Eric Berg – Rote Sonne. Mord auf Fuerteventura (Flaco Lonzano 02)

Champagnerkrimi, Agententhriller und Insel-Romanze in einem

Unter der strahlenden Sonne Fuerteventuras wird die Jubiläumsfeier eines Hotels zum Schauplatz eines Verbrechens. Fabio „Flaco“ Lozano, einst angesehener Kriminalinspektor und nun Sicherheitsbeamter, wird Zeuge, wie eine Frau zu Boden sinkt und stirbt. Flaco zweifelt sofort an einem natürlichen Tod – und tatsächlich: Im Champagnerglas der Verstorbenen findet sich das tödliche Gift eines Kugelfischs.

Obwohl er längst nicht mehr bei der Polizei arbeitet, ermittelt er auf eigene Faust. Als ein weiterer Giftanschlag verübt wird, ahnt er nicht, wie weitreichend die Folgen für ihn sein werden … (Verlagsinfo)

Der Autor

Eric Berg zählt seit vielen Jahren zu den erfolgreichsten deutschen Autor*innen. Seit seinem spektakulären Krimidebüt »Das Nebelhaus«, das es auf Anhieb auf die SPIEGEL-Bestsellerliste geschafft hat und fürs Fernsehen verfilmt wurde, hat der Erfolgsautor über eine Million Kriminalromane im deutschsprachigen Raum verkauft und seine Leser*innen und Kritiker*innen immer aufs Neue begeistert. Neben seinen Ostsee-Krimis hat er mit »Roter Sand« und »Rote Sonne« das beliebteste Urlaubsziel der Deutschen zu seinem Schauplatz gemacht: die Kanarischen Inseln. (Verlagsinfo)

Doro Kagel Reihe

1) Das Nebelhaus
2) Die Mörderinsel
3) Die Toten von Fehmarn
4) Der Küstenpfad

Die Schattenbucht
Das Küstengrab
Die Sternjägerin
Das Schicksal der Blankenburgs
Und weitere.

Handlung

Unter der strahlenden Sonne der Kanareninsel Fuerteventura wird die Jubiläumsfeier eines Hotels zum Schauplatz eines Verbrechens. Es gehört ebenfalls Doña Esmeralda Reyes Beltran de la Cuesta, und wie auf Gran Canaria ist auch hier Doña Esmeraldas Sicherheitschef Fabio »Flaco« Lozano, einst angesehener Kriminalinspektor, bei der Arbeit. Wieder mal kommt er zu spät.

Er wird Zeuge, wie eine schöne Frau mittleren Alters zu Boden sinkt und stirbt. Flaco versucht, sie durch Massage und Beatmung am Leben zu erhalten, doch es ist vergeblich. Bei der Schweizer Millionärswitwe Constanza Federl handelt es sich um die Patentochter seiner Arbeitgeberin. Flaco zweifelt sofort an einem natürlichen Tod – und tatsächlich: Im zerbrochenen Champagnerglas der Verstorbenen findet sich das tödliche Gift eines Kugelfischs. Woher Flaco das wisse, wundert sich Carlos, ein guter Kollege von der Guardia Nacional. Na, weil er, Flaco, mit seinen Lippen die vergifteten Lippen der Sterbenden berührt habe…

Flacos Interesse richtet sich sofort auf Constanzas Begleiter und auf einen Mann, der aus der Partygesellschaft heraussticht: ein Privatdetektiv namens Hector Lopez. Flaco will von ihm wissen, wer ihn angeheuert hat, doch Hector gibt nichts preis. Doch von wem bekam Senora Federl ihren Schampus, fragt sich Flaco. Seine Chefin sagt ihm, dass ihr Großneffe Tadio und dessen Schwester als Kellner gedient hätten. Aber er, Flaco, soll es nicht wagen, die beiden zu verdächtigen!

Oder könnte etwa der ehemalige Militärdiktator und heutige Konsul Ngaba etwas damit zu tun haben? Der wird nicht nur von drei Ehefrauen, sondern auch von Leibwächtern begleitet. Ein Augenzeuge hat beobachtet, wie sich Constanza vor dem Anschlag mit einem von Ngabas Begleitern gestritten hat. Flaco heftet sich an Ngabas Leute, die gleich nach der Obduktion Constanzas Tochter Genevra abholen.

Eine Festung

Als Flaco sich an deren Fersen heftet, führt ihn der Weg zu einem exklusiven Anwesen, das einer Festung gleicht. Ein Entkommen gibt es für ihn nicht mehr, denn Ngabas Leibwächter stoppen seinen Wagen. Das anschließende Gespräch mit dem ehemaligen Geheimdienst ist aufschlussreich: Er fürchtet, dass das Gift des Kugelfischs für ihn bestimmt war, und beauftragt Flaco seinerseits mit den Ermittlungen nach dem Täter, für einen beachtlichen Betrag.

