unnachahmlich lässigen Art löst Spenser auch diesen kniffligen Fall. Der Erzzählstil ist eindeutig an Raymond Chandler orientiert, den der Autor durch einen „Philip Marlowe“-Krimi und eine Vervollständigung einer „Chandler“-Vorlage bereits auf bemerkenswerte Weise geehrt hat. Spenser ist ein aufrechter Kerl, genau wie Marlowe, und er hat ein Herz für die Underdogs, ganz besonders für Frauen. Da er April Kyle schon einmal gerettet hat (ich finde noch heraus, in welchem Roman), liegt ihm ihr Schicksal am Herzen.

Aber die Mühe, sie vor dem physischen Tod oder wenigstens vor dem seelischen Exitus zu bewahren, führt Spenser erneut auf Konfrontationskurs mit jenen Dunkelmännern, die die Ausbeutung von Frauen durch Prostitution und Pornos als Geschäft betreiben. Das Besondere an diesem Fall: Die junge Ginger Buckey, eine Schicksalsgenossin Aprils, wurde von ihrem Vater missbraucht und dann in die „weiße Sklaverei“ verkauft – gegen einen sogenannten „Finderlohn“, der natürlich nicht steuerbelastet ist.

Der Menschen verachtende Zynismus dieses Geschäfts reicht über sämtliche Ebenen der männlichen Hierarchie bis – und das ist die zweite Besonderheit – hinauf auf Bankenebene. Es wäre ja auch ein kleines Wudner, wenn eine Bank nicht an diesem Riesengeschäft, der Menschen aussaugt und wieder ausspuckt, mitverdienen würde, nämlich durch Geldwäsche und „persönliche Gefälligkeiten“ (dreimal darf man raten, was damit gemeint ist).

Dass sich Spenser mit dem Mob, dem organisierten Verbrechen, anlegt, hat er nur seinen beiden Freunden Hawk, der mit Artillerie aufkreuzt, und Susan Silverman, die ihn mit wertvollen Einsichten aufmuntert, zu verdanken. Diese beiden Figuren (und etliche weitere) machen die „Spenser“-Krimis so einzigartig: Intelligenz, Humor, Kraft, jede Menge Erotik und psychologische Einsicht.

Aber um seinen Leserkreis auszuweiten, erfand Parker mit Sunny Randall eine weibliche Variante und mit Polizeichef Jesse Stone einen Mann für Fälle auf dem Land und für die ganze Familie. Jede der drei Hauptfiguren hat eine eigene Geschichte, die ihr Profil verleiht. Jesse Stone spricht mich am meisten an, denn er ist mit Abstand die komplexeste Figur dieses Trios. Und seine Verfilmungen sind zudem die besten.

|Taschenbuch: 313 Seiten
ISBN-13: 978-0440188414
[Verlagshomepage]http://bantam-dell.atrandom.com

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

Parker, Robert B. – Melancholy Baby – Ein Sunny-Randall-Krimi

_Von Lieblingsvätern und Rabenmüttern_

Privatdetektivin Sunny Randall soll die leiblichen Eltern von Sarah Markham suchen. Ihre von Sarah so genannten Adoptiveltern behaupten zwar, die biologischen Eltern zu sein, erbringen aber keinerlei Beweis dafür. Alle drei lügen, ist sich Sunny sicher und macht sich auf die Suche nach Antworten. Unterdessen begibt sie sich in die Therapie bei Dr. Susan Silverman und stößt auf einige beunruhigende Antworten auf ihre eigene emotionale Misere: Wieso kann sie nicht von ihrem geschiedenen Mann Richie lassen?

Eine deutsche Übersetzung liegt noch nicht vor.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) _“Melancholy Baby“_
5) „Blue Screen“
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
„Hugger Mugger“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Sunny geht es so richtig dreckig – und keiner hat Verständnis dafür. Ihr geschiedener Mann Richie hat endlich geheiratet: Kathryn. Doch Sunny, die kein Anrecht mehr auf ihn hat, kann einfach nicht von ihm lassen und schiebt deshalb den Blues. Einziger Trost für ihr gebrochenes Herz ist ihre Hündin Rosie. Es kommt sie daher hart an, wenn sie Rosie in die Obhut von Richie und seiner neuen Frau geben muss. Am liebsten würde sie Kathryn umbringen. Nur Spike hat Verständnis für sie, rät ihr aber dringend zu einer Therapie. Auf diese Weise lernt sie Dr. Susan Silverman kennen, die jedem Parker-Leser aus den „Spenser“-Krimis bestens vertraut ist: schön und intelligent – und wie Sunny findet, ungewöhnlich scharfsichtig …

Eine Anwältin bittet sie, sich um den Fall Sarah Markham zu kümmern. Die Studentin Sarah behauptet nämlich, ihre angeblich leiblichen Eltern seien nur ihre Adoptiveltern. Sie unterscheide sich in ihrem Aussehen ganz erheblich von ihnen. Und da Sarah von ihrem Großvater ein Treuhandvermögen erhalten hat, kann sie auch Sunny bezahlen. Leider ist Sarah nicht nur ein Kotzbrocken, sondern auch noch eine Lügnerin. Sunny muss ihr jeden Namen von früheren Schulfreunden einzeln aus der Nase ziehen. Und ihre „Eltern“ sind ebenfalls Lügner: Was sie als Einkommensquelle angeben, ist ebenso Unsinn wie eine frühere Stelle des Vaters in Chicago. Oder doch nicht?

Sunny recherchiert in der Nähe von Chicago, um herauszufinden, was George Markham anno 1982 hier gearbeitet hat. Tatsächlich war er von 1979 bis 1984 Radiojockey in Moline – und ein Schürzenjäger. Seine Frau hatte kein Kind namens Sarah und war auch nicht schwanger. Woher stammt also Sarah? Mit diesen Infos und Fragen konfrontiert, leugnet George alles: Er sei nie in Moline gewesen.

Sarah sucht Sunny auf: Zwei Männer haben sie im Studentenwohnheim zusammengeschlagen, ein Anwalt und ein Schläger. Sie soll die Ermittlung stoppen und Ruhe geben. Sunny nimmt sie bei sich auf. Sie stellt sie unter Bewachung, als sie sich im Naturschutzgebiet mit den beiden Typen trifft. Die haben die Aufgabe, sie zum Einstellen der Ermittlung zu bewegen. Zum Glück kann Sunny sie mit Spikes Hilfe dazu „überreden“, alles auszuplaudern, was sie über ihre Auftraggeber wissen.

Dieser Auftraggeber scheint ein Anwalt in New York City zu sein. Ike Rosen verweist sie wiederum an Peter Franklin, einen charmanten Anwalt, der Leute aus der Unterhaltungsindustrie vertritt. Eine seiner Mandantinnen ist Lolly Drake, die angeblich zusammen mit George Markham in Moline zusammengearbeitet hatte. Sunny bittet Peter, ihr einen Termin bei Lolly Drake, der Talkkshow-Moderatorin, zu verschaffen.

Zwei Tage nachdem George Markham berichtet hat, er werde den DNS-Test machen, wird er erschossen aufgefunden. Brian Kelly, Sunnys früherer Lover, arbeitet jetzt in der Mordkommission und ruft sie an. Zusammen fahren sie zu Mrs. Markham. Diese beschuldigt Sarah und Sunny des Mordes, was natürlich Blödsinn ist. Auch Sarah, zu der sie als Nächstes fahren, hat einen DNS-Test machen lassen. Das Labor sagt, die beiden proben stimmten nicht überein. Sarah ist am Boden zerstört: Wenn George nicht ihr Vater war und Mrs. Markham nicht ihre Mutter, wer ist sie dann überhaupt?

Sunny ist entschlossen, dies herauszufinden.

_Mein Eindruck_

Sunny Randall entwickelt sich zusehends mehr selbst zu einer Psychotherapeutin. Von Dr. Susan Silverman, Spensers Freundin, übernimmt sie sogar gewisse Manierismen, wie etwa das leichte Neigen des Kopfes, um Interesse anzuzeigen, oder das leichte Nicken und angedeutete Lächeln. Diese Technik benötigt Sunny auch, um die harten Schalen der drei Markhams zu knacken.

Interessant ist auch die Entwicklung von Sarah Markham von einer drogenabhängigen und auf ständig Selbstbefriedigung durch Sex fixierte Studentin – hin zu einer selbständig und verantwortungsbewusst handelnden Frau. Diese erstaunliche Entwicklung wird allein durch Sunnys beispielgebendes Vorbild möglich gemacht. (Das war ja schon in „Family Honor“ so.) Deshalb ist es für Sunny auch so wichtig, sich selbst von den eigenen Macken zu befreien.

Die zentrale Figur dabei ist ihr Vater. Im Vorgängerband „Shrink Rap“ erfuhr Sunny, dass sie auf einen autoritären Männertyp fixiert ist, bei dem sie Halt und Schutz findet. „Ödipal oder was auch immer“, denkt Sunny und sagt dies Dr. Silverman auch. Aber wird Sunnys Liebe für ihren eigenen Vater auch erwidert? Das gilt es ebenso herauszufinden, wie Daddys Beziehung zu Sunnys Mutter zu qualifizieren.

Sunny denkt, er könne Em nicht lieben, weil diese immer so unqualifizierten Mist daherreden. Doch Sunny findet zu ihrem Erstauen heraus, dass Daddy Mom nicht nur geduldet hat, sondern sie vielmehr sogar immer noch liebt! Das ist vor dem Hintergrund, dass alle drei Randall-Frauen um die Liebe Phil Randalls wettstreiten und buhlen, sehr wichtig. Und wer weiß, wohin dies im nächsten Band „Blue Screen“ führen wird?! Sunny sonnt sich jedenfalls in Daddys Lob, sie sei ein „exzellente Detektivin“.

Und dann ist da natürlich immer Richie. Ihr Exmann hat wieder geheiratet – was kann es Schrecklicheres geben? Nun steht er nicht mehr zur Verfügung, höchstens für seine Vaterpflichten gegenüber der gemeinsamen Hündin Rosie. (Hinweis: In Parkers Romanen werden Haustiere niemals als „es“ abqualifziert, sondern sind Teil der Familie und somit Kinder mit Daddy und Mommy.) Sunny kommt es unglaublich vor, als Richie zugibt, dass er sie immer noch liebe. Aber er kann zwei Frauen zugleich lieben. Ist das nicht höchst sonderbar, denkt Sunny.

|Der Fall|

Sunnys neuester Fall erkundet weder Feminismus noch Straßenstrich, auch nicht den Missbrauch von Frauen durch Psychiater. Vielmehr geht es um die Definition moderner Eltern-Kind-Verhältnisse. Die Markhams erscheinen Sunny als eine sehr gestörte Familie. Recht hat sie, denn Mr und Mrs Markham erweisen sich als nicht-leibliche Eltern Sarahs. Dennoch lässt Sarah, ihre „Tochter“, ihren Daddy immer noch als ihren Vater gelten, denn er hat sie so geliebt, wie ein Vater seine Tochter lieben sollte.

Die Frage lautet natürlich, wer Sarahs wahre Eltern sind und wer sie und Sunny daran hindern will, dies herauszufinden. Bei ihren Ermittlungen in New York City stößt Sunny wiederholt auf den Namen „Lolly Drake“. Die bundesweit bekannte Talkshow-Masterin vertritt die traditionellen Werte der Vereinigten Staaten, die im „American Dream“ zusammengefasst sind: Elternliebe, keine Abtreibung, Unterstützung von Ambitionen und Zielen besonders bei jungen Menschen, Karriere, Familie, usw. Alles Werte, die in den achtziger Jahren in der Bewegung der Moral Majority propagiert wurden – mit verheerenden Folgen: Ihre Protagonisten wie Jerry Falwell desavouierten sich selbst durch außereheliche Affären. Die Saubermänner nutzten ihre Sonderstellung in den Medien aus.

Was ist also wirklich dran an Lolly Drake, fragt sich Sunny und bohrt weiter. Dabei tut sie sich mit dem uns aus dem „Spenser“-Krimi „Small Vices“ bestens bekannten Detective Sergeant Eugene Corsetti zusammen. Dieser muskelbepackte kleinwüchsige Dampfhammer macht Lolly Drake und ihre Mischpoke richtig Feuer unterm Hintern. Als dann auch noch gewisse Fotos aus Lollys Jugendtagen auftauchen, muss die Talkshow-Masterin Farbe bekennen: Ist sie Sarahs leibliche Mutter oder nicht? Und warum hat sie ihr Kind im Stich gelassen, diese Rabenmutter?

_Unterm Strich_

Dieser vierte Fall Sunny Randalls ist durchaus spannend und wird auch übersichtlich erzählt, denn es gibt in regelmäßigen Abständen immer wieder Resümees. Auch die Akteure haben mir gut gefallen, allen voran Spike und DS Eugene Corsetti sowie Susan Silverman, die die Sphinx und Beichmutter spielt. Aber dennoch wurde ich leicht enttäuscht. Denn schon auf halber Strecke ist recht deutlich auszumachen, worauf der Fall hinauslaufen wird. Dass Lolly Drake in jungen Jahren ein uneheliches Kind bekam und es irgendwie loswerden musste, wollte sie ihre gerade abhebende Karriere nicht massiv beeinträchtigen. Also wurde sie zur Rabenmutter.

Für die Qualität der Geschichte erweist sich jedoch diese Vorhersehbarkeit als nicht so schädlich, wie man erwarten sollte. Denn die Story ist lediglich der Aufhänger für ein viel grundlegenderes Thema. Es geht um die Fragestellung: Was ist der ideale Elternteil? Lolly ist sicher nicht die ideale Mutter, und Mrs. Markham erst recht nicht. Aber Sarah lässt Mister Markham durchaus als Daddy gelten, und auch Sunny muss die Frage entscheiden, ob ihr Daddy sie wirklich liebt und ihre Mutter sie womöglich hasst. Auch für sie ist Daddy der ideale Vater, ohne jedoch ödipale Konflikte auszulösen. Aber warum kann Sunny dann Richie zwar lieben, aber nicht mit ihm zusammenleben?

Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass weibliche Diskussionsrunden diese für jede weibliche Existenz grundlegenden Fragen erörtern könnten. Und nicht nur das. Allein schon die Beschäftigung mit diesen Fragen veranlasst jeden Leser dazu, es wie Susan Silverman zu machen und nach den Gründen für die eigenen Einstellungen zu suchen: Warum lebe ich als Single, warum bin ich alleinerziehend, weshalb rufe ich meine Eltern nie an, wieso gehe ich nie unter Menschen usw.

Und wir könnten Susan Silvermans Arbeit übernehmen und uns fragen, warum Sunnys Lieblingsphantasie einen sie beschützenden Mann an einem wärmenden Lagerfeuer beinhaltet, sich diese heimelige Szene aber in einer Landschaft abspielt, die in tiefstem Winter liegt. Warum gerade „tiefster Winter“, hm?

|Taschenbuch: 292 Seiten
ISBN-13: 978-0425204214|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066

Parker, Robert B. – Blue Screen – Ein Sunny-Randall-Krimi

_Filmgeschäft und Zuhälterei – was ist der Unterschied?_

Die Bostoner Privatdetektivin Sunny Randall erhält den Auftrag, eine Filmschauspielerin zu beschützen. Erin Flint ist eine Athletin, die demnächst in einem Film über eine Baseballspielerin auftreten soll. Ihr Produzent und Freund Buddy möchte mit ihr sein eigenes Baseballteam promoten. Als jedoch die persönliche Assistentin von Erin Flint mit gebrochenem Genick in der Turnhalle aufgefunden wird, ist klar, dass sie ermordet wurde. Erin glaubt, die Frau sei mit ihr verwechselt worden und beauftragt ihrerseits Sunny damit, den Mörder zu finden und unschädlich zu machen.

Dieser Roman wurde meines Wissens nach bislang noch nicht übersetzt.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) „Melancholy Baby“
5) _“Blue Screen“_
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
„Hugger Mugger“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Sunny Randall fährt nach Paradise, Massachusetts, und von dort auf Stiles Island, den Reichenvorort, der schon mehrfach in Parkers Romanen als Schauplatz diente. Sie besucht den Filmproduzenten Buddy Bollen, der ihr wie ein fetter Junge mit hirnamputiertem Kichern erscheint. Dessen Neubau sieht aus wie der Mont Saint Michel, wird aber viel schwerer bewacht: Überall sieht Sunny Security-Leute herumstehen. Buddy gibt ihr den Auftrag, auf seine Freundin Erin aufzupassen. Erin Flint, wissen Sie? Weiß Sunny nicht. Buddy zeigt ihr einen unsäglichen Streifen namens „Woman Warrior“, in dem die athletische Erin Flint als Amazone im Bikini durch die Pampa streicht.

Die Person Erin Flint allerdings stellt sich als arrogantes Arschloch heraus, als sie Sunny in deren Wohnung besucht. Und sie hasst Hunde, was bei Sunny ebenfalls nicht gut ankommt. Aber Geschäft ist schließlich Geschäft. Buddy hat große Pläne mit seiner Freundin („Leibeigene“ wäre der passendere Ausdruck, so wie er sie behandelt): Erin soll im nächsten Film eine weibliche Baseballspielerin verkörpern. Der Film wiederum soll sein eigenes Baseballteam, die Connecticut Nutmegs (nutmeg = Muskatnuss), promoten – und umgekehrt.

Dass mit Erins Vergangenheit etwas nicht stimmen kann, merkt Sunny schon bald. Erins persönliche Assistentin Misty Tyler erzählt, sie habe Erin schon gekannt, BEVOR diese nach L.A. kam und dort Buddy kennenlernte. Erin wiederum gibt an, sie habe Misty erst NACH dem Treffen mit Buddy kennengelernt und engagiert. Das spielt eine Rolle, als Misty Tyler mit gebrochenem Genick tot aufgefunden wird. Sie trainierte wie Erin in der Turnhalle von Buddys Prachtbau. Ein Unfall scheint ausgeschlossen. Der Paradise-Polizeichef Jesse Stone weist Sunny auf die Druckstellen an den Seiten von Mistys Kopf hin: Es war höchstwahrscheinlich Mord.

Erin Flint ist aufgebracht, denn sie hat offenbar Angst. Sie sagt, Misty sei mit ihr verwechselt worden. Eigentlich sollte sie getötet werden. Sie beauftragt Sunny mit der Aufklärung des Mordes. Nun spielt Buddys Auftrag, Erin zu schützen, keine Rolle mehr. Und Erins Bezahlung ist ebenso gut wie seine.

Sunny macht sich an die Arbeit, Hand in Hand mit Jesse Stone, den sie zunehmend eindrucksvoller und sympathischer findet. Denn nachdem sie weiß, dass ihr Ex Richie ein Baby erwartet, ahnt sie, dass sie ihn nicht zurückbekommen wird. Wozu also über verschüttete Milch jammern? Sie verliebt sich in Jesse. Und zusammen bringen sie die Ermittlung richtig in Schwung ,,,

_Mein Eindruck_

Ich befürchtete, dieser Fall könnte sich wie der Fall jener Schauspielerin im „Spenser“-Krimi „Stardust“ (siehe meinen Bericht) entwickeln, aber das ist zum Glück nicht der Fall. Natürlich bleibt es nicht aus, dass Erin Flints und Misty Tylers wahre Identität aufgedeckt wird: Die beiden sind Schwestern und waren zusammen in Los Angeles die Prostituierten des Zuhälters Gerard Basgall, der mittlerweile in einem feudalen Anwesen in Bel Air lebt. Damals hießen die beiden Mädchen aus der Provinz noch Boverini. Als Sunny Erin damit konfrontiert, erleidet diese erst einmal einen Nervenzusammenbruch.

So weit, so schön. Aber der Fall birgt noch viel mehr Dynamit. Denn wozu müsste sich Buddy Bollen mit einer kleinen Armee Leibwächter schützen? Nein, Sunny und Jesse bohren tiefer und stoßen auf die Anfänge von Bollens kleinem Firmenimperium, als er noch auf fremdes Geld aus dubiosen Quellen angewiesen war. Manche dieser „Quellen“ liegen mittlerweile unter der Erde, meist mit einem zusätzlichen Loch im Kopf. Andere hingegen sind immer noch höchst aktiv und machen Buddy das Leben schwer. War Mistys Tod am Ende nur eine „Warnung“ dieses Geldgebers an Buddy, endlich mit der Kohle rüberzukommen?

Aber warum hat dann gerade Erin solche Angst? Nachdem sie endlich gesprächig gemacht worden ist und Sunny ihr Vertrauen gewonnen hat, fällt ein wenig Licht in das Geflecht zwischen der West- und der Ostküste, wo Buddy tätig ist. Zu Sunnys Verwunderung ist Erin immer noch in ihren Zuhälter Gerard verliebt. Sie hätte es nicht für möglich gehalten. Dafür hasst Erin ihren „Freund“ Buddy in zunehmendem Maße, denn dieser verlange im Bett schweinische Sachen, die sogar der Nutte Erin zuwider sind.

Nun müssen Sunny und Jesse zusammen mit der Polizei von L.A. und der irischen Mafia in Boston, die Sunny bestens vertraut ist, Druck auf Gerard, Buddy und Erin ausüben. Das Ergebnis: Sie müssen Erin in einer großen Aktion aus Buddys „Schloss“ befreien und sie mit Gerard zusammenbringen. Vielleicht lässt sich jetzt endlich herausbekommen, wer an Mistys Tod schuld ist.

|Sunny und Jesse|

Jesse, findet Sunny, ist ein Typ wie ihr Richie: nach innen gewandt, in sich ruhend, selbstsicher, stets bereit zu handeln. Außerdem ist er ein großer Schweiger, wenn es darauf ankommt, kann aber auch verführerisch grinsen. Und er ist ein einfühlsamer Liebhaber. Jesse Stone hat eine gescheiterte Ehe hinter sich, aber seine Ex lebt in der Nähe – und betrügt ihn immer noch (siehe dazu die „Jesse Stone“-Krimi-Reihe und meine Berichte darüber). Wie gut stehen also die Chancen, dass Sunny und Jesse zusammenkommen?

Wie sich zeigt, stehen die Chancen ausgezeichnet. Sie waren beide beim Therapeuten und kennen sich mit ihren eigenen Macken mittlerweile einigermaßen aus. Und die erotische Anziehungskraft sorgt für den Rest. Die Bettszenen mit Sunny waren noch nie so explizit wie in diesem Band der Reihe. Und es gibt als „Höhepunkt“ eine sehr lustige und lustvolle Sexszene in der Umkleidekabine einer Edelboutique auf dem Rodeo Drive von Beverly Hills.

Doch hält Sunnys Glück in der Liebe auch? Leider nein, denn schon dem Jesse-Stone-Krimi „High Profile“ (siehe meinen Bericht) sieht Jesse wieder Land bei seiner Ex Jenn und wendet sich dieser zu. In Sunnys nächstem (und letztem) Fall „Spare Change“ ist deshalb schon keine Rede mehr vom Liebesglück mit Jesse. Schade drum!

