
Der Einstieg ist vielversprechend und zeigt den Autor zunächst in Bestform. Die Kriminalpsychologin Sophia erwacht auf dem Immenhof, neben sich die abgetrennte Hand ihres Ex-Freundes. Von den Ereignissen der vergangenen Nacht fehlt jede Erinnerung. Das Problem: Sie hatte tatsächlich vor, den Mann aus dem Weg zu räumen. Allerdings sah ihr Plan deutlich unspektakulärer aus. Mit K.-o.-Tropfen wollte sie ihn auf einen Stand-up-Paddling-Ausflug mitnehmen, wo er bewusstlos ins Wasser gesunken und ertrunken wäre. Stattdessen ist nun eine Hand verschwunden, und Sophia muss herausfinden, was wirklich geschehen ist und welche Rolle sie dabei gespielt haben könnte.
Ausgebremste Komik
Diese Ausgangssituation ist herrlich schräg und weckt sofort Neugier. Leider gelingt es dem Roman nicht, das Tempo und die Komik der ersten Kapitel konsequent aufrechtzuerhalten. Statt die Handlung rasch voranzutreiben, widmet sich Dusse zunächst ausführlich Sophias Lebensgeschichte. Er erzählt von ihrer Kindheit, ihrer ersten Ehe, ihren Töchtern, dem Kennenlernen ihres Ex-Freundes und den Gründen für ihre Mordgedanken. All das ist durchaus interessant und trägt zur Charakterzeichnung bei, bremst die eigentliche Geschichte aber spürbar aus. Gerade nach dem spektakulären Auftakt wartet man etwas ungeduldig darauf, dass die Ermittlungen endlich Fahrt aufnehmen.
Auch die spätere Rekonstruktion der Tatnacht überzeugt nur bedingt. Besonders auffällig ist eine Passage, in der Sophia mithilfe von Infrarotaufnahmen einer Drohne die Geschehnisse weitgehend entschlüsselt. Der Leser erhält dadurch bereits ein recht klares Bild davon, was passiert sein muss. Umso ermüdender ist es, dass Dusse den Ablauf anschließend noch einmal ausführlich schildert und dabei viele Informationen wiederholt. Der Roman leidet hier an einer gewissen Redundanz, die unnötig Spannung kostet.
Natürlich gibt es weiterhin zahlreiche kuriose Einfälle und absurde Situationen. Dusse beherrscht das Spiel mit der Groteske nach wie vor. Dennoch fehlt dem Buch vieles von dem Charme, der die Abenteuer von Björn Diemel so unverwechselbar macht. Die Figuren wirken weniger exzentrisch, die Dialoge weniger pointiert und der Wortwitz deutlich zurückhaltender. Immer wieder blitzt zwar das vertraute Dusse-Gefühl auf, doch die ganz großen Lacher bleiben selten.
Hinzu kommt, dass der Roman erkennbar auf Leserinnen und Leser zielt, die mit den Immenhof-Filmen und ihrer besonderen Faszination vertraut sind. Wer mit Dick und Dalli aufgewachsen ist, wird zahlreiche Anspielungen mit Vergnügen entdecken und nostalgische Momente genießen. Ohne diese Vorkenntnisse verliert die Geschichte einen Teil ihres Reizes.
Kurzweilige Lektüre mit Schwächen
Trotz dieser Schwächen habe ich das Buch gern gelesen und in kurzer Zeit verschlungen. Dusse ist auch hier ein routinierter Erzähler, der seine Leser mühelos durch die Handlung trägt. Die originelle Grundidee und die sympathische Hauptfigur sorgen dafür, dass die Lektüre durchgehend unterhaltsam bleibt. Wer allerdings auf ein neues „Achtsam morden“ hofft, wird wohl enttäuscht. Dafür fehlt es dem Roman an Tempo, Biss und vor allem an jenem unverwechselbaren Humor, der Björn Diemel (und Sascha!) zu einer der originellsten Figuren der deutschsprachigen Unterhaltungsliteratur gemacht hat.
Fazit: Ein kurzweiliger und origineller Kriminalroman mit einem großartigen Auftakt und viel Immenhof-Nostalgie, der jedoch nicht die Wucht, den Witz und die erzählerische Präzision der „Achtsam morden“-Reihe erreicht. Für Dusse-Fans dennoch lesenswert, auch wenn die Messlatte dieses Mal etwas zu hoch hing.
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
ISBN-13: 978-3453274549
Heyne Verlag
Der Autor vergibt: 