Das Gespräch mit Genevra und ihrem frischgebackenen Verlobten, dem Konsulatssekretär Lionel Maroungou, ist sehr unergiebig: Die Millionenerbin ist ein Junkie und wirkt hysterisch, er verschlossen, als habe er etwas zu verbergen. Antworten liefern beide nicht. Flaco lässt sich nach Hause kutschieren, also ins Hotel.

Von Constanzas bester Freundin – oder Geliebten – , der Boxerin Elvira, erfährt er, dass Constanza gegen die Verbindung ihrer Tochter mit Maroungou war. Sie stritt sich noch kurz vor ihrem Tod mit ihm. Wahrscheinlich ging es um das Erbe, immerhin ein stattliches Sümmchen von 70 Millionen Euro. Und das könnte der Botschafter gut für gewisse Pläne gebrauchen, vermutet Flaco.

Die Verlobungsfeier

Doña Esmeralda erhält eine Einladung von Ngaba zur Verlobungsfeier von Genevra mit Maroungou. Natürlich soll die Feier in der „Festung“ stattfinden, und natürlich bringt es Flaco nicht übers Herz, seine Chefin allein dorthin fahren zu lassen. Bevor die Feier startet, stattet Flaco einer Zeugin des Vorabends einen Besuch ab: Stella Zavaletas ist eine erfahrene Afrikakennerin und, wie Flaco erstaunt erfährt, die Adoptivmutter von Lionel Maroungou. Sie hatte den Jungen seinerzeit aus einem Bürgerkriegsgebiet gerettet. Er schaffte es bis auf die Uni Oxford, ist also bestens gebildet. Schade, dass er von seiner Adoptivmutter nichts mehr wissen will. Stellas Mann ist César, ein früherer Radfahrer, der von Demenz bedroht wird. Auch der habe etwas auf der tödlichen Party gesehen…

Die Verlobungsfeier wird noch wichtiger, weil sowohl Carlos von der Policia Nacional als auch dieser mysteriöse Hector Lopez Flaco um einen Gefallen bitten, der ihnen hilft, die strengen Sicherheitsvorkehrungen zu überwinden. Dafür verlangt Flaco aber auch einiges in Retour.

Ein ereignisreicher Abend

Alle rund dreißig Gäste haben Geschenke für das Verlobtenpaar mitgebracht, die auf bestimmten Tischen ablegen. Die Gäste werden von Ngabas Hofstaat beäugt, also dem Leibwächter Kassai, den drei Gattinnen und schließlich dem Barkeeper. Dieser ist der gleiche wie auf der Party im Hotel, was Flaco Anlass zu Sorge gibt. Ngaba, der dicke Ex-Diktator, nimmt Flaco beiseite, um allen zu zeigen, dass der Schnüffler etwas Besonderes sei.

Das mag Flaco beschützt haben, denn schon wenige Stunden später liegen sechs Menschen tot auf dem Boden, doch Flaco gehört nicht dazu. Er ist vielmehr betroffen darüber, wen der Sensenmann diesmal mitgenommen hat…

Mein Eindruck

Angesichts dieser hohen Opferzahl anerkennen Flaco, Carlos und Hector Lopez die Notwendigkeit zur Zusammenarbeit. Ein paar Geheimnisse werden, aber bei weitem nicht genug. Die Serie der Verbrechen fordern ein weiteres Todesopfer, und um ein Haar geht auch Carlos‘ Assistent, der frisch von der Polizeiakademie kam, drauf.

Was Flaco einfach nicht einleuchtet, ist der Zufallsfaktor, der vom Täter offenbar bewusst in Kauf genommen worden ist. Das Gift hätte auf der Verlobungsfeier praktisch jeden treffen können, auch den Täter selbst. Ist dies vielleicht ein Vabanque-Spiel für jemanden, der nichts mehr zu verlieren hat?

Flaco ist ein wenig von der Tatsache abgelenkt, dass die verblichene Doña Esmeralda ihn mit einem Drittel ihres Besitzes (nach Abzug anderer Zuwendungen) bedacht hat. Jetzt ist er nicht nur Sicherheitschef, sondern auch noch Hotelbesitzer. Nicht, dass ihm dies viele Sympathien einbringen würde. Tadio, der Großneffe der Chefin, hasst ihn genauso wie seine Eltern, Don Hugo und Doña Rosaria, die offenbar auf Deal aus sind, um Flacos Drittel an sich zu reißen. Aber haben sie deswegen sechs Menschen auf dem Gewissen, zweifelt Flaco. Nein, die Sache ist weitaus komplizierter. Mehr darf nicht verraten werden.