_Unterm Strich_

Im vorhergehenden Fall „Melancholy Baby” verlor sich Parker meines Erachtens zu sehr in den Psychotherapiestunden seiner Hauptfigur. Die Lösung des Falles, mit dem Sunny beauftragt wurde, war schon lange vor dem Schluss abzusehen, denn es hab nur zwei Möglichkeiten. Im vorliegenden Krimi „Blue Screen“ hat sich Parker wieder auf die Tugenden des Krimiautors besonnen und treibt den Fall mit Energie und unvorhersehbaren Wendungen voran, die bis zum Schluss auch unvorhersehbar bleiben. Die Action bleibt zwar wie stets sehr moderat, aber die psychologische Spannung stets hoch.

Die Liebesgeschichte mit Polizeichef Jesse Stone sorgt für viele lustige und lustvolle Momente, bei denen der Leser nicht bloß schmunzeln, sondern auch lachen darf. Wir kennen ja Jesse Stones Charme und Sexappeal sowie seinen Sinn für trockenen Humor zur Genüge.

Mit einer gewissen Besorgnis registrierte ich jedoch das Auftauchen mehrerer Vaterfiguren in dieser Episode. Da ist natürlich Sunnys Vater, der seine Tochter lobt (und mit ihr zusammen in „Spare Change“ einen Fall bearbeiten wird). Dann ist da Onkel Felix, der freundliche irische Gangster von der Burke-Seite – er gibt Sunny Auskünfte über den Kredithai, der Buddy Bollen das Leben schwer macht. Und schließlich ist da noch Captain Cronjager, Jesses früherer Boss bei der Mordkommission von Los Angeles. Man fragt sich, was das soll. Aber wenigstens sind all diese Herren sehr hilfreich für die Ermittlung.

Mit „Blue Screen“ ist Parkers „Sunny Randall“-Reihe wieder in Topform, sowohl auf der Seite der Ermittlung wie auch auf der romantischen und psychologischen Seite. Die Gesellschaftskritik konzentriert sich auf die Filmindustrie: Der Übergang zwischen Prostitution, Porno und Spielfilm ist ebenso fließend wie der zwischen illegalem Geld, Geldwäsche und legaler Finanzierung von Filmen.

Die Ähnlichkeit zwischen dem Zuhälter Gerard Blasgall und dem Filmproduzenten Buddy Bollen ist unübersehbar – und sie macht für Erin Flint, ihrer beider Opfer, überhaupt keinen Unterschied. Das Filmgeschäft ist so gesehen nur eine weitere Form der Ausbeutung der Frau. Erin Flint dann im Film als Kriegerin hinzustellen, wirkt wie der blanke Hohn.

|Taschenbuch: 337 Seiten
ISBN-13: 978-0425215982|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066

Parker, Robert B. – Perish Twice – Ein Sunny-Randall-Krimi

_Doppelter Verrat: zwischen Feminismus und Straßenstrich_

Die stadtbekannte Feministin Mary Lou Goddard vor einem geheimnisvollen Verfolger zu beschützen – nicht wirklich ein Traumauftrag für die Privatdetektivin Sunny Randall. Schon gar nicht, da die Frau eine Zicke ist, Sunnys Bullterrier Rosie nicht mag und offensichtlich mehr über ihren Verfolger weiß, als sie zugibt. Als dieser irrtümlich Goddards Sekretärin und kurz darauf sich selbst erschießt, ist für die Polizei der Fall erledigt. Doch nicht für Sunny Randall … Nach “Ehrensache / Family Honor“: Ein neuer Fall für Sunny Randall.

Der Titel der deutschen Übersetzung lautet „Doppelter Verrat“.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) „Family Honor“
2) _“Perish Twice“_
3) „Shrink Rap“
4) „Melancholy Baby“
5) „Blue Screen“
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
„Hugger Mugger“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Sunny Randall soll die Feministin Mary Lou Goddard vor einem geheimnisvollen Verfolger zu beschützen – für Bostons härteste Privatdetektivin eine leichte Übung. Sollte man meinen. Im Handumdrehen hat sie auch den Stalker ausfindig gemacht: einen ältlichen Typen namens Lawrence B. Reeves, seines Zeichens Dozent an den Abendkursen der Bostoner Uni.

Dass er zugibt, liebend gerne „Zicken eine runterhauen“ zu wollen, spricht nicht gerade für ihn, findet Sunny, selbst wenn sie keine Feministin ist. Sie zeigt ihm ihre Knarre und er macht einen Rückzieher. Sunny hat bei der Befragung Mary Lous das deutliche Gefühl, dass diese offensichtlich mehr über ihren Verfolger weiß, als sie zugibt. Aber wieso? Ist Reeves etwa ein zurückgewiesener Lover Mary Lous, der eisernen Frauenkämpferin? Das wäre ja megapeinlich.

|Die erste Leiche|

Doch schon am nächsten Morgen findet man in Mary Lous Büro eine Leiche: Gretchen Crane, die leitende Rechercheurin. Steckt also doch Reeves dahinter? Andererseits hält Sunny ihn nicht eines Mordes für fähig. Als Sunny ihre Ansicht äußert, dass Gretchen vom Mörder offenbar für Mary Lou gehalten und aus Versehen erschossen wurde, wird sie von der Feministin kurzerhand gefeuert. Was hat diese zu verbergen?

Die Frage, ob Reeves ein Alibi hat, lässt sich leicht mit Hilfe der Cops von Boston und dem angrenzenden Cambridge (wo die Harvard-Uni liegt) beantworten. Sunny, die den Bostoner Mordkommissionsinspektor Lee Farrell gut kennt (er ist allerdings schwul), darf ihn begleiten. Erst will Reeves nicht sagen, wo er die letzte Nacht verbracht hat, doch dann greift er Sunny an. Endlich hat Farrell einen Grund, Reeves Handschellen anzulegen und aufs Revier zu schleifen. Also verrät Reeves lieber den Namen seines Alibis: Bonnie Wilson.

Bonnie Wilson ist nur eine von zahlreichen Damen, die Reeves „beglückte“, nicht zuletzt auch Mary Lou Goddard. Als Sunny die Feministin knallhart damit konfrontiert, gibt diese es zu, mit Reeves ein Verhältnis gehabt zu haben. Aber das darf ihre Lebenspartnerin Natalie auf keinen Fall erfahren! Sunny muss es ihr hoch und heilig versprechen. Auch aus Rücksicht auf die Beratungskompetenz der Feministin, die ihr gutes Geld verschafft.

|Nummer 2|

Als Farrell sie am nächsten Morgen darüber informiert, dass sich Reeves die Kugel gegeben hat, ist Sunny leicht geschockt. Aber der Abschiedsbrief, den der Mann hinterließ, schließt für die Cops gleich zwei Fälle ab: Reeves bekennt sich für den Mord an Gretchen Crane schuldig, konnte mit der Schuld nicht leben und brachte sich um. Klappe zu, Affe tot. Sunny kauft das hübsch verschnürte Paket jedoch nicht und schnüffelt weiter.

Farrell verrät ihr, wo der Schlüssel für Reeves’ Haus versteckt ist. In der Junggesellenwohnung findet sie nur ein nützliches Element: Reeves’ Kalender. Darin ist von einem „J“ die Rede, den oder die Reeves jeden Donnerstag zu besuchen pflegte. Und noch ein Detail: Im gesamten Haus gibt es keine Patronen für den 357er-Revolver, die Reeves für seinen blutigen Abgang verwendet hat. Aber wer würde schon eine Knarre ohne ausreichend Munition kaufen?

Etwas ist oberfaul an diesem Mord und / oder Selbstmord. Doch es steckt weit mehr dahinter, wie Sunny in hartnäckiger Arbeit herausfindet. Schließlich muss sie sogar die Gangsterfamilie ihres Exmannes Richie einschalten, um an die Wahrheit heranzukommen …

|Unterdessen …|

Zwischendurch hat Sunny alle Hände voll zu tun, das Leben ihrer besten Freundin Julie und das ihrer Schwester in die richtigen Bahnen zu lenken. Denn beide verlassen ihre Ehegatten. Elizabeth, die ältere Schwester, hat – nicht zuletzt mit Sunnys Hilfe – entdeckt, dass ihr Mann Hal sie mit einer anderen betrügt. Elizabeth hat jedoch derart verschrobene Ansichten davon, wie eine betrogene Gattin sich zu verhalten hat, dass es Sunny wundert, wenn es keine Opfer gibt.

Und Julie, ihre beste Freundin, hält es zu Hause bei ihrer trauten Familie nicht mehr aus. Die Decke fällt ihr quasi auf den Kopf. Sie sucht Ausbruch und Selbstfindung, geplagt von fortwährenden Selbstzweifeln und Schuldgefühlen wegen ihrer Entscheidung. Als sie auch noch feststellt, dass sie von ihrem neuen Lover Robert schwanger ist, gerät ihr Leben vollends aus den Fugen. Kann Sunny alles wieder hinbiegen?

_Mein Eindruck_

Junge, Junge, diese Story ist die reinste Achterbahn! Sunny wird zunächst von ihrer großen Schwester engagiert, muss deren Mann das Händchen halten, wird aber von der älteren Elizabeth, die sich klüger dünkt, für jeden guten Rat abgekanzelt. Sunny erlebt dann eine Katastrophe nach der anderen, als Elizabeth, die sich mit der Unabhängigkeit und Betrogenheit in keinster Weise auskennt, einen Fehler nach dem anderen begeht.

|Familie und Freunde|

Absolut köstlich ist jener unsägliche Abend, als Sunny und ihr schwuler Gefährte Spike Gouvernante spielen müssen, weil Elizabeth ein Blind Date mit einem unbekannten Mann hat. Dieser stellt sich wenig später als Erpresser heraus. Arme Elizabeth, sollte man denken. Aber weit gefehlt: Die hochnäsige ältere Schwester ist unbelehrbar. Die nächste Katastrophe wartet schon.

Nervenaufreibend sind auch die Begegnungen mit Julie, die erst Heim und Herd verlässt, um dann doch nicht die große Freiheit zu finden, sondern vielmehr in einer Abtreibungsklinik landet. Sunny kann jedoch keinesfalls auf Julies Rat als Psychologin verzichten. Die gebeutelte Julie ist es denn auch, die Sunny den entscheidenden Hinweis gibt, um den Haufen Informationen, den sie angesammelt hat, richtig zu interpretieren.

|Vertrackte Beziehungen|

Da es um gleich zwei Dreiecksverhältnisse um die beiden Opfern Gretchen Crane und Lawrence B. Reeves herumgeht, ist es kein Wunder, dass sich Sunny bald in einem Irrgarten von Beziehungen wiederfindet. Sie ermittelt eine ganze Weile auf dem Straßenstrich. Da sie ja selbst mal Polizistin war, kommt ihr eine gewisse Abgebrühtheit zugute. Außerdem hat sie Rückendeckung durch Tony Marcus, den Obermacker des Prostitutionsgeschäfts in und um Boston. Marcus reicht Sunny weiter an seinen Zuhälter Jermaine Lister, der den Straßenstrich organisiert.

|Straßenstrich|

Die Gespräche Sunnys mit einer Straßennutte sind durchaus realistisch und hartgesotten. Keinerlei Illusionen über einen möglichen Glamour dieses Milieus trüben den Gedankenaustausch. Hier ist kein Platz für „Pretty Woman“, hier wird Tacheles geredet. Und wenn Sunny nicht mit der Kühle rüberkomt, dann heißt es tschüss! Aber hier stößt Sunny auf mehr als eine heiße Spur: Nicht nur war Lawrence B. Reeves Stammgast auf dem Strich – jeden Donnerstag bei „J“ – sondern Gretchen Crane, die hier für Mary Lou Goddard recherchierte, hatte eine Liebhaberin. Dieser geheimnisvollen Miss X spürt Sunny nach – und gerät dabei auf sehr heißes Territorium …

|Unerwünschte, aber nötige Familie|

Und so kommt es, dass Sunny sich wieder einmal einen Feind einhandelt und Zuflucht bei Richies Gangsterfamilie, den irischen Burkes, Hilfe suchen muss. Das war schon in „Family Honor / Ehrensache“ so. Doch Sunny ist, seit sie mit Richie verheiratet war, in die „Familie“ aufgenommen worden und kann auf den Schutz der Gangster zählen. Was für einen Privatdetektiv doch eher ungewöhnlich ist. Und was für einen aufrechten Cop von Boston niemals in Frage käme. Insofern hat Sunny einen echten Vorteil.

|Showdown|

Neben der Schießerei vor ihrem Haus bildet die finale Konfrontation den spannenden Höhepunkt der Geschichte. Tatsächlich wunderte ich mich immer wieder, auf welche Weise es Sunny gelingt, die Nerven zu behalten und nicht schreiend davonzulaufen. Okay, sie ist nur eine Romanfigur. Aber auch Romanfiguren haben sich, insbesondere in Krimis, an die Gesetze der Plausibilität und Wahrscheinlichkeit zu halten. Es sei denn, es handelt sich um eine Komödie oder Satire (was bei Janet Evanovitchs „Plum“-Krimis zutrifft).

|Keine Heulsuse|

Wie in einer Story über Frauen in Amerika nicht anders zu erwarten, wird jede Menge geweint. Aber Weinen ist besser als hysterisches Umsichschlagen, finde ich, und so entwickeln sich die beiden Frauen Julie und Elizabeth sowohl in ihren Ansichten als auch emotional weiter. Und wer sich gefragt hat, warum Sunny kein einziges Mal weint, der ahnt: Sie hat in ihrer Hündin Rosie, einem Miniatur-Bullterrier, eine wahre Herzensfreundin. Doch letzten Endes ist auch Sunny nur ein Mensch. Irgendwann wird auch sie weinen, die Frage ist nur wann. Hoffentlich nicht gerade im unpassendsten Moment …

_Unterm Strich_

Auch diesen Parker-Krimi habe ich in nur zwei Tagen verschlungen. Aber mich beschlich dabei das Gefühl, dass hier zwei Autoren am Werk waren: Der Meister himself und seine werten Gattin, der er alle seine Bücher gewidmet hat. So würde dies die zweigeteilte Handlung erklären: Auf der er einen Seite die ziemlich geradlinige vorangetriebene Ermittlung, die dann einen sehr spannenden Höhepunkt erreicht; auf der anderen Seite die ziemlich gefühlsintensiven Szenen mit Elizabeth und Julie. Wobei Elizabeth stets für einige absurde Äußerungen gut ist, die den Leser laut hinausprusten lassen.

Natürlich treten auch die schon bekannten allseits beliebten Randfiguren auf. Da ist der schwule Spike, seines Zeichens Seelenberater und Karatekämpfer sowie Restaurantbesitzer. Da ist Sunnys Exgatte Richie Burke, von dem sie zwar geschieden ist, mit dem sie aber immer noch liebend gern ins Bett geht (was für nette Bettszenen sorgt). Und da ist die unnachahmliche Hündin Rosie, die zwar stets für eine Ratte oder ein Opossum gehalten wird, aber sich doch eindeutig, wie ein Hund verhält – und ihrem Frauchen gerne das Gesicht leckt. Rosie ist es auch, die Sunny rechtzeitig vor einem Mordanschlag warnt. Es geht eben nichts über eine gute Spürnase. Aber das wissen ja alle Privatschnüffler.

Für alle weiblichen Leser scheint mir die „Sunny Randall“-Krimireihe perfekt geschaffen zu sein, um Spannung und Emotionalität, Geradlinigkeit und komplexe Beziehungen ideal miteinander zu verbinden. „Perish Twice“, der Originaltitel, bezieht sich beispielsweise auf ein Gedicht von Robert Frost (den der Autor innig liebt und häufig zitiert), in dem es um Hass und Verlangen geht, die sich wie die Elemente Feuer und Eis verhalten.

|Taschenbuch: 334 Seiten
ISBN-13: 978-0425182154|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066

Parker, Robert B. – Shrink Rap – Ein Sunny-Randall-Krimi

_Ausgeliefert: die Detektivin auf der Psychiatercouch_

Die Bostoner Privatdetektivin Sunny Randall wird damit beauftragt, eine Bestsellerautorin auf deren Lesetour zu begleiten und zu beschützen. Wie notwendig dieser Schutz ist, zeigt sich schon bald, als Melanie Joan Halls Exgatte John Melvin auftaucht und sie in Angst und Schrecken versetzt. So sehr, dass die Autorin vor versammeltem Publikum in Ohnmacht fällt. Schlimmeres ahnend ermittelt Sunny in der Vergangenheit des Psychiaters. Was sie findet, gefällt ihr ganz und gar nicht. Um weiterzukommen, muss sie sich allerdings selbst von ihm untersuchen lassen …

Der Titel der deutschen Übersetzung lautet „Schutzlos“.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) „Perish Twice“
3) _“Shrink Rap“_
4) „Melancholy Baby“
5) „Blue Screen“
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
„Hugger Mugger“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Der Verlag der Bostoner Bestsellerautorin Melanie Joan Hall bittet die Privatdetektivn Sunny Randall (nach gehöriger Überprüfung, versteht sich), die Dame auf einer Lesetour anlässlich des Erscheinens eines neuen Romans zu begleiten zu beschützen. Sunny, so stellt sich heraus, hat die Aufgabe eines Chauffeurs und Kindermädchens, aber auch eines Seelenklempners und Leibwächters.

Mit gutem Grund, wie sich schon bald zeigt. Melanie Joan war dreimal verheiratet und ist zweimal geschieden. Doch einer ihrer Exgatten, der Psychiater Dr. John Melvin, hat sich offenbar mit der Scheidung nicht abgefunden und tritt als Stalker bei den Signierstunden in einer bedrohlichen Weise auf, dass die Autorin kaum weitermachen machen kann. Der zweite Auftritt ist weitaus ernster. Sunny beobachtet entsetzt, wie Melvin am Schaufenster der Buchhandlung mit blutverschmierten Händen herabgleitet – und Melanie Joan darob in Ohnmacht fällt.

Der Autorin ist zum Glück nichts passiert, aber Sunny kann sich des Verdachts nicht erwehren, dass Melvin nicht nur bei Melanie Joan Schaden angerichtet hat, sondern auch bei seinen anderen Patientinnen in Boston. Dort betreibt er nämlich eine psychotherapeutische Praxis. Sunnys Freundin Julie, selbst psychologische Beraterin (aber kein Doktor), gibt ihr Recherchetipps.

Sunny befleißigt sich einer alten Detektivtugend und legt sich einfach vor Dr. Melvins Praxis auf die Lauer. Ihre Hündin Rosie leistet ihr Gesellschaft, als sie beobachtet, wie eine Frau nach der anderen ihre 50 Minuten Therapie in Anspruch nimmt. Allesamt sehr betuchte Ladies, nach ihren Autos zu urteilen. Eine kommt sogar mit Chauffeur in einer großen Limousine. Die Praxis ist bestimmt sehr lukrativ. Sunny ist überrascht, dass Melvin sogar Abendtermine wahrnimmt: Zwei Frauen besuchen ihn hintereinander, die zweite geht erst um halb elf. Ungewöhnlich. Danach erscheinen zwei unbekannte Männer aus dem Haus und fahren mit einem Porsche Boxster weg. Auch sie scheinen nicht unvermögend zu sein. Was haben sie dort getrieben?

Mit Hilfe eines Kontaktmanns bei der Polizei findet Sunny die Adresse einer Patientin heraus. Kim Crawford wohnt geschieden in einem großen Haus. Leider sagt sie rein gar nichts Schlechtes über Dr. Melvin. Dafür ist Sunnys eigener Besucher jedoch umso unangenehmer: Dieser Barry Clay ist einer der beiden Typen, die spätabends mit dem Porsche wegfuhren. Er droht ihr: Wenn sie nicht die Finger von Melvins Patientinnen lasse, könnte Sunny etwas zustoßen. Sie zeigt ihm, was ihm zustoßen könnte – und holt ihre größte Schrotflinte heraus! Sunny engagiert ihren Kumpel Spike, um Melanie Joan zu beschützen. Diese ist sehr entäuscht zu erfahren, dass Spike schwul ist.

Fortan sieht sich Sunny beschattet. Auch als sie mit Melanie Joan in die Bostoner Innenstadt reist, um dort einen Verlag zu besuchen. Kaum hat Melanie Joan jedoch Barry auf der anderen Straßenseite erblickt, als sie fast einen Nervenzusammenbruch erleidet. Diesmal muss die Autorin mit der Wahrheit herausrücken: Barry ist einer der zwei Männer, die sie in Melvins Praxis vergewaltigen wollten – während ihr Mann dabei zusah. Sie nahm Reißaus und reichte die Scheidung ein. Kein Wunder, dass sie sich seitdem verfolgt fühlt.

Sunny nimmt das Angebot ihres Mannes Richie nicht an, Dr. Melvin und die beiden Finsterlinge einfach von seinem Onkel Felix umlegen zu lassen. Sie will erst noch herausfinden, ob es weitere Vergewaltigungsopfer gibt. Und dazu begibt sie sich undercover in die Höhle des Löwen …

_Mein Eindruck_

In diesem dritten „Sunny Randall“-Krimi setzt der Autor ganz auf psychologische Spannung. Natürlich findet zwar eine Ermittlung der Privatdetektivin statt, doch diese fördert wie üblich lediglich Verdachtsmomente und keine Beweise zutage. Und wie üblich kommt es auf die Aussagen von Zeugen und Sachverständigen an, ob diese Verdachtsmomente rechtfertigen, dass Sunny selbst gegen den Verdächtigen vorgeht oder ob sie den Fall bereits den Behörden übergeben kann – oder einer Instanz, die außerhalb des Gesetzes steht: nämlich Richie Burkes Familie. Letzteres war in den zwei bisherigen „Sunny Randall“-Romanen der Fall. Diesmal soll die Sache anders laufen.

Um dem Verdächtigen, dem Stalker und Psychiater John Melvin, auf die Pelle zu rücken, bedient sich Sunny einer doppelten Strategie. Sie lässt sich undercover auf die Therapie bei ihm ein, getarnt als „Sonya Burke“ (was tief blicken lässt, denn sie ist nur eine geschiedene Burke), und sie bespricht dieses Vorgehen und die Erkenntnisse mit einem soliden Psychiater, Dr. Copeland. Auf diese Weise gelangt sie allerdings zu verstörenden Erkenntnissen über sich selbst. Bemerkenswert sind die Einsichten in die psychologische Methode, die aus der Praxis sprechen.

Aus einer bereits außergewöhnlichen Ermittlung wegen eines Stalkers wird so unvermittelt eine Suche des Ermittlers nach sich selbst. Warum möchte Sunny beispielsweise einen starken Mann, der wie ihr Vater ist, aber keinen Mann, der sie beherrscht? Das ist wahrscheinlich ein emotionales Dilemma, in dem sich viele selbstbewusste Frauen heutzutage befinden. Die Gründe sind offensichtlich. Und keine Frau möchte freiwillig zugeben, dass sie sich gerne fremdbestimmen lässt. Besonders dann nicht, wenn ihr eigener Wille dabei durch eine Droge ausgeschaltet worden ist.

Nachdem sich Sunny (in „Perish Twice“) bereits mit Feminismus und Prostitution befasst hat, bekommt sie nun Kontakt mit geschickt getarner Mehrfachvergewaltigung, die nur eine sanftere Variante von Rohypnol-gestützter Vergewaltigung ist. Dass dieses Thema vor allem Frauen interessiert, dürfte klar sein. Erstaunlich sind nicht nur die Fachkenntnisse des Autors über die psychologische Methode, sondern auch die Feinfühligkeit, mit der Sunny den jeweiligen Opfern ihre Fragen stellt.

Dass die Schnüfflerin von den Tätern jede Menge Drohungen erhält, ist zu erwarten. In der Folge kommt es durch einen tätlichen Angriff zu einer weiteren Drehung der Spannungs-Schraube: Sunny soll durch die Droge gefügig gemacht werden. Doch um handfeste Beweise gegen die flüchtigen Täter zu erhalten, muss sich Sunny selbst in die prekäre Situation begeben, in der ihre Vorgängerinnen gelähmt und dann vergewaltigt wurden …

_Unterm Strich_

In diesem dritten „Sunny Randall“-Krimi fühlte ich mich nicht so sehr durch die Ermittlung gefesselt als vielmehr durch die wachsende Beklommenheit, die durch die steigende Gefahr für die Heldin erzeugt wurde. Waffen der Gewalt spielen diesmal nur eine untergeordnete Rolle, wichtiger sind Waffen des Geistes. Als Erzählung ist die Geschichte ein Meisterstück an psychologischer Feinarbeit.

Sunny muss nicht nur selbst feinfühlig vorgehen, sondern sieht sich obendrein selbst als Objekt der Psychoanalyse. Was sie dabei entdeckt, findet sie sehr beunruhigend: einen ausgewachsenen Ödipuskomplex ebenso wie eine rasende Eifersucht auf die neue Freundin ihres geschiedenen Mannes Richie. Zum Glück verliert sie nie den Draht zu ihm und kann sich seiner nie wankenden Unterstützung versichern. Ihr Hund Rosie, für den sich beide verantwortlich fühlen, spielt dabei wie schon bisher eine zentrale Rolle.

Nachdem sich der Autor bereits in „Perish Twice“ mit Feminismus und Prostitution beschäftigt hat, geht es diesmal um Stalking und Vergewaltigung unter dem Deckmäntelchen der Therapie. Wie stets drehen sich die Sorgen der weiblichen Figuren um Dominanz, Vertrauen und Liebe. Wie skandalös erscheint daher die Aussage, dass eine der Frauen es mochte, als sie die Unterwürfige sein konnte.

Für weibliche Leser liest sich dieser Roman deshalb völlig anders als für einen Mann: Es geht um spezifisch weibliche Themen, und dies macht den Krimi für Frauen ganz besonders interessant. Frau könnte wahrscheinlich sehr gut darüber diskutieren, welche Aussagen der Autor (oder war es seine Frau, die das Buch schrieb?) hier macht.

|Taschenbuch: 289 Seiten
ISBN-13: 978-0399149306|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/putnam.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066

Robert B. Parker – Family Honor – Ein Sunny-Randall-Krimi

Für weibliche Krimifans: Eine neue Detektivin

Mit diesem Roman führte Robert B. Parker seine Bostoner Privatdetektivin Sunny Randall ein. Sie kennt die Straße, kann schießen, ist sexy – und findet sich unvermittelt zwischen den Fronten eines Bostoner Gangsterkrieges wieder. Die Einsätze auf Seiten der Politik sind ebenso hoch wie die Moral der Mafia-Killer niedrig. Gelingt es Sunny, ihren ersten Fall zu überleben und ihre Klientin zu schützen?

Die deutsche Übersetzung trägt den nicht ganz zutreffenden Titel „Ehrensache“.

Der Autor

Robert B. Parker – Family Honor – Ein Sunny-Randall-Krimi weiterlesen

Evanovitch, Janet – Plum Lovin\‘

_Krimikomödie: ein Valentinstag mit Hindernissen_

Stephanie Plum ist Kautionsermittlerin. Gerade sucht sie Annie Hart, eine „Beziehungsexpertin“, als ihr der zwielichtige, aber gut aussehende Kerl namens Diesel Annie Hart anbietet, wenn sie ihm einen Gefallen tut: Sie soll Harts Fälle übernehmen. OK. Doch es gibt jemanden, der Annie Hart noch dringender finden will als Stephanie, jemanden mit übler Laune. Steph droht in die Schusslinie zu geraten. Zum Glück hilft ihr Beifahrerin und Lebenshelferin Lula.

Die Übersetzung „Liebeswunder und Männerzauber“ erscheint am 24. Januar 2011 bei Manhattan.

_Die Autorin_

Janet Evanovitch hat ein Dutzend Liebesromane geschrieben sowie eine Serie über Alexandra Barnaby, ist aber mit Kriminalromanen um Stephanie Plum viel bekannter geworden. Für ihre Krimis wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Sie lebt in New Hampshire und Florida. Mehr Info unter [www.evanovitch.com]http://www.evanovitch.com

|Between the Numbers|:
1) „Visions of Sugar Plums“
2) „Plum Lucky“
3) „Plum Lovin'“

|Die Fälle|:
1) „Ten Big Ones“
2) „Fearless Fourteen“

Und viele Weitere.

_Handlung_

Stephanie Plum lebt in New Jersey bei New York. Sie arbeitet als Kautionsvermittlerin und jagt mitunter Leute, die auf Kaution freigekommen sind, sich aber etwas haben zu Schulden kommen lassen. So ein Fall ist Annie Hart. Doch wo steckt die „Beziehungsmanagerin“? Steph hat keine Ahnung. Da tritt Diesel auf, ein attraktiver Bursche in fast der gleichen Branche: Auch er sucht Leute – für jeden Auftraggeber.

Er bietet Steph Kontakt zu Annie an, wenn sie ihm hilft, einen gewissen Bernie zu finden, der die rätselhafte Fähigkeit besitzt, jedem, auf den er zornig ist, einen Ausschlag zu verpassen. Das klingt wie ein guter Deal. Er hat nur einen Haken: Steph muss alle fünf von Annies Beziehungsvermittlungen bis zum Valentinstag erledigen – und Bernie ist unauffindbar.

Hätte sie sich bloß nie auf diesen Kuhhandel eingelassen, wünscht sich Steph nach den ersten beiden Aufträgen. Der eine ist ein schüchterner Metzger, der die Kaffeeverkäuferin von gegenüber anhimmelt, aber kein Wort herausbekommt, wenn sie vor ihm steht. Der nächste Fall ist eine dreißigjährige Jungfrau, die immer noch auf ihren ersten Orgasmus wartet. Nummer drei ist eine Familienmutter mit einem Zoo, die keinerlei Chance zu haben scheint, je einen Mann abzubekommen, der es mit diesem Chaos aufnimmt. Und schließlich ist da noch Albert Kloughn, der Stephanies Schwester um keinen Preis heiraten will, weil er schon bei Erwähnung des Wortes „Hochzeit“ in Ohnmacht fällt.

Zu allem Überfluss ist Annie Hart in eine dumme Geschichte hineingeschliddert, die einen hinterlistigen Pfandleiher, einen oberfiesen Mafiakiller, eine Entführung und einen von Bernie verursachten üblen Hautausschlag umfasst. Bis Stephanie mit Diesels Hilfe alles auseinandersortiert hat, ist schon der Valentinstag angebrochen. Herrje, wie soll es nur schaffen, den schüchternen Albert mit ihrer Schwester zu verkuppeln? Steph schaut den attraktiven Diesel mit den unheimlichen Fähigkeiten an – sie hat eine geradezu geniale Idee. Denkt sie …

_Mein Eindruck_

Diese Krimikomödie ist etwas ganz anderes als die üblichen „Plum“-Kriminalfälle, nämlich eine Krimikomödie mit ganz viel Herz und Chaos. Deshalb heißt der Roman ja auch im Untertitel „Between the Numbers“ – alle von Stephanies Fällen sind durchnummeriert, so etwa „Big TEN Ones“ oder „Fearless FOURTEEN“. Will heißen: Dieser Fall ist etwas irregulär.

Aber dafür sehr lustig. Wenn der Leser weiblich ist. Ich habe nicht so viel für schmucke, mysteriöse Ermittler wie Diesel übrig, und auch eine Hochzeit als Höhepunkt des Lebens – sie erfolgt obligatorisch als Finale – kommt mir eher als ein Betriebsunfall vor. Was kann man auch sonst von einem Single erwarten?

Die Handlung wird von zwei Elementen vorangetrieben: von der Komödie der Kuppelei einerseits und von der sehr leichten Kriminalhandlung, die vor allem in einer endlosen Sucherei besteht. Wie man sich eigentlich denken kann, wenn man eingefleischter Leser von Liebesromanen ist (was auf mich wohl kaum zutrifft), endet diese Liebeskomödie mit einer Hochzeit. Allerdings ist auch diese höchst irregulär, nämlich mehr eine Art List, um Albert Kloughn unter die Haube zu bringen.

Die Kriminalhandlung mündet wie vorauszusehen keineswegs in einen Showdown, sondern in eine weitere List. Klein-Stephanie ist nicht mal bewaffnet, weil normalerweise ihre zwei Freunde Joe und Ranger die Drecksarbeit für sie erledigen – doch diesmal steht sie einem waschechten Mafiakiller gegenüber. Wird er sie über den Haufen schießen, weil sie seine Hecke demoliert hat, um ihn vom wahren Geschehn an seiner Hintertür abzulenken? Uns wird ganz bang und weh, doch nein: Delvina jammert nur über die schöne preisgekrönte Hecke und dass ihm sein Ehegespons dafür die Hölle heißmachen wird. Was für ein Waschlappen.

Ansonsten tut die Heldin das, was Frauen offenbar am besten können: Zudringliche Kerle abwimmeln, die unverschämt gut aussehen; sich um ihre Figur Sorgen machen; mit Freundinnen Tratsch austauschen; mit wildfremden Frauen Pornos als Anschauungsmaterial angucken; und natürlich Liebeständeleien anbahnen. All dies ist schlüpfriges Terrain für einen hartgesottenen Kerl wie Diesel – außer natürlich die Anmache.

_Unterm Strich_

Dieser sogenannte Krimi war offensichtlich ein Fehlkauf. Ich erwartete einen Detektivroman, bekam aber eine Komödie, die so tut, als wäre sie ein Krimi. Man merkt eben, dass die Autorin im Hauptberuf Liebesromane schreibt. Wenigstens kann man hin und wieder lachen, auch wenn die meisten Situationen von haarsträubender Unlogik geprägt sind. Allein schon die Ausgangslage mit Annie Hart und Bernie ist völlig lachhaft. Von da ab wird es nur noch abstruser. Wenigstens ist in der Liebe und im Krieg alles erlaubt, deshalb auch dieser turbulente Unsinn.

Den Roman habe ich in drei Tagen gelesen, sonst wäre er nicht auszuhalten gewesen. Dass es so schnell ging, lag zum einen daran, dass die Autorin nur 248 Seiten schrieb statt der üblichen 300, und zweitens, dass die Schrifttype derartig groß ist, dass man in einem normalen Taschenbuch dreimal so viel Text gedruckt sieht wie hier. Großmütter und andere visuell Unterprivilegierte werden den Großdruck allerdings begrüßen, schätze ich. Ich kam mir etwas auf den Arm genommen vor.

|Taschenbuch 248 Seiten plus Leseprobe
ISBN-13: 978-0312985363|
[Verlagshomepage]http://us.macmillan.com/smp.aspx

Parker, Robert B. – Small Vices – Ein Spenser-Krimi

_Kinder, Rassismus, Auferstehung: Spenser als Lazarus_

Spenser wird von Staatsanwältin Rita Fiore mit einem anderthalb Jahre alten Fall betraut, denn es bestehen Zweifel, ob der verurteilte Schwarze wirklich der Täter war. Er soll eine weiße Studentin auf dem Campus eines Frauen-College ermordet haben. Zwei weiße Graduierte identifizierten ihn, nachdem ein anonymer Tipp eingegangen war und der Schwarze verhaftet worden war. Für Spenser sieht der Fall wie eine abgekartete Sache aus. Aber welcher unsichtbare Drahtzieher will hier wen schützen?

Der deutsche Titel lautet: „Der graue Mann“. Dieser tritt zehn Jahre später im „Spenser“-Krimi „Rough Weather“ (2007) erneut auf.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) „Family Honor“
2) „Perish Twice“
3) „Shrink Rap“
4) „Melancholy Baby“
5) „Blue Screen“
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
„Widow’s Walk“, „Hugger Mugger“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Die Bostoner Anwältin Rita Fiore engagiert Privatdetektiv Spenser für einen Fall, der eigentlich schon vor anderthalb Jahren mit einem Urteil abgeschlossen wurde. Der Schwarze Ellis Alves, selbst ein notorischer Verbrecher, wurde womöglich, so die schicke Anwältin, für ein Verbrechen verurteilt, das er nicht beging. Die Anwaltskanzlei möchte Gewissheit haben. Oder Gerechtigkeit?

Der Schwarze Ellis Alves soll die weiße Studentin Melissa Henderson niedergeschlagen, in sein en pinkfarbenen Cadillac (!) verfrachtet und die Strangulierte an anderer Stelle auf dem Campus ihres Colleges in den Büschen versteckt haben. Zwei ihrer Mitstudenten, ebenfalls Weiße, identifizierten Alves bei einer Gegenüberstellung der Staatspolizei von Massachusetts, die Alves verhaftet hatte. Nach einem anonymen Tipp, wie sich herausstellt. Von wem kam der Tipp – das ist die 64.000-Dollar-Frage.

Für die Anwältin mit den schönen Beinen ebenso wie für den Privatdetektiv mit der starken Bewaffnung ist klar, dass Alves höchstwahrscheinlich einer abgekarteten Sache zum Opfer gefallen ist und für den wahren Täter den Kopf hinhalten soll. Alves hat Lebenslänglich erhalten, und das ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Bereits nach anderthalb Jahren liegt in seinen Augen keinerlei Hoffnung mehr, jemals wieder rauszukommen. Spenser entschließt sich, das zu ändern.

Spenser findet es merkwürdig, dass Melissa Henderson keinen Freund gehabt haben soll. Die Präsidentin des Colleges verwehrt ihm den Zutritt zu ihren Schützlingen, aber das kümmert ihn nicht: Er spaziert trotzdem in das Wohnheim, in dem Melissa lebte. Sie war offenbar eine wilde Nummer, die alles ausprobierte, was es in ihrem reichen und strengen Elternhaus nicht geben durfte: Drogen, Sex, Discos und so weiter. Sie hatte einen Freund, der aber nur als „prince“ bekannt war.

Dann wird Spenser von der Campus-Polizei hinausgeworfen. Nicht genug damit: Vier grobschlächtige Revolvermänner möchten Spenser auf die harte Tour beibringen, dass er die Finger von der Sache lassen soll, sonst gibt’s was auf die Mütze, klar? Spenser und Hawk werfen sie raus. Spenser notiert sich ihr Nummernschild.

Alves wurde vom Staatspolizisten Tom Miller verhaftet, einem ehrgeizigen und aufstrebenden Cop, der Captain Healy, mit dem Spenser bestens bekannt ist, wohl ablösen will. Nach einem Besuch bei den zwei weißen Zeugen, die Alves, sahen und identifizierten, steht Miller auf der Matte von Spensers Büro – aber nicht um zu reden, sondern um die Fäuste sprechen zu lassen. Denn inzwischen hat Spenser den wahren Namen von Melissas Freund „Prince“ herausbekommen: Clive Stapleton, der schwarzhäutige Adoptivsohn des stinkreichen New Yorker Unternehmers Donald Stapleton und seiner Frau Dina. Nach einem harten Schlagabtausch obsiegt Spenser auch diesmal.

Doch dies ist keineswegs das Ende der Einschüchterungsversuche. Ein seltsam ganz in Grau gekleideter Mann setzt sich ungefragt zu Spenser und seiner Freundin Susan Silverman an den Restauranttisch, um eine allerletzte Warnung auszusprechen. Dann verschwindet er. In New York entgeht Spenser nur durch eine schnelle Reaktion einem Anschlag. Hat der Graue Mann zugeschlagen?

Natürlich kann dieser widrige Zwischenfall einen Kerl wie Spenser nicht davon abhalten weiterzuschnüffeln. Und das wird ihm zum Verhängnis …

_Mein Eindruck_

In diesem „Spenser“-Krimi verknüpft Parker einige heikle Themen, die bis heute gültig sind, und zwar nicht nur in den Vereinigten Staaten. Da ist der alltägliche Rassismus, der dazu führt, dass Verbrecher wie Ellis Alves für Taten verurteilt werden können, die sie gar nicht begangen haben. Die Weißen als herrschende Klasse können sich das Recht ebenso kaufen wie die Gerechtigkeit.

Und an der Ostküste sind die meisten reichen weißen Familien der WASPs (White Anglo-Saxon Protestants) sowieso alle miteinander verwandt und halten deshalb zusammen. Nicht nur gegen Schwarze und andere Minderheiten, sondern auch gegen Cops (die sich ja kaufen lassen) und andere unerwünschte Schnüffler. Das bekommt Spenser am eigenen Leib zu spüren.

Aber der Rassismus reicht viel tiefer. Die Stapletons haben einen afrikanischen Jungen adoptiert, um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen. Das wäre nichts Verwerfliches. Das tut ja beispielsweise Madonna die ganze Zeit. Aber die Stapletons haben es ihren Adoptivsohn ständig spüren lassen, dass er es nötig hat, beschützt zu werden und dass er ihnen etwas für seine Rettung schuldig ist: nämlich ein guter Sohn und Amerikaner zu sein, der Erfolg hat. Clive trainiert hat, um ein Tennisspieler der Weltklasse zu werden, doch wie Spenser selbst sehen kann, hat er zwar Ausdauer, aber keine Geduld, wenn er auf einen Ebenbürtigen trifft. Warum wohl? Seine Eltern haben ihn quasi entmündigt. Das ist ihr verborgener Rassismus.

Aber Spenser muss sich entscheiden, ob er und Susan selbst ein Kind adoptieren wollen. Es ist ihr ausdrücklicher Wunsch. Spenser ahnt, was das bedeuten würde, nicht nur für das Kind sondern auch für die Beziehung zu seiner Freundin, die dann Mutterpflichten zu erfüllen hätte – und für die Beziehung zu Pearl, Susans Hündin, die eh schon eifersüchtig auf Spenser ist. Aber wie soll er dies alles Susan beibringen?

Spenser ist, was er ist, und Susan möchte ihn gar nicht anders haben. Sie ist die Harvard-Absolventin mit der Psychotherapeutenpraxis, er ist ihr Schutz und ihr Lover. Als der Graue Mann Spenser bedroht und dabei Susan anschaut, ist klar, dass Susan unter Personenschutz gestellt wird: Hawk und alle andere schwerbewaffneten Freunde Spensers wachen über sie. Aber wer wacht über Spenser?

Dieser „Spenser“-Krimi unterscheidet sich von allen anderen (es sind mindestens 25) dadurch, dass der Held um ein Haar über den Jordan geht. Das wäre aber irgendwie schade und der Handlung nicht sonderlich förderlich. Also muss Spenser den Lazarus spielen. Das führt zu einem weiteren Unterschied: Die zentrale Handlung wird nach zwei Dritteln scharf unterbrochen und für zehn Monate praktisch auf Eis gelegt. Obwohl von Eis eigentlich keine Rede sein kann, wenn die Rekonvaleszenz des Helden im schönen Santa Barbara, Kalifornien, erfolgt.

Immerhin erkennt Susan jetzt, was es für ein Adoptivkind bedeuten würde, wenn sein Adoptivvater am ersten Schultag erschossen werden würde. Susan ist nicht nur wunderschön, sondern auch als Psychologin äußerst klug und einfühlsam. Solch ein Verlust wäre nicht nur für sie selbst eine Katastrophe, sondern sicherlich auch für das Adoptivkind. Dann sollte sie vielleicht besser diesen Plan fallenlassen. Findet Spenser auch. Und Pearl, der Wunderhund, sowieso.

Auf diese Weise widerlegt der Autor die Absichten der reichen Stapletons. Sie haben gedacht, ihrem Adoptivkind etwas Gutes zu tun. Und zwar so sehr, dass sie einen Totschlag vertuscht und dafür eitere Menschenloben geopfert haben. Sie haben übersehen, dass das Kind noch andere Rechte hat als gute Kleidung, Bildung und Ernährung. Es hat ein Recht auf ihre Liebe, aber auch auf eigene Freiheit. Und beides haben sie ihm verweigert. Es ist ihnen einfach nicht in den Sinn gekommen.

|Action |

Es gibt ein paar packende Actionszenen in dieser Folge der Serie. Nach dem Auftritt der grobschlächtigen Vier versucht der Cop Tom Miller sein Glück. Doch nicht nur er beherrscht Boxen, sondern auch Spenser. Man sehe sich mal die Statur von Autor Parker an – der frühere Literaturprofessor schrieb ein Fachbuch übers Gewichtheben. Und das merkt man auch an seinen fachlich kenntnisreichen Beschreibungen über den Umgang mit Gewichten, um den Muskelaufbau zu fördern.

Aber Spenser kann ebenso wie der Autor auch schießen und auf Beschuss angemessen reagieren. Als Spenser das erste Mal unter Beschuss gerät, verhält er sich wie der ehemalige Marineinfanterist Parker, der im Koreakrieg kämpfte: im Zickzack laufen, anschleichen, von der Seite angreifen. Dass es aber auch mit Köpfchen statt mit Beinchen geht, zeigt dann sein Sieg über den Grauen Mann. Hey, die Festnahme findet vor dem Nachrichtengebäude eines TV-Senders mitten in New York statt – einen größeren Menschenauflauf kann man damit kaum hervorrufen.

|Humor und Sinnlichkeit|

Wie so häufig in seinen Krimis ist sich der Autor der körperlichen Bedürfnisse der weiblichen Figuren intensiv bewusst. Er scheut sich nicht, diese Bedürfnisse mit Eleganz und Zurückhaltung zu schildern. Sie haben Anspruch darauf, auch körperlich geliebt zu werden. (In „Potshot“ lernt Spenser eine ganze Menge von „Desperate Housewives“ kennen.) Und er erwähnt die Wirkung gewisser Männer auf diese Frauen, darunter Spenser dunkler Bruder Hawk. Dass diese Männer keineswegs unter mangelndem Selbstbewusstsein leiden, dürfte einleuchten. Zum Leidwesen der freigebigen Damen befindet sich Spenser allerdings bereits in den festen Händen seiner Freundin.

Zum Thema Kinder gibt es ebenfalls eine köstliche Szene. Susan hat ihre Freundin Elayna eingeladen, die ihre neunjährige Tochter namens Erika mitbringt. Erika ist ein verzogenes Gör und stellt jede Menge Ansprüche an ihre hilflos agierende Mutter. Susan agiert ebenso hilflos, dass sich ihrer eifersüchtigen Hündin Pearl die Nackenhaare aufstellen. Spenser schaut dem Spektakel, das Erika veranstaltet, seelenruhig zu.

Er weiß, was kommen wird und muss nur Pearl davon abhalten, über Erika herzufallen. Als Erika sich Susans seidenen Morgenmantel schnappt und ihn mit Stöckelschuhen zerfetzt, ist das Maximum der Katastrophe erreicht. Erikas Mutter schleift sie nach Hause. Susan und Spenser atmen erleichtert auf. Schade um den Seidenmantel. Aber sie sind eine lehrreiche Erfahrung reicher. Außerdem muss Susan ihren Champagner jetzt unbekleidet schlürfen. Und das ist ein echter Vorteil, findet Spenser.