Das Wetter

Das Wetter auf Fuerteventura, das zum größten Teil die Handlung beherrscht, gibt es vermutlich nur auf den Kanarischen Inseln. Normalerweise herrschen hier die frischen, kühlen Passatwinde, die von den Seglern bevorzugt werden. Doch die meiste Zeit herrscht so ziemlich das Gegenteil. Die „calima“ genannte Luftströmung, die aus der nahen Sahara kommt, ist brütend heiß und färbt den Himmel gelb. Für rote Sonnenuntergänge ist ebenso gesorgt, doch ihre Farbe (siehe Buchtitel) kündet Unheil an.

So wird der Himmel zum Symbol des irdischen Geschehens. Lang muss Flaco auf die Lösung des Falls und besseres Wetter warten. Er selbst ist es, der in einem finalen Showdown des Rätsels Lösung und den Täter präsentiert, ganz in der Manier von literarischen Detektiven wie Hercule Poirot oder Nero Wolfe.

Textschwächen

Durchgehend ist eine Verwechslung von „sie“ und „Sie“, „ihnen“ und „Ihnen“ zu beobachten, aber das liegt wohl meist an einem entsprechenden Tippfehler. Außerdem hapert es mit der Groß- und Kleinschreibung.

S. 81: „Freundlichkeit zweier Gentleman“: Der Plural lautet „Gentlemen“.

S. 213: „Sie“ statt „sie“.

297: „Das Wort ‚unverschämt‘ klingt aus ihrem [statt „Ihrem“] Mund wie purer Hohn…“

S. 304: „hatte es drei Möglichkeiten für Ihren [statt „ihren“] kurz darauf eintretenden Tod gegeben…“

Unterm Strich

Ich habe für diesen zweiten Flaco-Krimi wesentlich länger gebraucht als für Nummer eins. Das liegt wohl daran, dass er völlig anders aufgebaut ist, es kaum Action gibt und die Lösung nach alter Vorbilder Manier erst im ausgewählten kreis präsentiert wird – natürlich von Flaco selbst. Carlos von der Nationalpolizei, eine Art BKA, und Hector Lopez von den Geheimniskrämern, stehen gerne zurück und sekundieren ihm, so dass sie nicht ihre Karten auf den Tisch legen müssen. Soll sich doch Flaco aus dem Fenster hängen. Andererseits sind sie ihm dankbar, dass er für sie die Kastanien aus dem Feuer geholt hat.

Beinahe ein Agententhriller

Im letzten Drittel nimmt der Krimi die Züge eines Agententhrillers an, sehr zu meinem Entzücken. Denn Ngabas Verbindungen in die alte Heimat sind ja nicht ohne Interesse für die spanischen Regierung, die gerne mit den aktuellen Machthabern einen Deal über den Abbau Seltener Erden abschließen würde. Da käme ein Putsch des Ex-Diktators wirklich ungelegen.

Die Frage lautet dann aber, warum Ngaba es zulässt, dass so viele Leute auf seinem eigenen Anwesen umgelegt werden, und zwar in scheinbar zufälliger Auswahl. Das würde ja alle möglichen weiteren Schnüffler – die des Geheimdienstes sind ja schon da – auf den Plan rufen. Etwas passt da nicht.

Die Agentengeschichte bringt Flaco, wie er bald erkennt, der Lösung keinen Deut näher. Denn wie gesagt ist der Faktor Zufall viel zu groß, um planvolles Vorgehen anzuzeigen. Daher sucht der Sicherheitsleiter das fehlende Motiv auf der persönlichen Ebene. Als es endlich auftaucht, kann er es kaum glauben. Und auch für den Leser ist die Überraschung perfekt.

Eine Prise Romantik

Für die weiblichen Leser bietet dieser Flaco-Krimi sehr viel mehr, was für sie interessant sein könnte: eine romantische Liebesgeschichte, eine Heilungsgeschichte und mindestens zwei HAMLET-würdige Monologe des nicht ganz so tragischen Helden. Die Dame seines Herzens? Coco, die Surferin, die mit ihrem Wagemut sein Herz erobert. Wen es zu erretten gilt, ist bestimmt nicht sie, sondern einer der Großneffen Doña Esmeraldas, der kurz davor ist, eine sehr kurze Drogenkarriere anzutreten. Kann Flaco ihn davor bewahren?

Taschenbuch: 318 Seiten
ISBN-13 ‏ : ‎ 9783809027683

Limes-Verlag

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