_Unterm Strich_

Die Handlung dieses „Spenser“-Krimis entwickelt sich mit kontinuierlich wachsender Spannung. Schon der Umstand, dass der Privatdetektiv Fragen stellt an Orten, wo er nichts zu suchen haben soll, führt dazu, dass er dreimal vorgewarnt wird, jedes Mal ernsthafter und eindringlicher. Doch nicht nur er, sondern auch Susan befindet sich in Lebensgefahr. Das kann nicht verhindern, dass es Spenser diesmal erwischt und er fast den Löffel abgibt. Das führt zu einer recht ungewöhnlichen Zäsur in der Geschichte – mit umso größerer Spannung warten wir auf den Showdown mit dem Killer und den Drahtziehern.

Thema dieses Krimis ist diesmal Rassismus in all seinen öffentlichen und privaten, bestens verborgenen Seiten, aber auch Adoptivkinder im allgemeinen. Sollte man ihnen etwas Gutes tun – oder ist das auch schon wieder herablassend? Diese Diskussion wird nur en passant eröffnet und stets in Handlung und Szenen aufgelöst. So etwas wie anstrengende Dialoge gibt es bei Parker einfach nicht. Deshalb ist auch dieser Krimi sehr flott und recht humorvoll erzählt. Die Action kommt ebenso wie Humor und Sinnlichkeit nie zu kurz.

Wer den Vorgänger „Walking Shadow“ (dt. Titel: „Die unsichtbaren Killer“) gelesen hat, wird über den Kontrast zwischen unterprivilegierten Schwarzen, Chinesen und Hispanics gegenüber den weißen Studentinnen am College erstaunt sein. Die Gleichheit und Freiheit der Bürger der USA steht wirklich nur auf dem Papier. Und die Ungerechtigkeit wird jeden Tag aufs neue zementiert, wie zurzeit (November 2010) wieder zu beobachten ist. Es gibt nicht einmal ein ALG II (vulgo: Hartz IV) wie bei uns. Nach 99 Wochen Stütze fallen die Arbeitslosen in ein Loch, wo kein soziales Netz – außer persönlichen Beziehungen – sie auffängt.

|Taschenbuch: 308 Seiten
ISBN-13: 978-0399142444|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/putnam.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066

Parker, Robert B. – Widow\’s Walk – Ein Spenser-Krimi

_Prophetische Warnung: Wenn Banker und Immohaie abzocken_

Mary Smith, die junge Witwe des erschossenen Finanziers Nathan Smith, wird des Mordes verdächtigt. Spenser soll im Auftrag der Verteidigung ihre Unschuld beweisen. Der Haken: Mary Smith erbt nicht nur das Vermögen, sondern auch die Lebensversicherung in Höhe von 10 Millionen. Ein Motiv?

Der deutsche Titel lautet „Die blonde Witwe“. Die Übersetzung ist bei Pendragon erhältlich.

Hinweis: „Widow’s Walk“ ist übrigens ein architektonischer Fachausdruck und bezeichnet eine Dachplattform mit Geländer.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) „Family Honor“
2) „Perish Twice“
3) „Shrink Rap“
4) „Melancholy Baby“
5) „Blue Screen“
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
„Widow’s Walk“, „Hugger Mugger“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Spenser hat früher mal für die Staatsanwältin Rita Fiore gearbeitet, und auch jetzt noch sieht sie atemberaubend aus. Kein Wunder also, dass er ihre Bitte, für ihren neuen Arbeitgeber Cone & Aokes (Anwälte), zu ermitteln, nicht ablehnen kann. Eigentlich hat er schon eine Dame seines Herzens, nämlich Susan Silverman. Aber Freunde wie Rita Fiore zu haben, zahlt sich immer aus.

Mary Smith ist die frischgebackene Witwe des Finanzmaklers Nathan Smith, mit dem sie sieben Jahre verheiratet war. Er wurde in seinem Bett in der dritten Etage ihres gemeinsamen Stadthauses in Boston erschossen, während sie im Erdgeschoss Fernsehen schaute. Sie hörte keinen Schuss, und als sie den Toten entdeckte, habe sie die Polizei angerufen, sagt sie aus. Die Alarmanlage war noch eingeschaltet, und sie kenne sich mit derlei „mechanischen Dingen“ nicht aus. Wie also kam der Mörder ins Haus?

Das sieht doch schon mal recht merkwürdig aus für Mary. Leider deuten die Schmachspuren auf den Händen darauf hin, dass Nathan seine Hände abwehrend vor sein Gesicht hielt, er also den Mörder ansah, als er erschossen wurde. Es war somit kein Selbstmord. Es sieht so aus, als hätte die Anklage die besseren Karten. Nicht nur, dass der kleine Gauner Joe deRosa von ihr mit 25.000 Dollar für den Mord bezahlt worden sei, spricht laut Polizei gegen Mary. Auch der Umstand, dass sie nicht das Vermögen erbt, sondern auch die Lebensversicherung in Höhe von 10 Mio. Dollar einstreichen wird, spricht für ein sehr gutes Tatmotiv.

Dass Joe deRosa abstreitet, jemals den Auftrag ausgeführt zu haben, obwohl er Marys Geld nahm, findet Spenser ein wenig verwirrend. Noch merkwürdiger findet er allerdings, dass eine so feine und bekannte Anwaltskanzlei wie Kiley (Anne) & Harbaugh einen solchen Schmalspurgauner wie Joe vertritt. Und wenn Joe nicht schoss, dann vielleicht der mysteriöse „Chuck“, der ihm den Job anbot? Irgendjemand sagt nicht die Wahrheit – wie üblich.

Kaum beginnt sich Spenser für den Hintergrund von Mary – sie hat nur einen Oberschulenabschluss – und Nathan Smith, den Bankier, zu interessieren, merkt er, dass er beschattet wird. Die Frage ist natürlich, wo für die Gegenseite der Schmerzpunkt ist, also beginnt er, noch mehr zu schnüffeln. Nachdem Brinkman Tyler, den Börsenmakler des Bankiers Smith, aufgesucht hat, stellen sich ihm zwei seiner Beschatter in den Weg. Er macht sie beide fertig. Sie zu fragen, wer sie geschickt hat, wäre zwecklos: Sie wissen nichts. Und Spenser weiß bereits, dass sie für Felton Shawcross arbeiten, den Boss einer Immobilienfirma.

Einer der Namen auf der Gästeliste für Marys letzte Wohltätigkeitsgesellschaft lautet Marvin Conroy. Wieso hat Nathan Smith diesen Typen gebraucht, um seine Bank zu führen? Amy Peters ist Conroys PR-Dame und sehr nett, weiß aber nichts. Sie kommt zu Spenser, um ihm zu sagen, sie habe Angst vor Conroy, der alles über ihr Gespräch wissen wollte. Wenig später wird sie tot aufgefunden – angeblich Selbstmord. Genau wie bei Nathan Smith. Offensichtlich geht hier jemand über Leichen. Aber um welches Geheimnis geht es, das so wichtig ist, dass Leute dafür sterben müssen?

_Mein Eindruck_

Die Geschichte beginnt täuschend einfach, indem uns der Autor mit einem alten Klischee ködert: die dumme sexy Blondine. Tatsächlich ist Mary, obwohl Gattin eines reichen Bankiers, dumm wie Bohnenstroh, denn sie hat lediglich die Oberschule geschafft und hing danach bloß mit irgendwelchen Versagern herum. Sie schläft sogar immer noch mit ihrem Oberschulenverhältnis Roy. Denn ihr Gatte Nathan war ganz anders gepolt: Er stand auf kleine Jungs, denen er angeblich zu einem guten Start ins Leben verhelfen wollte.

Das Problem, das Spenser zunehmend hat, ist, wie üblich, ein großer Haufen Lügen und zu viele Informationen. Selbst der Rat seiner Dauerfreundin Susan wirft nur ab und zu einen Lichtstrahl in dieses Dickicht widersprüchlicher Hinweise. Doch eines scheint immer klarer zu werden: Während Mary, Roy und ihr „PR-Manager“ Larson Graff (noch ein Schulfreund) etwas mit der Vertuschung von Nathan Smiths Mord/Selbstmord zu tunhaben, ist Smith doch die Verbindung zu Marvon Conroy und Felton Shawcross. Joe DeRosa und seine angeheuerten Schläger und Killer sind bloß die Handlanger dieser beiden Finsterlinge.

Aber um was geht es diesen beiden Drahtziehern überhaupt, fragt sich Spenser zwangsläufig. Conroy sitzt in der Bank, und Shawcross besitzt eine Immobilienfirma – die von einem Tag auf den nächsten aus ihren Büroräumen verschwunden ist. Folglich muss es um einen Immobilienbetrug gehen, den Nathan Smiths und Conroys Bank finanzieren sollte. Dabei wäre natürlich ordentlich Reibach zu machen. Fragt sich nur, für wen. Und warum war Nathan Smith schließlich jemandem im Weg?

Die Auftritte von Spenser und seinem schwarzhäutigen Alter Ego Hawk sind wie immer ein Hochgenuss an Ironie und unausgesprochenen Zwischentönen. Außerdem kabbeln sich die beiden über Fragen der Rasse und der Bildung. Während Spenser wirklich belesen ist und gerne mit Zitaten um sich wirft, macht Hawk ihn gerade zum Tort, einen dummen Ghettodussel, der nicht mal eins und eins zusammenzählen kann. Doch das ist nur Show. Die beiden sind im gleichen Boxklub und trainieren, wann sie nur können. Deshalb beeindrucken sie auch regelmäßig die Damenwelt.

Spenser ist aber auch ein Gourmet, der gerne auch einfallsreiche Speisen für seine Liebste zubereitet. Diese will es ihm gleichtun und bereitet mit der kräftigen Hilfe von Miracle Whip auch mal Sandwiches zu. Die beiden haben schon einiges miteinander durchgemacht. Sie kennen sich seit 25 Jahren, waren aber zwischendurch anderweitig liiert. Diese andern Beziehungen tauchen immer wieder auf, und nur der wahre Spenser-Fan, der alle Romane gelesen hat, kennt die Hintergründe. Wer erst in die Serie einsteigt, sollte diese Hinweise einfach ignorieren und sich auf das Wesentliche konzentrieren.

Denn natürlich steht am Schluss der Ermittlung ein zünftiger Showdown. Nachdem Spenser schon fast alle Zusammenhänge erfahren hat, warnt er die Überlebenden vor der Rache Felton Shawcross‘. Dieser Finstermann will sicherlich alle umlegen, die ihn mit Nathan Smith in Verbindung bringen könnten. Im Zuge dieser Aufklärung lässt Spenser durchaus mal Gnade vor Recht ergehen, aber Showcross muss irgendwann dran glauben. Fragt sich nur, ob Spenser dieser Begegnung überlebt.

_Unterm Strich_

Dieser Spenser-Fall hat mich ebenfalls – wie schon „Walking Shadow“ – vollständig zufriedengestellt. Man kann das Taschenbuch ohne Weiteres an einem halben Tag lesen, und ich habe die ersten 200 Seiten (von 325) in nur einer Sitzung geschafft. Der Rest war ein Kinderspiel. Ich habe besonders die Schilderung des Showdowns genossen.

Während die Ermittlung immer wieder durch handfeste Actionszenen in Atem gehalten wird, gibt es doch immer wieder Aussprachen, die für Auflockerung sorgen. Die Dialoge mit Hawk und Susan sind köstlich und voller Hintersinn. Ich hoffe nur, dass die Übersetzung diese Untertöne ebenfalls erfasst. Die Begegnung mit der titelgebenden Witwe sind jedoch alles andere als eine Freude, es sei denn, man hat einen Sinn für Masochismus: Wenn Dummheit wehtun würde, dann müsste Mary Smith, geborene Toricelli, Schreikrämpfe kriegen. Und diejenigen, die ihrem ahnungslosen Gerede zuzuhören gezwungen sind, brauchen danach einen doppelten Scotch.

Die wahre Aussage des Romans bezieht sich natürlich auf die dunklen Machenschaften zwischen Banken und Immobilienfirmen. In diesem Gemauschel lässt sich nicht nur eine Bank total ausnehmen, sondern auch der Staat, denn der zahlt gegen Hypothekenausfälle eine Versicherung – noch mehr Reibach. Indirekt warnt der Autor also sowohl Banken als auch die Behörden vor Betrüger im Häusermarkt – und das bereits sechs Jahre vor dem großen Hypotheken-Crash von 2008.

|Taschenbuch: 325 Seiten
ISBN-13: 978-0425189047|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066

Parker, Robert B. – Walking Shadow – Ein Spenser-Krimi

_Zwielichtige Geschäfte in Port City_

Eigentlich soll Spenser in Port City nur herausfinden, wer der Stalker ist, der dem Direktor des einzigen Theaters nachstellt. Doch als Spenser die Aufführung eines politisch umstrittenen Stücks besucht, wird ein Schauspieler auf offener Bühne erschossen. Nun hat er noch einen Auftrag. Allerdings bekommt er von Lonnie Wu, dem Anführer einer chinesischen Gang, unmissverständlich klargemacht, dass er sich von Port City fernhalten soll, sonst … Natürlich tut Spenser genau das Gegenteil. Und so kommt eine verhängnisvolle Kette von Ereignissen in Gang, die drei Menschenleben fordert.

Der Titel der deutschen Übersetzung lautet „Die unsichtbaren Killer“.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) „Family Honor“
2) „Perish Twice“
3) „Shrink Rap“
4) „Melancholy Baby“
5) „Blue Screen“
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818 , „Widow’s Walk“, „Potshot“, „Hugger Mugger“, „Potshot“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Privatdetektiv Spenser hätte nicht gedacht, dass seine Freundin, die Psychotherapeutin Susan Silverman, im Aufsichtsgremium eines veritablen Theaters sitzt. Und das ist der Grund, warum sie ihn nach Port City mitnimmt, dem Sitz des Theaters. Er soll den Stalker aufspüren, der dem Theaterdirektor das Leben schwer macht.

Port City ist ein heruntergekommener Hafen, über dem es ständig zu regnen scheint. Die Bevölkerung besteht zu sechzig Prozent aus Chinesen und Portugiesen, den früheren Arbeitern in den Fischfabriken, und der weißen Oberschicht. Die lebt oben auf dem Hügel, der Rest unten am Hafen. Kein Wunder, dass das Theater, das dort unten errichtet wurde, sich keiner sonderlich sicheren Nachbarschaft erfreut.

Das erste Gespräch ist ergebnislos, also setzen sich Spenser und Susan in die Aufführung, zu der sie eingeladen wurden. Das Stück ist kontrovers und fordert alle Vorurteile heraus. Als der Schauspeiler Craig Sampson den Song „Lucky in Love“ anstimmt, trifft ihn die Kugel eines Scharfschützen ins Herz. Spensers sofort geleistete Erste Hilfe kommt zu spät. Nun hat er einen zweiten Auftrag an der Backe. Wer erschoss den Schauspieler? Und das alles ohne Bezahlung.

In der anschließenden Vorstandssitzung bittet er das Aufsichtsgremium um Mithilfe bei der Aufklärung. Pustekuchen! Die Chinesin Rikki Wu bringt sogar deutliche Vorbehalte und Einwände gegen eine Ermittlung vor. Sheriff DeSpain sucht in alle Richtungen. Der frustrierte Spenser lädt sie in das Restaurant ihres Mannes Lonnie Wu ein, doch auch hierbei erfährt nichts. Der Grund wird klar, als Spenser in der Wohnung des Ermordeten etwas findet, was DeSpains Beamte geflissentlich übersehen haben, obwohl es sich an einem offensichtlichen Versteck befand, an der Unterseite einer Schublade: Fotos von Rikki Wu und Craig Sampson.

Doch vor diesem erhellenden Fund hat bereits Lonnie Wu Spenser einen Besuch abgestattet. Er verbot Spenser, jemals wieder einen Fuß in Port City zu setzen. Die beiden vietnamesischen Totschläger in Wus Begleitung versuchen diesem Wunsch Nachdruck mit Pistolen zu verleihen, doch Spenser reagiert schneller, indem er Wu einen geladenen und gespannten Revolver unter die Nase hält. Wu zieht wieder ab, doch wenige Tage später tauchen die beiden Vietnamesen wieder in Spensers Wohnung auf …

Nachdem auch diese Problem erledigt ist, wagt sich der fortan wütende Spenser nur noch mit Begleitschutz in die offenbar von einer chinesischen Tong beherrschte Stadt, einer Verbrecherbande. Und er vermutet, dass sie auch den Sheriff bereits eingesackt haben. Als Spenser mit seinem Freund Hawk und dem Exknacki Vinnie Morris im Restaurant sitzt, setzt sich die Schauspielerin Jocelyn Colby zu Spenser, um ihn um Hilfe zu bitten. Ihr Auftritt ist wahrlich sehenswert, stammt aber aus einem Melodrama. Sie habe Angst vor einem Stalker. Schon wieder Einer, denkt Spenser genervt.

Das Blatt wendet sich, als kurz darauf eine Salve Kugeln das Restaurant durchsiebt und Tage darauf Spenser eine Videocassette ins Büro flattert: Darauf sitzt die verschwundene Jocelyn Colby gefesselt und geknebelt auf einem Stuhl. Wurde sie entführt? Wo ist dann die Lösegeldforderung? Und etwas an diesem Video kommt Spenser verdächtig bekannt vor …

_Mein Eindruck_

In diesem „Spenser“-Krimi führt Meister Parker zwei ziemlich unwahrscheinliche Welten zusammen und lässt sie aufeinanderprallen: das Theater und chinesische Verbrecherbanden. Die Nahtstelle zwischen den Welten bilden einerseits Rikki Wu, Lonnies Wus untreue Ehefrau, und zum anderen die Schauspielerin Jocelyn Colby, die eine alte Verbindung zu Sheriff DeSpain hat, der wiederum von Lonnie Wu bezahlt wird. Diese Dreiecksgeschichten führen zu explosiven Konflikten, wie man sich unschwer vorstellen kann.

Port City scheint fest in chinesischer Hand zu sein, aber dass darf natürlich keiner merken. Deshalb spielen Rikki Wu, Jocelyn und der Sheriff allesamt Theater. Allerdings merkt dies Spenser erst nach und nach, denn er zu Anfang immer noch mit den zwei Stalkern und anderen „wandelnden Schatten“ befasst, wie sie am Theater durchaus üblich sind. Die Scheinwelten durchdringen einander, die falschen Identitäten ebenso.

|Die Chinesen|

Spenser muss natürlich herausfinden, womit Lonnie Wu am meisten Geld macht. Sind es Drogen, ist es Prostitution, Schutzgelderpressung? Nein, durch Zufall erfährt er, dass auf der Brant-Insel nächtens bis zu hundert Chinesen heimlich an Land gehen: illegale Einwanderer, so unwirklich wie Geister, und doch höchst lukrativ. Der Schleuserlohn beträgt mehrere tausend Dollar pro Nase, und Lonnie bekommt natürlich einen erklecklichen Anteil daran.

Die Einwanderer arbeiten für einen Hungerlohn, um es sich vom sauer Ersparten leisten zu können, den Rest der Familie nachzuholen. Mit Spenser als Alter Ego stößt der Autor seine Leser mit der Nase auf diese Misere und fordert sie auf, etwas dagegen zu unternehmen. Spenser erreicht bei Lonnie Wus Boss Little Eddie, dass die illegale Einwanderung aufhört. Zumindest in Port City. Wir erhalten einen tiefen Einblick in die chinesische Kultur und Mentalität.

|Die Schauspielerin|

Jocelyn Colby macht hingegen jede Menge: Sie hat es auf Spenser abgesehen. Wie ein kleines Mädchen, das auf Vaterfiguren steht, um mit ihnen ins Bett zu gehen – solange es etwas Verbotenes ist. Diesmal hat sie es auf ihn abgesehen, doch er befindet sich zum Glück bereits in festen Händen, wie er Susan versichert.

Doch eine enttäuschte Jocelyn lässt das nicht auf sich beruhen, sondern rächt sich. Dass ihr Verhalten mehr als einen Mann ins Unglück gestürzt hat, muss auch Port City feststellen: Die geisteskranke Frau, wie Spenser und Hawk sie nennen, hat mehr als einen Mann auf dem Gewissen. Ihre Krankheit besteht darin, dass sie nicht zwischen Realität und der Scheinwirklichkeit des Theaters trennen kann. Ihre Anmache wirkt deshalb stets so unecht wie eine Performance.

|Action|

Sobald Lonnie Wu auftritt, ist Action angesagt. Die Sprache der Waffen wirft die spannende Frage auf, wann die vietnamesische Todesschwadron, die für den Bandenchef arbeitet, Spenser erwischen wird. Der Privatdetektiv wagt sich nach Port City nur noch mit seinem eigenen, schwer bewaffneten Kommando, und die Patrouille, begleitet von einer Dolmetscher, könnte jederzeit zu einer Schießerei eskalieren. Diese Spannung muss sich schließlich entladen. Das passiert jedoch ganz anders als erwartet.

|Humor|

Ich habe bislang keinen „Spenser“-Krimi ohne Humor gelesen. Stets sorgen die ironischen Dialoge zwischen dem Helden und seiner „Jewish American Princess“ Susan Silverman für ironie-induzierte Schmunzeln. Und wollen sie sich einmal körperlich näherkommen, so zwängt sich garantiert die eifersüchtige Hündin Pearl dazwischen. Sie hängt sehr an ihrem Frauchen.

Nicht so witzig fand ich hingegen Spensers Bildungsgeprotze mit all den Zeilen, die er aus unterschiedlichsten Stücken Shakespeares oder aus T.S. Eliots Gedichten zitiert. Ich weiß ja schon, dass er schrecklich belesen ist, aber dass er nun auch noch am Theater den Geek raushängen muss, finde ich übertrieben. Ein Gutes hat die Sache allerdings: Seine Sprüche und Anspielungen verwirren den geistig minderbemittelten Gegner regelmäßig – mit Ausnahme von Susan natürlich.

_Unterm Strich_

Nach dem recht mittelmäßigen und klischeebeladenen Krimi „Stardust“ (dt. Titel „Starallüren“) konnte ich mit „Walking Shadow“ wieder richtig aufatmen. Die wendungsreiche Story wird durch mehrere Actionszenen und erotische Anmachen aufgepeppt und mündet in der mysteriösen Entführung der Jocelyn Colby, die mehrere Männer auf dem Gewissen hat. Gerade wenn der Leser – wie der Held – meint, die Geschichte sei an einem toten Punkt angelangt, besinnt sich Spenser wieder auf seine Tugenden – und entdeckt den entscheidenden Hinweis, wie üblich in der Vergangenheit.

Während der Autor das Theater, abgesehen von den Klassikern, nicht sonderlich ernstnimmt, so widmet er sich doch dem Problem der illegalen Einwanderung aus China umso ernsthafter. Er zeigt nicht nur die Ausbeutung der Eingewanderten, sondern auch die Korruption, die die Schleuser und Gangsterbanden (Tongs) verursachen und fördern – auch unter den einheimischen Behörden. Sowohl durch die Anklage dieser Verbrechen als auch durch einen Blick auf das Elend, in dem die Einwanderer schuften müssen, fordert der Autor den Leser auf, etwas gegen beides zu unternehmen. Mehr kann ein Buch nicht tun, will es nicht zu einem Pamphlet verkommen.

|Taschenbuch: 270 Seiten
ISBN-13: 978-0399139611|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/putnam.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066

Dalager, Stig – Im Schattenland

_“Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen“_

Es ist der Morgen des 11. September 2001, an dem der Rechtsanwalt Jon Backsgaard zum ersten Mal seinen muslimischen Mandanten Ifrahim Mohammed trifft. Dieser ist des Mordes an einem jüdischen Juwelier angeklagt. Doch seiner Aussage nach wurde ihm dieser Mord untergeschoben, weil er zufällig Kenntnis von einem Anschlag auf die New Yorker U-Bahn erhalten hat und ihn terroristische Kreise so aus dem Weg schaffen wollten. So aussichtslos dieser Fall wegen seiner scheinbar unmöglichen Beweisbarkeit auch von allen Top-Anwälten New Yorks abgewinkt wurde, so gewiss nimmt sich der Gerechtigkeit liebende und bis zur Selbstaufgabe mutige Anwalt Backsgaard dieses Falles an. Während er mit seinem Mandanten spricht, schlagen die sich durch unzählige Fernsehbilder und Fotos ins Weltgedächtnis eingegraben habenden Flugzeuge ins World Trade Center ein, wo seine Lebensgefährtin Eve in ihrem Büro arbeitet, weil Jon die gemeinsame Reise zu deren Vater nach Israel aufgrund des neuen Falles verschoben hatte.

Durch einen Anruf alarmiert, macht er sich sogleich heldenhaft auf, um seine Freundin aus dem einstürzenden Südturm zu retten und in den Folgewochen ein Video zu erjagen, das die Unschuld seines Mandanten beweist. Während er von Schuldgefühlen Eve gegenüber und auch gegenüber seiner ehemaligen Lebensgefährtin Stine sowie dem gemeinsamen autistischen Sohn, welchen er in Wien zurückgelassen hat, und nicht zuletzt von Alpträumen geplagt wird, gerät er zudem ins Visier der amerikanischen Terrorermittler, was ihn schließlich mitten hinein ins Schützenfeuer des Israel-Palästina-Konfliktes führt.

Wie man an dieser äußerst knappen Zusammenfassung des Plots bereits erkennen kann, sind die Figuren des dänischen Autors Stig Dalager in sämtlichen sozialen und politischen Problemkreisen der aktuellen Zeitgeschichte verankert. Backsgaard lebt als moderner Nomade auf verschiedenen Kontinenten. Hin- und hergerissen zwischen den unterschiedlichen Welten und zwei Frauen, weiß er weder, wo er seine Heimat verorten soll, noch, wem tatsächlich sein Herz gehört. Außerdem ist ihm deutlich bewusst, dass er der Verantwortung für sein Kind nur unzureichend nachkommt. Eve versucht in Amerika den Gespenstern zu entkommen, die sie aus der Lebensgeschichte ihres Vaters geerbt hat, der in Israel lebt und dort seine Zeit in Auschwitz verdrängt. Ein Arzt, der Eve im Krankenhaus betreut, hat im Golfkrieg gekämpft und ein Trauma davongetragen. Natürlich wird auch Amerikas große Wunde, der Vietnamkrieg, angesprochen, und als sei das noch nicht genug an Zündstoff, versetzen sich die Figuren in ihren Träumen in andere Figuren hinein, so dass der Leser unter anderem auch noch Osama Bin Laden in seiner Höhle begegnet.

Auch mit Hilfe der gewöhnungsbedürftigen Wahl des Präsens wird der Leser durch einen 330 Seiten währenden Strudel der Ereignisse gewirbelt und muss dabei versuchen, den roten Faden des Romans im Auge zu behalten, was sich durch die Vielfalt an Themen, Nebenfiguren und Handlungsorten nicht immer einfach gestaltet. Doch wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen, und so kann jeder Leser über das politische Ereignis nachsinnen, das ihn am meisten bewegt. Aus weiblicher Perspektive hebt man bereits bei Backsgaards heroischer Rettungsaktion aus dem brennenden Hochhaus zweifelnd eine Augenbraue und kann zum Schluss nur noch den Kopf schütteln, wenn er sich auf der Suche nach dem Hamas-Terroristen Zawawi in den israelischen Kugelhagel wirft.

Der nüchterne Sprachstil aus kurzen Sätzen, präzisen Dialogen und knappen Beschreibungen klingt auf den ersten Seiten noch analytisch und vertrauenswürdig, so als könne er Erklärungen bieten oder würde zu Wahrheiten führen. Doch er verspricht mehr, als er halten kann. Es gibt in diesem Buch keine Erklärungen, keine Gewinner und keinen befriedigenden Erfolg des Ermittlers Backsgaard. Auch er ist am Schluss wieder nur unterwegs auf einem neuen Weg ins Ungewisse. Der Leser ahnt Akte-X-mäßig dunkel, dass die Wahrheit irgendwo da draußen ist. Aber das Schattenland hat sich längst zu einer Schattenwelt ausgedehnt, deren Dunkelheit auch Fiktion nur partiell erhellen kann.

Mit „Im Schattenland“ bietet der |Eichborn|-Verlag eine gute Möglichkeit, sich mit dem Werk eines der bedeutendsten dänischen Autoren der Gegenwart bekannt zu machen. Viele seiner über 40 Prosawerke, Gedichtbände und Drehbücher wurden international herausgebracht bzw. aufgeführt. So hat er sich beispielsweise in „Zwei Tage im Juni“ (Kiepenheuer, 2004) der Thematik des Stauffenberg Attentats auf Hitler angenommen oder in „Das Labyrinth“ (Picus, 2007) seinen Anwalt Jon Backsgaard in die rechtsextreme Szene von Wien geschickt. Mit „Im Schattenland“ und seinen anderen politischen Thrillern nimmt sich der studierte Literaturwissenschaftler Problemen der aktuellen Zeitgeschichte an und bietet handwerklich gut gemachte Unterhaltung.

|Übersetzt von Heinz Kulas und Jette Mez
336 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3821861005|
http://www.eichborn.de

Parker, Robert B. – Paper Doll – Ein Spenser-Krimi

_In Boston wie im Süden: die Tyrannei weißer Männer_

Die Frau eines angesehenen Bostoner Anwalts wird mitten in der Stadt unweit ihres Hauses mit einem Hammer erschlagen. Nach erfolglosen Ermittlungen hält die Polizei den Fall für die Tat eines Verrückten und kommt nicht weiter. Deshalb bittet der Witwer den Privatdetektiv Spenser um Hilfe. Schon bei seiner ersten Nachforschung in der Heimat der Ermordeten, bekommt Spenser mordsmäßig eins auf die Mütze. Jemand will nicht, dass er den Mord aufklärt. Aber warum?

Deutscher Titel: „Schmusepuppe“. Das trifft den Sachverhalt nicht wirklich.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) „Family Honor“
2) „Perish Twice“
3) „Shrink Rap“
4) „Melancholy Baby“
5) „Blue Screen“
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

„Widow’s Walk“, „Potshot“, „Hugger Mugger“, „Potshot“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Spenser ist ein Privatdetektiv in Boston. Er lebt mit der Psychotherapeutin Susan Silverman und dem „Wunderhund“ Pearl zusammen, die er beide gerne mit Kreationen aus seiner Küche verwöhnt. Heute kommt der wohlhabende Anwalt Loudon Tripp-Nelson zu ihm. Offenbar hat er Spensers Hintergrund gründlich überprüft. Er kommt zu ihm auch nur, weil die Polizei überhaupt nicht weiterkommt: Seine Frau Olivia wurde von einem Unbekannten mit einem Zimmermanshammer erschlagen, mitten auf einem Platz im Nobelviertel Beacon Hill, wo Tripp-Nelsons Haus steht. Der von ihm ausgestellte Scheck ist beträchtlich, und Spenser nimmt den Fall deshalb gerne an.

Der Polizeileutnant hat keine großen Erkenntnisse beizutragen, ebenso wenig der eigentliche Bearbeiter des Falles, Farrell. Tripp-Nelson und seine Frau seien offenbar Heilige gewesen und ihre zwei Kinder Loudon junior und Meredith ebenfalls kleine Heilige. Die zwei gehen aufs College. Als Spenser das Haus in Augenschein nimmt, stellt er fest, dass die Eltern getrennte Schlafzimmer haben. Zudem sehen die Zimmer von Olivia und den Kindern wie Gästezimmer aus: unbewohnt, ausgestellt, präsentabel. Sehr merkwürdig. Junior wirft Spenser raus. Was hat denn der für ein Problem, fragt sich der Privatdetektiv.

Noch merkwürdiger ist Tripp-Nelsons Sekretärin. Ann Summers ist eine Wucht und einem Abenteuer zwischen den Laken sicher nicht abgeneigt. Wenn Spenser seine Susan nicht hätte … Aber Ann Summers will nichts über die Familie ihres Brötchengebers sagen und auch nicht verraten, warum sie zwischen neun und vier praktisch nichts zu arbeiten hat. Sie liest stattdessen, gut für ihre Bildung. Aber was macht sie in Wahrheit den lieben langen Tag?

Dass Senator Bob Stratton sich für den Fall interessiert, hat Spenser schon gehört. Als er ihn im Club seines Klienten trifft, macht der Senator schlüpfrige Bemerkungen über junge Damen, bevor er Tripp-Nelson sein Beileid ein wiederholtes Mal ausdrückt. Eine interessante Figur, ohne Zweifel.

|Im tiefen Süden|

Da es weder einen Täter noch ein Motiv gibt, gräbt Spenser in der Biografie des Opfers. Hatte es jemand aus der Vergangenheit auf sie abgesehen? Also fliegt er nach Alton, South Carolina, und quartiert sich dort ein. Kaum ist er von einem Besuch an Olivias Schule zurück, merkt er schon, dass sein Hotelzimmer durchsucht worden ist. Nichts fehlt, aber vor dem Hotel steht ein blauer Buick, der sofort wegfährt, wenn er auf ihn zugeht. Wird er von der Polizei überwacht?

Ja, so ist es, erklärt der schwarze Hoteldiener Sedala, der Sheriff war da. Offenbar hat ihm jemand aus Boston einen Tipp gegeben, jemand, der hier viel zu sagen hat. Und Spenser hat da schon eine Ahnung, wer das sein könnte. Sedala gibt ihm noch einen Tipp: Sich mal eine kleine Frittenbuden anzusehen. Tatsächlich ist dort das Essen nicht nur besser und herzhaft, sondern es hängt dort auch ein Foto von Olivia Nelson an der Wand. Nur, dass die weiße Frau, die dieses Mädchen ihre Tochter nennt, gar nicht Nelson heißt, sondern Rankin. Das Foto zeige ihre Tochter Cheryl Anne. Spenser ist perplex.

Um sich Klarheit zu verschaffen, fährt er, stets überwacht, raus zu Olivias Vater Jack. Der war zu seiner Zeit nicht nur ein toller Jäger und Reiter, sondern auch ein Frauenheld, der laut seinem Pferdehalter alles besprang, das keinen Penis hatte. Allerdings ist Jack Nelsen inzwischen ein Halbtoter, der nur noch übergewichtig vor der Glotze hängt und Whisky süffelt. Als Spenser seine Tochter Olivia erwähnt, wehrt Nelsen ab: Er habe keine Tochter. Und sein alter Diener Jefferson erklärt es: Olivia heiratete einen Afrikaner und zog nach Kenia. Nelson hat sie quasi enterbt. Als der völlig überraschte Spenser ihn nach Cherryl Anne Rankin fragt, lügt Jefferson. Aber warum?

Kaum zurück im Hotel, erstattet Spenser einem ebenso erstaunten Polizeileutnant in Boston Bericht. Und da sieht er aus dem Fenster, wie die komplette Polizei vor seinem Hotel eintrifft. Die kommen bestimmt nicht, um eine Disco aufzumachen. Spenser bittet den Leutnant noch, ihm zu helfen, da wird er auch schon abgeführt, und zwar auf höchst illegale Weise. Aber das ist erst der Anfang seines Martyriums im tiefen Süden …

_Mein Eindruck_

Dies ist der erste „Spenser“-Krimi, den ich gelesen habe, und ich muss sagen, dass ich keineswegs enttäuscht bin. Anfangs sah der Plot wie ein Fliegengewicht aus, doch in seiner unnachahmlich lässigen Art führt der Autor seine Figuren immer weiter auf einer Spirale der Verzweiflung und Aufklärung. Genau so, als sei die Ermittlung eine andere Art des Exorzimus.

Im Brennpunkt der Ermittlung stehen erst zwei Familien: die von Olivia Nelson, die gar nicht Olivia Nelson ist, und die ihres angeblichen Vaters, der sich als ihr tatsächlicher Vater entpuppt. Olivias Mann Loudon Tripp ist ein Meister im Verdrängen der Wirklichkeit, wie Spenser mit wachsender Bestürzung feststellen muss. Olivias Bett war deshalb so sauber und präsentabel, weil praktisch nie darin schlief, sondern sich lieber in den Betten anderer Männer herumtrieb. Und seine Tochter Meredith ist deswegen so still, weil sie ein schreckliches Geheimnis zu verbergen hat.

Nur gut, dass Spenser eine Psychotherapeutin zur Freundin hat. So bekommt er eine Erklärung für die massive Realitätsverdrängung Loudon Tripps, ebenso für die von Jack Nelson, Olivias Vater. Und er findet jede Menge Erholung von seinen strapaziösen Ermittlungen im Süden und Boston, wenn er mit Susan ins Bett geht. Sie ist die Lauren Bacall für seinen Philip Marlowe – und hat genauso schlagfertige Antworten. Das sorgt für subtilen Yankee-Witz, für eine feine Ironie, die elegant an der Grenze zum schwarzen Humor entlangsegelt.

Doch abgesehen von den Tripp-Nelsons geht es auch um Senator Stratton. Der Mann, der sich zum Präsidentschaftskandidaten aufstellen lassen will, unternimmt einiges, damit Spenser seine Finger vom Fall „Olivia Nelson“ lässt. Nicht ohne Grund, hat er doch „Livvie“ viele Male nicht nur sexuell benutzt, sondern auch noch um all ihr Geld gebracht – „Parteispenden“ von seiner ehemaligen Wahlkampfhelferin. Doch dann ist er zu weit gegangen …

Natürlich ist es lachhaft, auch nur daran zu denken, dass ein Bostoner Cop sich an einem SENATOR vergreifen könnte. Ein SENATOR, der den Polizeipräsidenten locker in die Tasche stecken könnte. Und doch gelingt Spenser dieses kleine Wunder, und zwar auf seine unnachahmlich menschliche Weise, die zeigt, wie moralisch integer der Ermittler ist. Und als auch die Tripps der Wahrheit ins hässliche Medusenauge sehen müssen, hat auch Senator Stratton keine Worte mehr. Und uns bleibt die Spucke weg. Aber heißt dies auch, dass er der Mörder ist? Das soll hier nicht verraten werden.

|Der Buchtitel|

Die Übersetzung des Buchtitels „Paper Doll“ mit „Schmusepuppe“ trifft nur die halbe Wahrheit, nämlich „doll“, das umgangssprachliche Wort für „junge attraktive Frau ohne feste Bindung“, vulgo: „Schlampe“. Aber was ist mit „paper“? Die Titelillustration des Originals gibt schon einen Hinweis: Eine Papierpuppe lässt sich wie ein Abziehbild ausschneiden, sodass sie keinen eigenen Charakter hat. Oder sie hat den Charakter eines anderen Menschen angenommen, der fortan nur noch auf dem Papier existiert. Es geht also um eine falsche Identität – genau die Täuschung, die Spenser so zu schaffen macht.

_Unterm Strich_

In einer zunehmend spannenderen und beklemmenderen Ermittlung, die aber auch keiner Verschnaufpausen entbehrt, deckt der Autor die repressive Herrschaft des weißen Mannes auf – die „Tyrannei alter Männer“ („Pulp Fiction“ von Tarantino) vor allem. Im alten Süden, in South Carolina, hat Jack Nelson alles besprungen, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Die Tyrannei gegenüber Frauen ist nur die andere Seite der Tyrannei gegen die Schwarzen, deren Folgen Spenser allenthalben antrifft.

Doch was wir und Spenser nicht erwartet haben: Die Tyrannei des weißen Mannes setzt sich auch im Norden fort. Und nicht bei irgendwelchen Leuten, sondern bei einem Senator, also dem gewählten Vertreter eines Bundesstaates. Senator Stratton weiß sich in der sexuellen und finanziellen Ausbeutung von Frauen und ihren Familien jedoch völlig auf einer Linie mit anderen „Kameraden“, die seine schlüpfrigen Witze – besonders über Jungfrauen – lustig finden. Im Gegensatz zu Spenser. Und er befindet sich als Angehöriger der politischen Elite des Landes in „bester“ Gesellschaft, zum Beispiel in der der Kennedys Anfang der sechziger Jahre. Was sagt dies über ein politisch-kulturelles System aus?

Mich hat die Lektüre nie gelangweilt und ich fand sie zunehmend spannender, je mehr beklemmende Enthüllungen mir Spenser bzw. Parker offenbarten. Der Held würde heulen, wenn er nicht solch einen Rückhalt in seiner besten Freundin hätte – der weiblichen wie der hündischen.

Dieser „Spenser“-Krimi lässt sich nur schwer mit den „Jesse Stone“-Krimis vergleichen. Aber auch hier ist der lakonische Witz der Dialoge (Einzeiler am laufen Band) und die moralische Integrität und Unerschrockenheit des Ermittlers unverkennbares Markenzeichen des 2010 verstorbenen Autors Robert B. Parker.

|Taschenbuch: 279 Seiten
ISBN-13: 978-0425141557|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066

Parker, Robert B. – Death in Paradise (Jesse Stone 3)

_Eine Kugel für Pretty Baby_

Polizeichef Jesse Stone hat mit dem Mord an einem Teenager-Mädchen zu tun. Natürlich sucht er dessen Mörder. Aber wieso will in seinem Städtchen Paradise niemand der Angehörige des Mädchens sein, um die Leiche zu bestatten?

Dieser Roman wurde für die „Jesse Stone“-Serie mit Tom Selleck eindrucksvoll verfilmt. Allerdings weist die Fernseh-Episode eine Unmenge an Unterschieden auf. Diese erörtere ich weiter unten.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) „Family Honor“
2) „Perish Twice“
3) „Shrink Rap“
4) „Melancholy Baby“
5) „Blue Screen“
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

„Widow’s Walk“, „Potshot“, „Hugger Mugger“, „Potshot“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

In einem nahen See wird die Leiche eines Mädchens gefunden. Sie muss sich schon einige Zeit darin befunden haben, denn die Verwesung hat eingesetzt. Sie wurde ermordet: Eine Kugel durch den Kopf, wahrscheinlich aus einer 38er. Polizeichef Jesse Stone Mitarbeiter finden am Ufer einen Schulring an einem Goldkettchen: Der recht umfangreiche und reich verzierte Ring stammt von der Swampscott High School und zwar aus dem Jahr 2000.

Das Mädchen könnte den Ring ihres Freundes an dem Kettchen getragen haben, sinniert Stone. Der Mörder schleppte die Leiche von seinem Auto durchs Unterholz bis in den See hinein, beschwerte sie dort mit Seil und Steinen, um sie am Aufsteigen zu hindern und versenkte sie dort. Wenig später finden Stones Mitarbeiter auch den Stein und das Seil – ein erster Hinweis. Er schickt gleich Arthur Angstrom los, um alle entsprechenden Läden abzuklappern. Vielleicht war der Mörder dumm genug, mit seiner Kreditkarte zu bezahlen.

Höchste Zeit, der Swampscott High School einen Besuch abzustatten. Die Rektorin ist Lilly Summers, DOKTOR Lilly Summers, eine adrette Lady – und derzeit unverheiratet. Jesse lädt sie sofort zum Mittagessen ein, sodass sie über den Fall des ermordeten Mädchens reden können. Wie sich herausstellt, könnte es sich um Elinor Bishop handeln, die von allen nur Billie genannt wurde und wohl so etwas wie eine Nymphomanin war. Sie schlief mit allen, doch nur einer war ihr wahrer Freund: William Royston, genannt Hooker, der Held des Jahrgangs, ein Vorzeigejunge.

Doch warum war Billie eine Nymphomanin und ihre Noten so schlecht, dass sie kaum die Versetzung schaffte? Sie war apathisch und interesselos. Jesse vermutet gleich, dass sie seelisch etwas aus der Bahn geworfen haben muss. Auch ihre Eltern sind sonderbar: Sie leugnen standhaft, dass sie eine Tochter namens Elinor oder Billie hätten. Was durch die Zahnarztunterlagen widerlegt wird. Dennoch beharrt die Mutter darauf, dass Billie für sie tot sei. Der Vater hat gefälligst die Klappe zu halten. Ebenso die dritte Tochter, Carla.

Aber wenigstens die zweite Tochter, Emily, redet mit Jesse. Sie hat eine Telefonnummer: Billie ging zu den Nonnen in Boston. Die Nonne, Schwester Mary John, hat ebenfalls eine Telefonnummer. Diese gehört dem Bostoner Gangster Gino Fish. Fish, der bekanntermaßen schwul ist und erst recht nichts sagt, habe nichts mit Prostitution am Hut, sagt die Bostoner Polizei, verkörpert durch Brian Kelly (den wir schon aus den Sunny Randall-Krimis kennen). Also legt sich Jesse mit seinem Mitarbeiter Suitcase Simpson und Kelly auf die Lauer. Nach Wochen entdecken sie: Es ist Fishs Rezeptionist Alan Garner, der den Prostituiertenring betreibt. Und die Huren sind blutjung – genau wie Billie. Hat einer der Freier Billie umgebracht?

Doch die Verbindung zu Paradise fehlt. Diese wird hergestellt durch die Verbindung von Gino Fish mit dem angesehenen Autor Norman Shaw, ein Alkoholiker mit einer sexuell frustrierten Frau, die sich an Jesse ranschmeißt. Shaw soll im Auftrag von Fish eine Biografie des Gangsters schreiben, gegen einen ansehnlichen Vorschuss. Jesse fragt sich, was Shaw für Fish getan haben könnte …

_Mein Eindruck_

Wie sich herausstellt, hat Gino Fish keine Ahnung von den Nebengeschäften seines Rezeptionisten Alan Garner, der einen Ring von minderjährigen Huren führt. Gut für Fish, schlecht für Garner. Denn wenn Fish die Wahrheit über seinen Lover herausfindet, bringt er ihn um. Das wissen auch die beiden Cops Stone und Kelly, als sie Garner schließlich in die Mangel nehmen. Aber sie lassen ihm ein winziges Schlupfloch: Wenn er Shaw verpfeift, kommt er ihne Mordanklage davon. Und die würde sich in seinem Lebenslauf – der durch Fish drastisch abgekürzt werden könnte – gar nicht gut ausnehmen.

Doch Stone und Kelly geht es um den Mörder von Billie Bishop. Wenn es weder Fish noch Garner war, dann kommt vorderhand nur Shaw in Frage. Ihr Problem ist allerdings, dass sie Shaw seine pädophilen Neigungen nachweisen müssen. Das kann eine der geschiedenen Gattinnen besorgen. Und sie müssen Billie mit ihm in Verbindung bringen. Wie ginge das besser als über Garner?

Dieser „Jesse Stone“-Krimi nimmt sich wie schon „Sea Change“ und „Paper Doll“ des heißen Eisens der Pädophilie an, diesmal aber auch des Themas Prostitution von Minderjährigen. Beide Themen entfachen in Jesse Stone sowohl Depression als auch Wut. Er hat Billie gegenüber ein heimliches Versprechen abgegeben, ihren Killer zu stellen und zur Rechenschaft zu ziehen. Bis ihm dies gelingt, besteht ein langer Spannungsbogen, der vier kleine Nebenhandlungen mühelos stützt.

Diese Nebenhandlungen umfassen 1) eine Liebschaft mit Lilly Summers, von der er Jenn informiert; 2) weitere Treffen mit Jenn; 3) Jesse besucht erstmals eine Psychotherapeuten, dem ihn Jenn empfiehlt: Dix soll Jesse von seiner Alkoholsucht befreien; und 4) Mr Snyder, ein Alkoholiker wie Jesse, schlägt seine Frau, doch Jesse verhilft ihr zur Freiheit – was zu einer Geiselnahme in einem Supermarkt führt. In Snyder entdeckt Jesse einen Aspekt seiner selbst, der ihm gar nicht gefällt. Und zum ersten Mal findet er selbständig heraus, was damit nicht stimmt.

|Unterschiede zur Verfilmung|

Dieser Roman wurde für die „Jesse Stone“-Serie mit Tom Selleck eindrucksvoll verfilmt. Allerdings weist die Fernseh-Episode eine Unmenge an Unterschieden auf. Während die „Snyder“-Episode relativ unangetastet blieb, sondern fordert der blutige Abschluss der Geiselnahme ein bedauernswertes Opfer. Die Ermittlung in Boston dauert längst nicht so lange, wie sie im Buch dargestellt wird. Vielmehr findet Jesse Stone im Film in Billies Zimmer (!) ein Buch von Norman Shaw – quasi ein Wink mit dem Zaunpfahl.

Signifikanter ist eigentlich der Abschluss des „Fish/Garner“-Strangs. Im Film spielt Garner praktisch keine Rolle, wenn ich mich recht entsinne. Vielmehr läuft alles auf eine Konfrontation zwischen Fish, seinem Schützen Vinnie Morris (bestens aus den „Spenser“-Krimis bekannt) und Stone hinaus. Davon kann im Buch nicht die Rede sein. Im Film wird plötzlich Fish zum Mörder von Billie gemacht, was Shaw ziemlich entlastet. Das widerspricht auf eklatante Weise der Absicht des Autors, der alle Schuld an Billies Tod auf Shaw ablädt.

Wie man sieht, ist der Drehbuchautor mit der Vorlage regelrecht Schlitten gefahren. Die Abkürzungen und Verdrehungen sind wirklich ärgerlich. Ich musste mich erst von diesen Verfälschungen freimachen, um die Romanvorlage wirklich genießen zu können. Wohl dem also, der die Verfilmung noch NICHT kennt!

_Unterm Strich_

Ich habe diesen Krimi an zwei Tagen gelesen. Wie bei allen „Jesse Stone“-Romanen Parker sorgt die Verbindung aus Verbrechen, sozialem und menschlichem Drama sowie erotischer Nebenhandlung dafür, dass sowohl männliche als auch weibliche Leser gut unterhalten werden. Parker prangert die Ursachen der Prostitution von Minderjährigen genauso an wie die verlogene Moral der Freier, die die Minderjährigen ausnützen. Der Regisseur Louis Malle hat mal eine Minderjährige zum „Pretty Baby“ hochstilisiert, doch der Film ist ebenso verlogen wie die Freiermoral.

Was mir diesmal fehlte, was die Action, die beispielsweise die „Stone“-Romane „Trouble in Paradise“ und „Stranger in Paradise“, aber vor allem die „Spenser“-Krimis zu liefern wissen. Außerdem fehlte mir die Erklärung für Billies nymphomanisches Verhalten und dessen Auslöser. Deshalb gibt es einen Punktabzug.

Der Leser sei ausdrücklich vor der verfälschenden TV-Verfilmung gewarnt. Sie verhinderte, dass ich diesen Roman so gut genießen konnte, wie ich von den „Stone“-Krimis gewohnt bin. Denn die TV-Bilder überlagerten immer wieder die Darstellung im Buch. Und letzten Endes widerspricht die Aussage des Films der Absicht des Autors. Während Parker mit dem Schriftsteller hart ins Gericht geht, ist im Film der Gangster der Böse – das Klischee ist mal wieder bestätigt.

|Taschenbuch: 289 Seiten
ISBN-13: 978-0425187067|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066

Parker, Robert B. – Trouble in Paradise (Jesse Stone 2)

_Großangriff mit Apache: Überfall auf die Insel der Reichen_

Polizeichef Jesse Stone bekommt es diesmal mit einem skrupellosen Räuber und dessen Bande zu tun. Nachdem sie den einzigen Zugang zu Stiles Island gesprengt haben, räumen die Räuber in aller Seelenruhe die Nobelvillen der Bewohner aus und plündern sogar deren Bankschließfächer. Der Haken: Sie müssen warten, bis die Flut kommt und ein Boot sie abholen kann. Zeit genug für Stone, um einzugreifen und die Geiseln zu befreien?

Dieser Roman wurde meines Wissens nach noch nicht übersetzt.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) „Family Honor“
2) „Perish Twice“
3) „Shrink Rap“
4) „Melancholy Baby“
5) „Blue Screen“
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

„Widow’s Walk“, „Potshot“, „Hugger Mugger“, „Potshot“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Jimmy Macklin ist ein Ganove, der frisch aus dem Gefängnis entlassen wurde und bereits Pläne für den nächsten großen Coup ausheckt. Im Knast hat er von einem „Kollegen“ erfahren, dass es auf Stiles Island eine ganze Reihe von Nobelvillen gebe, in denen sich etliche Wertsachen befänden. Und dann gebe es da noch die Bank. Viele der Bewohner der Insel, die dem Städtchen Paradise und ihrem Hafen vorgelagert ist, hätten dort ihre Preziosen, Wertpapiere und so weiter gebunkert.

Man müsste aber schon eine schlagkräftige Mannschaft zusammenbekommen, die es mit dem Sicherheitsdienst dort aufnehmen könne. Null Problemo, denkt Jimmy Macklin in den Armen seiner Freundin Faye. Die Jungs bekomme ich locker zusammen – ich muss ihnen nur genügend Anteil an der Beute versprechen. Einer der Jungs jedoch, der Apache Wilson Cromartie, genannt „Crow“, verlangt einen größeren Anteil: 20 Prozent oder die Sache läuft ohne ihn. Jimmy weiß, dass der Kontraktkiller mit und ohne Waffe alles töten kann, was sich bewegt. Geht also in Ordnung.

Macklin gibt sich bei der Immobilienmaklerin Marcy Campbell als Interessent aus, der sich auf Stiles Island niederlassen will. Er fängt sogar ein Verhältnis mit der schlanken, fitten Frau an. Doch Jimmy ist ein Adrenalinjunkie, der die Gefahr liebt: Er besucht sogar den Polizeichef Jesse Stone, um den Mann einzuschätzen. Der Dorfpolizist scheint wider Erwarten kein ahnungsloses Landei zu sein, und das beunruhigt ihn – ein klein wenig. Dem muss man eben Rechnung tragen.

Nachdem Crow Geld beschafft hat und die anderen Spezialisten – für Elektrik und Sprengstoff – ihr Zeug gekauft haben, sind Jimmy und seine Crew bereit. Sie ahnen nicht, dass Jesse Stone sie bereits beobachtet. Kam ihm gleich nicht koscher vor, dass dieser „Harry Smith“ angibt, aus Concord zu stammen, seinen Wagen aber auf eine Adresse in Charlestown zugelassen hat. Unter der angegebenen Adresse logieren auch noch andere Typen, darunter einer, der besonders zwielichtig aussieht.

Jesse lässt das Nummernschild des Lieferwagens prüfen, der vor dieser Wohnung steht. Er ist auf einen Wilson Cromartie aus Tucson zugelassen. Jesse stammt aus Tucson. Dort war sein Vater Polizist. Und Jesse hat dort immer noch Freunde, die ihn nun eindringlich davor warnen, es alleine mit Wilson Cromartie, genannt Crow, aufzunehmen. Das sei ein eiskalter Killer. Deshalb kreuzt Jesse mit zwei seiner Mitarbeiter vor Macklins Wohnung auf. Er findet nur Faye vor, die sich Rocky nennt. Der Vogel ist ausgeflogen. Aber wohin?

Um 10 Uhr am gleichen Morgen reißt die Verbindung zum Sicherheitsdienst von Stiles Island ab und alle Telefone lassen nur das Besetztzeichen ertönen. Als Jesse die Lage dort von zwei Angestellten prüfen lässt, fliegt ihr Streifenwagen mitsamt der Brücke in die Luft. Das verheißt nichts Gutes, weiß Jesse.

Und das ist erst der Anfang …

_Mein Eindruck_

Dieser zweite „Jesse Stone“-Krimi bietet dem Leser eine Menge Spannung und tödliche Action. Allerdings lässt sich der Autor, die Geschichte richtig zu erzählen. Er bereitet den Höhepunkt, der im letzten Drittel folgt, sorgfältig vor. Erst auf diese Weise tragen zwei Nebenhandlungen dazu bei, die menschliche Anteilnahme des Lesers am Geschehen sicherzustellen.

Beide Nebenhandlungen drehen sich um die Liebschaften des Polizeichefs. Wir wissen ja schon aus dem ersten Band „Night Passage“, dass Jesse Stone kein Kostverächter ist. Er fing eine Affäre mit der Anwältin Abby Taylor an, doch im Laufe der Handlung kam es zu einem Zerwürfnis: Sie konnte nicht akzeptieren, dass seine erste Priorität seinem Job gilt, und der beinhaltet eben manchmal, Menschen töten zu müssen. Jetzt will Abby diese Liebschaft wieder aufwärmen. Sie inszeniert in aller Öffentlichkeit einen leidenschaftlichen Kuss. Dies wiederum führt zu einem verhängnisvollen Missverständnis, denn automatisch gerät Abby ins Visier von Jimmy Macklin und seiner Freundin Faye.

Der Immobilienmaklerin Marcy Campbell ergeht es wenig besser. Macklin nimmt auch sie gefangen, in der Hoffnung, mit ihr als Geisel den Polizeichef erpressen zu können – auch sie gehört zu den Freundinnen Stones. Und als wäre das noch nicht genug, muss Stone auch noch mit seiner Ex Jenn und ihren eigenen Affären zurechtkommen.

Sein Privatleben ist also recht turbulent, denn er gibt keiner der Damen einen Korb. Jenn tritt dafür in aller Öffentlichkeit für Jesse ein – und zwar so schlagfertig, dass sie Jesses lauteteste Kritikerin Kay Hopkins eine in die Fresse haut. Jesse hat das zweifelhafte Vergnügen, seine eigene Ex in eine Zelle sperren zu müssen. Und dabei liebt er sie doch noch. Und wir lieben ihn, weil er all diese Schwächen hat und sich um alles Mögliche kümmern muss.

Mit Macklin hat der Autor hingegen eine Figur geschaffen, die gerne der perfekte Räuber sein möchte, aber dabei in die übliche Hybris verfällt. Crow drückt es klipp und klar aus: Gerade weil Macklin ein Adrenalinjunkie ist, macht er keine detaillierten Pläne – und muss sich dann mit den Folgen der Fehler herumschlagen. Einer davon besteht darin, vier Stunden lang darauf warten zu müssen, dass die Flut hoch genug ist, damit ein Schnellboot nahe genug an der Inselküste anlegen kann, dass Menschen zu ihm hinauswaten können. Und in dieser kritischen Wartezeit kann natürlich alles Mögliche passieren.

Es ist recht vorhersehbar, dass Jesse sich in einen Taucheranzug kleidet und zur Insel schwimmt, um dort mit Macklin abzurechnen. Aber es ist keineswegs vorauszusehen, was Faye mit Abby Taylor gemacht hat. Oder welche Pläne der schlaue Apache Crow im entscheidenden Augenblick in die Tat umsetzt. Das lässt Macklin nämlich ganz schön alt aussehen. (Und deshalb taucht Crow in dem Roman „Stranger in Paradise“ zehn Jahre später erneut auf – siehe dazu meinen Bericht.)

_Unterm Strich_

Ich habe diesen spannenden Roman an nur einem Nachmittag und Abend verschlungen. Die Geschichte ist ebenso erotisch wie actionreich mit zahlreichen feinen Szenen aufgezogen, die sich einerseits zu einem menschlich anrührenden Mosaik vereinen (Marcy, Abby, Jenn), als auch zu einer spannenden Entwicklung beitragen, die sich in Explosionen, Morden und Geiselnahme entlädt.

Für weibliche Leser ist das vielleicht ein wenig starker Tobak , aber die Leser der Jesse-Stone-Reihe sind vermutlich überwiegend Männer (im Gegensatz zur „Sunny Randall“-Reihe). Andererseits: Ein Kel, wie Stone, der die Frauen so liebt, kann einfach kein schlechter Typ sein – und vielleicht wird deshalb am Schluss auch (ganz sachte) abgeknutscht.

Ein Stückchen Sozialkritik soll nach all dieser Action und Erotik nicht unterschlagen werden. Jesses erster Fall dreht sich nämlich um drei Halbstarke, die im dringenden Verdacht stehen, das Haus eines Pärchens Schuler abgefackelt zu haben. Die Art und Weise, wie Jesse diesen Fall ohne jeden Beweis löst, ist zwar bewundernswert, stößt aber bei den Eltern der drei Tatverdächtigen und besonders ihren Anwälten (darunter Abby Taylor) auf wenig Gegenliebe. Im Gegenteil: auf heftigen Widerspruch.

Jesse Stone ist ein Kerl mit Ecken und Kanten und weit davon entfernt, perfekt zu sein, weder im Job noch in der Liebe. Wir lieben ihn dafür. Aber er tut, was er kann. Und das ist nicht wenig. Außerdem arbeitet er an seiner ehemaligen Ehe. Jeden Tag ein kleines Stückchen. Und Zwischenfälle wie auf Stiles Island sind in diesem Bemühen zwar störend, aber nicht wirklich von großer Bedeutung. Und Baseball bedeutet Jesse, wie man in „Death in Paradise“ lesen kann, wesentlich mehr als ein paar Ganoven.

|Taschenbuch: 324 Seiten
ISBN-13: 978-0399144332|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/putnam.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066

Parker, Robert B. – High Profile (Jesse Stone 6)

_Aufgehängt: ein TV-Promi auf Liebesabwegen_

Ein umstrittener Talkshow-Moderator und Freund des Gouverneurs wird tot in einem öffentlichen Park von Paradise, Massachusetts, aufgefunden: Mit drei Kugeln in der Brust, den Hals in einer Henkersschlinge, hängt er an einem Baum. Chief Jesse Stone ahnt nichts Gutes. Wenig später findet eine Restaurantbesitzerin die tote Freundin des Moderators in ihrem Müllcontainer. Sie posaunt ihren Fund gleich hinaus an die versammelte Presse.

Nicht nur die Medien üben nun Druck auf Stone aus, sondern auch das Büro des Gouverneurs, das über jeden seiner Ermittlungsschritte informiert werden will. Zu allem Unglück wird auch noch Stones Freundin und Exgattin Jenn vergewaltigt und beschattet, just zu der Zeit, da sich Stone mit der Privatdetektivin Sunny Randall (siehe die entsprechenden Krimis) zusammentun will. Es herrscht ein mittleres Chaos in Stones Leben, und nur mit viel Hilfe kann er es bewältigen – und den Fall lösen.

Auch dieser „Stone“-Krimi wurde noch nicht übersetzt, und auch eine Verfilmung existiert meines Wissens nach nicht.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) „Family Honor“
2) „Perish Twice“
3) „Shrink Rap“
4) „Melancholy Baby“
5) „Blue Screen“
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

„Widow’s Walk“, „Potshot“, „Hugger Mugger“, „Potshot“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Der Indian Hill bietet normalerweise einen prima Ausblick über den Hafen von Paradise, Massachusetts. Heute ist der Anblick des Indian Hill interessanter, wenn auch hässlicher: An einem Baum baumelt eine Leiche. Kate Mahoney entdeckte ihn beim Joggen und alarmierte die Polizei. Nun fürchtet sie Ärger. Chief Jesse Stone versichert ihr, sie werde keinen Ärger bekommen, und hält sich die Nase zu: Die Leiche des Toten stinkt wie eine überreife Frucht. In der Brust des Toten: Drei Einschusslöcher. Aber nirgendwo Blut. Offensichtlich wurde er woanders getötet.

Die Rechtsmedizin identifiziert den Toten: Walton Weeks war ein bundesweit bekannter Talkshow-Moderator im Fernsehen, ein Moderator im Radio und ein Kolumnist in zahlreichen Zeitungen – ein Promi. Stone und seine Crew ahnen, was jetzt auf sie zukommt: ein Medienzirkus ohnegleichen. Jesse verdonnert Molly Crane dazu, die obligatorischen Pressekonferenzen abzuhalten. Er zieht es vor, zu ermitteln und hinter den Kulissen aktiv zu werden.

Da Walton Weeks ein enger Freund des Gouverneurs von Massachusetts war, schneit auch ein Bürokrat aus dessen Büro herein. Der Typ fordert von Stone, über jeden Ermittlungsschritt auf dem laufenden gehalten zu werden, geradeso als hätte er in Paradise etwas zu sagen. Stone lässt ihn abblitzen.

Am nächsten Tag bahnt sich Daisy Dyke, die lesbische Restaurantbesitzerin von nebenan, den Weg durch die Pressemeute. Sie habe etwas im Müllcontainer hinterm Haus entdeckt. Diskret schaut sich Jesse dort um: Eine Frauenleiche liegt im Container, mit einem Loch in der Brust. Später informiert ihn die Rechtsmedizin, dass sie in der zehnten Woche schwanger war – Weeks war der Vater. Es handelt sich um seine persönliche Assistentin Carey Longley.

Weeks hatte einen Bodyguard, einen Ex-Cop namens Conrad Lutz. Seltsamerweise war dieser gerade zum Zeitpunkt des Verschwindens von Weeks und Longley von seinen Pflichten entbunden worden, wie Lutz zu Protokoll gibt. Stone wird den Leibwächter schon bald noch öfter sehen.

Nach ein paar Tagen wundert sich Stone, warum die Verwandten von Weeks und Longley nicht nach den Leichen fragen, um sie beerdigen. Bei einem Treffen mit den „Interessenvertretern“ lernt Stone in New York City die aktuelle Gattin, deren Vorgängerin (die erste Gattin lebt in Italien), den Rechercheur von Weeks, den Manager und den Anwalt kennen. Eine Menge Leute, die nun womöglich arbeitslos werden. Oder doch nicht? Und wer wird überhaupt wie viel erben? Auch das wird Stone noch herausbringen, um auf ein Motiv zu stoßen: Diese Leute können das Weeks-Unternehmen ohne Weiteres weiterführen – eine wahre Goldgrube.

Allerdings hält ihn vorderhand seine Exfrau Jenn in Atem: Sie sagt, sie sei vergewaltigt worden, können aber nicht sagen, von wem, und sie werde beschattet, könne Jesse aber nicht sagen, von wem. Ein wenig mysteriös findet der gestresste Dorfpolizist und schaltet seine neue Freundin, die Privatdetektivin Sunny Randall aus Boston, ein. Die verspricht, sich Jenns anzunehmen, denn über solche Dinge könnten „Schwestern“ eben viel besser sprechen als Männer. Das ist Stone umso lieber. Schon bald stellen sich erste Informationen darüber ein, um wen es sich bei dem Stalker handelt.

Eine Frage nagt an Jesse: Was hatten Weeks, der Schürzenjäger, und seine schwangere Freundin eigentlich in Paradise zu suchen? Er weiß inzwischen, dass Weeks hier in seiner frühen Jugend die „beste Zeit seines Lebens“ verbracht hat, bevor etwas Einschneidendes geschah, das Weeks‘ Sexualität grundlegend veränderte, etwas, das mit seiner Mutter zu tun hatte. Wollten sich die beiden Turteltauben hier häuslich niederlassen?

Jesse fragt seine alte Flamme, die Immobilienmaklerin Marcy Campbell, und die findet heraus, dass Carey Longley unter ihrem Mädchennamen Young auf Stiles Island ein Haus kaufte, auf der Atlantikseite: für über vier Millionen. Als sich Jesse in dem Haus umschaut, findet er im begehbaren Kühlschrank der noblen Hütte eine erste Spur. Jetzt ahnt er, was der oder die Mörder vorhatten …

_Mein Eindruck_

Wie so oft verknüpft der Autor auch hier wieder zwei Kriminalfälle, denen Chief Stone nachgehen muss. Stone arbeitet zwar nach dem Prinzip „In der Ruhe liegt die Kraft“, aber selbst er droht diesmal ins Schleudern zu geraten: Es ist seine eigene Exfrau, die eines der Opfer ist. Er hat zu der Frau, die ihn schon mehrfach betrogen hat, ein gespaltenes Verhältnis, liebt sie aber dennoch.

Aber was tut ein Chef am besten, wenn er in Zeitnot ist? Er delegiert die Aufgabe. Die Glückliche und Freundliche ist diesmal Sunny Randall, eine Privatdetektivin aus Boston, die in bislang sechs Romanen des Autors aufgetreten ist. Sie ist kompetent, möchte Jesse zum Freund, hat aber noch eine emotionale Hypothek: Richie, ihr erster Gatte – und obendrein ein Mafioso. Sie bringt heraus, was wirklich hinter dem Stalker steckt – eine weitere zerbrochene Beziehung als Konsequenz aus Jenns notorischem Fremdgehen.

Wieder mal kommt Jesses Psychotherapeut Dix zu seinem Recht. Und Jesse hat eine Erleuchtung: Jenn benutzt Sex, um ihre Karriere zu fördern. Aber warum kommt sie dann immer wieder zu Jesse zurück? Es ist noch eine Erleuchtung fällig, bevor Jesse (im nächsten Krimi „Stranger in Paradise“) angemessen auf Jenns zwiespältiges Liebesverhalten eingehen kann. Wie so oft in Beziehungen geht es um die Balance zwischen Vertrauen und Kontrolle, zwischen Selbsthauptung und Hingabe. Jesse und Jenn – sie sind das seltsamste Liebespaar, das mir je in der Krimiliteratur untergekommen ist, und sie wissen, wie seltsam sie sind. „Aber gut seltsam.“ Genau.

|New Yorker Connection|

Dafür geht die Ermittlung über Walton Weeks nur mit Mühe und unter Aufbietung aller Personalressourcen voran. Hierbei tut sich nicht nur Molly Crane hervor, sondern besonders Suit Simpson. Er will es endlich zum Detective, also zum Mordermittler, bringen und detektiert, was das Zeug hält. Obwohl Jesse Suit immer wieder mit Bedauern sagt, dass die Stadt kein Geld für einen Detective hat, lobt er Suit in den höchsten Tönen: Er werde eines Tages gewiss der „Chief of Detectives“ sein.

Suit detektiert beispielsweise, dass Conrad Lutz der geschiedene Gatte der jetzigen Witwe Weeks ist. Und Lorrie Weeks hieß früher mal Lorrie Pilarcik, bevor sie Lutz heiratete. 1987 war es Lutz, der als Cop in Baltimore den notorischen Schürzenjäger Walton Weeks auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums festnahm: wegen öffentlichen Bumsens einer Neunzehnjährigen. Deshalb wurde Weeks überhaupt aktenkundig und durfte demzufolge keine Waffenlizenz bekommen. „Interessant, nicht?“ Jesse bestätigt: „Höchst interessant. Aber was hat das mit dem Doppelmord zu tun?“

In der Folge geschahen zwei Dinge: Lutz gab seinen Cop-Job auf und wurde Weeks‘ Leibwächter. Und Lorrie ließ sich 1987 von Lutz scheiden, um nur 15 Tage später Weeks zu heiraten. In Las Vegas erfolgen Scheidungen bereits nach sechs Wochen Aufenthalt. Könnten die beiden Weeks erpresst haben? Vielleicht mit seinem abwechslungsreichen Liebesleben? Oder hatten sie es bereits damals auf sein florierendes Medienimperium abgesehen – das wäre noch herauszubringen.

Doch wie so häufig in Stones Polizistenleben gibt es auch diesmal lediglich einen Berg von Indizien, aber keinen einzigen Beweis. Deshalb verlegt sich Jesse jetzt auf Social Engineering: Beobachten, Fakten sammeln und jemanden derart unter Druck setzen, bis er oder sie die Wahrheit ausspuckt. Auch wenn Jesse und Suit dabei die Grenzen der Legalität ein wenig, ähem, großzügig auslegen.

Sie fahren nach New York zu Lorrie und ihren Konsorten. Schon bald ergeben sich zahlreiche Anhaltspunkte, mit denen sich ihr Social Enginnering ausgezeichnet in die Tat umsetzen lässt, mit Unterstützung der New Yorker Polizei, versteht sich.

_Unterm Strich_

Ich muss zugeben, dieser „Stone“-Krimi hat mich ein wenig enttäuscht. Es gibt weder Action (wenn auch einen Showdown) noch schlüpfrige Sexszenen wie in den ersten „Stone“-Krimis oder in den „Spenser“-Abenteuern. Dafür leuchtet der Autor ein wenig in die oberen Etagen des Big Apples und des Gouverneurspalastes, aber das war auch schon alles. Ich wusste ja schon vorher (aus „Paper Doll/Schmusepuppe“), dass Parker keinen Respekt vor hohen Tieren hat, und er hat mich auch diesmal nicht enttäuscht: Der Gouverneur erscheint wie eine Witzfigur, die nur Bullshit redet.

Viel mehr hätte mich interessiert, wie aus dem netten Jungen Walton Weeks ein obsessiver Schürzenjäger wurde. Was hat ihm seine Mutter angetan, dass er so geworden ist, fragt sich der Leser. Parker speist ihn mit ein paar allgemeinen Andeutungen ab. Hier hat der Parker das Thema Kindesmissbrauch offenbar nicht weiter vertiefen wollen, und das, obwohl er doch dieses Thema in „Sea Change“ (einen Roman zuvor) intensiv beackert hatte.

Walton Weeks erscheint im Nachhinein wie eine tragische Figur: Nach drei Ehen ohne Nachwuchs gelingt es ihm, mit seiner Assistentin ein Kind zu zeugen, will sich scheiden lassen und mit ihr in Paradise eine Familie gründen. Doch man lässt ihn nicht, aus rein egoistischen Gründen, wie so oft. Es ist im Grunde die traurige Lebensgeschichte eines Mannes, der keineswegs ein Dummschwätzer oder Provokateur ist, sondern zum politischen Bewusstsein der Nation beitrug. Der Autor stellt uns die Frage, was einem Promi wie Weeks zum Verhängnis werden konnte. Diese Frage ist weder ironisch, noch sarkastisch oder gar hämisch gestellt, sondern aus menschlichem Interesse.

|Taschenbuch: 280 Seiten
ISBN-13: 978-0425206096|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066

Parker, Robert B. – Sea Change (Jesse Stone 5)

_Porno, Video, Mord: verhängnisvolle See_

Die Leiche einer geschiedenen Millionenerbin aus Florida wird an den Stränden von Paradise, Massachusetts, angespült. Nachdem die Identität der von Meeresgetier verunstalteten Frau festgestellt worden ist, beginnt Chief Jesse Stone die perversen Geheimnisse des Opfers zu entdecken – und die einer Vergangenheit, die jeden, der sie kannte, in ein verdächtiges Zwielicht rückt, von ihren Freunden bis hin zu ihrer Familie. Leider ist keiner bereit zu reden, und so ist es Stones Aufgabe, für die Tote zu sprechen. Was er zu sagen hat, gefällt ihm mit jeder Wendung der Ermittlung immer weniger …

Diese Folge der „Stone“-Krimis wurde fürs Fernsehen verfilmt, allerdings in stark gekürzter Form. Dieses Buch wurde noch nicht ins Deutsche übersetzt.

Hinweis: Das englische Wort „sea change“, das Shakespeare erfand, bezeichnet eine profunde oder merkliche Transformation.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) „Family Honor“
2) „Perish Twice“
3) „Shrink Rap“
4) „Melancholy Baby“
5) „Blue Screen“
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

„Widow’s Walk“, „Potshot“, „Hugger Mugger“, „Potshot“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

|PROLOG|

Es ist bereits Nacht geworden, als das Segelboot vor der Bucht von Paradise, Massachusetts, kreuzt und an Stiles Island entlanggleitet. Florence Horvath ist mit der Person am Steuer allein an Bord, um einen schönen Tag mit ihr zu verbringen und sich auszusprechen. Sie soll etwas an der Reling überprüfen und sie begibt sich hin. Da vollführt die Person ein Wendemanöver, der Mastausleger trifft Florence am Körper, sie fällt über Bord. Obwohl es dunkel ist, kann sie doch die Lichter des Bootes sehen, sobald sie wieder auftaucht. Sicher nur ein Unfall, und die Person wird sie gleich wieder an Bord holen. Doch als das Boot zurückkehrt, dreht es nicht bei, sondern pflügt Florences Körper geradewegs unter Wasser …

|Haupthandlung|

Zwei bis drei Wochen später beginnt die Paradise Race Week, die jährliche Segel-Regatta in Paradise. Sie dauerte früher mal zwei Wochen, eine für die kleinen Boote, die Zweite für die großen Jachten. Doch seit einigen Jahren dauert sie vier Wochen, und die Segler nehmen die Gelegenheit wahr, sich zu besaufen, die Sau rauszulassen und aus Paradise einen Saustall zu machen.

|Die Leiche|

Kaum hat Chief Jesse Stone ein paar junge Typen wegen Urinierens in einen städtischen Brunnen in die Ausnüchterungszelle gesteckt, als er von der Frauenleiche erfährt, die im Hafenbecken angespült wurde. Weil die Meerestiere sie angeknabbert habe, lässt sie sich nicht identifizieren. Wenig später meldet ein Liegeplatzvermieter ein fremdes Boot, und an Bord dieses Bootes findet sich der Führerschein der Unbekannten: Florence Horvath. Sie stammt aus Fort Lauderdale bei Miami, Florida.

Auf seine Bitte hin nimmt Kelly Cruz, eine Privatdetektivin, die Ermittlung dort auf. Und Captain von der Mordkommission der Staatspolizei von Massachusetts hilft ihm, weil Stone nur so eine kleine Dorftruppe hat. Cruz stellt sich als erstaunlich fähig heraus. Florence E. Horvath stammt aus einer Milliardärsfamilie, der eine Handelskette gehört. Ihr Geburtsname lautete Florence Plum. Sie hat zwei Geschwister, Corliss und Claudia, die nach Angaben der Eltern in Europa reisen.

|Das Video|

Und Cruz schickt Stone eine Videokassette mit brisantem Inhalt: Ein Heim-Porno. Dieses Video habe sie in Florences Wohnung in Fort Lauderdale gefunden. Es zeigt Florence beim Sex mit zwei Männern zugleich. Sie bilden ein sogenanntes Sandwich. Die Frau schaut der Kamera direkt in die Linse – sie will, dass ihr Gesicht zu sehen ist. Was Chief Stone aber mehr interessiert: Wo und von wem wurde dieses Vdeo gedreht?

Zum Glück braucht Stone nur zwei und zwei zusammenzuzählen. Die Millionenerbin kam wahrscheinlich an Bord einer Segeljacht aus Florida nach Paradise, mit einem ebenso betuchten Kapitän. In der Liste der an der Regatta teilnehmenden Boote finden sich nur drei Kandidaten, und die klappert Stone nacheinander ab. An Bord der Jacht von Harrison Darnell kommt es zu einem Zwischenfall.

|Der Playboy|

Der weithin als Playboy bekannte Besitzer der „Lady Jane“ weigert sich, den Cops den Zutritt zu den Räumen unter Deck freizugeben. Stone lässt ihm Handschellen anlegen und schaut sich dennoch kurz um. Er bemerkt die Sitzbank mit den gelben und blauen Streifen, die er auf dem Video gesehen hat – und einen Messingaffen. Dessen langer Schweif ist auf dem Video ebenso zu sehen. Nun braucht Stone nur noch eine Gelegenheit, um das Boot genauer unter die Lupe zu nehmen. Die gegenwärtige „Mätresse“ Darnells bestätigt Stones Verdacht: Florence Horvath war an Bord. Doch was stieß ihr zu – Unfall oder Mord – und von wem?

|Die Schwestern|

Unerwartet tauchen die beiden Schwestern der Toten bei ihm auf. Corliss und Claudia sind Zwillinge und bildhübsch, wenn auch aufreizend gekleidet. Sie bewegen sich nicht etwa in Europa, sondern in den gleichen Kreisen wie Florence, hier an der amerikanischen Ostküste, auf Partys, wo es viel Koks gibt und noch mehr Sex. Stone merkt gleich, dass sie nichts als Luft in der Birne haben.

Als sie behaupten, sie wollten herausfinden, wer Florence auf dem Gewissen habe, gibt er ihnen die Nummer von Staatsanwältin Rita Fiore (mit der Stone schon mal ein paar Nächte verbracht hat), die die beiden Schnepfen an einen bekannten Privatdetektiv in Boston weitervermitteln könne (Stone denkt an Spenser). Allerdings wird nichts aus der Sache, denn sie weigern sich, den Namen des Verdächtigen rauszurücken, den der Detektiv suchen soll.

Allerdings verplappern sie sich und verraten den Namen derjenigen Person, durch die sie überhaupt von Florences Tod erfahren haben wollen. Kimmie Young. Diese frühere Jugendfreundin erweist sich in Kelly Cruz‘ Ermittlungen als Goldgrube, allerdings auch als Fährte ins Herz der Finsternis …

_Mein Eindruck_

Was läge für den Polizeichef eines Hafenstädtchens näher, als auf Verbrechen an Bord von Booten zu stoßen? Das dürfte auch den Leser nicht verwundern. Was jedoch das Besondere an diesem Fall ausmacht, ist die vielfältige Art der Verbrechen. Dass an Bord eines Bootes ein Porno gedreht wird – na, wenn schon? Dass der Bootsbesitzer sämtliche Räume an Bord verkabelt hat und die Fahrgäste heimlich beim Duschen, Ausziehen und Vögeln filmen lässt, das ist ja nichts Ungesetzliches. Heikel und relevant wird die Sache erst, als eine Minderjährige (also unter 16 Jahren) vergewaltigt und dabei gefilmt wird. Das gibt Jesse Stone einen Anlass, gegen den Täter einzuschreiten.

|Ins Herz der Finsternis|

Aber Stone hat die Chance, einen viele dickeren Fisch zu fangen: Er könnte diesen Bootsbesitzer – Harrison Darnell oder seinen Playboy-Kumpel Tom Ralston – auch wegen Mordes an Florence Horvath drankriegen. Das ist er dem Opfer schuldig. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt: Die Ermittlung, die Kelly Cruz vorantreibt, führt zu weitaus überraschenderen Ergebnissen als der Fall der vergewaltigten Minderjährigen. In Fort Lauderdale findet Jesse endlich seinen Mörder. Mehr darf nicht verraten werden.

Jesse hat ein echtes Problem mit den Sexorgien an Bord der Playboy-Jachten. Nicht etwa, weil die Superreichen und ihre Tussis auf ihn an Dorfpolizist herabblicken, wie sie es nun mal tun, sondern weil in den Aktivitäten an Bord regelmäßig Mädchen verwickelt sind, die dazu verführt werden: Ausreißerinnen, Abenteurerinnen, aber auch brave Dorfmädchen aus Paradise. Kelly Cruz deckt eine ganze Szene bzw. Industrie für diese Aktivitäten auf, bei der nicht bloß Pornos gedreht werden und Kokain geschnupft wird. Es kommen auch Menschen dabei um.

|Falltüren|

Wurde mir allmählich schon ein wenig mulmig angesichts dieser Erkenntnisse Stones, so öffnet sich im Anschluss eine Falltür nach der anderen, als sich Stone der beiden Schwestern von Florence annimmt. Corliss und Claudia haben weitaus mehr Dreck am Stecken, als sie zugeben würden: Sie waren es, die das Pornovideo mit ihrer Schwester gedreht haben – und findet das auch noch sehr witzig. Aber worin der Zweck dieser Übung bestand und wem Florence es zuschickte, verschweigen sie hartnäckig. Als Jesse es ihnen sagt, brechen sie zusammen. Was haben sie zu verbergen und wovor haben sie Angst?

Die furchtbare Geschichte der jahrelang missbrauchten Plum-Geschwister gelangt schließlich an einen Punkt, an dem ich tatsächlich Angst vor weiteren entsetzlichen Enthüllungen hatte. Die Spirale des Grauens war schon weit fortgeschritten, aber die Wahrheit über Florences Tod immer noch nicht erreicht. Dieser Spannungsbogen bleibt bis zum Schluss erhalten.

|Gegenbewegung|

Der einzige Grund, warum diese zunehmend finsterer werdende Geschichte erträglich ist, besteht in dem aufsteigenden Handlungsstrang um Jesse und seine Exfrau Jenn, die wieder bei ihm eingezogen ist. Die beiden scheinen sich wieder zu verstehen, und seit Jesse regelmäßig zum Psychotherapeuten Dix (im TV-Film von Filmlegende William Sadler gespielt) geht, traut Jenn ihrem Ex auch zu, dass er nicht wieder dem Alkohol verfällt und schlimme Dinge tut. Nur Jesse hat ein Problem: Kann er seiner Exfrau, die ihn schon mehrfach betrogen hat, überhaupt noch vertrauen? Mehr dazu erfahren wir im nächsten „Stone“-Roman mit dem Titel „High Profile“.

_Unterm Strich_

Die TV-Version reicht nur im Ansatz an dieser Vorlage heran. Das Buch gehört mit Sicherheit zu den besten „Stone“-Krimis, die Parker veröffentlicht hat (es kommen ja noch welche posthum), und für mich hat der Krimi die volle Punktzahl verdient. Er ist enorm spannend, menschlich anrührend und weckt wie kein anderer Parker-Krimi, den ich kenne, ein tiefes Grauen, wie es nur ein guter Horrorroman vermag. Denn alle drei Plum-Schwestern sind Opfer, auch wenn sie als leichtlebige Partygirls auftraten und Sex nur zum Vergnügen betreiben. Doch wird ihre Fassade erst einmal durchbrochen, erweisen auch sie sich als menschliche Wesen, voll Angst und Schrecken.

Die Geschichte wäre nicht auszuhalten, gäbe es nicht auch Anlass zu Hoffnung und Amüsement. Jenn ist zu ihrem Exgatten Jesse Stone zurückgekehrt und darf nicht bloß als Wetterfee auftreten, sondern diesmal sogar eine richtige Reportage über die Regatta drehen. Dabei liefert sie Jesse wertvolle Hinweise. Und der Polizeichef kabbelt sich wie stets mit seinen zwei Lieblingskollegen, dem ehrgeizigen Suit Simpson und der resoluten Molly, einer Mutter von drei Kindern.

Dies ist auch der erste der „Stone“-Krimis, in dem mindestens ein Drittel der Handlung nicht von Stone & Co. bestritten wird, sondern von einer hinzugezogenen Hilfskraft. Kelly Cruz macht allerdings in Fort Lauderdale einen so guten Job, dass sie Stones Ermittlung eine entscheidende Wendung verleiht. Am Schluss, als Stone sie endlich mal trifft, lobt er sie in den höchsten Tönen – was bei einem Melancholiker ihm wie stets ein wenig gedrückt klingt. Wegen dieser Kooperation verwundert es nicht, dass Jesse auch mit Sunny Randall Teamarbeit leistet, einen weiteren von Parkers Serienhelden. In „High Profile“ tritt Sunny selbst auf. Sieht so aus, als müsste ihr ihre Romane ebenfalls noch lesen.

|Taschenbuch: 295 Seiten
ISBN-13: 978-0425214428|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066

Parker, Robert B. – Night Passage (Jesse Stone 1)

_“Rio Bravo“ reloaded: Jesse Stone feiert seinen Einstand_

Jesse Stone hat Scheidung und LAPD hinter sich in L. A. gelassen, um einen Job als Dorfsheriff an der Ostküste anzunehmen. Der Grund: Er hat ein schweres Alkoholproblem. Doch auch in den Städtchen Paradise steht nicht alles zum besten, und schon bald muss Jesse Stone das tun, was er am besten kann: Morde aufklären.

Deutscher Titel: „Das dunkle Paradies“.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) „Family Honor“
2) „Perish Twice“
3) „Shrink Rap“
4) „Melancholy Baby“
5) „Blue Screen“
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

„Widow’s Walk“, „Potshot“, „Hugger Mugger“, „Potshot“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Jesse Stone fährt quer durch Amerika, die ganzen 3000 Meilen, von Ozean zu Ozean. Vor sich hat er den Horizont, hinter dem das Städtchen Paradise in Massachusetts auf ihn wartet. Dort soll er neuer Sheriff werden. Hinter sich lässt er eine geschiedene, aber immer noch geliebte Frau namens Jenn, die ihn mit einem Filmproduzenten betrogen hat. Jenn will um jeden Preis Schauspielerin werden.

Und er lässt die Mordkommission des LAPD hinter sich, bei dem er durch seine Kündigung einer Entlassung zuvorgekommen ist. Denn Jesse hat ein großes Problem, das er auch jetzt mit sich nimmt: Er ist schwer alkoholabhängig. Doch die Anonymen Alkoholiker fand er einen Witz. Immerhin dachten die Stadtoberen von Paradise, die ihn in Chicago interviewten, einen annehmbaren Ersatz für seinen Vorgänger Tom Carson. Was Jesse nicht ahnt, ist der Umstand, dass Hastings Hathaway, der Bürgermeister, und Lou Burke, der Interims-Sheriff, Jesse für ebenso leicht formbar halten wie Carson. In dieser Annahme sollen sie sich gründlich geirrt haben.

Schon wenige Tage nach seiner Amtseinführung fallen Stone einige Besonderheiten an Paradise auf: Es gibt keinen einzigen Schwarzen in der Stadt, und Waffen dürfen nur Christen tragen, nicht aber Juden – von denen es nicht wenige gibt. Außerdem scheint die Miliz, die Hathaway, der Bankdirektor, anführt, das Monopol auf Waffen zu haben. Diese über hundert Mann führen unter seiner Leitung jeden Donnerstag Manöver im Hinterland durch, bei denen gehörig geballert wird. Was das alles soll, ist Stone jedoch erst einmal schleierhaft. Er wird schon noch merken, wie der Hase läuft.

Hathaway hat einen zwielichtigen Handlanger, einen Mann fürs Grobe, den Muskelprotz Jo Jo Genest. Jo Jo ist sein Verbindungsmann zur Mafia in Boston, für die Hathaway Millionen von Dollars wäscht. Jo Jo schleppt das Bargeld in Koffern zu Hathaways Bank, der es dann legalisiert. Beide kriegen natürlich ihre Prozente. Als der Bankdirektor seine Miliz aufrüsten will, an wen wendet er sich da? Natürlich an Genest. Der soll bei der Mafia Waffen besorgen. Wie sich herausstellt, verläuft dieser Deal nicht ganz wie gewünscht. Und das gibt böses Blut.

Schon nach wenigen Tagen bekommt auch Jesse es mit Genest zu tun. Die Cops wurden gerufen, weil Jo Jo seine geschiedene Frau Carole verprügelt hat. Obwohl eine gerichtliche Anordnung ihm das Betreten des Hauses verbietet. Er hat Carole mehrfach vergewaltigt. Das ficht ihn nicht an, denn er betrachtet die Mutter seiner Kinder immer noch als sein Eheweib. Nach Befragung aller Zeugen geht Jesse ganz schnell und direkt vor, denn Jo Jo versteht nur eine Sprache: Gewalt. Kaum hat ihm Stone das Knie in den Schritt gerammt, klappt der Muskelprotz wimmernd zusammen. Alle Umstehenden sind wie erstarrt. Aber Stones Warnung kommt bei Genest an und wirkt. Der Typ hält sich von nun an von Carole fern. Dafür hat sich Stone seinen ersten Feind im Ort geschaffen.

Aber das hat auch sein Gutes. Denn die Anwältin Abby Taylor, der Rechtsbeistand der Gemeinde, verliebt sich in Jesse und verbringt bei ihm schöne Nächte. Jedenfalls so lange, bis sich die Dinge in Paradise durch weitere Morde so weit verfinstert haben, dass Stone niemand mehr trauen kann, nicht einmal mehr Abby. Sie ist tief getroffen und kurz davor, ihn zu verlassen. Aber sie respektiert ihn zu sehr und unterstützt ihn weiter. Diese Hilfe wird ihm noch sehr helfen.

Denn er erfährt, dass sein Vorgänger Tom Carson in Wyoming durch eine Autobombe getötet wurde. Das ruft die Staatspolizei von Massachusetts auf den Plan. Captain Healy findet Stone voll in Ordnung – sie waren beide Baseballer und lieben beide guten Whisky. Und als Tammy Portugal, eine junge geschiedene Frau, tot aufgefunden wird, kann Stone Healys Hilfe gut gebrauchen.

Ein Killer treibt in Paradise sein Unwesen. Natürlich kennt Stone seinen Namen. Doch er kann ihm nichts nachweisen. Da flattern eines Tages pornografische Polaroidfotos in die Briefkästen einiger maßgeblicher Leute. Die Fassade bröckelt, und endlich bekommt Stone die Aussagen, die er braucht. Doch er braucht mehr als das, um gegen die Kräfte zu bestehen, die sein Kontrahent nun aufbietet …

_Mein Eindruck_

Ist das nun „High Noon“ oder „Rio Bravo“, fragt sich der Western-Kenner. Denn ganz am Schluss steht Sheriff Stone einer Übermacht gegenüber. Jetzt zeigt sich, ob er sich mit seiner Amtsführung und als Mensch nur Feinde gemacht hat – das wäre dann „High Noon“ – oder auch Freunde. Wie sich zeigt, läuft es wie in „Rio Bravo“: Nicht ganz unerwartet kommt nicht nur die Kavallerie, sondern die ganze Polizeitruppe von Paradise an seine Seite. Viel unerwarteter ist die Hilfe seitens einer Schülerin, mit der Jesse ein paar sehr unkonventionelle Gespräche geführt hat, etwa übers öffentliche Marihuanarauchen. Und auch Abby Taylor spielt eine Rolle in diesem Beistand. Am Schluss bekommt Jesse auch noch einen Überraschungsbesucher aus L. A.

Wie man sieht, weiß der ausgebuffte Krimiautor – er schrieb den Roman mit 65 – durchaus noch mit einigen Wendungen aufzuwarten, die man nicht unbedingt erwarten würde. Wer „Rio Bravo“ kennt, der ahnt allerdings bereits, wie die ganze Sache für Sheriff Stone ausgehen wird. Eine der Nebenfiguren heißt sogar Dukie, und Duke war bekanntlich der Spitzname von John Wayne, der in „Rio Bravo“ die Hauptrolle spielte – neben einem ständig besoffenen Robert Mitchum. Was einen dann doch stark an Stone erinnert.

Ich habe den Verdacht, dass die Ermittlung gar nicht das Hauptinteresse des Autors war, sondern vielmehr die Abgründe, die sich hinter der wohlanständigen Fassade von Paradise auftun. Der Bürgermeister macht Geschäfte mit der Mafia und handelt, als gehörte die Stadt ihm. Als ihm die Sache mit seiner Geliebten – wie will geheiratet werden – zu brenzlig wird, lässt er sich kurzerhand umlegen. Nicht nett. Ebenso wenig nett wie die Affären, die seine frustrierte Frau Cissy nicht nur mit Jo Jo, sondern auch mit einem der Polizisten hat.

Alles hat zwei Seiten in Paradise. Die öffentliche Fassade der Wohlanständigkeit schreibt zwar vor, dass die Miliz bei der Parade am Unabhängigkeitstag auftritt, um den Stolz der Stadt zu vertreten, aber die Miliz kann sich im Handumdrehen auch in eine Gestapo von Hathaways Gnaden verwandeln. Die Rechte der Juden hat er bereits beschnitten und die Schwarzen erst gar nicht in die Gemeinde gelassen. Hathaway, König des Paradieses von eigenen Gnaden, will ein christliches, weißes, protestantisches Paradies – und das schließt auch paranoide Verfolgungstheorien mit ein, vor allem gegenüber der Regierung, und auch Geschäfte mit der Mafia. Hauptsache, der hehre Zweck heiligt die schmutzigen Mittel.

Jesse Stone hat allerdings Dienst im härtesten Stadtviertel von Los Angeles getan, in South Central. Für ihn sind solche Typen wie Genest oder Hathaway kleine Fische. Dennoch hat er ein gewaltiges Handicap: Paradise bedeutet für ihn mit 35 Jahren bereits die berufliche Endstation. Wenn er es hier nicht schafft, dann nirgendwo. Wir und Paradise können also froh sein, dass er seine erste Krise gut übersteht und noch viele weitere Fälle lösen kann.

_Unterm Strich_

Es gibt nicht viele Krimihelden, von denen man sagen kann, dass sie wirklich sinnlich veranlagt sind, aber Jesse Stone ist so einer. Ein weiterer Unterschied zum TV-Helden, der von Tom Selleck verkörpert wird. Herrje, im Buch ist Stone ja erst Mitte dreißig und nicht etwa Mitte fünfzig wie Selleck. Trotz seiner zahlreichen Affären kommt Stone doch noch zu ordentlicher Polizeiarbeit, und diesmal fordert eine Mordserie seine – beinahe ungeteilte – Aufmerksamkeit.

Es hat actionreichere Ermittlungen gegeben und wesentlich spannendere Kriminalszenen, aber selten welche, die so ironisch erzählt wurden. Die Ironie ist in diesem ersten „Stone“-Krimi noch nicht so ausgeprägt und pointiert wie in späteren Romanen, etwa „Stone Cold“ (2003). Auch die Erzählweise setzt noch viel mehr auf lange Beschreibungen von Umgebung, Menschen und Aktionen als später. Dafür erfahren wir aber viel mehr über den Menschen Jesse Stone und sein Innenleben.

Wer also mit den „Stone“-Krimis den Autor Robert B. Parker enrtdecken möchte, sollte möglichst mit „Night Passage“ beginnen. Fast alle Parker-Krimis sind auch auf Deutsch erhältlich, allerdings bei verschiedenen Verlagen. Zum Glück gibt es a) eine Autoren-Homepage und b) zahlreiche deutsche Rezensionen.

|Taschenbuch: 322 Seiten
ISBN-13: 978-0399143045|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/putnam.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066

Parker, Robert B. – Stone Cold (Jesse Stone 4)

_Trouble im Paradies: Stone ist echt sauer_

Ein etwas durchgeknalltes Killerpärchen aus der Großstadt macht Jesse Stone, dem Sheriff des Küstenstädtchens Paradise, Massachusetts, das Leben schwer. Und zwar so schwer, dass sogar seine Exfreundin Abby ins Gras beißen muss. Kann Stone die beiden überführen und Abby rächen?

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) „Family Honor“
2) „Perish Twice“
3) „Shrink Rap“
4) „Melancholy Baby“
5) „Blue Screen“
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

„Widow’s Walk“, „Potshot“, „Hugger Mugger“, „Potshot“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Kenneth Eisley ist ein geschiedener Börsenmakler in Paradise, Massachusetts. Er liebt es, jeden Morgen mit seinem ungarischen Hirtenhund Goldie den Strand entlangzujoggen. An diesem Dienstag kommt er nicht weit: Zwei Kugeln zerfetzen sein Herz. Goldie kehrt allein und verwirrt zu ihrem nun verlassenen Zuhause zurück. Sheriff Jesse Stone und sein Team stellen fest, dass die zwei Kugeln beide aus je einer 22er-Pistole stammen und fast gleichzeitig abgefeuert wurden, fast die gleiche Stelle trafen und es sich folglich entweder um zwei Killer mit gleichen Waffen oder um einen – sehr seltsamen – Killer mit zwei Pistolen handeln muss. Würde nicht eine Pistole reichen?

Als die Mutter der Schülerin Candace Pennington in sein Büro tritt und behauptet, Candace sei vergewaltigt worden, setzt Jesse Stone eine recht merkwürdige Art von Ermittlung in Gang. Damit Candaces Name nicht durch den Dreck gezogen wird, soll niemand erfahren, dass drei bestimmte Jungs sie vergewaltigten und Fotos von ihr machten. Denn die Jungs drohten ihr, sie öffentlich bloßzustellen, sodass sie von ihrer Schule wegziehen müsste. Stone verspricht ihr, er werde sein Möglichstes um, damit sie bleiben könne. Seine Angestellten ermitteln undercover …

Barbara Carey wird in einer entlegenen Ecke des riesigen Parkplatzes des lokalen Einkaufszentrums von Paradise aufgefunden. Zwei Kugeln haben ihre Brust zerfetzt. Genau wie bei Kenneth Eisley. Wieder ist das Motiv völlig unklar, und es gibt keinen bekannten Zusammenhang zwischen ihr und Eisley. Stone hat eine Ahnung und lässt die Nummernschilder aller Autos im nahen Umkreis notieren.

Garfield Kennedy erwischen die Killer als Nächsten. Zwei Skateboardjungs finden seine Leiche im Gestrüpp hinter der Kirche. Auch hier fällt Stone der genau ausgekundschaftete Tatort auf: Die Tat erfolgte, bevor die Parkplatzleuchten eingeschaltet wurden, die Entdeckung danach. Und ein roter Saab verschwand genau in diesem kurzen Zeitraum.

Jesse Stone lässt Bo Marino als Ersten der drei Gang-Vergewaltiger festnehmen, wegen Besitzes verbotener Substanzen, Widerstand gegen die Staatsgewalt und wegen Besitzes von Pornographie: vier Fotos der vergewaltigten Candace Pennington. Darauf ist das Gesicht von Kevin Feeney deutlich zu erkennen. Bo Marinos Vater ist die Angelegenheit der Anwältin Abby Taylor, die Stone seit seiner Ankunft in Paradise kennt und die seine Freundin war. Und als Bo eine Nacht in der Zelle verbringen muss, wirft Marino Abby einfach raus. Stone lädt sie zu einem gemütlichen Abendessen mit abschließendem Schäferstündchen ein. Dann knöpft er sich Kevin Feeney vor. Der verpfeift die beiden anderen, wenn auch unter Tränen.

Die beiden Killer sind auf der Suche nach ihrem nächsten Kandidaten und kurven in ihrem roten Saab durch das wohlhabende Städtchen. Diesmal soll es eine Frau sein, wegen des Ausgleichs: zwei Männer, zwei Frauen. Wunderbar. Das wird ihnen wieder einen ordentlichen Kick verschaffen. Er filmt mit der Videokamera Kandidatinnen. Da! Eine fein gekleidete Frau mit Aktentasche und einem Handy am Ohr. Perfekt. Es ist Abby Taylor …

_Mein Eindruck_

Dies ist der mittlerweile vierte „Jesse Stone“-Krimi von Veteran Parker und wahrscheinlich einer der besten. Im Vergleich zum ersten, „Night Passage“, gibt es hier kaum noch irgendwelche Landschafts- und Stimmungsbeschreibungen, außer einer einzigen, die ein ganzes, kurzes Kapitel ausmacht. Ansonsten besteht das Buch zu 95 Prozent aus Dialogen. Die Erwartung erfüllt sich, dass das Buch deshalb sehr leicht und flott zu lesen ist. Aber man sollte nicht dem Irrtum unterliegen, dass die Dialoge deshalb Fliegengewichte wären. Ganz im Gegenteil.

Parker hat die Kunst perfektioniert, seinen eigenbrötlerischen, einsilbigen Kleinstadtsheriff mit den wenigen Worten, die Stone aus Höflichkeit äußert, viel sagen zu lassen. Die Damen – und das sind wirklich nicht wenige – wissen es mit Fassung zu tragen. Auch sie müssen, wie wir, zwischen den Zeilen der Dialoge lesen. Was sagt Stone denn wirklich, wenn er so einsilbig ist? Meist legt er sich nicht fest. Das kann nerven, aber die Damen in seinem Bett müssen es ertragen, denn es ist Stones Art, höflich zu ihnen zu sein.

|Liebes-Händel|

Als daher Staatsanwältin Rita Fiore ihren beträchtlichen erotischen Charme auf Stone spielen lässt, ist er, da kein Kostverächter, der Letzte, der sie von der Bettkante schubsen würde. Andererseits ist da noch seine Exfrau Jenn, die in Boston arbeitet (sie ist ihm im Laufe der Jahre aus L. A. gefolgt). Und er würde Rita sagen, dass er immer noch auf die Liebe zu Jenn hofft. Was soll eine Frau wie Rita tun? Es gibt ja schließlich noch andere Kerle. Und Jesses Freundin Marcy hat sich längst mit seiner Art abgefunden. Abby ist ein Versöhnungsfick – nur Jenn allein zählt. Ist das wahre Liebe? Vermutlich. Polizistenliebe.

|Erholung|

Stone hat mittlerweile sein schweres Alkoholproblem überwunden, zum nicht geringen Staunen zahlreicher Besucher. Es war der Grund für seine Kündigung des Polizeidienstes beim LAPD (Mordkommission) und – nach der Scheidung – für seinen Weggang aus L. A. (Wie es zu dieser Entwicklung kam, erzählt Parker in „Night Passage“, das man deshalb als ersten „Stone“-Roman lesen sollte.) Allabendliche Anrufe von Jenn sowie Therapiestunden beim Psychotherapeuten Dix (im Film gespielt von Hitchcock-Veteran William Devane) könnte dazu beigetragen haben, dass Stone trocken geworden ist.

|Die Killer|

Umso besser, denn diesmal braucht er nicht nur gute Nerven, sondern auch psychologisches Gespür: Er hat für die Serienmorde weder ein Motiv noch irgendwelche Beweise, selbst wenn ihm sein Riecher sagt, dass es die beiden Yuppies Anthony und Brianna Lincoln (falls das ihr richtiger Name ist) waren. Und wie kann er sie überführen? Es gibt nur eine Methode: Man muss sie in die Falle locken. Allerdings klappt das nur dann, wenn sie sich selbst für schlauer halten, als er erscheint. Also spielt Stone in einer unnachahmlichen Weise den Dorftrottel im Sheriffstuhl, der den lieben langen Tag eigentlich nur Strafzettel verteilt. Ob sie sich hereinlegen lassen, soll hier nicht verraten werden.

|Zwei Seiten|

Die Krimis zeigen Stone immer von zwei Seiten. Während er wirklich ein abgebrühter Cop aus Los Angeles ist, der nur nicht genug Leute hat, ist er auf der anderen Seite gegenüber den Bürgern seiner Stadt ein geradezu zärtlicher Übervater. Aber ein Vater. Und ein Vater muss auch mal Strenge zeigen, um gewissen Leuten wie den drei Oberschüler-Serienvergewaltigern und ihren Eltern zu zeigen, was moralisch vertretbar ist und was nicht. Es ist eine Farce, wenn die Anwälte der drei Familien und der Stadt ausbaldowern, wie die Strafe für die Vergewaltiger aussehen soll. Durch seine Verbindung mit Rita Fiore setzt sich Stone liebes-diplomatisch durch: Er ist es am Ende, bei dem sie ihre Strafe ableisten müssen.

|Unterschiede zur TV-Fassung|

Wer erwartet, dass das TV-Skript sich sklavisch an die Romanvorlage hält, liegt völlig daneben. Sicher, man kann nicht viel an den Killern und den Morden ändern, aber doch ziemlich viel darum herum. Ein TV-Krimi ist die dramaturgische Kunst der Verdichtung emotionaler Wirkungen, v. a. hinsichtlich Spannung. Deshalb wurde der Schluss komplett neu geschrieben.

Was sich im Buch ziemlich lang hinzieht und in Toronto endet, findet deshalb in der TV-Fassung seine lokal inszenierte Zuspitzung des Falles. Was in Toronto an hässlichem Verhalten seitens Stone gezeigt wird, findet in der TV-Fassung nicht statt: Hier verteidigt er sich in Notwehr. Dort, im Roman, greift er selbst an. Ich muss ehrlich zugeben, dass mir die TV-Version wesentlich besser gefallen hat; hierbei hat Stone alle moralischen Argumente auf seiner Seite.

|Englischniveau|

Die Englischkenntnisse, die für das Verständnis dieses „Stone“-Krimis – das trifft für andere möglicherweise nicht zu – nötig sind, sind die eines Realschülers. Mithin ist der Text also nicht sehr anspruchsvoll. Aber es ist ein Pluspunkt, wenn man Kenntnisse der amerikanischen Gesellschaft und Kultur aus eigener Anschauung mitbringt – und nicht etwa den Pseudodoku-Unsinn aus dem Fernsehen.

_Unterm Strich_

Es gibt nicht viele Krimihelden, von denen man sagen kann, dass sie wirklich sinnlich veranlagt sind, aber Jesse Stone ist so einer. Ein weiterer Unterschied zum TV-Helden, der von Tom Selleck verkörpert wird. Herrje, im Buch ist Stone ja erst Mitte, Ende dreißig und nicht etwa Mitte fünfzig wie Selleck. Trotz seiner zahlreichen Affären kommt Stone doch noch zu ordentlicher Polizeiarbeit, und diesmal fordert eine Mordserie seine – beinahe ungeteilte – Aufmerksamkeit.

Es hat actionreichere Ermittlungen gegeben und wesentlich spannendere Kriminalszenen, aber selten welche, die so ironisch erzählt wurden. Wenn Jesse den Dorfdeppen markiert, um die Verdächtigen in Sicherheit zu wiegen, dann hat man was zum Schmunzeln. Doch wie stets ist es auch angeraten, zwischen den Zeilen zu lesen. Die Dialoge sind trügerisch einfach, drehen sich aber nicht selten um grundlegende Bedingungen der menschlichen Existenz, z. B. um das Zusammenbleiben von Paaren. Was ist dafür nötig? Beispielsweise ein Bindungsritual in Form von gemeinsam begangenen Morden.

Wenn man diesen Roman gelesen hat, bedauert man umso mehr, dass der Autor im Januar 2010 endgültig den Computer abgestellt hat.

|Taschenbuch: 304 Seiten
ISBN-13: 978-1842431160|
[www.noexit.co.uk]http://www.noexit.co.uk

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066

Deaver, Jeffery – Nachtschrei

Jeffery Deaver ist ein Garant für spannende Unterhaltung. Mit seinem Figuren Lincoln Rhyme und Kathryn Dance, die jeweils zwei Reihen fortführen, zaubert er spannende und psychologisch ausgereifte Thriller, die immer wieder auf den Bestsellerlisten in den obersten Rängen auftauchen.

In seinem kürzlich bei |Blanvalet| erschienen Roman „Nachtschrei“ entführt uns der Autor in ein Katz-und-Maus-Spiel, und das in den dunkelsten Wäldern eines Nationalparks in Wisconsin. Diesmal allerdings betritt eine neue Heldin die Bühne, und auch mit dieser Protagonistin beweist der Autor durchaus seine Wandlungsfähigkeit.

_Inhalt_

In Wald von Lake Mondac herrscht völlige und harmonische Stille, weitab von der zivilisierten und chaotischen Welt einer Großstadt. Emma Feldmann und ihr Mann Steven entspannten sich hier in ihrem Ferienhaus, das inmitten des Nationalparks liegt, als ihre beider Leben durch wenige Schüsse ausgelöscht werden. Stevens letzte Tat ist es allerdings, einen Notruf abzusetzen, der auch die nächstgelegene Polizeistation erreicht. Doch der Park ist so weitläufig, die Besetzung der Station so erbärmlich, dass der Sheriff des dortigen Distrikts sich dazu entschließt, seine Kollegin Deputy Brynn McKenzie zu aktivieren, die eigentlich schon ihren dienstfreien Abend genießt.

Als Brynn wenig später den mutmaßlichen Tatort betritt, kann sie nur noch den gewaltsamen Tod des Ehepaars feststellen. Doch noch am Schauplatz des Doppelmordes gerät die junge Beamtin in tödliche Gefahr. Die beiden Killer sind noch auf dem Grundstück und Brynn folgt ihren Instinkten und ihren auf Seminare und Schulungen erlernten Fertigkeiten. In einem kurzen Schusswechsel reagiert die Polizistin kühl und beherrscht und kann zunächst fliehen. Doch diese Flucht endet mit einem zerschossenen Auto im anliegenden See. Sie verliert ihre Waffe und ist zudem noch leicht verletzt, als sie eine verängstigte Zeugin trifft. Michelle, eine Freundin von Emma und Steven, konnte aus dem Haus fliehen, und zusammen versuchen sie, den Killern in den umliegenden dichten Wald zu entkommen.

Brynn McKenzie, die ihre Vorteile in ihrem Wissen rund um die Geographie des Parks sieht, handelt, wie sie es in verschiedenen Überlebenstrainings und taktischen Schulungen erlernt hat. Doch all diese Theorie ist nicht vergleichbar mit der tödlichen Praxis, in der sich die beiden jungen Frauen befinden. Ihre Jäger sind Profis, Killer, die nicht locker lassen werden, um lästige Zeugen zu beseitigen. Besonders Terry Hart, einer der Berufsverbrecher, reagiert völlig anders, als Brynn es erwartet. Aber auch Hart wird schnell klar, dass Brynn clever und durchdacht ihre Chance auf ein Überleben nicht ohne Weiteres aufgibt.

Als Brynn und Michelle auf ein Wohnmobil stoßen, glauben sie in Sicherheit zu sein, doch die vermeintlichen Retter nutzen die Einsamkeit des Nationalparks für die Herstellung von Drogen. Vom Regen in die Traufe geraten, müssen die beiden Frauen nun an mehreren Fronten um ihr Leben kämpfen, denn die Killer haben die Dealer auch gefunden … Schreie gellen durch die Nacht …

_Kritik_

Der Titel des Romans „Nachtschrei“ weckt schon eine gewisse Erwartungshaltung bei den Lesern, zumal sich Jeffery Deaver in der höchsten Liga unter den Erstplatzierten im Genre „Thriller“ tummelt.

Neben der Spannung in „Nachtschrei“, die wirklich nicht wenig präsent ist, beschreibt der Autor das Duell des Quartetts – Killer und Polizisten plus naive Schönheit – äußerst packend. Neben viel Action und immer wieder diversen Vorsprüngen der Kontrahenten, messen sich Brynn McKenzie und Terry Hart immer wieder in einem intellektuellen Wettkampf. Der Preis ist das Überleben, denn auch das Scheitern der Killer würde Konsequenzen nach sich ziehen.

Doch auch die beiden Duos unterscheiden sich in ihrem Auftreten. Michelle wird hier beschrieben als die verzogene Millionärsgattin, die mit der rauen Wildnis nichts gemein hat, während Brynn praktisch die Führung übernimmt. Bei den Killern ist es ähnlich: Terry Hart, ein Profi, in seinen Kreisen auch als der „Handwerker“ bekannt, ist weltmännisch, gebildet und kann auch Mitgefühl zeigen, doch alles zu seiner Zeit. Sein Kompagnon „Comp“ ist eher ein kleines Licht, zwar brutal und rücksichtslos, aber in den Händen von Hart sehr manipulierbar, ein Bauernopfer, ein Statist, nicht mehr als ein Helfer für die Drecksarbeit – oder doch mehr?

Jeffery Deaver wechselt nicht nur die Perspektiven seiner Protagonisten, vielmehr spielt er dabei sein Blatt nicht voll aus. Hier wird getrickst, geblufft und betrogen, und immer wieder landen nicht nur seine Figuren auf dem Holzweg. Als Nebenfiguren und Nebenhandlungen werden mit dem Ehemann von Brynn private Probleme der beiden Eheleute thematisiert, und auch hier taucht der „Trickser“ wieder auf.

Okay, ein Katz-und-Maus-Spiel ist im Genre „Thriller“ keine nicht wirklich neue und originelle Idee, aber auf die Umsetzung kommt es an. Die Atmosphäre ist packend und mit Überraschungen und Wendungen wird hier nicht gespart. Selbst der Killer Terry Hart kommt nicht unsympathisch um die Ecke, seine Dialoge mit Brynn sind durchaus fesselnd und Deaver zeigt dem Leser auf, dass Verbrechen aus Leidenschaft, wie auch immer diese aussieht, geschehen, und nicht das Geld als primäre Motivation dient.

_Fazit_

Perfekte Unterhaltung – ein Duell zwischen Gegnern, die sich durchaus sympathisch sein könnten. Action und Spannung, überraschende Wendungen und ein Ende, das überzeugend nachhallt.

„Nachtschrei“ aus Jeffery Deavers Feder ist ein ganz starker Roman und psychologisch gesehen einer der interessantesten, die ich in diesem Jahr gelesen habe.

|Taschenbuchn: 512 Seiten
Originaltitel: The Bodies Left Behind
ISBN-13: 978-3442374717|
[www.randomhouse.de/blanvalet]http://www.randomhouse.de/blanvalet

_Jeffery Deaver bei |Buchwurm.info|:_

[„Der Täuscher“ 5612
[„Das Teufelsspiel“ 2272
[„Der faule Henker“ 602
[„Das Gesicht des Drachen“ 608
[„Der Insektensammler“ 1449
[„Tod eines Pornostars“ 2177
[„Lautloses Duell“ 1631
[„Die Saat des Bösen“ 1191
[„Allwissend“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6139